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Bruno Labbadia: “Ich habe einen Plan!”

16. April 2015

Es war nur ein kleines Schildchen in einem Schaukasten am Clubheim des Rotenburger SV. „100 % Werder-Partner“, stand darauf, und HSV-Trainer Bruno Labbadia musste ziemlich schmunzeln, als er diesen Zettel sah. „Wir sind natürlich im Bremer Einzugsgebiet“, sagte Labbadia. „Aber für uns ging es in der Kürze der Zeit um ein gutes Hotel und einen guten Platz. Das ist gewährleistet.“ 40 Kilometer liegt Rotenburg von Bremen entfernt, etwa 70 Kilometer von Hamburg. Doch abgesehen von der Grün-Weißen Färbung an der Wümme schien Labbadia sehr angetan von den ersten Stunden seines Kurztrainingslagers. Die Fußballfelder des Rotenburger SV, fast in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs der Stadt, sowie das gediegene Hotel Wachtelhof etwa drei Autominuten entfernt, gefielen dem Mann, der als Retter geholt wurde.

Wahrscheinlich wollte Bruno Labbadia die Mannschaft auch einfach mal rausholen aus dem kränkelnden HSV-Umfeld. „Ich wusste ja auch schon im Vorfeld, woran es hakt“, sagte Labbadia am Mittag. „Die Mannschaft wirkte heute schon ein ganzes Stück gelöster. Die Spieler kommen etwas zur Ruhe, wir haben Zeit und es ist keine Hektik.“ Versprechen könne er deswegen noch nichts, aber die Maßnahme, zwei Tage rauszugehen, sei trotzdem die richtige. „Ich bin der vierte Trainer in dieser Saison. Das nimmt eine Mannschaft ja auch mit. Ich muss mich jetzt auf die wichtigsten Dinge fokussieren. Dafür habe ich ein Gefühl und einen Plan. Die Mannschaft benötigt einen Halt, den versuche ich zu vermitteln.“

Die Trainingseinheit am morgen begann, wie schon gestern auffällig, sehr lautstark. Labbadia und vor allem auch der Fitness-Trainer Carsten Schünemann animierten die Profis immer wieder, miteinander zu sprechen. Sich Kommandos zu geben und zu motivieren. Da sollte Leben rein. Später beim Spiel war keine Öffentlichkeit mehr zugelassen. „Die Wahrheit liegt am Ende sowieso auf dem Platz. Aber wir müssen die Jungs aktivieren“, erklärte Labbadia. „Fußball ist Freude – bei allem Druck, den wir haben.“

Im Trainingsspiel, das erläuterte Labbadia nach der Einheit, die länger als zwei Stunden gedauert hat, habe er auch immer wieder unterbrochen. Er hat vieles beschrieben, auch um den Spielern bewusst zu machen, was sie auf dem Platz machen. „Eine Analyse spielt allerdings noch überhaupt keine Rolle. Die Mannschaft muss den Glauben wieder bekommen. Ich sehe alles, weiß, wo wir ansetzen können. Aber es zählt nur, wo wir mit den Bausteinen für Sonntag ansetzen wollen.“ Ihm komme es dabei zugute, dass er zusammen mit seinem Assistenten Eddy Sözer ausgeruht in die Aufgabe gehe, glaubt Labbadia.

Was konkret das für das anstehenden Nordderby bedeute, das wollte Bruno Labbadia nicht präzisieren: „Ich habe etwas im Kopf, denn natürlich habe ich mich mit dem HSV auch schon vorher beschäftigt. Wir wollen und können nicht 1000 Dinge verändern, sondern nur die wichtigsten.“ Dazu gehört offensichtlich auch ein neuer Teamgedanke, der sicher auch in den vergangenen Wochen verschwunden ist. „Ich brauche alle Spieler!“, so Labbadia ganz deutlich. Das habe er auch der Mannschaft in der Ansprache vor der Trainingseinheit klargemacht. „Ich möchte, dass mir alle Spieler zeigen, dass sie in die Mannschaft kommen wollen. Und Störenfriede haben hier auch nichts mehr zu suchen. Ich brauche den 25. Mann genauso wie den Ersten.“

Labbadia will auf diese Ansprache sogar schon eine Reaktion in der Mannschaft festgestellt haben. Es sei keine Zeit mehr, seine Enttäuschungen zu zeigen. „Da werden wir keine Kompromisse machen, ganz klar.“ Wer das noch nicht vor dem Training verstanden hat, der wird die Gelegenheit noch einmal am Abend erhalten. Labbadia kündigte an, mit jedem Spieler Gespräche führen zu wollen, ehe es morgen Nachmittag zurück geht nach Hamburg. „Ich will da die Stärken hervorholen. Natürlich gibt es auch Schwächen, aber die Stärken sind unser Schlüssel zum Erfolg.“

Wie schon gestern bei seiner offiziellen Präsentation im Stadion machte Bruno Labbadia einen ausgesprochen ruhigen und aufgeräumten Eindruck. Keine Nervosität, keine allzu markigen Sprüche, keine überzogenen Parolen. Er geht unbelastet in diese Aufgabe hinein, und allein das unterscheidet ihn schon von seinem Vorgänger Peter Knäbel. Was dies nun alles über die Chancen auf den Klassenerhalt bedeutet, das werden wir auch am Sonntag in Bremen sehen. Für die Werder-Fans wäre es sicher eine große Genugtuung, mit einem Heimsieg ausgerechnet dem Erzrivalen einen entscheidenden Stoß Richtung zweite Liga geben zu können.

Bei Werder lief es zuletzt jedoch auch nicht gerade nach Maß. Nur ein Sieg in den letzten acht Pflichtspielen (darunter das DFB-Pokal-Aus beim Drittligisten Arminia Bielefeld) ist kein guter Beleg. Die beiden Trainer Viktor Skripnik und Labbadia haben übrigens zwischen 1996 und 1998 zwei Jahre zusammen bei Werder Bremen gekickt. „Er wollte damals immer, dass ich nach dem Training Flanken schlage, obwohl ich nach Hause wollte. Er ist ein sympathischer Typ und ich wünsche ihm viel Erfolg, aber nicht für Sonntag“, sagte der Ukrainer Skripnik heute. „Ein möglicher Abstieg des HSV ist nicht unsere Sache.“

Eine Gemeinsamkeit gibt es übrigens zwischen den Rivalen. Viktor Skripnik hat seinem Torwart Raphael Wolf das Vertrauen ausgesprochen, obwohl der in den vergangenen Wochen wiederholt bei Gegentoren alt aussah. Und auch Rene Adler wird wohl im HSV-Tor bleiben. Ebenso wird es keine Veränderungen in der Kapitänsfrage geben. Rafael van der Vaart ist die Nummer eins des HSV, sein Stellvertreter bleibt Johan Djourou.

Apropos Djourou: Von Tag zu Tag wird die Kabinen-Keilerei mit Valon Behrami kälter dargestellt. „Der Boden in der Garderobe war glitschig, plötzlich bin ich von selbst umgefallen. Er (Djourou) hat gar nichts gemacht.“ So wird der Schweizer bei den „Bild“-Kollegen zitiert. Nun denn. Hier scheint einer um seinen Platz in der Startelf zu kämpfen. Den scheint er aktuell auch sicher zu haben, denn nach diesem Tag sickerte folgende, mögliche Startelf im Bremer Weserstadion durch:

Adler – Westermann, Cleber, Rajkovic, Ostrzolek – Behrami, Holtby – Stieber, van der Vaart, Olic – Lasogga

Keine grundsätzliche neue Elf, klar, aber bekanntlich geht es in erster Linie nicht um die Auf- sondern um die Einstellung (drei Euro ins Schweinchen…..).

Soweit für heute die Eindrücke aus Rotenburg. Dietmar Beiersdorfer und die anderen Oberen beim HSV haben ihre ganze Hoffnung in die Hände von Bruno Labbadia gelegt. Vermeidet der HSV mit Labbadia den Abstieg, dann besteht noch die Chance, dass die Vereins-Führung mit einem blauen Auge davon kommt. In den Kommentaren aller Medien, die sich intensiv mit dem HSV beschäftigen, war die Tonlage ebenso einhellig wie treffend. Entscheidung für Labbadia war okay, aber es ändert nichts daran, dass vorher fast alles falsch entschieden wurde, was den sportlichen Bereich in dieser Saison angeht.

Morgen trainiert der HSV noch einmal in Rotenburg, ehe es für eine Nacht zurück geht nach Hamburg.

Lars

So, das war Lars mit seinem Beitrag,nun noch einige Zeilen in eigener Sache.

„Wie geht das denn mit dem Blog weiter, wenn der Blogvater in Rente geht?“

So wurde und wird zurzeit immer wieder gefragt. Weil ich, das stimmt natürlich und selbstverständlich, vor einiger Zeit verkündet hatte, dass für den Fall, dass Bruno Labbadia wieder HSV-Trainer werden sollte, dann mein Rücktritt vom Matz-ab-Blog erfolgen würde.

Dazu muss ich erst einmal sagen, dass mein Vertrag mit dem Abendblatt noch bis zum 30. Juni läuft. Und ich werde, das ist für mich klar, nicht vertragsbrüchig. Ich habe heute mit Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider gesprochen, ihm von der Situation berichtet. Dass etliche User nun meinen Rücktritt fordern – und dass ich tatsächlich etwas müde geworden bin, vor allem wohl ausgelöst von dieser schrecklichen Lage des schwer angeschlagenen HSV.
Ich habe auch mit einem HSV-Verantwortlichen darüber gesprochen, dass irgendwann ja doch einmal die Zeit kommen würde – und warum nicht jetzt, wo der HSV mit einem Bein bereits in der Zweiten Liga steht? Und wo ich doch meinen Abschied für den Fall angekündigt habe . . . Die Antwort des HSV-Verantwortlichen: „Dafür hätte ich überhaupt kein Verständnis, wenn du deswegen nun aufhören würdest. Was soll der Quatsch? Die Sache mit Bruno ist doch viel zu lange her und für mich ausgestanden, und ich bin mir sicher, dass Bruno das ebenso sehen wird. Wegen einer solchen Lapalie jedenfalls kann man nicht aufhören, egal wie viele User nun deinen Rücktritt fordern . . .“

Beim HSV hatte ja auch ein Verantwortlicher vor Wochen ebenfalls gesagt: „Wenn Bruno Labbadia hier Trainer wird, laufe ich einen Tag lang nackt durch den Volkspark. Ich habe mich auch davon überzeugt – er wird nicht nackt durch den Volkspark laufen, schon gar keinen Tag lang.

Mein Chefredakteur (und auch Internet-Chef Frank Mares) hat mich übrigens ausgelacht und dabei gesagt: „Du hast bestimmt schon einige Dinge im Blog versprochen, die du dann nicht unbedingt gehalten hast, halten konntest.”
Mag ja sein. Ich wusste kein passendes Beispiel, aber sicher werden einige von Euch etwas mehr wissen. . . Nebenbei: Scholle fragte ganz entgeistert, ob ich noch klar ticke?

Um es dann mal auf einen Nenner zu bringen: Mein Vertrag läuft, wie geschrieben, noch bis zum 30. Juni 2015, ich werde wohl Anfang Juni mit den HA-Verantwortlichen sprechen, wie es mit mir weitergehen wird. Und dabei wird auch meine Müdigkeit besprochen. Sich immer wieder erklären, verteidigen und oder rechtfertigen zu müssen, eine (gewiss nicht kleine), das geht auf die Dauer auf die Nerven. Ich bin nun schon seit eineinhalb Jahren Rentner, eines Tage wird ohnehin Schluss sein (müssen).
Ein Abstieg des HSV würde dazu natürlich auch eine gewichtige Rolle spielen, auch das ist für mich schon klar.
Im Moment aber ist es so, dass von heute auf morgen kein Rücktritt von mir erfolgen wird, schon allein deshalb, weil ich einen Vertrag zu erfüllen habe. Deshalb muss ich nun jeden enttäuschen, der sich schon die Hände gerieben hat, dass Matz nun morgen endlich am Ende ist. Das dauert noch ein wenig – tut mir ein wenig leid, dass ich Euch (die Hoffenden) mit dieser Nachricht zunächst enttäuschen muss. Aber was nicht ist, kann ja noch werden . . .

Liebe Grüße, Dieter

18.20 Uhr

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