Archiv für das Tag 'Weidenfeller'

Adler setzt auf van Marwijks Grundgesetz

16. Oktober 2013

„Von Nebensächlichkeiten darfst Du Dich nicht ablenken lassen – das ist schon die halbe Miete“, hat mir einst einer meiner Lehrer gesagt. Zum einen, weil ich ein sehr lebhaftes Kind war, leider auch oft während des Unterrichtes abgelenkt war. Zum anderen aber – und vor allem -, weil er damit einfach recht hat. Deshalb widme mich trotz der einen oder anderen persönlichen Beleidigung lieber zu 100 Prozent dem neuen Blog. Zumal der Erfreuliches zu bieten hat: WM-Fahrer en masse. Johan Djourou kehrte heute zurück, ist mit der Schweiz qualifiziert. Ebenso Rafael van der Vaart mit den Niederlanden und die Drei Deutschen (Westermann, Jansen, Adler). Das Beste daran: alle sind gesund geblieben und trainierten heute – wenn auch verkürzt – mit der Mannschaft.

„Es ist angenehm, mit so einem Positiverlebnis hach Hause zu kommen“, sagt Rene Adler, „Das gibt einen Aufschub.“ Für Stuttgart am Sonntag. „Wir haben unseren Job gut gemacht, treffen uns jetzt hier wieder und wissen, dass wir nachlegen müssen. Und wir sind wieder ein paar Tage weiter.“ Mit dem neuen Trainer, meint Adler. „Er hat uns seine Philosophie dargestellt und wir nehmen sie an“, so der Keeper, „und das wird uns mit zunehmender Spieldauer auch besser gelingen. Zuletzt war es schon ganz gut – hoffentlich wird es am Sonntag noch besser.“

Gerade im Hinblick auf die Nominierungen der Nationalspieler für die WM 2014 in Brasilien setzt Adler auf Zusatzmotivation. „Alle wissen, dass sie nur zur WM mitfahren, wenn sie auch im Klub gut und erfolgreich spielen“, sagt der HSV-Keeper, der selbst doppelt und dreifach motiviert sein dürfte. Immerhin muss er wohl hinnehmen, dass der Dortmunder Roman Weidenfeller am 15. November seine Premiere im Tor des DFB feiern darf. Ob Löw mit ihm darüber gesprochen hat? Immerhin gilt Adler bislang als Nummer zwei als gesetzt. „Nein, wir haben noch nicht darüber gesprochen, es ist ja auch noch ein Monat Zeit. Du ich kann es nur wiederholt betonen: Nur weil über andere Namen spekuliert wird, setze ich das nicht in Zusammenhang mit mir.“ Ob er Weidenfellers Nominierung nicht unlogisch findet? Eigentlich hätte die feststehende Qualifikation doch die Möglichkeit bieten sollen, der gesetzten Nummer zwei Spielpraxis zu bieten. Zumal er selbst damit gerechnet hatte, im Falle eines Ausfalls Neuers da zu sein. „Im Fußball ist vieles nicht logisch. Ich denke, dass die Trainer sich das gut überlegen werden. Ich bin aber auch der Falsche, jetzt irgendwas zu fordern. Und auch, um mir zu viele Gedanken zu machen. Ich bin die Nummer zwei in Deutschland – das ist nichts Negatives. Im Gegenteil. Das ist eine Riesenauszeichnung. Klar, will ich spielen. Aber ich habe gelernt, mein persönliches Anliegen hinter das Wohl der Mannschaft zu stellen – ohne dadurch auch nur das kleinste Bisschen weniger spielen zu wollen und motiviert zu trainieren. Der Augenblick, wo ich gebraucht werde, wird kommen – daher verschwende ich keine Energie darauf, jetzt zu hadern. Ich gehe davon aus, ganz normal nominiert zu werden.“

Ich auch. Alles andere wäre Quatsch. Es sei denn, Adler patzt ab jetzt regelmäßig oder verletzt sich – dreimal auf Holz geklopft, dass das nie passiert…!

Kaum geringere Chancen dabei zu sein hat auch Marcell Jansen. Der Linksverteidiger hat zwei vernünftige Spiele gegen Irland und Schweden absolviert. Jansen wird wohl neben BVB-Verteidiger Schmelzer mit nach Brasilien fahren – und setzt darauf, dort auch Stammspieler zu sein. „Ich muss gesund bleiben, das ist das Wichtigste. Es war schön, das Vertrauen zu bekommen. Ich habe versucht, in den Spielen Akzente zu setzen. Und genau das will ich jetzt weiterhin machen. Gleich Sonntag gegen Stuttgart.“

Alles andere als die dritte WM-Nominierung wäre für Jansen eine Enttäuschung – für Heiko Westermann sicher eher das I-Tüpfelchen. Der beim HSV zum Rechtsverteidiger umfunktionierte Ex-Kapitän wurde für die WM-Quali nachnominiert und hat zumindest gute Außenseiterchancen auf die WM. Zumal ich weiß, dass Westermann beim DFB-Trainerteam ein hohes Ansehen als extrem zuverlässiger und nicht minder teamorientierter Spieler genießt. „Sie haben es alle drei verdient“, glaubt Milan Badelj, der gerade die Nachricht erfahren hat, dass künftig Niko Kovac über die Geschicke der kroatischen Nationalelf entscheidet. Der Vorstand des kroatischen Verbands nahm auf Vorschlag des Präsidenten und DFB-Schreck Davor Suker das Rücktrittsangebot von Nationaltrainer Igor Stimac an und ernannte Kovac zum Nachfolger. In den WM-Playoffs (15. und 19. November) kann Kroatien auf Schweden, Frankreich, Island oder Rumänien treffen.

Nicht treffen soll Stuttgarts Stürmer Vedad Ibisevic gegen den HSV am Sonntag. Und dafür verantwortlich ist auch der Torhüter, Rene Adler. Der wiederum setzt weiter auf den Van-Marwijk-Effekt. „Der Trainer ist jetzt ein paar Wochen da und man kann sehen, dass einige Mechanismen jetzt schon besser greifen. Im Spiel in Frankfurt war schon einiges deutlich zu erkennen, obwohl der neue Trainer und wir nur ein paar Tage gemeinsam hatten. Aber das 5:0 in Nürnberg zeigt, dass wir in der Mannschat, im Konstrukt, kompakter stehen. Wir bewegen uns auf einem guten Weg und diese Art und Weise wollen wir beibehalten.“ Ein Schlendrian scheint ausgeschlossen: „Der Trainer hat die nötige Distanz zu uns und ist eine absolute Respektsperson, hier herrschen klare Regeln. Für alle gleichermaßen. Das ist bei uns intern wie extern für alle das Grundgesetz. Und das fördert unsere Leistung. Ich freue mich jetzt darauf, wieder qualitativ hochwertig zu trainieren. Denn wenn das irgendwann mal nicht so ist, knallt der Trainer schon ordentlich dazwischen. Darauf ist Verlass.“

Seine verbindliche Art beibehalten hat auch David Jarolim. Vor allem aber hat er seine Hamburger Autos behalten – und weiter in Hamburg gemeldet. „Die Abmeldung lohnt sich ja gar nicht“, hat der ehemalige HSV-Kapitän unserem Blogvater bei dessen Besuch in Prag gesagt. Immerhin sei er ja eh bald wieder in Hamburg. Schon im Sommer soll Jarolim beim HSV in die Nachwuchsarbeit eingebunden werden. Bevor sich Dieter, Frau M. und Jarolim jedoch trennten, übergab der Tscheche unserem Blogvater noch eines seiner Trikots (s. Foto) von Boleslav zum verlosen.

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Und diese Verlosung wird am Sonnabend im Rahmen unseres Matz-Ab-Treffens im „Anno1887“ (Beginn ist um 19 Uhr) durchgezogen.

Und obgleich Carl Jarchow heute noch einmal klarstellte, dass sich der HSV-Vorstand bei Transfers vom Aufsichtsrat „nie unter Druck gesetzt fühlte“ und ich zahlreiche Anrufe wegen des gestrigen Blogs bekam und immer noch bekomme – mehr gab es heute nicht zu berichten. Außer, dass Ivo Ilicevic weiter voll mittrainiert und die Muskulatur endlich wieder hält, während Gojko Kacar mit Rückenproblemen heute pausieren musste. „Es ist aber nicht allzu schlimm“, so Kacar, „ich hoffe, dass ich schon am Donnerstag wieder voll mittrainieren kann.“

Ich drücke ihm die Daumen. Ebenso wie Euch, dass Ihr noch einen schönen Rest-Mittwoch habt. Bis morgen,

Scholle

P.S.: Am Donnerstag wird übrigens um 16 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

P.P.S.: Ergänzend zum Blog werde ich die Interviews in Oscar-verdächtiger Aufnahmequalität für Euch auf unsere Facebookseite (www.facebook.com/groups/matzab) als Videos online stellen.

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