Vom
Hamburger Abendblatt
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Todt

7 markierte Artikel

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Kai Schiller

Tabellenplatz 17, vier sieglose Spiele in Folge und dann auch noch ein schmerzhafter „Spiegel“-Artikel. Beim HSV brennt der Weihnachtsbaum. …weiterlesen 

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HSV-Reporter

Der HSV sollte an die Eigenverantwortung seiner Spieler appellieren und Geheimtraining von der Agenda streichen. HSV-Reporter Henrik Jacobs meldet sich mit einer Einschätzung aus Südamerika. …weiterlesen 

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Marcus Scholz

Lewis Holtby kommt langsam aber sicher wieder in Fahrt

Lewis Holtby kommt langsam aber sicher wieder in Fahrt

Still ruht der See. Zumindest in Sachen Transfers ist es heute erneut sehr ruhig gewesen. Weder ein Verkauf noch eine Verpflichtung – obgleich sich der Verkauf von Jacques Zoua in den finalen Zügen befinden soll. Und auch die Spieler durften heute mal ganz in Ruhe ausspannen, nachdem sie am Sonnabend gegen Hellas Verona einen Sieg feiern und am kommenden Tag einen Mannschaftsausflug absolvieren durften. Erst am morgigen Dienstag soll es weitergehen. Und ich hoffe, dass es bei einer Personalie genau so weitergeht wie es sich in der Vorbereitung bislang darstellt: Lewis Holtby. …weiterlesen 

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Dieter Matz

Oha, was habe ich da wieder Partei ergriffen. Ohne es zu merken auch noch. Mit der Behauptung, dass Sportchef Oliver Kreuzer Glücksgriffe gelungen sind, habe ich eine Opposition gegen mich aufgebracht. Daher möchte ich mich hier entschuldigen. Denn die von mir gemeinten Verpflichtungen von Pierre Michel Lasogga und dem neuen Trainer Bert van Marwijk sind natürlich keine Glücksgriffe – sondern Sofortverstärkungen. Und von Arnesen. Zumindest eingeleitet. Immerhin haben die bestimmt irgendwann mal miteinander telefoniert. Vor ein paar Jahren – was letztlich und logischerweise in der aktuellen Verpflichtung für den HSV münden MUSSTE.

Was für ein Quatsch. Was für eine unsinnige Diskussion…

Deshalb kürze ich selbige hier ab und starte einen neuen Versuch, den heutigen Blog zu starten, denn:

20 Grad, viel Sonnenschein – heute ist ein schöner Tag! Für die HSV-Profis zumindest, die heute allesamt frei haben. Mit ihnen selbstredend auch die jungen Talente, um die sich mein gestriger Blog größtenteils drehte. Und ich bleibe auch dabei, dass dieser HSV mit Tah, Calhanoglu, Arslan, Beister und Lasogga fünf richtig gute junge Leute hat, auf die man aufbauen sollte. Wer auch immer sie verpflichtet oder deren Verträge verlängert hat, der HSV hat diese Spieler unter Vertrag und entsprechend auch mal wieder eine echte Perspektive. Mit etwas Glück und Ruhe kann der HSV endlich seinen schlechten Ruf in Sachen Nachwuchsarbeit wieder etwas aufpolieren. Auch der höchst bedauerliche Abgang von Lewin Öztunali kann in Teilen positiv gewertet werden – immerhin wurde er beim HSV ausgebildet. Nur nicht gehalten. Ebenso wie einer, der mir in fast allen Auflistungen bei ehemaligen HSV-Internatsspielern fehlte: Shkodran Mustafi. „Ich habe mich schon daran gewöhnt, in den Auflistungen nicht mehr aufzutauchen“, sagt Shkodran, „und das ist auch nicht schlimm.“

Warum auch? Immerhin hat der defensive Mittelfeldspieler seinen Weg gemacht, spielt aktuell nicht nur in der U21-Nationalmannschaft unter Horst Hrubesch sondern auch in der Serie A bei Sampdoria Genua. Allen, die den jungen Mann nicht kennen, möchte ich ihn kurz vorstellen: Der Sohn albanischer Eltern wuchs in Bebra auf, spielte dort für den 1. FV Bebra und den SV Rotenburg. „Damals war ich noch Stürmer. Bis ich zum HSV kam. Dort wurde ich zum Defensivspieler umfunktioniert.“ Das wiederum war 2006. Bei einem Hallenturnier mit Rotenburg waren gleich mehrere Bundesligisten an ihm interessiert – und der HSV machte das Rennen. „Der Sportchef Dietmar Beiersdorfer und seine Scouts haben sich damals sehr bemüht“, erinnert sich Shkodran. So sehr, dass der damals gerade erst 14-Jährige allein aus Rotenburg nach Hamburg ins Internat zog. „Ich war immer sehr selbstständig, wurde dort aber gut betreut. Die Schule hat nicht mehr gelitten, als sie musste“, so Mustafi mit einem herzhaften Lachen. Dennoch reichte es beim HSV zwar zu allen U-Nationalmannschaften, nicht aber zum Sprung ins Profiteam, obgleich er unter Martin Jol ein paar Profi-Einheiten mittrainieren durfte.
Zur Saison 2009/10 wurde er vom FC Everton für drei Jahre verpflichtet, nachdem auch Newcastle United, Manchester City und Borussia Dortmund Interesse gezeigt. Wieder von den Eltern getrennt in Everton gab er am 17. Dezember 2009 als 17-Jähriger (!) sein Pflichtspieldebüt in der Profimannschaft, als er im letzten Gruppenspiel der Euro-League beim 0:1 gegen BATE Baryssau in der 75. Minute eingewechselt wurde. Everton war zu diesem Zeitpunkt bereits für die nächste Runde qualifiziert, und Trainer David Moyes hatte für das Spiel insgesamt acht Nachwuchsspieler der Jahrgänge 1990 bis 1993 in den Profikader berufen. Anfang 2012 wechselte Mustafi ablösefrei zum damaligen italienischen Serie B-Klub Sampdoria Genua, da er sich in England nicht durchsetzen konnte. Am letzten Spieltag der Saison 2011/12 kam Mustafi zu seinem ersten Einsatz für Genua, als er im Auswärtsspiel gegen AS Varese 1910 (1:3) in der Startelf stand. Zum Saisonende stieg er mit Sampdoria in die Serie A auf.

Klingt ehrlich gesagt nicht nach einem, der den Durchbruch hinter sich hat?

Stimmt auch. Allerdings ist Mustafi gerade fleißig dabei, sich zum Stammspieler in Genua zu entwickeln. „Es läuft für mich richtig gut“, so der 21-Jährige, der vor Genua Angebote aus Braunschweig, Nürnberg und von Hertha BSC hatte. Warum es beim HSV seinerzeit nicht geklappt hat? „Wir sind uns schlichtweg nicht einig geworden. Jens Todt war damals unter Sportchef Dietmar Beiersdorfer Nachwuchschef, Cardoso Trainer der U23. Und die haben mir gesagt, dass alle Spieler, die bleiben sollen, den gleichen Vertrag unterschreiben müssen. Und das wollte ich nicht. Aber meine Wünsche konnte der HSV nicht berücksichtigen, wie mir mitgeteilt worden war.“ Was er sich gewünscht hätte? „Es ging um vieles, auch um Perspektive. Vor allem ging es mir um Vertrauen, um Verhandlungsführung. Und das kam nicht rüber. Leider. Obwohl ich letztlich sagen muss, dass es das gute Recht des HSV war, mich nicht zu verlängern.“

Böse ist Mustafi in Hamburg niemandem, im Gegenteil. Aber er trauert der Zeit etwas nach. „Der HSV hatte immer eine ganze Reihe toller Nachwuchsspieler, die leider zu leicht den Verein verlassen haben. Wenn ich dann immer diese Diskussionen höre, der HSV hätte nie jemanden nach oben gebracht, finde ich das schade. Denn es sind ja viele Talente – Sam, Ben-Hatira, Arslan, Beister, Choupo-Moting und auch Torun – in der Bundesliga gelandet und spielen einen guten Ball. Ich glaube, dass allesamt dem HSV gut hätten helfen können.“ Er auch? „Das weiß ich nicht. Ich will ja nicht vermessen sein, das müssen andere beurteilen. Aber ich freue mich, dass der HSV mit Jonathan Tah einem so jungen Spieler das Vertrauen schenkt. Denn das bekommt der Verein doppelt und dreifach zurück. Von Tah – und weil es gut für den Ruf der Nachwuchsabteilung ist…“

Stimmt. Punkt. An einem Beispiel schnell erzählt, warum der HSV nicht den Ruf genießt, für große Talente das Sprungbrett zu sein. „Das kann sich doch schnell ändern, wenn der HSV so weitermacht“, sagt – Thorsten Fink. Den ehemaligen HSV-Trainer habe ich heute in München erreicht, wo er sich vermehrt um den Bau seines neuen Hauses und vor allem um die Familie kümmert. „Als Trainer ist man privilegiert, sein Hobby zum Beruf zu machen“, so Fink, „aber die Familie muss leiden. Aber jeder Trainer wird einmal entlassen und sollte diese Zeit dann zwingend für die Familie nutzen. Ich mache das auf jeden Fall.“

Fink klingt gut. Er hat das Aus beim HSV verkraftet. „Ich war zwar noch voller Elan, aber es war halt so. Ich habe meine Ziele beim HSV erreicht und einen tollen Klub trainiert. Diese Mannschaft ist mir ans Herz gewachsen. Das sage ich gern und laut. Alles andere diskutiere ich gar nicht.“

Fink ist tatsächlich nicht sauer. Er hat auch verkraftet, von vereinzelten Führungsspielern nicht mehr die Rückendeckung erfahren zu haben, die er in der schwierigen Endphase beim HSV benötigte. „Es hat am Ende mit dem einen oder anderen nicht mehr so gepasst – das ist manchmal so in großen Gruppen. Trotzdem freue ich mich, diese Mannschaft spielen zu sehen. Wie Arslan aufspielt, wie sich Tah entwickelt – das ist toll. Und bei beiden war ich mir sicher, dass sie es schaffen. Deshalb habe ich Tah ja hochgeholt und Tolgay immer wieder eingesetzt.“

Fink sieht in der aktuellen Entwicklung des HSV viel eigene Arbeit stecken – ohne dem neuen Trainer etwas absprechen zu wollen. „Warum auch? Bert van Marwijk ist ein guter Trainer. Er hat die Probleme erkannt und arbeitet daran. Wenn er die Abwehrarbeit stabilisieren kann, kann das richtig gut werden. Ich wünsche es dem Verein auf jeden Fall.“

Klingt doch versöhnlich. Fink verschließt sich jeglichem Nachtreten. Es wäre halt nicht seine Art. Und genau so möchte ich den heutigen Blog schließen. Friedlich.

Bis morgen! Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

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Dieter Matz

Ein freies Wochenende für die Profis, diesmal zwei ganz legale und unumstrittene freie Tage – Erholung pur beim HSV, auch wenn neun Nationalspieler mit ihren Teams rund um den Erdball unterwegs sind. Richtig viele von ihnen haben am Freitag ja nicht gespielt. Nur Rafael van der Vaart (8:1 gegen Ungarn) für die Niederlande und Marcell Jansen standen 90 Minuten auf dem Rasen. Dazu kamen sechs Minuten für Petr Jiracek beim 4:1 der Tschechen auf Malta. Alle anderen, Westermann, Adler, Drobny, Djourou (mit der Schweiz für die WM qualifiziert) und Calhanoglu saßen draußen. Jacques Zoua spielt erst heute Abend mit Kamerun gegen Tunesien. Aber auch in Ordnung: so können sich nicht viele verletzen und geht am Dienstag bei der nächsten WM-Quali-Runde alles gut, kann Bert van Marwijk mit voller Mannschaft aufs Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart am kommenden Wochenende gucken.

Ich hatte mich eigentlich gefreut auf die U 23 des HSV und das Spiel gegen Oldenburg, das dann ja wegen des kurzen aber heftigen Regens ausgefallen ist (dadurch ist das Team auf einen Abstiegsplatz zurück gefallen). Schon vorher hatte ich mich telefonisch mit Oliver Kreuzer verabredet, um mit ihm einmal einen Bereich zu durchleuchten, für den er bislang noch keine Zeit hatte, seit er beim HSV unter Vertrag ist: den Nachwuchs.

„Ich habe wirklich noch keine Gelegenheit gefunden, mir ein Spiel der U 19 oder U 17 anzugucken“, sagte Kreuzer. „Es war einfach zu viel los in den ersten Monaten. Die Transferphase, dann der Trainerwechsel. Aber jetzt hoffe ich, mich mehr in diesen Bereich einzuarbeiten.“ Generell hat Oliver Kreuzer ganz klare Vorstellungen, wie er die Talentschmiede des Vereins gestalten möchte. Und auch seine Einschätzungen zum Status quo sind sehr interessant. „Der HSV-Nachwuchsbereich hat ein schlechtes Image. Das habe ich schon mitbekommen“, so Kreuzer. „Aber in den vergangenen Jahren wurde hier längst nicht so schlecht gearbeitet, wie es immer heißt. Es sind viele Spieler aus dem Nachwuchs des HSV hervor gegangen, die den Weg in den Profifußball gefunden haben. Wenn dies nicht in Hamburg geklappt hat, liegt es nicht an den Verantwortlichen beim Nachwuchs, sondern an den Verantwortlichen für den Profibereich. Die jungen Spieler, die gegangen sind, sind nicht aus Unzufriedenheit mit dem Nachwuchsbereich des HSV gegangen.“

Klare Ansage von Kreuzer, die den Fakten zunächst standhält. Beim Durchforsten der Bundesliga und der Zweiten Liga bin ich auf Anhieb auf 17 Spieler gestoßen, die einmal in Ochsenzoll die Raute getragen haben. Sidney Sam, Heung Min Son, Levin Öztunali (alle Bayer Leverkusen), Eric-Maxim Choupo-Moting, Dani Schahin (beide Mainz 05), Tunay Torun (VfB Stuttgart), Änis Ben-Hatira (Hertha BSC), Alexander Meier (Eintracht Frankfurt), Raphael Wolf (Werder Bremen), Ken Reichel (Eintracht Braunschweig), Wofgang Hesl, Tom Mickel (beide SpVgg Greuther Fürth), Rouwen Hennings (Karlsruher SC). Dazu kommen die vier beim HSV, also Tolgay Arslan, Maximilian Beister, Zhi Gin Lam und Jonathan Tah. Darüber hinaus gibt es einige, die in der U 23 des HSV waren, als sie irgendwo anders dem Jugendbereich entstiegen sind. Karim Guede (SC Freiburg), Deniz Dogan (Braunschweig), Rene Klingbeil (Erzgebirge Aue) oder Charles Takyi (Energie Cottbus) gehören dazu. Im Einzelfall kann man sich unterhalten, wie groß der Einfluss der HSV-Coaches auf die Entwicklung dieses oder jenes Spieler war, ob nicht zum Beispiel ein Arslan sein Rüstzeug viel eher in Dortmund erhalten hat – am Ende bleibt doch aber eine beachtliche Liste.

„Es ist einfach, die HSV-Nachwuchsarbeit pauschal in einen Topf zu schmeißen und abzuqualifizieren. Einer sagt, hier herrscht Chaos, der nächste transportiert es weiter – so entsteht auch ein Bild, und zwar ein zu negatives“, meint Kreuzer. Man könnte auch sagen, dass aus dem Vereins-Nachwuchs angesichts ziemlich chaotischer Rahmenbedingungen noch eine überraschend hohe Anzahl von Spielern nach oben gekommen ist. Mit Stefan Böger, Stephan Hildebrandt, Jens Todt, Paul Meier, Bastian Reinhardt und zuletzt Michael Schröder waren eine Unzahl Nachwuchsleiter am Ruder, das ist das Kernproblem. „Hier muss Kontinuität rein“, weiß Oliver Kreuzer. „Jeder Chef setzt andere Prioritäten und hat unterschiedliche Ideen.“ Aktuell sieht er das Duo Schröder und Dieter Gudel jedenfalls auf einem guten Weg.

Beim Blick auf die jüngere Vergangenheit, die unter Sportchef Frank Arnesen, fällt Kreuzer ein zwar vorsichtiges, aber doch deutlich negatives Urteil, ohne nachkarten zu wollen. „Ich stecke da nicht zu einhundert Prozent im Detail, war ja auch nicht dabei in der letzten Saison. Aber es scheint mir zu viel Unruhe gewesen zu sein, weil viele Trainer mit ihren Verträgen lange in der Schwebe hingen. Das geht natürlich nicht.“ Ganz konkret ärgert sich Oliver Kreuzer, dass Levin Öztunali nicht in Hamburg gehalten wurde. „Ich glaube nicht, dass dem HSV viele Topspieler aus den eigenen Reihen durch die Lappen gegangen sind. Nach dem, was ich gehört habe, bildet Öztunali da eine Ausnahme. Ihn hätte man wohl halten können und auch müssen.“ Im Streit, auch mit dessen Großvater Uwe Seeler, ist Öztunali bekanntlich zu Bayer Leverkusen gegangen und hat dort im Alter von 17 Jahren auch schon einige Bundesliga-Einsätze hinter sich. Kreuzer: „Keine Ahnung, wer da genau welche Rolle gespielt hat. Aber wenn man verschiedene Leute nicht verärgert hätte, wäre es machbar gewesen, Öztunali zu halten.“

Das ist dem HSV und Frank Arnesen bei Jonathan Tah gelungen. „Er ist natürlich ein Glücksgriff“, freut sich Kreuzer. „Ein guter Junge, der zeigt, dass in unserer Nachwuchsarbeit auch eine Menge richtig läuft.“ Ohnehin, so der Sportchef, zeigten auch aktuelle Ergebnisse, dass einem für die Zukunft nicht bange sein müsse. „Unsere U 18, U 17 und U16 stehen in ihren Ligen top da. In der U 17 haben wir zum Beispiel sechs Nationalspieler. Aber darüber berichtet natürlich keiner…“ Stattdessen stehen die älteren Jahrgänge im Vordergrund. Die U 19 von Otto Addo und auch die U 23 von Rodolfo Cardoso krebsen am Tabellenende herum. „Im Mittelpunkt steht der Ausbildungsaspekt“, hält Kreuzer dagegen. „Es kann immer mal wieder Jahrgänge geben, in denen es nicht so gut aussieht. Außerdem sind in unserer U 19 viele jüngere Spieler, das erschwert gute Ergebnisse.“

Was die Zukunft von Rodolfo Cardoso angeht, sieht Kreuzer die Zeit der Entscheidung noch nicht gekommen. Im Moment ackert der Argentinier in Köln an seiner Fußball-Lehrer-Lizenz (bzw. gerade in Hamburg im Praktikum unter Bert van Marwijk), danach werde man weitersehen, so Oliver Kreuzer.

Auf dem ersten Treffen mit allen HSV-Scouts vor einigen Wochen hat Kreuzer seine Philosophie dargestellt. „Ich habe gesagt, dass wir versuchen müssen, die Jungs in den ‚goldenen Jahren’ zu uns zu bekommen. Also Spieler zwischen 12 und 14, ab diesem Alter können wir sie hervorragend ausbilden.“ Im Vordergrund, auch das hat Kreuzer den Scouts mitgeteilt, steht dabei der Hamburger und der norddeutsche Raum. „Es muss unser Anspruch sein, hier führend tätig zu werden.“ Außerdem sollen HSV-Trainingslager in Süddeutschland durchgeführt werden, um sich auch dort zu positionieren.

Eine zentrale Rolle soll in Zukunft der HSV Campus spielen. Das neue Nachwuchszentrum neben dem Stadion im Volkspark soll 2015 in Betrieb gehen. „Dann entsteht eine viel größere Nähe zwischen Profis und Nachwuchs. Der Sportchef oder auch der Trainer können viel einfacher mal bei der Jugend zugucken, die Wege sind kürzer. Davon verspreche ich mir sehr viel“, sagt Oliver Kreuzer. Kommen die Baugenehmigungen demnächst, dann soll im Februar 2014 der Spatenstich für dieses Projekt erfolgen.

Soweit also Oliver Kreuzer, dessen Aussagen durchaus als Gegenpunkt zu Thomas von Heesen verstanden werden können, den ich hier vorgestern zitiert habe. Ich bin gespannt, wie Ihr Kreuzers Einschätzungen und Vorstellungen beurteilt. Vieles ist noch Theorie, klar, kann es zu diesem Zeitpunkt aber auch nur sein. Da kann man ihm nur viel Glück bei der Umsetzung wünschen.

Vorgestern hat die HSV-Führung auf der eigenen Homepage eine Erklärung abgegeben. Vielleicht haben einige von Euch das schon gelesen – falls nicht, hier ist sie:

Gemeinsame Erklärung zur Strukturdebatte

Aufsichtsrat und Vorstand des HSV erklären gemeinsam, dass sie in ihrer Eigenschaft als Organe des Vereins keinerlei Stellungnahmen zu derzeit diskutierten Modellen für eine Strukturänderung des HSV abgeben werden. Beide Gremien sind sich einig darüber, dass die Entscheidung hierüber ausschließlich beim obersten Organ des Vereins, der Mitgliederversammlung, liegt.
Der Vorstand wird sich im Rahmen seiner operativen Verantwortung grundsätzlich intern mit fachlichen Fragen aller angedachten Modelle zur Strukturänderung beschäftigen, um so bestmöglich auf Fragen der Mitglieder auf der Mitgliederversammlung im kommenden Januar vorbereitet zu sein.

Sollte in der Vergangenheit durch persönliche Äußerungen einzelner Vorstandsmitglieder der Eindruck entstanden sein, der Vorstand habe sich bereits für oder gegen ein Modell oder eine Struktur ausgesprochen, so ist dies falsch.

Als ich diese Sätze gelesen habe, habe ich mich doch stark gewundert. Manfred Ertel, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, hat lange Interviews zu diesem Thema gegeben. Sein Kollege Jürgen Hunke hat vor zehn Tagen ein eigenes, neues Strukturmodell zum Besten gegeben. Und auch Carl Jarchow, der Vereins-Boss, hat klar Stellung bezogen. Alle anderen dürfen das jetzt nicht mehr? Oder bedeutet der Einschub am Anfang („… in ihrer Eigenschaft als Organe…“), dass sich doch alle äußern dürfen, aber nur mit einer Privat-Meinung, nicht aber stellvertretend für Aufsichtsrat oder Vorstand? Hat irgendwer je bestritten, dass am Ende die Mitglieder entscheiden werden?

Ich denke, dass viele der Amtsinhaber durch ihre ganz spezielle Kenntnis und Sichtweise des Vereins die Debatte über eine mögliche Reform beleben könnten. Es geht doch bitteschön nicht um einzelne Personen, sondern um eine grundsätzliche Ausrichtung des Vereins. Da müssen die Experten von innen doch nicht zwingend den Experten von außen das Feld überlassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ausreicht, alles erst am 19. Januar 2014 auf der Mitgliederversammlung zu besprechen. Dafür ist das Thema, sind die Modelle, doch zu vielschichtig. Und überhaupt: was soll das, das eigene Schweigen anzukündigen? Keiner wird gezwungen, sich zu äußern – das war bislang nicht so und wäre bis zum Januar nicht anders. Wie auch immer, bis dato – entschuldigung, dieser Seitenhieb muss sein – sind noch alle Ankündigungen des Aufsichtsrates, dass Ruhe einkehre und nicht mehr vielstimmig nach außen kommuniziert werde, gescheitert.

Morgen kommt wieder Leben auf den Trainingsplatz neben dem Stadion. Um 15 Uhr geht’s los, wahrscheinlich wieder mit Kerem Demirbay, der seinen Muskelfaserriss überstanden hat. Scholle ist auch dabei. Dann beginnt die Stuttgart-Woche. Zur sportlichen Situation des HSV nach dem 5:0 in Nürnberg hat sich Uwe Seeler auf der Frankfurter Buchmesse geäußert: „Siege geben ja Selbstvertrauen. Nur: Man darf das nicht überbewerten, man muss es so nehmen wie es ist und jetzt nachlegen gegen Stuttgart. Ich hoffe sehnlichst, dass da jetzt wieder ein bisschen mehr Ruhe einkehrt und der neue Trainer Bert van Marwijk den Verein wieder ins ruhige Wasser bringt. Der neue Trainer hat eine klare Vorstellung, die er durchsetzen muss. Er hat ja viel Erfahrung.“ Ein besonderes Lob von Uns Uwe erhielt Hattrick-Schütze Pierre Michel Lasogga. „Der ist ein Bombentyp“, sagte Seeler.

Einen schönen Restsonntag wünscht
Lars

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Dieter Matz

Das kennt man ja: mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Und in diesem Falle heißt das Eichhörnchen Dieter M. Nichts los beim HSV, oder auf jeden Fall nichts Neues. Was nicht heißen soll, dass es nicht gut aussieht. Wer das nämlich folgern würde, der würde den Kern des Themas leicht verfehlen. Der HSV ist tatsächlich auf einem guten Weg. In der nächsten Woche, so denke ich, wird es die erste Verpflichtung geben – oder die ersten dieser Gattung. Alle Welt wartet ja schon, aber erstens ist der HSV, ihr kennt das schon, oft genug sehr spät dran, und zweitens ist dieses Transferfenster ja auch noch lange genug geöffnet. Keine Panik also.

Deswegen möchte ich, bevor ich zum aktuellen Stand der Neuzugänge komme, erst einmal über den Spielplan schreiben. HSV muss am zweiten August-Wochenende beim FC Schalke 04 antreten. Ich tippe mal, ohne dass ich es weiß, auf das späte Sonnabend-Spiel am 10. August. Ja, und Schalke ist schon eine harte Nuss. Obwohl in unserer Redaktion heute sehr optimistisch gesagt wurde: „Ein Punkt auf Schalke, und dann folgen drei Siege in Folge – zehn Punkte zum Auftakt. Wenn das nichts ist.“ Erstes Heimspiel gegen Hoffenheim, dann geht es zum Aufsteiger Hertha BSC (und zu Richard Golz), dann kommt Aufsteiger Eintracht Braunschweig. Gerade die Neulinge zum Anfang einer Saison, das muss nichts Gutes und erst recht nichts Leichtes bedeuten.

Ich bin mit dem Auftakt Schalke gar nicht so unzufrieden. Insgeheim habe ich mir schon meine Gedanken zum Spielverlauf gemacht: Nachdem Rafael van der Vaart die ersten beiden Freistöße in die Schalker Mauer gesetzt hatte, übernahm dann Hakan Calhanoglu – und schoss die nächsten beiden Freistöße ins 04-Gehäuse. Und so siegt der HSV durch den neuen Mann aus Karlsruhe mit 2:1. Ein Sieg wäre auch gar nicht mal so untypisch, denn zwischen Schalke und dem HSV gab es in der Bundesliga-Geschichte bereits vier Auftaktpartien – und nie hat der HSV verloren! Am 9. August 1975 siegte der HSV in Hamburg durch Tore von Ole Björnmose, Manfred Kaltz und Hans-Jürgen „Spatz“ Sperlich (2) mit 4:1. Am 1. August 1987 gab es in Hamburg einen 5:2-Erfolg, den Thomas Hinz, Bruno Labbadia und Manfred Kastl (3) herausschossen. Am 3. August folgte ein 0:0 auf Schalke, und am 21. August 2010 sorgte Ruud van Nistelrooy mit zwei Treffern für einen 2:1-Sieg in Hamburg. Wenn das kein gutes Omen ist . . . Diese Erfolgs-Serie wird Bestand haben.

Und hier noch einmal, wer es noch nicht hat oder weiß, alle HSV-Spiele der Hinrunde.

Spielplan Fußball-Bundesliga, Saison 2013/14
Erster Spieltag: Schalke 04 – HSV; 2. Spieltag: HSV – 1899 Hoffenheim; 3. Spieltag: Hertha BSC – HSV; 4. Spieltag: HSV – Eintracht Braunschweig; 5. Spieltag: Borussia Dortmund – HSV; 6. Spieltag: HSV – Werder Bremen; 7. Spieltag: Eintracht Frankfurt – HSV; 8. Spieltag: 1. FC Nürnberg – HSV; 9. Spieltag: HSV – VfB Stuttgart; 10. Spieltag: SC Freiburg – HSV; 11. Spieltag: HSV – Borussia Mönchengladbach; 12. Spieltag: Bayer Leverkusen – HSV; 13. Spieltag: HSV – Hannover 96; 14. Spieltag: VfL Wolfsburg – HSV; 15. Spieltag: HSV – FC Augsburg; 16. Spieltag: Bayern München – HSV; 17. Spieltag: HSV – Mainz 05.

Ja, dann komme ich zu den heutigen Personalien. Wobei ich vorher noch in die andere Richtung gehen möchte, denn es gibt vom HSV noch immer keine Verkäufe zu vermelden. Und wenn ich mich so umblicke, dann stelle ich fest, dass in Deutschland die Zweite Liga ja schon am 19. Juli startet. Ich schließe daraus, dass sich die zu veräußernden Spieler alle nicht mit der Zweiten Liga beschäftigen, und ferner schließe ich daraus, dass der neue Sportchef zunächst einmal mehr mit Ein- statt mit Verkäufen zu tun hat. Obwohl es ja einst hieß, dass der HSV erst einmal verkaufen muss. Aber da der Königs-Transfer mit Heung Min Son ja schon gelaufen ist, muss es jetzt wohl zuerst um Verstärkungen gehen. Ist ja auch richtig so . . . Obwohl ich mir, das muss ich schon noch einmal zugeben, um das „schleppende Geschäft“ der Auslaufmodelle schon meine Gedanken mache. So gut scheinen sie dann tatsächlich nicht zu sein, als dass sie dem HSV aus den Händen gerissen werden.

Einkaufen macht da aber auch eindeutig mehr Spaß. Der HSV soll sich um Marko Arnautovic und Eljero Elia bemühen . . . Nein, ein Scherz, wirklich nur ein Scherz, bitte keine Tobsuchtsanfälle. Um Diese beiden Spieler macht sich demnächst ja auch erst Robin Dutt in Bremen verdient. Weil er sie wieder in die Spur schieben wird. Der HSV setzt andere Prioritäten. Jacques Zoua soll bekanntlich vom FC Basel kommen, und das ist in meinen Augen auch der sicherste Kandidat. Oliver Kreuzer ist jedenfalls sehr zuversichtlich. Zoua soll einen Drei-Jahres-Vertrag beim HSV erhalten – und dann viele, viele Tore schießen. Und dann ist da der Innenverteidiger Johan Djourou, der zuletzt für hannover 96 gespielt hat, der aber bei Arsenal London unter Vertrag steht. Der Schweizer hat an der Leine nicht so richtig überzeugt, was ja aber nicht heißen muss, dass er es in Hamburg nicht tut. Wenn das Geld stimmt (nämlich die Ablöse), dann könnte der Nationalspieler durchaus eine Verstärkung werden. Obwohl ich immer zusammenzucke, wenn ich den Namen Arsenal London im Zusammenhang mit Geld höre.

Um Geld geht es auch im Fall Roque Santa Cruz. Es soll gut oder sogar sehr gut aussehen, nur an den Finanzen hapert es noch ein wenig. Und nun mischt – man höre und staune – auch die Frankfurter Eintracht mit. Ob die auf eine Goldader gestoßen sind, diese unberechenbaren Hessen um den ehemaligen HSV-Sportchef Heribert Bruchhagen? Ich glaube trotz allem weiter (ganz tapfer) daran, dass Santa Cruz nach Hamburg kommen wird. Und ich glaube auch, dass er de HSV noch helfen könnte – auch wenn es um mich herum schon wieder etliche Zweifler gibt. Ist ja auch nicht unberechtigt, eine gewisse Portion Skepsis, denn der Paraguayer ist schon jenseits der 30 . . . Und dazu ein Mann mit Vergangenheit – im europäischen Fußball. Besser wäre natürlich, einen Mann vom Kaliber Santa Cruz zu kaufen, der erst 23 oder 24 Jahre alt ist – aber einen solchen Mann kann der HSV dann doch noch nicht so ganz bezahlen.

Ja, das war es auch schon, was es heute vom Transfermarkt mit Hamburger Einschlag zu berichten gibt. Wobei es noch zwei „überregionale“ Meldungen mit Hamburger Bezug gibt. Dass sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) von U21-Trainer Rainer Adrion getrennt hat, begrüße ich sehr, dass damit aber Horst Hrubesch sein Nachfolger geworden ist, finde ich nicht so gut. Weil ich – Romantiker – immer noch (ja, ja, doch noch!) gehofft hatte, dass der gute „Hotte“ doch irgendwie noch beim HSV landen wird . . . Hrubesch (62) hatte die U21 2009 zum EM-Titel geführt, zuletzt war er Trainer der U18 des DFB. Das frühere Hamburger Kopfball-Ungeheuer sagte: „Für mich ist das noch einmal eine hochinteressante Aufgabe, und mich reizt auch Olympia fürchterlich. Deswegen waren wir uns schnell einig. Obwohl ich schon überrascht war, wie schnell das alles gegangen ist.“

Und die zweite Meldung: Der frühere Fußball-Nationalspieler Jens Todt wird neuer Sportdirektor des Zweitliga-Aufsteigers Karlsruher SC. Der 43-Jährige tritt demnach die Nachfolge von Oliver Kreuzer an, der jetzt beim HSV „herumwirbelt“. Todt hatte zuletzt als Manager beim VfL Bochum gearbeitet – und davor in der „Talentschmiede“ des Hamburger Sport-Vereins in Ochsenzoll.

Dann noch einen kleinen Abstecher zur Vorwoche. Da hatte ich über die Verpflichtung von Cotrainer Roger Stilz, der vom SC Victoria kommt, geschrieben und gesagt, dass ich mich freue. Freue deshalb, weil es mal wieder ein Mann aus dem Hamburger Amateurfußball zu den HSV-Profis geschafft hat. Dabei hatte ich auf den ehemaligen WFC-Manager Dieter Roth verwiesen, der es meiner Meinung nach als einer der ersten Männer (der Neuzeit) geschafft hatte – nämlich aus der Landesliga in die Bundesliga. Ich hatte über Roth geschrieben, dass er von Dr. Peter Krohn verpflichtet worden war, aber das stimmte nicht – Dieter Roth schrieb mir nun (und eigentlich hätte ich es besser wissen müssen, denn ich war damals WFC-Spieler):

Hallo Matzer,

nach unserem Gespräch letzte Woche über meine HSV-Zeit hier eine Korrektur, die mir schon wichtig ist: Ich wurde im Mai 1972 vom Präsidium (Dr. Barrelet, Ritschel und Kallmann) eingestellt für die zwei vakanten Positionen Günther Schiefelbein und Heidt-Nachfolger Carlo Herbert eingestellt. Jobtitel war damals „Assistent des Präsidiums“. Mein Vertrag umfasste die Aufgabengebiete:
Spielorganisation 1. Liga, 1. Amateure und 1. A-Junioren. Als Trainer wurde gleichzeitig Kuno Klötzer verpflichtet. Ich stellte dann noch Werner Thomsen für die Amateure und Werner Bannasch für die A-Junioren ein.
Der Verein war seinerzeit sehr „klamm“ und es galt vor allem, die vielen Baustellen der Vorgänger zu schließen. Vor allem aus Offenbach gab es jede Menge Aktive, die C. Herbert angeschleppt hatte. Übrigens brachte Kuno Klötzer einen jungen Stürmer aus Mayen (Westerwald) mit, der allerdings damals (wg. Heimweh) wieder zurückging, obwohl ich mich sehr um ihn bemühte: Franz-Peter Hermann. Er wechselte dann später zu Bayer Leverkusen und wurde dort auch Trainer und Assi von Jupp
Heynckes (zuletzt ja auch noch in München).

Dieter Roth schrieb mir noch mehr zu den damaligen Verhältnissen, das wäre ein wunderschönes Nähkästchen geworden, aber er wollte es nicht. Weil er damals auch in seinem Vertrag stehen hatte, dass er nichts an die Öffentlichkeit verrät. Und er sagt heute: „Daran habe ich mich gehalten, auch deshalb, damit der HSV keinen Schaden in der Öffentlichkeit nimmt. Das muss ja nicht sein. Damals wie heute.“ Wie Roth damals zum HSV kam? Er arbeitete damals auch für den Hamburger Fußball-Verband in Sachen Auswahl-Mannschaften – und dadurch lernte er Dr. Barrelet kennen, der holte ihn schließlich (völlig berechtigt, denn Roth wirbelte als Manager schon damals tüchtig durch den Hamburger Fußball!) zum HSV. Was allerdings nur etwas mehr als ein Jahr hielt, denn dann kam der General!

So, ich bin am Ende. Da ich heute in der U-Bahn einen „Matz-abber“ getroffen habe, der mir sagte, dass er jeden Abend im Bett lesen würde (Matz ab), möchte ich heute ganz speziell die „Bett-Matz-abber“ grüßen: Blog lesen ist okay – aber kümmert ich euch danach bitte ganz verstärkt um eure Frauen! Ist doch Sommerpause . . . Und allen wünsche ich ein ganz besonders schönes Wochenende.

PS: El presidente Benno Hafas hat heute ein neues Auto in Betrieb genommen (herzlichen Glückwunsch) – und was war wohl seine erste „Amthandlung“? Nein, er hat keine Sektflasche zur Taufe gegen den Kotflügel gehauen, er hat nur einen Matz-ab-Aufkleber an die Scheibe gedrückt. Vorbildlich, lieber Benno!

18.37 Uhr

Sonntag, 6.9.2009

Ab zum Nachwuchs

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Dieter Matz

Was macht der HSV-Fan, wenn die „Erste“ nicht spielt? Er geht zu Amateuren. Denkste! Beim Regionalliga-Spiel HSV II gegen Plauen verdrückten sich gerade mal 207 Zuschauer auf der Anlage an der Ochsenzoller Straße. Das ist enttäuschend. Zumal die jungen Leute ein bisschen mehr Unterstützung gut, sehr gut gebrauchen könnten. Obwohl: Fußballerisch ist das eher dürftig, was von den Talenten geboten wird. Es sieht zwar meistens sehr gefällig aus, aber es kommt nichts dabei rum. Und am Rande grämt sich Trainer Rodolfo Cardoso, wenn das Rück- und Quer-Geschiebe seiner Truppe wieder einmal beim HSV-Torwart endet. Irgendetwas stimmt da nicht.

Aber das wird ja vielleicht jetzt auch wieder besser, denn: Für Jens Todt, der zuletzt Nachwuchs-Chef des HSV war, ist offenbar Ersatz gefunden worden: Stephan Hildebrandt. Das ist der Vorgänger von Todt und macht es zunächst einmal kommissarisch, es soll aber auf eine feste Lösung hinaus laufen – oder bereits wieder gelaufen sein.

Pikant: Hildebrandt ist einst von Dietmar Beiersdorfer von seinen Aufgaben entbunden worden, weil der damalige Sportchef den ehemaligen Nationalspieler Todt für die bessere Lösung gehalten hatte. Als Hildebrandt so frei war, war auch Bernd Hoffmann so frei: Der HSV-Boss „übernahm“ den von seinem „Vize“ Beiersdorfer freigestellten Nachwuchs-Chef, Hoffmann nahm sich Hildebrandt als Assistenten, als Referenten, als quasi zweite „rechte Hand“ (neben Katja Kraus) – natürlich zum Verdruss von Beiersdorfer. Der wollte ob dieses überraschenden Wechsels die Fronten damals klar abgesteckt wissen, und ihm wurde auch versichert, dass sich Hildebrandt fortan aus dem HSV-Nachwuchs-Bereich heraus halten würde. Tat er denn auch – fast jedenfalls. Eines Tages wurde Beiersdorfer allerdings gefragt, ob er denn schon die Berichte von Stephan Hildebrandt gelesen hätte? Hatte er natürlich nicht. Seine Frage war nur: „Welche denn?“ Hildebrandt war im Auftrag des HSV und seines Chefs nach Brasilien geflogen, um sich über dortige Talente ein Bild zu verschaffen.

Und genau diese Reise kommt dem alten und neuen HSV-Nachwuchs-Chef jetzt ganz gut gelegen, denn nun ist das ja wieder sein Job. Merke: Es ist in jedem Fall besser, immer ganz eng am Ball zu bleiben.

Ganz eng am Ball ist übrigens auch immer Eljero Elia. Der wurde beim 3:0-Sieg der Niederländer über Japan eingewechselt, und nun schwärmen die Fußball-Fans und die Medien der Käse-Nation vom großen kleinen HSV-Star. So kann es auch kommen. Ob das aber mal ein Eigengewächs aus Hamburg schaffen wird? Ich habe da meine ganz, ganz großen Zweifel. Wisst Ihr eigentlich, wer der letzte HSV-Profi war, der von den eigenen Amateuren kam und es auf Dauer und so richtig ganz nach oben geschafft hat? Mal abgesehen von Eric-Maxim Choupo-Moting, Tunay Torun und Co, die es eben auf Dauer nicht geschafft haben (noch nicht). Sagt Euch der Name Hasan Salihamidzic noch etwas? Und Collin Benjamin, der Profi, der am längsten von all seinen Kollegen im HSV ist? Aber egal, wer auch immer der letzte Spieler war, es ist eindeutig zu wenig, was da nach oben kommt. Stephan Hildebrandt könnte das nun ändern.


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