Aufgegeben haben sie alle noch nicht . . .
7. Mai 2013
Um es gleich einmal auf das Trapez zu bringen: „Pipo“ ist noch nicht fit, wird also am Sonnabend gegen Hoffenheim nicht spielen können, noch nicht spielen können. Der „neue Mann“ des HSV, ein langmähniger Weltstar, der einem Juan Pablo Sorin wie ein Bruder ähnelt, hat beide Beine weiter im Gips und dürfte erst zur nächsten Spielzeit in den Kampf um einen Stammplatz eingreifen können. Wenn überhaupt. Vielleicht greift er ja auch gar nicht ein. Letzteres ist eigentlich auch viel wahrscheinlicher, obwohl „Pipo“ jetzt gerade von Trainer Thorsten Fink und Medien-Direktor Jörn Wolf vorgestellt worden ist. Allerdings, und das macht die Sache dann doch auch ein wenig schwieriger, nur in der neuen „Olli-Dittrich-Sendung“ „Frühstücksfernsehen“. Ein Jux. Mehr nicht. Aber ein toller. Und wenn dieser „Pipo“ real wäre, dann wäre er auf jeden Fall ein Gewinn für den HSV – denn „Pipo“ sieht gefährlich aus. Der könnte es, so er dann von der Leine gelassen werden würde. Aber gut, er wird wohl nie kommen, und das nicht nur wegen seiner Gips-Beine. . .
„Der „Pipo“ wäre in der Tat eine riesige Verstärkung für Sonnabend. Schade dass er noch ein wenig gehandicapt ist – der Gips . . .“, sagt Fink und fügt hinzu: „Das war eine schöne Sache, mal mit Olli Dittrich zu drehen, es hat viel Spaß gebracht. Stimmt. Herrlich war es.
Nun aber zum wirklich wahren Fußball – zum HSV. Letztes Auswärtsspiel vor Grenze an diesem Wochenende, und gewiss kein so leichtes, denn die Hoffenheimer müssen noch arg strampeln, damit sie die Erste Liga nicht verlassen müssen. Es wird für den HSV also noch einmal richtig hart werden, da geht es schon noch einmal auf die Socken. Und wer weiß, vielleicht sehen wir sie ja doch noch, die Pferde, die vor der Apotheke k . . . Fink prophezeit für Sonnabend: „Die werden um ihr Leben fighten, das wissen wir, da muss man dagegenhalten, und dann haben wir am Ende vielleicht die Chance, das Spiel zu gewinnen.“ Um eventuell doch noch in diesem Jahr international starten zu können . . .
Thorsten Fink jedenfalls hat noch nicht aufgegeben. Darf er ja schon von Berufs wegen nicht. Er sagt: „Es können uns ja alle aufgeben, aber an den letzten beiden Spieltagen ist schon oft schon etwas Verrücktes passiert . . . Wir schauen ganz einfach mal. Und dann sehen wir, wohin es geht, ob da noch etwas für uns geht. Wichtig ist nur, dass wir unsere Spiele gewinnen. Wenn noch eine Chance da ist, dann sollten wir die auf jeden Fall versuchen zu nutzen. Dass die Chance für uns jetzt sehr klein geworden ist, das ist natürlich klar, wir wissen, dass wir auch von Ergebnissen der anderen Clubs abhängig sind.“
Ganz aufgegeben hat nicht nur der Trainer noch nicht, so voll und ganz aufgegeben haben sie den Traum von Europa ja alle noch nicht beim HSV. Offiziell jedenfalls. Wer weiß schon, wie es innen bei den Spielern und den Verantwortlichen aussieht? Rafael van der Vaart sagt über die E-Chancen des HSV: „Es ist natürlich schwer, aber wenn es noch eine kleine Chance gibt, dann muss man dafür alles geben.“ Dann zieht der Niederländer schon mal ein kleines Vorab-Resümee: „Man darf, das habe ich immer gesagt, nicht vergessen, woher wir gekommen sind – wir waren ein Abstiegskandidat. Und dann sind wir nach oben gekommen, im Moment sind wir auf Platz sieben, damit wären wir vorher zufrieden gewesen. Im Moment aber sind wir enttäuscht, dass wir die Chance Europa League nicht, noch nicht genutzt haben, aber vielleicht wird das ja doch noch was . . . Und wenn wir es dann doch noch schaffen sollten, dann wäre es auf jeden Fall eine Super-Leistung von jedem.“
Für Thorsten Fink stehen die beiden noch zu spielenden Bundesliga-Partien im Moment noch eindeutig im Vordergrund, sodass er sich nicht so gerne mit der neuen Saison beschäftigen möchte. Ein Schlussstrich soll beim HSV erst nach dem Leverkusen-Spiel gezogen werden. Bis dahin halten sich Trainer, Sportchef Frank Arnesen und der Vorstand um Carl-Edgar Jarchow noch vornehm zurück. Immerhin verriet aber Fink schon mal (heute), wie und wo er sich Verstärkungen vorstellt: „In allen Mannschaftsteilen brauchen wir Verstärkungen, Abwehr, Mittelfeld und Angriff. Das ist nicht viel. Wobei wir ja für das Mittelfeld schon etwas getan haben, indem wir zwei junge Leute verpflichtet haben.“ Über Bojan Krkic, der nun überall gehandelt wird (als HSV-Neuzugang), wollte der Coach nichts sagen: „Ich habe mir im Moment keine Gedanken über diesen Spieler gemacht. Ich möchte diese Saison erst abschließen, bevor ich mich über Spieler unterhalten werde, die eventuell überhaupt was weiß ich ein Thema sein könnten.“ Oha, das war schwer, da noch gerade und soeben die Kurve zu bekommen – aber geschafft. Irgendwie kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass da in der Sache mit Krkic doch etwas dran ist – für den HSV.
Abwarten. Mehr bleibt im Moment ja nicht. Am heutigen Training hat wieder Marcell Jansen teilgenommen, und zwar so wie immer – er war gut. Dennis Aogo hat wegen seiner Kapselverletzung noch gefehlt, ebenso Michael Mancienne, der wohl in dieser Saison keinen Einsatz mehr haben wird.
Nach dem offiziellen Vormittags-Training fand heute noch eine ganz besondere Veranstaltung statt:
Auf dem Kunstrasenplatz an der Imtech Arena trainierte an diesem Dienstag nach den Profis des Hamburger Sport-Vereins eine Straßenfußballmannschaft im Rahmen der Initiative Anstoß! e.V., die vom Hamburger Weg und seinem Unternehmenspartner Care-Energy unterstützt wird. HSV-Kapitän Rafael van der Vaart gab nicht nur Tipps für ein erfolgreiches Fußballspiel, sondern überreichte den Straßenfußballern darüber hinaus zusammen mit Martin Richard Kristek, CEO der mk-group Holding GmbH „Care-Energy”, einen Satz Trikots für die Deutschen Meisterschaften am 7. und 8. Juni in Lübeck. Hier haben einzelne Spieler aus dem Team die Möglichkeit, sich für die Weltmeisterschaften des Homeless World Cup in Polen zu qualifizieren.
Kristek: „Es freut mich persönlich sehr, mit unserem sozialen Engagement, für das das Haus Care-Energy bekannt ist, Menschen helfen zu können. Dies zeigt einmal mehr, dass es unsere Verpflichtung als Energieversorger ist, sozialverantwortlich zu agieren.”
Anstoß! e.V. ist ein im Jahr 2007 gegründeter Verein, der über den Sport soziale Integration geltend machen möchte. Zielgruppe der Aktivitäten, zu der auch der Straßenfußball für Obdachlose zählt, sind arme und sozial ausgegrenzte Menschen.
„Sport verbindet und bietet gerade jungen Menschen die Möglichkeit, ihre Energien positiv umzusetzen und einen respektvollen Umgang miteinander zu lernen. Ich finde es toll, dass über den Fußball unterschiedlichste Menschen zusammen finden und drücke ‚meinem’ Team in Lübeck ganz fest die Daumen. Denn bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein ist das Beste, was einem als Fußballer passieren kann”, so Rafael van der Vaart.
So, ich komme zum Schluss. Bevor ich mich jedoch verabschiede, muss ich noch einmal ein herzliches Dankeschön loswerden. Jetzt, wo die Saison dem Ende zugeht, nehmen die Mails, sms, Anrufe und Leserbriefe an mich persönlich und privat noch einmal zu. Danke. Aus gegebenem Anlass muss ich aber noch einmal sagen, dass es mir unmöglich, allen Menschen, die mir schreiben, zu antworten. Dann müsste mein Tag 43 Stunden haben – und mehr. Von Zeit zu Zeit veröffentliche ich hier stets mal einen Brief, und das möchte ich auch heute machen. Der Absender, der mir namentlich natürlich nicht bekannt ist (das ist meistens so!), geht sehr kritisch mit mir um, aber da nicht gepöbelt oder unterhalb der Gürtellinie operiert wird, kann ich damit leben. Der Manns schreibt:
„Hallo Dieter,
einen schönen Blog haben Sie, ist es Ihre private persönliche Meinung die Sie äußern oder die des Hamburger-Abendblattes? Ich lese gerne Ihre Kommentare und Neuigkeiten über den HSV, doch in letzter Zeit gehe ich mit Ihnen nicht mehr konform!
Zu meiner Person: ich bin 45 Jahre alt, komme aus der Nähe von Wentorf und bin seit meiner Kindheit HSV-Fan! Behaupte ich kenne mich aus, jedoch fehlen mir die Internas
)!
Nun, Ihre Meinung (vor allem nach dem Wolfsburgspiel) ist, diese Saison war enttäuschend! Der HSV hätte die Europaleague erreichen müssen! Das heißt für mich, Ihre Erwartungshaltung ist zu groß, – ist es Ihre persönliche? Ich persönlich bin der Meinung es geht aufwärts!
Zu Beginn der Saison 2012/13 schreiben Sie und sind der Meinung, dass der HSV absteigt! Gar nicht einen einstelligen Platz erreichen würde, dann im Verlauf ändern Sie Ihre Meinung es wird ein einstelliger Platz, dann wiederum, sprechen Sie von Europa usw.! Sie als fast Insider finde ich es schade, dass Sie so negativ über den HSV in der letzten Zeit berichten! Es ist ein einstelliger Tabellenplatz ausgegeben worden! Den erreichen wir und ist die Saison deshalb schlecht? Es ist nur realistisch gewesen! Sicherlich wäre es schön, Europa zu erreichen!!! Aber ich könnte mir gut vorstellen, selbst das würde nicht reichen auch dann würde bzw. wird es heißen hier und da haben wir Punkte liegen gelassen und hätten in der Championsleague spielen können bzw. immerhin Europa, diese Saison war mehr drin!
Immer nur negativ! Warum?! Seit 2003 haben wir bis 2009 oder 2010 immer international gespielt! Nun erfolgte der Umbruch! Sie sagten selber, dem HSV Zeit geben! Geben Sie ihm Zeit? Es wird immer so weiter gehen! Die Erwartung stimmt in Hamburg nicht mehr! Aber warum? Wenn Sie mehr wollen, werden Sie doch Bayern-Fan!
Klar ist noch nicht alles super! Aber jetzt kann es schon für die neue Saison losgehen! Wissen Sie wie die internen Verträge aussehen? Warum sind beim HSV immer so viele verletzt? Lassen wir uns überraschen was die neue Saison bringt! Vielleicht das Ausscheiden in der 3. Runde des DFB-Pokals)! Wieder negativ oder?!!
Nur der HSV 1887“
Dazu möchte ich sagen: Ich habe zuletzt auch immer wieder Meinungen gehört und gelesen, die genau gegenteiliger Meinung sind. Die User haben mir immer wieder unterstellt, dass ich zu lieb mit dem HSV umgehe, umgegangen bin. Ich enthalte mich da einer Beurteilung, weil ich längst schon durch meinen Job gelernt habe, dass ich es nicht allen Leuten recht machen kann. Dem „1887“ aber möchte ich nur mal einen Ausschnitt aus meinem Wolfsburg-Spielbericht zu lesen geben – ob das dann wirklich so negativ war, was ich da über den HSV geschrieben habe.
Dass der HSV in dieser Saison absteigt, habe ich bestimmt nie geschrieben, dass ich Angst vor einem Abstieg hatte, das sehr wohl, das gebe ich auch zu. Nur was war daran verwerflich? Nach der vorangegangenen Saison, in der der HSV dem „Tod“ (in der Bundesliga) noch gerade von der Schippe gesprungen ist?
Herr „1887“, lesen Sie doch bitte nur einen Ausschnitt nach dem Wolfsburg-Spiel, es stand da im ersten Absatz zu lesen:
„ . . . An einem Mittelfeldplatz würde aber dieser Dreier dann auch nichts mehr ändern. So geht eine gute Saison doch relativ unspektakulär zu Ende. Aber ich sage eines – und ich meine das so: Abstiegsgefahr bestand nach der Hinrunde nicht einmal mehr, und das bewerte ich als absolut positiv.“
PS: Morgen, am Mittwoch, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt. Am Donnerstag wird dann der freie Tag, den es in dieser Woche noch nicht gab, „nachgeholt“. Thorsten Fink: „Einige Trainer machen das so, dass sie den freien Tag in die Mitte der Woche legen, und ich habe jetzt am Ende der Saison das Gefühl, dass es der Mannschaft mal gut tun könnte, so zwei Tage vor dem Spiel mal einen Tag Pause zu haben. Der Hermann Gerland hat das früher immer so gemacht.“ Und wir werden es beobachten. Vielleicht tut es der Mannschaft ja tatsächlich mal gut, den Rhythmus zu wechseln.
PSPS: Auch an diesem Sonnabend sind wir wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung, wieder aus dem Block House in Eidelstedt, unser Gast wird dann der ehemalige Nationalspieler, HSV-Profi, HSV-Sportchef und langjähriger DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus sein. Wir freuen uns sehr auf diesen großartigen Interview-Partner.
18.03 Uhr