Archiv für das Tag 'Wulff'

Die Sorgen der Anderen

3. Februar 2014

Tausende haben gestern bei „Sky“ und der Sendung „0800“ angerufen, um über den HSV zu plaudern, nur wenige sind dran gekommen – aber die Zahl war schon immens und beeindrucken. Das Thema HSV in Abstiegsnot schient die ganze Republik zu beschäftigen, und darüber hinaus auch weltweit. Die Zahlen derer, die sich die allergrößten Sorgen machen, steigt nicht nur täglich, ich habe das Gefühl, sie steigt stündlich. Was in meinem Postfach und auf dem Handy los ist, das habe ich in dieser Form noch nie erlebt, wobei die meisten „Matz-abber“ schon aufgegeben haben – weil das, was der HSV als Erstliga-Fußball anbietet, einfach nicht ausreichend ist. Wie schon der Kapitän selbst zugab . . .


Version für iPhone und iPad

Viele, viele Ehemalige und Fußball-Prominenz aus dem Lande schickten mit eine SMS oder riefen mich an, zu 99 Prozent wird gefordert, dass die Führung endlich einmal Härte zeigen und durchgreifen soll. Auch der ehemalige HSV-Profi Franz Beckenbauer bezog bei „Sky“ Stellung zum Abstiegskandidaten aus Hamburg, der Kaiser sagte: „Im Kopf müssen sie frei werden, Fußball spielen können sie. Vielleicht kapieren sie es jetzt. Ich kann mir den HSV nicht in der 2. Liga vorstellen. Deswegen muss alles getan werden. Das darf nicht passieren, dass sie in die 2. Liga absteigen.“

Bei „Matz ab“ rauschte es auch im Karton, Beiträge über Beiträge, sie alle sorgen sich um ihren Club. Die Moderatoren haben mir ein paar Mails geschickt, die ich nun gerne für die veröffentlichen möchte, die sonst nichts lesen. So aber kann jeder für sich (ein weiteres Mal) überprüfen, wo er steht, ob seine Meinung mit einigen (oder vielen) deckungsgleich ist.

Beginnen möchte ich mit einer Analyse eines mir bekannten Users, der bewusst darauf verzichtete, genannt zu werden. Ich halte seinen Beitrag aber für extrem lesenswert – und wie gesagt, Name des Absenders ist mir bekannt. Er schrieb mir als Einleitung:

Es ist an der Zeit, das die Verantwortlichen medial endlich an den Pranger gestellt und aus den Positionen getrieben werden. Von alleine tun sie es ja nicht.

Versuch einer konsequenten, rücksichtslosen Analyse der Situation des HSV aus der Sicht eines Unternehmensberaters und wohlwollenden HSV-Fans.

Kurzfassung

Sportliche Situation

Desaströs. Mannschaft verunsichert, überschätzt, taktisch und physisch unzureichend trainiert, mental schwach, ohne Einstellung zu Beruf, Fans, Arbeitgeber. Egoistisch, ohne Teamspirit, ohne wirksame Hierarchie. Abstiegsangst, keine Erfolgsidee.

Trainerteam mit zu wenig Einfluss auf die wesentlichen Themen von Leistungsbereitschaft, Leistungsentwicklung, Teamorientierung, Fußballtaktik

Negativspirale seit mehreren Spielzeiten, geprägt durch mangelnde einheitliche Philosophie, zu viele Trainer- und Sportdirektorenentlassungen. Kein Aufbau eines Systems, einer Spielidee.

Wirre Ein- und Verkaufspolitik; keine erkennbare Linie bei der Zusammenstellung der Kader. Keine nachhaltige Transferpolitik, für den Verein ungünstige Vertragsgestaltungen.
Vernachlässigung des Nachwuchsbereichs mit der Folge sportlicher Talfahrt der U23 und zu vieler Jugendmannschaften.

Wirtschaftliche Situation

Bedenklich. Reserven aufgebraucht. Kosten des laufenden Geschäfts höher als dessen Einnahmen. Negatives Eigenkapital steigt unaufhörlich. Sparstrategien erforderlich, im Hinblick auf die sportliche Situation kontraproduktiv. Der Rest reicht für relevante Einsparungen nicht aus. Ein echtes Dilemma. Zudem: Mindestens bei Abstieg drohen Lizenzprobleme.

Vereinsverfassung

Aufsichtsorgan (AR) und Operatives Organ (Vorstand) arbeiten seit Jahren ohne ausreichenden Erfolg. Vielmehr beschäftigen sie sich streitig miteinander anstatt die Kräfte zugunsten des HSV zu bündeln. Reibungsverluste sind die Folge.
Unaufhörliche und unvertretbare Indiskretionen, gepaart mit unverständlichen und falschen Entscheidungen haben zu einem dramatischen Imageverlust geführt. Kollektive Verantwortungslosigkeit greift um sich, Schwarze Peter Spiele werden gespielt.
Eitelkeit, Egoismus und Selbstdarstellung sind wichtiger als Erfolg, positive Außendarstellung und Nachhaltigkeit. Das nennt man Missmanagement.

Grundlegende Initiativen zur Veränderung der Vereinssituation werden bekämpft, tiefe Risse durchziehen sowohl die Mitgliedschaft, die Gremien und die Fans. Initiativen, den Verein zu befrieden sind entweder kümmerlich, nicht ernst gemeint oder verlaufen im Sande. Die Pflege interner Feindschaften ist Teil der Vereinskultur, die sich im Übrigen durch, Seilschaften, Cliquen und Intrigen auszeichnet. Das Engagement aufrichtiger, ehrenwerter und am Verein interessierter Mitglieder wird entwertet.
Insbesondere die sog. Machtübernahme durch die Vertretung der nicht-aktiven Mitglieder und Fans hat dazu geführt, dass Separatinteressen die Oberhand gewonnen haben über die Vereinsinteressen und dass inkompetente Mitglieder an die Schalthebel der Vereinsmacht gekommen sind.
Es ist zu befürchten, dass sich die Machtfaktoren gegenseitig blockieren und die Aktivitäten stärker darauf gerichtet sind, als das Überleben des Vereins, insbesondere aber nicht nur in der 1. Liga, zu gewährleisten.
Insgesamt eine kranke Organisation!°
Schlussfolgerung

Es ist eine Radikalkur notwendig.

Bis auf wenige Ausnahmen sollten sofort alle Verantwortlichen der ersten Linie von ihren Ämtern und Positionen zurücktreten. Das gilt insbesondere für die Aufsichtsräte Ertel, Floberg, Eghbal, Erhardt, Hunke, Klüver, Strauss und Wulff. Möglicherweise können die (stellvertretenden) Vorsitzenden Meier, Westphalen und Sattelmair als Not-AR fungieren und die Vereinsrettung und seine Umgestaltung kooperativ begleiten.
Vorstandsvorsitzender Jarchow sollte sofort zurücktreten oder seines Amtes enthoben werden und die Verantwortung für die Talfahrt übernehmen. Das Gleiche gilt für Sportdirektor Kreuzer und Cheftrainer van Marwijk unter deren Führung die Situation verschlimmbessert wurde. Entweder wird ein neuer Cheftrainer für den Rest der Saison verpflichtet oder – besser – der Assistenztrainer Coeman mit der Aufgabe betraut.
Der von den Mitgliedern gewählte Vorstand Scheel kann im Amt bleiben bis eine neue Vereinsverfassung in Kraft tritt. Er sorgt für eine reibungslose Verwaltung im Übergang.
Die Führung des Vereins übernimmt übergangsweise der bisherige Marketingvorstand Hilke bis zur Einführung einer neuen Verfassung des Vereins, deren Einführung durch eine ao. MV im Mai/Juni 2014 beschlossen wird. Dann wird entweder HSVPLUS oder eine andere Verfassung beschlossen und eine neue Führung für den Verein und/oder seine ausgegliederte Kapitalgesellschaft bestellt. Er bestellt, leitet und überwacht ein Restrukturierungs- und Übergangsteam, das aus internen und externen Experten besteht.
Andere Maßnahmen als diese Radikalkur erscheinen nicht ausreichend. Es ist ein Notfall, Rettungsmaßnahmen sind sofort und konsequent erforderlich.

Aus dem Hessischen kamen folgende Zeilen:

Hallo Blogvater Dieter, lieber Scholle, verehrte Moderatoren,

bin der Andreas aus Wiesbaden, eingefleischter HSVer seit Jahren und seit der ersten Stunde ein Leser des MATZ AB Blogs. Schön, dass für auswärtige Fans ein solcher Service geboten wird.
Hauptsächlich aktiv bin ich im Rauern-Forum, einem unabhängigen Fan-Forum.

Heute möchte aber mit dieser ersten Mail an Dieter und seinem Team einen Gedanken aufbringen, vielleicht kann er in einem Blog aufgegriffen werden:

Wenn wir doch mal ehrlich sind, hat BvM eigentlich keine Zukunft mehr beim HSV. Denn welcher angeschlagene Trainer hat denn nach einem “Sack voll Kritik” noch die Kurve bekommen? Ich denke da vielleicht mit einem neidischen Blick an Markus Weinzierl vom FC Augsburg.

Aber ich möchte gleich zur Sache kommen: Auch wenn unser Vorstandsvorsitzender heute gesagt hat (oder gesagt haben soll), dass auch bei einer Pleite gegen Berlin BvM eine Jobgarantie hat, glaube ich nicht daran, dass er auch wirklich gegen die Bayern auf der Bank sitzt. Ich schätze, dass der HSV gegen Berlin verliert und dann ein neuer Trainer her muss.

Meine Favoriten wären ja Martin Jol und Mirko Slomka, wobei es Dinge gibt, die gegen sie sprechen: Martin Jol wird sicher JETZT zu teuer sein und ist Mirko Slomka ein Retter? Ich denke noch daran, wie er 2009 / 2010 die ersten sechs (!) Spiele mit Hannover verlor. Ihn könnte ich mir ab Sommer, mit HSV plus im Rücken, wenn es um einen Neustart geht, unabhängig in welcher Liga, beim HSV vorstellen. Und ich glaube, so ganz abgeneigt wäre er nicht.

Zur Zeit aber gibt es einen Mann, der den HSV sicher retten würde: Christian Groos. Derzeit frei. War schon fast im Herbst mit Nürnberg einig, aber wegen verschiedener, unbekannter Gründe, kam es zu keiner Einigung. Er startete damals mit dem VfB Stuttgart sensationell, holte Sieg um Sieg, erst unser Ruud mit seinem Doppelpack binnen vier Minuten brachten ihm die erste Niederlage bei.

Er ist hervorragend geschult, ein Taktikfuchs seinesgleichen, irre sympathisch und ein autoritärer Typ, wie es der HSV jetzt braucht.

Deshalb lieber Dieter und Scholle: Dies ist der Mann, der den HSV retten kann! Und wenn man ihn lässt: Retten wird! Und nur darum geht es!

Also: Gebt BvM noch dieses eine Spiel, aber dann holt bitte Christian Gross!

Nur der HSV!

Gruß aus Wiesbaden

Von „Raab“ kam:

Hallo Dieter,

also ich lese nun seit ein paar Jahren hier mit und dafür erstmal danke, an solche Infos würde ich hier in Südhessen wohl sonst kaum kommen. Ich bin jetzt kein über ober Fan ,aber wenn es sich einrichten lässt schaue ich mir die Spiele im TV an und gehe hin und wieder ins Stadion. Die Optionen hierfür sind gering, kommt eigentlich nur Frankfurt in Frage oder Mainz. In Frankfurt war ich schon des Öfteren, nach Mainz komme ich zum letzten Spieltag.

Einmal habe ich es auch nach Hamburg geschafft, war allerdings eine harte Busfahrt und am Ende 24h on Tour. Naja, jetzt aber zum Thema.

Ich selbst spiele Handball und finde Fußballer ohnehin als Weicheier. Aber,…ABER ich betreibe dies als Freizeitsport und nicht mehr. Meinen Job mache ich auch und zwar zu 100 %. Wäre ich nun Profisportler, hätte also mein Hobby zum Beruf…nunja das wärs wohl. Ich sehe hier nur noch 2 Möglichkeiten.

1. Diese Mannschaft hat einfach nicht die Qualität Bundesliga zu spielen, oder….
2. Sie bringt einfach nicht die Einstellung auf den Platz die sogar ich als Amateur erreiche.

Was mir als Sportler am Training immer am wenigsten Spaß macht ist das Training ohne Ball. Bei den HSV PROFIS scheint es aber egal… Am Montag turnen wir locker über den Platz spielen ein bisschen mit dem Ball umher und sehen gut aus ,weil wir eben keine Gegner im Training haben. Bringt keinen weiter. Was solls ,wir bekommen ja unsere Kohle.

Denen würde ich den Ball wegnehmen und ein paar Laufschuhe geben. Die sollten solange im Kreis laufen bis die Sohlen abgelaufen sind. Danach Medizinbälle umher werfen, oder Panzer schieben und dann das nächste Paar Schuhe ablaufen. Am nächsten Wochenende ,wenn wieder verloren wird, wissen ja alle was kommt. Fußball spielen muss, oder kann man denen nicht mehr beibringen, zumindest nicht auf Bundesliga Niveau. Jeden Tag im Training kotzen bis zum Anschlag. Keinen Ball. Die spielen ja von Woche zu Woche schlechter. Vielleicht hätten die dann nach einiger Zeit keine Lust mehr drauf und würden sich mal so richtig den Arsch auf dem Platz aufreißen. Sonst fährt der Zug ganz schnell ab und der HSV kann nächste Saison nach Darmstadt fahren, kann ich dann auch mit dem Bus hinfahren.
Gruß Raab

Diese nachstehenden Zeilen kamen von Paul S.:

Sehr geehrter Herr Matz,
es ist schon erschreckend mit welcher Leistung diese Elf die Spiele bestreitet. Da ist es immer leicht gesagt, wenn einige Fans den Sportdirektor als Drittligasportdirektor bezeichnen, andere gleich einen anderen Trainer wollen. Der Ok hat beim KSC gute Arbeit abgeliefert, den Erfolg der Mannschaft als Aufsteiger ist sichtbar. Was beim HSV schon seit vielen Jahren nicht mehr zusammenpasst ist der ganze Kader. Wenn man ein Spielgewinnen will, dann sollte die Mannschaft während des Spiels als eine verschworene Gemeinschaft auftreten. Das heißt, es müssen alle gemeinsam kämpfen, spielen und einer für den anderen laufen und rennen. Mit viel Glück sollte diese Mannschaft noch einmal den Klassenerhalt schaffen können. Aber am Ende der Saison sollte dann diese Mannschaft zerlegt werden. Es müssen Spieler ohne Rücksicht auf Rang und Namen aussortiert werden. Hoffentlich kommt HSV Plus durch. Dann kommt vermutlich auch Geld in die Kasse und zweitens werden dann in der Führung die Zügel auch angezogen.

Einen großen Industriebetrieb kann man auch nicht von Laien managen lassen, die Führungsetage besteht auch aus Dipl.- Kaufleuten, Dipl-Ing.,
usw.. Die jetzt den Aufstand gegen HSV Plus führen wollen, denen muss man den Weitblick für die Entwicklung des Profifußballs absprechen. Mit Tradition können Kreisklassenvereine geführt werden, selbst diese Mannschaften haben schon Sponsoren. Zur neuen Spielzeit sollte beim HSV eine ganz andere Abwehr und ein besser besetztes Mittelfeld spielen. Mit dieser Abwehr ist das Ende des HSV bald da:

Es muss sich vieles im Verein von der Führung bis zur Mannschaft ändern, nur dann kann es wieder aufwärts gehen. Aber diese Aufgaben müssen wirkliche neue Fachleute übernehmen, keiner von denen die schon einmal eine Führungsaufgabe beim HSV ausgeführt haben, dann würde es im alten Stil weiter gehen. Dat hebt wi jümmers so mokt, dat mokt wi uk wieder so. Da können wir nur gute Nacht HSV sagen.

Paul S.

Von unserem „Matz-abber“ Mustang dieser Beitrag:

Die Mannschaft benötigt taktisch und mental stabilisierende Impulse von außen – es scheint, als ob BvM samt stab und OK sie nicht beitragen können – leider wahr
.
Wenn man ganz nüchtern bilanziert, haben die HSV-Verantwortlichen es letzte Woche versäumt, am Dienstag im Laufe des Tages ein intensives Videostudium und Fehleranalyse der Heimniederlage gegen Schalke und zur Vorbereitung auf die Kraichgauer durchzuführen, sowie Einzelgespräche gerade mit den Neuankömmlingen zu führen; und am Mittwoch Vormittag eine taktische Sonderschicht zum Thema Spieleröffnung und Aufbau anzusetzen.
BvM und OK sind sich uneins darüber gewesen. OK hat den Kardinalfehler begangen, Rudnevs abzugeben und steht auf verlorenem Posten. BvM, OK und auch VV CEJ wirken verbraucht und verbrannt in ihrer Rat-, Sprach- und Konzeptlosigkeit. Dass Rudnevs jetzt in zwei Partien hintereinander jeweils das 1 : 0 für seinen neuen Arbeitgeber erzielt, setzt der Fehlkalkulation dieses unglücklich planenden und unheilvollen Trios der für die Zukunft des HSV sportlich Verantwortlichen CEJ, OK und BvM die Krone auf. Wie konnten sie sich nur jemals eine solche Blöße geben? Wie konnte OK nicht auf Mindesteinsatzzeiten für Rudnevs bestehen?
.
Die Mannschaft benötigt Hilfsangebot durch das Trainer-Team und den SpoDi gleichermaßen. Der HSV muss verschiedene Systeme spielen können, um besser auf jeden noch kommenden Gegner vorbereitet zu werden, bzw. während eines Spiels die Taktik wechseln zu können; und ist traditionell mit zwei Stürmern und/oder der Doppel-6 besser gefahren. Es sind aber bisher offenbar keinerlei Anstrengungen unternommen worden, über das Standard-Repertoire des 4-2-3-1 das flache 4-4-2 einzustudieren oder meinetwegen am 4-4-2 mit Raute zu feilen. Es fehlt also an allen Ecken und Ende am taktischen Grundverständnis, obschon doch genügend Trainer-Personal beim HSV angestellt sind, solche Übungen sowie auch Einzeltraining vormittags gezielt durchzuziehen, so dass es bei der nachmittäglichen Belastung durch das Haupttraining unter Wettkampfbedingungen mit Rücksicht auf den Stundeplan des Gymnasiasten Tah bleiben kann.
.
Die Erfolgslosigkeit von BvM und OK deuten darauf hin, dass es von der Kommunikation her weder in der Mannschaft noch zwischen den beiden richtig passt. Ich plädiere nach wie vor, kampfstärkere Spieler wie Kacar, Jiracek, Rajkovic und Rincon zu berücksichtigen, die heute wiederum nicht zum Einsatz gekommen sind – nicht einmal als Ersatzspieler von der Bank. Stattdessen hat man die gewohnt ineffektiven Arslan und Ilicevic reingeholt, deren Wirkung gleich verpuffte. Die Neuzugänge können es bestimmt noch nicht richten, dafür war die Eingewöhnungszeit viel zu kurz und offenbar hat man ja auch sich noch gar nicht mit ihnen intensiver befasst oder sie gar schon in die Mannschaft integriert. In der Not der Stunde wäre an eine kommissarische Übernahme des Trainings durch Felix Magath zu denken in der Hoffnung, dass er zusammen mit Holler als Co den Abstieg verhindern kann und gleichzeitig nicht der Totengräber von HSV+ wird. Mir fällt nicht mehr viel anderes an kurzfristigen Rettungsmaßnahmen
ein, denn Huub Stevens steht in Brot und Arbeit in Griechenland. Es sei denn, man möchte Martin Jol reaktivieren, der vom FC Fulham kürzlich freigestellt wurde und die Hamburger Verhältnisse bereits einigermaßen kennt.
Soweit ist es gekommen, leider!

Stefan W. schreibt:

Liebe Verantwortlichen beim HSV,

bitte zeigt Größe und gesteht euch ein, dass ihr diesem HSV nichts, aber auch rein gar nichts mehr anzubieten habt. Das wäre die einzige Chance, dass ihr so ehrlich zu euch und den Fans seid, und dieses einseht und entsprechend handelt. Allen Eltern, die ihre Familie so kaputt machen, würde man sagen: Holt euch Hilfe.
Und genau das solltet ihr auch: Holt euch Hilfe von HSV-positiv Gesinnten die noch ehrlich bereit sind zu helfen (auch wenn dieses sicherlich ständig weniger werden) und dieses auch können. Bitte, bevor es ganz zu spät ist. Es braucht jetzt kein langfristiges Konzept mehr, sondern Feuerwehrmaßnahmen für ein paar Monate. Danach brauchen wir HSV-Plus und dann ein langfristiges Konzept.

Von „Dosentoast“ kam dieser Beitrag:

Also eine Lizenz für die zweite Liga ist wohl eher unwahrscheinlich. Habe mir mal die Lizensierungsregeln der DFL angeschaut. In §8 ( von 13 Paragraphen ) ist die finanzielle Lizenz geregelt. Dieser Punkt macht 40% des Regelwerks aus. In der Anlage IX steht ausdrücklich, dass Anlagevermögen ( also die Arena ) NICHT mitgezählt wird. Der zweite große Aktivposten sind ja unsere Spieler. Aber die meisten dürften wohl keinen
Vertrag für die zweite Liga haben. Gehen die dann ablösefrei? Und die Spieler die bleiben, haben sicherlich zu hohe Gehälter für die zweite Liga. Wird man die dann überhaupt los? Nur mal eine Zahl. In dieser Saison erhält der HSV € 23,5 Mio aus den Fernsehgeldern. St. Pauli nur € 6,2 Mio.

Was ist mit den Sponsoren IMTECH und Emirates? ( beide wohl je € 6,0 Mio. pa. ) Bleiben die auch zu solchen Konditionen in der zweiten Liga? Wohl eher nicht. Vor dem Hintergrund, dass wir jährlich ca. 10,0 Mio Kreditrate fürs Stadion abzuzahlen haben und ja auch die bald fällig werdende € 17,0 Mio Fan-Anleihe ansparen müssen, erscheint mir eine Lizensierung mehr als unwahrscheinlich. Wie will man die € 2,8 Vorstandsgehälter denn überhaupt finanzieren? Ganz schlimm wird es, wenn sich unser großer Vorsitzender auf seine hanseatischen Werte berufen sollte und sagt: „Ich bin ein Ehrenmann und mein Wort gilt” und dann im März noch den versprochenen € 12,0 Mio-Bauauftrag für den Campus erteilt. Mit einer Lizenz an den HSV würde man auch all den Vereinen unrecht tun, die sich um ordentliche Finanzen bemühen. Ich glaube, der HSV geht gleich in die dritte Liga, spielt da eine Saison vor leeren Rängen und wird dann Insolvenzantrag stellen. Habt Ihr überhaupt eine Vorstellung wie hoch die Betriebskosten für die Arena sind? Und gegen einen Drittligisten bekommt man auch keine € 70,00 pro Ticket mehr. Das wird nicht funktionieren.
.
Und das Schlimme daran? Was sollen dann die SC’ler tun? Einen neuen Verein suchen? Die will doch keiner mehr haben!! Ein klassisches Eigentor wegen Selbstüberschätzung.

„Randnotiz“ schreibt:

Der HSV ist ein Abziehbild der vergangenen Jahre. Es hat sich etwas angesammelt und die Faulgase kommen jetzt an die Oberfläche.
.
Ich bin keiner der gegen Trainer schießt, aber die Teilnahmslosigkeit und Phrasendrescherei von BVM zeigt mir, dass er einen Job macht von dem er nicht mehr überzeugt ist und da er sich auch nichts mehr beweisen muss, ist es ihm auch egal, ob er entlassen wird oder nicht. Es hat keinen Einfluss auf seinen weiteren beruflichen Werdegang.
.
Und genau diese abwartende Haltung der netten Worte spiegelt sich in der Spielweise des Teams wider.
.
Mal wieder Ratlosigkeit und keiner ist da, der die Zügel in die Hand nimmt und den HSV anfängt zu führen. Jeder hofft, dass der andere diese Position übernimmt und handelt.
.
Es fehlen Macher auf allen Ebenen.
.
Beten! Beten! Beten, und hoffen, dass es irgendwie gutgeht.
.
Natürlich habe ich auch die Schnauze voll, aber die, die das heute im Stadion gesungen haben, waren noch am 19. laut grölend aus dem Saal marschiert, weil sie alles so behalten wollen wie es ist. Ein Paradoxon.
.
Ich habe die Schnauze voll und werde trotzdem dabei bleiben, weil der HSV (lieber rrose) eben kein Produkt für mich ist, der nach Einschmeißen einer Münze nach meiner Pfeife tanzt. Der HSV ist für mich Leidenschaft, Faszination und das gewisse etwas was ich eben nicht erklären kann. Einen Verein wie den HSV, der mich seit frühester Kindheit intensiv begleitet und einfach zu mir gehört, den lässt man (auch wenn man es am liebsten möchte) nicht einfach fallen.
.
Hoffen das wir es schaffen und HSVPLUS endlich durchkommt und tatsächlich etwas grundlegend im HSV verändert. Mehr als dieser schwache Glaube bleibt mir aktuell nicht.
.
Jeder der im HSV ein Produkt sieht, sollte sich ein anderes Projekt zulegen mit einer besseren Rendite.

PS: Am heutigen Abend ist Frank Rost zu Gast bei „HH1“ und der Sendung „Rasant“, die um 20.15 Uhr beginnt und dann mehrfach wiederholt wird, Moderator ist Uli Pingel.

Und an diesem Abend wird Euch dann „Scholle“ über das aktuelle Geschehen im und um den Volkspark herum informieren.

Nur der HSV!

Ab nach Asien – Kreuzer sieht Annäherung in Gesprächen mit Calhanoglu

4. Januar 2014

Auf Wiedersehen, HSV! Heute am frühen Nachmittag sind 26 Profis plus Betreuer aufgebrochen Richtung Dubai, Indonesien und Abu Dhabi. Schon gestern war eine Delegation mit viel Gepäck vorgeflogen. Insgesamt 1,2 Tonnen Gepäck hat der Tross mit dabei. Ein Trainingslager als Großprojekt.

Aber es lohnt sich ja auch. Vielleicht nicht gerade vom Erholungswert, denn gerade die ersten Tagen sind Gift für den Körper. 20 Stunden nach Jakarta, der größten Stadt in Südostasien. 28 Millionen Menschen leben dort im Großraum dieser Metropole. Am Montag bestreitet der HSV um 20 Uhr Ortszeit (14 Uhr deutscher Zeit) ein Freundschaftsspiel gegen Arema Cronus. Diese Partie findet in Malang statt, etwa 900 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Die Hamburger sind dorthin mit einer Charter-Maschine unterwegs. Vielleicht gibt es im Internet Bilder zu fischen. Für findige Surfer: das Spiel wird in Indonesien auf dem Kanal MNCTV übertragen.

Etwa 450.000 Euro erhält der Verein für die Reise. Eine Viertelmillion von der DFL, den Rest vom Veranstalter in Indonesien. Viel Geld, und wir haben hier schon oft und ausführlich beschrieben, dass der HSV auf jeden Cent angewiesen ist. Mehr zu diesem Thema dann am Ende dieses Blogs.

Sportchef Oliver Kreuzer hat sich vor dem Abflug noch geäußert zu den beiden wichtigsten Personalien derzeit: Pierre Michel Lasogga und Hakan Calhanoglu. Was Lasogga angeht, haben sich Kreuzer und Hertha-Manager Michael Preetz in den vergangenen Tagen über diverse Zeitungen die Bälle zugespielt. Heute sagte Kreuzer: „Ich habe über die Jahreswende mit Michael Preetz telefoniert. Er kennt ja das Geschäft. Es ist normal und nicht verwerflich, wenn wir uns mit dem Spieler und seiner Mutter, die ihn berät, unterhalten. Dabei lassen wir es im Moment auch. Zum gegebenen Zeitpunkt werden wir sehen, was Sache ist.“

Der richtige Zeitpunkt für Entscheidungen ist demnach jetzt noch nicht gegeben. Das sieht auch Lasogga so. „Mich interessiert das gerade gar nicht. Wir fahren jetzt ins Trainingslager. Die Spekulationen gehören zum Fußball und behindern mich nicht. Der Rest wird im Sommer entschieden, wahrscheinlich“, so Lasogga. Im Sommer? Das ist dann wohl doch etwas zu spät. Der Stürmer weiter: „Wieso? Ich bin hier ausgeliehen bis 30. Juni und habe Vertrag in Berlin bis 2015. Es herrscht keine Panik.“ Das wollen wir doch mal hoffen und auch, dass Lasogga die Debatten in den kommenden Wochen nicht am Toreschießen hindern werden.

Etwas weiter mit den Gesprächen ist Oliver Kreuzer offenbar mit Stürmer Hakan Calhanoglu und dessen Berater. Hier geht es ja um eine vorzeitige Verlängerung über 2016 hinaus – vermutlich bis 2018. „Wir sind auf einem guten Weg und haben uns angenähert“, gab Oliver Kreuzer heute preis. Das hört sich doch gut an, zumal Calhanoglu „zwischen den Jahren“ mit einem Interview im türkischen Fernsehen eher Gegenteiliges sagte. Er sei schon immer ein Fan von Galatasaray Istanbul gewesen, so Calhanoglu in seiner Heimat, als er auf das Interesse der Gelb-Orangen angesprochen wurde.

Heute relativierte Calhanoglu: „Man ist als Kind immer ein Fan von einem Verein, bei mir ist es Galatasaray. Das habe ich nur so gesagt, und es ist falsch rübergekommen. Ich wollte es nicht so sagen. Ich bin jetzt in Deutschland. Ich will hier bleiben und zeigen, dass ich in der Rückrunde besser starten kann als in der Hinrunde.“ Was immer wieder auffällt: Calahanoglu geht es offenbar nicht nur um Geld und die Perspektive des Vereins, sondern auch um seine ganz persönliche Wertschätzung, die er genießt.

„Natürlich! Mein Ziel ist, weiterzuspielen. Ich habe auch noch andere Wünsche an den HSV. Vielleicht bekomme ich meine Rückennummer 10, das ist meine Lieblingsnummer. Ich fühle mich hier sehr wohl will dem Verein etwas bedeuten.“ Wenn das so ist, kann es ja wohl nur eine Lösung geben: Kreuzer schreibt dem jungen Türken die Rückennummer 10 auf Lebenszeit in den Vertrag – und dann her mit der Unterschrift!

Manchmal wundert man sich in diesem ach so harten Profi-Geschäft – wobei Calhanoglu heute eine weitere Schwäche einräumte. Er mag nämlich gar nicht gern lange fliegen. „Eine Stunde oder zwei sind kein Problem. Aber jetzt habe ich Angst. 20 Stunden im Flugzeug, das macht mir Angst!“ Das sagte Calhanoglu vor dem Abflug. Jetzt, bei der Veröffentlichung dieses Blogs, ist die Emirates-Maschine mit dem HSV an Bord vielleicht gerade im türkischen Luftraum – hoffentlich gibt ihm das Sicherheit für den Weiterflug.

Natürlich wurde vor dem Abflug heute auch noch einmal über die Bedeutung der Vorbereitungsphase gesprochen. Dass der Trip nach Indonesien alles andere als optimal ist, hat Trainer Bert van Marwijk mit seinen kritischen Worten bereits gestern verdeutlicht. Oliver Kreuzer erklärt aus Vereinssicht: „Wir wissen, es ist eine sehr anspruchsvolle Reise von der Belastung her. Aber das gehört nun mal dazu. Viele andere Mannschaften pflegen das auch, Bayern München beispielsweise. Für uns war nur wichtig, dass wir Indonesien an den Beginn des Trainingslagers legen, nicht ans Ende. Von daher ist das kein großes Problem.“

Zur Trainingsarbeit vor Ort in Abu Dhabi schaut Kreuzer voraus: „Ich glaube, es ist wichtig, dass van Marwijk fast den gesamten Kader zur Verfügung hat und noch intensiver arbeiten kann. Dann gehen wir im Prinzip top-vorbereitet in die Rückrunde.“ Stürmer Lasogga: „Wir bereiten uns jetzt ganz klar aufs erste Pflichtspiel gegen Schalke vor. Darauf sind jetzt schon alle fokussiert und da wollen wir im Trainingslager den Grundstein legen.“

Dazu gehören auch zwei weitere Testspiele gegen Vitesse Arnheim und Quairat Almaty aus Kasachstan. Diese beiden Spiele finden im riesigen Fußballstadion von Abu Dhabi statt. Vergangenes Jahr hatte das fast groteske Züge vor Ort, als der HSV dort auch schon kickte. Knapp 50.000 Zuschauer passen in die Arena, in der 2009 die Klub-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde. Als der HSV nun da war, sperrten ein Dutzend Ordner das Stadion hermetisch ab. Touristen aus Deutschland, auch wir als Reporter, durften zunächst nicht rein. Angst vor Überfüllung? Keine Ahnung. In den Emiraten nahm niemand von diesem Testspiel Notiz. Die HSV-Reise-Delegation um Bernd Wehmeyer und Marinus Bester hat vor Jahresfrist jedenfalls für den Einlass gesorgt, so dass in dem großen, grauen Kessel dann wenigstens 50 Zuschauer waren – alle aus Hamburg….

Mit Ronald Wulff und Ali Eghbal sind heute übrigens zwei Aufsichtsräte mit der Mannschaft ins Trainingslager geflogen.

Themenwechsel. Wie angekündigt geht es jetzt noch einmal um die vereinspolitische und wirtschaftliche Seite des HSV und um die Versammlung am 19. Januar. Dort werden ja insgesamt fünf Anträge besprochen, wie der HSV neu strukturiert werden soll. Drei von ihnen, „HSV-PLUS“, „Tradition mit Zukunft“ und „HSV-Reform“ haben wir hier immer wieder beleuchtet. Neben der Stiftungsidee gibt es dann auch noch „Rautenherz“, eine Initiative einiger begeisterter HSV-Anhänger, die – wie „HSV-PLUS“, aber doch mit entscheidenden Abweichungen – eine Ausgliederung der Profi-Fußballabteilung wollen.

Einer der Initiatoren ist Rainer Ferslev, 60 Jahre alt, Anwalt. Sein Spezialgebiet: Insolvenzrecht. Da liegt die Verbindung zum HSV bedauerlicherweise auf der Hand. Ferslev sagt: „Die wirtschaftliche Situation, in der der HSV steckt, ist die klassische Konstellation von Unternehmen, die in die Pleite rutschen. Die Kosten sind hoch und gehen nicht runter, irgendwann hat man eine Innnovation verpasst. Die aktuellen Zahlen sprechen für sich.“ Gemeinsam mit Martin Rüssel, 26 Jahre alt und Vertriebsmitarbeiter, hat Ferslev sein Modell entwickelt, das eine Ausgliederung in eine KG auf Aktien vorsieht.

Dem Wirtschaftslaien, und das werden die meisten der HSV-Mitglieder sein, die am 19. Januar ihre Stimme abgeben, ist der Unterschied zwischen AG, wie sie “HSV-PLUS“ möchte, und KG sicher nicht sofort klar. Ferslev: „Die meisten anderen Bundesligisten haben in eine KG ausgegliedert, nicht in eine AG. Wir legen Wert darauf, dass die Mitglieder weiter in Entscheidungen einbezogen werden. Der HSV hat 71.000 Mitglieder, das sind doch nicht alles Idioten, über deren Köpfe hinweg die wichtigsten HSV-Entscheidungen getroffen werden dürfen.“

Mit anderen Worten: Was die Veräußerung von Anteilen des HSV an Partner oder Investoren angeht, soll nach „Rautenherz“-Vorstellungen die Mitgliedschaft die entscheidende Mitsprache haben und behalten. „Das Mitspracherecht der Mitglieder bleibt ein zentrales Element“, verdeutlicht Martin Rüssel. Seinem Mitstreiter Ferslev geht „HSV-PLUS“ mit Beirat und Wahlausschuss, die entscheidenden Einfluss beim HSV haben sollen, zu weit. „Wir sind mutiger. Nach „HSV-PLUS“-Idee soll ein nicht kontrollierbares Gremium Kandidaten für den Beirat voraus wählen. Das wollen wir nicht.“

Und das ist wohl der Knackpunkt. Denn laut kritischen Stimmen gab es in den vergangenen Jahren ja gerade ein „zuviel“ an Mitglieder- bzw. Supporters-Einfluss, die wesentliche Fehlentscheidungen mit begünstigt und die aktuelle Zusammenstellung des umstrittenen Aufsichtsrates gefördert haben. So heißt es zumindest oft bei Befürwortern einer Ausgliederung.

Das genaue Organigramm von „Rautenherz“ könnt Ihr unter www.rautenherz.com oder im HSV-Vereinsheft nachschlagen. Deutlich ist für die Initiatoren aber ohne Diskussionsspielraum, dass generell ausgegliedert werden muss. Aus diesem Grund haben sie – neben ihrem eigenen Modell-Antrag – einen weiteren Antrag gestellt. Demnach soll der Vorstand, selbst wenn beide Ausgliederungskonzepte scheitern, mit irgendeiner Ausgliederungs-Umsetzung beauftragt werden. Anders sei der HSV wirtschaftlich nicht in den Griff zu bekommen.

„Bleiben wir in den alten Strukturen, müssen wir uns weiter mit Darlehen über Wasser halten“, sagt Martin Rüssel. „Und das wird auf Dauer sehr, sehr schwierig. Wir sind der Überzeugung, dass die Ausgliederung kommen muss. Es gibt keine Alternative.“ Andere Einnahmen, etwa aus internationalem Fußball, einzukalkulieren, sei im Moment nicht realistisch.

Noch ein paar konkrete Fakten, die „Rautenherz“ nennt: „Klaus-Michael Kühne“, so Rüssel, „hat sich seine acht Millionen Darlehen für Rafael van der Vaart mit acht Prozent verzinsen lassen. Dafür hat der Verein an Kühne sogar eine Grundschuld fürs Stadion eintragen lassen.“ Rainer Ferslev fährt fort: „Wir haben mit drei Unternehmern gesprochen, die Geld geben würden. Aber sie sagen, dass der HSV zunächst seine Hausaufgaben, sprich seine Ausgliederung, machen müsse.“

Insgesamt betonen Ferslev und Rüssel die Bedeutung neuer Strukturen für den HSV, sie zollen aber auch den aktuellen Verantwortungsträgern Respekt. „Wir wollen keine Spaltung vorantreiben oder Schuldzuweisungen von uns geben. Wir wollen zusammenstehen und erkennen die Arbeit von Carl Jarchow und Manfred Ertel hoch an. Wir haben auch Respekt vor Otto Rieckhoff und seinem Modell. Am Ende geht es um den HSV, schließlich ist es eher fünf nach zwölf als fünf vor“, so Rainer Ferslev.

In den vergangenen Wochen war „Rautenherz“ auch verstärkt auf Info-Veranstaltungen von Fanclubs, zum Beispiel am heutigen Sonnabend-Abend gemeinsam mit „HSV-PLUS“ in Obernkirchen. Freilich können die Rautenherzler personell nicht so auftrumpfen wie Otto Rieckhoff mit seinen Mitstreitern Hieronymus, von Heesen, Jakobs, Dr. Klein und anderen – das könnte sich nach heutigem Stand als negativ für ihre Chancen am 19. Januar herausstellen. Denn natürlich ist am Ende nicht nur eine Idee entscheidend, sondern auch die Personen, die eine Idee umsetzen.

Dritter Antrag von „Rautenherz“ ist der nach er Einführung einer Brief-und Fernwahl. Martin Rüssel: „Wir wollen die Mitbestimmung erleichtern. Das Anliegen, seine Stimme beim HSV abzugeben, ist bei allen Vereins-Mitgliedern im Bundesgebiet sehr hoch. Aber anzureisen zu einer Versammlung wie am 19. Januar ist oft ein unüberbrückbarer Organisations- und Kostenaufwand.“ Daher soll nun noch einmal über die Briefwahl und ein sogenanntes „Televoting“ abgestimmt werden. Das bedeutet, dass in bestimmten Orten in Deutschland Treffpunkte von HSV-Mitgliedern geschaffen werden sollen, damit die Leute dann von dort aus ihre Stimme ins CCH schicken können.

Für heute schließe ich mit einer Gratulation an Jonathan Tah. Er ist beim HSV vor Pierre Michel Lasogga und Marcell Jansen zum Spieler der Hinrunde gewählt worden.

Für heute einen schönen Abend
Lars

18.14 Uhr

Ein Appell für faire Kritik beim HSV

15. November 2013

Viel besser hätte der Trainingstag heute für die verbliebenen Nicht-Nationalspieler des HSV nicht laufen können. Sonniges Herbstwetter, eine launige Einheit mit vielen Torschuss-Übungen – und das Ganze mit der Perspektive von etwa 75 Stunden trainingsfrei. Entsprechend strahlend kam auch Johan Djourou vom Trainingsplatz. Die gute Laune des Schweizers hatte auch noch einen anderen Grund. Er hat diese Trainingswoche nach ausgeheilter Leistenverletzung schmerzfrei überstanden. „Es tut nichts mehr weh“, sagte er strahlend. Zwar hat er sich bei einigen Übungen noch zurück gehalten, aber das Einzeltraining mit Athletik-Coach Markus Günther hatte es schon in sich.

„Im Moment fühle ich mich sehr gut“, so Djourou weiter. „Ich hatte gute Behandlungen und werde auch an den beiden freien Tagen etwas für mich machen. Ich muss sowieso etwas mehr im Kraftbereich machen.“ Djourou meint seine anfällige Stelle an der Leiste, die ihn nun ja schon das zweite Mal innerhalb weniger Wochen außer Gefecht gesetzt hatte. Schon in der Sommer-Vorbereitung hatte er wichtige Einheiten verpasst.

Nun brennt Djourou vor dem nächsten Spiel des HSV. Am kommenden Sonntag geht es ausgerechnet gegen seinen alten Verein Hannover 96. „Das wird ein wichtiges Spiel für uns und wäre ein Superspiel für mich“, sagte Djourou, der auf seinem linken Schuh übrigens eine Flagge der Elfenbeinküste, auf dem rechten eine der Schweiz trägt. „Ich habe noch mit einigen Hannoveranern Kontakt. Ya Konan und Diouf zum Beispiel.“ Also ausgerechnet mit den Stürmern, mit denen er es als HSV-Verteidiger zu tun bekommen würde. Wobei Ya Konan (Sprunggelenk) im Moment ja verletzt ist.

Hakan Calhanoglu, der gestern noch leichte Oberschenkelprobleme hatte, war heute auch wieder dabei und hat aus allen Lagen geschossen und getroffen. Auch hier also Entwarnung.

Als ich die HSV-Homepage aufgemacht habe, habe ich mich gewundert. Da ist eine Erklärung des Aufsichtsrates zur Sitzung am vergangenen Dienstag zu lesen. Besonders interessante Dinge stehen dort nicht. Scholle hat gestern die Hintergründe, die verständlicherweise nicht vom Verein publiziert werden, ausgeleuchtet. Jedenfalls ist dort auch ein Absatz dem „HSV-Campus“ gewidmet, dem neuen Nachwuchszentrum. Von einem Baubeginn „wie geplant im ersten Halbjahr 2014“ ist dort die Rede. Erstes Halbjahr, also möglicherweise erst im Juni? Bislang sollte es Anfang des Jahres 2014 losgehen. „Nein, diese Formulierung ändert nichts an unserem ursprünglichen Zeitplan“, sagte mir dazu heute der Vereins-Vorsitzende Carl Jarchow. „Wir wollen im Februar den Spatenstich setzen. Dabei bleibt es.“

Baugenehmigungen liegen aber noch nicht vor. Es sei von einem halben Jahr die Rede gewesen von der Abgabe der Bauanträge bis zu dieser Genehmigung, also geht der Verein davon aus, demnächst Post vom Bauamt in Altona zu bekommen.

Ein positiver Bescheid könnte Jarchow und seinen Mitstreitern mal gut tun, denn unterschwellig ist in diesem Zusammenhang ja immer der Vorwurf genannt, die Anleihe sei nur aus Liquiditätsproblemen des HSV heraus entstanden und der Verein würde alles tun, um die Einsetzung der Mittel hinauszuzögern. Schon im abgelaufenen Geschäftsjahr ist die Anleihe ja teilweise zur Liquiditätssicherung ausgewiesen worden.

Scholle hat hier gestern von dem Zwist im Aufsichtsrat berichtet zwischen Ronny Wulff und Marek Erhardt. Es war die Rede von einem Anwalt der eingeschaltet werden sollte, oder von einem Rücktritt. Bis zur Stunde ist dies nicht geschehen, und wenn ich entsprechende Zeichen aus dem Gremium richtig deute, wird dies auch nicht zeitnah geschehen. Es mag den einen oder anderen Unzufriedenen gegeben haben, dass der Fall nicht in seinem jeweiligen Sinne geklärt wurde. Aber im Moment scheint die Vernunft zu siegen, so dass alle Protagonisten auseinander gegangen sind, um die Sache zu überschlafen.

Der Kompromiss ist, dass also Ruhe bewahrt wird. Vor allem scheinen die Hauptbeteiligten das persönliche Gespräch nicht gepflegt zu haben, bis es zur Aufsichtsrats-Sitzung am Dienstag kam. Nun also, und das ist meines Erachtens sinnvoll, sollte Gras darüber wachsen. Denn dies sind nicht die wirklichen Probleme des HSV.

Ob der häufig zitierte Kommentar von „Westphale“ nach einem Gespräch mit Manfred Ertel vom vergangenen Sonnabend zu den wirklichen Problemen des HSV gehört, wird ganz sicher unterschiedlich bewertet. Die einen schätzen Ertel, die anderen nicht. Gerade hier bei Matz ab gibt es mehr Leute, die ihn nicht besonders schätzen. Ich möchte mich hier ganz bewusst einer Einordnung enthalten, sondern einmal mein Problem mit dieser Geschichte darstellen.

Die genannten Aussagen, die Ertel zugeschrieben werden, sind ganz sicher interessant und teilweise auch brisant. Strukturen sind „scheißegal“, zwei Aufsichtsräte hätten keine eidesstattliche Versicherung unterschrieben, die sie als Maulwurf ausschließen, von Heesen und Hieronymus wurden auch angegangen. Das ist schon starker Tobak, aber meiner Auffassung nach kommen wir hier an einen Punkt der Diskussion, die sachlich und im Sinne des HSV nicht weiterführt.

Ich habe mit Ertel darüber gesprochen, und er möchte den Blog-Kommentar nicht kommentieren. Und ich kann das auch nachvollziehen. Als Erläuterung möchte ich einmal darlegen, wie bei uns, bei den Reportern, normalerweise ein Zitat oder gar ein Interview zustande kommt. Normalerweise würde ich mich mit Manfred Ertel verabreden und treffen. Ich würde ihm sagen, worin es mir in diesem Gespräch inhaltlich geht, und für welche Veröffentlichung es gedacht ist. Logischerweise ist das manchmal auch bekannt, wenn man sich häufiger trifft. In jedem Fall gibt es eine Übereinstimmung, dass diese oder jene Äußerung und dieses oder jenes Zitat freigegeben werden.

Es herrscht somit die klassische Situation Reporter/Befragter. Wenn ich Manfred Ertel am Bahnhof, zum Beispiel in Düsseldorf, treffe, und wir über den HSV reden, dann wäre dieses Gespräch ganz sicher keines für ein offizielles Interview und eine Veröffentlichung. Wir hätten uns vermutlich einvernehmlich über das Spiel geärgert und wahrscheinlich weniger einvernehmlich über die Struktur-Modelle geredet. Wenn ich aus solch einem Gespräch ein offizielles Zitat oder Interview gemacht und veröffentlicht hätte, wäre dies nicht okay gewesen. Es verstößt gegen die journalistischen Grundsätze.

Der SPIEGEL beispielsweise als einer der Vorreiter großer Interviews in Deutschland lässt alle gedruckten Interviews gegenlesen und freigeben. Das ist bekannt. Wer’s zufällig gelesen hat: Vor ein paar Wochen wurde das Procedere bei dem Magazin in einem großen Interview mit dem Syrischen Machthaber Assad beschrieben.

Und hier beginnt nun das Dilemma, was das Gespräch Ertels mit „Westphale“ angeht. Ich gebe Scholle recht mit dem, was er gestern geschrieben hat: Ertel wird nicht einfach als Privatperson wahrgenommen, sondern als offizieller Aufsichtsrats-Vorsitzender des HSV. Deswegen hätte er vorsichtiger sein können, vielleicht müssen, mit seinen Aussagen.

Vielleicht hätte er sogar damit rechnen müssen, dass etwas von dem Gesagten, richtig zitiert oder mit Ungenauigkeiten, irgendwo öffentlich wird. Aber dennoch war es offenbar eine Gesprächssituation, die gerade nicht eine öffentliche Aussage Ertels einforderte. Sondern doch eher ein privates Gespräch eines interessierten Fans mit einem Funktionär.

Nichts gegen „Westphale“, der sich bestimmt der Auswirkungen seines Kommentars gar nicht so bewusst war. Er und alle anderen können und sollen schreiben, was sie möchten. Dass sich der Aufsichtsrat am Dienstag damit beschäftigte, gibt dem Ganzen inzwischen natürlich einen offiziellen Touch. Aber ich bleibe dabei: Journalistisch sauber ist es nicht zu verwerten. Ich finde, es gehört zum guten Stil hier bei Matz ab und in der allgemeinen Diskussion um die Zukunft des HSV, dass tatsächlich fair miteinander diskutiert wird und wir alle auch die Form wahren.

Sich kritisch mit Manfred Ertel und seinen Positionen auseinander zu setzen, ist erlaubt und nötig. Dafür sollte man dann aber bitte eher ein öffentliches Interview wie am Montag bei rasant auf Hamburg 1 nehmen, und nicht das Bahnhofs-Gespräch mit „Westphale“.

Und zum Abschluss sage ich noch einmal, weil ich die Vorwürfe schon vor Augen habe: ich ergreife hier nicht Partei für Manfred Ertel, ich möchte dies nur als Beispiel nehmen für fairen Umgang – auch und gerade in erhitzter Stimmung.

Heute Abend ist Länderspielzeit, die Deutschen kicken in Mailand, logisch. Aber aus HSV-Sicht ist doch vor allem hochspannend, was um 20 Uhr in Reykjavik passiert. Milan Badelj, zuletzt ja gut in Schuss in Hamburg, und Ivo Ilicevic, auf dem aufsteigenden Ast, treffen dort mit ihrer kroatischen Mannschaft im Playoff-Hinspiel auf Island. Da sollte doch etwas gehen für die Elf von Niko Kovac. Dem ehrgeizigen neuen Trainer ist es durchaus zuzutrauen, seine Mannschaft nach Brasilien zu führen. Im Grunde gibt es ja fast keinen leichteren Weg als über Island – mit Verlaub. Klar, Rudi Völler sah sich nach dem berühmten 0:0 damals zu seiner Waldi-Weißbier-Wutrede gezwungen, aber Kroatien ist jetzt sicher Favorit.

Mich wundert nicht, dass der frühere HSVer Kovac diesen Weg bis hin zum Nationaltrainer gegangen ist. Er war schon in seiner aktiven Zeit in Hamburg ungeheuer kernig und zielstrebig. Offenbar hat er anschließend, so habe ich aus Salzburg gehört, wo er lange Jahre in der Jugendarbeit war, sehr akribisch an seiner Trainerkarriere gearbeitet und schon eine Zeitlang auf das Amt des Nationaltrainers geschielt. Nun ist es also soweit, und Niko Kovac kann zeigen, was in ihm steckt. Das Rückspiel ist dann am kommenden Dienstag in Zagreb.

Einen schönen Abend, bis morgen
Lars

P.S.: Sollte irgendjemand heute eine unsinnige E-Mail von mir erhalten haben, möchte ich erklären: mein E-Mail-Konto ist geknackt worden und dusseliger Werbekram wurde hundertfach verschickt. Bitte einfach löschen, inzwischen müsste alles wieder normal laufen.

Van Marwijks erstes Fazit: “Wir sind weiter, als ich dachte”

14. November 2013

Er redet nicht viel. Auch nicht mit den Spielern, wie uns Tomas Rincon am Dienstag verriet. Wobei „verraten“ etwas hochgestochen ist, denn auch wir Journalisten haben die Erfahrung mit dem niederländischen HSV-Coach bereits gemacht. Ebenso die Kontrolleure. Und so ungern er solche Termine auch wahrnimmt, diesmal war seine Vorstellung in der Aufsichtsratssitzung eine Erleichterung. „In Dortmund hatte ich das Gleiche schon nach dem ersten Spiel“, erinnert sich Bert van Marwijk an die Saison 2004/2005 zurück und lacht, „damals erfuhr ich plötzlich in der Sitzung, dass der Verein 120 Millionen Euro Schulden hat. Das ist hier zum Glück anders.“

Stimmt. Immerhin sind es in Hamburg „nur“ rund neun Millionen Minus im abgelaufenen Geschäftsjahr. Mit der Tendenz zur schwarzen Null in der aktuellen Saison, wie Klubboss Carl Jarchow am Mittwoch verriet. Van Marwijk, der heute bei uns in der Presserunde einen sehr entspannten, lockeren Eindruck machte nimmt es mit Humor: „Na, das ist doch schon mal eine ganz andere Perspektive als bei meiner ersten Station.“

Auch sportlich. In Dortmund verlor er 2004/2005 nur eines der ersten sechs Spiele, allerdings gewann er auch nur eines. Zwei Siege, zwei Niederlagen und zwei Remis aktuell beim HSV bedeuten somit eine weitere Steigerung gegenüber seiner letzten Bundesligastation. Ob er selbst mit der bisherigen Ausbeute in Hamburg zufrieden ist? „Ja. Und das, obwohl wir die letzten beiden Spiele verloren haben und nicht hätten verlieren müssen. Aber ich habe gesehen, dass wir jetzt schon weiter sind, als ich es vorher gedacht hätte.“
Eine überraschend optimistische Aussage des wortkargen Niederländers. Dennoch, trotz des schlechten Tabellenplatzes scheint van Marwijk mit der Entwicklung zufrieden zu sein. Sein erstes Fazit nach acht Wochen mit sechs Spielen: „Wir spielen besser, als ich es zu diesem Zeitpunkt erwartet hätte. Die Niederlage gegen Mönchengladbach ist mit Lasses Fehlern schnell erklärt. Allein das Leverkusen-Spiel macht mich richtig wütend“, so die Erklärung des Trainers. Und das auch nur, weil die Mannschaft im Spiel komplett die Ordnung aufgegeben habe. „Plötzlich waren die Spieler alle offenisv ausgerichtet. Wir hatten ständig mehr Spiler vor als hinter dem Ball, wenn wir auf Defensive umschalten mussten. Das ist schlecht gewesen. Nach dem 2:2 wollten wir einfach zu viel. Wir dachten, dass wir jetzt gewinnen und sind übermütig geworden und haben es Leverkusen leicht gemacht. Da hätten die älteren Spieler eingreifen müssen.“

Dennoch, van Marwijk zieht selbst aus dem 3:5 am Ende ein positives Fazit: „Wir haben dort verloren, weil wir übermütig waren – aber das ist immer noch besser, als wenn wir ängstlich sind und auseinanderbrechen. Wir sind nach einem 0:2 wieder zurückgekommen und wollten dann zu viel, okay. Wir waren zu offensiv und haben letztlich bei einer Spitzenmannschaft fünf Kontergegentore bekommen. Das sagt doch alles.“
Auch, dass die Mannschaft Selbstvertrauen hat. Rechnet man das junge Alter und die Unerfahrenheit vieler Spieler dazu, käme man schnell zu dem Ergebnis, dass die Mannschaft auf einem guten Weg ist. Sagt zumindest der Trainer und ich würde das so unterschreiben. Allerdings mit einer Einschränkung: Obwohl sie gute Zweikampfwerte haben und gegen Leverkusen ganz sicher nicht die Schuldigen waren bei den fünf Gegentoren, das Risiko in der Innenverteidigung mit zwei so jungen Spielern zu spielen ist meines Erachtens nach – noch – zu groß. Wie gesagt, nicht, weil sie Fehler machen Nein. Vielmehr, weil sie beide offenbar (und völlig erwartungsgemäß) noch nicht in der Lage sind eine Mannschaft von hinten heraus zu dirigieren. Gut, Adler könnte das. Aber der steht im Tor und ist zumeist abseits des Geschehens. Deshalb fragte ich heute den Trainer, wer sein Taktgeber sei, sein verlängerter Arm. Die überraschende Antwort: „Ich habe keinen.“ Nicht einmal Mannschaftskapitän Rafael van der Vaart, den er schon lange aus der niederländischen Nationalelf kennt? „Nein, alle Spieler müssen mich verstehen. In einem vollen Stadion ist es für einen Trainer eh schwer, über Ansage am Spiel viel zu verändern. Da muss ein Blick und ein Zeichen reichen, dass ich verstanden werde. Von allen.“

Wobei ich glaube, dass gerade er als Schwiegervater von Mark van Bommel, dem Inbegriff eines „verlängerten Armnes“, gern einen solchen Spieler hätte und nur deshalb ausweichend antwortet, weil er diesen beim HSV einfach nicht ausgemacht hat. Zuletzt hatte er immer wieder Milan Badelj als besten Spieler hervorgehoben und damit den einzigen Spieler im Kader genannt, dem ich diese Rolle jetzt schon zutrauen würde. Erklärung: Van der Vaart will diese Rolle gar nicht, will nur sportlich vorangehen und Arslan ist gerade erst auf dem Weg, eine feste Größe und somit voll akzeptiert zu werden. Einen solchen Spieler suchen will Bert van Marwijk dennoch nicht. Zumindest noch nicht.

Van Marwijk wohnt noch im Hotel, rangiert mit dem HSV acht Plätze hinter der internen Vorgabe, kassiert ligaweit die meisten Gegentore und hat zuletzt zwei Spiele in Folge verloren. Dennoch ist er zufrieden. Zwar wolle er sich in den nächsten Wochen mit Sportchef Oliver Kreuzer in Sachen Kadergestaltung beratschlagen, „aber ich fordere keine Neuen. Ich gehe davon aus, dass ich mit derselben Mannschaft in die Rückrunde gehe“. Van Marwijk nimmt sich lieber selbst in die Pflicht: „Ich wusste, was mich erwartet. Und ich weiß, was ich will: Ich will die einzelnen Spieler besser machen, weil dann auch die Mannschaft besser wird.“
So, wie damals in Dortmund. „Da haben wir die bis dahin beste Rückrunde der Vereinsgeschichte gespielt.“ Und plötzlich wird klar, warum van Marwijk noch so ruhig und optimistisch ist: Als 14. der Hinrunde verlor er in Dortmund in der Rückrunde nur noch zwei Spiele, gewann elf und schaffte so mit dem BVB insgesamt 37 Zähler in der zweiten Saisonhälfte. Er sicherte den Klassenerhalt und kletterte in der Tabelle – allerdings nur bis auf Rang sieben. Und das ist hier ja, Klubboss Carl Jarchow hatte es am Mittwoch wiederholt formuliert, ein Tabellenplatz zu weit hinten. Sechster will der HSV weiterhin werden. Oder besser: eigentlich muss er es, will er sich am eigenen Schopf aus dem finanziellen Dilemma herausziehen.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle meinen Blog beenden. Ganz ohne ein Wort zur Strukturreform. Ohne ein Wort zum Aufsichtsrat. Einfach mal ganz einfach sportlich.
Aber das geht nicht.
Denn heute ist öffentlich geworden, was ich gestern die Betroffenen gefragt hatte und entweder nicht beantwortet oder sogar dementiert bekam: Im Aufsichtsrat ist ein Streit zwischen Marek Erhardt und Ronny Wulff eskaliert.

Letzterer ist nämlich jener Aufsichtsrat, der angeblich Einfluss auf die Entscheidungen des Sportchefs Frank Arnesen genommen und das Gleiche jetzt auch bei Kreuzer durchziehen soll. So zumindest soll es Erhardt einst Daniel Jovanov gesteckt haben, der auf die falsche Info hereinfiel und es anschließend zu Papier brachte – ohne dabei die Namen zu nennen. Ratsintern wussten alle, um wen es sich dreht, da Ex-Präsident Ronny Wulff der einzige ist, der noch annähernd über ein sportliches Netzwerk verfügt. „Das stimmt definitv nicht“, hatte mir Frank Arnesen, als das Thema hochkam, bereits versichert. Er sei nie bedrängt worden sondern vielmehr froh gewesen, dass es außer ihm und dem Trainer im Verein noch jemanden gegeben hätte, der Kontakte hat. Gleiches sagt heute übrigens auch Kreuzer: „Ich habe noch nie einen Spieler aufgedrängt bekommen. Schon gar nicht von einem Aufsichtsrat. Im Gegenteil, ich wäre doch dumm, wenn ich mich darüber beschwere, wenn ein Aufsichtsrat gut vernetzt ist. Letztlich kann das doch nur helfen.“

Ganz im Gegensatz zur nächsten Posse im „Club der Ahnungslosen“, wo sich die Räte von Tag zu Tag mehr Mühe geben, diese beleidigende Betitelung auch zu verdienen. Erhardt, der auf einer Veranstaltung noch den Artikel mit den besagten Thesen und Jovanov selbst öffentlich angeprangert hatte, streitet alles ab und hat einen Anwalt eingeschaltet. Erhardt will gegen Jovanov vorgehen, der sich für seinen Artikel nicht nur öffentlich entschuldigt hatte, sondern auch dem HSV-Vorstandsboss Carl Jarchow seine Quelle genannt hatte. Wulff indes sinnt darauf, dass Erhardt aus dem Aufsichtsrat zurücktritt.

Am vergangenen Wochenende, so meine Information, soll daher der Personalausschuss des Aufsichtsrates (Ertel, Strauss, Meier, Westphalen) darüber beratschlagt haben, wie mit dem Thema verfahren wird. Noch ohne Endergebnis.

Daher, jetzt aber: Feierabend für heute. Ich habe zwei Tage frei. Lars meldet sich dafür am Freitag und am Sonnabend bei Euch, bevor ich am Sonntag eine interessante Woche beschließe. Euch allen bis dahin einen schönen Abend.

Scholle

Am Ende noch ein paar Kurze:

Zurück: Artjoms Rudnevs (Knieprellung) und Hakan Calhanoglu (Muskelprobleme) stiegen am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining ein. Johan Djourou (Muskelfaserriss) und Jonathan Tah (Rückenprobleme) sollen am heutigen Freitag wieder mit der Mannschaft trainieren können.
Zügig: Dennis Diekmeier (Fußbruch) ist nach zwei Monaten seinen orthopädischen Schuh los. Am Donnerstag absolvierte der Rechtsverteidiger nach acht Wochen Zwangspause seine erste Laufeinheit.
Zeit: Am Freitag wird um 10.30 Uhr trainiert

Tag sechs ohne Sportchef: Kreuzer-Verhandlungen auf Sonnabend vertagt

28. Mai 2013

Die Sportchefsuche zieht sich. Nicht, weil täglich neue Kandidaten verhandelt werden, sondern vielmehr, weil sich der Karlsruher SC noch schwer tut, seinen Sportchef Oliver Kreuzer ziehen zu lassen. Noch immer steht das HSV-Angebot: 100000 Euro Ablösesumme, ein Freundschaftsspiel zuzüglich etwaiger Erfolgsprämien. Wobei mich allein letzteres schon ein wenig schmunzeln lässt. Aber egal, das Angebot hat auch beim KSC gleichbleibendes Interesse hervorgerufen: nämlich gar keins. Und deshalb ruhen die Verhandlungen.

Ein Grund, weshalb ich mich heute aus Prinzip der Berichterstattung in der Causa Kreuzer entziehen wollte. Aber irgendwie geht das nicht. Dafür ist die Position dann doch zu wichtig. Selbst die HSV-Nationalspieler in den USA beschäftigt das Thema, sie üben Kritik an der Sportchefsuche in ihrem Verein. Verteidiger Dennis Aogo sagte NDR Info: „Die wichtige Phase ist ein halbes Jahr vor der Transferperiode. Jetzt sind alle Vereine aktiv. Man muss das schon wesentlich früher machen. Das haben wir nun verpennt.“ Sein Teamkollege Marcel Jansen reagierte auf das Hin und Her in Sachen Sportchefsuche mit Sarkasmus: „Das kann mich nicht mehr frustrieren. Ich bin das schon gewohnt.“ Nationaltorwart René Adler hofft auf eine schnelle Lösung: „Das ist natürlich blöd für die Spieler. Gerade der Transfer oder Verbleib von Son steht jetzt noch an. Das ist für alle nicht optimal.“

Stimmt. Und die Aufsichtsräte merken, dass ihnen steife Brisen entgegenwehen. Für Sonntag sind schon etliche Aufrufe gestartet. Insbesondere Manfred Ertel soll auf der Mitgliederversammlung am Sonntag mit Kritik an seiner Arbeit und der Hoeneß/JVA-Entgleisung nicht verschont werden. Im Gegenteil. Es bahnt sich mal wieder eine Versammlung an, die deutlich machen wird, wie wenig momentan in diesem Verein stimmt. Zumindest strukturell kann man das sagen – denn dazu ist auch die Besetzung des Sportchefpostens zu zählen.

Dieser Verein ist aufgebläht in allen Bereichen. Angefangen bei den Aufsichtsräten, die eine zu gewichtige Rolle einnehmen. „Bei uns hören sie ein, vielleicht zwei- und maximal dreimal im Jahr etwas vom Aufsichtsrat“, hatte mir Uli Hoeneß vor einem Jahr in einem Interview gesagt, „und das ist, wenn Verträge abgesegnet und Budgetplanungen abgenommen werden. Ansonsten überlässt man uns das operative Geschäft, weil man uns vertraut.“ Und der Erfolg gibt den Bayern seit Jahrzehnten Recht. Wobei erschwerend hinzukommt, dass der FC Bayern München den Luxus genießen kann, im Aufsichtsrat honorige Vorstände größter deutscher Unternehmen wie adidas, VW, Telekom, Burda und Audi sitzen zu haben, die parallel dafür sorgen, das Geld durch ihre Unternehmen dem Verein zufließen. In München hilft der Aufsichtsrat mit seinem Einfluß auf die deutsche Wirtschaft – in Hamburg nimmt die Wirtschaft Einfluss auf den HSV. Und das ist wenig hilfreich.

Aber das ist alles nicht neu. Auch nicht die Problematik, im Sommer, in der finalen Phase der Kaderplanung, plötzlich führungslos zu sein. Ok, besser formuliert: an entscheidender Stelle unbesetzt. Und das wird auch noch dauern. Da KSC-Präsident Ingo Wellenreuther weiterhin im Türkei-Urlaub weilt übernahm sein Vize Günter Pilarsky die Geschäfte und teilte dem HSV mit, am Rande des DFB-Pokalendspiels ein Treffen arrangieren zu wollen. Bis dahin solle sich – was auch totaler Quatsch ist, weil unrealistisch – KSC-Manager Kreuzer einzig um die Badener kümmern. Ein sicher nicht ernst gemeinter Vorschlag sondern vielmehr der Versuch, dem HSV seine Macht zu verdeutlichen. Und unmittelbar bevor ich diesen Blog online stellen konnte, kam dazu folgende „SportBild“-Agentur:

„Herr Jarchow ist zwar formal nicht zuständig, hatte aber trotzdem das Bedürfnis mal mit mir zu sprechen“, sagt Wellenreuther, der zuvor stets mit dem eigentlich zuständigen HSV-Aufsichtsrat gesprochen hatte. „Herr Jarchow befürwortet Verhandlungen am Verhandlungstisch. Ein Treffen dafür ist nun für kommenden Samstag an einem neutralen Ort avisiert. Eine Bestätigung durch den Aufsichtsrat des HSV habe ich dafür aber noch nicht.“

Ob Jarchow dafür von seinen direkten Vorgesetzten ein Mandat erhalten hatte? Jarchow selbst war nicht zu erreichen. Und obgleich der erste Impuls fast natürlich war, dass sich dort neuer Ärger zwischen dem Vorstandsboss und dem AR anbahnt, scheint eine andere Variante logischer: Jarchow selbst ist momentan der sportlich entscheidende Verhandlungspartner. Sollte als Ablösesumme für Kreuzer auch ein Leihspieler vorgeschlagen werden, wäre es seine Entscheidung, zu sagen, wer das ist. Und ob es gemacht wird.

Und ein wenig später gab es dann auch Entwarnung. Der Vorgang war abgestimmt. Denn auch der Aufsichtsrat ist sich einig, dass alles andere als eine schnelle Einigung noch viel schlimmer wäre als Missachtungen interner Protokolle. Denn schon jetzt verlieren beide Klubs. Besser gesagt: Sie haben schon verloren. Kreuzer ist beim KSC nicht mehr tragbar. Und der HSV kann die verloren gegangene Zeit für wichtige Transfers nicht mehr zurückholen. Und das in der Saison, für die sowohl Trainer Thorsten Fink als auch Klubboss Carl Jarchow zuletzt einen internationalen Tabellenplatz als realistisches Ziel ausgegeben hatten. Sollte dieses Ziel verpasst werden, hätten alle Beteiligten schon wieder ein dankbares, definitiv auch gültiges Alibi: den Aufsichtsrat. Allein das würde mich als Kontrolleur schon ankotzen. Schon wieder steht uns ein Jahr bevor, in dem keiner der Verantwortlichen, weder das Trainerteam und noch weniger der Sportchef, wirklich an einem Ziel gemessen werden kann.

Am Sonntag bei der Jahreshauptversammlung sollten sich die Mitglieder dennoch erst einmal Gedanken darüber machen, inwieweit ein reines Aufsichtsrats-Bashing weiterhilft. Denn, und das habe ich schon häufiger gesagt, das Problem ist, dass die Mitglieder einen solchen Aufsichtsrat quasi selbst ins Leben gerufen haben. Die einen mit Stimmzettel, die anderen, weil sie nicht zu den Wahlen erschienen sind. Aber vor allem, indem sie Satzungsänderungen zu Strukturveränderungen immer wieder ablehnen. Schon Bernd Hoffmann wurde einst übel angezählt, als er davon sprach, die Profiabteilung auszugliedern. Warum? Weil damals die Zeit schlichtweg noch nicht reif war und über das Beispiel Abramowitsch/Chelsea schnell Ängste geschürt werden konnten. Es fehlte damals an Aufklärung. Es fehlte an einer Verdeutlichung der Folgen und Auswirkungen einer Ausgliederung, wie sie passenderweise die immer wieder als Vorbild für den aktuellen Umbruch genannte Borussia Dortmund vollzogen hat. Dort ist die Profiabteilung eigenständig – ohne Scheich und mit unbeschadetem Erhalt der jahrelangen Klubtradition. Oder habt ihr mal irgendwann irgendwas gehört oder gelesen, dass dort die Fans demonstrieren? Nein, weil es funktioniert. Sehr gut sogar.

Das allein ist sicherlich kein Persilschein für Hamburg – aber zumindest ein positives Beispiel. Und so wenig die Zeit unter Hoffmann reif war, so ist sie es jetzt. Wenn sich die Vereinsoberen die Mühe machen, ihre Mitglieder ausreichend über Kosten, Chancen und Risiken aufzuklären. Schade, dass die Zeit am Sonntag nicht dafür genutzt wird, sondern höchstwahrscheinlich dazu, den verantwortlichen ihre Fehler vorzuführen und die Kritisierten selbst vorzuführen. Denn egal wie verdient die Kritik an der HSV-Führung auch ist, nach vorn orientierte Lösungsansätze zu diskutieren würde diesem angeschlagenen HSV jetzt deutlich mehr helfen.

In diesem Sinne,
Scholle

P.S.: Interviews und weitere Meldungen findet Ihr wie immer auf unserer neuen Facebook-Seite www.facebook.com/groups/matzab. Unter anderem ist dort noch einmal die Rasant-Sendung vom Montag zum Thema Kreuzer zu sehen. Ebenso wie ein Interview mit Aufsichtsrat Ronny Wulff.

P.P.S.: Janek Sternberg verlässt den HSV – und wechselt zu Werder Bremen. Das allerdings nicht, ohne seinem Noch-Klub einen mitzugeben. Auf seiner facebookseite schreibt er:

Hey Leute,
gestern war mein letztes Training für den HSV.
Nach 6 wundervollen Jahren ist es nun Zeit für einen Tapetenwechsel. Es fällt mir schwer, denn mein Herz hat schon als kleiner Junge nur für den HSV geschlagen.
Ich finde es schade, dass Spieler aus dem eigenen Nachwuchs beim HSV nur „sehr selten“ eine Chance bekommen sich zu beweisen. Ein Geheimnis ist das ja nicht

Ich hoffe ihr unterstützt mich auch in Zukunft weiterhin. Egal wo es hingeht.
Aber ich bin mir sicher, ich kann mich da auf euch verlassen.
Ich danke euch!

Kreuzer verhandelt mit dem KSC – kriegt er sich frei für den HSV? **ERGÄNZT***

27. Mai 2013

***ERGÄNZUNG: Überraschung, Überraschung! Als Manfred Ertel um 21.25 Uhr aus der Aufsichtsratssitzung in der Imtech-Arena kam, lächelte er. Gute Miene zum bösen Spiel? Immerhin musste sich der AR-Vorsitzende intern eine Menge Kritik gefallen lassen. Zudem sprangen bereits zwei Kandidaten ab, der dritte – Oliver Kreuzer – muss derzeit seine Freigabe bei seinem eigenen Klub verhandeln. Wie da der Stand ist? “Wir sind auf einem sehr guten Weg”, lächelte Eertel die Frage weg. Obwohl KSC-Präsident Ingo Wellenreuther das Gegenteil behauptet? “Da müssen sie ihn fragen”, so Ertels Antwort, nachdem er noch mal betont hatte, wie harmonisch die Sitzung abgelaufen sei. Worte, die irgendwie nach Durchhalteparolen klangen. Wobei die nächste Aufsichtsratssitzung eh schon angesetzt ist: am Donnerstag treffen sich die Kontrolleure. Fortsetzung folgt. Auch morgen, am Tag sechs ohne Sportchef.*****

Es müsste heute eigentlich statt eines Blogs einen Liveticker geben. Zu minütlich sind Veränderungen. Dass ein Liveticker bei den wechselnden Meinungen der Aufsichtsräte generell besser wäre – okay. Die elf Herren haben halt jeder eine Meinung. Und sie lassen sich überzeugen… Aber im Ernst: Heute Abend soll die endgültige Entscheidung in der Causa Oliver Kreuzer fallen. „Die Koffer sind gepackt, da muss was passieren“, sagte der 47-Jährige der Agentur heute Mittag. Noch scheitert der Vollzug an einer Einigung zwischen dem Zweitliga-Klub und dem HSV. Zumal der HSV dem KSC mit 100000 Euro wohl ein erstes „Ungebot“ gemacht. Am liebsten würde der HSV gar nichts bezahlen – was das Angebot deutlich macht. Und das Angebot sorgt für Ärger. „Der Wechsel kommt zur absoluten Unzeit“, sagte der im Türkei-Urlaub weilende aber offensichtlich mächtig angesäuerte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther, der sich respektlos behandelt fühlt, dem Sport-Informationsdienst „SID“: „Für das Risiko, das uns entsteht, müssen wir eine Entschädigung bekommen. Der HSV zahlt Millionengehälter und wir erwarten, dass wir auch das Branchenübliche bekommen.“ Das soll bei rund einer Million Euro liegen. Ein Betrag, der den Deal scheitern lassen würde. Auch deshalb gibt Kreuzer noch mal mächtig Gas.

Pikant: Kreuzer verhandelt selbst über seinen Ausstieg mit den KSC-Verantwortlichen. Er hat vom HSV somit seine Gesellenprüfung gleich mit auf den Weg bekommen…

Beim HSV soll Kreuzer im Erfolgsfall neben 400000 Euro Jahresgage einen Vertrag bis 2016 erhalten. Und er scheint mächtig heiß darauf zu sein: „Das ist Bundesliga-Tradition pur. Bayern, Dortmund, Schalke und der HSV zählen zu den richtig großen Klubs. Der Verein muss zwar sparen, aber dieses Programm wollen wir auf hohem Niveau vollziehen.“

Klingt gut. Wie so oft. Aber wird es das auch?

Zumindest sind die Aufsichtsräte inzwischen größtenteils überzeugt von der Lösung. Selbst die, die am Anfang komplett dagegen waren, haben sich von Kreuzer oder vom Gesamtkonzept überzeugen lassen. Dass dabei der Rotstift eine wesentliche Rolle spielt wird nicht geleugnet. Kreuzer wäre bei rund 400000 Euro Jahresgehalt die finanziell günstigste Lösung – Schmadtke hätte rund eine Million Euro gefordert. Und das ist ein Umstand, der mich zunächst böse zusammenzucken lässt. Denn: es darf auf vielen Positionen gespart werden, nur nicht an der strategisch wichtigsten. Und das ist der Sportchef. Sollte allein das Geld am Ende den Ausschlag für Kreuzer gemacht haben, wäre das fatal. Immerhin ist es der Sportchef, der sportlich entscheidet – und damit auch wesentlichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Zustand nimmt. Noch wichtiger aber ist: der neue Sportchef soll den Nachwuchsbereich formen, ihn zu einer Top-Adresse umbauen, um so günstig Talente aus den eigenen reihen nach oben zu führen. Ob es bei diesen Aufgaben auf ein paar Euro ankommt – eher nicht. Da geht es nur darum, den Besten zu finden.

Aber okay, vielleicht sind alle auch so von Kreuzer überzeugt, dass es für sie nicht mehr nur die günstigste, sondern auch wirklich beste Lösung ist. Zumindest sollte es so sein.

Aber es gibt auch Argumente für Kreuzer: Er und Fink sind alte Bekannte. Fink hatte den Aufsichtsräten auf deren Nachfrage sogar eine Empfehlung pro Kreuzer ausgesprochen. Das ist ja auch mal was. Die beiden werden sich bestens verstehen und 24 Stunden für den HSV ackern, um gemeinsam etwas zu erreichen. So heißt es seither aus dem Aufsichtsrat. „Die befruchten sich gegenseitig“, dann die Erklärung eines Kontrolleurs. Wobei m ich eines stutzig macht: Es sind auch noch einige Kontrolleure im Amt, die Kreuzer im Jahr 2009 mit Pauken und Trompeten hatten durchfallen lassen. Als „Nummer fünf, obwohl wir nur vier Kandidaten hatten“ galt Kreuzer damals im internen Ranking. Sagt zumindest ein Rat a.D. über Kreuzer. Trotzdem wurde Kreuzer heuer wieder eingeladen und ist jetzt sogar der Topkandidat.

Aber egal. Wie Kreuzer letztlich nach Hamburg kommt, wer ihn geholt hat und was er früher mal gemacht hat – Kreuzer hat eine faire Chance verdient. Oder hätte? Stand 18.15 Uhr noch „hätte“. Denn sicher ist – das mahnt uns das Beispiel Sammer – im Fußball mal rein gar nichts, bis nicht der letzte Vertrag unterschrieben ist. Wobei, apropos Sammer: Wieso bekommen eigentlich alle anderen Klubs irgendwelche Leute vom DFB frei, nur dem HSV wird das verweigert? Heute ist es Dutt, der gen Werder Bremen ziehen darf. Irgendwie mutet das alles schon ein wenig seltsam an… Aber okay, das soll jetzt nicht das Thema sein. Vielmehr ist das der HSV.

Und dem soll ein ebenso lustiges Angebot unterbreitet worden sein, wie er es dem KSC mit 100000 Euro gemacht hat: Hakan Calhanoglu soll im Gegenzug für eine Kreuzer-Freigabe gen Hamburg noch ein Jahr beim KSC bleiben. Und das bringt mich fast zum Lachen. Denn wenn der HSV bisher einen Spieler verpflichten konnte, der ein wenig Hoffnung macht, dann war es sicherlich Calhanoglu? Ein solcher Deal wäre demnach lachhaft. Zumal sich die Herren Aufsichtsräte bei der Verpflichtung Kreuzers Einsparungen erhoffen, um die Mannschaft sportlich verbessern zu können – nicht, um sie zu verschlechtern.

Heute Abend sind Dieter und ich bei Rasant (20.15 Uhr, Hamburg1) zu Gast. Mit dabei sind Lotto King Karl und Aufsichtsrat Ronny Wulff. Der Ex-Präsident kann dort erscheinen, obgleich der Aufsichtsrat seit 18 Uhr mit seinen Kontrolleurskollegen tagt. Wie das geht? Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Aber ich werde es ihn fragen. Manfred Ertel jedenfalls, seines Zeichens Chef des Aufsichtsrates, war verwundert, als der HH1-Kollege Tim Niemeyer ihn anrief und erzählte, Wulff käme. Ertel auf die Frage, ob er selbst in die Sendung kommen könne und wolle: „Nein. Es gibt nichts zu sagen.“ Zu dem Zeitpunkt sicherlich richtig. Sollte am heutigen Montagabend noch kein Ergebnis zustande kommen oder Kreuzers Verpflichtung gar platzen – der nicht nur durch die Hoeneß-JVA-Geschichte in der Kritik geratene Ertel hätte intern wie öffentlich mehr zu erklären, als ihm lieb ist.

Und wisst Ihr was? Wisst Ihr, warum ich hier alle Informationen mit Konjunktiven versehe? Ganz einfach: Nach einem (eigentlich freien) Wochenende mit unglaublich vielen SMSen und skurrilen Anrufen von wichtigen Menschen in der Causa „HSV sucht seinen neuen Sportchef“ kann ich mit Sicherheit sagen, dass nichts sicher ist. Ich habe so viele „totsichere Infos“ bekommen, dass ne ganze Menge Leute das eigentlich nicht überlebt haben dürften…

Und das mit den unsicheren Infos geht auf höchster Ebene weiter. Jetzt meldet sich Jörg Schmadtke zu Wort und behauptet, dem HSV abgesagt zu haben, bevor er von Ertel darüber informiert worden sei, dass Kreuzer erste Wahl ist. Als ob das wichtig ist. Selbst ob das stimmt oder nicht – es ist mir auch herzlich egal. Am Ende steht das Ergebnis, nur das zählt. Wer wird Sportchef und wie arbeitet er. Punkt. Mehr zählt nicht.

Zumindest nicht für mich. Da können mir noch so viele Fachleute erzählen, wie ungeeignet der ehemalige Bayern-Profi sei – wenn er in Hamburg gut arbeitet, ist für mich alles okay. Dann ist er gut. Ich gehe auch nicht über die Brücke, ihn zu verurteilen, nur weil diese Aufsichtsräte ihn wollen. Oder, weil er günstig ist. Denn das Einzige, worauf ich mich verlassen kann, ist die Deutbarkeit des Ergebnisses. Der Weg dahin ist bespickt mit Interessen, überdimensionalen Egos und – noch größeren Egos. Da spielt der Aufsichtsrat mit seinen elf Köpfen sicherlich die Hauptrolle. Und da wird nicht viel gesagt, ohne dass es irgendeinen Zweck erfüllt. Soll heißen: Die Wahrheit spielt in der ganzen Geschichte, auf dem ganzen Weg zum Ergebnis eine mal wieder untergeordnete Rolle. Aber das wiederum ist im Profigeschäft völlig normal. Das ist nicht nur beim HSV so.

Deshalb noch mal zusammengefasst: Schmadtke will dem HSV schon vor Ertels Ansage, Kreuzer sei die Nummer eins, bereits abgesagt haben. Warum ich das erwähne? Weil durch diese Schmadtke-Aussage ein Anruf des ARs für den Fall einer Kreuzer-Absage ausgeschlossen ist. Ertel will nichts sagen, auch nicht zu den 100000 Euro Ablöseangebot an den KSC. Der KSC will weiterhin mehr Geld. Verhandeln tut Kreuzer selbst. Das Ergebnis wird für Montagabend erwartet. Alternativpläne liegen in der Schublade. Allerdings glaube ich, dass fast jeder Aufsichtsrat da seinen eigenen Alternativkandidaten hat. Zumindest reicht die Bandbreite genannter Namen hier bei von Beiersdorfer über Magath und Hochstätter bis hin zu Stefan Reuter.

In diesem Sinne, wundert Euch nicht, wenn zwischen 20 Uhr und21.15 Uhr hier nichts Neues reingestellt wird. Ich gehe trotzdem fest davon aus, dass ich diesen Blog heute nach der Sendung noch mal ergänzen werde. So oder so. Daher: Euch einen schönen Abend und bis später. Bei HH1 oder eben noch einmal hier im Blog!

Scholle

Die Noten für die Klubführung

26. Dezember 2012

Das Weihnachtsfest 2012 ist in wenigen Stunden Geschichte, die Herren, über die nun zu lesen sein wird, sind ebenfalls Geschichte – oder sie werden es in nächster Zeit. Es geht um die Hinrunden-Bilanz, und da sind diesmal nicht die Jungs in den kurzen und roten Hosen dran, sondern jene Herren, die die Zügel in der Hand haben. Die fast frühlingshaften Temperaturen haben für eine gewisse Milde im Land gesorgt, vielleicht auch im Blog – bei mir ohnehin, denn ich werde, wenn es um die Belange des Vorstands geht, kein Wort mehr über die Vereinsführung von Februar 2003 bis ins Jahr 2011 verlieren. Das wird wahrscheinlich die meisten erfreuen, vielleicht aber wird der eine oder andere User enttäuscht abwinken, was ich über die jetzige Vereinsführung denke – und schreibe. Ich kann aber versichern, dass das, was nun folgt, meine Gedanken zu 100 Prozent sind, und dass das nichts mit dem Frühling und dessen Milde Ende Dezember 2012 zu tun hat.

Vorausschicken möchte ich schnell noch, dass ich seit der Ära von Dr. Wolfgang Klein, der HSV-Präsident von Dezember 1979 bis November 18987 war, über den Klub berichte (und schreibe). Klein ging in die Geschichte des HSV als erfolgreichster Klub-Boss ein, unter seiner Führung wurden schließlich nicht nur Meisterschaften geholt, sondern auch der Europapokal der Landesmeister gewonnen. Das ist zu 100 Prozent gut, keine Frage. Aber, und nun kommt das aber, in dieser Zeit, vor allen Dingen aus dieser Zeit konnte der HSV keinerlei Nutzen ziehen. Im Gegenteil, der HSV war erfolgreich, verkaufte aber mit diversen Häusern fast sein ganzes Klub-Vermögen. Horst Hrubesch hat es hier vor ein paar Tagen gesagt: „Während beim FC Bayern die Erfolge und das dadurch eingespielte Geld in die Mannschaft investiert wurde, profitierte beim HSV der Gesamtverein vom Geld der Europapokalsieger.“ Und weg waren die Dollars . . . Es gab also schon immer (oder schon früher) arge Finanzprobleme, das ist in diesen Zeiten nichts Neues.

Nach Wolfgang Klein waren Ernst Naumann, Horst Becker, Jürgen Hunke, Ronald Wulff, Uwe Seeler, Werner Hackmann (kommissarisch), Rolf Mares, Werner Hackmann und nochmals Ronald Wulff (kommissarisch) bis 2003 an der Spitze des Vereins. Ich schreibe das deswegen, weil ich somit etliche Präsidenten erlebt habe, mir also ein Bild machen kann, von dem, was damals so gelaufen ist – und was heute läuft.

Dass Carl-Edgar Jarchow vor eineinhalb Jahren ein schweres Amt übernommen hat, ist kein Geheimnis, dürfte jedem bekannt sein. Ich habe sie noch im Ohr, die Stimmen von jenen HSVern, die für dieses Amt infrage gekommen wären, die aber – schon bevor sie gefragt wurden – entsetzt das Weite gesucht haben, indem sie sagten: „Ohne mich, diese finanziellen Aufbauten des Klubs durchschaue ich nicht, wird niemand mehr durchschauen – das soll ein anderer machen . . .“ Jarchow wurde es, und ich habe nicht gedacht, dass er bis heute noch im Amt sein würde. Eher hatte ich befürchtet, dass er schon nach wenigen Monaten den Bettel hinwirft und ebenfalls das Weite suchen würde. Denkste. Der Mann hält durch. Tapfer, tapfer – ich sage: bewundernswert.

Wobei ich sehr wohl weiß, dass Carl Jarchow nicht jedermanns „Geschmack“ ist. In letzter Zeit aber, vornehmlich in den letzten Monaten, begegne ich immer mehr Leuten, die einst ganz anders über den heutigen HSV-Vorstandsvorsitzenden gedacht haben, als heute. Zuletzt war das in diesem Dezember der Fall, als Jarchow eine Ehrenamts-Veranstaltung des Hamburger Fußball-Verbandes besuchte. HFV-Sprecher Carsten Byernetzki und ich sprachen in einer Talkrunde etwa 30 Minuten mit Jarchow – über den HSV. Und als der Boss gegangen war, kamen drei Ehrenamtler (unabhängig vorneinander) zu mir und sagten das, was ich zuvor schon einige Male auch von „Matz-abbern „gehört hatte: „Der ist ja ganz anders, als ich gedacht habe, der ist ja sympathisch und wirkt auch kompetent auf mich.“ Ein Mann war dabei, der sogar ans „Eingemachte“ ging: „Mein Sohn schreibt im Internet in einem HSV-Forum mit, den höre ich immer nur über Jarchow schimpfen und meckern. Ich werde ihm mal sagen, was ich nun denke – Jarchow ist ein guter Mann.“

Der in meinen Augen auch so langsam wieder Grund in den HSV bekommt. Auch wenn die Zahlen etwas anderes belegen (wollen). Natürlich hat der HSV in Jarchows Ära weit über seine Verhältnisse gelebt, natürlich stehen am Ende dieses Jahres tiefrote Zahlen zu Buche, werden sie auch 2013 noch so stehen – oder vielleicht auch noch schlechter, aber: Dieser Vorstand hat es im Griff, und dieser Vorstand musste so handeln, andernfalls wäre die Gefahr riesig gewesen, dass der HSV sehenden Auges in die Zweite Liga marschiert. Ich werde Jarchow und Co auf jeden Fall stets dankbar dafür sein, dass quasi in letzter Sekunde die Reißleine gezogen wurde. Der HSV, so hat es auch (noch einmal) Horst Hrubesch gesagt, wird „nicht in dieser Saison absteigen, und auch nicht in der nächsten“. Weil im Vorstand Mut bewiesen wurde. Das war kein Harakiri-Einsatz, sondern ein dickes Muss. Denn kein Mensch konnte doch vorhersehen, dass mit Fürth und Augsburg zwei Absteiger (fast) schon feststehen. Da unten hätte auch der HSV herumkrebsen können (nach der Vorgeschichte 2011/12), und deswegen mussten Millionen, die der Klub nicht hatte, locker gemacht werden.

Nebenbei soll der „Campus“ im Volkspark gebaut werden, es wird also – quasi nebenbei – auch an der Zukunft des HSV gearbeitet, sodass man sagen kann: es tut sich was. 2015 ist, bis auf Pille-Palle-Kosten, die Arena abbezahlt, es ist also Land in Sicht. Und ich würde mich freuen, wenn Carl-Edgar Jarchow dann noch immer an der Spitze des HSV stehen würde. Wenn ich ihn mit allen Präsidenten, die vorher in diesem Amt waren, vergleiche, dann würde Jarchow von mir eine Schulnote 2,5 erhalten. Er hat ganz sicher schon viel Gutes bewirkt, auch wenn das viele HSVer wahrscheinlich nicht sehen, nicht sehen wollen.

Gleiches kann und werde ich nur über Joachim Hilke, den „Mann an seiner Seite“ sagen. Erstens wird in diesem vierköpfigen Vorstand vertrauensvoll zusammen gearbeitet, es ziehen alle Männer an einem Strang, es gibt keinen Alleinherrscher, es gibt ein faires Miteinander – und daran hat auch Hilke einen ganz entscheidenden Anteil. Ich kann wirklich sagen, dass wenn ich mich mit „Alt-Internationalen“ des HSV unterhalte, dass von zehn Leuten neun voller Lob über diese Klubführung sind, und dass alle, tatsächlich alle auch von Hilke überzeugt und begeistert sind. Mal abgesehen von dieser unsäglichen „Viagogo“-Nummer, aber das wissen längst alle – auch Joachim Hilke, dass das eine große (einmalige) Fehlleistung war. Aber die Herren, das kann man daran sehen, versuchen eben alles, um an Gelder für den HSV zu kommen, dabei wird eben auch mal über das Ziel hinausgeschossen. Abgesehen davon, dass dieser Deal im Sommer 2013 erledigt sein wird (der oder die Prozesse, die noch folgend werden, vielleicht noch nicht ganz!), hat Joachim Hilke in Sachen Finanzen bislang (seit Frühling 2011) ganze Arbeit geleistet. Und wird es auch weiterhin tun. Der Mann weiß genau, was er tut – und er ist in diesen (Finanz- und Marketing-)Kreisen ein anerkannter Fachmann. Auch er erhält von mir die Note 2,5.

Der „dritte Mann“ in diesem Vorstand ist Oliver Scheel. Der Herr für die Fans, für die Mitglieder-Belange. Kein einfacher Job, muss ich gestehen, denn die Fans erwarten viel von ihm (Rückdeckung zum Beispiel), und der Vorstand erwartet, dass er die Fans „gut im Griff“ hat, was, wie wir alle wissen, eher eine fast unlösbare Aufgabe ist. Und ich denke mal, dass diesbezüglich noch einige Dinge zu besprechen sein werden, wenn ich so an die Vorfälle in Sachen Pyrotechnik (in Düsseldorf und auch in Leverkusen) denke. Ich wünschte mir gelegentlich ein entschiedenes Wort von Scheel, wenn es um solche lebensgefährlichen Sachen geht, aber ganz offenbar will er es sich mit niemandem verscherzen. Ich sehe ein, dass das in vielen Fällen auch ein Tanz auf der Rasierklinge für ihn ist, aber dennoch darf ein HSV-Vorstandsmitglied seiner Entrüstung über ausartende Fan-Aktivitäten doch lautstärkeren Ausdruck verleihen, als das in den zurückliegenden Monaten der Fall gewesen ist. Irgendwann sollte dann auch mal Schluss mit lustig sein, so schwer es (Oliver Scheel) auch fällt. Deswegen gibt es auch nur die Note vier.

Und wer nun entsetzt war, dass ich den „Zweiten Mann“ bislang nicht erwähnt habe, dem muss ich sagen, dass ich das mit Bedacht gemacht habe. Weil Sportchef Frank Arnesen doch – auch wenn er der Zweite Vorsitzendes des HSV“ ist, irgendwie ein „Einzelkämpfer“ ist. Der Däne ist für den An – und Verkauf im Klub zuständig, und das macht er fast im Alleingang, eher aber noch mit Trainer Thorsten Fink zusammen, als mit den Vorstandskollegen. Obwohl ich sehr wohl weiß, dass auch Jarchow und Hilke an „gewissen“ Verpflichtungen „mitgewirkt“ haben. Trotz allem steht Arnesen für die sportliche und personelle Seite der Klubführung, und da der ehemalige dänische Nationalspieler im Sommer verschiedentlich und teilweise auch recht rustikal „angeschossen“ worden war (auch von den Medien, keine Frage, aber nicht nur von ihnen!), muss man nun, nach einem halben Jahr, feststellen, dass Arnesen nicht schlecht gearbeitet hat.

Die meisten Einkäufe tragen das Prädikat „gut“, der Alleingang von Arnesen, der unter dem Namen „Adler“ läuft, wird sogar „Weltklasse“ genannt. Und da mit dem Karlsruher Hakan Calhanoglu bereits der nächste „Hammer“ feststeht, ist vieles von dem, was Frank Arnesen zu erledigen hatte, aufgegangen. Trotz aller Kommentatoren-Tätigkeit während der EM 2012, trotz der Tatsache, dass er nicht jeden Spieler, der zum HSV kommen sollte (weil Thorsten Fink ihn haben wollte), gekommen ist. Schlechter bewertet werden muss an der Tätigkeit von Arnesen, dass er den HSV mit einem viel zu großen Kader in die Saison starten ließ. Das kostet! Jetzt wird sich zeigen, ob der Däne auch das Handwerk des Verlaufens versteht, denn der HSV-Kader muss dringend, händeringend abgespeckt werden, um an den Finanzen positiv zu arbeiten. Ich bin noch ein wenig skeptisch, ob es Frank Arnesen zufriedenstellend gelingen wird, die HSV-Spieler, die „über“ sind, auch tatsächlich an einen anderen Verein bringen kann und wird. Deswegen auch erst einmal nur eine vorsichtige Note 3,5.

Letzter in diesem Bunde ist der Trainer. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass Thorsten Fink sich damit schwertut, in Hamburg anzukommen. Diese Skepsis zog sich bis in diese Saison hin. Nach dem verkorksten Start allerdings, als es dann bergauf ging, da war für mich der Fink „voll“ da. Ich habe zuvor immer auch zu mir gesagt: „Okay, der Mann kommt vom großen FC Bayern, der ist ganz anderes gewöhnt, der schwebt immer noch in viel, viel höheren Sphären – und kann sich mit den Hamburger Verhältnissen immer noch nicht so recht anfreunden.“ Vielleicht hat dieser Umstellungsprozess ein wenig länger gedauert, als es der Coach wollte – vielleicht. Zumal die Bundesliga ja für ihn als Trainer ebenfalls Neuland war. Ich habe jetzt aber das Gefühl, dass Thorsten Fink Hamburger geworden ist, und dass er mit diesem HSV (seinem HSV?) noch einige wird bewegen können. Er war als Spieler, bereits in Wattenscheid, immer einer, der die Ärmel hochgekrempelt und zur Sache gegangen ist, das wird er nun auch hier im Volkspark zeigen.

Wenn man ihn denn machen lässt. Da aber der Klub in den nächsten Jahren absolut auf Kontinuität setzen will und wird (der „Fall Oenning“ schmerzt den Oberen immer noch sehr, das weiß ich!), dürfte sich an der Position des Trainers auf absehbarer Zeit nichts ändern – nicht einen Millimeter. Und das ist gut zu wissen, wir alle! Nicht nur für die Spieler, aber auch. Es sei denn, Fink begeht noch einige Fehler jener Art, sich über die zu lange Bahnfahrt in den Westen zu beschweren. Das, und das kann ich aus erster Hand sagen, das gefiel der Klubführung nicht wirklich gut, und ich kann nur hoffen, dass das auch der Coach inzwischen weiß.

Was ich Fink als Medienmann noch hoch anrechnen muss: Trotz aller schlechten Zeiten, die es während der Fast-Abstiegssaison durchaus gab (und nicht nur da!), ist der Trainer nicht ausgeflippt, nie laut geworden, hat sich nie lautstark (über eine eventuell zu harte Kritik) beschwert. Kompliment, Her Fink, das als ehemaliger Star des FC Bayern – das ist klasse. Und souverän. Das haben wir in Hamburg auch schon ganz anders erlebt, ich könnte da aus der Schule plaudern . . . In diesem Punkt darf Thorsten Fink durchaus so weitermachen, er bekommt von mir das Zwischen-Zeugnis 3,5.

Schnell noch ein kurzer Schwenk zum immer noch viel zu großen Aufsichtsrat. Es gab, das ist schon Tradition, so manche Turbulenzen, vor allen Dingen um den Rücktritt von Ernst-Otto Rieckhoff, doch auch das hat der Klub verdrängt und überstanden. Die große Bewährungsprobe wird im nächsten Jahr kommen, wenn dieser Rat eine neue Zusammensetzung erhält – eine Ansammlung von Fans. Ich denke, dass es dann ganz leicht wieder zu mehr Turbulenzen kommen wird, kommen könnte. Die Zeiten, als ein Udo Bandow den ganz Laden bestens im Griff hatte, sind vorbei, aber sie könnten dann – trotz des gelegentlichen Ärgers im Verrat – zum Vorbild genommen werden, wie man es dann doch besser machen sollte. Ich bin gespannt. Sehr gespannt sogar. Und gebe diesem HSV-Aufsichtsrat, bei dem ich den Verlust von Alexander Otto, sehr, sehr bedauere, die Note (gerade noch) vier.

Insgesamt, so denke ich, befindet sich der HSV aber doch wieder auf einem guten Weg der Besserung. Diese Prognose wage ich einmal. Und ich kann alle Skeptiker beruhigen, ob Joachim Hilke und Carl-Edgar Jarchow wirklich die richtigen Männer an der Spitze sind: Beide Herren waren in diesem Herbst zu Gast bei „Matz ab live“, und wer sie (einer sah die Düsseldorf-Pleite, der andere das Leverkusen-Debakel) dabei „abgehen“ sah, wie sie mitfieberten, wie sie gestikulierten, wie sie schrien, wie sie voller Entsetzen aufsprangen und ihre Hände vor das Gesicht schlugen, der weiß, dass da nicht irgendwelche „coole Geschäftsmänner“ (oder Politiker – wie Jarchow), die dem Klub rein zufällig über den Weg gelaufen sind, am Werke sind, sondern HSVer durch und durch. „Wir sind eben auch nur und in erster Linie HSV-Fans“, sagte Carl-Edgar Jarchow im Schnelsener „Champs“ (unserem Übertragungs-Restaurant) zu mir, als ich ihm erstaunt sagte, dass ich ein solches Mitgehen weder von ihm noch von Hilke erwartet hätte.

„Wir sind eben auch nur und in erster Linie HSV-Fans.“ Welch ein schöner Abschluss dieser Bilanz.

So, nun bin ich für den “Zweeiten” durch, ich möchte aber nicht vergessen, für die immer noch so zahlreich kommenden Weihnachtswünsche an Frau M. und mich zu bedanken. Ihr seid schon klasse. Extraklasse!
Ein kleines Gedicht aus dieser Reihe habe ich schnell noch, auch dafür ganz herzlichen Dank (heute angekommen):

Lieber guter “Matze-Mann”

Du schreibst hier an den Weihnachtsmann
er möge den HSV beglücken
und wieder an die Spitze rücken
er soll besorgen die Millionen
die sich dann wohl doch nicht lohnen….
in Säcken soll die Kohle liegen
denn die Profis möchten fliegen
denn das ist ein Hochgenuss
statt eine Fahrt mal mit dem Bus
Wie gerne denke ich an Zeiten
als die Spieler konnten Freude bereiten
da waren die Fans euphorisiert
weil auf dem Rasen was passiert
heute muss es ein goldener Teppich sein
und die Spieler treten doch drauf ein

Ach, so früher am Rothenbaum
das war schön anzuschauen
die Spieler kamen in bescheidenen Wagen
über Nichtigkeiten gab es keine Klagen
Im Volkspark gab es zumindest Fussball pur
heute höre ich über Geld und Skandale nur
Während heute schon die Pässe “kranken”
gab` s für Uwe von Charly präzise Flanken
Keegan dieser Wirbelwind
war der Liebling ganz geschwind
dann allmählich krankte es immer mehr
viele Trainer mussgen her
doch statt Europa und Pokal
spielte man Durchschnitt und banal
So mancher kam betrogen sich vor
wechselte beispielsweise ans Millerntor….

Während heute viele in Erinnerungen träumen
und vor Wut oft überschäumen
nimmt Gewalt und Überfluss seinen Lauf
keine Fairness, man haut nur auf die Gegner drauf
Ach Dieter, und Du lieber Weihnachtsmann
wie man das nur aushalten kann
Vielleicht hat der Weihnachtsmann statt Geld
Ideen, zur Hilfe dieser Fussball-Welt
z.B. mal im Umland schauen
und mehr auf Talente bauen
Gehälter nach oben begrenzen lassen
die Stars könnten`s wohl kaum fassen.

Kurzum, glauben wir wieder an das Gute
der Weihnachtsmann lässt stecken seine Rute
Wir sind mit Mittelmass nur dann zufrieden
wenn Fans sich nicht mehr so “bekriegen”
Fussball pur, Fairness ohne Ausschreitungen
keine Übertreibungen in den Zeitungen
Und für Dieter schöne HSV-Spoiele auf grünem Rasen
klappt es nicht, frag` nach Verstärkungen den Osterhasen….!

Ganz liebe Grüße aus Hasloh! Dein “Backhus”-Kollege Jörn K.

17.19 Uhr

Weniger Worte – mehr Taten, bitte!

22. Mai 2012

Er wird immer wieder erkenntlich. Der Grund, weshalb Sport und Politik strikt getrennt gehören, offenbart sich beim HSV schon in den kleinsten vereinspolitischen Entscheidungen. Dieser HSV hat es geschafft, dass vereinsintern „Fraktionen“ (Supporters, Wirtschaftsweisen, Realos, Initiative Pro HSV etc.) gebildet werden. Ein deutschlandweit in diesem Ausmaße einzigartiges Szenario. Zwar kommt es immer wieder mal vor, dass bei anderen Bundesligisten politische Scharmützel ausgetragen werden. Allerdings legen sich diese nach Paukenschlägen von verdienten Vereinsgrößen wie beispielsweise Uli Hoeneß (gegen die FCB-Ultras) schnell bei. Und wenn diese Persönlichkeiten fehlen oder wie beim HSV (Netzer, Magath) nicht wollen – führen sie wie beim 1. FC Köln irgendwann in den sportlichen Misserfolg.

Nun kann man sagen – und das zurecht – dass der HSV diesen Level spätestens in dieser Saison beschritten hat und mit etwas Geschick aber noch mehr Dusel den Erstligaverbleib sichern konnte. Allerdings, wer jetzt verteufelt, was sich beim HSV aktuell abspielt, der hat jahrelang nicht aufgepasst. Dieses politische Treiben innerhalb des Aufsichtsrates gab es vorher schon. Und auch vereinsintern wurden in den letzten Jahren Fraktionen gebildet. Vornehmlich ging es dabei um die, die Bernd Hoffmann folgten und die Supporters. Letztgenannte hatten immer wieder Probleme mit dem rigorosen Führungsstil Hoffmanns. Zwar schwiegen sie auf den Jahreshauptversammlungen zumeist, weil der sportliche Erfolg da war und der HSV in der Uefa-Rangliste beständig kletterte. Allerdings waren unter den Supporters ebenso wie in dem eingenommenen Aufsichtsrat ausreichend Gegner Hoffmanns, die nur auf den Tag des Misserfolges warteten. Und als dieser Tag kam – traten sie übel zu – und Hoffmann musste gehen.

Besser geworden ist seitdem allerdings nichts. Im Gegenteil: seitdem der HSV sich von dem damals intern unter anderem als machtorientiert geltenden Ex-Vorstandsvorsitzenden getrennt hat, brodelt es mehr denn je, weil plötzlich alle zuvor kleinlauten Fraktionen das Gefühl haben, sich einen Teil der von Hoffmann zurückgelassenen Beute sichern zu können. Alle werden gierig. Und unter dem Deckmantel der treuen Vereinssorge mobilisieren die Fraktionen möglichst viele Anhänger und versuchen, ihre Ideen in Satzungsänderungen auf lange Sicht zu etablieren. Der Kampf um die Macht ist mehr denn je entfacht.

Dass dabei nicht nur egoistische Ziele verfolgt werden will ich an dieser Stelle gar nicht bezweifeln. Aber in der Masse der vereinspolitischen Querelen gehen diese nur zu leicht unter und führen das objektive Mitglied in einen unüberwindbaren Irrgarten der politischen Interessen. Oder wisst Ihr, wer mit wem was erreichen will?

Nein, das wissen nur die wenigsten. Eigentlich wissen das sogar nur die Urheber und Steuermänner der Fraktionen. Und selbst die verlieren oft die Orientierung. So, wie es Bernd Hoffmann nach dem Aus von Dietmar Beiersdorfer erging. Plötzlich hatte er das komplette Feld für sich – und dies wurde ihm zu groß. Der verdiente Vorstandsvorsitzende mit der Qualität, den HSV finanziell zu führen, wurde Opfer seiner eigenen Politik. Plötzlich musste er alle Felder – Wirtschaft, Vereinspolitik in- und extern und fatalerweise auch den sportlichen Bereich führen – und ging daran kaputt.

Dennoch, für alle, die hier noch immer große Anti-Hoffmann-Blogs vermuten: dem ist nicht so. Mir geht es nicht um die Schuld einzelner. Vielmehr steht es für mich außer Frage, dass der HSV mit Hoffmann noch immer gut fahren würde, wenn sich dieser auf sein ursprüngliches Verantwortungsgebiet beschränkt hätte. Zusammen mit Beiersdorfer war es die beste Konstellation des HSV seit den Achtzigern.

Dass dem nicht mehr so ist, hat viele Gründe. Allein gelernt hat daraus offenbar niemand. Zumindest nicht genug. Und das gilt beim HSV heute für alle. Die Vergangenheit sollte als Warnung dienen. Es ist klar, dass es nicht nur einen Weg gibt, der zum Erfolg führen kann. Ich behaupte einfach mal, dass alle Fraktionen grundsätzlich tatsächlich von ihrem Weg überzeugt sind und will niemanden eine funktionierende Idee absprechen. Aber es kann und darf am Ende nur einen gemeinsamen Weg geben, den man gemeinsam gehen muss, wenn man wirklich Erfolg haben will. Dafür wiederum hat der Verein das demokratische Werkzeug der Mitgliederversammlung, deren Votum zu respektieren ist. Daher ist im Nachzug dieser Wahlen häufiger Zurückhaltung angesagt. Der Klügere gibt nach, heißt es schon bei den kleinen Kindern, wenn sie im Sandkasten Recht und Unrecht versuchen zu trennen. Und das sollte auch für die hochtrabend politisch Orientierten beim HSV gelten. Jetzt mehr denn je.

Deshalb – und zwar ausschließlich nur aus dieser Befürchtung – glaube ich, dass die Fernwahl für diesen HSV noch ungeeignet ist, dass sie zu früh kommt. Ich bin der festen Überzeugung, dass Demokratie unabdingbar ist. Aber ich bin mir sicher, dass die verschiedenen Fraktionen das Instrument der Fernwahl noch zu leicht missbrauchen könnten. Weil der breiten Masse der 70000 Mitglieder einfach der Überblick fehlt. Fehlen muss, würde ich sagen. Denn gerade die, die nicht in Hamburg ansässig sind, haben zu wenige Informationsquellen, um sich ein objektives Bild der Lage beim HSV machen zu können. Und selbst die hiesigen Mitglieder können bei der inzwischen vorhandenen Vielzahl von Fraktionen, Vorwürfen und Gerüchten nur noch mit größter Mühe einen Überblick bewahren. Wenn Ihr wüsstet, wie oft man als HSV-Journalist vor einer Mitgliederversammlungen angeschrieben und angerufen wird, um von der jeweiligen Idee überzeugt zu werden…. Ich hoffe vielmehr, dass andere Vereine den Schritt zur Fernwahl noch vor dem HSV gehen, und der HSV aus deren Erfahrungen lernen kann. So ist das Risiko des Missbrauchs der Fernwahl minimiert – ohne sie aus den Augen zu verlieren.

Deshalb bleibt momentan nur die leise Hoffnung, dass dieses vereinspolitische und vereinsschädigende Wirrwarr möglichst schnell vom sportlichen Erfolg eingeholt wird, ehe es noch tiefere Wunden hinterlassen kann. Wie schon in für die Mannschaft, gilt diesmal für die Mitglieder und noch mehr für die Amtsinhaber des HSV: Taten statt Worte.

Getan wird derzeit was für die HSV-Anlage Ochsenzoll. Während die dort ansässigen HSV-Bundesligafrauen aus Kostengründen abgemeldet wurden (das sorgte heute für ne Menge Gesprächsstoff), wird in Steine investiert. Zuletzt wurden zwei Millionen Euro für das heute eingeweihte neue Vereinshaus gesteckt. Bei der Eröffnung traf ich den Vorstand (außer Arnesen) sowie den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Alexander Otto. Mit dem ECE-Chef, der im Kontrollgremium als Moderator zwischen den Parteien gilt, sprachen wir über die neue Konstellation im Aufsichtsrat.

Herr Otto, dürfen wir Ihnen zu Ihrer neuen Rolle gratulieren?
Alexander Otto: Müssen Sie nicht. Aber Danke. Wobei ich diese Rolle ja nicht das erste Mal interimsweise übernehme und das Glück habe, dass jetzt die etwas ruhigere Phase der Sommerpause bevorsteht.
Im Januar 2011 wollten Ihre Ratskollegen, dass Sie den Vorsitz übernehmen, damals sagten Sie aus familiären Gründen ab. Würden Sie diese Rolle diesmal auch über längere Zeit übernehmen?
Otto: Meine Situation hat sich wenig verändert. Beruflich bin ich sehr eingespannt und ehrenamtlich ist es eher mehr geworden. Ich habe einen Job, der mir nicht sehr viel Zeit lässt – und dennoch steht meine Familie bei mir weiter an allererster Stelle. Der Vorsitzende ist ein Job, der sehr viel zeit braucht, die ich nicht habe. Ich würde den Anforderungen dieses Amtes nicht gerecht werden können. Deshalb möchte ich gerade an diesem Punkt noch mal erwähnen, was für tolle Arbeit Otto Rieckhoff hier geleistet hat in den letzten eineinhalb Jahren. Er war fast rund um die Uhr als Vorsitzender unterwegs.
Wer wäre in Ihren Augen denn ein geeigneter Kandidat für den Vorsitz?
Otto: Ich bin optimistisch, dass sich da jemand finden lässt. Das ist eigentlich immer so. Aber wir haben jetzt erst einmal eine ganze Menge zu besprechen nach der Mitgliederversammlung. Wir waren auf dem Weg einer sehr, sehr guten Zusammenarbeit. Die Nachfolge wollen wir Anfang Juni nach ausreichend Gesprächen benennen. Ich glaube, dass das in einer harmonischen Form durchführen. Mein Ziel ist es, dass wir wieder da anknüpfen, wo wir vor der Mitgliederversammlung aufgehört haben. Ich glaube auch, dass wir zunehmend zusammengerückt sind.
Das verwundert. Gerade am Sonntag wirkte das anders…

Otto (lacht): Stimmt. Vielleicht war das den warmen Temperaturen und der sehr, sehr langen Sitzung noch geschuldet. Es gab glaube ich auch ein paar Missverständnisse, die auch teilweise aufgeklärt wurden zwischenzeitlich. Aber ich denke schon, dass wir wieder eine gute Basis finden werden. Ich glaube auch, dass wir es dem HSV auch geschuldet sind, weil jetzt stehen ganz andere Themen im Vordergrund. Die sportliche Situation, die wirtschaftliche Situation des HSV. Gerade in der Vergangenheit gab es ganz unterschiedliche Meinungen zu Satzungsänderungen – deshalb sollten wir uns damit beschäftigen, dem HSV einen gesunden wirtschaftlichen Rahmen zu verpassen und sportlich unsere Ergebnisse zu verbessern.
Waren Sie überrascht von Herrn Rieckhoffs Schritt?

Otto: Ich glaube, er hat einfach nur ein paar Möglichkeiten aufgezeigt. Er hat ja auch klargestellt, dass er nur Varianten aufzeigen wollte. Er hat die Möglichkeit aufgezeigt, die es gibt, wenn dieser Satzungsänderungswunsch durchgeht. Wobei es auch noch eine andere Möglichkeit gibt, dass man bei einem verkleinerten Aufsichtsrat nur einen neuen Aufsichtsrat nachwählt. (Anmerkung: Im Januar stehen Horst Beckers, Ian Karans, Alexander Ottos und Jörg Debatins Posten zur Neuwahl an, während die beiden Delegierten Ronny Wulff und Ernst-Otto Rieckhoff neu bestimmt werden. Demnach hätte Ottos Vorschlag bedeutet, dass zu den vier weiter im Amt befindlichen Kontrolleuren zwei Delegierte und nur ein neu Gewählter hinzukommt. Ergo: sieben statt zwölf Aufsichtsräte) Ich fand es überraschend, dass das Thema so groß behandelt und diskutiert wurde. Aber das zeigt, dass es nicht gut war, dass in einem so großen Kreis zu besprechen.

Recht hat er. Rieckhoff hätte es in einer der 23 (!!) AR-Sitzungen der letzten Saison ankündigen und intern behandeln können. Das hätte viel Diskussionsstoff vorweggenommen und auf der Mitgliederversammlung nicht für unnötige Verwirrung und zeitliche Verzögerungen gesorgt.

In diesem Sinne, sportlich gab es auch etwas: Während Reagy Ofosu aus der U23 nach Ingolstadt wechselt, hat Sven Neuhaus seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Und das soll es mit Ersatzkeepern des HSV für heute noch lange nicht gewesen sein, denn Raphael Wolf kehrt vom österreichischen Bundesligisten SV Kapfenberg in die Bundesliga, zu Werder Bremen zurück. Der ehemalige U23-Keeper des HSV unterschrieb einen Vertrag bis 2015. Auch Wolfgang Hesl ist wieder Erstligist. Der 26-Jährige wechselt ablösefrei von Dynamo Dresden zum Bundesligaaufsteiger Greuther Fürth.

Willkommen zurück!

In diesem Sinne, auf dass wir die nächsten Wochen wieder mehr über Fußball sprechen, diskutieren und schreiben können. Zum Beispiel darüber, warum ein Kevin Großkreutz nicht mal im vorläufigen EM-Kader steht… Aber vor allem über den HSV und die hoffentlich bald gefundenen Verstärkungen für die neue Saison. Oder wie sagte Uns Uwe Seeler heute in die Kamera, just in dem Moment, in dem HSV-Vorstandsboss Carl Jarchow ihn begrüßte: „Klar ist, dass wir zur neuen Saison noch ne ganze Menge machen müssen. Wir brauchen da noch einige Verstärkungen…“ Recht hat er. Hoffen wir darauf, dass das alle wissen und auf dem Weg dahin bedingungslos zusammenarbeiten.

Scholle

Der HSV und seine Manager

28. Dezember 2011

Keine Zugänge, keine Abgänge – Winterpause. So ist das zurzeit beim HSV. Mein Kollege Kai Schiller hatte heute das Glück, mit ´Frank Arnesen sprechen zu können – es passiert (wohl) nichts mehr. Mein Bauchgefühl hatte mir ja gesagt, dass der HSV noch einen „Kracher“ zu Silvester holen wird – oder auch kurz danach, aber daraus wird wohl doch nichts. Der Blick in die klamme Kasse ist wohl zu ernüchternd . . . Obwohl: Dieses Fass möchte ich gar nicht erst wieder aufmachen. Wir alle werden es ja demnächst – genau am 15. Januar – wieder einmal genau erleben und hören, wie es um den HSV bestellt ist, auf der Jahreshauptversammlung nämlich, und die Herren werden es uns dann schon mitteilen. Die Finanzen des Klubs sind ja schon immer ein ganz, ganz heikles Thema gewesen, und selbst wenn sie noch so schlecht sein sollten – der HSV lebt ja immer noch. Ich sage mir deshalb seit einer geraumen Zeit schon: warum aufregen? Was hat es denn in der Vergangenheit gebracht? Da wurde über leere Kassen, halbleere und volle Kassen geschrieben, aber geändert hat es ohnehin nie etwas. Mir genügt es ohnehin, wenn die jetzige Führung hin und wieder davon spricht, dass finanziell keine großen Sprünge mehr gemacht werden können. Dann weiß ich, dass das Geld zwar knapp ist, aber es ist noch ein bisschen da. So interpretiere ich das jedenfalls – für mich. Nur für mich. Und vor dieser Saison war ja auch eigentlich kein Geld mehr da, oder nur wenig, und trotzdem konnten einige Spieler verpflichtet werden. Wie zum Beispiel Ivo Ilicevic, der mit vier Millionen Euro wohl der teuerste Neuzugang ist. Und vier Millionen sind ja auch Geld, wenn auch im gehobenen Profi-Fußball fast so etwas wie „Kleingeld“. Aber wenn es denn „Kleingeld“ ist, so hat der HSV wenigstens das noch in der Kasse.

Aber nun Schluss mit diesem leidigen Thema. Mehr gibt es, wie gesagt, am 15. Januar. Und zwar dann von kompetenter Seite. Wobei ich, das muss ich schnell noch loswerden, kürzlich sogar deshalb ein Lob erhalten habe (von einem „Matz-abber“), weil ich gar nicht mehr auf dieses Geld-Thema eingegangen bin. Danke dafür (auch Scholle erhielt Lob!), aber ich bin es auch Leid. Deswegen fange ich gar nicht erst (groß) damit an. Immerhin aber ist es ja so, dass der Sportchef zu dieser Saison mit wenig Geld und viel Auge eingekauft hat. Ich glaube, dass ich das immerhin sagen darf, weil sich darüber ja wohl die meisten einig sind. Und weil ich das im Zusammenhang mit Frank Arnesen geschrieben, wurde hier ja viel über den Dänen diskutiert. Was eigentlich ein schönes Thema ist: Wer ist der beste HSV-Manager? Welcher Mann hat hier für Furore gesorgt? Ich habe sie ja alle mitbekommen, angefangen bei Dr. Peter Krohn.

Der „General“ war ja 1973 erstmalig HSV-Präsident, wurde zwei Jahre später dann Generalmanager. Und Krohn war ein Mann mit vielen Ecken und Kanten, auch ein Mann, der mitunter auch recht unangenehm für seine Mitstreiter werden konnte – aber auch ein Mann, der vor Ideen nur so sprühte. Wenn Uli Hoeneß heute die Mutter alle Bundesliga-Manager ist, dann war Krohn der Vater. Er führte den HSV aus schlimmsten Krisen-Zeiten heraus – bis in die Spitze Europas. Rosa Trikots, Elefanten beim Show-Training. Wer Dr. Krohn daran festmacht, wird ihm nicht gerecht. Krohn holten Felix Magath (Krohn: „Meine Fernseh-Liebe“), Willi Reimann, Horst Bertl, Hans „Buffy“ Ettmayer, Horst Blankenburg, Ivo Buljan und einige mehr, Krohn holte aber vor allem Kevin Keegan. Das, obwohl der HSV – schon damals – kein Geld hatte. Um die Kassen wieder aufzufüllen, erfand Krohn mal eben den „Hafen-Pokal“. Zum Beispiel kam Liverpool nach Hamburg, füllte das Volksparkstadion und die Kassen (beider Klubs). Krohn war, so schrieb das Abendblatt einst, seiner Zeit damals weit voraus, er „verkaufte“ den Klub und die Raute – er setzte Maßstäbe für die nachfolgende Manager-Generation. Dabei hatte der frühere Bundestrainer Sepp Herberger einst – in Richtung Hamburg – gewarnt: „Krohn soll vom Fußball besser die Finger lassen . . .“ Und Max Merkel spottete damals: „Der Krohn glaubt doch, dass der Ball nur deshalb springt, weil ein Frosch darin sitzt.“ Egal, der äußerst kreative Krohn hat, trotz des Dauerkrachs mit Trainer Kuno Klötzer, dem HSV letztlich sehr, sehr gut getan, er hat Zeichen gesetzt – und die Note eins verdient.

Günter Netzer war dann der Mann, der ihm folgte. „Ich bin aus Mönchengladbach nach Hamburg gefahren, weil ich beim HSV die Stadionzeitung machen wollte, aber dann hat mir der damalige Präsident Paul Benthien gesagt, dass ich die Stadionzeitung nur machen dürfe, wenn ich auch HSV-Manager werde“, hat Netzer einst über seine Hamburger Karriere verraten. Es wurde die erfolgreichste Zeit des HSV. Weil Netzer erst den „harten Hund“ Branko Zebec verpflichtete, danach den genialen Ernst Happel nach Hamburg holte. Und weil es Netzer gelang, den abwanderungswilligen Kevin Keegan beim HSV zu halten – trotz größter Widerstände. Von 1978 bis 1986 war Günter Netzer, den ich noch heute sehr verehre, das muss ich shcnell mal gestehen (weil der Mann einfach Fußball pur ist), HSV-Manager. Gegen Ende seiner HSV-Laufbahn kaufte er Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke – wie das endete, das wissen wir (wohl) alle. Netzer: „Ich hatte nicht für möglich gehalten, dass diese beiden Spieler die Mannschaft und den alten Ernst Happel noch so durcheinander bringen könnten, aber sie haben es tatsächlich geschafft . . .“ Von nun an ging’s bergab – würde Hildegard Knef singen.

Später sagte der damalige HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein über die Netzer-Ära: „Es gab zwischen Ernst Happel, Günter Netzer und mir nie einen einzigen Streit. Jeder hat den Bereich des anderen akzeptiert, auch ein ehemaliger Weltklasse-Spieler wie Günter Netzer hat einem Trainer Happel nie in den Job hineingeredet.“

Nachfolger von Netzer wurde ebenfalls ein „Zehner“: Felix Magath. Der hatte bis zum Sommer 1986 noch selbst gespielt, beendete dann mit dem WM-Finale von Mexiko (Argentinien – Deutschland 3:2) seine Fußball-Karriere und rutschte auf den HSV-Manager-Stuhl. Er holte – oder holten ihn doch eher Wolfgang Klein?) Josip Skoblar als Trainer, und später, nach dem Rauswurf von Torwart Uli Stein, auch Mladen Pralija. Der Anfang vom Ende des Managers Magath. Zumal er schnell begriffen hatte, dass er erstens mit Klein nicht auf einer Wellenlänge lag, und dass er zweitens doch besser in kurzen Hosen auf den Fußballplatz gehörte. Das allerdings dauerte noch, erst wurde Magath noch Manager in Uerdingen und Saarbrücken, bevor er dann die Trainer-Laufbahn einschlug. Erste Station, nur nebenbei, war Bremerhaven.

Für Magath kam 1988 Erich Ribbeck, den der damalige HSV-Präsident Ernst Naumann quasi im Alleingang verpflichtet hatte. Ribbeck war eine meiner größten Enttäuschungen beim HSV – aller Zeiten. Eigentlich ist er noch immer die größte. Mehr ist nicht zu sagen.

Auf Ribbeck folgte Hartmut Dieckhoff, der aber nur eine Art „Mini-Manager“ war. Und den Titel „HSV-Organisationsreferent“ trug. Das waren Zeiten. Ich war einst dabei, als Dieckhoff nach einem Freundschaftsspiel in der Nähe von Husum das Antrittsgeld für den HSV in einer Zigarrenkiste einsammelte und in den Bus trug. Zwischendurch musste er, die Kiste unter dem Arm, noch Autogramme geben . . .

Dann kam 1991 Georg Volkert vom FC St. Pauli Manager. Ein klangvoller Name im deutschen Fußball auch beim HSV, doch die Zusammenarbeit zwischen Volkert und Präsident Jürgen Hunke klappte überhaupt nicht. Das war wie Hund und Katze – ein frühes Ende war keine Überraschung. Auf Volkert folgte Heribert Bruchhagen, der bis Dezember 1994 im Amt war – in meinen Augen auch gute Arbeit geleistet – denn auch damals waren die Verhältnisse in Hamburg nicht gerade rosig. Bruchhagen und der damalige Präsident Ronald Wulff „konnten aber so gar nicht“ miteinander, deswegen die Trennung.

Mit dem neuen Präsidium um Uwe Seeler gab es dann 1995 auch den Manager Bernd Wehmeyer. Aber der ehemalige Linksverteidiger musste schnell lernen, dass es gar nichts – oder nur sehr wenig – zu „managen“ gab. Früher hielt sich das Gerücht, dass Wehmeyer bei Uwe Seeler fragen musste, ob er tatsächlich eine 50-Pfennig-Briefmarke auf dem Umschlag kleben dürfe, oder ob er den Brief doch besser persönlich zustellen solle? Meistens musste er wohl selbst laufen . . . So viel Ebbe herrschte in der Kasse.

1998 kam Holger Hieronymus. Zweiter Vorsitzender und sportlicher Leiter. Keine goldene Ära. „Hiero“ holte Thomas Doll zurück (aus Bari), Alexander Curtianu, Fabian Ernst, Dimitrios Grammozis, Vanja Grubac, Martin Groth, Setrgej Kirjakow, Nico Hoogma, Oliver Straube – und im Jahre 2001 den alternden Jörg Albertz von den Glasgow Rangers zurück. Im August 2002 übernahm dann Dietmar Beiersdorfer den Manager-Posten. Und ich denke noch heute, dass der „Didi“ Schwung (und Strukturen) in den Verein gebracht hat. Er hatte Ideen, er packte auch an – aber fühlte sich im Zusammenspiel mit dem Vorstand Hoffmann/Kraus wie ein fünftes Rad am Wagen. Leider, leider. Denn eigentlich gab es unter dem Duo Hoffmann/Beiersdofer eine sehr erfolgreiche Zeit, der HSV spielte wieder in Europa mit, der HSV holte namhafte (und teilweise auch teure) Spieler wie Vincent Kompany, Nigel de Jong, Mladen Petric, Marcell Jansen, Ivica Olic, Romeo Castelen, Paolo Guerrero, Joris Mathijsen, Frank Rost und vor allem Rafael van der Vaart. Natürlich aber auch den einen oder anderen „Rohrkrepierer“, und darunter einen „Knüller“ wie Juan Pablo Sorin. Dieser Name allein verdirbt dem Duo H/B eine Note über der Drei. Und ich weiß nicht, ob es der damalige Vorstandsvorsitzende tatsächlich so weit auf die Spitze getrieben hätte (die fehlende Zusammenarbeit mit dem Sportchef), wenn er gewusst oder geahnt hätte, dass er selbst bald nicht mehr im Amt sein würde. Eigentlich hätte alles so gut weiterlaufen können, aber wie heißt es so schön im Volksmund: „Wenn’s dem Esel zu wohl wird . . .“

Auf Beiersdorfer folgte dann erst einmal nichts. Die große Leere. Und das war, heute sehen es fast alle ein (auch die, die es damals – in verantwortlicher Position – vehement abgestritten haben!), der größte HSV-Fehler in diesem Jahrtausend. An diesem Vakuum hat der Klub bis heute zu knabbern. Allerdings bleibt uns heute die Hoffnung, dass Frank Arnesen dafür sorgen wird, dass dieser Fauxpas des HSV schon bald in Vergessenheit gerät. Hoffen wir es einmal gemeinsam.

18.55 Uhr

Nächste Einträge »

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.