Vom
Hamburger Abendblatt
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Liebe Matz-abber,
viel ungemütlicher hätte der heutige Trainingstag nicht beginnen können. Es regnete, es war kalt und am Volkspark zog es wie Hechtsuppe. Kurzum: es war ein herrlicher Hamburg-Tag im November. Weil die Herren Fußballer mit dem Hamburger Schmuddelwetter ähnlich viel Spaß wie die wenigen Zuschauer hatten, hatte Trainer Markus Gisdol ein frühes Einsehen. Bereits um kurz nach 11 Uhr war draußen Schicht im Schacht.

Drinnen hatte Sportchef Jens Todt noch einen wichtigen Termin: So konnte der Manager nachmittags stolz verkünden, dass der HSV den im Sommer auslaufenden Vertrag mit Abwehrtalent Tobias Knost bis 2020 verlängert hat. Ab Sommer wird der Förder- in einen Profivertrag umgewandelt. „Tobias hat eine tolle Entwicklung hingelegt und ist ein Leistungsträger in unserer U19“, sagte Todt, der hofft, dass Knost schon im kommenden Sommer bei den Profis eine Rolle übernehmen kann. „Er konnte sein Potenzial und seine Dynamik schon im Training und in einigen Testspielen bei den Profis unter Beweis stellen“, ließ sich Todt auf der eigenen Homepage zitieren.

Zé Roberto: Ein emotionaler Abschied

Tobias Knost ist übrigens 17 Jahre alt. Als der zukünftige HSV-Profi am 8. Mai 2000 geboren wurde, hatte ein ehemaliger HSV-Profi bereits 17 Länderspiele für die brasilianische Seleção absolviert. Die Rede ist natürlich von keinem geringeren als Zé Roberto.

Abendblatt-Reporter Henrik Jacobs traf Zé Roberto vor Kurzem in Brasilien

Abendblatt-Reporter Henrik Jacobs traf Zé Roberto vor Kurzem in Brasilien

Am Montagabend hat der große Zé nach 23 Jahren als Fußballprofi seine Karriere tatsächlich beendet. 2:0 gewann Zé noch einmal mit Palmeiras São Paulo gegen Botafogo Rio de Janeiro. Es gab eine Ehrenrunde, viele Tränen und eine sehr emotionale Ansprache. Ein großes Stück über Zé könnt ihr morgen im Abendblatt lesen, wenn ihr wollt. Mein Kollege Henrik Jacobs, der derzeit für sechs Monate durch Südamerika tourt, hat Zé kurz vor seinem letzten Spiel in São Paulo getroffen und ein wirklich sehr schönes Porträt geschrieben.

Warum Zé Roberto so begeisterte

An dieser Stelle möchte ich über ein kleines Geständnis loswerden: Als Journalist hat man ja eigentlich keine Lieblingsspieler. Man mag die Spielweise des einen, mag kommt ganz gut mit dem anderen zurecht. Aber Lieblingsspieler? Nein, nicht wirklich. Eine Ausnahme habe ich mir in meiner HSV-Reporterkarriere dann aber doch gegönnt: Na klar, Zé Roberto.

Der 84-fache Nationalspieler, der neben dem HSV auch für Real Madrid, Bayer Leverkusen und Bayern München brilliert hat, war und ist für mich wirklich ein ganz Großer. Auf und abseits des Platzes. In Hamburg war er leider nur zwei Jahre, aber trotzdem würde ich soweit gehen, zu behaupten, dass er große Fußstapfen hinterlassen hat. Oder anders formuliert: ich kann mir nicht vorstellen, dass wir im Volkspark in den nächsten Jahren wirklich noch einmal einen Top-Spieler wie Zé Roberto erleben werden. Leider.

Dabei hat mich nicht nur Zés Spielweise und seine unglaubliche Professionalität beeindruckt. Zé war auch einer der angenehmsten Spieler, mit denen ich beim HSV zu tun hatte. Vor drei Jahren hatte ich sogar mal das Glück, dass ich ihn in seiner damaligen Wohnung in Porto Alegre besuchen durfte. Wer nun eine Luxusherberge erwartete, der irrte. Zé lebte bescheiden in einem kleinen Ein-Zimmer-Apartment, weil seine Familie während seiner Zeit bei Grêmio Porto Alegre im Haus in São Paulo geblieben ist.

Zé Roberto wollte länger beim HSV bleiben

Es ist aus meiner Sicht schon sehr beeindruckend, wie ein Mann mit seiner Karriere so auf dem Boden geblieben ist. Dabei will ich gar nicht wegdiskutieren, dass auch Zé schwere Zeiten hatte. Zum Beispiel, als er und Bruno Labbadia sich verkrachten, weil Zé seinen Winterurlaub eigenmächtig verlängerte. Es war so eine klassische Geschichte von Nicht-Kommunikation. Denn Zé hatte tatsächlich ein sehr gravierendes privates Problem in Brasilien und hoffte auf Verständnis. Doch sowohl er als auch Bruno waren leider zu stolz, dass Problem einfach am Telefon auszuräumen.

Naja, das war ja nur eine Anekdote aus seiner langen, erfolgreichen Karriere. Was aber auch kaum einer weiß: Zé wollte seinen 2011 auslaufenden Vertrag beim HSV unbedingt verlängern – und der damalige Trainer Michael Oenning wollte das auch. Allerdings wollte der damals 36-Jährige gerne einen Zweijahresvertrag, wogegen sich HSV-Chef Carl Jarchow und der designierte Sportchef Frank Arnesen verwehrten. Ihre Begründung: Zé sei zu alt.

Auch bei seiner Ehrenrunde zum Abschied ein ganz Großer: Zé Roberto

Auch bei seiner Ehrenrunde zum Abschied ein ganz Großer: Zé Roberto Foto:imago/Fotoarena

Sechs Jahre ist das nun her. Sechs Jahre, in denen Zé unter anderem mit Porto Alegre Dritter und Zweiter in Brasilien wurde, mit Palmeiras den brasilianischen Pokal holte und im vergangenen Jahr sogar Meister wurde. 2016 gelang dem Oldie mit 42 Jahren sogar das schönste Tor der brasilianischen Liga. Keine Frage: Zé Roberto ist sicherlich der beste Ü40-Spieler, den es je gegeben hat.

So, nun habe ich aber genug gelobhudelt. Ganz nüchtern geht es morgen mit der Pressekonferenz (ab 13 Uhr) und dem nicht-öffentlichen Training im Volkspark weiter. Dann meldet sich wieder mein Kollege Andreas Hardt und wird ganz sicher nicht in einer Zeile über Zé Roberto schreiben… Versprochen!

Wir lesen uns die Tage,
bis dahin,
Kai


32
Kommentare

Blauringkrake
28. November 2017 um 18:23  |  1290923

Immer erste Liga – Nur der HSV


GV1977
28. November 2017 um 19:11  |  1290925

Ausnahmsweise schließe ich mich einer Lobpreisung eines Fußballspielers mal an – Verbeugung vor Ze Roberto.
Was hätte der HSV in den letzten Jahren solche Spieler gut gebrauchen können ! Und auch jetzt noch.


GV1977
28. November 2017 um 19:14  |  1290926

hansiat83

28. November 2017 um 18:55  |  1290924

GV1977
28. November 2017 um 18:10 | 1290921
>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
„Hm, Du hast Interesse an „gutem Fußball“ und bist HSV-Fan. Irgendwas passt da nicht….“
>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
Tja, was aber passt da nicht ? Oder vielleicht WER ?


Das Ungeheuer
28. November 2017 um 19:35  |  1290927

Zé war und ist ein ganz Großer. Das letzte Mal Weltklasse in Hamburg – hoffentlich vorerst M 😉


Thomsen
28. November 2017 um 21:02  |  1290928

In der Rückschau wird immer klarer, warum Bruno ein ganz großer Trainer ist. Zuviel Qualität hat er einfach an vielen Stellen nicht sehen wollen oder können. Bei ihm geht immer alles über den Kampf („Abnutzungsspiele“) und Motivation, selten aber über echte fussballerische Qualität.


HeiDie
28. November 2017 um 21:53  |  1290929

Thomsen
28. November 2017 um 21:02 | 1290928
*****************************************
Ist doch noch immer so!


Oldenburger
28. November 2017 um 22:19  |  1290930

Sehr schöner Bericht und „Huldigung“ des Fussballspielers Ze Roberto. Danke.


Kai Schiller
28. November 2017 um 22:54  |  1290931

Kleine Korrektur: Gerade meldet sich Sportchef Jens Todt zu später Steht zurück… Der Manager war heute nicht im Büro, sondern saß im Flieger nach Argentinien. Todt ist einige Tage in Südamerika auf Scoutingtour… Sorry!


HCS
28. November 2017 um 23:10  |  1290933

Gute Recherche. Und wo war Papa heute?


GV1977
29. November 2017 um 0:04  |  1290934

Todt auf Didis Spuren ? Möcht‘ er auch mal ein paar überteuerte Brasilianer rekrutieren, die dann ca. 2021 akklimatisiert wären, oder spielen die schicken Beachvolleyballerinnen wieder am Strand von Rio ? 😉
Man hat’s ja beim Dino – 7-8Mio. liquiden „Puffer“ – raus damit ! 💰💰💰
Ze als Soforthilfe will er ja wohl nicht auch noch reaktivieren…


nenndorfer
29. November 2017 um 5:40  |  1290935

Na, da ist ja wieder einer als Dummschwätzer unterwegs und so Was will hsv Fan sein. Unsere Brasilianer sind jedenfalls Top.


Kai Schiller
29. November 2017 um 5:54  |  1290936

@HCS: Auf dem Trainingsplatz…


GV1977
29. November 2017 um 8:48  |  1290938

Ah, Todt ist in Argentina auf Aktionismus-Tour in Sachen Neuer Messi(as) .
Notfalls wäre nebenan evtl. noch ein Diaz II mit mehr Eingewöhnungszeit im bzw. bis zum Sommer zu finden (tomorrow my friend).
.
Didi Nenndorfer in den AR ?


GV1977
29. November 2017 um 8:55  |  1290939

Was macht eigentlich „Soforthilfe“ Salihovic ?


HCS
29. November 2017 um 9:00  |  1290940

Kai Schiller:

Nicht auf dem Platz anzutreffen war dagegen Kyriakos Papadopoulos.

Stand so gestern online im Abendblatt. Deshalb die Frage.


Torsten73
29. November 2017 um 9:26  |  1290941

Wieso ist Jens Todt eigentlich in Südamerika (bei 100 Mio. Schulden).. Will der HSV wieder überteuert (10 Mio. + ) Spieler kaufen? Ich wäre lieber in die Niederlande (de Jong, z.B.), Belgien und Skandinavien gefahren.. Solche Spieler passer besser zum HSV und sind auch noch bezahlbar.


Kai Schiller
29. November 2017 um 10:08  |  1290942

@HCS Komisch! Ich war beim Training, habe ihn gesehen – und habe auch online nichts geschrieben… so oder so: Sorry!


Horst aus Duisburg
29. November 2017 um 10:19  |  1290943

Torsten 73, deiner Meinung kann ich mich voll und ganz anschließen. Der HSV sollte sich nur um Spieler bemühen, die ihre fußballerische Karriere in Europa nördlich des 50. Breitengrades begonnen haben. Als einzige Ausnahme sollten wir Japan gelten lassen.
Gruß aus DU


HCS
29. November 2017 um 10:30  |  1290944

Passt dann schon wenn es jemand anderes geschrieben hat. Mit wie vielen Leuten ist denn das Abendblatt bei einem Training vor Ort oder kommt einer von Matz ab und einer von der Print Ausgabe?


Kai Schiller
29. November 2017 um 11:27  |  1290945

@HCS Ne. So viele Mitarbeiter haben wir dann auch nicht… 😉 Im Normalfall ist einer vom Abendblatt beim HSV-Trainer…


HCS
29. November 2017 um 12:01  |  1290946

Dann haben wir gerade keinen Normalfall oder arbeitet Gisdol für das Abendblatt?


Voraussager
29. November 2017 um 13:56  |  1290947

Wenn jetzt schon wieder gemunkelt wird Walace will weg: Er ist unser bester 6er, auch wenn Jung und Sakai jetzt einmal nicht so schlecht waren, an Walace kommen beide und auch Ekdal nicht ran. Nur, er braucht Spiele die ihm der Grinser nicht gibt, warum auch immer.


HCS
29. November 2017 um 14:02  |  1290948

Solltest Du mit dem Grinser unseren Trainer meinen, dann wäre das doch eine Aufgabe fpr die Presse nachzufragen. Also Herr Schiller, bitte bei nächster Gelegenheit Trainer Gisdol fragen warum er nicht spielt? Also der Walace.


HCS
29. November 2017 um 14:03  |  1290949

für


Voraussager
29. November 2017 um 14:17  |  1290950

HCS,
seit wann stellt die Presse denn auf der PK Fragen die evtl. unangenehm sind.
Dort wird nur gefragt mit welcher Medizin der Trainer seinen Schnupfen bekämpft und weitere hochinteressante Fragen in diese Richtung. Man will es sich doch nicht verderben!


Blogfan
29. November 2017 um 14:28  |  1290951

HCS
29. November 2017 um 14:02 | 1290948
Solltest Du mit dem Grinser unseren Trainer meinen, dann wäre das doch eine Aufgabe fpr die Presse nachzufragen. Also Herr Schiller, bitte bei nächster Gelegenheit Trainer Gisdol fragen warum er nicht spielt? Also der Walace.
————————————————–
…nicht das der Trainer noch auf die Idee kommt, evtl Walace mal als 10er zu bringen……er könnte ja viell. einschlagen.


dead-alive
29. November 2017 um 15:43  |  1290952

Da der Block ja ziemlich vor sich hindümpelt, erlaube ich mir mal einen pestilenzbefreiten Vorschlag zu einer möglichen Aufstellung. Diese basiert auf meinem irrationalen Wunsch, endlich mal ohne die üblichen Ausfälle zu spielen, also ohne Mavraj, Diekmeier, Jung, Hunt, Kostic und Konsorten.

Würde diese Truppe gern mal auflaufen sehen, kriege nur keine passende Aufstellung dazu hin:

Pollersbeck, Sakai, Papa, Drongelen, Santos, Walace, Müller, Waldschmidt, Ito, Wood, Arp.

Man hätte endlich mal sechs Spieler, die jeder auf seine Art was nach vorn produzieren können, aber eben nur ein bis zwei Spieler, die auch vernünftig nach hinten arbeiten können. Und von den Typen her hätte ich endlich mal das Gefühl, ohne Ausfälle zu starten.

Diese Gedankenspiele basieren natürlich auf der Annahme, dass der Mannschaft in Freiburg aus unerfindlichen Gründen sämtliche Tugenden wieder abhanden gekommen sind. Und Müller wieder fit ist. Und Arp noch da ist.


HCS
29. November 2017 um 16:13  |  1290953

Klar werden auf PK auch unangenehme Fragen gestellt. Und sogar beantwortet. Meine Erfahrung.


Dehn
29. November 2017 um 16:20  |  1290954

Es ist schon grenzwertig, jemanden, der grundsätzlich freundlich ist und damit oft auch ermutigend, als „Grinser“ zu diskreditieren.
Sollte jemand glauben, schlechte Laune gehöre zum professionellen Tagesgeschäft eines Trainers oder des Menschen schlechthin, so ist er zu bedauern.
Ja, ich weiß: „Hüpf, hüpf!“
Nein: Nicht „hüpf. hüpf!“
Sondern: Augen auf! Rücksicht! Respekt!


HCS
29. November 2017 um 17:08  |  1290955

Dehn, nicht das Du mir hier einige überforderst. Nachher müssen sie noch zur Belastungssteuerung 🤔


Voraussager
29. November 2017 um 19:02  |  1290956

dead-alive,
schöne Aufstellung, zeugt von Fussballverstand. Leider werden wir diese nie erleben! Der Grinser sieht es anders.

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