Archiv für das Tag 'Westermann'

van der Vaarts leiser Abschied

12. Juni 2015

Während die Meldungen über Spielerwechsel in der Bundesliga nur so reintrudeln, gibt es vom HSV keinen Vollzug zu melden. Das ist nicht überraschend, und selbst die Personalie Süleyman Koc könnte sich noch einige Zeit hinziehen. Dessen Berater hat Druck gemacht und von einer grundsätzlichen Einigung mit dem HSV berichtet. Allerdings ist die Ablöse (zwischen 1,5 Millionen und 2 Millionen Euro) noch recht hoch. Nun also baut der Berater Druck auf den SC Paderborn auf, um von den Forderungen herunterzukommen. Ein nicht unübliches Spielchen, schließlich wollen alle Seiten Klarheit.
Den ganzen Beitrag lesen »

. . . der muss zum Dino nach Hamburg!

10. Juni 2015

xxxxxxxxx

Erste DFB-Pokalrunde:
FC Carl-Zeiss Jena gegen den HSV
Barmbek-Uhlenhorst empfängt den Erstliga-Absteiger SC Freiburg
Bernd Hollerbachs Würzburger Kicker treffen auf Werder Bremen
und, so viel Zeit muss sein: St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach
gespielt wird am 7. oder 8. August

xxxxxxxxxxxx

Den ganzen Beitrag lesen »

Nichts los im Volkspark – die Ruhe vor dem Sturm

9. Juni 2015

Die Transferperiode hat noch nicht einmal begonnen, und schon ist klar: Der HSV verpasst mal wieder einen gelungene Umbruch. So liest es sich zumindest größtenteils in den Kommentaren in verschiedenen Foren – nicht nur hier. Weil es heißt, Ivo Ilicevic soll einen neuen Vertrag bekommen. Einen leistungsbezogenen Einjahresvertrag, weil Trainer Bruno Labbadia die Chance sieht, dauerhaft von den zweifellos vorhandenen Qualitäten des Offensivspielers profitieren zu können. Vergessen die Verletzungsarie des heute 28-Jährigen, der seit seiner Unterschrift 2011 für den HSV 61 Spiele verpasste, das heißt jeweils 15 Spiele pro Saison im Schnitt. Verletzt.
Den ganzen Beitrag lesen »

Auf der Suche nach dem neuen Herzstück

7. Juni 2015

Champions-League-Finale in Berlin. 75.000 im Stadion, halb Spanien und halb Italien vor den Fernsehgeräten. Es geht um den höchsten Titel in Europa. Am Ende gewinnt der Favorit, freut sich ekstatisch, und der gemeine Hamburger sitzt auf dem Sofa vor der Glotze und denkt sich nur: Regt Euch doch nicht so auf, seid doch nicht so nervös – es ist doch nur Champions League.

Ja, was ist das alles im Vergleich zum Drama in Karlsruhe. Zweifelsohne eine andere Fußballwelt. Den ganzen Beitrag lesen »

Jarolim betet für den HSV: “Wir packen das!”

31. Mai 2015

Mit 19 Spielern reiste der HSV heute Abend nach Karlsruhe. Für den Fall, dass doch noch einer ausfällt, nachdem zuletzt Petr Jiracek (Knie), Ivica Olic (Rücken). Pierre Michel Lasogga (irgendwie alles ein bisschen) und Ivo Ilicevic (Adduktoren) angeschlagen waren und heute im Abschlusstraining mitwirken konnten. Daumen hoch hieß es anschließend bei Ilicevic, der zwar vorzeitig in die Kabine ging – allerdings aus reiner Vorsicht. Ebenso bei Olic, der zunächst als 50:50-Kandidat galt, jetzt aber grünes Licht gab. „Das ist super. Ivi ist mit seiner Art immer einer, der entscheiden kann“, freut sich auch Ivica-Freund und Ex-HSVer David Jarolim aus der Ferne, ehe er entscheidend einschränkt: „Wenn er fit ist.“

Denn das war der Kroate zuletzt nicht. Gegen Karlsruhe im Hinspiel sah man ihm an, dass ihn die Rückenbeschwerden in der Beweglichkeit einschränkten. „Aber selbst wenn er nicht von Beginn an spielt, ist er einer, der bei einer Führung zum Beispiel als einzige Spitze die Abwehr des Gegners so beschäftigt, dass das wiederum die eigene Defensive entlastet. Kein Gegner kann ruhig das eigene Spiel aufbauen, wenn gegenüber so ein Ivi rumläuft.“ Telefoniert habe Jarolim mit seinem Kumpel extra nicht. „Ich habe mit Drobny gesprochen – aber auch nur vor dem ersten Relegationsspiel. Danach sollen sich alle voll auf die Relegationsspiele konzentrieren.“

 

Ob er das Hinspiel gesehen hat? „Ja, aber nur am TV, da ich mich parallel noch auf meine Aufnahmeprüfung zum Fußballlehrer vorbereiten muss. Ich hatte aber meinen Vater und meinen Bruder vor Ort – und wir haben seeeehr viel telefoniert.“ Weil sie so erschrocken waren? „So ungefähr. Mein Vater hatte den HSV länger nicht gesehen und war erstaunt über die vorsichtige Spielweise“, so Jarolim junior. Wie er selbst das Spiel gesehen hat? „Das Ergebnis ist völlig okay – weil es besser als das Spiel war. Und es bedeutet, dass du auswärts einen Treffer erzielen musst. Genau das hättest Du aber auch machen müssen, wenn Du im Hinspiel 0:0 gespielt hättest.“

 

Und obwohl Jarolim anzumerken ist, dass er enttäuscht war vom Hinspiel, kommt in dem Mittelfeldspieler sofort der HSV-Kapitän durch, der er einst mal war. „Relegation ist mächtig Druck, da geht fast alles über die mentale Stärke. Und ich bin mir sicher: Karlsruhe wird im Rückspiel mehr machen als in Hamburg. Sie werden uns mehr Räume bieten, weil sie zu Hause spielen und ihre große Chance wittern. Und wenn wir es schaffen, die Mischung aus defensiver Stabilität und schnellem Umschalten hinzubekommen – dann packen wir es.“ Wir wohlgemerkt. Wie der HSV aber mit dem vorhandenen Personal schnell umschalten soll, weiß auch Jarolim nicht wirklich. Stattdessen konstruiert er sich selbst ein wenig Hoffnung: „Mit Diekmeier kommt ein schneller Mann wieder rein, der nach vorn Dampf machen kann. Zusammen mit Ivo Ilicevic, den ich im Hinspiel übrigens echt gut fand.“

 

Am Montagmorgen wird Jarolim in ein Kloster gehen und für den HSV beten. Und das, obgleich er gar nicht besonders gläubig ist. Aber wenn er schon nicht selbst als Glücksbringer vor Ort sein könne – dann wolle er zumindest im Geiste dabei sein. „Ich mache alles für dieses eine Spiel. Es ist ein richtiges Finale. Ein Spiel, in dem wirklich alles scheißegal ist – außer der Sieg.“ Auch die Aufstellung?

David Jarolim Fussball Abschiedsspiel David Jarolim, HSV All-Stars - Jarolim Dream-Team

David Jarolim
setzt auf seinen HSV: “E wird schwer – aber wir schaffen es!”

Heute im Training agierte die A-Elf mit Diaz und van der Vaart zentral-defensiv, während davor Ilicevic, Holtby und Stieber agierten. „Warum eigentlich Jiracek oder van der Vaart? Ich könnte mir sogar vorstellen, dass van der Vaart neben Jiracek eine sehr gute Alternative wäre“, so Jarolim, der seinen Landsmann betreffend hinzufügt: „Petr muss natürlich fit sein – aber dann ist er eine echte Variante. Petr hat in seiner Karriere schon genug schwere Spiele gespielt und kennt den Druck. Und er hat Biss. Petr will immer, der kann einfach nicht verlieren. Und diese Mentalität muss morgen von der ersten Sekunde an zu sehen sein. Und das vor allem auch bis zur letzten Sekunde. Wir müssen morgen ackern, was der Körper hergibt. Danach ist genug Zeit für alle, um auszuruhen.“ Außer für die Nationalspieler, die zu ihren Teams fliegen müssen – sage ich und bekomme sofort die Quittung: „Aber auch das darf nichts zählen. Gar nichts!“, raunzt mich Jarolim an. Wobei – inhaltlich hat er Recht. Daher belasse ich es dabei. Zu einem Ergebnis-Tipp wollte sich Jaro dann auch nicht hinreißen lassen. Außer, dass der HSV die Klasse hält. „Scheiß drauf wie – aber das klappt!“

 

Na dann, ich vertrete ja auch die Meinung, dass der HSV es erneut knapp schafft, und dass erneut am Ende niemand weiß, warum er es geschafft hat. Alles andere macht auch keinen Spaß…

 

Apropos, den Spaß hatte die Mannschaft heute im Training – aber sie wich schnell der Anspannung. Labbadia versammelte die Mannschaft um sich herum und hielt eine längere Ansprache. Zu Beginn, in der Mitte und am Ende des Trainings wurde viel gesprochen. Und wer sich die Bilder ansieht, wie die 19 Mann (Adler, Brunst, Beister, Cleber, Diaz, Diekmeier, Djourou, Gouaida, Holtby, Ilicevic, Jiracek, Lasogga, Marcos, Müller, Olic, Ostrzolek, Rajkovic, Stieber, van der Vaart) am Flughafen eincheckt, der kann erkennen, dass die Spieler die Bedeutung des Rückspiels schon spüren. „Egal wie lange man dabei ist“, so Jarolim, „in so einem Spiel produziert dein Körper Adrenalin ohne Ende. Da merkst du den einen oder anderen Schmerz nicht – da kannst du laufen ohne Ende. Oder aber du kommst nicht ins Spiel und verkrampfst immer mehr. Und ich kann mir vorstellen, dass der KSC das erste Mal den Druck spürt, so nah dran zu sein und doch noch alles verspielen zu können. Sie waren so kurz vor dem 2:0 im Hinspiel, hätten gewinnen können und es damit schon fast entschieden. Und dennoch haben sie es nicht geschafft. Sie haben sogar noch das 1:1 kassiert. Wie schon in der Saison, wo man auch direkt hätte hochgehen können. Insofern haben wir vielleicht sogar einen kleinen Vorteil mit den erfahrenen Spielern im Team. Aber dieser Vorteil zahlt sich nur aus, wenn wir ihn uns mit 110, nein: mit 150 Prozent Einsatz erarbeiten und von Beginn an allen klarmachen, dass da eine andere Mannschaft als im Hinspiel auf dem Platz steht.“ Zumindest personell wird es auf jeden Fall so kommen müssen nach den Sperren für Westermann und Kacar, die zwar mitgeflogen sind – aber fast noch mehr leiden als die einsetzbaren Spieler. Kacar zu meinen Kollegen der Mopo: „Ich weiß gar nicht, wie ich das überleben soll.“

Dabei ist die Antwort genauso simpel wie schwer umzusetzen: Mit einem Sieg oder einem Sieg oder einem höheren Remis als 1:1.

 

In diesem Sinne, bis morgen. ich muss zugeben, dass sich meine Müdigkeit in eine gewisse Anspannung gewandelt hat. Aber das war in der letzten Saison auch so. Damals hatte ich allerdings ein deutlich schlechteres Gefühl als heute. Das habe ich auch Jaro gesagt und den zweiten Raunzer abgekommen: „Gefühle sind schön“, Jarolim, „aber nur zu Hause. Okay, cool kann eigentlich keiner bleiben. Nicht mal ich aus der Entfernung. Ich habe schon im Hinspiel gezittert, wie als Spieler nie. Als Spieler konnte ich die Anspannung meistens sehr gut in positive Energie umwandeln. Und glaub mir, das geht unseren Jungs morgen nicht anders. Morgen ist der größere Wille allein entscheidend. Und ich weiß, dass Bruno Labbadia allen Spielern genau das mehr als deutlich machen wird.“ Jarolims Erfolgsformel: „Ich glaube, dass wir körperlich auch im Hinspiel am Ende etwas mehr zuzulegen hatten. Wenn wir das diesmal gleich von Beginn an zeigen, Labbadia die richtigen Worte findet und mein Gebet greift – dann klappt das!“

 

Na dann, mir ist es mehr als recht. Mir ist tatsächlich alles recht, was legal ist und zum Klassenerhalt reicht. In diesem Sinne. Bis morgen!

 

(Ein deutlich angespannter) Scholle

 

P.S.: Für das morgige Matz ab live nach dem Spiel haben wir uns einen Gast eingeladen, der schon mal an entscheidender Stelle als Glücksbringer fungierte. Insofern haben auch wir unsere Hausaufgaben erledigt…

P.P.S.: Die “Chosen few” haben sich heute offiziell als Gruppierung aufgelöst. Einen Tag vor dem wichtigen Relegationsspiel. Und so sehr ich ihr Engagement auch loben könnte – der Zeitpunkt der Bekanntmachung hätte dümmer nicht gewählt werden können. Schade – im doppelten Sinne…

Personalsorgen – na und…?!

30. Mai 2015

Bruno Labbadia lachte viel und feuerte seine Jungs beim Fußball-Tennis an (Siegerteam: Holtby, van der Vaart, Diekmeier). Der HSV-Trainer will sich nichts anmerken lassen, und doch erkennt man genau, was in ihm los ist: Labbadia macht sich Sorgen um sein Personal. Ivo Ilicevic pausierte heute sogar mit leichten Adduktorenproblemen, die eigentlich ein Training nicht zwingend ausschließen. Aber es wird in Watte gepackt, wer angeschlagen ist. Der HSV geht kein Risiko mehr ein, nachdem auf der Zielgeraden immer mehr Spieler wegbrechen.

 

Zum einen sind sie gesperrt – wie Gojko Kacar (5. Gelbe) und Heiko Westermann (10. Gelbe). Zum anderen sind sie verletzt wie Valon Behrami (Knie), Artjoms Rudnevs (Adduktoren) und Marcell Jansen (muskuläre Probleme), die allesamt noch immer nicht mit der Mannschaft trainieren können. Zudem ist neben Ilicevic auch weiter unklar, ob Petr Jiracek (Knie), Pierre Michel Lasogga (Schulter) und Ivica Olic nach seinem Allergieschock wieder vollkommen fit werden bis Montagabend. Letztgenannter war am Freitagabend ins Krankenhaus eingeliefert und am Sonnabend wieder entlassen worden. „Wir müssen schauen, was sich bis Montag ergibt“, so Labbadia, der im heutigen Training ausschließlich auf aktive Regeneration setzte.

Viel machen kann man in den letzten Tagen sowieso nicht mehr. Was jetzt nicht drin ist, bekommt man auch nicht mehr rein. Und fit genug war der HSV, ich meine sogar, der HSV hätte in den letzten 20 Minuten deutlich mehr Kraft gehabt als der KSC, dem der im Hinspiel beste Zweikämpfer (mit den meisten Ballaktionen seines Teams) fehlen wird: Dominic Peitz. Übrigens ebenfalls wegen einer Gelbsperre.

 

Beim HSV rückt auf jeden Fall Dennis Diekmeier für Westermann auf die Rechtsverteidigerposition. „Wir müssen jetzt nicht mehr groß nachdenken, was alles hätte sein können“, so Diekmeier, „wir müssen uns auch keine Gedanken darüber machen, wer gegen den KSC spielt. Wir haben jetzt nur dieses eine Spiel, das alles verändern wird. Und unsere Aufgabe ist mehr als eindeutig: nur der Klassenerhalt zählt. Wie und mit wem wir den schaffen – das ist mir jedenfalls absolut schnuppe.“

 

Stimmt. Absolut sogar. Und dennoch wird heiß diskutiert, ob im Zentrum Rafael van der Vaart neben Marcelo Diaz auflaufen soll oder ob es doch eher der etwas defensivstärkere Jiracek sein sollte, sofern dieser bis dahin komplett fit ist. Gar nicht diskutiert wird offenbar die interessante Variante, die mir mein sympathischer Sky-Kollege und Fußballexperte Sven Töllner heute vorschlug: Warum nicht mit einer Sechs spielen, also mit einem echten Abräumer. „Cléber Reis könnte das doch“, so Tölles Idee, die ich zunächst sehr charmant fand, da ich noch immer davon überzeugt bin, dass der HSV mit der Doppelsechs gegen einen Gegner wie Karlsruhe eine Position verschenkt.

Als Sechser eine Alternative? Cléber Reis.

Als Sechser eine Alternative? Cléber Reis.

Aber so interessant ich die Idee auch finde, ich glaube, dass eine derart gravierende Umstellung vor einem derart wichtigen Spiel für Labbadia nicht infrage kommt. Und das ist sicherlich auch gut so. „Wir werden auf den letzten Metern nicht mehr groß was probieren“, hatte Labbadia vor dem Hinspiel gegen den KSC gesagt. Und auch diesmal wird er sich an seine Worte halten, glaube ich. Ob letztlich mit van der Vaart für Kacar oder mit Jiracek – offen.

Mehr als wahrscheinlich ist, dass der HSV in Karlsruhe nicht mit einem Gegner rechnen muss, der von der ersten Sekunde an volles Risiko geht. Im Gegenteil. Der KSC muss kein Tor schießen. Wobei ich gelesen habe, dass der KSC mit dem für Montag angesetzten Schiedsrichter Manuel Gräfe beide Heimspiele in dieser Saison verloren hat…

 

Aber im Ernst: Gegen den KSC darf der HSV mutiger spielen als im Hinspiel. Nein, er muss es sogar. Sollte Olic rechtzeitig fit werden, wird er als zweite Spitze zu Lasogga stoßen, der heute zumindest beim zweikampflosen Tennisfußball einen guten Eindruck hinterließ. Dahinter agierte im Hinspiel Lewis Holtby mehr schlecht als recht. Und ich hoffe, dass dieses Mal der einzige auch aus der zweiten Reihe torgefährliche Mittelfeldspieler kommt: Zoltan Stieber.

 

Noch nicht wieder bei 100 Prozent ist Maxi Beister, der sicherlich eine echte Alternative werden dürft, wenn Lasogga und/oder Olic ausfallen sollten. Dem Youngster fehlt nach wie vor die Spielpraxis. Ebenso wie zuletzt Nicolai Müller, der knapp vier Wochen wegen eines Knochenödems ausgefallen war. Beide sollen aber gegen Karlsruhe dabei sein – und beide haben das, was Lasogga und Olic nicht haben: Tempo. Sollte der HSV also wieder nicht in der Lage sein, sich in der Karlsruher Hälfte festzubeißen und mit Flanken auf Lasogga und Co. zu agieren, stünden Labbadia Alternativen bereit.

 

Apropos, beim KSC spielt eine Offensivkraft, die ich sehr gern in Hamburg sehen würde: Dimitrij Nazarov. Der flinke Rechtsfuß brillierte gegen den HSV mit seiner Technik und zeigte bei seinem Lattentreffer in der zweiten Hälfte, dass der 25-Jährige auch torgefährlich ist. Oliver Kreuzer hatte den Nationalspieler Aserbeidschans bereits massivst gelobt – und nicht zu viel versprochen. Und angesichts der Tatsache, dass der HSV mit Jansen und Ilicevic zwei Flügelspieler sowie mit van der Vaart einen nominellen Zehner verliert, finde ich Nazarov schon ob der finanziell sehr angespannten Lage beim HSV hochinteressant. Er hat zwar noch einen Vertrag bis 2016 – aber angesichts des aktuellen Marktwerts von 650000 Euro (Quelle: www.transfermarkt.de) noch eine Menge Potenzial – auf allen Ebenen.

 

Aber okay, das nur nebenbei. Wichtiger als Neue sind jetzt die, die fit sind und in Karlsruhe schaffen sollen, was gefühlt eine Mehrheit nicht mehr zu glauben scheint: den Klassenerhalt. Ich persönlich glaube daran, dass der HSV es schafft, so schwer es auch wird. Mehr gab es heute nicht – und mehr gibt es grundsätzlich eigentlich auch nicht mehr zu sagen. In diesem Sinne: Euch allen einen schönen DFB-Pokalabend. Und bis morgen.

 

Scholle

 

P.S.: Apropos Pokal: So sieht Public Viewing in Wolfsburg aus (Quelle “1887tv”), zumindest 90 Minuten vor Anpfiff:

Wolfsburg vor dem Pokalendspiel

Nur 1:1 – Ilicevic sorgt für Hoffnung!

28. Mai 2015

„Niemals, Zweite Liga, niemals, niemals!“ Könnte diesmal aber ganz, ganz eng werden, denn der HSV schaffte vor 56 615 Zuschauern im Volkspark nur ein 1:1 im Relegationsspiel gegen den Karlsruher SC. Ob das zu wenig ist? Das muss sich am Montag im Badischen zeigen, aber es darf kräftig gezittert werden. Auch deshalb, weil der HSV eine Stunde lang unfassbar schlecht spielte, keine Mittel fand, gegen den früh führenden KSC, der danach kompakt und kompakter stand, offensive Akzente zu setzen. Da hat der HSV während der gesamten Saison schon mächtig viele Defizite, und das offenbarte sich leider auch diesmal, im Spiel gegen den Zweitliga-Dritten. Der KSC wollte die „ewige Uhr“ abstellen, so hatte er Abwehrmann Max gesagt, er hatte den Mund voll genommen, aber ob zu voll, das wird sich zeigen. Der HSV wird sich steigern müssen, und zwar dramatisch steigern, wenn er diese Rückspiel-Hürde noch nehmen will. Vorerst ist er mit einem dicken blauen Augen davongekommen, aber nun wird es happig – keine Frage. In Hamburg wird es ein Public Viewing im Volkspark geben, Einlass ab 18 Uhr, das Spiel wird um 19 Uhr angepfiffen.
Daumen drücken, dass der HSV diese harte Nuss doch noch knacken kann, aber es wird verdammt, verdammt schwer.

 

Wir erinnern uns. Schalke 04 wurde hier vor ein paar Tagen aus dem Volkspark gefegt. Ganz Hamburg jubelte. Ganz Hamburg. Bis auf ein paar Jungs, die das anders sahen. Laut Trainer hatte der HSV ein riesiges Spiel gemacht. Von Beginn an. Mag stimmen, aber das lag daran, dass Schalke gar nicht mehr mitspielen wollte. Laut Trainer Labbadia hatte Schalke nicht einen Millimeter verschenkt – mag ja auch stimmen, aber nur deshalb, weil Schalke erst gar keine Millimeter haben wollte. Da musste es gegen diesen „heißen“ KSC ein böses Erwachen geben – und es gab ein bitterböses Erwachen.

 

Dabei begann es recht verheißungsvoll. Eckstoß von links, ausgeführt von Lewis Holtby, auf den Kopf von Ivica Olic – der köpfte, aus sechs, sieben Metern, aber um Zentimeter drüber. Pech in der dritten Minute. Das Tor fiel im folgenden Angriff – der Karlsruher. Der ehemalige HSV-Spieler Hennings wurde Richtung HSV-Tor geschickt, Johan Djourou leistete ihm einen netten Begleitservice, der KSC-Torjäger zog aus halblinker Position genau aus 16 Metern ab – und drin der Fisch. Vom Innenpfosten rollte der Ball ins HSV-Netz. Das war mal ein Auftakt. Den sich jeder Hamburger genau umgekehrt gewünscht hätte, aber auch Relegationsspiele sind eben kein Wunschkonzert.

 

Fortan zogen sich zehn Karlsruher an den eigenen Strafraum zurück, und der HSV „stürmte“. Das sah dann so aus: Heiko Westermann zu Djourou, quer natürlich, der weiter zu Slobodan Rajkovic, quer natürlich, der weiter zum winkenden Matthias Ostrzolek, weil der den Ball nun unbedingt haben wollte. Dann hatte er ihn. Wie schön. Nur wohin damit? Natürlich. Zurück. Am besten zu Rene Adler. So sah der stürmende HSV aus. Keine Ideen, mein Mut, kein Nichts. Das war einfach nur arm. Da sind die Karlsruher bestimmt in Aue, gegen Sandhausen oder in Aalen ganz anders gefordert worden, von Düsseldorf und Leipzig ganz abgesehen. Das war einfach nur erbärmlich, was sich der HSV da zurechtkickte. Das war nicht mal Zweite Liga.

 

Auf den Werbebanden vor der Haupttribüne liefen unterdessen ganz sinnige Sprüche ab. Solche wie diese hier: „Nervt der Job? Dann einfach wechseln!“ Ob das die HSV-Spieler gesehen haben? Oder: „Nun müssen wir die Suppe gemeinsam auslöffeln.“ Klar. Auch wenn sie nicht klar ist. Oder auch dies: „Gekommen, um zu bleiben.“ Selbstverständlich. In Liga eins. Aber wie? Das stand nicht auf den Werbebanden. Und niemand fand ein Mittel, wie das hätte gehen sollen?
Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob sich die Karlsruher diesen Gang in Hamburg so leicht vorgestellt hatten. Nur die Fans waren erstligareif – oder sogar besser. Aber das werden am Montag die KSC-Anhänger auch ganz sicher sein, mit Liga eins im Blick.

 

Der KSC spielte, wenn er die Chance sah, mutig und schnell nach vorne. Da gab es Tempo und Zug zum Tor, und es gab keine dilettantischen Fehler bei der Ballannahme. Wer war hier eigentlich der Erstligist? Erst in der 42. Minute der erste Ball, den KSC-Torwart Orlishausen tatsächlich halten musste. Ein Roller, nachdem Ivica Olic einen 25-Meter-Schuss von Gojko Kacar gefälscht hatte. Bis dahin aber war nicht ein Ball auf das KSC-Tor geflogen oder gerollt – das ist ein Offenbarungseid. Nicht nur ein offensiver Offenbarungseid, sondern ein fußballerischer Offenbarungseid. Das war ein Kollateralschaden in Sachen Profi-Fußball. Der arme Labbadia da an der Seite, er musste dieses Dilemma mitansehen, ohne helfen zu können. Nur beten konnte er, aber das half diesmal auch nicht.

 

In der 43. Minute hämmerte der verzweifelte Pierre-Michel Lasogga die Kugel aus 25 Metern rauf – aber der Ball flog knapp daneben. Halbzeit, um genau 51 Jahre, 277 Tage, vier Stunden und 17 Minuten sowie 31 Sekunden bat Schiedsrichter Aytekin zum Pausentee. Und auf dem Gang dorthin da bekamen die Herren des HSV mal kurz zu hören, was die Zuschauer von ihren Darbietungen hielten: es gab ein gellendes Pfeifkonzert. Bis die Profis in der Kabine verschwunden waren . . . Das waren 45 Minuten mit Fußball zum Abgewöhnen. Schlechter geht es nimmer – warum strapaziert der HSV nur so die Nerven seiner Anhänger? Warum nur?

 

Nach dem Seitenwechsel zuerst der KSC. Torres traf in der 53. Minute die Querlatte des HSV-Tores, zehn Sekunden später visierte auch Nazarov das Quergebälk des HSV an. Das war gleich zweimal dickes Glück. Aber dann kam der HSV. Mit der verbalen Kraft des Nordens. Wenn der HSV vor dem KSC-Tor auftauchte, brannte es im Norden – leider brannte es nicht oft genug.

 

Dann kam der HSV aber, er drückte, plötzlich ging es mächtig in Richtung KSC-Tor. Und plötzlich, wie aus heiterem Himmel, hieß es 1:1. Der eingewechselte Dennis Diekmeier bediente den im KSC-Strafraum lauernden Ivo Ilicevic, der drosch die Kugel aus halbrechter Position aus sieben Metern flach ins Tor. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Wird doch noch alles gut? Das wird sich am Montag zeigen müssen – die Hoffnung stirbt zuletzt. Oder?

 

Nur der HSV.

 

„Auswärtssieg“ skandierten die HSV-Fans im Norden lautstark nach dem Schlusspfiff. Mal sehen.

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann (56. Diekmeier), Djourou, Rajkovic, Ostrzolek; Kacar, Diaz; Olic (88. Beister), Holtby (69. Stieber), Ilicevic; Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler war beim 0:1 sichtlich überrascht, dass Hennings sofort abzog. Das war in der vierten Minute. Danach ließ sich der frühere Nationalkeeper immer sehr viel Zeit bei seinen Abstößen – Zeit, die der HSV eigentlich nach vier Minuten schon nicht mehr hatte. Aber muss wohl gut sein . . . Ansonsten wenig beschäftigt, was kam, hielt er souverän.

 

Heiko Westermann sah seine fünfte Gelbe Karte und fehlt schon mal beim Rückspiel. Ging in der 56. Minute verletzt raus – Saison beendet.

 

Johan Djourou begann fahrig, später war er der einzige Hamburger, der mal eine klare Aktion hatte.

 

Slobodan Rajkovic wirkte wieder einmal zu hölzern, dazu gab es etliche technische Probleme mit dem Ball.

 

Matthias Ostrzolek stellte sich in erschütternder Verfassung vor. Kopfballschwach, und wenn er die Hand hob, um den Ball zu fordern, dann bekam er ihn auch – und spielte weit zurück. Unfassbar. Zweite Halbzeit etwas effektiver.

 

Gojko Kacar entpuppte sich leider als Fehlpass-Weltmeister. Unglaublich. Auch wenn er viel lief. Den Willen allerdings konnte ihm keiner absprechen, nur an der Umsetzung haperte es ganz gewaltig. Sah die fünfte Gelbe Karte und fehlt beim Rückspiel. Übrigens ebenso wie der KSC-Mann Peitz (zehnte Gelbe).

 

Marcelo Diaz war schwach. Mehr ist da nicht festzustellen. Schade eigentlich. Riskierte in der Nachspielzeit immerhin einen Schuss aus 20 Metern, den Orlishausen sehr gut parierte.

 

Ivo Ilicevic riskierte hin und wieder ein Dribbling – als einziger Hamburger. Aber auch er schubste mit dem Hintern gleich wieder um, was er sich gerade aufgebaut hatte. Immerhin schoss er das Tor, das noch ein wenig Hoffnung machen könnte.

 

Lewis Holtby bot leider nur eine unterirdische Partie. Jeder, wirklich jeder aus der Zweiten, hätte das besser gemacht. Das war so bitter, ich weiß gar nicht, wann ich so etwas Unterirdische zuletzt von einem HSV-Spieler gesehen habe – und es gab schon etliche Grottenkicks, das wissen wir alle. Wurde in der 69. Minute (zu spät) erlöst, als er von Zoltan Stieber abgelöst wurde.

 

Ivica Olic war rechtzeitig fit, nachdem er eine Woche lang Rücken hatte – aber spielte er mit? Das war gar nichts, leider, leider.

 

Pierre-Michel Lasogga spielte oft wie eine Dampfwalze – und Dampfwalzen haben auch gelegentliche technische Probleme . . .

 

Dennis Diekmeier (ab 56. Min. für Westermann) sorgte rechts für frischen Schwung – er brannte, wie auch schon sein Trainer in der Woche sagte.

 

Zoltan Stieber (ab 69. Min. für Holtby) sorgte für Belebung beim HSV, der erst dann vollends aufwachte.

 

Maximilian Beister (ab 88. Minute für Olic) sollte noch einmal mit einem Schuss etwas versuchen, oder mit einem Kopfball, aber dazu kam es aufgrund von fehlenden Minuten nicht mehr.

 

Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über das erste Relegationsspiel zu sprechen. Zwei ehemalige HSV-Profis sind dann bei „Scholle“ und mir zu Gast, es sind zwei Männer, bei denen die Wahrheit an den Tag kommt – und auch an die Nacht. Einmal Stefan Schnoor, bekannt als eisenharter HSV-Stopper und heute Sport1-Experte, zudem ist es der ehemalige HSV-Torwart Jürgen Stars, der einst die Nummer zwei hinter „Elfmeterkiller“ Rudi Kargus war. Das HA-TV, „Scholle“ und ich würden uns wieder sehr freuen, wenn Ihr uns per Bildschirm bei diesem Vierer-Gespräch begleiten würdet. Bis gleich also.

 

22.36 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »