Archiv für das Tag 'Westermann'

Noch kein Neuer da – personell wird es immer enger

28. Januar 2015

Jetzt sieht das Ganze schon wieder anders aus. Erneut wird aus einer eigentlich nur “kleinen, harmlosen Sache” etwas Großes. Die „kleine Operation“ an Valon Behramis Knie in der Winterpause entpuppt sich als gar nicht so harmlos – sie hat verheerende Folgen. Der Schweizer wird mindestens bis Ende Februar ausfallen. Sechs Spiele ohne den wichtigsten Mann im Mittelfeld, dazu der Abgang von Tolgay Arslan in die Türkei, ein angeschlagener Backup Petr Jiracek und ein Sechserkandidat, der nach Clébers Verletzung wahrscheinlich wieder in die Viererkette rücken muss: Heiko Westermann. Die personelle Not im defensiven Mittelfeld ist leicht erkennbar. Für uns – und für die anderen Klubs. Auch deshalb dürfte es nicht leichter werden für den klammen HSV, sich seinen Wunschspieler zu sichern. Und damit meine ich nicht Olic…

Nein, der HSV hat ein akutes Problem im Angriff – und jetzt noch akuter im defensiven Mittelfeld. Und er hat diese trotz aller Bemühungen noch nicht gelöst. Auf die Frage, ob die Verantwortlichen wirklich von der Schwere der Verletzung Behramis überrascht wurden, ließ der HSV mitteilen, dass Knieverletzungen immer schwer einzuschätzen sind und dass man kein Risiko eingehen wolle. Wie Trainer Joseph „Joe“ Zinnbauer den personellen Ausfall gegen Köln kompensiert, blieb noch unbeantwortet.

Klar ist aber, dass weiterhin ein Sechser gesucht wird. Der Chilene Diaz vom FC Basel ist offenbar nicht zu finanzieren und wurde auch nur halbherzig angefragt. Und auch Zdravko Kuzmanovic ist noch zu teuer. Trotzdem bemüht sich der Direktor Profifußball weiterhin um den Serben, der hinter Rafael van der Vaart und – Achtung, Trommelwirbel: Zoltan Stieber abräumen soll. Und während Kuzmanovic weiter unklar ist, ist zumindest klar, dass Stieber sich in die Startelf gespielt hat – und das auf einer Position, die er zuletzt in der Jugend gespielt hat. Stieber selbst ist noch immer überrascht, dort gelandet zu sein. „Der Trainer hat zunächst gar nichts gesagt und mich einfach dahin gestellt. Irgendwann haben wir uns darüber unterhalten – und ich finde immer mehr Gefallen daran“, so Stieber.

Der Ungar ist – das sagen die Kollegen, die mit im Trainingslager waren, einer der Gewinner der Vorbereitung. Auch, weil es mit dem Langzeitverletzten Lewis Holtby einen tragischen Verlierer gibt. Der eigentlich gesetzte Linksfuß muss mit einer Schulterverletzung noch knapp zweieinhalb Monate aussetzen. „Sein Ausfall ist echt bitter“, sagt Stieber und bezieht diese Aussage auch auf die weiteren Verletzten. Denn mit eben jenem Holtby, sowie Behrami, Cléber und jetzt auch noch Dennis Diekmeier, fallen gleich vier Stammspieler (zzgl. Jung) für die bevorstehende Englische Woche – und noch länger – aus. „Das ist schon hart“, so Stieber, „aber es bietet auch den anderen die Chance, sich zu zeigen. Und unserer Kader ist gut. Mit und ohne Neue.“ Ob es auch für einen Sieg gegen Köln reicht? „Das sehen wir am Sonnabend“, so Stieber vorsichtig. Er glaube zwar definitiv an einen Sieg, aber es sei nicht seins, öffentlich große Töne zu spucken.

Bis dahin will Ivica Olic in Hamburg sein – der HSV will Olic gekauft haben – und Wolfsburg? Die blockieren noch, schwärmen stattdessen von der immensen Bedeutung Olics für die Niedersachsen. Mehr als ein Hinhalten ist das allerdings nicht, daher ist auch der HSV noch nicht allzu beunruhigt. Knäbel, Beiersdorfer und Co wissen, dass der VfL weiterhon auf der Suche nach einem Hochkaräter ist. Heute hieß es, dass Allofs nach Schürrle auch für den brasilianischen Wunderknaben Kenedy von Fluminense ein Angebot abgegeben haben soll. Das berichtet die brasilianische Zeitung „Globo Esporte“. Und klar scheint: Sollte Allofs einen neuen Offensivmann verpflichten, darf Olic gehen. Das soll der einstige Publikumsliebling beim HSV heute in einem persönlichen Gespräch mit der VfL-Führung noch mal gesagt bekommen haben. Dem “kicker” sagte Olic: “Hamburg, das wäre interessant gewesen. Aber nur, wenn es auch für den VfL eine Option gewesen wäre”.

Dennoch, viel Zeit bleibt nicht mehr. Daher muss der HSV Alternativen haben. Der Fall Drmic ist ähnlich gelagert wie Olic. Auch Bayer blockt alle Anfragen bezüglich Drmic konsequent ab, ist währenddessen noch auf der Suche nach einem Hochkaräter für den Angriff. Aber darauf kann und will sich Knäbel nicht verlassen. Zuletzt war immer wieder der Name von Paul-José Mpoku zu vernehmen. Angeblich war sich der Belgier mit kongolesischen Wurzeln schon mit der SG Hoffenheim einig. Dem ist mitnichten so. Stattdessen soll der HSV wieder am Ball sein. Laut „Voetbalnieuws“ soll der 22-jährige Angreifer bereits in Hamburg gewesen sein, um mit Knäbel und Co. zu verhandeln. Allerdings, beim HSV nachgefragt, scheint das Thema (noch) nicht allzu heiß zu sein.

Insgesamt ist heute wenig (bis nichts) passiert – der HSV wartet ab. Muss er ja auch, wie oben beschrieben. Und somit wird es immer mehr zur Hänpepartie für Trainer Joe Zinnbauer, der nicht umsonst betont, mit dem Kader zu planen, den er aktuell zur Verfügung hat. Und wäre ich er, ich würde mit Westermann auf der Sechs und mit Rajkovic neben Djourou in der Innenverteidigung planen. Defensiv wäre das stabil – und bei Standards hätte man einen kopfballstarken Spieler mehr im Team. Vor allem einen, der unfassbar heiß auf sein Comeback in der Bundesliga ist. Rajkovic ist bereit…

Ebenso wie Stieber, der in der Vorbereitung als Holtby-Ersatz neben van der Vaart im neuen 4-1-4-1-System agierte. Dass er diese Rolle in der Jugend zuletzt gespielt hat, stört ihn nicht. Auch nicht, dass gerade auf ihn als zentralen Mittelfeldmann eine immense Verantwortung bei der Gestaltung des eigenen Angriffsspiels kommt. Stieber als Heilmittel gegen die Offensivschwäche? „Nein, nicht nur ich. Aber ich freue mich darauf. Meine Qualität ist eigentlich das Torevorbereiten und das Erzielen von Toren. Da muss ich mich verbessern – aber dafür habe ich zentral eine gute Position. Dort hat man deutlich mehr Ballkontakte als außen. Das kommt mir entgegen. Jetzt liegt’s an mir.“

Stimmt. Wer mehr vom sympathischen Linksfuß hören und sehen will, hier das Videointerview:


Und mit einer bitteren Niederlage im Handball (irgendwer schrieb „Wildcard vs. Creditcard“, was ich ganz passend fand) beende ich diesen Blog. Vorerst. Sollte heute Abend – wovon ich nicht ausgehen soll – noch etwas passieren, melde ich mich später noch mal. Ansonsten ist Lars morgen für Euch da. Die Mannschaft trainiert um 15.30 Uhr – noch ohne Neuen. Stand 18.34 Uhr.

Scholle

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