Archiv für das Tag 'Zumdick'

Die große Doll-Fete

30. Mai 2010

Das Länderspiel gegen Ungarn? Das geht in meine Geschichte ein. Es ist das erste seit ganz sicher über 30 Jahren, das ich nicht gesehen habe. Erst am Tag danach die drei Tore. Der Grund für diesen „Ausfall“: ich war unterwegs. Mit Fußballern. Und im Mittelpunkt des Abends stand Thomas Doll. Der frühere HSV-Publikumsliebling, -Spieler und –Trainer feierte in Norderstedt und in Hamburg seinen Jungegesellenabschied. Es wurde eine rauschende Nacht, es wurde eine Super-Sause, es ging bis in den frühen Morgen. Gleich zu Beginn muss ich mal an dickes Kompliment machen: Torsten Walter, die meisten von Euch werden ihn noch als HSV-Manager an der Seite von Präsident Jürgen Hunke kennen, hatte sich die Aufgabe gestellt, diese Fete zu organisieren – und es lief alles perfekt. Kompliment, lieber Torsten, das war ein Meisterwerk. Und eines, was die Beteiligten mit Sicherheit noch lange, lange in Erinnerung behalten werden.

Mit von der Partie waren Dolls-Vater Klaus, viele Freunde des Bräutigams, sein Assistent Ralf „Katze“ Zumdick, Aufsichtsratsmitglied Ronald Wulff und natürlich einige Profi-Fußballer von einst: Andreas Thom, Carsten Kober, Sergej Barbarez, Rodolfo Cardoso und Torwart Andreas Reinke. Begonnen hatte der Abend beim Italiener „Barolo“ in Norderstedt, weiter ging es auf der Großen Freiheit in Susis Show Bar und es endete im East. Überall war es brechend voll, was mir besonders gefiel war die Tatsache, dass sich Chefin „Susi“ persönlich so reizend und aufmerksam um ihre prominenten Gäste kümmerte – das hatte Stil. Und Thomas Doll stand natürlich im Blickpunkt. Er wurde einmal sogar auf die Bühne geholt, wo sich drei in HSV-Klamotten bekleidete Girls erst aufmachten, ihre Trikots zu tauschen – und dann auch dem ehemaligen HSV-Trainer an die Wäsche gingen. Keine Angst, liebe Freund, es ist alles harmlos geblieben, es blieb bei Versuchen, alles war Spaß.

Resümee des „Veranstalters“ Torsten Walter: „Es war eine überragende Nacht, es hat alles gepasst – aber tief enttäuscht war und bin ich darüber, dass einige Doll-Freunde erst unmittelbar vor der Fete abgesagt haben. So etwas gehört sich nicht.“

Stimmt. Aber es trübte bei keinem Teilnehmer die gute Laune. Im Mittelpunkt des Abends stand der Fußball unter dem Motto: Weißt du noch? Thomas Doll, Trainer von Genclerbirligi in Ankara (zehnter Platz mit dem als Abstiegskandidat gestarteten Klub), und ich kamen – natürlich und wie auch immer – noch einmal auf die Uhr-Geschichte zurück. In Kurzform: Doll war zu Lazio Rom gewechselt, ich besuche ihn zum ersten Punktspiel in Italien (0:0 gegen Parma) und er erzählte mir am Tag darauf beim Essen seine ersten römischen Erfahrungen. Zu einigen Sachen sagte er: „Das darfst du aber nicht schreiben.“ Dann schilderte er eine Begebenheit in der Kabine seiner neuen Mannschaft. Die Mitspieler besahen sich seine Armbanduhr – und lachten. Sie fragten auch, ob er diese Uhr im Überraschungs-Ei gefunden hätte? Dabei war Doll so stolz: Von seinem letzten Geld in Hamburg, das er sich bei einer Autogrammstunde im Karstadt-Sporthaus unmittelbar vor einem Abflug nach Rom verdient hatte, hatte er sich diese sehr teure Uhr gekauft, aber es war eben keine Rolex (wie die Kollegen).

Übrigens verriet mir Thomas Doll noch ein römisches Geheimnis: Nachdem er in den ersten beiden Spielzeiten überragend gespielt hatte, gab es Angebote von Inter Mailand und Juventus Turin für ihn. Als Lazio sein Gehalt ein wenig anhob, blieb „Dolly“ in Rom.

Doll sagte mir an diesem Abend auch, dass er von seinem großen Vorbild Andreas Thom sehr viel gelernt hat: „Von ihm habe ich mir einige unglaubliche Tricks und Dinge abgeschaut, er war mein Lehrmeister. Besonders habe ich von ihm gelernt, dass wenn man einen Gegenspieler umdribbelt hat, nicht im Tempo nachlassen darf, sondern im Gegenteil dann erst recht Gas geben muss. Sonst wäre der Andreas früher ganz sicher oft weggegrätscht und auch an den Stöckern getroffen worden – und ich auch.“

Thom und Doll spielten ja einst, Ihr wisst es alle, beim BFC Dynamo Berlin. Der DDR-Rekordmeister galt als Stasi-Klub. Beide, Thom und Doll, erinnerten sich an viele gemeinsame Erlebnisse, große, tolle und schöne, und sie dachten auch an ein legendäres Europapokalspiel in Bremen zurück. Es ging im Landesmeister-Wettbewerb nach einem 3:0-Sieg in Berlin nur noch um das Weiterkommen, aber dann siegte Werder mit 5:0. Über das Spiel sprachen wir weniger, eher über die Begleitumstände. Thom und Doll erinnerten sich an eine Nacht im Bremer Hotel. Natürlich wurden die Dynamo-Spieler bewacht, auf dem Flur saß rund um die Uhr mindestens ein Stasi-Mitarbeiter, der darauf achtete, dass kein Profi sein Zimmer unbemerkt und unbegleitet verlassen konnte. Und vor und hinter dem Hotel lauerten Stasi-Mitarbeiter auf eventuell flüchtende Spieler. Entkommen war praktisch unmöglich. Aber Doll und Thom machten sich auch einen „flüchtenden“ Scherz. Sie verabredeten sich auf dem Flur und beschlossen, unüberhörbar und entschieden „jetzt“ zu sagen. Als sie es getan hatten, sprang der eigentlich still vor sich hin dösende Stasi-Mitarbeiter wie von der Pistole geweckt auf und sondierte die Lage. Thom und Doll lachten sich heimlich ins Fäustchen. Sie lachen noch heute darüber.

Mit Andreas Thom sprach ich auch über meine DDR-Erfahrungen. Er war überrascht. Ich war mit einem ein Jahr alten BMW 2002 über die Grenze, als eine dicke Grenzbeamtin mit einem Schraubenzieher auf mich zukam und mich aufforderte: „Ja, dann schrauben sie mal schön.“ Keinen „guten Tag“ nichts, nur diesen Satz. Ich entgegnete: „Muss ich nicht.“ Sie: „Wieso das denn nicht? Sie müssen ihre Klappen über dem Reserverad abschrauben.“ Ich: „Das habe ich schon in Hamburg erledigt, damit es an der Grenze schneller geht . . .“ Sie ging an den Kofferraum, hob den Deckel an, ließ ihn fallen, hob den Deckel erneut an und sagte voller Sarkasmus: „Das klappert ja alles, ich glaube, sie müssen sich mal wieder ein neue Auto kaufen . . .“ Herrlich, was? In der DDR wurde 18 Jahre auf einen Trabant gewartet, und ich sollte mir nach nur einem Jahr ein neues Auto kaufen. Kommentar Thom: „Davon haben wir ja gar nichts mitbekommen. Wenn wir ins Ausland flogen, ging das immer alles problemlos. Von solchen Problemen, wie du sie jetzt geschildert hast, haben wir niemals etwas mitbekommen.“

Ja, so war das. Wir haben uns aber gegenseitig gestanden: „Niemals hätte ich gedacht, dass ich den Fall der Mauer noch erleben würde. Umso schöner ist es jetzt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Und ich war froh, dass ich Andreas Thom, der nach seinem Job bei Holstein Kiel (Assi von Falko Götz) wieder in der Nähe von Berlin wohnt, einmal persönlich kennen lernen durfte. Er war in seiner Glanzzeit einer der besten Fußballer Europas. 1990, nach seinem Wechsel von Berlin nach Leverkusen, hielten sich die Bayer-Mannschaft und der HSV zum Trainingslager auf Gran Canaria auf. Wir Hamburger Journalisten hatten natürlich den Auftrag, ein Thom-Interview zu führen, aber daran war zu keiner Sekunde zu denken. Leverkusen hatte Thom so gut versteckt und abgeschirmt, wie es die Stasi auch nicht besser hinbekommen hätte. Das war eine Woche ohne Thom, obwohl man ihn gelegentlich sogar trainieren sah, aber an ein Herankommen war nie zu denken. Dazu Thom: „Ich habe davon auch nichts mitbekommen, aber ich erinnere mich, dass es viel Wirbel um diesen Wechsel gab.“

So, es gab an diesem legendären Abend, Ihr könnt es lesen und sicher nach empfinden, viel zu klönen, und das wurde auch ausreichend getan.

Doll: Der HSV kann Meister werden

7. Januar 2010

Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen . . . Nein, so war es nicht ganz. Geknuddelt aber wurde trotz allem heftig, denn: Thomas Doll war da. Am Abend tauchte der ehemalige HSV-Trainer bei „seinem“ Verein auf, er besuchte gemeinsam mit seinem Assistenten Ralf „Katze“ Zumdick das Hotel Kempinski in Belek. Doll ist mit seinem Verein Genclerbirligi quasi um die Ecke, um sich ebenfalls auf die Rückrunde vorzubereiten, und diese Gelegenheit ergriff er beim Schopfe. Braungebrannt betrat er die Lobby, das weiße Hemd war an den ersten drei Knöpfen (von oben) offen, die moderne Jeans hatte einige Flicken auf den Beinen, und an der linken Hand trug Thomas Doll eine riesige Armbanduhr. Diese muss in einem früheren Leben mal ein Wecker gewesen sein, aber sie sah schon beeindruckend aus. Wie Doll selbst natürlich auch.

Ich gebe zu, dass ich immer Doll-Fan war und es auch heute noch bin. Ich werde es ganz sicher auch bis ans Lebensende sein, denn der frühere „Dolly“, der so ja nicht mehr genannt werden will, hat einst nicht nur mich, sondern die gesamte Hansestadt mit seinen fußballerischen Künsten und auch mit seiner Menschlichkeit verzaubert. Wobei ich sagen kann, dass auch meine Kollegen der schreibenden Zunft nicht weit von mir entfernt sind, wenn ich 100 Prozent in die Waagschale werfen kann, dann sind sie mindestens bei 99 Prozent. Oder sogar genau bei mir.

Am Mittwoch aber waren sie bei Thomas Doll, und der plauderte munter drauf los. Genau so, wie er früher über den Platz dribbelte: unwiderstehlich. Zunächst war sein Verein das Thema. Genclerbirligi ist ein Klub aus der Hauptstadt Ankara. Dort genießt der derzeitige Tabellensiebte mehr oder weniger ein Schattendasein. Dennoch ist Doll glücklich mit seinem neuen Job: „Wir haben 26 Punkte, die hatte uns niemand zugetraut, alle sind sehr zufrieden – wir, das Trainer-Team, auch.“ Dann schwärmt er: „Wir haben Top-Bedingungen dort, drei Plätze, einen Kunstrasen, und auch eine Schwimmhalle ist integriert. Ich bin bei einem sehr gut geführten Verein gelandet, der Präsident ist bereits so um die 30, 40 Jahre im Amt.“

Nur die Zuschauerzahlen stimmen Doll bedenklich: „Gegen Besiktas kommen schon mal 15 000, aber gegen schwächere Gegner eben auch nur mal 3000 oder 4000. Und dadurch haben wir dann keinen Heimvorteil mehr, vielleicht sind wir deswegen auch auswärts stärker.“

Dolls Mannschaft gilt als eine der größten Überraschungen in der Süper Lig der Türkei. In der vergangenen Saison stieg die Mannschaft nur deshalb nicht ab, weil auf einem anderen Platz noch ein Tor – quasi für Genclerbirligi – fiel. Und nun hat die Doll-Truppe sieben Siege, fünf Unentschieden und fünf Niederlagen auf dem Konto, bei 23:17 Toren. Doll hat Blut geleckt, er will mehr, er sagt deshalb auch: „Wir müssen die Qualität steigern, und wir werden sie auch steigern. Wir haben die jüngste Mannschaft der Liga, die wird sich noch steigern können.“ Zudem will der frühere Nationalspieler auch Spieler von anderen Klubs verpflichten: „Es wird die Zukunft zeigen, ob der Verein dazu bereit ist, den einen oder anderen Euro in die Hand zu nehmen, um das Team noch zu verstärken.“

Und wenn nicht? Abwarten. Doll sagt über seinen türkischen Job: „Es war auf jeden Fall der richtige Schritt, hierher zu gehen, aber es ist natürlich auch eine ganz, ganz schwere Aufgabe. Zwölf Trainer in zwei Jahren waren vorher bei Genclerbirligi, das sagt schon viel aus.“

Und wie steht er zu einer Vertragsverlängerung? Doll: „Im Sommer 2010 läuft mein Vertrag aus, ich höre mir das alles mal an, die Philosophie des Vereins, wie es weitergehen soll – aber ich bin natürlich Deutscher, ich weiß, dass irgendwann auch dort meine Zeit mal wieder kommt.“

Er lässt ein wenig Heimweh nach außen dringen. Ankara ist nicht gerade eine schöne Stadt, sie gilt als dunkel, grau, dreckig. Thomas Doll weiß das, denn er hört oft genug aus seinem Umfeld einen treffenden Spruch: „Istanbul ist ein Traum, Ankara ist die Realität. Das haben alle gesagt, die hier waren. Wir haben aber auch schon eine Menge netter Leute kennen gelernt, man kann schon das Beste draus machen, wenn man hier lebt.“

Wenn er an den HSV denkt, dann gerät er voll ins Schwärmen. Trotz seiner damaligen Entlassung: „Ich denke in erster Linie natürlich an meine Zeit als Fußballer. Und dann an meine ganzen Stationen als Trainer. Die A-Jugend, die Amateure, dann die ganz große Aufgabe, 2004, die Profis. Das sind die Momente, die man nie vergisst. Man hat mir damals als Fußballer die Möglichkeit gegeben, Fuß zu fassen, und dann auch als Trainer – ich werde dem Verein immer dankbar sein, das wird immer so sein.“

Und über Metropole im Norden befindet er rückblickend: „Hamburg ist eine tolle Stadt, tolle Menschen, der HSV ist ein toll geführter Verein, der HSV hat mir unwahrscheinlich viel gegeben und wird bei mir immer ganz oben angesiedelt sein, der Klub hat mir unwahrscheinlich viel gegeben.“ Dann lobt er das, was nach seinem Fortgang geschaffen wurde: „Es ist schon klasse zu sehen, was beim HSV entstanden ist. Neue Strukturen wurden geschaffen, es gibt ein tolles Umfeld, das Stadion ist immer voll, und es gibt natürlich auch Klasse-Fußballer in Hamburg.“

Da gibt es keinen Vergleich zwischen dem HSV und seinem jetzigen Klub. Bei Genclerbirligi gibt es nicht einmal Autogrammkarten. Auch die Medienpräsenz hält sich in Grenzen. Doll berichtet: „Zum Trainingsstart in diese Saison war kein Journalist da. Jetzt, im Trainingslager, musste ich zwei Interviews geben, und vor den Spielen sitzen mal zwischen drei und fünf Schreiberlinge da – und ich muss die gelegentlich sogar ermuntern, etwas zu fragen.“ Thomas Doll wirkt bei seinen Worten leicht desillusioniert. Und er fügt hinzu: „Es ist irgendwie wie in England, wo die Journalisten während der Woche ja nicht zu den Spielern und Trainer dürfen. Es wirkt auf mich fast schon so, als hätte da auch bei uns jemand das Tor zugeschlossen, und deswegen kommt keiner mehr rein. Es ist eben schon ein Unterschied wie Tag und Nacht: Die Bundesliga ist etwas ganz anderes, das sind ja nicht nur Fußballspiele, das sind ja richtige Events. Das ganze Drumherum ist anders, die Logen, die vollen Stadien, das ganze Vorspiel zu den Begegnungen, und dann danach – das ist alles ganz anders.“

Wenn er mit seinen Spielern spricht, springt ein Dolmetscher in die Bresche. Dolls Worte werden ins Türkische und ins Französische übersetzt. Deswegen dauern die Mannschaftssitzungen auch in der Regel etwas länger als üblich. Und dazu hat Doll auch immer ein türkisches Wörterbuch bei sich.“

Seinen Ex-Klub HSV verfolgt Thomas Doll via Fernsehen. Seine Meinung über die Labbadia-Elf: „Wenn alle gesund werden, dann werden sie in der Rückrunde auch oben wieder reinstoßen. Ich hätte ohnehin gerne gesehen, wenn alle an Deck gewesen wären, denn es gab ja einen guten Lauf. Wenn es diese Verletztenmisere nicht gegeben hätte, dann hätte der HSV sicherlich noch weiter oben stehen können: Paolo Guerrero war gut drauf, auch Mladen Petric, dann ist Ze Roberto noch ausgefallen, das tat mir leid.“ Bei der Gelegenheit lobt er seinen Trainerkollegen: „Hut ab vor dem, was Bruno Labbadia in der kurzen Zeit auf die Beine gestellt hat. Das zeigt aber auch den guten Charakter der Mannschaft, und auch die Klasse der Spieler – in Verbindung mit dem Trainerteam. Wie gesagt, beim HSV sind Strukturen geschaffen worden, um eine Mannschaft topfit zu bekommen. Die Spieler sind Hochleistungssportler, sind wie Maschinen, sie haben sie sehr gut zum Laufen gekriegt. Ich glaube, dass der HSV bis zum Schluss oben dabei ist und um die Meisterschaft mitspielen wird. Es müssen nur alle an Deck sein.“ Und speziell bezogen auf Bruno Labbadia sagt Doll: „Schön, dass er nach dem letzten halben Jahr in Leverkusen, das ja nicht so gut verlief, gezeigt hat, dass er sich schnell davon erholt hat. Es ist wichtig für einen Trainer, dass er sehr schnell wieder in die Erfolgsspur zurückkehrt. Das Pokal-Aus in Osnabrück war ein wenig unglücklich, aber dafür hat er dann in der Europa League einige Zeichen gesetzt.“

Mit seinem ehemaligen Kumpel Dietmar Beiersdorfer hat er immer noch Kontakt, meistens über das Handy. Thomas Doll gibt zu: „Sein Abschied im Sommer aus Hamburg tat auch mir weh, denn Didi hat beim HSV richtig etwas aufgebaut. Der Klub sollte ihn auf Jahre hinaus dankbar sein, für das, was er in Hamburg aufgebaut hat. Egal wer beim HSV als Trainer noch kommen wird, wer als Sportdirektor kommt, oder wer auch immer im Staff eine Funktion hat, die werden alle davon profitieren, was Dietmar Beiersdorfer auf die Reihe gebracht hat. Er war ja Tag und Nacht für den Verein unterwegs, der war richtig fleißig in seinem Job, richtig akribisch – ich habe ganz andere Sportchefs im Fußball kennen gelernt, das kann man mir glauben. Deshalb sollte ihm der HSV immer dankbar sein. Unter seiner Regie ist der HSV gewachsen, da steht der Name Didi Beiersdorfer dahinter, und natürlich auch der Name Bernd Hoffmann.“

Ob Thomas Doll eines Tages wieder als Trainer in Hamburg landen könnte? Das ist für ihn kein Thema. Er sagt: „Ich sehe meine Zukunft im deutschsprachigen Raum. Ich hoffe, dass man nicht nur die letzten Sachen in Hamburg und in Dortmund im Kopf hat, sondern auch die guten Sachen, wie es vorher lief. Ich habe mit dem HSV den UI-Cup gewonnen, wir sind im Uefa-Cup gewesen und in der Champions League, und ich bin mit Dortmund ins Pokalfinale gekommen, haben dort unglücklich verloren. Dann kamen ein paar private Probleme dazu, die mich vom Fußball ein wenig weggezogen haben, aber das Jahr Pause hat mir sehr gut getan und war wichtig.“ Deswegen ergänzt er auch: „Ich hoffe, dass sich die Leute mit Fußballverstand daran erinnern und sagen, dass Thomas Doll genau der richtige Mann für ihren Verein ist.“

Er hat sich verändert, das sei allen Klub-Präsidenten ins Stammbuch geschrieben. Nicht ohne Stolz in der Stimme zieht er Bilanz: „Die Zeit des Duzens ist vorbei. Auch die so genannte Nähe gibt es nicht mehr. Ich war ja auch in der einen oder anderen Situation mal drin, wo ich zu dicht an der Mannschaft war, das gibt es auch nicht mehr. Aber dass das geändert werden musste, das wusste ich auch schon bevor ich nach Ankara gekommen bin.“

Zum Schluss verriet Thomas Doll noch ein ganz großes Geheimnis: „Ich werde am 5. Juni in Zürich heiraten, ich habe meiner Biljana am 20. Dezember in St. Gallen vor der gesamten Familie einen Heiratsantrag gemacht, und sie hat ja gesagt. Da machen wir dann im Sommer ein richtig schönes Fest draus. Sie ist eine Klasse-Frau, ich freue mich auf die Hochzeit.“ Es wird seine dritte Ehe. Aller guten Dinge sind eben drei. Vielleicht kommt er ja auch noch ein drittes Mal zum HSV zurück.

Übrigens, weil diese Frage schon mehrfach auftauchte: Das Gespräch mit Piotr Trochowski haben alle in Belek anwesenden Schreiberlinge (und Lars Pegelow für 90,3 NDR) geführt, deswegen gab es da gewisse Überschneidungen. Lässt sich kaum vermeiden, denn so viel Zeit haben die Spieler natürlich nicht, um jedem Kollegen exklusiv Rede und Antwort zu stehen. Bei Thomas Doll ist es ebenso, auch er saß in einem Kreis, der aus allen Hamburger Schreiberlingen gebildet war. Plus Pegelow und Matz ab. Ich bitte um Verständnis, da kann es eben keine Exklusivität geben. Es sei denn, ich enthalte Euch so etwas vor – aber genau das möchte ich eben nicht.

In Belek 17.10 Uhr (in Hamburg 16.10 Uhr)