Archiv für das Tag 'von Heesen'

Zwischen Intervall-Läufen und Segeltörn

25. Juni 2014

Co-Trainer Nestor El Maestro hatte es ja angekündigt: jeder zweite Trainingstag an der Flensburger Förde wird hart für die Spieler. Entsprechend mussten sie heute wieder ordentlich schwitzen. Nachdem der Vormittag auf dem Trainingsrasen noch sehr Ball-dominiert war, ging es am Nachmittag richtig ab.

Erneut mussten 1000-Meter-Tempoläufe gestartet werden. Und zwar noch schnellere als zuletzt. Unter vier Minuten hatten die Profis die zweieinhalb Laufrunden auf der Leichtathletik-Bahn zu absolvieren. Und das taten sie auch, selbst wenn die Leidensmiene beim einen oder anderen zunahm. Mit Petr Jiracek und Tolgay Arslan, aber auch Dennis Diekmeier, Matti Steinmann, Zoltan Stieber , Jacques Zoua, Marcell Jansen und Gojko Kacar haben sich jedenfalls schon einige Mittelstrecken-Experten hervorgetan. Aber ganz sicher: Morgen werden ihnen die Oberschenkel immer noch wehtun.

Dann hat der Trainer auch eine ruhige Einheit angesetzt, ganz ohne Laufschuhe und Ball – nämlich auf dem Wasser. In sieben oder acht Booten geht es zum Segeltörn. Und den Wind wollen sie dann so gut lesen, die Skipper in den HSV-Booten, dass sie auf jeden Fall wieder um 18 Uhr an Land sind, um das deutsche Vorrunden-Finale gegen die USA vor dem Fernseher zu verfolgen.

Erfreulich am Rande: bislang gibt es in Glücksburg noch keine verletzungsbedingten Ausfälle. Das muss ja auch mal als positiv und beim HSV gar nicht selbstverständlich herausgehoben werden.

Am Dienstagabend hat der alte Aufsichtsrat ein letztes Mal getagt. Ein Kernthema war die künftige Finanzierung bzw. der Status Quo des e.V. nach Ausgliederung des Profifußball-Bereichs. Ehe die AG im Handelsregister eingetragen ist, gibt es hier offenbar noch einigen Klärungsbedarf. So gibt es immer noch einige Einspruchsfristen, die abgewartet werden müssen, ehe ein solider und belastbarer Etat steht.

In jedem Fall dankte der Vorsitzende Jens Meier seinen Kollegen ausdrücklich für die Arbeit insbesondere der letzten Monate und den Übergangsprozess. Vermutlich wird es in den kommenden Wochen auch noch eine symbolische Übergabe an den neuen Aufsichtsrat der AG und dessen designierten Vorsitzenden Karl Gernandt geben.

Interessant ist diese Formalie: Natürlich müssen auch die Arbeitsverträge aller Angestellten, die bislang im e.V. unter Vertrag standen, auf die AG umgeschrieben werden. Carl Jarchow hat diese Papiere mittlerweile vorbereitet, er war gestern mit einer Mitarbeiterin aus der Personalabteilung in Glücksburg, um den Profis entsprechende Schreiben auszuhändigen. Nach dem Mittagessen ist Jarchow wieder zurückgefahren nach Hamburg. Jedenfalls hat jeder Angestellte, dessen Vertrag nun umgewandelt werden soll, eine vierwöchige Einspruchsfrist. In den allermeisten Fällen wird diese Frist sicher verstreichen. Aber ich sage mal ganz vorsichtig: Es soll ja auch Arbeitnehmer beim HSV in der höheren Gehaltsklasse geben, die aktuell etwas unzufrieden mit ihrem Standort sind. Was geschieht, wenn einer von ihnen die Einspruchsfrist nutzt und juristisch dagegen vorgeht? Das wäre erneut höchst unerfreulich. Wobei es inhaltlich wohl kein allzu großes Problem darstellen würde, denn dann könnte der entsprechende Spieler einfach für den e.V. weiterspielen (und dies würde dann den e.V.-Etat beeinflussen, s.o.).

Was die Meldung der „Sport-Bild“ von heute angeht, wonach Sportchef Oliver Kreuzer definitiv gehen muss, ist offiziell alles beim Alten. Nichts Genaues weiß man nicht. Dietmar Beiersdorfer sucht nach einer Alternative, Thomas von Heesen und Nico Hoogma sind im Gespräch, aber nach wie vor ist Kreuzer in Amt und Würden.

Und nur noch einmal zur Klarstellung für den korrekten Ablauf der nächsten Wochen. Ende dieses Monats oder Anfang des nächsten wird die HSV AG von den Richtern des Registergerichts ins Handelsregister eingetragen. Einen genauen Termin dafür gibt es nicht, das hängt von Tag zu Tag auch immer nach dem Arbeitsaufkommen der Richter ab. Dann ist der Wechsel sozusagen offiziell vollzogen und die neue HSV-Vorstands-AG ist im Amt.

Dazu gehören Joachim Hilke und Carl Jarchow sowie dann auch der neue „Hauptverantwortliche Sport“, wie Carl Jarchow ihn im Abendblatt-Interview nannte, nämlich Dietmar Beiersdorfer. In Wirklichkeit ist Beiersdorfer natürlich mehr als das, er soll der Chef des Ganzen werden. Welche Rolle Jarchow einnehmen wird, ist schwer vorherzusagen. Ursprünglich sollte der AG-Vorstand ja nur aus zwei Personen bestehen (Beiersdorfer, Hilke – Joachim Hilke hat übrigens, im Gegensatz zu Beiersdorfer, bis vergangene Woche noch keinen Vertrag unterzeichnet). Jarchow kommt in diesem Konstrukt nicht vor, er müsste entsprechend abberufen werden. Da er allerdings in diesem Fall Präsident des e.V. werden würde, hätte er einen Sitz im AG-Aufsichtsrat garantiert. Und irgendwie wollen das die AG-Betreiber ja eigentlich auch nicht – klingt irgendwie verzwickt. Es scheint also eine Übergangslösung in welcher Richtung auch immer zu werden, die sich bis zu Jarchows Vertragsende im Sommer 2015 hinziehen könnte.

Was nun den geplanten Einstieg von Klaus-Michael Kühne angeht, ist auch noch nicht das letzte Wort gesprochen. Mit Sicherheit wird sich Kühne in den vergangenen Wochen intensiv mit Karl Gernandt über dieses Thema ausgetauscht und verschiedene Modelle diskutiert haben. Auch Dietmar Beiersdorfer ist in die Gespräche involviert. Generell müsste jedenfalls nach Inkrafttreten der AG eine Bewertung der HSV AG vorgenommen werden. Wieviel ist der HSV eigentlich wert? Wieviel Geld ist theoretisch zu erlösen, wenn die AG ihre zunächst maximalen 24,9 Prozent veräußern würde? Ist die von Kühne ins Spiel gebrachte Summe von 25 Millionen Euro, mit denen er sich einbringen möchte, realistisch?

Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wie die KPMG, die seit Jahren beim HSV die Unterlagen prüft, könnte solch eine Bewertung zunächst vornehmen. Möglichst schnell kann nicht schaden. Pierre Michel Lasogga sitzt auf gepackten Koffern und will endlich beim HSV loslegen.

Die Kollegen der „Bild“ hatten heute von zwölf Millionen Euro berichtet, die Hertha in einer Verhandlungsrunde mit dem HSV (Jarchow und Beiersdorfer waren gemeinsam in der Hauptstadt) aufgerufen habe. Da der HSV nur die Hälfte davon zahlen möchte, könnten sich die Gespräche noch weiter hinziehen.

Zu guter letzt noch diese Meldung, die seit heute Mittag auf abendblatt.de zu lesen ist:

Diese Nachricht kommt überraschend: Ex-St.-Pauli-Trainer Holger Stanislawski und Ex-HSV-Profi Alexander Laas werden neue Geschäftsführer des Rewe-Centers an der Dorotheenstraße in Hamburg-Winterhude.
Ab dem 1. Juli werden die beiden Ex-Fußball-Profis dort eine dreimonatige Einarbeitungsphase durchlaufen, um die Abläufe kennenzulernen. Ende des Jahres wird dann offiziell Stanislawski & Laas GmbH auf der Ladentür zu lesen sein. Am Freitag stellt Rewe die beiden in Winterhude auf einer Pressekonferenz vor. Stanislawski und Laas waren vorher zu keiner Stellungnahme bereit.
Doch wie kam es überhaupt zu dieser Geschäftsidee? Ex-HSV-Aufsichtsratsmitglied Bernd Enge ist ein gemeinsamer Freund der beiden. Der Unternehmer betrieb als Franchisenehmer schon mehrere Edeka-Läden in Hamburg. Enge soll Stanislawski und Laas zusammengebracht und mit ihnen die Geschäftsidee entworfen haben.
Ob Stanislawski damit endgültig seine Trainerkarriere beendet, ist nicht bekannt. Der 44-Jährige war erst vor einem Monat beim Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg als Coach im Gespräch gewesen, ehe die Verhandlungen aus nicht genannten Gründen scheiterten. Stanislawski hatte offenbar noch weitere Angebote von Profi-Clubs, die er für sein neues Geschäft ausschlug.
Der Ex-St.-Pauli-Trainer ist seit Mai 2013 ohne Job. Damals legte er nach dem verpassten Aufstieg mit dem 1. FC Köln seinen Trainerposten nieder. Zuvor trainierte er sechs Monate lang die TSG 1899 Hoffenheim. Alexander Laas hatte erst Anfang des Jahres einen Vertrag bis 2017 beim Niendorfer TSV unterschrieben.

Morgen wird in Glücksburg am Vormittag einmal trainiert, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wie der Verein sagt. Nachmittags geht’s dann aufs Wasser. Auch Rafael van der Vaart soll morgen übrigens nach Glücksburg kommen, nachdem ihm Trainer Mirko Slomka zunächst noch ein paar freie Tage mehr gegönnt hatte.

Und wir melden uns bei Euch nach dem dritten Vorrunden-Spiel der deutschen Mannschaft gegen die USA. Wie von Scholle bereits gestern angesprochen, freuen wir uns auf Michael Oenning, den ehemaligen HSV-Trainer, als unseren Gesprächspartner.

Bis morgen
Lars

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