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Hamburger Abendblatt
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Matz

12 markierte Artikel

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HSV-Reporter

Nach mehr als acht erfolgreichen Jahren stellen wir unseren HSV-Blog ein. Den Austausch mit den Fans wollen wir beibehalten. Ein kurzer Blick zurück – und nach vorn. …weiterlesen 

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Dieter Matz

Herzlichen Glückwunsch, liebe „Matz-abber“!

Uns gibt es heute auf den Tag genau sechs Jahre. Am 6. August 2009 starteten wir mit diesem Blog, es war ein Versuch und vor allem Neuland für uns alle. Keiner von uns wusste damals so recht, wohin uns dieser Weg führen würde. Heute können wir auf eine bewegte und auch bewegende Zeit zurückblicken, es gab viele Höhen und Tiefen – das Internet ist kein Ponyhof, das haben wir auf jeden Fall gelernt. Rückblickend, so heißt es immer wieder, geraten die negativen Dinge in Vergessenheit, die guten bleiben in Erinnerung – und daran ist bestimmt viel Wahres. Ohne pathetisch wirken zu wollen möchte ich feststellen, dass der Matz-ab-Blog für uns und sicher auch für viele von Euch eine großartige Sache geworden ist, denn es sind im Laufe dieser sechs Jahre unglaublich viele Freundschaften entstanden. …weiterlesen 

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Lars Pegelow

Um kurz vor 15 Uhr ist Michael Gregoritsch endlich im HSV-Quartier in Harsewinkel eingetroffen. Das lange Hickhack um seinen Wechsel nach Hamburg hat ein Ende. Der Österreicher unterschreibt einen Vertrag bis 2019. Doch damit nicht genug: Am Freitagmittag wird ein weiterer neuer Stürmer im Trainingslager erwartet. Es ist Sven Schipplock, 26 Jahre alter Angreifer von 1899 Hoffenheim, den Sportdirektor Peter Knäbel nach den gescheiterten Gesprächen um den Braunschweiger Emil Berggreen vom HSV übereugt hat. Schipplock soll nach überstandenem Medizincheck einen Dreijahresvertrag unterschreiben. Gregoritsch und Schipplock – ein echter Doppelschlag beim HSV, den sich der Verein insgesamt etwa 5 Millionen Euro kosten lässt.

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Marcus Scholz

Gegen Mittag sollte er vorgestellt werden. Um 13.30 Uhr war er für das Abschlusstraining eingeplant. Und aus beidem wurde – nichts. Somit wird der neue Innenverteidiger des HSV auch nicht am Sonnabend in Köln mit dabei sein. Und das, obwohl sich der HSV mit dem abgebenden Klub Corinthians Sao Paulo einig ist und Cléber Janderson Pereira Reis den Medizincheck in Hamburg am Donnerstag bestanden hatte. Am Ende aber scheiterte die schnelle Integration in den Tagesablauf an einem Schriftstück der Brasilianer.

In Köln werden an seiner Stelle erneut Johan Djourou und Heiko Westermann in der Innenverteidigung beginnen. Letztgenannter hat nach einer für ihn schwierigen Vorbereitung inzwischen schon Bastian Reinhardts Spitznamen „Der Überleber“ übernommen. Ebenso wie der heutige Niendorfer, wurde auch Westermann Jahr für Jahr aus der Startelf verdrängt – um letztlich dann doch wieder zu spielen. „Ich mache mir darüber keine Gedanken mehr“, sagt Westermann, „weil ich es nur bedingt ändern kann. Meine Aufgabe ist auf dem Platz und darauf konzentriere ich mich.“ Dass mit Cléber ein neuer Mann geholt wurde störe ihn ebenso wenig. Es würde eh nichts bringen.

 

Nichts bringen – das ist heute ein gutes Stichwort. Denn als ich heute beim Trainingsplatz stand, erzählte mir eine junge Frau, dass vor einiger Zeit (im Juni) irgendwelche Idioten das Grab ihres viel zu früh verstorbenen Bruders geschändet hätten. Das allein ist schon dramatisch. Allerdings setzt die Tatsache, dass hier irgendwelche Idioten St.-Pauli-Aufkleber (St.Pauli-Fans gegen Rechts) auf den Grabstein auf dem HSV-Friedhof geklebt haben, dem Ganzen die Krone der Geschmacklosigkeit auf.

Ohne Worte.

Nachdem das Gröbste bereits abgekratzt war. Für diese Kriminellen fehlen mir die Worte…

Natürlich müssen das keine St.-Pauli-Fans gewesen sein. Aber egal wer das auch immer war, als erklärter Pazifist wäre ich geneigt, in diesem Fall eine Ausnahme zu machen. Was muss in den Hirnen solcher Leute los sein? Wie viel Hohlraum würde Gunther von Hagens bei diesen Kreaturen in den Köpfen wohl vorfinden? Wissen diese Idioten überhaupt, wie man selbständig atmet? Das und noch viele andere Fragen hätte ich, die alle in die eine selbe Richtung gingen. Aber lassen wir das. Es ist sinnlos.



Etwas gedacht hat sich dagegen heute Mirko Slomka bei seinem Abschlusstraining. 20 Akteure waren auf dem Platz – und Valmir Nafiu absolvierte ein Einzeltraining mit Markus Günther. Ergo: es wurde zehn gegen zehn gespielt. Eine Position in der vermeintlichen A-Elf blieb also offen. Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Arslan, Behrami, van der Vaart, Jansen – Lasogga – das war die vermeintliche A-Elf, die das Abschlussspiel auch gewann und die Frage offen ließ, wer aus der B-Elf noch dazukommen wird, wenn es morgen darum geht, nach 2010 (damals 2:1 gegen schalke, 2x van Nistelrooy) mal wieder ein Auftaktspiel zu gewinnen.

Kandidaten gibt es für mich tatsächlich drei, wobei ich zwei in die engere Wahl nehmen will: Milan Badelj und Ivo Ilicevic. „Ich bin gesund, ich fühle mich gut“, sagte Ilicevic nach dem Training, „ich könnte spielen.“ Gleiches gilt für Milan Badelj, über dem noch immer der Schatten schwebt, letztlich doch noch verkauft zu werden. Gleiches gilt für meinen dritten Kandidaten: Artjoms Rudnevs, an dem Danzig bislang jedoch nur an einem Leihgeschäft Interesse bekundet hat.

Für Abendblatt-Blogs


Sollte Badelj ins Team rücken, würde Slomka Tolgay Arslan erneut auf der rechten Bahn spielen lassen. So, wie heute im Abschlusstraining. „Ich kann es nicht sagen“, so Arslan auf die Frage, ob er mit der rechten Außenbahn in Köln rechnen würde, „ich lasse mich überraschen und freue mich darüber, wenn ich beginnen kann.“ Verdient hätte er es sich nach seinem belebenden Kurzauftritt in Cottbus. Im Gegensatz zu Badelj, der in Cottbus ebenso wie Behrami fast nie ins Spiel fand. Möglich wäre aber auch, dass Slomka auf das Tempo von Rudnevs setzt und den Letten auf der rechten Bahn beginnen lässt. Wie zuletzt ab der zweiten Halbzeit in Cottbus.

Vorn beginnt auf jeden Fall Pierre Michel Lasogga, dem ich in Cottbus noch (erwartungsgemäß) Anpassungsprobleme attestiert hatte, der aber unter der Woche sehr gut trainiert hat. Lasogga ist unverzichtbar und hat im Laufe der Trainingswoche das gerechtfertigt, was Slomka über ihn sagt: „Seine Körperlichkeit, seine Präsenz und seine Torgefahr brauchen wir. Er ist für mich einer, der keinen langen Anlauf braucht – ihn werfe ich einfach rein.“ Ergo, im zweiten Pflichtspiel nach seiner Verletzungspause dürfte der Angreifer allemal akklimatisiert sein.

Und das muss er auch, denn mit dem 1. FC Köln trifft der HSV auf einen Gegner, der defensiv zuletzt sehr stabil stand. In den letzten 34 Zweitligaspielen kassierte die Mannschaft von Trainer gerade einmal 20 Gegentore kassiert. Und davon zehn Prozent im letzten Spiele gegen den FSV Frankfurt, als man bereits eine Woche zuvor mit der ganzen Stadt den Titel und den Aufstieg gefeiert hatte. „Defensiv ist Köln gewohnt stark“, mutmaßt Slomka, während Stöger die Offensive seiner Mannschaft anpreist. „Wenn es möglich ist, wollen wir aktiv sein. Wir haben die Spieler dafür, die eher die Qualität mit dem Ball haben. Wir werden versuchen, offensiver aufzutreten. Eckbälle und Standards werden wir vermeiden müssen. Das ist eine große Stärke der Hamburger.“ Wer beim 1. FC Köln anfängt, ließ Stöger, der im Pokalspiel am vergangenen Wochenende wild durchgewechselt hatte, offen. „Der Gegner muss ja nicht alles wissen.“

Doch, sollte er. Und der HSV versucht das auch. Wie ich die HSV-Spielanalysten (Matze, alles Gute…!) kenne, wissen sie auch nahezu alles und stellen die Mannschaft detailliert auf den euphorisierten Aufsteiger ein. Dabei bekommen die Spieler einzeln CDs von ihrem potenziellen Gegenspieler und etwaigen Stärken wie Schwächen. Insbesondere vor Angreifer Ujah warnte Slomka, womit ich wieder bei den Innenverteidigern bin, auf die es morgen maßgeblich ankommen wird. Denn in Köln wird es eine erste Tendenz geben, ob der HSV sein Defensivproblem (75 Gegentreffer in der abgelaufenen Saison) in Teilen oder gänzlich wegtrainieren konnte. Und das noch ohne Cléber. Und ohne Tah. Und ohne Kacar, den bis zu seiner Verletzung großen Gewinner der Vorbereitung.

In diesem Sinne, Daumen drücken! Es wird ein schwieriger Auftakt. Zum einen trifft man auf euphorisierte Aufsteiger, zum anderen weiß man noch nicht genau, wo man steht. Ob das anschließend besser zu benennen ist, weiß ich nicht. Aber wie immer wird es im Anschluss an das Spiel unser Matz ab live geben. Diesmal sind die beiden Ex-HSV-Profis und Fußballexperten Andreas Fischer und Stefan Schnoor zu Gast. Sendebeginn ist wie immer 15 Minuten nach Schlusspfiff. Ach ja, und dann noch im Abspann eine Ankündigung für alle, die vom HSV nicht genug kriegen können! Aber lest selbst…

Bis morgen!
Scholle

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ startet am kommenden Montag (25. August). Jede Ausgabe kostet nur 0,89 Cent im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

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Marcus Scholz

Die erhofft guten Nachrichten von und für heute trudeln so langsam ein. Zunächst die Wichtigste des Tages: Dieter hatte nach allen Untersuchungen KEINEN Schlaganfall. Er wird jetzt auch von der Intensiv- auf die normale Station verlegt und dort weiter untersucht. Und er möchte sich bei allen, die sich gestern bei ihm, hier oder sonstwie gemeldet haben, ganz herzlich bedanken. Er kommt tatsächlich nicht hinterher, in seinem Uralt-Nokia-Handy mit Speicherplatz für maximal 20 SMSe die Nachrichten zu löschen, um für neue Platz zu schaffen. „Bitte nicht wundern, dass ich noch nicht geantwortet habe“, lässt Dieter ausrichten, „aber ich kann Euch versichern, dass mich die Anteilnahme tief bewegt hat. Ganz ehrlich“, so die Worte des Blogvaters heute morgen – schon sichtlich besser gelaunt…

Dann die zweite, sportlich wohl Wichtigste Nachricht der letzten Tage und Wochen: Die Verpflichtung von Dietmar Beiersdorfer ist perfekt. Das vermeldete der HSV auf seiner Homepage und per folgender Pressemitteilung:

HSV-Presseservice: Verpflichtung von Dietmar Beiersdorfer perfekt

Hamburg (ots) – Im Vorfeld der Vertragsunterzeichnung haben sich Dietmar Beiersdorfer und Karl Gernandt, designierter Aufsichtsratsvorsitzender, zusammen mit weiteren Aufsichtsratskollegen in intensiven Gesprächen auf ein gemeinsames Konzept zur Neugestaltung und zur Neuausrichtung des HSV-Profifußballs verständigt.

„Für mich ist heute ein ganz besonderer und emotionaler Tag. Nach den spannenden letzten Wochen bin ich sehr stolz und glücklich nunmehr konkret die Neuaufstellung des HSV mitgestalten zu können“, sagte Dietmar Beiersdorfer. „Alle Gespräche im Vorfeld waren sehr professionell und ich freue mich über das große Vertrauen, das mir von dem neuen Aufsichtsrat entgegengebracht wird. Wir werden mit Teamgeist, Leidenschaft, Kompetenz, Professionalität und Demut unseren HSV entwickeln, auf den alle HSVer und Hamburger wieder stolz sein können“, gibt Beiersdorf die Richtung vor.

Karl Gernandt: „Ich bin natürlich begeistert, nun unseren Wunschkandidaten Dietmar Beiersdorfer als Vorstandsvorsitzenden der HSV Fußball AG bestätigen zu können. Herr Beiersdorfer ist mit seiner internationalen Erfahrung, seiner akribischen Arbeitsweise und seiner sehr sympathischen Persönlichkeit genau der richtige Mann, der unseren HSV voranbringen wird. Ich verbinde mit dieser langjährigen Vertragsunterzeichnung den Wunsch nach einem konzeptionell abgesicherten Neuanfang beim HSV und wünsche Herrn Beiersdorfer viel Glück und Erfolg bei seiner neuen Aufgabe. Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren kontinuierlich an der systematischen Neuordnung und somit an der langfristigen Perspektive des HSV zu arbeiten. Dies wird uns mit dem neuen Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer gut gelingen.“

Mit seinem bisherigen Arbeitgeber Zenit St. Petersburg konnte sich Beiersdorfer auf eine faire Vertragsaufhebung verständigen. Offiziell wird er seine Arbeit nach Eintragung der neuen HSV Fußball AG Anfang Juli 2014 aufnehmen.

Für den Aufsichtsrat der HSV AG

Karl Gernandt

Das klingt doch richtig gut und wird hoffentlich endlich der Startschuss sein, den finalen Kader zusammenzustellen, der die nächste Saison erfolgreicher gestalten soll.

So viel für den Anfang. Ich hoffe (und glaube), den Blog nachher mit noch mehr guten Nachrichten ergänzen zu können!

Bis später,

Scholle

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Dieter Matz

Marcell Jansen zählt zweifellos zu den intelligenteren Fußballern. Einmal sportlich – aber ganz sicher auch intellektuell. Für uns Reporter ist Jansen jedenfalls immer eine Wohltat, da er stets sehr ausführlich antwortet – und selten bis nie Blödsinn redet. Im Gegenteil. Immer wieder legt der Linksverteidiger den Finger in die Wunde – auch in die eigene. So sehr, dass es nicht jedem Klubboss gefallen hat und auch nicht gefällt. Allerdings wusste Jansen noch jeden Verdruss der HSV-Oberen mit sportlich guten Leistungen ins Abseits zu stellen.

Kein Wunder daher, dass die Talkshow im Rahmen der Hamburg Internorga für den Moderator Patrick Wasserziehr zum Selbstgänger wurde – Marcell Jansen war ja da. Und mit ihm noch Holger Hieronymus, Patrick Owomoyela und unser Blogvater Dieter Matz. In der launigen Runde sollte es größtenteils um die WM gehen, woraus allein schon ob der Gästewahl nicht viel werden konnte. Stattdessen dominierte also das Thema HSV. Und die Talkrunde hatte durchweg positive Meinungen zu vertreten. „Ich bin bei den Toren richtig aufgesprungen“, berichtete Hieronymus über seine Sicht des 2:1-Sieges im Stadion. Er stünde momentan ganz besonders unter Spannung, sei daher besonders emotional. „Und ganz ehrlich: Das habe ich lange so nicht mehr gehabt.“


Hier der Mobil-Player:


Kein Wunder, es war auch lange nicht so brisant wie im Moment. Der Mannschaft war zwischenzeitlich die Qualität abgesprochen worden und selbige tat wenig bis nichts, um das Gegenteil zu beweisen. Dennoch hat sich Jansen darüber sehr geärgert. „Dass wir die Qualität haben, zeigen wir jetzt doch“, so der Linksfuß, der ab kommender Woche die Krücken zur Seite legen darf und nach eigener Aussage im April wieder durchstarten will. Bis zur WM.

Dennoch musste sich Jansen auch die eine oder andere unbequeme Frage gefallen lassen. Vor allem, warum es unter Mirko Slomka jetzt so viel besser läuft als unter Bert van Marwijk wollte Moderator Wasserziehr wissen und Dieter ergänzte dessen Fragen. Auch nach dem Trainingsumfang. Denn gerade das Mehr an Trainingseinheiten und die Steigerung der Intensität sind für viele die Hauptkriterien für den hoffentlich gerade erst beginnenden sportlichen Aufschwung der letzten Wochen. Für Jansen eine schwierige Situation, da er den geschassten van Marwijk nicht nachträglich schädigen wollte. Also umging er die Antwort geschickt. Dass mehr trainiert würde, sei anhand der Einheiten schon gar nicht zu leugnen. Aber: „Die Qualität hatten wir vorher auch schon. Allerdings muss sich jeder einzelne fragen, warum wir es erst jetzt auf den Platz bringen können.“

Stimmt. Und eine Antwort darauf ist definitiv der Trainer. Viele, gerade die jüngeren Profis, machen oft nur das, was der Trainer verlangt. Dass dies bei dem einen oder anderen nicht ausreicht, war beim HSV zu sehen. Oder besser: Der Vergleich von jetzt zu vorher zeigt das deutlich. Denn jetzt kommt der Pädagoge Slomka und macht einfach mal alles anders, weil das Im Zweifel nichts verschlechtern konnte und kann. „Wir wissen alle genau, was von uns erwartet wird“, sagt Dennis Diekmeier, der gegen Nürnberg endlich wieder das zeigte, was man sich von ihm erhofft. Tempoläufe, Flanken – einfach ein mutigeres Spiel. Und wie Diekmeier blasen übrigens fast alle Spieler ins gleiche Horn. Wenn auch oft mit dem Nachsatz, dass das nicht gegen van Marwijk gerichtet sei. Und das muss es auch nicht. Darüber kann bei Bedarf noch gesprochen werden, wenn die Saison faktisch gerettet wurde.

Und so sieht es Holger Hieronymus, der von einem „besseren Gefühl beim Zuschauen“ sprach, aber dennoch mahnte. „Noch ist nichts erreicht, es ist alles noch ganz eng. Daran müssen alle jeden Tag denken und dementsprechend arbeiten“, so der ehemalige HSV-Vorstand, während Patrick Owomoyela, bekannt für seine Geradlinigkeit, sagte: „Man merkt schon, dass der neue Trainer an den richtigen Zöpfen gezogen hat und den Ton der Mannschaft trifft. Anders kommt sowas auch nicht zustande.“

Stimmt. Und anstatt rückwärts zu kritisieren bietet sich tatsächlich an, nach vorn zu loben. Denn Slomkas Auftritte sind bislang von hoher Qualität – und die Mannschaft tut es ihm mehr und mehr gleich. Dabei wird der neue HSV-Trainer nicht müde, das Kollektiv öffentlich immer wieder in den Vordergrund zu heben – und das auch intern so zu leben. Immer wieder appelliert er an die Spieler, an ihre Qualitäten zu glauben. Ein Johan Djourou steigerte sich seither ebenso wie fast alle anderen. Selbst Jacques Zoua, der intern schon als Fehleinkauf abgestempelt schien, zeigt plötzlich, dass er doch was kann. Gegen Nürnberg zeigte er, dass er kopfballstark ist, den Ball gut festmachen und prallen lassen kann. Er wird sicher nie der Vollstrecker vor dem Herren – aber das verlangt in dieser Situation auch keiner, vor allem nicht Slomka.

Und damit bin ich wieder bei dem Zusammenhang von Leistungssteigerung und neuem Trainer. Denn der ist nicht zu leugnen und auch Zoua ist ein gutes Beispiel. Slomka hatte in der Woche vor dem Nürnberg-Spiel immer wieder betont, dass Zouas Stärken körperlich, im Kopfballspiel und beim Festmachen des Balles liegen. Und genau darauf, diese Qualitäten einzusetzen, beschränkte sich Zouas Spiel. Auch, wenn er fast zum Torschützen geworden wäre. „Ich führe viele Gespräche“, so Slomka, „mit allen Spielern. Weil alle noch wichtig werden. Aber klar ist eben auch: Nicht jeder kann alles. Im Gegenteil, jeder Spieler hat seine ganz eigene Qualität. Und das Geheimnis einer guten Mannschaft liegt auch darin, die beste Aufstellung zu finden. Also zu sehen, welche Qualitäten zusammengeworfen die beste Leistung bringen.“ Und das scheint ihm momentan nicht nur bei Zoua zu gelingen.

Wobei letztlich nichts über den Teamgeist geht. Wenn sich eine Mannschaft nicht versteht, wird das über Kurz oder Lang zum Verhängnis. Daher achtet Slomka insbesondere auf Disziplin und Respekt. Er fordert Sauberkeit ebenso ein wie Gemeinsamkeit. An Tagen mit Doppelschichten wird zwischen den Einheiten zusammen gegessen. Und um dem ganzen den großen Zwang zu nehmen, überlässt Slomka es jedem einzelnen, ob er nach dem Essen noch mal kurz wegfährt oder mit den Kollegen in der Kabine bleibt. „Der Wille, alles zu geben, war vorher auch da“, sagt Heiko Westermann, „aber vielleicht nicht bei jedem so ausgeprägt wie jetzt. Jetzt haben alle gemerkt, dass es etwas bringt, wenn man den einen oder anderen Meter mehr geht für seinen Nebenmann.“

Und obwohl ich die meisten Statistiken für eher trügerisch halte, lassen selbige durchaus auch mal Rückschlüsse zu. Denn während die Mannschaft die Gesamtlaufleistung langsam steigert, steigert sie vor allem die Kilometer in hohem Tempo. Auch, weil diese Läufe trainiert werden. 30-Meter-Sprints waren bei van Marwijk, dessen Augenmerk auf dem Fußballerischen lag, nur vereinzelt. Bei Slomka gehören diese Läufe zum Inventar. „Ich weiß nicht, ob wir härter trainieren. Aber ich kann sagen, dass ich jeden Abend zu Hause merke, was ich am Tag gemacht habe. Mehr als vorher. Ich weiß, dass ich hart gearbeitet habe – und allein das ist für das Spiel am Wochenende schon gut.“

Fußball ist eben auch Kopfsache. Insbesondere auf Bundesliganiveau, wo zwischen Platz zwei und 18 Nuancen entscheiden. Und ganz offensichtlich hat Slomka hier eine sehr gute Mischung herbeigeführt, den Spielern beide Stärken einzuimpfen. „Ich bin nicht dafür da, einem Bundesligaspieler immer wieder zu sagen, was er toll kann. Das dürfte jeder Profi selbst wissen“, sagt Slomka und fügt hinzu: „Aber in speziellen Situationen hilft auch das.“

Stimmt. Wie jetzt. Daher schließe ich mich Slomka einfach an und attestiere der Mannschaft das, was ich ihr schon gestern nach dem Spiel attestiert habe: Sie hat den AbstiegsKAMPF angenommen und legt endlich alle Tugenden auf den Platz, die benötigt werden, um die Klasse zu halten. Von A wie Adler, der endlich wieder zum Punktegaranten wird, bis Z wie Zoua. Bei all der Schmach, die sich diese Mannschaft in dieser Saison eingehandelt hat, darf sie jetzt gelobt werden. „Das mache ich auch“, hatte Slomka nach dem Nürnberg-Spiel in die Mikrofone diktiert, aber nur bis Dienstag. Denn da geht alles wieder von vorn los.“

Das klingt gut. Und nicht nur Hieronymus wird’s gern hören…

Scholle

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Dieter Matz

Mann oh Mann, so ein schönes Wetter und dann doch wieder nicht besonders viel Gutes zu schreiben. Wie auch? Geht ja um den aktuellen HSV. Und der hat gerade den GAU im Angriff erlebt. Rudnevs verliehen und keine Kohle für einen Ersatz. Sagte zumindest der Vorstand der auf eine schwarze Null in der Bilanz aus ist. Zuletzt hatte man Transfers für den Winter ohne vorausgehende Verkäufe ausgeschlossen. Das bestätigte Kreuzer heute gegenüber „Sky News“ noch mal: „Eigentlich ist das so, dass wir normalerweise keine Transfers angestrebt haben in der Winterpause.“

Das dürfte sich aber spätestens durch die schlimme Verletzung von Maxi Beister (Maxi, auch auf diesem Wege noch mal Gute Besserung!!!) geändert haben. Denn nachdem auch Lasogga mit Knieproblemen ausgefallen war, stand Trainer Bert van Marwijk schon im Test gegen Vitesse Arnheim (0:0) plötzlich nur noch Jacques Zoua zur Verfügung. Das wiederum ist ein GAU – und es sind nur noch zwei Wochen bis zum Liga-Rückrundenauftakt gegen Schalke. „Wir tun gut daran, da in der Offensive noch mal zu handeln“, sagt Kreuzer und erhält moralisch Unterstützung von Hamburgs Sturmlegende Uwe Seeler: „Natürlich ist der erste Gedanke der, dass man einen Neuen holen muss“, so Seeler, „aber ich werde meinem verein nie dazu raten, jetzt einfach einen zu holen, um einen Neuen zu haben. Aktionismus bringt da nichts. Im Gegenteil. Sollte nichts gehen, muss der Verein auch mal das Vertrauen haben und in seinen Nachwuchs zu setzen. Wozu spielen denn unsere Regionalligaspieler bei uns? Die sind doch alle mal geholt worden, weil man ihnen den Schritt nach oben zutraut.“ Seeler weiß um die bedrohliche Lage und ist bemüht, sich nicht zu sehr in die Diskussion um Strukturen einzubringen. Dafür sagt er aber im Hinblick auf einen Neueinkauf klar: „Der Neue muss besser sein, als das, was hier ist.“

Nur wie soll das gehen? Ohne Geld? Der erste Impuls in so einem Moment ist (für mich auf jeden Fall) mal wieder: HSVPlus muss kommen. Und ich glaube, auch Oliver Kreuzer sieht das inzwischen so. Obgleich er es nicht so klar formulieren darf, deutet er es gegenüber „Sky Sport News HD“ an: „Die Mitgliederversammlung ist momentan das große Thema in Hamburg, die Strukturreform. Ich will mich hier gar nicht groß äußern eine Woche vor der Veranstaltung“, so Kreuzer, um dann doch preiszugeben, dass neben Hilke und Jarchow auch er zu den Befürwortern von HSVPlus gehört: „Natürlich, Kapital tut einem Verein immer gut und alle wissen, dass wir in einer schwierigen Situation sind. Warten wir mal ab, was nächste Woche herauskommt. Dann schauen wir weiter.“ Soll heißen, es geht nur mit neuem Geld weiter. Und mit dem Konzept, das bei diesem hochverschuldeten Traditionsklub ob finanziell hochpotenter Unterstützer schnell neues Geld einbringen kann. So viel, dass der HSV die nötigen Soforthilfen holen kann, wobei die Betonung auf „SOFORT“ liegt. Denn Zeit bleibt nicht mehr viel. Am 31. Januar muss alles über die Bühne gebracht sein. Und dem HSV fehlt es an Qualität. Hinten wie vorne.

Denn obwohl Lasogga am Montag wieder ins Training einsteigen soll, droht auch Arslan weiter auszufallen. Der Mittelfeldspieler leidet an Adduktoren- und Leistenproblemen, muss weiter kürzertreten. Trainer Bert van Marwijk hat die Situation erkannt (wie im Foto zu erkennen…) und schlägt Alarm: „Nun kann es auch noch sein, dass Arslans Verletzung länger dauert. Wenn man alles zusammen sieht, dann haben wir schon ganz große Probleme im Moment.“ Größere als fast alle Bundesligisten – Braunschweig mal ausgenommen. Denn die haben zwar die richtige Einstellung zur Liga gefunden – aber schlichtweg noch weniger Qualität im Kader.

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Mehr Qualität haben zweifellos Frankfurt und Schalke. Van Marwijk hatte sich am Sonnabend das Testspiel des nächsten Bundesligagegners gegen die Hessen angesehen – und er war erstaunt. „Ich habe gesehen, dass Frankfurt gleich zwei Bundesligamannschaften aufbieten könnte, wir dagegen nicht mal eine. Das ist die Realität.“ Bittere Worte. Zumal bei Frankfurt der ehemalige HSV-Trainer Armin Veh als Verantwortlicher selbst jetzt nicht müde wird, nach noch mehr Qualität zu rufen. Das zeigt nur, wie weit hinten dieser HSV im Moment zu sein scheint.

Abstiegskampf heißt das Zauberwort, mal wieder. Und van Marwijk sowie seine Führungsspieler van der Vaart und Adler zuletzt werden nicht müde, die Situation schonungslos anzusprechen. Beim Trainer hört man inzwischen schon eine Art Frust heraus. „Wenn es hier einer nicht begriffen haben sollte, dass es hier gegen den Abstieg geht, dann gehört der nicht in die Bundesliga. Aber ich gehe davon aus, dass es jeder begriffen hat.“

Kleine Brote backen statt unrealistische Träume pflegen. Es ist zumindest der erste kleine Schritt in die richtige Richtung. „Wir müssen jetzt so schnell wie möglich so viele Punkte holen, dass wir wieder ruhig atmen können“, sagt van Marwijk der allerdings erneut betonte, dass das mit dem aktuellen Kader schwer wird und er unbedingt einen neuen Angreifer braucht. „Ich habe in dieser Woche ja schon sehr deutlich gesagt, was ich will. Es ist eigentlich deutlich für jeden. Und selbst die, die es vorher noch nicht verstanden haben, für die ist es jetzt deutlich.“ Wen er damit meint, lasse ich jeden selbst interpretieren.

Klar ist dagegen, dass der MV am 19. Januar eine immer größere Bedeutung zuteil wird. Morgen und am Dienstag sitzen die drei Konzeptträger Rieckhoff, Ertel und Hunke jeweils auf großen Bühnen und diskutieren das Thema. Quasi als Warmup für die Woche der Wahrheit. Und Matz ab ist jeweils mittendrin. Zunächst bei „rasant“ auf HH1 am Montag (s. dazu auch Textende). Dort stellen ab 20.15 Uhr Blogvater Dieter Matz und Moderator Uli Pingel die Fragen, ehe am Dienstag ab 17 Uhr (ausgestrahlt wird um 20 Uhr auf NDR 90,3) im NDR-Funkhaus in der Rothenbaumchaussee unser Lars (als NDR-Reporter) und Abendblatt-Vizesportchef Alexander Laux den drei Protagonisten im Rahmen des 11. Sportforums (Kooperation von NDR 90,3 sowie dem Abendblatt und Matz ab) auf die Zähne fühlen und die finale Phase einläuten.

Es steht uns tatsächlich eine Woche bevor, die diesen Verein verändern wird. So oder so. Und ganz ehrlich – ich hoffe „so“. Ihr könnt mir glauben, ich bin grundsätzlich eher ein Spießer und mag Tradition, gerade im Fußball. Aber eben nur so lang, wie es nicht Existenz bedrohend wird. Und die Existenz des HSV ist in der jetzigen Form stark gefährdet, das weiß nun auch der letzte Träumer. Der Abstiegskampf ist eingeläutet. Und sollte am 19. Januar tatsächlich HSVPlus scheitern, wäre es das dann wohl auch mit den Helfern. So, wie einst mit Eugen Block, als die Mitglieder den honorigen Hamburger Geschäftsmann 1997 bei der Wahl für den Aufsichtsrat am Supporter und späteren Vorstand Christian Reichert scheitern ließen. „Das war damals eines der ersten Zeichen dafür, was auf den Verein zukommt“, hatte mir 2007 Udo Bandow in einem sehr netten, sehr ausführlichen Gespräch unmittelbar nach seinem freiwilligen Rücktritt gesagt. Der Aufsichtsratsvorsitzende aus besseren Zeiten machte sich damals schon Sorgen um die Struktur. Wie berechtigt die waren, bewahrheitet sich gerade. Umso ärgerlicher, dass er das Gremium nicht noch etwas länger angeführt hat. Zumal ich mir sicher bin, dass er mit seiner sachlichen, diplomatischen Art das Erfolgsduo Hoffmann/Beiersdorfer 2009 dazu bewogen hätte, zusammen weiter zu machen…

Aber okay, es ist ja noch alles drin.

Jeweils 20 Minuten Redezeit bekommen die Konzepte auf der Mitgliederversammlung am Sonntag, von der wir mit Live-Schalten hier im Blog berichten werden. Dieter und ich werden versuchen, Euch per Liveticker und eben jenen Video-Liveschalten immer so nah wie möglich am Geschehen zu halten – wenn Ihr nicht eh vor Ort seid, was ich natürlich noch viel mehr hoffe. Und, wie angekündigt noch ein Nachklapp zu „rasant“-Sendung am Montagabend: Wer im Publikum sitzen will, die/der sollte sich möglichst schnell bei Sport@Hamburg1.de bewerben. Einige wenige Plätze gibt es noch. Viel Erfolg!

In diesem Sinne, Euch und uns allen noch einen schönen Restsonntag. Bis morgen,
Scholle

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Dieter Matz

Er ist eine der großen HSV-Figuren der jüngeren Geschichte – und heute feiert er einen runden Geburtstag. Alles Gute, Dietmar Beiersdorfer! Der Sportchef des russischen Vereins Zenit St. Petersburg wird heute 50 Jahre alt und feiert diesen Tag hier in Hamburg. Viele sagen, mit seinem Ende als HSV-Manager im Sommer 2009 hat der Abstieg des Vereins bis hin zur heutigen Lage begonnen. Und genau so ist es. „Didi“ war die letzte HSV-Figur, der nicht nur Fachkompetenz hatte, sondern diesen Club auch verkörperte. Ich finde, er tut es heute auch noch. Beiersdorfer ist HSVer. Ein Jammer, dass er damals gehen musste und der Aufsichtsrat seine Position lange un- und dann schlecht besetzt ließ.

Und damit sind wir auch schon zügig beim Thema. Scholle und ich haben Manfred Ertel, den Vorsitzendes des Aufsichtsrates, einen Fragenkatalog geschickt, den Ertel beantwortet hat. Es ist ein so ausführliches, schriftliches Interview geworden, dass wir es über zwei Tage strecken.

Bevor es losgeht, zwei Anmerkungen zum Blog von gestern und Euren Kommentaren. Erstens: Wer glaubt, ich würde Manfred Ertels Position auch nur annähernd vertreten wollen, der irrt. Ich hätte die Problematik nicht anders geschildert, wäre es um Rieckhoff, Hunke, Jarchow, Kühne, Magath, Beiersdorfer oder Matz gegangen. Alle, die diskutieren, müssen fair bleiben und Regeln beachten. Das gilt auch für Ertel, gerade für ihn, der eine hervorgehobene Position im HSV hat. Zweitens: Geärgert habe ich mich über die Kritik, ich wolle „Westphale“ gegenüber oberlehrerhaft oder schulmeisterlich auftreten. Er soll, wie alle anderen, hier bitte weiter schreiben und bloggen und sich nicht unterkriegen lassen.

Genug davon. Jetzt zum Interview, das bestimmt wieder Reizpunkte setzt.

Matz ab: Herr Ertel, welches Bild gibt der HSV derzeit ab?

Manfred Ertel: Der HSV hat immer noch einen erstklassigen Ruf, bundesweit und auch international. Wir sind der Dino der Liga, der Traditionsverein des deutschen Fußballs, die Raute ist ein Symbol. Das erlebt man unter anderem auch bei jedem Auswärtsspiel, wenn man sieht, woher die riesige Zahl von Fans so anreist, um ihren HSV zu unterstützen. Jetzt muss nur noch die sportliche Entsprechung folgen.

Matz ab: Was ist anders geworden, seit Bert van Marwijk hier ist?

Ertel: Die Hoffnung ist zurück, und auch die Ordnung. Und damit ein „mehr“ an spielerischer Qualität. Bei allem Respekt und bei aller Sympathie für Thorsten Fink und seine Arbeit: Bert van Marwijk mit seiner fast schon hanseatischen Art und der HSV – das passt! Mein Eindruck ist: Die Spieler, gerade auch unsere sehr jungen, haben den Spaß und die Selbstsicherheit wiedergefunden, auch nach unglücklichen Niederlagen. Ihr Respekt vor dem Trainer ist sehr groß, die Akzeptanz auch. Und das Spiel der Mannschaft wirkt auf mich klarer, kreativer, zielstrebiger. Jetzt fehlt vor allem noch die Konstanz. Aber allen, die einen Neuanfang wollten, einen Aufbruch mit jungen, talentierten Spielern, all denen muss auch klar sein: Es wird mit so einer jungen Mannschaft auch immer wieder mal Rückschläge geben. Wichtig ist nur, jedes Mal wieder aufzustehen.

Matz ab: Oliver Kreuzer ist seit Juni beim HSV. Ihre Bilanz nach fünf Monaten…

Ertel: Sehr gut. Er hat ein klares Konzept, ist in seiner Arbeit klar und geradeaus, das verleiht ihm hohe Authentizität und Glaubwürdigkeit, gerade auch gegenüber Spielern. Er identifiziert sich total mit dem HSV. Er schnürt angesichts unserer derzeit nicht so glänzenden wirtschaftlichen Lage intelligente Vertragspakete mit leistungsabhängigen Komponenten, und er hat eine klare sportliche Führungshandschrift, wir sind sehr zufrieden. Ich hoffe, er liest das jetzt nicht, sonst möchte er womöglich noch eine Gehaltserhöhung haben (lacht).

Matz ab: Wie beurteilen Sie im Moment den Wahlkampf um die Strukturreform?

Ertel: Ich sehe mit Sorge, wie die Debatte um die Zukunft unseres Vereins – von Wahlkampf mag ich nicht reden – den HSV emotional spaltet. Aus unterschiedlichen Meinungen und Vorstellungen droht ein tiefer Graben zu werden. Vor allem der Vorschlag einer Ausgliederung mit Anteilsverkauf an Investoren befördert diese Spaltung massiv. Die Sehnsucht nach Erfolg, die auch ich teile, hat vielfach Stimmungen frei gesetzt, in denen es nur noch darum geht, jeden argumentativen Widerspruch als feindlich oder schädlich zu verstehen. Das führt dazu, dass wir viel zu oft nicht um den besten Weg für unseren HSV streiten, sondern vor allem den Feind im eigenen Lager bekämpfen und besiegen wollen. Dabei ist vielfach scheinbar jedes Mittel recht, vor allem in den Foren und sozialen Netzwerken. Da wird unter dem Deckmantel der Anonymität beleidigt, verunglimpft, diskreditiert, nicht einmal vor der persönlichen oder beruflichen Integrität des „Gegners“ wird manchmal halt gemacht. So erweist man dem HSV einen Bärendienst, wenn wir da alle zusammen nicht ganz schnell die Kurve kriegen, wird dieser Verein niemals wieder so sein, wie er mal war und wie wir alle ihn doch gern hätten. Statt jeder für sich in der Debatte um eine Strukturreform gleich den Weg an die Öffentlichkeit und in die Medien zu suchen, hätten sich alle lieber gemeinsam an den Tisch setzen und gemeinsam nach dem besten Weg suchen sollen. Noch ist es dazu nicht zu spät. Niemand hat den Stein der Weisen erfunden, schon gar nicht die, die am lautesten schreien.

Matz ab: Unterschiedliche Konzepte prallen aufeinander – droht dem HSV die komplette Spaltung?

Ertel: Ich hoffe nicht, und ich vertraue auf unserer aller Weisheit und Klugheit. Ich kann mir gut vorstellen, über einen Kompromiss zum Wohle des HSV zu verhandeln, wenn zwei Grundsätze gewahrt bleiben: Kein Verschachern von Vereinsanteilen an Investoren, und weitestgehende Wahrung von Mitgliederrechten. Wenn es uns allen wirklich nur um eine schlankere, effektivere, erfolgreichere und schlagkräftigere Struktur geht, sollte es vor diesem Hintergrund genug Spielraum für eine Verständigung geben.

Matz ab: Wie sehen Sie die Chancen für die HSV-Reform, die Sie unterstützen?

Ertel: Wenn wir nicht zu einer übergreifenden Einigung kommen, sehe ich zumindest die Chancen für unsere HSV-Reform sehr, sehr gut. Wir sind einen anderen Weg gegangen. Keine Top-Down-Konzepte im Alleingang oder durch Kleingruppen, die zum Teil noch nicht einmal aus ihrer Anonymität heraustreten. Wir haben mit einer Gruppe von HSVern aus ganz unterschiedlichen Teilen des Vereins – Supporters, große Fanklubs, Aufsichtsrat, aber auch kluge unabhängige Mitglieder und Ultras – zunächst Defizite unserer Strukturen und in der HSV-Arbeit identifiziert. Wir haben dann versucht, konkrete Lösungsansätze zu finden und zu formulieren, haben die dann in den Verein zurückgespiegelt, in breite Mitgliederkreise und an einstige HSV-Größen, und haben daraus unsere Reformvorschläge entwickelt. Das ist vielleicht noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber es ist der Versuch eines breit gestützten Kompromisses, der von immer mehr Mitgliedern offen und öffentlich mitgetragen wird. Und bei dem jeder auch Abstriche von seinen Idealvorstellungen machen musste. Auch ich, übrigens.

Matz ab: Haben Sie schon jemandem glaubhaft vermitteln können, warum Sie sich als Vereinsmitglied äußern dürfen – nicht aber als Aufsichtsrat? Und wo besteht der Unterschied in der Wahrnehmung?

Ertel: Ja, massenhaft. Und wenn man nicht böswillig an die Sache herangeht ist es eigentlich auch ganz einfach: Die auf unserer Satzung beruhende Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat sagt ganz eindeutig, dass Aufsichtsräte frei sind, sich als „einfache Mitglieder“ zu allen vereinspolitischen Fragen zu äußern. Anders übrigens als bezahlte Vorstandsmitglieder, deren Mitgliedsrechte während der Vertragslaufzeit ruhen. Von diesem Recht macht übrigens auch die große Mehrzahl der Räte auf unterschiedlichen Veranstaltungen im Verein oder auf Zusammenkünften von Mitgliedern Gebrauch. Natürlich wird man immer auch ein Stück weit als Aufsichtsrat identifiziert. Deswegen hatte ich auch vorgeschlagen, dass sich Vorstand und Aufsichtsrat völlig aus der Strukturdebatte heraushalten sollten, auch wenn mir persönlich das durchaus schwer gefallen wäre. Damit war ich leider nicht mehrheitsfähig. Und am Ende ist es doch auch egal. Am Ende zählt doch nur, dass wir die beste Lösung für den Verein finden, egal durch wen. Ich kann allerdings nicht akzeptieren, wechselseitig mal als Mitglied, mal als Aufsichtsrat, als Journalist, als Ehemann einer Grünen oder als verhasster Supporter kritisiert zu werden, wie es jedem Kritiker gerade so in den Kram passt. Das geht zu weit. Und noch eines: Es ist für mich schon interessant, dass wir diese Diskussion über eine Rollentrennung nicht geführt haben, als der Aufsichtsrat Jürgen Hunke sein Konzept vorgelegt hat. Wir haben sie auch nicht geführt, als der Aufsichtsrats-Vorsitzende Ernst-Otto Rieckhoff gemeinsam mit Aufsichtsrat Horst Becker voriges Jahr im Sommer auf der Mitgliederversammlung durch Satzungsänderung den Aufsichtsrat verkleinern wollte und Rieckhoff den Aufsichtsrat sogar zum Rücktritt aufforderte. Und wir haben die Diskussion auch nicht geführt, als der vorn mir geschätzte Aufsichtsrats-Vize Alexander Otto und Aufsichtsrat Jörg Debatin auf der Mitgliederversammlung durch Satzungsänderung eine Brief- und/oder Fernwahl einführen wollten und dafür zuvor sogar mit einem persönlichen Namensartikel im Hamburger Abendblatt geworben hatten. Wir führen die Debatte jetzt, auf einmal. Messen wir uns selbst eigentlich noch an den gleichen Kriterien?

Matz ab: Warum ist die Ausgliederung aus Ihrer Sicht der falsche Weg?

Ertel: Weil unser HSV mit seiner Tradition, mit seiner sozialen Verantwortung als Universalsportverein für die Stadt und die Region und mit seiner einmaligen Geschichte zu wertvoll ist, als dass man Anteile an diesem Klub verkaufen darf. Nennen Sie mir einen ausgegliederten deutschen Bundesligaverein, der sich noch den „Luxus“ von über 30 Breiten- und Amateursportabteilungen leistet, den gibt es nämlich nicht. Mit jedem Anteilsverkauf geben wir ein Stück HSV aus der Hand, das wir niemals wieder zurückbekommen werden. Weg ist weg, da helfen auch keine beruhigenden Worte über angebliche Rückkaufoptionen, die niemand einlösen kann. Und die Verkaufserlöse sind ein Einmaleffekt, der schnell verpuffen kann. Es gibt außerdem keinen Verein im deutschen Fußball, der dauerhaft und spürbar durch Anteilsverkauf erfolgreicher geworden ist. Das Gegenteil lässt sich allerdings in Deutschland und Europa Jahr für Jahr beobachten.

Wann und wofür würden Sie einen Investor nicht mehr ablehnen?

Ertel: Ich persönlich lehne Investoren als Anteilseigner immer ab. Ich habe nichts gegen Geldgeber, Sponsoren oder Mäzene, die zum Beispiel den Stadionnamen zurück kaufen oder finanzieren wollen, oder sich als Namensgeber für den neuen Campus engagieren wollen. Da kann sich jeder finanzstarke HSV-Sympathisant ein Denkmal setzen, auch bei unseren Fans.

Soweit Manfred Ertel für heute. Scholle begleitet morgen Teil zwei, in dem es dann insbesondere um Ertel selbst und seine Position geht.

Einen schönen Abend
Lars

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Dieter Matz

Heute war trainingsfrei – Zeit genug, mich mal einer persönlichen Angelegenheit zu widmen. Denn, das vorweg, ich schreibe sehr gern für diesen Blog. Zum einen, weil es hier sehr interessante Diskussionen gibt, zum anderen, weil auch ich dadurch den einen oder anderen Denkanstoß bekomme. Dieser Blog hat Qualität. Und die wächst ebenso wie die Leser des Blogs – das spricht für Euch, das spricht für uns alle.

Manche von Euch meinen es allerdings manchmal auch etwas zu gut mit mir. Das tut mir nicht weh und ist auch nicht schlimm, aber eben etwas anstrengend. Deshalb, nun noch einmal im Klartext und für alle: Mein Name ist Marcus Scholz, ich schreibe diesen Blog (zusammen mit dem Blogvater Dieter Matz und Lars Pegelow) und habe eine eigene Meinung, auch wenn einige von Euch das irgendwie immer mal nicht mögen. Im Fall Klaus Michael Kühne ist meine Meinung eigentlich sehr gut nachzulesen, aber für einige wenige offenbar nicht verständlich genug formuliert. Deshalb noch mal zusammengefasst: Klaus Michael Kühne ist ein honoriger Hamburger Geschäftsmann mit sensationellem geschäftlichen Erfolg. Er hat sein Unternehmen an die Weltspitze geführt und ist nicht umsonst einer der reichsten Deutschen inzwischen. Glücklicherweise (Achtung! DARIN steckt tatsächlich eine versteckte Wertung!) ist Herr Kühne HSV-Fan und nicht abgeneigt, seine finanziellen Privilegien in Teilen mit dem HSV zu teilen. Bislang als verzinste Darlehen, in Zukunft vielleicht auch mal als Investor, Sponsor oder Mäzen. Wie auch immer er es für sich entscheidet – das ist eine großartige Aussicht, die ich ausdrücklich begrüße. Sie lässt mich auf bessere Zeiten hoffen, ganz klar.

Ich bin absolut und felsenfest davon überzeugt dass Herr Kühne dem HSV nichts Böses will und halte derartige Verdächtigungen nach den letzten Jahren schlichtweg für absurd. Ich unterstütze auch keinen Aufsichtsrat, keinen Vorstand und genauso wenig HSV-Gruppierungen. Vielmehr habe ich meine eigene Meinung und die besagt – auch das ist nachlesbar – dass der HSV eine strukturelle Neuordnung braucht, um auf lange Sicht konkurrenzfähig zu werden, zu sein und auch zu bleiben. Dafür muss an den Entscheidungswegen massiv gearbeitet werden und beispielsweise der Aufsichtsrat quantitativ verschlankt und gegebenenfalls auch neu besetzt werden. Ich halte viele ehemalige HSV-Stars für absolut prädestiniert, einige von ihnen aber auch für absolut ungeeignet. Immerhin geht es in diesen Funktionen bei der Neustrukturierung nicht mehr darum, den Ball gekonnt zu passen sondern um inhaltliche Qualität. Und die erwirbt man nicht mit einem Europapokalsieg oder einer Meisterschaft.

Zu der Summe und meinem nicht ernst gemeinten Rechenspiel, dass Herr Kühne 80 Jahre lang 100 Millionen Euro jährlich aufbringen könnte und immer noch Milliardär wäre: Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Neustrukturierung mit allen Folgen mehr als die von Herrn Kühne in Aussicht gestellten 25 Millionen Euro bedarf. Vielmehr glaube ich, dass der HSV einen dreistelligen Millionenbetrag bräuchte, um rundum neu anzufangen. Ich weiß im Übrigen auch, dass Herr Kühne das weiß und sich mit einem weitaus größeren als bisher genannten Engagement auseinandersetzt. Es geht hierbei inzwischen um 100 Millionen und mehr. Darunter geht nichts. Zudem muss gesagt sein, dass ich hier nichts von Herrn Kühne fordere oder verlange, sondern lediglich meine Meinung äußere, was der Verein braucht. Von wem auch immer…

Ich freue mich über Herrn Kühne, so sehr mich seine bundesweit angelegte Interview-Strecke „25 Millionen – aber nur, wenn Magath oberster Boss wird“ auch geärgert hat. Die war so unnötig wie ein Kropf. Das hat er gar nicht nötig! Denn egal welchem Konzept sich Kühne letztlich anschließt, als Hauptgeldgeber hat er automatisch ein zwar nicht offizielles aber definitiv vorhandenes Mitspracherecht. Sein Wort hat Gewicht, auch wenn jeder Vorstand das naturgemäß nach außen bestreiten wird, wird er intern nicht anders handeln.

Ich freue mich auch über die Aktivitäten aus der Vereinsmitte, die darauf abzielen, diesen nationalen und eigentlich auch internationalen Riesen aus seiner Lethargie zu befreien. Aber ich behaupte, dass wirklich alles auch bei einer neuen Struktur von den handelnden Personen abhängig ist. Dieser Verein war in dieser Struktur gut geführt, als sich Hoffmann und Beiersdorfer noch im Sinne des Vereines einig waren. Beide haben gezeigt, dass dieser Verein auch mit vermeintlich veralteter Struktur große Ziele verfolgen kann. 140 Millionen Euro Umsatz sollten es eigentlich ermöglichen, national oben dabei zu sein und über internationale Wettbewerbe den Umsatz weiter zu steigern – das sind für mich uneingeschränkt nachvollziehbare Argumente der Traditionalisten. Allein, der aktuelle Vorstand hat das bislang nicht geschafft. Und dieser traurigen Wahrheit muss sich jeder stellen.

Zumal aus ihr die Angst gewachsen ist, dass der HSV nicht mehr nur taumelt sondern kurz vor dem Fall steht. Eine Angst, die es überhaupt erst ermöglicht hat, die vor Jahren bereits von Bernd Hoffmann angeschobenen Ausgliederungsgedanken neu zu formulieren und offensichtlich auch durchzusetzen.

Denn die Realität ist hart: Die Mannschaft hat kein internationales Spielergerüst mehr und bedarf einer generellen personellen Überholung, die mit Talenten angeschoben werden kann. Allein mit Talenten wird es aber nicht funktionieren, oder besser: nur in den seltensten Fällen. Soll heißen, der Verein braucht viel Geld, hat aber nichts mehr als ein großes Minus auf dem Konto. Der HSV braucht möglichst schnell viel Geld. Das würde eine Strukturreform der Marke HSVPlus ganz sicher erleichtern, von daher hat die Initiative aus meiner Sicht auch sehr gute Aussichten auf Erfolg. Aber auch die beste Struktur bedarf guter, qualifizierter Mitarbeiter auf allen Ebenen. Soll heißen: Das heutige Problem wird allein durch eine Neustrukturierung noch nicht behoben sein. Am Ende hängt jede Struktur an den Leuten, die sie mit Leben füllen sollen.

Daher hat der hier im Blog offenbar komplett durchs Rost gefallene Jürgen Hunke zumindest einen unablässigen Punkt im Rahmen seiner Vorstellung genannt, dem auch seine größten Widersacher zustimmen werden: Es müssen alle Posten neu gewählt werden. Hunke meinte damit zwar zunächst nur den Aufsichtsrat, ich würde aber noch weiter gehen. Die Konsequenz eines komplett neuen Aufsichtsrates muss meiner Meinung nach sein, dass dieser auch einen neuen Vorstand beruft. Wenn es die vorhandene Personen sein sollen – okay. Aber die neuen Räte müssen die Chance haben, ihre Gestaltung vorzunehmen.

Wie gesagt, das ist nur meine Meinung. Aber DAS ist sie und nichts sonst. Ich bitte jede/-n von Euch, das zu respektieren und aufzuhören, mir irgendwelche unsägliche Seilschaften anzudichten. Das ist teilweise so absurd, dass ich geneigt war, die Posts zu löschen. Aber das habe ich nie gemacht und das habe ich auch diesmal gelassen. Weil ich Eure Meinung akzeptiere. So, wie Ihr meine hoffentlich auch.

Ich habe fertig.

Obwohl, nee, doch noch nicht. Das Training am Freitag ist übrigens wie angekündigt tatsächlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der HSV bat alle Journalisten noch einmal inständig, das weiterzugeben an seine Leser/Hörer/Zuschauer. In diesem Sinne, ich melde mich morgen Abend wieder mit frischen Stimmen vom Trainer! Bis morgen!

Scholle

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Dieter Matz

******Eigentlich wollte ich diesen Blog schon vor 30 Minuten online stellen. Allerdings erreichte mich just im Moment der Freigabe eine für mich ebenso traurige Nachricht wie für alle Hallenfreunde. Besonders für Veranstalter Horst Peterson und auch Dieter Matz, dem Peterson einst bescheinigte, er sei seine Motivation gewesen, das traditionelle Hallenspektakel in der Alsterdorfer Sporthalle zu initiieren: Der HSV sagt den Schweinske-Cup ab. Und das, obwohl erst vor wenigen Wochen die Zusage kam und der HSV nach jahrelanger Abstinenz – wenn auch mit der zweiten Mannschaft – endlich sein Comeback auf Hamburger Hallenboden feiern wollte. Wie mir gesagt wurde, geschieht dies aus Sicherheitsgründen. Angeblich sind beim HSV etliche Meldungen eingegangen, wonach bei einer Teilnahme des HSV in der Halle randaliert werden sollte. Wer da wie randalieren wollte, weiß ich noch nicht. Und ich werde bei solchen Dingen eine Teufel tun, zu spekulieren. Deshalb auch diese in Sternchen gehaltene Kurzmeldung vorweg. „So schade es ist, es ist eine gemeinsame Entscheidung mit der Turnier-Organisation gewesen“, sagt HSV-Mediendirektor Jörn Wolf. Das Turnierumfeld, sprich die An- und Abreisewege seien zu eng, um für Sicherheit garantieren zu können. „Die Polizeit hatte uns daher davon abgeraten, an diesem Turnier teilnehmen“, so Wolf weiter. ****

Ebenso traurig kling eigentlich auch Folgendes: „Es herrscht Zuschauerschwund beim HSV.“ Allerdings nur eigentlich. Denn obgleich es bei durchschnittlich mehr als 44000 Zuschauern Meckern auf gehobenem Niveau ist, ist es eigentlich kein Wunder. Zu dem Schluss könnte man kommen, wenn man sich die sportliche Entwicklung ansieht. Denn die hat in dieser Saison im Vergleich zu den Vorjahren abgenommen, auch wenn sich unter dem neuen, Trainer Thorsten Fink ein deutlich erkennbarer Aufwärtstrend abzeichnet. Dennoch hat der HSV in dieser Saison noch nicht einmal das Stadion komplett ausverkauft. Auch das ist definitiv zu wenig. Allerdings ebenfalls zu erklären, wie ich finde. Nicht nur, dass die Top-Gegner Bayern Dortmund und Bremen erst noch kommen, für ein jeweils ausverkauftes Haus sorgen und damit den Schnitt deutlich anheben dürften, auch der zu Saisonbeginn proklamierte Umbruch dürfte seinen Teil dazu beigetragen haben. Zumal der Saisonstart reichlich daneben ging. Ein Punkt konnten die jungen Wilden unter Michael Oenning sammeln und damit nicht die vorhandene Skepsis unter den Fans beseitigen. Damals wurde an allem und jedem gezweifelt, alles hinterfragt. Und das hielt lange an. Bis heute gibt es noch etliche Zweifler, die den Aufwärtstrend unter Fink sehen und sich darüber freuen, die dem Ganzen aber noch nicht vollends vertrauen. Und um dies zu ändern, dafür bedurfte und bedarf es auch weiterhin der aktuellen Form der Mannschaft. Sollte die unter Fink begonnene Entwicklung anhalten, dürften sich auch die Zuschauerzahlen wieder verbessern.

Das gilt auch für Heung Min Son. Auch der Südkoreaner kann eine ganze Menge von Fink profitieren. Dieter hatte gestern beschrieben, dass Fink den zuletzt ganz objektiv betrachtet berechtigt kritisierten Angreifer in Schutz nimmt. Und das ist gut so. Nicht allein von Dieter, sondern vielmehr von Fink. Denn Son ist ein zweifellos großes Talent, das über alle individuellen Fähigkeiten verfügt, die man als Bundesliga-Profi braucht. Allein er zeigt es derzeit nicht auf dem Platz. Und, wenn ich ganz ehrlich hin, zeigt er es schon seit Saisonbeginn nicht mehr. Die (erneuten) Vorschusslorbeeren aus der Vorbereitung, in der er (mal wieder) Top-Scorer war, bewahrheiten sich wieder nicht. Stattdessen wirkt Son nicht handlungsschnell genug, er verliert zu leicht Zweikämpfe und kommt zu selten zum Abschluss.

Aber, und da schließe ich mich nicht nur Fink sondern auch Dieter an, Son fehlt einfach nur eine gesunde Mixtur aus all seinen Talenten. Und diese Mixtur muss er auf dem Platz zeigen, So, wie er es im Training längst nicht kontinuierlich aber wenigstens immer mal wieder schafft. Und dafür wird es in der zweiten Saison auch langsam Zeit. Langsam wird sich Son auch mit Kritik, die ob seiner noch jungen 19 Jahre zuletzt oft gemieden wurden, auseinandersetzen. „Ich will in dieser Saison den nächsten Schritt machen“, hatte uns Son im Sommer gesagt und damit den Schritt zum Stammspieler gemeint. Nun kann man sagen, dass er das mit drei Toren bei elf Einsätzen in 15 Saisonspielen, wovon er achtmal in der Startelf stand, schon fast erreicht hat. Aber andererseits profitierte Son von Verletzungen Petrics, Bergs und Guerreros sowie zuletzt vom guten Willen des neuen Trainers, der ihm einfach eine erneute Chance geben wollte. Ergo: Son ist noch kein Stammspieler. Allemal kein unumstrittener, was auch die Diskussion hier im Blog beweist.

Allerdings ist die Kernfrage vielmehr: muss Son so früh schon so hoch gesteckte Ziele erfüllen, nur weil sie irgendwann von irgendwem formuliert wurden? Und so gern ich auch sagen würde: „Ja, weil er es kann!“, muss ich konstatieren: Nein, er braucht noch Zeit. Also löse ich mich von dem Gedanken, das neue Wunderkind in unseren Reihen gefunden zu haben. Schon allein mit Blick auf die Schicksale unser letzten Wunderkinder Macauley Chrisantus und Mustafa Kucukovic, die sich derzeit bei zweitklassigen Klubs beweisen. Auch wenn man da zumindest Chrisantus nach nunmehr sieben Treffern in 13 Einsätzen im Blick behalten muss.

Dennoch würde und werde ich bei Son eher davon sprechen, einen Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zu haben, der der Mannschaft trotz seiner jungen Jahre schon heute weiterhelfen kann und der es in absehbarer Zeit auch zum gestandenen Bundesligaprofi schaffen wird. Er hat alles, aber ihm fehlt noch viel. Vielleicht nimmt man Son dadurch auch den Druck, den der Junge schon allein durch seine langfristige Vertragsverlängerung mit entsprechend angehobenen Bezügen verspürt haben dürfte. Zudem haben wir alle, ob Blogger oder Schreiber hier im Blog, Sons Vorbereitungsleistungen zu hoch eingeschätzt. Dementsprechend tief fühlt sich der Sturz an. Dabei ist Son weiterhin ein großes Talent, das noch Zeit bekommen muss, sich zu entwickeln. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Und ich bin mir relativ sicher, dass ein Herr Fink, der selbst beim FC Bayern München die vielleicht härteste Schule für im Bundesligafußball durchlaufen durfte, da die richtigen Worte und Mittel finden wird.

Denn das scheint er bislang bei den Spielern geschafft zu haben. Nicht ein Spieler ist dabei, der aktuell schlecht über den Trainer und dessen Maßnahmen spricht. Dabei gibt es bei 25 Kaderspielern immer ausreichend Akteure, die sich in ihren Augen vom Trainer nicht gerecht mit Einsatzzeiten ausgestattet empfinden. Jetzt allerdings nicht. Fink hat es geschafft, der Mannschaft eine positive Grundstimmung zu verpassen, die derartige Äußerungen verbietet, worauf ich später hier im Blog noch mal zurückkommen werde. Und so sicher, wie das bei Fink wie bei bisher wahrscheinlich 100 Prozent aller Fußballtrainer auf der ganzen Welt eine vorübergehende Phase sein wird, so sehr sollte man sie genießen. Ebenso wie derartige Siege wie gegen Nürnberg. Solche Spiele hat eine Mannschaft doch auch nur, wenn sie dafür hart arbeitet. Soll heißen: auch wenn der HSV in dem Spiel sicher nicht hoch überlegen war, ist der Sieg nichts, wofür sich die Mannschaft schämen oder entschuldigen müsste. Dafür gab es auch in dieser Serie schon genug Spiele, die unverdient verloren gingen.

Nein, entschuldigen müsste man sich erst dann, wenn man so etwas falsch analysiert und sich stärker redet, als man war. So, wie ich mich im Nachhinein bei Euch und bei Son für meine euphorisierten Worte für die Leistungen des Südkoreaners im Laufe der Vorbereitung entschuldigen muss. Allerdings hat das beim HSV niemand getan, im Gegenteil: Fink hatte schon vor dem Nürnberg-Spiel vor verfrühter Zufriedenheit gewarnt und auch nach dem Nürnberg-Spiel mit Kritik an seiner Mannschaft nicht gespart. „Wir sind noch lange nicht da, wo wir hin wollen“, hatte Fink gesagt und damit ebenso pauschal wie richtig gesprochen. Denn, das Spiel des HSV schwebt im Moment auf einer Welle des neuen Selbstvertrauens der HSV-Spieler. Allerdings ist das gesamte Konstrukt selbstverständlich noch sehr fragil. Noch ist die Mannschaft sogar in der Nähe der Abstiegsplätze. Dies richtig einzuschätzen ist die hohe Kunst Finks. Er muss seine Spieler immer wieder warnen, kritisieren und verbessern, ohne ihnen damit das notwendige Selbstvertrauen zu nehmen.

Womit ich, wie vorhin versprochen, noch mal auf Finks Wirkung zurückkomme. Finks taktische Änderungen greifen, was sich leicht auch in den erzielten Punkten nachlesen lässt. Dafür erntet er Respekt und Vertrauen seiner Spieler. Und sollte Fink es zudem schaffen, das nachhaltig auszubauen oder zumindest beizubehalten – sei es durch eine derart schonungslose Ehrlichkeit wie gegenüber einem so verdienten Spieler wie Jarolim oder einfach nur lobende Worte für seine Mannschaft –, dann wird er seinen Erfolg in Hamburg ausbauen. Weil ihm seine Spieler seinen Plan abnehmen und folgen. Und dann werden ganz sicher auch wieder Spiele ausverkauft sein.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle (17.04 Uhr)

P.S.: Am Mittwoch wird um 10 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.


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