Archiv für das Tag 'Wulff'

Tag sechs ohne Sportchef: Kreuzer-Verhandlungen auf Sonnabend vertagt

28. Mai 2013

Die Sportchefsuche zieht sich. Nicht, weil täglich neue Kandidaten verhandelt werden, sondern vielmehr, weil sich der Karlsruher SC noch schwer tut, seinen Sportchef Oliver Kreuzer ziehen zu lassen. Noch immer steht das HSV-Angebot: 100000 Euro Ablösesumme, ein Freundschaftsspiel zuzüglich etwaiger Erfolgsprämien. Wobei mich allein letzteres schon ein wenig schmunzeln lässt. Aber egal, das Angebot hat auch beim KSC gleichbleibendes Interesse hervorgerufen: nämlich gar keins. Und deshalb ruhen die Verhandlungen.

Ein Grund, weshalb ich mich heute aus Prinzip der Berichterstattung in der Causa Kreuzer entziehen wollte. Aber irgendwie geht das nicht. Dafür ist die Position dann doch zu wichtig. Selbst die HSV-Nationalspieler in den USA beschäftigt das Thema, sie üben Kritik an der Sportchefsuche in ihrem Verein. Verteidiger Dennis Aogo sagte NDR Info: „Die wichtige Phase ist ein halbes Jahr vor der Transferperiode. Jetzt sind alle Vereine aktiv. Man muss das schon wesentlich früher machen. Das haben wir nun verpennt.“ Sein Teamkollege Marcel Jansen reagierte auf das Hin und Her in Sachen Sportchefsuche mit Sarkasmus: „Das kann mich nicht mehr frustrieren. Ich bin das schon gewohnt.“ Nationaltorwart René Adler hofft auf eine schnelle Lösung: „Das ist natürlich blöd für die Spieler. Gerade der Transfer oder Verbleib von Son steht jetzt noch an. Das ist für alle nicht optimal.“

Stimmt. Und die Aufsichtsräte merken, dass ihnen steife Brisen entgegenwehen. Für Sonntag sind schon etliche Aufrufe gestartet. Insbesondere Manfred Ertel soll auf der Mitgliederversammlung am Sonntag mit Kritik an seiner Arbeit und der Hoeneß/JVA-Entgleisung nicht verschont werden. Im Gegenteil. Es bahnt sich mal wieder eine Versammlung an, die deutlich machen wird, wie wenig momentan in diesem Verein stimmt. Zumindest strukturell kann man das sagen – denn dazu ist auch die Besetzung des Sportchefpostens zu zählen.

Dieser Verein ist aufgebläht in allen Bereichen. Angefangen bei den Aufsichtsräten, die eine zu gewichtige Rolle einnehmen. „Bei uns hören sie ein, vielleicht zwei- und maximal dreimal im Jahr etwas vom Aufsichtsrat“, hatte mir Uli Hoeneß vor einem Jahr in einem Interview gesagt, „und das ist, wenn Verträge abgesegnet und Budgetplanungen abgenommen werden. Ansonsten überlässt man uns das operative Geschäft, weil man uns vertraut.“ Und der Erfolg gibt den Bayern seit Jahrzehnten Recht. Wobei erschwerend hinzukommt, dass der FC Bayern München den Luxus genießen kann, im Aufsichtsrat honorige Vorstände größter deutscher Unternehmen wie adidas, VW, Telekom, Burda und Audi sitzen zu haben, die parallel dafür sorgen, das Geld durch ihre Unternehmen dem Verein zufließen. In München hilft der Aufsichtsrat mit seinem Einfluß auf die deutsche Wirtschaft – in Hamburg nimmt die Wirtschaft Einfluss auf den HSV. Und das ist wenig hilfreich.

Aber das ist alles nicht neu. Auch nicht die Problematik, im Sommer, in der finalen Phase der Kaderplanung, plötzlich führungslos zu sein. Ok, besser formuliert: an entscheidender Stelle unbesetzt. Und das wird auch noch dauern. Da KSC-Präsident Ingo Wellenreuther weiterhin im Türkei-Urlaub weilt übernahm sein Vize Günter Pilarsky die Geschäfte und teilte dem HSV mit, am Rande des DFB-Pokalendspiels ein Treffen arrangieren zu wollen. Bis dahin solle sich – was auch totaler Quatsch ist, weil unrealistisch – KSC-Manager Kreuzer einzig um die Badener kümmern. Ein sicher nicht ernst gemeinter Vorschlag sondern vielmehr der Versuch, dem HSV seine Macht zu verdeutlichen. Und unmittelbar bevor ich diesen Blog online stellen konnte, kam dazu folgende „SportBild“-Agentur:

„Herr Jarchow ist zwar formal nicht zuständig, hatte aber trotzdem das Bedürfnis mal mit mir zu sprechen“, sagt Wellenreuther, der zuvor stets mit dem eigentlich zuständigen HSV-Aufsichtsrat gesprochen hatte. „Herr Jarchow befürwortet Verhandlungen am Verhandlungstisch. Ein Treffen dafür ist nun für kommenden Samstag an einem neutralen Ort avisiert. Eine Bestätigung durch den Aufsichtsrat des HSV habe ich dafür aber noch nicht.“

Ob Jarchow dafür von seinen direkten Vorgesetzten ein Mandat erhalten hatte? Jarchow selbst war nicht zu erreichen. Und obgleich der erste Impuls fast natürlich war, dass sich dort neuer Ärger zwischen dem Vorstandsboss und dem AR anbahnt, scheint eine andere Variante logischer: Jarchow selbst ist momentan der sportlich entscheidende Verhandlungspartner. Sollte als Ablösesumme für Kreuzer auch ein Leihspieler vorgeschlagen werden, wäre es seine Entscheidung, zu sagen, wer das ist. Und ob es gemacht wird.

Und ein wenig später gab es dann auch Entwarnung. Der Vorgang war abgestimmt. Denn auch der Aufsichtsrat ist sich einig, dass alles andere als eine schnelle Einigung noch viel schlimmer wäre als Missachtungen interner Protokolle. Denn schon jetzt verlieren beide Klubs. Besser gesagt: Sie haben schon verloren. Kreuzer ist beim KSC nicht mehr tragbar. Und der HSV kann die verloren gegangene Zeit für wichtige Transfers nicht mehr zurückholen. Und das in der Saison, für die sowohl Trainer Thorsten Fink als auch Klubboss Carl Jarchow zuletzt einen internationalen Tabellenplatz als realistisches Ziel ausgegeben hatten. Sollte dieses Ziel verpasst werden, hätten alle Beteiligten schon wieder ein dankbares, definitiv auch gültiges Alibi: den Aufsichtsrat. Allein das würde mich als Kontrolleur schon ankotzen. Schon wieder steht uns ein Jahr bevor, in dem keiner der Verantwortlichen, weder das Trainerteam und noch weniger der Sportchef, wirklich an einem Ziel gemessen werden kann.

Am Sonntag bei der Jahreshauptversammlung sollten sich die Mitglieder dennoch erst einmal Gedanken darüber machen, inwieweit ein reines Aufsichtsrats-Bashing weiterhilft. Denn, und das habe ich schon häufiger gesagt, das Problem ist, dass die Mitglieder einen solchen Aufsichtsrat quasi selbst ins Leben gerufen haben. Die einen mit Stimmzettel, die anderen, weil sie nicht zu den Wahlen erschienen sind. Aber vor allem, indem sie Satzungsänderungen zu Strukturveränderungen immer wieder ablehnen. Schon Bernd Hoffmann wurde einst übel angezählt, als er davon sprach, die Profiabteilung auszugliedern. Warum? Weil damals die Zeit schlichtweg noch nicht reif war und über das Beispiel Abramowitsch/Chelsea schnell Ängste geschürt werden konnten. Es fehlte damals an Aufklärung. Es fehlte an einer Verdeutlichung der Folgen und Auswirkungen einer Ausgliederung, wie sie passenderweise die immer wieder als Vorbild für den aktuellen Umbruch genannte Borussia Dortmund vollzogen hat. Dort ist die Profiabteilung eigenständig – ohne Scheich und mit unbeschadetem Erhalt der jahrelangen Klubtradition. Oder habt ihr mal irgendwann irgendwas gehört oder gelesen, dass dort die Fans demonstrieren? Nein, weil es funktioniert. Sehr gut sogar.

Das allein ist sicherlich kein Persilschein für Hamburg – aber zumindest ein positives Beispiel. Und so wenig die Zeit unter Hoffmann reif war, so ist sie es jetzt. Wenn sich die Vereinsoberen die Mühe machen, ihre Mitglieder ausreichend über Kosten, Chancen und Risiken aufzuklären. Schade, dass die Zeit am Sonntag nicht dafür genutzt wird, sondern höchstwahrscheinlich dazu, den verantwortlichen ihre Fehler vorzuführen und die Kritisierten selbst vorzuführen. Denn egal wie verdient die Kritik an der HSV-Führung auch ist, nach vorn orientierte Lösungsansätze zu diskutieren würde diesem angeschlagenen HSV jetzt deutlich mehr helfen.

In diesem Sinne,
Scholle

P.S.: Interviews und weitere Meldungen findet Ihr wie immer auf unserer neuen Facebook-Seite www.facebook.com/groups/matzab. Unter anderem ist dort noch einmal die Rasant-Sendung vom Montag zum Thema Kreuzer zu sehen. Ebenso wie ein Interview mit Aufsichtsrat Ronny Wulff.

P.P.S.: Janek Sternberg verlässt den HSV – und wechselt zu Werder Bremen. Das allerdings nicht, ohne seinem Noch-Klub einen mitzugeben. Auf seiner facebookseite schreibt er:

Hey Leute,
gestern war mein letztes Training für den HSV.
Nach 6 wundervollen Jahren ist es nun Zeit für einen Tapetenwechsel. Es fällt mir schwer, denn mein Herz hat schon als kleiner Junge nur für den HSV geschlagen.
Ich finde es schade, dass Spieler aus dem eigenen Nachwuchs beim HSV nur „sehr selten“ eine Chance bekommen sich zu beweisen. Ein Geheimnis ist das ja nicht

Ich hoffe ihr unterstützt mich auch in Zukunft weiterhin. Egal wo es hingeht.
Aber ich bin mir sicher, ich kann mich da auf euch verlassen.
Ich danke euch!

Kreuzer verhandelt mit dem KSC – kriegt er sich frei für den HSV? **ERGÄNZT***

27. Mai 2013

***ERGÄNZUNG: Überraschung, Überraschung! Als Manfred Ertel um 21.25 Uhr aus der Aufsichtsratssitzung in der Imtech-Arena kam, lächelte er. Gute Miene zum bösen Spiel? Immerhin musste sich der AR-Vorsitzende intern eine Menge Kritik gefallen lassen. Zudem sprangen bereits zwei Kandidaten ab, der dritte – Oliver Kreuzer – muss derzeit seine Freigabe bei seinem eigenen Klub verhandeln. Wie da der Stand ist? “Wir sind auf einem sehr guten Weg”, lächelte Eertel die Frage weg. Obwohl KSC-Präsident Ingo Wellenreuther das Gegenteil behauptet? “Da müssen sie ihn fragen”, so Ertels Antwort, nachdem er noch mal betont hatte, wie harmonisch die Sitzung abgelaufen sei. Worte, die irgendwie nach Durchhalteparolen klangen. Wobei die nächste Aufsichtsratssitzung eh schon angesetzt ist: am Donnerstag treffen sich die Kontrolleure. Fortsetzung folgt. Auch morgen, am Tag sechs ohne Sportchef.*****

Es müsste heute eigentlich statt eines Blogs einen Liveticker geben. Zu minütlich sind Veränderungen. Dass ein Liveticker bei den wechselnden Meinungen der Aufsichtsräte generell besser wäre – okay. Die elf Herren haben halt jeder eine Meinung. Und sie lassen sich überzeugen… Aber im Ernst: Heute Abend soll die endgültige Entscheidung in der Causa Oliver Kreuzer fallen. „Die Koffer sind gepackt, da muss was passieren“, sagte der 47-Jährige der Agentur heute Mittag. Noch scheitert der Vollzug an einer Einigung zwischen dem Zweitliga-Klub und dem HSV. Zumal der HSV dem KSC mit 100000 Euro wohl ein erstes „Ungebot“ gemacht. Am liebsten würde der HSV gar nichts bezahlen – was das Angebot deutlich macht. Und das Angebot sorgt für Ärger. „Der Wechsel kommt zur absoluten Unzeit“, sagte der im Türkei-Urlaub weilende aber offensichtlich mächtig angesäuerte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther, der sich respektlos behandelt fühlt, dem Sport-Informationsdienst „SID“: „Für das Risiko, das uns entsteht, müssen wir eine Entschädigung bekommen. Der HSV zahlt Millionengehälter und wir erwarten, dass wir auch das Branchenübliche bekommen.“ Das soll bei rund einer Million Euro liegen. Ein Betrag, der den Deal scheitern lassen würde. Auch deshalb gibt Kreuzer noch mal mächtig Gas.

Pikant: Kreuzer verhandelt selbst über seinen Ausstieg mit den KSC-Verantwortlichen. Er hat vom HSV somit seine Gesellenprüfung gleich mit auf den Weg bekommen…

Beim HSV soll Kreuzer im Erfolgsfall neben 400000 Euro Jahresgage einen Vertrag bis 2016 erhalten. Und er scheint mächtig heiß darauf zu sein: „Das ist Bundesliga-Tradition pur. Bayern, Dortmund, Schalke und der HSV zählen zu den richtig großen Klubs. Der Verein muss zwar sparen, aber dieses Programm wollen wir auf hohem Niveau vollziehen.“

Klingt gut. Wie so oft. Aber wird es das auch?

Zumindest sind die Aufsichtsräte inzwischen größtenteils überzeugt von der Lösung. Selbst die, die am Anfang komplett dagegen waren, haben sich von Kreuzer oder vom Gesamtkonzept überzeugen lassen. Dass dabei der Rotstift eine wesentliche Rolle spielt wird nicht geleugnet. Kreuzer wäre bei rund 400000 Euro Jahresgehalt die finanziell günstigste Lösung – Schmadtke hätte rund eine Million Euro gefordert. Und das ist ein Umstand, der mich zunächst böse zusammenzucken lässt. Denn: es darf auf vielen Positionen gespart werden, nur nicht an der strategisch wichtigsten. Und das ist der Sportchef. Sollte allein das Geld am Ende den Ausschlag für Kreuzer gemacht haben, wäre das fatal. Immerhin ist es der Sportchef, der sportlich entscheidet – und damit auch wesentlichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Zustand nimmt. Noch wichtiger aber ist: der neue Sportchef soll den Nachwuchsbereich formen, ihn zu einer Top-Adresse umbauen, um so günstig Talente aus den eigenen reihen nach oben zu führen. Ob es bei diesen Aufgaben auf ein paar Euro ankommt – eher nicht. Da geht es nur darum, den Besten zu finden.

Aber okay, vielleicht sind alle auch so von Kreuzer überzeugt, dass es für sie nicht mehr nur die günstigste, sondern auch wirklich beste Lösung ist. Zumindest sollte es so sein.

Aber es gibt auch Argumente für Kreuzer: Er und Fink sind alte Bekannte. Fink hatte den Aufsichtsräten auf deren Nachfrage sogar eine Empfehlung pro Kreuzer ausgesprochen. Das ist ja auch mal was. Die beiden werden sich bestens verstehen und 24 Stunden für den HSV ackern, um gemeinsam etwas zu erreichen. So heißt es seither aus dem Aufsichtsrat. „Die befruchten sich gegenseitig“, dann die Erklärung eines Kontrolleurs. Wobei m ich eines stutzig macht: Es sind auch noch einige Kontrolleure im Amt, die Kreuzer im Jahr 2009 mit Pauken und Trompeten hatten durchfallen lassen. Als „Nummer fünf, obwohl wir nur vier Kandidaten hatten“ galt Kreuzer damals im internen Ranking. Sagt zumindest ein Rat a.D. über Kreuzer. Trotzdem wurde Kreuzer heuer wieder eingeladen und ist jetzt sogar der Topkandidat.

Aber egal. Wie Kreuzer letztlich nach Hamburg kommt, wer ihn geholt hat und was er früher mal gemacht hat – Kreuzer hat eine faire Chance verdient. Oder hätte? Stand 18.15 Uhr noch „hätte“. Denn sicher ist – das mahnt uns das Beispiel Sammer – im Fußball mal rein gar nichts, bis nicht der letzte Vertrag unterschrieben ist. Wobei, apropos Sammer: Wieso bekommen eigentlich alle anderen Klubs irgendwelche Leute vom DFB frei, nur dem HSV wird das verweigert? Heute ist es Dutt, der gen Werder Bremen ziehen darf. Irgendwie mutet das alles schon ein wenig seltsam an… Aber okay, das soll jetzt nicht das Thema sein. Vielmehr ist das der HSV.

Und dem soll ein ebenso lustiges Angebot unterbreitet worden sein, wie er es dem KSC mit 100000 Euro gemacht hat: Hakan Calhanoglu soll im Gegenzug für eine Kreuzer-Freigabe gen Hamburg noch ein Jahr beim KSC bleiben. Und das bringt mich fast zum Lachen. Denn wenn der HSV bisher einen Spieler verpflichten konnte, der ein wenig Hoffnung macht, dann war es sicherlich Calhanoglu? Ein solcher Deal wäre demnach lachhaft. Zumal sich die Herren Aufsichtsräte bei der Verpflichtung Kreuzers Einsparungen erhoffen, um die Mannschaft sportlich verbessern zu können – nicht, um sie zu verschlechtern.

Heute Abend sind Dieter und ich bei Rasant (20.15 Uhr, Hamburg1) zu Gast. Mit dabei sind Lotto King Karl und Aufsichtsrat Ronny Wulff. Der Ex-Präsident kann dort erscheinen, obgleich der Aufsichtsrat seit 18 Uhr mit seinen Kontrolleurskollegen tagt. Wie das geht? Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Aber ich werde es ihn fragen. Manfred Ertel jedenfalls, seines Zeichens Chef des Aufsichtsrates, war verwundert, als der HH1-Kollege Tim Niemeyer ihn anrief und erzählte, Wulff käme. Ertel auf die Frage, ob er selbst in die Sendung kommen könne und wolle: „Nein. Es gibt nichts zu sagen.“ Zu dem Zeitpunkt sicherlich richtig. Sollte am heutigen Montagabend noch kein Ergebnis zustande kommen oder Kreuzers Verpflichtung gar platzen – der nicht nur durch die Hoeneß-JVA-Geschichte in der Kritik geratene Ertel hätte intern wie öffentlich mehr zu erklären, als ihm lieb ist.

Und wisst Ihr was? Wisst Ihr, warum ich hier alle Informationen mit Konjunktiven versehe? Ganz einfach: Nach einem (eigentlich freien) Wochenende mit unglaublich vielen SMSen und skurrilen Anrufen von wichtigen Menschen in der Causa „HSV sucht seinen neuen Sportchef“ kann ich mit Sicherheit sagen, dass nichts sicher ist. Ich habe so viele „totsichere Infos“ bekommen, dass ne ganze Menge Leute das eigentlich nicht überlebt haben dürften…

Und das mit den unsicheren Infos geht auf höchster Ebene weiter. Jetzt meldet sich Jörg Schmadtke zu Wort und behauptet, dem HSV abgesagt zu haben, bevor er von Ertel darüber informiert worden sei, dass Kreuzer erste Wahl ist. Als ob das wichtig ist. Selbst ob das stimmt oder nicht – es ist mir auch herzlich egal. Am Ende steht das Ergebnis, nur das zählt. Wer wird Sportchef und wie arbeitet er. Punkt. Mehr zählt nicht.

Zumindest nicht für mich. Da können mir noch so viele Fachleute erzählen, wie ungeeignet der ehemalige Bayern-Profi sei – wenn er in Hamburg gut arbeitet, ist für mich alles okay. Dann ist er gut. Ich gehe auch nicht über die Brücke, ihn zu verurteilen, nur weil diese Aufsichtsräte ihn wollen. Oder, weil er günstig ist. Denn das Einzige, worauf ich mich verlassen kann, ist die Deutbarkeit des Ergebnisses. Der Weg dahin ist bespickt mit Interessen, überdimensionalen Egos und – noch größeren Egos. Da spielt der Aufsichtsrat mit seinen elf Köpfen sicherlich die Hauptrolle. Und da wird nicht viel gesagt, ohne dass es irgendeinen Zweck erfüllt. Soll heißen: Die Wahrheit spielt in der ganzen Geschichte, auf dem ganzen Weg zum Ergebnis eine mal wieder untergeordnete Rolle. Aber das wiederum ist im Profigeschäft völlig normal. Das ist nicht nur beim HSV so.

Deshalb noch mal zusammengefasst: Schmadtke will dem HSV schon vor Ertels Ansage, Kreuzer sei die Nummer eins, bereits abgesagt haben. Warum ich das erwähne? Weil durch diese Schmadtke-Aussage ein Anruf des ARs für den Fall einer Kreuzer-Absage ausgeschlossen ist. Ertel will nichts sagen, auch nicht zu den 100000 Euro Ablöseangebot an den KSC. Der KSC will weiterhin mehr Geld. Verhandeln tut Kreuzer selbst. Das Ergebnis wird für Montagabend erwartet. Alternativpläne liegen in der Schublade. Allerdings glaube ich, dass fast jeder Aufsichtsrat da seinen eigenen Alternativkandidaten hat. Zumindest reicht die Bandbreite genannter Namen hier bei von Beiersdorfer über Magath und Hochstätter bis hin zu Stefan Reuter.

In diesem Sinne, wundert Euch nicht, wenn zwischen 20 Uhr und21.15 Uhr hier nichts Neues reingestellt wird. Ich gehe trotzdem fest davon aus, dass ich diesen Blog heute nach der Sendung noch mal ergänzen werde. So oder so. Daher: Euch einen schönen Abend und bis später. Bei HH1 oder eben noch einmal hier im Blog!

Scholle

Die Noten für die Klubführung

26. Dezember 2012

Das Weihnachtsfest 2012 ist in wenigen Stunden Geschichte, die Herren, über die nun zu lesen sein wird, sind ebenfalls Geschichte – oder sie werden es in nächster Zeit. Es geht um die Hinrunden-Bilanz, und da sind diesmal nicht die Jungs in den kurzen und roten Hosen dran, sondern jene Herren, die die Zügel in der Hand haben. Die fast frühlingshaften Temperaturen haben für eine gewisse Milde im Land gesorgt, vielleicht auch im Blog – bei mir ohnehin, denn ich werde, wenn es um die Belange des Vorstands geht, kein Wort mehr über die Vereinsführung von Februar 2003 bis ins Jahr 2011 verlieren. Das wird wahrscheinlich die meisten erfreuen, vielleicht aber wird der eine oder andere User enttäuscht abwinken, was ich über die jetzige Vereinsführung denke – und schreibe. Ich kann aber versichern, dass das, was nun folgt, meine Gedanken zu 100 Prozent sind, und dass das nichts mit dem Frühling und dessen Milde Ende Dezember 2012 zu tun hat.

Vorausschicken möchte ich schnell noch, dass ich seit der Ära von Dr. Wolfgang Klein, der HSV-Präsident von Dezember 1979 bis November 18987 war, über den Klub berichte (und schreibe). Klein ging in die Geschichte des HSV als erfolgreichster Klub-Boss ein, unter seiner Führung wurden schließlich nicht nur Meisterschaften geholt, sondern auch der Europapokal der Landesmeister gewonnen. Das ist zu 100 Prozent gut, keine Frage. Aber, und nun kommt das aber, in dieser Zeit, vor allen Dingen aus dieser Zeit konnte der HSV keinerlei Nutzen ziehen. Im Gegenteil, der HSV war erfolgreich, verkaufte aber mit diversen Häusern fast sein ganzes Klub-Vermögen. Horst Hrubesch hat es hier vor ein paar Tagen gesagt: „Während beim FC Bayern die Erfolge und das dadurch eingespielte Geld in die Mannschaft investiert wurde, profitierte beim HSV der Gesamtverein vom Geld der Europapokalsieger.“ Und weg waren die Dollars . . . Es gab also schon immer (oder schon früher) arge Finanzprobleme, das ist in diesen Zeiten nichts Neues.

Nach Wolfgang Klein waren Ernst Naumann, Horst Becker, Jürgen Hunke, Ronald Wulff, Uwe Seeler, Werner Hackmann (kommissarisch), Rolf Mares, Werner Hackmann und nochmals Ronald Wulff (kommissarisch) bis 2003 an der Spitze des Vereins. Ich schreibe das deswegen, weil ich somit etliche Präsidenten erlebt habe, mir also ein Bild machen kann, von dem, was damals so gelaufen ist – und was heute läuft.

Dass Carl-Edgar Jarchow vor eineinhalb Jahren ein schweres Amt übernommen hat, ist kein Geheimnis, dürfte jedem bekannt sein. Ich habe sie noch im Ohr, die Stimmen von jenen HSVern, die für dieses Amt infrage gekommen wären, die aber – schon bevor sie gefragt wurden – entsetzt das Weite gesucht haben, indem sie sagten: „Ohne mich, diese finanziellen Aufbauten des Klubs durchschaue ich nicht, wird niemand mehr durchschauen – das soll ein anderer machen . . .“ Jarchow wurde es, und ich habe nicht gedacht, dass er bis heute noch im Amt sein würde. Eher hatte ich befürchtet, dass er schon nach wenigen Monaten den Bettel hinwirft und ebenfalls das Weite suchen würde. Denkste. Der Mann hält durch. Tapfer, tapfer – ich sage: bewundernswert.

Wobei ich sehr wohl weiß, dass Carl Jarchow nicht jedermanns „Geschmack“ ist. In letzter Zeit aber, vornehmlich in den letzten Monaten, begegne ich immer mehr Leuten, die einst ganz anders über den heutigen HSV-Vorstandsvorsitzenden gedacht haben, als heute. Zuletzt war das in diesem Dezember der Fall, als Jarchow eine Ehrenamts-Veranstaltung des Hamburger Fußball-Verbandes besuchte. HFV-Sprecher Carsten Byernetzki und ich sprachen in einer Talkrunde etwa 30 Minuten mit Jarchow – über den HSV. Und als der Boss gegangen war, kamen drei Ehrenamtler (unabhängig vorneinander) zu mir und sagten das, was ich zuvor schon einige Male auch von „Matz-abbern „gehört hatte: „Der ist ja ganz anders, als ich gedacht habe, der ist ja sympathisch und wirkt auch kompetent auf mich.“ Ein Mann war dabei, der sogar ans „Eingemachte“ ging: „Mein Sohn schreibt im Internet in einem HSV-Forum mit, den höre ich immer nur über Jarchow schimpfen und meckern. Ich werde ihm mal sagen, was ich nun denke – Jarchow ist ein guter Mann.“

Der in meinen Augen auch so langsam wieder Grund in den HSV bekommt. Auch wenn die Zahlen etwas anderes belegen (wollen). Natürlich hat der HSV in Jarchows Ära weit über seine Verhältnisse gelebt, natürlich stehen am Ende dieses Jahres tiefrote Zahlen zu Buche, werden sie auch 2013 noch so stehen – oder vielleicht auch noch schlechter, aber: Dieser Vorstand hat es im Griff, und dieser Vorstand musste so handeln, andernfalls wäre die Gefahr riesig gewesen, dass der HSV sehenden Auges in die Zweite Liga marschiert. Ich werde Jarchow und Co auf jeden Fall stets dankbar dafür sein, dass quasi in letzter Sekunde die Reißleine gezogen wurde. Der HSV, so hat es auch (noch einmal) Horst Hrubesch gesagt, wird „nicht in dieser Saison absteigen, und auch nicht in der nächsten“. Weil im Vorstand Mut bewiesen wurde. Das war kein Harakiri-Einsatz, sondern ein dickes Muss. Denn kein Mensch konnte doch vorhersehen, dass mit Fürth und Augsburg zwei Absteiger (fast) schon feststehen. Da unten hätte auch der HSV herumkrebsen können (nach der Vorgeschichte 2011/12), und deswegen mussten Millionen, die der Klub nicht hatte, locker gemacht werden.

Nebenbei soll der „Campus“ im Volkspark gebaut werden, es wird also – quasi nebenbei – auch an der Zukunft des HSV gearbeitet, sodass man sagen kann: es tut sich was. 2015 ist, bis auf Pille-Palle-Kosten, die Arena abbezahlt, es ist also Land in Sicht. Und ich würde mich freuen, wenn Carl-Edgar Jarchow dann noch immer an der Spitze des HSV stehen würde. Wenn ich ihn mit allen Präsidenten, die vorher in diesem Amt waren, vergleiche, dann würde Jarchow von mir eine Schulnote 2,5 erhalten. Er hat ganz sicher schon viel Gutes bewirkt, auch wenn das viele HSVer wahrscheinlich nicht sehen, nicht sehen wollen.

Gleiches kann und werde ich nur über Joachim Hilke, den „Mann an seiner Seite“ sagen. Erstens wird in diesem vierköpfigen Vorstand vertrauensvoll zusammen gearbeitet, es ziehen alle Männer an einem Strang, es gibt keinen Alleinherrscher, es gibt ein faires Miteinander – und daran hat auch Hilke einen ganz entscheidenden Anteil. Ich kann wirklich sagen, dass wenn ich mich mit „Alt-Internationalen“ des HSV unterhalte, dass von zehn Leuten neun voller Lob über diese Klubführung sind, und dass alle, tatsächlich alle auch von Hilke überzeugt und begeistert sind. Mal abgesehen von dieser unsäglichen „Viagogo“-Nummer, aber das wissen längst alle – auch Joachim Hilke, dass das eine große (einmalige) Fehlleistung war. Aber die Herren, das kann man daran sehen, versuchen eben alles, um an Gelder für den HSV zu kommen, dabei wird eben auch mal über das Ziel hinausgeschossen. Abgesehen davon, dass dieser Deal im Sommer 2013 erledigt sein wird (der oder die Prozesse, die noch folgend werden, vielleicht noch nicht ganz!), hat Joachim Hilke in Sachen Finanzen bislang (seit Frühling 2011) ganze Arbeit geleistet. Und wird es auch weiterhin tun. Der Mann weiß genau, was er tut – und er ist in diesen (Finanz- und Marketing-)Kreisen ein anerkannter Fachmann. Auch er erhält von mir die Note 2,5.

Der „dritte Mann“ in diesem Vorstand ist Oliver Scheel. Der Herr für die Fans, für die Mitglieder-Belange. Kein einfacher Job, muss ich gestehen, denn die Fans erwarten viel von ihm (Rückdeckung zum Beispiel), und der Vorstand erwartet, dass er die Fans „gut im Griff“ hat, was, wie wir alle wissen, eher eine fast unlösbare Aufgabe ist. Und ich denke mal, dass diesbezüglich noch einige Dinge zu besprechen sein werden, wenn ich so an die Vorfälle in Sachen Pyrotechnik (in Düsseldorf und auch in Leverkusen) denke. Ich wünschte mir gelegentlich ein entschiedenes Wort von Scheel, wenn es um solche lebensgefährlichen Sachen geht, aber ganz offenbar will er es sich mit niemandem verscherzen. Ich sehe ein, dass das in vielen Fällen auch ein Tanz auf der Rasierklinge für ihn ist, aber dennoch darf ein HSV-Vorstandsmitglied seiner Entrüstung über ausartende Fan-Aktivitäten doch lautstärkeren Ausdruck verleihen, als das in den zurückliegenden Monaten der Fall gewesen ist. Irgendwann sollte dann auch mal Schluss mit lustig sein, so schwer es (Oliver Scheel) auch fällt. Deswegen gibt es auch nur die Note vier.

Und wer nun entsetzt war, dass ich den „Zweiten Mann“ bislang nicht erwähnt habe, dem muss ich sagen, dass ich das mit Bedacht gemacht habe. Weil Sportchef Frank Arnesen doch – auch wenn er der Zweite Vorsitzendes des HSV“ ist, irgendwie ein „Einzelkämpfer“ ist. Der Däne ist für den An – und Verkauf im Klub zuständig, und das macht er fast im Alleingang, eher aber noch mit Trainer Thorsten Fink zusammen, als mit den Vorstandskollegen. Obwohl ich sehr wohl weiß, dass auch Jarchow und Hilke an „gewissen“ Verpflichtungen „mitgewirkt“ haben. Trotz allem steht Arnesen für die sportliche und personelle Seite der Klubführung, und da der ehemalige dänische Nationalspieler im Sommer verschiedentlich und teilweise auch recht rustikal „angeschossen“ worden war (auch von den Medien, keine Frage, aber nicht nur von ihnen!), muss man nun, nach einem halben Jahr, feststellen, dass Arnesen nicht schlecht gearbeitet hat.

Die meisten Einkäufe tragen das Prädikat „gut“, der Alleingang von Arnesen, der unter dem Namen „Adler“ läuft, wird sogar „Weltklasse“ genannt. Und da mit dem Karlsruher Hakan Calhanoglu bereits der nächste „Hammer“ feststeht, ist vieles von dem, was Frank Arnesen zu erledigen hatte, aufgegangen. Trotz aller Kommentatoren-Tätigkeit während der EM 2012, trotz der Tatsache, dass er nicht jeden Spieler, der zum HSV kommen sollte (weil Thorsten Fink ihn haben wollte), gekommen ist. Schlechter bewertet werden muss an der Tätigkeit von Arnesen, dass er den HSV mit einem viel zu großen Kader in die Saison starten ließ. Das kostet! Jetzt wird sich zeigen, ob der Däne auch das Handwerk des Verlaufens versteht, denn der HSV-Kader muss dringend, händeringend abgespeckt werden, um an den Finanzen positiv zu arbeiten. Ich bin noch ein wenig skeptisch, ob es Frank Arnesen zufriedenstellend gelingen wird, die HSV-Spieler, die „über“ sind, auch tatsächlich an einen anderen Verein bringen kann und wird. Deswegen auch erst einmal nur eine vorsichtige Note 3,5.

Letzter in diesem Bunde ist der Trainer. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass Thorsten Fink sich damit schwertut, in Hamburg anzukommen. Diese Skepsis zog sich bis in diese Saison hin. Nach dem verkorksten Start allerdings, als es dann bergauf ging, da war für mich der Fink „voll“ da. Ich habe zuvor immer auch zu mir gesagt: „Okay, der Mann kommt vom großen FC Bayern, der ist ganz anderes gewöhnt, der schwebt immer noch in viel, viel höheren Sphären – und kann sich mit den Hamburger Verhältnissen immer noch nicht so recht anfreunden.“ Vielleicht hat dieser Umstellungsprozess ein wenig länger gedauert, als es der Coach wollte – vielleicht. Zumal die Bundesliga ja für ihn als Trainer ebenfalls Neuland war. Ich habe jetzt aber das Gefühl, dass Thorsten Fink Hamburger geworden ist, und dass er mit diesem HSV (seinem HSV?) noch einige wird bewegen können. Er war als Spieler, bereits in Wattenscheid, immer einer, der die Ärmel hochgekrempelt und zur Sache gegangen ist, das wird er nun auch hier im Volkspark zeigen.

Wenn man ihn denn machen lässt. Da aber der Klub in den nächsten Jahren absolut auf Kontinuität setzen will und wird (der „Fall Oenning“ schmerzt den Oberen immer noch sehr, das weiß ich!), dürfte sich an der Position des Trainers auf absehbarer Zeit nichts ändern – nicht einen Millimeter. Und das ist gut zu wissen, wir alle! Nicht nur für die Spieler, aber auch. Es sei denn, Fink begeht noch einige Fehler jener Art, sich über die zu lange Bahnfahrt in den Westen zu beschweren. Das, und das kann ich aus erster Hand sagen, das gefiel der Klubführung nicht wirklich gut, und ich kann nur hoffen, dass das auch der Coach inzwischen weiß.

Was ich Fink als Medienmann noch hoch anrechnen muss: Trotz aller schlechten Zeiten, die es während der Fast-Abstiegssaison durchaus gab (und nicht nur da!), ist der Trainer nicht ausgeflippt, nie laut geworden, hat sich nie lautstark (über eine eventuell zu harte Kritik) beschwert. Kompliment, Her Fink, das als ehemaliger Star des FC Bayern – das ist klasse. Und souverän. Das haben wir in Hamburg auch schon ganz anders erlebt, ich könnte da aus der Schule plaudern . . . In diesem Punkt darf Thorsten Fink durchaus so weitermachen, er bekommt von mir das Zwischen-Zeugnis 3,5.

Schnell noch ein kurzer Schwenk zum immer noch viel zu großen Aufsichtsrat. Es gab, das ist schon Tradition, so manche Turbulenzen, vor allen Dingen um den Rücktritt von Ernst-Otto Rieckhoff, doch auch das hat der Klub verdrängt und überstanden. Die große Bewährungsprobe wird im nächsten Jahr kommen, wenn dieser Rat eine neue Zusammensetzung erhält – eine Ansammlung von Fans. Ich denke, dass es dann ganz leicht wieder zu mehr Turbulenzen kommen wird, kommen könnte. Die Zeiten, als ein Udo Bandow den ganz Laden bestens im Griff hatte, sind vorbei, aber sie könnten dann – trotz des gelegentlichen Ärgers im Verrat – zum Vorbild genommen werden, wie man es dann doch besser machen sollte. Ich bin gespannt. Sehr gespannt sogar. Und gebe diesem HSV-Aufsichtsrat, bei dem ich den Verlust von Alexander Otto, sehr, sehr bedauere, die Note (gerade noch) vier.

Insgesamt, so denke ich, befindet sich der HSV aber doch wieder auf einem guten Weg der Besserung. Diese Prognose wage ich einmal. Und ich kann alle Skeptiker beruhigen, ob Joachim Hilke und Carl-Edgar Jarchow wirklich die richtigen Männer an der Spitze sind: Beide Herren waren in diesem Herbst zu Gast bei „Matz ab live“, und wer sie (einer sah die Düsseldorf-Pleite, der andere das Leverkusen-Debakel) dabei „abgehen“ sah, wie sie mitfieberten, wie sie gestikulierten, wie sie schrien, wie sie voller Entsetzen aufsprangen und ihre Hände vor das Gesicht schlugen, der weiß, dass da nicht irgendwelche „coole Geschäftsmänner“ (oder Politiker – wie Jarchow), die dem Klub rein zufällig über den Weg gelaufen sind, am Werke sind, sondern HSVer durch und durch. „Wir sind eben auch nur und in erster Linie HSV-Fans“, sagte Carl-Edgar Jarchow im Schnelsener „Champs“ (unserem Übertragungs-Restaurant) zu mir, als ich ihm erstaunt sagte, dass ich ein solches Mitgehen weder von ihm noch von Hilke erwartet hätte.

„Wir sind eben auch nur und in erster Linie HSV-Fans.“ Welch ein schöner Abschluss dieser Bilanz.

So, nun bin ich für den “Zweeiten” durch, ich möchte aber nicht vergessen, für die immer noch so zahlreich kommenden Weihnachtswünsche an Frau M. und mich zu bedanken. Ihr seid schon klasse. Extraklasse!
Ein kleines Gedicht aus dieser Reihe habe ich schnell noch, auch dafür ganz herzlichen Dank (heute angekommen):

Lieber guter “Matze-Mann”

Du schreibst hier an den Weihnachtsmann
er möge den HSV beglücken
und wieder an die Spitze rücken
er soll besorgen die Millionen
die sich dann wohl doch nicht lohnen….
in Säcken soll die Kohle liegen
denn die Profis möchten fliegen
denn das ist ein Hochgenuss
statt eine Fahrt mal mit dem Bus
Wie gerne denke ich an Zeiten
als die Spieler konnten Freude bereiten
da waren die Fans euphorisiert
weil auf dem Rasen was passiert
heute muss es ein goldener Teppich sein
und die Spieler treten doch drauf ein

Ach, so früher am Rothenbaum
das war schön anzuschauen
die Spieler kamen in bescheidenen Wagen
über Nichtigkeiten gab es keine Klagen
Im Volkspark gab es zumindest Fussball pur
heute höre ich über Geld und Skandale nur
Während heute schon die Pässe “kranken”
gab` s für Uwe von Charly präzise Flanken
Keegan dieser Wirbelwind
war der Liebling ganz geschwind
dann allmählich krankte es immer mehr
viele Trainer mussgen her
doch statt Europa und Pokal
spielte man Durchschnitt und banal
So mancher kam betrogen sich vor
wechselte beispielsweise ans Millerntor….

Während heute viele in Erinnerungen träumen
und vor Wut oft überschäumen
nimmt Gewalt und Überfluss seinen Lauf
keine Fairness, man haut nur auf die Gegner drauf
Ach Dieter, und Du lieber Weihnachtsmann
wie man das nur aushalten kann
Vielleicht hat der Weihnachtsmann statt Geld
Ideen, zur Hilfe dieser Fussball-Welt
z.B. mal im Umland schauen
und mehr auf Talente bauen
Gehälter nach oben begrenzen lassen
die Stars könnten`s wohl kaum fassen.

Kurzum, glauben wir wieder an das Gute
der Weihnachtsmann lässt stecken seine Rute
Wir sind mit Mittelmass nur dann zufrieden
wenn Fans sich nicht mehr so “bekriegen”
Fussball pur, Fairness ohne Ausschreitungen
keine Übertreibungen in den Zeitungen
Und für Dieter schöne HSV-Spoiele auf grünem Rasen
klappt es nicht, frag` nach Verstärkungen den Osterhasen….!

Ganz liebe Grüße aus Hasloh! Dein “Backhus”-Kollege Jörn K.

17.19 Uhr

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