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Vorbereitung: 13 Spiele, sechs HSV-Siege

12. August 2012

Vagner Love lässt grüßen. Erinnert das noch einer von euch? Vagner Love, oder wie er genau heißt: Vágner Silva de Souza, heute Stürmer bei Flamengo Rio de Janeiro, sollte zum HSV kommen. Hieß es nicht nur in Hamburg damals. Es sollte fast alles perfekt sein – und dann war rein zufällig auch noch mein „Matz-ab“-Kollege Christian Pletz in Brasilien, sprach persönlich mit dem Stürmer. Vagner Love bestätigte den Fast-Wechsel zum HSV, und „Matz ab“ vermeldete es quasi aus erster Hand – und dann platzte der Wechsel doch noch. Die Häme, die dann über „Matz ab“ einbrach, die war riesig. Und hielt monatelang, wenn nicht sogar jahrelang an. Genau deswegen stand hier gestern nichts von Hakan Calhanoglu. Weil ich mir zum Ziel gemacht habe, nur dann etwas von einem Wechsel zu schreiben, wenn auch ich mich informiert habe. Da der HSV auf Mallorca weilte und ich keinerlei „Nahrung“ zu einem Wechsel des Karlsruhers bekam, schrieb ich nichts. Bevor ich von anderen abschreibe – und vielleicht wieder erfahren muss, dass der Fast-Wechsel doch noch geplatzt ist. Häme – nein danke! Ich denke (und habe gedacht), dass es bis zum Sommer 2013 noch etwas Zeit ist – auch für andere Vereine, noch dazwischenzufahren und dem HSV noch einmal kräftig in die Suppe zu spucken . . . Mal abwarten, wie sich das alles entwickelt.

Sollte es für das nächste Jahr aber tatsächlich klappen, dann kann man dem HSV nur gratulieren. Ich sah am ersten Drittliga-Spieltag dieser Saison die Partie Heidenheim gegen den KSC (2:2) live im Fernsehen, ein Klasse-Spiel. Aufschlussreich gerade im Hinblick auf das Pokalspiel der kommenden Woche. Hakan Calhanoglu schoss in Heidenheim eine 2:0-Führung des Zweitliga-Absteigers heraus. Mit zwei großartigen Freistößen. Einen versenkte er links, einen rechts. Der HSV kann sich freuen. Wenn es denn klappen sollte – so wie es die deutsche Presse-Agentur berichtet:

Der HSV scheint den Poker um den Karlsruher Offensivspielers Hakan Calhanoglu gewonnen zu haben. Wie das „Hamburger Abendblatt“ und die „Bild“-Zeitung berichten, soll der 18 Jahre alte Kreativspieler in den nächsten Tagen einen Dreijahresvertrag von 2013 an unterzeichnen. In der kommenden Saison wird er allerdings noch beim Drittligisten KSC unter Vertrag stehen, dem nächsten Gegner im DFB-Pokal. Der HSV wollte sich dazu am Sonntag vor dem Rückflug nach dem mit 1:0 gewonnenen Test bei Real Mallorca nicht äußern.

Seit der U 16 spielt der in Deutschland geborene Sohn türkischer Eltern für die Auswahl-Mannschaften der Türkei. Zuletzt hatten auch die Bundesligisten Hoffenheim, Freiburg und Bremen um Calhanoglu mitgeboten. „Wenn es stimmt, wäre es sehr schade“, sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs, „aber zu den aufgerufenen Bedingungen hätten wir es nicht machen können.“ Der HSV soll etwa zwei Millionen Euro für das Talent an den KSC zahlen.

Vor Wochen war sich Werder angeblich schon mit Hakan Calhanoglu einig. Ich kann mir deswegen nicht vorstellen, dass die Bremer nun ohne Kampf aufgeben werden. Und andere Vereine wachen eventuell nun, wo der Wechsel zum HSV öffentlich gemacht worden ist, ja auch noch auf. Und meines Wissens dürfen Verträge dieser Art (also für 2013) jetzt noch gar nicht geschlossen werden – auch keinerlei Vorverträge.

Ganz nebenbei, gaaaaanz nebenbei: Vor Wochen hatte „uns Scholle“ hier bei „Matz ab“ als Allererster (vor allen Hamburger Zeitungen) die Meldung, dass der HSV Calhanoglu will. Marcus „Scholle“ Scholz hatte seinerzeit mit dem Berater des KSC-Spielers gesprochen, und dieser bestätigte sowohl das HSV-Interesse als auch das von Werder.

Themenwechsel. Der HSV hat mich sportlich mit dem 1:0-Sieg beim RCD Mallorca total und auch total positiv überrascht, das gebe ich gerne zu. Und irgendwie passt dieses Resultat auch gut in die Landschaft, denn der 1. FC Nürnberg verliert mit dem 0:1 gegen Betis Sevilla sein erstes Testspiel, und der HSV setzt mit dem Sieg in Spanien ein erstes richtiges Ausrufezeichen. Wobei die Defensivabteilung ganz erfreulich und sehr stark gearbeitet hat (gegen ein Team, das in der kommenden Woche um Punkt spielen soll!), nach vorne aber nicht allzu viel ging. Ballbesitz ist das Zauberwort, Trainer Thorsten Fink will Ballbesitz und lässt genau darauf auch spielen (Motto: „Haben wir den Ball, schießt der Gegner keine Tore“). Und auf Mallorca war der Gegner nicht in der Lage, mehr in Ballbesitz zu kommen. Ein Tor langt dem HSV – in diesem Fall. Und so könnte es in dieser Saison durchaus noch öfter Spiele dieser Art geben.

Mit einer Sache wusste ich gar nicht so recht, wie ich damit umgehen soll: Paul Scharner. Wieso kam der Österreicher, der sich lange warmlief, dann doch nicht zum Einsatz? Waren die beiden Innenverteidiger, Jeffrey Bruma und Michael Mancienne, zu gut an diesem Abend? Oder erhielten sie noch eine „Gnadenfrist“? Licht ins Dunkel brachte Trainer Fink, wie mir mein Kollegen Kai Schiller, der mit auf der Insel (gewesen) ist: „Paul Scharner hatte erst einen Tag mit uns trainiert, es war wichtig für ihn, dass er erst einmal die Mannschaft kennen lernt. Da der Österreicher auch bis Donnerstag bei seiner Nationalmannschaft ist, wird beim Pokalspiel die Innenverteidigung auch Bruma/Mancienne heißen, das kann ich garantieren – sie haben ja auch eine gute Vorbereitung gespielt.“ Das stimmt, und deswegen ich diese Maßnahme auch absolut nachvollziehbar.
Pokal-Gegner KSC steht übrigens in Liga drei nach der 0:1-Auswärts-Niederlage in Bielefeld schon wieder sieglos auf einem Abstiegsrang – Platz 18 von 20 Mannschaften. Da müsste es doch eigentlich mit dem Teufel . . .

Der HSV kehrt erst heute am Abend wieder zurück nach Hamburg, die Mannschaft lief heute auf Mallorca aus. Am Montag haben die Spieler ihren freien Tag.

Am Dienstag folgt dann – bevor es „pokalig“ wird – zum Abschluss der Vorbereitung noch das Spiel beim Hamburger Oberliga-Klub Altona 93. Es gab jetzt vom 6. Juli an 13 Spiele, die von den HSV-Leistungen her sehr durchwachsen waren, die aber (immerhin) sechs Siege und vier Unentschieden brachten. Hier noch einmal alle Partien auf einen Blick:

1860 Rosenheim – HSV 2:2
Zillertal-Auswahl – HSV 0:10
Terek Grozny – HSV 2:2 (wetterbedingt vorzeitig beendet)
Holstein Kiel – HSV 1:1
FC Suwon Samsung II (Südkorea) – HSV 0:6
FC Groningen – HSV 1:2
Seongnam Ilhwa Chunma (Südkorea) – HSV 0:1
FC Barcelona II – HSV 2:1
Eintracht Norderstedt – HSV 0:6
Borussia Dortmund – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
FC Bayern – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
Nordsjaelland – HSV 0:0
RCD Mallorca – HSV 0:1.

In einem abschließenden Resümee muss festgestellt werden, dass nicht viele Spiele dabei waren, in denen der HSV voll überzeugt hat. Im Gegenteil. Aber, und so hat es Trainer Thorsten Fink immer wieder betont, wichtig ist, dass der HSV zum Punktspiel-Start bei 100 Prozent ist – und das hat der HSV-Coach ja auch quasi versprochen. Fink sagte wörtlich: „Was nützt es, wenn man in der Vorbereitung nur gewinnt, in der Bundesliga dann aber verliert? Wir werden zum Bundesliga-Start zu 100 Prozent da sein.“ Eine Frage mit einer deutlichen Antwort. Und wenn dann der HSV in der Bundesliga erfolgreich spielt, dann denkt ganz bestimmt keiner mehr an diese etwas holprige Vorbereitung zurück. Auch ich nicht. Versprochen.

So, ansonsten gab es an diesem Sonntag Dütt und Datt.

Wie zum Beispiel die Meldung, dass sich Markus Babbel, der Hoffenheimer Trainer, darüber beklagt hat, dass nicht der Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw seinem Keeper Tim Wiese eine Absage für das Argentinien-Länderspiel (am Mittwoch in Frankfurt/M.) erteilt habe, sondern „nur“ der Co-Trainer und der Torwarttrainer (Hansi Flick und Andreas Köpke). Auch das ist nachvollziehbar. Denn erstens überrascht es mich, dass nun Hannovers Zieler die Nummer zwei ist, und dann wäre es ganz sicher besser gewesen, wenn Löw das selbst verkündet hätte. Da bin ich ganz auf Babbels Seite, denn er ist ein feinfühliger, ehrlicher und eher zurückhaltender Mensch, der immer weiß, was er sagt und wie er sich zu verhalten hat. Babbel, der ehemalige HSV-Spieler (den ich immer sehr geschätzt habe!), ist ganz sicher kein Besserwisser und auch kein Lautsprecher, der Mann ist einfach nur klasse – ein ganz feiner Mensch.
Und dass er Wiese zum TSG-Kapitän gemacht hat, das hat Babbel sicherlich nicht getan, um den HSV-Anhang zu ärgern, das spricht vielmehr und irgendwie auch für Wiese, der bei anderen Klubs (und den dazugehörigen Fans) ja nicht sonderlich beliebt ist. Wiese soll aber, so hat es mir mein alter Freund Harald Stenger (der nun als Medien-Direktor des DFB aufhören muss) oft genug bestätigt, gar nicht so ein „Stinkstiefel“ sein, für den er vor allem wohl in Hamburg gehalten wurde – und wird.
Aber, das zum Abschluss, macht ein Trainer einen „Quertreiber“ wirklich sehenden Auges zum Kapitän?

Und wo wir gerade bei Torhütern sind: Jens Lehmann hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Und in meinen Augen ganz gute Dinge von sich gegeben. Die Agentur dapd schreibt:

Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Jens Lehmann hat sich verwundert über Matthias Sammers Wechsel zu Bayern München geäußert. „Ich war überrascht“, sagte Lehmann der „Bild am Sonntag“. Sammer habe seinen Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im vergangenen Jahr verlängert und von Werten wie Loyalität gesprochen. „Und auf einmal werden diese Werte innerhalb von ein paar Stunden anders beurteilt und ausgelegt.“

In der Verpflichtung des 44-Jährigen als neuen Bayern-Sportvorstand sieht Lehmann zudem erhöhtes Konfliktpotenzial beim Rekordmeister. Er betonte aber: „So, wie ich ihn erlebt habe, streitet Matthias Sammer mit den Leuten, die unter ihm sind. Er streitet nicht mit den Leuten, die über ihm stehen.“

Lehmann und Sammer kennen sich unter anderem durch ihre gemeinsame Zeit bei Borussia Dortmund. Sammer führte den BVB 2002 als Trainer zur Meisterschaft, Lehmann stand damals im Tor.

Eine interessante Meinung von Lehmann. Und die rief bei mir noch einmal die damalige Wechsel-Posse Sammers zum HSV ins Gedächtnis zurück. In der Tat, damals, als Sammer sich für den DFB entschied (obwohl er beim HSV schon zugesagt hatte), sprach der Sport-Direktor viele hehre Worte. Die aber wohl dann doch nicht mehr ganz so hehr sind, wenn der große FC Bayern ruft . . . Aber ist ja ohnehin abgehakt, dieses Thema, ich fand es nur ganz interessant, wie ein Großer des deutschen Fußballs darüber denkt – und es dann auch offen ausspricht.

Zum Thema Nationalmannschaft gab es dann heute auch noch folgenden Meldung (dapd), wobei es hier um den FC Bayern geht:

Bayern München wird das Supercup-Duell mit Borussia Dortmund ohne Bastian Schweinsteiger antreten. Der Nationalspieler, der zuletzt mit Sprunggelenksproblemen zu kämpfen hatte, trainierte zwar am Samstag wieder. Trainer Jupp Heynckes verzichte im Supercup aber vorsichtshalber auf ihn, teilte der Verein vor dem Heimspiel am Sonntag (20.00 Uhr) mit. Dagegen soll Stürmer Claudio Pizarro nach seinen Hüftproblemen wieder in den Kader zurückkehren.

Wir erinnern uns: Schweinsteiger wurde bei der EM trotz seiner fehlenden Fitness immer tapfer mit durchgeschleppt. Nach der EM bestritt Schweinsteiger kein Pflichtspiel mehr, und er ist trotz allem immer noch nicht fit für den FC Bayern! Das hätte ich auch mit einem dicken Fragezeichen versehen können, denn ganz offenbar ist da doch etwas ganz Gravierendes falsch gelaufen. Schweinsteiger hätte, ich schrieb es während der EM, gar nicht (mehr) auflaufen dürfen (und sollen), aber da war wohl falsch verstandene „Liebe“ zwischen Trainer und Spieler mit im Spiel (während ich das schreibe, verwandelt der ehemalige HSV-Spieler Christian Rahn, ja der „alte“ Rahner, gerade einen Elfmeter zum 1:0 für Regensburg gegen Duisburg – Glückwunsch!).

Apropos Ehemaliger: Auch ihn gib es noch, wie der Sport-Informations-Dienst berichtet:

Der frühere Fußballer des Jahres Ailton war bei seinem Debüt beim Sechstligisten Hassia Bingen gleich der Matchwinner. Der 39-Jährige kam gegen die SpVgg Ingelheim in der 68. Minute ins Spiel und erzielte vor 1300 Zuschauern beide Treffer (84./90.) zum 2:0-Erfolg. „Kugelblitz bleibt Kugelblitz. Mein Antritt ist Explosion“, sagte der frühere Bremer der Rhein-Zeitung. Nach Angaben der Zeitung war bereits nach dem ersten Tor ein Kamerateam auf den Platz gelaufen.

Dschungelcamp-Teilnehmer Ailton tingelt seit 2009 durch die deutschen Amateurligen. Zunächst beim in die Niederrheinliga abgestürzten Ex-Pokalsieger KFC Uerdingen, ein Jahr später beim Bremer Regionalligisten FC Oberneuland und schließlich beim niedersächsischen Siebtligisten VfB Peine.

Ja, der liebe, gute, dicke Ailton, der hier noch in Hamburg aufdribbeln durfte, obwohl er seine Zukunft schon lange hinter sich hatte. Wenn ich an ihn denke, dann nicht nur wegen der tausendprozentigen Chance gegen Werder, die dem HSV Millionen gekostet hat, sondern an seine Extravaganz. Der führte sich hier beim HSV oft so wie ein König auf. Da musste man anklopfen, bevor man ihn ansprechen durfte. Es fehlte nur noch eine Sänfte, auf der ihn die Mitspieler auf den Rasen zu tragen hätten. Ja, es gab schon Typen hier . . . Trainer Thomas Doll verzweifelte damals an dem „Dicken“, weil der stets versprach, im Hotel im Kraftraum zu arbeiten, um den Rückstand in Sachen körperlicher Fitness so schnell wie möglich aufzuarbeiten. Aber denkste Kraftraum, Ailton legte die Beine hoch und ließ den lieben Fußball-Gott einen guten Mann sein.

Dann ganz kurz noch ein kleiner Schwenker in die Zweite Liga. Zum 1. FC Köln. Zwei Spiele, zwei Punkte – ein Fehlstart? Mir tut der ehemalige HSV-(Jugend-)Spieler Holger Stanislawski etwas Leid. Der EFFZEH jagt Podolski, Novakovic und alles was sonst noch stürmen kann vom Hof, und jetzt fragt sich „ganz Köln“, warum der Klub keine Tore schießt? Kommt mir irgendwie bekannt vor.

So, und nun trifft noch ein „Ehemaliger“ in der Zweiten Liga. Änis Ben-Hatira, der ein unwahrscheinlich breites Kreuz bekommen hat (alles Muskeln!), schießt Hertha BSC gerade beim FSV Frankfurt mit 1:0 in Führung. So schießt das Leben . . .

Und dann gab es da noch diesen Bericht von „Malle BZ“:

HSV-Hooligans vs. Helmuts

Gestern Nacht soll es laut Zeugenberichten in der Schinkenstraße am Ballermann zu einer massiven Schlägerei zwischen HSV-Fans und den Sonnenbrillenverkäufern gekommen sein. Die HSV-Supporter feierten in den dort liegenden Biergärten ausgelassen und wurde immer wieder von den dreisten Schwarzafrikanern bedrängt, etwas aus dem Angebot zu kaufen. Irgendwann gegen 2 Uhr muss die Stimmung dann aber ziemlich schnell umgeschlagen haben, nachdem es immer wieder zu Beleidigungen von Seiten der „Helmuts“ kam.

Die Situation eskalierte und einige Dutzend HSV´ler teilten massive Ohrfeigen an die immer mehr werdenden Schwarzen aus. Eine Massenkeilerei quer über die Schinkenstrasse entstand, es flogen Bierkrüge und Tische. Die Lage beruhigte sich erst, als eine große Anzahl Polizisten am Schlachtfeld auftauchte und die Lager spaltete. Auf Seiten der Sonnenbrillenverkäufer soll es zu einigen Verletzten gekommen sein, die in mehreren Krankenwagen abtransportiert wurden.

PS: Nicht vergessen, am Montag kein Training im Volkspark.

16.26 Uhr

Neuhaus bleibt wohl, Drobny geht nicht zu Bayern – und Adler muss weiter warten

3. Mai 2012

Wahnsinn! Das konnte man als Quasi-Fan-Anleihe sehen. Denn das Interesse am HSV ist ungebrochen. Gute 100 Meter standen die HSV-Fans heute zum Schnäppchenmarkt in Doppelreihen an. Und es hörte gar nicht auf. Ständig fuhren Autos vom Parkplatz weiß (hinter der Haupttribüne) – aber für jedes abfahrende Auto kamen zwei neue. Der Mann mit der Lostrommel (Stückpreis 50 Cent – ich habe für zehn Euro eingekauft und ein altes Westermann-Trikot in rot, ein weißes für den Lütten sowie eine Schirmmütze und ein HSV-Fan-Set gewonnen) kam den Kaufwünschen kaum nach. Ebenso die Schnäppchen-Verkäufer, die heute und am Freitag vor der Bus-Einfahrt verkauften. Der HSV zieht eben noch…

Anders ist es da mit dem Spiel in Augsburg. Das scheint niemanden mehr so wirklich zu interessieren, nachdem es für beide Teams maximal darum geht, wer am Ende vor dem anderen steht. Ausgenommen hiervon ist allerdings Sven Neuhaus. Der Keeper feiert erst sein drittes Bundesligaspiel und trifft dabei auf seinen Ex-Klub. Übrigens, und das wusste ich bis dato selbst nicht, schied Neuhaus vor drei Jahren nicht wirklich im Netten beim FCA aus. Vielmehr war es die Möglichkeit, Simon Jentzsch zu verpflichten, die den damaligen und heutigen Trainer Jos Luhukay dazu brachte, sich im Sommer spontan gegen Neuhaus und für den damaligen Bundesligakeeper zu entscheiden. Schön sei es nicht gewesen, bemühte sich Neuhaus heute erfolgreich um Fassung, „allerdings ist Augsburg aufgestiegen und hat somit nicht allzu viel falsch gemacht. So funktioniert es eben im Leben – wenn ein Guter angeboten wird, muss ein anderer gehen. Das war damals in Augsburg so. Und das kann dieses Jahr hier so sein.“ Womit Neuhaus die Personalie Jaroslav Drobny anspricht, der zwar noch einen Vertrag hat, dem aber ein Wechsel nahegelegt wird, weil der Verein die Möglichkeit hat, René Adler zu verpflichten. Klar ist aber auch, dass es nicht das Duo Drobny/Adler in Hamburg geben wird.

Vielmehr kann es nur eine Nummer eins geben. Und die wird nicht Neuhaus heißen, obwohl der 34-Jährige dem HSV erhalten bleibt. „Ich hatte noch vor meine Spielen im März ein längeres, sehr gutes Gespräch mit dem Trainer. Und Thorsten Fink hat mir gesagt, das er sehr gern mit mir arbeitet und das auch gern weiter machen würde“, so Neuhaus glücklich. Immerhin strebt auch der zweifache Familienvater ein weiteres Jahr in Hamburg an. Zumal er sich in die Stadt verliebt hat: „Hamburg ist eigentlich viel zu teuer, das kann ich mir gar nicht leisten“, scherzt Neuhaus, und er fügt hinzu: „Hamburg ist der Wahnsinn. Dazu der Verein, die Fans und die super Trainingsbedingungen. Ich würde sehr gern bleiben.“

Und das auch als Nummer drei. Obwohl er dieses Jahr noch mal Lunte riechen durfte. „Ich hatte anfänglich echte Bedenken, was passieren würde, wenn ich wirklich spielen müsste. Ich war so lange raus und hatte ernsthafte Bedenken, dass ich die Abläufe nicht mehr richtig drauf habe. Aber alle Bedenken waren in Nürnberg nach 60 Sekunden passé. Da habe ich den Schalter umgelegt, ohne es zu merken. Plötzlich ging es, als wäre ich nie raus gewesen.“ Dabei hatte er gegen Kopenhagen im Winter beim Testkick echte Probleme. Mit den Händen und den Füßen klappte nicht wirklich viel. „Das war hart damals“, erinnert sich Neuhaus, für den Trainer Thorsten Fink in meinen Augen die perfekte Benotung fand: „Er gefällt mir in den Spielen deutlich besser als im Training.“ Denn bei Letztgenanntem wusste Neuhaus – das hatten Dieter, ich und auch etliche Trainingskiebitze so geschrieben – nicht wirklich z überzeugen. „Ich habe keine Ahnung, warum das so ist“, lacht Neuhaus, „aber wahrscheinlich hat er recht.“

Neuhaus ist ein intelligenter Typ, der sich gut zu verkaufen weiß. Das wiederum spiegelt sich in seiner Vita bei 153 Zweitliga- und bislang erst zwei Erstligaspielen nicht zwingend wieder. Dennoch, Neuhaus kann gut mit Worten. Er ist ein smarter, sehr sympathischer und bodenständiger Typ. Einer, der immer für einen Scherz zu haben ist. Aber eben keiner, der spinnt. Auch deshalb setzen Fink und Sportchef Frank Arnesen auf den (mit rund 100000 Euro per annum vergleichsweise) Geringverdiener beim HSV. Ob sich Neuhaus nicht zu schade ist, von vornherein als Nummer drei ins Rennen zu gehen? „Nein“, so der solide Familienvater kalkulierend, „ich hatte eigentlich einen Fünfjahresvertrag gefordert, komme aber auch mit einem Jahr klar.“ So müsse er nicht umziehen und sich irgendeinem zweitklassigen Verein anschließen. „ich will helfen. Und wenn die beiden Keeper beim HSV am Saisonende besser geworden sind und ich dabei helfen konnte, bin ich zufrieden. Auch wenn mir der eigentliche Lohn, also das Klatschen der Fans im Stadion, fehlen wird, ich werde den Posten ausfüllen, der dem HSV fehlt.“

Neuhaus ist ein Teamplayer. Das muss er auch sein, kann man jetzt sagen. Aber er ist es aus Überzeugung. Was auf den ersten Blick wirkt, als sei er nicht ehrgeizig genug, entpuppt sich letztlich als überaus selbstkritische und realistische Selbsteinschätzung. Neuhaus weiß, dass nicht mehr viel auf ihn wartet, dass sich seine fußballerische Karriere dem Ende entgegenneigt. Und er fühlt sich wohl beim HSV, dem er in den letzten beiden Spielen in einer eminent wichtigen Phase zudem großartig helfen konnte. „Ich wurde zehn Jahre lang gefragt, was ich im jeweils nächsten Jahr machen würde. Ich habe immer geantwortet – und doch kam es immer wieder anders. Deshalb lasse ich es jetzt. Ich fühle mich wohl. Und es kommt eh immer, wie es kommt.“ Allerdings, und das wollte er unbedingt noch klarstellen, das Saisonfinale wird gewonnen. „Ich hoffe auf viele Tore – und das ich zu null spiele.“

Klingt gut.

Nicht dabei sein wird Drobny, der heute wieder nur zur Pflege kam, und dem verschiedene Angebote vorliegen sollen. Allerdings scheint der FC Bayern nicht mehr ganz oben auf der Liste zu stehen, oder besser: Drobny nicht mehr auf der Bayern-Liste ganz oben. Der Champions-League-Finalist soll sich anderweitig erkundigt haben. Nach Tim Wieses Wechsel gen Hoffenheim der ehemalige HSV- und aktuelle TSG-Keeper Tom Starke beim Rekordmeister hoch im Kurs.

Für Neuhaus eine gute Nachricht, denn er zählt Drobny zum Besten, was er kennengelernt hat in seiner Karriere. „Drobny ist ein Torwart, wie ich ihn noch nie erlebt habe“, lobt Neuhaus, „der gibt in jedem Training 100 Prozent und ist am Sonnabend trotzdem fit. Normalerweise schonen sich Torhüter ab Donnerstag immer ein wenig, springen nicht mehr nach jedem Ball, um so am Sonnabend pünktlich topfit zu sein. Nicht so Drobny. Der hat sich nie geschont.“

Gleiches gilt für David Jarolim, der heute aussetzte und mit Markus Günther sowie Ivo Ilicevic (Fink: „Bei Ivo sieht es eher nicht so aus, als könnte es bis Augsburg klappen“) nur laufen ging. Marcell Jansen (Infekt) wirkte nach einem Tag Pause wieder voll im Mannschaftstraining mit und wird gegen Augsburg spielen können. Auch Gojko Kacar („Es tut noch ein wenig weh“) wurde im Trainingszentrum gepflegt.

Letztlich war es ein schöner Tag mit einem tollen Finish. Denn in diesem Jahr findet der Liga-Total-Cup in Hamburg statt. Am 4. Und 5. August messen sich in der Imtech-Arena Meister Borussia Dortmund, der (aus deutscher Sicht hoffentlich)kommende Champions-League-Sieger Bayern München, Werder Bremen und der HSV. Attraktivere Gegner gehen nicht. Dafür kassiert der HSV neben den möglichen Siegprämien bis zu 1,2 Millionen Euro auch eine Ausrichterpauschale von rund 500000 Euro. Gelder, die sehr gelegen kommen.

Apropos Gelder, auch die Aktion Fan-Anleihe zieht mächtig an. Im HSV-Vorstand sowie im Aufsichtsrat fand die von Supporters-Boss Ralf Bednarek geäußerte Idee breite Zustimmung. Gut möglich, dass schon in den nächsten Tagen eine Umsetzung geprüft wird.

In diesem Sinne, im festen Glauben daran, dass der HSV in Augsburg nicht verliert und somit die schlechteste Platzierung der Bundesligageschichte (1972/73 waren Kaltz, Nogly und Co. mal 14.) vermeiden kann,

bis morgen!

Scholle

P.S.: Das eigentlich als „nicht öffentlich“ gekennzeichnete Freitagstraining findet nun doch für alle zugänglich um 11 Uhr an der Imtech-Arena statt.

Der HSV rotiert – bringt Arnesen Neue aus London mit?

6. März 2012

Maximilian Beister ist da, Petric ist bald und Paolo Guerrero zumindest acht Spiele lang weg. Zudem befindet sich Fank Arnesen mal wieder in London beim FC Chelsea, um die personellen Möglichkeiten für den HSV abzuklopfen. Kurzum: es rotiert beim HSV. Aber der Reihe nach.

Heute regte sich noch mal der Cheftrainer mächtig auf. Die Acht-Spiele-Sperre für Paolo Guerrero wurde trotz HSV-Einspruchs vom DFB-Sportgericht bestätigt – und der HSV akzeptierte sie. Dies allerdings mit einigem Zähneknirschen. „Es war ein sehr hartes Foul, das bestraft werden muss. Auch etwas härter, was beispielsweise fünf oder sechs Wochen gewesen wären. Aber acht? Das ist zu hart.“ Eine Meinung, der ich mich anschließe. Denn, betrachtet man mal die Historie von Strafen in der Bundesliga, wird Guerrero hier auf einmal mit dem Ex-Profi Kruse auf eine Stufe gestellt, der den Schiedsrichter nach einer Entscheidung tätlich angegangen ist. Oder nehmen wir doch mal die „Nicht-Strafen“ von einem Gerald Asamoah, der gerade einem Bochumer bei einem üblen Tritt das Bein gebrochen hat. Oder das uns allen bekannte Beispiel mit Ivica Olic, der von Tim Wiese übel umgetreten wurde und nur Gelb bekam. Eine Reihe von Vergehen, die sich problemlos fortführen lässt. Und auch wenn es eigentlich nicht meine Art ist, einen Fehler am anderen zu relativieren, so glaube ich, dass bei Paolo längst nicht nur die sportliche Komponente fürs Sportgericht den Ausschlag gab. „Paolo hat ein hartes Foul gespielt – aber er hat niemanden bewusst verletzt, niemanden geschlagen. Das war also auch keine Tätlichkeit. Und es war das erste Rot-Foul von ihm – was man berücksichtigen sollte. Gerade im letzten Jahr hat sich Paolo sehr gut entwickelt, sehr viel gelernt, Führung übernommen. Er ist reifer geworden. Aber wahrscheinlich will man an ihm ein Exempel statuieren. Hätte er auf Unschuldslamm gemimt und netter ausgesehen, nicht den Beinamen „der Krieger“ und die eine oder andere Narbe im Gesicht – vielleicht wären es dann nur vier, fünf Wochen geworden“, schimpfte sich Fink in einen kleinen Rausch.

Aber okay, auch Fink weiß, dass das Urteil nicht mehr zurückgenommen wird und er neu planen muss. Planen mit Mladen Petric, dem der HSV gerade am Montagabend eröffnet hatte, dass er kein neues Angebot vom HSV bekommt. Ob Fink glaubt, dass es Probleme in Sachen Einstellung bei Petric geben könnte? „Nein. Ich kenne Mladen als charakterlich einwandfreien Typen. Ich sehe da keine Brisanz. Er bringt seine Leistung. Noch geht es ja auch für ihn um einen neuen Vertrag bei einem anderen Klub. Aber in erster Linie ist er charakterlich gefestigt und will hier mit einer guten Performance gehen.“ Dafür allerdings, da sind sich eigentlich alle einig, bedarf es einer deutlichen Steigerung beim Kroaten. Ob Fink vor der Bekanntgabe noch mit seinem Stürmer gesprochen hatte? „Ja, aber nicht so sehr darüber. Ich hatte ihm nur gesagt, dass ich seinen Wunsch akzeptiere, dass schnell eine Entscheidung her sollte.“ Die ist gefällt. Und heute schnappte sich Fink seinen Angreifer noch vor dem Training zum persönlichen Gespräch und beide kamen letztlich nett plaudernd als Letzte auf den Trainingsplatz.

Im Training selbst war nichts von Enttäuschung bei dem Kroaten zu erkennen. Er trainierte wie immer – ohne große Ausschläge nach oben oder nach unten. Gleiches galt für Paolo Guerrero, der sich sehr darüber geärgert hat, dass sein letzter Satz im langen Interview am Sonntag so hervorgehoben wurde. Denn nachdem er sich knapp fünf Minuten lang immer und immer wieder entschuldigt hatte und sein Bedauern ausgesprochen hatte, sagte er, dass er nicht verstehen könne, warum jetzt eine derartige Panik gemacht würde. Und dieser Satz wurde von TV- und Radiosendern einzeln herausgefiltert zitiert und klang natürlich alles andere als reumütig – was das allgemein sehr schlechte Bild des Peruaners bei den Kritikern bestätigte. Zu denen zählte die große Gruppe Kinder heute nicht, die sich explizit von Guerrero nach dem knapp zweistündigen Training heute Autogramme holte.

Aber kommen wir wieder zum Sportlichen. Da geht es vor dem Spiel am Sonntag beim FC Schalke natürlich vorrangig darum, wer Guerrero ersetzt. Und natürlich, wer für David Jarolim auflaufen wird. Zwei Fragen, die Fink heute erstaunlich klar und festgelegt beantwortete. „Offensiv hat nach den Trainingseinheiten, den Freundschaftsspielen und Spielen Tolgay Arslan die Nase vorn.“ Zumindest solange Marcus Berg den Zweikämpfen aus dem Weg geht und Heung Min Son noch nicht wieder in Topform ist. Und auch im defensiven Mittelfeld ist die Entscheidung quasi gefallen: „Tomas Rincon ist gesetzt und hat in der Hinrunde schon häufiger mit Gojko Kacar zusammengespielt. Die beiden haben zusammen schon gute Spiele gemacht, deshalb sieht es danach aus.“

Offen ließ Fink jedoch, wer hinten spielen wird. Das musste er allerdings auch, nachdem Dennis Aogo noch immer leicht angeschlagen ist und morgen im Test beim SC Victoria nicht zum Einsatz kommt. „Ich werde im Test Heiko Westermann mal links spielen lassen“, kündigte Fink ein Experiment an. Denn diese Position hatte der HSV-Kapitän zuletzt beim FC Schalke gespielt. Dies allerdings sehr ungern. „Ich habe schon mit Heiko darüber gesprochen. Er ist gesetzt bei mir.“ Doch in der Innenverteidigung? Fink grinst: „Ich geh davon aus, dass Dennis bis Sonntag fit wird und links spielen kann.“

Womit Fink immer noch nicht beantwortet hatte, wer neben Westermann den zweiten Innenverteidiger spielen wird, nachdem Slobodan Rajkovic gegen Stuttgart einen – vorsichtig formuliert: ziemlich gebrauchten Tag erwischt hatte. „Ich werde mir genau ansehen, wie die Jungs das Spiel verkraftet haben und den aufstellen, der sich im Training aufgedrängt hat“, macht Fink auch den zuletzt nur als Reservisten aufgeführten Jeffrey Bruma und Michael Mancienne (Fink: „Er trainiert fast durchgehend gut“) neuen Mut. Zur Entscheidungsfindung sollen auch Einzelgespräche gehören – insbesondere mit Rajkovic, der durchaus als etwas feinfühliger tituliert werden darf.

Klar ist, dass Gökhan Töre am Sonntag noch nicht dabei sein wird. „Er wird garantiert nicht von Beginn an spielen“, sagt Fink, „und wahrscheinlich wird er sogar noch gar nicht dabei sein, sollte nicht noch etwas Schlimmeres passieren und wir noch mehr Ausfälle haben.“ Dennoch, morgen beim Testspiel gegen Victoria soll der Deutsch-Türke das erste Mal seit seiner Knie-OP im Januar wieder eine Halbzeit lang spielen. „Er hat noch keine ganze Woche voll mitgemacht“, erklärt Fink die vorsichtige Heranführung des Linksfußes, „aber er kommt langsam.“

Was bei allem auffällt: der HSV behält seinen Kurs im Blick. Alt geht, jung kommt. Petric bekommt keinen neuen Vertrag, Drobny soll trotz guter Leistung und viel Sympathien ebenso wie der Comebacker David Jarolim für einen jüngeren Spieler ausgetauscht werden. Auch deshalb weilt Sportchef Frank Arnesen seit heute in London. Dort trifft er sich bekanntermaßen mit Chelsea-Präsident Bruce Bock, hat aber „eine ganze Menge Termine vereinbart“, wie er selbst ankündigte. Dazu soll auch ein Termin mit Chelseas Sportchef Michael Emenalo, um über potenzielle Verstärkungen für den HSV zu sprechen. Zuletzt wurde der in Hamburg seit seinem 17. Lebensjahr auf dem Wunschzettel stehende Angreifer Romelu Lukaku hoch gehandelt. Der Stürmer kam bislang erst auf sechs Teileinsätze bei den Blues und soll auf Leihbasis abgebeben werden. Genau das, was Arnesen Chelseas Präsident Bruce Bock bereits vor Monaten erfolglos vorgeschlagen haben soll. „Luku ist eine Entdeckung von meinem Sohn, der ihn als 14-Jährigen gescoutet hat. Romelu ist ein riesiges Talent“, schwärmt Arnesen von dem Mann, der mit dem bummeligen Marktwert von 15 Millionen Euro (Transfermarkt.de) unterwegs ist und der laut seinem Berater „aus ganz Europa Angebote vorliegen“ haben soll.

Und während offiziell ist, dass Arnesen in London den Verbleib von Jeffrey Bruma für ein weiteres Jahr auf Leihbasis erreichen will, soll sich der HSV-Sportchef laut belgischen Zeitungsberichten auch um einen weiteren Chelsea-Youngster für die Verteidigung interessieren: Tomas Kalas (http://www.transfermarkt.de/de/tomas-kalas/profil/spieler_148657.html). Wie Lukaku ist auch der 18-jährige Tscheche eine Entdeckung von Arnesens Sohn Sebastian. Momentan spielt der 1,84-Meter-Mann bei Vitesse Arnheim – ist allerdings vom FC Chelsea nur bis Saisonende ausgeliehen.

Auffällig: beide genannten Spieler sind noch sehr jung. Und obwohl ich mich gern als Freund der Talentförderung oute, fehlen mir zwei, drei Führungsspieler. Noch ist zwar Zeit, aber etwas beunruhigt bin ich schon. „Ich nicht“, kontert Fink, „klar ist, dass wir mit Westermann und auch Aogo schon Führungsspieler haben. Aber klar ist auch, dass wir die Saison nicht mit 20 20-Jährigen angehen werden. Es wird auch in die Richtung Erfahrung noch was passieren.“

Zu der Kategorie ist Maxi Beister sicher nicht zu zählen. Am späten Montagabend habe ich mit Maxi telefoniert und ihm zwischen Tür und Angel in einem wirklich sehr netten Gespräch – seine Freude und Erleichterung ist durchaus spürbar – ein paar wenige Fragen stellen können. Das Ergebnis stelle ich Euch, obwohl auch der HSV natürlich ein Interview unter www.hsv.de online hat, hiermit ans Ende des Blogs.

Matz Ab: Maxi, es hat nun doch etwas länger gedauert, bis Du Deinen Vertrag unterschrieben hast. Was genau hat so lang gedauert?
Maximilian Beister: „Eigentlich nichts. Es waren immer sehr positive und ehrliche Gespräche mit dem HSV. Und für stand von Anfang an fest, dass ich zum HSV zurückgehen möchte.“

Matz Ab: Du hattest dem Vernehmen nach etliche Angebote vorliegen. Darunter auch Vereine, die Dir die Champions League oder zumindest das internationale Geschäft bieten konnten. Weshalb hast Du Dich gegen die und für den HSV entschieden?
Beister: „Es stimmt, andere Angebote gab es. Aber ich bin mir sicher, den richtigen Schritt zu gehen. Es ist der richtige Moment für mich, die Zeit bei der Fortuna hat mir sehr gut getan. Das Leihgeschäft war absolut das Beste, was mir passieren konnte. Ich hatte die Chance mich langsam zu entwickeln – jetzt will ich mich zeigen. Der HSV, zu dem ich in all der Zeit immer einen sehr guten Kontakt hatte, hat sich sehr um mich bemüht. Und der Umbruch beim HSV ist ein guter Moment für mich als junger Spieler. Fink setzt verstärkt auf junge Leute und gibt ihnen die Chance, sich zu zeigen. Das war für mich auch einer der Hauptgründe, zum HSV zu gehen und hier Erfolge zu feiern.“

Matz Ab: Obwohl Du noch keine großen Erfahrungen in der Ersten Liga sammeln konntest, wirst Du in Hamburg schon als eine Art Hoffnungsträger gesehen. Ist die Erwartungshaltung zu hoch?
Beister: „Nein, es belastet mich nicht besonders, was die Leute erwarten. Wenn man in der Ersten Liga spielen will, muss man immer mit Druck leben. Zumindest mit dem von außen. Ich selbst werde mir keinen Druck machen, weil ich weiß, dass ich noch etwas Zeit brauche. Und ich weiß, dass der HSV sie mir geben wird.“

Matz Ab: Und wenn es mal nicht so läuft, hast Du endlich wieder Deine Familie quasi um die Ecke lebend…
Beister: „Meine Familie lebt in Lüneburg, und es ist schön, wieder in ihrer Nähe zu sein. Aber ich bin seit meinem 14. Lebensjahr in Hamburg gewesen. Hamburg ist meine Heimat und ich will wieder für meinen Heimatverein spielen.“

In eine WG mit Tolgay Arslan, wie früher schon mal, wirst Du wahrscheinlich nicht mehr ziehen. Inwieweit hat Dich Tolgay zum Wechsel nach Hamburg animiert?
Beister: „Mit Tolgay habe ich einige Male telefoniert. Er hat mir immer davon berichtet, wie in Hamburg gearbeitet wird. Und obwohl er eine schwierige Zeit hatte, hat er mir immer wieder unbedingt dazu geraten, nach Hamburg zu gehen.“

Matz Ab: Jetzt hast Du Deinen ersten richtig großen Vertrag unterschrieben und Dein Konto weist schon bald das vermutlich erste Mal eine siebenstellige Summe Plus auf. Wie wichtig ist Dir diese finanzielle Absicherung? Kribbelt es in Dir, wenn Du Dir darüber Gedanken machst, plötzlich „reich“ zu sein?
Beister: „Die Frage wird mir oft gestellt. Aber ganz ehrlich, das Geld ist mir im Moment tatsächlich egal, das stand nie im Vordergrund. Für mich zählt die sportliche Entwicklung. Alles andere steht und stand für mich nie zur Debatte. Wirklich nicht. Ich bin von mir überzeugt genug, um zu wissen, dass ich noch einige Jahre Gelegenheit habe, mit guten Leistungen auch entsprechend zu verdienen. Aber wie der Satz es schon zeigt: erst die guten Leistungen, dann der Rest. Und jetzt bin ich einfach erst einmal nur froh, wieder in der Heimat zu sein. Ich bin wieder da.“

In diesem Sinne, ich freue mich auf und über Beister ebenso sehr wie auf den Anblick, wenn Dieter im Prinzessinnen-Kleidchen zur Arbeit erscheinen muss.

Bis morgen! Da wird übrigens um 10 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle (19.13 Uhr)

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