Archiv für das Tag 'Ze Roberto'

„Moin, Labbadia hat wohl dazu gelernt.“

26. Juli 2015

In einer lauen Sommernacht 2015, die soll es schon gegeben haben, stieg ja kürzlich ein Pärchen über den Zaun einer Badeanstalt. Die Frau benutzte anschließend die große Rutsche – und landete nach einer rasanten Abwärtsbewegung recht unsanft in einem großen Becken – es war nämlich kein Wasser drin. So in etwa komme ich mir heute vor: Der HSV kommt aus dem zweiten Trainingslager zurück, und an diesem Wochenende genießen die Spieler zwei freie Tage, bevor es am Montag um 14 Uhr im Volkspark weitergehen wird. Die Frau mit der „Trockenübung“ erlitt übrigens einen Beinbruch, der mir hoffentlich erspart bleibt – nach dieser und meiner „Trockenübung“. Außer der Tatsache, dass der HSV nicht tätig ist, kann man ja sagen, dass es trotz allem bergauf geht – in Sachen Fußball. Die Zweite Liga spielt wieder, die Dritte Liga spielt wieder, und auch die Regionalliga hat den Betrieb wieder aufgenommen. Im Fernsehen gab es reichlich Fußball live zu sehen – alles wird gut. Das gilt auch für die Zweite des HSV, der ich ja eine schwere Saison prophezeit habe. Der Auftakt aber ist richtig gut gelungen, Lars Pegelow hat darüber ja schon gestern geschrieben. 2:1 in Goslar, das kann sich wahrlich sehen lassen. Glückwunsch an Joe Zinnbauer und das gesamte Team!

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Von Versprechungen, Forderungen und Altmeistern

20. Juni 2015

So eine Fußball-Sommerpause ist einfach nur schrecklich. Jahr für Jahr wieder. Zumal dann, wenn sich der HSV wieder einmal traditionell Zeit lässt, Zeit lassen muss, um neue Spieler zu verpflichten. Auch Jahr für Jahr wieder. The same procedure as every year – im Sommer, nicht zum Jahreswechsel. Still ruht der See. Es tut sich nichts. Obwohl die Herren des HSV schön unterwegs sind, um sich nach Verstärkungen umzusehen. Sogar bei der U21-Europameisterschaft waren sie in Tschechien, obwohl die Talente dort wohl allesamt eine Preisklasse zu hoch sein dürften für den HSV. Aber warten wir es ab, mehr bleibt ja nicht. Obwohl die Ungeduld wächst. Bei vielen HSV-Fans. Und eventuell auch bei manchem Angestellten des Clubs. So las ich heute beim Einkaufen die Titelseite der „Bild“, und dort stand zu lesen: „Olic fordert neue Stars“. Da dachte ich so bei mir: „Wer nicht?“
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Jarolim: “Wir holen noch elf Punkte!”

21. April 2015

Die Ruhetage beim HSV sind für mich zuletzt eher quälend gewesen. Nicht, weil ich kein Training beobachten und mit dem Trainer etc. sprechen kann. Nein, irgendwie habe ich zurzeit das Gefühl, dass dieser freie Tag anders genutzt werden könnte. So wie heute, um ehrlich zu sein. Denn heute waren einige Profis trotz ihres freien Tages richtig fleißig. Marcelo Diaz beispielsweise absolvierte erneut eine individuelle Einheit und soll nach Möglichkeit noch in dieser Woche wieder ins Training einsteigen. Noch etwas schneller war Dennis Diekmeier unterwegs. Der Rechtsverteidiger absolvierte schon intensive Läufe. Dennoch soll sich der Rechtsverteidiger mit seinem Comeback noch etwas gedulden. Sein Einsatz gegen Augsburg ist eher unwahrscheinlich. Ausfallen wird sicher Cléber Reis (Kapselriss). Und um derartigen Verletzungen vorzubeugen absolvierten René Adler, Valon Behrami und Rafael van der Vaart am trainingsfreien Dienstag ein leichtes regeneratives Programm im provisorischen Trainingszentrum. Nicht dabei war Pierre Michel Lasogga, obgleich ihm Trainer Bruno Labbadia zuletzt noch etwas fehlende Praxis attestiert hatte. Schade eigentlich – den Stürmer mit Nachholbedarf hätte ich am ehesten erwartet…

Apropos Labbadia, wenn es in diesen Tagen irgendeinen Funken Hoffnung gibt, dann ist er dafür verantwortlich. „Bruno Labbadia ist definitiv einer meiner Toptrainer gewesen“, erinnert sich der ehemalige HSV-Vorzeigeprofi David Jarolim an die Saison 2009/2010 zurück. „Seitdem Bruno Labbadia wieder da ist, habe ich tatsächlich ein viel besseres Gefühl“, so der einstige HSV-Kapitän, der weiterhin auf Nichtabstieg setzt. „Gegen Augsburg gewinnt der HSV am Sonnabend 1:0“, ist sich Jarolim sicher. Und eigentlich wäre es auch eine sichere Sache, immerhin wollte er am Sonnabend als Glücksbringer live vor Ort sein. Daraus wird aber nicht, da das Ligaspiel seines tschechischen Klubs auf Sonnabend gelegt wurde.

 

„Wenn ich mit meinen Kindern da war, haben wir nie verloren. Und wenn es nach mir ginge, wäre ich die letzten fünf Spiele immer live dabei“, so Jarolim, der trotz seiner Abwesenheit auf elf Punkte aus den verbliebenen fünf Partien tippt. Nach dem Sieg gegen Augsburg gibt’s ein 1:1 gegen Mainz, einen 2:1-Sieg gegen Freiburg, ein 1:1 in Stuttgart und ein 1:0-Sieg am letzten Spieltag in der Imtech-Arena gegen Schalke. „Super, oder?“, lacht Jarolim. Allerdings ohne die Tipps zu revidieren, wie er ausdrücklich wiederholt.

schätzen sich: Ex-HSV-Kapitän David Jarolim (l.) und HSV-Trainer Bruno Labbadia - hier in der Saison 2009/2010

Schätzen sich: Ex-HSV-Kapitän David Jarolim (l.) und HSV-Trainer Bruno Labbadia – hier in der Saison 2009/2010

Auch Jarolim hält große Stücke auf Labbadia. „Unter ihm hatten wir am Anfang einen tierischen Lauf, haben den besten Fußball seit langer Zeit gespielt und haben am Ende trotz der vielen verletzten Spieler und der schwierigen Umstände ohne echt gesunden Stürmer noch das Halbfinale in der Europa League erreicht. Dass der Trainer trotzdem gehen musste, lag dann an Dingen drumherum, die nicht normal waren.“

 

Unter anderem auch daran, dass es sich Labbadia mit dem einen oder anderen großen Namen (u.a. Zé Roberto, van Nistelrooy, Petric) in der Mannschaft verscherzt hatte. Und das, weil er das Leistungsprinzip gnadenlos angesetzt hatte. Namen zählten nicht. Und ich für meinen Teil weiß noch, dass einer der Stammspieler Labbadia mir gegenüber zu seinem bis dahin besten Trainer gekürt hatte. Bis er nach einer Verletzung nicht automatisch wieder ins Team rückte. Plötzlich hatte Labbadia seiner Aussage nach „keine Ahnung“ mehr – was mir ehrlich gesagt gefiel. Dennoch musste Labbadia am Ende nach einer außergewöhnlich fragwürdigen Niederlage in Hoffenheim gehen.

 

„Dass er zurück ist, ist richtig und gut“, lobt Jarolim die Entscheidung des Vorstandes. Sie sei zwar etwas spät gefallen – aber sie sei wichtig. „Er gibt mir ein besseres Gefühl und ich weiß noch, dass bei ihm jedes Training mit dem bevorstehenden Spiel zu tun hatte. Labbadia hat in der Woche immer genau das trainiert, was er am Wochenende sehen wollte. Er beherrschte es, der Mannschaft Automatismen beizubringen und hatte immer einen Plan.“ Ein Vorbild für den angehenden Trainer? „Von ihm habe ich auf jeden Fall eine ganze Menge mitnehmen können.“ Dennoch, das weiß auch Jarolim, den Rest dieser Saison kann Labbadia nur noch verwalten. „Er hat nicht die Zeit, hier viel Neues einzustudieren. Aber er wird erkennen, wen er gebrauchen kann, wer wirklich will und fit ist.“

 

Dass er will, kann man Pierre Michel Lasogga nicht absprechen. Aber er kann noch nicht so, wie er will und wie es alle erwarten. Auch deshalb lässt Labbadia keine Gelegenheit aus, den Toptorjäger der Vorsaison starkzureden. „Wir brauchen ihn, ganz klar“, sagt Labbadia und Jarolim stimmt zu: „Wenn der HSV den Fußball spielt, der zu Flanken und Pässen in den Sechzehner führt, kann es schnell was werden. Ein Tor, und der Knoten könnte platzen“, sagt Jarolim. „Ich weiß, wie das ist. Plötzlich wird alles, was einen vorher runtergezogen hat, umgekehrt und es läuft. Das kann einen tierischen Lauf geben, das entwickelt eine tolle Dynamik. Und das braucht diese Mannschaft.“

Jarolim, der sich momentan als Seelsorger für seinen Freund Ivica Olic (Jarolim: „Er ist nicht gut drauf, er leidet. Aber er wird am Ende noch sehr wichtig“) verdingt, glaubt tatsächlich an den Nichtabstieg. Und ich will ihm für heute mal folgen. Einen Tag lang mal Hoffnung zwischen vielen Tiefschlägen seitens eines erfahrenen Profis zu erfahren – das tut selbst einer geschundenen Reporterseele mal ganz gut. Daher belasse ich es heute mal damit und sage: Danke Jaro! Auf dass Du Recht behältst…

 

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen (Champions-League?)Abend, bis morgen! Da wird um 10 und um 15.30 trainiert.

 

Scholle

Es weihnachtet noch immer sehr

26. Dezember 2013

Es passt nicht ganz zum festlichen Anlass, denn es weihnachtet ja noch immer sehr – aber was Wahrheit ist, das soll auch Wahrheit bleiben.

„Das tut mir leid, die Fans zahlen für eine solche Scheiße auch noch Geld.“

Mit diesem Spruch hat es Rene Adler in die ZDF-Sprüche-Sammlung der Hinrunde geschafft. Der Nationalkeeper, der diesen Satz nach dem 1:5-Debakel gegen Hoffenheim gesagt hatte, ist damit der einzige Hamburger, der in diesem „erlauchten“ Kreis aufgenommen worden ist – auch eine Ehre. Anderweitig sind HSV-Profis oder die „Rothosen“ allgemein ja kaum einmal ganz vorne zu finden. Mal abgesehen davon, dass der HSV in der Statistik „Rückpässe“ bereits nach nur 17 Spielen die Deutsche Meisterschaft errungen hat – keine andere Mannschaft kann in diesem Punkt den Hamburgern das Wasser reichen. Oder den Titel abspenstig machen. Ja, von dieser Hinrunde bleiben einmal mehr viele, viele „großartige“ Eindrücke.

Kurz vor dem Heiligabend hatten wir, die Hamburger Medien-Vertreter, ja noch die Weihnachtsfeier mit dem HSV. Vorstand, Trainer-Team und die Presse-Abteilung waren anwesend, und was mir jetzt gerade einfällt, was ich an dieser Stelle eigentlich gar nicht schreiben wollte, was aber nun doch raus muss: Ich habe bei meiner Rede, die ich als Dienstältester halten durfte (oder musste), ganz vergessen, mich im Namen der Kollegen bei der Presse-Abteilung um Medien-Direktor Jörn Wolf herum für die Zusammenarbeit in diesem Jahr zu bedanken. Das hole ich hiermit nach. In der Hoffnung, dass mir ein solcher Fauxpas im nächsten Jahr, so ich dann noch immer Dienstältester sein sollte, nicht wieder passiert.

Was ich aber hauptsächlich von der Weihnachtsfeier schreiben wollte war dies: Irgendwann zu vorgerückter Stunde kamen wir auf Trainer zu sprechen. Trainer, die sich in Hamburg versucht haben. Davon gibt es ja enorm viele. Dass wir uns über diese Fußballlehrer unterhielten, lag vielleicht auch daran, dass Bert van Marwijk, der im Gegensatz zu seinem Kollegen und Landsmann Louis van Gaal kein „Feier-Biest“ sein soll, immer noch „da war“ – womit wir (fast) alle gar nicht gerechnet hatten. Der Niederländer hörte allerdings nicht zu, als wir an unserem Tisch (und auch am Nebentisch) über eine besondere Spezies von Menschen sprachen und diskutierten: „Wer war eigentlich der schlechteste HSV-Trainer in der Bundesliga-Geschichte?“

Nach einigen Minuten hatten wir „ihn“. Und es herrschte Einigkeit. Nachdem zuvor einige Namen „gehandelt“ wurden: Michael Oenning (3/11 – 9/11), Bruno Labbadia (7/09 – 4/10), Klaus Toppmöller (10/03 – 10/04), Kurt Jara (10/01 – 10/03), Egon Coordes (3/92 – 9/92) und Josip Skoblar (7/87 – 11/87), das waren die Kandidaten, aber „gekrönt“ wurde dann doch ein anderer: Rudi Gutendorf, vom 1. Juli 1977 bis 27. Oktober 1977 HSV-Trainer, weil Dr. Peter Krohn es so wollte. Nur einer von vielen, vielen Irrtümern. Mein persönlicher Tipp aber wäre Labbadia gewesen, das gebe ich zu. Jörn Wolf, den ich hiermit schon das zweite Mal erwähne (und er will es überhaupt nicht!), behauptet ja bis heute und bis übermorgen, dass ich deswegen auf Labbadia so schlecht zu sprechen bin, weil er mir seine Telefonnummer nicht gegeben hat – aber das ist Blödsinn. Labbadia war zwar der erste HSV-Coach seit Ernst Happel (von dem ich die Festnetz-Nummer aus seiner Wohnung im Lütjenmoor in Norderstedt hatte – er hatte sie mir gegeben), der mir die Handy-Nummer nicht gegeben hatte, aber das war mir wurscht, weil eine solche Aktion ganz einfach zu ihm passte.

Ich kam aus einem anderen, nein, zwei anderen Gründen nicht mit ihm klar. Erstens redete, redete, redete und redete er beim Training so viel, dass es denen drinnen und den draußen auf den Geist ging. Selbst bei minus sechs, sieben oder mehr Grad, es wurde geredet. Weil Labbadia alles ganz genau wusste – obwohl er Nationalspieler trainierte (Ze Roberto, Mladen Petric zum Beispiel), die wesentlich mehr erlebt hatten, als ihr Trainer. Es gab Spieler, die die Augen verdrehten – ob der Reden. Und die hinterher mit uns darüber sprachen (hinter der vorgehaltenen Hand), dass wir ja selbst sehen würden, was da läuft, was da nicht läuft, wie es eigentlich laufen müsste. Nein, die großen Reden des Bruno L. trieben mich an den Rand des Wahnsinns.

Und dann gab es da eine Geschichte, über die ich bisher geschwiegen habe – eine Art Nähkästchen. Viele von Euch werden sich an einen der wenigen großen Tage erinnern, die der HSV in den vergangenen Jahren doch hatte – tatsächlich. Das war am 23. August 2009, das Auswärtsspiel in Wolfsburg. Es war der vierte Spieltag der Saison, der HSV war immer noch ungeschlagen – und führte in Wolfsburg nach sieben Minuten durch Tore von Paolo Guerrero und Eljero Elia 2:0. Als es in Halbzeit zwei plötzlich 2:2 hieß, legte der HSV wieder zu und gewann nach Treffern von Mladen Petric und Romeo Castelen 4:2. Ganz Hamburg lag sich in den Armen. Das war Fußball! Das war endlich einmal wieder ein Spiel, in dem Super-Fußball geboten worden ist, und zwar vom HSV. Das war ein Wahnsinns-Spiel, das war Spitzenklasse.

Wir warteten danach in Ruhe und Freude im Presseraum des VfL auf die Pressekonferenz. Wow, dieses Spiel – traumhaft! Plötzlich stand – oh, schon wieder – dann Jörn Wolf neben mir und sagte: „Kommst du mal bitte mit, Bruno möchte dich sprechen.“ Oha, das musste ja ganz etwas Besonderes gewesen sein, wenn mich der HSV-Trainer nach einem solchen Titan-Spiel sprechen will. Vorbei an allen Ordnern (an denen ich sonst natürlich nie vorbeigekommen wäre) nahm mich der HSV-Mediendirektor mit bis vor die HSV-Kabine: „Warte kurz hier.“ Natürlich. Drinnen hörte ich fröhliche und laute Stimmen, die Freude über den Sieg und dieses tolle Spiel war bis draußen zu vernehmen – und zu spüren. Und dann kam er, Bruno Labbadia.

Und es haute mich um, was er von mir wollte: „Dieter, du hast heute einen Artikel über mich im Abendblatt gehabt, in dem du mich mit Felix Magath vergleichst. Schreibe so etwas nie wieder. Weil das Mist ist. Ich möchte nie mit Felix Magath verglichen werden, weil ich ein ganz anderer Typ bin. Also, klar? Nie wieder mit Felix Magath vergleichen.“

Wie bitte?

Aber klar, natürlich klar.

Ich war fassungslos. Das blieb so auf der Rückfahrt, das blieb so in den nächsten Tagen – im Prinzip hält das bis heute an. Da hat ein Trainer ein solches Erfolgserlebnis, da spielt die Mannschaft eines Mannes so guten Fußball, wie man ihn lange nicht mehr gesehen hatte – und dann hat dieser Trainer nur Minuten nach einem solchen Triumph nichts anderes zu tun, als zu sagen, dass er nie wieder mit Felix Magath verglichen werden wolle. Oha. Dieser Stachel muss wohl tief gesessen haben. Aber egal, ich kann so etwas bis heute nicht verstehen. Wenn Labbadia es mir in den folgenden Tagen gesagt hätte – alles okay, aber nur Minuten nach einem solchen Super-Auftritt, und selbst dann, wenn er nur jubelnde Spieler um sich herum hat . . . Mir fehlen die Worte. Immer noch. Aber so ist er.
Obwohl ich das Ganze nun auch nicht wieder so hochsterilisieren möchte . . .

Ganz anderes Thema. Lars hat ja schon aus der neuesten „supporter news“ zitiert, Ausgabe Dezember. Da geht es, wie zuletzt überwiegend, um die Strukturen des HSV. Diesen Pass möchte ich jetzt aber nicht aufnehmen, ich glaube ohnehin, dass wer jetzt nicht weiß, wie er sich am 19. Januar entscheiden muss, der wird es dann auch nicht wissen. Das wäre dann die Sache mit Hopfen und Malz . . . Nein, ich möchte mich mit zwei Artikeln von Ulie Liebnau auseinandersetzen. Beziehungsweise, ich möchte sie loben. Als ich das gelesen habe, dachte ich auf Anhieb: „Aber hallo, so etwas hast du ja in diesem Blatt noch nie gelesen.“ Das nie mag nicht stimmen, aber es kam auf jeden Fall sehr überraschend für mich. Und nochmals: Kompliment.

Auf Seite 51 geht es unter der Überschrift „Zurechtgerückt“ und „Scheinheilig. Die Dritte“ auch um die Strukturen, über die Ulie Liebnau in der sn-Ausgabe 74 geschrieben hatte: „Wir brauchen keine Strukturveränderungen und auch keine scheinheiligen, eitlen Selbstdarsteller!“ Das brachte, neben anderen, auch Jürgen Hunke auf den Plan, der darauf antwortete: „Wer mich richtig kennenlernt weiß, dass ich alles zum Wohle des Vereins mache.“

Daraufhin trafen sich Ulie Liebnau und Jürgen Hunke – und das Fazit nach diesem Treffen lautete (U. L.): „Ich habe Jürgen Hunke als Menschen kennengelernt, der sich in der Vergangenheit erfolgreich für den HSV eingesetzt hat und der sich auch heute noch hoch motiviert für das Wohl des Vereins engagiert. Dass seine dynamischen, wortreichen und immer auf Überzeugung ausgerichteten Auftritte auch Verwunderung, Widerstand und vielleicht auch Neid, erzeugen können, ist nachvollziehbar, ihn aber in die Gruppe der „scheinheiligen, eitlen Selbstdarsteller“ zu stecken, wird ihm nicht gerecht. Auf mich wirkte Jürgen Hunke authentisch.“

Das, lieber Ulie Liebnau, zeugt von menschlicher Klasse, das ist einfach nur gut. Trotz allem möchte ich mich noch einmal überrascht äußern, so etwas hätte ich in den „sn“ nicht erwartet. Ulie Liebnau schreibt dann noch weiter: (Nachtrag in Klammern: Mein Urteil über Jürgen Hunke habe ich revidiert. Offen bleibt für mich die Beurteilung derer, die sich zur Zeit um den HSV Sorgen machen und mit großem Einsatz öffentlich für eine radikale Struktur-Änderung einsetzen. Aber das ist ein anderes Thema.)

In der Tat.

Der Sinneswandel in Sachen Jürgen Hunke aber ist immer noch großartig. Hier wurde erst etwas in den Raum gestellt (vielleicht auch auf Jürgen Hunke bezogen, vielleicht), dann zog sich ein Mann (Jürgen Hunke) den Schuh an – und es wurde miteinander gesprochen. Ich wette, dass es den meisten Leuten, die teilweise so blindwütig auf Jürgen Hunke eindreschen und ihn ins Abseits stellen (teilweise sogar vernichten), nach einem persönlichen Gespräch (mit J. H.) ganz anders denken würden. So wie Ulie Liebnau jetzt. Dass Ulie Liebnau das so offen zugibt – hervorragend. Ganz, ganz stark. Ich jedenfalls, da bin ich auf der Linie von Liebnau, habe Jürgen Hunke schon vor Jahrzehnten so kennengelernt. Der Mann geht seinen Weg, der kennt mitunter auch nicht links und rechts – aber der HSV steht in seinem Fokus. Jürgen Hunke ist gewiss nicht einfach, aber er selbst hat es sich auch nie einfach gemacht. Er ging auch dann seinen Weg, wenn er genau wusste, dass es höchst unangenehm für ihn werden könnte. Das habe ich stets an ihm geschätzt – und werde es auch immer schätzen. Unabhängig einmal davon, ob er mit seinem Struktur-Veränderungs-Modell nun richtig liegt – oder nicht. Mir wäre in diesem Fall wohler, und mehr sage ich zu dieser Struktur-Vielfalt auch nicht, wenn sich HSVPlus und Hunke am Ende einigen und dann auch vereinigen könnten. Damit es nicht noch eine weitere Spaltung in und zu diesem Thema gibt, dann die könnte letztlich alles zunichte machen.

Und noch einmal Ulie Liebnau. Und auch dafür ein dickes Kompliment. Auf Seite 66 der „sn“-Dezember-Ausgabe schreibt er unter der Überschrift: „Scheiß Sankt Pauli?“, dass beim gemeinsamen Feiern mit der Mannschaft und den Fans der Nordtribüne (nach dem 3:1-Sieg über Hannover 96) auch jemand etwas nicht so sehr Freundliches gerufen hätte. Nämlich „Scheiß Sankt Pauli!“ Und dass die Nordtribüne zurückgebrüllt hätte: „Scheiß Sankt Pauli!“

Liebnau schließt seinen Kommentar wie folgt ab: „Nun gut, ich bin schon etwas älter als der Durchschnitt der Brüller und hab’ mal gelernt, dass bei Hunden der Kleinere den Großen ankläfft, nicht umgekehrt. Und darum frag ich euch HSV-Begeisterte: Habt ihr das nötig, den kleineren Hamburger Verein zu beleidigen?“

Wenn das keine Realsatire ist, und davon gehe ich in diesem Moment einmal aus, dann ist auch das klasse. Weil ein solcher (kleiner) Beitrag auch zum Nachdenken anregt. Was hat, das habe ich mich schon immer gefragt, Sankt Pauli bei einem HSV-Spiel zu suchen, wenn Sankt Pauli gar nicht beteiligt ist?

Dass Ulie Liebnau dazu anregt, sich einmal zu hinterfragen, passt bestens in diese Tage – vor dem 19. Januar. Wir alle sollten uns einmal hinterfragen, ob dieses oder jenes (im Streit der Strukturen) nötig ist, nötig wird? Letztlich muss der Verein, unser HSV, eine demokratische Wahl (und nicht nur die eine, hoffentlich) überstehen, ohne Schaden zu nehmen, ohne auseinander zu brechen. Darüber sollten sich spätestens jetzt einmal alle Gedanken machen, die bislang ganz scharfe Geschütze aufgefahren haben.

Ich frage jeden, der in diese Richtung tendiert:

Habt Ihr das nötig?

So, nun werde ich mir in Ruhe den englischen Fußball ansehen, West Ham United (ohne Guy Demel) gegen Arsenal (mit Mertesacker und Özil) – ganz ohne Fußball geht es ja nicht . . .
Lasst das Weihnachtsfest schön, ruhig und stressfrei ausklingen, dann haben diese Tage ihren Sinn erfüllt.

16.15 Uhr

Fink setzt gegen Hoffenheim auf Offensive – mit Lam links

6. Dezember 2012

***Korrektur Punkteschnitt Arslan***

Das letzte Heimspiel 2012 – es soll der Schritt nach vorn werden, den der HSV zuletzt immer wieder verpasste. „Wir sind noch immer nicht konstant genug, ganz klar“, hatte Rene Adler gesagt, „aber wir sind auf einem guten Weg.“ Und der soll auch faktisch mit einem Sieg gegen Hoffenheim untermauert werden. „Sollten wir das Spiel erfolgreich gestalten, wäre das ein guter Abschluss vor eigenen Zuschauern für eine gelungene Hinserie“, sagt Trainer Thorsten Funk und wird von Tolgay Arslan noch ergänzt: „Ein wirklich guter Abschluss wäre ein Heimsieg und der eine oder andere Punkt in Leverkusen. Warum sollten wir weniger von uns erwarten?“

Eine rhetorische Frage, klar. Dennoch war ich geneigt zu antworten. Denn wer hätte selbst nach der Verpflichtung von Rafael van der Vaart gesagt, dass der HSV nun in den Dunstkreis der internationalen Plätze gehört? Beziehungsweise: Gehört der HSV dort überhaupt schon hin?

Ich sage ja. Allerdings auch nur, weil mit Bayern, Dortmund, Schalke und Leverkusen auch nur vier Mannschaften einfallen, die definitiv besser sind. Alles, was sich tabellarisch ansonsten noch in Europacup-Nähe tummelt ist entweder ebenso inkonstant wie der HSV (Stuttgart, Hannover, Bremen, Gladbach) oder nicht mal personell besser (Mainz, Frankfurt). Insofern klingt es vermessen und falsch, jetzt über die Plätze für die Europa League zu sprechen. Aber faktisch betrachtet, muss das das Ziel sein.

Und das ist es auch. Auch wenn sich kein Spieler hinstellt und sagt, dass dem so ist, lassen es fast alle durchblicken. Und warum auch nicht? Kleingeredet hat sich der HSV in den letzten 18 Monaten schon genug. Jetzt kann der Blick mal wieder voraus gehen. Zumal am morgigen Freitag im letzten Heimspiel der Hinrunde bis Platz fünf alles drin ist. Und um hier einen Aufschrei zu vermeiden: Ich sage NICHT, dass der HSV auf Platz fünf gehört. Ich sage lediglich, dass sich der HSV diesen Platz holen soll, wenn er ihm so auf dem Tablett serviert wird…

Ähnlich formuliert es Tolgay Arslan: „Wenn wir am Ende der Saison da stehen, nehmen wir das gern mit“, sagt der junge U21-Nationalspieler, der eher zu denen zählt, die was im Kopf haben. Arslan weiß auf jeden Fall, wie er sein Ziel erreicht. „Ich weiß aber auch, was uns noch fehlt, was ich noch nicht so gut mache. Und daran müssen wir, daran muss ich arbeiten. Es bringt nichts, jetzt zu hohe Ziele auszurufen, die unnötig Druck aufbauen. Wir wissen, dass wir noch vieles verbessern können und müssen. Das ist für uns als Mannschaft ebenso gültig wie für mich als Spieler.“

Wobei Arslan grundsätzlich sehr zufrieden sein kann mit dem bisherigen Saisonverlauf. Nachdem er anfangs drei Spiele verletzt verpasst hatte stieg er just zu Beginn des HSV-Aufschwungs ein: gegen Dortmund. Seither (s. dazu auch das Video) hat Arslan 20 Punkte bei 12 Spielen mit dem HSV geholt. Hochgerechnet wären das rund 57 Punkte am Saisonende – ein internationaler Tabellenplatz wäre garantiert. „Das ist mein großes Ziel“, so Arslan, „ich will irgendwann eine WM mitspielen – da gehört der internationale Wettbewerb mit dem HSV fast zwingend dazu.“

Gegen Hoffenheim soll dafür ein kleiner Schritt gemacht werden. Mit Arslan auf der Zehn. „Es wird ein schweres Spiel. Aber wir spielen zu Hause und sind der Favorit. Vor allem sind wir es den Fans schuldig, dass Jahr mit einem positiven Ergebnis abzuschließen“, so der Mittelfeldspieler. Zuerst Zu Hause – später auch noch in Leverkusen. „Aber so weit sollte noch keiner denken“, warnt Fink, der im heutigen Abschlusstraining die offensivere Variante spielen ließ. „Zhi Gin wird hinten links beginnen, weil er dafür prädestiniert ist“, sagt Fink, der allgemein eine sehr hohe Meinung von dem talentierten Youngster hat: „Er hat die Ballsicherheit, er spielt taktisch sehr clever – das habe ich schon beim Turnier in Südkorea gesehen. Er muss jetzt einfach nur mal zum richtigen Zeitpunkt ein richtig gutes Spiel machen.“ Ähnlich wie Arslan gegen Dortmund. „Genau“, so der HSV-Coach, „wer weiß, was für ihn noch möglich ist, wenn sich Dennis im linken Mittelfeld festsetzt…“

Unten festgesetzt hat sich inzwischen leider unsere U23, zu der ich aus aktuellem Anlass ganz kurz kommen möchte. Denn morgen steigt bei Werder Bremen II das kleine Nordderby – und Trainer Rodolfo Cardoso sowie sein Cotrainer Soner Uysal scheinen nicht wirklich optimistisch zu sein. „Es ist eine harte Phase“, so die zwei Ex-Profis, die mit einem personell engen Kader in der Regionalliga klarkommen müssen. Hoffnung macht da nur der Plan, in der Winterpause den eh schon sehr dünnen Kader nachzubessern. So soll neben David Jarolim nun auch Collin Benjamin wieder die Schuhe schnüren. Wobei es mich wundert, dass bei dem immer wieder betont „zu großen“ Kader der Bundesligamannschaft nicht immer drei, vier Profis abgestellt werden können. Aber okay, vielleicht hilft es ja, die zwei HSV-Ikonen Jarolim und Benjamin in den jungen Haufen zu integrieren. Denn klar ist: so sehr ich mich als Niendorfer über den HSV am Sachsenweg gefreut habe, die Zweite brauchen wir am Sachsenweg nicht – zumindest nicht als regulären Oberligagegner…

Zurück zum großen Bundesligafußball. 19 Leute wird Trainer Thorsten Fink morgen mit ins Tageshotel nehmen. Um 9.30 Uhr trifft sich die Mannschaft zum Frühstück. Anschließend gibt es ein kurzes Aufwärmtraining, ehe es ins Tageshotel geht, wo die Besprechungen samt Videoanalysen stattfinden. „Wirklich überraschen werden uns die Hoffenheimer eh nicht“, so Fink, der auch darüber informiert war, dass die TSG bereits heute in Hamburg gastiert, hier heute bereits trainiert hat und auch morgen noch ein kurzes Warmup machen wird. „Für die Ausrichtung unseres Spiels hat das eh keine Auswirkung…“

Selbstbewusste Worte, die hoffentlich am Freitagabend mit Taten bestätigt werden. Folgende Elf soll das richten: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Lam – Skjelbred, Badelj, Arslan, Aogo – Rudnevs, Son. „Egal, wer aufläuft – wir treten als Team auf“, weiß Arslan, der genau dieses Gefühl vor zwei Jahren, bei seinem ersten Versuch, hier Fuß zu fassen, nicht hatte. „Es ist absolut kein Vergleich zu der Mannschaft vor zwei Jahren. Wir haben heute eine harmonierende Mannschaft, die sich auch außerhalb der Trainingszeiten trifft. Es gibt keine Streitfaktoren – es sei denn, auf dem Platz muss mal was gesagt werden. Aber das gehört dazu.“ Anders als einst mit großen Namen wie Zé Roberto, Ruud van Nistelrooy oder auch Joris Mathijsen. Arslan: „Heute haben wir eine junge Truppe, in der die älteren Spieler gute Vorgaben machen und wir Jüngeren trotzdem Mitspracherecht haben. Dazu kommt, dass der Trainer genau unsere Sprache spricht.“

Na dann. Dann steht einem Sieg gegen die TSG Hoffenheim ja nichts mehr im Wege. Ich hoffe es. Ich tippe es. Ich glaube es auch.

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend und bis morgen. Dann berichtet Dieter abends aktuell vom Spiel.

Scholle

Tschechien: kein Super-Team, aber weiter

17. Juni 2012

Es ging doch nur um die Höhe der Siege. Mit welchen Experten ich auch sprach, mit welchen Fans ich auch immer über die Gruppe A diskutierte, eines war allen klar: Polen kommt weiter, weil Tschechien klar besiegt wird, und Russland kommt sowieso weiter, weil die in etwa 4:0, 5:0 gegen Griechenland gewinnen. Ja, und dann das! Wer kann das schon ahnen? Die Griechen gewinnen, die Tschechen gewinnen. Und beide Sieger kommen weiter. Trotz allem, egal wie groß diese Überraschungen waren – jetzt muss doch im Viertelfinale das Ende für diese beiden krassen Außenseiter kommen, oder? Aber man hat ja schon Pferde vor der Apotheke . . . Wenn ich dann aber an die deutsche Mannschaft denke, dann ist es doch irgendwie ein Freilos für Jogis Löwen – Griechenland oder Tschechien. Allerdings muss es heute ja auch erst einmal perfekt gemacht werden, und da habe ich dann doch noch einige kleine Zweifel, denn immerhin hat Dänemark ja die Niederländer besiegt. Und auch da sage ich: egal wie. Sie haben sie geschlagen, und warum sollte den Dänen ein ähnliches Husarenstück nicht noch einmal gelingen? Im Fußball ist alles möglich. Eine Phrase, aber sie stimmt immer wieder.

Über das Erfolgsgeheimnis der Tschechen befand übrigens (der zurzeit verletzte) Tomas Rosicky: „Wir wissen, dass wir nicht das Superteam sind. Aber wir haben einen großen Teamgeist, damit kann man weit kommen.“ Einen Seitenhieb auf die Niederlande konnte sich der Mittelfeldspieler vom FC Arsenal nicht verkneifen: „Sehen Sie sich Holland an. Großartige Fußballer, aber zu viel Egoismus.“

In der Tat hatten sich die Tschechen gegen Co-Gastgeber Polen und gegen knapp 30 000 fanatische polnische Fans als Mannschaft präsentiert. Da wurden bei Rosicky Erinnerungen an eigentlich längst vergessene Zeiten wach. „Der Teamgeist ist ähnlich wie 2004, auch wenn in dem Team damals die besseren Einzelspieler waren“, sagt der Dribbler (nicht zu verwechseln mit dem „kleinen Dribbelkünstler“). Die EM vor acht Jahren gilt als letztes Aufbäumen der einstmals goldenen Generation, als Rosicky und Co. erst im Halbfinale am späteren Europameister Griechenland scheiterten.

„Wir wissen, dass wir nicht das Super-Team sind.“ Passt irgendwie auch auf den HSV. Dem HSV vergangener Jahre. Und auch dem HSV der Zukunft? Dennis Aogo hat ja bei „Matz ab live“ gesagt, dass er die HSV-Mannschaft der vergangenen Saison schon auf einem guten Weg sah, eine echte Einheit zu werden. Das habe ich, ehrlich gesagt, nicht ganz so gesehen, aber vielleicht war da ja doch ein kleiner Fortschritt, weil doch einige Stars (u. a. Rost, van Nistelrooy, Ze Roberto, Mathijsen) gegangen waren, die ganz sicher nicht ganz so pflegeleicht waren. Aber als Einheit aufzutreten, dass ist ganz sicher auch eine Chance für den dann hoffentlich „runderneuerten“ HSV, um wieder mal bessere Tage erleben zu können. Und dabei hilft eventuell ja auch das Überlebens-Camp in Schweden. Ein bisschen. In erster Linie aber muss es auch jeder einzelne Spieler wollen – und sich dementsprechend ein- und unterordnen. Und wenn es dafür künftig einige Spieler mehr von der „Sorte Aogo“ geben würde, so würde ich auch denken, dass es in der kommenden Saison durchaus gelingen könnte.

Aber erst einmal ist ja EM. Und da ist Polen meine erste riesige Enttäuschung. Draußen, Ende. Aus. Hätte ich nie gedacht. Mit „halb Dortmund“, so meine Gedanken, kommen die mindestens ins Halbfinale. Denkste. Wobei die Polen ja immer super begannen, aber nach 30 Minuten war die Luft stets schon raus . . . Und die Dortmunder Größen Lewandowski und Blaszczykowski waren in Halbzeit zwei gar nicht mehr zu sehen. Wobei: total hinter meinen Erwatungen blieb ja der Lukasz Piszczek. Von dem kam nichts. Dabei war der für mich in der abgelaufenen Saison der beste Verteidiger in der Bundesliga. Aber „halb Dortmund“ reicht dann wohl doch nicht ganz aus.

Apropos aus. Ich werde mich nun vom Acker machen, um in Ruhe „Matz ab live“ vorzubereiten. Das findet heute ja wieder nach dem Schlusspfiff des Deutschland-Spiels gegen Dänemark (im „Champs“ in Schnelsen) statt. Hoffentlich wird das kein dänischer Käse. Sowohl die Sendung als auch das Spiel.

Zuvor möchte ich noch einmal kurz – und ohne zu jammern – auf die heutige Nacht im Blog eingehen. Es nützt ja nichts, wenn man immer die anderen User anprangert, dass die den größten Mist schreiben (abgesehen von mir und meinem beknackten Opa), sondern man sollte schon mal auf sich selbst schauen. Und anfangen, sich zu ändern. Denn es nützt ja auch nichts, wenn man die Bibel „verfasst“, sie hier reinstellt – und dann vor allen Dingen auch dadurch auffällt, dass man andere (HSV-)Personen beleidigt. Egal, ob man sich hinterher entschuldigt oder nicht. Das alles muss nicht sein! Aber das schreibe ich ja doch nur in den Wind . . . Im anonymen Internet muss es wohl so brutal und rustikal zur Sache gehen, sonst fühlt man (Mann) sich wohl nicht ganz so wohl.
Für mich ist und bleibt das trotz allem enttäuschend.

Einen wunderschönen EM-Sonntag noch für euch.

Und dann bis nach dem Spiel, mit HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow und dem freien Journalist Oliver Wurm, der, wenn ich ihn richtig verstanden hat, etwas unter die Leute bringen will. Was, wenn oder wie viel – ich weiß es nicht. Ich lasse mich überraschen.

PS: Beim HSV gibt es heute nicht den Hauch einer Bewegung. Nicht mal in Sachen Vertragsverlängerung von Marcell Jansen und Tolgay Arslan. Es sollten ja nur noch Kleinigkeiten zu klären sein, aber irgendwo scheint es noch zu haken.

16.12

Und noch ein PS: Der HSV feiert eine Meisterschaft! Tatsächlich. Die Ü-50-Herren sind an diesem Sonntag Hamburger Meister, weil sie im Endturnier dreimal gewonnen haben:
1:0 gegen Post SV, 3:2 gegen den SC Victoria und 4:0 gegen Dassendorf. Da dieser Titel erstmalig ausgespeilt wurde, ist der HSV sogar Premieren-Meister! Jetzt geht es im August um die norddeutsche Meisterschaft.

Schöne Weihnachten für alle “Matz-abber”

23. Dezember 2011

Liebe Matz-abber,

zunächst einmal möchte ich mich ganz, ganz herzlich für die vielen Weihnachtsgrüße, die mich (und Frau M.) erreicht haben, bedanken. Das ist wieder einmal überwältigend. Und es zeigt mir erneut, wie viele großartige Menschen hier doch versammelt sind. Danke, danke, danke. Auch ich wünsche Euch und Euren Lieben wunderschöne, besinnliche Festtage – und darüber hinaus alles nur erdenklich Gute für 2012. Vor allem wünsche ich jedem beste Gesundheit, das ist wirklich das höchste Gut, die Familie M. hat in diesem nun ablaufenden Jahr kennen gelernt wie es ist, nicht in bester Verfassung zu sein.

Ich wünsche allen auch viel Glück und Erfolg, und ich denke bei dem Wort Glück einen Menschen, der in diesem Herbst wohl der glücklichste Mensch der Welt war: Hermann Rieger. Nehmt ihn Euch zum Vorbild, denn er hat so viel Leid erfahren, und trotzdem ist er zufrieden, oftmals – schon geschildert – auch sehr, sehr glücklich. Wie er gestrahlt hat, wie er vor Freude geweint hat, wie er sich rundherum wohl gefühlt hat, als er zum „Hamburger des Jahres“ gekürt wurde, das war einfach nur fantastisch, das war überragend, das war weltklasse und wird mir unvergessen bleiben. Eine solche Glückseligkeit, wie sie „uns Hermann“ gezeigt hat, das wünsche ich jedem von Euch. Und der Kult-Masseur hat es ja nicht nur gezeigt, sondern auch gesagt. Als ihm der Erste Bürgermeister der Stadt, Olaf Scholz, gratulierte, da brachte Hermann nur folgenden Satz heraus: „Herr Bürgermeister, ich bin so glücklich.“

Ich werde mich für jeden und über jeden freuen, der das in 2012 auch von sich sagen kann.

Zum Blog. Es weihnachtet sehr. Schon sehr sogar. Und der HSV ist im Kurz-Urlaub. Ich möchte die Gelegenheit ergreifen, mich bei Euch für die Treue, die Ihr „Matz-ab“ gegenüber gezeigt habt, und für die emsige Mitarbeit. Natürlich gab es auch unerfreuliche Dinge, aber die spielen nur eine unwesentliche Nebenrolle, deshalb erwähne ich die auch gar nicht groß. Überwiegend sind die Beiträge positiv – und sie sind es vor allen Dingen geworden. Positiv geworden. Dank des neuen Moderatoren-Team, bei dem ich mich an dieser Stelle ganz, ganz herzlich bedanken möchte. Ihr seid auf dem richtigen Weg, wir sind auf dem richtigen Weg. Das höre ich überall, das wird mir von vielen Matz-abbern geschrieben. Und jeder, der sich davon überzeugen möchte, der ist herzlich eingeladen, die Beiträge wieder einmal zu lesen.

Ich bin wirklich sehr erfreut, wie sachlich die Kommentare wieder sind, und wie lesenswert, denn sie beschäftigen sich in der Mehrzahl wieder mit dem, was uns hier einst zusammengebracht hat: mit dem HSV, mit der Liebe zur Raute, mit dem Fußball ganz allgemein. Dafür danke ich jedem, der dabei mitgemacht hat. Es gibt wieder – auch für mich – so viele erfreuliche Beiträge, die inhaltsreich sind, die vor Sachkenntnis strotzen, die teilweise auch – ganz sicher – in Zeitungen veröffentlicht werden könnten. Das sollte auch jene Matz-abber animieren, die hier einst ganz hervorragend mitgeschrieben haben, sich aber aufgrund des Klima-Wandels verabschieden mussten, verabschieden wollten. Jetzt sind wir, nochmals Dank dem Moderatoren-Team, wieder auf einem guten, vernünftigen Weg. Hoffen wir, dass wir das 2012 auch fortsetzen können.

Bei der Gelegenheit möchte ich für alle, die eine niedliche und nette Weihnachtsgeschichte lesen möchten, auf den 24. Dezember 2009 – hier im Blog – verweisen. Da hat „Nebraska63“ um 12.48 Uhr eine großartige Geschichte seiner Jugend veröffentlicht, die allen immer wieder wärmstens empfohlen ist. Für mich immer noch ein Highlight der Matz-ab-Geschichte.

Und wo ich gerade dabei bin: Auch in diesen Tagen gab es einige Beiträge, die ich gerne hier reinstellen möchte, weil sie sich sehr gut mit der jetzigen Situation unseres Klubs auseinandersetzen, weil sie auch vielfach genau ins Schwarze treffen. Und da ja bekanntlich nicht alle alles lesen, seien diese Beiträge einmal auf diese Art hervorgehoben. Sie in Original-Fassungen, ich habe kein Wort verändert (mein Hase!), ich habe auch nichts korrigiert. Aber seht selbst:

Trapper Doc Seitenberg:

Ich biete mal einen andere Sichtweise an:
Zunächst ist festzustellen, dass der Weg der vergangenen Jahre, eine Mannschaft gespickt mit teuren Altstars, nicht den sportlichen Erfolg gebracht
hat, den wir uns alle erhofft hatten. Halbfinals hin oder her – man hätte das internationale Geschäft erreichen müssen und hat zweimal versagt. Auch
ist, auch wenn man publikumswirksame Stars wie Zé Roberto und van Nistelrooy verpflichten konnte, über Jahre versäumt worden die eklatanten
Schwachstellen des Kader durch zielgerichtete Verpflichtungen auszumerzen. Die von mir mehrfach hier beklagte Disbalance des Kaders, die Abhängigkeit
von den Launen eines Zé Robertos, dazu mit Elia, Trochowski und Demel mindestens drei Spieler, bei denen Anspruch und Wirklichkeit beständig
auseinanderklafften. Der Weg, der einstmals von Beiersdorfer durchaus erfolgreich beschritten worden war (Holland-Connection, De Jong, vdV), wurde
nach dessen Angang ins Konzeptlose verwässert, bzw. verlassen.

Davor lagen bekanntlich lange Jahre der Tristesse, in denen Spieler wie u.a. Hertzsch, Gründel, Spörl, Ivanauskas und Albertz stellvertretend für den
HSV standen. Man erinnert sich mit Grausen. Die Zeiten überdauerndes Merkmal des HSV war auch stets, dass Talente praktisch keine Chance hatten. Und
die damaligen Trainer waren meistens ähnlich bieder wie ihre Kader (z.B. Möhlmann, Jara etc. pp).

Nun hat der HSV wieder einen Sportdirektor, der den Namen auch verdient. Mag er auch nicht alles richtig machen (wer macht das schon?), so kann man
ihm ausreichend Kompetenz zutrauen den vorhandenen Kader zielgerichtet weiterzuentwickeln, als auch innerhalb des Vereins (Stichwort: Nachwuchs) ein
einheitliches und schlüssiges Konzept zu implementieren, welches zukünftig eine tatsächliche Durchlässigkeit aus den Nachwuchsabteilungen hinein in
die Profimannschaft ermöglicht. Wir haben zudem (wieder) einen Trainer, der nicht nur kommunikationsstark ist, sondern augenscheinlich eine
tatsächliche Spielidee verfolgt (Veh, aber auch Oenning würden vermutlich noch heute danach suchen).
Und wir haben eine Mannschaft, die auf vielen Positionen noch so jung ist, dass eine endgültige Aussage über ihr tatsächliches maximales
Leistungsvermögen noch kaum möglich ist (Ich ignoriere in diesem Zusammenhang die Clowns hier, die meinen nach 15 Min. einen Spieler einschätzen zu
können.). Am Ende dieser Saison werden die aus anderen Ligen gekommenen Spieler in der BULI angekommen sein. Am Ende dieser Saison werden aus
Nachwuchsspielern, die vorher bei unterklassigen Vereinen spielten, Stammspieler der BULI geworden sein. Andere werden sich von Lückenbüßern (Rincon,
evtl. Kacar) zu unumstrittenen Stammspielern entwickelt haben. Über wieder andere (Arslan, Skjelbret) ist m.E. derzeit noch kaum eine Aussage möglich.
Möglicherweise schlummern hier noch stille Reserven im Hinblick auf das Leistungsvermögen der Mannschaft.
Und nicht vergessen solte man auch die ganz jungen Talente, die derzeit etwas hintenan stehen, wie Lam und Son (und andere). Wer an denen rummeckert,
der sollte sich mal fragen wann der HSV überhaupt mal eigene Talente nach oben gebracht hat.

Natürlich wird man auch diesen Kader zielgerichtet verstärken müssen, will man höhere Ziele anpeilen. Natürlich wird der ein oder andere die
Erwartungen nicht erfüllen können. Aber während man bei Trochowski nach sieben(?) Jahren(!) immer noch händeringend nach einer geeigneten Position
suchte, bzw. auf den endgültigen Durchbruch als unumstrittener Stammspieler wartete, kann man bei unseren Talenten mit guten Gründen noch optimistisch
sein.

Nein, die derzeitige Phase ist vielleicht eine der vielversprechensten und spannensten Phasen des HSV seit den goldenen 80ern. Viel bislang
unausgeschöpftes Potenzial, noch zu wenig Ertrag. Sicher scheint mir, sollten Arnesen und Fink den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen (können),
dass wir spätesten in der übernächsten Saison wirklichen BULI-Spitzenfußball in Hamburg sehen werden. Bis dahin sind leider nur die Preise beim HSV
spitze. Insofern verwundert es nicht, dass mancher nicht bereit ist für eine Mannschaft in der Entwicklung (vulgo: mittelmäßig) Top-Preise zu
bezahlen. Der HSV wäre gut beraten die Eintrittspreise dem anzupassen, was die Mannschaft derzeit verständlicherweise leisten kann. Oder anders
gesagt: wer Spitzenpreise noch aus der Zeit der arrivierten Stars nimmt, der darf nicht mit einer Mannschaft auflaufen, der noch der große Glanz fehlt
und die immer mal wieder auch ein wenig enttäuscht. Jedenfalls darf er dann nicht mit der Geduld und Nachsicht rechnen, die bei dieser Mannschaft
derzeit noch erforderlich ist.

“Peschino”:

Kurzfristig gesehen: der von allen beobachtete Aufschwung hat gestottert.
Unsere Erwartungen sind wieder zu hoch gewesen und wurden prompt
enttäuscht. Diese Mannschaft ist z.Zt. nur so gut wie ihr jeweiliger
Gegner, nicht besser. Ich werde mich also wieder dazu zwingen Geduld zu
haben.
.
An den Strohhalm “DFB-Pokal” wage ich mich nicht zu klammern. Ich
verspreche mir auch keine Wunderdinge von der Winterpause, nur das, was
man erwarten darf: weiter professionelle Arbeit an Spielordnung und
Automatismen, Fitness für volle 90 Min usw. Eine zarte Hoffnung für die
Rückrunde erlaube ich mir aber bei unserer letzten Millionen-Investition
Illicevic, die in der Hinrunde kaum zur Geltung kommen konnte, noch sehr
verspielt ist, uns aber noch weiter helfen wird.
.
Mittelfristig gesehen, also in die nächste Saison geblickt, muss eine
Qualitätssteigerung kommen! Durch Weiterentwicklung im Team, vor allem
aber durch gezielte Zu- und Abgänge. Diese Veränderungen werden “hinter
verschlossenen Türen” während der kommenden Rückrunde eingefädelt. Das
wird für mich der Lakmus-Test für den SpoDi und seinen Mitarbeiterstab,
und nicht einzelne Spiele jetzt!
.
Langfristig gesehen? Ja, was ist im Fussballgeschäft noch langfrisitg?
Unser SpoDi und der Trainer haben Verträge bis 2014. So lange hat beim HSV
schon lange keiner mehr kontinuierlich gearbeitet und den Preis zahlen wir
heute.

“Bubi Hönig”:

Das Fußballjahr 2011 geht langsam zu Ende – zum Glück. . .
Ansonsten war beim HSV blankes Chaos und man wusste
oft nicht mehr, auf was, oder wen man hoffen soll. Daran gemessen gefällt
mir der jetzige Zustand gut, man kann sich zurücklehnen und darauf setzen,
dass die Entscheider das Richtige tun werden, bzw. das die Maßnahmen sich
im Nachhinein als richtig erweisen werden. Mit dieser Gewißheit kann man
dann hier auch die Leute etwas gelasener lesen, die sowieso alles besser
wissen…

“Billy Bremner”:

„Man kann die Sache so und so und so und so drehen. Man kann sich das Spiel
bis zu einem gewissen Grad auch schönschwätzen, aber unbestritten dürfte
sein, dass diese Truppe wirklich nur ein Abbild des Gesamtvereins bietet
und unteres Mittelmaß repräsentiert und keinen echten Leader von
Effenberg-oder-sonstwie-Format hat. Da muss mal jemand den Kollegen die
Trantütigkeit ab- und Kaltschnäuzigkeit angewöhnen. Es kann nicht angehen,
dass der HSV seit 24 Jahren einfach keine Big Points macht und eine
klägliche Chancenverwertung immer mit Pech entschuldigt….”

„HSV Bayer”:

…bei jedem Spiel wird beim ersten Fehlpass angefangen zu pesten. Letzte
Saison wurde auf die alten Säcke eingedroschen und ein Umbruch gefordert.
Der geht ja von heute auf morgen, soviel ist klar. Diese Saison wird auf
junge Spieler eingedroschen…

„piependreier”:

…Auch wenn der HSV eine junge Mannschaft auf gebaut hat und die noch in
der Entwicklung steht, in der Mannschaft weht jetzt ein anderer Wind als
zum Beginn der Saison. Diese Jungens wollen etwas schaffen und spielen
gerne für den HSV. In der Hinrunde wurden Spiele unglücklich verloren bzw.
endeten Remis…

„Wicht”:

…Meiner Meinung nach sieht man deutlich die Handschrift und den positiven
Führungsstil von Fink. Er wird uns wieder nach oben bringen. Fink hat
Klasse und die Mannschaft wird das über kurze Zeit auch umsetzen, daran
glaube ich….

„Eiche Nogly”:

…Mit einem Klapprad gewinnst Du halt keine Etappe bei der Tour de France
wenn 8 Konkurrenten ein Rennrad zur Verfügung haben. Nur wenn die mal einen
Defekt haben, langt es in einer Etappe auch mal für ein besseres Ergebnis.
In der Gesamtwertung wird es halt hinteres Mittelfeld….

„HSVDONALD22B”:

Resümierend ist zu sagen, dass wir Alle gefordert sind,weiterhin Geduld
aufzubringen mit dieser HSV-Gesamtsituation.
Wie von verschiedenen Blogteilnehmern beschrieben sind wir z. Zt. von der
Ausstattung (sprich: Qualität der Mannschaft, insbesonder das zentrale
Mittelfeld) her nur unteres Mittelmaß. Aus dieser Ausstattung hat TF so
ziemlich das Beste gemacht, was derzeit möglich ist: Stabilisierung und
Schadensverminderung.
Mehr ist einfach mometan nicht drin. Und das wird für die Rückrunde noch
anhalten. Wenn wir dann am Ende zwischen Platz 12 + 15 landen, dann ist das
absolut ok.
Die sportliche Leitung muss sich schon jetzt strategisch damit
beschäftigen, wie aus dieser Stabilisierung eine schrittweise
Weiterentwicklung Richtung EL-Quali in 2012/2013 entsteht. Alle höher
fliegenden Gedanken der HSV-Fans, getragen von Frust und Ungeduld sind imho
realitätsfern.

„W.A.”:

… Trotzdem würde ich auf Zukäufe in der Winterpause verzichten:
1. Der HSV hat in den zurückliegenden Jahren damit keine guten Erfahrungen
gemacht
2. Wer garantiert, dass Neuzugänge wirklich einschlagen…

„Randnotiz“:

Ein sehr sehr anstrengendes HSV-Fußballjahr ist zu Ende. Gottseidank! Es
hat mich sehr sehr viele Nerven gekostet. Bis auf den Umschwung unter ThoFi
gab es absolut nichts was wirklich Spaß gemacht hat.
.
An dieses HSV-Jahr werde ich im Großen und Ganzen mit Grausen zurückdenken.
Das war nichts bis gar nichts. Das muss man so deutlich sagen. Dieser Blog
hat sich diesem Grauen nahtlos angepasst und immer noch einen oben drauf
gesetzt. Anstatt sich hier Trost und Zuspruch in schweren Stunden zu holen,
sah man sich hier derben Entgleisungen ausgesetzt. Das war wahrlich kein
Spaß.
.
Aber es gab und gibt ja auch die vielen vielen besonnenen Fans/User, die
trotz all der Miseren den Mut, die Hoffnung nicht verloren haben. Das
tat/tut gut.
.
Und FA und ThoFi werden uns 2012 wieder mit attraktiven und auch
erfolgreichen Fußball in bessere Zeiten führen. Davon bin ich überzeugt,
daran will ich einfach glauben.
.
Dieter und Scholle, ihr beiden habt einen tollen Job gemacht. Jeder kann
sich vorstellen, wie schwer es ist sich täglich zu einem neuen Blog
aufzuraffen, wenn man weiß dass man Ende wieder einige über die Strenge
schlagen und üble Anfeindungen folgen.
.
Auch ich war nicht immer mit euren Blogs einverstanden, aber immer
zufrieden, dass ihr beide uns täglich über den HSV informiert und sogar mit
dem einen oder anderen Extra-Blog mit Eilmeldungen gefüttert habt.
.
WELTKLASSE!
.
Ich wünsche euch allen ein paar schöne Tage im Kreise euerer Familien
und/oder Freunden. Ein paar fußballfreie Tage sind ja immer sehr willkommen
bei den Familienmitgliedern. Also meine Frau freut sich schon. 😉
.
Sie weiß nicht , dass in England durchgeweihnachtet wird. Naja wird sie
noch früh genug gewahr. Sky sei Dank :)

So, das waren „meine“ Auszüge, die mir das Moderatoren-Team ans Herz gelegt hat. Danke dafür. Und explizit auch ein herzliches Dankeschön an „Scholle“, mein Kollege Marcus Scholz, der mich hier stets vertritt, der mich vor allen Dingen sehr lange an einem Stück vertreten hat (und es auch wieder tun muss, denn ich habe noch viel Rest-Urlaub, Scholle!), und der, das höre ich immer wieder, sehr gute Arbeit geleistet hat. Danke Scholle!

Und: Wer nun noch auf das traditionelle Weihnachtsgedicht wartet, der muss sich ein wenig gedulden – es ist fertig, schon im Kasten, aber es kommt morgen, an Heiligabend. Habt bis dahin eine schöne Zeit voller Vorfreude auf das Fest, habt einen schönen Feierabend – und überhaupt, alles Gute für Euch.

15.33 Uhr

Feuer im Stadion – bitte nur auf dem Rasen!

12. Dezember 2011

Heute einmal, weil es ein Ruhetag beim HSV gibt, die etwas andere Eröffnung.
Der Sport-Informations-Dienst berichtet (auch) über einige Fußball-Fans, die es nicht lassen können:

Das Entzünden von Bengalos beim Ostderby gegen Energie Cottbus könnte Fußball-Drittligist Dynamo Dresden im Kampf gegen den Pokalausschluss um die letzte Chance bringen. Der DFB ermittelt. Dunkler Qualm stieg im Dresdner Block auf. Vermummte Anhänger wedelten freudig erregt mit brennenden Bengalos umher. Sicherheitskräfte versuchten vom Rasen aus, mit Wasserwerfern zu löschen – doch der Eklat war nicht mehr zu stoppen. Der Einsatz von Pyrotechnik einiger unverbesserlicher Rowdys kurz vor dem Ostderby gegen Energie Cottbus sorgte bei Dynamo Dresden trotz des 2:1-Sieges für Entsetzen. „Der DFB-Kontrollausschuss ist informiert“, bestätigte Sprecher Jens Grittner.

„Da haben uns wieder einige einen Bärendienst erwiesen“, sagte Dresdens Präsident Andreas Ritter und ergänzte ziemlich verbittert: „Jeder, der normalen Menschenverstand besitzt, weiß doch, wie sehr uns diese Vorfälle jetzt schaden. Sollten wir wegen dieser Vorfälle eine Geldstrafe erhalten, werden wir uns das Geld von den Verursachern zurückholen.“ Der Klub-Boss befürchtet – wohl zu Recht – einen negativen Einfluss auf das Berufungsverfahren, mit dem sich der Klub derzeit gegen den Pokalausschluss für die kommende Saison wehrt.

Warum ich das veröffentliche? In Mainz waren einige HSV-Fans auch mit viel Feuer bei der Sache. Wie immer. Aber, und das sollte sich jeder jetzt einmal vor Augen führen: Dresden ist hart bestraft worden. Und deswegen geht Dresden auf die Barrikaden. Ost und West wird ungleich behandelt – so das Motto der Dynamos. Und weil es dafür auch Unterstützung aus dem Osten gibt, wird es nicht lange dauern, bis der erste West-Klub nicht zur zur Kasse gebeten wird (das wird er ohnehin schon immer), sondern auch aus irgendeinem Wettbewerb ausgeschlossen wird. Oder, wie jetzt Hansa Rostock, vor leeren Rängen ein Heimspiel austragen muss.
Alles kein Problem?
Okay, dann weiter so!
Der Verein, in diesem Fall der HSV, muss doch kaputt zu kriegen sein . . . Indem ihm ein klein wenig Feuer gemacht wird. Ich sage aber: Feuer im Stadion? Bitte nur auf dem Rasen!

Um noch einmal auf den morgigen Dienstag zu kommen. Fußballgrößen wie Zinedine Zidane, Ronaldo und Luis Figo sind die Topstars beim neunten „Spiel gegen die Armut“ im Volkspark. Bei dieser von den Vereinten Nationen unterstützten Partie soll Geld für hungernde Menschen am Horn von Afrika gesammelt werden. Das Spiel beginnt um 19.05 Uhr, wird live auf „Sport 1“ übertragen – aber sollte auch immer noch – einige Zuschauer in die Arena ziehen. Der HSV tritt gegen „Ronaldo, Zidane und Friends“ mit seinen Nationalspielern an – und dazu kommen einige Altstars zum Einsatz.

Das „Spiel gegen die Armut“ ist für Zidane, mittlerweile Sportdirektor bei Real Madrid und ehrenamtlich UNO-Goodwillbotschafter, eine echte Herzensangelegenheit. „Wir wollen nicht nur Geld sammeln, sondern auch sensibilisieren für die Not der Menschen in dieser Region. Die Botschaft muss heißen, dass wir uns um bedürftige Menschen kümmern müssen“, sagt der Franzose voller Engagement.

Nach UNO-Schätzungen leben rund 13 Millionen Menschen in Dschibuti, Somalia, Äthiopien und Kenia in bitterster Armut und sind vom Hungertod bedroht. Und so kommen auch noch aktive Fußballstars wie Didier Drogba in die Hansestadt, um zu helfen. Der Torjäger des FC Chelsea ist selbst in der Elfenbeinküste in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen: „Deshalb ist es mir eine Ehre, diese Menschen zu unterstützen.“

Das Publikum erwartet eine Fußballshow der Extraklasse, denn die „Freunde“ von Ronaldo und Zidane sind durchaus prominent. Jens Lehmann wird das Tor hüten, die Fußballschuhe schnüren werden weiterhin Fabio Cannavaro, Fernando Hierro und Gheorghe Hagi. Zum Team der HSV-Allstars gehören unter anderem die Ex-Rothosen Ze Roberto, Mehdi Mahdavikia, Sergej Barbarez, Stefan Beinlich und Jörg Albertz. Und selbst die „Pfeife“ ist ein Star: Pierluigi Collina, zwischen 1998 und 2003 sechsmal in Folge Welt-Schiedsrichter des Jahres, leitet die Partie. Als Trainer der Gäste fungieren Marcello Lippi und Bora Milutinovic. Und damit auch Deutschlands Tennisheld Boris Beck in offizieller Funktion irgendwie dazugehört, hat man den „Bobbele“ zum Team-Manager gemacht.

Und nicht vergessen: Es geht hier ums Helfen.

Noch nicht vergessen ist, jedenfalls bei mir, dass sich unmittelbar vor der Erstansetzung des Bundesliga-Spiels 1. FC Köln gegen Mainz 05 der angesetzte Unparteiische Babak Rafati in einem Kölner Hotel das Leben nehmen wollte (19. November). Der ehemalige Berliner Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), nimmt nun wegen exakt dieses Suizidversuchs den eigenen Verband in die Pflicht. „Ein kleines Trainer- und Coaching-Team, ergänzt um den Rat und die individuelle Unterstützung von Fachexperten, das ist wohl der richtige Weg auch für unsere Schiedsrichter. Da brauchen wir in der Schiedsrichterführung auch mehr Ruhe für den Blick und das Ohr für den Schiedsrichter als Menschen“, sagte Fröhlich.

Morgen wird das Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 nachgeholt. Fröhlich untermauerte, dass auch die medizinische und sportliche Betreuung der Schiedsrichter besser werden müsse. „Wir müssen dranbleiben, können an internationalen Vorgaben nicht einfach vorbeigucken. Das Thema Support und Impulse zur Verbesserung der Fitness werden wir kurzfristig aufgreifen. Dazu gehören auch die Themen Regeneration und medizinische Betreuung“, sagte Fröhlich.

Zu abstrakt ist für Fröhlich auch die Forderung von Fifa-Präsident Joseph S. Blatter angestoßene Diskussion über Profi-Schiedsrichter: „Das ist in dieser Form nur eine leere Hülle, die manchmal etwas zu populistisch auf den Markt geworfen wird. Inhalte sind wichtig, wie zum Beispiel: Welche Einstellungen haben die Schiedsrichter zu ihrer Tätigkeit? Wie arbeiten Schiedsrichter, und wie wird mit Schiedsrichtern gearbeitet? Und: Wie sind die Rahmenbedingungen ausgestaltet?“, sagte Fröhlich.

Bei der Gelegenheit ist mir am Wochenende eine Szene übel aufgestoßen. Es war beim Spiel Köln gegen Freiburg. Vor dem 1:0 wurde Lukas Podolski steil geschickt. In der Fernseh-Wiederholung, nur eine von unzähligen an diesem Tag, wurde der Fuß des Kölners farbig eingekreist – weil der Fuß im Abseits stand. Ich frage mich aber, ob es wirklich der Fuß war, oder nur der große Zeh? Oder nur der Fußnagel des großen Zehs? Nein, nein, das ist schon pervers. Wird in dieser Szene auf eine Abseitsstellung entschieden, wird im Fernsehen sicher gesagt: „Schade, ursprünglich sollte es ja so ausgelegt werden: Im Zweifel für den Stürmer.“ Und wenn nicht so entschieden wird, dann heißt es: „Abseits, dieser Treffer hätte eigentlich nicht zählen dürfen.“

Welche Chance haben da eigentlich noch die Schiedsrichter? Die können doch gar nicht gegen 30 Kameras und mehr (?) anpfeifen, die müssten doch Woche für Woche wahre Wunder vollbringen, wenn sie ohne große Fehlentscheidungen über die 90 Minuten kommen wollten. Und trotzdem, fast unglaublich, schaffen es immer viele – oder welche. So wie am Sonntag Manuel Gräfe aus Berlin, der Stuttgart gegen Bayern wieder einmal super geleitet hat. Auch wenn die Schwaben noch immer Gift und Galle spucken. Ich sage: Kompliment, Herr Gräfe!

So, ich möchte auch noch einmal explizit auf den HSV kommen. Ich denke mit einem leicht mulmigen Gefühl an das letzte Heimspiel des Jahres, am Sonnabend, tatsächlich noch einmal um 15.30 Uhr (womit hat der HSV das verdient?), gegen den zuletzt sehr aufmüpfigen Aufsteiger FC Augsburg. Dazu hat HSV-Nationalspieler Dennis Aogo nach dem 0:0 in Mainz einiges gesagt, und das möchte ich Euch nicht vorenthalten: „Es wäre sehr wichtig für uns, wenn wir mit einem Heimsieg in die Winterpause gehen könnten, es wäre der krönende Abschluss der letzten Wochen, wir wollen uns unbedingt belohnen für die gute Arbeit. Es wäre für jeden Spieler ideal, mit einem guten Gefühl in die Winterpause zu gehen, und es wäre zudem auch in der Tabelle ein entscheidender Schritt.“

Generell befand Aogo zum letzten halben Jahr: „Der Knackpunkt für uns war der Trainerwechsel, Thorsten Fink hat der Mannschaft Selbstvertrauen, Sicherheit und eine Spielidee gegeben, die wir umsetzen. Man hat in Mainz deutlich gesehen, dass sich die Mainzer in dieser Woche sehr viele Gedanken um uns gemacht haben. Sie waren auf der Suche nach Lösungen, um unser Konzept zu stören, das ist ihnen sicherlich auch ganz gut gelungen, aber es zeigt mir auch, dass wir uns den Respekt der Liga zurück erarbeitet haben.“

Um noch einmal auf das Feuer im Spiel zurück zu kommen. Dazu gab es zahlreiche Beiträge bei „Matz ab“, hier nur einige wenige Ausschnitte:

„UnsUwe“: „Ich bin einfach gegen Bengalos in Stadien und denke auch, dass man dies auch ohne „Schande” vertreten kann. Ich habe noch bei keinem Stadionbesuch erlebt, dass es Pyros die Stimmung verbessern, sondern eher negativ anheizen und wirklich gesund ist es auch nicht. Wenn wenigstens nur die „Zünder” von dem Rauch betroffen wären, ok, aber solche „intelligenten Pyros”, welche keine Kollateralschäden verursachen, wurden vermutlich noch nicht erfunden… Schwieriges Thema, aber wenn man sagt, dass man solche Dinge in “allen Stadien” nicht sehen möchte, dann kann man wohl kaum von einer heuchlerischen Debatte sprechen. Finde ich.
.
Noch etwas: Ich wundere mich etwas über den so plötzlich sachlichen und umgänglichen Ton hier im Blog, nein, eigentlich ich freue mich drüber. Weiter so.“

„Mladenhüter“: „Ich habe mich in über zwanzig Jahren bei keinem meiner zahlreichen Stadionbesuche durch Pyrotechnik belästigt gefühlt.“

„PeVo“: „Ich werde auf jeden Fall am 15.01.12 zur Mitgliederversammlung gehen. Und wenn Oliver Scheel sich nicht klar und deutlich gegen diesen Unsinn ausspricht, ist er für mich nicht wählbar.“

„Kollauer“: „Ich sehe immer noch alle Vereine in der Pflicht, diese objektiv potenzielle Gefahr für die Stadionbesucher nicht mehr zuzulassen.“

So, ich bin am Ende. Für heute. Und bitte an morgen denken: 19.05 Uhr in der Arena, der HSV gegen den Rest der Welt – für einen guten, guten Zweck.

16.59 Uhr

PS: Morgen (Dienstag) Training um 10 Uhr im Volkspark.

Und noch eine Ergänzung. Ich sprach eben mit Supporters-Chef Ralf Bednarek, der gestern in einem Beitrag bei “Matz ab” genannt wurde. Weil er die Bengalos legalisieren möchte. Bednarek sagte mir: “Ich setze mich für die Legalisierung ein, nicht dafür, wie damit im Moment umgegangen wird. So wie es jetzt gehändelt wird, so ist es natürlich sehr gefährlich. Ich möchte aber extra freie Zonen dafür, ungefährlichere Materialien, die sich nicht so sehr erhitzen, ich möchte, dass dann mindestens ein Feuerwehrmann dabei ist – und derjenige, der die Bengalos abbrennt, der müsste als Bühnen-Pyrotechniker ausgebildet sein. Ich kenne einige Fans, die sich dazu ausbilden lassen würden.” Ralf Bednarek weiter: “Mit Verboten werden wir, davon bin ich überzeugt, das Problem kaum lösen können. Zum Beispiel Mainz. Da waren die Kontrollen so scharf wie nie. Und trotzdem ist es gelungen, diese Sachen einzuschleusen. Wenn aber Bengalos genehmigt sind, dann wissen alle, DFB, Verein und die Behörden, wer damit am Werk ist.” Zum Schluss sagt der Supporters-Chef noch: “Ganz klar sage ich: Wir wollen keine Böller im Stadion, keine Rauchbomben, die auf die Augen gehen, die auch die Atemwege reizen. Leute, die damit erwischt werden, wenn sie so etwas abbrennen, die müssen mit Strafen rechnen. So wie schon in der Vergangenheit immer.”
Ergänzt um 17.41 Uhr

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