Vom
Hamburger Abendblatt
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Liebe Matz-abber,
zum Wohle des HSV soll es ja auch mit dem neuen Aufsichtsrat gehen. Wenn er denn kommt. Bekanntlich wurde die Jahreshauptversammlung verschoben, weil es in diesem Punkt noch ein wenig Uneinigkeit zwischen Präsident Jens Meier und Investor Klaus-Michael Kühne geben soll. Fest steht ja wohl, dass Marcell Jansen dem neuen Aufsichtsrat angehören wird. Oder auch nur angehören soll? Letzteres wäre mir irgendwie lieber. In seinem Sinne. Wirklich nur in seinem Sinne. Er sollte sich nämlich mal vor Augen halten, wer dort neben ihm sitzen soll – oder wird. Es sind KEINE Fußballexperten. Es sind Leute, die wirtschaftlich bestens aufgestellt sind und viel, viel Ahnung in Sachen Finanzen haben. Und neben ihnen wäre Jansen nur der einzige Fußballer in diesem Gremium.

Investor Klaus-Michael Kühne ist mit der geplanten Besetzung des Aufsichtsrats nicht einverstanden

Klaus Michael Kühne drohte dem HSV mit dem Entzug seines Engagements  Foto: dpa/Axel Heimken

Toll, was? Damit kann man ja auch wuchern. Es ist sicherlich auch schick, HSV-Rat zu sein, keine Frage. Nur viel bewegen, das kann man damit nicht. Das haben vor ihm schon Leute wie Gerhard Krug, Willi Schulz, Sergej Barbarez, Thomas von Heesen und Peter Nogly erfahren (müssen). Sie hatten jeweils nur eine Stimme. Und wenn es fußballerisch irgendwie haperte, blieb es bei dieser einen einzigen Stimme. Die Fußballexperten im HSV-Aufsichtsrat waren oft, mehr oder weniger, frustriert, weil sie andere Ansichten und Vorstellungen vom Geschäft hatten. Marcell Jansen sollte sich zum Beispiel einmal bei Willi Schulz erkundigen, wie der AR-Hase so läuft, bevor er sein endgültiges Jawort gibt. Für mich ist ein ehemaliger HSV-Profi im Aufsichtsrat nur ein Alibi dafür, dass eben auch ein Fußballer gefragt wird, wenn es etwas zu fragen gibt. Mehr aber auch nicht.

Warum kein Expertenausschuss?

Ich wäre allerdings sehr wohl dafür, dass Marcell Jansen seinen Fußball-Sachverstand für den HSV einbringt. Aber das sollte in einem Expertenausschuss geschehen. So wie ihn zum Beispiel der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Udo Bandow seit Jahren fordert. Mit ehemaligen HSV-Fußballern, die die Raute immer noch im Herzen tragen und so ganz nebenbei etwas mehr im Kopf haben. Jörg Butt zum Beispiel. Und für mich, das gebe ich gerne zu, wären auch Leute wie Detlef Spincke, Tobias Homp und auch Richard Golz solche Kandidaten. Sie haben sehr viel Fußball-Sachverstand und würden die Clubführung bestimmt gut und bestens beraten. Und so Fehleinkäufe en masse wie in den letzten Jahren verhindern. Davon bin ich restlos überzeugt. Der Aufsichtsrat als Wirtschaftsrat (ohne Jansen), dazu ein Fußballrat (mit Jansen) in beratender Funktion. Einen Versuch wäre es doch wert, denn schlimmer, seien wir ehrlich, kann es doch gar nicht mehr kommen.

Übrigens, auch das fiel mir im November auf: Dennis Aogo kam mit dem VfB Stuttgart nach Hamburg zurück. Hier hatten ihn einst ja viele (oder nur etliche?) HSV-Fans zum Teufel gewünscht. Auch wohl deshalb, weil er den Medien immer Rede und Antwort stand – er war so einfach gut und tat es. Er ließ sich dazu immer wieder von der bittenden HSV-Presseabteilung überreden. Dass Spieler reden, das ist nämlich in den Verträgen zwischen den Vereinen, DFL, DFB und den Medien so verankert. Es müssen einige zur Verfügung stehen, um Siege oder Pleiten zu erklären. Dafür geben die Medien viele Millionen. Fernsehen und Rundfunk jedenfalls. Und weil Dennis Aogo sich dazu oftmals hergab, wurde er kurzerhand zur Unperson für viele. Dass er sich, neben Heiko Westermann, damals sehr dafür einsetzte, dass die HSV-Mannschaft eine Einheit wird (und nicht wurde!), das wurde übersehen. Ich erwähne das nur deshalb, weil Aogo den VfB als Kapitän (!) auf den Rasen des Volksparkstadions führte. Das, obwohl er vor Wochen ja erst aus Schalke gekommen war. Das muss doch etwas zu sagen haben … Auf jeden Fall spricht es für ihn und seine Einstellung zu seinem Beruf.

Aogo wurde von vielen Fans verkannt

Es ist bestimmt auch kein Zufall, dass sich Dennis Aogo für die Aktion „Common Goal“ einsetzt und einen (kleinen) Teil seines Gehaltes spendet. Wegen der zu hohen Gehälter im Fußball. Und weil das Leben eines Profis, eines Fußballprofis, relativ wenig mit dem echten Leben zu tun hat. Großartig, dass er auch dafür ein Herz hat. Und um das einmal zu sagen: Ich habe mit Dennis Aogo seit seinem Abschied kein Wort mehr gesprochen, es hat sich einfach nicht ergeben. Dennoch habe ich ihn in bester Erinnerung, und das wird auch so bleiben. Er war und ist sicherlich ein Vollblut-Profi, unabhängig davon, ob er auch immer seine beste Leistung abrufen kann. Aber wer kann das auch schon? Wir in Hamburg sind da gewiss nicht so sehr verwöhnt worden in den letzten Jahren.

Auch auf Markus Gisdol möchte ich noch kurz zu sprechen bzw. schreiben kommen. Nach dem 0:2 auf Schalke am 19. November hat er folgendes Resümee gezogen: „Ich habe heute zwei Mannschaften gesehen, die ähnlich stark und ähnlich diszipliniert waren. Es gab nur einen Unterschied: Schalke hat seine Bälle zweimal ins Tor geschossen, wir nicht.“

Mutige Töne für einen Trainer, der mit seiner Mannschaft (damals) auf dem Relegationsplatz liegt. Und dann hat Gisdol vor dem Hoffenheim-Spiel – bei bislang zwei Heimsiegen in der Saison – noch von sich gegeben: „Wir sind zu Hause eine Macht. Wenn wir alles geben, dann ist es schwer, gegen uns zu bestehen.“ Okay, das kann man so sehen, muss man aber vielleicht nicht. Aber eventuell ist das ein kluger Schachzug des Trainers, oder er will mal testen, was die Journalisten alles so schreiben – wenn er etwas sagt.

An Kühnes Stelle hätte ich aufgegeben

Na ja, geschrieben und gezeigt sind diese Sätze vielfach, und im Falle Hoffenheim haben sie ja auch etwas bewirkt. Die HSV-Mannschaft ist ihrem Trainer bereitwillig gefolgt. Und hat wirklich und wahrhaftig erstklassigen Fußball geboten.

Apropos Schalke-Spiel. Da hing auch bei den 4000 mitgereisten HSV-Fans ein zur Aufmunterung gedachtes Plakat in der Kurve: „Investoren unerwünscht!“ So kann man das natürlich auch sehen. Und machen. Obwohl ich mich frage, wenn ich so an Klaus-Michael Kühne denke, wie lange der HSV-Gönner noch Lust hat, seinem Verein Geld zu geben. Ich gestehe ehrlich, dass ich schon lange aufgegeben hätte. Deswegen bewundere ich Kühne. Sehr sogar. In diesen Tagen traf ich die Gattin eines ganz großen HSVers, und sie fragte mich: „Können Sie mir mal erklären, was gewisse HSV-Fans gegen Kühne haben? Ich komme da nicht mehr mit.“

Eine kluge und vor allem richtige Antwort habe ich ihr leider nicht geben können. „Der HSV ist eben auch zu einem etwas anderen Verein in dieser Stadt, und da gehört es zum guten (?) Ton wahrscheinlich dazu, dass man selbstmurmelnd auch gegen einen solchen Mann ist und stänkert, der dem HSV schon mehr als 100 Millionen Euro geschenkt hat. Der unter anderem dafür gesorgt hat, dass die alte Betonschüssel in Bahrenfeld wieder Volksparkstadion heißt.

Wo stünde Freiburg mit Kühne?

Woher der HSV das Geld für das sicherlich nicht billige Abenteuer Bundesliga mit einer überbezahlten Mannschaft nimmt, ist doch egal. Ihnen jedenfalls. Deswegen gibt es ja auch immer mal wieder ein schönes bengalisches Feuer in der Kurve. Die üppigen oder happigen Strafen, die es dafür immer wieder und wieder gibt, soll mal schön der HSV bezahlen. Er hat es doch. Dank Kühne.

Von dem ich übrigens nicht glaube, dass er nur ein harmloser Fan ist. Der Mann, Klaus-Michael Kühne, ist aber ein vielfacher Milliardär. Er hat sein Geld nicht nur auf den guten Glauben hin verdient, ganz gewiss nicht. Der ist sicherlich auch knallhart. Und wenn er dann seit Jahren sieht, wie sein Geld im HSV und all den anderen Vereinen umverteilt wird, dann ist es doch nur klar, dass er irgendwann einmal wissen möchte, warum so etwas immer und immer wieder passiert.

Mich würde nur mal interessieren, was zum Beispiel der kleine SC Freiburg mit dem vielen Geld und der Unterstützung eines Sponsors wie Kühne passiert wäre? Ob die dann auch immer noch da unten stehen würden, die Freiburger? Oder ob sie die Millionen eben doch etwas klüger angelegt hätten, als die Hamburger?

In diesem Sinne, ich wünsche euch allen einen wunderschönen und erfolgreichen HSV-Dezember. Bleibt gesund, habt weihnachtliche Vorfreude, und habt tolle Festtage. Und mindestens die gewünschten 18 Bruchhagen-Punkte unter dem Tannenbaum.


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Kommentare

Eisenwilli
1. Dezember 2017 um 14:41  |  1291000

Hallo Dieter,
deine Novemberbeiträge sind eine Wohltat im Gegensatz zu deinem Comebackversuch vor ein paar Wochen.


Eisenwilli
1. Dezember 2017 um 14:59  |  1291001

Allerdings muss ich sagen, irgendwelche Neuigkeiten kann ich nicht entdecken. Eine Zusammenfassung der letzten Ereignisse, die auch mein Sohn hätte schreiben können, und der ist 17.

Dennis Aogo, Marcel Jansen und Heiko Westermann sind für mich graue Schrecken dunkelster Vergangenheit. Ich bin sehr froh, dass sie (endlich) gegangen sind. Musst du uns daran erinnern? Völlig unnötig!

Die Zukunft des HSV liegt im Hier und Jetzt, und da ist im November tatsächlich eine Menge passiert. Schritte in die richtige Richtung.


scorpion
1. Dezember 2017 um 15:19  |  1291002

.
@ Dieter.
Der Kommentar zu Kühne und seinem „Umfeld“ hier in Hamburg gefällt mir. Insbesondere der Bezug zu den diversen Bengalostrafen und ihm 👍
.
Es ist eben wie im richtgen Leben. Diejenigen, die am wenigsten Leisten (hier Eintrittsgelder) reissen die Klappe am weitetsen auf…
.
Schönen ersten Advent.


HCS
1. Dezember 2017 um 15:45  |  1291003

Moin Dieter

das Aogo von einigen verkannt wurde mag so stimmen. Wenn er in HH aber den VfB auf das Feld geführt hat lag an vier Gründen.
1. Gente war verletzt.
2. Terrode saß auf der Bank.
3. Badstuber siehe 1.
4. Ginzcek Seite 1 und 3.
Dann folgen eben Aogo und Zieler.


HCS
1. Dezember 2017 um 15:46  |  1291004

Ginzcek siehe 1 und 3 natürlich. Sorry.


Voraussager
1. Dezember 2017 um 17:50  |  1291005

Hallo Dieter,
ganz nett zu lesen Dein Blog. Für Deine Kühnegedanken volles Verständnis.
Allerdings Dein Aogo, menschlich mag er ja OK sein, sportlich war und ist er einer der schlechtesten Verteidiger die wir hier je hatten. In Schalke sass er auch meistens auf der Bank und in Stuttgart wurde er in den letzten Spielen nicht mal eingewechselt. Naja, Welttrainer Bruno wollte ihn ja auch zurück und selbst die Blase Didi wusste das zu verhindern, Respekt!!


abraeumer5
1. Dezember 2017 um 19:09  |  1291006

Leider wieder ein sehr undifferenzierter Blog. Marcell Janssen hat im Aufsichtsrat nichts zu suchen. Für einen Transferrat bin ich auch seit Jahren. Dass dieses hier nun gefordert wird, scheint nach der vorhergegangenen alleinigen und einseitigen Unterstützung von Beiersdorfer, ein Hauch von Einsicht zu sein. Dass Kühne sich mit Unterstützung des Beraters Struth, also der Gegenseite am Verhandlungstisch, einmischt und den HSV gemeinsam mit Beiersdorfer in die völlige Abhängigkeit geführt hat, ist einfach nur tragisch. Er ist nicht der liebe Gönner, ansonsten hätte er anders gehandelt und z. B. einen höheren Betrag für die Stadionrechte bezahlt. Todt konnte doch in diesem Sommer nur die gemeinsamen Wunschdeals von Kühne und Gisdol durchführen. Zu der Problematik ist die Befragung ehemaliger Spielerfrauen wohl kein Maßstab. Hinsichtlich der Einkaufspolitik von Freiburg reicht ein Blick auf die Transfers von Freiburg in diesem Sommer für 19,3 Mio.


hsvboerni
1. Dezember 2017 um 19:10  |  1291007

Was für ein wirrer Blog. Was willst Du uns sagen, Dieter ?

Nur der HSV!!!


pwehsv
1. Dezember 2017 um 19:46  |  1291008

Seltsam, zunächst die Nennung der wirtschaftlichen Exzellenzen im AR samt KG und später der Hinweis darauf, das genau diese das Desaster jahrelang eben nicht kontrolliert haben.
Ja was denn nu?

Aogo hat sich spielerisch in den vergangenen Jahren kaum entwickelt.
Immerhin gibt es einen Bezug zum heutigen Spiel. Mehr aber auch nicht.
Bzgl. Medienfreundlichkeit hat er sein Pendant auf der anderen Seite längst gefunden.


GV1977
1. Dezember 2017 um 21:31  |  1291009

Cooles Auswärtsspiel ?


GV1977
1. Dezember 2017 um 22:22  |  1291010

Freiburg bekommt den Ball nicht zwingend vor’s bzw. ins Tor, der HSV bekommt garnichts hin. Absolut schwaches Spiel.
Freiburg taktisch, spielerisch überlegen und mit (nicht funktionierendem) Plan. HSV wie immer auswärts mit Rumpelgebolze.
Insgesamt: Zeitverschwendung.


pwehsv
1. Dezember 2017 um 22:31  |  1291011

Mit einem Grifo bei Freiburg hätte sich deren immense spielerische Überlegenheit wohl anders im Ergebnis zeigt.
Ansonsten same procedere nach einem passablen Spiel. Macht also keinen Unterschied, ob sich ein Spieler äußert, Herr Gisdol. Die Idee, den komplett indisponierten Hunt auf rechts durch den ebenso farblosen Wood zu ersetzen, dürften Sie indes exklusiv gehabt haben.


Biker1952
1. Dezember 2017 um 22:38  |  1291012

Kann es sein das Wood eine Hörschaden hat. Mindestens 5 mal hat ihm von hinten jemand den Ball abgenommen. Muss der mal zu Ohrenarzt, ein 3 Millionen Dollar Man kann doch nicht so schlecht sein. Und dann hatte ich das Gefühl das er mindestens zweimal Fiete zurückgepfiffen hat das der nicht so früh angreift. Wollte Bobby nicht so viel laufen ?


GV1977
1. Dezember 2017 um 22:38  |  1291013

Mathenia:“Wir haben uns vorgenommen, einfachen Fußball zu spielen – das haben wir geschafft “ ! Oh ja, da hat er recht. 😀 😀
Das Freiburger Tor – ich meinte, der Ball sei noch von einem Hamburger abgefälscht worden beim Anspiel. Dann wär’s kein Abseits gewesen.


GV1977
1. Dezember 2017 um 22:41  |  1291014

Zuspiel von Papa noch abgefälscht ?


Voraussager
1. Dezember 2017 um 22:42  |  1291015

Auch habe nach Hoffenheim geglaubt wir können Fussball spielen.
Das heute war ein Rückfall in die schlimmsten Rumpelfussballzeiten.
Und dann noch die Grinser Auswechselungen und Umstellungen,
das verstehe wer will.


Voraussager
1. Dezember 2017 um 22:54  |  1291016

Ausser Papa und Santos alle unterirdisch. Warum wird Ito nicht mehr eingewechselt, der einzige der 1:1 gehen kann.
Statt dessen kommen Hahn und Schippo, was soll das, Grinser?
Der allerschlechteste heute von Beginn an war Wood aber auch der durfte lange toben.
Ein Thomas Schaaf hätte heute zur Halbzeit sein Auswechselkontingent ausgeschöpft aber der ist ja auch Trainer!


Eisenwilli
2. Dezember 2017 um 3:25  |  1291032

Ganz, ganz schlechtes Spiel unseres HSV. Geschenkter Punkt, den wir gerne mitnehmen aus dem Breisgau. Immerhin wieder zu Null, das ist die einzig positive Nachricht dieses WEs, und dass Freiburg uns nicht überholen kann. Ansonsten aber … Grottig bis unterirdisch! Zwei zahnlose Rentner, die zu Recht da stehen, wo sie tabellarisch sind. Und einzig gut, um unsere nächsten Gegner, die in Hamburg aufschlagen, zu verwirren.

Doch manchmal muss man eben auch mal mit einem Punkt auswärts zufrieden sein. Santos hat mir wieder einmal gut gefallen und ansonsten … Mund abwischen!


deJong
2. Dezember 2017 um 13:47  |  1291056

„…alte Betonschüssel in Bahrenfeld“?!
Ernsthaft jetzt? Diese Bezeichnung hat sicher auf das alte Volksparkstadion gepasst, aber nun wirklich nicht auf unsere jetzige Arena! Immerhin noch eines der schönsten Stadien in Europa!

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