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Was hat Joe Zinnbauer vor?

21. November 2014

Das war mal eine Nebeleinheit heute Nachmittag. „Verschleierungstaktik“, twitterte der HSV schon am Morgen beim Blick über den diesigen Trainingsrasen heraus. Von „Fog – Nebel des Grauens“ war die Rede – und nicht wenige Zuschauer fragten sich besorgt, wie der Brasilianer Cleber wohl seine mutmaßlich erste Trainingsschicht bei derartigen Bedingungen und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt überstehen würde.

Zumindest die Sorge bezüglich des Südamerikaners war unbegründet. Cleber mischte munter mit, natürlich mithilfe dicker Handschuhe, einer Mütze und der langen Trainingshose. Ihm war sogar großer Einsatz anzusehen und auch anzuhören. Es ist schon jetzt unverkennbar, wenn seine dunkle Stimme über den Trainingsplatz dröhnt. Und die von Cleber war heute bei weitem nicht die einzige. 24 Feldspieler hat Trainer Joe Zinnbauer dabei gehabt, es wurde in verschiedenen Formen auf kleinem Feld geübt. Es war sehr laut und augenscheinlich, dass Zinnbauer zwei Absichten verfolgte.

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Zum einen deuteten die Übungen auf kleinem Feld immer wieder darauf hin, dass auch übermorgen im Nordderby gegen Werder Bremen ein harter Kampf um jeden Zentimeter im Mittelfeld erwartet wird. Das Spiel eng machen, sich dort zweikampfstark und mit schnellen Zuspielen behaupten. Das erwartet uns alle also am Sonntag ab 15.30 Uhr im ausverkauften Volkspark. Zum zweiten möchte Zinnbauer durch den bewusst großen 24er-Kader den Konkurrenzkampf am Leben halten. Zum vermeintlichen Stamm zählten heute beispielsweise Mohamed Gouaida, Ronny Marcos, Ashton Götz, Julian Green – dafür mussten sich Matthias Ostrzolek oder auch Tolgay Arslan mit einer möglichen Reservisten-Rolle vertraut machen. Rafael van der Vaart könnte sich gegen Bremen im defensiven Mittelfeld wiederfinden.

Es ist kaum zu erwarten, dass Zinnbauer gleich ein ganzes Quartett unerfahrener U-23-Spieler ins Nordderby schicken wird. Aber warum sollte eigentlich nicht Mohamed Gouaida sein Debüt in der Bundesliga geben? Links im Mittelfeld fällt Marcell Jansen aus. Die Variante mit Lewis Holtby hat bei Hertha BSC nicht geklappt. Zoltan Stieber konnte dort ebenfalls noch nicht begeistern und Ivo Ilicevic bleibt fürs erste wegen seiner ständigen Verletzungen und Trainingspausen ein unsicherer Kandidat. Warum also nicht Gouaida, der vergangenen Sonnabend beim 2:2 der U 23 durch ein wundervolles Tor (übrigens nach Doppelpass mit Philipp Müller und nicht Ahmet Arslan, wie ich vergangene Woche irrtümlich geschrieben hatte) den Endstand erzielte? Der Bursche hat schon was, ist schnell und selbstbewusst. 21 Jahre alt ist der Franzose mit tunesischen Wurzeln, der in Straßburg geboren wurde, und den der HSV im Sommer vom SC Freiburg geholt hat.

Abwarten, was Joe Zinnbauer wirklich plant. Wie Ihr auch im Video von der heutigen Pressekonferenz hören könnt, möchte sich der Trainer alle Optionen offen halten. Wobei er auch klar sagt, dass vor den jungen Nachrückern immer noch eine Reihe Älterer steht, die „einen Schritt“ voraus seien. Aber punktuell kann man sicher mit einem jungen die alte Garde aufmischen. Nach den Länderspielen der vergangenen Woche sind vor allem die beiden Schweizer mit leichten Beschwerden zurückgekehrt. Allerdings gab es heute auch gleich Entwarnung. Sowohl Valon Behrami als auch Johan Djourou konnten im Training wieder dabei sein. Ihr Einsatz am Sonntag ist nicht gefährdet.

Auffällig ist ja vor diesem Nordderby, dem 101. Der Bundesliga-Geschichte, dass sich die Protagonisten mit allzu viel Gedröhne zurückhalten. Das mag auch wiederum zwei Gründe haben. Auf der einen Seite polarisiert die Werder-Truppe in Hamburg sicher nicht mehr so wie mit Tim Wiese oder Torsten Frings. Auf der anderen Seite ist die sportliche Lage sowohl an Weser wie an Elbe alles andere als dafür geschaffen, große Töne zu spucken. Wie würde sich das anhören, wenn die HSVer posaunen würden, Werder aus dem Stadion zu pusten? Da muss man nur mal die Heimstatistik rausholen. Und Werder, mit der zweitschwächsten Deckung der Liga, steckt in etwa so tief im Schlamassel wie der HSV.

Der Weg der beiden Vereine in den vergangenen Jahren lief ja parallel nach unten. Werder Bremen stand zwischenzeitlich fünf Mal in Folge in der Champions League. Geblieben ist von entsprechenden Einnahmen und vom hohen Marktwert der Spieler – nichts. Der HSV war internationaler Dauergast in den 2000er Jahren. Davon geblieben ist – noch weniger als nichts. Beide Nordvereine können ruhig als Prototypen herhalten für diejenigen Bundesliga-Vereine, die mit allergrößtem Aufwand und größtmöglichem Transferrisiko ihre Mannschaft aufgepumpt haben. Der sportliche Erfolg gab ihnen kurzfristig recht, doch sportliche Schwächephasen brachten das ganze Konstrukt zum Einsturz. Der HSV überhob sich (und überhebt sich noch) an seinen viel zu hohen Personalkosten. Werder wurde Opfer einiger teurer Transferflops. Als die Zeiten der genialen Spielmacher Micoud, Diego und Özil vorbei war, wurde teuer investiert in Nachfolger (Arnautovic, Carlos Alberto), die die Erwartungen nicht erfüllten. Was in Hamburg aufgefressen wurde durch zahllose Abfindungen, das ging auch an Werder nicht vorüber. Dort hat man darüber hinaus in Steine statt weitere Beine investiert. Das Stadion wurde umgebaut. Nachhaltig und sinnvoll, aber für den Moment ist Werder Bremen sportlich in einer tiefen Delle. Die Truppe ist eindeutig nicht gut, und nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Franco di Santo im Sturm besitzt der HSV ja berechtigte Hoffnungen, diesmal als Sieger vom Platz gehen zu können.

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Apropos Abfindungen. Vier Stunden tagten die DFB-Schlichter gestern mit den Anwälten des HSV und von Mirko Slomka und Nestor el Maestro. Dann war der Gütetermin friedlich beendet. Mehr als 1,4 Millionen Euro Abfindung wollte allein Slomka haben. Am Ende soll eine Summe von 1,8 Millionen herausgesprungen sein. Damit können wir zusammenfassen, dass der Ex-Trainer von Hannover 96 für seine sieben Monate in Hamburg knapp 2,5 Millionen Euro eingestrichen hat. Das ist etwas weniger als Bert van Marwijk für die knapp sechs Monate seiner Amtszeit erhalten hat. Es ist doch schön zu sehen, wie gnädig der HSV mit seinen leitenden Angestellten umgeht. Nicht, dass daraus nachher noch ein Sozialfall wird.

Aber im Ernst: Was ist da eigentlich los in den verantwortlichen Gremien des HSV? Was haben Anwälte, Vorstände und Aufsichtsräte für löchrige Verträge ausgehandelt? Wieso wird da ständig die Abfindung eingeklagt und nach oben verhandelt? Gibt’s das bei anderen Bundesligisten? Cardoso, Addo, Kreuzer, Slomka, el Maestro, van Marwijk – allein in den vergangenen Monaten? Die Verträge liegen dem HSV natürlich nur intern vor. Aber das hier ganz offensichtlich fehlerhaft gearbeitet wurde, liegt zunächst auf der Hand. Bei Kreuzer, so viel ist klar, hat der neue Aufsichtsrat bei der Vertragsumstellung Kreuzers von e.V. auf AG ein Versäumnis begangen und eine ursprünglich gültige Abfindungsregelung nicht übernommen. Glückwunsch dazu! Alle anderen Dinge, wie auch gestern von Scholle zum Fall Otto Addo beschrieben, sind im einzelnen sicher unterschiedlich. Zwei Prozesse stehen übrigens noch an. Am 1. Dezember geht es vor dem Arbeitsgericht um die fristlose Kündigung von Oliver Kreuzer. Und der Gütetermin mit dem ehemaligen Fitness-Trainer Nikola Vidovic, der heute vor dem Arbeitsgericht sein sollte, wurde kurzfristig verlegt. Dazu diese Mitteilung des Arbeitsgerichts:

Herr Vidovic wurde beim HSV e.V. mit Arbeitsvertrag vom 19. Oktober 2011 befristet bis zum 30. Juni 2014 eingestellt. Dieser Arbeitsvertrag wurde nachfolgend bis zum 30. Juni 2016 verlängert. Herr Vidovic war direkt dem Cheftrainer unterstellt. Das Arbeitsverhältnis ging später auf die HSV Fußball AG über. Mit Schreiben vom 16. September 2014 wurde Herr Vidovic durch die HSV Fußball AG freigestellt und am 22. September zum 31. Oktober 2014 gekündigt. Gegen diese Kündigung wendet sich Herr Vidovic vor dem Arbeitsgericht Hamburg. Weil beide Seiten eine einvernehmliche Regelung derzeit für nicht möglich halten, haben Sie beantragt, den Gütetermin vom 21.11.2014 zu verlegen, und den Kammertermin unmittelbar anzuschließen. Daher hat der Vorsitzende den Termin vom 21.11.2014 aufgehoben und zur mündlichen Verhandlung Termin anberaumt auf den 11. Februar 2015.

Verrückt, diese Prozessflut. Eigentlich kann es nicht im Sinn des Vereins sein, dass die anberaumten Verhandlungen tatsächlich öffentlich stattfinden. Im Zweifel würde wohl nur offenbar, welche Versäumnisse der HSV sich vorzuwerfen hat.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf eine neue Sonderausstellung im HSV-Museum. Mit 40 geladenen Gästen wurde vorhin der neue Bereich eingeweiht, der noch bis Ende des Jahres zu sehen sein wird und „Charly“ Dörfel gewidmet ist. „Charly“ selbst war anwesend, und das ist umso erfreulicher, weil der geniale Linksaußen von einst ja gerade einen Krankenhausaufenthalt hinter sich hat. Aber, wie er selbst jetzt wohl sagen würde: „Unkraut vergeht nicht!“ Also: Ein Blick ins Museum lohnt sich mal wieder.

Morgen wird noch einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Für die Matz-ab-live-Sendung am Sonntag nach dem Nordderby haben Dieter und Scholle den ehemaligen Torwart Sven Neuhaus zu Gast. Ein zweiter Gast folgt wie immer.

Lars
18.52 Uhr

Vorbereitung: 13 Spiele, sechs HSV-Siege

12. August 2012

Vagner Love lässt grüßen. Erinnert das noch einer von euch? Vagner Love, oder wie er genau heißt: Vágner Silva de Souza, heute Stürmer bei Flamengo Rio de Janeiro, sollte zum HSV kommen. Hieß es nicht nur in Hamburg damals. Es sollte fast alles perfekt sein – und dann war rein zufällig auch noch mein „Matz-ab“-Kollege Christian Pletz in Brasilien, sprach persönlich mit dem Stürmer. Vagner Love bestätigte den Fast-Wechsel zum HSV, und „Matz ab“ vermeldete es quasi aus erster Hand – und dann platzte der Wechsel doch noch. Die Häme, die dann über „Matz ab“ einbrach, die war riesig. Und hielt monatelang, wenn nicht sogar jahrelang an. Genau deswegen stand hier gestern nichts von Hakan Calhanoglu. Weil ich mir zum Ziel gemacht habe, nur dann etwas von einem Wechsel zu schreiben, wenn auch ich mich informiert habe. Da der HSV auf Mallorca weilte und ich keinerlei „Nahrung“ zu einem Wechsel des Karlsruhers bekam, schrieb ich nichts. Bevor ich von anderen abschreibe – und vielleicht wieder erfahren muss, dass der Fast-Wechsel doch noch geplatzt ist. Häme – nein danke! Ich denke (und habe gedacht), dass es bis zum Sommer 2013 noch etwas Zeit ist – auch für andere Vereine, noch dazwischenzufahren und dem HSV noch einmal kräftig in die Suppe zu spucken . . . Mal abwarten, wie sich das alles entwickelt.

Sollte es für das nächste Jahr aber tatsächlich klappen, dann kann man dem HSV nur gratulieren. Ich sah am ersten Drittliga-Spieltag dieser Saison die Partie Heidenheim gegen den KSC (2:2) live im Fernsehen, ein Klasse-Spiel. Aufschlussreich gerade im Hinblick auf das Pokalspiel der kommenden Woche. Hakan Calhanoglu schoss in Heidenheim eine 2:0-Führung des Zweitliga-Absteigers heraus. Mit zwei großartigen Freistößen. Einen versenkte er links, einen rechts. Der HSV kann sich freuen. Wenn es denn klappen sollte – so wie es die deutsche Presse-Agentur berichtet:

Der HSV scheint den Poker um den Karlsruher Offensivspielers Hakan Calhanoglu gewonnen zu haben. Wie das „Hamburger Abendblatt“ und die „Bild“-Zeitung berichten, soll der 18 Jahre alte Kreativspieler in den nächsten Tagen einen Dreijahresvertrag von 2013 an unterzeichnen. In der kommenden Saison wird er allerdings noch beim Drittligisten KSC unter Vertrag stehen, dem nächsten Gegner im DFB-Pokal. Der HSV wollte sich dazu am Sonntag vor dem Rückflug nach dem mit 1:0 gewonnenen Test bei Real Mallorca nicht äußern.

Seit der U 16 spielt der in Deutschland geborene Sohn türkischer Eltern für die Auswahl-Mannschaften der Türkei. Zuletzt hatten auch die Bundesligisten Hoffenheim, Freiburg und Bremen um Calhanoglu mitgeboten. „Wenn es stimmt, wäre es sehr schade“, sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs, „aber zu den aufgerufenen Bedingungen hätten wir es nicht machen können.“ Der HSV soll etwa zwei Millionen Euro für das Talent an den KSC zahlen.

Vor Wochen war sich Werder angeblich schon mit Hakan Calhanoglu einig. Ich kann mir deswegen nicht vorstellen, dass die Bremer nun ohne Kampf aufgeben werden. Und andere Vereine wachen eventuell nun, wo der Wechsel zum HSV öffentlich gemacht worden ist, ja auch noch auf. Und meines Wissens dürfen Verträge dieser Art (also für 2013) jetzt noch gar nicht geschlossen werden – auch keinerlei Vorverträge.

Ganz nebenbei, gaaaaanz nebenbei: Vor Wochen hatte „uns Scholle“ hier bei „Matz ab“ als Allererster (vor allen Hamburger Zeitungen) die Meldung, dass der HSV Calhanoglu will. Marcus „Scholle“ Scholz hatte seinerzeit mit dem Berater des KSC-Spielers gesprochen, und dieser bestätigte sowohl das HSV-Interesse als auch das von Werder.

Themenwechsel. Der HSV hat mich sportlich mit dem 1:0-Sieg beim RCD Mallorca total und auch total positiv überrascht, das gebe ich gerne zu. Und irgendwie passt dieses Resultat auch gut in die Landschaft, denn der 1. FC Nürnberg verliert mit dem 0:1 gegen Betis Sevilla sein erstes Testspiel, und der HSV setzt mit dem Sieg in Spanien ein erstes richtiges Ausrufezeichen. Wobei die Defensivabteilung ganz erfreulich und sehr stark gearbeitet hat (gegen ein Team, das in der kommenden Woche um Punkt spielen soll!), nach vorne aber nicht allzu viel ging. Ballbesitz ist das Zauberwort, Trainer Thorsten Fink will Ballbesitz und lässt genau darauf auch spielen (Motto: „Haben wir den Ball, schießt der Gegner keine Tore“). Und auf Mallorca war der Gegner nicht in der Lage, mehr in Ballbesitz zu kommen. Ein Tor langt dem HSV – in diesem Fall. Und so könnte es in dieser Saison durchaus noch öfter Spiele dieser Art geben.

Mit einer Sache wusste ich gar nicht so recht, wie ich damit umgehen soll: Paul Scharner. Wieso kam der Österreicher, der sich lange warmlief, dann doch nicht zum Einsatz? Waren die beiden Innenverteidiger, Jeffrey Bruma und Michael Mancienne, zu gut an diesem Abend? Oder erhielten sie noch eine „Gnadenfrist“? Licht ins Dunkel brachte Trainer Fink, wie mir mein Kollegen Kai Schiller, der mit auf der Insel (gewesen) ist: „Paul Scharner hatte erst einen Tag mit uns trainiert, es war wichtig für ihn, dass er erst einmal die Mannschaft kennen lernt. Da der Österreicher auch bis Donnerstag bei seiner Nationalmannschaft ist, wird beim Pokalspiel die Innenverteidigung auch Bruma/Mancienne heißen, das kann ich garantieren – sie haben ja auch eine gute Vorbereitung gespielt.“ Das stimmt, und deswegen ich diese Maßnahme auch absolut nachvollziehbar.
Pokal-Gegner KSC steht übrigens in Liga drei nach der 0:1-Auswärts-Niederlage in Bielefeld schon wieder sieglos auf einem Abstiegsrang – Platz 18 von 20 Mannschaften. Da müsste es doch eigentlich mit dem Teufel . . .

Der HSV kehrt erst heute am Abend wieder zurück nach Hamburg, die Mannschaft lief heute auf Mallorca aus. Am Montag haben die Spieler ihren freien Tag.

Am Dienstag folgt dann – bevor es „pokalig“ wird – zum Abschluss der Vorbereitung noch das Spiel beim Hamburger Oberliga-Klub Altona 93. Es gab jetzt vom 6. Juli an 13 Spiele, die von den HSV-Leistungen her sehr durchwachsen waren, die aber (immerhin) sechs Siege und vier Unentschieden brachten. Hier noch einmal alle Partien auf einen Blick:

1860 Rosenheim – HSV 2:2
Zillertal-Auswahl – HSV 0:10
Terek Grozny – HSV 2:2 (wetterbedingt vorzeitig beendet)
Holstein Kiel – HSV 1:1
FC Suwon Samsung II (Südkorea) – HSV 0:6
FC Groningen – HSV 1:2
Seongnam Ilhwa Chunma (Südkorea) – HSV 0:1
FC Barcelona II – HSV 2:1
Eintracht Norderstedt – HSV 0:6
Borussia Dortmund – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
FC Bayern – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
Nordsjaelland – HSV 0:0
RCD Mallorca – HSV 0:1.

In einem abschließenden Resümee muss festgestellt werden, dass nicht viele Spiele dabei waren, in denen der HSV voll überzeugt hat. Im Gegenteil. Aber, und so hat es Trainer Thorsten Fink immer wieder betont, wichtig ist, dass der HSV zum Punktspiel-Start bei 100 Prozent ist – und das hat der HSV-Coach ja auch quasi versprochen. Fink sagte wörtlich: „Was nützt es, wenn man in der Vorbereitung nur gewinnt, in der Bundesliga dann aber verliert? Wir werden zum Bundesliga-Start zu 100 Prozent da sein.“ Eine Frage mit einer deutlichen Antwort. Und wenn dann der HSV in der Bundesliga erfolgreich spielt, dann denkt ganz bestimmt keiner mehr an diese etwas holprige Vorbereitung zurück. Auch ich nicht. Versprochen.

So, ansonsten gab es an diesem Sonntag Dütt und Datt.

Wie zum Beispiel die Meldung, dass sich Markus Babbel, der Hoffenheimer Trainer, darüber beklagt hat, dass nicht der Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw seinem Keeper Tim Wiese eine Absage für das Argentinien-Länderspiel (am Mittwoch in Frankfurt/M.) erteilt habe, sondern „nur“ der Co-Trainer und der Torwarttrainer (Hansi Flick und Andreas Köpke). Auch das ist nachvollziehbar. Denn erstens überrascht es mich, dass nun Hannovers Zieler die Nummer zwei ist, und dann wäre es ganz sicher besser gewesen, wenn Löw das selbst verkündet hätte. Da bin ich ganz auf Babbels Seite, denn er ist ein feinfühliger, ehrlicher und eher zurückhaltender Mensch, der immer weiß, was er sagt und wie er sich zu verhalten hat. Babbel, der ehemalige HSV-Spieler (den ich immer sehr geschätzt habe!), ist ganz sicher kein Besserwisser und auch kein Lautsprecher, der Mann ist einfach nur klasse – ein ganz feiner Mensch.
Und dass er Wiese zum TSG-Kapitän gemacht hat, das hat Babbel sicherlich nicht getan, um den HSV-Anhang zu ärgern, das spricht vielmehr und irgendwie auch für Wiese, der bei anderen Klubs (und den dazugehörigen Fans) ja nicht sonderlich beliebt ist. Wiese soll aber, so hat es mir mein alter Freund Harald Stenger (der nun als Medien-Direktor des DFB aufhören muss) oft genug bestätigt, gar nicht so ein „Stinkstiefel“ sein, für den er vor allem wohl in Hamburg gehalten wurde – und wird.
Aber, das zum Abschluss, macht ein Trainer einen „Quertreiber“ wirklich sehenden Auges zum Kapitän?

Und wo wir gerade bei Torhütern sind: Jens Lehmann hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Und in meinen Augen ganz gute Dinge von sich gegeben. Die Agentur dapd schreibt:

Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Jens Lehmann hat sich verwundert über Matthias Sammers Wechsel zu Bayern München geäußert. „Ich war überrascht“, sagte Lehmann der „Bild am Sonntag“. Sammer habe seinen Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im vergangenen Jahr verlängert und von Werten wie Loyalität gesprochen. „Und auf einmal werden diese Werte innerhalb von ein paar Stunden anders beurteilt und ausgelegt.“

In der Verpflichtung des 44-Jährigen als neuen Bayern-Sportvorstand sieht Lehmann zudem erhöhtes Konfliktpotenzial beim Rekordmeister. Er betonte aber: „So, wie ich ihn erlebt habe, streitet Matthias Sammer mit den Leuten, die unter ihm sind. Er streitet nicht mit den Leuten, die über ihm stehen.“

Lehmann und Sammer kennen sich unter anderem durch ihre gemeinsame Zeit bei Borussia Dortmund. Sammer führte den BVB 2002 als Trainer zur Meisterschaft, Lehmann stand damals im Tor.

Eine interessante Meinung von Lehmann. Und die rief bei mir noch einmal die damalige Wechsel-Posse Sammers zum HSV ins Gedächtnis zurück. In der Tat, damals, als Sammer sich für den DFB entschied (obwohl er beim HSV schon zugesagt hatte), sprach der Sport-Direktor viele hehre Worte. Die aber wohl dann doch nicht mehr ganz so hehr sind, wenn der große FC Bayern ruft . . . Aber ist ja ohnehin abgehakt, dieses Thema, ich fand es nur ganz interessant, wie ein Großer des deutschen Fußballs darüber denkt – und es dann auch offen ausspricht.

Zum Thema Nationalmannschaft gab es dann heute auch noch folgenden Meldung (dapd), wobei es hier um den FC Bayern geht:

Bayern München wird das Supercup-Duell mit Borussia Dortmund ohne Bastian Schweinsteiger antreten. Der Nationalspieler, der zuletzt mit Sprunggelenksproblemen zu kämpfen hatte, trainierte zwar am Samstag wieder. Trainer Jupp Heynckes verzichte im Supercup aber vorsichtshalber auf ihn, teilte der Verein vor dem Heimspiel am Sonntag (20.00 Uhr) mit. Dagegen soll Stürmer Claudio Pizarro nach seinen Hüftproblemen wieder in den Kader zurückkehren.

Wir erinnern uns: Schweinsteiger wurde bei der EM trotz seiner fehlenden Fitness immer tapfer mit durchgeschleppt. Nach der EM bestritt Schweinsteiger kein Pflichtspiel mehr, und er ist trotz allem immer noch nicht fit für den FC Bayern! Das hätte ich auch mit einem dicken Fragezeichen versehen können, denn ganz offenbar ist da doch etwas ganz Gravierendes falsch gelaufen. Schweinsteiger hätte, ich schrieb es während der EM, gar nicht (mehr) auflaufen dürfen (und sollen), aber da war wohl falsch verstandene „Liebe“ zwischen Trainer und Spieler mit im Spiel (während ich das schreibe, verwandelt der ehemalige HSV-Spieler Christian Rahn, ja der „alte“ Rahner, gerade einen Elfmeter zum 1:0 für Regensburg gegen Duisburg – Glückwunsch!).

Apropos Ehemaliger: Auch ihn gib es noch, wie der Sport-Informations-Dienst berichtet:

Der frühere Fußballer des Jahres Ailton war bei seinem Debüt beim Sechstligisten Hassia Bingen gleich der Matchwinner. Der 39-Jährige kam gegen die SpVgg Ingelheim in der 68. Minute ins Spiel und erzielte vor 1300 Zuschauern beide Treffer (84./90.) zum 2:0-Erfolg. „Kugelblitz bleibt Kugelblitz. Mein Antritt ist Explosion“, sagte der frühere Bremer der Rhein-Zeitung. Nach Angaben der Zeitung war bereits nach dem ersten Tor ein Kamerateam auf den Platz gelaufen.

Dschungelcamp-Teilnehmer Ailton tingelt seit 2009 durch die deutschen Amateurligen. Zunächst beim in die Niederrheinliga abgestürzten Ex-Pokalsieger KFC Uerdingen, ein Jahr später beim Bremer Regionalligisten FC Oberneuland und schließlich beim niedersächsischen Siebtligisten VfB Peine.

Ja, der liebe, gute, dicke Ailton, der hier noch in Hamburg aufdribbeln durfte, obwohl er seine Zukunft schon lange hinter sich hatte. Wenn ich an ihn denke, dann nicht nur wegen der tausendprozentigen Chance gegen Werder, die dem HSV Millionen gekostet hat, sondern an seine Extravaganz. Der führte sich hier beim HSV oft so wie ein König auf. Da musste man anklopfen, bevor man ihn ansprechen durfte. Es fehlte nur noch eine Sänfte, auf der ihn die Mitspieler auf den Rasen zu tragen hätten. Ja, es gab schon Typen hier . . . Trainer Thomas Doll verzweifelte damals an dem „Dicken“, weil der stets versprach, im Hotel im Kraftraum zu arbeiten, um den Rückstand in Sachen körperlicher Fitness so schnell wie möglich aufzuarbeiten. Aber denkste Kraftraum, Ailton legte die Beine hoch und ließ den lieben Fußball-Gott einen guten Mann sein.

Dann ganz kurz noch ein kleiner Schwenker in die Zweite Liga. Zum 1. FC Köln. Zwei Spiele, zwei Punkte – ein Fehlstart? Mir tut der ehemalige HSV-(Jugend-)Spieler Holger Stanislawski etwas Leid. Der EFFZEH jagt Podolski, Novakovic und alles was sonst noch stürmen kann vom Hof, und jetzt fragt sich „ganz Köln“, warum der Klub keine Tore schießt? Kommt mir irgendwie bekannt vor.

So, und nun trifft noch ein „Ehemaliger“ in der Zweiten Liga. Änis Ben-Hatira, der ein unwahrscheinlich breites Kreuz bekommen hat (alles Muskeln!), schießt Hertha BSC gerade beim FSV Frankfurt mit 1:0 in Führung. So schießt das Leben . . .

Und dann gab es da noch diesen Bericht von „Malle BZ“:

HSV-Hooligans vs. Helmuts

Gestern Nacht soll es laut Zeugenberichten in der Schinkenstraße am Ballermann zu einer massiven Schlägerei zwischen HSV-Fans und den Sonnenbrillenverkäufern gekommen sein. Die HSV-Supporter feierten in den dort liegenden Biergärten ausgelassen und wurde immer wieder von den dreisten Schwarzafrikanern bedrängt, etwas aus dem Angebot zu kaufen. Irgendwann gegen 2 Uhr muss die Stimmung dann aber ziemlich schnell umgeschlagen haben, nachdem es immer wieder zu Beleidigungen von Seiten der „Helmuts“ kam.

Die Situation eskalierte und einige Dutzend HSV´ler teilten massive Ohrfeigen an die immer mehr werdenden Schwarzen aus. Eine Massenkeilerei quer über die Schinkenstrasse entstand, es flogen Bierkrüge und Tische. Die Lage beruhigte sich erst, als eine große Anzahl Polizisten am Schlachtfeld auftauchte und die Lager spaltete. Auf Seiten der Sonnenbrillenverkäufer soll es zu einigen Verletzten gekommen sein, die in mehreren Krankenwagen abtransportiert wurden.

PS: Nicht vergessen, am Montag kein Training im Volkspark.

16.26 Uhr

Neuhaus bleibt wohl, Drobny geht nicht zu Bayern – und Adler muss weiter warten

3. Mai 2012

Wahnsinn! Das konnte man als Quasi-Fan-Anleihe sehen. Denn das Interesse am HSV ist ungebrochen. Gute 100 Meter standen die HSV-Fans heute zum Schnäppchenmarkt in Doppelreihen an. Und es hörte gar nicht auf. Ständig fuhren Autos vom Parkplatz weiß (hinter der Haupttribüne) – aber für jedes abfahrende Auto kamen zwei neue. Der Mann mit der Lostrommel (Stückpreis 50 Cent – ich habe für zehn Euro eingekauft und ein altes Westermann-Trikot in rot, ein weißes für den Lütten sowie eine Schirmmütze und ein HSV-Fan-Set gewonnen) kam den Kaufwünschen kaum nach. Ebenso die Schnäppchen-Verkäufer, die heute und am Freitag vor der Bus-Einfahrt verkauften. Der HSV zieht eben noch…

Anders ist es da mit dem Spiel in Augsburg. Das scheint niemanden mehr so wirklich zu interessieren, nachdem es für beide Teams maximal darum geht, wer am Ende vor dem anderen steht. Ausgenommen hiervon ist allerdings Sven Neuhaus. Der Keeper feiert erst sein drittes Bundesligaspiel und trifft dabei auf seinen Ex-Klub. Übrigens, und das wusste ich bis dato selbst nicht, schied Neuhaus vor drei Jahren nicht wirklich im Netten beim FCA aus. Vielmehr war es die Möglichkeit, Simon Jentzsch zu verpflichten, die den damaligen und heutigen Trainer Jos Luhukay dazu brachte, sich im Sommer spontan gegen Neuhaus und für den damaligen Bundesligakeeper zu entscheiden. Schön sei es nicht gewesen, bemühte sich Neuhaus heute erfolgreich um Fassung, „allerdings ist Augsburg aufgestiegen und hat somit nicht allzu viel falsch gemacht. So funktioniert es eben im Leben – wenn ein Guter angeboten wird, muss ein anderer gehen. Das war damals in Augsburg so. Und das kann dieses Jahr hier so sein.“ Womit Neuhaus die Personalie Jaroslav Drobny anspricht, der zwar noch einen Vertrag hat, dem aber ein Wechsel nahegelegt wird, weil der Verein die Möglichkeit hat, René Adler zu verpflichten. Klar ist aber auch, dass es nicht das Duo Drobny/Adler in Hamburg geben wird.

Vielmehr kann es nur eine Nummer eins geben. Und die wird nicht Neuhaus heißen, obwohl der 34-Jährige dem HSV erhalten bleibt. „Ich hatte noch vor meine Spielen im März ein längeres, sehr gutes Gespräch mit dem Trainer. Und Thorsten Fink hat mir gesagt, das er sehr gern mit mir arbeitet und das auch gern weiter machen würde“, so Neuhaus glücklich. Immerhin strebt auch der zweifache Familienvater ein weiteres Jahr in Hamburg an. Zumal er sich in die Stadt verliebt hat: „Hamburg ist eigentlich viel zu teuer, das kann ich mir gar nicht leisten“, scherzt Neuhaus, und er fügt hinzu: „Hamburg ist der Wahnsinn. Dazu der Verein, die Fans und die super Trainingsbedingungen. Ich würde sehr gern bleiben.“

Und das auch als Nummer drei. Obwohl er dieses Jahr noch mal Lunte riechen durfte. „Ich hatte anfänglich echte Bedenken, was passieren würde, wenn ich wirklich spielen müsste. Ich war so lange raus und hatte ernsthafte Bedenken, dass ich die Abläufe nicht mehr richtig drauf habe. Aber alle Bedenken waren in Nürnberg nach 60 Sekunden passé. Da habe ich den Schalter umgelegt, ohne es zu merken. Plötzlich ging es, als wäre ich nie raus gewesen.“ Dabei hatte er gegen Kopenhagen im Winter beim Testkick echte Probleme. Mit den Händen und den Füßen klappte nicht wirklich viel. „Das war hart damals“, erinnert sich Neuhaus, für den Trainer Thorsten Fink in meinen Augen die perfekte Benotung fand: „Er gefällt mir in den Spielen deutlich besser als im Training.“ Denn bei Letztgenanntem wusste Neuhaus – das hatten Dieter, ich und auch etliche Trainingskiebitze so geschrieben – nicht wirklich z überzeugen. „Ich habe keine Ahnung, warum das so ist“, lacht Neuhaus, „aber wahrscheinlich hat er recht.“

Neuhaus ist ein intelligenter Typ, der sich gut zu verkaufen weiß. Das wiederum spiegelt sich in seiner Vita bei 153 Zweitliga- und bislang erst zwei Erstligaspielen nicht zwingend wieder. Dennoch, Neuhaus kann gut mit Worten. Er ist ein smarter, sehr sympathischer und bodenständiger Typ. Einer, der immer für einen Scherz zu haben ist. Aber eben keiner, der spinnt. Auch deshalb setzen Fink und Sportchef Frank Arnesen auf den (mit rund 100000 Euro per annum vergleichsweise) Geringverdiener beim HSV. Ob sich Neuhaus nicht zu schade ist, von vornherein als Nummer drei ins Rennen zu gehen? „Nein“, so der solide Familienvater kalkulierend, „ich hatte eigentlich einen Fünfjahresvertrag gefordert, komme aber auch mit einem Jahr klar.“ So müsse er nicht umziehen und sich irgendeinem zweitklassigen Verein anschließen. „ich will helfen. Und wenn die beiden Keeper beim HSV am Saisonende besser geworden sind und ich dabei helfen konnte, bin ich zufrieden. Auch wenn mir der eigentliche Lohn, also das Klatschen der Fans im Stadion, fehlen wird, ich werde den Posten ausfüllen, der dem HSV fehlt.“

Neuhaus ist ein Teamplayer. Das muss er auch sein, kann man jetzt sagen. Aber er ist es aus Überzeugung. Was auf den ersten Blick wirkt, als sei er nicht ehrgeizig genug, entpuppt sich letztlich als überaus selbstkritische und realistische Selbsteinschätzung. Neuhaus weiß, dass nicht mehr viel auf ihn wartet, dass sich seine fußballerische Karriere dem Ende entgegenneigt. Und er fühlt sich wohl beim HSV, dem er in den letzten beiden Spielen in einer eminent wichtigen Phase zudem großartig helfen konnte. „Ich wurde zehn Jahre lang gefragt, was ich im jeweils nächsten Jahr machen würde. Ich habe immer geantwortet – und doch kam es immer wieder anders. Deshalb lasse ich es jetzt. Ich fühle mich wohl. Und es kommt eh immer, wie es kommt.“ Allerdings, und das wollte er unbedingt noch klarstellen, das Saisonfinale wird gewonnen. „Ich hoffe auf viele Tore – und das ich zu null spiele.“

Klingt gut.

Nicht dabei sein wird Drobny, der heute wieder nur zur Pflege kam, und dem verschiedene Angebote vorliegen sollen. Allerdings scheint der FC Bayern nicht mehr ganz oben auf der Liste zu stehen, oder besser: Drobny nicht mehr auf der Bayern-Liste ganz oben. Der Champions-League-Finalist soll sich anderweitig erkundigt haben. Nach Tim Wieses Wechsel gen Hoffenheim der ehemalige HSV- und aktuelle TSG-Keeper Tom Starke beim Rekordmeister hoch im Kurs.

Für Neuhaus eine gute Nachricht, denn er zählt Drobny zum Besten, was er kennengelernt hat in seiner Karriere. „Drobny ist ein Torwart, wie ich ihn noch nie erlebt habe“, lobt Neuhaus, „der gibt in jedem Training 100 Prozent und ist am Sonnabend trotzdem fit. Normalerweise schonen sich Torhüter ab Donnerstag immer ein wenig, springen nicht mehr nach jedem Ball, um so am Sonnabend pünktlich topfit zu sein. Nicht so Drobny. Der hat sich nie geschont.“

Gleiches gilt für David Jarolim, der heute aussetzte und mit Markus Günther sowie Ivo Ilicevic (Fink: „Bei Ivo sieht es eher nicht so aus, als könnte es bis Augsburg klappen“) nur laufen ging. Marcell Jansen (Infekt) wirkte nach einem Tag Pause wieder voll im Mannschaftstraining mit und wird gegen Augsburg spielen können. Auch Gojko Kacar („Es tut noch ein wenig weh“) wurde im Trainingszentrum gepflegt.

Letztlich war es ein schöner Tag mit einem tollen Finish. Denn in diesem Jahr findet der Liga-Total-Cup in Hamburg statt. Am 4. Und 5. August messen sich in der Imtech-Arena Meister Borussia Dortmund, der (aus deutscher Sicht hoffentlich)kommende Champions-League-Sieger Bayern München, Werder Bremen und der HSV. Attraktivere Gegner gehen nicht. Dafür kassiert der HSV neben den möglichen Siegprämien bis zu 1,2 Millionen Euro auch eine Ausrichterpauschale von rund 500000 Euro. Gelder, die sehr gelegen kommen.

Apropos Gelder, auch die Aktion Fan-Anleihe zieht mächtig an. Im HSV-Vorstand sowie im Aufsichtsrat fand die von Supporters-Boss Ralf Bednarek geäußerte Idee breite Zustimmung. Gut möglich, dass schon in den nächsten Tagen eine Umsetzung geprüft wird.

In diesem Sinne, im festen Glauben daran, dass der HSV in Augsburg nicht verliert und somit die schlechteste Platzierung der Bundesligageschichte (1972/73 waren Kaltz, Nogly und Co. mal 14.) vermeiden kann,

bis morgen!

Scholle

P.S.: Das eigentlich als „nicht öffentlich“ gekennzeichnete Freitagstraining findet nun doch für alle zugänglich um 11 Uhr an der Imtech-Arena statt.

Der HSV rotiert – bringt Arnesen Neue aus London mit?

6. März 2012

Maximilian Beister ist da, Petric ist bald und Paolo Guerrero zumindest acht Spiele lang weg. Zudem befindet sich Fank Arnesen mal wieder in London beim FC Chelsea, um die personellen Möglichkeiten für den HSV abzuklopfen. Kurzum: es rotiert beim HSV. Aber der Reihe nach.

Heute regte sich noch mal der Cheftrainer mächtig auf. Die Acht-Spiele-Sperre für Paolo Guerrero wurde trotz HSV-Einspruchs vom DFB-Sportgericht bestätigt – und der HSV akzeptierte sie. Dies allerdings mit einigem Zähneknirschen. „Es war ein sehr hartes Foul, das bestraft werden muss. Auch etwas härter, was beispielsweise fünf oder sechs Wochen gewesen wären. Aber acht? Das ist zu hart.“ Eine Meinung, der ich mich anschließe. Denn, betrachtet man mal die Historie von Strafen in der Bundesliga, wird Guerrero hier auf einmal mit dem Ex-Profi Kruse auf eine Stufe gestellt, der den Schiedsrichter nach einer Entscheidung tätlich angegangen ist. Oder nehmen wir doch mal die „Nicht-Strafen“ von einem Gerald Asamoah, der gerade einem Bochumer bei einem üblen Tritt das Bein gebrochen hat. Oder das uns allen bekannte Beispiel mit Ivica Olic, der von Tim Wiese übel umgetreten wurde und nur Gelb bekam. Eine Reihe von Vergehen, die sich problemlos fortführen lässt. Und auch wenn es eigentlich nicht meine Art ist, einen Fehler am anderen zu relativieren, so glaube ich, dass bei Paolo längst nicht nur die sportliche Komponente fürs Sportgericht den Ausschlag gab. „Paolo hat ein hartes Foul gespielt – aber er hat niemanden bewusst verletzt, niemanden geschlagen. Das war also auch keine Tätlichkeit. Und es war das erste Rot-Foul von ihm – was man berücksichtigen sollte. Gerade im letzten Jahr hat sich Paolo sehr gut entwickelt, sehr viel gelernt, Führung übernommen. Er ist reifer geworden. Aber wahrscheinlich will man an ihm ein Exempel statuieren. Hätte er auf Unschuldslamm gemimt und netter ausgesehen, nicht den Beinamen „der Krieger“ und die eine oder andere Narbe im Gesicht – vielleicht wären es dann nur vier, fünf Wochen geworden“, schimpfte sich Fink in einen kleinen Rausch.

Aber okay, auch Fink weiß, dass das Urteil nicht mehr zurückgenommen wird und er neu planen muss. Planen mit Mladen Petric, dem der HSV gerade am Montagabend eröffnet hatte, dass er kein neues Angebot vom HSV bekommt. Ob Fink glaubt, dass es Probleme in Sachen Einstellung bei Petric geben könnte? „Nein. Ich kenne Mladen als charakterlich einwandfreien Typen. Ich sehe da keine Brisanz. Er bringt seine Leistung. Noch geht es ja auch für ihn um einen neuen Vertrag bei einem anderen Klub. Aber in erster Linie ist er charakterlich gefestigt und will hier mit einer guten Performance gehen.“ Dafür allerdings, da sind sich eigentlich alle einig, bedarf es einer deutlichen Steigerung beim Kroaten. Ob Fink vor der Bekanntgabe noch mit seinem Stürmer gesprochen hatte? „Ja, aber nicht so sehr darüber. Ich hatte ihm nur gesagt, dass ich seinen Wunsch akzeptiere, dass schnell eine Entscheidung her sollte.“ Die ist gefällt. Und heute schnappte sich Fink seinen Angreifer noch vor dem Training zum persönlichen Gespräch und beide kamen letztlich nett plaudernd als Letzte auf den Trainingsplatz.

Im Training selbst war nichts von Enttäuschung bei dem Kroaten zu erkennen. Er trainierte wie immer – ohne große Ausschläge nach oben oder nach unten. Gleiches galt für Paolo Guerrero, der sich sehr darüber geärgert hat, dass sein letzter Satz im langen Interview am Sonntag so hervorgehoben wurde. Denn nachdem er sich knapp fünf Minuten lang immer und immer wieder entschuldigt hatte und sein Bedauern ausgesprochen hatte, sagte er, dass er nicht verstehen könne, warum jetzt eine derartige Panik gemacht würde. Und dieser Satz wurde von TV- und Radiosendern einzeln herausgefiltert zitiert und klang natürlich alles andere als reumütig – was das allgemein sehr schlechte Bild des Peruaners bei den Kritikern bestätigte. Zu denen zählte die große Gruppe Kinder heute nicht, die sich explizit von Guerrero nach dem knapp zweistündigen Training heute Autogramme holte.

Aber kommen wir wieder zum Sportlichen. Da geht es vor dem Spiel am Sonntag beim FC Schalke natürlich vorrangig darum, wer Guerrero ersetzt. Und natürlich, wer für David Jarolim auflaufen wird. Zwei Fragen, die Fink heute erstaunlich klar und festgelegt beantwortete. „Offensiv hat nach den Trainingseinheiten, den Freundschaftsspielen und Spielen Tolgay Arslan die Nase vorn.“ Zumindest solange Marcus Berg den Zweikämpfen aus dem Weg geht und Heung Min Son noch nicht wieder in Topform ist. Und auch im defensiven Mittelfeld ist die Entscheidung quasi gefallen: „Tomas Rincon ist gesetzt und hat in der Hinrunde schon häufiger mit Gojko Kacar zusammengespielt. Die beiden haben zusammen schon gute Spiele gemacht, deshalb sieht es danach aus.“

Offen ließ Fink jedoch, wer hinten spielen wird. Das musste er allerdings auch, nachdem Dennis Aogo noch immer leicht angeschlagen ist und morgen im Test beim SC Victoria nicht zum Einsatz kommt. „Ich werde im Test Heiko Westermann mal links spielen lassen“, kündigte Fink ein Experiment an. Denn diese Position hatte der HSV-Kapitän zuletzt beim FC Schalke gespielt. Dies allerdings sehr ungern. „Ich habe schon mit Heiko darüber gesprochen. Er ist gesetzt bei mir.“ Doch in der Innenverteidigung? Fink grinst: „Ich geh davon aus, dass Dennis bis Sonntag fit wird und links spielen kann.“

Womit Fink immer noch nicht beantwortet hatte, wer neben Westermann den zweiten Innenverteidiger spielen wird, nachdem Slobodan Rajkovic gegen Stuttgart einen – vorsichtig formuliert: ziemlich gebrauchten Tag erwischt hatte. „Ich werde mir genau ansehen, wie die Jungs das Spiel verkraftet haben und den aufstellen, der sich im Training aufgedrängt hat“, macht Fink auch den zuletzt nur als Reservisten aufgeführten Jeffrey Bruma und Michael Mancienne (Fink: „Er trainiert fast durchgehend gut“) neuen Mut. Zur Entscheidungsfindung sollen auch Einzelgespräche gehören – insbesondere mit Rajkovic, der durchaus als etwas feinfühliger tituliert werden darf.

Klar ist, dass Gökhan Töre am Sonntag noch nicht dabei sein wird. „Er wird garantiert nicht von Beginn an spielen“, sagt Fink, „und wahrscheinlich wird er sogar noch gar nicht dabei sein, sollte nicht noch etwas Schlimmeres passieren und wir noch mehr Ausfälle haben.“ Dennoch, morgen beim Testspiel gegen Victoria soll der Deutsch-Türke das erste Mal seit seiner Knie-OP im Januar wieder eine Halbzeit lang spielen. „Er hat noch keine ganze Woche voll mitgemacht“, erklärt Fink die vorsichtige Heranführung des Linksfußes, „aber er kommt langsam.“

Was bei allem auffällt: der HSV behält seinen Kurs im Blick. Alt geht, jung kommt. Petric bekommt keinen neuen Vertrag, Drobny soll trotz guter Leistung und viel Sympathien ebenso wie der Comebacker David Jarolim für einen jüngeren Spieler ausgetauscht werden. Auch deshalb weilt Sportchef Frank Arnesen seit heute in London. Dort trifft er sich bekanntermaßen mit Chelsea-Präsident Bruce Bock, hat aber „eine ganze Menge Termine vereinbart“, wie er selbst ankündigte. Dazu soll auch ein Termin mit Chelseas Sportchef Michael Emenalo, um über potenzielle Verstärkungen für den HSV zu sprechen. Zuletzt wurde der in Hamburg seit seinem 17. Lebensjahr auf dem Wunschzettel stehende Angreifer Romelu Lukaku hoch gehandelt. Der Stürmer kam bislang erst auf sechs Teileinsätze bei den Blues und soll auf Leihbasis abgebeben werden. Genau das, was Arnesen Chelseas Präsident Bruce Bock bereits vor Monaten erfolglos vorgeschlagen haben soll. „Luku ist eine Entdeckung von meinem Sohn, der ihn als 14-Jährigen gescoutet hat. Romelu ist ein riesiges Talent“, schwärmt Arnesen von dem Mann, der mit dem bummeligen Marktwert von 15 Millionen Euro (Transfermarkt.de) unterwegs ist und der laut seinem Berater „aus ganz Europa Angebote vorliegen“ haben soll.

Und während offiziell ist, dass Arnesen in London den Verbleib von Jeffrey Bruma für ein weiteres Jahr auf Leihbasis erreichen will, soll sich der HSV-Sportchef laut belgischen Zeitungsberichten auch um einen weiteren Chelsea-Youngster für die Verteidigung interessieren: Tomas Kalas (http://www.transfermarkt.de/de/tomas-kalas/profil/spieler_148657.html). Wie Lukaku ist auch der 18-jährige Tscheche eine Entdeckung von Arnesens Sohn Sebastian. Momentan spielt der 1,84-Meter-Mann bei Vitesse Arnheim – ist allerdings vom FC Chelsea nur bis Saisonende ausgeliehen.

Auffällig: beide genannten Spieler sind noch sehr jung. Und obwohl ich mich gern als Freund der Talentförderung oute, fehlen mir zwei, drei Führungsspieler. Noch ist zwar Zeit, aber etwas beunruhigt bin ich schon. „Ich nicht“, kontert Fink, „klar ist, dass wir mit Westermann und auch Aogo schon Führungsspieler haben. Aber klar ist auch, dass wir die Saison nicht mit 20 20-Jährigen angehen werden. Es wird auch in die Richtung Erfahrung noch was passieren.“

Zu der Kategorie ist Maxi Beister sicher nicht zu zählen. Am späten Montagabend habe ich mit Maxi telefoniert und ihm zwischen Tür und Angel in einem wirklich sehr netten Gespräch – seine Freude und Erleichterung ist durchaus spürbar – ein paar wenige Fragen stellen können. Das Ergebnis stelle ich Euch, obwohl auch der HSV natürlich ein Interview unter www.hsv.de online hat, hiermit ans Ende des Blogs.

Matz Ab: Maxi, es hat nun doch etwas länger gedauert, bis Du Deinen Vertrag unterschrieben hast. Was genau hat so lang gedauert?
Maximilian Beister: „Eigentlich nichts. Es waren immer sehr positive und ehrliche Gespräche mit dem HSV. Und für stand von Anfang an fest, dass ich zum HSV zurückgehen möchte.“

Matz Ab: Du hattest dem Vernehmen nach etliche Angebote vorliegen. Darunter auch Vereine, die Dir die Champions League oder zumindest das internationale Geschäft bieten konnten. Weshalb hast Du Dich gegen die und für den HSV entschieden?
Beister: „Es stimmt, andere Angebote gab es. Aber ich bin mir sicher, den richtigen Schritt zu gehen. Es ist der richtige Moment für mich, die Zeit bei der Fortuna hat mir sehr gut getan. Das Leihgeschäft war absolut das Beste, was mir passieren konnte. Ich hatte die Chance mich langsam zu entwickeln – jetzt will ich mich zeigen. Der HSV, zu dem ich in all der Zeit immer einen sehr guten Kontakt hatte, hat sich sehr um mich bemüht. Und der Umbruch beim HSV ist ein guter Moment für mich als junger Spieler. Fink setzt verstärkt auf junge Leute und gibt ihnen die Chance, sich zu zeigen. Das war für mich auch einer der Hauptgründe, zum HSV zu gehen und hier Erfolge zu feiern.“

Matz Ab: Obwohl Du noch keine großen Erfahrungen in der Ersten Liga sammeln konntest, wirst Du in Hamburg schon als eine Art Hoffnungsträger gesehen. Ist die Erwartungshaltung zu hoch?
Beister: „Nein, es belastet mich nicht besonders, was die Leute erwarten. Wenn man in der Ersten Liga spielen will, muss man immer mit Druck leben. Zumindest mit dem von außen. Ich selbst werde mir keinen Druck machen, weil ich weiß, dass ich noch etwas Zeit brauche. Und ich weiß, dass der HSV sie mir geben wird.“

Matz Ab: Und wenn es mal nicht so läuft, hast Du endlich wieder Deine Familie quasi um die Ecke lebend…
Beister: „Meine Familie lebt in Lüneburg, und es ist schön, wieder in ihrer Nähe zu sein. Aber ich bin seit meinem 14. Lebensjahr in Hamburg gewesen. Hamburg ist meine Heimat und ich will wieder für meinen Heimatverein spielen.“

In eine WG mit Tolgay Arslan, wie früher schon mal, wirst Du wahrscheinlich nicht mehr ziehen. Inwieweit hat Dich Tolgay zum Wechsel nach Hamburg animiert?
Beister: „Mit Tolgay habe ich einige Male telefoniert. Er hat mir immer davon berichtet, wie in Hamburg gearbeitet wird. Und obwohl er eine schwierige Zeit hatte, hat er mir immer wieder unbedingt dazu geraten, nach Hamburg zu gehen.“

Matz Ab: Jetzt hast Du Deinen ersten richtig großen Vertrag unterschrieben und Dein Konto weist schon bald das vermutlich erste Mal eine siebenstellige Summe Plus auf. Wie wichtig ist Dir diese finanzielle Absicherung? Kribbelt es in Dir, wenn Du Dir darüber Gedanken machst, plötzlich „reich“ zu sein?
Beister: „Die Frage wird mir oft gestellt. Aber ganz ehrlich, das Geld ist mir im Moment tatsächlich egal, das stand nie im Vordergrund. Für mich zählt die sportliche Entwicklung. Alles andere steht und stand für mich nie zur Debatte. Wirklich nicht. Ich bin von mir überzeugt genug, um zu wissen, dass ich noch einige Jahre Gelegenheit habe, mit guten Leistungen auch entsprechend zu verdienen. Aber wie der Satz es schon zeigt: erst die guten Leistungen, dann der Rest. Und jetzt bin ich einfach erst einmal nur froh, wieder in der Heimat zu sein. Ich bin wieder da.“

In diesem Sinne, ich freue mich auf und über Beister ebenso sehr wie auf den Anblick, wenn Dieter im Prinzessinnen-Kleidchen zur Arbeit erscheinen muss.

Bis morgen! Da wird übrigens um 10 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle (19.13 Uhr)

Die Anspannung vor dem Nordderby steigt sicht- und hörbar

16. Februar 2012

Der „Oha-Effekt“ blieb nicht aus. Auf die Frage, ob er in der Kabinenansprache vor dem Nordderby ein besonderes Stilmittel benutzen wolle, um die Brisanz der Partie noch mal zu verdeutlichen, antwortete HSV-Trainer Thorsten Fink zunächst ganz langsam. Er reihte Buchstabe an Buchstabe und brauchte eine gefühlte Stunde für den satz. „Ich kann natürlich nicht langsam sprechen und sagen: ‚Hey Jungs, das ist ein Derby’, und dass wir gewinnen wollen“, so Fink betont langsam und langweilend, ehe er mit der Handkante auf das Podium im Presseraum der Imtech-Arena schlug und mit roter werdendem Kopf und ansteigender Lautstärke brüllte: „Nein, wir wissen, wie wichtig das Spiel ist, das Derby. Und wir geben Gas.“ Und, lasst es Euch gesagt sein, was in Schriftform schwer rüberkommt, wirkte in Echtzeit tatsächlich beeindruckend. Zumindest ließ es erahnen, mit welcher Intensität Fink seine motivierenden Ansprachen vor der Mannschaft hält.

Und das wird auch am Sonnabend nötig sein. Denn da kommt es zum Nordderby gegen die Nordost-Delmenhorster (als Kompromiss, denn die verbotene Stadt liegt weder genau östlich noch nördlich). Und da das Hinspiel 0:2 verloren gegangen ist, sinnen die HSV-Profis auf Revanche. Selbst die an sich schmerzhafte Rückenprellung bei Gojko Kacar konnte ihn nicht davon abhalten, heute im Training um seine Chance auf einen Platz in der Startelf zu kämpfen. Dass es nicht reichen wird – es war ihm egal. Und das zeugt von zwar durchaus zu erwartender, aber eben auch gesunder Motivation. „Man merkt im Training deutlich, dass es heißer wird. Die Anspannung steigt, es geht richtig zur Sache“, sagt Mladen Petric.

Und genau diese Portion gesunde Aggressivität verlangt auch Thorsten Fink. „Ich erwarte von der Mannschaft, dass sie genau da weitermacht, wo sie in den letzten Spielen aufgehört hat.“ Soll heißen: dominantes Spiel mit viel Ballbesitz. Schon deshalb wird er aller Voraussicht nach nichts an der Startelf der Köln-Partie verändern. Einzige Ausnahme: der für Fink weiterhin gesetzte Tomas Rincon löst nach abgesessener Gelbsperre den am Rücken noch leicht angeschlagenen Kacar ab.

Und so sicht- und hörbar heiß auch Fink auf das Derby ist („Ich weiß, was so ein Nordderby bedeutet. Verliert man, kann man es nicht gleich wiedergutmachen und man wird gehänselt. Es ist ein besonderes Spiel“), der HSV-Coach findet dennoch eine Lücke für einen kleinen, aber feinen Appell: „Ich werde nicht mit Sprüchen das Spiel anheizen, weil ich keine Randale drumherum will, sondern Feuer auf dem Platz. Dort soll sich der Wettkampf abspielen. Mit fairen Mitteln.“ Worte, die ein Tim Wiese so sicher auch unterschreiben würde…


Aber egal, der HSV braucht sich auch nicht in markigen Sprüchen verrennen. Die Form spricht für sie. Werder hat zuletzt viermal in Folge remis gespielt, der HSV hat aus den letzten vier Spielen zwei Siege und ein Remis gegen den FC Bayern geholt. „Wir haben uns eine gute Ausgangsposition verschaffen“, sagt Mladen Petric, „bis auf ein Spiel gegen Dortmund haben wir gut losgelegt und uns viel Selbstvertrauen geholt.“ Insbesondere der Köln-Sieg habe noch mal nachhaltig Wirkung. Petric: „Das war ein Bigpoint, weil wir nicht wie so oft versucht haben, das Spiel schon in den ersten 15 Minuten zu entscheiden. Wir hatten Geduld, haben an uns geglaubt und konnten mit dem 1:0 sehr gut leben.“ Zumal der HSV so am Sonnabend das erste Mal mit positivem Druck ins Spiel gehen kann. Der Abstiegskampf ist bei acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz in vorerst sicherer Entfernung. Petric: „Und natürlich können wir den Anschluss herstellen – aber dafür müssen wir am Sonnabend unsere vergangenen Wochen bestätigen.“

Das Wort Europa scheint indes auf dem Index zu stehen, nachdem es kurz vor und in der Winterpause immer wieder ausgesprochen und mit einem bitteren 1:5 zum Auftakt gegen Dortmund bestraft wurde. Allerdings, und das ist genau die richtige Temperierung, der Blick nach oben bleibt: „Sollten wir uns weiter vorarbeiten können, werden wir ganz sicher nie sagen, dass wir mit Platz acht oder neun zufrieden sind“, kündigt Petric an. Und mehr sollte er auch nicht sagen. Wir alle wissen nur zu gut, wie oft gerade beim HSV die Ansprüche der Leistung voraus waren…

Nein, bei der am häufigsten gespielten Bundesligapartie (zum 96. Mal gibt es dieses Nordderby am Sonnabend) treffen zwei Mannschaften aufeinander, die in der Tabelle zwar fünf Ränge auseinander liegen, aber eine sehr ähnliche Entwicklung nehmen. Denn nachdem der HSV zwangsläufig im Sommer den Umbruch eingeläutet hatte, ist dieser inzwischen auch beim nächsten Gegner angekommen. Derzeit versuchen es Schaaf und Allofs sogar mit der jüngsten Mannschaft aller Zeiten. Zuletzt wurden teure Spieler wie Almeide, Frings, Jensen, Pasanen und Mertesacker verkauft. Wobei Letztgenannter sich am Wochenende bei seinem neuen Klub Arsenal London so schwer verletzt hat, dass ihm jetzt sogar das EM-Aus drohen könnte. Eine Nachricht, die Heiko Westermann – dafür ist er vorbildlicher Sportsmann genug – alles andere als freuen wird, die ihm allerdings die Aussicht auf einen Nominierung für die Endrunde in Polen und der Ukraine im Sommer verbessern könnte.

Aber schnell wieder zurück zur Aktualität. Mit den zumeist Grünweiß-Gekleideten kommt am Sonnabend eine Mannschaft, die schwer einzuschätzen ist. „Die spielen von Weltklasse bis weniger gut alles“, sagt Jansen und betont: „Aber am Ende haben sie irgendwie Erfolg. Wir sind auf jeden Fall gewarnt.“ Wobei alle (auch Fink) auf die Frage, ob sie alle Spieler aus der momentan Startelf der Weserstädter kennen, ausweichend antworten. Und das zurecht. Oder sind Euch Namen wie Florian Hartherz, Francois Affolter oder auch Tom Trybull nachhaltig bekannt?

Eher nicht. Klar ist aber, dass sie Fußball spielen können und ihr Trainer Thomas Schaaf an der Ausrichtung und am Spielsystem der vergangenen Monate und Jahre festhält. Dabei agieren sie immer mit Raute und immer mit zwei Stürmern. Ihre Mannschaft hat keinen ausgewiesenen Zehner, vor dem sich die Konkurrenz fürchtet. Statt eines Özils oder Diegos kümmert sich inzwischen ein Zlatko Junuzovic um die Kreativität im Spiel. Da sich nach sechs Champions-League-Teilnahmen in sieben Jahren die Erwartungen der Anhänger nicht der Kaderveränderung angepasst haben, sprach Allofs zuletzt immer wieder von „erschreckendem Anspruchsdenken“. Was das betrifft, steht es 1:0 für den HSV. Denn der hat es besser gemacht. Dort wurden schon vor Saisonende 2010/2011 die Ansprüche für 2011/2012 wiederholt kleingeredet. Dazu kam ein Saisonstart, der auch den letzten verträumten Optimisten derart erschrecken ließ, dass seither der Minimum Klassenerhalt als Ziel ausgegeben und erwartet werden konnte. Sollte sich dieses Ziel (Arnesen: „Und das ist erst, wenn wir 40 Punkte sicher haben“) vorzeitig realisieren lassen, würde weitergedacht. „Die Fans nehmen die Situation an“, sagt Mladen Petric, der auch in Berlin einen besonderen Support vernommen hat. „Eine geile Stimmung!“ Und die soll es auch am Sonnabend geben. Auch wenn bislang noch 3000 Tickets im freien Verkauf sind, das Stadion überraschend noch nicht ausverkauft ist.

Apropos Petric: der Kroate steht trotz seiner im März anstehenden Vertragsverhandlungen mit dem HSV momentan ein wenig im Schatten des formstarken Paolo Guerreros. „Es ist eigentlich ganz schön, mal etwas mehr Ruhe zu haben“, scherzt Petric und fügt an: „Paolo hat einen top Lauf im Moment, und der ist für uns alle gut. Auch für mich. Ich verstehe mich mit Paolo auf und neben dem Platz super.“ Zuletzt bewiesen beim 1:0 in Köln. Und genau darin dürfte eine der größten Stärken des HSV im Moment liegen: der Gegner muss sich auf zwei Topstürmer konzentrieren – nicht nur auf einen. „Mladen spielt sehr gut mit Paolo zusammen“, lobt auch Fink, „dass der eine weniger trifft als der andere ist nicht wichtig. Es ist generell nicht wichtig, wer die Tore macht, sondern nur, dass das System funktioniert. Und dafür arbeiten beide gut mit. Wenn das so bleibt, werden sie eh beide auf ihre Torquote kommen.“

Am besten schon mit Treffern im Nordderby. Gutes Omen: gegen den Torwart der Grünweißen erzielte Petric seinen ersten Bundesligatreffer. Besser noch: „Wir haben mit Dortmund damals 3:0 gewonnen und ich habe zwei Tore erzielen können.“ Und das gegen den damaligen Torwart Tim Wiese, der auch am Sonnabend in der Imtech-Arena das Tor der Unaussprechlichen hüten wird.

In diesem Sinne, bis morgen.

Da findet leider kein öffentliches Training statt.

Scholle (18.45 Uhr)

Drei Spiele für Rajkovic – zweierlei Maß beim DFB **ergänzt mit Andy Polo**

1. November 2011

Eigentlich ist heute Ruhetag. An der Arena ist nur höchst mittelmäßiger Betrieb, alle spannen mal aus. Die Rekonvaleszenten wie Miroslav Stepanek, Romeo Castelen, Mladen Petric und Ivo Iliceviv absolvieren ihr individuelles Aufbautraining, Trainer Thorsten Fink nutzt den Tag zum Familienbesuch in Basel, während Frank Arnesen größtenteils am Telefon mit dem Beratern von Maxi Beister und Zhi Gin Lam verbringt. Und dennoch kann heute eigentlich keiner, der es gut mit dem HSV meint, ruhig bleiben. Zumindest nicht im übertragenen Sinn. Denn: die Sperre des DFB für Slobodan Rajkovic bleibt trotz berechtigten Einspruches bestehen. Die Höchststrafe von drei Spielen muss der Serbe für das grobe Foulspiel, wie es im DFB-Bericht heißen soll, absitzen.

Eine Strafe, die ich in Relation zu anderen Vergehen als selten sinnlos erachte. Denn, es war bei Rajkovic definitiv keine Absicht zu erkennen. Er hat sicherlich den Arm unnötig hoch. Aber ihm zu unterstellen, dass er eine Verletzung billigend in Kauf nimmt, ist unhaltbar. Er wollte seinen Körper zwischen sich und den Gegner bringen und bemerkte den Zusammenprall zunächst gar nicht. Direkt nachdem er vom Platz musste, dachte der Serbe sogar, dass er Tiffert mit der Schulter getroffen habe und entschuldigte sich. Nein, Rajkovic wollte niemanden verletzen. Das sah selbst der gefoulte Christian Tiffert, der sich schützend für Rajkovic geäußert hatte, selbst so.

Allerdings zeugt es mal wieder von der Starrsinnigkeit einiger Verbandsfunktionäre, die in ihrer Funktion offensichtlich so wenig bewirken können, dass sie das Wenige mit so öffentlichkeitserregenden Urteilen zu kompensieren versuchen.

Denn, nur ein uns allen sehr bekanntes Beispiel: Als Werder Bremens Torwart Tim Wiese mit seinem Kung-Fu-Tritt gegen Ivica Olic eine schwere (vielleicht sogar lebensbedrohliche) Verletzung de Kroaten in Kauf nahm, gab es gerade mal die Gelbe Karte. Nun will ich nicht Unrecht mit Unrecht vergleichen, aber zumindest eine Relation herstellen. Und vor allem will ich hier mal eine Frage in die Runde werfen: Warum zählt der TV-Beweis nur, wenn es darum geht, die Länge einer Sperre für eine Rote Karte zu bestimmen? Bei Gelben Karten gelten die Bilder nicht. Dann nennt sich das „Tatsachenentscheid“ und ist unanfechtbar. Aber, wie oft gab es vom Schiedsrichter Gelbe Karten, dessen Strafmaß bei genauerer Betrachtung der TV-Bilder als absolute Fehlentscheidung zu deuten war? Siehe Tim Wiese…

Nein, es bleibt mir immer wieder mal verschlossen, mit welcher rechtlichen Grundlage der DFB misst. Auch diesmal bei Rajkovic.

In diesem Sinne, heute war tatsächlich nicht viel los. Deshalb ein etwas kürzerer Blog als sonst. Zumal mich das bisschen Neuigkeit auch noch ärgert.

Aber ich bin mir sicher, morgen gibt es wieder angenehmere Neuigkeiten. Es sei denn, der DFB hat mal wieder eine Idee…

Scholle (17.50 Uhr)

P.S.: Am Mittwoch wird um 10 und um 15 Uhr trainiert. Laut Internetseite an der Imtech-Arena. Obgleich Fink am Sonntag angekündigt hatte, das eine oder andere Mal im Stadion trainieren zu wollen. Sobald ich es genau weiß, gebe ich Euch hier Bescheid.

***Ergänzung: Andy Polo ist derzeit kein Thema für den HSV. Trotz verschiedner Berichte darüber, das sowohl HSV-Sportchef Frank Arnesen als auch HSV-Trainer Thorsten Fink Interessen an dem Offensivspieler hätten, sagt Arnesen: “Ich kenne den Jungen. Er hat aber keine Priorität für uns.”****

Keine Panik – der HSV ist die Ruhe selbst

11. September 2011

Bremen (SID) – Keine Siege, keine Fortschritte und vor allem kein Realismus: Der hässlichen 0:2 (0:0)-Niederlage im 95. Nordderby beim Erzrivalen Werder Bremen folgte die verbale Schönfärberei der Verantwortlichen des Hamburger SV. Letzter Tabellenplatz, nur ein Punkt aus fünf Spielen, der schlechteste Saisonstart der Hamburger Bundesliga-Geschichte – und doch kann oder will die Führungsetage des HSV die prekäre Lage nicht erkennen.
„Die Mannschaften vor uns in der Tabelle sind doch gar nicht weit weg. Für einen Abstiegskampf ist unser Kader viel zu gut. Gegenüber der Niederlage gegen Köln haben wir uns erheblich gesteigert“, sagte Sportchef Frank Arnesen und schob schnell hinterher: „Ich bin nicht in Panik. Der Trainer steht nicht zur Diskussion.“

So weit der Originaltext des Sportinformations-Dienstes SID. Ich wollte ihn Euch nicht vorenthalten, weil man es natürlich auch so sehen kann. Ich habe das Bremen-Spiel etwas anders gesehen, und dazu stehe ich auch heute noch. Diese 90 Minuten waren für mich so, wie es auch Frank Arnesen nach dem Schlusspfiff schon gesagt hat: eine Steigerung gegenüber dem Saisonauftakt. Und ich lege mich fest: Dieser HSV wird natürlich nicht absteigen. Dass ihm eine schwere und äußerst unangenehme Saison bevorsteht, das haben wir alle sehr wohl gewusst. Jeder hat es gewusst, und nur das, genau das, ist bislang auch eingetreten. Es wird und ist schwer. Noch aber ist der HSV nicht abgestiegen, noch sind erst fünf Spieltage vorbei. Natürlich steht der HSV immer noch auf dem letzten Platz, aber es gibt doch noch genügend Spiele und viel Zeit, es gibt sogar auch noch eine Winterpause, in der das Gesicht der Mannschaft noch verändert werden könnte.

Die Situation ist natürlich alles andere als gut. Nein, sie ist sogar sehr bedrohlich. Keine Frage. Und man sollte überall, auf den Tribüne, in den Klub-Räumen, in der Mannschafts-Kabine nie vergessen, dass es sehr wohl das unliebsame Thema Abstieg gibt, dennoch habe ich nicht das Gefühl, als wenn auch nur ein Verantwortlicher des HSV das bislang Geschehene auf die leichte Schulter nehmen würde. Die Alarmglocken schrillen sehr wohl auch längst im ersten Stock der Arena im Volkspark, und zwar gewaltig. Auch wenn es äußerlich so wirkt, als seien die Herren noch die Ruhe selbst.

Und auch bei den Spielern sind die Augen offen. Das ist für mich ein gutes Zeichen. So sagte David Jarolim in Bremen ziemlich geladen: „Wir haben gar nichts gelernt aus dem Köln-Spiel und können nicht immer sagen: Nächste Woche, nächste Woche. Alles muss besser werden, und wir brauchen vor allem ganz schnell ein Erfolgserlebnis.“ Das gibt es sicherlich nicht am Dienstag, im Testspiel beim SC Concordia. Das wird wahrscheinlich wieder sehr hoch gewonnen, wie alle Spiele gegen Amateure (die kann der HSV gut), und danach wird dann wahrscheinlich auch wieder sehr gut trainiert. Viel wichtiger aber wäre es, endlich einmal die Punkte im Volkspark zu behalten: im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. HSV-Kapitän Heiko Westermann gibt schon einmal das Motto dieser 90 Minuten vor: „Es wäre katastrophal, wenn wir das nicht gewinnen . . .“ Viel Spaß. Gladbach kommt mit breiter Brust, und der HSV zittert. Der Druck wächst und wächst und wächst.

Aber, wie gesagt, im HSV herrscht – nach außen – Ruhe. Klub-Boss Carl-Edgar Jarchow hat sicherlich schon fröhlichere Tage erlebt, aber er verfällt keineswegs in Panik. Um das einmal klar und deutlich zu sagen: Ein Trainerwechsel ist für Jarchow immer noch kein Thema. Noch nicht auf jeden Fall. Er hatte doch, wir erinnern uns wohl alle, vor der Saison versprochen: „Der Trainer könnte auch vier Spiele in Folge verlieren, dennoch werden wir an ihm festhalten.“ Und nun hat der HSV vier Spiele verloren, wenn auch nicht in Folge, es ist dramatisch, aber Jarchow steht hanseatisch cool zu seinem Wort, eisern und unbeirrt. Äußerlich jedenfalls.

Deshalb können die Fans können im Moment noch so vehement meckern, schimpfen, warnen, pöbeln und einen Trainerwechsel fordern, es wird ihn nicht geben.

Und was sagt Michael Oenning? In Bremen befand er nach Spielende: „Ich bin mit meiner Mannschaft absolut im Reinen. Sie hat alles gegeben und guten Fußball gespielt. Das Spiel war lange eng und umkämpft. Pizarro war aber eben genau diesen einen Tick besser.“ Und im Hinblick auf das nächste Heimspiel, das für ihn auch eine Art Endspiel werden könnte: „Ich bin da ganz außen vor. Wichtig ist, dass man sieht, dass sich die Mannschaft entwickelt. Heute und letzte Woche waren sehr schmerzlich, aber wir sind auf dem richtigen Weg und werden die Ergebnisse einfahren.“

Warme Worte. Die gab es auch von – ausgerechnet – Tim Wiese. Er wünsche dem HSV viel Glück für die weiteren Spiele, und er sagte auch: „Absteigen werden sie nicht.“ Das glauben ja inzwischen so viele (Experten). Otto Rehhagel bescheinigte dem Verlierer ja auch ein gutes Spiel, Werder-Trainer Thomas Schaaf befand, dass seine Mannschaft „gegen einen guten HSV“ gewonnen habe, und, und, und. Selbstverständlich kann sich dafür niemand etwas kaufen, natürlich gibt es dafür nicht einen Punkt, und solche Lobeshymnen tun in einer prekären Lage, wie sie der HSV derzeit durchleben muss, auch richtig schön weh, aber es ist immer noch besser, als am Anfang. Ihr erinnert Euch? Der HSV hätte in Dortmund acht kriegen können, in München gegen die Bayern sogar 15. Nach diesen beiden Spielen war der HSV in ganz Deutschland mit Häme, Spott und beißender Kritik noch „vernichtet“ worden. Es hat sich also schon etwas geändert, wenn auch nicht im Maßgeblichen: die Punkte fehlen immer noch.

Apropos Häme. Sky-Experte Jens Lehmann kritisierte HSV-Sportchef Frank Arnesen wie folgt: „ Ich weiß nicht genau, was Arnesen erwartet hat von der Bundesliga. Man sieht daran, dass er nur Spieler von Chelsea und aus Skandinavien geholt hat, dass er deutsche Spieler gar nicht so richtig kennt. Insgesamt finde ich es naiv, nur junge Spieler zu holen. Wenn die Negativserie anhalten sollte, ist das vielleicht auch ein Vorteil für Oenning, dass Arnesen keine deutschen Trainer kennt und da auch erst einmal seine Recherche betreiben muss.“

Auch das tut weh. Denn, das nur einmal zur Erinnerung für diejenigen, die Lehmann nun zustimmen möchte: Welche Chance hatte Arnesen denn? Der Däne kam nach Hamburg, griff in die Kasse – und fand nur drei verrostete Knöpfe. Der Mann musste zaubern, um einen halbwegs vernünftigen HSV-Kader auf die Beine zu stellen. Ohne Geld einkaufen, so etwas funktioniert vielleicht im Tante-Emma-Laden (wenn es den noch gibt), aber nicht im Profi-Fußball. Und, um auch das gleich noch einzuflechten: Michael Oenning konnte zwar Wünsche äußern, konnte zwar Spieler vorschlagen, aber er konnte auch sicher sein, dass sich davon kein einer realisieren lassen würde. Friss Teufel – oder stirb.

Aber ich will mit diesem leidigen Geld-Thema nicht wieder eine Baustelle aufmachen, es ist so, wie es ist. Und in meinen Augen haben die Verantwortlichen daraus noch das Beste gemacht. In diesem HSV-Kader jedenfalls sehe ich so viel Qualität, dass der Dino ganz einfach nicht absteigen darf. Augsburg, Freiburg und Kaiserslautern sehe ich deutlich schwächer, und andere Klubs sehe ich mit dem HSV auf Augenhöhe – Köln beispielsweise, oder auch die Alt-Herren-Riege aus Wolfsburg. Aber mal abwarten.

Was mir aber bei der HSV-Konkurrenz auffällt: Fast alle Mannschaften laufen rennen, kratzen, beißen – wehren sich besser, wehren sich mehr. Und zwar alle ELF SPIELER, die auf dem rasen stehen. Das konnten wir doch alle auch gestern erleben: Hertha BSC. Was haben die Berliner dem Meister in Dortmund für einen großartigen Kampf geliefert – und völlig verdient gewonnen. Natürlich ist der BVB im Moment nicht in allerbester Form, aber auch daran kann ich mich nach dem ersten Spieltag erinnern: Da sagte Michael Oenning: „Dortmund spielt in einer anderen Liga . . .“ In der nun auch der Aufsteiger Hertha BSC zu spielen scheint.

Das ist der Punkt, der mir nach wie vor missfällt. In Bremen haben viele HSV-Spieler versucht, von der ersten bis zur letzten Minute dagegen zu halten. Aber nicht bei jedem sieht es so aus, dass er auch alles gibt. Die beiden Spitzen zum Beispiel müssten mehr machen, mehr laufen, mehr kämpfen, mehr versuchen – mehr geben. Mir tränen immer die Augen, wenn ich die Zweite Liga und Fortuna Düsseldorf sehe. Und da tränen mir nicht nur die Augen, da steigt auch leichte Wut in mir auf: Da spielt ein Maximilian Beister in schönster Regelmäßigkeit die gegnerischen Abwehrreihen schwindelig. Weil er den direkten und den schnellsten Weg zum Tor sucht und ihn auch geht. Beister würde dem HSV, seinem HSV, jetzt enorm helfen können, mit seiner Frechheit, seiner Kälte, seiner Schnelligkeit und seinem Hunger, aber er ist ja noch an die Fortuna ausgeliehen. Was mich daran besonders stört: Alle anderen – ich nenne sie mal so – „Fehleinkäufe“, die der HSV zuletzt verliehen hat und hatte, wurden überwiegend für ein Jahr „vom Hof gejagt“ – Beister aber gleich für zwei Jahre. Jahr für Jahr beweist der HSV immer wieder seine Unfähigkeit, Talente zu erkennen, sie zu fördern, sie heranzuführen. Beister ist für mich das Parade-Beispiel.

Auch deshalb, weil beim HSV in den letzten Jahren nie erkannt worden ist, was im Sturm fehlt. Nämlich ein Angreifer, der sich schnell bewegt, der dahin geht, wo es wehtut, der Tore machen will, der frech st und sich auch wehren kann, wenn es mal auf die Socken gibt. Alle Angreifer aber, die der HSV jetzt hat, sind sich ähnlich. Sie spielen eher, als dass sie stürmen. Da ist keiner dabei, der so richtig schön (und schnell) zur Sache geht, gehen kann. Aber dieses Problem gibt es nicht erst jetzt, die ist schon lange da – und, auch das sage ich mal recht deutlich – ist nicht nur unterschätzt worden, sondern in schöner Regelmäßigkeit nicht erkannt worden, weil es an den nötigen Experten mangelt. Und damit an Durchblick. Es gab und gibt einfach zu viel „Blindheit“ in diesem sportlichen Bereich des HSV. Und es ist mir piepe-schnurz-egal, wer sich da nun den Schuh anzieht, wem auch immer Ihr den Schuh anziehen wollt.

So, das war mein Wort zum Sonntag.

Um schnell noch einmal auf den Doppelpass (Sport 1) von heute zu kommen. Da saß doch ein Herr Schuster und gab am Ende der Sendung eine mündliche Bewerbung als HSV-Trainer ab. Das empfand ich als dreist. Und ich stellte mir spontan vor, wie es sein würde, wenn sich der Herr auf dem Weg von der Kabine (in der Arena) zum Trainingsplatz (an der Arena) Tag für Tag von seinen ungefähr acht Bodyguards die Autogrammjäger vom Leib halten lassen würde. Da käme schon Freude auf . . .

Kurz noch zu einem HSVer, der an diesem Wochenende einen Auswärtspunkt geholt hat: Unser „kleiner Dribbelkünstler” schaffte mit dem FC Sevilla ein 2:2 bei Villarreal. Ich will aber nicht verschweigen, dass Piotr Trochowski in der 56. Minute (Stand 1:1) ausgewechselt wurde, für ihn kam der frühere Schalker Rakitic.

Und noch ein Ex-HSVer sorgt für Aufsehen:
Der Trainer des englischen Top-Klubs Manchester City, Roberto Mancini, hat Carlos Tevez vom Amt des Kapitäns entbunden. Stattdessen wird der ehemalige Hamburger Vincent Kompany den Tabellenzweiten der Premier League künftig anführen. „Carlos Tevez ist ein fantastischer Spieler. Aber ich habe mich für Vincent Kompany als Kapitän entschieden“, sagte Mancini.
Das aber nur ganz am Rande.

Genießt den Rest-Sonntag noch – und glaubt an die Wende. Es wird sie geben, früher oder später. Es muss sie ja geben, ansonsten würde der HSV ja . . . Nun gut, für heute ist alles gesagt (und geschrieben).

PS: Am Montag wird im Volkspark nicht traníniert.

15.23 Uhr

In Bremen? Da geht doch was…!!

9. September 2011

Derby-Fieber? Nee, nur ein Schnupfen. Zum Glück! „Nichts Schlimmes, das wird mich nicht stören“, beschwichtigt Slobodan „Boban“ Rajkovic noch leicht nasal. Der Serbe wird zusammen mit Heiko Westermann im Nordderby beim SV Werder Bremen (18.30 Uhr, Weserstadion) die Innenverteidigung stellen. Und er weiß auch, was, oder besser: wer auf ihn zukommen wird. „Claudio Pizarro ist für mich der beste Stürmer der Bundesliga. Und Arnautovic kenne ich noch aus gemeinsamen Zeiten bei Twente Enschede. Seither hat er sich toll entwickelt und ist inzwischen richtig gut. Er ist stark, ballsicher – er erinnert mich an Zlatan Ibrahimovic.“ Und der ist inzwischen einer der bestbezahlten Weltklassestürmer beim AC Mailand. „Es wird ein schweres Spiel, gerade für unsere Defensive“, weiß Rajkovic, „denn die Bremer sind wirklich gut.“

Sportlich mag er recht haben, ansonsten trifft das Lob sicher nicht auf alle Werder-Profis zu. Da wird auch schon mal ne ordentliche Portion Sinnfreies fabuliert. Es erscheint mir überflüssig, an dieser Stelle zu erwähnen, wen ich meine. Denn, im Gegensatz zu den Aussagen von Werders Sprachrohr – haben die wirklich niemanden, der sich besser als Tim Wiese artikulieren kann? – ist Rajkovic sehr wohl die Bedeutung des Derbys bewusst. „Ich habe Derbys erlebt, habe mit Serbien in der U21 gegen Kroatien zweimal gespielt. Ein Derby ist ein Derby, das ist überall sehr ähnlich. Deshalb weiß ich auch, dass dieses Spiel sehr wichtig ist.“ Sportchef Frank Arnesen habe ihm schon vor Vertragsunterschrift das Programm des HSV aufgemalt und ihn über die Besonderheiten der jeweiligen Duelle informiert. „Deshalb weiß ich, dass das Spiel in Bremen das größte Spiel der Saison ist. Für uns wie für die Fans.“ Dabei macht Rajkovic macht vieles richtig. Er stellt sich nicht hin und kontert irgendwelche provokanten Aussagen. „Ich bin ruhig. Ich rede nicht viel über das Spiel außerhalb des Platzes.“ Soll heißen: dafür geht es auf dem Platz umso mehr zur Sache. Eine Einstellung, die mir persönlich sehr gefällt.

Das Kompliment gilt allerdings auch für Rajkovics Kompagnon, Mannschaftskapitän Heiko Westermann, dem ich eine Sache niemals vorwerfen werde: eine falsche Einstellung. Auch wenn der für seine Verhältnisse heute richtig ausbrach, als er auf die Äußerungen des Werder-Keepers: „Ich kenne Tim schon sehr lange und weiß, dass er ein loses Mundwerk hat. Da ist es umso mehr ein Bedürfnis, ihm ein paar Dinger einzuschenken. Ich hoffe, dass wir ihm den Mund stopfen können.“

Das wiederum würde neben den meisten Bloggern und mir hier im Blog ganz sicher auch einem Granden gefallen, der sich heute zu Wort meldete: Ex-HSV-Keeper Horst Schnoor. Der mehrfache Norddeutsche- und Deutsche Meister, Pokalsieger und Keeper der ersten Bundesligastunde beim HSV konnte sich gar nicht mehr beruhigen. „Es ist unverantwortlich, vor so einem Spiel solche Sprüche rauszuhauen. Dass es überhaupt so weit gekommen ist, dass wir von einem Hass-Duell sprechen, liegt zu großen Teilen an ihm.“ Und einmal in rage, legte Schnoor noch nach: „Eigentlich äußere ich mich nie zu Torhütern, aber Wiese ist die berühmte Ausnahme. Bei uns früher gab es auch eine große Rivalität – aber die galt auf dem Platz. Auch Wiese sollte sich langsam mal auf Fußball konzentrieren und nicht nur darüber nachdenken, äußerlich Wirkung z haben. Sein Brilli im Ohr, die Sonnenbankbräune und die gegelten Haare – und jetzt noch diese Sprüche jedes Jahr. Kein Wunder, dass aus unserer Zunft wirklich niemand gut auf ihn zu sprechen ist.“ Neben ähnlich lautenden Beschwerden folgte dann aber noch ein Satz, den ich unbedingt weitergeben möchte: „Ich kann gar nicht so viel vergessen, wie der Wiese noch lernen muss.“

Aber gut, das Thema Wiese ist für mich damit abgehakt. Die Sprüche des für mich zweifellos sportlich sehr wertvollen Keepers bewirken bei mir schon lange nichts mehr. Im Gegenteil: ich frage mich eigentlich nur noch, warum er sich selbst unter zusätzlichen Druck setzt. Wenn er jetzt einen Fehler macht, werden doch alle sagen: seht ihr, der hätte mal die Klappe halten und sich auf das Spiel konzentrieren sollen. Und das dann auch völlig zurecht. Zudem glaube ich nicht, dass ein derartiges Traditionsderby noch mehr Feuer im Vorfeld benötigt. Zumal nicht nach den letzten Jahren, in dem wir diese Ansetzung fast inflationär „genießen“ durften. Nein, dieses Derby steht für sich. Der 18. gegen den Dritten, der zudem noch punktgleich ist mit dem Tabellenführer. Die einen müssen gewinnen, um sich endlich in ruhigere Tabellengefilde abzuheben – die anderen stehen wider Erwarten kurz vor einer Tabellenführung. Ergo: Wer braucht für eine angespannte Atmosphäre einen Wiese?

Auf selbiger im Weserstadion wird es morgen hoffentlich so heiß hergehen, wie die Spieler es ankündigen. Im gestrigen Training war wirklich Tempo drin. Heute zu bewerten, erübrigt sich, da im Stadion wie bei fast jedem Abschlusstraining Spielzüge (zumeist ohne aktiven Gegenspieler) und Standards (mit Gegenspielern) geübt wurden. Bei Letzterem agierte die A-Elf als Abwehr. Ein Wink, dass Defensive Trumpf sein wird? Ich hoffe nicht. Dafür hat die Mannschaft gegen Köln zu viel Positives aus dem eigenen Offensivspiel gezogen. Jetzt noch mal eine Defensivtaktik wie in Dortmund oder München könnte da schnell kontraproduktive Auswirkungen haben. Bei aller Wertschätzung der starken Bremer Offensive (Marin, Hunt, Pzarro, Arnautovic).

Klar ist beim HSV die Startaufstellung. Drobny steht im Tor, Mancienne verteidigt rechts neben den Innenverteidigern Westermann und Rajkovic, während Aogo die linke Seite dichtmacht. Auf der Doppel-Sechs stehen Jarolim und Tesche in der Startformation, während Jansen links und Skjelbred rechts außen anfangen. Davor stehen Petric und Guerrero. Nehme ich die Startelf der Bremer (Wiese – Sokrates, Prödl, Wolf, Schmitz – Bargfrede – Fritz, Hunt – Marin – Pizarro, Arnautovic) als Grundlage, sehe ich tatsächlich keinen Grund zur Sorge. Im Gegenteil. Ich hoffe, dass die Mannschaft (samt Trainer) genau so forsch in Bremen antritt und auf Sieg spielt, wie es die Worte nahezu aller Protagonisten in dieser Woche andeuteten. Ich glaube, die Mannschaft will nach vorne spielen – ich hoffe, sie macht es auch. Denn eine Sache hatte bislang immer gefehlt – bis zum Köln-Spiel: Mut. Und den muss die Mannschaft haben, wenn sie bei dem mit 41600 Zuschauern ausverkauften, stimmungsvollen Nordderby morgen etwas mitnehmen will.

Zumal das Spiel in Bremen eine riesige Chance bietet. Es kann ein erstes Mosaik bei der Wende zum (lieber noch vorsichtig formuliert…:) Besseren sein. „Ein Sieg wäre ein Befreiungsschlag“, sagt Westermann. „Es wäre ein Schritt nach vorn“, ist Rajkovic da noch etwas vorsichtiger. Aber auf jeden Fall hätte der HSV endlich mal eine Woche, in der er sich nicht nur über Fehler, Gegentore und fehlende Punkte unterhalten müsste. Und das allein – so seltsam das aus dem Mund/der Tastatur eines Journalisten auch klingt – wäre schon Gold wert für diese seit Wochen gebeutelte Mannschaft.

Besondere Hoffnungen lege ich dabei auf die Doppelspitze Petric/Guerrero. In die Cleverness und die Eingespieltheit der beiden, die wohl das Beste sind, was wir offensiv zu bieten haben. „Wir verstehen uns blind“ und „es macht uns einfach Spaß, miteinander zu spielen“ tröten sich die beiden gegenseitig zu. Und im Training wirkt es auch, als freuten sich die beiden wirklich auf ihren ersten gemeinsamen Auftritt seit dem Dortmund-Spiel. Was so ein bisschen Freude am Fußball ausmacht, wissen wir alle. Und wenn Jansen auf links endlich wieder funktioniert, Skjelbreds Aussage „Ich kann im Mittelfeld überall spielen, außer außen“ nicht zutrifft und unsere (Gegner-weg-)Arbeiter Westermann und Rajkovic als Derby-Bollwerk ihren Worten Taten folgen lassen, kann es definitiv was werden.

Ein Sieg in Bremen – und alles wäre gut. Zumindest für Sonnabend Abend. Obwohl, auch noch für Sonntag. Und für Montag. Eigentlich sogar bis Sonnabend. Eben bis Gladbach kommenden Sonnabend in die Imtech-Arena kommt und und sich – mal im arroganten Wiese-Stil gesprochen – hier ne Klatsche abholt.

Und dann ist alles noch besser.

Ich träume! Endlich mal wieder…

Da geht was! Ich freue mich auf das Spiel morgen Abend! Und damit stehe ich sicher alles andere als allein da.

Bis morgen,
Scholle (16.45 Uhr)

Kurz notiert:

Kader: Neben der Startelf reisten Mickel, Bruma, Töre, Rincon, Kacar, Berg und Sternberg mit nach Bremen.

Kosten: Paolo Guerrero und Tomas Rincon müssen tief in die Tasche greifen. Die beiden Südamerikaner kamen erst 15 Minuten vor Beginn des Abschlusstrainings am Stadion an. Normal sollen allen mindestens 60 Minuten vor Trainingsbeginn da sein.

Kater: Auslaufen ist am Sonntag um zehn Uhr an der Imtech-Arena.