Archiv für das Tag 'Westermann'

Ein guter Wochenanfang

20. Oktober 2014

So richtig geheuer ist ihm das Ganze noch nicht. „Ashton ist immer ruhig, da darf man sich nicht wundern“ hatte Mannschaftskollege Fabio Morena uns bereits bei Matz ab live verraten. Und der Angesprochene bewies heute, dass Morena richtig liegt. „Ich war schon aufgeregt, habe mir aber Mühe gegeben, ruhig zu bleiben. Das ist mein Naturell“, so die kurze, gleichbleibend betonte Antwort darauf, ob er bei seiner Einwechslung gegen Hoffenheim besonders aufgeregt gewesen ist. Immerhin hatte er plötzlich keine 500 sondern knapp 50000 Zuschauer. Aber auch das spielt keine Rolle. „Der Junge hat ’nen Puls von 50“, hatte Morena gesagt, „immer. Das wird ihm in diesem Fall sicher geholfen haben.“

 

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Okay, zumindest hat es nicht geschadet. Denn Götz machte ein ordentliches Spiel. „Er hat mich positiv überrascht“, so Matthias Ostrzolek, Götz’ Pendant auf der linken Seite der Viererkette, „dass der so cool bleibt und so schnell ankommt – großes Kompliment. Das ist nicht so einfach gewesen für ihn, zumal er noch gar nicht richtig warm war gegen eine starke Mannschaft aus Hoffenheim.“

 

Götz selbst ist zurückhaltender. Er will noch nichts feiern. „Ich freue mich natürlich, aber ich gebe mir jetzt Mühe, noch mehr zu spielen.“ Ziele habe er direkt noch nicht. „Ich nehme das alles erst einmal so mit und schaue, was da kommt. Er war schon vor Jahren unter Armin Veh am Profidebüt dran, musste dann wieder zurück in die U23, verletzte sich vergangenes Jahr mehrfach schwer. „Drei Innenbandanrisse und dann ein richtiger Bänderriss“, so Götz, warfen ihn zurück. Bis Joe Zinnbauer das Zepter in der Bundesligamannschaft übernahm und ihn von Beginn an ins Profitraining hochzog. Ob für den Jungen, der beim SC Hamm 02 groß wurde, ein Traum in Erfüllung gegangen ist? Götz schweigt. Und er grinst. Aber er sagt nichts, außer: „Mal schauen, was die Zukunft so bringt. Man weiß ja nie.“

 

Götz ist vorsichtig. Sehr vorsichtig. Anders als auf dem Platz, wo er als einer der schnellsten Spieler im HSV-Kader das Risiko suchen soll in Sachen Offensivvorstöße. Die Sicherheit dazu wird er sich wohl in den nächsten Wochen holen können. Zumindest sind die Voraussetzungen dafür gegeben. Götz hat den Trainer, der ihn schon in der U23 protegiert hat. Zudem fällt Dennis Diekmeier wohl vorerst auf seiner Position aus. Per MRT-Aufnahme wurde bei dem Rechtsverteidiger eine massive Muskelquetschung festgestellt. „Das ist bei einem Zweikampf in den ersten Minuten mit Beck passiert. Ich habe gleich gemerkt, dass da ordentlich was drin ist“, so Diekmeier, der heute seinen 25. Geburtstag feiert (Herzlichen Glückwunsch!!) „aber ich dachte, ich könnte mir den Pferdekuss mit der Zeit rauslaufen. Aber stattdessen wurde es immer schlimmer.“

 

So schlimm, dass er nach 30 Minuten raus musste – und den Platz für Götz freimachte. „Der Trainer meinte nur: ‚Mach Dein Spiel’ zu mir“, erzählte uns Götz heute, also einen Tag nachdem er eben genau diese Anweisung befolgt hatte und dafür zurecht viel Lob erntet. „Er ist auffällig solide, hat seine Zweikämpfe gewonnen und sich gleich super eingefügt“, so Ostrzolek und Heiko Westermann ergänzt: „Er hat das bewiesen, was er im Training immer andeutet: Dass er großes Potenzial hat.“

 

Und er hat eine Mannschaft, die ihm die Eingewöhnung leicht macht. Die Mannschaft steht defensiv gut, sie hat wieder Selbstvertrauen – und Teamgeist. Wenn einer einen Fehler macht, dann hat er noch seine Mannschaftskollegen, die selbigen wieder ausbügeln. Klingt logisch – war beim HSV aber lange Zeit auch anders. „Zumindest sind wir inzwischen so geschlossen als Team und stabil wie ewig nicht“, freut sich Heiko Westermann, der von dem neuen Teamgeist gegen Hoffenheim mit am meisten profitiert hat, wie er selbstkritisch hinzufügt: „Ich habe mich da ein paarmal echt dämlich angestellt“, so der Innenverteidiger, „da muss ich deutlich abgeklärter sein.“ Dass er mit 107 die meisten Ballkontakte hatte – und das als Innenverteidiger in einem Spiel, in dem sein Team nicht unter Dauerdruck stand – für Westermann nebensächlich: „Ich war trotzdem unzufrieden mit mir. Ich bin nach dem Spiel in die Kabine und habe mich bei Johan Djourou bedankt. Er war für mich da, wenn was schief ging.“ So, wie Westermann zuvor auch für Djourou.

 

Wobei in diesem Zusammenhang auch noch einmal Valon Behrami genannt werden muss, der nicht nur für mich schon längst unersetzlich ist. Auch gegen Hoffenheim ackerte der Schweizer das Mittelfeld ab und gewann (laut Statistik nur) 50% seiner Zweikämpfe. Wobei ich ehrlich gesagt das Gefühl hatte, es wären deutlich mehr gewesen. Aber gut, wichtig für den HSV war und ist der Rechtsfuß eben auch so. „Valon ist für uns hinten ein echter Stabilisator“, lobt auch Westermann den Kollegen, der es nicht selten mit einem der talentiertesten Spieler zu tun hatte, die ich in der Imtech-Arena in den letzten Monaten gesehen habe: Roberto Firmino. Zugegeben, der Brasilianer machte beim 1:1 nicht sein bestes Spiel und verlor sogar den entscheidenden Zweikampf vor dem 1:1 von Lasogga. Aber wer mal genauer hingesehen hat, der konnte erkennen, dass der Zehner der TSG nicht nur technisch auf allerhöchstem Niveau agiert sondern zudem zweikampfstark ist. „Hoffenheim hat nach den Bayern sicherloch eine der besten Offensiven in der Bundesliga derzeit“, sagt Westermann, der gerade Firmino hoch lobt: „Der Junge ist eine ganz schwere Angelegenheit. Der ist schon echt hart zu bespielen.“

 

Aber es hat geklappt. Bis auf den Pfostenkracher deutete Firmino mehr an, als er zeigte. Und auch wenn mich die Aussicht auf seine Möglichkeiten begeisterte, war ich noch begeisterter davon, wie der HSV als Team dagegenhielt und sich speziell in den zweiten 45 Minuten präsentiert hat. Das Gefühl jedenfalls, nach einem Rückstand das Spiel eigentlich schon verloren zu haben, ist bei mir gänzlich verschwunden. Sogar wenn es gegen ein Spitzenteam wie Hoffenheim geht. Unter Zinnbauer hat sich der HSV ein Selbstverständnis erarbeitet, das in Selbstvertrauen übergeht. Obgleich die Ergebnisse noch zu wünschen übriglassen. „Wir sind auf dem oft zitierten guten Weg“, so Westermann, „obgleich der Ertrag aus den letzten guten Spielen mit einem Punkt aus zwei Heimspielen natürlich enttäuschend ist, ist zu erkennen, dass sich etwas entwickelt.“ Weil die Mannschaft den Zusammenhalt entdeckt hat und endlich auch auf den Platz transportiert? „Sicherlich. So, wie wir uns im Moment präsentieren, war es hier schon Jahre nicht mehr“, freut sich Westermann, der immerhin seit 2010 im Team steht.

 

Noch nicht wieder dabei ist Maximilian Beister. Dafür aber ist er wieder in Hamburg und führt hier sein Rehaprogramm fort. Warum ich das erwähne? Weil es ein gutes Zeichen ist. Denn Maxi hatte mir vor Wochen gesagt, erst dann wieder aus Düsseldorf nach Hamburg zu reisen, wenn er sich sicher ist, körperlich im bestmöglichen Zustand zu sein – natürlich am Reha-Zeitplan gemessen. Etwas weiter ist hingegen Ivo Ilicevic, der im nächsten Mannschaftstraining am Mittwoch wieder einsteigen will. „Es fühlt sich gut an“, so der Kroate, der heute zusammen mit Rafael van der Vaart ein individuelles Programm absolvierte. Soll heißen: Auch personell gibt es weiterhin positive Tendenzen. In diesem Sinne, bis morgen! Da ist übrigens trainingsfrei.

Scholle

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