Archiv für das Tag 'Ziegler'

Mal wieder ein kleines Lebenszeichen . . .

25. Juni 2014

***Bitte beachten***
Dieser Artikel ist nur eine kleine und kurze Ergänzung, der zuvor von Lars Pegelow veröffentliche Bericht ist vom heutigen Tag aus Glücksburg und vom HSV – sehr lesenswert!

Ein ganz lieber „Matz-abber“ hat mich heute angerufen und gemeint, ich könnte doch mal wieder ein kleines Lebenszeichen von mir geben. Recht hat er, habe ich sofort gedacht, und mich „ans Werk“ gemacht. Wobei ich eines gestehen muss. Nein, zweierlei: Erstens bekomme ich immer noch viele Genesungswünsche per Mail, und zweitens, Asche auf mein Haupt, ja, wirklich viel Asche, denn ich habe mich immer noch nicht bei allen für ihre Grüße und Wünsche bedankt. Auf diesem Wege sei das nachgeholt, vielen Dank für Eure Unterstützung auf meinem Wege zur Besserung. Allmählich bekomme ich wieder Boden unter meine Füße, aber ich gestehe, ich habe mir das alles viel, viel leichter und einfacher und schneller vorgestellt. Im Krankhaus hatte ich noch gedacht, dass ich das auf einer A-Backe absitzen werde, aber da habe ich mich gewaltig getäuscht. Vor allem das Cortison (auch Kortison geschrieben, ich weiß) hat mich total umgehauen – ein Teufelszeug. Mit vielen, vielen Nebenwirkungen. Ich denke, dass ich zurzeit bei 70 Prozent bin. Aber es wird. Weil ich doch von Euch dabei unterstützt werde. Und von vielen Leuten, von denen ich es nie gedacht hätte, dass sie an mich denken. Toll, es ist einfach nur toll und grandios. Auch eine großartige Erfahrung für’s Leben.

Ich verfolge natürlich den Fußball weiterhin. Von der WM sehe ich nicht alles, aber vieles. Und den HSV verfolge ich natürlich auch. Allein per Telefon, weil mich die Leute anrufen und mit mir über die drei großen Buchstaben klönen wollen. Die meisten haben Angst, das muss ich zugeben, Angst davor, dass auch die kommende Saison so laufen könnte, wie die gerade abgelaufene. Mitunter, je nach Tagesform, teile ich diese Ansichten, obwohl mir eines – ganz eindeutig – auch Hoffnung auf bessere Tage und Zeiten macht. Eines – oder einer. Wenn ich so mitbekomme, dass Mirko Slomka im Training ganz schön anzieht, dann freut mich das ungemein. Der Mann hat es erkannt, woran das Dilemma Nummer eins des HSV liegt, gelegen hat. Dieses C-Jugend-Training all die Jahre, das hat den HSV vor allem runtergezogen, und das scheint nun ein Ende zu haben. Endlich, endlich, endlich. Ich hoffe es sehr. Für den HSV. Für die Mannschaft. Für den Trainer. Und für die Verantwortlichen, die jetzt übernehmen. Es musste jemand kommen und erkenne, wie schlecht diese Mannschaft trainiert ist (und wurde), und der jetzt den Hebel umlegt. Hoffentlich auf Dauer. Wobei ich jedem noch einmal empfehle, einen meiner letzten Matz-ab-Artikel zu lesen – den vom 8. Juni. Darin steht zu lesen, war zu lesen, dass sich vor Beginn der vergangenen Saison zwei Nationalspieler (einer vom HSV, einer von Dortmund) über die absolut unterschiedliche Trainings-Intensität beider Clubs unterhalten haben. Wenn daraus nur ein wenig, nur ein ganz klein wenig die Konsequenzen gezogen werden, dann stünde der HSV meiner Meinung nach vor einer guten Spielzeit 2014/15. Davon bin ich restlos überzeugt. Mirko Slomka ist da auf einem sehr guten Weg, wie mir scheint. Auch wenn ich das (den HSV) derzeit nur von weitem sehr entfernt (war in geflügeltes Wort meines Schwiegervaters) betrachte.

Ähnlich ist es ja mit dieser WM. Nur vorm Fernseher sitzend. Und da gehen mir das Turnier und der HSV nicht aus dem Sinn. Irgendwie denke ich immer an den HSV, wenn ich einen Hamburger Bezug feststelle. Nigel de Jong, Vincent Kompany, Ivica Olic, Niko Kovac, Eric-Maxim Choupo-Moting, Heung Min Son und, und, und.

Und dann denke ich auch an Hamburg. Dass bei den Schweizern immer noch ein Mann namens Reto Ziegler spielt. Der ist schon vor einem Jahrzehnt beim HSV durchgefallen. Weggeschickt haben sie ihn. Erst ausgeliehen und dann vom Hof gejagt. Ja, so spielt das Fußballer-Leben. Aber man muss ja auch nichts können, wenn man in der Schweiz Nationalspieler ist, gell? Auch wenn das über zehn Jahre geht. Bei Deutschland haben Piotr Trochowski, Dennis Aogo und Heiko Westermann (zum Beispiel) ja auch „einige“ Länderspiele gemacht, obwohl sie in Hamburg gespielt haben (und dort nur gelitten waren). Muss ich noch mal loswerden, bei dieser Gelegenheit. Und ich weiß genau, was mir jetzt wieder um die Ohren fliegen wird, ich trage es diesmal aber mit Fassung. Kann ja nicht jeder so schlau sein, wie ein Bundestrainer oder ein National-Coach. Wie zum Beispiel Ottmar Hitzfeld. Der nimmt Ziegler, der jetzt in Italien bei Sassuolo Calcio unter Vertrag steht, zwar mit, lässt ihn aber nicht spielen . . . Hat ja auch genug andere gute Spieler. Zum Beispiel Johan Djourou, fällt mir jetzt gerade ein.

Aber zurück nach Hamburg. Da gab es mal im Amateurfußball einen Trainer, der jetzt Nationaltrainer ist. Wie lange noch, das ist die Frage, aber noch ist er es: Volker Finke. Was kaum jemand vom ehemaligen Freiburger Trainer weiß, dass er im Norden mal bei Havelse war – und auch beim 1. SC Norderstedt. Diesen Abstecher will Finke zwar nicht mehr gerne hören oder lesen, aber er war tatsächlich mal hier. Und welcher Hamburger Verein kann schon sagen, dass einer seiner Trainer mal Coach bei der Weltmeisterschaft war? Das dürften nicht so sehr viel sein . . .

Und dann gibt es ja auch noch einen Spieler namens Alexej Koslow von Dynamo Moskau. Trägt bei den Russen die Rückennummer zwei. Und spielte einst in Hamburg. Bei Bergedorf 85. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. ZDF-Reporter Bela Rethy hat sogar gesagt, dass dieser Koslow in der Jugend des HSV ausgebildet worden ist, aber dafür habe ich (noch) keine Bestätigung gefunden. Vielleicht weiß da einer von Euch (oder mehrere?) mehr und macht mich und alle anderen klug. Auf jeden fall ist das schon ein Ding, dass da einer mitmischt, der mal in Bergedorf gespielt hat. Von 85 soll Koslow dann zum VfB Lübeck gegangen sein, und dann? Auf jeden Fall in Brasilien – jetzt.

Und noch ein „dickes Ding“ gibt es aus Hamburger Sicht. Der frühere HSV-Spieler Muhamed Besic fliegt mit Bosnien-Herzegowina zwar nun nach Hause, hat aber alle drei Spiele in Brasilien für sein Land bestritten – dreimal 90 Minuten plus Nachspielzeit. Muhamed Besic. Wer erinnert sich noch? Beim HSV ein Mitläufer, zur Zweiten abgeschoben – und dann quasi vor die Tür gesetzt. Seit dieser Zeit kickt er bei Ferencvaros Budapest, erst von Ricardo Moniz nach Ungarn geholt, dann von Thomas Doll übernommen. Jenen Muhamed Besic, den hier keiner für „voll“ genommen hat. Der immer sehr viel auf sich hielt, aber dennoch keinerlei Beachtung fand. Als er einmal bei der Zweiten auflaufen sollte, fuhr er ohne „Buffer“ nach Norderstedt – keine große Lust, in der Regionalliga zu spielen. Musste er dann doch, weil man ihm Stiefel besorgte, aber dementsprechend spielte er dann auch: lustlos. Weil er sich ungerecht behandelt fühlte.

Jetzt hat er dreimal bei dieser WM gespielt. Muss sich der HSV nun grämen? Es wird sich wohl niemand finden, der dazu bereit wäre. Kann ja auch Zufall sein, dass sich Besic nun bei dieser WM wiedergefunden hat. Wahrscheinlich hatten die niemanden, der bei Bosnien auf der Sechs spielen konnte. So wird, nein, so muss es sein.

Obwohl ich mit Thomas Doll, seinem jetzigen Trainer, gesprochen habe. Und der hat mir nun ein ganz anderes Bild von Besic vermittelt. Erst einmal sind sie alle in Budapest stolz wie Bolle, dass Muhamed Besic WM-Teilnehmer geworden ist. Es gibt, so glaube ich, nicht so sehr viele aus der Ersten Liga Ungarns, die in Brasilien aufdribbelten oder noch aufdribbeln – aber Besic. Und Thomas Doll gerät ins Schwärmen, wenn er von Besic spricht: „Er spielte bei uns erst Innenverteidiger, aber Katze Zumdick und ich konnten ihn davon überzeugen, dass das nicht seine Position ist. Er spielte dann Rechtsverteidiger und wurde eine unserer größten Stützen. Er spielte diesen Part unglaublich dynamisch, zuverlässig, konzentriert. Und er ist in seiner Spielweise ruhiger geworden. Früher war er oft zu hektisch, auch abseits des Platzes, aber er ist ruhig und ausgeglichen geworden – und ein großartiger Spieler.“

Thomas Doll sagt über Besic auch: „Katze und ich, wir haben uns Mühe mit ihm gegeben, und er hat es uns mit erstklassigen Leistungen zurückgezahlt. Ich habe ein Vater-Sohn-Verhältnis zu ihm bekommen, und darauf bin ich stolz. Muhamed ist ein feiner Junge, der noch viel vor sich hat. Wir freuen uns mit ihm und für ihn.“

Am 28. Juni findet sich Besic wieder in Budapest ein. Dann wird seine Situation besprochen. Ferencvaros will den Bosnier behalten, aber hat wohl keine Chance. Es liegen dem „Sechser“ einige sehr lukrative Angebote vor – natürlich, er ist WM-Teilnehmer. Schön für den HSV: Sollte Besic tatsächlich den Verein wechseln, so sollen die drei Hamburger Buchstaben daran beteiligt sein – zu 20 Prozent, wir gemunkelt. Ob verdient oder unverdient, das lasse ich mal dahingestellt, es ist so wie es ist. Nur zum HSV, da sollte sich niemand Sorgen drum machen, wird Besic wohl nicht wieder zurückkommen. Da müsste er vielleicht wieder in der Zweiten spielen . . . Man weiß es nicht, man weiß es nicht.

Einen schönen Abend und einen guten Tag für Euch, ich werde mich demnächst wieder mit einem Lebenszeichen melden. Bitte aber nehmt Euch auch noch den Artikel von Lars Pegelow, den er für mir hier reinegestellt hat, „zur Brust“, er ist sehr, sehr aufschlussreich und gut geschrieben und vermittelt einen Eindruck vom Geschehen in der Flensburger Bucht. Dort hält sich ja der HSV derzeit auf.

Dieter

Sala – nicht auf der Liste, aber weg?

22. Juli 2013

Gegen Borussia Dortmund und erst recht gegen den FC Bayern reicht es für den HSV noch nicht, das hat das vergangene Wochenende mehr oder weniger eindrucksvoll bewiesen. Und irgendwie war das ja auch vorher schon klar, auch wenn es in der vergangenen Saison zu zwei Siegen gegen den BVB gereicht hatte. Womit ich schon beim Thema bin. Dortmund war zwei Jahre in Folge Meister, und trotz allem hat dieser Meister gegen den HSV verloren. Bei „Matz ab“ in den Beiträgen der Fans habe ich nun aber gelesen, dass es ja logisch gewesen ist, dass der HSV gegen die Bayern verloren hat, denn: „Da sind Spieler dabei, die kosten 40, 50 oder auch 60 Millionen Euro. Beim HSV kostet der teuerste Mann gerade mal 13 Millionen. Wer da einen HSV-Sieg erwartet hatte, der . . .“ Hat keine Ahnung vom Fußball.

So einfach, ich kann es immer nur wieder sagen, so einfach also kann der Fußball dann doch sein.
Oder etwa doch nicht? Die Dortmunder Mannschaft hatte in der vergangenen Spielzeit sicher auch den einen oder anderen Spieler, der etwas mehr als 13 Millionen Euro gekostet hat – und trotzdem schaffte es der HSV gleich zweimal, die Schwarz-Gelben zu besiegen. Und wenn man nun immer voraussetzt, dass die Mannschaft, deren Spieler teilweise 40, 50 oder gar 60 Millionen Euro kosten, immer jenes Team vom Platz fegt, das nur einen Spieler im Werte von 13 Millionen besitzt – warum spielen wir denn überhaupt noch? Dann sollten die „kleinen“ und „minderbemittelten“ Clubs (wie der HSV) doch die Punkte gleich und stets an die Säbener Straße nach München schicken – per Post. Sind doch sowieso fast alle chancenlos.

Umgekehrt geht es natürlich auch, das ist schon klar. Der HSV besitzt einen Mann, der 13 Millionen kostet, und zum Beispiel besitzt der FC Augsburg nur einen Mann, der nicht mal die Hälfte dieser 13 Millionen kostet. Da ist dann doch auch ganz sicher, wer der Gewinner dieser Partie ist – natürlich der HSV. Alles andere wäre ja ein Witz. Und wir wissen ja auch alle, wie diese Spiele zwischen den „Kleinen“ der Bundesliga und dem „großen“ HSV zuletzt (teilweise) ausgegangen sind . . . Geld regiert den Fußball. Da muss nicht mehr großartig gegeneinander gekickt werden, da nennen sich die Vereine gegenseitig die Etats, die Ablösesummen und die Gehälter seiner Spieler, und schon gehen die Punkte auf Reisen. Alles ganz einfach. Das ist wie bei einem Auto-Quartett zum Beispiel: „Wie viele PS hat deiner?“

Und es war ja auch schon früher ganz einfach: Fußball ist ein Spiel zweier Mannschaften, elf gegen elf, und nach 90 Minuten gewinnen immer die Deutschen. Hat mal ein Engländer erfunden: Gary Lineker. Übertragen auf die Bundesliga heißt das natürlich, dass immer die Bayern gewinnen. Logisch. Die haben ja auch die Spieler, die 40, 50 oder gar 60 Millionen Euro kosten.

Ich finde es aber trotz allem mutig und auch bemerkenswert, wenn sich einige Clubs dennoch aufraffen, um sich mit dem FC Bayern zu messen. Auch wenn es in den meisten Fällen schön auf die Nasen gibt – Versuch macht klug. Und bei elf gegen elf, egal wie teuer, könnte ja auch mal die Tagesform entscheiden, die Laufbereitschaft, die Leidenschaft – das Herz. Und deswegen durfte auch jeder HSV-Fan einmal (ganz kurz) hoffen, dass es gegen diese übermächtigen Bayern vielleicht doch einen Sensations-Sieg geben könnte. Und ganz bestimmt haben auch viele HSV-Fans genau darauf gehofft. Nur im Spiel sah das dann ganz anders aus. Das war dann tatsächlich wie 60 Millionen gegen 13. Die bittere Realität. Aber was schließen wir daraus? Wenn man die Punkte nicht tatsächlich vorher abschicken will, dann muss man mehr investieren. Mehr Laufbereitschaft, mehr Kampf, mehr Leidenschaft – und mehr Herz. Nur so geht es nämlich. Und wenn das eines Tages eine Mannschaft (fast) in Perfektion schafft, dann wird auch der FC Bayern mal wieder verlieren. Wenn man aber vor 40, 50 und 60 Millionen erstarrt, wie hier publiziert, dann sollte man es in der Tat lieber ganz lassen.

Ich aber möchte doch lieber darauf hoffen, dass es auch einer HSV-Mannschaft eines Tages wieder einmal gelingen möge, dass die Tagesform so überragend ist, dass der Kampfgeist stimmt, dass auch die Laufbereitschaft, die Leidenschaft und das Herz zu 100 Prozent da sind, um ein kleines Fußball-Wunder zu schaffen. Dann nämlich könnte es vielleicht doch noch einmal klappen – eines fernen Tages, mit einem Sieg gegen die Bayern. Und wenn alles Gute schon am vergangenen Wochenende beieinander gewesen wäre, dann hätte dieser Tag ja sogar schon jetzt beim Telekom-Cup in Mönchengladbach Geschichte werden können.

Bei der Gelegenheit, weil ich ja auch netterweise immer mal wieder gefragt werde, wie das nun bald mal mit meiner Rente ist. Offiziell ist am 30. November 2013 Schluss für mich, soll heißen, am 1. Dezember 2013 bin ich Rentner. Inoffiziell ist es aber so, dass mein vorläufig letzter Arbeitstag der 13. September 2013 ist. Danach nehme ich meinen Jahresurlaub und einige freie Tage, sodass ich gegen Ende November noch eine kurze Zeit arbeiten werde. Vielen Dank für euer Mitgefühl.

Zurück zum HSV. Da hatte Oliver Kreuzer ja nach dem 0:2 gegen Wacker Innsbruck ordentlich „Alarm“ gemacht. Was mich zu jenem Zeitpunkt schon ein wenig wunderte, hatten doch einige Spieler erst tags zuvor ein einziges Mal trainiert. Gut aber fand ich es trotzdem, das habe ich schon geschrieben, dass der neue Sportchef mal so richtig „auf den Putz gehauen hat“, um den Spielern damit zu signalisieren, dass es nur dann etwas wird, wenn man sich quält und alles abruft. Nun aber habe ich in dieser Hinsicht lange nichts mehr von Oliver Kreuzer gehört und gelesen. Ist sein Bayern-Gen, das Thorsten Fink vor einigen Tagen ja noch bei Kreuzer vermutet hatte, schon nach so kurzer Zeit vollkommen von der Bildfläche verschwunden? Ist er eventuell sogar zurückgepfiffen worden? Von wem auch immer? Das wäre dann jammerschade, denn nach wie vor hielte ich es für vollkommen richtig, schlechte Leistungen auch beim Namen zu nennen. Aber vielleicht kommt das ja noch einmal wieder – in der Bundesliga. Ich werde es mal beobachten.

Ein anderes Thema: Beim Sport-Informations-Dienst erschien heute eine kleine Geschichte von und zu Paul Scharner. Die sieht so aus:

Innenverteidiger Paul Scharner hat erneut eine neue Chance beim HSV eingefordert und seine Situation als „Horror“ bezeichnet. „In Hamburg habe ich das Empfinden, kein Vertrauen und keine reelle Chance bekommen zu haben. Das ist für einen Sportler nicht verkraftbar“, sagte der 33 Jahre alte Österreicher. Ohne diese bekommen zu haben, werde er „nicht freiwillig gehen“, fügte er hinzu. Derzeit laboriert Scharner an einem Muskelfaserriss in der Wade, den er auf seine angeschlagene Psyche zurückführt: „Jede Verletzung hat eine psychische Ursache, und das Gefühl von fehlendem Vertrauen sucht sich ein Ventil. Weshalb sollte das bei Fußballprofis anders sein als bei anderen Berufstätigen?“ In der abgelaufenen Saison war Scharner nach nur vier Kurzeinsätzen für die Hanseaten im Winter auf Leihbasis zu Wigan Athletic gewechselt. Mit dem Premier-League-Club gewann Scharner den FA Cup. Wie Robert Tesche, Gojko Kacar, Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne steht er auf der Streichliste des Sportdirektors Oliver Kreuzer.

Apropos Streichliste. Nicht darauf stand ja der Name Jacopo Sala, aber der Italiener wird wohl dennoch den HSV verlassen. Auf Facebook wurde heute geschrieben, dass der 21-jährige Mittelfeldspieler zum italienischen Erstliga-Aufsteiger Hellas Verona wechseln wird. Dass etwas Wahres an dieser Meldung ist, das hat der HSV inzwischen bestätigt. Fortsetzung folgt. Auf der einen Seite wäre ich nicht traurig, wenn Sala gehen würde, denn er hat sich hier bislang nicht durchsetzen können – und der HSV könnte wieder ein Gehalt einsparen. Auf der anderen Seite würde beim HSV wieder in junger Mann gehen, der einst mit großen Hoffnungen nach Hamburg gelockt worden ist, der dann nicht auf Anhieb „funktionierte“ – und nun wieder geht. Und zwar bevor er es allen zeigen konnte, dass er es doch eigentlich drauf hätte.

Da denke ich dann sofort, nur ein Beispiel, an Reto Ziegler, der 2005 aus England (Tottenham) zum HSV gekommen war, sich nicht durchsetzen konnte, nur acht Bundesliga-Einsätze schaffte – und dann noch Nationalspieler der Schweiz wurde (32 Länderspiele). Und der dazu noch bei so manchem namhaften Club (Sampdoria Genua, Juventus Turin, Fenerbahce Istanbul, Lok Moskau) in Europa unter Vertrag stand. Und dieser Ziegler ist heute erst, das kommt erschwerend hinzu, 27 Jahre alt. Deswegen hätte ich mir schon gewünscht, dass Sala noch geblieben wäre (so er denn tatsächlich gehen sollte). Er selbst aber hat wohl noch weniger an sich geglaubt, als der HSV und die sportlich Verantwortlichen. Ein Aufbäumen gegen das Reservisten-Dasein, den unbändigen Willen, sich durch gute Trainingsleistungen in die Mannschaft zu kämpfen, das habe ich bei dem jungen Italiener nämlich bislang nie gesehen. Im Gegenteil, eine gewisse Phase hatte er sich mit Jeffrey Bruma vereint, und der Niederländer hatte ja ebenfalls recht wenig Biss, um sich ins Team zu kämpfen – beide Reservisten hatten mir schon viel zu zeitig resigniert. Schade drum.

Und irgendwie denke ich, wie bei Ziegler, auch an Tomas Rincon. 25 Jahre jung ist der Mittelfeldmann, immerhin schon seit Januar 2009 beim HSV, aber einen Stammplatz hat er nie bekommen. Auch schade. Weil ich glaube, dass der Venezolaner auf der Sechs ein richtig guter Abräumer wäre. Bei der (letzten?) Südamerika-Meisterschaft wurde Rincon zum besten (oder wertvollsten?) Spieler gewählt, und da frage ich mich schon (lange), warum er es beim HSV nicht schafft? Und ich lande, bei meinen Antwort-Versuchen, immer wieder bei dem Wort „Überangebot“. Für mich hat der HSV einfach viel zu viele Spieler. Quintessenz: Da sieht dann so mancher Trainer den Wald vor lauter Bäumen nicht. Weniger wäre wohl mehr. Und für Rincon eventuell auch hilfreich. Und ich glaube in der Tat, dass ein eher defensiv denkender Sechser, der wie ein Staubsauger vor der Abwehr fungiert, dem HSV ganz gut zu Gesicht stehen würde. Vor jenen Sechsern nämlich, die dort spielen, seit es diese ominöse „Sechs“ gibt, fürchten sich die Gegner nicht unbedingt. Weil diese HSV-Sechser doch eher Leute sind, die ihre Stärken in der Offensive haben: Tolgay Arslan, Milan Badelj, Petr Jiracek.

Aber vielleicht wird ja auch Heiko Westermann ein neuer Sechser. Wenn dann Lasse Sobiech und Johan Djourou in der Innenverteidigung spielen. Könnte ja sein. Wobei ich zu Sobiech heute einen interessanten Anruf hatte. Da wurde mir nämlich gesagt: „Ob diejenigen, die Heiko Westermann aus der Mannschaft haben wollen, tatsächlich die vielen Fehler, die Lasse Sobiech begangen hat, gesehen haben? Ich weiß jedenfalls nur eines: Hätte Westermann diese Fehler gemacht, im Blog hätte es wieder einen Sturm der Entrüstung gegeben. Der aber blieb diesmal aus – war ja Sobiech . . .“ Wie gesagt, so wurde es mir am Telefon gesagt – und ich finde, dass da viel Wahres dran ist. Aber auch diese Entwicklung werden wir alle ja erleben – in den kommenden Wochen.

Ganz kurz noch zum Aktuellen. Heute am Vormittag lief Dennis Diekmeier einige Runden, um sich danach pflegen zu lassen. Muskuläre Probleme im Oberschenkel. Er sagte danach: „Ich bin ganz optimistisch, dass ich morgen wieder mit der Mannschaft trainieren kann. Und vielleicht geht es am Abend ja sogar mit einem Einsatz gegen West Ham United. Das werden wir nach dem Training entscheiden.“
Das Training beginnt an diesem Dienstag am 10 Uhr, am Abend wird dann in Flensburg gegen den englischen Erstliga-Club gespielt (Anstoß 18.45 Uhr).

17.19 Uhr

Was “Calli” Calmund vom neuen HSV hält . . .

23. Juni 2013

Das kann ja heiter werden . . . Der dicke „Calli“, früher Manager von Bayer Leverkusen und auf den Namen Reiner Calmund hörend, hat in der Bild am Sonntag schon mal die Bundesliga 2013/14 durchgetippt. Und siehe da, bei „Calli“ steht der HSV ganz hoch im Kurs. Immerhin zwölf satte Punkte traut er den Hanseaten in der Hinrunde dann doch zu, davon sind zwei Spiele gewonnen und sechs Mal gibt es eine Punkteteilung. Das sieht dann wie folgt aus: Gegen Hoffenheim gibt es ein 1:1, gegen Werder 1:1, gegen Nürnberg 1:1, gegen Stuttgart 0:0, gegen Mönchengladbach 1:1 und gegen Mainz schießt der HSV dann sogar mal zwei Tore, Endstand 2:2. Die HSV-Siege fallen dazu auch ein wenig dürftig aus: 1:0 gegen Eintracht Braunschweig und 1:0 gegen den FC Augsburg. Mein Trost: Es muss ja nicht so kommen . . . Und wenn doch, dann gibt es wenigstens mal eine recht turbulente Mitgliederversammlung im Januar. Das hätte ja auch etwas.

Ansonsten: Bei Hertha BSC trainieren sie schon wieder, die Eintracht ist in Braunschweig schon wieder auf dem Rasen zugange, die Bayern werden am Mittwoch beginnen – und der HSV am Montag (am 1. Juli), also morgen in einer Woche. Gut Ding will Weile haben – fällt mir dazu ein. Aber bis zum Trainingsauftakt wird die Zeit sicherlich noch genutzt, um ein, zwei oder auch drei Neuzugänge unter Vertrag zu nehmen. An diesem Wochenende ist in dieser Hinsicht nichts passiert.

Was nicht heißen soll, dass sich beim HSV auf die faule Haut gelegt worden ist – von Freitag bis Sonntag. Das ist ganz gewiss nicht der Fall, aber es braucht eben alles seine Zeit. Und auch in Sachen „Struktur-Veränderungen“ kann ich versichern, dass da nichts eingeschlafen ist – im Gegenteil. Ernst-Otto Rieckhoff gibt richtig Gas und führt beinahe täglich Gespräche, um diese ganz entscheidende Sache professionell vorzubereiten und auf die Beine zu stellen. Er, Rieckhoff, bleibt am Ball, und ich werde auf Ballhöhe bleiben. Und bin davon weiterhin restlos überzeugt, dass alles gut wird.

So, und dann möchte ich hier heute ganz gerne mal über Fußball schreiben, weil mir zuletzt zu viele Dinge hier hinein gerutscht sind, die hier eigentlich nichts zu suchen haben. Mir geht, nachdem ich nun Spiele der U-20-Weltmeisterschaft gesehen habe und heute auch das A-Jugend-Finale zwischen Hansa Rostock und dem VfL Wolfsburg (1:3 n. Verl.) eine Passage des Golz-Interviews der Vorwoche nicht aus dem Sinn. Da wird Richard Golz auf den HSV-Nachwuchs angesprochen und er sagt: „Mein Lieblingsthema in den vergangenen fünf Jahren war Mentalität. Wir trainieren alles Mögliche, bieten Individualtraining an. Aber das, was am Wichtigsten ist, trainieren wir fast am Wenigsten: den Kopf. Wenn du besser sein willst auf die anderen, musst du viel mehr Wert auf Mentalität legen. Da ist noch viel rauszuholen.“ Mein Kollege Alexander Laux und ich entgegneten: „Der HSV hatte doch einen Psychologen angestellt . . .“ Golz antwortete: „Einstellen alleine reicht nicht, man muss ihn auch einbinden und ihm die Chance zur Mitarbeit geben. Sein Vertrag wurde ja jetzt auch nicht verlängert.“

Dazu möchte ich zweierlei Dinge anmerken. Erstens ist es sicherlich richtig, dass auf diesem Gebiet noch „viel rauszuholen“ ist, dass dieses Thema aber von den meisten Trainern heute immer noch unterschätzt wird. Und weil das so ist, ist es zweitens so, dass die Vereine zwar gelegentlich einen Psychologen einstellen, aber die jeweiligen Trainer verzichten so gut wie immer auf eine erfüllende Zusammenarbeit. Weil sie sich, das habe ich so oft gehört, „nicht von einem Außenstehenden in die Mannschaft reinreden“ lassen wollen, und weil sie glauben, dass sie selbst Psychologe genug sind, um solche Fälle auf eigene Faust (und eigenem Muster) lösen zu können. Und irgendwie war es früher, als diese Trainer noch als Spieler „unterwegs“ waren, ja auch so, dass die „psychologische Arbeit“ von jedem Trainer „mitgemacht“ wurde.

Wobei ich festgestellt habe, dass die Trainer früher – egal in welcher Spielklasse auch immer – viel mehr mit „ihren Jungs“ gesprochen haben, dass sie sich viel mehr um die Sorgen, Nöte, Form und die Einstellung ihre Spieler gekümmert haben. Mein Eindruck ist der, dass damals (oder vor einiger Zeit) die Trainer viel häufiger auch „Hobby-Psychologen“ waren. Heute ist ein jeder, ob nun Spieler oder Trainer, in erster Linie erst einmal ein Profi, und dieser hat erstens ganz professionell zu tun (und zu lassen), was vom Verein (Trainer) vorgegeben wird. Und zweitens steht man als Profi ohnehin über den Dingen und weiß genau, wie der Hase zu laufen hat. Da gehört es längst nicht mehr zum Alltag, dass eigene Schwächen gebeichtet werden, dass über Schwächen oder Sorgen gesprochen wird. Schon gar nicht mit dem Vorgesetzten.

Dabei gab es auch beim HSV schon Profis, die psychologische Hilfe, die vom Verein angeboten wurde, in Anspruch genommen haben. Die Trainer wussten davon und billigten es (wenn auch die meisten höchst ungern), und dazu geschahen solche Gespräche immer auch absolut anonym. Dass es den Spielern etwas gebracht hätte, das wüsste ich allerdings nicht. Und deswegen denke ich auch, dass da noch sehr viel an der Einsicht vor allen Dingen der Trainer getan werden muss, dass da noch viele Barrieren (und auch Berührungsängste) abgebaut werden müssen, um eine wirklich professionelle psychologische Zusammenarbeit zu ermöglichen. Die dann kein Alibi (mehr) ist, sondern auch tatsächlich eine Hilfe für den Spieler, die Mannschaft und somit auch für den Verein. Ich denke aber genau wie Richard Golz, dass auf diesem vom Profi-Fußball (in Hamburg?) bislang recht stiefmütterlich behandelten Gebiet noch viel mehr rauszuholen wäre. Man muss es nur wollen. Und wohl in erster Linie auch erkennen, dass da noch viele möglich ist.

So, und dann habe ich mir mal Gedanken um die Spieler gemacht, die jetzt (und demnächst) von Oliver Kreuzer verpflichtet werden – und somit als Soforthilfe für den HSV einzustufen sind. Wie jedes Jahr dominiert bei jedem (HSV-)Einkauf die Hoffnung. Und wie oft wurden wir alle enttäuscht, maßlos enttäuscht mitunter. Und ich habe mir mal eine Liste gebastelt, die ihr dann ja mal mit euren HSV-Enttäuschungen vergleichen könntet. Wo liegen wir auf einer Linie, wo setzt ihr andere Prioritäten – wen habt ihr noch zusätzlich auf dem Zettel. Wobei ich in drei Kategorien unterscheiden möchte:

Total-Flops, Enttäuschungen und Missverständnisse.

Letztere „Abteilung“ möchte ich gleich zu Beginn anführen, denn da habe ich im Grunde nur drei Namen anzubieten:

Marek Saganowski (kam 1996 von Feyenoord Rotterdam), brachte es nur auf drei Bundesliga-Spiele für den HSV und verschwand nach Polen. Später wurde er nicht nur Nationalspieler seines Landes, sondern auch Kapitän der Nationalmannschaft. Zweiter Name in dieser Kategorie ist Reto Ziegler, 2005 von Tottenham Hotspur gekommen, schaffte acht Bundesliga-Einsätze, ging zu Wigan Athletic und später zu Sampdoria Genua, Juventus Turin und spielt jetzt für Fenerbahce Istanbul. Für die Schweiz bring er es bislang auf 32 Länderspiele. Und noch ein Name fällt mir dazu ein: Vadis Odjidja-Ofoe, vom RSC Anderlecht gekommen, zwei Bundesliga-Einsätze – und weg. Der Mittelfeldspieler wurde in Belgien noch Nationalspieler und spielt heute beim FC Brügge.

Dann komme ich zu meinen Total-Flops. Der größte Flop steht an erster Stelle, der zweite auf zwei – usw. Meine Top-Ten:

1.) Ailton. Der „Kugelblitz“ kam 2006 von Besiktas Istanbul und führte sich auf wie eine Diva. Dabei war er nur (trainigs-)faul, dick und unantastbar, er war nur im Kassieren eine Eins. Deswegen eine glatte Sechs für den Klops, der dem HSV Millionen gekostet hat – auch wegen des Fehlschusses gegen Werder Bremen.

2.) Martin Dahlin. Der Schwede kam 1998 von den Blackburn Rovers und alle in Hamburg hatten sofort den Verdacht: „Das ist nur der untalentierte Zwillingsbruder des ehemaligen Mönchengladbachers Martin Dahlin.“ Er lief und trabte nur wie ein Freizeit-Fußballer über den Platz.

3.) Mladen Pralija. Ersetzte 1987 den geschassten Uli Stein – er sollte ihn ersetzen. Erwies sich als absolut untauglich für die Bundesliga, und die erste Amtshandlung des neuen HSV-Trainers Willi Reimann war die: Pralija wurde vor die Tür gesetzt. Und womit? Mit recht.

4.) Juan Pablo Sorin. Der Weltmeister aus Argentinien. Welch ein klangvoller Name, und welch eine jämmerliche Attrappe steckte dahinter! Kam als Dauerverletzter und blieb eigentlich immer ein Dauerverletzter. Ganz erbärmlich, dieser Transfer – gewiss keine Ruhmestat des HSV.

5.) Albert Streit. Der Rumäne kam 2009 auf Leihbasis vom FC Schalke 04 und brachte es für den HSV auf zehn Bundesliga und zwei Regionalliga-Einsätze. Der gute Mann hätte als Fußballer eigentlich alles gehabt – nur der Kopf machte nicht mit. Kam als Außenseiter und blieb ein absoluter Außenseiter, der gar nicht wollte.

6.) Niclas Kindvall. Der Schwede wurde 1994 per Video verpflichtet. Auf diesem Videoband waren alle Liga-Tore von Kinvall zu sehen und zu bewundern – und das taten die Herren des HSV dann auch: gekauft der Mann. Eher das „Männlein“. Brachte hier kein Bein auf den Boden und blieb ein bemitleidenswerter Mitläufer.

7.) Mark McGhee. Wurde 1984 von Günter Netzer verpflichtet, und als der HSV-Manager zum Flughafen fuhr (um McGhee in Empfang zu nehmen), soll er sich gewundert haben. Ein Gerücht besagte danach, dass Netzer eigentlich einen ganz anderen Schotten verpflichten wollte – und genau das wäre auch besser gewesen. McGhee tänzelte durch die Strafräume der Bundesliga, sorgte eher für Lacher denn für Schrecken beim Gegner.

8.) Vanja Grubac. Wurde 1998 von Frank Pagelsdorf als Torjäger zum HSV geholt – und entpuppte sich als Niete. Elf Spiele, zwei Tore in fast drei Jahren – das ist dann doch eher keine Bilanz.

9.) Alexander Curtianu. Wurde 1998 aus St. Petersburg geholt, nachdem er der deutschen Nationalmannschaft in Moldawien kurz zuvor Knoten in die Beine gespielt hatte. Nach diesem begeisternden Auftritt in Chisinau hätte, das muss ich zugeben, Curtiano auch verpflichtet, aber es muss das Spiel seines Lebens gewesen sein – nie wieder erreichte er auch nur annähernd eine solche Form.

10.) Martin Zafirov. Ein Bundesliga-Einsatz. Eingewechselt am 6. August 1997 beim Spiel in Wolfsburg, der Bulgare kam nach der Halbzeit für Markus Schopp und flog in der 87. Minute, nachdem er bis dahin nichts, aber auch wirklich nichts gezeigt hatte, mit Rot vom Platz. Kurios: Zafirov wurde von Trainer Pagelsdorf geholt, obwohl genau dieser Zafirov ein Jahr zuvor noch bei einem Probetraining der Zweiten Mannschaft des HSV (Trainer Gerd-Volker Schock) durchgefallen war! Es eben alles Ansichtssache. Nach dem Auftritt in Wolfsburg war für Zafirov Abpfiff, er spielte nie wieder für den HSV.

So, dass waren meine Voll-Flops, allerbeste Chancen auf Platz elf in dieser Liste hätten folgende Herren:

Andreas Mate (kam 1964), Elmar May (1966), Volker Danner (1973), Buca (1979), Wolfram Wuttke, Dieter Schatzschneider (beide 1983), Sergio Zarate (1994), Christian Claaßen (1995), Jakob Friis-Hansen (1996), Jens Dowe (1996), Pawel Wojtala (1996), Sascha Ilic (1997), Michael Molata (1997), Joe Simunic (1997), Rasoul Khatibi (1999), Jörg Albertz (kam 2001 aus Glasgow zurück), Kim Christensen (2001), Rene Schneider (2001), Michael Bauer (2002), Vyacheslav Hleb (2003), Almali da Silva Moreira, Jean Carlos Donde, Charles Takyi (alle 2004). Daniel Ziebig (2005), Danijel Ljuboja, Boubacar Sanogo (beide 2006), Khalid Sinouh, Alex Silva, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng, Michael Gravgaard, Macauley Chrisantus (alle 2008), Marcus Berg (2009), Lennard Sowah (2010) sowie Paul Scharner, der 2012 kam, verletzt war, vom Platz flog – und sich ausleihen ließ. Nun kommt er wohl wieder – jeder hat eine zweite Chance verdient.

Wie gesagt, das sind meine „Favoriten“, sicher habe ich den einen oder anderen „Kandidaten“ vergessen – und ihr werdet vielleicht (oder ganz sicher) andere haben. Vielleicht teilt ihr sie dann ja mal mit.

PS: Könnte gut sein, das Jacques Zoua vom FC Basel morgen nach Hamburg reisen wird. Was sich daraus entwickelt? Mal abwarten.

17.59 Uhr

Deutsch-dänische Blamagen

26. Mai 2012

„Herrlich! Mal ehrlich, das hat doch etwas von einer Weltmeisterschaft, oder?“ HSV-Vorstandsmitglied Joachim Hilke war ganz begeistert von der Atmosphäre im Volkspark. International war es, die Farbe Rot war beherrschen, mit ein wenig Gelb abgesetzt: Dänemark gegen Brasilien. So Rot war das Stadion noch nie. Wahrscheinlich. Aber: Endlich wieder einmal großer und richtiger Fußball in Hamburg, es war einfach nur herrlich. Besonders die weiblichen Fans waren eine Augenweide, speziell natürlich die Damen aus Südamerika. Und dazu dann der Fußball – das hatte schon was. Obwohl mein Freund „Dicki“ mir mit auf den Weg in die Arena gab: „Pass bloß auf, dass die Brasilianer nicht zu gut spielen, denn sonst wissen ja die HSV-Fans, wie richtig guter Fußball aussieht.“

Egal, die Werbung für Hamburg war auf jeden Fall schon mal weltmeisterlich. Von den 40 000 Dänen, die über die A 7 angerollt kamen, könnten sich ja eventuell ein Drittel in die wunderschöne Arena an der Elbe verliebt haben – und kommen dann zur Bundesliga wieder. Vielleicht. Und so ganz nebenbei bekommt der HSV für diese Partie ja auch ein wenig Kleingeld in die leere Kasse: 500 000 Euro. Könnte ja eine kleine Anzahlung für – sagen wir mal – einen Rafael van der Vaart sein. Könnte. Zum Beispiel

Der Rasen top, die Fans friedlich und bestens gelaunt (wenn auch der eine oder andere Däne das Spiel vor dem Stadion auf dem Rasen verschlief – „leicht“, nur ganz „leicht“ alkoholisiert), la Ola (die Welle), das Wetter wie zu herrlichsten WM-Zeiten 2006 – Fußballherz, was willst du mehr?

Nun ja, vielleicht hätte eine etwas bessere dänische Mannschaft zu diesem Sonnabend und vor allem zu diesem Spiel auch ganz gut gepasst. Das war ja erschreckend, jedenfalls eine Halbzeit lang. Sommer-Fußball, was der nördliche Nachbar spielte. Ohne Abwehr, ohne Mittelfeld, ohne Sturm. Und noch einmal ohne Abwehr. Und völlig ohne Tempo. So sollte Dänemark mal bei dieser EM gegen Deutschland auftreten. Werden sie wohl nicht, aber dieser Auftritt wird so manchem Dänen doch zu denken geben. 3:0 stand es zur Halbzeit, 3:0. So deutlich einseitig verlief auch diese Partie. Die Brasilianer waren alle perfekt am Ball (außer Torwart Jefferson, der kam mir wie ein Schmetterlings-Fänger vor!), sie hatten Lust, sie waren alle schnell und hatten Ideen – das war traumhaft. Dafür, dass Brasilien erst für die WM 2014 im eigenen Lande eine neue Mannschaft aufbauen will, war das schon sehenswert – und enorm unterhaltsam. Hulk vom FC Porto schoss im ersten Durchgang zwei Tore, hinzu kam ein Eigentor des Dänen Zimling. Ziemlich bitter gelaufen, wobei sich der frühere Bundesliga-Spieler Poulsen beim 2:0 den Ball abluchsen ließ, und beim 3:0 Agger. Und beim 1:0 ließ Torwart Sörensen den Schuss von Hulk durch die Hosenträger ins Netz fliegen. Das sah schon alles sehr amateurhaft aus – hoffentlich lassen sich die Deutschen davon einlullen. Nimmt man dieses Spiel als Grundlage für eine EM-Partie, könnten man als Löw-Schützling leicht überheblich werden . . .

„3:0 zur Pause für die Heimmannschaft, das hatten wir auch lange nicht mehr“, sagte Lotto King Karl, der gemeinsam mit Dirk Dröge durch das Programm dieses Nachmittags führte. Immerhin aber hatten die Dänen etwas auf Lager, was auch dem HSV gut zu Gesicht stehen würde: Als der Dänen-Torwart Sörensen in der Anfangsphase verletzt war, kam ein „Mediziner“ zu ihm ans und hinter das Tor, hörte sich die Sorgen des Keepers an – und sofort signalisierte der Mediziner per Funk (!) zur Bank, wie schwer diese Verletzung ist. Der Torwart musste wenig später ausgewechselt werden. Aber das war schon neu. So etwas habe ich in der Bundesliga noch nie gesehen, aber ist schnell, effektiver und einfach nur profihaft. Denn sofort nach dem Signal machte sich der zweite Keeper warm . . . Wieder was gelernt.

Was zudem festgehalten werden muss: Das Beste an Dänemark waren an diesem Bilderbuch-Nachmittag die Fans. Die machten erst Stimmung, dann waren sie nach dem 0:2 kaum noch zu hören und zu sehen, doch als sie den Schock verdaut hatten, waren sie voll wieder da: „Danmark, Danmark, Danmark!“ Konnte sich sehen und hören lassen. Trotz der Tatsache, dass sie nach dem Halbzeitpfiff des guten Münchner Schiedsrichter Dr. Felix Brych (unser Mann für die Olympischen Spiele in London) ein riesiges Pfeifkonzert veranstalteten. Aber watt mutt, datt mutt.

Und von den Brasilianer habe ich gelernt, dass es am Zuckerhut tatsächlich doch noch bessere Fußballer gibt, als Thiago Neves und Alex Silva gibt. Die hatte sich der HSV ja einst zu eigen gemacht, aber besser wäre es wohl gewesen, die richtig guten Brasilianer nach Hamburg zu holen – und nicht die dritte Wahl.

Apropos: Bei den Dänen spielte Christian Eriksen mit, der Ajax-Spieler wird ja als großes Talent und als kommender Mann im europäischen Fußball gepriesen, aber so richtig viel war davon in Hamburg nicht zu sehen. Vielleicht lag es ja daran, dass die dänische Truppe allgemein zu schwach war.

Dass das Spiel in der zweiten Halbzeit verflachte, das lag wohl daran, dass die Brasilianer nicht mehr wollten, und die Dänen noch immer nicht richtig konnten. Daran konnte auch das Ehrentor nichts ändern, denn das war irregulär. Bendtner stand bei seinem Abstaubertor im Abseits (71.), aber die Brasilianer reklamierten nicht einmal. Die zweite Halbzeit war dennoch eine Klasse schlechter als die erste.

Egal, denn dann gab es Schweiz gegen Deutschland. Bayern-frei. Und obwohl die deutsche Mannschaft schwungvoll startete, so war das doch eine Enttäuschung, diese Vorstellung der Löw-Bubis. Ein leichtes Training unter Wettkampfbedingungen. Ähnlich wie Dänemark. Deutschland verlor 3:5. Wie einst, 1954, als es ein 3:8 in der Schweiz gegen Ungarn gab.

Alles halb so wild, und wahrscheinlich werden beide Trainer, sowohl Morton Olsen als auch Jogi Löw, unisono sagen: „Wenn wir heute schon in EM-Form wären, dann hätten wir ganz sicher etwas falsch gemacht – nein, nein, wir bemühen uns selbstverständlich um eine Punktlandung zur EM.“ Natürlich, klar Trainer, sowieso. Wobei ja wohl allen klar wie Kloßbrühe sein dürfte, dass diese deutsche Mannschaft ohnehin kein zweites Mal in dieser Formation antreten wird.

Dennoch tat es schon weh, wie diese Gegentore fielen. Beim 1:0 der Schweiz schlief die rechte Abwehrseite, Höwedes lief hinterher, in der Mitte standen Hummels und Schmelzer schlecht – der (Ex-)Leverkusener Derdiyok traf nach Belieben (21.). Und in der 23. Minute traf Derdiyok nochmals. Weite Flanke aus der linke Halbposition, Mertesacker steht schlecht, Dortmunds Schmelzer (der „Ersatzmann“ für unseren Dennis Aogo!) kommt zu spät, und Torwart-Debütant Marc-Andre ter Stegen (Mönchengladbach) blieb auf „halber Höhe Vanilla“ etwas verkümmert stehen – Kopfball, Tor, 2:0 für die Eidgenossen. Immerhin: Hummels verkürzte Sekunden vor der Pause per Kopf auf 1:2 – Pause.

Und nach dem Seitenwechsel gleich 3:1. Derdiyok? Oder der Fast-Hamburger Xhaka mit dem Arm? Wie auch immer, die deutsche Abwehr nahm dänische Züge an – nicht vorhanden. Dabei wäre Mertesacker, der Funkturm, eigentlich prädestiniert, per Kopf dahinten aufzuräumen – aber der Arsenal-Profi machte es nicht. Dafür hatte er wieder einen und seinen obligatorischen „Roller“ im Repertoire. Und der geht so: Wenn Mertesacker viel Zeit und viel Platz hat, dann guckt er wie ein Spielmacher und streichelt den Ball mit der Sohle still vor sich hin – bevor er ihn nach vorne spielt. Das hat einst Franz Beckenbauer so gemacht, aber dem hat man das auch immer abgenommen, nur Mertesacker? Schuster, bleib bei deinen Leisten. Köpfen wäre besser. Und noch besser wäre köpfen, wenn gegnerische Standards in den deutschen Strafraum segeln. Aber gut, Jogi Löw wird es registriert haben.

Wie natürlich auch das Tor zum 2:3. Ein Weitschuss von Schürlle, Benaglio spring (absichtlich? Nein, ein Scherz!)) zur Seite, Tor (63.). Aber ter Stegen wollte das nicht auf sich sitzen lassen, auch er kann Torwartfehler – 2:4 per Kopf von Lichtseiner. Eindeutig ging dieser Treffer auf das Konto des deutschen Torhüters. Und auch Schmelzer sah wieder alles andere als gut dabei aus – aber Aogo ist jetzt im Urlaub.

Um noch einmal auf das Wort Torwartfehler zurückzukommen. Wolfsburgs Benaglio legte dem (Ex-)Mönchengladbacher Reus das 3:4 vor (73.). In der 76. Minute dann endlich mal wieder ein schöner Freistoßtrick. Allerdings der Schweizer. Ist mir rätselhaft, warum das erstens Deutschland nie schafft, und zweitens auch keine (oder kaum eine) deutsche Profi-Vereinsmannschaft. Die haben alle keine Zeit, so etwas ein zu studieren . . . Erst traf der frühere HSV-Spieler Reto Ziegler (der hier nie zum Zuge kam!) den Pfosten, und dann staubte Mehmedi zum 5:3 ab. Es handelte sich bei diesem Treffen in Basel aber nicht um ein Handballspiel. Und die Deutschen kamen ja immerhin direkt aus einem knallharten Trainingslager aus Südfrankreich. Erst die Anforderungen im täglichen Training, dann die Reisestrapazen – da muss man schon Mitleid haben. Aber, wie geschrieben, es geht hier ja um die Löwsche Punktlandung.

So, das war der Fußball-Tag heute, gleich geht es mit „Matz ab live“ weiter, „Scholle“ und ich haben zwei Kollegen zu Gast: Lars Pegelow vom NDR 90.3 und unseren „verlorenen Sohn“, Christian Pletz, der einst von „Matz ab“ (und natürlich dem Hamburger Abendblatt) zu Red Bull Salzburg gewechselt ist. Also bis gleich.

PS: Ich werde zu Beginn eine kleine Frage stellen – ich habe noch ein HSV-Trikot im Schrank, das derjenige erhält, der die richtige Antwort zuerst in den „Matz-ab-Blog“ schreibt.

19.48 Uhr

Wie es mit vielen HSV-Talenten lief

29. Mai 2011

Der HSV kommt englisch. Jedenfalls dann, wenn man den Gerüchten glauben soll. Demnach bringt Sportchef Frank Arnesen ja einige Talente von der Insel mit nach Hamburg. Da kommt doch Vorfreude auf, oder? Ich muss gestehen: nein. Ich warte nicht nur auf diese Vorfreude, ich warte auch erst einmal ab. Ich warte darauf was da kommt, wer da kommt, was derjenige schon in seiner noch kurzen Karriere erreicht hat, was über ihn gesagt wird. Zu oft wurde ich in der Vergangenheit enttäuscht. Was hat der HSV nicht schon alles an Talenten verpflichtet. Und was haben die Zeitungen, jawohl, ich gebe es zu, auch ich, nicht alles in die eine oder andere Verpflichtung hineininterpretiert. Wenn ich nur mal an den Namen Macauley Chrisantus erinnere. Dem wurden damals wahre Wunderdinge nachgesagt, der würde die Bundesliga in Grund und Boden schießen – und den HSV zur Meisterschaft. Und vieles mehr. Doch daraus ist bis heute nichts geworden. Und so recht mag ich auch nicht mehr daran glauben, dass das noch eines Tages mal etwas wird.

Um noch einmal vom Thema abzuschweifen: Wenn man so vorm Fernseher sitzt und sih Barcelona gegen Manchester United ansieht, dann denkt man ja auch ab und an mal an den HSV. Man vergleicht beide Mannschaften natürlich nicht mit dem HSV, aber man denkt schon daran, warum der HSV nicht wenigstens mal einen Hauch von Champions League spielt? Nicht einmal den kleinsten Hauch davon sehen wir doch über das ganze Jahr gesehen, und das ist schon jammerschade.

Um mal direkt auf diesen Abend zu kommen: Erst waren Frau M. und ich bei Lotto King Karl, dann habe ich mir die Aufzeichnung von Barca gegen ManU angesehen. Und geschwärmt. Mein Freund Bert sagt ja, dass war das beste Fußballspiel, das er je gesehen hat. Man ist mit solchen Superlativen ja manchmal recht unvorsichtig, aber er mag richtig liegen. Für sich – und für mich. Ihr habt ja schon alles gesagt dazu, aber ich möchte noch einmal den kleinen Messi hervorheben. Unglaublich, was ist das nur für ein Über-Fußballer! Wenn ich es nicht schon vor Wochen geschrieben hätte, dass dieser Argentinier noch besser ist als die bislang beiden Größten, nämlich Pele und Maradona, dann müsste ich es spätestens jetzt machen. Unfassbar! Gigantisch, dieser Mann, einfach gigantisch. Und mit dem darf sich nun bald unser Piotr Trochowski messen . . . Nein, nein, nicht gleich aufstöhnen oder aufschreien, das war nur ein kleiner Scherz am Rande.

Beim FC Barcelona frage ich mich, wer diese Mannschaft schlagen soll? Weit und breit ist keine zu sehen. Und wenn ich daran denke, dass ManU so deutlich unterlegen war, zuvor aber Schalke in Gelsenkirchen aus dem Stadion gefegt hatte, dann kann man schon nachdenklich werden. Schalke erhielt ja in Deutschland eine Vorführung, die noch schlimmer war, als die ManU nun von Barca erteilt bekam. Quervergleiche sollte man im Fußball zwar nie anstellen, aber Zufall sind solche Spiele und solche Unterschiede ganz sicherlich nicht. Noch einmal zurück, wer Barca schlagen sollte? Das dachten die Experten und die Fans weltweit ja auch damals, in den 60er-Jahren, von Real Madrid (mit Puskas, Di Stefano, Santamaria, Gento). Und dann kam Benfica Lissabon mit den überragenden Leuten wie Eusebio, Coluna, Aguas und Simoes. Doch alles hat seine Zeit, irgendwann, Jahre, Jahre später, mischten auch die Bayern mit. Und ein, zwei Mal auch der HSV.

Wobei ich wieder beim deutschen Fußball bin. Wie sieht es eigentlich in den letzten Jahrzehnten mit den deutschen Erfolgen im Welt-Fußball aus? Die Deutsche Presse-Agentur hat dazu folgende Aufstellung veröffentlich, die zum Nachdenken anregt. Irgendwie passen, so habe ich bei mir gedacht, als ich das so komprimiert vor die Augen bekam, die überragenden Zuschauerzahlen, die die Bundesliga gegenüber den anderen Ländern hat, nicht so recht mit den Leistungen zusammen. Hier könnt Ihr es nachvollziehen:

Deutsche Titel-Durststrecke im Fußball

Bundestrainer Joachim Löw sehnt ein Ende der titellosen Jahre im deutschen Fußball herbei. Die Nationalelf wartet seit dem EM-Triumph 1996 auf einen Turniersieg. Zwei Endspiele wurden seitdem bei großen Turnieren erreicht und verloren, das letzte unter Löw bei der Europameisterschaft 2008 gegen Spanien. Auch im Klub-Fußball liegt der letzte Erfolg einer Bundesliga-Mannschaft im Europapokal inzwischen ein Jahrzehnt zurück: 2001 gewann der FC Bayern München die Champions League.

Letzter Titelgewinn der deutschen Nationalmannschaft:
EM 1996: Deutschland – Tschechien 2:1 i. V. (Golden Goal)

Verlorene Turnier-Endspiele seit dem letzten Titel:
WM 2002: Deutschland – Brasilien 0:2
EM 2008: Deutschland – Spanien 0:1

Letzter Titelgewinn eines deutschen Klubs im Europapokal:
Champions League 2001: Bayern München – FC Valencia 1:1 – 5:4 i. E.

Verlorene Endspiele seit dem letzten Titel:
Champions League 2002: Bayer Leverkusen – Real Madrid 1:2
Uefa-Cup 2002: Borussia Dortmund – Feyenoord Rotterdam 2:3
Uefa-Cup 2009: Werder Bremen – Schachtjor Donezk 1:2 n. V.
Champions League 2010: Bayern München – Inter Mailand 0:2.

So, und nun zurück zum HSV. Und zu den Talenten. Nicht jene, die nun kommen sollen, sondern die, die sich hier in Hamburg vergeblich versuchten. Oder sich gar nicht erst versuchen durften. Weil ihnen nie eine richtige Cahnce eingeräumt wurde. Wenn ich so im Jahre 2000 beginne, dann sind da Namen dabei, die klangvoll und vielversprechend waren. Marcel Ketelaer kam damals, und ich schrieb im Abendblatt, dass der Flügelflitzer der nächste Nationalspieler des HSV werden würde. Denkste! Ein Jahr später war ein Stürmer namens Kim Christensen dabei. Für mich endlich einmal Talent, das seinen Weg machen würde. Denkste! Vier Einsätze in der ersten Saison, acht in der zweiten – Abgang nach Holland (Twente). Heute kickt dieser Christensen bei Hellerup IK in der Zweiten Liga Dänemarks, sein Marktwert: 50 000 Euro. Ein Schnäppchen.

Ein Verteidiger namens Stephan Kling kam 2002 von den Bayern-Amateuren. Galt als großes Talent. Er spielt heute für die Sportfreunde Lotte, Marktwert: 100 000 Euro – immerhin noch. 2003 dann die große Nachwuchs-Revolution beim HSV, denn mit Bröcker, Laas, Dogan, Sen und Leschinski stießen gleich fünf Talente zum Profi-Kader. Wo sind sie geblieben? Mustafa Kucukovic kam 2004 vom VfL Bochum, mit ihm Oliver Hampel (Hertha BSC). Beides Jugend-Nationalspieler. 2005 kam Rouwen Hennings (heute St. Pauli) nach oben, kam dort aber nie richtig an. Dazu noch Benny Feilhaber. Dem eilte fast schon ein ganz hervorragender Ruf voraus, er galt als „Welt-Talent“, dennoch setzte er sich in Hamburg nie durch. Später wurde er Stammspieler in der amerikanischen Nationalmannschaft, spielte bei der WM 2002 auch gegen Deutschland. So kann es gehen. Oder Reto Ziegler. Der Schweizer, längst Nationalspieler, wurde aus England (Tottenham) geholt, schaffte gerade mal acht Einsätze – und verschwand wieder. Später kickte er in vielen Spitzenklubs, zuletzt bei Sampdoria Genua, nun wechselt er zu Juventus Turin. In Hamburg aber: durchgefallen!

2006 kam Sidney Sam von den eigenen Amateuren, schaffte aber in seinem ersten Jahr keinen Bundesliga-Einsatz. Heute stürmt er für Bayer Leverkusen und sorgt für viel Verdruss bei den HSV-Fans. Ein Jahr später kam Jerome Boateng – endlich einmal ein Kracher (!), der Berliner wurde Stamm- und dann Nationalspieler. Jetzt allerdings spielt er schon lange nicht mehr für den HSV. Mit Boateng kam damals Anton Putsilo, der heute unter seinem richtigen Namen Putsila beim SC Freiburg Stammspieler ist. In Hamburg brachte der Mittelfeldspieler kein Bein vor das andere, obwohl er Nationalspieler Weißrusslands war und ist. Dass er hier durchfiel – ich kann es bis heute nicht nachvollziehen. Ähnlich ging es mit Vadis Odjidja-Ofoe. Der belgische U-21-Nationalspieler war nicht einmal ein Mitläufer in Hamburg, spielt heute, im Alter von erst 22 Jahren (!), in der A-Nationalmannschaft und für den FC Brügge, sein Marktwert inzwischen: 4,5 Millionen Euro. Beim HSV aber war er chancenlos, obwohl er einst mit einem großen Tam-tam geholt worden war.

Eric-Maxim Choupo-Moting kam und wurde gleich gefeiert, bekam aber nie so richtig einen Fuß in die Mannschaft – was ich aber durchaus nachvollziehen kann. Namen wie Mario Fillinger, Timo Kunert, Kai-Fabian Schulz, Christian Groß, Hanno Behrens, Miroslav Stepanek, Maximilian Beister, Tunay Torun, Tolgay Arslan, Muhamed Besic und Lennard Sowah und andere wurden im Zusammenhang mit den „Begriffen“ Talent und Bundesliga gebracht, konnten oder durften aber bis heute nicht beweisen, dass sie es auch auf Dauer in der Ersten Liga „bringen“. Fortsetzung folgt. Hoffentlich aber nicht mit jenen Namen, die nun Frank Arnesen mit von der Insel an die Elbe bringen wird. Hoffentlich.

Die Frage, die sich mir bei all diesen Namen stellt, ist die: „Wieso?“ Einige sind dramatisch kläglich gescheitert, einige haben es woanders bewiesen, dass sie doch etwas können – aber es waren doch nicht nur Nichtskönner, die sich hier mit der Raute auf der Brust versuchten. Also muss es andere Gründe für dieses kollektive Scheitern geben. Ein Grund (für ich, nur für mich) ist ja der, dass viele junge Spieler hierher geholt werden, sich dann aber zu oft allein überlassen sind. Solche Jungs vereinsamen dann in der tat in der Großstadt Hamburg. Obwohl ich zugeben muss, dass der HSV in Sachen Betreuung in den letzten Jahren deutlich besser geworden ist. Allerdings weiß ich nicht, ob es ausreichend genug geworden ist.

Und ein zweiter Grund ist auch, dass sich die meisten Stammspieler natürlich nicht freuen, wenn ihnen junge Kräfte ihre Plätze abspenstig machen wollen. Da wird im Training schon mal kräftig gegen ein Talent zugelangt, und oft sind die jungen Spieler auch nur eine unwesentliche Randerscheinung, die von den älteren Semestern nicht für „voll“ genommen werden. Und solche zu „Mauerblümchen“ abgestempelten Jungs haben es dann doppelt schwer. Beispiel Heung Min Son. Der wurde von Ruud van Nistelrooy in der vergangenen Saison wie ein Sohn „gepflegt“, aber das ist wirklich die absolute Ausnahme. Im Grunde genommen gilt für einen jungen Spieler im Profi-Bereich: „Friss, Tiger, oder stirb.“ Und die meisten „sterben“ eben beim HSV. Aber vielleicht wird das jetzt unter Michael Oenning und Frank Arnesen ja (endlich) einmal anders.

So, schon wieder zu lang geworden, aber einen Satz zu Marcell Jansen noch kurz. Die Bild berichtete, dass er die schonungslose Wahrheit über seine sportliche Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw gehört hätte. Jansen begrüßte diese offenen „Jogi“-Sätze – natürlich. Was soll er auch anderes sagen? Für mich wäre es aber auch wichtig gewesen, wenn ein Hamburger, nur ein einziger Hamburger, auch einmal ähnliche Sätze mit Jansen gesprochen hätte. Hier wäre es auch längst einmal angebracht gewesen. Aber vielleicht kommt das ja noch. Jetzt, wo der „Jogi“ vorgelegt hat.

Ein schönes Rest-Wochenende noch für Euch, und auch einen guten Start in die neue Woche. Am Montag übernimmt „Scholle“ für einige Tage, die mir freigegeben wurden (ganz normal frei).

16.06 Uhr

Der “Fall Ballack” spitzt sich zu

16. Juni 2010

Der größte Trumpf in der Pokerrunde mit Michael Ballack heißt Hamburg. Die Stadt. Die Alster, die Elbe, der Hafen, das Tor zur Welt – die liebenswürdigen Menschen hier. Davon bin ich fest überzeugt. Ich habe ja die Vermutung und auch die leise Hoffnung, dass der HSV den „Fall Ballack“ bewusst ein bisschen herunterspielt, um noch keine Euphorie aufkommen zu lassen. Irgendwie „sagt“ mir mein Bauch, dass da schon mehr dran ist, als wir ahnen, ohnehin als wir wissen. Und so lange der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft noch bei keinem anderen Klub zugesagt hat, so lange denke ich: Ballack wird Hamburger.

Die Sache mit der Immobilie. Es geschah im November, als Michael Ballack in Hamburg war, um sich mit der Firma Engel&Völkers über eine Wohnung (meines Wissens, und kein Haus) zu unterhalten, zu verhandeln. Einen Tag vor der Beerdigung von Nationaltorwart Robert Enke saßen Ballack und der Engel&Völkers-Mitarbeiter abends im Restaurant „Palazzo“, als dort der ehemalige HSV-Trainer Thomas Doll, Kult-Sänger Lotto King Karl und der frühere HSV-Manager Torsten Walter (in der Ära von Präsident Jürgen Hunke) einliefen. Natürlich wurde sich gegenseitig begrüßt. Und Torsten Walter ließ sich mit Michael Ballack fotografieren, fragte dabei nach dem Grund, weshalb der Chelsea-Profi in Hamburg sei. Walter erinnert sich: „Ich bin hier wegen eines Immobilien-Kaufes, Hamburg ist eine schöne Stadt.“ Und dann sagte, so Walter, sagte Ballack auch scherzhaft: „Und wer weiß es schon, vielleicht spiele ich ja in der nächsten Saison für den HSV.“

Damals konnte er sicherlich noch nicht wissen, dass Chelsea ihn ablösefrei gehen lassen wird. Aber Ballack wusste, dass der HSV schon im Sommer 2009 hinter ihm her war. So wie jetzt. Was die Sache für den HSV (und seine Fans) noch ein wenig interessanter macht: Ballack hat in der Hansestadt einige dicke Freunde wohnen, der Nationalspieler war in der Vergangenheit schon oft auf eine kurze Stippvisite an der Elbe. Deswegen wohl auch der Kauf der Immobilie.

Und, ich kann es nicht oft genug (nur für mich) wiederholen: Denkt an die Sache mit der Rückennummer 13 . . .

Was auch für einen Ballack-Wechsel zum HSV sprechen könnte: Angeblich ist der Milliardär Klaus-Michael Kühne (73) von der Spedition Kühne&Nagel bereit, dem HSV eine stattliche Summe im zweistelligen Millionen-Bereich zur Verfügung zu stellen. Meines Wissen, das soll jetzt kein Scherz und auch keine Spitze sein, soll er damit aber nicht darauf pochen, Mitspracherecht in Sachen Aufstellung zu haben, auch soll er keinerlei Führungsanspruch innerhalb des HSV stellen. Er soll dieses Geld geben, weil er ein großer HSV-Fan ist, und weil er „seinem“ HSV auf die Sprünge helfen möchte. Wenn das tatsächlich alles so sein sollte, dann rufe ich dem Herrn Kühne ein herzliches Willkommen zu. Aber mal abwarten, was sich daraus noch entwickelt.

Ein Satz in diesem Zusammenhang auch noch zu Bernd Hoffmann: Sollte die Sache mit Klaus-Michael Kühne wirklich so laufen, dann hat er einmal mehr bewiesen, dass er wirtschaftlich einer der besten Leute in der Bundesliga ist. Und bevor nun alle Hoffmann-Gegner laut aufheulen und mich zum Teufel wünschen, sage ich auch: Ich bin kein Hoffmann-Fan, ich bin aber auch kein Hoffmann-Gegner. Wenn sich der HSV-Vorstandsvorsitzende nur stets und ständig darauf beschränken würde, den HSV wirtschaftlich (und nicht sportlich!) auf die Beine zu stellen (was ihm ja bislang gut gelungen ist), dann ist Bernd Hoffmann der richtige Mann für den Klub.

Ich weiß genau, dass ich mir mit diesen Aussagen wieder einmal einen Satz roter Ohren abholen werde, aber ich stehe dazu. Wenn es Bernd Hoffmann gelingen sollte, den Herrn Kühne zu dieser riesigen Finanzspritze für den Klub zu bewegen, und wenn dazu der Herr Kühne keinerlei Ansprüche stellt, die den Verein in seiner Form in irgendeiner Weise beeinträchtigen könnte, dann muss, so denke ich (zu naiv?), jeder HSVer damit eigentlich nur einverstanden sein. Es sei denn, er hätte einen noch besseren Mann an der Spitze des Klubs zu bieten, und dieser Mann würde dann auch noch bereit sein, noch viel, viel mehr Geld in den HSV zu schießen.

So, zum Fußball: Die Schweiz besiegt erstmals Spanien, die Spanier verlieren erst zum zweiten Mal seit 2006 ein Länderspiel – und der Verlierer bot dabei noch das vielleicht beste Spiel dieser WM. Diese 95 Minuten (!) waren sehenswert, spannend und dramatisch. Und sie werden den anderen Nation als Beispiel dienen, wie der Europameister doch einmal zu schlagen ist.

Übrigens: Wenn Euch der Name Reto Ziegler aufgefallen ist, dann liegt Ihr richtig mit Euren Vermutungen, dass dieser Schweizer einst auch ein HSV-Spieler war. Er spielte vom 1. September 2005 bis zum 20. Januar 2006 für Hamburg, um dann wieder zurück nach Tottenham zu gehen. So schlecht aber kann Ziegler doch gar nicht gewesen sein, denn er spielt schon seit längerem für das Nationalteam der Schweiz. Und beim HSV hat er es damals nur auf acht kümmerliche Bundesliga-Einsätze gebracht. Rätselhaft. Trainer war zu jener Zeit Thomas Doll.
So, noch einmal nach Südafrika. Dort, und wohl nicht nur dort, ist die Balldiskussion ja gehörig im Gange. Der frühere Nationalspieler Mehmet Scholl befand heute „Irgendwie weiß ich es nicht ganz genau, aber es muss auch am Ball liegen. . .“ Er bemängelte dabei, dass zu viele Schüsse über die Tore fliegen. Was ich, tut mir Leid Herr Scholl, für geradezu lächerlich halte. Es ist gerade so, als würde die Firma Adidas zum ersten Mal einen WM-Ball herstellen. Mein Eindruck ist eher der: Der italienische Torwart Buffon (kein Adidas-Mann) hat vor der WM schon auf den Jubilani geschimpft, und plötzlich stimmten viele Experten in diese Meckerei mit ein. Ich habe diese Pille auch schon einmal in der Hand und auch am Fuß gehabt, ich hatte zuerst den Eindruck, als hätte ich da einen Strand-Ball, den man am Kiosk für fünf Euro kaufen kann, vor mir – aber er war für mich nicht anders als alle anderen seiner Vorgänger. Nur das Aussehen – aber das muss ja auch so sein, wenn es einen „neuen“ WM-Ball gibt.
Dann noch zu einer kuriosen Sache: Eine Gruppe junger und charmanter Damen aus den Niederlanden sorgt bei diesem Turnier für mehr Rummel als die gestrengen Herren der Fifa erlauben. Beim WM-Spiel ihrer Mannschaft gegen Dänemark saßen die Damen in ihren orangenen Mini-Kleidern auf der Tribüne, und an ihren Shirts prangte ein kleiner Aufnäher mit dem Namen Bavaria. Ein Bier aus den Niederlanden. Doch genau dieses Bier ist kein Fifa-Sponsor. Also Schleichwerbung im Sinne der Fifa!? Es soll Anzeige gegen die Brauerei erstattet worden sein, zudem wurden offenbart zwei dieser jungen Damen festgenommen, sie müssen sich nun vor dem Untersuchungsrichter wegen Verstoßes gegen die Fifa-Marketing-Regeln verantworten. Es gibt ja nichts, was es nicht gibt.
Und: Wer gesehen hat, wie die Europäische Fußball-Union Uefa beim Europa-League-Finale (Fulham – Atletico Madrid) unsere schöne Hamburger Arena von links auf rechts gekrempelt hatte, um ja keine fremde Werbung zu gestatten, der weiß dann auch, wie kleinlich, penetrant und energisch die Fifa bei einer WM zu Werke geht. Hoffentlich werden die Damen aus den Niederlanden nicht zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Und in dem Zusammenhang: „Unser“ Anwalt, Alexander von Reden, hält sich ja zurzeit in Südafrika auf. Hoffentlich wagt er es nicht, das Stadion in einem T-Shirt von Puma zu betreten. Obwohl: Wenn der gute „Alex“ dann verhaftet werden sollte, dann wüsste er sich wohl schon zu verteidigen.

22.20 Uhr

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