Archiv für das Tag 'Wöhlke'

Van der Vaart in Nürnberg dabei – Jiracek trainiert wieder

15. Januar 2013

Man merkt Thorsten Fink an, dass er zu lange theoretisch sein musste. Seit einigen Tagen wird der HSV-Trainer immer wieder auf die bisherige Vorbereitung angesprochen und wie weit seine Mannschaft ist. Eine Endlosschleife Fragen mit immer den Gleichen Antworten. So auch heute. Wie weit die Mannschaft denn ist, wollte ein Kollege wissen. Fink dazu: „Wir haben einige Spiele gehabt, die ganz gut waren und die wir gewonnen haben“, sagt Fink, „aber wir wissen auch, dass der Bundesligaalltag noch einmal ein ganz anderer Schnack sein wird.“

Dennoch ist es natürlich nicht von Nachteil, wenn die Mannschaft mit einigen Erfolgserlebnissen in die Rückserie startet. Eben ganz anders als in der Vorbereitung der Hinrunde, wo die letzten Tests im Gleichschritt mit dem Selbstvertrauen der Spieler verloren gingen. „Das waren ganz andere Voraussetzungen als heute“, freut sich Fink, der heute wieder auf Rafael van der Vaart zurückgreifen konnte. Der Niederländer absolvierte die komplette Trainingseinheit voll mit und wirkte so fit, als hätte er gar nicht gefehlt. „Wenn er gesund bleibt, wird er natürlich auch gegen Nürnberg auflaufen“, sagt Fink, der im Gegenzug Per Skjelbred aus dem Team nehmen müsste. Und das, obwohl Fink mit dem Norweger nach einer starken Phase am Hinrundenende sowie der Fortsetzung seines Positivtrends in der aktuellen Vorbereitung hochzufrieden ist. Fink: „Dass so ein Spieler wie Per auf die Bank müsste zeigt nur, dass wir wieder mit richtig Qualität arbeiten können.“

Qualität, die in der nächsten Zeit um einen weiteren Hochkaräter gesteigert werden kann: Petr Jiracek. Der Tscheche war die Überraschung im heutigen Training. Den obwohl Fink bei dem Tschechen zuvor noch ein dosiertes Trainingspensum angekündigt hatte, absolvierte der Linksfuß die komplette Einheit mit. Und das sehr gefällig. Wann der Tscheche, der seinen letzten Einsatz beim unsäglichen 0:1 am 21. Oktober gegen Stuttgart hatte, wieder zum Kader stoßen kann, ist allerdings weiter offen. „In Nürnberg ist er natürlich noch nicht dabei“, sagt Fink, der Jiracek auch eine Woche später, am 27. Januar beim Nordderby gegen Werder Bremen in der Imtech-Arena, noch nicht im Kader sieht. „Ich will nichts ausschließen, es können sich ja noch Spieler verletzen und Petrs Einsatz notwendig machen“, sagt Fink, der aber zugleich anmahnt, dass Jiracek lange raus war. Zudem ist die trotz aller Forschungen und Studien noch immer schwer zu behandelnde Schambeinentzündug bei Jiracek noch nicht gänzlich auskuriert. Oder besser gesagt, niemand weiß etwas Genaues. „Wir müssen abwarten, ob es eine Reaktion gibt oder alles hält“, warnt Fink vor zu früher Freude über die Rückkehr des späten Zugangs. „Allerdings ist klar, dass Petr unsere spielerische Qualität noch mal anheben würde.“

Und das, obwohl Fink gerade im Spielerischen den größten Fortschritt seiner Mannschaft sieht. „Wir lassen den Ball momentan sehr gut laufen, habe ich das Gefühl“, so der HSV-Coach, dem ich so uneingeschränkt zustimmen würde. Was genau das wiederum für die aktuelle Zielsetzung bedeutet, wollte Fink nicht sagen. „Wir sind gut beraten, nicht wieder zu früh zu hochgegriffene Ziele auszurufen. Wir sollten erst Taten vollbringen, ehe wir den Mund aufmachen.“ Wobei Fink sich dann doch zu einem Rechenspiel hinreißen lässt. „Wir haben 24 Punkte mit dem Kader geholt, den wir jetzt haben. Und das in 14 Spielen.“ Zur Erklärung: Bei den ersten drei Ligaspielen waren noch nicht alle Neuen dabei. Fink weiter: „Wenn wir diesen Punkteschnitte beibehalten, wäre ich sehr zufrieden.“

Und das könnte er auch. Immerhin wären das am Ende rund 53 Punkte (24 Punkte geteilt durch die 14 Spiele, in denen der Kader komplett war – das multipliziert mit 17 Rückrundenspielen plus die bisherigen 24 Punkte) – und mit hoher Wahrscheinlichkeit ein internationaler Startplatz. „Wir können in der Rückrunde sicherlich auch noch mehr Punkte holen als in der Hinrunde, in der wir sicherlich noch nicht am Limit gespielt haben“, sagt Fink, der in der Wintervorbereitung ein besonders großes Augenmerk auf die bisherige Schwäche gelegt hatte: die Offensive. Wer dort neben dem gesetzten Artjoms Rudnevs beginnen wird? Fink weiß es schon, will es aber noch nicht sagen. „Die Jungs sind einfach zu gut drauf, als dass ich jetzt etwas Definitives dazu sagen sollte“, sagt Fink, der sich dadurch auch in der letzten Trainingswoche vor dem Rückrundenauftakt hohen Konkurrenzkampf erhofft. „Zumindest kann so keiner nachlassen.“

Loslassen kann offensichtlich auch Robert Tesche, der sich bislang trotz des dringenden Rates der HSV-Offiziellen noch nicht zu einem Vereinswechsel überreden konnte. Das allerdings könnte sich jetzt ganz schnell ändern. Denn Tesche fehlte beim Training, „weil er in der Kabine bleiben musste, um wichtige Gespräche zu führen“, wie Fink mit einem Lächeln verriet. Dabei besprach sich Tesche mit seinem Berater. Gut möglich also, dass der aussortierte Mittelfeldspieler in den nächsten Tagen einen neuen Verein präsentiert und Frank Arnesen somit (nach den wenigen Euros durch Tom Mickels Abgang) die ersten echten Einsparungen beschert.

Einige Telefonate sparen wird sich indes Fink, der privat sehr gut mit dem aktuellen Nürnberg-Trainer Michael Wiesinger befreundet ist und regelmäßig Kontakt zu seinem ehemaligen Mannschaftskollegen hat. „Wir haben zusammen bei Bayern eine sehr erfolgreiche Zeit gehabt. Unsere Frauen haben sich zudem sehr gut verstanden – und daraus ist eine Freundschaft entstanden. Diese wird aber am Sonntag für 90 Minuten ruhen. Bei mir gleichermaßen wie bei ihm“, verspricht Fink, der nach dem Spiel nicht mit der Mannschaft nach Hamburg sondern mit Wiesinger zusammen direkt zur DFB-Trainertagung nach Düsseldorf fliegt. Fink: „Da werden Michael und ich genug Zeit haben zu reden.“

Weniger Zeit hat in Zukunft Katrin Sattelmair, die es in ihrem dritten Versuch erstmals in den Aufsichtsrat schaffte. Die beruflich erfolgreiche Anwältin und Notarin wurde im zweiten Wahlgang gewählt. Ob sie nach der überraschenden Wahl im eigenen Zuhause mit Problemen rechnen muss? „Nein, da habe ich großes Glück. Mein Mann hat mir aber unmittelbar nach der Wahl gesagt, dass er mich zu 100 Prozent unterstützt. Seine genauen Worte waren: ‚Du hast einen völlig freien Rücken’. Mein Glück dabei: Er ist selbst ein großer HSV-Fan“, so Sattelmair, die selbst nicht mit ihrer Wahl gerechnet hatte. „Ich hatte Jens Meier und Ralf Bednarek auf eins und zwei, Herrn Wöhlke auf dem dritten Platz. Ich hatte zwar gehofft, dass ich mit den anderen Kandidaten um die Vergabe von Platz vier mitmachen könnte, aber diese Hoffnung war nach dem Vortrag von Ali Eghbal und dessen Wahl auch schon dahin. Zu meinem Mann habe ich nach Herrn Eghbals Vortrag nur gesagt: Schatz, da hat uns einer wie Frank Baumann einst auf der Zielgeraden rechts überholt.’ Zum Glück hatte ich nur bedingt Recht.“ Denn wie bereits bekannt, wurde Eghbal zwar noch vor Sattelmair gewählt, allerdings mussten Wöhlke und Topfavorit Bednarek die Segel streichen und Katrin Sattelmair durfte sich freuen.

Auch, weil sie bereits zum dritten Mal kandidierte. „Eigentlich wollte ich kein drittes Mal kandidieren, weil eine dritte Nicht-Wahl schon heftig gewesen wäre. Andererseits hat meine Beharrlichkeit den Mitgliedern vielleicht gezeigt, wie ernst es mir ist. Sie kannten durch die letzten Wahlen und die vielen Veranstaltungen, die ich besucht habe, auch mein Gesicht“, so Sattelmair, die auf mich einen sehr strukturierten, sympathischen Eindruck macht Was sie als erstes machen wolle? „Ganz klar“, so Sattelmair, „ich werde so viele Infos über die Vorgänge innerhalb des Vereines sammeln, dass ich sachliche Entscheidungen treffen kann in einem Gremium, das in Zukunft hoffentlich hoffentlich nicht mehr als ‚Club der Ahnungslosen’ bezeichnet wird. Es sollte das gemeinsame Ziel sein, gut nach innen zu arbeiten und mit einer Stimme nach außen zu sprechen. Ähnlich, wie es der Ehrenrat macht, der seit Jahren sehr viel Positives erarbeitet und dennoch nur sehr wenig öffentlich in Erscheinung tritt.“

Wäre doch mal was Neues. Neu war für mich auch, dass Frau Sattelmair nicht annähernd so eng mit Bernd Hoffmann befreundet ist, wie es erzählt wird. „Auch wenn das anders dargestellt wurde, er war auf jeden Fall nicht meinetwegen bei der ersten Kandidatenvorstellung in der Imtech-Arena. Ich habe ihn und Frau Kraus über ihre Arbeit beim HSV kennengelernt und stehe dazu, dass ich sie dafür sehr schätze. Es ist aber falsch, dass mich Herr Hoffmann auf die Aufsichtsratswahl vorbereitet hat.“ Zudem würde sie sich darüber freuen, von Hoffmanns Erfahrungsschatz profitieren zu können. „Es macht immer Sinn, wenn man Leute hat, bei denen man sich Rat einholen kann. Es wäre doch schön doof, wenn ich das Wissen anderer nicht annehmen würde. Aber das gilt in meinem Fall nicht nur für Herrn Hoffmann sondern für sehr viele andere in unserem Verein auch, die mir helfen können und würden.“

Macht Sinn. Dennoch dürfte auch Sattelmair wissen, dass allein die Nähe Hoffmanns bei dessen Kritikern erste Verschwörungstheorien sprießen lässt. Allerdings werde ich mich diesen hier nicht anschließen.

Dafür schließe ich diesen Blog ab mit den Worten von Paul Scharner (pausierte heute wegen starker Kopfschmerzen nach dem Lauftraining) am Sonnabend im Anschluss an das Austria-Wien-Spiel: „Dieser Verein hat so viel Potenzial wie wenige andere. Es müssen nur alle merken.“

Stimmt.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 10 Uhr an der Imtech-Arena trainiert. Mit van der Vart, Jiracek und hoffentlich auch allen anderen. Damit der Rückrundenstart mit dem machbaren Auswärtsspiel in Nürnberg sowie zwei darauf folgenden Heimspielen (Werder, Frankfurt) zum Gegenteil des Saisonauftaktes wird.

Bis morgen,
Scholle

Badelj träumt von der Champions League – mit dem HSV!

14. Dezember 2012

Die Vorfreude ist allen anzumerken. Vor dem, bei dem und nach dem Training wirkten die HSV-Profis heute ziemlich locker und gelöst. Immerhin sind es nur noch wenige Stunden bis zum wohlverdienten – das kann man angesichts von 24 Punkten wirklich so sagen – Urlaub. Direkt nach Schlusspfiff löst sich die Mannschaft für rund zwei Wochen in alle Himmelsrichtungen – von den Bergen Norwegen bis Venezuela – auf die unterschiedlichsten Kontinente auf. „Einmal noch voll reinhauen“, sagt Tomas Rincon in sauberem Deutsch und ergänzt, „dann Holiday!“

Und genau so ist es.

Einmal noch Schwerstarbeit verrichten, immerhin geht es in Leverkusen gegen den Tabellenzweiten. „Aber die haben zuletzt auch drei Dinger bekommen“, weiß Trainer Thorsten Fink, „während wir zu null gespielt haben.“ Dass das auch in Leverkusen bleibt, davon ist Michael Mancienne überzeugt. Der Engländer wird wie gewohnt neben Heiko Westermann in der Innenverteidigung auflaufen und es bei der Werkself mit Rene Adlers gutem Freund Stefan Kießling zu tun bekommen. Ob er sich schon bei Adler Tipps geholt hat? „Nein“, sagt Mancienne, „aber das werde ich noch.“ Zudem wird der sympathische Innenverteidiger wie gewohnt eine DVD mit den wichtigsten Infos zu der Leverkusener Offensive als Bettlektüre mitbekommen. „Wie immer“, sagt Mancienne, „aber am Ende spielen wir eh unser Spiel. Das machen wir gegen Augsburg genau so wie gegen Bayern oder eben jetzt Leverkusen.“

Klingt gut – weil selbstbewusst. Ebenso wie die Worte des so ruhig wirkenden Mittelfeldchefs Milan Badelj. Der Kroate ist wieder voll fit und mächtig heiß auf die Punkte 25, 26 und 27. „Ich fühle mich topfit, und wir sind in einer sehr guten Form. Wir werden in Leverkusen unser Spiel machen und gewinnen, wenn wir 100 Prozent bringen.“ Klar, 100 % beinhaltet: keine Fehler. Deshalb bereitet Fink seine Mannen im letzten saisonspiel auf einen Gegner vor, der für seine Offensivstärke bekannt ist und dennoch nicht zwingen das Spiel macht. Nicht einmal im eigenen Stadion. „Bayer ist eine sehr spielstarke Mannschaft, die überragend kontern kann“, sagt Fink, der schon deshalb nicht ins offene Messer laufen will. „Im Gegenteil, wir werden vorbereitet sein und trotzdem unser Spiel durchziehen.“ Mit der Rehhagel’schen „Kontrollierten Offensive“? „So ungefähr “, sagt Fink und lacht.

Soll heißen: das Mittelfeld ist auch defensiv eingerichtet. Zumindest rückt bleibt es beim Alten: Badelj auf der Sechs, Skjelbred auf der rechten und Aogo auf der linken Seite. Drei Mittelfeldspieler, die wie auch der erneute van-der-Vaart-Ersatz Tolgay Arslan ihre Stärken sowohl offensiv wie defensiv haben. „Wir sind im Mittelfeld sehr variabel“, weiß Badelj, „je nach Situation können wir reagieren. Das macht uns stark.“

Geht es nach Badelj sogar so stark, dass in Hamburg bald vom ganz großen Fußball gesprochen werden darf. „Die Europa League ist ein ganz realistisches Ziel“, formuliert der Champions League gewohnte Mittelfeldmann mutig. Und er setzt noch einen drauf: „Wenn man sich die Tabelle anguckt, sind es bis zur Champions League auch nur noch drei Punkte. Warum sollten wir uns diesen Tabellenplatz nicht als Ziel setzen?“

Weil es unnötig Druck aufbaut auf eine Mannschaft, die noch nicht ausreichend gefestigt ist? „Nein“, sagt Badelj, man brauche Ziele. Und die müssen immer etwas höher hängen als das, was man gerade erreicht hat. „Und in dieser verrückten Saison ist nur Bayern weg. Ansonsten ist doch für fast alle noch alles drin. Auch für uns. Wir dürfen uns nur nicht zu sicher sein. Wir müssen weiter jeden tag hart arbeiten“, relativiert Badelj und ich mag ihm zustimmen. „Das beginnt in Leverkusen. Dort sind drei Punkte zu holen.“ Sollte dem so sein, wäre zumindest Platz fünf als Winterquartier drin. Mit Tuchfühlung nach oben.

Wieder rankommen will auch Heung Min Son an seine gute Frühform in dieser Saison. Zuletzt schien der Südkoreaner etwas zu schwächeln und offenbarte neben wenig Torgefahr auch seine noch immer vorhandenen Mängel in der Defensivarbeit. Dennoch ist er gesetzt. „Sonni wird spielen“, sagt Fink, der mit Son und Rudnevs im Angriff beginnen will. Dass beide bislang sechs Saisontore haben freut Son. „Mir ist eigentlich egal, wer die Tore macht, Hauptsache wir gewinnen.“ Dass er dennoch gern noch ein paar Tore drauflegen will und auch nichts gegen die (interne) Torjägerkanone hat – klar. „Natürlich wäre das cool“, so Son, „aber ich mache mir da keinen Druck. Wenn Rudi trifft, ist das auch super.“ Kluge Worte, die auch ehrlich rüberkommen.
Nicht mithelfen werden in Leverkusen Robert Tesche, Marcus Berg und Slobodan Rajkovic, die allesamt nicht zum Kader gehören und dies als deutlichen Fingerzeig für die Winterpause verstehen dürfen.

Ob dem so ist und wer ansonsten noch zum Verkauf steht werden wir am Sonnabend nach dem Spiel Carl Jarchow fragen können. Mit dem Vorstandsboss werden wir das Leverkusen-Spiel, die Hinrunde, die bevorstehende Winterpause sowie die Rückrunde besprechen. Zudem werden wir sicherlich auch auf die Bilanz zu sprechen kommen, die ein erneutes Minus von 6,6 Millionen Euro ausweist. Ein Minus, für das sich der aktuelle Vorstand verantworten muss. Wofür noch, wird dabei auch geklärt werden können.
Zumal gerade das Thema „wer hat Schuld am Minus?“ hier im Blog noch immer die wildesten Blüten treibt. Weshalb noch immer einige behaupten, der aktuelle Vorstand habe kein Minus übernommen –unfassbar! Das ist so an der Realität vorbei wie nur irgendwas. Und vor allem: Nicht ein einziger Beteiligter leugnet diesen Umstand. Nicht einmal der alte Vorstandsboss höchstselbst. Oder wie ist es zu erklären, dass der HSV trotz des Umbruchs und vergleichsweise günstigen Zugängen wie Skjelbred, Mancienne, Bruma, Sala, Rajkovic etc. einen Transferaufwand von 27,6 Millionen Euro in 2011/12 hatte? Das würde alle bekannt gewordenen Zahlen ad absurdum führen und geht meines Erachtens nur, wenn noch Raten aus den vorangegangenen Transfers in das Geschäftsjahr 2011/’12 gerechnet werden müssen.

Womit ich doch noch einen kurzen Abstecher zur Präsentation der Kandidaten machen möchte, bei der Bernd Hoffmann als Unterstützung von Kathrin E. Sattelmair anwesend war. Sie und die anderen anwesenden 12 (Jan Harder fehlte entschuldigt) machten einen durchweg guten Eindruck. Mit einigen Ausschlägen nach oben. Und während diese Ausschläge bei renommierten Leuten wie Jens Meier, Ralf Bednarek und Cord Wöhlke erwartet und vollauf bestätigt wurden, konnte meines Erachtens Dr. Ralph Hartmann mit seiner Präsentation am meisten überraschen. Aber dazu werden wir uns hier noch deutlicher positionieren, wenn Ihr alle die Möglichkeit hattet, Euch von den Kandidaten selbst zu überzeigen. Das werden wir Euch ermöglichen. Nach jetzigem Stand wird es morgen Abend oder spätestens am Sonntag hier im Blog möglich sein, dass Ihr Euch die Reden der Kandidaten in voller Länge ansehen könnt. Vorher macht es meines Erachtens nach keinen Sinn.

In diesem Sinne, erst einmal wollen wir sehen, was den mutigen Worten der Spieler morgen in Leverkusen folgt. Wobei ich absolut davon überzeugt bin, dass in Leverkusen was drin ist. Wenn es gut läuft, sogar ein Dreier. Mein Tipp: 2:1, Torschützen: Badelj und Son – Gegentor: Kießling.

Bis morgen.
Scholle

So könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Lam – Skjelbred, Badelj, Arslan, Aogo – Son, Rudnevs.

Da wächst ein echtes Team zusammen! Jarolim kann sich U23 vorstellen

4. Dezember 2012

***Korrektur: Summe Arslan ist nicht fünf- sondern vierstellig****

Es gibt keinen Tag Pause mehr – bis zur Winterpause, die am 16. Dezember beginnt und am 29. Dezember schon wieder für die HSV-Profis endet. Zunächst steht am Freitag Hoffenheim auf dem Plan. Lange Zeit bleibt anschließend nicht, immerhin fliegt die Mannschaft um 23 Uhr zum Testkick nach Brasilien. Ein Termin, der finanziell ebenso notwendig ist wie anstrengend. Dennoch gibt es beim HSV niemanden, den das ärgert. Zumindest nicht offiziell. Auch Heiko Westermann sagt: „Der Verein hat diesen Termin gemacht und braucht die Einnahmen. Das ist normal. Ich glaube auch, dass Brasilien eine lustige Reise wird, wenn wir das Spiel vorher gewinnen“, so der Kapitän, der zwar das erste Mal nach Brasilien reist – aber wenn es nach ihm geht, eben nicht das letzte Mal. Ob das vielleicht schon ein kleiner Test zum Kennenlernen für die WM 2014 mit ihm wird? Westermann lacht und nickt vorsichtig. Er hätte sicher nichts dagegen.

Allerdings ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Und auch Westermann ist sich der Chance bewusst, die sich dem HSV aktuell und mal wieder bietet. Mit einem weiteren Heimsieg, dem dann dann bereits dritten in Folge, kann der HSV mal wieder zu den internationalen Plätzen aufschließen. Und anschließend in Leverkusen ist für den HSV auch etwas drin, wie Westermann sagt. „Da haben wir eigentlich immer gut ausgesehen, was zwar nichts zu sagen hat. Was mich aber optimistisch stimmt. Wir müssen unsere Hausaufgaben gegen Hoffenheim machen – und dann auf Zusatzpunkte in Leverkusen hoffen.“

Und das wird nicht leichter, nachdem in Hoffenheim Frank Kramer, der ehemalige U-23-Trainer der TSG, übernimmt. Ein dort gefeierter Jungtrainer, der mit Sicherheit Feuer hat und wie alle anderen neuen Trainer erst einmal „eine ganz andere und viel bessere Ansprache an die Mannschaft“ finden wird, wie alle ach so ehrlichen Profis der TSG formulieren werden. „Die werden jetzt alle richtig Gas geben und sich versuchen, zu empfehlen“, weiß Maxi Beister, der zu gern dabei wäre. „Vom Schmerz her würde ich sagen, es geht. Aber aus medizinischer Sicht scheint das unvernünftig.“

Wohl wahr. Nutznießer ist dafür voraussichtlich Heung Min Son, über den wir im letzten Blog ausreichend berichtet haben. Der Südkoreaner soll helfen, „genau da anzuknüpfen, wo wir gegen Schalke aufgehört haben“, wie Westermann sagt. Soll heißen: Auch gegen Hoffenheim will der HSV Pressing spielen. „Dieses Spielsystem liegt uns am besten“, sagt Westermann. „Vorne attackieren liegt uns.“ Warum dieses kraftaufwändige Spiel nicht für 90 Minuten reicht? „Keine Ahnung“, so der HSV-Kapitän, der die Frage auch nach dem Spiel in Wolfsburg stellte. „Wir sind die letzten 30 Minuten überhaupt nicht mehr in die Zweikämpfe gekommen und haben fast logischerweise den Ausgleich kassiert.“ Ob irgendwer eine Antwort hatte? Westermann verneint. „Ich habe viele gefragt, und von allen kam nur, dass sie topfit sind. Und das sind wir auch alle. Ich kann es mir nur so erklären, dass wir einfach mehr gelaufen sind.“ Und das stimmt tatsächlich. Zumindest im Spiel gegen Wolfsburg waren es 119,2 Kilometer Mannschaftslaufleistung. Und das ist ein wahrlich beachtlicher Wert. Zum Vergleich: die laufstarken Wolfsburger brachten es auf ebenfalls beachtliche 116 Kilometer (Bundesligaschnitt sind ca. 115 Kilometer/Spiel).

Insofern wird sich die Mannschaft ihre Kräfte einfach etwas besser einteilen müssen. „Vielleicht müssen wir das wirklich“, sagt Westermann, der ansonsten auch keine endgültige Lösung parat hat. Klar sei allerdings, dass der HSV weiter den hohen Aufwand betreiben wolle, um auf eine etwaige Verunsicherung des Gegners zu setzen. Das gepaart mit der Sicherheit im Defensivverbund sind die zwei Schlüssel zum Erfolg, wie Westermann sagt. „Wir stehen immer sicherer, stimmen uns immer besser ab“, sagt der Abwehrchef und lobt dabei neben den Außenverteidigern insbesondere seinen Nebenmann Michael Mancienne. „Michael wird immer sicherer. Er bekommt immer mehr Vertrauen in sich selbst. Wir sind eingespielt und der eine hält dem anderen den Rücken frei. Das ist sehr gut.“

Und fürwahr, Mancienne ist ein Spieler, für den man sich vielleicht den einen Tick mehr über dessen gute Leistungen freut. Denn der Brite zählt zu den technisch etwas limitierteren Spielern, die aber auf der Gegenseite das fehlende Talent mit unbändigem Einsatz ausgleichen. „Er ist ein absoluter Teamplayer“, schwärmt Trainer Thorsten Fink, „einer, auf den ich mich verlassen kann.“ Auch deshalb erhält Mancienne weiter den Vorzug vor dem sicher talentierteren Jeffrey Bruma, der sich in der Vergangenheit schon in Sphären wähnte, die er de facto sportlich nicht bestätigen konnte. Bruma hatte sich meines Erachtens zu oft zu sehr auf sein Talent verlassen, während sich Mancienne ob seines Einsatzes und Teamgeistes bei Fink zum Stammspieler mauserte. Wie wichtig Teamgeist aktuell ist, zeigt Westermanns Aussage: „Wir wachsen als Mannschaft immer enger zusammen. Das habe ich hier so noch nie erlebt – aber immer gehofft.“

Bestes Beispiel dafür war der gestrige Montagabend. Da lud Tolgay Arslan (für seine unnötige fünfte Gelbe im Schalke-Spiel) die Mannschaft bei „Mr. Kebap“ zum Essen ein. Und es kamen – 25 Mann. „Es war eine sehr nette Runde“, so Arslan, der am Ende einen vierstelligen Betrag zahlen musste, aber nicht verraten wollte, wie viel es letztlich genau war. „Darum geht es auch nicht“, so der Rechtsfuß, der gegen Hoffenheim wieder zur Startelf gehören wird. „Es war ein schöner Abend für uns als Mannschaft. Ich habe selten so gern eine Strafe beglichen…“

Von 18 bis 23 Uhr saß die Mannschaft in geschlossener Gesellschaft zusammen, speiste und trank. Sogar ein Discjockey wurde gestellt. Zum Vergleich: In der Saison 2010/2011 gab es einmal ein Babypinkeln in der „Bullerei“. Der Termin war lange angekündigt. Doch am Ende kamen gerade mal acht Leute, um mit ihrem Mannschaftskollegen dessen Kinderglück zu feiern. Noch schlimmer kam es, als die Mannschaft sich in derselben Saison zum Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt treffen wollte. Da kamen am Ende gerade drei Leute…

Ich habe es damals häufiger geschrieben und meine es auch heute noch ernst: Solche Abende sind enorm wichtig. Solche Abende geben der Mannschaft oft mehr als Trainingseinheiten. Das ist im kleinen Fußballbereich nicht anders als bei den Profis. Denn genau bei solchen Gelegenheiten formt sich der Zusammenhalt, der am Ende in knappen Spielen über Sieg und Niederlage entscheidet. Insofern: Chapeau, HSV! Zumal es noch deutlich mehr Teilnehmer gewesen wären, wenn die Presseabteilung nicht schon lange vorher für denselben Zeitpunkt die Weihnachtsfeier mit uns Journalisten angesetzt hätte. Dort kamen wie immer auch die Trainer, „die aber allesamt persönlich und begründet bei uns abgesagt hatten“, so Arslan über einen Abend, der mich in den von Westermann formulierten Optimismus einstimmen lässt: Da formt sich eine Mannschaft!

Form nimmt langsam auch die Liste der Kandidaten für den neuen Aufsichtsrat an. Und was lange vermutet wurde, ist jetzt amtlich: Ralf Bednarek, aktuell noch Abteilungsleiter der Supporters, tritt am 13. Januar bei der Jahreshauptversammlung zur Wahl an. Insgesamt werden vier neue Räte zu wählen sein, für die bislang acht Kandidaten feststehen. Neben Bednarek sind das Klaus Krägel, Jens Meier, Stephan F. Rebbe, Otto Rieckhoff, Christian Strauß, Peter von le Fort und Cord Wöhlke. „Ich werde zum 12. Januar meinen Vorsitz bei den Supporters abgeben und mich anschließend zur Wahl stellen“, so Rechtsanwalt Bednarek.

Womit ich das Thema Aufsichtsräte auch schnell wieder beenden will. Das wird früh genug wieder für alle wichtig, hat aber mit der sportlichen Entwicklung aktuell nichts zu tun. Im Gegenteil: denn die macht Spaß…

Spaß am Gespräch hatte heute Abend auch David Jarolim. Der traf sich mit Sportchef Frank Arnesen und sprach über seine nähere Zukunft. „Es war ein sehr gutes Gespräch“, so Jarolim, dem Arnesen nahelegte, die in den Abstiegsstrudel geratene U23 zu retten. „Ich bin froh, dass ich diesen Termin hatte“, so Jarolim, der in den nächsten Wochen abwarten will, ob sich für ihn noch etwas auf dem Transfermarkt für die Bundesliga ergibt. „Wir haben vereinbart, dass wir die nächsten Wochen noch abwarten und uns dann entscheiden“, sagt Jarolim, während Arnesen Verständnis für dessen Haltung hat: „Jaro ist ein vorbildlicher Profi mit toller Reputation – und er ist topfit. Ich kann ihn voll verstehen, dass er noch weiter als Profi spielen will.“ Sollte es sich dennoch nicht ergeben, kann sich Jarolim auch eine Rückkehr zum HSV vorstellen. Als erfahrener Dachs im jungen U23-Team. „Es ist alles vorstellbar“, so Jarolim, der heute Abend noch zurück zur Familie nach Prag fliegt. „Es ist ja auch nicht so, dass ich jedes Angebot annehmen würde. Im Gegenteil: es muss schon sehr gut passen. Ansonsten helfe ich meinem HSV.“

So, bei so viel Harmonie im sportlichen Bereich und weihnachtlicher Musik im Rücken – bevor mir die Tränen kommen verabschiede ich mich lieber für heute mit er klaren Ansage, dass der ehemalige Bremer Marko Marin beim HSV kein Thema ist. Im Anhang findet Ihr zudem noch ein nettes Gewinnspiel für eine sehr nette Veranstaltung. In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Gewinnspiel und Ankündigung:

Am Donnerstag den 06. Dezember 2012 präsentiert das HSV-Museum den erfolgreichsten Fußballkomiker Deutschlands: Am Nikolausabend wird Ben Redelings gemeinsam mit dem bekannten HSV-Autor Axel Formeseyn auf der Bühne stehen. Ben Redelings („Ein Tor würde dem Spiel gut tun. Das ultimative Buch der Fußball-Wahrheiten“, „Der Ball ist eine Kugel. Das große Buch der Fußballbücher“, „Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben – es ist das Einzige“ u.v.m.) und HSV-Autor Axel Formeseyn („Voll die Latte“, „Unser HSV“) werden zusammen mit Gästen und Zuhörern eine unterhaltsame Reise durch die letzten 50 Jahre Bundesliga bestreiten. Gäste sind die ehemaligen HSV-Profis Rudi Kargus und Stefan Schnoor. Beginn ist um 19.30 Uhr, Einlass ist ab 18 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro inklusive eines Begrüßungsgetränks. Die Karten gibt es im HSV-Museum oder über den Merchandising-Shop der Supporters.

Oder eben hier. Denn wir verlosen zwei Tickets sowie je ein Buch „Voll die Latte“ und „50 Jahre Bundesliga“, das neue Buch von Redelings. Beantwortet einfach folgende Frage per Email bis zum 5. Dezember 2012 bis 18 Uhr an: preisfrage@abendblatt.de.

Gewinnfrage: Wer bestritt in 50 Jahren Bundesliga die meisten Bundesligaspiele für den HSV und wie viele waren es?

Die Gewinner/innen veröffentlichen wir an dieser Stelle im morgigen Blog, der um voraussichtlich 19 Uhr veröffentlicht wird. Alle Angaben sind ohne Gewähr, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg!