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Ab nach Asien – Kreuzer sieht Annäherung in Gesprächen mit Calhanoglu

4. Januar 2014

Auf Wiedersehen, HSV! Heute am frühen Nachmittag sind 26 Profis plus Betreuer aufgebrochen Richtung Dubai, Indonesien und Abu Dhabi. Schon gestern war eine Delegation mit viel Gepäck vorgeflogen. Insgesamt 1,2 Tonnen Gepäck hat der Tross mit dabei. Ein Trainingslager als Großprojekt.

Aber es lohnt sich ja auch. Vielleicht nicht gerade vom Erholungswert, denn gerade die ersten Tagen sind Gift für den Körper. 20 Stunden nach Jakarta, der größten Stadt in Südostasien. 28 Millionen Menschen leben dort im Großraum dieser Metropole. Am Montag bestreitet der HSV um 20 Uhr Ortszeit (14 Uhr deutscher Zeit) ein Freundschaftsspiel gegen Arema Cronus. Diese Partie findet in Malang statt, etwa 900 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Die Hamburger sind dorthin mit einer Charter-Maschine unterwegs. Vielleicht gibt es im Internet Bilder zu fischen. Für findige Surfer: das Spiel wird in Indonesien auf dem Kanal MNCTV übertragen.

Etwa 450.000 Euro erhält der Verein für die Reise. Eine Viertelmillion von der DFL, den Rest vom Veranstalter in Indonesien. Viel Geld, und wir haben hier schon oft und ausführlich beschrieben, dass der HSV auf jeden Cent angewiesen ist. Mehr zu diesem Thema dann am Ende dieses Blogs.

Sportchef Oliver Kreuzer hat sich vor dem Abflug noch geäußert zu den beiden wichtigsten Personalien derzeit: Pierre Michel Lasogga und Hakan Calhanoglu. Was Lasogga angeht, haben sich Kreuzer und Hertha-Manager Michael Preetz in den vergangenen Tagen über diverse Zeitungen die Bälle zugespielt. Heute sagte Kreuzer: „Ich habe über die Jahreswende mit Michael Preetz telefoniert. Er kennt ja das Geschäft. Es ist normal und nicht verwerflich, wenn wir uns mit dem Spieler und seiner Mutter, die ihn berät, unterhalten. Dabei lassen wir es im Moment auch. Zum gegebenen Zeitpunkt werden wir sehen, was Sache ist.“

Der richtige Zeitpunkt für Entscheidungen ist demnach jetzt noch nicht gegeben. Das sieht auch Lasogga so. „Mich interessiert das gerade gar nicht. Wir fahren jetzt ins Trainingslager. Die Spekulationen gehören zum Fußball und behindern mich nicht. Der Rest wird im Sommer entschieden, wahrscheinlich“, so Lasogga. Im Sommer? Das ist dann wohl doch etwas zu spät. Der Stürmer weiter: „Wieso? Ich bin hier ausgeliehen bis 30. Juni und habe Vertrag in Berlin bis 2015. Es herrscht keine Panik.“ Das wollen wir doch mal hoffen und auch, dass Lasogga die Debatten in den kommenden Wochen nicht am Toreschießen hindern werden.

Etwas weiter mit den Gesprächen ist Oliver Kreuzer offenbar mit Stürmer Hakan Calhanoglu und dessen Berater. Hier geht es ja um eine vorzeitige Verlängerung über 2016 hinaus – vermutlich bis 2018. „Wir sind auf einem guten Weg und haben uns angenähert“, gab Oliver Kreuzer heute preis. Das hört sich doch gut an, zumal Calhanoglu „zwischen den Jahren“ mit einem Interview im türkischen Fernsehen eher Gegenteiliges sagte. Er sei schon immer ein Fan von Galatasaray Istanbul gewesen, so Calhanoglu in seiner Heimat, als er auf das Interesse der Gelb-Orangen angesprochen wurde.

Heute relativierte Calhanoglu: „Man ist als Kind immer ein Fan von einem Verein, bei mir ist es Galatasaray. Das habe ich nur so gesagt, und es ist falsch rübergekommen. Ich wollte es nicht so sagen. Ich bin jetzt in Deutschland. Ich will hier bleiben und zeigen, dass ich in der Rückrunde besser starten kann als in der Hinrunde.“ Was immer wieder auffällt: Calahanoglu geht es offenbar nicht nur um Geld und die Perspektive des Vereins, sondern auch um seine ganz persönliche Wertschätzung, die er genießt.

„Natürlich! Mein Ziel ist, weiterzuspielen. Ich habe auch noch andere Wünsche an den HSV. Vielleicht bekomme ich meine Rückennummer 10, das ist meine Lieblingsnummer. Ich fühle mich hier sehr wohl will dem Verein etwas bedeuten.“ Wenn das so ist, kann es ja wohl nur eine Lösung geben: Kreuzer schreibt dem jungen Türken die Rückennummer 10 auf Lebenszeit in den Vertrag – und dann her mit der Unterschrift!

Manchmal wundert man sich in diesem ach so harten Profi-Geschäft – wobei Calhanoglu heute eine weitere Schwäche einräumte. Er mag nämlich gar nicht gern lange fliegen. „Eine Stunde oder zwei sind kein Problem. Aber jetzt habe ich Angst. 20 Stunden im Flugzeug, das macht mir Angst!“ Das sagte Calhanoglu vor dem Abflug. Jetzt, bei der Veröffentlichung dieses Blogs, ist die Emirates-Maschine mit dem HSV an Bord vielleicht gerade im türkischen Luftraum – hoffentlich gibt ihm das Sicherheit für den Weiterflug.

Natürlich wurde vor dem Abflug heute auch noch einmal über die Bedeutung der Vorbereitungsphase gesprochen. Dass der Trip nach Indonesien alles andere als optimal ist, hat Trainer Bert van Marwijk mit seinen kritischen Worten bereits gestern verdeutlicht. Oliver Kreuzer erklärt aus Vereinssicht: „Wir wissen, es ist eine sehr anspruchsvolle Reise von der Belastung her. Aber das gehört nun mal dazu. Viele andere Mannschaften pflegen das auch, Bayern München beispielsweise. Für uns war nur wichtig, dass wir Indonesien an den Beginn des Trainingslagers legen, nicht ans Ende. Von daher ist das kein großes Problem.“

Zur Trainingsarbeit vor Ort in Abu Dhabi schaut Kreuzer voraus: „Ich glaube, es ist wichtig, dass van Marwijk fast den gesamten Kader zur Verfügung hat und noch intensiver arbeiten kann. Dann gehen wir im Prinzip top-vorbereitet in die Rückrunde.“ Stürmer Lasogga: „Wir bereiten uns jetzt ganz klar aufs erste Pflichtspiel gegen Schalke vor. Darauf sind jetzt schon alle fokussiert und da wollen wir im Trainingslager den Grundstein legen.“

Dazu gehören auch zwei weitere Testspiele gegen Vitesse Arnheim und Quairat Almaty aus Kasachstan. Diese beiden Spiele finden im riesigen Fußballstadion von Abu Dhabi statt. Vergangenes Jahr hatte das fast groteske Züge vor Ort, als der HSV dort auch schon kickte. Knapp 50.000 Zuschauer passen in die Arena, in der 2009 die Klub-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde. Als der HSV nun da war, sperrten ein Dutzend Ordner das Stadion hermetisch ab. Touristen aus Deutschland, auch wir als Reporter, durften zunächst nicht rein. Angst vor Überfüllung? Keine Ahnung. In den Emiraten nahm niemand von diesem Testspiel Notiz. Die HSV-Reise-Delegation um Bernd Wehmeyer und Marinus Bester hat vor Jahresfrist jedenfalls für den Einlass gesorgt, so dass in dem großen, grauen Kessel dann wenigstens 50 Zuschauer waren – alle aus Hamburg….

Mit Ronald Wulff und Ali Eghbal sind heute übrigens zwei Aufsichtsräte mit der Mannschaft ins Trainingslager geflogen.

Themenwechsel. Wie angekündigt geht es jetzt noch einmal um die vereinspolitische und wirtschaftliche Seite des HSV und um die Versammlung am 19. Januar. Dort werden ja insgesamt fünf Anträge besprochen, wie der HSV neu strukturiert werden soll. Drei von ihnen, „HSV-PLUS“, „Tradition mit Zukunft“ und „HSV-Reform“ haben wir hier immer wieder beleuchtet. Neben der Stiftungsidee gibt es dann auch noch „Rautenherz“, eine Initiative einiger begeisterter HSV-Anhänger, die – wie „HSV-PLUS“, aber doch mit entscheidenden Abweichungen – eine Ausgliederung der Profi-Fußballabteilung wollen.

Einer der Initiatoren ist Rainer Ferslev, 60 Jahre alt, Anwalt. Sein Spezialgebiet: Insolvenzrecht. Da liegt die Verbindung zum HSV bedauerlicherweise auf der Hand. Ferslev sagt: „Die wirtschaftliche Situation, in der der HSV steckt, ist die klassische Konstellation von Unternehmen, die in die Pleite rutschen. Die Kosten sind hoch und gehen nicht runter, irgendwann hat man eine Innnovation verpasst. Die aktuellen Zahlen sprechen für sich.“ Gemeinsam mit Martin Rüssel, 26 Jahre alt und Vertriebsmitarbeiter, hat Ferslev sein Modell entwickelt, das eine Ausgliederung in eine KG auf Aktien vorsieht.

Dem Wirtschaftslaien, und das werden die meisten der HSV-Mitglieder sein, die am 19. Januar ihre Stimme abgeben, ist der Unterschied zwischen AG, wie sie “HSV-PLUS“ möchte, und KG sicher nicht sofort klar. Ferslev: „Die meisten anderen Bundesligisten haben in eine KG ausgegliedert, nicht in eine AG. Wir legen Wert darauf, dass die Mitglieder weiter in Entscheidungen einbezogen werden. Der HSV hat 71.000 Mitglieder, das sind doch nicht alles Idioten, über deren Köpfe hinweg die wichtigsten HSV-Entscheidungen getroffen werden dürfen.“

Mit anderen Worten: Was die Veräußerung von Anteilen des HSV an Partner oder Investoren angeht, soll nach „Rautenherz“-Vorstellungen die Mitgliedschaft die entscheidende Mitsprache haben und behalten. „Das Mitspracherecht der Mitglieder bleibt ein zentrales Element“, verdeutlicht Martin Rüssel. Seinem Mitstreiter Ferslev geht „HSV-PLUS“ mit Beirat und Wahlausschuss, die entscheidenden Einfluss beim HSV haben sollen, zu weit. „Wir sind mutiger. Nach „HSV-PLUS“-Idee soll ein nicht kontrollierbares Gremium Kandidaten für den Beirat voraus wählen. Das wollen wir nicht.“

Und das ist wohl der Knackpunkt. Denn laut kritischen Stimmen gab es in den vergangenen Jahren ja gerade ein „zuviel“ an Mitglieder- bzw. Supporters-Einfluss, die wesentliche Fehlentscheidungen mit begünstigt und die aktuelle Zusammenstellung des umstrittenen Aufsichtsrates gefördert haben. So heißt es zumindest oft bei Befürwortern einer Ausgliederung.

Das genaue Organigramm von „Rautenherz“ könnt Ihr unter www.rautenherz.com oder im HSV-Vereinsheft nachschlagen. Deutlich ist für die Initiatoren aber ohne Diskussionsspielraum, dass generell ausgegliedert werden muss. Aus diesem Grund haben sie – neben ihrem eigenen Modell-Antrag – einen weiteren Antrag gestellt. Demnach soll der Vorstand, selbst wenn beide Ausgliederungskonzepte scheitern, mit irgendeiner Ausgliederungs-Umsetzung beauftragt werden. Anders sei der HSV wirtschaftlich nicht in den Griff zu bekommen.

„Bleiben wir in den alten Strukturen, müssen wir uns weiter mit Darlehen über Wasser halten“, sagt Martin Rüssel. „Und das wird auf Dauer sehr, sehr schwierig. Wir sind der Überzeugung, dass die Ausgliederung kommen muss. Es gibt keine Alternative.“ Andere Einnahmen, etwa aus internationalem Fußball, einzukalkulieren, sei im Moment nicht realistisch.

Noch ein paar konkrete Fakten, die „Rautenherz“ nennt: „Klaus-Michael Kühne“, so Rüssel, „hat sich seine acht Millionen Darlehen für Rafael van der Vaart mit acht Prozent verzinsen lassen. Dafür hat der Verein an Kühne sogar eine Grundschuld fürs Stadion eintragen lassen.“ Rainer Ferslev fährt fort: „Wir haben mit drei Unternehmern gesprochen, die Geld geben würden. Aber sie sagen, dass der HSV zunächst seine Hausaufgaben, sprich seine Ausgliederung, machen müsse.“

Insgesamt betonen Ferslev und Rüssel die Bedeutung neuer Strukturen für den HSV, sie zollen aber auch den aktuellen Verantwortungsträgern Respekt. „Wir wollen keine Spaltung vorantreiben oder Schuldzuweisungen von uns geben. Wir wollen zusammenstehen und erkennen die Arbeit von Carl Jarchow und Manfred Ertel hoch an. Wir haben auch Respekt vor Otto Rieckhoff und seinem Modell. Am Ende geht es um den HSV, schließlich ist es eher fünf nach zwölf als fünf vor“, so Rainer Ferslev.

In den vergangenen Wochen war „Rautenherz“ auch verstärkt auf Info-Veranstaltungen von Fanclubs, zum Beispiel am heutigen Sonnabend-Abend gemeinsam mit „HSV-PLUS“ in Obernkirchen. Freilich können die Rautenherzler personell nicht so auftrumpfen wie Otto Rieckhoff mit seinen Mitstreitern Hieronymus, von Heesen, Jakobs, Dr. Klein und anderen – das könnte sich nach heutigem Stand als negativ für ihre Chancen am 19. Januar herausstellen. Denn natürlich ist am Ende nicht nur eine Idee entscheidend, sondern auch die Personen, die eine Idee umsetzen.

Dritter Antrag von „Rautenherz“ ist der nach er Einführung einer Brief-und Fernwahl. Martin Rüssel: „Wir wollen die Mitbestimmung erleichtern. Das Anliegen, seine Stimme beim HSV abzugeben, ist bei allen Vereins-Mitgliedern im Bundesgebiet sehr hoch. Aber anzureisen zu einer Versammlung wie am 19. Januar ist oft ein unüberbrückbarer Organisations- und Kostenaufwand.“ Daher soll nun noch einmal über die Briefwahl und ein sogenanntes „Televoting“ abgestimmt werden. Das bedeutet, dass in bestimmten Orten in Deutschland Treffpunkte von HSV-Mitgliedern geschaffen werden sollen, damit die Leute dann von dort aus ihre Stimme ins CCH schicken können.

Für heute schließe ich mit einer Gratulation an Jonathan Tah. Er ist beim HSV vor Pierre Michel Lasogga und Marcell Jansen zum Spieler der Hinrunde gewählt worden.

Für heute einen schönen Abend
Lars

18.14 Uhr

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