Archiv für das Tag 'von Heesen'

Jansen hat alles richtig gemacht

24. März 2013

Das ist der Hammer! Marcell Jansen, vom HSV in den „Urlaub“ geschickt, weilt nun bei der deutschen Nationalmannschaft. Es gibt offenbar nichts, was es nicht gibt. Mit allem hätte ich gerechnet, aber nicht damit. Nun gut, ich werde meine Worte vom Freitag (im Hamburger Abendblatt) nicht selbst fressen: ich freue ich. Für Jansen und den HSV. Und eines muss ja auch festgehalten werden: Jansens Strategie hat sich voll bezahlt gemacht. Aber wie voll. Er wollte bim HSV hinten links spielen, wollte auch nicht mehr nach vorne (links), als Dennis Aogo wieder gesund war – weil Marcell Jansen eben auch „Mister Cleverle“ ist. Hinten links wird in Deutschland gesucht, fast so wie eine „Blaue Maurizius“. Er konnte sich ausrechnen, dass es nicht über das Mittelfeld zurück ins Nationalteam gehen würde, sondern nur über hinten links. Treffer. Was nun in Dennis Aogo, der letzte HSV-Profi, der für Deutschland hinten links spielte, nun vorgeht, würde ich zwar gerne wissen, aber er wird es mir bestimmt nicht verraten. Du wenn ja, dann nur privat. Das ist eine Geschichte wie Vettel und Webber . . .

Und: Das ist nun kein Flachs, was ich schreibe. Marcell Jansen, beim HSV ja auch eine zeitlang immer wieder mal verletzt, ist beim DFB nach wie vor hoch angesehen. Ganz hoch. In der DFB-Zentrale in Frankfurt haben sie immer, auch wenn es keiner so richtig bemerkt haben sollte, ein Auge (oder sogar mehrere) auf den HSV-Profi geworfen. Wann immer ich mit einem Angestellten des DFB telefonierte oder unter vier Augen sprach, alle lobten sie Marcell Jansen. Einer sagte mir stets am Ende unserer Unterhaltung: „Und behandle mir den Marcell pfleglich, er ist ein feiner Kerl . . .“ Ein anderer erkundigte sich nach einem Gespräch stets und ständig, wie es „dem Marcell zurzeit geht“, fragte auch, wie der HSV-Profi denn in Form sei? Deswegen kommt die Nominierung eigentlich doch nicht so, wie ich sie im ersten Moment empfunden habe – nämlich aus heiterem Himmel.

Kurz für die Statistiker: Marcell Jansen hat bereits 36 Einsätze für die A-Mannschaft gehabt, war WM- und EM-Teilnehmer (WM 2006 und 2010, EM 2008). Sein letztes Länderspiel bestritt er am 3. September 2010 in und gegen Belgien, Deutschland siegte damals durch ein Tor von Klose 1:0. Allerdings spielte Jansen nur bis zum Seitenwechsel, dann kam für ihn – Heiko Westermann.

Nein, um das noch einmal – ganz ehrlich und abschließend – zu sagen: ich freue mich. Ich habe mich schon am Freitag gefreut, als im ZDF die DFB-Ersatzbank gezeigt wurde, auf der Rene Adler und Heiko Westermann saßen. Toll, habe ich so beim mir gedacht, besonders toll für die Jungs, toll auch für den HSV, natürlich auch toll für den HSV-Anhang. Und das trifft nun auch auf den 27-jährigen Jansen zu. Ganz nebenbei wird ihm das noch mehr Selbstvertrauen geben, und er wird sich, so denke ich, beim HSV nun noch mehr reinhängen, damit diese (Nach-)Nominierung kein Einzelfall bleibt. So ähnlich ist es ja zuletzt auch mit Heiko Westermann gelaufen – und schwupps bist du wieder Nationalspieler. Toll!

Und so ganz nebenbei: Wenn Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag im Rückspiel gegen Kasachstan (20.45 Uhr in Nürnberg) nur die „Reservisten“ einsetzen würde, weil von den Arrivierten doch ohnehin nur wieder Dienst nach Vorschrift zu erwarten ist, dann würde es am Ende ein 8:0 für Deutschland geben. Spielen aber die „Stars“ – und sie werden natürlich spielen, wer sonst (?) – dann dürfte wohl nur ein mageres 2:1 (fast hätte ich geschrieben: ein mageres 2:1-chen) zu erwarten sein. Wg. Schonung – oder Voll-Schonung – für das Wochenende und den Bundesliga-Endspurt. Ich bin sowieso davon überzeugt, dass sogar der HSV gegen Kasachstan hoch gewinnen würde. Selbst auf Kunstrasen. Weil die Mannschaft von Thorsten Fink doch nach und aus den Flops gegen Fürth und Augsburg gelernt hat . . . Oder zumindest gelernt haben dürfte.

Apropos Fink. Der HSV-Coach zeigte sich über die Nominierung seines Schützlings Jansen erfreut: „Für Marcell freue ich mich sehr. Er hat es sich durch sehr gute Leistungen bei uns verdient. Das ist ja auch eine Form der Anerkennung.“
Ganz sicher.

Jetzt eine Ergänzung um 18.50 Uhr:
Jansen hat alles richtig gemacht – so lautet heute die Zeile; Matz hat alles falsch gemacht, denn ich hatte hier geschrieben, dass Marcell Jansen gegen Bayern mit noch mehr Selbstvertrauen auflaufen wird. Irgendwann vielleicht schon, nur nicht am nächsten Sonnabend, denn da fehlt er wegen einer Gelb-Sperre.
Ich Doofkopp. Und danke “Eiche”.

Dennoch zum Spiel in München, wo die Bayern tatsächlich schon ihre Meisterschaft feiern könnten. Der HSV ist doch zu allem fähig, negativ wie positiv. Das zeigen auch die Spiele, die die Hamburger in München, beim Rekordmeister, abgeliefert haben. Gegen Ende des letzten Jahrtausends war an der Isar nicht so viel zu holen für die Hansestädter, aber es gab auch mal ein kurzes Zwischenhoch. Das begann, als der HSV am 4. März 2006 mit 2:1 gewann, die Tore erzielten Guy Demel (!) und dann auch noch Nigel de Jong (!). Letzterer sogar Sekunden vor Schluss. In der folgenden Spielzeit gab es noch einen 2:1-Sieg des HSV in München, am 28. April 2007 trafen Rafael van der Vaart und der eingewechselte Paolo Guerrero.

An dieses Spiel habe ich ganz besondere Gedanken, ich werde es nicht so schnell vergessen. Weil ich danach dem HSV-Trainer Huub Stevens zum ersten und zum einzigen Mal die Hand gegeben habe. Aufgezwungen habe ich sie ihm regelrecht aufgezwungen, denn er gab ja keinem Hamburger Journalisten die Hand. Damals aber, nach diesem Auswärtssieg, musste es sein – dachte ich mir. Stevens sah mich zwar total „verdaddert“ an, aber er hatte keine Chance, meiner Hand zu entgehen: „Herzlichen Glückwunsch, Trainer, mit diesem Erfolg haben Sie dem HSV die Bundesliga gerettet. Ich hätte es nie geglaubt, dass das noch etwas wird, deswegen umso mehr der Glückwunsch, er kommt von Herzen.“

Es folgten nach diesem (für mich) „historischen“ Sieg noch zwei Unentschieden in München. Am 24. Februar 2008 traf Ivica Olic – und es gab ein 1:1 (wie schon im Hinspiel), und in der Saison 08/09 glichen Piotr Trochowski und Paolo Guerrero nach einem 0:2-Rückstand noch aus. Dieser Punkt wurde noch wie ein Auswärtssieg gefeiert, aber danach ging es bergab. Mit dem HSV. Am 12. März 2010 hieß es nach 90 fürchterlichen Minuten 6:0 für Bayern – es war das letztes Spiel von Armin Veh als HSV-Trainer. Im August 2011 folgte in München ein sattes 5:0 für die Bayern, es trafen, was besonders bitter war, auch Daniel van Buyten und Ivica Olic gegen „ihre“ Hamburger. Und die bislang letzte Partie zwischen dem HSV und dem Meister 2013 endete in Hamburg am 3. November 2012 mit einem eindeutigen 0:3 – nun folgt das Rückspiel.

Alles drin? Oder ist der HSV doch nur wieder Kanonenfutter? Weil die Bayern doch Meister werden könnten – der frühestes (März-)Meister der Bundesliga-Geschichte. Aber vielleicht laufen ja Rene Adler und Heiko Westermann, die aktuellen deutschen Nationalspieler, zu so großer Form auf, dass es – wie in Dortmund – eine Sensation gibt. Wer weiß?

Und sollte sich ein aktueller HSV-Spieler tatsächlich für die Vereins-Historie interessieren, dann wird er auch noch auf den 24. April 1982 stoßen. Das Spiel der Spiele zwischen Bayern München und dem HSV. 1:3 lagen die Hamburger zurück, dann trat Thomas von Heesen in der eigenen Hälfte (vor dem Strafraum) zu einem unwiderstehlichen Solo an – 2:3. Und es folgten zwei große Auftritte von Horst Hrubesch, die schließlich noch einen 4:3-Sieg für den HSV ergaben. Wahnsinn! Dieser Erfolg löste an der Elbe fast ein Erdbeben aus. Der HSV war Meister (so gut wie, er wurde dann Meister) – ja, das waren noch Zeiten. Damals hat der HSV allen bewiesen, dass man selbst nach einem fast unaufholbaren Rückstand noch bei den Bayern siegen kann – das wäre doch mal ein Versuch wert, dieses Kunststück 2013 nachzuahmen.

Kurz noch zu einem Auftritt des DFB-Präsidenten.

Wolfgang Niersbach, der deutsche Fußball-Boss, war am heutigen Sonntag zu Gast im „Volkswagen-Doppelpass“ auf „Sport 1“ und hat sich unter anderem zu den Vorwürfen von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati, der Zukunft des Bundestrainers sowie den Fehlern der Fifa bei der WM-Vergabe geäußert. Die wichtigsten Aussagen anbei:

Wolfgang Niersbach über . . .

… die neuen Vorwürfe von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati:

„Wir sind natürlich betroffen. Im Umfeld haben wir uns immer wieder die Frage gestellt: Hätten wir etwas merken müssen? Wir haben nichts wahrgenommen, was auf eine ernsthafte Erkrankung hätte hindeuten können. Alle Schiedsrichter, die nahe an ihm dran waren, sowie die Schiedsrichterführung besaßen wirklich keine Indizien, dass Babak Rafati während seiner aktiven Karriere diese Probleme hatte, die er heute beschreibt. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Leistung der Schiedsrichter jedes Wochenende beurteilt wird. Alle sagen übereinstimmend, dass es nicht das gegeben hat, was Rafati als Mobbing oder unerträglichen Druck beschrieben hat. […]

Wir standen im stetigen Kontakt zu seinem Anwalt und haben immer Hilfe angeboten. […] Ich hätte mir im Nachklapp gewünscht, dass er diese Vorwürfe uns gegenüber klar artikuliert, ehe er mit dieser Verspätung jetzt über eine Buchveröffentlichung kommt. […] Ich hätte mir gewünscht, dass er zu uns Kontakt aufgenommen hätte. Das ist nicht passiert. Ich sage ganz deutlich und klar: Herbert Fandel an der Spitze und mit ihm Helmut Krug und Michael Fröhlich erledigen ihre Aufgabe immer höchst verantwortungsvoll und auch sensibel. […] Ich kann nur anbieten, dass er selbstverständlich gerne Kontakt zu uns haben kann, betone aber im gleichen Atemzug, dass in unserer Schiedsrichterführung, wie ich informiert bin, mit der nötigen Sensibilität gearbeitet wird.“

Und Wolfgang Niersbach bei „Sport 1“ über die WM-Vergabe:

„Aus meiner Sicht sind gravierende Fehler gemacht worden. Der größte war, dass man die Vergabe 2018 und 2022 gekoppelt hat, was es vorher noch nie gab. Das war eine Steilvorlage für Absprachen nach dem Motto: Gib du mir deine Stimme, und so weiter. Nach meiner Einschätzung ist es nicht nur das Klima: Katar ist auch einfach ein kleines Land. Die Entscheidung, die WM dahin zu geben, ist momentan Fakt. Ich sehe auch diese Fragestellungen. Nur haben wir uns auch an diesen Fakten zu orientieren. Es ist Aufgabe der Fifa zu beleuchten, ob es da wirklich Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Ich weiß es nicht. […] Wenn es bei dieser Entscheidung bleibt, dann muss man eine Formel finden, um von dem Sommer wegzukommen. Diese Hitze hält man nicht aus. Warum hat man das nicht berücksichtigt?“

Zu letzterem Punkt gab es heute auch diese Meldung des Sport-Informations-Dienstes:

Fifa-Präsident Joseph S. Blatter hält sich in Bezug auf eine Verlegung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar vom Sommer in den Winter weiter zurück. Möglicherweise droht nämlich in diesem Fall eine Klage der Mitbewerber USA, Südkorea, Japan oder Australien. „Wenn Katar mit einer solchen Anfrage kommt, dann wird das Fifa-Exekutiv-Komitee darüber beraten. Bisher ist eine Terminänderung jedoch nur Vermutung. Für uns als Fifa-Exekutive – und da bin ich ja der Chef – steht die WM in Katar, immer noch im Juni/Juli“, sagte der 77 Jahre alte Weltverbands-Chef im Bild-Interview.

Zur Frage nach einer möglichen Klage der Mitkonkurrenten Katars sagte der Fifa-Chef: „Dann könnte das Fifa-Exekutiv-Komitee ein Problem haben, aber wir halten uns an die Fakten.“ Eine Verlegung der WM-Endrunde 2022 in den Winter würde die Voraussetzungen der Vergabe vor knapp 28 Monaten in Zürich infrage stellen. Katar erhielt am 2. Dezember 2010 bei der Abstimmung im Exekutivkomitee der Fifa in Zürich im vierten Wahlgang den Zuschlag. Mit 14:8 Stimmen setzte sich das Emirat am Persischen Golf gegen die USA durch. Für Katar stimmte unter anderem Uefa-Präsident Michel Platini. Australien schied in der ersten Wahlrunde aus, im zweiten Urnengang traf es Japan. Südkorea musste bei der dritten Abstimmung die Segel streichen.

Katar hatte am vergangenen Freitag erstmals Signale für eine Verlegung in den Winter gesandt. „Viele Faktoren sprechen dafür, die WM im Winter auszutragen. Wir sind bereit, das WM-Turnier im Sommer oder im Winter auszurichten. Unsere Planung wird das nicht beeinträchtigen“, hatte das lokale Organisationskomitee mitgeteilt. Spieler und Funktionäre aus aller Welt hatten sich zuletzt dafür ausgesprochen, in dem Emirat aufgrund akuter Gesundheitsgefährdung nicht im brütend heißen Sommer zu spielen.

Vor allem Platini setzte sich zuletzt vehement für eine Verlegung in den Winter ein. Bisher planen die Organisatoren, die Stadien während der WM herunterzukühlen, um die Temperatur erträglich zu halten. Im Sommer sind Temperaturen an die 50 Grad Celsius in Katar an der Tagesordnung.

PS: Ich bin mir sicher: Wenn es am Nordpol so viele Milliardäre geben würde wie in Katar, dann würde auch am Nordpol eine Fußball-WM stattfinden. Vielleicht ist es ja im Jahre 2038 soweit. Und es wäre dabei auch völlig egal, ob dann auf Eisschollen gespielt werden müsste, oder im Juni bei acht Meter hohem Schnee – pro Quadratmeter. Hauptsache die Kohle stimmt. Bei wem auch immer. Über Eis und Schnee, wie man das alles auftauen könnte, darüber müssten sich dann alle mal viel, viel später Gedanken machen.
Nein, nein, das sind schon alles großartige und vor allem weitsichtige Herren, die so etwas veranstalten . . .

PSPS: Morgen, am Montag, wird um 15 Uhr im Volkspark trainiert. Ohne Hitze, ohne Eis, ohne Schnee. Rasenheizung!

17.19 Uhr

Eine Zugfahrt, die ist lustig . . .

16. Dezember 2012

Eine Zugfahrt, die ist lustig,
eine Zugfahrt die ist schön,
denn da kann man fremde Länder
und noch manches andre sehn.
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die macht müde,
eine Zugfahrt die macht schlapp,
und dann liefert man im Westen
einen miesen Kick nur ab.
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die ist lästig,
eine Zugfahrt ist kein Flug,
fragt der Schaffner nach der Karte
hat man ohnehin genug . . .
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die ist billig,
eine Zugfahrt die macht krank,
das erklärt dann eine Pleite,
und der Coach sagt: „Vielen Dank!“
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die ist bieder,
eine Zugfahrt die ist schlecht,
deshalb darf man mal verlieren,
dazu hat man dann das Recht.
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Eine Zugfahrt, die killt Kräfte,
eine Zugfahrt die macht mau,
und dann kickt man eben grottig,
ja so tickt der HSV.
Hol-la-hi, hol-la-ho,
hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Jetzt wissen wir es. Genau. Der HSV flog in Leverkusen auf die Nase, weil er nicht geflogen ist. Vorher. Er verlor mit 0:3, weil er mit dem Zug nach Leverkusen fahren musste. Und weil die Zugfahrt länger gedauert hat, als man vorher dem Fahrplan entnehmen konnte. Sechs Stunden hat die Fahrt gedauert, ganz sicher ein paar Stunden zu viel – oder? Und diese Stunden rauben dann nicht nur die Kräfte, sondern auch den Willen (zum Killen). Und diese sechs Stunden lähmen nicht nur die Beine, sondern auch die Herzen. Leidenschaft ist nach einer solchen Zugfahrt dann auch nicht mehr zu erwarten. Weil ein jeder, okay, fast jeder, doch nur an die Zugfahrt zurückdenken muss. Und da Männer ohnehin nur eines zur Zeit können, denken sie eben nur an Zug – und nicht an Spiel, Sieg und Leverkusen. Das erinnert mich alles an Jim Knopf, Lukas und an Lummerland, vor allem an die Lummerländer Bergwelt. Die Berg- und Talfahrt des HSV erfuhr mit diesem trostlosen Auftritt im Westen nur noch eine weitere Fortsetzung. Wahnsinn. Jedes Mal, wenn man denkt, es könnte nach ob . . . Ach, lassen wir das.

Zur Erklärung des Themas Bahnfahrt. Trainer Thorsten Fink sagte nach der 0:3-Pleite in Leverkusen in die Mikrofone und Kameras: „Meine Meinung ist, dass die Brasilien-Reise nichts ausgemacht hat. Wir hatten sicherlich am Freitag eine schlechte Anreise nach Leverkusen, dass wir da sechs Stunden im Zug gesessen sind – und dann noch mal die Fahrt zum Hotel . . . Das war vielleicht etwas unglücklich mit der Woche, die wir dann hatten – aber die Brasilien-Reise, so denke ich, hat nichts ausgemacht.“
Aber die sechs Stunden im Zug. Die langten dann.

Wobei, ich schreibe ja gerade diese Zeilen, neben mir läuft das Spiel Hoffenheim gegen Dortmund. Die TSG ist gegenüber dem blutleeren Auftritt in Hamburg nicht wieder zu erkennen, jeder Spieler gibt Gas, geht zur Sache, wehrt sich, tritt kräftig zu. Eine vorbildliche Einstellung, die man in dieser Form bei den Hoffenheimern schon lange, lange nicht mehr gesehen hat. Es geht doch. So spielt man gegen einen Favoriten. Sorry, kommt mir gerade mal so in den Sinn. Muss aber nichts bedeuten.

Zurück zum HSV in Leverkusen. Ein Mann tat mir bei diesem desolaten Hamburger Auftritt ganz besonders Leid: Rene Adler. Der Keeper hatte sich bestimmt in seiner „zweiten Heimat“ besonders viel vorgenommen – und dann lassen ihn seine Vorderleute so etwas von im Regen stehen. Bitter, ganz bitter. Dabei zeigte Adler noch eine sehr gute Partie, er verhinderte ein Debakel. Was allerdings kein Trost sein konnte – für ihn. „Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen, wir standen einfach viel zu weit weg von den Gegenspielern. Wir haben alle Tugenden des Fußballs vermissen lassen, da fehlt mir jedes Verständnis“, schimpfte Adler nach dem Spiel. An dem Brasilien-Trip aber wollte er das Versagen nicht festmachen: „Das war eine gute Reise, jeder hatte seinen Spaß.“ Genau. Und dann fügte Rene Adler noch an: „Bei einer solchen Reise stehen wir Spieler doch in der Pflicht. Da müssen wir mal die Arschbacken zusammenkneifen, da müssen wir runter fliegen, den Job machen und zurück. Und hier dann Bundesliga spielen – am nächsten Tag. Das aber haben wir nicht geschafft, und insofern haben wir hier versagt.“

Von einer Sechs-Stunden-Fahrt im Zug hat Rene Adler, ich weiß nicht, ob es aufgefallen ist – nichts gesagt. Er hat diesen stundenlangen Trip nicht mit einem Komma erwähnt. Und zum Thema Brasilien noch einmal der Trainer: Thorsten Fink hatte vorher gesagt: Man braucht nach so einer Reise acht Stunden, um sich wieder zu erholen – und fertig.“ Genau. Nur dürfen dann, zweieinhalb Tage nach den 48 Stunden, keine sechs Stunden Bahnfahrt mehr dazu kommen.

Aber es ist ja wie es ist. Und nun ist Winterpause. Wundenlecken ist angesagt. Und gesunden. Um dann mit neuem Schwung und neuem Mut gegen diese ominöse Berg-und-Talfahrt anzugehen. Immerhin, und das kann ein Trost für alle diejenigen sein, die vor dem Saisonstart Schlimmstes (mit dem HSV) befürchtet hatten, es stehen 24 Punkte zu Buche. Das bedeutet: Abstieg ist kein Thema. Egal wie schlecht es auch immer laufen wird, oder auch laufen könnte – absteigen wird der HSV nicht. Das ist für mich schon mal beruhigend. Das mit den Ansprüchen lasse ich mal bewusst außen vor. Das wird vielleicht dann auch wieder ein Thema, wenn Petr Jiracek, Marcell Jansen und vor allem Rafael van der Vaart wieder dabei sein werden. Vor allem die „ewige 23“ dürfte allein durch seine Präsenz dafür sorgen, dass sich alle Nebenleute viel mehr zusammenreißen werden – und es solche müden Auftritte wie in Leverkusen nicht allzu oft mehr geben wird.

So, dann gibt es noch ein Stückchen Erinnerungen an „alte“ HSV-Zeiten:

Dank eines Treffers des früheren HSV-Torjägers Paolo Guerrero haben die Corinthians Sao Paulo in Yokohama erstmals das Endspiel um die Klub-Weltmeisterschaft gewonnen. Das Tor des Peruaners in der 71. Minute besiegelte einen 1:0 (0:0)-Sieg der Brasilianer gegen den Champions-League-Gewinner FC Chelsea. Vor 56 301 Zuschauern war es bei der Vereins-WM im dritten Finale der dritte Triumph einer Mannschaft aus Brasilien gegen ein englisches Team. Zuletzt allerdings war die Trophäe fünfmal in Folge nach Europa gewandert.

Bereits in der Vorschlussrunde hatte Paolo Guerrero, der seinen Schädel bis auf Schläfenhöhe kahl geschoren hat, per Kopfball den 1:0-Erfolg seines Teams gegen Al Ahly Kairo unter Dach und Fach gebracht.

Und dann gab es heute ja noch die Entlassung auf Schalke, die niemanden mehr überraschen konnte. Huub Stevens, der ehemalige HSV-Coach, ist in Gelsenkirchen vor die Tür gesetzt worden. Nach der 1:3-Pleite gegen Freiburg irgendwie nur logisch – bei dem Vorgeplänkel. Und es bestätigt mich noch einmal in meiner Annahme, dass Schalke kürzlich in Hamburg schon seine Talfahrt abgetreten hatte. Ich habe damals schon geschrieben, dass mich die „Knappen“ beim 3:1-Erfolg des HSV maßlos enttäuscht haben. Und so haben sie dann auch in den folgenden Partien gespielt. Wobei ich zu Stevens sagen muss: Ein guter Trainer, von dem ich noch immer überzeugt bin. Aber menschlich stand er sich mit seiner knurrigen, unbequemen und gelegentlich auch giftigen Art zu oft selbst im Wege. Deswegen bin ich gespannt, welcher Bundesliga-Klub nun den nächsten Versuch mit ihm wagen wird.

Dann gibt es noch das Buch-Gewinnspiel aufzuklären. Wer sich erinnern kann: Es gab in dieser Woche zwei Exemplare des HSV-Foto-Buches „Mythos HSV“ (von Thomas Metelmann und Hans Vinke herausgegeben) zu gewinnen.

Es wurde eine Frage gestellt:

Welche HSV-Spieler wurden im letzten Bundesliga-Aufeinandertreffen mit dem VfB Leipzig ausgewechselt?

Die Antwort: Das waren Thomas von Heesen und Karsten Bäron.

Die Gewinner sind ermittelt, es gab (erstaunlich, erstaunlich!) viele, viele User, die dieses Buch gewinnen wollten.

Hier nun die Glücklichen HSV-Fans:

Jens Reimer Schinkel in 55124 Mainz

sowie

Eberhard Stamms in Dessau-Roßlau.

Herzlichen Glückwunsch. Mit dem Gewinnspiel geht es schon in den nächsten Tagen weiter, denn es geht bereits am 20. Januar weiter mit der Bundesliga. Dann gastiert der HSV in Nürnberg (sonntags). Eine Woche später folgt dann das erste Erstliga-Spiel 2013 im Volkspark, es kommt der Nachbar von der Weser. Und zu dieser Partie gibt es dann auch die beiden Fragen und die beiden Gewinne.

So, und nun zum Schluss noch einmal ein kräftiges Dankeschön an Carl-Edgar Jarchow. Herr Jarchow, nicht nur Ihr Auftritt bei „Matz ab live“ war klasse und sehenswert, auch dass Sie uns mit ihrem Besuch – so kurz vor dem Weihnachtsfest – im „Champs“ (Schnelsen) beehrt haben, ist eine Super-Sache gewesen. Dafür auch an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön – wir wissen das zu würdigen! Und weil ich mehrfach (auch heute noch!) gefragt worden bin, ob Carl-Edgar Jarchow wirklich nicht „sauer“ auf „Scholle“ und mich war, oder er überhaupt missgelaunt war, dann kann ich nur sagen: nein. Wenn überhaupt ein wenig zu „merken“ war, dann lag es sicher nur an dem saft- und kraftlosen 0:3-Auftritt des HSV in Leverkusen. Da darf dann – in meinen Augen – ein Klub-Boss sehr wohl schon mal ein wenig verärgert durch die Welt laufen – auch durch eine „Matz-ab-live“-Sendung natürlich. Alle diejenigen, die sich diese Sorgen aber um Jarchow und uns gemacht haben sei nochmals versichert, dass der Herr Jarchow unserem Blog („Matz ab“) sehr wohl gesonnen ist – der Chef liest nämlich mit.

Ich wünsche nun allen Matz-abbern und ihren Lieben noch einen schönen dritten Advent, auch wenn nicht mehr ganz so viel davon übrig geblieben ist.

PS: Dortmund führt zurzeit in Sinsheim gegen Hoffenheim mit 3:1. Trotz der großartigen Gegenwehr der TSG.

17.07 Uhr

“Wir wollen Dortmund die Serie kaputtmachen”

20. September 2012

Wer suchet, der findet. So zumindest beim HSV. Allerdings gilt dieses Motto nicht im Bezug auf den Trainer und die richtige Abwehrformation, sondern vielmehr für die Kritiker. Dieser HSV steht mit null Punkten nach drei Spieltagen nämlich an sich schon ziemlich hilflos da und muss sich die Kritik gefallen lassen. Und das leider noch zu oft berechtigt – und noch leiderer (ich weiß, dass es dieses Wort nicht gibt – aber es verstehen hoffentlich trotzdem alle, was gemeint ist…) das ist oft komplett unnötig. Wie auch heute.

Hintergrund: Am Dienstag ließ sich Vorstandsboss Carl Jarchow bei der Vorstellung der Fan-Anleihe dazu hinreißen, Trainer Thorsten Fink das uneingeschränkte Vertrauen mit folgender Aussage auszusprechen: „Es gibt keine Trainerdiskussion intern. Wir sind von ihm überzeugt, es gibt auch kein Zeitfenster für eine derartige Entscheidung.“ Was gut gemeint war, wurde heute von Sportchef Frank Arnesen konterkariert. Der Däne sagte, angesprochen auf eine erste Beurteilung der Fink’schen Arbeit in dieser Saison: „Thorsten hat jetzt die Ruhe, zu arbeiten. Das ist sein Kader. Nach der Transferperiode haben wir gesagt, dass wir sehr zufrieden sind mit unserem Kader. Und daran messen wir uns. Auch Thorsten. Aber das wird nicht am Sonnabend oder an dem kommenden Mittwoch passieren. Bis zum 16. Dezember haben wir noch 14 Spiele, danach ziehen wir ein Fazit.“ Also doch… Die Frage ist nur, warum Arnesen sich nicht einfach seinem Vorstandsvorsitzenden anschließt und das Zeitfenster seines Trainers komplett offenlässt. Stattdessen stellt er (diese Formulierung habe ich mir bei meinem geschätzten Kollegen Kai Schiller geklaut) das Zeitfenster zumindest schon einmal „auf Kipp“.

Das wiederum wird beim Thema Arnesen und seine Transfers nicht so einfach. Auch heute musste sich der Däne kritische Fragen gefallen lassen, konterte die aber mit einem Lächeln. Weshalb er einen Berater ohne Lizenz bezahlt habe? „Ich verstehe das nicht, das ist doch keine Story“, so Arnesen wissend, dass der DFB eine von der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV) erstattete Anzeige an den Weltverband Fifa weitergeleitet hat. „Es ist doch alles transparent. Ich glaube, die müssen dem nachgehen, wenn jemand auch nur den leisesten Verdacht äußert. So simpel ist das. Es waren drei Agenten, die einer Firma angehören. Nur der Chef der Firma hat keine Lizenz, die anderen schon.“ Insofern sei es mal wieder viel Gebrüll um nichts. Sagt Arnesen. „Ich muss schon ein bisschen lachen, wenn ich das Theater sehe.“

Das wiederum kann ich nicht. Ich finde es nicht zum Lachen, was sich gerade innerhalb des HSV abspielt. Neben den sportlichen Problemen gibt es offensichtlich eine mal wieder wachsende Zerrissenheit unter den Entscheidungsträgern. Im Aufsichtsrat haben sich längst drei Blöcke gebildet. Während der Großteil dem offiziellen AR-Statement folgt („Es gibt keinen Anlass, an der Integrität Frank Arnesens zu zweifeln“) und immer dabei stur auf fehlende Beweise verweisen, stehen dem Vernehmen nach nur noch wenige der zwölf Kontrolleure auch wirklich bedingungslos hinter Arnesen. Zudem gibt es eine wachsende Zahl Kontrolleure, die den Dänen per sofort loswerden wollen. Klar ist aber, dass dieses Thema nicht abgearbeitet werden kann, solange sich nicht eine Fraktion der Hardliner zum Rückzug entschließt. Und danach sieht es derzeit nicht aus. Im Gegenteil.

Dabei hat der HSV derzeit sportlich genug Probleme. Der Fußball kommt bei der ganzen Vereinsmeierei mal wieder zu kurz. Und das, wo am Sonnabend Größeres auf dem Plan steht: Der Deutsche Meister kommt! Mit dem derzeit besten Stürmer der Liga, wie ich finde. Oder hat jemand Besseres gesehen als das 1:0 am Dienstag in der Champions League gegen Ajax? Mehr noch: wann haben wir so eine Szene das letzte Mal beim HSV gesehen? Ich erinnere mich tatsächlich nicht mehr…

Und das gegen die desolate HSV-Abwehr derzeit. Nur Hoffenheim (11) und Stuttgart (7) kassierten mehr Gegentreffer als der HSV (6). „Wir haben in Frankfurt besseren Fußball gespielt“, lobte Kapitän Heiko Westermann heute, um auch ehrlich zuzugeben: „Nur hinten machen wir einfach noch zu viele Fehler.“ Welche? Viele. Zu viele eben, um Spiele zu gewinnen. Dennoch hat Westermann ein Beispiel parat: „Wir müssen eben in einigen Szenen auch einfach mal den Ball rausschlagen, anstatt ihn immer rausspielen zu wollen.“ So zumindest hätte der HSV in Frankfurt alle drei Gegentore vermeiden können. Zudem ist die HSV-Abwehr alles andere als eingespielt. Bislang spielte noch keine Viererkette in zwei Pflichtspielen nacheinander von beginn an. „Von eingespielt sein kann hier wirklich keine Rede sein“, sagt Westermann, „bislang haben wir sehr viel getauscht.“ Vier Pflichtspiele mit vier Formationen – eine Serie, die am Sonnabend mit höchster Wahrscheinlichkeit auf fünf erweitert wird. So soll Jeffrey Bruma (Fink: „Er hat eine Reizung im Knie. Ich hoffe, dass er am Donnerstag trainieren und dann gegen Dortmund auflaufen kann“) neben Westermann ins Abwehrzentrum rücken, Dennis Diekmeier den Niederländer rechts ersetzen. Auf der linken Seite muss sich Fink wieder dem Ausschlussverfahren bedienen: wer ist weniger ungeeignet? Soll er doch Marcell Jansen nach hinten ziehen, obwohl er vor zehn Tagen das noch kategorisch („Ich wäre ja schön blöd, unseren bislang Offensivstärksten genau da einzusetzen, wo er seine Schwächen hat“) ausgeschlossen hatte? Oder doch wieder Zhi Gin Lam, der alles andere als zu überzeugen wusste? Janek Sternberg jedenfalls scheint keine große Rolle zu spielen, obgleich der Youngster seit ewiger Zeit im Training hinten links spielt. „Ich habe eine Formation im Kopf, die Dortmund schlagen kann“, orakelte Fink heute, ohne preisgeben zu wollen, wer denn nun hinten links beginnen wird. Wie man den BVB schlagen kann? Finks großspurige Antwort: „Das werden sie am Sonnabend sehen. Ich habe da meine Strategie.“

Klingt interessant. Nur zu gern würde ich auch daran glauben. Schon allein, um endlich die von allen Seiten immer wieder als Allheilmittel angeführte „Initialzündung“ zu haben. Und natürlich, um die Uraltserie von 36 unbesiegten Spielen in Folge nicht zu riskieren und schon gar nicht an den BVB (es wäre das 32. Unbesiegte Spiel für die Dortmunder) abzugeben. „Die Wahrscheinlichkeit steigt ja, dass die Dortmunder irgendwann verlieren. Es wäre toll, diese Serie zu unterbrechen. Es spornt ein wenig an.“

Aha. Klingt ja total danach, dass alle megaheiß auf das Spiel sind…

Im Training war davon heute jedenfalls nicht viel zu sehen. Im Gegenteil. Das heute war eine der Einheiten, in der die Probleme besonders offenkundig wurden. Kein Kampf, wenig Tempo – wobei Fink das offenbar so wollte. Zumindest wies er seine Stürmer anfänglich an, den Gegner nicht unter Druck zu setzen und Zweikämpfe zu vermeiden. Allerdings dürfte auch Fink nicht gewollt haben, dass sich diese Körperlosigkeit durch die gesamte Einheit zieht. Vom Kampf um die raren Stammplätze war nichts zu spüren. Im Gegenteil. Bis auf Adler, der immer wieder seine Vorderleute antrieb („Was ist hier los?“), und den gesperrten Petr Jiracek sowie Sternberg, knallte niemand dazwischen. Und das, obwohl fast durchgehend gespielt wurde. Das war wirklich nichts heute. Dachte ich. Allerdings sieht das HSV-Kapitän Heiko Westermann anders: „Die Stimmung bei uns ist wirklich gut“, widerspricht der HSV-Vorarbeiter meinen dunklen Vorahnungen, „die nächsten Spiele werden sicher ganz schwer. Gegen Dortmund sind wir ganz klar Außenseiter. Aber wir haben jetzt die Qualität, um alle Gegner schlagen zu können.“

Und während Westermann angespannt und etwas genervt wirkte, mal wieder zu erklären, weshalb etwas nicht läuft beim HSV, versuchte sich Fink wieder in dem, was er am besten kann: im Optimismus verbreiten. „Wenn der Deutsche Meister kommt, ist das doch was Tolles“, so der HSV-Trainer, „dazu ein ausverkauftes Haus und einige Spieler, die ihr erstes Heimspiel spielen. Und: Wir haben nichts zu verlieren.“ Nichts? Außer drei Punkte…

Aber okay, Fink wollte die Außenseiterrolle seiner Mannschaft offenbar nur symbolisieren. Ob er sich und seine Mannschaft damit nicht zu klein redet? „Nein. Wir werden versuchen, nach vorne zu spielen. Das können wir auch. Wir wollen Dortmund ärgern und dabei die Fans von beginn an mitnehmen. Wir wollen Spaß haben.“

So, wie die geballte Prominenz am Nachmittag bei der Ehrung von Willi Reimann, Thomas von Heesen, Udo Bandow und Günter Netzer sowie postum Fritz Laband und Branko Zebec. Da wurde gelacht, gescherzt und sich in den Arm genommen. Allerdings machten sich auch die alten HSV-Granden Sorgen um den HSV. „Es ist nicht schön, was beim HSV passiert“, fasste es der ehemalige Weltklassespieler und HSV-Manager Günter Netzer zusammen, „aber natürlich ist das alles noch zu reparieren. Es kann doch aber nicht sein, dass der HSV noch einmal etwas mit dem Abstieg zu tun haben wird.“ Netzer schien keine Erklärung für die Sorgen des HSV zu haben. „Es ist eine Leidensgeschichte in diesen Wochen. Aber der Verein wird nicht mit dem Abstieg zu tun haben, wenn alle mitziehen.“ Zumal Netzer als alter Mittelfeldstratege einen Lichtblick ausgemacht hatte: „Rafael van der Vaart ist eine wundervolle Verpflichtung die dem HSV sehr gut tun wird. Aber er wäre mit der Aufgabe überfordert, es alleine schaffen zu müssen.“ Von Heesen ging im Spaß sogar noch einen Schritt weiter: „Man wundert sich eigentlich nur, dass van der Vaarts Fuß hier noch nicht verewigt wurde“

Kommt noch. Da bin ich mir absolut sicher. Zumal dann, wenn van der Vaart am Wochenende den ersten Saisonsieg einläutet…

In diesem Sinne, bis morgen. Dann mit leider nicht öffentlichen Training.

Scholle

P.S.: Bei der 125-Jahr-Gala am 29. September komplettiert Sylvia van der Vaart das Moderatoren-Team um Alexander Bommes, Judith Rakers und Reinhold Beckmann. Otto Waalkes führt ein 15-Minuten-HSV-Special auf und ehemalige HSV-Größen wie Barbarez, Töfting und Meijer treten gegen ein Team aus Olympioniken an. Für die Veranstaltung sind noch 2000 Tickets zu erwerben, 10000 sind bereits verkauft.

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