Archiv für das Tag 'Xavi'

Ostrzolek hatte sich schon für den HSV entschieden

14. Juni 2014

Oh Mann, was für ein Krimi – und dann auch noch ohne Happyend. Deutschlands Handballer haben die WM-Playoffs gegen Polen verloren. Schockstarre im DHB. Und das i-Tüpfelchen auf eine verkorkste Handballsaison für alle Hamburger Fans.

Nur gut, dass wir noch den Fußball haben. Und der macht trotz der anhaltend miesen Schiedsrichterleistungen bei der WM in Brasilien auch mir richtig Spaß. Es sind begeisternd offene Spiele, für mich unfassbar wenig Taktik und folgerichtig viele Tore. Allen voran natürlich „Robben van Persie“ – das aktuelle Ultimum. Das 5:1 der Niederländer ohne van der Vaart gegen den amtierenden Weltmeister macht die Holländer plötzlich zu Topfavoriten auf den Titel. Und in Spanien zeigt sich mal wieder das Phänomen, dass nichts älter ist als vergangener Erfolg. Der Spott aus dem eigenen Land für die „Versager“ ist schon bitter.

Dabei waren die Versager von heute gestern noch Helden. Inzwischen warte ich schon zehn Jahre darauf, endlich mal etwas zu finden, was ich am spanischen Fußball kritisieren kann. Und dann liefern sie plötzlich so eine Vorlage – und tun mir eher leid. Denn statistisch waren sie den Niederländern in diesem Spiel überlegen. Dann das unfassbare 3:1, wo van Persie den wahrscheinlich schwächsten Spanier gestern, Torhüter Iker Casillas, im Fünfer foult – bitter. Vor allem, weil anschließend der mir sehr sympathische Casillas (sein Leben lang für einen Klub zu spielen findest Du sonst kaum noch, den Teamkollegen Xavi mal ausgenommen) noch diesen Aussetzer bei der Ballannahme produziert.

Hämisch kann ich dennoch nicht sein. Das wäre mir andersrum leichter gefallen. Aber trotz meiner sehr extrem überschaubaren Sympathien für unsere Nachbarn muss ich eingestehen, dass ich sie im Vergleich zu den letzten Jahren das erste Mal richtig ernst nehmen würde in Sachen Titelkampf. Denn van Gaal hat vorgemacht, worauf es ankommt: auf die richtige Mischung im Team. Und er hat sich dafür im Vorfeld viel Kritik gefallen lassen müssen. Zu defensiv sei das neue Oranje-Team eingestellt, sie zeige zu wenig Spielfreude und entwickle kaum Torgefahr. Ich bin sehr gespannt, was passiert, wenn van Gaal mal etwas mehr auf Offensive setzt als gestern. Zum Beispiel gegen Australien…

Aber okay, zurück zum richtigen Fußball. Zurück zum HSV. Der wartet nämlich weiterhin auf ein Zeichen seines Wunschstürmers Pierre Michel Lasogga. Gestern und heute kursierten plötzlich Zahlen. Unter anderem wollte eine Berliner Zeitung erfahren haben, dass Lasogga vom HSV das Fabel-Angebot habe, bis zu fünf Millionen Euro per annum verdienen zu können. Und wisst Ihr was? Wenn das stimmen würde, hätte der HSV Lasoggas Zusage ganz sicher. Das wäre fast schon ein unmoralisches Angebot. Aber in Wirklichkeit geht es gerade mal um die Hälfte. Bei Berlin, Hamburg und auch Newcastle. Und das ist noch immer sehr viel Geld. „Wer aber glaubt, dass sich Pierre allein des Geldes wegen entscheidet, der irrt sich. Da bin ich mir zu 100 Prozent sicher“, sagt Oliver Kreuzer, der amtierende Sportchef des HSV. Auch heute stand er in Kontakt zu Lasogga, dessen Mutter – und vor allem zum designierten Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer. „Wir sprechen alles ab, Dietmar ist über alles informiert“, sagt Kreuzer, der weiterhin davon ausgeht, dass sich Lasogga noch an diesem Wochenende entscheidet.

Tendenzen gibt es. Aber ganz ehrlich, es macht keinen Sinn, diese Tag für Tag aufzuzählen, weil sie nicht aussagekräftig sind. Und solange mir Lasogga nicht selbst sagt, dass er zum HSV oder einem anderen Klub tendiert – ich spare mir jegliche Spekulation aus. Zumal es sich eh nur noch um Stunden oder maximal wenige Tage handeln soll.

Fakt ist indes, dass Hertha BSC Spieler verkaufen will. Oder besser: muss. Sollten die zwei bislang angedachten Transfers (Heitinga, Beerens) klappen, hätte Hertha plötzlich 34 Profis unter Vertrag. Inklusive Lasogga. „Wir planen nicht, in zwei Trainingsgruppen zu trainieren“, sagt Herthas Manager Michael Preetz im „Kicker“ und kündigt Spielerverkäufe an. Hoffentlich auch den Lasoggas zum HSV…

Hoffnung hat der HSV auch im Buhlen um Matthias Ostrzolek. Auch wenn alles schon ein wenig klarer war, bis Karl Gernandt mit seinen Äußerungen den Trainerstuhl kurzzeitig zum Wackeln brachte. Denn Slomka ist einer der Faktoren, die Ostrzolek zum HSV hatten tendieren lassen. Also, zum echten HSV. Denn der HSV aus Niedersachsen ist inzwischen ebenfalls ins Bieten um den Linksverteidiger mit Potenzial eingestiegen. Dabei hatte sich der Spieler vor fünf Wochen beim persönlichen Treffen mit Kreuzer und Berater Strunz im heimischen Garten von Mirko Slomka in Hannover bereits für Hamburg entschieden. Jetzt soll er abwarten wollen, wie sich die Trainer- und Mangerfrage in Hamburg entscheidet. Kreuzer ausweichend: „Wir haben Kontakt zum Spieler und warten auf ein Zeichen aus Augsburg“, sagt Kreuzer, der zusammen mit Beiersdorfer die Verhandlungen führt. Noch aber liegen Augsburgs Forderungen (mehr als drei Millionen) und das Angebot des HSV (rund zwei Millionen Euro) zu weit auseinander. Zudem soll der FCA zunächst einen Nachfolger gefunden haben wollen, ehe ein Verkauf Ostrzoleks infrage kommt.

Zum Trainingsauftakt am Mittwoch wird der Linksfuß demnach noch nicht da sein. Ebenso wenig wie Tesche und Rincon, deren HSV-Verträge ja noch mehr als zwei Wochen laufen. Dafür wird Per Skjelbred in Hamburg sein. Und mittrainieren. Obgleich dessen Berater dem HSV bereits mitgeteilt hat, dass der Norweger gern bei Leihklub Hertha BSC bleiben würde. Und klar ist: Der HSV will bei dem sympathischen Mittelfeldspieler abwarten, wie die Lasogga-Verhandlungen anlaufen und den Norweger gegebenenfalls „verrechnen“ lassen. „Meines Wissens nach Null Komma Null“ sei indes dran, dass Slomka am Mittwoch nicht der Trainer sein wird, der die Mannschaft zum Auftakt begrüßt. Sagt Kreuzer, der sich mit Beiersdorfer auch in Sachen Hakan Calhanoglu abgesprochen und auf einen gemeinsamen Wortlaut festgelegt. „Jeder Verein, selbst Bayern, Barcelona und Chelsea, hat eine Schmerzgrenze. Aber entscheidend ist, dass wir besser werden wollen. Und dafür bedarf es eines Hakans. Er ist und bleibt ein ganz wesentlicher Bestandteil in unseren Planungen.“

Nun denn, mehr gab es heute nicht. Und ich muss vor den Fernseher. Heute ist ein richtiger Fußball-Marathon angesagt. Mit dem Highlight um Mitternacht: Italien gegen England. Ich wünschen Euch und uns allen einen schönen Sonnabend!

Bis morgen!

Scholle

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