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Jansen: “Zeit zum Rumheulen haben wir schlichtweg nicht”

22. April 2014

Im Abstiegskampf sind alle Mittel recht – so lange sie zielführend sind. Und deshalb reist der HSV bereits einen Tag früher als sonst zum Auswärtsspiel nach Augsburg. Bereits am Freitag geht es nach Bayern zum nächsten Abstiegsendspiel. Am Sonnabend wird vor Ort das Abschlusstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolviert. „Es war ohnehin geplant, das zu tun“, sagt Trainer Mirko Slomka. Im Hotel „Steigenberger Drei Mohren“ will Slomka seine Spieler knapp 48 Stunden lang auf den Kick beim FCA einschwören und damit den Fokus voll auf das drittletzte Abstiegsendspiel lenken. Und ich finde die Idee gut. Denn wenn dieser Mannschaft zuletzt augenscheinlich etwas fehlte, dann die Spannung bei Anpfiff.

Mit dabei sein will dann auch Marcell Jansen. Sechs Wochen war er zuletzt raus und ist aktuell zehn Tage vor seiner Zeit – sagt er zumindest selbst. Der Linksverteidiger trainierte heute erstmals nach seiner Operation vor knapp zwei Monaten wieder mit der Mannschaft. Zumindest zu großen Teilen. „Ich kann durch mein optimales Aufbautraining zehn Tage früher einsteigen als geplant. Das ist sensationell! Wir steigern das Programm von Tag zu Tag, um zu sehen, ob es bis Sonntag reicht“, freut sich Jansen auf seine baldige Rückkehr.

Und ich ehrlich gesagt auch. Denn mit Jansen käme trotz der langen Pause frischer Wind ins Team. Und Qualität. Westermann wird am Sonntag höchstwahrscheinlich weiter in der Innenverteidigung zusammen mit Michael Mancienne agieren müssen, da Johan Djourou mit seinem Muskelfaserriss wohl noch pausieren muss. „Ich werde nicht mit 60 Prozent auf den Acker gehen“, sagt Jansen, „ich steige erst dann voll ein, wenn ich mich fit fühle. Alles andere würde der Mannschaft ebenso wenig wie mir helfen.“ Das jedoch soll Jansen. Also helfen. Mit seiner fußballerischen Qualität als echter Linksverteidiger, nachdem sich dort Westermann und Jiracek behilfsweise nicht immer leicht taten.

Und Jansen ist sich seiner Rolle bewusst. Viel Zeit, sich einzugewöhnen, hat er nicht. Und das findet er auch gut. „Ich habe einfach Bock, wieder auf dem Platz zu stehen, der Mannschaft helfen zu können. So ist es, glaube ich auch besser. Was soll ich mir auch Gedanken machen? Ich muss versuchen, die Stimmung zu heben. Für Jammern ist jetzt keine Zeit mehr. Für mich nicht – und auch sonst für keinen. Wir müssen zusehen, dass wir das wieder ausbügeln, dass wir den Platz 16 zumindest verteidigen.“ Ob er noch auf mehr hofft? „Ich bin realistisch. Erst einmal den 16. Tabellenplatz sichern, dann schauen wir.“ Dass er Gefahr läuft, durch zu frühes Einsteigen seine WM-Teilnahme zu gefährden, glaubt er nicht. „Bis jetzt haben wir nichts Unüberlegtes getan – und das machen wir auch weiter nicht. Und ich will in den Rhythmus kommen, bin schmerzfrei. Das sieht im Moment echt gut aus.“

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Zum Sportlichen Beitrag gesellt sich, das hat Jansen ebenso wie fast jeder inzwischen erkannt, auch ein psychologischer Aspekt. „Das meiste spielt sich im Kopf ab. Da gewinnt man ein Heimspiel überraschend und im nächsten Spiel ist man erschreckend schlecht. Das kommt alles vom Kopf.“ Wie man dagegenan arbeitet? Jansen: „Wir müssen einfach die Realität annehmen und wissen, dass wir es selbst entscheiden können, anstatt niedergeschlagen rumzulaufen und zu heulen.“ Abschalten und an sich glauben – das ist Jansen Rezept für den Abstiegskampf, dem er vor zwei Jahren mit dem Siegtreffer beim Spiel gegen Kaiserslautern einen entscheidenden Impuls zum Guten geben konnte. Und auch jetzt glaubt Jansen an den Klassenerhalt. „Bei mir ist das Glas immer halbvoll – auch in so krassen Situationen wie jetzt. Am schwersten haben wir uns mit den direkten Konkurrenten getan – von daher ist es vielleicht ja gut, dass wir jetzt gegen besser Postierte spielen.“

Dass es für Jansen neben dem Klassenerhalt auch um seine WM-Teilnahme sowie seine eigene Zukunft (sein Heimatklub Borussia Mönchengladbach soll Interesse haben, seine Ausstiegsklausel für fünf Millionen Euro zu ziehen) geht, will er nicht kommentieren. „Es ist noch so viel auf dem Zettel, was dieser Verein regeln muss, daher sollten wir erst einmal dafür sorgen dass wir drin bleiben. Und dafür werde ich mich reinhauen, mit allem, was ich habe. Nichts sonst zählt jetzt.“

Außer die personelle Situation vor dem Augsburg-Spiel. Und da sollen der eine und der andere zuletzt Verletzte zurückkommen. Milan Badelj beispielsweise, der wie erwartet wieder voll mittrainieren konnte, soll und dürfte im Normalfall gegen Augsburg im Team stehen. Ebenso wie Heiko Westermann. Der Abwehrmann drehte am Dienstag zwar gemeinsam mit Athletiktrainer Markus Günther und Mannschaftskapitän Rafael van der Vaart an der Imtech Arena seine Runden. Aber während es sich bei Westermann um eine reine Vorsichtsmaßnahme handelte, steigert van der Vaart nach seiner Wadenzerrung langsam die Belastung. Der Niederländer wird weiter zudem intensiv behandelt und will im Laufe der Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Johan Djourou fällt indes mit einem Muskelfaserriss voraussichtlich weiter aus – Pierre-Michel Lasogga ganz sicher.

Eine erste Entscheidung hat auch die DFL getroffen. Alle Klubs haben vorerst die Lizenz erhalten – einige davon mit Auflagen. Bei 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten ist es kein Wunder, dass der HSV zu Letztgenannten gehört. Die Hamburger müssen jetzt den Beweis antreten, dass sie ihre Liquidität für die kommende Saison gewährleisten können.

Dabei dreht es sich darum, dass der HSV in seinem Finanzplan zur neuen Saison bei den TV-Einnahmen mit Tabellenplatz 16 kalkulieren muss. Bislang war Platz neun budgetiert. Pro Tabellenplatz niedriger, so die Rechenformel, verliert der HSV eine Million Euro. Sollte der HSV also erneut Rang neun budgetiert haben, müsste man rund sieben Millionen Euro auf anderer Seite mehr einnehmen. Am 28. Mai erfolgt dann die finale Entscheidung durch den Lizenzierungsausschuss über die Bedingungserfüllung und die endgültige Vergabe der Lizenzen. Carl Jarchow, Vorstandsvorsitzender des HSV, sagte via Klub-Homepage: „Wir werden die Bedingungen für den Erhalt der Lizenz innerhalb der vorgegebenen Frist erfüllen.“

Na dann.

Klar ist, dass der HSV finanziell weiter massive Probleme hat. Für einen Abstieg sollen die Auflagen sogar noch höher sein. Dem Vernehmen nach müsste der HSV in dem Fall sogar einen Transferüberschuss von rund zehn Millionen Euro nachweisen. Leider wollte sich vom HSV dazu bislang niemand äußern.

Aber vielleicht ja morgen. Da wird übrigens zweimal trainiert. Einmal um zehn Uhr auf dem Platz, nachmittags dann im Kraftraum. Und im Abspann findet Ihr noch eine Nachricht von unserem Blogger „Lars49“, der uns bat, dies noch mal zur Klärung etwaiger Missverständnisse hier reinzustellen.

Scholle

Lars49:
Auf der MV am25.5. wird HSVPLUS weit vorne auf der Tagesordnung stehen und abgestimmt werden.
Vorher wird wohl nur der Vertagungsantrag behandelt werden. Und der wird genauso wie auf der MV am 19.1. abgelehnt – ein guter Stimmungstest für die nachfolgende Abstimmung über HSVPLUS.
Die Abstimmung über den Aufsichtsrat der AG wird ebenso frühzeitig direkt im Zusammenhang mit HSVPLUS erfolgen.
Damit werden sich etliche Anträge von selbst erledigen oder zurückgezogen. Insofern braucht niemand vor der großen Anzahl der Anträge erschrecken. Ich bezweifle sogar, dass es noch zu einer Nachwahl in den AR des HSV e.V. kommt, wenn HSVPLUS durch ist. Die Amtszeit endet dann nämlich mit der Eintragung der neuen Satzung im Vereinsregister, also wohl einpaar Wochen nach dem 25.5.
Außerdem wird es Initiativen geben, den Ablauf der MV zu straffen und effektiv zu gestalten.
Ich habe meinen Antrag zur Stimmrechtsübertragung gestellt. Der Text kommt in den Blog, wenn ich wieder am PC sitze.
Im Übrigen ist seit heute die Kandidatenvorstellung für die Nachwahl des Delegierten zum Aufsichtsrat der Supporters auf der Homepage des Supporters Club zu sehen (www.hsv-sc.de Abteilungsversammlung).

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