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Hamburger Abendblatt
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Donnerstag, 30.11.2017

Was im HSV-November hängen blieb

Liebe Matz-abber,
das war ja mal äußerst positiv. Gemeint ist der Monat November. Für den HSV. Nur drei Bundesliga-Spiele, weil es diese lästige Länderspiel-Pause gab, und davon zwei glatt gewonnen. Der HSV wird immer besser. Mit etwas Glück gegen Stuttgart 3:1 gewonnen (wegen des frühen Platzverweises für den VfB), dann auf Schalke etwas unglücklich 0:2 verloren – und danach die Hoffenheimer vernascht. Das war mal wieder was! 3:0 gegen die Nagelsmann-Truppe, das konnte sich sehen lassen. Sportchef Jens Todt sprach danach von „einer wirklich herausragenden Leistung“.

Endlich einmal, möchte man anfügen, endlich einmal. Hoffentlich nicht nur gegen Hoffenheim. Es wäre ja zu schön für alle Rothosen, wenn sich der HSV nun sportlich berappeln, sich auf seine wahre Stärke besinnen würde. Dass er dazu in der Lage sein müsste, das bewies er am vergangenen Sonntag – eindrucksvoll. Der HSV spielte fast wie zu besten Happel-Zeiten Pressing, checkte früh und intensiv vor, sorgte dafür, dass der Gegner nur ganz selten in Ruhe (s)ein Spiel aufbauen konnte. Das war läuferisch eine ganz starke Vorstellung, und nicht nur läuferisch. Vom Willen her, mit voller Leidenschaft und Engagement bis hin zur stimmigen Einteilung der Kräfte – es war bis zum Schlusspfiff wirklich alles bestens.

Sogar die größten Sorgenkinder gaben ein Lebenszeichen – und zwar äußerst nachhaltig – von sich: Bobby Wood traf den Pfosten, Sven Schipplock köpfelte einmal gegen die Torlatte, Julian Pollersbeck saß wieder mal auf der Bank und André Hahn trainierte bereits am Montag wieder mit und dürfte in dieser Woche seine Grippe gänzlich abgelegt haben – es läuft doch. Von den anderen Sorgenkindern wie zum Beispiel Lewis Holtby (er wird sich Gedanken über sein Spiel machen – müssen!), Sejad Salihovic, Albin Ekdal und Vasilije Janjicic möchte ich an dieser Stelle nicht groß reden, die werden sich nicht unterkriegen lassen und schon bald wieder in Reichweite der Stammformation sein.

Kostic und Santos glänzen beim HSV

Es gibt für mich aber nicht nur jene Spieler, die zur Sorge Anlass geben. Im Gegenteil, da entwickelten sich einige Profis zuletzt schon ganz schön auffällig: Millionenmann Filip Kostic zum Beispiel brachte gegen Hoffenheim fast schon die Leistung, die man sich beim HSV bereits seit über einem Jahr erhofft (hatte). Und Douglas Santos scheint immer besser in Fahrt zu kommen, wirkt selbstbewusst, wagt auch im Spiel nach vorne viel mehr – vielleicht hat ihn Dennis Diekmeier auf der rechten Seite etwas vorgemacht, was der Brasilianer schon ganz vergessen hatte: Offensive. Jetzt jedenfalls spricht doch niemand mehr von Problemen hinten rechts und hinten links. In der Mitte scheint sich Mergim Mavraj auch (allmählich) wieder zu stabilisieren, und Kyriakos Papadopoulos mit seiner robusten und rustikalen Art ist als Abräumer (und Mitreißer) ohnehin gesetzt. Ohne die griechische Kampfmaschine ginge beim HSV sicherlich nicht so viel (wie zur Zeit).

Um noch einmal auf Dennis Diekmeier zurückzukommen. Er ist ja allgegenwärtig. Auch auf dem grünen Rasen. Da zieht er nun nach, nachdem er zuerst mit jedem neuen Tattoo auf sich aufmerksam gemacht hat. Jeder kleine und große HSV-Fan weiß doch nach jeder neuen Nadelstecherei schon nach Minuten, wo „DD2“ auf seinem schönen und makellosen Körper wieder einmal eine Lücke schließen ließ. Demnächst soll das sogar live übertragen werden – aber das ist nur ein Gerücht. Immerhin aber ist es schön, wenn ich von den Diekmeiers immer wieder erfahre, wo sie gerade am Wochenende sind, oder von welchem Ort dieser Welt sie eine wunderbare Postkarte oder auch nur ein Selfie schicken. Das ist wirklich schon schick. Ich könnte mir auch vorstellen, dass „DD2“ der nächste Joshua Kimmich der Bild ist, dass mit dem HSV-Verteidiger eine ähnlich aufregende Serie wie mit dem bayerischen Nationalverteidiger gestartet wird. Das hätte so viel für mich, denn dann würde ich auch noch das allerletzte Geheimnis von ihm und über ihn erfahren – wenn es denn so etwas überhaupt noch geben kann, bei den schon bekannten Enthüllungen.

Sportlich auf jeden Fall hat „DD2“ eine großartige Leistungsexplosion gezeigt. Dickes Kompliment. Er rast nach vorne, rast nach hinten (wieder zurück, muss er ja auch, ist sein Haupt-Job), ist überall zu finden. Er mischt überall mit, er dirigiert, er gibt lautstarke und nachhaltige Abweisungen, er tritt als Tausendsassa auf, kann sogar Flanken zur Mitte bringen, kann auch, wie gegen Hoffenheim zu sehen, mit dem Kopf ablegen – das hat schon was. Wenn ich es noch nicht geschrieben hätte, dann würde ich es jetzt machen: Kompliment. Dickes Kompliment sogar. Dennsi Diekmeier ist mein Mann des Herbstes.

Arp schlägt alle!

Mann des Monats ist natürlich Jann-Fiete Arp. Der zum FC Chelsea gehen soll. Alles Quatsch, sagt der HSV auf ganzer Linie – ist wohl auch so. Wobei es doch niemanden überraschen sollte, wenn eines Tages der Tag kommt, an dem er sich aus Hamburg verabschiedet. So war es doch bei Tah, Calhanoglu, Son, Öztunali und Co ebenfalls. Der HSV spielt am Freitag nicht nur in Freiburg, er steht auch (und bekanntlich) mit Freiburg auf Augenhöhe. Zur Zeit jedenfalls. Und was wird sogar in Hamburg immer wieder im Zusammenhang mit dem SC Freiburg gelobt? Richtig, der ewige Neuaufbau einer Bundesliga-Mannschaft.

Freiburg ist ein Ausbildungs-Club für die großen Vereine und schafft es trotz aller namhaften Abgänge immer wieder, eine konkurrenzfähige Truppe auf die Beine zu stellen. Mal mehr jedenfalls, und mal weniger. Und diese (oder ähnliche) Rolle hat auch der HSV übernommen. Siehe die eben erwähnten Namen. Da wäre es doch ein Wunder, wenn Jann-Fiete Arp in Hamburg bleiben würde. Seien wir doch froh, dass er von hier kommt, dass wir ihn hier noch haben, dass er beim HSV groß wird. Und dass er da ist, solange er noch da sein kann. Die Großen des Fußballs werden ihr Ding schon machen, wenn sie es wollen. Ohne Rücksicht auf die Kleinen. Das gilt auch für den HSV. Selbstverständlich.

Lange wird er wohl nicht in Hamburg bleiben. Trotzdem sollten wir froh sein, einen wie Fiete Arp zu haben

Lange wird er wohl nicht in Hamburg bleiben. Trotzdem sollten wir froh sein, einen wie Fiete Arp zu haben Foto: imago/Oliver Ruhnke

Und wo ich gerade bei Arp bin; es gibt ja noch andere Talente im Nachwuchs der Rothosen. Dank Bernhard Peters. Der 57-Jährige ist seit August 2014 beim HSV und hat bei seiner Einstellung darauf hingewiesen, dass es nicht von heute auf morgen geht, um Talente aus dem Hut zu zaubern. Vier Jahre hatte er damals veranschlagt – er hat es offenbar in kürzerer Zeit geschafft. Trotz aller Skepsis, trotz aller Unkenrufe, trotz aller Kritik, die es gelegentlich schon gab. Er wurde schon – hinter der vorgehaltenen Hand – „Bernie Badelatsche“ genannt, weil er meistens mit Adiletten am Fuß durch die Geschäftsstellenräume im Volkspark schlendert. Offenbar aber haben seine Maßnahmen, die für viele bestimmt sehr, sehr hart und nicht nachvollziehbar waren, doch gefruchtet. Zum Wohle des HSV. Der Nachwuchs steht im Moment glänzend da.

So, das war es für heute. Morgen folgt Teil zwei meines November-Reports.
Dieter Matz


22
Kommentare

Blauringkrake
30. November 2017 um 16:53  |  1290977

Immer erste Liga – Nur der HSV


letorge
30. November 2017 um 16:55  |  1290978

Da schreibt Dieter Matz so positiv über den letzten Monat, da wundert es nicht das Gisdol keine erwähnung findet. Wo sonst doch schon harmlose PK-Zitate vor dem Berlin Spiel als Grund für die Niederlage herhalten müssen.


Voraussager
30. November 2017 um 17:23  |  1290979

Dieter Matz,
schön das es dich noch gibt.Viel ergiebig es Neues ist aber nicht drin.
Mal ne ganz andere Frage: Wer verbirgt sich hinter Billy Bremner, der gestaltet Scholles Perle ja ganz allein.


Ruediger
30. November 2017 um 17:41  |  1290980

Billy the Kid muss viel Zeit haben, wenn man seine Kommentare und die des anderen Kollegen mal abzieht, ist drüben nix mehr los als hier😂😂😂

Das ist auch das Dilemma, ich finde die Situation denkbar schlecht.

Aber das musste wohl so sein….

Morgen hoffe ich mindestens auf einen Punkt…. mit viel Glück und Anstrengend vielleicht drei Punkte. Mit der Leistung von Sonntag durchaus im Bereich des Möglichen.


paulinski
30. November 2017 um 18:34  |  1290981

Dieter, Du kannst es doch noch. War wunderbar zu lesen, auch wenn nichts neues drin war. Bleib so positiv, der HSV kommt wieder. Die Weichen sind gestellt. Der HSV darf kein Ausbildungsverein bleiben und daher, wenn wir Gelder generieren können, dann müssen die VVs, und wer weiss noch, einfach zugreifen.


michailow
30. November 2017 um 18:40  |  1290982

Moin, ich lese hier nur noch gelegentlich mit und tausche mich mit meinen HSV-Kumpels in anderen Gruppen aus. So lange in Scholles Rautenperle ein Billy Selbstgespräche führt und alles abbügelt, gibt es auch dort keinen echten Austausch und keinen respektvollem Umgang mehr.
Für beide Blogs entwickelt sich die Trennung und die Konkurrenz zu einem Dilemma: „Zum Leben zu wenig – zum Sterben zu viel.“


scorpion
30. November 2017 um 19:05  |  1290983

.
@Dieter Matz. Welch positive Wedung zu denm beiden letzten Blogs.
.
Zwar nichts Neues, aber (mit ein wenig Ironie) lesenswert verpackt. Gerne weiter so.


devildino
30. November 2017 um 19:08  |  1290984

Bremner ist nicht gleich Bremner


GV1977
30. November 2017 um 20:28  |  1290985

Bremer ? 😉


minus mal minus = Plus
30. November 2017 um 21:28  |  1290986

Dieter hat sein ,,zweites Ich“ wieder verlassen und schreibt in gewohnter weise.
Es war schon sehr befremdlich dein Geschreibsel, Dieter!


RaiDet
30. November 2017 um 21:49  |  1290987

Schöne Zusammenfassung vom November, entspricht meiner Meinung. Angenehm zu lesen im Gegensatz zu den letzten Beiträgen. Allemal schön mal wieder von Dieter Matz zu lesen.


GV1977
1. Dezember 2017 um 7:39  |  1290988

Zu Weihn8en ist also ein Gedichtchen zu erwarten, das bei erreichen der 18 Punkte in einem „Europapokal“ mündet ?
.
ich hab mich bis hierher schon um 3 Punkte verschätzt („10 Pkt bis Dez…“), nach unten, wie es einer Pestilenz gebührt 😉


1. Dezember 2017 um 8:33  |  1290989

paulinski
1. Dezember 2017 um 10:09  |  1290990

Ja, ich habe den Eindruck, wenn der GV1977 nicht ständig hier schreiben würde, warum auch immer, kann man den Blog schliessen. Nichts mehr los. Aber bei diesem zum Teil Kreisklassen Niveau irgendwie auch logisch. Schöne Spiel und 3 Punkte………….erhoffe ich mir.


1. Dezember 2017 um 10:25  |  1290991

Schön sind immer die Kommentare über Kommentare, die angeblich davon abhalten, dass man kommentiert.

Es liegt an jedem selber, etwas Konstruktives beizutragen. Das hat wenig mit der Qualität der Blogs zu tun. Die waren früher auch nicht besser. So gesehen haben nicht die Blogger nachgelassen, sondern die Kommentatoren haben sich verzogen. Könnte allerdings auch daran liegen, dass Vieles, wenn nicht gar Alles bereits gesagt wurde.


Voraussager
1. Dezember 2017 um 10:37  |  1290992

He Luecht,
richtig was Du schreibst!
GV 1977,
ich liege noch im Plan, habe 13 Punkte bis Weihnachten vorausgesagt. Werde aber so wie es aussieht heute schon eines besseren belehrt, das kann selbst unser Grinser nicht mehr verhindern.
Schön ists trotzdem.


Homer S.
1. Dezember 2017 um 10:47  |  1290993

Könnte es sein, dass dieser Typ vom Arena Blog an Schizophrenie leidet? Er beschwert sich, dass er persönlich angegriffen wird, macht das selbe aber in fast jedem seiner Blogs und in seinen Kommentaren. Egal ob es Journalisten, Funktionäre des HSV, Spieler des HSV, andere Blogger etc. sind. Ziemlich armselig was er veranstaltet…….


dead-alive
1. Dezember 2017 um 11:11  |  1290994

Eines wurde lange nicht mehr gesagt:

Holt endlich Magath, ihr Holzköpfe!


paulinski
1. Dezember 2017 um 11:25  |  1290995

Heluecht, ganz Deiner Meinung. Vieles Konstruktives? Alles und ständig sich wiederholend? Also weiter so! Aber Du wirst doch zugeben, dass sich viele auch interessante(selten) Kommentatoren „verdrückt“ haben. Hat das nicht doch etwas mit den sich stets wiederholenden, z.T. anmaßenden Beiträgen der immer selbigen Leute zu tun? Beschimpfungen etc. Ich frag Dich ja nur.


Reiner Petri
1. Dezember 2017 um 11:44  |  1290996

Moin Moin.
Alles frisch?
Lehnt euch entspannt zurück. Sollten wirklich 3 Punkte geholt werden heute, dann habt ihr doch alles richtig gemacht.
Offensichtlich hat dann der permanente Druck aus dem Forum für eine Umerziehung und Weiterbildung beim Trainerstab geführt? MG hat sich sicher der ganzen Kommentare angenommen und verbessert Taktik, Einstellung, Technik und Kader. Dass man manchmal eine Rückschlag erdulden muss, wenn er z.B. Hahn aufstellt, muss man einfach nur in Rückfall in alte Gewohnheiten einordnen.
Sicher, Befindlichkeiten einzelnen Speilern gegenüber gibt es immer. doch im Gegensatz zu vielen Kommentatoren hier , sehe ich den HSV nicht als „Rentnerverein“ oder Seniorenstift, der seinen Spielern nochmal eine Rente gibt, sobald man Vertrag mit einem Ü26 macht.
Tip: Schaut euch die Pressekonferenz von Freiburg in voller Länge an! Die läuft anders als in Hamburg. Gezielte Fragen und wirklich aussagekräftige Antworten. Und ein Statement über unsere Spieler!


1. Dezember 2017 um 11:49  |  1290997

@Paulinski
Sicher haben sich viele verdrückt. Michailow beschrieb es ja. Es gibt andere Kommunikationskanäle, die (inzwischen bevorzugt) benutzt werden. Das Angebot ist vielfältiger geworden seit den Anfangstagen von Matz Ab. Sehr viel geht dann eben inzwischen über Twitter, FB, Instagram, WA Groups etc.

Ich stelle bei mir zumindest fest, dass nach einigen Jahren, das Meiste gesagt ist, ständige Wiederholungen, in welche Richtung auch immer, wenig zielführend sind.

Interesse, Hoffnung, Enttäuschung, Rückzug…ist etwas, was ich zunehmend bei mir und meinem Umfeld konstatierte. Aber, es kommen ständig neue Leute nach, wie man an den steigenden Mitgliederzahlen merken kann.

Matz Ab ist halt nicht der Nabel der HSV Welt, genausowenig wie alle anderen Blogs zum HSV und die Kommentatorenbereiche ohnehin nicht. Völlig unwichtig, eine Marginalie…


dead-alive
1. Dezember 2017 um 11:54  |  1290998

Homer S.

Schreib ihm das doch mal in seinen Blog rein. Höflich aber bestimmt. Schaffst Du das?

Oder reicht es bei Dir nur dafür, das hier reinzurotzen? Das wäre doch ziemlich armselig.

Und vor Allem: Was bewegt Dich, in der verbotenen Zone heimlich mitzulesen? Die erbärmliche Doppelmoral des gemeinen Hüpfers?

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