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Hamburger Abendblatt
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Bernd Hoffmann

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HSV-Reporter

Während der HSV-Beirat Hoffmanns nun feststehende Kandidatur durchaus kritisch sieht, wurde die Hauptversammlung (und die Wahl des neuen Aufsichtsrates) erstaunlicherweise auf die Zeit vor die Mitgliederversammlung gelegt. …weiterlesen 

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Kai Schiller

Der frühere Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann tritt auf der HSV-Mitgliederversammlung am 18. Februar gegen den bisherigen Amtsinhaber Jens Meier an. Warum dies keine Überraschung ist. …weiterlesen 

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Lars Pegelow

… Nun, ganz so weit ist es vielleicht nicht, denn das Gedicht von Theodor Fontane bezieht sich auf den letzten Teil einer Reise – eben nach Buffalo – und für den HSV ist Stuttgart ja vielleicht nur die vorletzte Station bis zum Klassenerhalt. Doch wenn’s besonders gut läuft, dann könnte Stuttgart für den HSV zum „Buffalo“ mit gutem Ausgang werden.

Aufatmen heute beim Training. Johan Djourou, der gestern mit dickem Knöchel das Training abbrechen musste, war offensichtlich ohne größere Probleme am Start. Er sei leicht umgeknickt, hatte der HSV schon vorher mitgeteilt. Nun spielte er im Trainingskick wieder mit, so dass die HSV-Defensive sich nicht verändern wird. Auch Dennis Diekmeier, genesener Rechtsverteidiger, muss sich gedulden und Heiko Westermann des Vortritt lassen.

Offen ist nur die Besetzung der offensiven Mittelfeldreihe. Ivo Ilicevic und Lewis Holtby streiten hier wohl um den letzten freien Platz. Ansonsten bleibt es im Wesentlichen bei der Mainz- und der Freiburg-Formation. Die beiden Spieler mussten sich heute immer wieder abwechseln, so dass Bruno Labbadia wohl nach den Trainingseindrücken aus dem Bauch heraus entscheiden wird. Dietmar Beiersdorfer und Sportdirektor Peter Knäbel haben sich weite Strecken des Trainings übrigens auch angesehen – zusammen mit Michael Schröder, der Allzweckwaffe des HSV im Scouting-, Nachwuchs-, Trainerbereich.

Gestern habe ich Euch hier lang und breit wieder gegeben, was Rene Adler an Einschätzungen vor dem Spiel genannt hat. Ich habe es nicht statistisch ausgewertet, aber in Euren Kommentaren bekam der Torwart dafür überwiegend auf die Glocke. Zum Beispiel ist es nicht gut angekommen, dass er dem Stuttgart-Spiel den Endspiel-Status abgesprochen hat. Was ist an dieser Aussage so schlimm? Ich finde Adlers Perspektive schlau. Es nützt doch nichts, dieses Stuttgart-Spiel zum Ultimativen Finale zu erklären. Was passiert, wenn danach immer noch alles unklar ist? Wenn der HSV gar in die Relegation muss? Was kommt nach dem Endspiel???

Ich fand einen Satz von Gojko Kacar nach dem 1:1 gegen Freiburg Besorgnis erregend. Er sei mental platt, hat Kacar gesagt. Deswegen ist jetzt alles erlaubt und richtig, was Spieler mental aufrichtet – denn darauf kommt es an. Und sei es das „sich-stark-reden“ und den Druck nehmen, in dem man dem anstehenden Spiel in der Bundesliga eine angemessene Bedeutung gibt. Glaubt jemand, Adler nehme Stuttgart leicht, nur weil es für ihn kein Endspiel ist?

Ob einem Golf nun Spaß macht oder nicht – ein freier Tag mit vom Fußball abgeschaltetem Kopf ist ebenso notwendig. Das ist doch eine Binsenweisheit. Ich bin noch nie ein Freund gewesen davon, der Mannschaft immer alle freien Tage zu streichen. Straftraining als PR-Gag – davon hat noch keine Mannschaft profitiert. Wenn der Akku immer auf Reserve ist, dann gibt’s keine Beschleunigung mehr. Entscheidend ist, was auf dem Trainingsplatz passiert. Hier muss die Mannschaft knallhart arbeiten, so wie Adler es auch betont. Zumindest die letzten drei Spiele in der Bundesliga haben gezeigt, dass der Fokus wieder sitzt. Nicht mehr auf Interviews, die einem das Blaue vom Himmel versprechen. Sprechblasen-Interviews gibt es zur Genüge. Wer Adlers Aussagen im TV gesehen hat, der wird gespürt haben, dass hier keine Sprechblasen kamen. Wie ich Euch gestern geschrieben habe, machte Adler einen sehr konzentrierten und klaren Eindruck bei seinen Aussagen – den er nach meinem Dafürhalten in den vergangenen Jahren beim HSV nicht immer hinterlassen hat. Diesmal aber hat er es getan, und alle Signale aus der Mannschaft sprechen dafür, dass jetzt anders geackert wird als vorher – zumindest so, wie es der Abstiegskampf erfordert. Über mehr und anderes sprechen wir hier nicht.

Ob das dann am Ende alles reicht in Stuttgart, oder der VfB, der mit Huub Stevens einen besonders guten Motivator hat, die Oberhand behält – wir werden es erleben. In jedem Fall wollte ich noch einmal eine Lanze für Adler brechen. Was er gesagt hat, war aus meiner Sicht völlig okay, und es passte zu seinen jüngsten Auftritten. Immerhin hat der HSV trotz spielerischer Schwächen mentale Härte demonstriert – eigentlich hat Adler nichts anderes gesagt.

Am Freitag endet offiziell die Amtszeit von Carl Jarchow als Vorstands-Mitglied des HSV. Ich habe eine Zeit überlegt, ob ich das hier noch einmal thematisieren soll. Über Jarchow wurde viel geschrieben, hier im Blog ist er sowieso bei den meisten untendurch. Seine Bilanz muss hier jedoch nicht noch einmal bis ins Kleinste aufgezeichnet werden. Der langjährige Aufsichtsrats-Vorsitzende Udo Bandow, der deutlich erfolgreichere Zeiten zu verantworten hatte, sagt von sich selbst oft bescheiden, er sei „a man of yesterday“. Auf Jarchow trifft das seit einem Jahr im Grunde auch zu, denn mit der AG war seine Zeit als Vorstands-Vorsitzender des HSV beendet.

Dass Jarchow insgesamt gut aus seiner HSV-Amtszeit heraus gekommen ist und nicht mit kübelweise Dreck überschüttet wurde, ist sicher seinem Gentleman-Auftreten geschuldet. Sein Vorgänger Bernd Hoffmann hatte es da schwerer. Hoffmann polarisierte allein schon durch sein Erscheinen, wenngleich seine Amtszeit von sportlichen Erfolgen gekennzeichnet war. Aber ich will nicht in alten Geschichten wühlen: Jarchow ist Geschichte, dem HSV ging es bei seinem Amtsantritt deutlich besser als heute. Doch er hat immer mit offenen Karten gespielt, und allein das verdient (bedauerlicherweise) schon Erwähnung beim HSV der vergangenen Jahre. Jarchow hat sich intern übrigens stets für eine Ausgliederung ausgesprochen, auch wenn er dies nicht polternd und plump tat, um Wohlgefallen zu erregen.

Auf der anderen Seite lag er mit sportlichen Einschätzungen und Entscheidungen – zusammen mit dem jeweiligen Sportchef – zu häufig daneben, um dem HSV eine ordentliche Gesundung zukommen zu lassen. So nachvollziehbar es vom damaligen Aufsichtsrat unter der Führung von Otto Rieckhoff war, Jarchow 2011 zu holen, um den HSV zu befrieden – so falsch war seine Vertragsverlängerung 2012. Schon damals zeigte die Entwicklung so deutlich nach unten, dass der Aufsichtsrat radikales Eingreifen hätten einfordern müssen. Solch ein Kurswechsel war mit Jarchow nicht durchzuziehen. Es war sozusagen das falsche Signal – ein „weiter so“ anstelle eines „sofort wenden“. Ich hatte manchmal persönlich den Eindruck, Jarchow war zu integer, um die Abzocker-Mentalität im HSV, auch unter einigen seiner Kollegen, durchbrechen zu können. Er war, um es plakativ zu sagen, Täter und Opfer zugleich.

Nun führt sein Weg in den Hamburger Fußball-Verband, wo er für das Amt des Vize-Präsidenten kandidiert. Und in der Hamburgischen Bürgerschaft sitzt Jarchow auch noch, so dass er die öffentliche Bühne nicht verlassen wird.

Aus der großen weiten Welt der Social Media gibt’s am Ende noch diesen Hinweis. Gojko Kacar ist laut dem FC SELFIE (fcselfie.de) unter allen Profis der ersten und zweiten Bundesliga der „Aufsteiger der Woche“ bei Instagram. Er hat 38 Prozent mehr Follower dazu gewonnen. Auf der FC-Selfie-Homepage kann man sich übrigens eintragen für einen wöchentlichen Newsletter. Viel Spaß!

Zum Schmunzeln noch eine kurze Nachricht von „Khabar Online“: „Der ehemalige HSV-Profi Mehdi Mahdavikia hat den Kia FC in seinem Heimatland Iran gegründet. Der Klub aus dem Umkreis von Teheran soll der TSG 1899 Hoffenheim nachempfunden sein und überwiegend auf Talente setzen.“ Ohne Worte….

Nachdem ich diese wichtigen Hinweise noch losgeworden bin, wünsche ich einen schönen Feiertag. Es soll ja durchaus noch Menschen geben, die sich beim Vatertag nicht die Hucke vollsaufen, sondern für die dieser Tag Christi Himmelfahrt ist. Auf jeden Fall wird im Stadion oder am Stadion hinter Planen trainiert – genau wie am Freitag.

Lars
18.40 Uhr

1.023

Dieter Matz

Der Akt an sich hatte schon etwas Symbolisches. Denn bevor und nachdem Bastian Reinhardt heute auf der HSV-Anlage Ochsenzoll den Spatenstich für einen Neubau setzte, sprach er Tacheles. Beachtlich klar, eindeutig und konstruktiv. Dem häuslichen Neubau in Norderstedt scheint ein vereinspolitischer Neuaufbau folgen zu sollen. Entsprechend wurde alles wurde hinterfragt, angeprangert und niemand wurde von Reinhardt verschont. Auch nicht sein Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann, der eigentlich beim Spatenstich anwesend sein sollte, allerdings (aus privaten Gründen) fehlte. Ob auch das schon als symbolisch zu werten ist?

Noch nicht. Behaupte ich. Denn Bernd Hoffmann ist mehr Kämpfer als alle HSV-Profis zusammen. Gut, das ist im Moment kein besonderes Kompliment, aber eben wahr. Aber Ihr wisst, was ich meine. Der HSV-Vorstandsboss ist nicht beliebt. Das bestreitet keiner. Er hat Fehler gemacht, von denen er sogar einige (Sportchefsuche) eingeräumt hat. Einige andere allerdings nicht. Und die werden immer offensichtlicher. Zumindest sehen die meisten Fans das so. „Hoffmann raus“ skandierten sie gestern im und am Stadion. Trunken von dem beschämenden Spiel gegen Leverkusen hatten einige Hunderte den Vorstandsboss zum Hauptschuldigen erkoren. „Man merkt schon, dass sich eine Anti-Haltung aufgebaut hat, dass sich hier einige Gräben auftun“, fasste Reinhardt den Fan-Unmut zusammen. Auch Reinhardt weiß, dass kompromisslose Verteidigung seines Vorgesetzten ob der aktuellen Situation als blinde Loyalität verstanden würde. Denn Hoffman ist stark angeschlagen. Der zweifellos geschäftstüchtige Machtmensch wackelt. Stark sogar. Aber er fällt noch nicht. Doch dazu am Ende mehr.

Vorher möchte ich noch mal zum Thema Frank Rost kommen. Der ehrgeizige, oft harte, aber zuletzt so immens geforderte Torwart hatte nach dem Spiel seinem Frust etwas kryptisch freien Lauf gelassen, als er den Zauberlehrling als Parallele zu den HSV-Entwicklungen heranzog. „Die Geister, die ich rief“ – sie seien, so habe ich ihn verstanden, jetzt zu erkennen – und kaum mehr abzuwenden. Und auch Reinhardt scheint es wie ich verstanden zu haben. Allerdings mit dem Unterschied, dass ich Rosts Ausführungen folgen kann. Und der Sportchef Rost ins Gebet rufen und für seine Worte ermahnen will. „Ich weiß nicht, was er bewirken will“, so Reinhardt zum Rost-Auftritt. Rost solle sich überlegen, ob er hier was niederreißen, oder am Neuaufbau teilhaben wolle. Auf jeden Fall aber wird sich Rost einmal mehr für seine offenen Worte verantworten müssen. Reinhardt: „Ich werde das Gespräch mit ihm suchen.“

Das klingt nach Ärger. Und nach einer neuen Baustelle, von denen der HSV derzeit viel zu viele hat. Ein Beispiel gefällig? Nehmen wir allein unsere „Führungsspieler“. Was sich die vor der Saison so hoch gelobten Herren Ruud van Nistelrooy und Zé Roberto derzeit abkneifen, das gleicht – gemessen an ihren eigentlichen Möglichkeiten – einer Arbeitsverweigerung. Und das schon seit einigen Wochen. Als Linksverteidiger hatte ich Zé schon heftig kritisiert, allerdings immer den Bonus gelten lassen, dass er auf der ungewohnten Position spielen musste und sich in den Dienst der Mannschaft stellte. Gestern allerdings zeigte der müde Brasilianer, so empfinde ich ihn momentan, dass man auf ihn nicht setzen kann. Kein Zweikampfverhalten, kaum Ideen, keine Dribblings, null Torgefahr – Zé lässt derzeit alles vermissen, was ihn einst ausgezeichnet, und was ihn für mich zum wichtigsten Feldspieler der Mannschaft werden ließ. Und Ruud? So sehr ich ihn und seine Karriere respektiere – das reicht einfach nicht. Das sind maxial 70 Prozent, mehr nicht. Da wünsche ich mir einen Mladen Petric zurück . . . Obwohl das im Moment ja Utopie ist.

Ich könnte diese Reihe von Spielerkritiken mit denselben Tendenzen bis zum letzten Mann im Kader weiterziehen, lasse es aber, weil ich sonst heute nicht mehr fertig würde. Nur so viel: Wenn das Prädikat „er war bemüht“ schon einen Spieler positiv hervorhebt, ist es allgemein zu spät. Insbesondere für einen so ambitionierten Bundesligisten wie den HSV. Dann ist es nicht mehr kurz vor, dann ist es schon deutlich nach zwölf…

Ebenso wie für Trainer Armin Veh. Könnte man zumindest meinen. Ich habe gestern noch sehr lange mit Kollegen und Freunden über seine Aufstellung diskutiert. Über seine Ausrichtung. War es gut, die Jungen nicht zu bringen und auf Erfahrung zu setzen? Dem Ergebnis nach nicht. Das ist klar, aber zu einfach gedacht. Ich selbst hatte vorher gedacht, es sei richtig. Allerdings wurde mir die These entgegengebracht, Veh habe nur deshalb so aufgestellt, um das Risko zu minimieren, anschließend öffentlich für das zu hohe Risiko angeprangert zu werden. Sollte – und hier spreche ich des fehlenden Beweises wegen im klaren Konjunktiv -, dem so sein, wäre es verheerend. Wenn Veh tatsächlich dem Druck erliegt und seine Aufstellungen den Forderungen anderer unterwirft, wäre es für ihn und seine Autorität zu spät. Wäre es – Konjunktiv! Ich weiß nicht, ob es so war und vielleicht noch ist (ich glaube es auch nicht), aber die These ist von vielen HSV-Fans – auch von einigen von Euch aufgestellt worden.

Gelten lasse ich aber, dass diese Mannschaft seit Monaten leblos ist. Auch Veh hat das seit Wochen (Monaten?) erkannt. Da bin ich mir sicher. Nur sagen darf er es nicht. Zumindest nicht öffentlich. Stattdessen macht er, was einem Trainer bleibt: er nimmt die Mannschaft in die Verantwortung. Das allerdings erfolglos. Eben weil diese Mannschaft kein Leben hat. Vereinzelt folgen Impu6lse. Allerdings fast ausschließlich auf vorausgegangene Negativerlebnisse. Und sie verpuffen mit überdurchschnittlich kurzer Halbwertzeit. Niemand scheint hier in der Lage, die Mannschaft an der Ehre zu packen. Weder die Führungsspieler noch der Trainer.

Womit wir wieder beim Vorstand sind. Der hatte im Sommer den großen Charaktertest angekündigt. Und ihn jetzt für gescheitert erklärt. „Die Mannschaft hat sehr viele Probleme“, gesteht Reinhardts ein, „und auf dem Platz sehe ich momentan nur zwei, drei Spieler, die sich dagegenstemmen.“ Westermann ist einer davon. Trochowski wohl ein zweiter. Und dann? Jarolim? Der Tscheche ist sicher gewillt aber offensichtlich körperlich nicht dazu in der Lage. Selten habe ich ihn so hilflos gesehen, wie aktuell.

Und während unsere Diva Paolo Guerrero nach seiner Denkpause zuletzt auch jetzt gegen Bayer untertauchte, mag ich einem Dennis Aogo und einem Collin Benjamin den Willen nicht absprechen. Allerdings, und das muss man so realistisch betrachten, ist Aogo nach seiner langen Verletzungspause noch Meilen weit von seiner Bestform entfernt. Und Collo, den ich über die letzten Jahre als einen der loyalsten, sympathischsten und mannschaftsdienlichsten Profis erlebt und schätzen gelernt habe, scheint tatsächlich über seinen Zenit hinaus. Und ich sage dies in der Hoffnung, dass er mich eines Besseren belehrt. Selten wollte ich mich so gern täuschen wie bei dem Namibier. Allein, ich glaube nicht mehr daran. Leider nicht.

Der Glauben fehlt mir momentan an vielen Ecken. Zu vielen. Ich glaube nicht daran, dass sich die Situation des HSV schnell verbessern kann und wird. Und damit bin ich kein Nörgler, sondern ich fasse nur die kontroversen und teilweise destruktiven Meinungen einflussreicher Menschen im Verein zusammen. So weiß ich aus sicherer Quelle, dass sich auch im Aufsichtsrat die Leute sortieren. Die Minorität der Hoffmann-Kritiker wächst einen halben Monat vor der Jahreshauptversammlung zu einer Mehrheit heran. Zum einen, weil den Kontrolleure langsam klar wird, dass sie wehrlos mitangesehen haben, wie der HSV binnen 18 Monaten seine positive Entwicklung der letzten sieben Jahre auf das Spiel gesetzt hat. Stichwort Sportchef-Posse. Und dafür suchen sie jetzt einen Schuldigen. Nicht unter sich. Nein, nur das nicht! Sie haben ja nur vertraut. Auf die Fähigkeiten des „großen Bernd“. Dem war eine Mehrheit fast blind gefolgt. Und genau diejenigen wenden sich jetzt ab. „Wahlkampf“ nennt man so etwas wohl. Oder wie ich es nenne: peinlich, verlogen und vereinsschädigend. Mit solchen Leuten ist diesem Verein nicht mehr zu helfen.

Harmonie hatte Uwe Seeler vor der Saison eingefordert. Er hatte früh erkannt, dass es in diesem Verein bereits zu viele Grabenkämpfe gab. Er hatte zudem erkannt, dass unüberschaubar viele neue Grabenkämpfe bereits vor Saisonbeginn drohten. Und er wurde dafür belächelt. Ein fataler Fehler, wie wir jetzt alle erkennen dürfen. Und in den nächsten Wochen, da bin ich mir ganz sicher, wird sich „Uns Uwes“ Ahnung noch deutlicher bestätigen. Leider. Mal wieder leider.

Deshalb lege ich mich (auch mal wieder) fest: diese Saison ist so nicht zu retten. Nicht in der Konstellation. Nicht mit einer Mannschaft, die keine Führungsspieler hat, intern keine Reizpunkte setzt und sich aus sich selbst heraus gerade noch dazu motivieren kann, die Fußballschuhe anzuziehen – sie aber nicht einsetzen mag. Nicht mit einem Aufsichtsrat, der selbst jetzt, in der Krise politisiert handelt. Ohne Rücksicht auf das Wohl des Vereins. Und nicht mit einem Vorstand, der bemüht ist, seine eigene Machtposition durch lobbyistisches Getue zu stärken, dafür auch klare Worte der Spieler verurteilt und ahndet. Und das mehr, als selbst welche zu finden und umzusetzen.

Meine einzige und letzte Hoffnung ist eine Umorientierung. Hin zum gemeinsamen Wirken vom kleinsten Teamassistenten bis zum Vorstandsboss. Auch wenn es dafür sicher etlicher Umbesetzungen und vieler unpopulärer Entscheidungen bedarf, es muss passieren. Jetzt. Nein besser: eben schon. Denn ansonsten wird der so hart kritisierte Vergleich Rosts von Goethes Zauberlehrling mit dem HSV greifen. Dann würden die Geister, die die Verantwortlichen des HSV trotz verschiedensten Warnungen riefen, ihren Schaden anrichten. Und das würde uns alle in eine längst vergessen gedachte Depression werfen. Eine, die unnötig weil absolut vermeidbar ist.

In diesem Sinne: Nur der HSV!
Gestern, heute und morgen.
In allen Gremien.
Alles andere funktioniert nicht.

18.42 Uhr


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