Archiv für das Tag 'Wehmeyer'

Herzlich willkommen, lieber Mats!

10. September 2014

Mats ab! Aus ganz besonderem Grund heute etwas früher. Mats ab!

Jawoll, Mats ab! Mit „s“. Unser „Scholle“ ist heute zum dritten Mal Papa geworden, dazu ihm und der Mutter Sandra alles, alles Gute. Und dem neuen Erdenbürger „Mats Niklas“ möchte ich zurufen: „Viel Erfolg und viel Spaß auf dieser Welt, hau rein, mein Junge, werde ein Super-Fußballer und setze Dich durch in oder auf dieser doch manchmal auch ungemütlichen und ungerechten Kugel. Und werde natürlich HSV-Fan, wie Dein Papa.“ Der teilte übrigens mit, dass es Mutter und Knabe gut gehe – Mats kam heute um 11.33 Uhr zur Welt, fast eine Punktlandung, denn der 9. September war der Stichtag, der Neu-HSVer wog bei seiner Ankunft 3760 Gramm, verteilt auf 53 Zentimeter.
Also, der jungen Familien noch einmal einen ganz besonders herzlichen Glückwunsch, und die „Matz-ab“-Gemeinde sollte heute mal zu einer etwas anderen Feier aufgelegt sein – Prost!

 

Zum Fußball-Alltag:

Das ist leider ein wenig untergegangen, was ich sehr, sehr schade finde: Bei der Feier und der Erweiterung des HSV „Walk of fame“, 2005 erfunden und seitdem organisiert und finanziert vom rührigen Unternehmer Andreas Maske, hielt der Kapitän der HSV-Meistermannschaft von 1960, Jochen Meinke, eine brillante Rede für den posthum geehrten Erwin Seeler. Das Besondere an dieser Rede: Meinke, im HA-Video versehentlich als „Meine“ vorgestellt (sorry!), sprach „freihändig“. Das heißt, ohne jede Unterstützung durch ein Manuskript oder einem Zettel. Frisch, frei und fromm von der Leber weg, der 83-jährige ist immer noch in Weltklasse-Form. Unglaublich, und er erntete für diesen Auftritt nicht nur viel Beifall, sondern Schulterklopfer und von allen Seiten höchstes Lob. Was Jochen Meinke – bescheiden wie er ist – immer weit wegschob von sich: „Ich habe nur das erzählt, was ich mit Erwin Seeler und der gesamten Familie erlebt habe, ich wohnte doch um die Ecke. Und wenn ich ehrlich bin, dann wollte ich noch so viel mehr erzählen, aber ich habe das denn doch weggelassen.“

 


Wie gesagt, sehr schade. Denn für mich, und sicher nicht nur für mich, war dieser Meinke-Auftritt aber ein besonderes Erlebnis und wird es immer bleiben. Weil er einzigartig ist.

 

Die Stimmung ist und soll auch nach Auskunft der Promis in diesem Jahr wieder super gewesen sein. Der frühere Aufsichtsrats-Chef Udo Bandow lobte: „So harmonisch und stimmungsvoll war es lange nicht mehr, das war eine der schönsten HSV-Versammlungen der vergangenen Jahre.“
Von den „alten Herren“ waren Willi Schulz, Horst Schnoor (mit Ehefrau Gerda), Erwin Piechowiak (mit Ehefrau Mienchen), Klaus Neisner, Harry Bähre, Vereins-Manager Bernd Wehmeyer, Aufsichtsratsmitglied Peter Nogly und der heutige Marketing-Mitarbeiter Sven Neuhaus gekommen, ferner die HSV-Größen Carl-Edgar Jarchow, Oliver Scheel, Dieter Horchler und viele, viele mehr. Zudem natürlich Uwe Seeler (mit Ehefrau Ilka und den Töchtern mit Schwiegersöhnen!), der die Ehrung für seinen Papa „old Erwin“ entgegennahm, und Laudator Rudi Kargus, der seinen Vorgänger und Freund Arkoc Özcan ehrte. Holger Hieronymus ist nun ebenfalls neu verewigt, und auch Bernd Hollerbach, der leider absagen musste, da er daheim in Würzburg an einer schweren Magen-und-Darm-Grippe leidet. Gefehlt hat, neben anderen, diesmal Dr. Peter Krohn. Das Wetter war wohl zu schlecht, denn vorher hatte es lange kräftig geschüttet . . .
Für alle HSVer, die anwesend waren, das muss erwähnt werden, gab es erfreulicherweise keine Diskussion darüber, ob sich hier nun die HSV-AG oder der HSV e.V. getroffen hat – es ging einzig und allein um den HSV. Wie schön. Am Rande sei noch bemerkt, dass sogar zwei Bremer bei der Zeremonie dabei waren: Max Lorenz, seit Jahrzehnten ein ganz, ganz dicker Freund von Uwe Seeler, und der frühere Verteidiger Dieter Zembski, der von der Feier wusste und zufällig (Arbeit) in der Nähe war.

 

Erfreulich an diesem Tag:

Eine Trainer-Diskussion gab es am Rande der Veranstaltung nicht. Die meisten vertraten diese Auffassung: „Wie oft hat der HSV in den letzten Jahren schon den Trainer gewechselt? Das ist doch schon nicht mehr zu zählen. Gebracht hat es nie etwas – nie. Das sollten sich einmal alle überlegen. Es hat dem HSV nur immer viel Geld gekostet. Jetzt sollten die Spieler mal etwas dafür leisten, dass es dem HSV wieder besser geht. Und da ist dann auch der Club gefordert, der sollte endlich mal etwas weniger hohe Gehälter zahlen, dafür ordentliche Prämien, wenn tatsächlich etwas erreicht worden ist. Und zudem sollte nun endlich damit angefangen werden, auf den Nachwuchs zu setzen – die U23 hat ja einen erstaunlichen Weg eingeschlagen.“ Das war so oder so ähnlich an allen Ecken und an den meisten Tischen zu hören.

 

Natürlich waren auch die Kollegen aus der Medienbranche zugegen. Es wurden viele, viele Interviews geführt – das hat Tradition. Am Abend sah und hörte ich dann:
„Der Trainer braucht keine Leute die ihm sagen, wen er aufstellen soll . . .“ Das sagte Holger Hieronymus beim TV-Sender „Hamburg1“. Das war offenbar eine Antwort darauf, dass zuvor in einer Hamburger Zeitung zu lesen gewesen war, dass es aus dem Aufsichtsrat Tipps für Mirko Slomka gegeben hatte, dass nun die „Neuen“ gegen Hannover spielen sollten und müssten. Aber wie bereits geschrieben, es wurde dann keine Trainer-Diskussion vom Zaume gebrochen . . .

 

Zum Sportlichen, und da gibt es aus meiner Sicht recht Erfreuliches zu berichten.
Während die Mannschaft heute frei bekommen hat (nicht weil „Scholle“ Papa geworden ist!), trainierten einige zuletzt angeschlagene Spieler, um doch noch rechtzeitig für das Hannover-Spiel am Sonntag fit zu werden. Rafael van der Vaart ging mit Reha-Trainer Markus Günther zu einer Sonderschicht auf den Platz, Ivo Ilicevic arbeitete im Kraftraum. Auch Slobodan Rajkovic (nach Kreuzbandriss) und Gojko Kacar (nach Außenbandanriss im Knie) schufteten weiter für ein Comeback, Neuzugang Nikolai Müller sowie der erkältete Marcell Jansen fanden sich zur Pflege ein. Dafür, dass das ein freier Tag war, war doch relativ viel im Volkspark los – was mir ausnahmslos gut, nein sehr gut gefällt.

 

Dann las ich heute im Hamburger Abendblatt:
„Dennis Diekmeier lebt seinen Traum“. Und in den verschiedenen Video-Texten eine Aussage von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw, der über die schlechte Defensive seiner Mannschaft befand: „Wir können uns leider noch keinen Philipp Lahm aus dem Hut zaubern. Die jungen Verteidiger sind sicher talentiert, aber sie brauchen noch ein wenig Zeit, um sich zu verbessern, das wird wohl dauern bis zur nächsten WM. . . .“ Aber dann. Oder: und dann?

 

Das wäre doch genug Ansporn für Dennis Diekmeier. Von dem nach dem Paderborn-Spiel ein großer HSVer mir gegenüber gesagt hat: „Diekmeier war der einzige Hamburger, der auf mich einen absolut fitten Eindruck gemacht hat. Der beackert die rechte Seite fast allein, rast 80 Meter rauf und 80 Meter runter, und das immer wieder. Der scheint mir wirklich voll im Saft zu stehen, vielleicht so wie gut noch nie . . .“

 

Kann schon sein. Aber zu einem Nationalspieler gehört dann doch ein wenig mehr. Unter anderem auch, dass man eine gewisse Defensivstärke besitzt, dass man zweikampfstark ist, dass man weiß, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, dazu gehört ferner auch eine gewisse Kopfballstärke. All das ist zu erlernen. Wir hatten beim HSV einst einen talentierten Spieler wie Christian Rahn. Der wurde sogar Nationalspieler (unter Rudi Völler). Aber „Rahner“ hatte ähnliche Schwächen wie Diekmeier nun. Ich empfahl Rahn damals, sich privat einen Trainer zu nehmen, damit er sich verbessert, aber es geschah nichts. Und der HSV-Profi hatte schnell seine Nationalmannschafts-Karriere beendet – und dann auch seine Erstliga-Karriere. Schade drum. Rahn war talentiert, hatte einen sensationellen linken Fuß, konnte gut flanken und super schießen. Nur nach hinten war er verbesserungsfähig, doch weder er noch irgendeiner beim HSV haben daran gearbeitet. Ich sage und behaupte noch heute: „Eine verschenkte Profi-Karriere.“

Heute würde ich auch Dennis Diekmeier einen Privat-Trainer empfehlen, wenn der HSV-Abwehrspieler noch etwas werden will. Und die Chance, dass er noch etwas werden könnte, ist ja so groß wie nie. Nur wird beim HSV wurde daran so gut wie nie gearbeitet, und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass daran noch einmal explizit gearbeitet wird. Vormittags Training mit der Mannschaft, nachmittags mit einem Trainer (und vielleicht sogar einem „Gegenspieler“, der die Zweikämpfe führt!) auf den Acker. Des wäre ein Anfang. Diekmeier würde sich defensiv bestimmt verbessern, wenn sein Auge, sein Kopfball- und sein Stellungsspiel geschult werden würde.

 

Aber da Individual-Training in der Bundesliga und für die Trainer kaum ein Thema ist, sollte er nun selbst handeln – wenn er noch die ganz große Karriere starten will. Ich kann nur daran erinnern, dass zwei mir bekannte Profis einst „eigenhändig“ Privat-Trainer engagiert – und davon absolut profitiert haben. Dennis Diekmeier wird im Oktober 25 Jahre alt, noch würden ihm alle Türen offen stehen, aber er sollte jetzt wissen, dass er ziemlich bald damit anfangen müsste, etwas für sich zu tun. Andere werden es nicht für ihn erledigen. Die sind alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, so ist das im heutigen Profi-Geschäft.

 

So, bevor ich zum Ende komme, schnell noch einmal der Hinweis in eigener Sache:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV veröffentlicht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Donnerstag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, und zwar um 10 Uhr.

 

17.05 Uhr

Ein legendärer Tag mit den Legenden

7. September 2014

Für Abendblatt-Blogs


„Die Hamburger haben dieses Spiel, das hat uns alle überrascht, sehr verbissen gesehen, zu verbissen gesehen, die sind schon enorm zur Sache gegangen.“ Eine Einschätzung, die man sich als Hanseat einmal ganz genüsslich auf der Zunge zergehen lassen kann. Gesagt hat es heute Michael Ballack, und er sprach natürlich nicht über den HSV, sondern über das „Spiel der Legenden“ vor einem Jahr. Von der Verbissenheit von damals ist alles geblieben, davon konnten sich 25 183 zahlende Zuschauer live überzeugen, und Hundertausende bei der TV-Übertragung von „Sport 1“, denn das Match Deutschland gegen Hamburg stand zur Pause noch 0:0. Dabei hatten sich alle prominenten Kicker vor dem Anpfiff noch ein torreiches Spiel gewünscht. Waren die Trainer der Mannschaften, Jupp Heynckes (für Deutschland) und Helmut Schulte zu genau – und zu gut in ihren Anweisungen? Oder waren die Abwehrspieler zu stark? Es lag wohl eher an den überragenden Torhütern, Für Hamburg hielt Richard Golz überragend, und für Deutschland riskierte Claus Reitmaier mehr als einmal wieder Kopf und Kragen. Schuld an dieser Tor-Armut hatten, ganz klar, die Keeper. Die waren vor ausverkauftem Haus am Millerntor super. Gewonnen hat letztlich die zehnte Auflage des Tages der Legenden das Team Deutschland, das einen 5:3-Sieg schaffte und damit die Bilanz etwas verbessern konnte – Hamburg führt nur noch mit 6:3 Erfolgen. Gewonnen hat auch der von ARD-Moderator Reinhold Beckmann gegründete Verein „Nestwerk e.V.“, denn durch dieses Fußballfest kam in etwa eine Viertelmillion Euro zusammen, die den benachteiligten und sozial ausgegrenzten Hamburger Jugendlichen zugute kommen wird. Es war ein wunderbarer Tag am Millerntor – und es folgt, darauf haben sich alle Beteiligten schon riesig gefreut, noch eine sensationelle Nacht auf dem Kiez und im Schmidts Tivoli.






 

Zum Spiel: Nach dem Seitenwechsel war es zunächst Ballack persönlich, der das erste Tor des Tages erzielte, ein strammer 20-Meter-Flachschuss, unhaltbar für Mathias Hain, der nun im Tor stand (48.). Und dann auch noch gleich das 2:0 hinterher – St. Paulis früherer Spieler Matthias Scherz überlistete Hain mit einem Eigentor (50.). Damit waren die Weichen für einen Sieg? Nein, Hamburg wehrte sich. Und die St.-Pauli-Männer trafen. Martin Driller, Ivan Klasnic und Thomas Meggle drehten mit ihren Toren das Spiel – aber das war nicht das Ende. Carsten Jancker traf zum 3:3, Maurizio Gaudino zum 4:3 für Deutschland, und den Endstand zum 5:3 markierte Arne Friedrich. Zu erwähnen sei noch ein Fast-Kopfballtor von Thomas Doll beim Stande von 3:3, der Trainer von Ferencvaros Budapest scheiterte an Torwart Andreas Reinke und dem Torpfosten.

 

Am Rande machten es sich die Ganz-Alt-Internationalen bei Kaffee und Kuchen gemütlich: Horst Eckel, der Weltmeister von 1954, dazu Uwe Seeler, Bernd Wehmeyer und Max Lorenz. Sowie der Schirmherr der Veranstaltung, Franz Beckenbauer, der vor 50 Jahren am Millerntor sein Debüt in der Profi-Mannschaft des FC Bayern feierte. Wenn ich es richtig erinnere, dann damals als Linksaußen! Beckenbauer: „Eine schöne Erinnerung, wir haben damals 4:0 gewonnen und ich habe dabei mein erstes Pflichtspieltor für die Bayern geschossen. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, was ich in meiner Zeit als Profi und auch danach durch diesen wunderbaren Sport alles erleben würde – ich hätte es nie für möglich gehalten.“ Legende, Lichtgestalt und Kaiser eben. Dass er am Millerntor diesmal auf Schritt und Tritt von zwei Bodyguards bewacht wurde, ist die Kehrseite der Medaille. Anders geht es wohl heutzutage nicht. Schade, schade.

 

Franz Beckenbauer war ja auch einst HSV-Spieler, ich habe ihn damals sogar schon interviewen dürfen, einen Termin besorgte mir damals HSV-Busfahrer Willi Meyer, indem er mich an die Hand nahm und zu Beckenbauer schleifte. Hat aber großartig geklappt. Die weiteren HSV-Spieler, die an diesem Tag im Einsatz waren: Nico Hoogma, Manfred Kaltz, Christian Rahn, Bastian Reinhardt, Stefan Schnoor, Stefan Studer (in der Jugend beim HSV), Otto Addo, Stefan Beinlich, Thomas Doll, Sergej Barbarez, Roy Präger, Thomas von Heesen (alle für Hamburg) sowie Markus Babbel, Patrick Owomoyela und Oliver Kreuzer (Sportchef) und Claus Reitmaier (Torwarttrainer).

 

Natürlich gab es mit einigen von ihnen ein freudiges Wiedersehen. Das begann schon bei Sergej Barbarez. Mit ihm sprach ich – natürlich – über seinen HSV und die derzeitig angespannte Lage. Und Barbarez sprach – wie man es von ihm gewohnt ist – Klartext: „Dieser Fehlstart des HSV überrascht mich nicht, denn der Heilsbringer sitzt oben auf der Tribüne, und unten auf dem Rasen spielen die alten Leute. Und die haben es lange genug bewiesen, dass sie es nicht können, ihnen fehlt die Qualität.“ Klingt hart, aber es trifft genau. Und mit Heilsbringer war natürlich Dietmar Beiersdorfer gemeint.

 

In der Zeit, in der ich nun geschrieben habe, hat mein Kollege Axel Leonhard (der große Regisseur – von Matz ab live) die Gespräche, die ich heute am Millerntor führte, schon im HA-Internet veröffentlich. Ich stelle diese Geschichte nun auch hier hinein, es gab ein Wiedersehen mit Nico Hoogma, Richard Golz, Thomas Doll, Thomas von Heesen, Michael Ballack, Stefan Studer, Patrick Owomoyela, Bastian Reinhardt, Hamburg-Trainer Helmut Schulte, mit Initiator Reinhold Beckmann, it St.-Pauli-Trainer Thomas Meggle (ein langjähriger Freund), Schiedsrichter Walter Eschweiler und vielen, vielen mehr. Wenn Ihr die Zeit habt, dann schaut mal in dieses Video hinein.
Wobei ich eine kleine Einschränkung machen muss. Es sind nicht alle ehemaligen Stars zu sehen, die ich eben genannt habe, der Herr Leonhard wollte dieses Video wohl nicht zu doll überfrachten . . .

 

Dann gab es noch einen freundlichen Hinweis auf meine Geschichte von gestern – ich hatte meine HSV-Mannschaft nominiert:

Lieber Dieter.

ich bin bei der neuen Mannschaft schon etwas verwirrt. Wozu haben wir denn Nicolai Müller gekauft, der für das schnelle Umschaltspiel geholt wurde? Außerdem weiß niemand, ob Julian Green überhaupt Fußball spielen kann, nur weil er von Bayern München kommt. Also überlege Deine Mannschaft noch mal.
Mit freundlichen Grüßen, Arne P.

 

Dazu muss ich sagen, dass ich mir diese HSV-Mannschaft, die ich ohne Nicolai Müller aufgestellt habe, schon für das nächste Spiel, als das in Hannover, gewünscht habe und hätte. Müller sehe ich noch nicht so fit, dass er es bis zur Begegnung gegen 96 schaffen wird und kann. Natürlich erwarte ich Müller im HSV-Team, ich habe ihn in Erfurt gesehen, und das war schon mal sehr gut, was dort zu sehen war. Der Mann geht ab wie Schmidts Katze – oder wie eine Rakete. Das macht Spaß, ihm zuzusehen. Und er wird ganz sicher eine Bereicherung für den HSV sein, leider (wohl) noch nicht für das kommende Wochenende. Wobei wir schon wissen, ob ein Julian Green Fußball spielen kann – er kann. Und wer das wirklich noch nicht weiß, der wird sich davon schon bald, hoffentlich am nächsten Sonntag, überzeugen können.

 

Ja, und dann noch ein Hinweis in eigener Sache, denn das Hamburger Abendblatt hat schon seit einigen Tagen mal wieder etwas Neues:

Jeden Montag kann man sich künftig ab 4 Uhr morgens über ikiosk.de oder über die ikiosk App das Sonderheft „HSV KOMPAKT“ herunterladen. Die Ausgabe mit jeweils zwölf Seiten startet jeweils mit den Berichten zum aktuellen Bundesliga-Spiel. Dann folgen die Artikel, die wir unter der Woche über den HSV gemacht haben.

Für treue Leser unseres HSV-Blogs „Matz ab“ gibt es noch einen besonderen Service. In gekürzter Form erscheinen auf einer Doppelseite die Kolumnen unserer Experten Dieter Matz, Marcus Scholz und Lars Pegelow. Jede „HSV KOMPAKT“-Ausgabe schließt mit einer historischen Seite, wo wir Triumphe und Dramen der langen HSV-Geschichte Revue passieren lassen.

„HSV KOMPAKT“ kostet nur 0,89 Cent pro Ausgabe im Einzelverkauf über ikiosk.de oder die ikiosk App (gibt es für iPhone, iPad (iOS) und für Geräte mit Googles Android). Natürlich kann man sich die zwölf Seiten einfach ausdrucken. Während der Winter- und der Sommerpause der Bundesliga erscheint „HSV KOMPAKT“ nicht.

 

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV wieder im Volkspark trainiert, nur die Uhrzeit stand bis jetzt noch nicht fest.

 
18.11 Uhr

“Den HSV einfach wieder ins Licht führen”

5. September 2014

Erfreulich an diesem Wochenende ist ja nicht nur das schöne Wetter, das es hoffentlich geben wird, sondern auch die Tatsache, dass der HSV nicht verlieren kann. Aufatmen ist angesagt, tief durchatmen und dazu ein ehrliches und voll durchgezogenes Aufatmen. Und dass der HSV mit einem Sieg in dieses Wochenende gegangen ist, das ist ja auch keine alltägliche Geschichte, aber man könnte sich dran gewöhnen. Okay, das 3:0 in Neumünster ist nicht die Welt, aber immerhin. Und da sich beim Test gegen den Regionalliga-Club auch einige „Neue“ gezeigt haben, wird die Sache noch ein wenig runder. Lars Pegelow war für den NDR 90,3 dabei und hat Stimmen von dieser Auswärtspartie mitgebracht.

 

Für Abendblatt-Blogs


So befand Trainer Mirko Slomka später: „Spielerisch war noch viel Luft nach oben, aber wir haben ja auch mit einer Mannschaft gespielt, die so noch nie zusammengespeilt hat, und die so auch nie wieder spielen wird. Aber es gab ein paar wichtige Aspekte. Wir haben 90 Minuten Matthias Ostrzolek gesehen, wir haben 90 Minuten Cleber gesehen, der, wie ich finde, einen sehr guten Eindruck gemacht hat. Er war sehr dynamisch, sehr kopfballstark, und ich habe auch das Gefühl, dass er eine Mannschaft mitreißen kann, obwohl er ja kaum ein Wort Deutsch spricht. Und wir haben auf der Sechser-Position einen Lewis Holtby gehabt, der in jeder Lage des Spiels Kontrolle hatte, anspielbereit war, unser Spiel auch schon ein bisschen geleitet und gelenkt hat. Das hat mir sehr gut gefallen. Und was mir auch gefallen hat ist die Tatsache, dass er immer nachgedrückt hat. Lewis mit seinem Team auch immer versucht, die zweiten Bälle zu erkämpfen, das war zuletzt ein großes Problem von uns gegen Paderborn.“

 

Was schon auffällig war: Lewis Holtby hat in seinem ersten Einsatz gleich versucht, Verantwortung zu übernehmen, er hat dirigiert und die Nebenleute gestellt. Slomka: „Er ist auch ein Typ, der das gerne macht, der gerne Verantwortung übernimmt, das ist auch ein Aspekt, warum wir ihn so gerne wollten, einen solchen Spieler brauchen wir im Zentrum des Platzes. Wir brauchten einen Spieler wie er es ist, der eine Mannschaft führen kann, der mit seiner Präsenz und seiner Klasse eine Mannschaft auch sinnvoll führen kann – er ist ein akzeptierter Spieler. Er versucht das von Anfang an so umzusetzen, auch im Training, gerade diese Elemente des Nachschiebens, des Nachdrückens, des Gewinns des zweiten Balles, die haben wir gegen Paderborn nicht gehabt, deswegen hat mir sein Spiel schon sehr gut gefallen.“

 

Lars fragte den Coach dann auch noch nach dem Torwart, der in einer Woche gegen Hannover 96 im HSV-Tor stehen soll, stehen könnte. Jaroslav Drobny oder Rene Adler? Mirko Slomka: „Dass Drobny gegen Neumünster spielen wird, das war vorher schon geplant, ansonsten würde ich an Ihrer Stelle insgesamt nicht so viel in diese Geschichte hineininterpretieren. Auch in meine Aussagen nicht. Wenn man 0:3 gegen Paderborn verliert, und das am zweiten Spieltag der Bundesliga, dann glaube ich muss man als Trainer einfach alles hinterfragen und alles noch einmal alles aufrollen, denn alle Spieler gehören dazu, denn auch drei Gegentore haben wir kassiert. Und deswegen ist es auch richtig, dass man dann noch einmal genau hinschaut. Drobo hätte heute sowieso gespielt, das hatte nichts mit der Torwart-Position am nächsten Sonntag in Hannover zu tun.“

 

Es ist ja wahrscheinlich auch ein kleiner (oder großer? Oder letzter?) Aufruf an alle, sich jetzt, an diesem wichtigen Punkt der Saison, auf das Wesentliche zu konzentrieren, richtig Gas zu geben, und zwar mit 100 Prozent. Wer jetzt noch nicht gemerkt hat, dass es um seinen Stammplatz geht, der hat die Entwicklung der letzten Wochen irgendwie falsch wahrgenommen. Da lobe ich mir doch Marcell Jansen, der zuletzt das Motto vorgab: „Gas geben und die Fresse halten.“ So wäre es wohl richtig. Jetzt scheint die Stunde der Neuen zu schlagen, daran sollten sich jetzt alle im Team orientieren, denn so wie zuletzt darf es ganz einfach nicht weitergehen.

 

Zu den Neuen gehört ja auch Lewis Holtby, auf den nicht nur die Verantwortlichen größte Hoffnungen setzen. Ich glaube ja auch, dass ihm die Rückkehr in die Bundesliga sehr, sehr gut tun wird, das ist seine Liga, hier wird er es allen zeigen können (auch wollen), was er wirklich kann. Ich glaube, dass er es hier in Deutschland besser kann als irgendwo anders auf der Welt. Dass der (frühere?) Nationalspieler gleich so präsent war im HSV-Spiel, das fiel angenehm auf, denn in der Tat hat der HSV davon kaum Spieler in seinem Team gehabt, die so etwas können und wollen. Holtby zu seinem ersten Auftritt: „Ich habe gleich gesagt, dass ich diese Führungsrolle auf dem Platz gerne übernehmen möchte. Ich möchte mich nicht verstecken, und das weiß der Trainer. In der Zusammenarbeit mit dem Trainer-Team hat das bisher sehr gut geklappt, ich hoffe, dass wir daran an den nächsten Tagen noch schrauben werden, dass wir das auch in der Bundesliga dann zeigen können.“

 

Das sah zum Anfang nicht nur gut aus, das war auch in den Augen von Lewis Holtby schon gut: „Wir haben gewonnen, wir haben zu null gespielt, und die Sonne scheint – alles ist bestens. Darauf können wir aufbauen.“ Muss ja auch. Auf was sonst? Denn bislang hat der HSV null Tore geschossen und nur einen Punkt auf der Habenseite. Spürt Holtby eine gewisse Verunsicherung in seinem neuen Team? Er sagt: „Natürlich können wir alle damit nicht zufrieden sein, aber für uns gilt jetzt, diesen Länderspielabschnitt dazu zu nutzen, die Köpfe frei zu bekommen, das wir nach vorne schauen, dass wir auch wieder auf die Siegerstraße kommen. Von daher müssen wir uns alle richtig auf die Brust klopfen und uns sagen, dass wir gerade im Derby gegen Hannover einfach eine Reaktion zeigen, Geschlossenheit zeigen. Und so wie es Didi Beiersdorfer gesagt hat, eine Identifikation abgeben, auch mit den Fans zusammen, mit jedem, der im Club involviert ist – dass wir einfach Hamburg wieder stolz machen. Und dass wir den Club, der ja riesig ist in Deutschland, einfach wieder ins Licht führen.“

 

Hey, das klingt aber mal gut. Hoffentlich gelingt dieses Vorhaben auch.

 

Dazu passt natürlich die Meldung, dass sich Pierre-Michel Lasogga im Testspiel gegen den VfR Neumünster nicht schwerer verletzt hat. Der 22-Jährige musste am Donnerstagabend in der Partie kurz vor der Pause wegen Knöchelproblemen ausgewechselt werden, es wurden schon schlimmste Vermutungen geäußert, aber am Freitag stand Lasogga dann doch schon wieder auf dem Platz. „Alles gut bei Lasogga. Er kämpft verbissen um jeden Ball“, twitterte der HSV und veröffentlichte zudem ein Video, das den Top-Torjäger gut gelaunt beim Fußball-Tennis zeigt. Also absolute Entwarnung. In diesem Fall.

Ansonsten haben Ivo Ilicevic, Rafael van der Vaart und Tolgay Arslan heute wieder individuell im Stadion trainiert. Und auf dem Rasen ließen sich heute Slobodan Rajkovic und Gojko Kacar mit Reha-Trainer Markus Günther blicken, auch bei diesen beiden Spielern geht es so langsam wieder bergauf.

 

Dann möchte ich noch einmal auf eine gute und große und tolle Sache hinweisen, die es an diesem Sonntag in unserer Stadt zu sehen gibt. Alles für einen guten Zweck:

 

Das Fußballfest am Millerntor feiert Jubiläum mit Weltmeistern von 1954, 1974 und 1990
Franz Beckenbauer, Jupp Heynckes und Michael Ballack entern Hamburg

 

„Uns Uwe“ Seeler, „Kaiser“ Franz Beckenbauer und „Capitano“ Michael Ballack – nur drei der ganz großen Mannschaftskapitäne, die Fußballgeschichte geschrieben haben und beim zehnten „Tag der Legenden“ dabei sind. Unter dem Motto „Die Kapitäne entern Hamburg“ stürmen an diesem Sonntag legendäre Spielführer und insgesamt rund 70 Fußballhelden aus drei Generationen das Stadion am Millerntor.

 

Für das Benefiz-Fußballfest von Reinhold Beckmanns Jugendinitiative NestWerk e.V. kehrt Jupp Heynckes zum ersten Mal nach dem Triple-Gewinn mit Bayern München auf die Trainerbank zurück. Co-Trainer ist Rainer Bonhof, ebenfalls Weltmeister 1974. Anstoß ist um 14.45 Uhr. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Bereits um 10.30 Uhr beginnt ein großes Familien-Unterhaltungsprogramm auf der „Actionmeile“ vor dem Stadion mit Showbühne, Mitmachangeboten sowie Imbiss- und Getränkeständen.

 

Zum zehnten Mal schnüren Dutzende frühere Bundesligaprofis ihre Fußballschuhe zugunsten von NestWerk e.V. Seit der Premiere im Jahr 2005 liefen 223 Legenden auf, darunter 23 Welt- und 36 Europameister. Vergangenes Jahr siegte „Team Hamburg“ gegen „Team Deutschland und den Rest der Welt“ mit 4-3 Toren.

 

Rund 1,75 Millionen Euro kamen bisher durch den „Tag der Legenden“ für die Jugendarbeit zusammen. Die vor 15 Jahren gegründete Initiative NestWerk e.V. fördert in benachteiligten Hamburger Stadtteilen Kinder und Jugendliche u.a. mit kostenfreien Sport- und Musikprojekten, die von Pädagogen und Sozialarbeitern betreut werden und Respekt, Fairness, Toleranz und Solidarität vermitteln. Vergangene Schirmherren waren u.a. Altkanzler Gerhard Schröder, CDU-Politikerin Ursula von der Leyen und im Vorjahr Michael Schumacher. Die Schirmherrschaft zum Jubiläum des legendären Matches übernimmt Franz Beckenbauer.

 

Initiator Reinhold Beckmann: „2005 begann alles mit einer Idee und ein paar Wunschlegenden. Keiner ahnte, was daraus wird, und wer später alles ans Millerntor kommen würde: Beckenbauer, Seeler, Netzer, Breitner, Matthäus und, und, und. Ein besonderer Moment war die Teilnahme von Kevin Keegan 2011. Von der ersten Stunde an war das ein Ziel: Mighty Mouse am Millerntor.“

 

Ihr Debüt beim Match „Hamburg gegen Deutschland und den Rest der Welt“ geben u.a. Arne Friedrich (WM-Dritter 2006), Rekord-Bundesligaspieler Karl-Heinz „Charly“ Körbel, der Vize-Weltmeister von 2002, Carsten Jancker, Ex-HSV-Sportdirektor Oliver Kreuzer, Ghanas früherer Nationalspieler Hans Sarpei und der Holländer Frank Verlaat, früherer Werder-Bremen- und Stuttgart-Profi. Weiterhin stehen im „Team Deutschland“ u.a. die Weltmeister von 1990, Stefan Reuter, Thomas Berthold und Olaf Thon, sowie die Europameister von 1996, Jens Nowotny, Markus Babbel und Fredi Bobic.

 

Für „Team Hamburg“, betreut von Helmut Schulte, laufen zahlreiche HSV- und Pauli-Heroen auf. Erstmals dabei ist St.Pauli-Urgestein Fabian Boll, außerdem u.a. Rachid Azzouzi, Manfred Kaltz, Thomas von Heesen, Bernd Hollerbach, Thomas Meggle, Sergej Barbarez, Matthias Scherz, Thomas Doll, Otto Addo und André Trulsen.

 

Stadion-Moderatoren sind Lou Richter und Arnd Zeigler. Sport1 berichtet ab 11 Uhr bis 16.30 Uhr live. Am Abend feiern rund 600 Gäste wie Udo Lindenberg, Rafael van der Vaart und Partnerin Sabia, Monica Lierhaus oder Steffen Hallaschka die Benefiz-Gala “Nacht der Legenden”. Im Kiez-Theater “Schmidts Tivoli” treten dann Künstler wie Peter Maffay, die Rainbirds und Ina Müller zugunsten von NestWerk auf.

 

Um schnell noch einmal auf Reinhold Beckmann und Kevin Keegan zurück zu kommen. Die Mighty Mouse war 2011 begehrt wie sonst kaum einer. Schon im und vor dem Hotel herrschte ein Ausnahmezustand. Und ich brauchte unbedingt ein Interview, so war die Vorgabe der Chefs. Also machte ich mich an Vereins-Manager Bernd Wehmeyer ran, der ist der beste deutsche Freund von Keegan und hat immer mal wieder Kontakt mit ihm. Und Wehmeyer half in der Tat. Und wie. Total außergewöhnlich. Indem er Keegan von meinen Nöten erzählte – und der Brite machte ein besonderes Interview möglich. Eigentlich hatte er keine Minute mehr Spielraum dafür, aber er half trotzdem. Ich rief Bernd Wehmeyer während des Legenden-Spiels an, und er saß – was für ein Zufall (?) – genau dann auf der Spielerbank, als Keegan ausgewechselt wurde. Und Wehmeyer übergab sein Handy an Kevin Keegan, sodass ich mit ihm, der noch etwas außer Atem auf der Bank saß, doch noch sprechen konnte. Sensationell und unvergessen. So etwas wird es wohl nie wieder geben – jedenfalls mit Keegan nicht.

 

Ja, und dann möchte ich noch kurz auf den heutigen Matz-ab-Artikel im Hamburger Abendblatt (Seite zwei) zu schreiben kommen. Dazu habe ich mehrere Mails erhalten, eine davon war etwas Besonderes. Es schrieb mir dazu ein ehemaliger Tagesschau-Chefsprecher folgenden Beitrag (vielen, vielen Dank dafür!):

 

Sehr geehrter Dieter Matz,

mein Name ist Rumpelmerlin. Der deutet darauf hin, dass Vorfahren meinerseits in Zauberkreisen tätig waren. Eine von mir angestrebte Ahnenforschung hat nun ans Licht gebracht, was ich schon immer vermutete: Ein Vorfahre aus grauer Zeit war entweder der Zauberer von Oz oder Merlin oder dieser kleine griesgrämige Zwerg, den sie in germanischen Gefilden Rumpelstilzchen nennen. An letzteren glaube ich allerdings nicht, da meine Statur doch etwas wohlgeformter ist.
Wenn ich meine hellseherischen Fähigkeiten in Relation ziehe, scheinen meine Gene eher mit Merlin oder – noch weiter zurück in die Vergangenheit – mit der Pythia, also dem Orakel von Delphi, verwandt. So habe ich denn, um bei Ihrem Artikel zu bleiben, schon in der vergangenen Saison vorausgesagt, dass es der HSV schwer haben wird, die Liga zu halten. Dass er es letztendlich doch noch geschafft hat, lag an einem mir nicht bekannten Hexenmeister aus dem Osten, der an den Gehältern der Hamburger Kicker prozentual beteiligt ist. Sein bester und stärkster Öko-Zauberspruch wirkte gerade nochmal. Ob er das in der laufenden Saison ebenfalls erreichen wird, wage ich zu bezweifeln. Die bisherigen Ergebnisse beweisen, dass er als Magier der Schwarzen Kunst langsam seine Kräfte verliert.
Ich versuche nun aus Ihren lesenswerten Artikeln Kräfte zu sammeln, zu bündeln und zu deuten, die mir am Ende als Orakel von Lokstedt helfen sollen, diesen Club doch noch schwarzseherisch umzukrempeln und damit zu retten. Es liegt also auch an Ihnen, ob mir das schließlich gelingen kann.

Mit Abrakadabra-Grüßen
Ihre
Jopythia von Lokstedt

 

Wie gesagt, ein herzliches Dankeschön dafür. Und dann sei zum Schluss noch erwähnt, dass am Sonnabend und Sonntag beim HSV nicht trainiert wird. Aber dafür gibt es ja den „Tag der Legenden“ . . .

 

PS: Mit unserem letzten „Matz ab live“ nach dem Paderborn-Spiel hatten wir in den ersten fünf Minuten leichte (bis schwerere) Ton-Probleme. Deswegen sind die ersten fünf Minuten auch gekappt worden. Leider ist dabei auch die Vorstellung der beiden Gäste „verschütt“ gegangen. Da ich vielfach darauf angesprochen worden bin, wer diese Männer sind, möchte ich Manfred Lorenz und Bert Ehm kurz, ganz kurz vorstellen. Beide sind jenseits der 60, beide haben in Hamburg viele Amateur-Vereine trainiert, Lorenz war lange Zeit Co-Trainer von HSV-Trainer Ralf Schehr (Chef der Zweiten), und Bert Ehm ist der erfolgreichste Trainer der Nachkriegszeit in Hamburg, keiner hat mehr Meisterschaften und Aufstiege gefeiert, als er.

Leider auch über Bord gegangen ist mein Lob, mein spontanes Lob für „Scholle“, der hier (im Blog) vielfach hart angegriffen und attackiert worden ist, aber völlig zu Unrecht. „Scholle“ hat alle Neuzugänge des HSV gewusst und geschrieben, er lag in allen Fällen richtig, und dafür möchte ich mich bei ihm bedanken, wahrscheinlich im Namen all jener, die ihn nicht attackiert, sondern die ihm geglaubt haben.
„Scholle“, das war eine Super-Arbeit! Gratulation, Du hast „Matz ab“ immer weit nach vorne gebracht.

18.07 Uhr

Ab nach Asien – Kreuzer sieht Annäherung in Gesprächen mit Calhanoglu

4. Januar 2014

Auf Wiedersehen, HSV! Heute am frühen Nachmittag sind 26 Profis plus Betreuer aufgebrochen Richtung Dubai, Indonesien und Abu Dhabi. Schon gestern war eine Delegation mit viel Gepäck vorgeflogen. Insgesamt 1,2 Tonnen Gepäck hat der Tross mit dabei. Ein Trainingslager als Großprojekt.

Aber es lohnt sich ja auch. Vielleicht nicht gerade vom Erholungswert, denn gerade die ersten Tagen sind Gift für den Körper. 20 Stunden nach Jakarta, der größten Stadt in Südostasien. 28 Millionen Menschen leben dort im Großraum dieser Metropole. Am Montag bestreitet der HSV um 20 Uhr Ortszeit (14 Uhr deutscher Zeit) ein Freundschaftsspiel gegen Arema Cronus. Diese Partie findet in Malang statt, etwa 900 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Die Hamburger sind dorthin mit einer Charter-Maschine unterwegs. Vielleicht gibt es im Internet Bilder zu fischen. Für findige Surfer: das Spiel wird in Indonesien auf dem Kanal MNCTV übertragen.

Etwa 450.000 Euro erhält der Verein für die Reise. Eine Viertelmillion von der DFL, den Rest vom Veranstalter in Indonesien. Viel Geld, und wir haben hier schon oft und ausführlich beschrieben, dass der HSV auf jeden Cent angewiesen ist. Mehr zu diesem Thema dann am Ende dieses Blogs.

Sportchef Oliver Kreuzer hat sich vor dem Abflug noch geäußert zu den beiden wichtigsten Personalien derzeit: Pierre Michel Lasogga und Hakan Calhanoglu. Was Lasogga angeht, haben sich Kreuzer und Hertha-Manager Michael Preetz in den vergangenen Tagen über diverse Zeitungen die Bälle zugespielt. Heute sagte Kreuzer: „Ich habe über die Jahreswende mit Michael Preetz telefoniert. Er kennt ja das Geschäft. Es ist normal und nicht verwerflich, wenn wir uns mit dem Spieler und seiner Mutter, die ihn berät, unterhalten. Dabei lassen wir es im Moment auch. Zum gegebenen Zeitpunkt werden wir sehen, was Sache ist.“

Der richtige Zeitpunkt für Entscheidungen ist demnach jetzt noch nicht gegeben. Das sieht auch Lasogga so. „Mich interessiert das gerade gar nicht. Wir fahren jetzt ins Trainingslager. Die Spekulationen gehören zum Fußball und behindern mich nicht. Der Rest wird im Sommer entschieden, wahrscheinlich“, so Lasogga. Im Sommer? Das ist dann wohl doch etwas zu spät. Der Stürmer weiter: „Wieso? Ich bin hier ausgeliehen bis 30. Juni und habe Vertrag in Berlin bis 2015. Es herrscht keine Panik.“ Das wollen wir doch mal hoffen und auch, dass Lasogga die Debatten in den kommenden Wochen nicht am Toreschießen hindern werden.

Etwas weiter mit den Gesprächen ist Oliver Kreuzer offenbar mit Stürmer Hakan Calhanoglu und dessen Berater. Hier geht es ja um eine vorzeitige Verlängerung über 2016 hinaus – vermutlich bis 2018. „Wir sind auf einem guten Weg und haben uns angenähert“, gab Oliver Kreuzer heute preis. Das hört sich doch gut an, zumal Calhanoglu „zwischen den Jahren“ mit einem Interview im türkischen Fernsehen eher Gegenteiliges sagte. Er sei schon immer ein Fan von Galatasaray Istanbul gewesen, so Calhanoglu in seiner Heimat, als er auf das Interesse der Gelb-Orangen angesprochen wurde.

Heute relativierte Calhanoglu: „Man ist als Kind immer ein Fan von einem Verein, bei mir ist es Galatasaray. Das habe ich nur so gesagt, und es ist falsch rübergekommen. Ich wollte es nicht so sagen. Ich bin jetzt in Deutschland. Ich will hier bleiben und zeigen, dass ich in der Rückrunde besser starten kann als in der Hinrunde.“ Was immer wieder auffällt: Calahanoglu geht es offenbar nicht nur um Geld und die Perspektive des Vereins, sondern auch um seine ganz persönliche Wertschätzung, die er genießt.

„Natürlich! Mein Ziel ist, weiterzuspielen. Ich habe auch noch andere Wünsche an den HSV. Vielleicht bekomme ich meine Rückennummer 10, das ist meine Lieblingsnummer. Ich fühle mich hier sehr wohl will dem Verein etwas bedeuten.“ Wenn das so ist, kann es ja wohl nur eine Lösung geben: Kreuzer schreibt dem jungen Türken die Rückennummer 10 auf Lebenszeit in den Vertrag – und dann her mit der Unterschrift!

Manchmal wundert man sich in diesem ach so harten Profi-Geschäft – wobei Calhanoglu heute eine weitere Schwäche einräumte. Er mag nämlich gar nicht gern lange fliegen. „Eine Stunde oder zwei sind kein Problem. Aber jetzt habe ich Angst. 20 Stunden im Flugzeug, das macht mir Angst!“ Das sagte Calhanoglu vor dem Abflug. Jetzt, bei der Veröffentlichung dieses Blogs, ist die Emirates-Maschine mit dem HSV an Bord vielleicht gerade im türkischen Luftraum – hoffentlich gibt ihm das Sicherheit für den Weiterflug.

Natürlich wurde vor dem Abflug heute auch noch einmal über die Bedeutung der Vorbereitungsphase gesprochen. Dass der Trip nach Indonesien alles andere als optimal ist, hat Trainer Bert van Marwijk mit seinen kritischen Worten bereits gestern verdeutlicht. Oliver Kreuzer erklärt aus Vereinssicht: „Wir wissen, es ist eine sehr anspruchsvolle Reise von der Belastung her. Aber das gehört nun mal dazu. Viele andere Mannschaften pflegen das auch, Bayern München beispielsweise. Für uns war nur wichtig, dass wir Indonesien an den Beginn des Trainingslagers legen, nicht ans Ende. Von daher ist das kein großes Problem.“

Zur Trainingsarbeit vor Ort in Abu Dhabi schaut Kreuzer voraus: „Ich glaube, es ist wichtig, dass van Marwijk fast den gesamten Kader zur Verfügung hat und noch intensiver arbeiten kann. Dann gehen wir im Prinzip top-vorbereitet in die Rückrunde.“ Stürmer Lasogga: „Wir bereiten uns jetzt ganz klar aufs erste Pflichtspiel gegen Schalke vor. Darauf sind jetzt schon alle fokussiert und da wollen wir im Trainingslager den Grundstein legen.“

Dazu gehören auch zwei weitere Testspiele gegen Vitesse Arnheim und Quairat Almaty aus Kasachstan. Diese beiden Spiele finden im riesigen Fußballstadion von Abu Dhabi statt. Vergangenes Jahr hatte das fast groteske Züge vor Ort, als der HSV dort auch schon kickte. Knapp 50.000 Zuschauer passen in die Arena, in der 2009 die Klub-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde. Als der HSV nun da war, sperrten ein Dutzend Ordner das Stadion hermetisch ab. Touristen aus Deutschland, auch wir als Reporter, durften zunächst nicht rein. Angst vor Überfüllung? Keine Ahnung. In den Emiraten nahm niemand von diesem Testspiel Notiz. Die HSV-Reise-Delegation um Bernd Wehmeyer und Marinus Bester hat vor Jahresfrist jedenfalls für den Einlass gesorgt, so dass in dem großen, grauen Kessel dann wenigstens 50 Zuschauer waren – alle aus Hamburg….

Mit Ronald Wulff und Ali Eghbal sind heute übrigens zwei Aufsichtsräte mit der Mannschaft ins Trainingslager geflogen.

Themenwechsel. Wie angekündigt geht es jetzt noch einmal um die vereinspolitische und wirtschaftliche Seite des HSV und um die Versammlung am 19. Januar. Dort werden ja insgesamt fünf Anträge besprochen, wie der HSV neu strukturiert werden soll. Drei von ihnen, „HSV-PLUS“, „Tradition mit Zukunft“ und „HSV-Reform“ haben wir hier immer wieder beleuchtet. Neben der Stiftungsidee gibt es dann auch noch „Rautenherz“, eine Initiative einiger begeisterter HSV-Anhänger, die – wie „HSV-PLUS“, aber doch mit entscheidenden Abweichungen – eine Ausgliederung der Profi-Fußballabteilung wollen.

Einer der Initiatoren ist Rainer Ferslev, 60 Jahre alt, Anwalt. Sein Spezialgebiet: Insolvenzrecht. Da liegt die Verbindung zum HSV bedauerlicherweise auf der Hand. Ferslev sagt: „Die wirtschaftliche Situation, in der der HSV steckt, ist die klassische Konstellation von Unternehmen, die in die Pleite rutschen. Die Kosten sind hoch und gehen nicht runter, irgendwann hat man eine Innnovation verpasst. Die aktuellen Zahlen sprechen für sich.“ Gemeinsam mit Martin Rüssel, 26 Jahre alt und Vertriebsmitarbeiter, hat Ferslev sein Modell entwickelt, das eine Ausgliederung in eine KG auf Aktien vorsieht.

Dem Wirtschaftslaien, und das werden die meisten der HSV-Mitglieder sein, die am 19. Januar ihre Stimme abgeben, ist der Unterschied zwischen AG, wie sie “HSV-PLUS“ möchte, und KG sicher nicht sofort klar. Ferslev: „Die meisten anderen Bundesligisten haben in eine KG ausgegliedert, nicht in eine AG. Wir legen Wert darauf, dass die Mitglieder weiter in Entscheidungen einbezogen werden. Der HSV hat 71.000 Mitglieder, das sind doch nicht alles Idioten, über deren Köpfe hinweg die wichtigsten HSV-Entscheidungen getroffen werden dürfen.“

Mit anderen Worten: Was die Veräußerung von Anteilen des HSV an Partner oder Investoren angeht, soll nach „Rautenherz“-Vorstellungen die Mitgliedschaft die entscheidende Mitsprache haben und behalten. „Das Mitspracherecht der Mitglieder bleibt ein zentrales Element“, verdeutlicht Martin Rüssel. Seinem Mitstreiter Ferslev geht „HSV-PLUS“ mit Beirat und Wahlausschuss, die entscheidenden Einfluss beim HSV haben sollen, zu weit. „Wir sind mutiger. Nach „HSV-PLUS“-Idee soll ein nicht kontrollierbares Gremium Kandidaten für den Beirat voraus wählen. Das wollen wir nicht.“

Und das ist wohl der Knackpunkt. Denn laut kritischen Stimmen gab es in den vergangenen Jahren ja gerade ein „zuviel“ an Mitglieder- bzw. Supporters-Einfluss, die wesentliche Fehlentscheidungen mit begünstigt und die aktuelle Zusammenstellung des umstrittenen Aufsichtsrates gefördert haben. So heißt es zumindest oft bei Befürwortern einer Ausgliederung.

Das genaue Organigramm von „Rautenherz“ könnt Ihr unter www.rautenherz.com oder im HSV-Vereinsheft nachschlagen. Deutlich ist für die Initiatoren aber ohne Diskussionsspielraum, dass generell ausgegliedert werden muss. Aus diesem Grund haben sie – neben ihrem eigenen Modell-Antrag – einen weiteren Antrag gestellt. Demnach soll der Vorstand, selbst wenn beide Ausgliederungskonzepte scheitern, mit irgendeiner Ausgliederungs-Umsetzung beauftragt werden. Anders sei der HSV wirtschaftlich nicht in den Griff zu bekommen.

„Bleiben wir in den alten Strukturen, müssen wir uns weiter mit Darlehen über Wasser halten“, sagt Martin Rüssel. „Und das wird auf Dauer sehr, sehr schwierig. Wir sind der Überzeugung, dass die Ausgliederung kommen muss. Es gibt keine Alternative.“ Andere Einnahmen, etwa aus internationalem Fußball, einzukalkulieren, sei im Moment nicht realistisch.

Noch ein paar konkrete Fakten, die „Rautenherz“ nennt: „Klaus-Michael Kühne“, so Rüssel, „hat sich seine acht Millionen Darlehen für Rafael van der Vaart mit acht Prozent verzinsen lassen. Dafür hat der Verein an Kühne sogar eine Grundschuld fürs Stadion eintragen lassen.“ Rainer Ferslev fährt fort: „Wir haben mit drei Unternehmern gesprochen, die Geld geben würden. Aber sie sagen, dass der HSV zunächst seine Hausaufgaben, sprich seine Ausgliederung, machen müsse.“

Insgesamt betonen Ferslev und Rüssel die Bedeutung neuer Strukturen für den HSV, sie zollen aber auch den aktuellen Verantwortungsträgern Respekt. „Wir wollen keine Spaltung vorantreiben oder Schuldzuweisungen von uns geben. Wir wollen zusammenstehen und erkennen die Arbeit von Carl Jarchow und Manfred Ertel hoch an. Wir haben auch Respekt vor Otto Rieckhoff und seinem Modell. Am Ende geht es um den HSV, schließlich ist es eher fünf nach zwölf als fünf vor“, so Rainer Ferslev.

In den vergangenen Wochen war „Rautenherz“ auch verstärkt auf Info-Veranstaltungen von Fanclubs, zum Beispiel am heutigen Sonnabend-Abend gemeinsam mit „HSV-PLUS“ in Obernkirchen. Freilich können die Rautenherzler personell nicht so auftrumpfen wie Otto Rieckhoff mit seinen Mitstreitern Hieronymus, von Heesen, Jakobs, Dr. Klein und anderen – das könnte sich nach heutigem Stand als negativ für ihre Chancen am 19. Januar herausstellen. Denn natürlich ist am Ende nicht nur eine Idee entscheidend, sondern auch die Personen, die eine Idee umsetzen.

Dritter Antrag von „Rautenherz“ ist der nach er Einführung einer Brief-und Fernwahl. Martin Rüssel: „Wir wollen die Mitbestimmung erleichtern. Das Anliegen, seine Stimme beim HSV abzugeben, ist bei allen Vereins-Mitgliedern im Bundesgebiet sehr hoch. Aber anzureisen zu einer Versammlung wie am 19. Januar ist oft ein unüberbrückbarer Organisations- und Kostenaufwand.“ Daher soll nun noch einmal über die Briefwahl und ein sogenanntes „Televoting“ abgestimmt werden. Das bedeutet, dass in bestimmten Orten in Deutschland Treffpunkte von HSV-Mitgliedern geschaffen werden sollen, damit die Leute dann von dort aus ihre Stimme ins CCH schicken können.

Für heute schließe ich mit einer Gratulation an Jonathan Tah. Er ist beim HSV vor Pierre Michel Lasogga und Marcell Jansen zum Spieler der Hinrunde gewählt worden.

Für heute einen schönen Abend
Lars

18.14 Uhr

Klasse Treffen, dieses Klassentreffen!

8. September 2013

Herzlichen Dank, Hamburg. Und auch ein dickes Danke an Veranstalter Reinhold Beckmann. Das war, trotz des Regens, mal wieder ein ganz tolles Fußball-Fest, über das in Hamburg sicherlich noch die nächsten Tage gesprochen wird. Der „Tag der Legenden“ sorgte für Spaß bei den Alt-Stars und für riesige Begeisterung bei den Fans. Eine richtig runde Sache für einen guten Zweck, denn die Einnahmen dieses Highlights kommen den Projekten von „NestWerk e.V.“ zugute, bislang sind durch diese unvergesslichen Tage mit den Legenden schon über, 14 Millionen Euro eingespielt worden; an diesem Sonntag betrug die Summe 260 000 Euro – hervorragend. Und weiter so. Die nächste Veranstaltung für 2014 wird bereits seit heute geplant und organisiert. Danke Hamburg auch deswegen, weil es diesem Spiel einen neuen Zuschauerrekord gegeben hat, im Stadion waren über 25 000 Fußball-Fans – und bei weitem nicht nur St. Paulianer. Mehr als 100 ehrenamtliche Helfer halfen, aus diesem Spiel etwas ganz Besonderes zu machen – das war Fußball und Spaß mit Herz. Hamburg hat übrigens gewonnen, es hieß am Ende 4:3 für die Mannschaft von der Elbe, die damit endlich einmal wieder gewonnen hat. Zur Halbzeit hieß es bereits 4:2, daran sieht man, wie ernst dieses Spiel von allen genommen wurde – im zweiten Durchgang nur noch ein Tor.


Um einmal mit den Spielern zu beginnen. Aus HSV-Sicht waren folgende Altmeister dabei: Thomas Doll, Thomas von Heesen, Vahid Hashemian, Mehdi Mahdavikia, Heinz Gründel, Richard Golz, Martin Pieckenhagen, Jochen Kientz, Jörg Butt, Nico Hoogma, Stefan Schnoor, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Hasan Salihamdizic, Thorsten Fink, Otto Addo, Wolfgang Rolff, Collin Benjamin, Ian Joy, Bastian Reinhardt, Manfred Kaltz und als Betreuer Bernd Wehmeyer und Jimmy Hartwig. Masseur war, wie immer, Hermann Rieger, der diesmal einen besonderen Auftritt hatte, denn er wurde von Schirmherr Michael Schumacher (spielte später sogar noch mit!) auf den Platz „gerast“. Für Team Deutschland waren die ehemaligen HSVer Markus Babbel, Andreas Reinke und Claus Reitmaier dabei. Besonders bejubelt wurde Uwe Seeler, der direkt aus dem Urlaub kam und zur zweiten Halbzeit den Rasen betrat, gemeinsam mit Reinhold Beckmann. Trainer der Hamburger war Helmut Schulte, der das HH-Team aus HSV und St. Pauli klug und clever eingestellt hatte. Schulte war aus Wien angereist, aus den Niederlanden kam Nico Hoogma, und am Vormittag war Mehdi Mahdavikia aus Teheran eingeschwebt. Das ist Einsatz für eine gute Sache. Jörg Butt war aus München gekommen, durfte aber, weil es bereits zwei Torhüter pro Mannschaft gab, nur im Feld spielen. Er nahm es gelassen: „Egal, die Hauptsache ist, dass ich überhaupt mitspielen und helfen kann, dieses Spiel ist eine Super-Sache.“ Wie ein Klassen-Treffen, wobei ich immer gesagt habe: ein klasse Treffen! Und es folgt ja jetzt noch die „Nacht der Legenden“, die ist auch immer legendär!

Für die deutsche Mannschaft war (fast) alles was im Fußball Rang und Namen hat, dabei. Michael Ballack feierte seine Premiere, dazu spielten mit Thomas Helmer, Stefan Reuter, Christian Wörns, Thomas Berthold, Dieter Eilts, Tim Borowski, Lothar Matthäus, Jürgen Klopp, Patrick Owomoyela (gebürtiger Hamburger), Lars Ricken, Michael Schulz, Youri Mulder, Olaf Thon, Fredi Bobic, Ulf Kirsten, Karlheinz Riedle, Alexander Zickler und viele mehr. Trainer war Matthias Sammer.

Hamburg legte einen Blitzstart hin, die St. Paulianer Michael Dinzey (1:0) und Marius Ebbers (der am Freitag noch zwei Tore für seinen neuen Club, Landesliga-Verein VfL 93, geschossen hatte) sorgten für ein schnelles 3:0 – Ebbers traf dabei erneut zweimal. Der agile Maurizio Gaudino sorgte per Hacke für das 1:3, dann verwandelte Sergej Barbarez einen Foulelfmeter (einer mit einer besonderen Geschichte – die gleich noch folgen wird) zum 4:1, Tim Borowski verkürzte noch vor dem Seitenwechsel, und dann traf nur noch Alexander Zickler zum 3:4- Endstand. Besonders zu loben waren bei diesem Spiel die Torhüter Richard Golz, Martin Pieckenhagen (beide Hamburg) sowie Claus Reitmaier und Andreas Reinke, die alle überragend hielten. Gerade so, als stünden sie noch immer im besten Saft . . .

Viel Pech hatte Keeper Reitmaier, der in der 22. Minute mit Dinzey zusammengeprallt war. Der ehemalige HSV-Torwarttrainer musste schwerer verletzt ins Krankenhaus gefahren werden, er hat sich mindestens einen Nasenbeinbruch zugezogen. Dinzey erlitt eine stark blutende Kopfplatzwunde, konnte später aber weiterspielen. Für diesen Zusammenprall hatte Schiedsrichter Walter Eschweiler auf den Elfmeterpunkt gezeigt – daraus entwickelte sich dann der Hamburger Siegtreffer . . . Kurios: Weil die Vorstellung aller Spieler zu lange gedauert hatte, dauerte die erste Halbzeit nur 38 Minuten – und nach insgesamt 81 Minuten wurde die Partie dann auch vorzeitig beendet. Sport 1, der übertragende Sender (sogar der Doppelpass kam aus dem Stadion am Millerntor), hat ja noch andere Programm-Aufträge zu erfüllen . . .

Aber, um das nicht zu vergessen, gute Besserung, lieber Claus Reitmaier!

Auch wenn das Spiel zehn Minuten gekürzt über die Bühne ging – es war großartig. Und Initiator Reinhold Beckmann, vor, während und nach dem Spiel die Ruhe in Person, verriet seinen zurzeit größten Wunsch (einen hat er pro Jahr frei!): „Ich habe immer die Hoffnung, irgendwann in zehn Jahren spielt hier dann auch mal Lionel Messi.“ Und dazu dann noch Mesut Özil und Cristiano Ronaldo, das hätte schon was. Es geht auf jeden Fall weiter, und träumen darf man ja wohl mal.

In Hamburg blieb übrigens alles friedlich, im Gegensatz zum Vortag bei unseren Nachbarn an der Weser:

Eine Schlägerei mit fast 40 Beteiligten hat nach dem Abschiedsspiel von Torsten Frings die Bremer Polizei beschäftigt. Bei dem Handgemenge im Ostkurvensaal des Weserstadions wurde am Sonnabend auch ein Rollstuhlfahrer durch einen umfallenden Stehtisch schwer am Kopf verletzt. Ein Notarzt versorgte den 45-Jährigen und brachte ihn in ein Klinikum.
Nach Angaben der Polizei hatte eine Gruppe von fast 40 Fußballfans den Saal betreten und sofort drei am Tresen stehende Männer angegriffen. Dabei wurde der Stehtisch umgerissen und der Rollstuhlfahrer verletzt. Auch zwei der attackierten Fans mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Angreifer flüchteten zu Fuß, die Polizei ermittelt wegen besonders schweren Landfriedensbruchs gegen die Gruppe.

So, und dann gab es noch folgende Meldung über den (und vom) HSV:

Der angeschlagene HSV-Kapitän Rafael van der Vaart hofft auf einen Einsatz am kommenden Samstag im Bundesligaspiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund. „Ich tue alles dafür. Ich hoffe, dass es klappt. Vergangene Saison haben wir dort beim 4:1-Sieg unser wohl bestes Spiel gemacht“, sagte der 30-Jährige der „Bild am Sonntag“. Er war zuletzt beim 4:0 gegen Eintracht Braunschweig mit Problemen in der Oberschenkelmuskulatur ausgewechselt worden.

Auch bei HSV-Coach Thorsten Fink herrscht noch Unklarheit, ob er beim BVB auf den niederländischen Fußball-Nationalspieler setzen kann. „Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Er muss bis Mittwoch trainieren können, um dabei sein zu können. Donnerstag, Freitag würde mir wahrscheinlich zu eng werden“, sagte Fink am Sonntag am Rande des „Tags der Legenden“. Als van-der-Vaart-Ersatz würde er auf den 19-jährigen Hakan Calhanoglu zurückgreifen: „Wenn Rafael fehlen wird, wird er seine Rolle einnehmen. Und ich habe dann auch keine Angst.“

Van der Vaart traut dem türkischen Neu-Nationalspieler, der gegen Braunschweig als Joker mit zwei Toren für Furore gesorgt hatte, seine Nachfolge zu: „Die Qualität besitzt er. Aber man sollte ihm nicht zu viel Druck machen. Er steht ja noch am Anfang seiner Karriere.“

Auf die Frage, wer der Adressat seiner Herzjubel-Geste nach seinem jüngsten Treffer in der Hamburger Arena war, erklärte van der Vaart der „Bild“: „Meine große Liebe Sabia und mein Sohn Damian auf der Tribüne. Der Kleine hatte als Einlaufjunge an meiner Hand Glück gebracht, und wir werden diese Prozedur so lange bei Heimspielen wiederholen, bis wir wieder mal verlieren. Er ist ab jetzt mein persönlicher Talisman.“

Welche Schlagzeile er am Saisonende lesen wolle? „Privat am liebsten kein Wort. Beruflich: Hurra, HSV wieder in Europa!“ Sein Glaube ans Saisonziel Europa League sei „ungebrochen“. Kritisch äußerte sich van der Vaart über den inzwischen an den FC Schalke 04 ausgeliehenen Dennis Aogo, der mit seinem Mallorca-Trip für Schlagzeilen gesorgt hatte: „Natürlich war es seine Privatsache, dorthin zu reisen. Aber nach dem 1:5-Desaster gegen Hoffenheim war diese Reise sicherlich das falsche Signal, nicht besonders schlau.“

Öffentlich hat sich an diesem Wochenende auch wieder einmal ein Österreicher zu Wort gemeldet:

Ex-HSV-Enfant-terrible Paul Scharner (33) zieht eine triste Karrierebilanz. „Nur fünf Jahre und drei Monate war ich glücklich und zufrieden. Ja, das ist erschütternd“, sagte er dem ORF. „Ich habe Einstellungen, die sind im Fußball nicht lebbar.“ Für seine Nationalelf wurde er 2012 lebenslang gesperrt, hält sich aber zugute: „Ich lege mich ja nicht mit jedem an. Ich bin ein Erfolgsdenker.“

PS: Morgen, am Montag, wird beim HSV um 16 Uhr trainiert – Volkspark.

PSPS: Im Laufe des Sonntagabends wird hier noch ein Video-Bericht vom “Tag der Legenden” veröffentlich, die Kamera (und die ganze Bearbeitung) hatte – wie immer – Axel Leonhard bestens im Griff, die Interviews (jedenfalls die meisten) durfte ich führen.

PSPSPS: Die Zweite des HSV verlor das Regionalliga-Auswärtsspiel bei Eintracht Norderstedt mit 0:1 und steht nun auf Tabellenplatz zehn.
Das als kurze Ergänzung: Ich habe mit meinem Freund Bert Ehm gesprochen, der ist Trainer von Germania Schnelsen und sah sich Norderstedt gegen HSV II an. Sein Kurz-Kommentar: “Ich bin nicht nicht enttäuscht, ich bin total entsetzt und tief erschüttert. Wenn das der Bundesliga-Nachwuchs des HSV sein soll, dann ist es wirklich schlimm um den Verein bestellt. Das war ja gar nichts. Der HSV hat sich von Norderstedt, einem bis dahin sieglosen Aufsteiger, an die Wand spielen lassen. Jawohl, an die Wand spielen lassen. Der Sieg war verdient und ist noch viel zu knapp ausgefallen. Die Eintracht hat Fußball gespielt, richtig gut, schnell, ideenreich, engagiert, aggressiv – aber genau so hatte ich den HSV erwartet. In einem Derby! Der HSV aber war lahm, pomadig und blutleer, kein Kampf, kein nichts – unfassbar!”
Und unglaublich: Von Robert Tesche und Gojko Kacar war nichts zu sehen. Nicht etwa deshalb, weil sie schlecht waren – nein, sie waren gar nicht dabei. Es spielte auch – trotz der Länderspiel-Pause – kein einziger Profi des HSV mit. Vornehm geht die Welt zu Grunde . . .
Das verstehe, wer will.

17.21 Uhr

Glückwunsch, ihr Helden von 1983!

25. Mai 2013

Und es begab sich zu jener Zeit, als Borussia Dortmund seinen Trainer Jürgen Röber vor die Tür setzen wollte. Fußball-Deutschland schrieb damals das Jahr 2007, es lief der dritte Monat des Jahres. Der frühere HSV-Profi Thomas von Heesen verhandelte geheim und total im Verborgenen mit Hans-Joachim Watzke, dem BVB-Macher. Beide Herren wurden sich einig, die Borussia setzte einen Vertrag auf, den Watzke unterschrieb und den von Heesen noch heute in seiner Schreibtischschublade zu liegen hat. Der frühere Hamburger hätte nur unterschreiben müssen, dann wäre er BVB-Trainer geworden, aber er wollte noch ein, zwei Tage abwarten. Und las dann zu seinem Entsetzen, dass das Geheimtreffen zwischen ihm und Watzke in aller Ausführlichkeit in der „Bild“ stand. Da von Heesen nichts verraten hatte (das wusste er hundertprozentig!), konnte das nur von der „anderen Seite“ gekommen sein – und Thomas von Heesen sagte der Dortmunder Borussia ab. Weil er einen solchen Vertrauensmissbrauch nicht ganz so gut ertragen konnte. Thomas Doll wurde dann vom BVB geholt – auch ein Hamburger.
Warum ich das aber schreibe? Wer nun schon eins und eins zusammenzählen kann, der weiß jetzt schon mal Bescheid.

Und es begab sich zu jener Zeit, als der HSV auf Sportchef-Suche war. Fußball-Deutschland schrieb das Jahr 2013, es lief (und läuft) gerade der fünfte Monat im Jahr. Da traf sich der HSV – ganz, ganz geheim – im Flughafen-Hotel mit zwei seiner aussichtsreichen Sportchef-Kandidaten, nämlich Oliver Kreuzer und Jörg Schmadtke. Und diese beiden Herren erlebten auch etwas höchst Seltsames. Zu ihren Geheimtreffen waren auch zwei Reporter von „Bild“ „geladen“ worden. Natürlich nicht von Kreuzer, auch nicht von Schmadtke. Diese beiden Herren hatten geglaubt, dass ein Geheimtreffen auch geheim verlaufen würde. „Bild“ aber war dabei. Gut recherchiert, die Herren. Wobei gleich zwei „Bild“-Herren in einem Hotel warteten. Das war schon ein Volltreffer. Und ich als Kollege kann den „Bild“-Kollegen nur gratulieren, sie haben wieder einmal eine Super-Nase bewiesen – und gehabt. Glückwunsch dazu. Soll nun aber niemand damit kommen, dass dieses Geheimtreffen auf irgendeine Art und Weise vom HSV, vermutlich sogar vom Aufsichtsrat, verraten worden ist. So war es bestimmt nicht. Ich frage mich allerdings, ob sich nun der „Fall von Heesen“ wiederholt? Charakterstarke Menschen mit Prinzipien würde wahrscheinlich denken, dass dieses Geheimtreffen verraten worden ist, und wenn sie dann, diese charakterstarken Menschen, noch viel mehr Charakter haben, dann verzichten sie wie einst Thomas von Heesen darauf, die Nachfolge von Frank Arnesen anzutreten. Ich bin mal gespannt, wie sich das noch entwickeln wird, wie stark die Charaktere der Herren Kandidaten sind . . .

Ansonsten wird heute, am Sonnabend, wohl nichts passieren – in Sachen Sportchef. Fußball-Deutschland denkt und lebt heute englisch. Da ich schon mehrfach gefragt worden bin, was ich bei Bayern – Dortmund tippe, will ich damit nicht hinterm Berg halten. Ich würde mich sehr über einen BVB-Sieg freuen, vor allen Dingen für Jürgen Klopp, dessen größter Fan ich bin, aber ich tippe auf einen lockeren 4:0-Sieg der Münchner. Die werden so abgezockt sein, dass sie schneller und besser Herr ihrer Nerven werden. Denke ich jedenfalls. Mal abwarten.

Heute vor 30 Jahren hat ja auch der Außenseiter gewonnen. Zum Glück. Das war fantastisch, dieser 1:0-Erfolg des HSV in Athen über Juventus Turin. Natürlich war das fantastisch, was denn sonst? Stein, Kaltz, Hieronymus, Jakobs, Wehmeyer, Groh, Rolff, Milewski, Magath, Hrubesch, Bastrup und von Heesen (kam in der 56. Minute für den verletzten Bastrup) werden auf ewig die HSV-Helden sein, und das 1:0 von Felix Magath hat sich längst für immer in die Köpfe von Millionen Fußball-Fans „eingebrannt“. Eine herrliche Zeit. Der HSV ganz oben in Europa.

Dass der HSV danach noch zwei Bundesliga-Spiele zu bestreiten hatte, nur drei Tage nach dem Triumph von Athen im Volkspark gegen Dortmund anzutreten hatte, das ist wahrscheinlich nicht mehr jedem HSV-Fan gegenwärtig. Die Borussia vom Borsigplatz wurde mit 5:0 besiegt (zweimal Horst Hrubesch, Jürgen Milewski und zwei Elfmetertore von Manfred Kaltz sorgten für diesen Erfolg), und dann ging es auf Schalke, wo der HSV durch Tore von Hrubesch und Wolfgang Rolff 2:1 gewann und Deutscher Meister wurde. Dank des besseren Torverhältnisses vor Werder Bremen. Irritiert war und bin ich immer noch, dass Ernst Happel, der Meistertrainer, damals sagte: „Die Meisterschaft bedeutet mir mehr als der Europapokal.“

Mir wäre heute beides lieber, aber das steht auf einem anderen Stück Papier.

Als im Sommer 1983 dann Horst Hrubesch den HSV verlassen musste (Standard Lüttich), begann der Abstieg dieser großartigen Mannschaft. Das „Kopfball-Ungeheuer“ war der Kopf dieses Teams, er hatte alle und alles im Griff, als er ging, entstand ein Vakuum, dass nie zu schließen war. Leider. Zumal die „Ersatzleute“, die dann verpflichtet worden waren, nämlich Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke, sich bedauerlicherweise nur als „Rohrkrepierer“ erwiesen.

Abschließend sei gesagt: Herzlichen Glückwunsch, ihr Helden von 1983, ihr habt den Namen HSV noch größer und populärer gemacht, ihr habt das größte Stück Vereinsgeschichte geschrieben – und dafür danke ich euch immer wieder.

Ich weiß ja, dass der eine oder andere Held hier mitliest (sogar die Kommentare!), wenn er Zeit hat, wenn er auf Reisen ist und im Hotelzimmer im Bett liegt. Dann wird „Matz ab“ gelesen. Vielleicht ja auch heute. Gestern sagte mir auf jeden Fall (vielleicht hat es ja jemand beobachtet, als wir uns im Block House trafen?) ein Held von 1983: „Dieter, Du müsstest eigentlich das Verdienstkreuz Erster Klasse und am Bande erhalten, weil du . . .“ Aber den Rest schenke ich mir lieber.

Bei der Gelegenheit: Vielen Dank jenen Usern, die mir privat wieder viele, viele Mails zukommen ließen. Einige haben sich die allergrößte Mühe gegeben und haben viel mehr geschrieben, als ich es mit den längsten „Matz-ab“-Berichten jemals getan habe – danke. Da steckt viel Arbeit drin. Ich weiß das sehr zu schätzen, auch wenn ich (gelegentlich auch Scholle) darin durchaus mal nach allen Regeln der Kunst und nach Strich und Faden „vernichtet“ werde. Egal, die Mühe, die sich einige machen, die ist schon bemerkenswert.

Ein netter Zeitgenosse endet in seiner Mail an mich (er schickte es anonym über das Abendblatt) wie folgt:

Neiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin, natüüürlich nicht, du Witzfigur.
Armselig ist das. Einfach nur armselig.

Mit diesen interessanten, lieben, netten, höflichen, freundschaftlichen, versöhnlichen und natürlich nur gut gemeinten Buchstaben möchte ich heute dann auch enden. Danke, wie geschrieben, danke für alles und an alle. Ich schließe diesen netten Mitmenschen und natürlich alle „Matz-abber“ mit in mein heutiges Gute-Nacht-Gebet ein, ich liebe euch alle – ihr seid schon klasse. Eine Klasse für sich!
Bevor ich dieses Gute-Nacht-Gebet aber sprechen werde, gibt es noch einen heißen Fußball-Abend in und aus London, und zu diesem fußballerischen Höhepunkt wünsche ich euch und euren Lieben viel, viel Spaß und Freude – vertragt euch, auch wenn der „Falsche“ gewinnt, habt euch lieb, das Leben ist viel zu kurz, um sich ständig zu ärgern. Ganz sicher: Irgendwann kommt ein jeder mal an diesen Punkt, wo er so denkt. Und sich dabei fragt: Warum war ich damals nur so . . ?
Lasst mal wieder Ruhe einkehren.

PS: „Scholle“ hatte endlich einmal wieder eine angenehme Nacht, denn sein TSV Niendorf hat am letzten Spieltag die Rettung und den Klassenerhalt in der Oberliga Hamburg geschafft. Glückwunsch, Digger! Ein wenig traurig bin ich, dass der USC Paloma nun doch noch baden ging – denn die Vormittags-Grandspiele an der Brucknerstraße werde ich nun vermissen. Hoffentlich hören die blauen Tauben nicht auf zu fliegen, denn dann müssten sie doch im nächsten Jahr wieder da sein – oder?

15.59 Uhr

Frankfurt wird nervös . . .

17. Mai 2013

Spannend wird es auf jeden Fall. Vielleicht sogar dramatisch. Und wenn es in Hamburg und Frankfurt lange Zeit 0:0 steht, dann wird mit jeder Minute mehr eine ganz besondere Atmosphäre in beiden Stadien herrschen. Dann gibt es eventuell ein Herzschlag-Finale. Und geht es nach dem Computer der Sport-Bild, dann wird an diesem Sonnabend ganz – oder auf jeden Fall fast ganz – Hamburg jubeln. Wer sich erinnert: Vor Wochen, Ende März, hatte die Sport-Bild die letzten Bundesliga-Spieltag tippen lassen. Von Udo Lattek und von Experten aus dem Wettbüros. Und vom eigenen Computer, Der SB-Computer hatte den HSV zwar letztlich auf Rang zehn einlaufen lassen (sich also „leicht“ geirrt), aber immerhin hat er für morgen folgende Spielausgänge getippt: Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 2:3, HSV – Bayer Leverkusen 3:1. Was will der Hamburger mehr?

Übrigens: Die Experten von Tipico haben den HSV auf Rang sechs einlaufen lassen, die von Bwin sogar auf Platz fünf. Letzteres kann nicht mehr geschehen, aber die Herren hatten eben Vertrauen in den HSV. Anders als Udo Lattek, der den HSV auf Rang zwölf enden sah. Knapp daneben ist auch vorbei, aber der gute Udo kennt sich eben auch etwas besser beim FC Bayern aus . . .

Die stehen hier und heute aber nicht zur Diskussion. Leverkusen muss morgen erst einmal besiegt werden, und dann muss gehofft werden, dass die Wolfsburger ihre gute Auswärtsform durch einen erneuten Dreier (diesmal in Frankfurt) unterstreichen. Unmöglich ist das alles doch nicht. Der VfL ist mit 25 Auswärtspunkten die drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga – hinter Bayern und Dortmund. Das ist doch etwas, das Mut machen müsste, ihr Hamburger. Und mit Leverkusen kommt eine Mannschaft in den Volkspark, die auswärts nur einen Punkt mehr geholt hat, als der HSV in der Fremde. Dass der HSV gegenüber der Werkself daheim nur 26 Zähler geholt hat, Bayer dagegen 39 – das verschweigen wir dann doch besser.

Egal aber was die Statistiken auch immer sagen, die Tagesform und vielleicht auch ein Hauch Glück entscheiden darüber, ob der HSV doch noch Europa packen wird. Die Hamburger sind heiß, das war heute beim Abschlusstraining zu spüren. Da wurde konzentriert gearbeitet – gepaart mit Spaß. Erst eine habe Stunde das obligatorische Kreisspielchen (drei Stationen), dann wurde immer zu dritt über fünf Meter gesprintet. Wobei die Spieler ganz genau darauf achteten, wer diesen Sprint gewonnen hat. Da wurde teilweise um Zentimeter gefeilscht. Dann gab es ein Abschlussspielchen, in dem die beiden Mannschaften bunt durcheinander gewürfelt wurden. Ein Team spielte mit Drobny, Westermann, Rajkovic, Rincon, Badelj, Co-Trainer Heinemann, Ilicevic, Sala, Skjelbred und Rudnevs, das andere Team mit Adler, Bruma, Jansen, Mancienne, Diekmeier, Aogo, van der Vaart, Jiracek, Son und Beister. Heung Min Son traf zuerst gegen Rene Adler, dann Maximilian Beister. Wie das Match (auf einem Viertel des Platzes) endete, das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, denn die nebenan trainierende „Zweite“ verließ den Rasen, und ich wollte unbedingt noch mit Andre Panadic sprechen. Der ehemalige HSV-Spieler (101 Spiele, fünf Tore als Innenverteidiger) ist im Moment mit seinem Sohn Mateo in Hamburg, „Panas“ Sohnemann trainiert – auf Vermittlung von HSV-Manager Bernd Wehmeyer – bis einschließlich morgen zur Probe beim HSV (Regionalliga-Team). „Pana“ ist mächtig stolz auf seinen Filius, wagt aber noch keine Prognose. Es „sehe ganz gut aus“ sagt er vorsichtig und will abwarten, was und wie sich der HSV nach dem Sonnabend entscheidet. Immerhin: Neben „Pana“ stand der frühere Bundesliga-Profi Uwe Fuchs, der sich einst auch als Trainer versucht hatte, heute aber Spielerberater ist. Er wird sich wohl künftig um Mateo Panadic kümmern und dabei behilflich sein, einen Verein zu finden – falls es mit dem HSV nicht klappen sollte.

Aber zurück zum aktuellen Geschehen, zum 34. Spieltag. Oh, als ich das schreibe, den 34. Spieltag, wird mir ganz „schwummerig“ – Schei . . .-Sommerpause. Das wird noch eine schlimme und über weite Strecken auch langweilige Zeit. Weil sich beim HSV ja auch in Sachen Ein- und Verkäufen traditionell erst gegen Ende der Pause etwas tut. Nun gut, damit müssen wir leben. Auch wenn es schwerfällt.

In Frankfurt scheinen sie inzwischen auch ein wenig nervös zu werden. Weil es aus Hamburg je den einen oder anderen Satz – von wegen des Drucks – gegeben hatte. Dazu schreibt die Agentur heute:

Trainer Armin Veh vom Tabellensechsten Eintracht Frankfurt hat vor dem Bundesliga-Finale am Samstag die Störfeuer vonseiten des Hamburger SV gekontert. „Wir haben einen Etat von 25 Millionen Euro, und der HSV macht in dieser Saison Schulden. Und dann sollen wir Druck haben. Das ist doch ein Witz. Da lache ich mich kaputt, wenn ich sowas höre“, sagte Veh einen Tag vor dem abschließenden Saisonspiel der Hessen am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky und Liga total!). HSV-Trainer Thorsten Fink hatte vor dem Showdown um Platz sechs gestichelt: „Wir haben nicht viel zu verlieren, Frankfurt dagegen schon.“ Auch Keeper Rene Adler hatte gesagt, dass der Druck bei der Eintracht liege. Dem Aufsteiger aus Frankfurt (50 Punkte) würde ein Sieg im Duell mit den „Wölfen“ für die Europa-League-Qualifikation reichen, und sogar ein Unentschieden, wenn zeitgleich Verfolger Hamburger SV (48) gegen Bayer Leverkusen nicht gewinnt oder bei einem Sieg nicht 13 Treffer aufholt. Die Eintracht könnte prekärerweise nach 33 Spieltagen auf einem der ersten sechs Plätze und einer tollen Saison noch aus den internationalen Rängen purzeln.

Veh muss noch um den Einsatz von Toptorjäger Alexander Meier (15 Treffer) bangen, der zuletzt wegen einer Sprunggelenkverletzung ausgefallen war. Kapitän Pirmin Schwegler stehe nach seiner Schambeinblessur auf jeden Fall im Kader, kündigte Veh an. Der Schweizer Mittelfeldspieler liebäugelt mit einem Wechsel nach Wolfsburg. Coach Veh, der die Hessen vor dieser Saison zurück in die Bundesliga geführt hatte, sprach im Vorfeld von einem schwierigen Spiel. „Wir wissen aber, dass wir etwas Großes erreichen können“, erklärte der 52-Jährige, der selbst ein Verpassen der Europa League nicht als Drama bewerten würde. „Wenn es nicht klappt, dann geht die Welt auch nicht unter. Auch Platz sieben wäre ein großer Erfolg.“

Für den HSV doch auch. Ernsthaft. Sollte es nicht mit Rang sechs klappen, dann sind Platz sieben oder acht auch akzeptabel. Für mich jedenfalls. Und daran, dass wir dann alle gemeinsam wieder auf die nächste Spielzeit hoffen, daran haben wir uns alle doch schon längst seit Jahren gewöhnt. Immerhin, und das kann selbst der größte HSV-Kritiker nicht von der Hand weisen, ist es in dieser Saison wieder bergauf gegangen – mit dem HSV. Auch wenn es diese berühmt-berüchtigte Berg-und-Talfahrt gegeben hat. Daran wird der Club sicher arbeiten – wenn Geld da ist.

Erst einmal abwarten, was der Sonnabend nun bringen wird. Beim HSV sind alle Mann an Deck, lediglich „Maxi“ Beister hatte heute während des Spiel ein paar Schwierigkeiten und musste sich behandeln lassen, ging dann auch, als das Trainingsende gekommen war, als erster Spieler in die Kabine. Thorsten Fink hatte zuvor eine engagierte Gemeinschaft trainieren sehen. Und der Coach sagte: „Wir sind heiß, wir brennen auf dieses Spiel.“ Dann sagte er auch noch: „Wenn Leverkusen aber genauso motiviert ist wie wir, genauso top drauf ist, dann werden wir keine Chance haben. Das ginge dann doch nur für uns, wenn Bayer eine Rote Karte bekäme – oder so. Die haben doch mehr Qualitäten. Die stehen doch ganz oben, haben Platz drei schon sicher. Der FC Bayern könnte gegen uns auch nur verlieren, wenn sie nicht hundert Prozent geben. Wenn aber zwei Mannschaften, von der eine qualitativ stärker besetzt ist, gleich motiviert sind, dann muss schon viel passieren, wenn die etwas schwächere gewinnen sollte . . .“

Tagesform. Ich sage, die Tagesform wird entscheiden. Und wenn die HSV-Mannschaft endlich von der ersten Minute an begreift – und dementsprechend zur Sache geht – dass es hier um sehr, sehr viel geht und dass das die allerletzte Chance auf Europa ist, dann ist der Unterschied – auch der qualitative – zwischen beiden Teams vielleicht doch nicht ganz so groß.

So, zum Schluss sie noch kurz erwähnt, dass der frühere HSV-Kapitän David Jarolim heute seinen 34. Geburtstag feiert – herzlichen Glückwunsch, „Jaro“ – und bis bald.

Dann findet auch morgen nach dem Spiel wieder die immer beliebter werdende „Matz-ab-live“-Talkrunde“ statt, für das wir eigentlich schon zwei Gäste seit Anfang Februar fest verpflichtet hatten: Manfred Kaltz und Harry Bähre. Rekordspieler Kaltz allerdings hat heute Nachmittag (leider) absagen lassen, sodass wir im Laufe des heutigen Abends noch um einen Ersatz bemüht sind. Wir sind am „röteln“ . . .

PS: Aus technischen Gründen ist das”Matz-ab”- Gewinnspiel noch nicht aktualisiert, es ist “am werden”, aber die Gewinner der Trikots und der Karten sind bereits benachrichtigt worden.

18.52 Uhr

Wacht auf, bevor es zu spät ist!

21. August 2012

„Wir sind bereit.“ Sagt HSV-Trainer Thorsten Fink im Live Magazin 50 Jahre Bundesliga, das der HSV nun herausgebracht hat. Wir sind bereit – und ich bin bedient. Und zwar schon restlos, weit vor dem ersten Anstoß zur 50. Bundesliga-Saison mit dem HSV. Sind wir denn wirklich bereit? Ist vor allen Dingen der HSV schon bereit? Ich denke nicht. Ich denke eher, dass dieser HSV noch lange nicht bereit und soweit ist. Aber wenn man in diese Richtung schreibt, dann erheben einige HSV-Fans ja immer noch Einspruch. Jedenfalls jene, die immer noch ihre rosarote Vereinsbrille aufhaben, die ihre HSV-Bettwäsche gerade noch einmal gewaschen haben, um bereit für die neue Spielzeit zu sein.

Mir graut auch in diesem Jahr davor, das gebe ich ehrlich zu, erst recht nach dem fußballerischen Offenbarungseid in Karlsruhe. Ich denke nämlich, dass es sportlich und finanziell noch nie so schlecht um den HSV bestellt war, wie in diesen Tagen und Wochen. So schlimm war es selbst 2011 noch nicht. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieser schlimme, erbärmliche Zustand des Klubs stillschweigend von der Mehrheit ertragen wird. Kaum jemand begehrt auf, kaum einer schlägt Alarm, dass es so nicht geht, kaum einer fordert die Verantwortlichen zum Umdenken auf, kaum einer fordert die Vereinsführung auf – und da sind die Herren, die die sportliche Verantwortung tragen, eingeschlossen – von diesem offensichtlichen Irrweg abzugehen, umzudrehen und endlich mit Sachverstand und Kompetenz auf den eigentlichen, nämlich den richtigen Weg zurückzukehren.

Wacht endlich alle auf, bevor es zu spät ist! Vieles und viel zu viel wurde in der längsten Sommerpause der Welt verschlafen, eigentlich ist es jetzt schon viel zu spät, um noch etwas Vernünftiges auf die Beine stellen zu können.
Es ist alles sehr, sehr traurig, was in Hamburg derzeit für ein Stück gespielt wird.

Mir wird in diesem Klub schon seit Monaten viel zu viel und viel zu oft um den heißen Brei herumgeredet, davon habe ich nun die Nase voll. Während ganz Hamburg zittert, sagt der Trainer: „Wir sind bereit.“ Und der Sportchef ist nach wie vor von der Zusammensetzung dieser Mannschaft überzeugt (was er ja wohl auch muss, es ist schließlich sein Werk), und alle anderen im HSV warten erst einmal ab und setzten auf das Prinzip Hoffnung. Oder sitzen das Dilemma mal eben schweigend aus. Es ist eine Schande. Es sind zu viele Tagträumer am Werk.

Es gibt zudem in dieser prekären Situation niemanden in der Spitze des HSV, der aufsteht und endlich einmal Klartext redet. Der mahnt, dass es so nicht geht. Dass es so auf gar keinen Fall geht. Keiner und niemand legt mal den Finger in die Wunde und sagt schonungslos die (gewiss traurige) Wahrheit. Und deshalb werden sie alle auch eine große Mitschuld tragen, werden sich alle versündigt haben, wenn dieser HSV im Jahre 2013 Schiffbruch erleidet. Und das ist mit dieser Mannschaft programmiert.

„Ich möchte eines Tages und dann für immer nicht auf jener Liste stehen, die den HSV das erste Mal in den Abgrund und in die zweite Liga gespielt haben, deswegen werde ich mich zerreißen, alles geben, damit dieser HSV drin bleibt.“ Das hat 1990 HSV-Spieler Sascha Jusufi gesagt, als der Klub in Abstiegsgefahr war. Eine Mentalität, die heutzutage kaum noch vorhanden scheint. Eine solche Einstellung, ein solcher Kampfgeist, ein solcher Wille scheint in der heutige Truppe kaum noch vorhanden zu sein. Da identifizieren sich nur die wenigsten Profis noch mit der Raute auf der Brust.

Schlimm ist zudem, dass die, die jetzt am Ruder sind (auch die sportlich Verantwortlichen), diejenigen verurteilen und mitunter mitleidig belächeln, die jetzt schon warnen. Uwe Seeler, der stets gewarnt hat, der auch einen neuen und fähigen Stürmer gefordert hat, wird ebenso belächelt wie andere ehemalige HSV-Profis, die einst mithalfen, den Ruhm des HSV zu begründen. Sie alle werden verurteilt und belächelt und als ahnungslos abqualifiziert. Willi Reimann zum Beispiel forderte in der letzten Woche: „Es müssen Verstärkungen her.“ In der „Mopo“ sagt der sonst immer sehr zurückhaltende Ditmar Jakobs: „Die Qualität hat sich eher verschlechtert.“ Ich kenne viele, viele Ehemalige, die sich die größten Sorgen um „ihre HSV“ machen. Und selbst ein aktueller HSV-Spieler wie Marcus Berg hat ja erkannt: „Wenn wir so spielen wie in Karlsruhe, verlieren wir jedes Spiel.“
Ach was?

Und? Ist das wirklich alles nur dummes Gesabbel? Alles nur Panikmache? Sind das alles nur Ahnungslose? Oder sogar HSV-Feinde? Nein, liebe HSV-Freunde, diese Männer – und viele tausende Fans mehr – sorgen sich lediglich und nur um den Dino. Und sie haben erkannt, dass es so nicht funktionieren kann. Nur die Herren, die jetzt am Ruder sind, die sind immer noch total vom Gegenteil überzeugt. Oder sie tun in der Öffentlichkeit nur so.

Ich sage klipp und klar: Handelt jetzt, wo es noch geht, ansonsten wird dieser Verein voll gegen die Wand gefahren!
Und das soll gewiss keine billige Polemik oder eine besonders tolle Effekthascherei sein, sondern ist einzig und allein die Sorge um den HSV, die mich dazu treibt, so etwas zu schreiben.

Tut endlich etwas und legt eure Hände nicht nur in den Schoß, handelt jetzt und endlich, damit dieser HSV tatsächlich noch eine reelle Chance auf den Klassenerhalt hat. So wie zurzeit, davon bin ich restlos überzeugt, wird das jedenfalls nichts. Auf keinen Fall, nie und nimmer.
Obwohl der Trainer sagt, dass er „bereit ist“ – dass der HSV nun bereit ist.

Ich sage auch: Selbst wenn es nun den einen oder anderen Härtefall geben sollte, es geht nicht anders. Kontinuität hin, Konstanz her: Alle diejenigen, die in dieser Phase immer noch nichts begriffen haben, die sollte von selbst aufhören oder vor die Tür gesetzt werden. Und mit „alle“ sind wirklich alle gemeint, ist ein jeder, der nun noch immer glaubt, dass dieser schwache und vor Jahren (jawohl, vor Jahren!) schon nach allen Regeln der Kunst heruntergewirtschaftete HSV stark genug sei, die Klasse zu halten. So etwas zu behaupten, das ist ein absoluter Witz! Und wer jetzt nicht die Ärmel aufkrempelt und Gas gibt, mehr Gas als in allen anderen Bundesliga-Klubs üblich, der ist ebenfalls nicht mehr zu retten und völlig falsch am Platz – raus! Es geht nun nicht mehr mit dem ganz normalen Alltagstrott. Wer es jetzt noch nicht begriffen hat, der sollte in diesem HSV keinen Platz mehr haben.

Und alle, die nun immer noch der festen Überzeugung sind, dass doch alles gut wird, die sollten sich nur noch einmal die vier Gegentore des Drittliga-Klubs KSC auf der Zunge zergehen lassen. Vier Gegentore (gefühlt sieben oder acht) gegen eine HSV-Defensive, von der der Trainer vor einer Woche noch gesagt hat, dass sie besser als in der vergangenen Saison sei.
Aber wahrscheinlich ist ohnehin alles besser. Und ein Ditmar Jakobs, der stets vorsichtig und absolut besonnen argumentiert, hat Unrecht, wenn er sagt: „Die Qualität hat sich eher verschlechtert.“ Da stimmt doch was nicht!

Hört endlich auf zu träumen!

Und wacht endlich, endlich auf, ihr Träumer im HSV und um den HSV herum. Bitte, bitte. Und wenn ihr alle dort oben, in der HSV-Führung, zu schwach oder zu unentschlossen seid, dann nehmt euch bitteschön die echten Experten, die wirklich erkennen, wie es um den HSV steht, die vor allen Dingen aus dem eigenen Stall kommen und es nur gut mit dem Klub meinen, nehmt die mit ins Boot. Wichtig ist erstens, dass jetzt alle an einem Strang ziehen, und zweitens dass doch noch die richtigen Entscheidungen getroffen werden, die den HSV vor dem Gang in die Niederungen des deutschen Fußballs bewahren.

„Der HSV wie ein Absteiger.“ So schrieb es die „Bild“ am Montag. Doch nicht etwas deshalb, um mehr Auflage zu machen (und zu verkaufen), sondern weil es eine unübersehbare Tatsache ist. Wer sich jetzt keine Gedanken um den Klassenerhalt des HSV macht, der sollte die Sportart wechseln. Und wenn er beruflich mit diesem Metier zutun hat, dann sollte er in Rente gehen.

Ganz Deutschland hat inzwischen erkannt, wie es um diesen HSV bestellt ist, ganz Deutschland. Viele lachen, viele verbreiten Häme, viele haben auch nur noch Mitleid mit dem Dino.

Hier nur ein Beispiel von unzähligen (nach dem Pokal-Debakel):

“Eher lustige Gastgeber als grimmige Türsteher”

Auch der HSV ging gegen einen unterklassigen Gegner als Verlierer vom Platz. Tobias Schächter (Financial Times Deutschland) wundert sich nicht: „Während andere Erstligisten wie Hoffenheim oder Frankfurt an diesem Super-Desaster-Pokalwochenende einen kompletten Blackout hatten, zeigte der HSV ja nicht viel weniger, als er tatsächlich kann. Aller Anstrengungen zum Trotz offenbarten sich die ganze Fragilität und die mangelnde Klasse, die in dieser unfertigen Mannschaft stecken. Die Innenverteidiger Jeffrey Bruma und Michael Mancienne sind eher lustige Gastgeber als grimmige Türsteher. Und ein Mittelfeld, in dem Heiko Westermann auf der zentralen Position den Aufbauspieler geben muss, ist so fehlbesetzt wie Thorsten Fink als Jürgen-Klopp-Double.”

„Wir werden jetzt eine Woche lang Feuer bekommen. Diesmal völlig zu Recht.“ Sagte Thorsten Fink nach der Pleite in Karlsruhe. Vielleicht gibt er dieses „Feuer bekommen“ ja auch mal an seine Mannschaft weiter.

Beim Spiel gegen Altona 93, als der grottenschlechte HSV zur Pause 1:2 zurücklag, sagte ein HSV-Fan auf der Stehtribüne: „Felix Magath würde die Spieler jetzt gar nicht erst in die Kabine lassen. Die Jungs würden jetzt 15 Minuten lang Runden drehen müssen. Und nach dem Spiel, sollte der HSV tatsächlich verlieren, müsste die Mannschaft bis zum Einbruch der Dunkelheit schön weiter ihre Runden drehen . . .“ Beim HSV 2012 aber werden die „Zuckerjungs“ immer nur fleißig gestreichelt und in Watte gepackt.
Merken die eigentlich noch was?
Mit „die“ sind alle gemeint.

Alle, die diesem harmlos-bunten Treiben nur tatenlos und leicht staunend und vor allem hilflos zusehen.

In Hamburg, beim HSV, hat es sich seit geraumer Zeit eingebürgert, alles nur noch schön zu reden. Zu verharmlosen, behutsam vorzugehen, Nachsicht zu üben. Niederlagen werden in Fast-Sieg umgewandelt, schlechte Spiele noch glorifiziert. Dabei geht es hier um den sonst so harten und unerbittlichen Profi-Sport. Es geht um Millionen, auch um jene Millionen, die die Spieler hier nach Hause schleppen. Obwohl sie dafür längst nicht mehr die entsprechenden Leistungen und den dazu passenden Einsatz bieten. Und es geht um den HSV, der weltweit immer noch einen guten Ruf genießt, der aber seit längerem dabei ist, alles aufs Spiel zu setzen. Die Raute, die drei großen Buchstaben, das Renommee des HSV – all das wird mit Füßen getreten, aber auf die höchst unfeine Art.
Wacht endlich alle auf! Das gilt auch für Thorsten Fink, der einst Super-Zeiten beim und mit dem FC Bayern München erlebte und doch wissen müsste, wie guter Fußball auszusehen hat. Und das gilt auch für Frank Arnesen, der sich einst einen großen Namen als langjähriger dänischer Nationalspieler gemacht hat. Diese beiden Herren sollten ab sofort, auch wenn sie sich immer noch scheuen, vom „worst case“ ausgehen, dann wären sie klug beraten.

Arnesen hatte zum Beispiel nach der letzten Horror-Saison gemutmaßt und prophezeit: „Die jungen Spieler werden daraus gelernt haben, sie werden alle einige Schritte nach vorne machen.“ Und? Haben sie? Bislang ist davon nichts zu sehen. Obwohl die Sommerpause lang genug war, um diese Schritte zu gehen . . . Oder sind solche Sprüche (und die damit geschürte Hoffnung) ohnehin nur für den Wind? Um alle Skeptiker in jenem Glauben zu halten, dass alles doch gut wird? Warum sollten die jungen Spieler denn tatsächlich einige Schritte nach vorn gemacht haben? Im letzten Spiel der Saison, beim 0:1 in Augsburg, war davon weit und breit nichts zu erkennen, und in der Vorbereitung doch auch nicht.
Wobei die Vorbereitung doch ohnehin ohne Bedeutung war (so wurde der Öffentlichkeit immer wieder einsuggeriert). Die Ergebnisse? Zweitrangig. Und die Leistungen, die Minus-Leistungen vor allem? Nebensächlich. Was zählte, das waren der Pokal und die Bundesliga. Und die Sache mit dem Pokal hatte sich dann auch schnell (und so wie von vielen Experten befürchtet) erledigt.
Genau.

Und gelernt? Thorsten Fink hatte vor dem KSC-Spiel vor den Freistößen des Gegners gewarnt, aber er hatte nicht verboten, selbst welche (am KSC-Strafraum) herauszuholen. Jedoch Fehlanzeige. Wenn ich es richtig erinnere, dann hatte der HSV in der Anfangsphase einen Freistoß in KSC-Tor-Nähe. Den brachte Dennis Aogo in die Mitte – und an allen – Freund und Feind vorbei – hoch und weit ins Tor-Aus. Aber wenn KSC-Spieler am HSV-Strafraum gefoult werden, warum werden HSV-Spieler nicht auch am KSC-Strafraum gefoult? Die einfache Erklärung: Der HSV ist meistens gar nicht so weit gekommen. Gegen einen sieglosen Drittliga-Klub. Auch das kann man sich gar nicht oft genug wieder vor Augen führen. Und überhaupt: Ich habe seit Jahr und Tag nicht einen gegnerischen Trainer mehr gehört, dass der vor einem HSV-Freistoß-Schützen so gewarnt hätte, wie nun Thorsten Fink vor Hakan Calhanoglu, einem netten und talentierten 18-jährigen Mittefeldspieler. Nein, nein, in dieser HSV-Mannschaft fehlt es an allen Ecken und Kanten, und sie hat im Wildpark genau das gespielt, was sie kann. Und das ist zurzeit nicht erstligareif.

Und deswegen erwarte ich jetzt von denen, die dazu von den Mitgliedern befähigt worden sind, dass gehandelt wird. Sofort. Geldmangel hin, Geldmangel her. Klaus-Michael Kühne würde ja helfen, egal was auch zuletzt passiert ist, und dieser Strohhalm muss im Interesse des HSV ergriffen werden. Macht es! Persönliche Eitelkeiten dürfen jetzt nicht den kleinsten Spielraum mehr haben, die Lage ist viel zu ernst. Ach was, ernst, sie ist dramatisch. Auch deshalb, weil längst nicht alle begriffen haben, dass es der HSV nur noch einen Schritt vom Abgrund entfernt ist. Ein winzig kleiner Schritt ist es nur noch, so weit ist der so ruhmreiche HSV nun schon heruntergewirtschaftet worden.

So, wer sich aus erster Hand über die Geschehnisse im HSV und die prekäre Lage der Bundesliga-Mannschaft informieren will, der sollte sich um 19 (bis 21 Uhr) im Radio auf NDR 90,3 die Talkrunde mit Carl-Edgar Jarchow, Alexander Otto, Frank Arnesen, Thorsten Fink und Kapitän Heiko Westermann anhören. Britta Kehrhahn und Lars Pegelow sind die NDR-Moderatoren. Wird bestimmt spannend.

Dann habe ich noch zwei Dinge anzukündigen, die zu dem, was ich zuvor alles geschrieben habe, eigentlich überhaupt nicht passen (weil sie die Lage nur noch verniedlichen), die mir aber sehr dennoch sehr am Herzen liegen:

Passend zum 125-jährigen Geburtstag des Hamburger Sport-Vereins und drei Tage vor dem Start in die 50. Bundesliga-Saison erscheint erstmals ein komplettes Panini-Album rund um den HSV. 36 Seiten stark, mit insgesamt 240 Sticker-Motiven – ein Werk meines Kollegen Oliver Wurm, den wir während der EM auch bei „Matz ab live“ zu Gast hatten. Die Sammelwelten zeigen zum Teil unveröffentlichte Bilder aus den Gründerjahren des Vereins. Dazu: Legendäre Spieler, unvergessene Spiele und Spielstätten, nationale und europäische Erfolge, beeindruckende Fan-Choreos, alle Abteilungen sowie den aktuellen Kader – kurzum: „Tausche Uwe Seeler und Ernst Happel gegen Maxi Beister und Uli Stein.“

Thorsten Fink und Klubmanager Bernd Wehmeyer werden am Mittwoch um 13 Uhr bei Karstadt Sport in der Mönckebergstraße sein, um die ersten Sammeltütchen aufzureißen.

Und dann gibt es jetzt ein besonderes Bundesliga-Buch, auf das ich hinweisen möchte. Der von mir sehr geschätzte Fernseh-Kollege Gerhard Delling hat es mit Akribie geschrieben, es erscheint unter dem Titel „50 Jahre Bundesliga – So wie ich sie erlebte”. Das Werk ist pünktlich zum Bundesligastart am 24. August auf dem Markt (Verlag „Die Werkstatt”). Es gibt auf über 500 Seiten viele Geschichten zur Entwicklung der höchsten deutschen Fußball-Klasse – aus Dellings persönlicher Sicht. Er begann mit drei Jahren seine „Fußballkarriere“, also gerade als die Bundesliga beschlossen wurde. Mit 16 wurde er Sportjournalist bei einer Zeitung, hat sich dementsprechend schon ein Leben lang mit diesem Erfolgsmodell und den handelnden Personen beschäftigt.

Gerhard Delling schildert in vielen Episoden die Begegnungen mit wichtigen Charakterköpfen des Fußballs, so gibt es zum Beispiel Geschichten mit und um Ernst Happel, Uwe Seeler, Wolfgang Overath, Uli Hoeneß und natürlich Günter Netzer.

Ich bin schon sehr gespannt und werde mir dieses „Ding“ auf jeden Fall zulegen.

PS: Am Mittwoch wird im Volkspark um 10 und um 16 Uhr geübt – “uns Scholle” ist am Start.

18.03 Uhr

Der HSV und seine Manager

28. Dezember 2011

Keine Zugänge, keine Abgänge – Winterpause. So ist das zurzeit beim HSV. Mein Kollege Kai Schiller hatte heute das Glück, mit ´Frank Arnesen sprechen zu können – es passiert (wohl) nichts mehr. Mein Bauchgefühl hatte mir ja gesagt, dass der HSV noch einen „Kracher“ zu Silvester holen wird – oder auch kurz danach, aber daraus wird wohl doch nichts. Der Blick in die klamme Kasse ist wohl zu ernüchternd . . . Obwohl: Dieses Fass möchte ich gar nicht erst wieder aufmachen. Wir alle werden es ja demnächst – genau am 15. Januar – wieder einmal genau erleben und hören, wie es um den HSV bestellt ist, auf der Jahreshauptversammlung nämlich, und die Herren werden es uns dann schon mitteilen. Die Finanzen des Klubs sind ja schon immer ein ganz, ganz heikles Thema gewesen, und selbst wenn sie noch so schlecht sein sollten – der HSV lebt ja immer noch. Ich sage mir deshalb seit einer geraumen Zeit schon: warum aufregen? Was hat es denn in der Vergangenheit gebracht? Da wurde über leere Kassen, halbleere und volle Kassen geschrieben, aber geändert hat es ohnehin nie etwas. Mir genügt es ohnehin, wenn die jetzige Führung hin und wieder davon spricht, dass finanziell keine großen Sprünge mehr gemacht werden können. Dann weiß ich, dass das Geld zwar knapp ist, aber es ist noch ein bisschen da. So interpretiere ich das jedenfalls – für mich. Nur für mich. Und vor dieser Saison war ja auch eigentlich kein Geld mehr da, oder nur wenig, und trotzdem konnten einige Spieler verpflichtet werden. Wie zum Beispiel Ivo Ilicevic, der mit vier Millionen Euro wohl der teuerste Neuzugang ist. Und vier Millionen sind ja auch Geld, wenn auch im gehobenen Profi-Fußball fast so etwas wie „Kleingeld“. Aber wenn es denn „Kleingeld“ ist, so hat der HSV wenigstens das noch in der Kasse.

Aber nun Schluss mit diesem leidigen Thema. Mehr gibt es, wie gesagt, am 15. Januar. Und zwar dann von kompetenter Seite. Wobei ich, das muss ich schnell noch loswerden, kürzlich sogar deshalb ein Lob erhalten habe (von einem „Matz-abber“), weil ich gar nicht mehr auf dieses Geld-Thema eingegangen bin. Danke dafür (auch Scholle erhielt Lob!), aber ich bin es auch Leid. Deswegen fange ich gar nicht erst (groß) damit an. Immerhin aber ist es ja so, dass der Sportchef zu dieser Saison mit wenig Geld und viel Auge eingekauft hat. Ich glaube, dass ich das immerhin sagen darf, weil sich darüber ja wohl die meisten einig sind. Und weil ich das im Zusammenhang mit Frank Arnesen geschrieben, wurde hier ja viel über den Dänen diskutiert. Was eigentlich ein schönes Thema ist: Wer ist der beste HSV-Manager? Welcher Mann hat hier für Furore gesorgt? Ich habe sie ja alle mitbekommen, angefangen bei Dr. Peter Krohn.

Der „General“ war ja 1973 erstmalig HSV-Präsident, wurde zwei Jahre später dann Generalmanager. Und Krohn war ein Mann mit vielen Ecken und Kanten, auch ein Mann, der mitunter auch recht unangenehm für seine Mitstreiter werden konnte – aber auch ein Mann, der vor Ideen nur so sprühte. Wenn Uli Hoeneß heute die Mutter alle Bundesliga-Manager ist, dann war Krohn der Vater. Er führte den HSV aus schlimmsten Krisen-Zeiten heraus – bis in die Spitze Europas. Rosa Trikots, Elefanten beim Show-Training. Wer Dr. Krohn daran festmacht, wird ihm nicht gerecht. Krohn holten Felix Magath (Krohn: „Meine Fernseh-Liebe“), Willi Reimann, Horst Bertl, Hans „Buffy“ Ettmayer, Horst Blankenburg, Ivo Buljan und einige mehr, Krohn holte aber vor allem Kevin Keegan. Das, obwohl der HSV – schon damals – kein Geld hatte. Um die Kassen wieder aufzufüllen, erfand Krohn mal eben den „Hafen-Pokal“. Zum Beispiel kam Liverpool nach Hamburg, füllte das Volksparkstadion und die Kassen (beider Klubs). Krohn war, so schrieb das Abendblatt einst, seiner Zeit damals weit voraus, er „verkaufte“ den Klub und die Raute – er setzte Maßstäbe für die nachfolgende Manager-Generation. Dabei hatte der frühere Bundestrainer Sepp Herberger einst – in Richtung Hamburg – gewarnt: „Krohn soll vom Fußball besser die Finger lassen . . .“ Und Max Merkel spottete damals: „Der Krohn glaubt doch, dass der Ball nur deshalb springt, weil ein Frosch darin sitzt.“ Egal, der äußerst kreative Krohn hat, trotz des Dauerkrachs mit Trainer Kuno Klötzer, dem HSV letztlich sehr, sehr gut getan, er hat Zeichen gesetzt – und die Note eins verdient.

Günter Netzer war dann der Mann, der ihm folgte. „Ich bin aus Mönchengladbach nach Hamburg gefahren, weil ich beim HSV die Stadionzeitung machen wollte, aber dann hat mir der damalige Präsident Paul Benthien gesagt, dass ich die Stadionzeitung nur machen dürfe, wenn ich auch HSV-Manager werde“, hat Netzer einst über seine Hamburger Karriere verraten. Es wurde die erfolgreichste Zeit des HSV. Weil Netzer erst den „harten Hund“ Branko Zebec verpflichtete, danach den genialen Ernst Happel nach Hamburg holte. Und weil es Netzer gelang, den abwanderungswilligen Kevin Keegan beim HSV zu halten – trotz größter Widerstände. Von 1978 bis 1986 war Günter Netzer, den ich noch heute sehr verehre, das muss ich shcnell mal gestehen (weil der Mann einfach Fußball pur ist), HSV-Manager. Gegen Ende seiner HSV-Laufbahn kaufte er Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke – wie das endete, das wissen wir (wohl) alle. Netzer: „Ich hatte nicht für möglich gehalten, dass diese beiden Spieler die Mannschaft und den alten Ernst Happel noch so durcheinander bringen könnten, aber sie haben es tatsächlich geschafft . . .“ Von nun an ging’s bergab – würde Hildegard Knef singen.

Später sagte der damalige HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein über die Netzer-Ära: „Es gab zwischen Ernst Happel, Günter Netzer und mir nie einen einzigen Streit. Jeder hat den Bereich des anderen akzeptiert, auch ein ehemaliger Weltklasse-Spieler wie Günter Netzer hat einem Trainer Happel nie in den Job hineingeredet.“

Nachfolger von Netzer wurde ebenfalls ein „Zehner“: Felix Magath. Der hatte bis zum Sommer 1986 noch selbst gespielt, beendete dann mit dem WM-Finale von Mexiko (Argentinien – Deutschland 3:2) seine Fußball-Karriere und rutschte auf den HSV-Manager-Stuhl. Er holte – oder holten ihn doch eher Wolfgang Klein?) Josip Skoblar als Trainer, und später, nach dem Rauswurf von Torwart Uli Stein, auch Mladen Pralija. Der Anfang vom Ende des Managers Magath. Zumal er schnell begriffen hatte, dass er erstens mit Klein nicht auf einer Wellenlänge lag, und dass er zweitens doch besser in kurzen Hosen auf den Fußballplatz gehörte. Das allerdings dauerte noch, erst wurde Magath noch Manager in Uerdingen und Saarbrücken, bevor er dann die Trainer-Laufbahn einschlug. Erste Station, nur nebenbei, war Bremerhaven.

Für Magath kam 1988 Erich Ribbeck, den der damalige HSV-Präsident Ernst Naumann quasi im Alleingang verpflichtet hatte. Ribbeck war eine meiner größten Enttäuschungen beim HSV – aller Zeiten. Eigentlich ist er noch immer die größte. Mehr ist nicht zu sagen.

Auf Ribbeck folgte Hartmut Dieckhoff, der aber nur eine Art „Mini-Manager“ war. Und den Titel „HSV-Organisationsreferent“ trug. Das waren Zeiten. Ich war einst dabei, als Dieckhoff nach einem Freundschaftsspiel in der Nähe von Husum das Antrittsgeld für den HSV in einer Zigarrenkiste einsammelte und in den Bus trug. Zwischendurch musste er, die Kiste unter dem Arm, noch Autogramme geben . . .

Dann kam 1991 Georg Volkert vom FC St. Pauli Manager. Ein klangvoller Name im deutschen Fußball auch beim HSV, doch die Zusammenarbeit zwischen Volkert und Präsident Jürgen Hunke klappte überhaupt nicht. Das war wie Hund und Katze – ein frühes Ende war keine Überraschung. Auf Volkert folgte Heribert Bruchhagen, der bis Dezember 1994 im Amt war – in meinen Augen auch gute Arbeit geleistet – denn auch damals waren die Verhältnisse in Hamburg nicht gerade rosig. Bruchhagen und der damalige Präsident Ronald Wulff „konnten aber so gar nicht“ miteinander, deswegen die Trennung.

Mit dem neuen Präsidium um Uwe Seeler gab es dann 1995 auch den Manager Bernd Wehmeyer. Aber der ehemalige Linksverteidiger musste schnell lernen, dass es gar nichts – oder nur sehr wenig – zu „managen“ gab. Früher hielt sich das Gerücht, dass Wehmeyer bei Uwe Seeler fragen musste, ob er tatsächlich eine 50-Pfennig-Briefmarke auf dem Umschlag kleben dürfe, oder ob er den Brief doch besser persönlich zustellen solle? Meistens musste er wohl selbst laufen . . . So viel Ebbe herrschte in der Kasse.

1998 kam Holger Hieronymus. Zweiter Vorsitzender und sportlicher Leiter. Keine goldene Ära. „Hiero“ holte Thomas Doll zurück (aus Bari), Alexander Curtianu, Fabian Ernst, Dimitrios Grammozis, Vanja Grubac, Martin Groth, Setrgej Kirjakow, Nico Hoogma, Oliver Straube – und im Jahre 2001 den alternden Jörg Albertz von den Glasgow Rangers zurück. Im August 2002 übernahm dann Dietmar Beiersdorfer den Manager-Posten. Und ich denke noch heute, dass der „Didi“ Schwung (und Strukturen) in den Verein gebracht hat. Er hatte Ideen, er packte auch an – aber fühlte sich im Zusammenspiel mit dem Vorstand Hoffmann/Kraus wie ein fünftes Rad am Wagen. Leider, leider. Denn eigentlich gab es unter dem Duo Hoffmann/Beiersdofer eine sehr erfolgreiche Zeit, der HSV spielte wieder in Europa mit, der HSV holte namhafte (und teilweise auch teure) Spieler wie Vincent Kompany, Nigel de Jong, Mladen Petric, Marcell Jansen, Ivica Olic, Romeo Castelen, Paolo Guerrero, Joris Mathijsen, Frank Rost und vor allem Rafael van der Vaart. Natürlich aber auch den einen oder anderen „Rohrkrepierer“, und darunter einen „Knüller“ wie Juan Pablo Sorin. Dieser Name allein verdirbt dem Duo H/B eine Note über der Drei. Und ich weiß nicht, ob es der damalige Vorstandsvorsitzende tatsächlich so weit auf die Spitze getrieben hätte (die fehlende Zusammenarbeit mit dem Sportchef), wenn er gewusst oder geahnt hätte, dass er selbst bald nicht mehr im Amt sein würde. Eigentlich hätte alles so gut weiterlaufen können, aber wie heißt es so schön im Volksmund: „Wenn’s dem Esel zu wohl wird . . .“

Auf Beiersdorfer folgte dann erst einmal nichts. Die große Leere. Und das war, heute sehen es fast alle ein (auch die, die es damals – in verantwortlicher Position – vehement abgestritten haben!), der größte HSV-Fehler in diesem Jahrtausend. An diesem Vakuum hat der Klub bis heute zu knabbern. Allerdings bleibt uns heute die Hoffnung, dass Frank Arnesen dafür sorgen wird, dass dieser Fauxpas des HSV schon bald in Vergessenheit gerät. Hoffen wir es einmal gemeinsam.

18.55 Uhr

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