Archiv für das Tag 'Zumdick'

David Jarolim beim 5:7 herzlich gefeiert

28. März 2015

Endlich einmal HSV-Tore im Volkspark! „An Tagen wie diesen“ sangen die „Toten Hosen“, aber an diesem Sonnabend herrschte im Volkspark alles andere als „tote Hose“. David Jarolim bat zu seinem Abschiedsspiel, und viele, viele kamen. 32 000 Zuschauer waren dabei, und etliche Stars aus Tschechien und vom HSV. Das Jaro-Dream-Team aus Tschechien siegte 7:5, aber das Resultat war ganz sicher unwichtig. Es war eine schöne Abschiedsparty für einen großen HSV-Spieler, der hier immer alles gegeben hat. Und der vielleicht auch irgendwann noch einmal nach Hamburg zurückkehren wird, um beim HSV zu arbeiten. „Diesen Tag werde ich niemals vergessen“, sagte „Jaro“ bei seiner kleinen Dankesrede, und er versprach: „Ich werde versuchen, bei den letzten Spielen das HSV in dieser Saison dabei zu sein um die Daumen zu drücken.“ Alle Zuschauer feierten den Helden des Tages, besonders der Norden – und dafür danke ich ganz besonders, denn „Jaro“ hat es hier auch einst anders kennengelernt. Dabei viel mir heute vorher und auch nachher der große Udo Lattek ein, der einst beim „Doppelpass“ über David Jarolim gesagt hatte: „Ich kann ihn nicht ab, er provoziert, spielt zu oft foul – aber als Trainer hätte ich dieses Schlitzohr liebend gerne in meiner Mannschaft gehabt. So einen brauchst du.“ Mehr Lob geht doch fast gar nicht.

 

Beim Einlaufen der Spieler gab es viel Beifall der 32 000 Zuschauer. Jeder Profi wurde herzlich begrüßt. Lauter wurde es bei Mehdi Mahdavikia, und ganz laut wurde es bei Thimothee Atouba, der geradezu enthusiastisch gefeiert wurde. Atouba! Er tanzte hier nur ganz kurz auf, aber ihn lieben sie hier noch immer. Weil er Dinge drauf hat, die kein anderer macht. Besonders laut wurde es dann aber, als der Mann des Tages einlief – mit seinen Kindern an der Hand und auf dem Arm: David Jarolim. Der Norden sang, alle Zuschauer standen auf. Lotto King Karl und Carsten Pape sangen „Hamburg meine Perle“, und HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer hielt eine kurze, aber unheimlich warmherzige Rede: „David, Du bist ein großartiger Mensch mit einem ganz feinen Charakter, Du warst immer ein vorbildlicher Spieler.“ Dem war nichts hinzuzufügen. Und nicht wenige auf der Tribüne hatten den Eindruck, dass der Vereins-Chef bei seinen Sätzen kurz davor war, die eine oder andere Träne zu verdrücken . . .

 

Mein persönliches Highlight an diesem Nachmittag, und es war nicht nur meines, heißt aber nicht in erster Linie Jarolim, auch nicht Atouba, sondern Tomas Ujfalusi. Nein, nein und noch einmal nein, ich hätte ihn nicht erkannt. Und ich konnte es eine Halbzeit lang nicht glauben, dass der etwas rundliche Herr mit dem etwas mehr an Bauch, mit ohne Haare auf dem Kopf, dafür sehr, sehr viel am Kinn, dass der wirklich unser „Ujfi“ ist. Nein, und irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen. Obwohl ich ihn schon eine Stunde vor dem Spiel in den Katakomben sah – und mich fragte, wer dieser Mann denn ist? Aber er war es tatsächlich, auch wenn der neben mir sitzende „Scholle“ es bis zum Schlusspfiff nicht glauben wollte.

 

Während des Spiels, das von Radio-Hamburg-Moderator John Ment kommentiert wurde, wurde übrigens Ballermann-Musik gespielt. „Schatzi schenk mir ein Foto“, und zum Beispiel: „Atemlos“. Ob der HSV den Antrag stellen wird, künftig auch während der Bundesliga . . . Nein, lassen wir das. Denn diese Musik war ja auch gewöhnungsbedürftig.
Das Spiel wurde geleitet von Schiedsrichter Babak Rafati aus Hannover – er hatte ein leichtes Amt, es gab weder Fouls noch Meckereien.

 

Die erste Möglichkeit der Partie hatte David Jarolim, der plötzlich allein vor Stefan Wächter stand – aber den Ball nicht stoppen konnte! Wie bitter war das denn?! Kurz darauf hatte Atouba einen bühnenreifen Auftritt, als er drei Tschechen an der linken Eckfahne vorführte. Er hat es eben immer noch nicht verlernt.

 

Bis zur 11. Minute hieß es 0:0 im Volkspark (wie sonst?), dann aber fielen die Tore. Lukas Jarolim schoss das 1:0 für das Dream-Team, nachdem zuvor Wächter noch großartig einen Fallrückzieher von Koller gehalten hatte. Für das 1:1 zeichnete Mladen Petric verantwortlich. Koller traf zum 1:2, Wildcard-Spieler Norman Lessmann glich aus. Noch einmal Lukas Jarolim und auch noch einmal Mladen Petric, der immer noch schlitzohrig über den Platz läuft und Torchancen erahnt, sorgten für das 3:3 zur Halbzeit.
Der HSV hatte mit Stefan Wächter (Claus Reitmaier), Guy Demel, David Rozehnal, Tomas Ujfalusi, Thimothee Atouba, Mehdi Mahdavikia, Stefan „Paule“ Beinlich, Thorsten Fink, Thomas Doll, Mladen Petric und Norman Lessmann begonnen.

 

Im zweiten Durchgang kam dann folgende HSV-Mannschaft zum Zuge: Reitmaier (Drobny),Demel (Martin Groth), Milan Fukal, Bastian Reinhardt, Atouba (Dennis Aogo), David Jarolim, Rodolfo Cardoso, Marcel Meyer (mit Wildcard), Lessmann, Sergej Barbarez und Vahid Hashemian. Interessant: Martin Groth sollte eigentlich gar nicht spielen, war ohne Fußball-Klamotten nach Hamburg gekommen, aber plötzlich durfte er dabei sein. Weil doch einige angekündigte Spieler nicht gekommen waren.

 

Für die erst- und einmalige HSV-Führung in diesem Spiel sorgte Wildcard-Spieler Marcel Meyer, der das 4:3 markierte. Koller, Poborsky, Kuka und Wildcard-Spieler Stefan Kück schossen dann die Tore für den Sieger, für den HSV verkürzte David Jarolim nur noch per Elfmeter, den Ujfalusi an ihm verschuldet hatte – das war ja wohl auch Pflicht. 5:7 hieß es am Ende, aber diese HSV-Niederlage tat ausnahmsweise einmal nicht weh.
Als Trainer fungierten an diesem Tag übrigens Bruno Labbadia, Ralf Zumdick, Klaus Augenthaler und Vater Karel Jarolim. Im Dream-Team standen so bekannte Stars wie Koller, Poborsky, Kuka, Nikl, Smicer und Tyce.

 

Und während es nach diesem Spiel noch an der Alster weitergeht und ging, geht es für einige HSV-Spieler nun auch offiziell nicht mehr weiter. Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Ivo Ilicevic und Gojko Kacar erhielten nun vom HSV die Mitteilung, dass der Club künftig ohne sie plane. Dietmar Beiersdorfer: „Sie haben es sportlich aufgenommen, und alle haben ihre persönlichen Belange hintenangestellt – denn alle wollen, dass der HSV nicht absteigt. Dafür werden sie noch bis zuletzt alles geben.“

Toi, toi, toi.

 

PS: Morgen, am Sonntag, sitzt nach “Scholle” ein weiterer Mann von “Matz ab” beim Doppelpass vom Sport1: Lars Pegelow gibt sich die Ehre. Alles Gute, mein Lars!

 

PPS: Heute gibt es keine Matz-Ab-Live-Sendung.

17.16 Uhr

Mal wieder ein kleines Lebenszeichen . . .

25. Juni 2014

***Bitte beachten***
Dieser Artikel ist nur eine kleine und kurze Ergänzung, der zuvor von Lars Pegelow veröffentliche Bericht ist vom heutigen Tag aus Glücksburg und vom HSV – sehr lesenswert!

Ein ganz lieber „Matz-abber“ hat mich heute angerufen und gemeint, ich könnte doch mal wieder ein kleines Lebenszeichen von mir geben. Recht hat er, habe ich sofort gedacht, und mich „ans Werk“ gemacht. Wobei ich eines gestehen muss. Nein, zweierlei: Erstens bekomme ich immer noch viele Genesungswünsche per Mail, und zweitens, Asche auf mein Haupt, ja, wirklich viel Asche, denn ich habe mich immer noch nicht bei allen für ihre Grüße und Wünsche bedankt. Auf diesem Wege sei das nachgeholt, vielen Dank für Eure Unterstützung auf meinem Wege zur Besserung. Allmählich bekomme ich wieder Boden unter meine Füße, aber ich gestehe, ich habe mir das alles viel, viel leichter und einfacher und schneller vorgestellt. Im Krankhaus hatte ich noch gedacht, dass ich das auf einer A-Backe absitzen werde, aber da habe ich mich gewaltig getäuscht. Vor allem das Cortison (auch Kortison geschrieben, ich weiß) hat mich total umgehauen – ein Teufelszeug. Mit vielen, vielen Nebenwirkungen. Ich denke, dass ich zurzeit bei 70 Prozent bin. Aber es wird. Weil ich doch von Euch dabei unterstützt werde. Und von vielen Leuten, von denen ich es nie gedacht hätte, dass sie an mich denken. Toll, es ist einfach nur toll und grandios. Auch eine großartige Erfahrung für’s Leben.

Ich verfolge natürlich den Fußball weiterhin. Von der WM sehe ich nicht alles, aber vieles. Und den HSV verfolge ich natürlich auch. Allein per Telefon, weil mich die Leute anrufen und mit mir über die drei großen Buchstaben klönen wollen. Die meisten haben Angst, das muss ich zugeben, Angst davor, dass auch die kommende Saison so laufen könnte, wie die gerade abgelaufene. Mitunter, je nach Tagesform, teile ich diese Ansichten, obwohl mir eines – ganz eindeutig – auch Hoffnung auf bessere Tage und Zeiten macht. Eines – oder einer. Wenn ich so mitbekomme, dass Mirko Slomka im Training ganz schön anzieht, dann freut mich das ungemein. Der Mann hat es erkannt, woran das Dilemma Nummer eins des HSV liegt, gelegen hat. Dieses C-Jugend-Training all die Jahre, das hat den HSV vor allem runtergezogen, und das scheint nun ein Ende zu haben. Endlich, endlich, endlich. Ich hoffe es sehr. Für den HSV. Für die Mannschaft. Für den Trainer. Und für die Verantwortlichen, die jetzt übernehmen. Es musste jemand kommen und erkenne, wie schlecht diese Mannschaft trainiert ist (und wurde), und der jetzt den Hebel umlegt. Hoffentlich auf Dauer. Wobei ich jedem noch einmal empfehle, einen meiner letzten Matz-ab-Artikel zu lesen – den vom 8. Juni. Darin steht zu lesen, war zu lesen, dass sich vor Beginn der vergangenen Saison zwei Nationalspieler (einer vom HSV, einer von Dortmund) über die absolut unterschiedliche Trainings-Intensität beider Clubs unterhalten haben. Wenn daraus nur ein wenig, nur ein ganz klein wenig die Konsequenzen gezogen werden, dann stünde der HSV meiner Meinung nach vor einer guten Spielzeit 2014/15. Davon bin ich restlos überzeugt. Mirko Slomka ist da auf einem sehr guten Weg, wie mir scheint. Auch wenn ich das (den HSV) derzeit nur von weitem sehr entfernt (war in geflügeltes Wort meines Schwiegervaters) betrachte.

Ähnlich ist es ja mit dieser WM. Nur vorm Fernseher sitzend. Und da gehen mir das Turnier und der HSV nicht aus dem Sinn. Irgendwie denke ich immer an den HSV, wenn ich einen Hamburger Bezug feststelle. Nigel de Jong, Vincent Kompany, Ivica Olic, Niko Kovac, Eric-Maxim Choupo-Moting, Heung Min Son und, und, und.

Und dann denke ich auch an Hamburg. Dass bei den Schweizern immer noch ein Mann namens Reto Ziegler spielt. Der ist schon vor einem Jahrzehnt beim HSV durchgefallen. Weggeschickt haben sie ihn. Erst ausgeliehen und dann vom Hof gejagt. Ja, so spielt das Fußballer-Leben. Aber man muss ja auch nichts können, wenn man in der Schweiz Nationalspieler ist, gell? Auch wenn das über zehn Jahre geht. Bei Deutschland haben Piotr Trochowski, Dennis Aogo und Heiko Westermann (zum Beispiel) ja auch „einige“ Länderspiele gemacht, obwohl sie in Hamburg gespielt haben (und dort nur gelitten waren). Muss ich noch mal loswerden, bei dieser Gelegenheit. Und ich weiß genau, was mir jetzt wieder um die Ohren fliegen wird, ich trage es diesmal aber mit Fassung. Kann ja nicht jeder so schlau sein, wie ein Bundestrainer oder ein National-Coach. Wie zum Beispiel Ottmar Hitzfeld. Der nimmt Ziegler, der jetzt in Italien bei Sassuolo Calcio unter Vertrag steht, zwar mit, lässt ihn aber nicht spielen . . . Hat ja auch genug andere gute Spieler. Zum Beispiel Johan Djourou, fällt mir jetzt gerade ein.

Aber zurück nach Hamburg. Da gab es mal im Amateurfußball einen Trainer, der jetzt Nationaltrainer ist. Wie lange noch, das ist die Frage, aber noch ist er es: Volker Finke. Was kaum jemand vom ehemaligen Freiburger Trainer weiß, dass er im Norden mal bei Havelse war – und auch beim 1. SC Norderstedt. Diesen Abstecher will Finke zwar nicht mehr gerne hören oder lesen, aber er war tatsächlich mal hier. Und welcher Hamburger Verein kann schon sagen, dass einer seiner Trainer mal Coach bei der Weltmeisterschaft war? Das dürften nicht so sehr viel sein . . .

Und dann gibt es ja auch noch einen Spieler namens Alexej Koslow von Dynamo Moskau. Trägt bei den Russen die Rückennummer zwei. Und spielte einst in Hamburg. Bei Bergedorf 85. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. ZDF-Reporter Bela Rethy hat sogar gesagt, dass dieser Koslow in der Jugend des HSV ausgebildet worden ist, aber dafür habe ich (noch) keine Bestätigung gefunden. Vielleicht weiß da einer von Euch (oder mehrere?) mehr und macht mich und alle anderen klug. Auf jeden fall ist das schon ein Ding, dass da einer mitmischt, der mal in Bergedorf gespielt hat. Von 85 soll Koslow dann zum VfB Lübeck gegangen sein, und dann? Auf jeden Fall in Brasilien – jetzt.

Und noch ein „dickes Ding“ gibt es aus Hamburger Sicht. Der frühere HSV-Spieler Muhamed Besic fliegt mit Bosnien-Herzegowina zwar nun nach Hause, hat aber alle drei Spiele in Brasilien für sein Land bestritten – dreimal 90 Minuten plus Nachspielzeit. Muhamed Besic. Wer erinnert sich noch? Beim HSV ein Mitläufer, zur Zweiten abgeschoben – und dann quasi vor die Tür gesetzt. Seit dieser Zeit kickt er bei Ferencvaros Budapest, erst von Ricardo Moniz nach Ungarn geholt, dann von Thomas Doll übernommen. Jenen Muhamed Besic, den hier keiner für „voll“ genommen hat. Der immer sehr viel auf sich hielt, aber dennoch keinerlei Beachtung fand. Als er einmal bei der Zweiten auflaufen sollte, fuhr er ohne „Buffer“ nach Norderstedt – keine große Lust, in der Regionalliga zu spielen. Musste er dann doch, weil man ihm Stiefel besorgte, aber dementsprechend spielte er dann auch: lustlos. Weil er sich ungerecht behandelt fühlte.

Jetzt hat er dreimal bei dieser WM gespielt. Muss sich der HSV nun grämen? Es wird sich wohl niemand finden, der dazu bereit wäre. Kann ja auch Zufall sein, dass sich Besic nun bei dieser WM wiedergefunden hat. Wahrscheinlich hatten die niemanden, der bei Bosnien auf der Sechs spielen konnte. So wird, nein, so muss es sein.

Obwohl ich mit Thomas Doll, seinem jetzigen Trainer, gesprochen habe. Und der hat mir nun ein ganz anderes Bild von Besic vermittelt. Erst einmal sind sie alle in Budapest stolz wie Bolle, dass Muhamed Besic WM-Teilnehmer geworden ist. Es gibt, so glaube ich, nicht so sehr viele aus der Ersten Liga Ungarns, die in Brasilien aufdribbelten oder noch aufdribbeln – aber Besic. Und Thomas Doll gerät ins Schwärmen, wenn er von Besic spricht: „Er spielte bei uns erst Innenverteidiger, aber Katze Zumdick und ich konnten ihn davon überzeugen, dass das nicht seine Position ist. Er spielte dann Rechtsverteidiger und wurde eine unserer größten Stützen. Er spielte diesen Part unglaublich dynamisch, zuverlässig, konzentriert. Und er ist in seiner Spielweise ruhiger geworden. Früher war er oft zu hektisch, auch abseits des Platzes, aber er ist ruhig und ausgeglichen geworden – und ein großartiger Spieler.“

Thomas Doll sagt über Besic auch: „Katze und ich, wir haben uns Mühe mit ihm gegeben, und er hat es uns mit erstklassigen Leistungen zurückgezahlt. Ich habe ein Vater-Sohn-Verhältnis zu ihm bekommen, und darauf bin ich stolz. Muhamed ist ein feiner Junge, der noch viel vor sich hat. Wir freuen uns mit ihm und für ihn.“

Am 28. Juni findet sich Besic wieder in Budapest ein. Dann wird seine Situation besprochen. Ferencvaros will den Bosnier behalten, aber hat wohl keine Chance. Es liegen dem „Sechser“ einige sehr lukrative Angebote vor – natürlich, er ist WM-Teilnehmer. Schön für den HSV: Sollte Besic tatsächlich den Verein wechseln, so sollen die drei Hamburger Buchstaben daran beteiligt sein – zu 20 Prozent, wir gemunkelt. Ob verdient oder unverdient, das lasse ich mal dahingestellt, es ist so wie es ist. Nur zum HSV, da sollte sich niemand Sorgen drum machen, wird Besic wohl nicht wieder zurückkommen. Da müsste er vielleicht wieder in der Zweiten spielen . . . Man weiß es nicht, man weiß es nicht.

Einen schönen Abend und einen guten Tag für Euch, ich werde mich demnächst wieder mit einem Lebenszeichen melden. Bitte aber nehmt Euch auch noch den Artikel von Lars Pegelow, den er für mir hier reinegestellt hat, „zur Brust“, er ist sehr, sehr aufschlussreich und gut geschrieben und vermittelt einen Eindruck vom Geschehen in der Flensburger Bucht. Dort hält sich ja der HSV derzeit auf.

Dieter

Die große Doll-Fete

30. Mai 2010

Das Länderspiel gegen Ungarn? Das geht in meine Geschichte ein. Es ist das erste seit ganz sicher über 30 Jahren, das ich nicht gesehen habe. Erst am Tag danach die drei Tore. Der Grund für diesen „Ausfall“: ich war unterwegs. Mit Fußballern. Und im Mittelpunkt des Abends stand Thomas Doll. Der frühere HSV-Publikumsliebling, -Spieler und –Trainer feierte in Norderstedt und in Hamburg seinen Jungegesellenabschied. Es wurde eine rauschende Nacht, es wurde eine Super-Sause, es ging bis in den frühen Morgen. Gleich zu Beginn muss ich mal an dickes Kompliment machen: Torsten Walter, die meisten von Euch werden ihn noch als HSV-Manager an der Seite von Präsident Jürgen Hunke kennen, hatte sich die Aufgabe gestellt, diese Fete zu organisieren – und es lief alles perfekt. Kompliment, lieber Torsten, das war ein Meisterwerk. Und eines, was die Beteiligten mit Sicherheit noch lange, lange in Erinnerung behalten werden.

Mit von der Partie waren Dolls-Vater Klaus, viele Freunde des Bräutigams, sein Assistent Ralf „Katze“ Zumdick, Aufsichtsratsmitglied Ronald Wulff und natürlich einige Profi-Fußballer von einst: Andreas Thom, Carsten Kober, Sergej Barbarez, Rodolfo Cardoso und Torwart Andreas Reinke. Begonnen hatte der Abend beim Italiener „Barolo“ in Norderstedt, weiter ging es auf der Großen Freiheit in Susis Show Bar und es endete im East. Überall war es brechend voll, was mir besonders gefiel war die Tatsache, dass sich Chefin „Susi“ persönlich so reizend und aufmerksam um ihre prominenten Gäste kümmerte – das hatte Stil. Und Thomas Doll stand natürlich im Blickpunkt. Er wurde einmal sogar auf die Bühne geholt, wo sich drei in HSV-Klamotten bekleidete Girls erst aufmachten, ihre Trikots zu tauschen – und dann auch dem ehemaligen HSV-Trainer an die Wäsche gingen. Keine Angst, liebe Freund, es ist alles harmlos geblieben, es blieb bei Versuchen, alles war Spaß.

Resümee des „Veranstalters“ Torsten Walter: „Es war eine überragende Nacht, es hat alles gepasst – aber tief enttäuscht war und bin ich darüber, dass einige Doll-Freunde erst unmittelbar vor der Fete abgesagt haben. So etwas gehört sich nicht.“

Stimmt. Aber es trübte bei keinem Teilnehmer die gute Laune. Im Mittelpunkt des Abends stand der Fußball unter dem Motto: Weißt du noch? Thomas Doll, Trainer von Genclerbirligi in Ankara (zehnter Platz mit dem als Abstiegskandidat gestarteten Klub), und ich kamen – natürlich und wie auch immer – noch einmal auf die Uhr-Geschichte zurück. In Kurzform: Doll war zu Lazio Rom gewechselt, ich besuche ihn zum ersten Punktspiel in Italien (0:0 gegen Parma) und er erzählte mir am Tag darauf beim Essen seine ersten römischen Erfahrungen. Zu einigen Sachen sagte er: „Das darfst du aber nicht schreiben.“ Dann schilderte er eine Begebenheit in der Kabine seiner neuen Mannschaft. Die Mitspieler besahen sich seine Armbanduhr – und lachten. Sie fragten auch, ob er diese Uhr im Überraschungs-Ei gefunden hätte? Dabei war Doll so stolz: Von seinem letzten Geld in Hamburg, das er sich bei einer Autogrammstunde im Karstadt-Sporthaus unmittelbar vor einem Abflug nach Rom verdient hatte, hatte er sich diese sehr teure Uhr gekauft, aber es war eben keine Rolex (wie die Kollegen).

Übrigens verriet mir Thomas Doll noch ein römisches Geheimnis: Nachdem er in den ersten beiden Spielzeiten überragend gespielt hatte, gab es Angebote von Inter Mailand und Juventus Turin für ihn. Als Lazio sein Gehalt ein wenig anhob, blieb „Dolly“ in Rom.

Doll sagte mir an diesem Abend auch, dass er von seinem großen Vorbild Andreas Thom sehr viel gelernt hat: „Von ihm habe ich mir einige unglaubliche Tricks und Dinge abgeschaut, er war mein Lehrmeister. Besonders habe ich von ihm gelernt, dass wenn man einen Gegenspieler umdribbelt hat, nicht im Tempo nachlassen darf, sondern im Gegenteil dann erst recht Gas geben muss. Sonst wäre der Andreas früher ganz sicher oft weggegrätscht und auch an den Stöckern getroffen worden – und ich auch.“

Thom und Doll spielten ja einst, Ihr wisst es alle, beim BFC Dynamo Berlin. Der DDR-Rekordmeister galt als Stasi-Klub. Beide, Thom und Doll, erinnerten sich an viele gemeinsame Erlebnisse, große, tolle und schöne, und sie dachten auch an ein legendäres Europapokalspiel in Bremen zurück. Es ging im Landesmeister-Wettbewerb nach einem 3:0-Sieg in Berlin nur noch um das Weiterkommen, aber dann siegte Werder mit 5:0. Über das Spiel sprachen wir weniger, eher über die Begleitumstände. Thom und Doll erinnerten sich an eine Nacht im Bremer Hotel. Natürlich wurden die Dynamo-Spieler bewacht, auf dem Flur saß rund um die Uhr mindestens ein Stasi-Mitarbeiter, der darauf achtete, dass kein Profi sein Zimmer unbemerkt und unbegleitet verlassen konnte. Und vor und hinter dem Hotel lauerten Stasi-Mitarbeiter auf eventuell flüchtende Spieler. Entkommen war praktisch unmöglich. Aber Doll und Thom machten sich auch einen „flüchtenden“ Scherz. Sie verabredeten sich auf dem Flur und beschlossen, unüberhörbar und entschieden „jetzt“ zu sagen. Als sie es getan hatten, sprang der eigentlich still vor sich hin dösende Stasi-Mitarbeiter wie von der Pistole geweckt auf und sondierte die Lage. Thom und Doll lachten sich heimlich ins Fäustchen. Sie lachen noch heute darüber.

Mit Andreas Thom sprach ich auch über meine DDR-Erfahrungen. Er war überrascht. Ich war mit einem ein Jahr alten BMW 2002 über die Grenze, als eine dicke Grenzbeamtin mit einem Schraubenzieher auf mich zukam und mich aufforderte: „Ja, dann schrauben sie mal schön.“ Keinen „guten Tag“ nichts, nur diesen Satz. Ich entgegnete: „Muss ich nicht.“ Sie: „Wieso das denn nicht? Sie müssen ihre Klappen über dem Reserverad abschrauben.“ Ich: „Das habe ich schon in Hamburg erledigt, damit es an der Grenze schneller geht . . .“ Sie ging an den Kofferraum, hob den Deckel an, ließ ihn fallen, hob den Deckel erneut an und sagte voller Sarkasmus: „Das klappert ja alles, ich glaube, sie müssen sich mal wieder ein neue Auto kaufen . . .“ Herrlich, was? In der DDR wurde 18 Jahre auf einen Trabant gewartet, und ich sollte mir nach nur einem Jahr ein neues Auto kaufen. Kommentar Thom: „Davon haben wir ja gar nichts mitbekommen. Wenn wir ins Ausland flogen, ging das immer alles problemlos. Von solchen Problemen, wie du sie jetzt geschildert hast, haben wir niemals etwas mitbekommen.“

Ja, so war das. Wir haben uns aber gegenseitig gestanden: „Niemals hätte ich gedacht, dass ich den Fall der Mauer noch erleben würde. Umso schöner ist es jetzt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Und ich war froh, dass ich Andreas Thom, der nach seinem Job bei Holstein Kiel (Assi von Falko Götz) wieder in der Nähe von Berlin wohnt, einmal persönlich kennen lernen durfte. Er war in seiner Glanzzeit einer der besten Fußballer Europas. 1990, nach seinem Wechsel von Berlin nach Leverkusen, hielten sich die Bayer-Mannschaft und der HSV zum Trainingslager auf Gran Canaria auf. Wir Hamburger Journalisten hatten natürlich den Auftrag, ein Thom-Interview zu führen, aber daran war zu keiner Sekunde zu denken. Leverkusen hatte Thom so gut versteckt und abgeschirmt, wie es die Stasi auch nicht besser hinbekommen hätte. Das war eine Woche ohne Thom, obwohl man ihn gelegentlich sogar trainieren sah, aber an ein Herankommen war nie zu denken. Dazu Thom: „Ich habe davon auch nichts mitbekommen, aber ich erinnere mich, dass es viel Wirbel um diesen Wechsel gab.“

So, es gab an diesem legendären Abend, Ihr könnt es lesen und sicher nach empfinden, viel zu klönen, und das wurde auch ausreichend getan.

Doll: Der HSV kann Meister werden

7. Januar 2010

Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen . . . Nein, so war es nicht ganz. Geknuddelt aber wurde trotz allem heftig, denn: Thomas Doll war da. Am Abend tauchte der ehemalige HSV-Trainer bei „seinem“ Verein auf, er besuchte gemeinsam mit seinem Assistenten Ralf „Katze“ Zumdick das Hotel Kempinski in Belek. Doll ist mit seinem Verein Genclerbirligi quasi um die Ecke, um sich ebenfalls auf die Rückrunde vorzubereiten, und diese Gelegenheit ergriff er beim Schopfe. Braungebrannt betrat er die Lobby, das weiße Hemd war an den ersten drei Knöpfen (von oben) offen, die moderne Jeans hatte einige Flicken auf den Beinen, und an der linken Hand trug Thomas Doll eine riesige Armbanduhr. Diese muss in einem früheren Leben mal ein Wecker gewesen sein, aber sie sah schon beeindruckend aus. Wie Doll selbst natürlich auch.

Ich gebe zu, dass ich immer Doll-Fan war und es auch heute noch bin. Ich werde es ganz sicher auch bis ans Lebensende sein, denn der frühere „Dolly“, der so ja nicht mehr genannt werden will, hat einst nicht nur mich, sondern die gesamte Hansestadt mit seinen fußballerischen Künsten und auch mit seiner Menschlichkeit verzaubert. Wobei ich sagen kann, dass auch meine Kollegen der schreibenden Zunft nicht weit von mir entfernt sind, wenn ich 100 Prozent in die Waagschale werfen kann, dann sind sie mindestens bei 99 Prozent. Oder sogar genau bei mir.

Am Mittwoch aber waren sie bei Thomas Doll, und der plauderte munter drauf los. Genau so, wie er früher über den Platz dribbelte: unwiderstehlich. Zunächst war sein Verein das Thema. Genclerbirligi ist ein Klub aus der Hauptstadt Ankara. Dort genießt der derzeitige Tabellensiebte mehr oder weniger ein Schattendasein. Dennoch ist Doll glücklich mit seinem neuen Job: „Wir haben 26 Punkte, die hatte uns niemand zugetraut, alle sind sehr zufrieden – wir, das Trainer-Team, auch.“ Dann schwärmt er: „Wir haben Top-Bedingungen dort, drei Plätze, einen Kunstrasen, und auch eine Schwimmhalle ist integriert. Ich bin bei einem sehr gut geführten Verein gelandet, der Präsident ist bereits so um die 30, 40 Jahre im Amt.“

Nur die Zuschauerzahlen stimmen Doll bedenklich: „Gegen Besiktas kommen schon mal 15 000, aber gegen schwächere Gegner eben auch nur mal 3000 oder 4000. Und dadurch haben wir dann keinen Heimvorteil mehr, vielleicht sind wir deswegen auch auswärts stärker.“

Dolls Mannschaft gilt als eine der größten Überraschungen in der Süper Lig der Türkei. In der vergangenen Saison stieg die Mannschaft nur deshalb nicht ab, weil auf einem anderen Platz noch ein Tor – quasi für Genclerbirligi – fiel. Und nun hat die Doll-Truppe sieben Siege, fünf Unentschieden und fünf Niederlagen auf dem Konto, bei 23:17 Toren. Doll hat Blut geleckt, er will mehr, er sagt deshalb auch: „Wir müssen die Qualität steigern, und wir werden sie auch steigern. Wir haben die jüngste Mannschaft der Liga, die wird sich noch steigern können.“ Zudem will der frühere Nationalspieler auch Spieler von anderen Klubs verpflichten: „Es wird die Zukunft zeigen, ob der Verein dazu bereit ist, den einen oder anderen Euro in die Hand zu nehmen, um das Team noch zu verstärken.“

Und wenn nicht? Abwarten. Doll sagt über seinen türkischen Job: „Es war auf jeden Fall der richtige Schritt, hierher zu gehen, aber es ist natürlich auch eine ganz, ganz schwere Aufgabe. Zwölf Trainer in zwei Jahren waren vorher bei Genclerbirligi, das sagt schon viel aus.“

Und wie steht er zu einer Vertragsverlängerung? Doll: „Im Sommer 2010 läuft mein Vertrag aus, ich höre mir das alles mal an, die Philosophie des Vereins, wie es weitergehen soll – aber ich bin natürlich Deutscher, ich weiß, dass irgendwann auch dort meine Zeit mal wieder kommt.“

Er lässt ein wenig Heimweh nach außen dringen. Ankara ist nicht gerade eine schöne Stadt, sie gilt als dunkel, grau, dreckig. Thomas Doll weiß das, denn er hört oft genug aus seinem Umfeld einen treffenden Spruch: „Istanbul ist ein Traum, Ankara ist die Realität. Das haben alle gesagt, die hier waren. Wir haben aber auch schon eine Menge netter Leute kennen gelernt, man kann schon das Beste draus machen, wenn man hier lebt.“

Wenn er an den HSV denkt, dann gerät er voll ins Schwärmen. Trotz seiner damaligen Entlassung: „Ich denke in erster Linie natürlich an meine Zeit als Fußballer. Und dann an meine ganzen Stationen als Trainer. Die A-Jugend, die Amateure, dann die ganz große Aufgabe, 2004, die Profis. Das sind die Momente, die man nie vergisst. Man hat mir damals als Fußballer die Möglichkeit gegeben, Fuß zu fassen, und dann auch als Trainer – ich werde dem Verein immer dankbar sein, das wird immer so sein.“

Und über Metropole im Norden befindet er rückblickend: „Hamburg ist eine tolle Stadt, tolle Menschen, der HSV ist ein toll geführter Verein, der HSV hat mir unwahrscheinlich viel gegeben und wird bei mir immer ganz oben angesiedelt sein, der Klub hat mir unwahrscheinlich viel gegeben.“ Dann lobt er das, was nach seinem Fortgang geschaffen wurde: „Es ist schon klasse zu sehen, was beim HSV entstanden ist. Neue Strukturen wurden geschaffen, es gibt ein tolles Umfeld, das Stadion ist immer voll, und es gibt natürlich auch Klasse-Fußballer in Hamburg.“

Da gibt es keinen Vergleich zwischen dem HSV und seinem jetzigen Klub. Bei Genclerbirligi gibt es nicht einmal Autogrammkarten. Auch die Medienpräsenz hält sich in Grenzen. Doll berichtet: „Zum Trainingsstart in diese Saison war kein Journalist da. Jetzt, im Trainingslager, musste ich zwei Interviews geben, und vor den Spielen sitzen mal zwischen drei und fünf Schreiberlinge da – und ich muss die gelegentlich sogar ermuntern, etwas zu fragen.“ Thomas Doll wirkt bei seinen Worten leicht desillusioniert. Und er fügt hinzu: „Es ist irgendwie wie in England, wo die Journalisten während der Woche ja nicht zu den Spielern und Trainer dürfen. Es wirkt auf mich fast schon so, als hätte da auch bei uns jemand das Tor zugeschlossen, und deswegen kommt keiner mehr rein. Es ist eben schon ein Unterschied wie Tag und Nacht: Die Bundesliga ist etwas ganz anderes, das sind ja nicht nur Fußballspiele, das sind ja richtige Events. Das ganze Drumherum ist anders, die Logen, die vollen Stadien, das ganze Vorspiel zu den Begegnungen, und dann danach – das ist alles ganz anders.“

Wenn er mit seinen Spielern spricht, springt ein Dolmetscher in die Bresche. Dolls Worte werden ins Türkische und ins Französische übersetzt. Deswegen dauern die Mannschaftssitzungen auch in der Regel etwas länger als üblich. Und dazu hat Doll auch immer ein türkisches Wörterbuch bei sich.“

Seinen Ex-Klub HSV verfolgt Thomas Doll via Fernsehen. Seine Meinung über die Labbadia-Elf: „Wenn alle gesund werden, dann werden sie in der Rückrunde auch oben wieder reinstoßen. Ich hätte ohnehin gerne gesehen, wenn alle an Deck gewesen wären, denn es gab ja einen guten Lauf. Wenn es diese Verletztenmisere nicht gegeben hätte, dann hätte der HSV sicherlich noch weiter oben stehen können: Paolo Guerrero war gut drauf, auch Mladen Petric, dann ist Ze Roberto noch ausgefallen, das tat mir leid.“ Bei der Gelegenheit lobt er seinen Trainerkollegen: „Hut ab vor dem, was Bruno Labbadia in der kurzen Zeit auf die Beine gestellt hat. Das zeigt aber auch den guten Charakter der Mannschaft, und auch die Klasse der Spieler – in Verbindung mit dem Trainerteam. Wie gesagt, beim HSV sind Strukturen geschaffen worden, um eine Mannschaft topfit zu bekommen. Die Spieler sind Hochleistungssportler, sind wie Maschinen, sie haben sie sehr gut zum Laufen gekriegt. Ich glaube, dass der HSV bis zum Schluss oben dabei ist und um die Meisterschaft mitspielen wird. Es müssen nur alle an Deck sein.“ Und speziell bezogen auf Bruno Labbadia sagt Doll: „Schön, dass er nach dem letzten halben Jahr in Leverkusen, das ja nicht so gut verlief, gezeigt hat, dass er sich schnell davon erholt hat. Es ist wichtig für einen Trainer, dass er sehr schnell wieder in die Erfolgsspur zurückkehrt. Das Pokal-Aus in Osnabrück war ein wenig unglücklich, aber dafür hat er dann in der Europa League einige Zeichen gesetzt.“

Mit seinem ehemaligen Kumpel Dietmar Beiersdorfer hat er immer noch Kontakt, meistens über das Handy. Thomas Doll gibt zu: „Sein Abschied im Sommer aus Hamburg tat auch mir weh, denn Didi hat beim HSV richtig etwas aufgebaut. Der Klub sollte ihn auf Jahre hinaus dankbar sein, für das, was er in Hamburg aufgebaut hat. Egal wer beim HSV als Trainer noch kommen wird, wer als Sportdirektor kommt, oder wer auch immer im Staff eine Funktion hat, die werden alle davon profitieren, was Dietmar Beiersdorfer auf die Reihe gebracht hat. Er war ja Tag und Nacht für den Verein unterwegs, der war richtig fleißig in seinem Job, richtig akribisch – ich habe ganz andere Sportchefs im Fußball kennen gelernt, das kann man mir glauben. Deshalb sollte ihm der HSV immer dankbar sein. Unter seiner Regie ist der HSV gewachsen, da steht der Name Didi Beiersdorfer dahinter, und natürlich auch der Name Bernd Hoffmann.“

Ob Thomas Doll eines Tages wieder als Trainer in Hamburg landen könnte? Das ist für ihn kein Thema. Er sagt: „Ich sehe meine Zukunft im deutschsprachigen Raum. Ich hoffe, dass man nicht nur die letzten Sachen in Hamburg und in Dortmund im Kopf hat, sondern auch die guten Sachen, wie es vorher lief. Ich habe mit dem HSV den UI-Cup gewonnen, wir sind im Uefa-Cup gewesen und in der Champions League, und ich bin mit Dortmund ins Pokalfinale gekommen, haben dort unglücklich verloren. Dann kamen ein paar private Probleme dazu, die mich vom Fußball ein wenig weggezogen haben, aber das Jahr Pause hat mir sehr gut getan und war wichtig.“ Deswegen ergänzt er auch: „Ich hoffe, dass sich die Leute mit Fußballverstand daran erinnern und sagen, dass Thomas Doll genau der richtige Mann für ihren Verein ist.“

Er hat sich verändert, das sei allen Klub-Präsidenten ins Stammbuch geschrieben. Nicht ohne Stolz in der Stimme zieht er Bilanz: „Die Zeit des Duzens ist vorbei. Auch die so genannte Nähe gibt es nicht mehr. Ich war ja auch in der einen oder anderen Situation mal drin, wo ich zu dicht an der Mannschaft war, das gibt es auch nicht mehr. Aber dass das geändert werden musste, das wusste ich auch schon bevor ich nach Ankara gekommen bin.“

Zum Schluss verriet Thomas Doll noch ein ganz großes Geheimnis: „Ich werde am 5. Juni in Zürich heiraten, ich habe meiner Biljana am 20. Dezember in St. Gallen vor der gesamten Familie einen Heiratsantrag gemacht, und sie hat ja gesagt. Da machen wir dann im Sommer ein richtig schönes Fest draus. Sie ist eine Klasse-Frau, ich freue mich auf die Hochzeit.“ Es wird seine dritte Ehe. Aller guten Dinge sind eben drei. Vielleicht kommt er ja auch noch ein drittes Mal zum HSV zurück.

Übrigens, weil diese Frage schon mehrfach auftauchte: Das Gespräch mit Piotr Trochowski haben alle in Belek anwesenden Schreiberlinge (und Lars Pegelow für 90,3 NDR) geführt, deswegen gab es da gewisse Überschneidungen. Lässt sich kaum vermeiden, denn so viel Zeit haben die Spieler natürlich nicht, um jedem Kollegen exklusiv Rede und Antwort zu stehen. Bei Thomas Doll ist es ebenso, auch er saß in einem Kreis, der aus allen Hamburger Schreiberlingen gebildet war. Plus Pegelow und Matz ab. Ich bitte um Verständnis, da kann es eben keine Exklusivität geben. Es sei denn, ich enthalte Euch so etwas vor – aber genau das möchte ich eben nicht.

In Belek 17.10 Uhr (in Hamburg 16.10 Uhr)