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Hamburger Abendblatt
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van Marwijk

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Dieter Matz

Das wird ja lustig! Ohne Stürmer hat Deutschland wahrscheinlich noch keine Weltmeisterschaft gespielt, aber öfter mal was Neues! Nach dem Kick gegen Kamerun habe ich meine ohnehin schon geringen Hoffnungen auf eine erfolgreiche deutsche WM noch einmal ganz gewaltig zurückgeschraubt. Im Grunde genommen schon so weit, dass ich mir sage: Deutschland spielt bei dieser WM in Brasilien genau jene Rolle, die der HSV in der abgelaufenen Bundesliga-Saison für sich in Anspruch genommen hat. Mir graust vor diesem Turnier – mit einem Miroslav Klose als Spitze, der es im Rücken, in den Waden, in den Knöcheln, in den Knie und bestimmt auch in der Brust hat – aber mit darf. Unfassbar, aber wahr. Wie und was soll das werden? Jede andere Mannschaft, die dort in Südamerika aufdribbelt, kommt mit einem Angriff, sogar Kamerun, das bestimmt keine Chance auf den WM-Titel haben wird, hat einen erstklassigen Sturm – und Deutschland hat nicht mal ein laues Lüftchen. Aber vielleicht wird Kevin Großkreutz ja doch noch ein weiteres Mal umfunktioniert, man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.

Gedacht habe ich gestern oft an Pierre-Michel Lasogga. Wie leicht wäre es für ihn gewesen, mit nach Brasilien zu fliegen – wenn er fit gewesen wäre. Dann wäre er wohl Deutschlands Sturm-Hoffnung gewesen. Ja, ja, ich weiß, hätte, wenn und aber.

Nach diesem Länderspiel in Mönchengladbach schrieb mir mein alter Freund und Wegbegleiter (in der Jugend) Rolf Höfert aus Bern in der Schweiz. Okay, den meisten wird der Name Höfert aus zweierlei Gründen nichts sagen: Erstens ist er ein „alter Sack“ wie ich, wir haben uns in derselben Altersklasse duelliert (er bei Paloma, ich bei BU) – und dann, das ist jetzt zweitens, wurde er Fußball-Profi beim FC St. Pauli und dort sogar Erstliga-Spieler und lange Jahre Kapitän. Wenn Höfert heute auf Heimatbesuch ist, dann ist er immer auch im Volkspark – um ein HSV-Spiel live zu sehen. Er ist „Matz-abber“ geworden, hat mit dem HSV im Abstiegskampf gelitten, weil er ja Hamburger ist. Und als Hamburg hält man es auch als St.-Pauli-Spieler gelegentlich mit dem HSV – er öfter als gelegentlich. Eben ein Vollblut-Fußballer.

Ja, und heute schrieb mir Rolf Höfert, ob Fußball-Deutschland da nicht einst einen großen Fehler begangen hat, als er Eric-Maxim Choupo-Moting, immerhin auch ein Hamburger (!), damals nach Kamerun ziehen ließ, statt ihn hier „einzudeutschen“. Um ehrlich zu sein, ist Choupo-Moting nur ein weiterer (ehemaliger) HSV-Spieler, bei dem ich mich – fast schon dramatisch – getäuscht habe. Niemals hätte ich geglaubt, dass der junge Mann aus Altona eines Tages neben dem großen Eto’o Seite an Seite für Kamerun stürmen würde – aber er stürmt. Und wie! Er wird immer besser, der „Choupo“, und ich sage Chapeau! Aber hallo.

Der Noch-Mainzer hat enorm dazugelernt, das muss man ihm schon attestieren. Und er ist zudem ein sehr guter Athlet geworden, muskulär und rank und schlank, aus der Entfernung würde ich sage: „Da stimmt alles.“ Weil er ja nicht nur Tore schießt, sondern auch dribbeln kann, und weil er Ideen hat im Spiel. So war er früher doch nicht, oder? Vielleicht musste er nach Mainz, vielleicht wäre sein Stern in Hamburg und beim HSV sonst niemals aufgegangen. Wer weiß es schon? Der Wechsel hat ihm auf jeden Fall nicht nur gut getan, er hat davon enorm profitiert.

Und während des Spiels am Sonntag habe ich mich daran erinnert, dass „Choupo“ ja kürzlich noch einen Besuch im ZDF-Sportstudio hinter sich zu bringen hatte. Damals habe ich mir während des Interviews ganz leise gedacht: „Man, man, ganz schön selbstbewusst geworden, der junge Mann.“ Der nun ja auch eine internationale Karriere starten wird. Und „schuld“ daran hat laut „Choupo“ der ehemalige Trainer der Mainzer, Thomas Tuchel. „Er hat mir beigebracht, wie ich zu laufen habe – und wie viel. Er hat mir erklärt, dass es nicht langt, nur vorne zu laufen, sondern dass ich auch nach hinten zu laufen habe“, hat Eric-Maxim gesagt und fügte hinzu: „Kein Stürmer mag es, viel zu laufen, schon gar nicht viel nach hinten zu laufen. Das ist Drecksarbeit, die habe ich schon immer nicht gemocht. Tuchel aber hat es mir im harten Training beigebracht, dass ich das ersten erlerne, und dass ich es zweitens auch machen kann. Das war durchaus nicht leicht, aber heute kann ich es, heute weiß ich es auch, dass es dazugehört, und deswegen mache ich es heute auch gerne.“ Und weil er das heute gerne macht, ist Eric-Maxim Choupo-Moting auch zu einem der besten Bundesliga-Stürmer geworden. In Hamburg, das behaupte ich mal ganz frech, hätte das nie geklappt, weil sich da, ich wiederhole mich ungern, aber es muss sein, seit Jahr und Tag kein HSV-Trainer für zuständig fühlt, aus Talenten auch tatsächlich große Fußballer zu formen. Entweder es klappt von allein, oder sie fallen beim HSV mit Pauken und Trompeten durch. Eiskalt. Ende und weg mit ihm . . . „Choupo“ musste diesen Weg gehen, aber heute kann er dem HSV einen gewissen Finger zeigen – alles richtig gemacht. Kompliment.

Ob, und damit komme ich noch einmal zu Rolf Höfert, Fußball-Deutschland jemals eine Chance hatte – oder bekommen hätte, aus „Choupo“ einen deutschen Nationalspieler zu machen, das vermag ich nicht zu sagen, ich könnte mir aber auch vorstellen, dass damals kein einziger deutscher Funktionär drauf gekommen wäre. So spielt das Leben – im Profi-Fußball.

Es ist ein hartes Geschäft, trotz aller Vorzüge, wie zum Beispiel ein Millionen-Gehalt. Das weiß wahrscheinlich beim HSV derzeit keiner besser als Rafael van Vaart. Es ging ja auch in Hamburg für ihn auf und ab. In der „Bild“ hat er heute ja nach seinem WM-Aus ein Interview gegeben und dabei – unter anderem – gesagt, dass er „richtig Bock“ auf den HSV hat, dass er bleiben wird. Da bin ich mal gespannt, ob er das auch einhalten wird. Wenn aber ja, da freue ich mich auch auf ihn, das muss ich schon gestehen, denn ich erwarte ja von der „neuen“ HSV-Mannschaft, dass sie endlich wieder einmal das macht, was den Fußball auszeichnet: „Laufen, laufen, sprinten, spielen, kämpfen, Zweikämpfe annehmen, laufen, laufen und sprinten. Und dabei stets versuchen, Tore zu schießen, um nach 90 Minuten, in denen man auch bis zuletzt laufen, laufen, laufen und sprinten konnte, als Sieger den Platz zu verlassen. Ich habe das Gefühl, dass daran im Moment tatsächlich gebastelt wird. Dass die HSV-Verantwortlichen Leute holen werden und wollen (oder umgekehrt), die tatsächlich laufen, laufen und laufen wollen. So in der Art, wie es Eric-Maxim Choupo-Moting zuvor als „Drecksarbeit“ tituliert oder abgestempelt hat. Danach sehen ich mich ja, um es ehrlich zu sagen, aber ich weiß, dass ich damit nicht allein bin. Und auch Trainer Mirko Slomka hat da wohl eine gewisse Sehnsucht, die er nun ausleben will. Hoffentlich. Womit ich beim Saison-Rückblick Teil drei bin, mit dem Mittelfeld des HSV. Mein ganz, ganz großes Sorgenkind, das gestehe ich, für mich hat dieser Mannschaftsteil fast total versagt, sodass ich ihm eine Einheitsnote von einer glatten Sechs geben möchte. Hier die Spieler, die sich im HSV-Mittelfeld versuchten:

 

Tolgay Arslan verkündete, es war überall zu lesen und zu hören, ausgerechnet vor dem Rückrunden-Auftakt gegen Schalke 04, dass er einen deutlich höheren Vertrag vom HSV erwarte, weil er immerhin ein gutes Jahr gespielt hatte, und da wollte er schon eine „gewisse Wertschätzung“ von Seiten des Clubs erfahren. Und dann ging dieser Schuss so dermaßen nach hinten los, mehr ging ja gar nicht. Wir hatten später mal bei „Matz-ab-live“ zwei ehemalige Profis zu Gast, die unabhängig voneinander erklärten, dass ein solcher Spieler früher, der seinen Mund zu unangebracht voll nimmt, eine schlechte Woche für sich gehabt hätte: „Für den hätte es einen echten Spießrutenlauf gegeben, der hätte schon sehr hoch springen müssen, um nicht so oft getroffen zu werden . . .“ Beim HSV geschah aber nichts. Weder Trainer Bert van Marwijk reagierte, noch der Verein. Tolgay Arslan spielte gegen Schalke natürlich 90 Minuten mit – der HSV verlor 0:3, der steile Absturz nahm seinen Lauf.
Zu Arslans Entschuldigung möchte ich anführen, dass er auf der Sechs nicht auf dem Posten gespielt hat, den er vom Typ her spielen müsste. Und wenn man einen Spieler, der eher die Veranlagung für die Zehn hätte, als für die Sechs, dann dort hinten einsetzt, dann müsste es eine ganz spezielle Ansprache des Trainers geben. Wenn es nötig ist, sogar täglich und vor jedem Spiel ganz eindringlich. Dann hätte es vielleicht etwas werden können – aber es wurde nichts. Das war die schlechteste Spielzeit, die Tolgay Arslan hier beim HSV absolviert hat, das war eine glatte Sechs. Hoffentlich kann ihn Mirko Slomka noch einmal aufbauen, denn Fußball spielen, das könnte der „schönste Fußballer“ der Bundesliga auf jeden Fall, er muss nur jede Mal ganz kräftig in den Hintern getreten werden. Sonst wird das nichts mehr, dann wäre Galatarasay wirklich der bessere Weg für ihn.

 

Milan Badelj startete einst riesig beim HSV, um dann stetig nachzulassen. Im Moment ist er auf seinem Tiefpunkt angelangt. Keine WM-Teilnahme für Kroatien, das ist sicherlich ein Schlag ist Kontor für ihn. Aber ich kann Nationaltrainer Niko Kovac durchaus verstehen, denn richtig fit war Badelj zuletzt nie, richtig trainiert wahrscheinlich auch nicht. Diesbezüglich hoffe ich ebenfalls auf die neue Saison, unter dem Motte „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“. Er könnte es doch. Obwohl ich ihn auch eher nicht – oder nicht unbedingt – auf der Sechs sehe, er ist doch auch ein Spieler-Typ, der mit dem Ball nach vorne etwas anfangen könnte. Jemandem mit Härte auf die Füße zu treten, das ist er in meinen Augen (die natürlich nicht maßgeblich sind) nicht – wird es wohl auch nicht mehr. Zuletzt, da muss man nicht drum herumreden, war das Spiel von ihm ebenfalls eine glatte Sechs. Zu langsam, zu unkonzentriert, zu lasch. Was ich nur und ausschließlich darauf zurückführe, dass beim HSV genau so trainiert wurde.

 

Tomas Rincon versuchte sich mal auf der Sechs, mal als – man höre und staune (!) – „Rechtsaußen“. Letzteres bei Mirko Slomka. Zu einer solchen höchst ungewöhnlichen Maßnahme gehört sehr, sehr viel Vorstellungskraft, mir ist sie in diesem Fall total abhanden gekommen. „Popeye“ ist einer, der einem Gegenspieler auf die Füße treten kann, der dazwischenhauen kann, der sich einen Gegenspieler ganz gehörig zur Brust nehmen kann – aber rechts draußen? Nein, nein, das kann es nicht sein. Für mich wäre Rincon eine Sechs gewesen, wenn man ihm die Sache schmackhaft gemacht hätte – und ihm auch das Vertrauen ausgesprochen hätte, so aber war es nie, Rincon hat Hamburg verlassen – und bekommt von mir noch eine glatte Sechs mit auf den Weg. Das war gar nichts, in dieser schlechten Verfassung haben wir den Südamerikaner zuvor nie erlebt – auch das führe auch auf das einzigartige Trainingspensum, was es vor der Slomka-Ära gegeben hat. Wahnsinn, das alles.

 

Als sich Petr Jiracek – aus Wolfsburg kommend – für Hamburg entschieden hatte, da gehörte ich nicht zu einer Gattung, die die Nase rümpfte. Ich war mit einer wahren Vorfreude ausgestattet, hatte der Tscheche doch gerade eine super EM gespielt. Seit dieser Zeit jedoch kommt nichts. Null. Das zog sich auch durch die gerade abgelaufene Saison. Im Mittelfeld war zwar nichts von „Jira“ zu sehen, aber „hinten links“, als Ersatz für Marcell Jansen, da blühte er ein wenig auf. Kommt da noch was, oder kommt da jetzt doch nichts mehr? Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es bei ihm vielleicht nicht nur das mangelhafte Training, sondern auch eine großartige Ansprache ist, die ihn doch noch auf die Füße stellen könnte. Herr Slomka, übernehmen Sie – auch diesen Fall! Damit Sie aus einer glatten Note sechs eine bessere machen – zum Wohle des HSV.

 

Ja, dann ein weiteres Sorgenkind, Rafael van der Vaart. In dieser Saison war nichts von ihm zu sehen. Zu viele andere Sachen, die ihn ablenkten, die dem Beruf schwer schadeten. Schade, schade. Es ist viel gesagt und viel geschrieben worden über den „kleinen Engel“, ich fasse mich kurz. Sollte es den einen oder anderen Fußballer geben, der den HSV doch noch anlaufen will und wird, dann könnte van der Vaart vielleicht doch wieder die Lust an seinem Job wiederfinden. Aber nur dann. Bleibt er allein mit seinem großen Können (und das hat er natürlich immer noch), dann bleibt er auch ein total hoffnungsloser Fall. Für Hamburg jedenfalls. Und kommt zudem Ruhe in sein Privatleben, und danach sieht es ja wohl aus, dann könnte dieser Punkt durchaus ein unterstützender sein. Hoffen wir es mal – für ihn, für uns, für den HSV. Für das vergangene Jahr kassiert van der Vaart von mir ein glatte Fünf.

 

Für Kummer sorgt auch Hakan Calhanoglu, allerdings erst während der Relegation. Abhauen, die Flatter machen – so sein Ansinnen, nachdem er seinen Vertrag im Februar bis 2018 verlängert hatte. Das klingt alles höchst unlogisch, und das ist es sicherlich auch – aber der Bursche ist ja noch viel zu jung. Er wird geleitet, von außen, und da hört er heute so und morgen so. Wäre er heute bereits 30 Jahre alt, würde ich ihn zerreißen, so aber habe ich nur Mitleid. Er wird natürlich den HSV verlassen, es geht ja nur um das liebe und schnöde Geld, aber dann, wenn er erst in Leverkusen ist, dann ist der ganze Mann gefragt. So gut nämlich, wie er denkt, ist er noch nicht. Messi und Ronaldo als Vorbilder haben, ist das eine, so zu spielen und sich so reinzuhängen, das andere. Es fliegt niemandem etwas über Nacht zu, dazu muss geackert, geackert, geackert und gearbeitet werden, Tag und Nacht. Und ob der gute „Hacki“ dazu bereit ist? Da habe ich doch ganz leichte Zweifel. Vielleicht reichen ihm ja auch schon diese ersten und vielen Millionen, sind ja auch schon mal was. Und Messi und Ronaldo? Sollen die doch glücklich bleiben, muss ja nicht jeder so werden. Für die gerade beendete Saison, seine letzte beim HSV, erhält Calhanoglu von mir die Note vier.

 

Ein großer Hoffnungsträger bleibt Kerem Demirbay im HSV für mich. Der Pechvogel war zu lange verletzt, er wird noch kommen, ich bin davon überzeugt und hoffe, mich hier nicht (auch) zu irren. Und dann hoffe ich zudem, wenn der gute Kerem seinen Weg geht, dass Leverkusen nicht auch in diesem Fall gleich wieder mit den ganz dicken Scheinen wedelt. Weil Demirbay viel zu lange verletzt war, bleibt er ohne Benotung.

 

Als Trainings-Weltmeister geht Robert Tesche in die HSV-Geschichte ein, weil es auf dem „kleinen Rasen nebenan“ immer bestens für ihn lief, um dann im Stadion kaum etwas auf die Reihe zu bringen. Zu lethargisch, der Herr Tesche, da fehlen Wallungen im Blut. Jetzt wird er es woanders versuchen müssen – hier gab es für ihn nur die Note sechs.

 

Wie Tesche gehörte auch Gojko Kacar zu den „Verbannten“ des HSV. Immer noch Horror und Wahnsinn zugleich, dass sich Trainer und Club einen solchen Luxus erlaubten, obwohl es stetig bergab ging. Kacar war zu Saisonbeginn zur Zweiten abgeschoben, dribbelte dort in einer solch schlimmen Verfassung auf, dass man von einem Freizeit-Fußballer sprechen konnte. Die vielen Pfunde hatte er dann schnell wieder runter, aber er blieb außen vor. Unglaublich, immer wieder unglaublich, denn eigentlich hätte es Kacar drauf gehabt. Als Innenverteidiger jedenfalls. Aber das wollte er ja nicht – im Hinblick auf die Nationalmannschaft. Doch die hat er deswegen auch nie wieder gesehen – schade um sein Talent, er hat es verschenkt. Note sechs.

 

Valmir Nafiu war dabei, aber nie wirklich mittendrin. Gewogen und für zu leicht befunden, da kam nie wirklich etwas. Note sechs. Und nun bin ich gespannt, wo er demnächst ganz groß herauskommen wird – in der Art wie Eric-Maxim Choupo-Moting? Irgendeiner beim HSV muss sich ja mal was mit dieser hoffnungsvollen Verpflichtung gedacht haben – oder waren es doch ganz andere Motive?

 

Quasim Bouy war die „Erfindung“ von Bert van Marwijk, er kam nach Hamburg und wusste bestimmt nie, was er hier sollte. Vielleicht das größte Missverständnis der HSV-Geschichte, die Note, die Bouy hier verdient hätte, die gibt es eigentlich nicht – deswegen nur Note sechs!

 

Ola John, auch ein Van-Marwijk-Jünger, zog zu Beginn des Jahres in seinem ersten Einsatz für den HSV, es war ein Testspiel (oder Ablösespiel für Thorsten Fink) gegen Basel, groß auf. Das ist ja ein Kracher – so dachte ich, so dachten wohl auch viele, und dann dieser unglaubliche Rohrkrepierer. Auch er unfassbar, auch er nie wirklich in Hamburg angekommen, auch er hätte eine Note verdient, die es so nicht gibt – deswegen bleibt nur eine glatte Sechs übrig. Und tschüs und weg.

 

So, das war das Mittelfeld. Alle anderen HSV-Spieler, die nun noch nicht „abgefrühstückt“ wurden, die erscheinen morgen beim Angriff.

 

PS: Gerade bekomme ich noch diese Mail:

Die HSV-Mitgliederversammlung hat uns bis heute 80.502 Videoabrufe beschert. Hinzu kommen 7.075 Videoabrufe auf Youtube.

 

Das ist eine Meldung von unserem „großen Regisseur“ (es gibt auch einen „kleinen“) Axel Leonhard, der sich am 25. Mai 2014 selbst übertroffen hat, denn es gab nur von ihm, ohne Hilfe im Stadion, neun Filmchen von der Mitgliederversammlung. Und weil diese Nachricht so schön ist, stelle ich diese Videos noch einmal rein – kann ja sein, dass sie einer von Euch noch nicht kennt. Das wäre jammerschade.


HIER GEHT‘S ZUM TICKER FÜR SMARTPHONES

 

18.18 Uhr

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Lars Pegelow

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Aktualisierte Meldungen ganz unten (DFB-Pokal, Lasogga, Doll)
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Mit unserer Serie über die Beurteilung einzelner Mannschaftsteile wollen wir heute mal einen Tag aussetzen. Dieter macht dann morgen weiter mit dem Mittelfeld. Genau eine Woche nach der geschichtsträchtigen Vereins-Versammlung in der Arena und eine Woche nach der faktischen AG-Gründung heute nun einige aktuelle Zwischenstände.

Karl Gernandt, der designierte Aufsichtsrats-Vorsitzende der Fußball AG, war ja offensiv vorgeprescht mit seiner Ankündigung, Dietmar Beiersdorfer zum neuen Vorstands-Vorsitzenden des HSV zu machen. „Daran lasse ich mich messen“, so Gernandt. Im Moment ist es noch nicht so weit. Carl Jarchow und Oliver Kreuzer führen sowieso noch die Geschäfte. Erste Transfers werden abgewickelt. Der alte Aufsichtsrat arbeitet diesbezüglich mit dem neuen zusammen, es kann ja nicht alles liegengelassen werden. Denn schon am 18. Juni beginnt die Vorbereitung auf die kommende Saison. Und Trainer Mirko Slomka hat sicherlich wenig Lust, erst ganz spät sein Team zusammen zu haben.

Wobei man sich schon ein bisschen wundert, woher der HSV plötzlich seine wirtschaftlichen Mittel hat. 1,2 Millionen Euro für Zoltan Stieber, zwei (gebotene) Millionen für Matthias Ostrzolek. Gar nicht mal wenig für den Pleite-Verein der Liga schlechthin. Natürlich wird sich auch noch einiges tun in Sachen Abgängen. Und mit Robert Tesche und Tomas Rincon sind ja auch schon zwei Spieler von der Pay-Roll verschwunden. Dennoch: wie schlecht es laufen kann auf dem Transfermarkt, hat die Transferperiode im vergangenen Sommer gezeigt. Aber ich will nicht unken, es soll ja alles besser werden.

Deshalb zurück zu Beiersdorfer. In der kommenden Woche, so ist es zu hören, sollen sich entscheidende Dinge tun. Beiersdorfer selbst bricht zu Gesprächen nach St. Petersburg auf, wo er mit den Entscheidungsträgern von Zenit über seine vorzeitige Freigabe verhandeln möchte. Gazprom, der russische Energie-Riese, sitzt mit am Tisch. Läuft alles glatt, diesen Zeitrahmen hat sich der neue Aufsichtsrat gesteckt, dann soll direkt nach Pfingsten die Entscheidung verkündet werden.

Karl Gernandt, designierter neuer Chef des AG-Aufsichtsrates, scheint bis dahin recht entspannt zu sein. Heute hat er sich die Entscheidung im Deutschen Springderby in Klein Flottbek vor Ort angeschaut. Morgen steigt er dann wieder voll ein am HSV-Verhandlungstisch. Mit dem aktuellen Aufsichtsrats-Vorsitzenden Jens Meier steht ein Gespräch an über die Übergabe der Geschäfte. Formal ist Meier mit seinen sieben Leuten an der Seite ja noch im Amt, bis die AG im Handelsregister eingetragen ist.

Entsprechende Unterlagen sind mittlerweile notariell beglaubigt. Sie liegen bei der Richterin des Registergerichts, also beim Amtsgericht in der Caffamacherreihe. Geht innerhalb von vier Wochen kein Einspruch ein gegen die Registrierung im Handelsregister, dann ist die HSV Fußball AG Ende Juni Tatsache.

Erst dann nimmt der neue Aufsichtsrat auch formell seine Arbeit auf und kann den neuen Vorstand bestimmen. Immer wieder gibt es diesbezüglich ja auch zweifelnde Stimmen. Hat sich Karl Gernandt schon zu weit nach vorn gewagt? Passt das überhaupt – Beiersdorfer mit Joachim Hilke als zweitem Mann?

Tatsächlich scheint es, sollte es so kommen, keine Liebesheirat zu werden – muss es aber auch nicht, wenn die Personalien am Ende im Sinn des HSV sind. Jedenfalls zeichnet es sich vorsichtig ab, so viel ist eine gute Woche vor der erhofften Bekanntgabe zu prognostizieren, dass die beiden die Favoriten auf die Vorstands-Ämter im neuen HSV sind. Aber diese Kuh ist noch nicht vom Eis.

Spannend zu sehen wird sein, wie es in der Ebene darunter aussehen wird. Sport-Direktor, Finanz-Direktor, Marketing-Direktor, Medien-Direktor – auch dieses Team sollte ja bis Ende Juni stehen, damit der Verein dann mit neuen Schwung und auch mit Sicherheit auf allen Schnittstellen in die Zukunft starten kann. Mal abgesehen davon, dass eine Aufwertung des Nachwuchsbereiches und ein verschärfter Blick auf die Arbeit in Ochsenzoll genauso dringend kommen muss, wie angekündigt wurde.

In der laufenden Woche kam ja auch noch die entscheidende Nachricht von der Deutschen Fußball Liga. Alle Vereine haben spätestens auf dem zweiten Bildungsweg die Lizenz für die kommende Saison erhalten. Dazu gehört auch der HSV, der nach dem ersten Anlauf noch Bedingungen zu erfüllen hatte. Weil dies ein Besorgnis erregender Vorgang war, der in der HSV-Vergangenheit kaum einmal vorkam, wurde viel spekuliert und weitreichend verhandelt. Von Fehlbeträgen zwischen zehn und 20 Millionen Euro war die Rede. Mit Klaus-Michael Kühne hatte sich ein Bürgschaft-Geber gefunden, der für zehn Millionen Euro gerade stehen wollte, sollte es eng werden. Weitere zwei Millionen Tilgungsaufschub hatte Kühne in Aussicht gestellt. Im Hintergrund hatte sich auch Jürgen Hunke bereit erklärt, zu bürgen – wenn auch nur für den Erstliga-Fall.

Am Ende musste der HSV keine der Bürgschaften in Anspruch nehmen – diese Informationen liegen uns mittlerweile vor. Demnach hatte die DFL für den Erstliga-Fall zunächst einen Fehlbetrag von 11,4 Millionen Euro beim HSV gesehen. Ein Großteil dieses Betrages führte zurück auf Worst-Case-Annahmen was das TV-Ranking angeht. Einige andere Bundesligisten hatten so oder ähnlich ebenfalls mit schlechten Planzahlen der DFL zu kämpfen, Werder Bremen hatte sogar offiziell Einspruch gegen den ungünstigen Lizenz-Vorbescheid eingelegt. Der HSV hat den Zahlen ebenfalls widersprochen, und damit inhaltlich Recht behalten.

Denn am Ende der Saison war der HSV mit Bundesliga-Platz 16 bei der DFL plötzlich nur noch mit 3,8 Millionen Euro „in der Kreide“. Diesen Betrag wies der Verein durch die Verlängerung des Ausrüster-Vertrages mit adidas, der ein Signing Fee von sechs Millionen Euro mit sich führte, nach. Das heißt: der HSV erhielt die Lizenz, ohne auf die Bürgschaft von Klaus-Michael Kühne angewiesen zu sein.

Was bedeutet das ganze nun für die Bilanz des Vereins in der abgelaufenen Saison? Drei Mal in Folge hatte der HSV tiefrote Zahlen geschrieben. Allein im TV-Ranking gingen dem Verein zuletzt sieben Millionen Euro flöten. Mit Platz 6 war kalkuliert worden, mit Platz 13 ging der HSV in dieser Rangliste aus der schlechtesten Saison der Geschichte heraus. Dagegen standen einige unerwartete Einnahmen, wie zum Beispiel das Viertelfinale im DFB-Pokal mit dem ausverkauften Haus gegen Bayern München. Über das Ergebnis des Spiels decken wir noch einmal den Mantel des Schweigens.

Aber auch andere Einnahmen kamen dazu, bzw. Minderausgaben. So „sparte“ sich der HSV ein halbes Jahr Gehalt für Maximilian Beister und einige Monate bei Slobodan Rajkovic. Beide fielen und fallen mit ihren Kreuzbandrissen aus. Die Berufsgenossenschaft übernahm das Gehalt.

Dagegen stehen nun wieder unerwartete Verpflichtungen wie die vielen und hohen Trainergehälter. Bert van Marwijk zum Beispiel ist bis heute nur freigestellt und hat im Prinzip Anspruch auf Gehalt beim HSV bis Juni 2015. An einer Auflösungsvereinbarung wird gearbeitet – dieser Faktor kann die Bilanz des noch laufenden wie des folgenden Geschäftsjahres beeinflussen.

Es gibt also noch einige Unbekannte, dennoch ist deutlich abzusehen, dass der Verein auch in dieser Saison mit Roten Zahlen abschließen wird. Dem Vernehmen nach liegt die Summe zwischen zwei und drei Millionen Euro. Nicht so schlimm wie in den Vorjahren, aber immer noch schlimm genug.

Der kroatische Nationaltrainer Niko Kovac hat heute seinen 23-Mann-Kader für die WM in Brasilien benannt. Dazu passt diese Meldung der dpa:

Mit den drei Bundesliga-Profis Mario Mandzukic vom deutschen Meister Bayern München sowie den Wolfsburgern Ivan Perisic und Ivica Olic nimmt Kroatien die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien in Angriff. Nach dem 2:1 (1:0) im Testspiel am Samstag in Osijek gegen Mali, in dem Perisic beide Treffer (15./64. Minute) erzielte, legte sich Nationaltrainer Niko Kovac auf seinen endgültigen 23er-Kader fest. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Ivo Ilicevic (Hamburger SV) sowie Niko Kranjcar und Ivan Strinic strich Kovac auch den zweiten HSV-Spieler Ivan Badelj (Muskelverletzung) aus seinen Überlegungen.

Bitter für Milan Badelj. Und die Liste der HSV-Profis an der Copacabana ist auf einen geschrumpft. Johann Djourou, der Schweizer Verteidiger. Eine traurige HSV-Bilanz am Ende einer traurigen Saison.

Heute Abend noch interessant: Die Auslosung im DFB-Pokal (18.50 Uhr in der ARD, Horst Hrubesch zieht die Lose) und das Test-Länderspiel Türkei (mit Hakan Calhanoglu) gegen den deutschen WM-Gruppengegner USA. Anpfiff in New Jersey 20 Uhr MEZ.

Für heute grüßt Euch Lars

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AKTUELLE MELDUNGEN:
1) Soeben hat Horst Hrubesch gezogen – der HSV tritt in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Zweitliga-Absteiger Energie Cottbus an. Die Spiele finden vom 15. bis 18. August statt.
2) Laut „Sky“ hat Stürmer Pierre Michel Lasogga dem HSV abgesagt. Demnach hätte der HSV zwar angekündigt, Lasogga ein Angebot zu unterbreiten, dies aber versäumt. Deswegen, so die Darstellung des Spielers, habe sich das Thema HSV für ihn erledigt.
3) Ein großer Glückwunsch geht nach Ungarn. Thomas Doll hat durch einen 2:0 gegen Paks FC mit seinem Verein Ferencvaros Budapest den neunten Sieg in Folge errungen und damit die Europa League erreicht. „Dolly“ wird in der ungarischen Hauptstadt seit Wochen gefeiert – für ihn ist das ein großartiger Erfolg!
4) Und ein weiterer Glückwunsch, diesmal zum Geburtstag, geht nach Berlin an unseren „Matz-ab-Rechtsanwalt“!

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Lars Pegelow

Strahlender Sonnenschein, lachende und johlende Fußballer, die sich beim Fußball-Tennis vergnügen. Dutzende Fans, die sich das Treiben angucken. Der Eiswagen fährt vor, Kinder rennen hin, um sich eine oder zwei Kugeln zu holen. So war der erste, flüchtige Eindruck heute morgen am Trainingsplatz des HSV. Bilder können täuschen.

 

In Wahrheit war die Stimmung gedrückt. Die Zuschauer hatten Runzeln auf der Stirn, und das lag nicht nur an der hereinkommenden Sonne. Das Gejohle der Spieler wirkte künstlich. Im Hintergrund schlenderten Trainer Mirko Slomka und Sportchef Oliver Kreuzer diskutierend an der Seitenlinie entlang. Nur 0:0 gegen Greuther Fürth. Hat sich was mit guter Ausgangsposition fürs Rückspiel. Aber vor allem: Der Gegner aus der Zweiten Liga war streckenweise besser als der HSV. Das torlose Unentschieden noch eher für den HSV glücklich.

 

Vielleicht war es nur ein Zufall, dass die Ewige Bundesligauhr in der Ecke des Stadions eine Stunde nach Abpfiff des Fürth-Spiels ausfiel. „Das wichtigste ist, dass diese Uhr niemals stehen bleibt“, hatte Ehrengast und Box-Weltmeister Wladimir Klitschko einige Minuten zuvor noch in einer VIP-Loge gesagt.

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Am Vormittag danach leuchteten die Ziffern wieder und der Sekundenzeiger tickte auch noch unaufhörlich – aber dieses „unaufhörlich“ könnte am Sonntag kurz vor 19 Uhr vorbei sein. „Jetzt ist es wirklich DAS Endspiel“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer. Ein Spiel, von dem alles abhängt.

 

Der HSV wäre nicht der HSV, wenn Spieler und Verantwortliche aus dem öden Spiel gegen Greuther Fürth nicht noch Positives ziehen würden. „Es war wichtig, dass wir zu Null gespielt haben“, sagte etwa Verteidiger Marcell Jansen. „Mal gucken, was uns jetzt in Fürth erwartet. Wir müssen auf jeden Fall unser Auswärtstor erzielen, um unsere Chance zu nutzen. Wir müssen das Finale voll angehen.“

 

Ja, logisch, das ist jetzt die Devise. Was kann man machen in den knapp 48 Stunden bis dahin? Die Zugriffsmöglichkeiten von außen sind jetzt beschränkt. Aus dieser Mannschaft wird niemand mehr berauschende Kombinationen herausquetschen können. Rafael van der Vaart und Pierre Michel Lasogga werden keinen spritzigeren Eindruck hinterlassen als beim 0:0 im Hinspiel. Aber zwei Dinge könnten sich doch verändern.

 

Zum Einen ist von Trainer und Sportchef ein klares taktisches Versäumnis erkannt worden. Der HSV hat viel zu große Räume gelassen zwischen Deckung, Mittelfeld und Offensive. Die vielgerühmte Kompaktheit hat Greuther Fürth gezeigt. Im Zweifel flog ein freier Ball immer einem Kleeblatt vor die Füße. Nicht, weil die Gäste mehr Glück hatten, sondern weil sie einfach besser standen, besser organisiert waren. Die Kompaktheit aus dem Bayern- und aus dem Mainz-Spiel – das sollte der HSV doch wohl in Fürth hinbekommen. Was heißt „sollte“, er muss es hinbekommen.

 

Wobei sich hier die Frage nach dem Einfluss von Mirko Slomka stellt. Genau genommen ist seine Bilanz der vergangenen Monate ebenso erschütternd wie die seiner Vorgänger Bert van Marwijk und Thorsten Fink. Deren Performance wurde als nicht gut genug bewertet. Slomka tritt in Hamburg ganz anders auf. Er ist eloquent, versteht zu vermitteln, worum es ihm in einem Fußballspiel geht, worauf es in der kritischen Lage des Vereins ankommt.

 

Aber unterm Strich stehen eben auch nur elf Punkte in 13 Bundesligaspielen und ein Relegations-Hinspiel, das gegen einen Zweitligisten glücklich Unentschieden endete. Nun gut, ich will hier keine Trainerdebatte anstrengen. Am Ende sind wir wieder bei dem Punkt, der auch all seine gescheiterten Vorgänger begleitet hat: Kriegt der jeweilige Trainer die Mannschaft nicht in den Griff, oder ist der Hebel nicht an einer ganz anderen Stelle anzusetzen?

 

Inhaltlich ist es von diesem Gedanken nur ein kleiner Sprung bis hin zur Mitgliederversammlung am 25. Mai. Aber das sparen wir uns jetzt mal an dieser Stelle. Es wird nächste Woche hoch hergehen, so viel steht fest. Montag und Dienstag werden sich verschiedene Personen und Gruppen beim HSV äußern und ihre Bedenken, Vorstellungen, Vorschläge in die Öffentlichkeit bringen. Das ist auch gut so, denn es sind ja dann auch nur ein paar Tage bis zur finalen Entscheidung über HSV-Plus. Gestern hat Thorsten Runge von den HSV-Senioren im Stadion ein zwölfseitiges Papier verteilt mit Anmerkungen zu seinen Änderungs-Vorschlägen, die in der Versammlung zur Abstimmung stehen. Alles hochinteressant, aber auch dies möchte ich gern verschieben in die nächste Woche.

 

Dann wird der Verein ja auch seine endgültigen Lizensierungsunterlagen an die DFL schicken. Vereins-Chef Carl Jarchow war deswegen schon in Frankfurt, er hat vorgefühlt, wie die DFL zur Bürgschaft von Klaus-Michael Kühne, zur Bereitschaft der Banken auf Tilgungsaufschub steht. Hier gebe es positive Signale, so dass es dabei bleibt: Die Lizenz sollte der HSV erhalten, unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit.

 

Der zweite Aspekt, an dem der HSV anknüpfen will fürs Rückspiel, ist der mentale Faktor. Dass die Hamburger Spieler in dieser Hinsicht alles andere als stabil waren in dieser Saison, diese Erkenntnis gleicht dem Tragen der berühmten Eulen nach Athen. Und doch muss dieses 0:0 nichts Schlechtes für den HSV bedeuten. Der Gegner weiß, dass ein einziges Gegentor fatale Folgen haben kann. Natürlich ist es ein ziemlich kläglicher Hinweis von Trainer Slomka, sein Team sei auswärts immer in der Lage gewesen, einen Treffer zu erzielen. Bei der desolaten Bilanz auf fremdem Platz verbietet sich solch eine Anmerkung eigentlich. Und doch muss der Verlauf des Rückspiels nicht viel mit dem Charakter des Hinspiels zu tun haben.

 

Fürths Verteidiger Mergim Mavraj hat die Haltung seines Team jedenfalls deutlich aktzentuiert: „Wir haben Blut geleckt!“ Das kann man sich wohl vorstellen. Und Trainer Frank Kramer ergänzte, dass die Mannschaft auch stolz auf ihre Leistung sein könne. Aber, so Kramer: „Stolz kann auch schnell zum Stolperstein werden.“ Und hier sind wir an dem Punkt, an dem der HSV ansetzen muss. Hat nicht Fürth plötzlich etwas zu verlieren mit dem vermeintlich guten Hinspiel-Ergebnis? Werden sie nicht etwas mehr aufmachen? Und können sie überhaupt solch eine gute Leistung wie in Hamburg, die es ganz sicher war, wiederholen? Oder kommt endlich, endlich, endlich der Faktor zum Tragen, dass die Erfahrung und die Klasse auf Hamburger Seite sind. Bei Abpfiff des Hinspiels standen im HSV-Team sage und schreibe acht A-Nationalspieler, darunter vier mögliche WM-Teilnehmer.

 

„Es wird ein Spiel sein, in dem beide Mannschaften darauf bedacht sein werden, kein Gegentor zu bekommen. Wenn wir ein Tor schießen, braucht Fürth schon zwei. Der Ausgang und die Entwicklung des Spiels ist offen. Mit dem 0:0 aus dem Hinspiel lässt sich auch gut nach Fürth fahren.“ Apropos fahren: Die Mannschaft wird nach dem geheimen Abschlusstraining morgen per Charter nach Fürth reisen – und sich direkt nach dem Spiel auf den Weg zurück nach Hamburg machen.

 

Noch einmal zurück zum heutigen Trainingstag. Die Spieler haben gestern schon weitgehend ihre Aussagen zur Partie und zur Lage fürs Rückspiel getroffen. Wegen zahlreicher Medienanfragen hat sich Sportchef Kreuzer noch einmal vor die Presse gestellt. „Wir müssen einfach heiß sein. Es gibt keinen Morgen danach. Es ist ein Finalspiel, wie ein Champions-League-Finale. Es gibt kein Rückspiel mehr, auch kein Bundesligaspiel, wo man in der Folgewoche etwas gutmachen kann. Fürth muss gegen uns gewinnen. Wir haben etwas dagegen. Dementsprechend treten wir in Fürth auf, und wir schaffen das auch.“

 

Knapp 2000 Fans aus Hamburg werden live vor Ort sein in der Trolli Arena. Unter ihnen ist erneut Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, der ja nicht unbedingt als großer Fußball-Fan bekannt war. Dass er nun aber bei fast jedem Spiel des HSV dabei ist, zeigt die Bedeutung, die dem Verein auch im Rathaus zugesprochen wird.

 

Torwart Rene Adler wird dem HSV aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zur Verfügung stehen. Seine Rückenbeschwerden haben auch heute kein Training zugelassen. Allerdings war sein Stellvertreter Jaroslav Drobny auch so sicher, dass hier keine Sorgen herrschen. Spätestens vor der Viererabwehrkette, die ja noch einigermaßen stabil war, beginnt aber schon die Problemzone. Milan Badelj, wieder einmal viel zu schwankend. Tomas Rincon auf Kriegsfuß mit dem Ball. Robert Tesche zu passiv. Gerade in der Zone des Platzes also, wo man ein Übergewicht haben muss, ist der HSV viel zu schwach besetzt. Im Übrigen schaffen es die drei Genannten auch überhaupt nicht, die oben angesprochene Kompaktheit herzustellen, selbst wenn dieser Mangel während des Spiels schon erkannt wird. Der einzige, der eigentlich beim Hinspiel aufmunterte und ermahnte, war Jaroslav Drobny.

 

Aber wie kann das auch alles funktionieren? Diejenigen, die Klasse versprechen, haben selbst zu viele Probleme und/oder kommen aus Verletzungen. Das betrifft Pierre-Michel Lasogga, der gegen Fürth Klassen schwächer war als in Mainz. Das betrifft Rafael van der Vaart, der zwar ein hohes Laufpensum hat, aber gar nicht mehr ins Tempo und damit in die Situation kommt, frei aufs Tor zu schießen.

 

Tolgay Arslan könnte jedenfalls wieder ins Team zurück kehren. Bei Ivo Ilicevic stehen die Chancen schlecht. Ebenso bei Jacques Zoua – aber diese verzweifelte Personalie traue ich mich kaum noch zu erwähnen. Offen ist der Einsatz von Heiko Westermann. Zu viele Fehler in den Vorwochen hatte Trainer Slomka schon als einen Grund für seine Nicht-Berücksichtigung im Hinspiel genannt. Außerdem ist HW4 seit Wochen gesundheitlich angeschlagen, spielte teilweise unter Antibiotika-Einsatz, was auf Dauer nicht eben förderlichfür Gesundheit und Leistung ist.

 

Nun denn, Sonntagabend wissen wir, wohin der Hase läuft. Wer zum Public Viewing ins HSV-Stadion möchte, kann ab 16 Uhr hereinkommen. Vor der Nordtribüne wird dann gemeinsam geguckt.

 

Viel Glück, HSV, wünscht Lars

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Marcus Scholz

Endlich. Nur Fußball. Daher für alle, die es genauso satt haben wie ich, die Vereinspolitik selbst in kritischsten Phasen voranzustellen: Dieser Blog erhält erst im Anhang Vereinspolitik. Und ansonsten einen ganzen Tag lang mal wieder nur Fußball. Und dann auch noch mit der einen oder anderen guten Nachricht. Denn immerhin konnte Johan Djourou heute wieder voll mittrainieren und soll auch am Sonnabend in Mainz beim Abstiegsendspiel Nr. 34 dabei sein. Ebenso wie Dennis Diekmeier. „Dennis hatte sich schon vergangenen Donnerstag leicht gezerrt und wir haben ihn mit nur einem Tag hinbekommen. Daher werden wir das jetzt auch schaffen“, so Slomka, der sogar darauf hofft, seinen Rechtsverteidiger bereits am Mittwoch wieder im Mannschaftstraining begrüßen zu können.

Dann wird auch Pierre Michel Lasogga wieder dabei sein. Der wahrscheinlich größte Hoffnungsträger des HSV trainierte in den vergangenen Tagen individuell mit Rehatrainer Markus Günther und konnte dabei Fortschritte verzeichnen. Heute trainierte er nun mit der Mannschaft und absolvierte das Programm bis zur abschließenden Torschussübung komplett schmerzfrei mit. „Im Spiel war er der neutrale Mann, damit er noch weitgehend ohne Zweikämpfe mitmacht. Aber das werden wir steigern“, so Slomka, dem die Freude über das Comeback seines Toptorjägers ins Gesicht geschrieben steht. „Es lief alles problemlos und wir haben jetzt die Aufgabe, ihn langsam zu steigern, damit er am Sonnabend topfit ist.“ Soll heißen: Ebenso wie Djourou plant Slomka nach aktuellem Stand auch mit Lasogga in der Startelf. „Wir hoffen auf beide. Beide haben viele gute Spiele für uns gemacht, sind wichtig für die Mannschaft.“

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Allerdings betonte Slomka auch, dass er nichts riskieren werde. In weiser Voraussicht auf das (hoffentlich!!) bevorstehende Relegationsduell am 15 und am 18. Mai. Einen möglichen Gegner hat Slomka bereits gesehen: Greuther Fürth. Beim 6:0 der Fürther in Cottbus war Slomka (ebenso wie Braunschweigs Lieberknecht) Tribünengast – und begeistert: „Fürth war beeindruckend. Obgleich Cottbus es dem Gegner am Ende sicher leicht gemacht hat“, so Slomka, der auch Paderborns Qualitäten noch mal hervorhob. „Egal gegen wen wir am Ende spielen sollten, es wird sicher schwierig.“

Vor allem am Sonnabend in Mainz. „Wir sind gewarnt. Wir wissen um die Heimstärke der Mainzer“, sagt Slomka, der dennoch bemüht ist, die eigenen Stärken vorneanzustellen – ohne dabei die Niederlage gegen die Bayern schönreden zu wollen. „Es war eine große Erleichterung zu spüren ob der anderen Ergebnisse. Und die Fans haben erneut Gespür für die Lage bewiesen. Sie haben gemerkt, dass die Mannschaft alles versucht hat, alles gegeben hat und sich nur nicht selbst belohnt hat. Jetzt wird es für uns genau darum gehen. Und darum, die ersten 45 Minuten gegen die Bayern 90 Minuten lang in Mainz abzurufen.“

Stimmt. Nur wie?

Slomka setzt wie in der Vorwoche auf die Kraft aus der Ruhe. Konditionstraining und harte Läufe gibt es nicht mehr. „Wir üben gruppentaktisch, machen nicht mehr zu viel. Wir befinden uns auf der Zielgeraden der Saison, da muss ich die Prioritäten nicht mehr auf den Ausdauerbereich setzen“, sagt Slomka, der selbst als Vorbild dienen will. „Ich kenne den Druck in allen beiden Richtungen. Einmal haben wir am 33. Spieltag mit Schalke beim 0:2 gegen Dortmund die Meisterschaft verspielt, und mussten danach am letzten Spieltag unbedingt gewinnen, um Werder nicht noch an uns vorbeiziehen zu lassen. Und mit Hannover habe ich am letzten Spieltag in Bochum um den Klassenerhalt gespielt – gegen einen direkten Konkurrenten. Das war auch hop oder top“, so Slomka, der ausführt: „Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich als Trainer Ruhe vorleben muss. Ich muss das den Spielern vermitteln. Weil wenn wir das nicht machen, wer dann…?“ Stimmt, denn aus der Mannschaft heraus wird es keine Vorgaben geben. Von wem auch?

Das Interview im Video:

Spannend dürfte der eh schon spannungsgeladene Sonnabend auch in Sachen Startelf werden. Spielen Lasogga und Djourou tatsächlich von Beginn an? Und wenn ja, wer muss für Djourou weichen? Denn klar ist, sollte Jansen (Slomka: „Ich glaube, er braucht noch ein, zwei Tage“) spielen können, hat Slomka Diekmeier für rechts sowie Mancienne, Djourou, Westermann für die zwei Innenverteidigerposition sowie die Auswahl zwischen Jiracek, Jansen und Westermann für die linke Abwehrseite.

Und er hat auf der Sechs Optionen. Auf der Doppelsechs besser gesagt. Milan Badelj ist bei Slomka gesetzt, daneben agierte zumeist Tolgay Arslan, der seine Gelbsperre abgesessen hat und mit seinem Einsatz rechnet. Das allerdings macht auch Robert Tesche, der gegen Bayern nicht nur Slomka überzeugen konnte. „Ich war sehr positiv überrascht“, lobt Slomka den unter Fink und van Marwijk noch aussortierten Mittelfeldspieler, „ich hatte nicht gedacht, dass Robert diese Konstanz auch über die gesamten 90 Minuten bringt. Aber das hat er sehr gut gemacht.“ Schon deshalb – und, weil Slomka Tesche für den torgefährlichsten Sechser hält – ist der „Begnadigte“ plötzlich eine ernsthafte Option auf die Startelf im alles entscheidenden Saisonspiel. „Ich kann und will mich noch nicht festlegen“, antwortet Slomka auf die Frage nach seinem Favoriten, „zumal ich nicht mal weiß, ob wir wieder mit einer Doppelsechs spielen.“

Klar aber scheint, dass Slomka in Mainz erneut auf die Bayern-Strategie setzt. Wie schon gesagt, soll die erste Halbzeit des Bayern-Spiels auf zwei Hälften ausgedehnt werden. Und dort hat man offensiv verteidigt. „Ich werde der Mannschaft noch mal zeigen, warum das so gut funktioniert hat“, sagt Slomka, der im selben Atemzug betont, auch die Fehler („Das Tor nach der Ecke ist unglaublich – sowas darf nicht vorkommen“) aufzeigen zu wollen. „Letztlich aber werden wir die gute, kämpferische Stimmung mitnehmen und die positiven Aspekte in den Vordergrund rücken.. Denn die Mannschaft hat einen starken Charakter gezeigt.“ Und das gebe ihm , der „unablässig“ an diese Mannschaft glaubt, ein gutes Gefühl.

Mir auch. Erst einmal. Denn bei allen Mängeln dieser Mannschaft kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es irgendeinen Fußballer auf diesem Planeten gibt, der in dem Spiel am Sonnabend nicht schon von außen angesteckt und voller Adrenalin ist. Nicht einmal… Nein, das lasse ich. Es ist noch nicht die Zeit für die große Analyse. Ebenso wenig wie hier und heute, morgen, Donnerstag sowie am Freitag und sogar Sonnabend bis Spielende Platz sein darf für eine Strukturdebatte, werte Herren.

Daher belasse ich es auch dabei, das (noch) Nebensächliche ins P.S. zu stellen.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

P.S.: Die Tatsache, dass sich Vereinsvertreter und/oder welche, die es werden wollen, wenige Tage vor dem wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte in den Vordergrund spielen ist schon schlimm genug. Für mich ist es sogar Grund genug, sie gar nicht zu beachten. Daher – das habe ich mir gerade jetzt und ganz kurzfristig anders überlegt – ignoriere ich sie an dieser Stelle dann doch… Euch allen einen Schönen Abend!!

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Lars Pegelow

Welche Erleichterung doch eine 1:4-Niederlage auslösen kann…

 

Die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka wurde durch die Niederlagen der Konkurrenz zum Sieger des Wochenendes im Kampf um den Klassenerhalt. „Wir müssen uns bei Hannover und Augsburg bedanken“, brachte es Verteidiger Heiko Westermann auf den Punkt. „Diese beiden Teams haben es uns ermöglicht, am kommenden Wochenende aus eigener Kraft den Klassenerhalt zu schaffen.“

 

Neue Hoffnung nach vier Niederlagen in Folge, in denen es 4:10 Tore gab – das gibt’s auch nur beim HSV! Aber die Fakten sprechen ja auch für Hamburg. Nein, genauer gesagt sprechen sie gegen die Konkurrenz. Wer solche Chancen liegen lässt wie Braunschweig und Nürnberg, der hat unter Umständen noch weniger den Klassenerhalt verdient als der HSV – und das will was heißen.

 

 


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Die exakte Aufarbeitung der Niederlage gegen den amtierenden Triple-Gewinner können wir uns an dieser Stelle schenken. In groben Zügen gilt zu konstatieren, dass der HSV gut gepresst hat, die Zweikämpfe angenommen hat, Bayern ärgern konnte – aber letztlich wegen der individuellen Bayern-Klasse chancenlos war.

 

27 Punkte hat der HSV auf dem Konto. Es ist in nahezu allen Bereichen die schlechteste Saison der Geschichte. Wenigste Siege, meiste Niederlagen, meiste Gegentore, schlechteste Heimbilanz, Auswärts-Niederlagenserie, zwei Trainer gefeuert, und und und.

 

Und trotzdem geht da noch was! „Wir gehen davon aus, dass Pierre Michel Lasogga in Mainz wieder mit von der Partie sein wird“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer heute. Lasogga steht also ebenso wie Verteidiger Johann Djourou vor dem Comeback, und das würde dem HSV natürlich enorm helfen. Allein die Aussicht, endlich wieder einen Stürmer auf dem Platz zu haben, gab es seit Wochen nicht.

 

In der Vorbereitung auf die Partie in Mainz, das ja auch noch um die Qualifikation für die Europa League spielt, soll diesmal nichts Ungewöhnliches getan werden. Kein Trainingslager, kein zusätzlicher Geistheiler. Jetzt gilt die volle Konzentration einzig diesem Spiel. Hoffnungsschimmer waren gestern die kämpferischen Auftritte von Rafael van der Vaart und den anderen Offensivspielern, denen in punkto Einsatz kaum ein Vorwurf zu machen war. Ich finde, dass besonders Michael Mancienne in der Innenverteidigung ein ganz starkes Spiel gemacht hat. Der Engländer hat sich dazwischen gehauen, wo es nur ging, und den Bayern wehgetan. Er war ein Vorbild im Abstiegskampf.

 

Trainer Mirko Slomka hat den Sonntag überwiegend in Cottbus verbracht. Dort spielte Greuther Fürth, der mutmaßliche Tabellendritte der Zweiten Liga bei Energie, und siegte deutlich mit 6:0. Nach aktuellem Stand ist Greuther Fürth der Relegationsgegner des HSV. Co-Trainer Nestor El Maestro hat sich das 2:0 des Zweiten SC Paderborn in Aue angesehen. Der HSV will vorbereitet in die Relegation gehen, die am Donnerstag, den 15. Mai, um 20.30 Uhr zu Hause beginnen würde. Das Rückspiel ist für den Sonntag, 18. Mai, um 17 Uhr anberaumt.

 

Wie es am Ende auch ausgehen mag, anschließend wird abgerechnet. Und klar ist auch heute schon und im Grunde seit Monaten, dass all die Ereignisse der vergangenen Monate personelle Konsequenzen auf Führungsebene haben werden. Diese Aussage gilt ganz unabhängig vom Ausgang der Mitgliederversammlung am 25. Mai, auf der über die Ausgliederung in eine Fußball AG nach HSV-Plus-Vorbild entschieden wird.

 

Ich bin in den vergangenen Tagen wieder häufiger angesprochen worden auf meine Beurteilung von Sportchef Oliver Kreuzer, der zuletzt im Winter ja noch sehr gut weggekommen war. Neben dem Trainingsplatz, in Gesprächen kam dieses Thema immer wieder hoch, denn Kreuzer steht bei den meisten ja gewaltig auf dem Index.

 

Am Ende muss eine klare Entscheidung her – das Vorstandstrio Jarchow, Hilke, Kreuzer raus oder nicht – aber bis dahin kann man ja versuchen, differenziert auf diese Personen zu gucken.

 

Was Kreuzer angeht, kann ich natürlich meine Einschätzung vom Winter nach dieser Rückrunde so nicht aufrecht erhalten. Zu viel Schlechtes ist seither geschehen, zu viel auch bekannt geworden, was vor Monaten nicht bekannt war. Damit spiele ich insbesondere an auf die Vertragsdetails bei den Personalien Bert van Marwijk und Johann Djourou an, die den HSV Unsummen kosten. Aber auch andere Entscheidungen sind in die falsche Richtung gegangen. Stichworte: Ola John, Ouasim Bouy, Artjoms Rudnevs. Dagegen stehen allerdings auch die Vertragsverlängerungen von Jonathan Tah und Hakan Calhanoglu, die dem Verein perspektivisch aber mal ganz sicher sehr gut tun werden.

 

Ich sehe in Oliver Kreuzer trotzdem nicht den Hauptschuldigen für die aktuelle Misere. Er ist unter denkbar schlechten Rahmenbedingungen an die Elbe gekommen, die kein einziger anderer Sportchef in der Bundesliga zu erfüllen hatte. Kaum hatte er in Hamburg angeheuert, wurde ihm die Vorgabe mitgegeben, 15 Millionen Euro einzusparen. Dann gab es kurz darauf von Klaus-Michael Kühne gewaltig auf den Latz. In dieser Situation ist Kreuzer niemand zur Seite gesprungen, der ihm hätte zur Seite springen müssen. Kein Aufsichtsrat, kein Vorstandskollege. Kreuzer, der „Drittliga-Manager“, stand von Beginn an allein im Sturm, gebrandmarkt als Schwächling.

 

Hier beginnt allerdings auch sein Versäumnis. Kreuzer hat zu selten sportlich fragwürdige Entscheidungen verhindert. Und das hätte er tun müssen, denn es ist im Wesentlichen sein Verantwortungsbereich. Er hat die Philosophie aller aktuellen Vertragsabschlüsse beim HSV, die da heißt: es muss vor allem wirtschaftlich passen!, nach außen mitgetragen und sich eben nicht dagegen verwehrt. Er hat sich Zoua im Sommer und die genannten Niederländer im Winter quasi von den jeweiligen Trainern aufschwatzen lassen. Die Trainer sind inzwischen weg, somit trägt Kreuzer die alleinige Verantwortung. Kreuzer dazu heute im „Sport-1-Doppelpass“: „Natürlich übernehme ich total die Verantwortung für das, was in dieser Saison passiert ist. Ich habe einen Zweijahresvertrag und würde mich auch dann als Bestandteil des Vereins sehen, den geplanten Aufstieg wieder anzustreben!“

 

Was die Beurteilung von Carl Jarchow und Joachim Hilke angeht, mache ich es mir einfacher. Jarchow muss sich hier nur an den eigenen Vorgaben des Vorjahres messen – dann erübrigt sich eigentlich jeglicher weiterer Kommentar. Er hat gestern im „sportstudio“ schon glockenklar gesagt: „Wenn man solch eine Saison spielt und in solch einer Lage ist wie wir, muss man die Verantwortung tragen. Und dieser Verantwortung werden wir uns auch stellen.“ Im Grunde ist alles, was Jarchow als Zielvorgabe genannt hat, nicht eingetroffen. Dies Urteil muss er gemeinsam mit Hilke hinnehmen. Bei Hilke kommt hinzu, dass er im Winter die fatale Indonesien-Reise vorangetrieben hat. Sie ist auch gegen Widerstände aus dem sportlichen Bereich durchgedrückt worden mit den bekannten Folgen. Indonesien hat seinen Beitrag geleistet zur schlimmen HSV-Rückrunde. Schon Im Februar hatte der damals noch komplette Aufsichtsrat im Zusammenhang mit der von einigen geplanten Magath-Verpflichtung vorgesehen, Jarchow und Hilke abzulösen. An Kreuzer schieden sich die Geister, weil viele ihn wie ich als Täter und Opfer gleichermaßen sahen und sehen.

 

Was im Februar galt, muss im Mai nicht zwingend auch noch gelten. Aber wenn ich in die nahe Zukunft schaue, dann kann ich mir keine führende Rolle für einen der drei Genannten beim HSV mehr vorstellen. Was Oliver Kreuzer angeht könnte dennoch ein Amt im sportlichen Bereich in der zweiten Reihe möglich sein. Ein anderer Sport-Vorstand einer neuen AG trüge die Verantwortung mit Kreuzer in seinem Stab.

 

Ich denke, es ist kein Zufall, dass diejenigen potentiellen Sportchef-Kandidaten des HSV, die eine gefestigtere Position versprachen als Kreuzer sie verkörpert, aus eigenen Stücken abgesagt haben. Das galt vor einigen Jahren für Nico Hoogma, das galt für Jörg Schmadtke ebenso wie für Felix Magath. Ich meine jetzt nicht die sportliche Kompetenz, sondern die Durchsetzungskraft. Diese drei haben sich gedeihliches Arbeiten beim HSV nicht vorstellen können. Sie haben gemerkt, dass etwas ganz Grundsätzliches falsch läuft beim HSV, so dass sportliche Entwicklung nach den Vorstellungen eines „normalen“ sportlichen Leiters nicht umgesetzt werden können. So wie es jetzt mit Kreuzer gelaufen ist, werden die Absagen der drei im Nachhinein gerechtfertigt.

 

Man könnte sagen: so, wie der HSV vor einem Jahr gestrickt war und heute gestrickt ist, musste die Aufgabe Kreuzer über den Kopf wachsen.

 

Ein letztes Mal noch ein Wort zu Kreuzer. Auch und gerade hier in den Kommentaren wird er oft hart kritisiert für seine häufigen öffentlichen Auftritte. Ich finde, dass öffentliche Präsenz die Pflicht ist eines Sportchefs – gerade wenn sich andere in brenzligen Situationen wegducken. Und das haben einige in den vergangenen Monaten getan – Kreuzer am wenigsten, auch wenn er wusste, dass er dadurch zusätzliche Angriffsfläche riskiert.

 

Unrühmliche Begleiterscheinungen des Kicks gestern waren die Auseinandersetzungen zwischen Ultra-Fans des HSV und der Polizei. Die Scharmützel begannen bereits vor der Partie in der Nähe des S-Bahnhofs Stellingen, in Ottensen und am S-Bahnhof Eidelstedt. Bei ersten Handgreiflichkeiten wurde eine Polizistin verletzt. Die Polizei hat daraufhin etwa 25 Mitgliedern von „Poptown“ den Zugang zum Stadion verwehrt.

 

Entsprechend aufgeladen waren die übrigen „Fans“. Als dann im Stadion das bekannte Plakat ACAB („All Cops are Bastards“) aufgehängt wurde, platzte den Einsatzkräften der Geduldsfaden. Sie schritten in der Halbzeit ein, was weitere Auseinandersetzungen zur Folge hatte. Viel davon war im Fernsehen zu sehen – es kursieren auch einige Videos von Schlägereien hinter den Tribünen. Tränengas musste eingesetzt werden, die Polizei griff zu Schlagstöcken. Massenhaft Gegenstände wurden in Richtung der Polizisten geschleudert. Fahnenmasten, Bierbecher, sonstiges Zeugs.

 

Es sind sehr unerfreuliche Bilder, und natürlich kann man darüber streiten, ob die Polizei im Stadion wirklich in dieser Form gegen das Plakat vorgehen musste. Wahrscheinlich war das nicht schlau, aber die Verursacher dürfen hier nicht mit den Opfern verwechselt werden. Der HSV ist dabei, wieder ein massives Problem mit seiner Ultra-Szene zu bekommen. In den vergangenen Monaten ist immer mehr passiert, das zeigt sich nicht nur in regelmäßigen Abständen beim Pyro-Thema.

 

Hier ist ein Einschreiten von Seiten des Supporters-Clubs erscheint dringend notwendig. Die Aggression der Ultras in diesem Fall hatte nichts mit dem Fußball auf dem Rasen zu tun, das war offenkundig. Andere Aggression, finde ich, hat aber im Stadion und am Rande eines Fußballplatzes nichts zu suchen. Übrigens wurde im Laufe der Krawalle insgesamt sechsPolizisten leicht verletzt.

 

Soweit die Perspektive der Polizei. Der guten Ordnung halber die Stellungnahme des Supporters-Clubs:

 

Supporters Club und HSV Fanprojekt verurteilen Einsatz der Polizei

In der Halbzeit des Spiels unseres Hamburger Sport-Verein e.V. gegen den FC Bayern München kam es auf der Nordtribüne zu einem Polizeieinsatz, welcher aus Sicht des HSV Supporters Club und des HSV Fanprojekts absolut unverhältnismäßig war und zu verurteilen ist.

„Man muss sich Fragen, ob die Polizei aus den Vorfällen beim Champions-League Qualifikatiopnsspiel FC Schalke 04 – PAOK Saloniki überhaupt nichts gelernt hat“, so Christian Bieberstein, Abteilungsleiter der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporters Club.

Grund des Blocksturmes war ein provokantes Banner „ACAB“ (all cops are bastards), der sich gegen die Polizei richtete.

Ein Banner als Grund zu nehmen, in einem vollen Stadion einen Block unter dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöckern zu stürmen, ist vollkommen inakzeptabel. Die In-Kaufnahme von Verletzten im dreistelligen Bereich, steht in keinem Verhältnis zu einer solchen Provokation.

Wir verlangen und erwarten eine umgehende und lückenlose Aufarbeitung des Einsatzes und verurteilen diesen abermals auf das Schärfste.

HSV Supporters Club und HSV Fanprojekt

 

Wenn der Bock zum Gärtner wird…..

 

Zum Schluss noch eine Information, die sich aus einem Interview vom Jürgen Hunke mit dem Deutschlandfunk ergeben hat. Aufsichtsrat Hunke hat sich dortheute  in einer langen Diskussions-Sendung zum HSV auch zur wirtschaftlichen Situation des Clubs geäußert. Er kennt alle Zahlen und hat versichert, dass der HSV die Lizenz für beide Ligen aus seiner Sicht erhalten werden. Und der erfolgreiche Unternehmer ging noch einen Schritt weiter. Im Notfall, so Hunke, stünde er auch bereit, um dem Verein mit seinem Geld über Liquiditätslücken zu helfen. Mit anderen Worten: steht dem HSV das Wasser nicht nur bis zum Hals sondern einige Zentimeter höher, würde Hunke wirtschaftlich helfen.

 

Noch ein paar Sommer-Infos: Der Vorbereitungsplan des  HSV auf die neue Saison steht. Am 18. Juni ist unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit Trainingsstart. Ende Juni fährt das Team für eine Woche ins erste Trainingslager nach Glücksburg in Schleswig-Holstein (22.6.-29.6.). Dort stehen zwei Freundschaftsspiele auf dem Programm, unter anderem gegen den ETSV Weiche. Vom 4. Bis 11. Juli fliegt der HSV definitiv nach China, und zwar nach Guangzohou im Südosten des Landes. Auch hier stehen zwei Spiele an. Bleibt der HSV erstklassig, dann ist anschließend eine Woche Pause, ehe der Telekom-Cup und eine weitere Trainingswoche in Österreich die Vorbereitung beschließen. Im Fall des Abstiegs entfällt die Trainingspause und es geht mit Volldampf auf den Zweitliga-Start am Wochenende 1. Bis 3. August.

 

Morgen ist trainingsfrei am Stadion, es geht weiter Dienstag um 10 Uhr – vielleicht ja dann mit Pierre Michel Lasogga.

 

Sportlicher Gruß von Lars

 

 

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Dieter Matz

Da hat sich einer – wie so viele andere User auch – wieder einmal ganz vel Mühe gemacht: Waltero. Er hat die Situation des HSV noch einmal ganz besonders durchleuchtet und kam zu folgendem Ergebnis:

Hallo Herr Matz, hallo Scholle,

zum Saisonende möchte ich mich von der Statistik-Abteilung auch noch einmal kurz zu Wort melden 😉 Ihre Live-Sendung war ja insgesamt eine ziemlich herbe Kritik, der Enttäuschung sicherlich angemessen. Vieles davon sprach mir auch aus der Seele. Allerdings ergibt sich bei Betrachtung der Zahlen und insbesondere der Entwicklung doch ein differenziertes Bild, das ich kurz darstellen möchte. Hintergrund dieses Schreibens ist auch der Vorwurf, dass die Mannschaft nicht kämpft und nicht genug investiert. Das möchte ich etwas relativieren:

Betrachtet man nämlich die Tracking-Werte auf bundesliga.de, wird klar, dass die Mannschaft gestern eine ihrer besten Laufleistungen in der gesamten Saison abgerufen hat. Ich beziehe mich dabei insbesondere auf die schnellen Läufe, die wichtiger sind als die Gesamtdistanz: Bis auf die Sprintdistanz (sehr gute 5,1 km) stellen alle Indikatoren des gestrigen Spiels zu den schnellen Läufen HSV-Saisonbestwerte dar. Im Vergleich zu den (laufstarken) Augsburgern war der HSV in etwa gleichwertig (mit leichten Vorteilen für Augsburg). Im Ligavergleich haben der HSV und Augsburg an diesem Spieltag mit Abstand (!) die meisten Kilometer schnell und im Sprint abgespult. Eine Mannschaft, die sich bereits aufgegeben hat, wäre mit Augsburg vermutlich nicht derart mitgegangen.

Diese Laufleistung stellt eine fortlaufende Entwicklung unter dem Trainer Slomka dar und ist sicherlich auch auf sein intensiveres Training zurückzuführen. Ich erinnere mich noch sehr genau, dass Slomka bei Übernahme der Mannschaft v. A. die intensiven Läufe als eine der Ursachen des Misserfolgs ausgemacht und dahin gehend auch das Training angezogen hat. Der Erfolg lässt sich anhand der Zahlen leicht nachvollziehen: So gehört der HSV inzwischen zu den Mannschaften, die im Ligavergleich die meisten Kilometer schnell zurücklegen und auch die meisten Sprints anziehen. Auch im Vergleich zu Slomkas Trainer-Vorgängern hat sich die intensive Laufleistung spürbar verbessert: Die Sprintdistanz hat sich bspw. im Durchschnitt zu den van Marwijk-Spielen von 3,6 auf 4,1 km (+14 %), gegenüber den sechs Spielen unter Fink sogar um 39 % gesteigert. Bei den anderen Indikatoren sieht es ähnlich aus (Vergleich van Slomka/van Marwijk): Distanz intensive Läufe +10,5 %; Distanz schnelle Läufe +7,6 %; Anzahl der Sprints + 8,8 % usw (10 % plus entspricht einem Spieler mehr auf dem Platz – die Laufleistung unter van Marwijk war übrigens in der ersten Hälfte seinen Engagements keineswegs schlecht). Insofern sollte man Slomka auch wegen der Verletzten keine Vorwürfe machen – die Fehler haben sicherlich andere gemacht. Das intensivere Training ist meiner Meinung nach ohne Alternative, weil man nach der verkorksten Winterpause einfach nicht mehr konkurrenzfähig war.

Was vielleicht ein bisschen Hoffnung macht: Unter van Marwijk begann der HSV in den ersten Spielen mit einer recht guten Laufleistung, die dann aber kontinuierlich bergab ging. Unter Slomka wurde nicht so stark begonnen, die Laufleistung entwickelt sich aber von Spiel zu Spiel und hat gestern gegen Augsburg – trotz klarer Niederlage – seinen Höhepunkt gefunden. Seit dem Gladbach-Spiel (28. Spieltag) waren wir übrigens in allen Spielen läuferisch auf Augenhöhe. Unter Fink und van Marwijk waren Spiele, in denen wir läuferisch zumindest gleichwertig waren, dagegen die Ausnahme.

Wenn man sich noch die Statistik des Spiels gestern anschaut, fragt man sich allerdings, ob man gestern nicht doch ein anderes Spiel gesehen hat: gewonnene Zweikämpfe HSV 54,22 %, mehr Torschüsse (19:15), mehr Ballbesitz (52,55 % zu 47,45 %) und mehr Flanken… Entscheidend ist für mich jedoch, dass dem Spiel des HSV die Grundordnung und die Kompaktheit komplett abhanden gekommen ist. Ich erinnere mich noch an die ersten Spielen unter Slomka, in denen zwei klar zu erkennende Vierer-Reihen agierten, die nicht weit auseinander standen und insgesamt sehr kompakt wirkten. Dazu wurden spielführende Spieler des Gegners zum Teil schon an der Mittellinie mit einem oder mehreren Spielern attackiert. Wo ist diese Grundformation geblieben? Gestern hat man nur noch einen Hühnerhaufen gesehen, der wild gackernd (oder auch nicht) durcheinander läuft. Zudem sprach Slomka von schweren taktischen Fehlern. Genauer müsste man sicherlich sagen, dass die Tore nach schweren individuellen Fehlern gefallen sind (zweimal Badelj und einmal Adler) – drei individuelle Fehler, die zu Fehlern führen, kann kaum eine Mannschaft kompensieren. Dieser HSV jedoch schon gar nicht, auswärts… im Abstiegskampf. Zu viele Spieler dieser Mannschaft scheinen dem Druck nicht annähernd gewachsen zu sein.

Nichtsdestotrotz sollte wir die Hoffnung erst aufgeben, wenn das letzte Spiel gespielt ist. Wenn man wieder zu einer defensiveren Grundordnung findet (wie es im Abstiegskampf sicherlich angebracht wäre!) und die individuellen Fehler abstellt, hätte man sicherlich noch die Chance auf den einen oder anderen Punkt. Und dass Nürnberg oder Braunschweig noch genügend Punkte machen (mindestens zwei), ist ja auch noch nicht ausgemachte Sache. So recht möchte ich mir meinen Verein noch nicht in der zweiten Liga vorstellen (oder sogar in der vierten)!

Viele Grüße, Waltero

Vielen Dank für diese Statistik, lieber Waltero, diese Arbeit verdient Fleißnote eins. bei der Gelegenheit möchte es noch einmal erwähnen, dass ich täglich viele, viele Mails etc zugeschickt bekomme, dafür bedanke ich mich auch ganz, ganz herzlich – wir sitzen doch alle im selben Boot. Ich kann diese Zuschriften leider nicht alle beantworten, habt bitte dafür Verständnis, ich hoffe aber mit Euch, dass doch noch alles gut wird.

Dieter

PS: Vielen Dank auch für jene Mails und Anrufe, die mich darauf hinwiesen, dass ich heute (im Blatt) Uwe Seeler zehn Jahre zu spät habe abtreten lassen. Ich wusste es natürlich, es war selbstverständlich 1972 – aber der Zeitdruck für meine zu späte Geschichte lastete wohl zu gewaltig auf meinen zarten Schultern.

16.41 Uhr

515

Marcus Scholz

***Leute, ich hab das Video jetzt vier mal hochladen müssen, bis es geklappt hat. Und für Euch ist es sicherlich nicht verkehrt, wenn Ihr die hier geschilderten Eindrücke von mir noch etwas objektiver beurteilen könnt, indem Ihr Euch das Video anseht. Vor allem: Wer es NICHT sehen will, der klickt einfach NICHT den Link am Textende an. Das ist doch fair, oder?***

Wenn man den Eindruck aus dem Augsburg-Spiel auch einen Tag nach der desaströsen Leistung als Grundlage nimmt, dann muss das so sein. Dann darf man nicht mehr ernsthaft an Besserung geschweige denn den Klassenerhalt glauben. Denn wer sich eine Woche lang nach eigener Aussagen Tag für Tag auf die Bedeutung dieses Spiels einschwört, wer einen Tag früher anreist und sich nach eigener Aussage gegenseitig heiß macht und dann so eine Leistung abliefert, der hat einfach nichts mehr drauf. Zumindest aber, und das kann undiskutiert hier so stehen bleiben: Dieser HSV hat sich wiederholt bundesligauntauglich präsentiert. Und leider setzte er das auch am heutigen Montag fort.

Für Abendblatt-Blogs


„Wir müssen jetzt vermehrt auf die anderen Klubs schauen, das ist so“, sagt ein komplett ratlos wirkender Sportchef Oliver Kreuzer heute in die laufenden Kameras. Und auch auf Nachfragen fällt dem Sportlichen Leiter des HSV nichts ein, was man jetzt noch machen könne. Nichts mehr, was jetzt noch an diese Mannschaft glauben lässt. Und den Glauben scheint Kreuzer verloren zu haben, auch wenn er nach fünf Minuten in Worte gehüllter Verzweiflung sagt: „Aber klar ist, dass wir jetzt hier nicht die Löffel wegwerfen.“ Soll heißen: Aufgeben ist nicht.

Oder war es das schon?

Wenn ich den heutigen Auftritt des Sportchefs als Grundlage für meine Hoffnung nehmen soll, dann habe ich keine mehr. „Wir haben uns eingeschworen, hatten im Mannschaftshotel eine richtig gute Stimmung und haben geglaubt, diese Mannschaft zu spüren“, resümiert Kreuzer, „und dann geht das Spiel los und alles ist verpufft. Nichts ist mehr zu sehen von dem, was der Trainer vorgegeben hat.“ Im Gegenteil: Die Mannschaft ergibt sich mit Anpfiff – mit zusammengerechnet drei Ausnahmen: Westermann, Mancienne und zu 50 Prozent Diekmeier sowie Calhanoglu. Aber der Rest dieser Mannschaft war gegen Augsburg e9n Totalausfall.

In der aktuellen Situation und mit der Vorlage der anderen Ergebnisse, sich so den Relegationsplatz so gut wie sichern zu können – einfach völlig inakzeptabel.

Gestern nach dem Spiel habe ich überlegt, Matz ab Live fernzubleiben, um mich selbst zu schützen. Ich hatte so viele Gedanken, die in Worte gefasst von Spielern wie Offiziellen des HSV zivilrechtliche Verfahren gegen mich nach sich gezogen hätten. Letztlich saß ich mit einem massiv erhöhten Puls da und habe vielleicht zwei Prozent meines Unmutes und meiner Kritik in Worte gefasst. Aber wenn ich allein an das denke, was ich gern über Milan Badeljs Verhalten auf dem Platz hätte sagen wollen… Denn, und das muss ich loswerden, wie sich der Kroate beim 0:2 – und das immerhin schon nach einer massiven Mitschuld am 0:1 – plötzlich verweigert, grenzt nicht mal mehr an Arbeitsverweigerung. Das ist noch viel schlimmer…

Da begleitet einer der spielintelligentesten Profis im Kader Altintop bis zum Sechzehner, also bis zur größten Gefahrenzone. Und obgleich er sieht, dass gleich eine Flanke in den Sechzehner segeln wird und niemand sonst seinen Mann übernehmen kann, bleibt er stehen. Einfach stehen!!!!! Das ist in ungefähr so verantwortungsbewusst, wie sein Kleinkind tagsüber auf der Mittelspur der A7 Ball spielen zu lassen. Und auch wenn weder Kreuzer noch Trainer Mirko Slomka uns je sagen werden, was sie wirklich darüber denken – ich kann es mir denken…

Sergej Barbarez sagt, wie uns Lotto gestern verriet, dass der HSV es aus seiner Sicht schaffen würde, obgleich er nicht benennen kann, warum. Es sei einfach sein Gefühl. Und das allein kann man gelten lassen. Denn trotz der unfassbar schwachen Braunschweig-Darbietung in Berlin und Nürnbergs Minusauftritt in Mainz ist das Gesamtbild dieses HSV im Ganzen desaströs. Den Versuch, jetzt mit Bio-Genetikern, Wundermitteln und Kristallen da Besserung herbeizuführen will ich gar nicht aburteilen. Dass ich an derartige Mittel nicht glaube und stattdessen lieber eine Trainingseinheit mehr sehen würde, soll nicht als Besserwisserei missverstanden wissen. Nein, aber diese Maßnahme zeigt mir, wie verzweifelt auch ein Slomka ist, wenn irdische Dinge allein nicht reichen. Und deswegen tut mir Slomka auch ehrlich Leid. Denn während alle anderen hiesigen Entscheidungsträger sich den Schuh des Scheiterns anziehen müssen, kam er, als es eigentlich schon zu spät war. „Eigentlich“, weil da nicht davon auszugehen war, dass Nürnberg so eine Niederlagenserie hinlegen würde.

Die Frage, die ich mir nach diesem resignierenden Auftritt des Sportchefs stelle, ist: Wie soll am Sonnabend gegen die vielleicht beste Vereinsmannschaft der Welt anders als in einer gnadenlosen Katastrophe enden? Gut, Augsburg kann sich noch theoretische Chancen auf einen Europa-League-Platz ausrechnen und Nürnberg ist so schlecht, dass auch das Heimspiel gegen Hannover verloren werden kann. Aber sonst? „Wir haben in den letzten Wochen jedes mal alles versucht, um alle Kräfte zu bündeln“, lässt uns Kreuzer wissen, dass selbst das nichts gebracht hat. Oh Mann, es ist tatsächlich wie Sergej sagt. Wenn wir es schaffen, dann werden wir nur sagen können, dass die anderen eben noch schlechter waren.

Am Mittwoch soll Rafael van der Vaart wieder ins Training einsteigen. Topfit wird er demnach bis Sonnabend nicht sein. Und trotzdem hofft Kreuzer auf den Niederländer. Frei nach dem Motto: Alles, was anders ist, ist im Zweifel besser als das Jetzige. Dass mit van der Vaart genau das passieren könnte, was ich bei Jansen und Badelj vermute – denn die beiden wirkten alles andere als spieltauglich am Sonntag -, hebelt der Sportchef kurzerhand aus. Wobei ich dem Niederländer, dessen Abgang im Sommer immer mehr zum Wunsch aller Beteiligten zu werden scheint, durchaus zutrauen würde, dass er sich im Besten verabschieden will und daraus noch mal die Motivation zieht, gegen Bayern und/aber zumindest Mainz das Spiel entscheiden zu wollen. Allein ob das am Ende auch reicht vermag ich nicht zu sagen…

Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wo man jetzt noch den Hebel ansetzen kann. Jetzt, wo auch zweifellose Weltklassespieler wie Rene Adler patzen. Sein achter schwerer Patzer war der Genickschuss für seine Mannschaft in Augsburg. „Ich weiß auch nicht, warum das so ist“, sagt Kreuzer und zuckt mit den Schultern. Und ich vermag hier eine These aufzustellen, von der ich absolut überzeugt bin: Rene Adler ist schlichtweg kein Führungsspieler. Zumindest keiner außerhalb des Platzes. Vielmehr musste Adler bei seiner bisherigen Station in Leverkusen nie führen. Es reichte stets, wenn er seine Leistung abrief – der Rest kam von selbst. Nationalelf, WM-Nominierung. Jetzt aber musste der Keeper einsehen, dass er sich ob dieser bundesligauntauglichen Kaderzusammenstellung um mehr als sich allein kümmern muss.

Dabei hat er mit sich allein allemal genug zu tun. Die WM steht vor der Tür, seine Nominierung ist alles andere als sicher und die Saison begann mit Patzern, auch weil er im Winter nur einen Bruchteil der Vorbereitung absolvieren konnte ehe er – das scheint beim HSV Methode zu haben – viel zu früh wieder ins Fahrwasser geschmissen wurde und erneut patzte.

Nein, das kann nicht gutgehen. Und auch hier gilt: Diesen Schuh müssen sich diejenigen anziehen, die diesen Kader geplant und die Verträge gemacht haben. Allesamt (Jarchow, Kreuzer, Fink, van Marwijk) haben sie verpennt, die schwerwiegenden Abgänge zu vermeiden oder zumindest zu kompensieren. Der Platz sieben in der Vorsaison darf durchaus als der einzige Unfall in den letzten drei Jahren betrachtet werden. Nicht umgekehrt. Man wollte diese Saison sogar noch besser abschneiden als in der vergangenen, wo man Siebter wurde. Herausgekommen ist schon jetzt die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte. Mehr Fehleinschätzung ging nicht. Der Wunsch schlug die Realität – und lediglich eine Menge Glück verwischte die deutlichsten Symptome.

Jetzt leider (weil es zum Abstieg führen könnte) aber auch zum Glück (weil jetzt endlich alle aufwachen und sich dieser Verein hoffentlich wirklich neu aufstellt) nicht mehr.

Scholle

Das Interview im Video: http://youtu.be/wofZF9FnH30o:

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Dieter Matz

Okay, wenn der Thorsten das sagt. Mit ihm hätte der HSV also keine Abstiegsnöte durchleiden müssen – genau genommen sagte er: „Ich kenne die Mannschaft sehr gut und hätte es hinbekommen, den Schlendrian aus ihr herauszubekommen. Mit mir wäre der HSV in dieser Saison vielleicht nicht in den Europacup gekommen. Aber er hätte mit dem Abstieg nichts zu tun.“ Die Frage, die ich mir beim Lesen dieser Zeilen stelle, ist, wie er darauf kommt. Denn: Seinen Punkteschnitt von 0,8 Pro Spiel in dieser Saison vorausgesetzt würde bedeuten, dass der HSV jetzt (aufgerundet) 25 Punkte hätte – also zwei weniger als tatsächlich und gerade mal so viele wie der Tabellenletzte Eintracht Braunschweig. „Ich kenne die Mannschaft, ich hätte den Schlendrian herausbekommen“, sagt der ehemalige Trainer via Sport Bild – und ich frage mich, warum. Immerhin habe ich Fink als durchaus loyalen Typen kennengelernt, der sich selten bis nie zu voreiligen Äußerungen – „Zoua ist ein Typ wie Guerrero“ im Sommer mal ausgenommen – hatte hinreißen lassen.

Jetzt also doch.

Denn ich empfinde diese Aussage als Affront und despektierlich seinen Nachfolgern gegenüber. Vor allem Slomka gegenüber, der letztlich nur noch das Übel seiner Vorgänger verwalten und ausbügeln muss. Denn für die Planungen des Kaders waren Fink im vergangenen Sommer und van Marwijk im Winter verantwortlich. Und immerhin hatte sich Fink im Sommer für einen Verkauf von Heung Min Son ausgesprochen und Artjoms Rudnevs als intern aufs Abstellgleis gestellt. Fink hatte zudem die Verpflichtung von Jacques Zoua empfohlen, er hat Sobiech mit Sportchef Oliver Kreuzer gescoutet und etliche Spieler (zum Verkauf) aus dem Kader suspendiert – ergo: Er hat maßgeblichen Anteil an der Planung des Kaders, dem inzwischen nicht nur ich fehlende Qualität attestiere.

Nein, das kann Fink schlichtweg nicht ernst meinen. Wobei, eine Erklärung für Finks plötzliches, öffentlich mutiges, lautes Auftreten gibt’s dann doch: Er hat etwas in der Pipeline und will sich nachhaltig ins Gespräch bringen.

Und tatsächlich, keine zwei Telefonate nach diesem ersten Verdacht bekomme ich tatsächlich die Info, dass Thorsten Fink vor einem neuen Engagement steht. Kein Quatsch. Am Wochenende wird sich der ehemalige HSV-Trainer, der zuletzt auch bei Eintracht Frankfurt im Gespräch war, mit seinem noch bis Ende Juni beim HSV unter Vertrag stehenden Assistenten Patrick Rahmen sowie Vereinsoffiziellen unterreden, ob das Job-Angebot interessant ist. Meinen Recherchen nach handelt es sich bei Finks potenziell neuem Arbeitgeber diesmal um den HSV-Konkurrenten im Abstiegskampf, um den 1. FC Nürnberg. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Oder soll diese Kleinattacke den HSV im Abstiegskampf noch mal verunsichern und so die Chancen erhöhen, dass der FCN doch noch drin bleibt? Oder ist es doch Frankfurt? Ein perfides Gedankenspiel – hoffe ich zumindest…

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Und wo ich schon mal dabei bin, zugegebenermaßen zu spekulieren: Auch Bayer Leverkusen sucht einen neuen Trainer (und soll sich mit Salzburgs Schmidt inzwischen einig sein). Das ist noch nicht besonders, weil bekannt. Allerdings hatte der Werksklub zuvor intern verlauten lassen, dass man sich mit dem FSV-Mainz-Trainer Thomas Tuchel so gut wie einig sei. Unter den Bundesligamanagern und bei den Spielerberatern galt das als fix. Tuchel allerdings hat inzwischen zur Überraschung aller abgesagt – und viele fragen sich: warum?

Ein Klub wie Bayer wäre für Tuchel finanziell ein Quantensprung – und sportlich ebenfalls eine massive Steigerung. „Was passiert aber, wenn Jogi Löw nach der WM sein Amt nicht mehr weiter ausführen soll oder will?“, fragte mich mein Gesprächspartner heute rhetorisch. Denn er spielte darauf an, dass – und das ist ein offenes Geheimnis – Jürgen Klopp in dem einen Fall Borussia Dortmund verlassen würde und zum DFB wechseln könnte. Dann würde Tuchel für den BVB als Klopp-Nachfolger hochinteressant.

Sollte da eine große Rochade vorgeplant sein?

Damit mich hier keiner falsch versteht, das ist eine zugegeben wilde Theorie. Und egal wie viele Konjunktive hier zweifellos zu nutzen sind, es ist zumindest eine interessante Theorie. Ebenso wie die von Finks Aussage im Zusammenhang mit einem Engagement in Nürnberg.

Gesund geworden, und das ist dann doch wichtiger als jede Trainerdiskussion, ist Milan Badelj. Ebenso wie Marcell Jansen absolvierte er heute erneut große Teile des intensiven Trainingsprogrammes, das immer wieder von Trainer Mirko Slomka unterbrochen wurde. Umschaltspiel stand auf dem Plan und Slomka forderte insbesondere Offensive Abschlüsse. Auffällig gut war hierbei Ivo Ilicevic – und auch Kerem Demirbay wusste zu gefallen. Dass Badelj am Sonntag in Augsburg in der Startelf steht, sofern ihm nichts mehr passiert, scheint klar. Und ich bin mir noch nicht sicher, wen Slomka neben den Kroaten stellen wird. Die defensivste Lösung mit Tomas Rincon? Oder die spielerischere Lösung mit Tolgay Arslan? Oder setzt Slomka auf frisches Blut und die Willensstärke des Deutsch-Türken, der allen zeigen will, weshalb er nach Hamburg gewechselt ist. „Es fiel mir extrem schwer, immer zuzusehen und nicht mithelfen zu können“, hatte Demirbay kurz vor seinem Debüt gegen Wolfsburg gesagt. Und auch anschließend konnte er sich ob der 1:3-Niederlage nicht richtig freuen. „Das habe ich mir anders vorgestellt, das kann es noch nicht sein.“

Demirbay ist jung, unerfahren – aber heiß. Arslan hingegen ist auch jung, trotzdem relativ erfahren – aber im Moment außer Form. Gegen Leverkusen noch bärenstark, wirkte der Deutsch-Türke zuletzt zweimal völlig neben der Spur. Er war in Hannover ebenso wie zu Hause gegen Wolfsburg maßgeblich an den entscheidenden Gegentoren beteiligt und wurde ausgewechselt. Nicht wenig spricht dafür, dass Slomka Arslan auch gegen Augsburg eine Pause gönnt. Wobei ich dabei bleibe, dass in Arslan trotz seines fehlenden Sprinttempos deutlich mehr Potenzial steckt, als ihm der Großteil der Blogger hier zuspricht. „Das ist ein richtig guter Fußballer“, hatte mich auch Thomas Strunz, den ich als absoluten Fachmann schätzen- und kennenlernen konnte, am Sonntag in meiner Meinung bestärkt. Ebenso wie in der Annahme, dass Arslan eben Badelj defensiv zu viel zulässt.

Sicher fehlen werden Johan Djourou (Muskelfaserriss) und Pierre-Michel Lasogga (Muskelbündelriss). Wobei Letztgenannter am Donnerstag nach München fliegt, um sich dort erneut von Nationalmannschafts-Doc Müller-Wohlfahrt untersuchen zu lassen. Anschließend soll entschieden werden, ob und wann der Angreifer endlich wieder ins Training einsteigen darf. Heute jedenfalls absolvierte Lasogga schon einen ersten, lockeren Lauf mit Rafael van der Vaart, der ebenfalls noch nicht mit der Mannschaft trainieren kann und dessen Rückkehr somit für Sonntag nahezu ausgeschlossen ist.

Ergo: Demirbay als Newcomer und Marcell Jansen sowie Milan Badelj als Rückkehrer sollen der gegen Wolfsburg wie Hannover zuletzt leblos wirkenden Mannschaft neue Impulse verleihen. So, wie der schärfere Ton im Training von Mirko Slomka. Immer wieder ermahnte er seine Offensivleute, den Abschluss zu finden – eine der wahrscheinlich größten Schwächen im Moment. Es fehlen einfach eigene Tore.

Ohne Angreifer ist das kein Wunder – womit sich der Kreis zu Fink wieder schließt, der maßgeblich am Verleih von Rudnevs mitgewirkt hat, indem er Sportchef Oliver Kreuzer klarmachte, dass der gehaltstechnisch teure Lette bei ihm keinen Platz hätte. Dafür empfahl er dem HSV Jacques Zoua, der seine Tauglichkeit eher ausnahmsweise unter Beweis stellen konnte. Bleiben noch die Mittelfeldspieler Hakan Calhanoglu und – wie vor Wolfsburg als kleiner Hoffnungsschimmer von mir geschrieben – Ivo Ilicevic. Und der Kroate, der trotz seiner häufigen Verletzungen weiterhin auf einen Platz im WM-Kader der Kroaten hoffen darf, war auch heute wieder derjenige, von dem mal etwas außergewöhnlich Gutes im Eins-gegen-Eins zu sehen war. Zudem sucht der dribbelstarke Kroate die Zweikämpfe und sorgt somit zumindest für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass der HSV zu seinen zuletzt einzigen Torchancen kommt: zu Freistößen von Hakan Calhanoglu.

Und obwohl ich lange überlegt habe, lasse ich hier und heute Vereinspolitik komplett ruhen. Wir haben akutere Probleme und die Geschichte mit der Lizenz haben wir gestern ausreichend erläutern können. Geändert hat sich seitdem eh nichts. Die Frage, die sich alle stellen (Ist der HSV in Liga zwei überhaupt überlebensfähig?) beantwortete Klubboss Carl Jarchow eindeutig: „Wir werden die Bedingungen für den Erhalt der Lizenz innerhalb der vorgegebenen Zeit erfüllen.“ Hoffentlich.

Morgen geht es um zehn Uhr an der Imtech-Arena weiter. Dann sollen Marcell Jansen und Milan Badelj ihr Pensum nochmals steigern, damit sie am Freitag komplett mitmachen können.

Bis dahin,
Scholle

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Dieter Matz

Trainingsfrei. Dier Mannschaft soll durchatmen. Und wir sollten das auch einmal versuchen. Ich für meinen teil kann das arbeitsbedingt nur teilweise, aber ich kann von mir behaupten, die Leidenschaft für den HSV noch nicht verloren zu haben. Das gilt für den Verein wohlgemerkt – weniger für die Mannschaft. Denn auch zwei tage nach dem Spiel gegen Wolfsburg kann ich mich nicht damit anfreunden, was diese Mannschaft auf dem Platz angeboten hat. Wäre es das erste Mal – okay. Aber nach einem katastrophalen Spiel wie dem in Hannover muss man von dieser Mannschaft gegen Wolfsburg einen komplett anderen Auftritt erwarten dürfen. Dass selbst der dann gegen starke Niedersachsen verloren gehen kann – klar. Aber in der jetzigen Situation ein Spiel so abzuschenken und nachher noch von guten 25 Minuten in der zweiten Halbzeit zu sprechen kriege ich nicht untergebracht. Mir wird immer bewusster, was ich vorher zu verdrängen versuchte: Diese Mannschaft hat weder die Qualität noch den Charakter, die Bundesliga von sich aus zu halten. In dieser Mannschaft sind diejenigen, die sich verantwortlich fühlen und für Wiedergutmachung stehen in der absoluten Minderheit. Und das k…. mich an.

Dass diese Art von außen vorgelebt wurde und wird macht das alles nicht leichter. Mein Doppelpass-Auftritt war letztlich wie ein Spießrutenlauf. Immer wieder musste ich den anderen Experten erläutern, was alles falsch läuft. Und diese Fragen endeten auch nach drei Stunden noch nicht – wie auch? Es gibt einfach zu viele berechtigte Ansätze bei einer kompletten Fehleranalyse.

Für Abendblatt-Blogs


Schlimmer noch. Selbst ein tatsächlich extrem höflicher Mensch wie Stefan Reuter sorgte für einen Steilpass zur Verarsche des HSV. Worauf sich Augsburg besonders einstellen müsse im anstehenden Spiel gegen den HSV wollte der FCA-Sportchef wissen. „Auf nichts“, so die Antwort von Mario Basler, der sich die Partie des HSV gegen Wolfsburg komplett angesehen hatte. „Ich hatte sicher auch mal Auftritte, die lustlos wirkten“, gab das enfant terrible früherer Tage zu, „aber da haben mich zehn andere aufgefangen. Beim HSV ist es andersrum: Da versuchen ein, zwei Leute, die Bocklosigkeit der anderen aufzufangen. Das kann nicht gutgehen“, so die Analyse des einstigen Europameisters.

Und auch wenn es hier kaum jemanden überrascht: Das fiel sogar einem auf, der sich ansonsten herzlich wenig Gedanken macht. Auch nicht über den HSV. Und das erschreckte mich zusätzlich.

Vor zwei Jahren war es Hertha BSC. Die Berliner schienen zehn Spieltag vor Saisonende gerettet und punkteten anschließend fast gar nicht mehr. Ebenso wie der HSV, der sich mit Flattersiegen gegen Kaiserslautern und Hannover letztlich doch den Klassenerhalt sicherte. Damals ergab die Fehleranalyse, man müsse einen Neustart wagen, auf junge Talente setzen, sich von arrivierten, teuren Spielern trennen. Dass nur wenige Monate und einen Saisonfehlstart später Rafael van der Vaart für 15 Millionen Euro verpflichtet wurde – es ist nur eines von gefühlt Millionen Indizien für die Unwissenheit der Entscheidungsträger. Und dieses Unwissen ist tatsächlich die einzige Konstante der letzten Jahre.

Wenn ich dann höre, dass ein Alexander Esswein im Winter für Null zum FC Augsburg wechselt, zu jenem Verein, der mit gerade einmal 18 Millionen Euro (HSV: mehr als 40 Mio) um den Einzug in die Europa League spielt, dann frage ich mich: Wo war unser Sportchef? Reuter sagte mir, dass er im Feilschen um Esswein keine Konkurrenz aus Hamburg hatte – dabei brauchten wir im Winter dringend einen Stürmer. Wenn dieser zudem jung und im Gehalt günstig ist, warum wurde da nicht zumindest angefragt? Gleiches gilt für Ivica Olic. Ich hatte Oliver Kreuzer vor unserem Interview in der vergangenen Woche gefragt, ob Ivica in Hamburg ein Thema war. Er sagte mir, dass dem nicht so war. Weil Olic im Gehalt zu teuer ist. Und das stimmt. Dem Vernehmen nach soll Olic sechs Millionen Euro beim VfL verdienen. Dass der Kroate seit seinem Wechsel zum FC Bayern nicht müde wird, seine Liebe zum HSV zu betonen, hat hier niemanden aufmerksam werden lassen.

„Ich wusste oft, dass wir keine Chance haben. Und trotzdem bin ich die großen Spieler angegangen. Denn nur wenn Du in oberen Etagen anfängst zu suchen, hast du die Chance, einen überraschenden Transfer zu schaffen“, hatte mir Dietmar Beiersdorfer einst im Interview gesagt, nachdem er den damaligen Weltklassespieler Rafael van der Vaart nach Hamburg gelotst hatte. Ein Vorgehen, dass in Hamburg der Vergangenheit angehört. Ebenso wie überraschend gute Transfers. Ivica Olic jedenfalls, der entscheidende Angreifer des VfL beim 3:1 in Hamburg, wurde nicht angesprochen. „Ich habe kein Mitleid“, so die herzlose Antwort des Linksfußes direkt nach dem Sieg in Hamburg. Der Hintergrund dürfte jedem hier jetzt bewusst werden. Ebenso wie der für die Verpflichtung der zwei uneigennützigen van-Marwijk-(Fehl-)Empfehlungen Bouy und John…

Es ist so bitter! Dieser HSV gibt sich in fast allen Bereichen der Lächerlichkeit preis. Wie gern würde ich einfach alles abschalten und diesen HSV so verfolgen, wie es diese Konstellation verdient hat. Einfach nichts an mich heranlassen und mir nicht lange, ansonsten schöne Ostertage von einer unfassbar leblosen Niederlage versauen lassen. Wie einfach wäre es für mich, Niederlagen wie die der Braunschweiger zu verarbeiten. Die geben immer alles – und können einfach nur zu wenig, weil ihre Mittel arg beschränkt waren und sind. Der HSV indes hat einen Gehaltsetat von noch immer über 40 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie die Niedersachsen.

Aber ich kann nicht anders, weil ich nicht will, dass dieser HSV absteigt. Obwohl dieser Verein, der Bundesliga-Dino, seit Jahren nur noch verwaltet wird. Entwickelt wird hier seit Jahren nichts mehr, stattdessen werden alle Neubauten eingerissen und teure Abfindungen bezahlt. Nur ein Rechenbeispiel: Olic’s Gehalt muss der HSV inzwischen an Abfindungen bezahlen. Für Trainer, die hier gescheitert sind und dafür viel Geld bekommen haben. Und ich behaupte, dass der HSV mit einem ablösefreien Esswein (Jahresgehalt 750000 Euro) statt Zoua (kostete 650000 und verdient 800000 im Jahr) sowie einem Olic in der Offensive neben Lasogga nicht um den Abstieg spielen würde.

Aber viel schlimmer als dieser theoretische Ansatz wiegt für mich die Tatsache, dass hier in Hamburg Campus-Gelder in Abfindungen, in die Bilanz und in Beleuchtungsanlagen für den Rasen gesteckt werden anstatt in Spieler. Weil der HSV keinen Plan hat. „Unser Erfolg rührt nicht aus den letzten Jahren“, hat mir Reuter gesagt, als ihn alle gerade für die aktuellen Erfolge feiern wollten. „Unser Erfolg fing im Jahr 2000 an, als unser Präsident Walther Seinsch den Plan fasste, in die Bundesliga aufzusteigen. Seitdem wird in Augsburg ein Konzept gelebt, an das ich mich halte. Zum einen, weil ich überzeugt davon bin, zum anderen, weil es Seinsch’s Bedingung war, als ich anfing.“

Merkt Ihr das? Selbst ein Bundesliga-Novize wie Augsburg ist dem HSV strukturell um Ewigkeiten voraus. Und diese Erkenntnis tut weh. In Augsburg ist es der 72-Jährige Seinsch, der ununterbrochen an der Klubspitze agiert. Der FCA hat einen starken Mann – der HSV nicht. Unser Klub ist in der Gänze nicht unwesentlich kleiner“, versucht Reuter den HSV noch zu verteidigen, „da lassen sich Entscheidungen schneller abstecken. Wenn wir einen Spieler halten, verkaufen oder verpflichten wollen, sitzen der Trainer, Seinsch und ich zusammen und entscheiden. Alle haben ein Vetorecht und wir versuchen uns zu überzeugen. Aber klar ist, dass wir nur dann etwas machen, wenn wir alle zusammen überzeugt sind.“ Ein Beispiel, das hier in Hamburg fast undenkbar ist. Dafür wechseln allein die Trainer schon viel zu oft…

Das wiederum liegt an der Führungslosigkeit dieses Vereines, weshalb ich seit Wochen versuche herauszufinden, wer bei HSVPlus letztlich diese unumstritten Persönlichkeit werden soll. Bernd Hoffmann wird hier im Blog immer wieder genannt, scheint aber bei den Strukturreformern keine Mehrheit zu bekommen. Zumal Dietmar Beiersdorfer für die sportlichen Geschicke weiterhin einer der Topkandidaten ist. Und dass es eine Reunion von Hoffmann und Beiersdorfer geben wird ist ausgeschlossen.

Als die HSVPlusser dem aktuellen Vorstandsvorsitzenden ein Organigramm vorlegten und ihn fragten, wo er sich in Zukunft sehen würde, deutete Carl Jarchow dem Vernehmen nach ohne zu zögern auf den Posten des Vorstandsbosses der neuen AG und musste feststellen, dass die Initiatoren ihn da nicht sehen. Joachim Hilke, der sich bereits seit einigen Monaten intensiv mit den Initiatoren von HSVPlus austauscht, galt lange Zeit als einer der Kandidaten für den Vorstandsvorsitz. Auch, weil der bislang noch einzige potenzielle strategische Partner, Klaus-Michael Kühne, in Hilke seinen einzigen Gesprächspartner im aktuellen Vorstand hat. Inzwischen gilt diese Lösung maximal noch als Übergangslösung.

Wie bereits geschrieben, ist Oliver Bierhoff der Wunschkandidat von HSVPlus. Auch, weil Holger Hieronymus abgesagt hat. Allerdings ist die Lösung mit dem bis 2016 beim DFB angestellten Nationalmannschafts-Manager fast so unwahrscheinlich wie die Doppelspitze Beiersdorfer/Hoffmann.

Immer unwahrscheinlicher wird zudem, dass die komplette Veranstaltung am 25. Mai über die Bühne gehen kann. Neben drei Aufsichtsratskandidaten sind auch rund 50 (!!) Änderungsanträge eingegangen. Zudem steht die wichtigste Wahl der Vereinsgeschichte an. Eine Menge Holz für einen Tag. Und für den einen oder anderen HSVPlus-Gegner sicherlich nicht die schlimmsten Aussichten… Wobei: Hinzu kommt noch die Aussprache, die wahrscheinlich endlos geführt werden könnte, angesichts der Fehler der letzten Monate und Jahre. Naja, auf jeden Fall werde ich mir für den 25. Mai nichts anderes vornehmen…

In diesem Sinne, morgen geht’s wieder auf den Platz. Hoffentlich auch für Marcell Jansen, Rafael van der Vaart, und Milan Badelj.

Scholle

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Dieter Matz

Kein Tag ohne Fußball – dachten sich heute auch die beiden HSV-Vorstände Carl Jarchow und Oliver Kreuzer. Die abstiegsbedrohte U 19 des Vereins hatte es an der Hagenbeckstraße mit dem VfL Osnabrück zu tun, dem Tabellenletzten der Bundesliga. Ein Sieg musste her für die Truppe von Trainer Otto Addo, aber das hat nicht geklappt. Trotz zahlreicher Torchancen, vor allem am Ende, hat es nur zu einem 1:1-Unentschieden gereicht.

Dominik Masek hatte den HSV Mitte der zweiten Halbzeit in Führung gebracht, etwa eine Viertelstunde vor dem Ende glichen die Niedersachsen aus. Der Abstiegskampf geht weiter für den HSV – bitter, dass es nicht einmal gegen den Letzten zu einem Sieg gereicht hat. Jonathan Tah spielte solide als Innenverteidiger, im zentralen Mittelfeld versuchte Matti Steinmann, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Das gelang nicht immer richtig gut.

Der Nachwuchs ist eines der Themen, dem sich Sportchef Oliver Kreuzer in Zukunft dringend widmen muss. Was dort alles brach liegt, hat Scholle hier zuletzt bereits deutlich formuliert. In jedem Fall zahlt der Verein nicht nur bei den Profis sondern auch im Nachwuchs die Zeche für Fehler der Vergangenheit.

Für Abendblatt-Blogs


Heute musste sich Kreuzer zudem mit Vorwürfen der Gegenwart auseinander setzen. Es geht um einen Artikel des „Spiegel“, der morgen erscheint. Demnach soll Kreuzer einem Spielerberater gebeten haben, einen Abnehmer für Torwart Rene Adler zu finden. Der Bericht beginnt mit einem angeblichen Gespräch Kreuzers mit einem Berater – Adler (Vertrag bis 2017) könnte doch in der spanischen und englischen Liga angepriesen werden, heißt es.

Oliver Kreuzer wurde heute, konfrontiert mit dieser Meldung, wütend: „Das ist absoluter Blödsinn. Solch ein Gespräch hat es nie gegeben. Warum sollte ich jetzt, mitten im Abstiegskampf, unseren Torwart irgendwo anbieten?“ Vereins-Chef Carl Jarchow ergänzte: „Die Geschichte ist totaler Schwachsinn.“

Dass die Hamburger Mannschaft, insbesondere bei einem immer noch möglichen Abstieg in die Zweite Liga, kommende Saison ein anderes Gesicht haben würde – das ist dabei völlig unstrittig. Egal ob die Spieler nun Verträge für beide Ligen haben oder nicht. Im Unterhaus würde sich das Gesicht des Teams komplett verändern. So viel steht fest.

Dass es soweit nicht kommen muss, hat die Partie vorgestern gegen Bayer Leverkusen gezeigt. Da war Leben und Stimmung in der Bude wie lange nicht. Und der HSV ist dabei, eine neue Führungsfigur zu finden. Es ist Hakan Calhanoglu, der seit Wochen glänzende Leistungen zeigt. Nicht nur wegen seiner Tore, sondern vor allem wegen seiner kämpferischen Einstellung auf dem Platz. Calhanoglu hat sich dabei in den Monaten seit seiner Verpflichtung im vergangenen Sommer enorm entwickelt. Am Anfang war er unter Thorsten Fink noch Joker. Manchmal wurde er eingewechselt, wie zum Beispiel beim 2:6 Anfang September in Dortmund, leistete sich Fehlpässe, ohne anschließend hinter dem Ball hinterherzujagen.

Die Mitspieler waren nicht eben gut zu sprechen auf diesen jungen Emporkömmling aus der Dritten Liga, der bislang nur in Karlsruhe zu begeistern wusste und ein allzu großes Selbstvertrauen zu haben schien. Doch unter Bert van Marwijk und erst recht unter Mirko Slomka zeigt sich ein anderen Hakan Calhanoglu. Er spielt nicht für die Galerie oder um seinen Ego-Trip bei Freistößen durchzuziehen. Er rennt und läuft und kämpft und setzt Zeichen im Stadion. Sehr gut, dass Oliver Kreuzer seinen Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängert hat.

Kein Wunder übrigens auch, dass die halbe Haupttribüne am Freitag voll war mit Scouts aus Spanien und aus England, die das HSV-Juwel mit dem goldenen rechten Fuß auf dem Zettel haben. Da wird mit ziemlicher im Sommer das eine oder andere Angebot auf den Schreibtischen in der imtech-Arena landen.

Ob der HSV im Fall der Fälle standhalten könnte – das steht wohl in den Sternen, Zweifel sind angebracht. Immer wieder wird ja darüber diskutiert, wie die Arbeit von Oliver Kreuzer denn nun zu bewerten ist. Gute Vertragsabschlüsse (Calhanoglu, Lasogga) und schlechte (van Marwijk, aktuell Djourou) lassen sich für beide Sichtweisen finden.

Klar ist jedenfalls, dass der HSV in dieser Saison unter Kreuzer aber auch wirklich alle Deals, also Käufe, Verkäufe und Leihgeschäfte, unter wirtschaftlichem Zwang getätigt hat. Das ging schon im letzten Sommer los, wo die Verteidiger Sobiech und Djourou geholt wurden, um den Verkauf von Mancienne, Rajkovic und Scharner anzufeuern. Alle drei Großverdiener – hier musste Geld aus dem Gehaltsetat eingespart werden. Das hat nicht geklappt, dazu kamen später die Abfindungen für Arnesen und Fink, so dass Aogo verscherbelt wurde. Lasogga konnte nur ohne Kaufoption geholt werden (schlecht für den HSV), während bei Djourou eine Kaufoption unumgänglich war, um ihn überhaupt zu bekommen (auch schlecht für den HSV – jetzt muss der Verein ihn für einen viel zu hohen Betrag ganz kaufen).

Im Winter lief es ja ähnlich. Irgendwelche Spieler konnten nur geholt werden, ohne dass der HSV wirtschaftlich etwas draufpacken konnte – auf der anderen Seite wurde mit Rudnevs entgegen jeder sportlichen Logik ein dringend benötigter Ersatz für Lasogga abgegeben. Da kann man nicht davon sprechen, dass dieser Verein das Heft des Handelns in den eigenen Händen hält. Natürlich wäre es hilfreich gewesen, wenn die Trefferquote bei Transfers von Oliver Kreuzer näher an den 100 Prozent dran gewesen wäre, als sie es am Ende war.

Wer viel Zeit hat zum Lesen, der konnte sich schon seit gestern durch die 300 Seiten quälen, die der Verein als Grundlage für die Ausgliederung in eine Fußball AG an seine Mitglieder herum geschickt hat. Am 25. Mai wird dort auf der großen Versammlung ja über das Modell nach HSV-Plus-Vorbild abgestimmt. „Das Konzept entspricht eins zu eins unseren Vorstellungen“, sagte HSV-Plus-Frontmann Otto Rieckhoff. In den 300 Seiten stehen allerhand juristische und wirtschaftliche relevante Einzelheiten – für das normale Mitglied kaum zu durchschauen. Eine erste eigene Vereinfachung und Zusammenfassung ist auf der HSV-Plus-Seite nachzulesen.

Viele Grundzüge sind bereits bekannt. Der Profi-Fußball-Bereich bis hinab zur U 16 geht über in die neue Fußball AG. Diese Fußball AG wird gestaltet aus der bereits existierenden (leeren Hülle) Sport AG, die entsprechend umbenannt und mit Leben gefüllt wird. Die Campus-Anleihe geht auf die Fußball AG über. 271 Mitarbeiter des HSV e.V. gegen mit ihren Arbeitsverträgen in die Fußball AG. Sollte HSV Plus und damit die Fußball AG die nötige Dreiviertelmehrheit erhalten, dann würde es bis zur folgenden Versammlung im Januar 2015 eine Übergangsregelung geben.

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ERGÄNZUNG 19.52 Uhr: Zunächst würde am 25. Mai der neue Aufsichtsrat gewählt. Der aktuelle Vorstand würde gleichzeitig ins Präsidium des e.V. übergehen. Ob der neue Aufsichtsrat der Fußball AG den alten Vorstand des Vereins gleichzeitig als Vorstand der Fußball AG behält, ist offen. Genauso möglich ist, diesen Vorstand ganz oder teilweise neu zu besetzen mit neuen Leuten. Und das ist ja sehr gut möglich.
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Ganz wichtig wird in diesem Zusammenhang sein, welches Team Rieckhoff für seinen neuen Aufsichtsrat ins Rennen schicken wird. Bis zum 20. April müssen entsprechende Vorschläge eingereicht sein, und vorher will Rieckhoff die Kandidaten noch öffentlich vorstellen. Mit Thomas von Heesen und dem Kühne-Vertrauten Karl Gernandt stehen bereits zwei Namen im Raum.

Die Debatte um die HSV-Reform wird mit Sicherheit in den kommenden Wochen, wenn die Mannschaft noch um den Klassenerhalt in der Bundesliga kämpft, für Schlagzeilen sorgen. Wobei das 2:1 gegen Leverkusen und die sensationelle Stimmung im Stadion schon gleich eine ganz andere Hoffnung hervorgerufen hat. Dass die Lage im Keller der Bundesliga sich jedoch kaum entspannt hat, wird beim Blick auf die Tabelle nach dem 3:0 von Eintracht Braunschweig gegen Hannover 96 deutlich:
13. Hannover -18 29 Pkt.
14. Freiburg -19 29
15. Stuttgart -13 27
16. HSV -15 27
17. Nürnberg -20 26
18. Braunschweig -22 25

Wie wichtig wäre es jetzt bitteschön, wenn der HSV in Hannover nachlegen und auch diese Partie für sich entscheiden könnte? Einen Weg zum Klassenerhalt hat der Leverkusener Sportchef Rudi Völler heute bei Sport 1 aufgezeigt:

„Wir haben, obwohl wir verloren haben, am Freitagabend eine recht gute Leistung gebracht. Es gab nur einen Grund, warum wir verloren haben: Der zwölfte Mann war das Publikum in Hamburg, aber der Schiedsrichter Herr Dankert war der 13. Mann für Hamburg. Der HSV wird sicherlich den Antrag stellen, ob Herr Dankert nicht noch eines der letzten Spiele pfeifen darf. Dann werden sie nämlich definitiv nicht absteigen.“

Nun wird es wahrscheinlich aber doch wechselnde Schiedsrichter geben und der HSV muss – wie am Freitag – sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Das wird zunächst ohne Milan Badelj geschehen, bei dem sich der befürchtete Muskelfaserriss im Oberschenkel bestätigt hat. Damit fehlt er mal ganz sicher in Hannover. Der HSV hofft auf die Rückkehr von Pierre Michel Lasogga, ganz klar.

Morgen wird es noch einmal ruhig werden auf dem Trainingsplatz, ehe Mirko Slomka am Dienstag mit voller Kraft in die Hannover-Woche einsteigen wird.

Schöner Gruß von Lars

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