Archiv für das Tag 'Westermann'

Kreuzer da – und Victorias Stilz kommt

11. Juni 2013

Das war Tag eins von Oliver Kreuzer beim HSV. Er hat sich auf der Geschäftsstelle bekannt gemacht, bezog sein Büro, er sprach mit dem Vorstands-Vorsitzenden Carl-Edgar Jarchow, er versuchte per Telefon ein paar Spieler und einige Spielerberater zu erreichen – und Oliver Kreuzer sprach mit uns. Und verriet uns fast nebenbei einen „Hamburger Hammer“. Roger Stilz, 36-jähriger Mittelfeldspieler und zugleich Cotrainer des Regionalliga-Clubs SC Victoria, wird Nachfolger des bisherigen HSV-Cotrainers Frank Heinemann. Eine Sensation. Und spontan würde ich sagen, dass das nach vielen Jahrzehnten mal wieder ein Hamburger „Amateur“ in die Profi-Abteilung geschafft hat, ist eine absolute Rarität. Eine Blaue Mauritius – um es mal so zu nennen. Der letzte, der das geschafft hat, ist meines Wissens Dieter Roth. Der war in den 70er-Jahren „Manager“ des Wandsbeker FC und wurde vom damaligen HSV-General Dr. Peter Krohn als Präsidiumsassistent zum HSV geholt. Roth wurde quasi Krohns rechte Hand – und das war im Hamburger Fußball eine mittlere Sensation. So ähnlich ist jetzt auch die „Sache“ mit Stilz, der aus der Schweiz kommt und dort früher in der Zweiten Liga gespielt hat, einzuschätzen. Aber, um auch das noch mal los zu werden: Dass es ein Hamburger Amateur endlich einmal wieder zu den HSV-Profis geschafft hat, finde ich okay.

Wobei es natürlich etliche Spieler durchaus mal geschafft haben, zum HSV zu kommen. Aus der Erinnerung heraus – und ganz spontan – fallen mir Lothar Dittmer (Süderelbe), Christian Hofmeister (Lurup), Walter Laubinger (Bramfeld), Oliver Möller (Lurup), Detlef Spincke (Lurup), Klaus Fock (TuS Finkenwerder), Dieter Wöbcke (Holstein Quickborn?), Benjamin Kruse (1. SC Norderstedt), Bernd Bressem (Komet), Jens Duve (Hummelsbüttel), Matthias Reincke (Bergedorf 85?), und Elard Ostermann (auch vom SV Lurup) ein. Es gibt sicherlich noch mehr, aber diese Herren wüsste ich. Aber einen Cotrainer aus dem Hamburger Amateurfußball? Wüsste ich nicht. Roger Stilz geht in die Geschichte ein.

Und wo ich gerade bei Namen und Trainer bin: Thomas Stratos, von 1990 bis 1992 HSV-Profi, wurde neuer Coach des Zweitliga-Absteigers Jahn Regensburg. Um ehrlich zu sein, wusste ich gar nicht, dass Stratos unter die Trainer gegangen ist, aber er war beim SC Wiedenbrück tätig. Kompliment, den Trainer-Job habe ich ihm gar nicht zugetraut – wie man sich doch irren kann . . .

Zurück zum HSV. Meinen Rückblick (diesmal auf den HSV-Angriff) verschiebe ich auf morgen, denn heute steht Kreuzer im Mittelpunkt. Der neue Sportchef wird nun eine kleine Nuss zu knacken haben, denn Leverkusen wird Andre Schürrle offenbar doch nicht los, Chelsea hat einen Rückzieher gemacht. Und nun? Was wird mit Son? Geht er trotz allem zur Werkself? Oder hat sich damit alles zerschlagen? Ich habe Kreuzer nach Son gefragt, vor allem, wie viele Angebote es noch gibt? Kreuzer: „Vor Wochen gab es noch einige, jetzt ist das stark reduziert.“ Wie stark? Damit wollte der Sportchef nicht rausrücken. Ein oder zwei Angebote, mehr ist da mit Sicherheit nicht mehr. Nun bleibt abzuwarten, was aus Heung Min Son wird. Denn bleibt Schürrle in Leverkusen, benötigen die Westdeutschen eigentlich keinen Südkoreaner mehr. Jedenfalls keinen Son. Man darf gespannt sein.

Vieles drehte sich am ersten Kreuzer-Tag um Gojko Kacar, Robert Tesche und Marcus Berg. Letztere soll ja vor einem Wechsel nach Athen stehen, aber Oliver Kreuzer weiß davon nichts. Weder hat sich Panathinaikos gemeldet, noch der Schwede selbst. Und das müsste ja wohl der Fall sein, wenn schon die medizinische Untersuchung kurz bevorstehen soll. Also, in der Personalie stimmt etwas nicht. Und auch Oliver Kreuzer sagt: „Ich glaube, dass da nichts dran ist, mit Berg und Athen.“

Findet Berg keinen neuen Arbeitgeber, dann müsste er in Hamburg da trainieren, wo nicht gerade die Profis trainieren. Gemeinsam mit Tesche und Kacar, so sie denn auch bleiben wollen – oder mangels Angebote bleiben müssen. Wo sie dann trainieren, ist noch unklar. Kreuzer will das alles mit den Spielern selbst und mit den Beratern in persönlichen Gesprächen klären: „Ich hoffe auf Einsicht der Spieler . . . Natürlich, sie haben alle gültige Verträge, und die werden wir auch respektieren, danach werden wir uns richten. Aber dennoch wünsche ich mir schon etwas Einsicht der Spieler . . .“ Und weiter: „Ich glaube, dass sind alles junge Spieler, es kann nicht in deren Sinne sein, nur ihren Vertrag hier auszusitzen. Es geht doch auch um die Karriere eines Spielers, und wenn einer mal ein Jahr oder länger nicht gespielt hat, dann kann es ganz schnell mal mit der Karriere zu Ende sein.“ Stimmt. Aber die Verlockung ist riesig, denn der HSV zahlt fast so gut wie der FC Bayern oder Borussia Dortmund . . .

Klar ist auf jeden Fall, dass die „Aussortierten“ alle Anspruch auf Training haben, und das unter Anleitung eines Fußballlehrers. Das könnte noch gewisse Komplikationen geben. Wenn sie nicht woanders unterkommen. Aber bekommt der HSV eigentlich für Spieler, die nicht mehr gewünscht sind, noch Geld? Kreuzer: „Eines ist ja klar: zu verschenken haben wir nichts. Und die Spieler sind ja auch nicht schlecht. Es hat für sie eben einfach aus irgendwelchen Gründen nicht mehr gepasst. So etwas gibt es ja.“

Es soll ja so vieles im Fußball geben. So zum Beispiel auch, dass der HSV mal ein Heimspiel mit 0:4 verliert. So geschehen am 26. August 1987. Da zog der Karlsruher SC ganz groß im Volkspark auf – mit Oliver Kreuzer. Sein positivstes Hamburger Erlebnis als Profi-Fußballer. „Das war ein schönes Spiel“, erinnert sich Kreuzer, der allerdings mit seinem damaligen Gegenspieler leicht daneben lag. Er tippte auf Jan Furtok, aber der Pole war nicht dabei. Es muss Bruno Labbadia gewesen sein.

Aber egal. Kreuzer sagt es: „Es ist auf jeden Fall schon sehr lange her.“ Und jetzt heißt es ja HSV. Ohne Ende HSV. Rund um die Uhr HSV. Und auf diese Aufgabe hat sich Oliver Kreuzer schon bei der Fahrt am Montag nach Hamburg gefreut. Er hat eine schwere Arbeit zu verrichten, denn der HSV leidet unter chronischem Geldmangel. Kreuzer aber sagt tapfer: „Wir sind schon handlungsfähig, so ist es nicht. Es ist aber so, dass ja bekannt ist, dass der Lizenzspieler-Kader nicht nur vom Umfang her, sondern auch vom Budget her verringert werden muss. Jetzt müssen wir schauen, dass Abgänge und Neuzugänge in etwa Hand in Hand geht.“ Kreuzer weiter: „Momentan können wir nicht vier Neuzugänge präsentieren können, die eventuell sogar noch irgendwelche Ablösesummen kosten, und auf der anderen Seite haben wir noch immer die Spieler, von denen wir uns trennen wollen. Beidseitiges Vorangehen ist gefragt. Die neuen Spieler müssen finanzierbar sein, auf der anderen Seite muss man schauen, dass man den einen oder anderen Spieler transferieren kann – ganz klar.“

Das hört sich so an, dass es dabei nicht nur um Tesche, Kacar und Berg geht. Es werden wohl mehr aus Hamburg scheiden müssen. Kreuzer: „Man muss schauen. Wir haben uns auf die drei Spieler festgelegt, weil wir ganz klar sagen, dass es keinen Wert mehr hat. Das gilt für beide Seiten. Und sollte der Transfer von Son klappen, dann sind es schon vier Spieler, die uns verlassen. Und dann muss man schauen, ob sich dazu noch der eine oder andere dazugesellt.“ Alles, so Kreuzer, „ganz klar in Absprache mit dem Thorsten“. Gemeint ist natürlich Trainer Fink.

Interessant dürfte es auch bei den Innenverteidigern werden. Heiko Westermann, Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic und Paul Scharner – und dennoch soll ein neuer Abwehrmann verpflichtet werden. Oliver Kreuzer: „Da ist es ja auch logisch, dass sich die Spieler auch ihre Gedanken machen. Die kommen zu uns und sagen: ‚Jetzt habt ihr zwei Innenverteidiger geholt – wo bleibe ich denn, wo ist meine Rolle?’ Das sind Dinge, die sich dann in einer Transferperiode entwickeln.“ Wobei ich genau hingehört habe. Kreuzer hat von „zwei Innenverteidigern“ gesprochen, die geholt werden (könnten).

So, und dann gibt es da noch einen ganz wichtigen Punkt, auf den ich beinahe stündlich angesprochen werde. Und ich sage dazu:
Keine Panik, hinter den Kulissen tut sich etwas. Wer glaubt, dass die Vorhaben bezüglich einer Struktur-Änderung im HSV nur ein kleiner Sturm im Wasserglas gewesen ist, der irrt. Es tut sich etwas, es wird sich etwas tun – ganz sicher, Kompetente Leute und große HSVer arbeiten daran. Und wie nötig das ist, das zeigt mir heute mal wieder ein Bericht der Agentur SID (Sport-Informations-Dienst), den ich gerne veröffentliche, denn er wird dafür sorgen, dass immer mehr auf den Zug aufspringen werden. Wenn der HSV nichts tut, geht er hoffnungslos baden – denn bald gibt es auch keinen Heung Min Son mehr, der noch für eine zweistellige Millionensummer zu verkaufen wäre (weil er dann längst weg ist).
Den lesenswerten Artikel stelle ich auch deswegen hier hinein, weil ich denke, dass keine Tageszeitung einen so langen Bericht so ausführlich übernehmen wird.

Die Kluft zwischen Arm und Reich im deutschen Profi-Fußball wird größer – obwohl bei der Verteilung der Bundesliga-TV-Gelder Solidarität großgeschrieben wird. Die Branchen-Größen, Triple-Gewinner Bayern München und Champions-League-Finalist Borussia Dortmund, schöpften bei den nationalen Fernseheinnahmen natürlich den Rahm ab. Die Bayern verdienten laut fernsehgelder.de 25 834 556 Euro, Vizemeister Dortmund immerhin noch 25 074 716. Werden noch die rund 70 Millionen der beiden Klubs aus der Königsklasse dazu gezählt sowie die Einnahmen aus dem DFB-Pokal, ist der Dritte Bayer Leverkusen als Tabellenfünfter des Vorjahres mit den Einnahmen aus der Europa League und 24 314 876 Millionen Euro aus der Bundesliga schon fast ein armer Schlucker. Die Reichen werden reicher, die Armen bleiben arm – oder werden noch ärmer.

DFL-Chef Christian Seifert weiß genau, dass die Einflussnahme vonseiten der Deutschen Fußball Liga eher begrenzt ist: „Klar ist: Auf nationaler Ebene lassen sich die enormen Erlöse in der Champions League nicht ausgleichen“, sagte der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung unlängst dem Kicker: „Natürlich muss sich die Uefa (Europäische Fußball-Union, d. Red.) Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Denn es ist offensichtlich, dass sie durch ihren derzeitigen Verteiler-Mechanismus massive Eingriffe vornimmt mit Blick auf die nationalen Wettbewerbe.“

Dass künftig die Top-Teams vielleicht nicht mehr die höchsten Zahlungen aus der Inlands-TV-Vermarktung erhalten und damit die Konkurreten quasi „subventioniert“ werden, ist für Liga-Präsident Reinhard Rauball keine Option. „Das höchste Gut, das wir haben, ist der freie Wettbewerb, nicht der gesteuerte“, sagte der 66-Jährige im SID-Interview und verweist auf die Entwicklung seiner Borussia nach der Fast-Insolvenz vor rund acht Jahren. „Wir waren nahezu insolvent und haben uns aus eigener Kraft wieder entwickelt zu einem Verein, der sich in Wembley weltweit den Zuschauern präsentieren konnte. Daran sieht man, dass mit Fantasie, mit Disziplin, aber auch mit einer nötigen Portion Glück ein solcher Weg beschritten werden kann“, betonte Rauball, der Präsident von Borussia Dortmund.

Das Leistungsprinzip soll bei der Verteilung der Gelder aus der Bundesliga-TV-Vermarktung nicht außer Kraft gesetzt werden. Andererseits: Selbst Absteiger SpVgg Greuther Fürth kassierte noch 12 917 218 Euro. Das ist exakt die Hälfte dessen, was die Bayern erhielten. Und wer ehrlich die Fernsehpräsenz der Bayern mit denen der Fürther vergleicht, muss zugeben, dass der Absteiger da noch ganz gut wegkommt. In der Liga funktioniert die Solidarität, wobei vier Saisons in die Abrechnung mit einfließen. Wobei die vergangene Spielzeit einen höheren Stellenwert besitzt als die erste Saison, die in der Berechnung berücksichtigt wird.

Die TV-Gelder werden nach einem komplexen Schlüssel verteilt, der mit der Einfachheit des Fußballs nichts mehr zu tun hat. Von den 438,7 Millionen Euro, die der Profifußball für die Saison 2012/13 erhalten hat, gehen 70,5 Prozent an die Bundesliga, lediglich 20,5 Prozent an die Zweite Liga. Das führt dazu, dass Aufsteiger Hertha BSC nur 7 721 120 Euro erhalten hat – also über fünf Millionen weniger als Absteiger Fürth. Der 1. FC Kaiserslautern jedenfalls – in der Relegation an 1899 Hoffenheim gescheitert – hat nur 6 668 240 Euro abgegriffen, Hoffenheim, der Tabellen-16. der Ersten Liga, aber 14 436 958 Euro.

Bemerkenswerte und auch nachdenkenswerte Zahlen. Hamburg und vor allem der HSV wird aufwachen müssen. Und zwar sehr schnell. Denn diese Entwicklung zeigt, dass man in Liga zwei, erst recht in Liga drei kaum noch einmal die Gelegenheit erhält, Anschluss zu halten. Es sei denn, es käme tatsächlich einmal ein „Herr Kühne“ und legt solche Summen hin . . . Obwohl das ja auch von etlichen HSV-Mitgliedern gar nicht gewünscht wäre.

PS: Das muss noch nachgereicht werden! Per Ciljan Skjelbred hat ein Tor erzielt. Super! Im Freundschafts-Länderspiel gegen Mazedonien traf der Norweger in der neunten Minuten zum 1:0 – Endstand 2:0. Na bitte, es geht doch. Nun ist der Knoten geplatzt – hoffentlich. Obwohl erst jetzt die Sommerpause beginnen wird – aber erst das Comeback, nun das Tor, das alles wird ihm nochmals Auftrieb geben. Besser kann man eine Saison ja kaum beenden. Glückwunsch!

18.19 Uhr

Rückblick, Teil zwei – das Mittelfeld

10. Juni 2013

„Dem Stümperer Nummer eins gibst du eine Eins – ich kann es nicht glauben.“
Sagte heute ein eigentlich ganz netter „Matz abber“ zu mir – und ich wusste selbstverständlich sofort, wen er gemeint hatte. „Natürlich“, habe ich geantwortet, „weil sich dieser Mann um das HSV-Team verdient gemacht hat wie kein anderer HSV-Profi. Und zwar auf dem Rasen und auch ansonsten überall. Das sogar schon seit Jahren, auch in jenen Zeiten, in denen es besonders schlecht lief.“ Und nebenbei, so ganz nebenbei bemerkt, ist Heiko Westermann ja auch noch aktueller deutscher Nationalspieler. Und diese deutsche Nationalmannschaft steht in der Weltrangliste immer noch auf Rang zwei. Okay, ich weiß, ich weiß (habe ich auch dem Matz abber gesagt), Bundestrainer Joachim Löw hat keine Ahnung vom Fußball, das weiß ja jeder. Der hat es doch sogar gewagt, zuletzt mal vier HSV-Spieler gegen Ecuador einzusetzen – man, was ist dieser Löw nur für ein Nichtskönner. Wie kann denn der „Bundes-Sepp“ nur vier HSVer einsetzen? Viel besser wäre es doch gewesen, zwei von Werder und zwei von 96 zu bringen . . . Oder zwei Braunschweiger und zwei vom Millerntor. Statt diese HSV-Hamburger, von denen die meisten ja ohnehin nur Stümperer sind . . .

Ich kann es nicht mehr ab, muss ich zugeben. Ich kann es nicht mehr ab und werde mich auch nie dran gewöhnen. Und jedes Mal tut es mir wieder aufs Neue weh. Wie hier HSV-Spieler vom HSV–Anhang, von den eigenen Fans, immer und immer wieder in der Luft zerrissen werden – ich kann es nicht mehr hören und lesen. Auch deshalb, ich gestehe, freue ich mich auf Mitte/Ende September, dass ich damit dann nicht mehr konfrontiert werde. Ich habe ein solches Anti-Fan-Verhalten noch nie erlebt, ich kannte es auch in dieser krassen Form nicht – und ich werde aus auch nie akzeptieren. Natürlich soll jeder seine eigene Meinung haben, ich verlange auch nicht, dass jeder HSV-Fan dem guten Westermann eine Eins gibt, auch nicht, dass ihn ein jeder ins Herz schließt oder liebt, aber tolerant sollte jeder sein – und auch ein bisschen mit Fußball-Verstand gesegnet. Dann nämlich würde man nicht nur die gestümperten Fehlpässe registrieren, sondern die vielen Balleroberungen sehen, die vielen gewonnenen Kopfballduelle beachten und die unzähligen Rettungsaktionen, der der Ex-Kapitän immer dann unternehmen muss, wenn einem Mitspieler ein Fehler unterlaufen ist. Dann riskiert der Herr Westermann stets Kopf und Kragen und schont sich nicht. Und er spielt selbst dann noch, wenn er eigentlich nicht spielen dürfte – zum Beispiel mit einem Muskelfaserriss. 34 Einsätze kann kein anderer vorweisen – beim HSV. Aber gut. Ende. Und jeder so, wie er es will.

Bei der Gelegenheit: ich muss mich entschuldigen. Ich hatte Milan Badelj und Ivo Ilicevic unterstellt, bei Kroatiens 0:1-Niederlage gegen Schottland dabei gewesen zu sein – das ist eine Falschmeldung, und diese nehme ich mit dem größten Bedauern zurück. Beide HSV-Spieler haben an diesem Qualifikationsspiel nicht (!) teilgenommen – sie waren lediglich als Zuschauer auf der Bank dabei. Sonst hätten die Kroaten doch bestimmt auch gewonnen, oder?

Aktuell gibt es immer noch nichts Neues. Heung Min Son wartet weiter auf Chelsea und Andre Schürrle, und Marcus Berg auf die Eulen in Athen. Oder war es Panathinaikos? Ja, doch, Pana war es.
Ansonsten freue ich mich auf morgen (Dienstag), denn dann wird Oliver Kreuzer seinen Dienst beim HSV aufnehmen. Es gibt viel zu tun, ich hoffe er packt es zügig an . . .

So, und dann wäre ich auch schon beim zweiten Teil. Der Saisonbilanz. Heute ist das Mittelfeld „dran“! Los geht es:

Milan Badelj
war die Entdeckung der Saison. Ich habe noch die Worte von Carl-Edgar Jarchow im Ohr, denn der HSV-Boss sagte im Herbst: „Milan Badelj spielt so über die Maßen gut, dass ich schon die Befürchtung habe, dass er uns am Saisonende gleich wieder weggekauft wird.“ Die Befürchtung, lieber Herr Jarchow, ist jetzt unbegründet, denn der gute Milan hat dann nach starker Hinrunde auch stark nachgelassen. Was viele auch darauf zurückführen, dass er im Sommer 2012 keine Pause hatte. Mag sein, ich kann das nicht ausschließen. Aber ich hoffe, dass Badelj jetzt – nach einer gewissen pause – doch wieder an jene Leistungen anknüpfen wird, die ihn in Hamburg zum Shootingstar haben werden lassen. Note drei.

Tomas Rincon
kam erst in der Rückrunde mehrfach zu Einsätzen und gehörte immer zu jenen HSV-Profis, die zuverlässig und solide „arbeiteten“. Enttäuscht hat „Popeye“ nie – mich jedenfalls nicht, obwohl er in Länderspiel-Einsätzen für Venezuela meistens zu den besten Spielern auf dem Platz gehört. Insofern gibt es bei ihm noch Luft nach oben – wenn er denn in Hamburg bleibt. Ich könnte mir sehr wohl vorstellen, dass ihm jetzt doch mal nach einer Luftveränderung ist. Und irgendwie würde ich es ihm sogar gönnen – es muss ja nicht die Bundesliga sein, in der er dann ganz groß heraus kommt . . . Note vier.

Dennis Aogo
konnte nicht an seine (guten und teilweise sehr guten) Leistungen der Vorsaison anknüpfen. Das, obwohl er ja auf der zunächst ungewohnten Mittelfeld-Position doch hin und wieder ganz starke Spiele abgeliefert hat. Besonders zu Anfang dieser Zeit. Irgendwie aber stagnierte er dann im Frühjahr, er konnte seine 100 Prozent nie wieder erreichen. Dass er zuletzt seine Länderspiel-Einsätze elf und zwölf feiern konnte, das freut mich aber sehr für ihn – und vielleicht gibt es ihm ja auch wieder jenen Auftrieb, dass er zur alten Stärke zurückfinden wird. Ich wünsche es ihm, denn er hat – egal wie gut oder schlecht es für ihn auch auf dem Platz lief – stets viel für diese Mannschaft getan. Note vier.

Ivo Ilicevic
kam nach langer Verletzungszeit erst gegen Saisonende zurück und zu einigen Kurz-Einsätzen. Den Durchbruch hat er immer noch nicht geschafft, und ich hatte ja schon eine Phase, in der ich ihm diesen Durchbruch auch nicht mehr zugetraut hatte – nun schwanke ich. Gebe ich gerne zu. Im Training nämlich hat dieser Ilicevic teilweise Dinge drauf, die einfach klasse sind. Wenn er das nur einmal in einem Spiel . . . Er steht sich meiner Meinung nach zu sehr selbst im Wege, weil es ihm nicht gelingt, alles für den HSV (meinetwegen auch für die Raute) zu geben. Wenn er sich mit dem Club zu 100 Prozent identifizieren würde, sich dementsprechend auch ins Zeug legen würde, dann könnte es doch noch was werden. Zweifel aber bleiben. Und diese Zweifel sind nicht von der kleinen Art. Noch Note fünf.

Petr Jiracek
kam auch erst gegen Ende der Saison in Fahrt – die lange Verletzungspause verhinderte, dass der HSV-Anhang den „wahren Jira“ sehen und bejubeln konnte. Und wenn wir ehrlich sind, dann haben wir alle den „wahren Jira“ auch immer noch nicht im HSV-Trikot gesehen. Da muss schon noch viel mehr kommen. Und ich glaube, dass das auch in der nächsten Spielzeit kommen wird. So er dann zum Einsatz kommen wird. Wenn Thorsten Fink auf den Tschechen baut, dann, so glaube ich fest, dann wird er es ihm auch mit guten Leistungen danken. Hatte ich doch gegen Ende der Saison schon den (kleinen) Verdacht, dass die HSV-Mannschaft mit Petr Jiracek schon etwas gefestigter wirkte – als vorher ohne ihn. Note vier.

Jacopo Sala
war jener Jüngling, der einst die Bayern ganz kräftig erschreckte. Kann sich noch jemand erinnern? Einige sind bestimmt noch dabei. Seit diesem 2. Februar 2012 ist es still um den Italiener geworden. Nach dem 1:0-Führungstor gegen die Bayern (Endstand 1:1 – durch Olic) hatte jeder (Zweite?) darauf gehofft, dass Sala nun ein aufgehender Stern in der Liga wird – aber dann kam da nicht mehr viel. Heute steht er bei 20 Einsätzen – und immer noch bei diesem einen – aber durchaus spektakulären – Tor. Ich habe nicht mehr viel Hoffnung, dass da noch viel mehr kommen wird, denn den Willen, sich im Training durch überdurchschnittliche Leistungen aufzudrängen, den kann ich so gut wie nie erkennen. Im Gegenteil, Sala wirkt eher so auf mich, als wenn er schon ein wenig resigniert hätte. Note fünf.

Tolgay Arslan
war eine der großen und guten Entdeckungen der Hinrunde. Und das auf der Sechs! Für mich wäre das undenkbar gewesen, aber er hat mich überzeugt – und den Trainer und die meisten Fans. Hut ab. Das kann er also auch. Leider musste er nach guten und teilweise starken Leistungen dann auch den „Van der Vaart“ geben, also vorgezogen zentral spielen, und schwupps war er die Sechs wieder los. Schade. Vielleicht wäre sonst sein Stern vollends aufgegangen. Bleibt mir nur, darauf für diese Saison zu hoffen. Note vier.

Rafael van der Vaart
kam als großer Hoffnungsträger, und es ging ja mit ihm auch (steil?) bergauf. Dennoch, fußballerisch ist er – keine Frage – hinter den Erwartungen aller zurückgeblieben. Auch er hatte sicherlich mehr von sich erwartet, er hat es jedenfalls oft genug gesagt. Dass sein Förderer (und Geldgeber) Klaus-Michael Kühne inzwischen (im Abendblatt-Interview) gesagt hat, dass sich „van der Vaart den allgemeinen Leistungen des HSV angepasst“ hätte, spricht Bände. Dennoch muss ich sagen, war die Verpflichtung des Niederländers von enormer Wichtigkeit, denn er hat dafür gesorgt, dass seine Kollegen alle eine Schippe mehr drauf gelegt haben. Und auch viel konzentrierter trainiert haben. Note vier.

Per Ciljan Skjelbred
kam zurück wie Kai aus der Kiste. Den Norweger hatten sie alle schon abgeschrieben (auch ich!), er war praktisch schon aussortiert, und dann dieses Comeback! Großartig. Auch wenn er – wie der gesamte HSV – eine stete Berg- und Talfahrt hinlegte, also ziemlich unkonstant spielte. Trotz allem, er ist eine erfreuliche Figur in diesem HSV geworden, feierte nun sogar seine Rückkehr in die norwegische Nationalmannschaft. Obwohl, das wissen wir, das ja nicht so viel bedeuten muss. Note vier.

Gojko Kacar
war mit einem Male „über“. Im Winter sollte er zu Hannover 96, das zerschlug sich, seit dieser Zeit (spätestens) spielte er keine Rolle mehr. Erst als zum Schluss ein gewisser Mangel an Abwehrspielern bestand, da durfte der Serbe dann doch noch mal für Minuten ran. Was seine Situation beim HSV aber keinen Deut verbesserte – Kacar ist nach wie vor „über“ und soll gehen. Schon jetzt, wo kein Ball mehr rollt, wurde er quasi aussortiert. Note fünf.

Robert Tesche
war zuletzt an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen – und stieg mit dem Aufsteiger wieder ab. Immerhin, er war dort in der Rückrunde Stammspieler. Nun kehrt er zurück, weil er dem neuen Zweitliga-Club doch zu teuer geworden ist. Ja, in Hamburg sind die Spieler, auch die, die regelmäßig draußen sitzen und „über“ sind, noch wahre Könige, denn sie alle werden königlich bezahlt. Dem Vernehmen nach zahlt zum Beispiel Eintracht Frankfurt, in der Bundesliga leicht etwas vor dem HSV platziert, ein Viertel von den HSV-Gehältern. Hier wird eben jeder fürstlich und überfürstlich belohnt, auch unser „Zehner“ – der Robert. Deswegen will er ja auch noch nicht weg – der Vertrag läuft. Und zwar sehr gut. Note fünf.

So, kurz noch zur kommenden Saison. Der HSV hat bislang 27 000 Dauerkarten für die Spielzeit 2013/14 in der Fußball-Bundesliga verkauft. Von den 57 000 Stadionplätzen sollen 30 000 als Saisontickets angeboten werden. Das Jahresabonnement kostet zwischen 198 Euro im Stehplatzblock und 788 Euro im besten Sitzplatzbereich. Für eine Dauerkarte müssen abhängig von der Kategorie zwischen zehn und 61 Euro mehr als im Vorjahr berappt werden. Tickets in der Komfortklasse Business werden unverändert für mindestens 3500 Euro pro Spieljahr angeboten. Am 18. Juni beginnt der freie Verkauf.
Am Dienstag, also morgen, beginnt um acht Uhr der Dauerkartenvorverkauf für die HSV-Mitglieder. Als Mitglied kann man maximal eine Dauerkarte für die Saison 2013/2014 erwerben. Mit Beginn des freien Vorverkaufs (18. Juni) können dann bis zu vier Dauerkarten erworben werden.
Folgende Blöcke stehen im Mitglieder-Vorverkauf zur Verfügung:
Osttribüne: 1A, 2C, 3C, 4C, 5C und 7A
Westtribüne: 17C, 18C, 19C, 20C und 21A/B/C
Südtribüne: 9A/B/C, 10A/B/C und 11A/B/C.

Bei den Einzeltickets sind die Preise für die nächste Saison stabil geblieben. Im Stehplatzbereich wurden die verschiedenen Kategorien (12, 14, 16, 19 Euro) auf einheitlich 16 Euro festgelegt. Die neue Bundesliga-Saison beginnt am zweiten August-Wochenende.

PS: HSV-Mittelfeldspieler Christian Nørgaard hat mit dem dänischen U-19-Nationalteam die EM-Endrunde verpasst. Die Dänen unterlagen im entscheidenden Qualifikationsspiel dem gleichaltrigen Team aus Portugal mit 0:1. Die Endrunde findet vom 20. Juli bis 1. August in Litauen statt.

18.38 Uhr

Nun aber – die Saisonbilanz, Teil eins

9. Juni 2013

Es tut sich was. Leider nur bei anderen Clubs. Beim HSV ruht, erwartungsgemäß, noch ganz still er See. Neuerwerbungen? Pustekuchen. Und Verkäufe? Fehlanzeige! Fast jedenfalls. Nur in Sachen Marcus Berg tut sich wohl etwas. Der Schwede soll, das berichtete der Kicker, nach übereinstimmenden schwedischen und griechischen Medienberichten bereits mit dem griechischen Klub Panathinaikos Athen einig sein. Der 26 Jahre alte Stürmer wird angeblich am Montag in der griechischen Hauptstadt zum Medizincheck erwartet und soll danach einen Dreijahresvertrag unterschreiben. Na bitte. Das klingt doch gut.

Ansonsten aber ist ja auch noch so viel Zeit. Zudem kommt der HSV ja – zumindest in den letzten Jahren – immer sehr schwer aus den Puschen. Erst einmal verkaufen, damit Geld reinkommt. Und das mit dem Verkauf ist ja auch so eine Sache. Wer will schon Spieler, die der HSV aussortieren möchte, kaufen? Und das noch möglichst zu einem Spitzenpreis. Das hat Frank Arnesen nun ein Jahr lang nicht hinbekommen, und der neue Sportchef Oliver Kreuzer nimmt seine Arbeit ja auch erst am Dienstag auf. Ob er dann mit den von Trainer Fink aussortierten Robert Tesche und Gojko Kacar beginnen wird? Oder steht dann doch eher Heung Min Son ganz oben auf der Prioritätenliste? Bei Son hapert es ja schon lange. Während der Saison, in der sein Verbleiben (?) so oft in Aussicht gestellt worden ist, und jetzt zu Beginn der Sommerpause wieder. Eigentlich sollte mit Leverkusen doch schon alles klar sein – aber das scheitert wohl bislang an dem bevorstehenden Verkauf von Leverkusens Nationalstürmer Andre Schürrle zum FC Chelsea. Wenn dieser Transfer perfekt ist, dann wird wohl auch Son als Bayer-Neuzugang offiziell begrüßt werden können.

Also üben wir uns in Geduld. Mehr bleibt auch nicht. Per Ciljan Skjelbred hat es uns ja vorgemacht, dass man einen langen Atem braucht. Vier Jahre hat er nicht in der norwegischen Nationalmannschaft gespielt, nun feierte er sein Comeback. Ein kurzes, aber immerhin. Gegen (und in) Albanien wurde der HSV-Mittelfeldspieler in der 84. Minute eingewechselt, dann erzielte Norwegen (drei Minuten später) das Tor zum 1:1-Endstand. Immerhin nicht verloren. Wie auch Tomas Rincon, der mit Venezuela ebenfalls ein 1:1 schaffte, und zwar im Auswärtsspiel in Bolivien. Tschechien erreichte mit Petr Jiracek (und Jaroslav Drobny auf der Bank) im Team einen Achtungserfolg, denn es gab gegen Italien ein 0:0. Dagegen blamierte sich Kroatien mit den HSV-Profis Milan Badelj und Ivo Ilicevic mit einem 0:1 daheim gegen Schottland. Lettland traf es noch härter, denn es gab im Heimspiel gegen Bosnien-Herzegowina eine 0:5-Klatsche – die HSV-Torschützenkönig Artjoms Rudnevs von der Bank aus betrachten durfte.

Ich habe von all diesen WM-Qualifikationsspielen, das gebe ich zu, herzlich wenig gesehen, obwohl ich sonst alles sehe, was nach Fußball aussieht. Aber diesmal war ich viel auf Achse. Am Sonnabend traf ich bei einer Party eine „schöne Fee“, die mir ins Ohr flüsterte: „Hasan Salihamidzic ist ohne Verein und wäre ablösefrei zu bekommen. Er ist zwar mittlerweile 36 Jahre alt, aber er ist noch topfit. Und der HSV hat ja wenig Geld für neue teure Spieler – falls er den Brazzo nach Einsätzen bezahlen würde, wäre es doch einen Versuch wert. Oder?“ Naja. Ich bin kein Salihamidzic-Fan, muss ich zugeben. Und zuletzt in Wolfsburg hat er ja auch kaum noch gespielt- obwohl dafür nicht sein Alter ausschlaggebend gewesen sein soll. Wenn ich an den „Brazzo“ denke, er hat ja von 1996 bis 1998 für den HSV gespielt, dann habe ich immer Uli Hoeneß in den Ohren. Weil der FC Bayern ja dann der neue Arbeitgeber von Salihamidzic geworden war. Hoeneß sagte mir einmal: „Der Brazzo ist ein Phänomen für mich, so einen hatten wir hier noch nie. Der arbeitet jeden Tag wie ein Besessener, der gibt immer alles – und eines ist ganz besonders wichtig: er will sich jeden Tag verbessern.“ Was er in München ja auch wohl geschafft hat. Aber ich denke trotz allem, dass seine Zeit mit 36 wohl doch eher vorbei ist. Selbst für den klammen HSV. Oder hat da jemand eine andere Meinung?

Vielleicht ja auch erst dann, wenn man Hasan, den „Altmeister“, mit jenen Spielern vergleicht, die der HSV in der vergangenen Saison in der Abwehr hatte. Ich möchte heute, weil es doch einige „Matz-abber“ so gewünscht haben, mit der bislang ausgebliebenen Saison-Benotung der HSV-Spieler – und zum Schluss auch der Offiziellen – beginnen. Zuerst mit der Abwehr.

Rene Adler erhält von mir die Note eins – aber ich arbeite ja auch nicht bei einem Fachblatt. Der Nationaltorwart hat eine überragende Saison gespielt, in der er sich nur einen „Aussetzer“ erlaubte, nämlich den beim 1:5 in Hannover. Ansonsten hat Adler den HSV, davon waren und sind immer noch viele HSV-Altmeister restlos überzeugt, viele Punkte gerettet. Allein in der Hinrunde sollen es, so wurde mir oft genug vorgerechnet, acht bis zehn Punkte gewesen sein. Natürlich hat Adler 52 (von insgesamt 53) Gegentore geschluckt, und das ist schon eine gewaltige Zahl, aber ohne Adler hätte der HSV wahrscheinlich 75 oder mehr Treffer kassiert. Ich glaube, dass noch nie ein HSV-Torwart so viele „Unhaltbare“ gehalten hat, wie Adler – ihm ganz nahe kam, so denke ich, wohl Frank Rost. Note eins.

Jaroslav Drobny ersetzte Adler zweimal, und zwar beim 1:0-Sieg gegen Mönchengladbach (16. Februar) und beim 1:1 gegen Wolfsburg (5. Mai.). Beide Male zeigte er, dass er nichts von seinem großen Können verlernt hat. Immerhin ist er ja auch noch in der Nationalmannschaft der Tschechen noch der Ersatzkeeper. Was Drobny ansonsten auszeichnet? Er ist ein absoluter Teamplayer und sorgt praktisch Tag für Tag für gute Stimmung. Allein deswegen musste er gehalten werden – und wurde er ja auch. Note drei.

Sven Neuhaus ist Torwart Nummer drei, kam aber nur zu Einsätzen in der Regionalliga-Mannschaft. Da war der Routinier aber in der schwierigen Phase, als der Abstieg drohte, eine Bank. Neuhaus wurde gelobt und gefeiert, weil er großartig hielt. Im Training zeigt er zudem eine hervorragende Einstellung, auch er ordnet sich ausgezeichnet ein und sorgt so für ein gutes Klima beim HSV. Auch seine Vertragsverlängerung ist nur zu begrüßen. Note drei.

Dennis Diekmeier hat in dieser Saison einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Schon in der Hinrunde zeigte er sich stabiler als in den Spielzeiten davor, in der Rückrunde, speziell gegen Ende der Saison, wurden seine Leistungen dann noch einmal deutlich besser. Auch wenn, das muss erwähnt werden, er noch Luft nach oben hat. Er kann sich besonders in der Defensivarbeit noch verbessern, da sollte er noch aggressiver, durchsetzungsfähiger und härter werden. Note drei.

Jeffrey Bruma brachte es in dieser Saison auf 18 Einsätze, wobei er acht Mal eingewechselt wurde. Der Niederländer gehört deswegen zu meinen ganz großen Enttäuschungen der Spielzeit 2012/13, weil er eigentlich die besten Voraussetzung hat, ein erstklassiger Abwehrspieler zu sein – aber das Phlegma . . . Ich habe höchst selten einmal bei ihm erkannt, dass er sich mit dem HSV zu 100 Prozent identifiziert. Deswegen ist sein Abschied aus Hamburg nur eine logische Konsequenz aus dieser Saison. Note fünf.

Heiko Westermann erhält meine Bestnote der Feldspieler. Weil er ein vorbildlicher Profi ist, der sich von der ersten bis zur letzten Sekunde für seine Mannschaft und seinen Club nicht nur einsetzt, sondern alles gibt. Das schreibt sich so leicht: alles gibt. Westermann aber hängt sich stets voll rein, er gibt nie auf, er versucht es auch in noch so aussichtlosen Situationen – hervorragend. Genau deswegen verzeihe ich ihm auch den einen oder anderen Fehlpass oder Stockfehler. Mit zehn Westermännern im Feld hätte der HSV in diesem Jahr ganz sicher international gespielt. Note eins.

Michael Mancienne begann großartig, war eine Stütze und gefiel im Zusammenspiel mit Westermann. Dann verletzte sich der Engländer und musste deshalb lange pausieren – und kam nicht mehr in jenen Schwung, den er noch in der Hinserie hatte. Mich haben seine unzähligen Quer- und Rückpässe genervt (und oft auf die Palme gebracht!), und ich kritisiere auch jetzt sein körperloses Spiel. Das ist zu wenig für einen Innenverteidiger in der Bundesliga. Note fünf.

Slobodan Rajkovic hatte sich über Monate selbst ins Abseits manövriert, feierte dann aber doch noch – etwas unerwartet – sein Comeback. Das sah mitunter nicht schlecht aus, gelegentlich sogar auch ganz gut – insgesamt aber ist auch das zu wenig gewesen. Dem Serben fehlt die Beweglichkeit, er hat eine zu lange Übersetzung. Er wird, so glaube ich, bei einem anderen verein versuchen müssen, seine Leistungen zu steigern, ich denke, dass er beim HSV keine Zukunft mehr haben wird. Note vier.

Marcell Jansen ist einer der Aufsteiger dieser 50. Bundesliga-Saison. Viele hatten den Nationalspieler schon lange aus der Nationalmannschaft verabschiedet, und plötzlich feierte der ehemalige Mönchengladbacher auch im DFB-Trikot ein Comeback. Hinten links. Vor allem dort hatte ich ihn schon verabschiedet – so geht es gelegentlich im Fußball. Jansen hat eine (fast) verletzungsfreie Saison gespielt, das allein ist schon ein bemerkenswerter Punkt in seiner Karriere, zudem hat er kämpfen gelernt. So oft, wie er in dieser Spielzeit grätschend am Boden lag, hat er es wohl noch nie geschafft. Ich ziehe vor dieser Steigerung meinen Hut und hoffe darauf, dass er nicht nur so weiter machen wird, sondern auch noch zulegen kann, Die nächste WM kommt bestimmt . . . Note zwei.

Zhi Gin Lam brachte es auf vier Einsätze hinten links, einmal schaffte er dabei volle 90 Minuten. Mit Sicherheit ist Lam ein Fußballer, der technisch einiges drauf hat, dennoch gehe ich immer noch nicht mit Trainer Thorsten Fink konform, dass dieser Zhi Gin Lam hinten links eine Zukunft hat. Da fehlt körperlich doch noch zu viel – auch wenn der Bayern-Kollege Lahm es Jahr für Jahr beweist, dass auch ein vergleichsweise kleiner Abwehrspieler seine (teilweise überragenden) Leistungen bringen kann. Da aber gibt es, wie gesagt, körperlich doch noch einigen Nachholbedarf. Note vier.

So, das war die Abwehr. Und irgendwie finde ich, das habe ich beim Schreiben dieser Zeilen für mich entdeckt, dass es durchaus noch Spaß bringt, sich noch einmal in dieser Form mit der abgelaufenen Saison zu beschäftigen. Ich war jedenfalls wieder mittendrin. Genau so, als stünde morgen schon das nächste Bundesliga-Spiel für den HSV auf dem Programm.

19.07 Uhr

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