Vom
Hamburger Abendblatt
Anzeige

Mathenia

2 markierte Artikel

35

Stefan Walther

Trainiert Julian Pollersbeck zu lasch und übt dadurch zu wenig Druck auf Stammtorwart Christian Mathenia aus? Von wegen, sagt jetzt Platzhirsch Mathenia. …weiterlesen 

Anzeige

113

Marcus Scholz

Sicher nur eine Momentaufnahme – aber eine sehr schöne…

Vermessen? Zu frech? Oder zu akzeptieren? Die Reaktion des HSV auf die Tabellenführung

Es stimmt tatsächlich, der HSV ist Tabellenführer. Und er feiert das auf seine Art. Die einen sagen, das sollten sie lassen. Sie sollten demütiger agieren nach der jahrelangen Durststrecke. Die anderen feiern einfach mit. Und so diskutabel es auch sein mag, dass der HSV diese Momentaufnahme nutzt, um seinen Kritikern mal mit einem Augenzwinkern den Mittelfinger zu zeigen, so wenig diskutiere ich die Tatsache, dass es den Fans sehr wohl erlaubt ist, die Tabellenführung zu feiern. Denn hier ist es tatsächlich nicht so, dass Vernunft oberstes Gebot ist. Im Gegenteil: Fansein ist Leidenschaft. Und gelitten haben alle genug – insofern darf man auch mal die entgegengesetzte Gefühlsseite ausleben. Zumal dann, wenn es dafür schon so wenig Gelegenheiten gibt. Und wer hieraus eine Generalkritik ableitet und den HSV(-Fan) an sich als unvernünftig und/oder überheblich etc. abqualifizieren will, der sollte mal überlegen, woher der Begriff „Fan“ kommt. Insofern: Genießt den Moment, wie er ist. Für die qualitative, objektive Einordnung der Situation sind eh andere da. Auch ich zähle mich dazu und werde das – wie gestern – auch machen. Bis dahin erst einmal (wertfrei) alle Reaktionen und Impressionen vom gestrigen Spiel noch mal zusammengefasst:

Stimmen zum Spiel:

Peter Stöger:
Zunächst einmal Gratulation an den HSV. Wir haben heute relativ viel Aufwand betrieben und versucht das Spiel zu kontrollieren. Die Tore haben wir im Defensivverhalten nicht konsequent genug geklärt, sondern sie zu einfach zugelassen. Ich möchte nicht sagen, dass wir nicht versucht haben, alles was wir uns vorgenommen haben umzusetzen. Die Ideen, der Drang und der Wille waren da. Aber am Ende waren wir einfach nicht konsequent genug. Wir haben die Tore zu einfach zugelassen und deshalb hat der HSV auch verdient gewonnen.

Markus Gisdol:
Die Freude ist natürlich riesig, wenn du hier in Köln am zweiten Spieltag gewinnst. Vorher denkst du, wenn alles gut läuft, nimmst du einen Punkt mit. Und wenn dann alles noch perfekter läuft, sogar drei. In der ersten Halbzeit war Köln überlegener, aber wir waren einfach effektiver. Die zwei Tore im Rücken haben uns zugespielt. Nach der Spielunterbrechung war es schwierig für uns, weil wir schnell in Unterzahl geraten sind und Köln Positionen gut ausspielt. Aber die Mannschaft hat gefightet und ist viel gelaufen, eine herausragende Leistung. Wenn man sich die Spielanteile anschaut, hat Köln das Anschlusstor verdient gemacht, da haben wir aber nicht verteidigt. Es ist schön, dass wir mit sechs Punkten in die Länderspielpause gehen können. Das haben wir uns so vorher nicht gedacht.

Koeln - HSV

Bild 1 von 22

Torwart Christian Mathenia (HSV) Koeln, 25.08.2017, Fussball Bundesliga, 1. FC Koeln - Hamburger SV

Andre Hahn:
Wir haben ein geiles Spiel gemacht – gekämpft, gefightet, eine tolle Mentalität und einen tollen Charakter gezeigt! Mit so einem Start hätte niemand gerechnet – außer uns selbst. Es wird Zeit für positive Schlagzeilen. Es ist schon krass, was hier nach Osnabrück und selbst nach dem Augsburg-Sieg los war. Ich hoffe, dass wir die richtigen Antworten gegeben und die Kritiker ruhiger gestellt haben. Ich bin dabei froh über mein erstes Bundesliga-Tor für den HSV. Der Ball kam perfekt vor meine Füße, ich musste nur noch durchziehen. Solche Bälle treffe ich meist am besten. Als der Ball meinen Fuß verlassen hat, habe ich direkt gespürt, dass ich den Ball perfekt getroffen habe und er einschlägt. Der Jubel galt anschließend meiner Familie. Sie ist auf meinem rechten Arm in Form eines Tattoos verewigt und ich küsse dieses Tattoo nach jedem Tor und bevor ich auf den Platz gehe.

Christian Mathenia:
Ich bin stolz auf jeden einzelnen Spieler. Es war großartig, wie sich jeder reingehauen hat – überragend. Wir sollten die Tabellenführung jetzt genießen, sind aber doch absolut realistisch und wissen das richtig einzuordnen. Wir haben in der vergangenen Saison gesehen, wie wichtig ein guter Start ist und diese sechs Punkte kann uns erstmal keiner mehr nehmen. Wenn wir so weitermachen – jeder für den anderen einsteht – dann ist das der Anfang der Reise.

Filip Kostic:
Das ist ein großartiges Gefühl und war sehr wichtig, zum zweiten Mal zu gewinnen. Für den Moment ist es eine Genugtuung, da oben zu stehen, aber es geht weiter und wir müssen absolut ruhig und fokussiert bleiben. Ich persönlich arbeite sehr hart an mir, wollte auch nach der Verletzung bestmöglich zurückkommen. Ich habe viel im Kraftraum und im Cardio-Bereich geackert. Das zahlt sich jetzt aus, auch wenn ich erst bei 90 Prozent bin. Die Harmonie mit Andre und Bobby läuft gut, wir sind drei schnelle Spieler und konnten deshalb heute gemeinsam auch defensiv die Löcher schließen. Schade, dass mir selbst nicht noch ein Tor gelungen ist. Ich hatte eine gute Chance, aber nach 90 Minuten ist man irgendwann auch platt. (lacht)

Albin Ekdal:
Ich bin gelaufen und gelaufen und gelaufen, habe niemanden gesehen. Außer im letzten Moment dann Lewis und dann habe ich rübergespielt. Ich weiß, dass ich so schnell sein kann und habe noch mal alles rausgeholt. Unsere erste Hälfte war trotz des Jubels über den Sieg aber nicht gut. Wir haben mit etwas Glück zwei Tore gemacht. Im zweiten Durchgang haben wir dann toll verteidigt und den einen entscheidenen Konter gesetzt. Mit Walace klappt es in der Abstimmung und Kommunikation immer besser. Es war nicht leicht für ihn am Anfang, weil er aus Brasilien einen anderen Fußball gewohnt ist und es hier viel schneller zur Sache geht. Jetzt findet er immer besser rein.

Dennis Diekmeier:
Nach dem Pokal war die Woche sehr krass für uns und hat uns zusammengeschweißt. Wir wollten uns auf die Stärken besinnen, die uns auch in der letzten Saison ausgezeichnet haben: Absolute Geschlossenheit und Kampf bis zum Ende. Das hat uns das Trainerteam und der gesamte Staff nach dem 10. Spieltag der Vorsaison eingeimpft. Und heute ist es wieder gelungen: Jeder hat sich für jeden reingehauen, das war eine tolle Mannschaftsleistung. Meinen Torlos-Rekord nehme ich jetzt so mit und werde sicherlich auch ein paar WhatsApp-Nachrichten bekommen, darunter wird aber auch mal ein Bild der Tabelle sein. Das ist ein gutes Gefühl und wir würden jetzt natürlich gern direkt weitermachen. Ich freue mich für jeden unserer Torschützen heute. Auch für Lewis, der es stark macht, sich im Dienst der Mannschaft stellt und nicht hängen lässt.


Anzeige