Archiv für das Tag 'Xhaka'

Der Vorstand hält sich da raus

17. Juni 2013

An Tagen wie diesen . . . Singen die Toten Hosen. Passt irgendwie genau auf diesen Tag. An Montagen wie diesen, die dazu noch in der Fußball-Sommerpause liegen, da passiert so gut wie nichts. Aber ist ja auch irgendwie normal. Auch die Sache mit den Neuzugängen – ganz normal. Das hat beim HSV schon Tradition, dass es noch ein wenig länger dauert. Das ist in diesem Jahr eigentlich wie immer. Obwohl der neue Sportchef Oliver Kreuzer von den HSV-Führungskräften schon gelobt wird. Der Mann ist heiß am Ball, er soll auf dem richtigen Weg sein und – das stimmt mich zuversichtlich, er soll die Dinge ohne Umschweife anpacken. In etwa so, wie einst Uwe Seeler gespielt hat. Und wie hat er immer gespielt? Stets den direkten Weg zum Tor. So soll Kreuzer auch seine Arbeiten verrichten. Klingt doch gut. Ich habe darüber mit einigen HSV-Leuten gesprochen, auch mit HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow. Und der sagte mir auf die Frage, ob er guter Hoffnung für die neue Saison sei: „Sportchef Oliver Kreuzer fokussiert sich auf die wichtigen Dinge, und das macht er sehr gut, und wenn die zu einem guten Abschluss gebracht werden, und davon gehe ich aus, bin ich auch guter Hoffnung.“

Ja, und ich hoffe mal mit. Irgendwie bin ich sogar sehr guter Hoffnung, auch wenn ich nicht weiß, warum? Platz sieben war es immerhin in der nun abgelaufenen Spielzeit, und Platz sieben klingt doch echt nicht ganz so schlecht. Finde ich jedenfalls. Und immerhin ist dieser Platz sieben trotz der Tatsache erreicht worden, dass der HSV 53 Gegentore schlucken musste, dass der HSV die meisten Torschüsse der Gegner zuließ, dass der HSV nie mehr als zwei Siege in Folge geschafft hatte, und dass der HSV nie mehr als vier Spiele in Folge ungeschlagen blieb. Wenn all diese Tatsachen verbessert werden, und daran arbeitet Kreuzer ja jetzt mit Hochdruck, dann muss es doch eigentlich auch besser werden.

Und mir wäre es dazu auch egal, was hier bei „Matz ab“ schon ein wenig kritisiert wurde, dass nämlich Thorsten Fink oft nur die Spieler des FC Basel im Blick (als Verstärkungen) hat. So wie schon in der Vergangenheit, als es der Trainer gerne gesehen hätte, wenn die Basel-Spieler David Abraham, Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri nach Hamburg gewechselt wären. Alle drei nicht schlecht, ich würde mal behaupten, dass jeder von ihnen einen Stammplatz beim HSV gehabt hätte – aber sie waren eben auch unerschwinglich. Den Wunsch kann man haben, das Geld sollte man aber auch haben. Das hat der HSV ja nun – in diesen Tagen – auch schon mit dem Schweizer Timm Klose erlebt – wahrscheinlich jedenfalls. Um noch mal auf die drei Fink-Wunschkandidaten zu kommen: Shaqiri ist für mich ein überragender Mann, der in jeder anderen Bundesliga-Mannschaft gesetzt wäre – nur bei Bayern nicht. Aber er brachte es immerhin auf 26 (von 34) Bundesliga-Einsätze (vier Tore), wobei er in 13 Partien eingewechselt und in sieben Begegnungen ausgewechselt wurde. Abraham kam erst in der Winterpause aus Getafe nach Hoffenheim und war in zwölf Spielen und den beiden Relegationsspielen gegen Kaiserslautern dabei – mit durchweg guten Noten. Einige Anlaufschwierigkeiten hatte Xhaka in Mönchengladbach, aber auch er brachte es noch auf 22 Einsätze in der Bundesliga, dabei waren sieben Ein- und drei Auswechslungen – und ein Tor.
Wie gesagt: Alle drei Spieler hätten beim HSV – oder als HSV-Profis – noch bessere Bilanzen gehabt. Quintessenz: Nur her mit den Profis aus Basel.

Aber da muss natürlich auch die Kasse des HSV mitmachen. Doch auch in dieser Beziehung ist ja schon eine (leichte) Besserung eingetreten – dank Heung Min Son und Sportfive.

Themenwechsel. Struktur-Wandel im HSV. Ich habe geschrieben, dass sich etwas tut, dass hinter den Kulissen fleißig gewerkelt wird. In dieser Woche treffen sich dazu einige „hohe Herren“, um die gute Sache voranzutreiben. Ich kann noch keine Namen nennen, ich weiß aber schon, wer dabei ist, wer schon für den „neuen HSV“ geworben wurde – das stimmt mich absolut zuversichtlich. Immer mehr von Fans machen mit, reichen auch ihre Vorschläge ein, damit der HSV professioneller aufgestellt wird, und immer mehr richtig große Größen sitzen inzwischen mit im Zug. Verlangt bitte noch keine Namen, die werden früher oder später schon publik, ich weiß nur, dass da etwas Gutes entsteht. Und wenn ihr das wisst, dann ist das doch auch schon mal ein schönes Zeichen.
Wenn nicht jetzt, wann dann? So hatte es Ernst-Otto Rieckhoff bei der Mitgliederversammlung gefragt, und ich kann nur sagen – jetzt!

Zu diesem Thema habe ich mich mit Carl-Edgar Jarchow unterhalten, es ist für ihn als Vereins-Chef gewiss nicht leicht, sich dazu öffentlich zu äußern. Ganz, ganz vorsichtig hat er es dann aber doch getan – ich habe lange genötigt . . . Wie steht CEJ zu neuen Strukturen, zu solchen Veränderungen im HSV? Er sagt: „Ich habe viele Jahre darüber nachgedacht, ich saß in vielen AGs und war tätig, um solchen Veränderungen herbeizuführen. Letztlich hat es nie gekappt.“ Und wie ist heute seine Meinung dazu: „Wir vom Vorstand werden uns da heraushalten, denn ich denke, dass so etwas aus der Mitgliedschaft kommen muss. Wir können zu diesem Thema eine klare Meinung haben, aber erst sind jetzt die Mitglieder gefragt.“ Denn schließlich muss es für solche Änderungen eine Dreiviertelmehrheit geben. Jarchow sagt aber auch zu den jetzigen Bestrebungen (von Ernst-Otto Rieckhoff, Jürgen Hunke und vielen anderen HSV-Größen): „Wir werden es begleiten und dann zur Verfügung stehen, wenn wir gefragt werden. Und wir werden dann Stellung beziehen, wenn diese Dinge auf der Tagesordnung stehen.“ Jarchow sagt aber auch: „Dass Rieckhoff und Hunke es nun angepackt haben, ist der richtige Weg. Sie müssen werben, damit sie die nötige Mehrheit bekommen.“

Wie er die Chancen beurteilt, dass es letztlich auch zu den angestrebten Struktur-Änderungen kommen wird? Jarchow: „Mit einer Voraussage tue ich mich schwer.“ Auch aus diesen Gründen: „Rieckhoff und Hunke haben unterschiedliche Vorstellungen, sie sollten sich angleichen. Und dann kommt sicherlich auch hinzu, wie wir sportlich im Januar, wenn die Mitgliederversammlung durchgeführt wird, stehen. Es hängt von vielen Faktoren ab.“ Das war auch bei der Mitgliederversammlung in der Arena zu erleben und zu spüren. Obwohl ich da letztlich das Gefühl hatte, dass es an diesem Sonntag hätte klappen können, denn von den 600 Mitgliedern, die anwesend waren, erhoben sich nach der Rieckhoff-Struktur-Änderungs-Rede mindestens drei Viertel der Mitglieder und applaudierten minutenlang. Mich stimmt das zuversichtlich. Obwohl Carl-Edgar Jarchow auch sagt: „Es lag in der Vergangenheit nicht nur an den Strukturen, dass die großen Erfolge ausblieben, es lag auch an den handelnden Personen.“ Stimmt. Aber in einer Welt- und Wirtschaftsstadt wie Hamburg würden neue Strukturen ganz sicher für neue Impulse sorgen.

In der Hoffnung, das ich nicht zu viel und auch nichts Verbotenes geschrieben habe, lieber Herr Jarchow (denn es ist ja ein ganz spezielles Thema!), komme ich jetzt noch einmal kurz zum sportlichen Teil dieser Ausgabe. Es geht um

den Sommerfahrplan des HSV. Und der sieht wie folgt aus:

1. Juli in Hamburg: Trainingsstart im Volkspark
5. – 10. Juli in Mayrhofen: Trainingslager im Zillertal
5. Juli: Wacker Innsbruck – HSV
8. Juli: Zillertal-Auswahl – HSV
13./14. Juli in Hamburg: Offizielle Saisoneröffnung beim Nordcup mit HSV, FC Kopenhagen, VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig
15. – 19. Juli Testspielreise nach Klagenfurt
16. Juli in Villach: RSC Anderlecht – HSV
20. Juli: Telekom-Cup in Mönchengladbach:
Halbfinale: Borussia Mönchengladbach – HSV
21. Juli: Telekom Cup: Spiel um Platz 3 oder Finale
23. Juli in Flensburg: West Ham United – HSV
27. Juli in Hamburg: HSV – Inter Mailand
2. – 5. August: 1. Hauptrunde im DFB-Pokalwettbewerb: SV Schott Jena – HSV
8. August: TSV Etelsen – HSV
9. – 11. August: 1. Bundesliga-Spieltag der Saison 2013/2014

19.16 Uhr

Neue Größen in van der Vaarts Schatten

24. September 2012

Was gibt es nicht für schöne Momente – wenn man zuvor sein Spiel gewonnen hat. Da wird selbst die Vorstellung des neuen Mannschaftsbusses zum dreistündigen Top-Event. Mit bei der Präsentation des „Rauten-Express“ wie ihn die Fans in einer Umfrage getauft hatten, waren heute fast ausnahmslos glückliche HSVer. Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Heiko Westermann, Carl Jarchow und Fink, dessen Freude nur durch die Verletzungen von Jeffrey Bruma (Knieprobleme), Zhi Gin Lam (Muskelfaserriss) und Christian Norgaard (Riss des Syndesmosebandes). Dennoch überwog auch bei Fink die Erleichterung nach dem ersten Saisonsieg. „Ich kann mit Sicherheit sagen: So ein Termin ist deutlich angenehmer, wenn man vorher gewonnen hat.“

Und das haben sie.

Dank Rafael van der Vaart. Zumindest wird an dem Niederländer gefühlt 98 Prozent des Sieges festgemacht. Die anderen zwei Prozent teilen sich das mannschaftliche Kollektiv (es gibt es tatsächlich!) und Rene Adler, der gegen Dortmund tatsächlich den Beweis antrat, dass es richtig war, ihn trotz des laufenden Vertrages vom ebenfalls hervorragenden Keeper Jaroslav Drobny zu verpflichten. Adler war Weltklasse. Dass er nun gleich wieder mit der Nationalelf in Verbindung gebracht wird ist vielleicht etwas verfrüht – aber bei der ehemaligen Nummer eins bin ich mir absolut sicher, dass es ihn nicht abheben lassen wird. Im Gegenteil: nach dessen unendlich langem und harten Kampf ums Comeback dürften solche Anerkennungen wie Wind unter den Flügeln sein. Adler ist noch lange nicht am Ende seiner Leistungsfähigkeit. „Ich habe noch nie einen Spieler wie ihn gesehen“, hatte mir Jörg Butt erzählt, als der HSV Adler verpflichtet hatte. Und der ehemalige Elfer-Killer und –Verwandler des HSV lobte weiter in Superlativen. Obwohl es Adler war, der seine Bundesligakarriere zumindest ins Stocken geraten ließ, als er Butt in Leverkusen die Position als Nummer eins abnahm. „Rene ist der Torwart mit dem größten Talent gewesen, das ich je gesehen habe“, so Butt, der bekannt dafür ist, lieber mal nichts zu sagen, ehe er etwas Falsches sagt.

Und – für mich nicht überraschend – Butt hat Recht. Adler ist der wahrscheinlich beste HSV-Keeper seit Uli Stein. Damit möchte ich ganz sicher nicht andere Größen wie Golz, Butt selbst oder auch Drobny und vor allem Frank Rost herabwerten – im Gegenteil. Allesamt waren hervorragende Keeper, die oft aus ihren jeweiligen Mannschaften herausstachen. Aber Adler ist ein Torwart mit dem X-Faktor. Er ist eine Mixtur aus riesengroßem Talent, reichlich Erfahrung, großer Perspektive und vor allem der Persönlichkeit und dem Erfolgshunger. Adler war ganz oben, fiel extrem tief und hat sich mühsamst wieder herangearbeitet. Er ist demūtig im Umgang mit dem Multimillionen-Euro-Job, der andere Talente zu schnell zufrieden sein lässt. Adler weiß, worauf es im Leben und im beruf ankommt. Und dass er sein Wissen auch umzusetzen weiß, konnten wir nicht erst am Sonnabend in der Imtech-Arena sehen.

Zurück zum Thema Nationalelf, das ich persönlich bei Adler nie angestoßen hätte, da es ein Selbstgänger ist. „Wenn er so weiter hält, ist er natürlich schnell wieder ein Kandidat für die Nationalmannschaft“, lobte Fink seine Nummer eins heute im Rahmen der Bus-Vorstellung. Allerdings scheint Fink nicht ganz meiner Meinung zu sein. Zumindest holte er Adler heute wieder ein wenig runter. „Er hat gegen Dortmund gut gehalten. Aber eben keine Unhaltbaren.“ Finks ehrenwerter Versuch, Adler in der Spur zu halten, ist allerdings schnell widerlegt, wenn man sich die Partie noch mal ansieht. Allein die Szene gegen Blaszczykowski nach dessen Einwechslung war für mich ein so genannter „Unhaltbarer“, zu dem sich noch etliche sehr gefährliche Szenen gesellten, die Adler entschärfte.

Egal wie, Fink ist sichtlich froh über seinen Keeper, der wie alle(s) andere vom Heimcomeback van der Vaarts in den Schatten gestellt wurde. Allerdings finde ich, dass der Niederländer zu recht – jetzt allerdings auch genug gelobt wurde. Zumal ich kein Freund von Heroisierungen bin. Schon gar nicht bei einer Mannschaftssportart, in der zu 99 Prozent das Kollektiv entscheidet. Mit Adler haben wir schon einen weiteren Mann gelobt. Auch Heung Min Son hatte seinen maßgeblichen Anteil mit den beiden Toren. Dass der Südkoreaner ansonsten allenfalls eine mäßige Partie absolvierte – scheißegal. Und das meine ich tatsächlich so. Aber mir fehlt in er Aufzählung der zu lobenden Spieler neben Heiko Westermann noch ein ganz entscheidender Mann – vor allem auch für van der Vaart: Milan Badelj.

Der Kroate ist am Ball eine Augenweide. Er spielt fast keine Fehlpässe, weiß immer schon vor der Ballannahme, wo Gegen- und Mitspieler sind und ist ein beruhigendes Element in hektischen Momenten. „Milan ist ein super Fußballer“, lobte van der Vaart seinen „Wasserträger“, der in meinen Augen noch besser werden dürfte, wenn neben ihm jemand spielt, der über etwas mehr Defensivqualitäten verfügt. Tolgay Arslan gab sich diesbezüglich alle Mühe und machte ein gutes Spiel. Und obwohl dem gelernten Offensivspieler anzumerken ist, dass ihm der Weg nach hinten und vor allem das defensive Zweikampfverhalten schwerer fällt als der Weg Richtung Spitze, hat er sich die zweite Chance redlich verdient. „Wenn Tolgay weiter so gut nach hinten arbeitet“, lobte Fink heute, „dann ist das gut.“ So gut zumindest, dass Fink seinen Youngster Arslan in Gladbach erneut auf die Doppelsechs stellen wird.

In Gladbach am Mittwoch noch fehlen wird Jeffrey Bruma, den ich heute bei der Reha im UKE (ich muss mein Knie wieder in Schuss bekommen) traf. „Es ist noch nicht wieder richtig gut“, antwortete Bruma auf meine Frage nach seinem Gesundheitszustand, „aber es wird besser.“ Der Niederländer hofft, dass er am Sonnabend gegen Hannover (15.30 Uhr, Imtech-Arena) zumindest wieder auf der Bank Platz nehmen kann.

Gegen Gladbach will Fink nichts umstellen. Er habe kurzzeitig überlegt, ob er im Sturm umbesetzt, diesen Gedanken aber recht zügig wieder verworfen. Zudem kommt es für Fink und den HSV zum Treffen mit einem Spieler, um den sich die Hamburger extrem bemüht hatten: Granit Xhaka. Der ehemalige Baseler sollte bereits im Winter zum HSV. Damals scheiterten die Verhandlungen offiziell am abgebenden Klub FC Basel. Heute sagte Fink, dass der Wechsel seines absoluten Wunschspielers in erster Linie an dessen Berater gescheitert sei. Zumindest im Winter. „Klar hätte ich ihn sehr gern gehabt“, so Fink. Zum Sommer hin habe ihm Xhaka dann allerdings selbst bestätigt, dass es besonders wichtig für ihn sei, Champions League zu spielen. Daher die Entscheidung pro Gladbach.

Heute spielen die Borussen – aus deutscher Sicht: leider – nicht mehr Champions League. Aber vielleicht hatte die Entscheidung des Schweizers gegen den HSV auch etwas Gutes. Immerhin war so die Position des Zehners noch unbesetzt und die Not so groß, dass beim HSV alle Kräfte gebündelt wurden, um Rafael van der Vaart zu holen, dem ich dann doch noch einen Qualitätsvorsprung gegenüber Xhaka zuschreibe.

Jetzt habe ich den Blog mit van der Vaart begonnen und beendet. Und das, ohne den extrem gelungenen Auftritt des neuen Hoffnungsträgers beim HSV im Sportclub zu erwähnen. Deshalb noch ein Wort zum ersten TV-Auftritt van der Vaarts: Sensationell sympathisch. ich glaube inzwischen fest daran, dass der HSV tatsächlich einen Superstar in den eigenen Reihen hat, der sich mit der Stadt, den Fans und dem Klub identifiziert. Allein die Tatsache, dass van der Vaart zuerst im N3-Sportclub und nicht auf der großen Bühne des Sportstudios Platz nahm, unterstreicht dessen Nähe zu Hamburg nur…

In diesem Sinne, ich bin heilfroh, dass der HSV mit Adler, einem Westermann in Dortmund-Form sowie Badelj, Jiracek und van der Vaart eine starke Mittelachse hat. Auch wenn es vorne dann etwas hapert, können Spiele gewonnen werden. Und vielleicht bessert sich auch das noch. Morgen wird auf jeden Fall unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Zumindest wurde das heute so angekündigt. Aber vielleicht ändern sie das ja wieder kurzfristig wie vor dem Dortmund-Spiel. Es gibt ja Leute, die behaupten, Fink sei abergläubisch…

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Weil ich von einigen Blogger-Freunden gefragt wurde: Solche Geschichten wie die Fragebögen (an Jarchow sowie der an Dieter und mich) werden wir sicher noch mehrmals wiederholen. Versprochen. Auch, wenn wir das sicherlich in etwas größeren Abständen machen…

Rubin Kazan will Paolo Guerrero

5. Juli 2012

Es wird hart. Richtig hart. Aber das ist mit Sicherheit auch gut so. „Wir haben sehr lange Zeit“, sagt Trainer Thorsten Fink, der heute den ersten richtigen „Kraftzirkel“ mit seinen Spielern durchzog. Gewichtschlitten mit 100 Kilogramm Gewicht (nur bei Lam wurden 20 Kilo weniger draufgepackt) mussten vor- und rückwärts gezogen werden. Medizinbälle wurden gestemmt, im Liegen hin- und her geworfen und als Stütze für Liegestütze benutzt, während der andere Mannschaftsteil Fußball-Tennis spielte und Techniktraining absolvierte. „Im Moment legen wir vermehrt Wert auf die Grundlagenausdauer“, sagt Fink, der im am Freitag beginnenden Trainingslager in Österreich drei Einheiten pro Tag ankündigte. „Um 7.30 Uhr machen wir dort ein lockeres Lauftraining, um 10.30 und 16.30 Uhr gehen wir auf den Platz. Und dann Feuer frei! Viele freie Tage wird es nicht mehr geben – wir dürfen einfach keine Tage verschenken. Wir haben dieses Mal mehr Zeit – und wir können und werden deutlich mehr machen.“

Der Trainingsplan, der in Österreich vor allem harte Einheiten wie die heutige vorsieht, wird jedoch von Spielen umrahmt. Am Freitag spielt der HSV in Rosenheim gegen TSV 1860 Rosenheim (Regionalliga-Aufsteiger), am 8. Juli geht es in Hippach gegen eine Zillertal-Auswahl, bevor es am 10. Juli in Mittersill gegen den tschetschenischen Teilnehmer Derek Grozny geht. „Zudem werden wir bei jeder Einheit auf dem Platz 20 bis 25 Minuten spielen und dieses Abschlussspiel dafür nutzen, um uns taktisch weiterzuentwickeln“, sagt Fink, der am heutigen Donnerstag bereits Gespräche mit den drei Neuen (Adler, Beister, Rudnevs) führte, um die Spielidee noch mal näherzubringen. Insbesondere die Neuen haben zudem ein intensives Videostudium mit Matthias Kreutzer (hoch gelobter Verantwortlicher für Gegner-Studien und Videoanalysen beim HSV) erhalten. „Sie sollen anhand von Bildern noch mal sehen, was ich ihnen sage. Die Gespräche mit den Jungs werde ich in den Trainingslagern fortführen.“

In diesen Gesprächen wird Fink auch den neuen Verhaltenskatalog erörtern. „Viel mussten wir gar nicht verändern. Aber ein paar kleine Dinge gibt es dann doch, die ich ab sofort nicht mehr toleriere.“ Ein Beispiel? Fink: „Zum Beispiel, dass die Jungs mit Handy auf die Massagebank sind, ist ab sofort untersagt. Das geht gar nicht. Und von solchen Kleinigkeiten gibt es noch ein paar, die ab sofort untersagt sind.“ Zudem gibt es einen überarbeiteten Ernährungsplan. „Wir müssen herausfinden, warum der eine oder andere – wie Ivo Ilicevic zum Beispiel – bei uns so lange verletzt war. Vielleicht hängt das ja auch mit der Ernährung zusammen.“ Und obwohl Fink seine Spieler lobt und ihnen grundsätzlich eine sehr vernünftige Ernährung attestiert, verbannt der Trainer per sofort Süßgetränke wie Coca Cola und Limonaden aus dem Kabinentrakt. Zudem sollen Allergietests durchgeführt werden, was allerdings durchaus gängig ist bei Bundesligisten. Was Fink noch verändern will, und ob er vielleicht auch an seinem Führungsstil etwas verändern möchte? „Nein, ich bin mit meinem Führungsstil ganz zufrieden. Immerhin hat der mich hierher gebracht.“ Was er dennoch verändern will: „Wir wollen besser spielen.“

Oh ja, bitte! Tiki Taka in der Imtech-Arena. Das hätte was, wenn es nicht nur einmal am 24. Juli in der Partie gegen Barcelona vom Gegner gezeigt wird. Wobei Fink mit der Problematik umgehen muss, seinen Kader wahrscheinlich erst sehr spät zusammen zu haben. Die heute kolportierte endgültige Absage von Finks Wunsch- und Ex-Baselspieler David Abraham wollte der Coach nicht bestätigen. Im Gegenteil: „Ich habe mit dem Berater gesprochen und der hat mir gesagt, das sich an Davids Haltung nichts verändert hat.“ Dessen Aussagen, dass er jetzt für Getafe alles geben würde, kommentierte Fink so: „Was soll er denn sonst sagen?“ Stimmt. Wobei das alles nicht wirklich für den Charakter des italienisch-argentinischen Innenverteidigers spricht. Immerhin hat der 25-Jährige nicht unter Einsatz von Waffengewalt seinen Vertrag bei den Spaniern unterschrieben. Insofern sollte er zu dem stehen, was er abgemacht hat. Wovon allerdings nicht auszugehen ist, wenn man Fink heute hört: „Ich gehe davon aus, dass wir bei dieser Personalie bis zum Ende der Transferperiode warten müssen. Zumal in unseren Planungen kein Geld für die Verpflichtung eines Innenverteidigers vorgesehen war. Aber ich werde weiter auf ihn warten.“

Na dann.

Besser sieht es da offensichtlich mit dem zentralen Mittelfeldspieler aus. Rafael van der Vaart wurde heiß gehandelt. Auch hier bei uns. Allerdings scheinen sich die Entscheidungsträger da nicht wirklich einig zu sein. Zumindest ist zu hören, dass eine teure Verpflichtung des Niederländers von Vorstandsseite weniger denn von der sportlichen Leitung befürwortet wird. Insofern würde ich eine Verpflichtung des Niederländers – persönlich empfände ich sie in der aktuellen Situation als Sechser im Lotto – als nicht allzu wahrscheinlich betrachten. Leider. Mir bleibt nur zu hoffen, dass sich die verantwortlichen das Thema van der Vaart noch mal überdenken…

Aber gut, bis zum ersten Spieltag ist der neue Spielmacher da, das hatte Klubboss Carl Jarchow zuletzt in der „Bild“ angekündigt. Worte, an denen sich diese HSV-Führung messen muss. Natürlich auch Frank Arnesen, der es sich zwar nicht anmerken lässt, der aber dennoch unter immensem Druck steht. Erfolgsdruck. Und das, obwohl seine Situation vielleicht eine der schwersten ist, in denen sich HSV-Sportchefs befanden. Immerhin ist nicht nur kein Geld für Neue da, sondern diese Tatsache hat sich auch bei den Spielerberatern herumgesprochen. Ergo: Interessante Spieler muss der HSV finden, die werden eher selten frei angeboten, da für die werten Berater wenig bis keine Magen zu machen sind.

Bleibt also nur ein teurer Verkauf inklusive Gehaltseinsparungen. Paolo Guerrero wird dort an erster Stelle (leider, weil er in meinen Augen noch immer der beste HSV-Angreifer ist) gehandelt. Dem Peruaner liegen bislang nur unverbindliche Anfragen aus Spanien vor. Zudem traf ich heute einen befreundeten Spielerberater, der zusammen mit einem Scout von Rubin Kazan bei Vorstandsboss Carl Jarchow vorstellig wurde. Thema: Paolo Guerrero. Und obgleich ich mir vorstellen kann, dass für den Südamerikaner Russland nicht zwingend erste Wahl sein dürfte – die Russen verfügen zumindest über ausreichend Kapital, um Guerreros Ablöse und Gehalt zu bezahlen. „Dabei muss man aber auch beachten, dass er hier in Hamburg nicht das beste Standing hat“, versuchte der Berater mit mir zu feilschen. Hintergrund: Bis ihn der Berater aufklärte, dachte er („Alex“) zunächst, ich sei ein Offizieller vom HSV…

Bin ich aber nicht. Dafür andere, die der Verein nicht zwingend halten will. „Die Spieler wissen alle, woran sie sind“, sagt Fink, „ich kann nicht sagen, ob sie wirklich suchen oder nicht. Aber sie haben auch einen Vertrag bei uns, von daher arbeite ich ganz normal mit ihnen.“ Unruhig ist Fink nach eigenen Angaben nicht. „Wie jeder Trainer der Welt hätte ich natürlich gern die gesamte Vorbereitung mit allen Spielern absolviert. Aber dem ist eben nicht so. Das ist auch okay. Aber wir haben alle die Aussage von Jarchow (bezüglich des Spielmachers, d. Red.) gehört. Ich bleibe da auch ruhig.“ Zu viele Neue erwartet der Trainer eh nicht mehr. „Sollten am Ende vier, fünf Neue erst im letzten Moment dazustoßen, wäre es sicherlich schlecht. Aber davon gehe ich auch nicht aus.“ Vielmehr seien eher zwei, drei neue Spieler noch zu erwarten.

Zwei neue entwickeln sich indes zu kleinen Geheimtipps: Matti Steinmann und Christian Norgaard. Die beiden Youngster haben heute in einem persönlichen Gespräch von Fink zwar zu hören bekommen, dass sie nicht zu viel erwarten sollen. Allerdings lobt der HSV-Coach die beiden Talente, die sich teamintern schon einen recht guten Ruf erarbeitet haben. „Sie haben beide Fähigkeiten“, so Fink, „sie haben Talent. Sie sollen in unserer zweiten Mannschaft spielen und bei uns ein wenig reinschnuppern.“ Dennoch sei längst nicht ausgeschlossen, dass sich einer der beiden – was eigentlich nur Steinmann sein dürfte – durchsetzt, wie es einst Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka beim FC Basel unter Fink schafften. „Auch die beiden haben langsam angefangen“, sagt Fink und mahnt zur Geduld: „Matti und Christian sind geerdet, die heben sich ab von den Jungs, von denen man früh sehr viel erwartet hat und die diese Erwartungen nie erfüllen konnten. Ich habe schon viele junge Spieler gesehen, die zu früh abgehoben sind und inzwischen als ewige Talente herumlaufen. So sind die beiden nicht – und darauf werden wir auch achten. Die beiden sollen einfach noch nicht zu viel erwarten.“

Aber sie dürfen viel zeigen.

In diesem Sinne, nach all dem Erfreulichen habe ich noch etwas weniger Erfreuliches. Heute erreichte uns ein Brief von einem Blogger, den ich Euch vorlegen möchte. Mit einer kleinen Geste können wir dort helfen. Und ich bin dabei! Aber lest selbst:

„Sehr geehrter Herr Matz,

ich wende mich heute mit einer Bitte an Sie: ein sehr guter Freund von
mir, mit dem ich seit vielen Jahren zum HSV fahre, wurde vor drei Monaten
in China unter fadenscheinigen Anschuldigungen verhaftet. Bis jetzt gibt es keine Anklage, die Vorwürfe sind haltlos – er ist leider ein Spielball der chinesischen Politik.

Obwohl er seit 5 Jahren in China lebt ist er weiterhin nicht nur
HSV-Mitglied sondern auch Dauerkarteninhaber. Jeden seiner Heimatbesuche legt er so, dass er möglichst mehrere Spiele mit mir anschauen kann. Er ist also wahrscheinlich der Dauerkarteninhaber mit der weitesten Anreise.
Um auch aus der Ferne immer auf dem Laufenden zu sein ist er, wie ich,
seit der ersten Stunde regelmäßiger Leser Ihres Blogs. In einem kürzlich
erschienenen Zeitungsartikel in den USA ist er mit der Raute auf der Brust
abgebildet:
http://www.bloomberg.com/news/2012-05-16/german-held-on-art-smuggling-in-china-as-buyers-dodge-tax.html

Es wäre großartig, wenn Sie die gerade veröffentlichte Facebook-Seite
http://www.facebook.com/pages/Free-Nils-Jennrich/364563893601439

in Ihrem Blog teilen könnten, jeder Unterstützer erhöht den medialen Druck
auf die chinesische Politik, gerade im Hinblick auf den
deutsch-chinesischen Rechtsdialog in der nächsten Woche.

Für eventuelle Rückfragen können Sie sich gerne telefonisch an mich wenden. Es würde mich freuen, die Solidarität unter uns Fans hier für die gute Sache gewinnen zu können!

Vielen Dank und mit sportlichen Grüßen,
Timo Hardt“

Ich hoffe, dass möglichst viele von uns Bloggern hier mitmachen und wir so ein wenig helfen können.

Bis morgen – und vielen Dank an Euch im Voraus -,

Scholle

P.S.: Auch wenn es ihm nicht mehr viel nützen wird, im Trainingsspiel präsentierte sich Macauely Chrisantus heute in guter Form. Er traf – und er wurde von Trainer Thorsten Fink gelobt.

Bitte nicht nervös werden! Noch nicht…****Otto neuer Chefkontrolleur****

5. Juni 2012

AKTUALISIERT (Erster Absatz): Mal wieder ein Hauch Vereinspolitik im Blog. Der Aufsichtsrat tagte und wählte einen neuen Vorsitzenden. Alexander Otto soll es richten. Der ECE-Chef, der dem Amt eigentlich abgeschworen hatte ob seiner familiären und betrieblichen Verpflichtungen wurde von seinen Ratskollegen einstimmig zum neuen Chefkontrolleur gewählt und übernimmt das Amt des zurückgetretenen Ernst-Otto Rieckhoff bis zum Januar – bis zu den Neuwahlen, bei denen der Multi-Milliardär nicht mehr antreten wollte – dies aber heute etwas abschwächte: “Ich werde mich im herbst entscheiden, ob ich erneut kandidiere.” Und es scheint seit Udo Bandows erster Amtszeit das wahrscheinlich Beste, was diesem zerstrittenen Rat passieren kann. Zumindest ist er der einzige gemeinsame Nenner aller Fraktionen. Und er macht es zum Wohle des HSV. Otos Vizes sind Manfred Ertel und Eckart Westphalen.

Aber okay, zumindest sind die Räte einsichtig – was ja bekanntermaßen ein guter Anfang ist. Insofern will ich hier nicht schon vorgreifend verurteilen. Im Gegenteil, ich setze einfach mal neue Hoffnung in das Kontrollgremium, das in diesem Sommer hoffentlich noch eine ganze Menge zu tun bekommt. Immerhin hoffen wir alle noch auf eine Menge Bewegung in Sachen Kaderplanung.

Und darauf, das Frank Arnesen ein besseres Händchen hat als vergangene Saison. Da wurde das intern budgetierte (wichtig für die TV-Gelder) Ziel achter Platz um sieben Ränge verfehlt. Wobei ich mich ganz ehrlich frage, wie man vor der letzten Saison mit einem achten Rang planen konnte. Dafür gab es im Kader einen zu großen Umbruch hin zu Spielern, deren wirkliches Leistungspotenzial maximal zu erahnen war – nicht aber planbar. Und letztlich bewiesen sich die Transfers als nicht ausreichend effektiv. Einzig Töre bis zur Halbserie, Mancienne am Saisonende und Bruma auf der rechten Verteidigerposition wussten zumindest teilweise zu gefallen.

Dennoch erkannte der HSV schnell, dass es mit diesem Kader nur noch um den Klassenerhalt gehen konnte. Dass man nach dem Trainerwechsel und dem kurzzeitigen tabellarischen Aufschwung wieder sofort ins Träumen geriet und von internationalen Startplätzen schwadronierte – es spricht nicht für die Weitsicht der Verantwortlichen. Für deren Einsicht aber spricht, dass die kommende Saison mit einem elften Rang im Schnitt geplant wird. Das erscheint deutlich realistischer. „Was wir wirklich erreichen können, können wir erst nach der Transferperiode festlegen“, sagt Arnesen – und er hat natürlich Recht. „Denn erst dann wissen wir, wer in unserem Kader ist und ob wir die Ansprüche anheben können.“

Bislang ist der Weg dorthin jedoch sehr steinig und mit Absagen gepflastert. Wobei, nein: Xhaka und Kuyt haben abgesagt – weil sie international spielen wollen. Das kann der HSV nicht bieten. Und Abraham hat einfach nur kurzzeitig vergessen, dass er ja schon einen Vertrag – leider bei einem anderen Klub – unterschrieben hat. Drei Spieler, zweieinhalb Absagen – da fangen einige an zu nörgeln, was ich wiederum nicht mache. Denn meiner Meinung nach ist es richtig, wenn Arnesen seine Bemühungen ganz oben ansetzt. Der sportliche Weg von unten nach oben ist extrem hart – fragt doch mal Hoffmann und Beiersdorfer. Beide zusammen mussten mehr Absagen als Zusagen hinnehmen, bis sie irgendwann doch den so genannten „Türöffner“ in Rafael van der Vaart fanden. Anschließend hatte der HSV ganz neue Argumente, Hochkaräter anch Hamburg zu ködern.

Arnesen sucht seinen Türöffner noch. Adler ist ein Anfang, denn Fakt ist: je attraktiver die Mannschaft, desto leichter wird es bei neuen Hochkarätern. Dass auf dem Weg zu diesen Hochkarätern (noch) nicht alle „Yippiyeah“ rufen, wenn der Bundesliga-15. um die Ecke kommt, ist nur logisch. Es bedarf in diesem Fall schon sehr guten Kontakten und einer riesigen Portion Überredungskunst, um für eine Überraschung zu sorgen und einen echten Hochkaräter an Land zu ziehen.

Bei Dietmar Beiersdorfer war es das persönliche Bemühen. Zumindest erzählten mir das Rafael van der Vaart, Eljero Elia und Daniel van Buyten mal unabhängig voneinander. Alle drei besuchte Beiersdorfer mehrfach in ihrer Heimat, sprach mit den Spielern und deren direktem Umfeld. Beiersdorfer legte sehr viel Wert darauf, eine Vertrauensbasis zum Spieler und dessen Familie zu schaffen und ging damit immer wieder das Risiko, bei einer Absage immer sehr, sehr viel viel Zeit verschwendet zu haben. Er machte das, was ich mir vorgestellt habe, als Arnesen sagte: „Wir haben kein Geld – deswegen müssen wir einfach schneller, überzeigender und kreativer sein als unsere Konkurrenz.“

Insofern wundert Euch nicht, wenn ich nicht nach Absagen von Spielern nervös werde. Im Gegenteil, wenn ich von Absagen bei Spielern der Größenordnung Kuyt oder Xhaka höre, bestätigt das meine Hoffnung, dass sich der HSV trotz der schwierigen finanziellen Umstände in den oberen Regalen bedienen will. „Es wird ein sehr langer, harter Poker“, hatte mir Arnesen gestern gesagt. Und er meinte damit, dass sich der HSV gedulden muss, bis denn doch einer zusagt, den man als Soforthilfe verstehen kann und er sagte damit auch, dass sich der HSV nicht mehr nur mit Talenten zufrieden geben will. „Wir brauchen in fast allen Mannschaftsteilen noch Verstärkungen, um unseren Ansprüchen gerecht zu werden“, hatte Uwe Seeler bei der Eröffnung des neuen Klubheims gesagt und einzig die Torhüterposition ausgeklammert. Ich glaube, er hat Recht.

Und ich hoffe, die aktuellen Entscheidungsträger sehen das auch so. Es fehlt ein sehr guter Innenverteidiger, ein Sechser, der das Spiel ankurbeln kann und ein offensiver Mittelfeldspieler, der Kreativität in das Offensivspiel bringt. Angenommen, Guerrero, Son, Arslan sowie Berg bleiben und Rudnevs ist die erhoffte Granate – dann bräuchten wir vorn schon quantitativ nichts mehr zu machen. Zumal wir mit Töre, Jansen, Beister und Ilicevic noch über vier offensivstarke Außen verfügen. Aber den offensiven Mittelfeldmann brauchen wir. „Diese Position hat Priorität“, hatte Trainer Thorsten Fink vor seinem Urlaubsantritt gesagt – und die Klubführung macht jetzt ernst. Es soll nicht mehr auf einen Spieler gewartet werden, der umsonst kommt. Vielmehr stehen in den nächsten Tagen erneut Gespräche mit Milliardär und HSV-Investor Klaus Michael Kühne gesucht werden. Der Speditionsunternehmer war bereits im Winter bereit, Basels Granit Xhaka zu finanzieren und soll dem vernehmen nach auch in diesem Sommer seine Hilfe angeboten haben.

Sofern Arnesen den richtigen Spieler gefunden hat, könnte es auch schneller gehen als erst „in letzter Sekunde“, wie Arnesen angekündigt hatte. Allerdings, und da lege ich mich fest, wenn es der Sache dient, warte ich gern auch bis zur letzten Sekunde der Transferperiode. Denn, und das muss allen klar sein, Frank Arnesen wird am Ende nicht an der Art und Weise gemessen, wie er Spieler nach Hamburg lockt. Vielmehr geht es darum, wen er holt und wie die einschlagen. Und ich hoffe, dass es nicht zum dauerhaften Stilmittel wird, Bekannte nach Hamburg zu holen. Letzte Serie kamen fünf Spieler von Arnesen vom FC Chelsea, dieses Jahr sollten es schon drei Ex-Spieler von Fink aus Basel (Shaqiri, Xhaka, Abraham) werden. „Meine Arbeit wird am Erfolg der Mannschaft gemessen“, hatte mir Arnesen vor zwei Wochen gesagt. „Es kann sein, dass ich die besten Spieler der Welt hole, die aber nicht zusammenspielen können. Und am Ende sagen alle: ‚Der Arnesen kann ja gar nichts’. Aber so ist mein Job.“ Dass er, wie hier im Blog diskutiert wurde, dafür so gut bezahlt wird wie kein Sportchef vor ihm – unwichtig. Zumindest so lange, wie er Erfolg nach Hamburg bringt. Es zählt im Profifußball nur das Ergebnis. Auf dem Platz – und außerhalb eben auch.

In diesem Sinne, ich hoffe, dass Arnesen seinen Worten Taten folge lässt und er – auch wenn er nie zugegeben hat, die Liga unterschätzt zu haben – personell die richtigen Schlüsse aus der abgelaufenen Saison gezogen hat.

Bis morgen. Obwohl nee, bis später. Dann an gleicher Stelle mit den Neuigkeiten von der Aufsichtsratssitzung.

Scholle (17.16 Uhr)

Rieckhoffs Rücktritt und Krohns Abgang

21. Mai 2012

Es musste ja so kommen. Ernst-Otto Rieckhoff ist von seinem Posten als Aufsichtsrats-Vorsitzender des HSV zurückgetreten. Erwartungsgemäß. Allerdings hat er nur den Posten abgegeben, seinen Stuhl im Rat wird er weiterhin haben – bis zum Januar 2013. Bei der Jahres-Hauptversammlung des HSV wird sich Rieckhoff dann nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Die Vorkommnisse bei der Mitglieder-Versammlung am Sonntag ließen ihm wohl auch keine anderen Ausweg, als genau diesen. Ich hatte sogar mit einem sofortigen Rückzug aus dem Aufsichtsrat gerechnet, aber das hätte wahrscheinlich auch wie ein Fluch ausgesehen, sodass die nun getroffene Entscheidung wohl die richtig ist.

Rieckhoff wollte mit der am Sonntag ausgesprochenen Rückzugs-Forderung (des gesamten Aufsichtsrates) wachrütteln und ein Zeichen setzen, es ist ihm wohl nur zur Hälfte gelungen. Zwar hielt er eine umjubelte Rede, die mehrfach von Bravo-Rufen und Beifallssalven unterbrochen wurde, aber weil dieser HSV gegenwärtig in sich zu sehr zerstritten ist, konnte es nicht nur bei diesem Applaus bleiben. Es gibt im Moment mindestens drei Lager innerhalb des HSV: Die Supporters-Gefolgschaft um Ralf Bednarek und Manfred Ertel, die „Realos“ (die seit Wochen mächtig Dampf machen!) – und die ganz „normalen“ Mitglieder, die nur zusehen wollen, wie dieser Machtkampf eines Tages enden wird.

Bitter, dass es so weit in diesem Traditions-Klub kommen konnte, aber diese Entwicklung wird nicht mehr zu unterbinden sein. Was sicherlich auch zum Großteil dem alten Aufsichtsrat zu verdanken ist, der sich in der Ära vor Carl-Edgar Jarchow zu sehr vom Vorstand „einlullen“ ließ, der dem bunten Treiben im Klub nur zugesehen hat, durchgewinkt und abgenickt hat. Ein Kontrollorgan jedenfalls waren diese Herren zu keiner Zeit, ihnen wurde nach allen Regeln der Kunst auf den Köpfen herumgetanzt – und nun erntet der HSV die Früchte dieser wenig ruhmreichen Vergangenheit.

Am Sonntag hieß es oft: „Nicht die Großen schnappen die Kleinen, sondern die Schnellen schnappen die Langsamen.“ Für den HSV müsste aber ein Zusatz her: „Die schnellen Cleveren schnappen die langsamen und dummen Träumer.“ Wer immer noch von einem HSV von 1960 träumt, der sollte demnächst einmal „umsatteln“ und der Realität in die Augen blicken. Nichts ist mehr, so wie es mal war, und dass bald alles total anders sein wird, daran wird schon kräftig gearbeitet. Von allen Seiten, denn jeder fühlt sich dazu berufen, diesen HSV zu „übernehmen“. Weil alles das, was vorher gelaufen ist, viel zu schlecht und amateurhaft gewesen ist. Wobei das im Kern ja nicht einmal von der hand zu weisen ist. Blickt man aus Hamburg aber immer mal wieder nach München (wo sie jetzt dreimal Zweiter geworden sind), dann wird dieser Vorzeige-Klub immer noch ein wenig anders regiert und geführt, als es die Hamburger Herren nun mit dem HSV vorhaben.

Wer wird Rieckhoff nun als AR-Boss ersetzen? Ich tippe mal auf das Duo der bisherigen Stellvertreter, also Manfred Ertel/Alexander Otto. Oder die „Altmeister“ Ronny Wulff oder Jürgen Hunke? Letzterer hat allerdings am Sonntag erklärt, dass er keinen Posten mehr haben will, auch keinen Posten mehr übernehmen will. Und immer wieder muss ich daran denken, was Hunke auch noch gesagt hat: „Es geht hier nur noch um Macht.“ In dem Fall war der Satzungs-Änderungsantrag, die Reduzierung des zwölfköpfigen Aufsichtsrates gemeint. Aber es könnte alles damit gemeint und verbunden sein, denn keine „Seite“ dieses Machtkampfes im HSV ist besser als die andere. Keine. Sie alle wollen nur an die Macht und ihren Verein führen, lenken und befehligen.

Mir tat der HSV an diesem Sonntag besonders Leid, und auch der Abgang von Dr. Peter Krohn war absolut daneben und besorgniserregend. Eine solche Figur, die sich jahrelang so um die Raute bemüht hat, hat einen Sonntag wie diesen einfach nicht verdient. Es war das erste Mal in der Krohn-Geschichte, dass der „General“ von der Bühne gebuht wurde. Er sagt dazu: „Mit tat es Leid, dass ich nicht zu Ende reden konnte, ich habe das zutiefst bedauert. Und es tat auch weh, denn in meinem Alter, mit meiner Gesundheit – ich komme immer noch zu diesen Versammlungen, andere schon lange nicht mehr . . .“ Dann sagte Krohn auch: „Ich musste in dieser Situation einfach ein Zeichen setzen, deswegen bin ich gegangen.“

Für immer? Hat er nun mit dem HSV, seinem HSV abgeschlossen? Peter Krohn: „Nein, nein, um Himmels Willen, nein, ich werde weiter ein engagierter HSVer bleiben. Ich kann zwar keine Tore schießen oder verhindern, aber ich kann auf das Wesentliche n diesem Klub achten – und das werde ich auch.“ Der ehemalige Präsident hatte natürlich zahlreiche Anrufer an diesem Tag, die ihm alle Trost zusprachen, aber ich hatte das Gefühl, dass Krohn so etwas gar nicht will und braucht. Am Tag danach zeigte er sich kämpferisch wie eh und je. Er sagt: „Ich wollte mit meiner Rede darauf hinweisen, dass es in dieser Phase, in der sich der HSV jetzt befindet, Wichtigeres als Satzungsänderungen gibt. Natürlich sind Satzungsänderungen wichtig, ganz klarer Fall, aber der HSV landete auf Platz 15. Das ist doch mehr als eine Warnung für uns. Da muss man doch mindestens mal eine Stunde drüber reden – und dann erst zu den Satzungsänderungen kommen Zumal, diese ja ohnehin erneut nicht alle zur Sprache gekommen sind. Ich wollte mit meiner Rede die Botschaft geben, dass es so nicht weitergehen kann.“

Und Peter Krohn wollte wissen, wie es nun weitergehen wird, mit dem HSV. Er hat, das ist ihm deutlich anzumerken, große Angst um die Raute. Er sagt nämlich auch. „Mir ist es zu wenig, wenn wir Jubelarien anstimmen, weil wir nicht abgestiegen sind. Ich bitte Sie, wo sind wir denn?“ Dann fügt er leise an: „Man kann jetzt nur noch beten. Und darauf hoffen, dass die neue Saison etwas besser wird, dass die Verantwortlichen mal wieder ein glückliches Händchen haben werden . . .“

Dem kann man sich nur anschließen. Obwohl – mir fehlt ein wenig der Glaube. Wenn ich bei meinen Kollegen von der „Bild“ lese, dass Sportchef Frank Arnesen den Vertrag von Marcell Jansen um drei Jahre verlängern will, weil er (der Ex-Nationalspieler) sich „top entwickelt“ hätte, dann frage ich mich, was wir daraus lernen sollen? Wer hat sich top entwickelt? Ich sage mal so: Wenn Marcell Jansen sich in dieser abgelaufenen Saison top entwickelt hat, dann bin ich nun auf dem besten Wege zum Nobel-Preis. Und ich werde der Nachfolger von Bundespräsident Joachim Gauck. Ganz sicher. Denn auch ich habe mich „top entwickelt“. Übrigens: Ich bin nicht mehr gefragt bei dieser nun beginnenden Europameisterschaft, Marcell Jansen auch nicht mehr. Noch Fragen?

So, jetzt noch schnell kleine andere Dinge:

Trainer Thorsten Fink wollt ja seinen Ex-Schützling Xhaka vom FC Basel, hat ihn aber nicht bekommen. Warum nicht? Wenn ihr folgende Meldung gelesen habt, werdet ihr euch ein Bild davon machen können:

„Granit Xhaka kommt mit den besten Empfehlungen. Das mit geschätzten 8,5 Millionen Euro
teuerste Juwel in der Geschichte des fünfmaligen deutschen Meisters Borussia Mönchengladbach ist für den Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld ein echter Hochkaräter. „Ich sehe große Ähnlichkeiten mit Bastian Schweinsteiger, den ich bei den Bayern mit 18 Jahren zu den Profis geholt habe“, sagte der Meistertrainer der Bild.
Seine Ziele mit Mönchengladbach hat Xhaka bereits klar formuliert: „Ich bin nicht hier, um gegen den Abstieg zu spielen. Ich will in die Champions League, dafür werde ich in den beiden Quali-Spielen im August richtig Gas geben. Danach will ich eine gute Saison spielen. Das ist für mich ein Platz unter den ersten fünf.“

Dann gab es heute noch das:

Das unter skandalösen Umständen zu Ende gegangene Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt. Das teilte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes am Montag in Frankfurt mit. Der Einspruch wurde als unbegründet abgewiesen, sagte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz. Die Berliner haben nun eine weitere Möglichkeit, vor dem DFB-Bundesgericht Einspruch einzulegen.

Das DFB-Sportgericht hatte sich am Freitag nach mehr als sechsstündiger Beweisaufnahme vertagt. Hertha hatte nach der 2:2 ausgegangenen Partie in Düsseldorf Protest eingelegt.
Weil Fortuna-Anhänger schon vor dem Abpfiff den Rasen stürmten, hatte Schiedsrichter Wolfgang Stark das Spiel für 21 Minuten unterbrochen. Als die Fans den Rasen wieder verlassen hatten, pfiff der Referee die Partie noch einmal für 93 Sekunden an. Einen Tag später legte die Hertha Einspruch ein. „Ein regulärer Spielbetrieb war für uns nicht mehr möglich“, begründete Manager Michael Preetz.

Gegen die Berliner Profis Lewan Kobiaschwili, Christian Lell, Thomas Kraft und Andre Mijatovic hat der DFB-Kontrollausschuss Ermittlungen eingeleitet. Diese Fälle werden zu einem späteren Zeitpunkt behandelt. (dpa)

Und auch das nur zur Beachtung (und weil man ersehen kann, wie gut Platz 15 doch eigentlich ist:

Eintracht Frankfurt ist der einjährige unfreiwillige Ausflug ins Fußball-Unterhaus teuer zu stehen gekommen. „Die Zweite Bundesliga hat uns elf Millionen gekostet“, sagte Finanzvorstand Thomas Pröckl bei einer Bilanzpressekonferenz des Bundesliga-Aufsteigers am Montag. Das Eigenkapital sei von 15,95 Millionen Euro zum Abschluss der Saison 2010/2011 auf 4,99 Millionen Euro gesunken.

Und zum guten Schluss auch noch dies:

Am 22. Mai 2012 eröffnet der Hamburger Sport-Verein sein neues Vereinshaus auf der Sportanlage in Norderstedt. Um 15 Uhr wird in der neuen Gastronomie mit dem Namen „Anno 1887″ offiziell das erste Bier gezapft. Hierzu haben sich der HSV-Vorstand, Uwe Seeler und Aufsichtsratmitglied Alexander Otto angekündigt. Zur Eröffnung erwartet der neue Chef Sens mehrere hundert Gäste, darunter auch einige bekannte Gesichter des HSV. Bei Live-Musik wird das Anno 1887 zur Feier des Tages bis spät in den Abend geöffnet haben, so dass auch nach Feierabend jeder herzlich willkommen ist.

18.39 Uhr

Der DFB outet sich selbst – wie der HSV auf dem Platz

14. März 2012

Trainer Thorsten Fink will nicht allzu viel umbauen. Das hatte er gesagt, und daran hält er sich sicherlich. Von daher scheint sich Dieters Idee mit Gojko Kacar in der Innenverteidigung neben Jeffrey Bruma eher nicht zu bewahrheiten. Sehr zur Freude von Michael Mancienne, dem Fink bereits am Montag signalisiert hatte, dass er mit seinem Einsatz gegen Freiburg (Sa., 15.30 Uhr, Imtech-Arena) rechnen sollte. „Der Trainer hatte mir erklärt, dass es personell eng werden könnte“, so der sympathische Engländer, der seit November 2011 nicht mehr in der Startelf stand. Und das, obwohl Fink ihn immer wieder lobte. Uns Journalisten gegenüber – aber auch ihm persönlich: „Der Trainer hat häufiger mit mir gesprochen, mir die Situation erklärt und mir Mut gemacht.“ Und genau das hat den 24-Jährigen in seiner bislang schwierigsten Zeit als Fußballprofi über Wasser gehalten: „Ich wollte immer mithelfen, konnte aber nicht. Das tat weh, das war eine harte Zeit. Aber ich hatte gute Gespräche mit dem Trainer, der sehr motivierend ist. Deshalb habe ich immer an meine Chance geglaubt.“

Allerdings muss er seine Chance in seinem dann neunten Bundesligaspiel dieser Saison auch nutzen. Denn nur eine Woche später rückt Heiko Westermann nach abgesessener Gelbsperre wieder ins Team. Und dann dürfte, so stellt sich die Situation momentan zumindest dar, Mancienne wieder nur vierte Wahl hinter Westermann, Bruma und Rajkovic auf der Innenverteidigerposition sein. Ob er sich dessen bewusst ist und was er dagegen unternimmt? Noch nichts, sagt er, weist aber zugleich darauf hin, dass er in seiner Zeit bei den Wolverhampton Wanderers lange auf der Sechs gespielt hat und sich diese beim HSV nicht überdurchschnittlich gut besetzte Position durchaus zutrauen würde. „Ich kann es spielen“, sagt Mancienne, der darüber allerdings noch nicht mit dem Trainer gesprochen hat. Warum er sich nicht initiativ anbietet? „Ich bin mir sicher, das muss ich nicht. Der Trainer weiß, dass ich diese Position kenne.“

Nichts von seinem Einsatz am Sonnabend gewusst hatte indes Manciennes Familie. Seine Eltern und Schwester kommen am Wochenende nach Hamburg – allerdings erst am Sonntag. „Meine Schwester muss sich dafür einen Tag frei nehmen und das leider immer schon lange vorher ankündigen“, erklärt Mancienne sichtbar traurig, „daher schaffen sie es nicht mehr, den Flug umzubuchen.“ Ein Problem für ihn ist das alles allerdings nicht. „Ich freue mich schon genug darüber, endlich wieder zu spielen.“

Wobei, und das könnte ein Vorteil in der Interpretation seiner Rolle sein, Mancienne konnte von außen andere Eindrücke gewinnen, als die Feldspieler. Bessere. So hat er ein Problem erkannt, dass auch hier im Blog rauf und runter diskutiert wird: „Wir versuchen, schönen Fußball zu spielen, bevor wir den Kampf richtig angenommen haben. Dabei muss es genau andersrum funktionieren: Erst der Kampf, dann der schöne Fußball. Denn das Spiel gegen Freiburg hat nur einen Sinn, wenn wir es gewinnen. Und das wird nichts anderes als Kampf pur.“

Klingt gut. Allerdings muss sich dann gegenüber dem heutigen Testkick gegen eine Mischung aus eigener A-Jugend und U23 noch Wesentliches verbessern. Mit 2:1 konnten die Profis zwar gewinnen – allein zu überzeugen wussten sie nicht. Gerade auf der linken Seite, auf der Fink ohne Aogo sowie wohl auch Jansen planen muss und auf der heute größtenteils Rajkovic agierte, scheint noch keine optimale Besetzung gefunden zu sein. Allerdings, trotz des vorsichtigen Optimismus’ von Marcell Jansen, gegen Freiburg wird Rajkovic dort spielen müssen, auch wenn er sich heute in 21. Minute vom formstarken Amateur George Kelbel düpieren ließ. Kelbel schob nach einem Solo von der Mittellinie gekonnt zur Führung für den Nachwuchs ein. 0:1.

Der HSV konnte zwar fünf Minuten später durch Kacar egalisieren und durch Bergs Tor nach einem Torwartfehler (Stritzel zögerte beim Herauslaufen) in der zweiten Halbzeit noch den Sieg herstellen – dennoch dürfte dieser Test weniger eigene Stärken denn die Dinge gezeigt haben, die es zu verbessern gilt. Und das sind fast alle. Wobei ich der Meinung bin, dass der Auftritt von Gökhan Töre in der zweiten Halbzeit wenigstens einen kleinen Lichtblicke darstellte.

Zudem durfte der geneigte Zuschauer heute den Eindruck gewinnen, dass Fink für Sonnabend erstmals auf einen eigentlich gesetzten Spieler verzichten wird, obwohl dieser weder verletzt noch gesperrt ist: Tomas Rincon. Der Venezolaner wusste (wie so viele) in den letzten beiden Partien nicht zu überzeugen und könnte seinen Platz an Gojko Kacar verloren haben. Zumindest ließ Fink heute Kacar neben dem nach seiner Gelbsperre wieder einsatzbereiten und dem Vernehmen nach gesetzten David Jarolim auf der Doppel-Sechs spielen. Wechsel auf dieser Position scheinen beim HSV (oft auch aus der Not heraus, ganz klar!) nicht aus der Mode zu kommen.

Eine unangenehme Modeerscheinung scheint auch der blindwütige Gang zur Staatsanwaltschaft zu werden. Wie zuletzt immer wieder geschehen, schafften es auch diesmal einige empörte Landsleute, aus dem Foul Guerreros an Ulreich einen Grund für eine Anzeige abzuleiten. Fünf bis sechs Anzeigen sollen der Hamburger Staatsanwaltschaft vorliegen. Ein Witz, wie ich finde. Wobei ich aus meinem Studium noch rudimentäre erinnere, dass sich der Deutsche für wirklich nichts zu schade ist, wenn es um Anzeigen geht. „Bislang sind weder Paolo noch der HSV aufgefordert worden, dazu eine Aussage zu machen“, berichtet Mediendirektor Jörn Wolf. „Aber mittlerweile ist es leider so, dass Fußballer für Vergehen auf dem Platz von Unbeteiligten angezeigt werden. Das passiert ja in diesem Fall nicht das erste Mal“, so Wolf kritisch, dessen Einschätzung ich unbedingt teile. Zumal Ulreich selbst keine Anzeige erstattet hat und auch nicht erstatten wird, wie aus Stuttgart zu hören ist.

Erschüttert bin ich derweil, wie sich der Fall Pizarro darstellt. Ob auch Paolos Landsmann nach der vorsätzlichen Körperverletzung (Backpfeife gegen Hannovers Pogatetz) angezeigt wird? Ich wünsche den Bremern sportlich nicht viel Gutes, das gebe ich zu. Aber ich kann nur hoffen, dass sich nicht noch mehr Wichtigtuer wie im Fall Guerrero hervortun.

Wobei der Bremer Angreifer schon im Glück ist, denn der DFB, der auch die zu hoch angesetzte Acht-Wochen-Sperre für Guerrero als gerecht empfand, brummte Pizarro heute zwei Spiele Sperre auf. Lächerlich!! Da geht ein Spieler mit dem erkennbaren Vorsatz auf seinen Gegenspieler zu, um ihn verletzen, haut dem ne Backpfeife, wird dank Videobeweis einwandfrei überführt und bekommt nur „ein Viertel Guerrero“? Wie blind ist das denn? Immerhin ist Pizarro im Gegensatz zu Guerrero sogar noch deutlich häufiger (allein diese Saison durch den Ellenbogencheck in der Hinrunde gegen Münchens Badstuber) durch derartige Unsportlichkeiten aufgefallen. Ich muss Huub Stevens zu 100 Prozent zustimmen. Der hatte im Abendblatt-Interview vom Sonnabend gesagt, dass der DFB wieder ein gesundes Maß finden muss, weil sich die Schraube sonst nicht mehr stoppen ließe. Und deshalb kann ich nur hoffen, dass sich die Unterbeschäftigten mit dem Pizarro-Urteil demonstrativ wieder auf ein normales Maß bewegen wollten. Ansonsten ist die Verhältnismäßigkeit so gravierend unpassend, dass ich kot…. könnte. Auf jeden Fall dürften die DFB-Granden Justizias Waage mächtig ins Wanken gebracht haben. Und das ist nichts, worauf sie stolz sein sollten…

In diesem Sinne, Gerechtigkeit stellt sich auf längere Distanz ein. Daran glaube ich tatsächlich. Oder besser: darauf hoffe ich. Und deshalb gewinnt der HSV am Sonnabend gegen Freiburg. Punkt! Auch wenn es derzeit nur wenige Dinge gibt, die wirklich Hoffnung machen…

Bis morgen! Da wird übrigens um 10 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

P.S.: Obwohl verschiedene Medien berichtet haben, dass die komplette HSV-Führung beim Spiel der Bayern gegen Basel einen Termin mit der Baseler Führungsetage hatte, um über Granit Xhaka zu verhandeln, wurde das heute vom HSV dementiert.

Hoffentlich wird die Rückrunde so gut wie das Trainingslager

12. Januar 2012

Acht Tage in Spanien sind vorbei, der HSV ist abgereist – und Thorsten Fink um einige Erkenntnisse reicher. „Wir hatten ein super Trainingslager mit besten Rahmenbedingungen. Das war absolut top. Und wir haben einen weiteren Schritt nach vorn gemacht“, freute sich der Übungsleiter, wohlwissend, dass er auch noch eine Menge Arbeit vor sich hat. Denn noch immer klafft zwischen Offensive und Defensive eine offensichtliche, große Lücke. „Es funktioniert eigentlich alles sehr gut, selbst unsere Defensive. Es sei denn, wir bringen uns durch eigene Fehler selbst in Schwierigkeiten. Und das machen wir noch zu oft. Deshalb werden wir die Tage in Hamburg bis zum Dortmund-Spiel nutzen, um genau diese Schwächen zu bearbeiten und abzustellen. Das und Standards werden Inhalt unserer Einheiten werden.“

Gipfeln soll alles, da sind sich Spieler, Vorstand und Trainerteam einig, in einem absolut machbaren Sieg gegen Borussia Dortmund zum Rückrundenauftakt am 22. Januar in der Imtech-Arena. Fink gerät bei diesem Gedanken ein gleich ins Schwärmen: „Was das für eine Euphorie auslösen würde! Das erste Rückrundenspiel, ein ausverkauftes Haus – solche Spiele können einen weit tragen. Und diese Chance wollen wir nutzen.“

Dafür hat Fink in Marbella vermehrt Einzelgespräche geführt. „Wir sind in einer guten Form. Und das Beste ist ja an diesen Trainingslagern, dass man eng beieinander ist, man hat kurze Wege und viele Gelegenheiten, sich auszutauschen. Ich habe mich mit vielen besprochen, ihnen Videos gezeigt mit Dingen, die wir verbessern müssen, können und wollen.“ Insbesondere das Gespräch mit Tolgay Arslan ist bei Fink hängengeblieben. „Den kannte ich ja fast gar nicht. Er hatte nie mittrainieren können und ich in Hamburg zu wenig Zeit. Ich wusste, dass er in Aachen schon gute Ansätze gezeigt hatte. Und jetzt habe ich es bei uns gesehen und ihn kennengelernt. Er hat keine Angst, das gefällt mir. Wir brauchen Leute, die unbedingt gewinnen wollen und auch gegen namhafte Gegner wie Bayern München mutig sind und frech aufspielen“, freute sich Fink über den seit der Sommervorbereitung erstmals wieder voll mittrainierenden 21-Jährigen. „Es war ein sehr gutes Gespräch mit ihm. Ich hatte insgesamt aber viele gute Gespräche – auch mit Mladen.“

Wobei es sich im Dialog mit dem Kroaten auch um dessen Zukunft in Hamburg gehandelt haben dürfte. Zwar behauptet Fink, hierfür gebe es die klare Absprache, sich im März zusammenzusetzen, allerdings lässt er keinen Zweifel daran, für wie wertvoll er Petric hält. „Wenn Mladen wiederkommt, gewinnen wir eine große Menge Torgefahr“, so Fink, „auch Paolo Guerrero wird dadurch noch gefährlicher, weil sich die Abwehrreihen der Gegner plötzlich auf zwei Angreifer konzentrieren müssen. Und diese zweite Person hat uns zuletzt schon gefehlt, weil Marcus Berg verletzt ist und Sonni (Heung Min Son, d. Red.) natürlich noch sehr jung ist und lernen muss.“ Drei Tore bei drei Einsätzen (gegen Lokeren, Brügge und Den Haag) konnte Petric als Argumente für sich beisteuern – und dazu die Erkenntnis, dass der feine Linksfuß auch als kreativer Gestalter hinter dem vordersten Angreifer funktioniert. Denn keiner im Team (außer Tesche vereinzelt) spielte so überraschende Pässe, die zum Torabschluss führten. Fink: „Mladen ist sportlich auf einem sehr guten Weg.“

Und der führt direkt zurück in die Stammelf, die für keinen mehr ein großes Geheimnis sein dürfte. „Viele Unklarheiten gab es ja auch vorher schon nicht mehr“, so der Coach, dem durch die Verletzung Gökhan Töres eine schwierige Entscheidung abgenommen oder zumindest deutlich leichter gemacht wurde. Womit ich zu den ersten zwei Gewinnern des Marbella-Trainingslagers komme: Marcell Jansen und Ivo Ilicevic. Beide dürften ihren Startplatz auf der linken bzw. auf der rechten Mittelfeldseite sicher haben, nachdem sich der Deutsch-Türke heute in Köln am Meniskus hat operieren lassen müssen. Töres Pause setzen die HSV-Ärzte mit voraussichtlich sechs Wochen an. Und in der Zwischenzeit konkurrieren die beiden Bundesligaerfahrenen zwar mit Tolgay Arslan (den Fink allerdings eher als hängende Spitze sieht) und Zhi Gin Lam – allerdings dürfte die Sache hier relativ klar sein, wenn sich keiner mehr verletzt.

Und das obwohl Lam im Trainingslager zu gefallen wusste. Weniger mir – ich fand Lam ordentlich aber eher unauffällig, dafür aber dem Entscheidenden: dem Trainer. „Zhi Gin hat einen weiteren Schritt gemacht“, so Fink, „er entwickelt sich gut, trainiert gut – und er spielt ordentlich.“ Dennoch dürfte er hinter Ilicevic und Jansen „nur“ als Backup zu sehen sein, was auch für Jacopo Sala gilt. Worüber sich der Italiener freuen dürfte, denn zu Beginn der Vorbereitung deutete alles darauf hin, dass er verliehen würde, was noch immer nicht ausgeschlossen ist. „Natürlich hat er gut gespielt und sich aufgedrängt“, lobt Fink und schränkt ein: „Aber es ist auch immer eine Frage der Konkurrenz. Das Beispiel Maxi Beister hat gezeigt, dass ein Leihgeschäft oft der richtige Weg ist. Und auf der Position ist die Konkurrenz sehr groß.“ Zumal wie oben erwähnt mit Arslan und auch Heung Min Son zwei flexibel einsetzbare Offensivspieler für die Außen in Frage kommen. Dennoch, und das muss man Sala bescheinigen: der smarte Rechtsfuß hat in den Spielen überzeugt. Er wirkte aggressiv in den Zweikämpfen, wollte nahezu jeden Ball haben – und er traf. Einzig körperlich muss der schmaler gebaute 79 Kilogramm leichte 1,84-Meter-Mann noch etwas zulegen.

Wenigstens dann, wenn er sich für die Position neben dem gesetzten Tomas Rincon empfehlen will. Dort ist durch Gojko Kacars Fußverletzung eine Position frei geworden. „Das ist ganz bitter für Gojko“, sagt Fink, „aber so ist das im Fußball nun mal. Auch wenn die Verletzungen von Töre und Gojko bitter sind, sie sind ersetzbar.“ Und gerade auf der Doppelsechs stehen mit David Jarolim (dem der Trainer klar gesagt hat, dass er der Ersatz für Rincon ist), Per Skjelbred und Robert Tesche gleich drei potenzielle Kandidaten bereit, von denen Robert Tesche in Marbella den besten Eindruck hinterließ. Zumindest bei Fink. „Robert hat gut gespielt, hat sich gezeigt. Aber er wie alle anderen müssen wissen, dass wir in der Rückrunde nur 17 Spiele haben.“ Wodurch Einsatzzeiten noch mal aufgewertet würden. Fink: „Da kann es schon mal passieren, dass jemand nicht damit rechnet und dennoch auf der Tribüne sitzt.“ Zumal dann, wenn der HSV seinen Wunschspieler Granit Xhaka doch noch vom FC Basel losgeeist bekommt.

Aber das steht noch in den Sternen. Fakt ist hingegen, und das macht mich besonders optimistisch: diese Mannschaft spricht nicht nur von Teamgeist, sie hat ihn auch. Von der Nummer eins bis 44, vom Zeugwart bis zum Cheftrainer – es herrscht Harmonie. Es ist mit Sicherheit individuell-qualitativ nicht die beste Mannschaft der letzten zehn Jahre, aber die erste seit Frank Pagelsdorf 1999/2000, die auch als echte Einheit auftritt. Dazu zählen auch gemeinsame Unternehmungen wie gestern Abend, wo zunächst alle Neuen (auch das Trainerteam) einen Einstandssong vor versammelter Truppe schmettern mussten und die Mannschaft anschließend geschlossen in eine Lokalität zog. Zum Vergleich: Letztes Jahr hatte Mannschaftskapitän Heiko Westermann anlässlich der Geburt seines Kindes zum gemeinsamen Umtrunk die ganze Mannschaft eingeladen. Und es kamen gerade mal vier Spieler…

Fink freut sich über den neuen Spirit, warnt aber zugleich: „Die Mannschaft macht auf mich einen sehr guten Eindruck, der Teamgeist ist da. Das ist wirklich gut. Aber wir dürfen uns nicht nur in den Armen liegen. Wir brauchen natürliche Reize, die sich daraus ergeben, dass jeder Spieler weiterkommen und spielen will.“ Denn dann könnte das Unternehmen HSV 2012 erfolgreicher werden, als es viele denken. Fink reizt der Rückrundenstart auf jeden Fall. „Der HSV ist ein unfassbar spannendes Projekt. Der Verein hat alles: eine tolle Stadt, eine hervorragende Infrastruktur, einen sehr guten Mannschaftskern und tolle Fans. Es wurden tolle Dinge aufgebaut. Da lässt es sich für einen Trainer hervorragend arbeiten.“ Und diese Begeisterung zeigt Fink. Er lebt sie seinen Spielern vor und zieht sie mit. Hoffentlich mit dem gewünschten Erfolg.

In diesem Sinne, auf dass die Saison so gut wird, wie das Trainingslager, das zwar von der Trainingsintensität nicht mit sonstigen Vorbereitungs-Trainingslagern vergleichbar ist (die Mannschaft absolvierte in der kürzeren Pause als sonst individuelle Trainingsprogramme und wurde zum Trainingsstart vor einer Woche gecheckt), das aber gezeigt hat, dass die Idee vom Spiel Thorsten Finks angenommen wird. „Jeder einzelne weiß genau, was der Trainer von ihm verlangt – das war nicht immer so“, fasst Dennis Aogo zusammen, „und wir wissen, dass alles möglich ist, wenn wir die Idee des Trainers verinnerlicht haben. Und dafür fehlen nur noch Kleinigkeiten.“

Klingt gut, sieht gut aus. Hoffentlich wird es jetzt auch gut.

Bis morgen,

Scholle (18.16 Uhr)

So sieht derzeit die erste Elf aus:

Drobny (gewohnt sicher) – Diekmeier (als Vorbereiter top, defensiv ausbaufähig), Westermann (muss am Aufbauspiel arbeiten, ansonsten in Topform), Bruma (zweikampfstark aber etwas unkonzentriert. Er muss seine vielen Stockfehler abstellen), Aogo (solide) – Ilicevic (wirkt heiß, spritzig und agil – er muss aber effektiver werden), Rincon (zerstört jeden Gegner), Tesche (noch inkonstant aber mit guten Ansätzen), Jansen (wirkt fit, versucht viel über außen) – Guerrero (erarbeitet sich viele Chancen, von denen er allerdings noch zu viele liegen lässt), Petric (die personifizierte Torgefahr – als Stürmer und Vorbereiter)

P.S.: Am Freitag wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

3:0 gegen Marbella – der vierte Sieg im vierten Test

11. Januar 2012

Es war nur ein ganz kurzer Moment – aber ein begehrtes Foto wäre es allemal gewesen, als sich heute um 10.38 Uhr HSV-Trainer Thorsten Fink und Basels Mittelfeld-Juwel Granit Xhaka am Trainingsplatz begrüßten. Dafür eilte Fink extra vom Platz aus zur Buseinfahrt des Marbella Football Centers, während seine Mannschaft weitertrainierte. Zwar hatte er nicht einzig Xhaka im Hinterkopf – aber eben auch. Und so kam es, dass sich der HSV-Coach und der 19-jährige Baseler innig umarmten. So überraschend und so schnell, dass es kein Fotograf festzuhalten vermochte. JU aus Q war mit seinem Handy natürlich sofort zur Stelle – aber auch er erfasste nur noch, wie sich Fink und Xhaka wieder trennten. Wobei, und da sind wir uns sicher alle einig, das eh wenig Bedeutung für den aktuellen Fall haben dürfte. Da geht es vielmehr um Vertragslaufzeiten, einen bestehenden Vertrag und eine hohe Ablösesumme.

Etwas interessanter und entscheidender kann da schon die kurze Umarmung Finks mit David Jarolim gewesen sein. Der Trainer hatte seinen Dienstältesten vor ein paar Tagen zum Gespräch auf dem Platz gebeten. Dabei erklärte Fink seinem Spieler, dass er ihn bei dessen Entscheidung – egal in welche Richtung sie gehen wird – unterstützen wolle. Sollte sich Jarolim also doch dafür entscheiden, in Hamburg zu bleiben, versprach Fink ihm eine ehrliche Chance. Allerdings erklärte der HSV-Trainer dem Tschechen, dass er mit ihm als Ersatz für Tomas Rincon plane. Der Venezolaner gilt im zentral-defensiven Mittelfeld als gesetzt und präsentierte sich im Trainingslager in guter Verfassung. Und der Platz daneben scheint an Robert Tesche zu gehen, nachdem Gojko Kacar verletzt ausfiel und noch immer ausfällt.

Der ehemalige Bielefelder hat die Tage im Trainingslager – natürlich auch durch die Verletzungen von Kacar und den kurzfristigen Ausfall von Per Skjelbred (Schienbeinprellung) – für sich nutzen können. Gestern gegen ADO Den Haag überzeugte der Mittelfeldmann. Allerdings nur in der ersten Halbzeit. Wie so oft wechselten sich bei dem 24-Jährigen Licht und Schatten schnell ab. „Er hat eigentlich alles, was man braucht“, hatten mir Armin Veh, Michael Oenning und der damalige Sportchef Dietmar Beiersdorfer gesagt, und dabei das sportliche Gesamtpaket Tesches hervorgehoben. Denn der gebürtige Wismarer hat einen starken linken und einen starken rechten Fuß, er ist ballsicher, passsicher, zweikampfstark, er hat ein sehr gutes Kopfballspiel, ist torgefährlich aber eben auch sehr gut defensiv einsetzbar. Gegen den Haag überzeugte Tesche sogar mit Kreativität – allerdings wieder nur teilweise.

Es ist immer dasselbe. Tesche wirkt „zu sehr in sich gekehrt“, hatte es einst Veh formuliert und von dem Gescholtenen gefordert, dass er endlich seinen Durchbruch schaffen müsse, wenn er in der Bundesliga dauerhaft eine Chance haben wolle. „Gestern ist er dann wohl aus sich herausgekommen“, lobte der aktuelle HSV-Trainer Thorsten Fink heute, „und er hat ein gutes Spiel gemacht.“ Tesche selbst sieht es ähnlich: „Ich rede deshalb aber noch nicht von der Stammelf“, so Tesche, „auch wenn mein klares Ziel ist, dass ich mehr spielen will.“ Eine Forderung, die der Allrounder vor genau einem Jahr schon einmal formulierte, damals mit einem Angebot von Hannover 96 im Gepäck. „Die Chance hätte ich genutzt, aber man wollte mich nicht gehen lassen. Und jetzt läuft es hier ganz gut.“ Die Appelle seiner Trainer in den bisherigen 2,5 Jahren beim HSV scheinen erhört worden zu sein. Tesche: „Na klar, mein Ziel ist es, das jetzt umzusetzen.“

Wie eben gegen Den Haag, in der in der ersten Halbzeit die vermeintlich stärksten elf Hamburger aufgelaufen sind. Tesche scheint auf dem Sprung in die Startelf für das erste Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund am 22. Januar in der Imtech-Arena. Und das trotz anhaltender Schwankungen, trotz der eher schwachen zweiten Halbzeit am Dienstag? Fink überlegt kurz, nickt und fordert, was seine Vorgänger bereits formuliert hatten: „Klar ist, Robert muss sich jetzt mal über längere Zeit beweisen. Denn wir haben auch andere Spieler, die auf der Position gut sind.“

Wobei Fink sicher weniger an Jarolim denn an Skjelbred oder Kacar gedacht haben dürfte. Hart, aber wohl die bittere Wahrheit für Jarolim, der sich weiterhin darum bemüht, den Verein zu verlassen. Und das mit klaren Vorstellungen. „Ich will mehr spielen, das ist klar. Und ich werde nicht wechseln, nur um zu wechseln. Ich werde keine Notlösung wählen.“ Schließlich wird es aller Voraussicht nach der letzte Verein für den 32-Jährigen werden. „Davon gehe ich aus“, so Jarolim, „deshalb werde ich nur wechseln, wenn es für mich auch über den Sommer hinaus Sinn macht und optimal ist.“ Um das zu schaffen, ist der Mittelfeldmann fast täglich im Kontakt mit seinem Berater Gordon Stipic – obgleich der seinem Mandanten noch keine Optimallösung präsentieren konnte.

Aber Jarolim bleibt ruhig. In allen Belangen. „Wir haben noch drei Wochen Zeit, um uns zu entscheiden. Und auch wenn ich hier bleiben muss bis Sommer, werde ich positiv bleiben. Ich muss diese Entscheidung des Trainers akzeptieren und werde mich weiterhin ganz normal in den Dienst der Mannschaft stellen. Ich verändere deshalb nicht mich. Noch weniger meinen Charakter. Es war auch klar, dass es nicht leicht wird, in der kurzen Winter-Wechselperiode etwas zu machen.“ Ob es dennoch schmerzt, dass er nach all den Jahren so in die zweite Reihe gedrückt wurde? „So ist der Profifußball nun einmal. Da brauche ich auch gar nicht erst rumzuheulen. Vielmehr denke ich, dass ich noch das eine oder andere Spiel machen werde, wenn ich bleiben sollte.“

Wie heute gegen UD Marbella, einen spanischen Viertligisten. Zusammen mit Per Skjelbred agierte Jaro im zentralen Mittelfeld. Und das weitgehend unauffällig. Zwar hatte der HSV nach drei Schusschancen für Arslan (6.), Sala (8.) und Lam in der elften Minute schon drei halbe Möglichkeiten zur Führung und verpasste durch Son per Freistoß (17.) und Mancienne per Kopfball jeweils an die Latte eine verdiente Führung, allerdings ohne direktes Zutun des dienstältesten HSVers.

Auch die ersten beiden Tore besorgte jemand anderes: Tolgay Arslan (52. und 56). Zunächst per Flachschuss ins lange Eck und anschließend per Strafstoß nach Foul an ihm selbst. Arslan war es auch, der seinen Gegenspieler nach der 2:0-Führung so in Rage brachte, dass dieser sich nicht mehr zu helfen wusste, nachtrat und des Feldes verwiesen wurde.

Und nachdem Son in der 85. Minute nach Pass von Lam noch die Chance aufs 3:0 verpasste, traf er in der 90. Minute zum 3:0-Endstand. “Ein gelungener Abschluss. Wir haben eine gute Einstellung gezeigt”, so Fink, der damit nach drei wirklich ansehnlichen, interessanten Tests gegen Benelux-Teams im vierten, eher unspektakulären Spiel den vierten Sieg feiern durfte.
So haben sie gespielt: Mickel (46. Neuhaus) – Bergmann, Mancienne, Rajkovic, Sternberg – Sala, Jarolim, Skjelbred, Lam – Arslan (62. Ingreso), Son.

Ach ja, und dann noch eine schöne Geschichte mit einem leider nicht so schönen Part: Mit ein paar geschätzten Kollegen hatte ich das große Glück, mir zwei Spiele des FC Malaga ansehen zu können. Eben jenen Klub, bei dem mit Joris Mathijsen und Ruud van Nistelrooy zwei ehemalige HSVer spielen. Nach dem ersten Spiel gegen Atletico Madrid waren wir mit Joris Mathijsen in der Mixed Zone verabredet – und der kam, sprach mit uns. Und Joris, der bei dem vorausgegangenen 0:0 die gesamten 90 Minuten auf der Bank saß, wirkte verbittert. Kein Wort wollte er über den HSV sprechen. Er sei gut angekommen in Marbella (hier wohnt er), fühle sich nach anfänglichen Gewöhnungsproblemen auch wohl – allerdings sei der FC Malaga noch nicht das, was er sich erhofft habe. Dennoch, den HSV verlassen zu haben bereue er nicht. „Nein“, so Mathijsen, „ich will nicht mehr über den HSV sprechen, das Thema ist abgehakt aus verschiedenen Gründen, die keine Rolle mehr spielen.“

Okay, das ist oft so, wenn Spieler wie Mathijsen beim HSV keinen neuen Vertrag bekommen. Allerdings ist es allemal besser, zu sagen, dass man nicht mehr über den HSV sprechen will, als sich so zu verhalten wie Ruud van Nistelrooy. Der aussortierte ehemalige Weltstar und Held meiner (späten) Jugend lieferte das ab, was man ihm in Hamburg auf Vorstandsebene nachgesagt hatte. Nachdem wir von der FC-Pressebetreuerin Susana Abella Adame trotz erster Absage doch noch Karten für das Copa-del-Rey-Achtelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid am Dienstag doch noch Karten bekommen hatten und mit uns 12 niederländische Journalisten angefragt hatten, wurde Ruud für die Mixed Zone angekündigt. Dementsprechend warteten wir nach der 0:1-Niederlage des FC auf den einstigen Weltstar. Allein, er erschien nicht.

Dafür aber heute im Marbella Football Center zum heutigen Test. Mit seinem Sohn Liam (3) begrüßte er ehemalige Weggefährten. Als wir ihn darauf ansprachen, dass wir auf ihn gewartet hätten, lachte er kurz. Ich dachte zuerst, es sei nett, revidierte aber nach seiner Aussage: „Ich war auch da – nur nicht da, wo ihr wart.“ Ob wir ihn denn jetzt bei der Gelegenheit kurz sprechen könnten? Zunächst keine Antwort. Dann in despektierlichem Ton: „Nein. Aber viel Glück.“

Danke Ruud. Oder besser: Danke für nichts. Außer für die Erkenntnis, dass Du als Idol für mich nicht mehr geeignet bist. Trotzdem, und das meine ich ehrlich: auch Dir viel Glück!

In diesem Sinne, bis morgen! Dann mit dem Trainingslager-Fazit des Trainers.
Scholle (18.26 Uhr)

Xhaka: Preistreiberei oder Überzeugung? Basel bestätigt seine Absage an den HSV

10. Januar 2012

Jetzt sind sie da. Am Montag um 21.34 Uhr im Mannschaftshotel Vincci Estrella del Mar angekommen, gab es heute die erste Einheit im Marbella Football Center, eben jenem Trainingszentrum, in dem auch der HSV sein Quartier aufgeschlagen hat. Und dieser wirbt bekanntlich offiziell um die Dienste des Baseler Top-Talentes Granit Xhaka. Auch deshalb passen die Baseler besonders auf, dass ihr Mittelfeldtalent nicht von seiner Vorbereitung abgelenkt wird. Am wenigsten von uns Hamburgern. Wobei das schon der Trainer übernommen haben soll. „Wir wissen, dass Thorsten Kontakt zu Xhaka aufgenommen hat“, so Basels Sportdirektor Georg Heitz betont unaufgeregt, „und die Bundesliga ist für jeden Spieler eine interessante Liga. Er hat ja selbst den Plan, irgendwann in einer größeren Liga zu spielen.“ Und obwohl der HSV sich ja noch immer nicht aller Abstiegssorgen entledigt habe, seien die Kontaktaufnahme und Xhakas Offenheit zu einem Wechsel nicht beunruhigend. Heitz: „Wir dürfen da nicht päpstlicher sein als der Papst.“ Vielmehr sei es ein ganz normaler Vorgang, wie auch Basels neuer Trainer Heiko Vogel sagt: „Als Trainer beschäftige ich mich doch immer zuerst mit den Spielern, die ich am besten einschätzen kann.“

Und dazu zählen ehemalige Spieler. Natürlich. Gerade die, mit denen man gerade eben noch, in Finks Fall bis Oktober 2011, zusammengearbeitet hat. Wie eng die Verbindung noch ist, zeigten nicht allein die zahlreichen Umarmungen von Finks Trainerteam mit den Baselern, sondern auch ein Foto auf dem Mannschaftsbus des FC Basel, wo die Mannschaft beim Sponsor „Europa Park“ in der Achterbahn sitzt. Die gesamte Mannschaft nacheinander aufgereiht. Und das mit ihrem Trainer in vorderster Front: Thorsten Fink.

Aber gut, Fink ist inzwischen in Hamburg und es dauert eben, solch eine Bedruckung abzunehmen. Zumal sie die Schweizer nicht stört. Im Gegenteil, schon heute Morgen traf sich Basels Sportchef Heitz mit Fink auf einen Kaffee. „Wir haben uns unterhalten. Allgemein und über Xhaka. Thorsten hat bestätigt, dass der HSV ihn grundsätzlich will. Lieber heute als morgen. Aber ich habe ihm auch gesagt, dass wir da auf die Wünsche der Hamburger keine Rücksicht nehmen können.“

Vor allem aber müssen es die Schweizer nicht. Finanziell schwebt man nach dem Einzug ins Champions-League-Achtelfinale gegen Bayern München auf Wolke sieben. „Wir haben finanziell überhaupt keinen Druck“, so Heitz, nachdem er auch sagte, es gebe in Sachen Ablösesumme für jeden Spieler des FC natürlich eine Grenze, kein Spieler sei also unverkäuflich.

Dennoch scheint Xhaka ein hartes Stück Arbeit für den HSV zu werden. „Für uns kommt ein Wechsel jetzt nicht in Frage. Wir haben das Angebot des HSV erst einmal abgelehnt. Zudem gibt es noch andere Vereine, die konkrete Angebote abgegeben haben.“ Dazu soll unter anderen der europäische Spitzenklub Manchester United zählen. Und Trainer Vogel ergänzt: „Ich plane mit Xhaka bis Saisonende. Und das ist erst im Mai, Juni. Dieses Geschachere ist nun mal part of the game, das lässt uns kühl bis zum Sommer. Denn bis dahin werden die Anfragen für ihn nicht weniger.“

Preistreiberei? Mit Sicherheit auch. Wobei ich glaube, dass bei den bislang kolportierten sieben Millionen Euro für den 19-Jährigen die Grenze definitiv erreicht ist. Mehr werden auch finanziell potentere Vereine als der HSV für ein Talent – denn das ist Xhaka bei aller Veranlagung noch immer – nicht bieten. „Wir wollen den Preis mit unseren Aussagen nicht hochtreiben, wir sind klar in unserer Entscheidung. Ich bin mir ganz sicher, dass wir das alles in aller Freundschaft klären werden“, so Heitz, der sehr wohl weiß, dass der Wechsel Xhakas an sich nicht mehr aufzuhalten ist. Ebenso wie der Trainer. Vogel: „Das kann sein. Es ist doch klar, dass ein Spieler seines Formates das Ziel hat, in eine vermeintlich stärkere Liga, wie sie die Bundesliga ist, zu wechseln.“ Die Frage sei eben nur, wann.

Und obwohl sich Xhaka heute nicht mit uns unterhalten durfte, anbei ein sehr langes, aber eben auch sehr gutes und interessante Interview. Das führte mein Schweizer Kollege Christoph Kieslich von der „Tages Woche“ vor zwei Tagen. (http://www.tageswoche.ch/de/2012_01/sport/268800/Granit-Xhaka-%C2%ABDie-Frage-ist-Wann-gehe-ich%C2%BB.htm). Den Part über Xhaka und den HSV habe ich Euch schon mal herauskopiert und ans Textende für alle diejenigen gestellt, die sich dafür interessieren. Ein kleiner Auszug:

Sie sagen, Sie möchten nicht unbedingt schon in diesem Winter wechseln. Würden Sie denn darauf bestehen, bis zum Sommer in Basel zu bleiben?
Granit Xhaka: Ich sage es mal so: Wenn es wirklich für alle stimmt, auch für meine Familie und das Umfeld, dann wären wir alle glücklich, würden wir alle davon profitieren. So wie ich Thorsten Fink verstanden habe, steht er auf mich, und wenn ich nach Hamburg wechsle, dann würde ich dort auch spielen.

Auf jeden Fall klingt alles so, als habe der HSV sehr gute Chancen auf seinen Wunschspieler. Und wenn er denn nach Hamburg kommen sollte, müsste man den Beteiligtem – allen voran Trainer Thorsten Fink, Sportchef Frank Arnesen aber auch Arnesen rechter Hand Lee Congerton – ein großes Kompliment aussprechen. Als Bundesliga-13. setzt man sich nicht immer gegen so namhafte Konkurrenz bei einem Spieler durch, der aktuell noch Champions League spielt.

Das Ganze zeigt vor allem: Der HSV arbeitet perspektivisch, setzt weiter auf gute, junge Spieler. „Dieser Vorgang zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, freut sich HSV-Kapitän Heiko Westermann, der sich in seiner Entscheidung, langfristig beim HSV zu unterschreiben mehr denn je bestätigt sieht. „Ich wollte eine klare Linie, eine Perspektive. Das hat eineinhalb Jahre nicht so gut funktioniert. Aber jetzt haben wir eine sehr gute Struktur. Ich weiß, dass wir langfristig Erfolg haben werden.“ Ob das schon in der Rückrunde umzusetzen ist? „Wenn wir gleich zu Beginn gegen Dortmund gewinnen, kann das eine Euphorie auslösen, denn die Stimmung in der Mannschaft ist top. Wo das letztlich hinführt, ist offen. Denn so richtig goldig ist unsere Ausgangsposition sicher nicht. Aber man merkt, dass wir eine echte Einheit sind. Und zwar auf wie neben dem Platz.“

Zudem habe die Mannschaft sportlich eine sehr gute Entwicklung genommen. Auch dank Trainer Thorsten Fink, der in den acht Tagen Marbella anstatt Kondition bolzen zu lassen auf technische und taktische Einheiten setzt. „Unser Passspiel wird besser, wir als Mannschaft treten geschlossen auf. Und zwar gegen den Ball genau so wie offensiv“, sagt Westermann, der bei allem Optimismus aber den Blick für die Realität nicht verloren hat: „Wir spielen erst seit einem halben Jahr zusammen, haben vor der Saison viele Wechsel verkraften müssen. Das war nicht leicht, aber das machen wir immer besser. Ich glaube einfach, dass wir auf allen Positionen aktuell und auch perspektivisch richtig gut besetzt sind.“

Dass eine gute Rückrunde mit dem HSV auch seine Chancen auf eine Teilnahme an der EM im Sommer verbessern würde, ist klar. „Ich habe mit Hansi Flick guten Kontakt, habe mit Jogi Löw vor dem Länderspiel gegen Holland länger gesprochen. Wenn ich mit dem HSV gute Spiele zeige, wir Erfolg haben, dann glaube ich daran, dass ich dabei sein werde.“ Allerdings, und das glaube ich Westermann sofort, sei das nicht das vordringlichste Thema für ihn.

Zumal die Entscheidung nicht bei ihm liegt, er sich eh nur anbieten kann – und zwar am besten mit guten Leistungen für den HSV. Als Abwehrchef und Mannschaftskapitän, der in der Mannschaft nach anfänglichen Schwierigkeiten inzwischen voll angekommen ist. Auf dem Platz dirigiert Westermann im Training wie in den Spielen, für den Trainer ist er der erste Ansprechpartner. Und das merkt er selbst. „Ich hatte eine schwere Phase, in der ich schlechte Spiele gezeigt habe. Aber da musste ich durch. Ich musste meinen Kopf mal in den Wind halten – und dadurch bin ich gereift. Inzwischen fühle ich mich superwohl und freue mich auf die nächsten Monate mit dem HSV. Denn wir vor, das zu zeigen, was wir zu Saisonbeginn verpasst haben. Schon gegen Dortmund.“

Klingt genau so, wie wir uns das alle erhoffen. Dennoch ein kurzer Themawechsel: Ich hatte mich gestern erstmals zum Thema Ausschreitungen beim Schweinske-Cup zu Wort gemeldet. Das hatte ich vorher vermieden, weil ich weder beim Turnier dabei war noch großartig mit den beteiligten Parteien sprechen konnte. Allerdings ist es in einem personalisierten Blog wie diesem durchaus zulässig, seine Meinung zu äußern. Und ich bin bei einem derart unüberschaubaren oder besser gesagt: bei einem derart facettenreichen Vorfall der Meinung, dass unsere Polizei das Mandat hat, die Aufklärungen zu leiten. Sollte sich dabei herausstellen, dass die Polizei Fehler gemacht hat, gilt es das zu nennen. Aber bis dahin sollten alle Beteiligten, von den Klubs (im Übrigen auch der HSV, von dem einige Hooligans großen Anteil an der Eskalation hatten) über die Veranstalter bis hin zu den Ermittlern bedingungslos zusammenarbeiten, um eine so bittere Niederlage gegen einen kleinen, gewaltbereiten Teil dummer Zuschauer (Fans sind das nicht) aufzuklären und in Zukunft zu vermeiden. Da hilft es nichts, wenn der FC St. Pauli sich hinstellt und die Polizei attackiert. Vielmehr wirkt das aktionistisch und unüberlegt. Zumal dann, wenn es für den grundsätzlich sympathischen Stadtteilklub der x-te Vorfall binnen kürzester Zeit war.

In diesem Sinne, alles wird gut. Und bis später. Dann mit einem kurzen Update vom Test gegen ADO Den Haag.

Scholle (18.15 Uhr)

Hier nun wie versprochen, die Passagen des „TagesWoche“-Interviews:

Wie steht es denn jetzt mit dem Hamburger SV? HSV-Sportdirektor Frank Arnesen hat anklingen lassen, dass ein Transfer wahrscheinlich erst im Sommer zustande kommt.
Granit Xhaka: Ich sage es mal so: Hamburg ist sicher keine schlechte Adresse, und die Bundesliga ist ein Traum von mir. Es ist schön zu wissen, dass ein so großer Club wie der HSV einen Typen wie mich haben möchte. Sie haben dem FCB etwas angeboten, aber mein Ziel ist es nicht, jetzt im Winter wegzugehen. Ich muss glücklich sein, der Verein muss glücklich sein, wenn ich weggehen würde. Und ich will mich ordentlich verabschieden.

Klingt so, dass es auch ganz schnell gehen könnte mit einem Transfer.
Ich höre mir solche Sachen an, mein Berater hört sie sich an, wir besprechen das, aber ich kann nicht ja und nicht nein sagen. Lassen wir uns überraschen.

Wie haben Sie denn vom Interesse des HSV erfahren?
Tja, wie hab’ ich davon erfahren? Der Trainer hat mich mal angerufen …

… der ehemalige FCB-Trainer Thorsten Fink?
Ja. Er hat mich gefragt, wie es läuft beim FCB, er hat mir gesagt, dass es Interesse vom Hamburger SV an mir gibt und dass er mich gerne zu sich holen würde. Das war eigentlich nur ein Telefonat, nach unserem letzten Spiel am 11. Dezember in Neuenburg.

Und, wie war Ihre Reaktion?
Ich habe ihm gesagt, dass ich erst mal in die Ferien gehe, und dass alles andere, das, was die beiden Vereine besprechen, über meinen Berater gehen soll. Ich wollte meine Ferien genießen und mich nicht im Kopf belasten. Ich weiß nicht, was sie mit dem Berater abgemacht haben, und der HSV ist ja jetzt direkt mit dem FCB in Kontakt. Das ist alles keine Überraschung mehr, denn man weiß ja jetzt, dass die Hamburger Interesse haben. Ich höre mir das gerne mal an.

Auf welchem Stand sind Ihre Gespräche mit dem FCB, mit Vizepräsident Bernhard Heusler oder Sportkoordinator Georg Heitz?
Eigentlich haben wir noch gar nicht darüber gesprochen. Vom Verein ist noch niemand auf mich zugekommen.
Sie sind im Moment also nur über Thorsten Fink und Ihren Berater informiert?
Genau, und aus den Zeitungen weiß ich, was angeboten wurde – ob das stimmt, ist wieder eine andere Frage.

Was kann man nun daraus schließen? Der FCB hat schon mal klar signalisiert, dass das HSV-Angebot von rund 8,5 Millionen Franken Ablöse keine Verhandlungsgrundlage für ihn ist.
Ich weiß es auch nicht. Ich habe auch nur von sieben Millionen Euro gelesen, die der HSV angeboten haben soll. Ich habe einen Vertrag bis 2015 und ich kann mir schon vorstellen, dass der FCB mehr möchte. Ich sehe es so: Erst mal muss der Verein zufrieden sein, und wenn der HSV eine entsprechende Summe bietet, dann kann ich mir vorstellen, dass der FCB auf mich zukommt, um das mit mir anzuschauen.

Sie sagen, Sie möchten nicht unbedingt schon in diesem Winter wechseln. Würden Sie denn darauf bestehen, bis zum Sommer in Basel zu bleiben?
Ich sage es mal so: Wenn es wirklich für alle stimmt, auch für meine Familie und das Umfeld, dann wären wir alle glücklich, würden wir alle davon profitieren. So wie ich Thorsten Fink verstanden habe, steht er auf mich, und wenn ich nach Hamburg wechsle, dann würde ich dort auch spielen.

Kommt denn außer Hamburg überhaupt noch irgendwas anderes in Frage?
Ich bin Fan der Bundesliga und der Premier League. Das sind meine Topligen, von denen ich mir wünsche, dass ich einmal dort spielen werde. Aber ich würde auch andere Ligen nicht ausschließen.

Was ist denn an den Spekulationen mit Manchester United und dem Interesse an Ihnen?
Davon weiß ich nichts, hab’s auch nur gelesen. Wenn England, dann denke ich, dass das was mit 23, 24 Jahren für mich wäre, dann, wenn ich körperlich und vom Tempo her für diese Liga parat wäre.

Sie denken also, der Sprung in die Bundesliga wäre einfacher für Sie?
Das kann ich nicht sagen. Ich finde aber, dass der englische Fußball nachgelassen hat. Nicht, weil wir gegen Manchester United gewonnen haben, sondern weil einige Mannschaften schwächer geworden sind, auch Chelsea oder Liverpool. Außer Manchester City, die haben mit einem Haufen Geld viele Spieler gekauft. Die Bundesliga ist sicher nicht schlechter als die Premier League, absolut nicht. Aber nach England sollte man erst gehen, wenn man sich bereit fühlt, wenn man die Perspektive hat, dort auch zu spielen. Ich wollte nicht nach Manchester oder sonstwohin wechseln und dann nicht spielen – da bleibe ich lieber hier.

In England wird herumgereicht, dass Sie eine Ausstiegsklausel im Vertrag hätten.
Sicher nicht. Das ist nicht korrekt.

Ihr Berater Andreas Gross gilt immerhin als Mann mit exzellenten Kontakten auf die Insel. Seit wann berät er Sie und welche Rolle spielt Ihr Vater noch bei der Zukunftsplanung?
Wir sind jetzt seit eineinhalb Jahre mit Andreas Gross zusammen, er hat schon die Vertragsverlängerung beim FCB begleitet. Mein Vater bespricht viel mit ihm, aber wenn es um Verträge geht, ist Andi zuständig.

HSV-Sportdirektor Frank Arnesen sagt, er hätte Sie schon vor Jahren auf dem Radar gehabt, als er noch beim FC Chelsea war. Gab’s denn tatsächlich schon einmal Kontakt mit London?
Das ist so, damals war noch Max Urscheler mein Berater, und er hat uns damals erzählt, dass Chelsea Interesse hat. Da war ich 16, 17 Jahre alt, aber für mich war das Ausland in diesem Alter überhaupt kein Thema. Für mich war klar: Wenn man sich nicht zuerst in der Schweiz durchsetzen kann, dann schafft man es nirgends. Ich konnte einen guten Weg machen bisher – im Gegensatz zu vielen Kollegen aus der U17-Nationalmannschaft, mit der ich Weltmeister geworden bin. Ich bin sehr froh, dass ich hier geblieben bin.

Welcher Rat ist Ihnen denn der Wichtigste?
Zuallererst der meiner Familie und vor allem der meines Vaters. Er hat selbst mal als Profi gespielt, im Ex-Jugoslawien. Er musste wegen einer Verletzung früh aufhören, aber er kennt das Business. Ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl, und mein Vater gibt mir Tipps. Und er hat mir damals geraten, beim FCB zu bleiben.

Fühlen Sie sich denn heute schon parat dazu, die Sachen zu packen und zum Beispiel nach Hamburg zu gehen?
Ja, sicher, sonst würde ich mir keine Gedanken machen. Ich bin jetzt seit eineinhalb Jahren fast so etwas wie Stammspieler, ich habe meine Spiele gemacht, auch international, bin in der Nationalmannschaft. Wenn es so weiterläuft wie momentan, wäre ich bereit dazu, ins Ausland zu wechseln. Die Frage ist: wann? Das ist das Fragezeichen, das ich im Kopf habe, das wir alle ein bisschen im Kopf haben.

Können Sie sich im Augenblick überhaupt noch auf den FC Basel konzentrieren? Oder schläft man mit diesen Gedanken ein und wacht morgens damit wieder auf?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin der Typ, der das ganz schnell ausblenden kann. Solange ich beim FCB bin, gebe ich Gas und 120 Prozent. Dafür habe ich die Unterstützung meiner Eltern, meines Beraters. So lange ich hier bin, bin ich hier.

Am Montag fliegen Sie mit dem FC Basel nach Spanien ins Trainingslager – und werden auf den gleichen Plätzen wie der HSV trainieren. Werden Sie mit dem FCB nach zehn Tagen auch wieder heimkommen – oder nehmen Sie einen Flug früher nach Hamburg?
(Lacht) Das sind auch schon die Sprüche meine Mitspieler gewesen. Nein, ich werde auch mit dem FCB wieder zurückkommen. Das ist so. Ich werde so etwas sicher nicht im Trainingslager entscheiden. Das ist nicht der richtige Ort und Zeitpunkt. Wenn wirklich alles perfekt laufen würde, für mich und für den Verein, dann wäre es halt so, aber momentan – nein.

Hat sich denn außer Torsten Fink bei Ihnen schon jemand vom HSV gemeldet?
Bei mir persönlich nicht, aber ich glaube, bei meinem Berater.
Der weiß auch schon, was in einem Vertrag mit dem HSV drinstehen würde?
Ich habe ihn nicht danach gefragt.

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