Archiv für das Tag 'Wolf'

Aufgegeben haben sie alle noch nicht . . .

7. Mai 2013

Um es gleich einmal auf das Trapez zu bringen: „Pipo“ ist noch nicht fit, wird also am Sonnabend gegen Hoffenheim nicht spielen können, noch nicht spielen können. Der „neue Mann“ des HSV, ein langmähniger Weltstar, der einem Juan Pablo Sorin wie ein Bruder ähnelt, hat beide Beine weiter im Gips und dürfte erst zur nächsten Spielzeit in den Kampf um einen Stammplatz eingreifen können. Wenn überhaupt. Vielleicht greift er ja auch gar nicht ein. Letzteres ist eigentlich auch viel wahrscheinlicher, obwohl „Pipo“ jetzt gerade von Trainer Thorsten Fink und Medien-Direktor Jörn Wolf vorgestellt worden ist. Allerdings, und das macht die Sache dann doch auch ein wenig schwieriger, nur in der neuen „Olli-Dittrich-Sendung“ „Frühstücksfernsehen“. Ein Jux. Mehr nicht. Aber ein toller. Und wenn dieser „Pipo“ real wäre, dann wäre er auf jeden Fall ein Gewinn für den HSV – denn „Pipo“ sieht gefährlich aus. Der könnte es, so er dann von der Leine gelassen werden würde. Aber gut, er wird wohl nie kommen, und das nicht nur wegen seiner Gips-Beine. . .

„Der „Pipo“ wäre in der Tat eine riesige Verstärkung für Sonnabend. Schade dass er noch ein wenig gehandicapt ist – der Gips . . .“, sagt Fink und fügt hinzu: „Das war eine schöne Sache, mal mit Olli Dittrich zu drehen, es hat viel Spaß gebracht. Stimmt. Herrlich war es.
Nun aber zum wirklich wahren Fußball – zum HSV. Letztes Auswärtsspiel vor Grenze an diesem Wochenende, und gewiss kein so leichtes, denn die Hoffenheimer müssen noch arg strampeln, damit sie die Erste Liga nicht verlassen müssen. Es wird für den HSV also noch einmal richtig hart werden, da geht es schon noch einmal auf die Socken. Und wer weiß, vielleicht sehen wir sie ja doch noch, die Pferde, die vor der Apotheke k . . . Fink prophezeit für Sonnabend: „Die werden um ihr Leben fighten, das wissen wir, da muss man dagegenhalten, und dann haben wir am Ende vielleicht die Chance, das Spiel zu gewinnen.“ Um eventuell doch noch in diesem Jahr international starten zu können . . .

Thorsten Fink jedenfalls hat noch nicht aufgegeben. Darf er ja schon von Berufs wegen nicht. Er sagt: „Es können uns ja alle aufgeben, aber an den letzten beiden Spieltagen ist schon oft schon etwas Verrücktes passiert . . . Wir schauen ganz einfach mal. Und dann sehen wir, wohin es geht, ob da noch etwas für uns geht. Wichtig ist nur, dass wir unsere Spiele gewinnen. Wenn noch eine Chance da ist, dann sollten wir die auf jeden Fall versuchen zu nutzen. Dass die Chance für uns jetzt sehr klein geworden ist, das ist natürlich klar, wir wissen, dass wir auch von Ergebnissen der anderen Clubs abhängig sind.“

Ganz aufgegeben hat nicht nur der Trainer noch nicht, so voll und ganz aufgegeben haben sie den Traum von Europa ja alle noch nicht beim HSV. Offiziell jedenfalls. Wer weiß schon, wie es innen bei den Spielern und den Verantwortlichen aussieht? Rafael van der Vaart sagt über die E-Chancen des HSV: „Es ist natürlich schwer, aber wenn es noch eine kleine Chance gibt, dann muss man dafür alles geben.“ Dann zieht der Niederländer schon mal ein kleines Vorab-Resümee: „Man darf, das habe ich immer gesagt, nicht vergessen, woher wir gekommen sind – wir waren ein Abstiegskandidat. Und dann sind wir nach oben gekommen, im Moment sind wir auf Platz sieben, damit wären wir vorher zufrieden gewesen. Im Moment aber sind wir enttäuscht, dass wir die Chance Europa League nicht, noch nicht genutzt haben, aber vielleicht wird das ja doch noch was . . . Und wenn wir es dann doch noch schaffen sollten, dann wäre es auf jeden Fall eine Super-Leistung von jedem.“

Für Thorsten Fink stehen die beiden noch zu spielenden Bundesliga-Partien im Moment noch eindeutig im Vordergrund, sodass er sich nicht so gerne mit der neuen Saison beschäftigen möchte. Ein Schlussstrich soll beim HSV erst nach dem Leverkusen-Spiel gezogen werden. Bis dahin halten sich Trainer, Sportchef Frank Arnesen und der Vorstand um Carl-Edgar Jarchow noch vornehm zurück. Immerhin verriet aber Fink schon mal (heute), wie und wo er sich Verstärkungen vorstellt: „In allen Mannschaftsteilen brauchen wir Verstärkungen, Abwehr, Mittelfeld und Angriff. Das ist nicht viel. Wobei wir ja für das Mittelfeld schon etwas getan haben, indem wir zwei junge Leute verpflichtet haben.“ Über Bojan Krkic, der nun überall gehandelt wird (als HSV-Neuzugang), wollte der Coach nichts sagen: „Ich habe mir im Moment keine Gedanken über diesen Spieler gemacht. Ich möchte diese Saison erst abschließen, bevor ich mich über Spieler unterhalten werde, die eventuell überhaupt was weiß ich ein Thema sein könnten.“ Oha, das war schwer, da noch gerade und soeben die Kurve zu bekommen – aber geschafft. Irgendwie kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass da in der Sache mit Krkic doch etwas dran ist – für den HSV.

Abwarten. Mehr bleibt im Moment ja nicht. Am heutigen Training hat wieder Marcell Jansen teilgenommen, und zwar so wie immer – er war gut. Dennis Aogo hat wegen seiner Kapselverletzung noch gefehlt, ebenso Michael Mancienne, der wohl in dieser Saison keinen Einsatz mehr haben wird.

Nach dem offiziellen Vormittags-Training fand heute noch eine ganz besondere Veranstaltung statt:

Auf dem Kunstrasenplatz an der Imtech Arena trainierte an diesem Dienstag nach den Profis des Hamburger Sport-Vereins eine Straßenfußballmannschaft im Rahmen der Initiative Anstoß! e.V., die vom Hamburger Weg und seinem Unternehmenspartner Care-Energy unterstützt wird. HSV-Kapitän Rafael van der Vaart gab nicht nur Tipps für ein erfolgreiches Fußballspiel, sondern überreichte den Straßenfußballern darüber hinaus zusammen mit Martin Richard Kristek, CEO der mk-group Holding GmbH „Care-Energy”, einen Satz Trikots für die Deutschen Meisterschaften am 7. und 8. Juni in Lübeck. Hier haben einzelne Spieler aus dem Team die Möglichkeit, sich für die Weltmeisterschaften des Homeless World Cup in Polen zu qualifizieren.

Kristek: „Es freut mich persönlich sehr, mit unserem sozialen Engagement, für das das Haus Care-Energy bekannt ist, Menschen helfen zu können. Dies zeigt einmal mehr, dass es unsere Verpflichtung als Energieversorger ist, sozialverantwortlich zu agieren.”

Anstoß! e.V. ist ein im Jahr 2007 gegründeter Verein, der über den Sport soziale Integration geltend machen möchte. Zielgruppe der Aktivitäten, zu der auch der Straßenfußball für Obdachlose zählt, sind arme und sozial ausgegrenzte Menschen.

„Sport verbindet und bietet gerade jungen Menschen die Möglichkeit, ihre Energien positiv umzusetzen und einen respektvollen Umgang miteinander zu lernen. Ich finde es toll, dass über den Fußball unterschiedlichste Menschen zusammen finden und drücke ‚meinem’ Team in Lübeck ganz fest die Daumen. Denn bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein ist das Beste, was einem als Fußballer passieren kann”, so Rafael van der Vaart.

So, ich komme zum Schluss. Bevor ich mich jedoch verabschiede, muss ich noch einmal ein herzliches Dankeschön loswerden. Jetzt, wo die Saison dem Ende zugeht, nehmen die Mails, sms, Anrufe und Leserbriefe an mich persönlich und privat noch einmal zu. Danke. Aus gegebenem Anlass muss ich aber noch einmal sagen, dass es mir unmöglich, allen Menschen, die mir schreiben, zu antworten. Dann müsste mein Tag 43 Stunden haben – und mehr. Von Zeit zu Zeit veröffentliche ich hier stets mal einen Brief, und das möchte ich auch heute machen. Der Absender, der mir namentlich natürlich nicht bekannt ist (das ist meistens so!), geht sehr kritisch mit mir um, aber da nicht gepöbelt oder unterhalb der Gürtellinie operiert wird, kann ich damit leben. Der Manns schreibt:

„Hallo Dieter,

einen schönen Blog haben Sie, ist es Ihre private persönliche Meinung die Sie äußern oder die des Hamburger-Abendblattes? Ich lese gerne Ihre Kommentare und Neuigkeiten über den HSV, doch in letzter Zeit gehe ich mit Ihnen nicht mehr konform!

Zu meiner Person: ich bin 45 Jahre alt, komme aus der Nähe von Wentorf und bin seit meiner Kindheit HSV-Fan! Behaupte ich kenne mich aus, jedoch fehlen mir die Internas ;) )!

Nun, Ihre Meinung (vor allem nach dem Wolfsburgspiel) ist, diese Saison war enttäuschend! Der HSV hätte die Europaleague erreichen müssen! Das heißt für mich, Ihre Erwartungshaltung ist zu groß, – ist es Ihre persönliche? Ich persönlich bin der Meinung es geht aufwärts!

Zu Beginn der Saison 2012/13 schreiben Sie und sind der Meinung, dass der HSV absteigt! Gar nicht einen einstelligen Platz erreichen würde, dann im Verlauf ändern Sie Ihre Meinung es wird ein einstelliger Platz, dann wiederum, sprechen Sie von Europa usw.! Sie als fast Insider finde ich es schade, dass Sie so negativ über den HSV in der letzten Zeit berichten! Es ist ein einstelliger Tabellenplatz ausgegeben worden! Den erreichen wir und ist die Saison deshalb schlecht? Es ist nur realistisch gewesen! Sicherlich wäre es schön, Europa zu erreichen!!! Aber ich könnte mir gut vorstellen, selbst das würde nicht reichen auch dann würde bzw. wird es heißen hier und da haben wir Punkte liegen gelassen und hätten in der Championsleague spielen können bzw. immerhin Europa, diese Saison war mehr drin!

Immer nur negativ! Warum?! Seit 2003 haben wir bis 2009 oder 2010 immer international gespielt! Nun erfolgte der Umbruch! Sie sagten selber, dem HSV Zeit geben! Geben Sie ihm Zeit? Es wird immer so weiter gehen! Die Erwartung stimmt in Hamburg nicht mehr! Aber warum? Wenn Sie mehr wollen, werden Sie doch Bayern-Fan!
Klar ist noch nicht alles super! Aber jetzt kann es schon für die neue Saison losgehen! Wissen Sie wie die internen Verträge aussehen? Warum sind beim HSV immer so viele verletzt? Lassen wir uns überraschen was die neue Saison bringt! Vielleicht das Ausscheiden in der 3. Runde des DFB-Pokals ;) )! Wieder negativ oder?!!

Nur der HSV 1887“

Dazu möchte ich sagen: Ich habe zuletzt auch immer wieder Meinungen gehört und gelesen, die genau gegenteiliger Meinung sind. Die User haben mir immer wieder unterstellt, dass ich zu lieb mit dem HSV umgehe, umgegangen bin. Ich enthalte mich da einer Beurteilung, weil ich längst schon durch meinen Job gelernt habe, dass ich es nicht allen Leuten recht machen kann. Dem „1887“ aber möchte ich nur mal einen Ausschnitt aus meinem Wolfsburg-Spielbericht zu lesen geben – ob das dann wirklich so negativ war, was ich da über den HSV geschrieben habe.

Dass der HSV in dieser Saison absteigt, habe ich bestimmt nie geschrieben, dass ich Angst vor einem Abstieg hatte, das sehr wohl, das gebe ich auch zu. Nur was war daran verwerflich? Nach der vorangegangenen Saison, in der der HSV dem „Tod“ (in der Bundesliga) noch gerade von der Schippe gesprungen ist?

Herr „1887“, lesen Sie doch bitte nur einen Ausschnitt nach dem Wolfsburg-Spiel, es stand da im ersten Absatz zu lesen:

„ . . . An einem Mittelfeldplatz würde aber dieser Dreier dann auch nichts mehr ändern. So geht eine gute Saison doch relativ unspektakulär zu Ende. Aber ich sage eines – und ich meine das so: Abstiegsgefahr bestand nach der Hinrunde nicht einmal mehr, und das bewerte ich als absolut positiv.“

PS: Morgen, am Mittwoch, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt. Am Donnerstag wird dann der freie Tag, den es in dieser Woche noch nicht gab, „nachgeholt“. Thorsten Fink: „Einige Trainer machen das so, dass sie den freien Tag in die Mitte der Woche legen, und ich habe jetzt am Ende der Saison das Gefühl, dass es der Mannschaft mal gut tun könnte, so zwei Tage vor dem Spiel mal einen Tag Pause zu haben. Der Hermann Gerland hat das früher immer so gemacht.“ Und wir werden es beobachten. Vielleicht tut es der Mannschaft ja tatsächlich mal gut, den Rhythmus zu wechseln.

PSPS: Auch an diesem Sonnabend sind wir wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung, wieder aus dem Block House in Eidelstedt, unser Gast wird dann der ehemalige Nationalspieler, HSV-Profi, HSV-Sportchef und langjähriger DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus sein. Wir freuen uns sehr auf diesen großartigen Interview-Partner.

18.03 Uhr

“Drobo ist eine coole Socke”

1. Mai 2013

Bevor ich diesmal zum HSV komme, muss ich eines auf jeden Fall schnell mal loswerden:
Herzlichen Glückwunsch Borussia Dortmund!
Ich freue mich für Klopp und Co, dass das Champions-League-Finale erreicht wurde, das ist eine bravouröse Leistung – und selbst die 0:2-Niederlage in Madrid und gegen das große Real war überragend gut.

Geärgert, aber dafür kann Borussia Dortmund nichts, habe ich mich allein über den Sky-Kommentator. So etwas kommt dabei heraus, wenn man einen Bayern-Fan ein Spiel Real gegen den BVB kommentieren lässt. Ich habe gegen Ende des Spiels den Ton abgeschaltet, denn ich konnte mir nicht mehr mit anhören, dass da Sätze wie diese fielen:

„Real Madrid spielt so schlecht, hat keinen Plan, hat auch nicht die Mittel, gegen Dortmund zu gewinnen . . .“

Und dazu gab es in jeder Minute dermaßen viel Mist zu hören, dass es das Maß des Unerträglichen bei weitem überstieg. Erstmals habe ich deshalb den Ton abgedreht. Dieser gute Mann muss sich, der da kommentierte, das habe ich lange Zeit so bei mir gedacht, maßlos geärgert haben, dass der „blasse“ BVB und nicht das „große“ Real das CL-Finale gegen seine Bayern spielen wird. Ein Bayern-Sieg in der Champions League gegen Real Madrid würde natürlich doppelt und dreifach zählen, als wenn das nur gegen das „kleine“ Dortmund geht. Bayern gegen den BVB im Champions-League-Finale ist wahrscheinlich so, wie einst im Tennis und im Endspiel von Wimbledon die Partie Boris Becker gegen Michael Stich. Und hat da nicht Stich gewonnen? Der Außenseiter? Vielleicht auch mal ein Hinweis, dass nicht immer die Favoriten gewinnen, da entscheidet gelegentlich auch die Tagesform.

Und abschließen zu Dortmund: Was Weidenfeller diesmal gehalten hat, war überirdisch, Hummels hat seine unterirdische Leistung aus dem Hinspiel mit einer Weltklasse-Vorstellung vergessen gemacht, Reus war im Dribbling wie von einem anderen Stern – und was Lewandowski gegen Ramos ertragen hat, habe ich noch nie erlebt. Mindestens sieben Box- oder Ellenbogenhiebe hat der Pole vom Spanier an den Kopf und damit ertragen müssen, der BVB-Torjäger hat es alles mit Fassung weggesteckt und ich frage mich: wie geht so etwas? Ich wäre dreimal ausgerastet, viermal explodiert und hätte das Spiel wahrscheinlich nicht bis zum Ende erlebt – aber Lewandowski blieb ruhig. Das ist bewundernswert hoch zehn. Kompliment.

Nun aber zum HSV, ich hoffe, ihr verzeiht mir diesen Abstecher zur Champions League. Übrigens, wo ich gerade noch dabei bin: Markus Lanz sprach nach dem Spiel mit Prominenz über das erste Halbfinale, und da sagte mein Kollege Jörg Dahlmann etwas, was ich jedem Fan empfehle, wenn er nicht s tolerant sein sollte: „Egal von welchem Club man auch Fan ist, steht ein Bundesliga-Vertreter in einem CL-Halbfinale, dann ist man doch Deutscher iúnd zittert mit dem deutschen Club mit, dann möchte man doch, dass der Bundesliga-Verein weiterkommt.“ Genau, mein Jörg, genau so ist es. In dieser Sendung saß ja auch „Dittsche“, nämlich Olli Dittrich, und der lobte explizit die Arbeit von Thorsten Fink. Ein Extra-Lob an den HSV-Trainer gab es auch von Dahlmann, das sei nicht verschwiegen: „Der HSV ist ganz mies in die Saison gestartet, da hatten doch viele die Befürchtung, dass der HSV diesmal absteigen wird, aber er hatte mit dem Abstieg nichts zu tun, steht im gesicherten Mittelfeld und kann von Europa träumen – das ist Finks Verdienst“

Und damit bin ich dann auch schon voll beim HSV. Heute Training am Vormittag, wunderbares, sommerliches Wetter, viele Fans – und gute Leistungen der Spieler. Obwohl ich davon gar nichts mehr schreiben möchte, denn wer erinnert sich noch an die vergangene („Vor-dem-Schalke-Spiel“-)Woche? Da hatte ich geschrieben, wie super die Mannschaft trainiert hat, wie toll diese ganze Woche gelaufen ist. Und dazu hatte ich mich aus dem Fenster gelehnt: „Der HSV wird auf Schalke auf jeden Fall nicht verlieren. . .“ Und dann dieses erneute Debakel. Deswegen will ich auch nicht mehr bewerten, wie und wie schlecht und wie gut der HSV trainiert hat – alles Makulatur. Die Herren Profis können sich beim Üben noch so sehr den Hintern aufreißen, im Spiel sind sie dann doch nur wieder lammfromm. Auch am Sonntag weder, wenn es gegen die unbequemen Wölfe aus Wolfsburg geht – ich könnte wetten.

Ja, ich gebe zu, der Hals ist vom Schalke-Spiel immer noch dick. Das dauert auch noch. Weil ich es immer noch nicht begreifen kann, wie eine so leblose Truppe eine so große Chance auf die CHAMPIONS LEAGUE einfach so kampflos vertut. Will mir nicht in den Kopf – immer noch nicht. Und im Training gehen sie dann wieder zur Sache . . . Das passt doch nicht.

Thorsten Fink hat sich da auch so seine Gedanken gemacht. Auch er hatte durchaus beobachtet, wie gut seine Mannen vor Schalke trainiert hatten. Heute hat der Coach gesagt: „Wichtig ist immer das Wochenende, das Spiel. Es gibt ja im Fußball die Aussage: ‚So wie man trainiert, so spielt man auch.’ Die stimmt aber nicht.“ Auch Fink ist immer noch verärgert ob dieser Minus-Leistung seines Teams: „Ich habe ja schon gesagt, es fehlt die Cleverness. Und dann hat der eine oder andere einfach nicht erkannt, welche Chance man da vor sich hat. Man kann ja verlieren, aber dabei muss es dann auch blaue Flecken geben . . .“ Der HSV-Trainer dann weiter: „Wenn man nun Real Madrid gesehen hat. Im Hinspiel in Dortmund waren die nicht gut, aber dann gehen die zum Rückspiel auf den Rasen und geben alles. Die haben doch 90 Minuten lang alles gegeben. Und genau das möchte ich von meiner Mannschaft auch sehen. So müssen wir auftreten.“ Um dann noch ergänzend zu sagen: „Okay, in Deutschland hätte es für einen solchen Auftritt wie den gestern von Real mindestens drei Rote Karten gegeben, aber so muss man auftreten, wenn man was erreichen will.“

Und der HSV kann, das ist ja das Schizophrene, ja immer noch etwas erreichen. Freunde, es geht um Europa. Auch gegen Wolfsburg. Um Europa! Dafür lohnte es sich auf jeden Fall früher einmal, das war einst in grauer Vorzeit, sich das eine oder andere Bein auszureißen. Fink sieht das ebenso: „Wir haben jetzt drei Play-off-Spiele vor uns. Jedes Spiel davon ein Play-off-Spiel. Jetzt muss man 1:0 gewinnen, um weiter zu kommen, und genau so muss man jetzt jedes Spiel angehen, es sind doch nur noch drei. Und deswegen ist das jetzt auch keine normale Woche für uns, nein, nein, da kann man nicht einfach so lala trainieren. Nein, da muss jeder wissen, um was es am Sonntag geht. Da muss das Bewusstsein da sein, was auf dem Spiel steht. Und ich versuche natürlich, die Spieler heiß zu machen . . .“

Thorsten Fink weiß aber auch, dass sein VfL-Kollege Dieter Hecking seine Spieler ebenfalls „heiß machen“ wird. Das ist so. Auf Schalke ist es dem Kollegen Jens Keller wahrscheinlich gelungen, sein Team noch ein wenig heißer zu machen. So spielt das Fußball-Leben. Und deswegen ist natürlich nicht davon auszugehen, dass der „heiße HSV“ gegen den „heißen VfL“ am Sonntag gewinnen wird. Fink: „Wolfsburg ist von den Namen her großartig besetzt. Was ist denn, wenn die so eingestellt sind wie wir? Dann wird es schwer. Die haben doch auch Qualität. Aber ich will von meiner Mannschaft sehen, dass sie will. Und da bin ich auch guten Mutes, dass wir das am Sonntag sehen werden.“

Darüber wird der HSV-Coach sicherlich auch mit Club-Chef Carl-Edgar Jarchow (die Kollegen witzelten, indem sie ihn als „Euro-Eddy“ bezeichneten) gesprochen haben, der beim Training plötzlich neben Thorsten Fink stand. Ich habe im Scherz gemutmaßt: „Der Boss überbringt ihm eine Abmahnung – weil der Trainer doch neue Spieler gefordert hat, obwohl er doch eigentlich wissen müsste, dass der HSV kein Geld hat für neue Spieler, erst recht nicht für jene Spieler, die eine Soforthilfe darstellen würden. Als ich Carl-Edgar Jarchow, also „Euro-Eddy“, mit meiner Vermutung konfrontierte, lachte er und sagte: „Nein, nein, keine Abmahnung, alles ist gut – ich spreche täglich mit dem Trainer.“ Und, Herr Jarchow, wie ist es denn? Der HSV hat doch kein Geld für neue Spieler, oder? Jarchow: „Wieso, zwei neue Spieler haben wir doch schon. Und alles Weitere wird sich finden, das hängt auch von den Verkäufen ab. Ich bin sicher, dass wir noch einige punktuelle Verstärkungen verpflichten werden.“
Klingt gut, Herr Jarchow, dann noch einen schönen Feiertag.
Und wer nicht weiß, wer diese beiden neuen HSV-Spieler sind: Hakan Calhanoglu (vom KSC) und Kerem Demirbay (Borussia Dortmund)

Beim HSV haben heute zwei Spieler im Training gefehlt: Dennis Aogo hat es, weil er zuletzt umgeknickt ist, an der Kapsel (linker Fuß) erwischt, und Milan Badelj hat noch eine Schicht mit Reha-Trainer Markus Günther absolviert. Beide Profis, so der Plan heute, sollen wahrscheinlich morgen wieder mit der Mannschaft trainieren können. Wobei einer von beiden sicherlich auf die Bank gehen wird – ich tippe mal auf Aogo. Und wenn ich schon mal bei Prognosen bin: Maximilian Beister, der uns Journalisten ja immer noch nicht verziehen hat, dass er vor einigen Wochen (am 16. März im Spiel gegen Augsburg) Rot gesehen hat und vom Platz gestellt worden ist, hat seine Krankheit überwunden und steht wieder im Training. Ich denke aber, dass es bis zum kommenden Sonntag noch nicht wieder reichen wird, sodass er wohl noch einmal als Zuschauer wird auftreten müssen.

Kein Zuschauer, sondern voll am Ball (hoffentlich) wird Jaroslav Drobny sein. Der große „Schweiger“ wird ja bekanntlich am Sonntag für den gelb-gesperrten Rene Adler zwischen den Pfosten des HSV-Tores stehen und beantwortete heute schon mal drei Frage (die ihm Medien-Direktor Jörn Wolf gestellt hat). Die überaus humorvolle Antwort auf Frage eins (ihr dürft euch die Frage überlegen, welche am besten passen würde!): „Es ist mein Job da zu sein, wenn ich gebraucht werde. Spielpraxis habe ich genug. Ich stand doch vor zwei Monaten gegen Gladbach schon im Tor . . .“ Und die Antwort auf Frage zwei: „Wolfsburg ist eine Partie mit Endspielcharakter. Das müssen wir als Mannschaft auf dem Platz zeigen. Mehr gibt es davor nicht zu sagen.“ Richtig.

Und Frage drei, die beantwortete der Keeper wie folgt: „Ich kann mir einiges vorstellen für die Zukunft. Das bespreche ich aber erst mit dem HSV, bevor ich es jemandem mitteile.“ Aha. Na denn ist ja alles klar.

Thorsten Fink antwortete übrigens auch auf eine Frage, die ihm in Richtung Drobny gestellt wurde: „Drobo ist eine coole Socke.“ So nach dem Motto: „Der wird seine Sache schon gut machen, er hat ja auch beim 1:0 gegen Mönchengladbach eine sehr gute Leistung gezeigt, da gibt es keinerlei Zweifel bei mir.“ Bei mir auch nicht. Wer sich im normalen Leben schon so defensiv verhält, der hält sich auch im Spiel sehr defensiv.

Wesentlich offensiver ging da schon Rene Adler an das Thema „Drobny – der Mann neben oder hinter mir“ heran. Der deutsche Nationaltorhüter lobte den tschechischen Nationaltorhüter sehr: „Drobo ist einer der Konkurrenten und Kollegen, mit dem ich super gerne zusammengespielt habe – und noch spielen werde. Es gab schon Kollegen und Trainingspartner, da lief das nicht so ideal wie hier und bei uns, er ist nicht nur ein total witziger Typ, er ist auch extrem wichtig für unsere Mannschaft. Er hat es mir hier von der ersten Minute an sehr einfach gemacht, und das ist auch nicht selbstverständlich. So sportlich wie er sich verhalten hat, da ziehe ich den Hut vor. Dafür kann ich mich bei ihm nur bedanken.“

Rene Adler fast schwärmerisch weiter über Drobny: „Wir haben uns von der ersten Minute an respektiert, haben uns auch relativ offen und ehrlich ausgesprochen, und haben dann wirklich Tag für Tag das Niveau versucht, hoch zu schrauben. Das gilt aber auch für die anderen Torhüter, Tom Mickel noch am Anfang, und Sven Neuhaus. Wir haben alle sehr, sehr gut trainiert, da muss man auch mal Torwarttrainer Ronny Teuber loben, der seine Sache ausgezeichnet macht.“ Dass Drobny am Sonntag deswegen eventuell nicht in Bestform sein könnte, weil er wenig Spielpraxis hat, verneinte Adler übrigens: „Der Drobo ist top trainiert, und er hat bei den Testspielen zwischen den Pfosten gestanden, okay, das ist nicht die Bundesliga, aber er hat gespielt. Ich bin restlos davon überzeugt, dass er bei uns am Sonntag eine ganz wichtige Rolle spielen und auch gut halten wird. Ich drücken ihm auf jeden Fall sämtliche Daumen, die ich habe.“ Das ist ein Daumen weniger – als der HSV am Sonntag Punkte kassieren wird . . . Wenn ich mich mit dem Dreisatz noch richtig auskenne.

Dann fügte Rene Adler noch in Sachen Drobny an: „Er ist extrem wichtig für die Mannschaft, und das sind nicht immer nur die Spieler, die ständig zum Einsatz kommen. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie man sich verhalten sollte, wenn man nicht immer spielt, er sorgt bei uns immer für beste Stimmung.“

Auf geht’s, Drobo, dann sorge bitte auch dafür, dass am Sonntag allerbeste Stimmung im Volkspark herrschen wird – ich sage mal, so spätestens um 19.25 Uhr.

So, und wenn ich gerade mal bei einem Blick in die Zukunft bin, dann passt ja auch diese Meldung:

Das Teilnehmerfeld für den Fußball-Nordcup in Hamburg steht fest. Nach dem neunmaligen dänischen Meister FC Kopenhagen und dem Bundesliga-Rivalen VfL Wolfsburg hat nun auch Erstliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig seine Zusage gegeben. Das Vorbereitungsturnier auf die neue Saison findet am 13./14. Juli in der Hansestadt statt. „Wir freuen uns sehr, ein so attraktives und gleichzeitig regionales Teilnehmerfeld gewonnen zu haben“, sagte HSV-Vorstand Joachim Hilke.

Am 13. Juli finden zunächst zwei Halbfinalspiele statt. Tags darauf werden das Finale und das Match um Platz drei ausgespielt. Alle Spiele werden mit verkürzten Halbzeiten à 30 Minuten und ohne Verlängerung gespielt. Im Falle eines Gleichstandes wird der Gewinner jeweils direkt über das Elfmeterschießen ermittelt.

PS: Und dann noch in eigener Sache. Viele, viele Mails, Briefe (in die Redaktion) und sms gab es in den vergangenen heißen Tagen, dafür möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken. Ich kann unmöglich alle beantworten, da mein Tag dann gelaufen wäre – da bitte ich euch um Verständnis. Vielleicht gelingt es jenen Usern, die mir privat so emotional schreiben, das dann doch in den Matz-ab-Blog zu stellen. Es wäre besser, denn es sind zum Teil sehr gute Ansichten und Aussagen darunter. Und dann hätten von diesen guten Sachen alle etwas davon – oder auf jeden Fall viele.

Zum Trost für diejenigen, die mir nun geschrieben und nichts davon gehört haben, sei stellvertretend eine Mail, die mich dieser Tage erreichte, veröffentlicht, sie spiegelt das wider, was in fast jeder Mail thematisiert wird:

„Eine jahrzehntelange Liebe beginnt zu sterben, wenn man fühlt, dass der Partner nicht mehr das Gleiche zu geben bereit ist, wie man selbst.“

PSPS: Morgen wird um 10 Uhr im Volkspark geübt, und am Freitag ebenfalls um 10 Uhr.

PSPSPS: Dann wünsche ich euch und euren Lieben noch einen schönen Rest-Feiertag – und einen wunderbaren Fußball-Abend zum Genießen. Ich drücke übrigens dem FC Bayern die Daumen, denn ein deutsches Finale in England wird auf der ganzen Welt für viel Aufsehen sorgen. Vorsichtshalber werde ich mal das ZDF einschalten – Sky ist mir seit gestern ein wenig zuwider geworden . . .

PSPSPSPS: In der A-Junioren-Bundesliga hat der abstiegsgefährdete HSV heute sein Heimspiel gegen Hertha BSC mit 0:2 verloren.
So meldete es jedenfalls die Agentur. Unser User “Wortspieler” aber weiß es besser, danach hat der HSV mit 2:0 gewonnen. Ist ja auch besser so. Und vielen Dank für den Service, “Wortspieler”.

16.20 Uhr

Sch… Montag: Fünf Spiele Sperre für Beister und Berg fällt bis Saisonende aus

18. März 2013

Pro Beister? Contra Beister? Die Diskussion, die nicht nur hier im Blog heiß und konträre geführt wird, ist das (leider) vorherrschende Thema der beginnenden Länderspielpause. Es gibt wenige Momente, das dürfte sich auch Beister denken, die ungeeigneter waren für so einen Vorfall. Jetzt hat er längere Zeit keine Chance, sich sportlich zu entschuldigen. Es gab aber auch nur wenige Vorfälle, die so vermeidbar waren – vor allem, weil es nicht allein von Beister hätte vermieden werden können. Nein, es hätte von anderer, erfahrener und übergeordneter Stelle vermieden werden müssen.

Denn, und da lege ich mich fest, in diesem Fall ist der größte Schadensträger Thorsten Fink. So viel ich auch weiterhin von Fink halte, insbesondere von seinen rhetorischen Fähigkeiten im Doppelpass mit der Mannschaft, in dem Fall Beister bin ich schon bei dessen Einwechslung auf der Tribüne zusammengezuckt. Was war das für ein Zeichen an seine Mannschaft? Die wussten doch auch, was Beister im Training (nicht) gemacht hat. Ich habe meine Kollegen enervierend mit einem Satz befeuert: „Wie kann ein Trainer in der Woche so deutlich ein Fehlverhalten anprangern und es dann unverbessert noch mit einer Einwechslung belohnen?“ Eine Frage, die ich noch immer nicht beantwortet bekommen habe. Im Gegenteil. Der Schuss von Fink vor Beisters lädierten Bug verstehe ich nur bedingt. Er hätte Beister gebracht, weil Berg nicht da war und er keine Alternative hatte? Wie bitte?? Was bedeutet das denn angesichts der heutigen Meldung, dass Marcus Berg wegen einer Hüft-OP für den Rest der Saison ausfällt (Gute Besserung an dieser Stelle, Marcus!!)? Heißt das, dass Beister nach Absitzen der bevorstehenden Fünf-Spiele-Sperre wieder erste Alternative ist, egal was er im Training zeigt?

Nein, in diesem Fall haben neben Beister auch andere Fehler gemacht. Denn Fink hätte Skjelbred bringen und mit Son und Rudnevs in der Spitze spielen können. Er hätte in dem Moment alles machen können, sogar eher den Platzwart aufstellen sollen als Beister. Um für mehr Torgefahr zu sorgen, bedarf es bei einem Bundesligisten mit 29-Mann-Kader!! keines Spielers, der sich zuvor derart demonstrativ hängengelassen hatte. Vielmehr hätte man sich mit dem maulenden Spieler hinsetzen müssen, ihm die Aussichtslosigkeit seines kindlichen Protestes vor Augen führen müssen und ihm einen gemeinsamen Lösungsweg aufzeigen müssen. Denn, und das Gefühl habe ich schon lange, Beister schien von Woche zu Woche mehr zurückzufallen. Er trainierte lustlos, bekam einen Rüffel und bockte nur noch mehr. Das Ergebnis: Er trainierte noch lustloser und schlechter. Den Höhepunkt stellte zunächst das Testspiel gegen Valerenga Oslo dar. Und es wurde von Trainer Fink, der für solche Situationen eigentlich ein außergewöhnlich gutes Gespür hat, sofort erkannt. „Maxi hat gespielt, als wolle er nicht spielen. Da muss mehr kommen“, so Fink eindeutig. Allerdings verhallten diese Worte beim Angesprochenen schnell, weil sie ihn nur noch mehr maulen ließen. Es war einfach eine Eitelkeit bei Beister gekränkt worden – und der konnte damit nicht umgehen.

Das Ergebnis des Ganzen ist verheerend – es darf aber jetzt nicht dazu führen, Beister mit seinen gerade 22 Jahren aufs Abstellgleis zu schimpfen. Dafür wurde Beister bei seiner Rückkehr schlichtweg zu sehr gefeiert. Auch vom Trainer, der ihm bis zuletzt trotz mieser Trainingsbeteiligung mit Komplimenten bei der Stange zu halten versuchte. Beister hat schlichtweg noch nicht erkannt, wo er wirklich steht. Er hat seinen Weg nicht gefunden. Beister weiß noch nicht, was ihm fehlt, um endlich Stammspieler in der ersten Bundesliga zu werden. Das könnte er sicherlich – aber mal ehrlich: es gab schon deutlich schlimmere Diven beim HSV, denen man immer und immer wieder zu helfen versucht hat. Warum also sollte man bei einem 22-Jährigen zweifellos hochtalentierten Fußballer in seinem ersten richtigen Erstligajahr anders vorgehen? Nur, weil es die breite Öffentlichkeit auf der Suche nach einem Sündenbock für das neuerliche Scheitern in einem wichtigen Spiel so will?

Nein! Das wäre zu kurz gedacht.

Beister gehört intern bestraft. Auch deutlich. Und eine hohe Geldstrafe wird es geben. Allerdings wird diese Geldstrafe ebenso sinnlos verhallen, wenn man sich parallel nicht endlich intensiv mit Beister auseinandersetzt und versucht, sein kindliches (Fehl-)Verhalten in eine reife Auffassung seines Berufes zu drehen. Man muss Beister klarmachen, dass man viel von ihm hält, das allein aber noch keine Qualifikation zum Stammspieler ist. Maxi muss verstehen, dass er selbst dafür verantwortlich ist, ob er spielt oder nicht und dass so ein Verhalten wie in der (in meinen Augen „den“) letzten Woche kontraproduktiv ist. Für den Verein – aber noch deutlicher für ihn. Eine Einwechslung gegen Augsburg – aus welchem Grund auch immer – war da sicher der falscheste Weg.

Als ich dann erfuhr, dass der DFB Beister für fünf Spiele sperrt und der HSV keinen Einspruch einlegen wird, war ich dennoch überrascht. So sehr Beister einen Denkzettel verdient hat, dieses Strafmaß wirkte auf mich auf den ersten Blick deutlich zu hoch. Allein ein Zusatz lässt mich hier aber noch nicht den DFB attackieren. Denn: In der Urteilsbegründung wird neben der Tätlichkeit auch eine „Schiedsrichterbeleidigung“ als zu bestrafender Tatbestand aufgeführt. Meint der DFB damit den „Vogel“, den Beister gezeigt hat, wäre es falsch. Aber: „Das war es nicht, er soll noch ein paar Worte gesagt haben“, sagt Mediendirektor Jörn Wolf. Zudem sollen sich der HSV und seine Anwälte nach der Urteilsbegründung und neuerlichen Sichtung der Fernsehbilder darauf verständigt haben, das ein Einspruch aussichtlos wäre – was ebenfalls für den DFB spricht. Insofern zieh ich meine Kritik hiermit zurück.

Und nur, um hier Missverständnissen vorzubeugen: Beister gehört bestraft – vom HSV wie vom DFB. Er muss allerdings jetzt im Moment des größten Schadens für ihn auch geschützt werden und vom HSV die nötige Hilfe bekommen, um sein Verhalten wiedergutzumachen. Dass dafür seine Bereitschaft Grundvoraussetzung ist, muss ich nicht sagen. Aber ebenso entscheidend ist für mich, dass sich der HSV seiner Pflicht bewusst ist, seine jungen Talente auch pädagogisch zu betreuen und parallel zur körperlichen Fitness auch mental zu schulen. Denn da ist in den letzten Wochen offenbar einiges zu kurz gekommen – oder vielleicht im Fall Beister zu früh und offensichtlich falsch vorausgesetzt worden.

Ein sehr sympathischer Lehrer meiner Schulzeit sagte einst zu mir: „Einmal ist kein Mal – zweimal ist immer….“ Nach diesem Motto verfahre ich seitdem – die wenigen Unentschuldbaren ausgenommen – zumeist. Und obgleich es nicht entscheidend ist, werde ich für meinen Teil diese Messlatte auch bei Beister anlegen.

Noch schlimmer als die Sperre für Beister ist allerdings die Nachricht für Marcus Berg, der wegen einer Verknöcherung im Hüftbereich, die operativ entfernt werden musste, in dieser Saison nicht mehr für den HSV auflaufen kann. Berg wurde am Wochenende in Schweden an der rechten Hüfte operiert. Der Stürmer war Ende letzter Woche auf Anraten der HSV-Ärzte nach Schweden gereist, um die neuerlichen Probleme an seiner vor eineinhalb Jahren operierten Hüfte untersuchen zu lassen.
Beim Mannschaftsarzt der schwedischen Nationalelf ließ Berg seine Hüfte arthroskopieren und dabei musste ein kleines Knochenstück entfernt werden. „Bei der Operation ist alles gut verlaufen. Wir gehen dennoch von einer Rekonvaleszenz von rund drei Monaten aus“, sagt HSV-Mannschaftsarzt Dr. Catala-Lehnen. Bitter.

Schöner ist die Aufsicht auf eine lange Trainingswoche ohne immerhin 15 Nationalspieler zwar auch kaum, aber zumindest ist die Hoffnung da, die nächsten Tage mit weniger unangenehmen Themen verbringen zu können. In diesem Sinne, drückt die Daumen!

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Am Dienstag und Mittwoch wird jeweils um zehn und um 15 Uhr an der Arena trainiert.

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