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Heese: “Es ist jetzt ein anderer Geist drin!”

15. Mai 2015

Zursicher

Mal sehen, was die Affen morgen so machen. Mit Affen sind die Spieler des VfB Stuttgart bezeichnet worden – von ihrem Trainer, ging ja auch Land auf, Land ab in den Zeitungen rauf und runter. So ist Huub Stevens eben. Was er auf der Zunge hat, muss raus. Und er hat es diesmal bestimmt auch deshalb rausgelassen, weil er mit dieser Beleidigung auch noch seinem letzten Spieler sagen will, dass hier allerhöchste Konzentration angesagt ist. Niemand darf auch nur einen Millimeter nach lassen, das wollte Stevens erreichen. Und er hatte auch deshalb die ganz Aufmerksamkeit, weil beim VfB Stuttgart, der ansonsten oft abgeschottet (also ohne Fans) trainiert, am Vatertag jeder Fan willkommen war. Stevens wollte mit seiner Härte auch demonstrieren, dass der Fokus nur auf diesem Abstiegs-Endspiel zu liegen hat. Ganz Stuttgart redet seit Tagen nur noch von dem Spiel gegen den HSV, das Stadion ist mit 60 000 Zuschauer seit Wochen ausverkauft – und 6000 Hamburger werden versuchen, sich in diesem Hexenkessel Gehör zu verschaffen. Und obwohl die Schwaben ja noch immer Tabellenschlusslicht sind, herrscht am Neckar große Zuversicht, dass der VfB an diesem Sonnabend gegen 17.20 Uhr den HSV um einen Punkt hinter sich gelassen hat. Es ist für das Ländle das Spiel der Spiele, und der Optimismus ist deswegen so groß, weil der VfB zuletzt stets gute oder sogar beste Leistungen gezeigt hat.

 
Was die meisten VfB-Fans aber in dieser Situation oft verschweigen: Der Tabellenletzte hat seit September 2013 (!) kein zweites Spiel in Folge mehr gewonnen. Seit September 2013! Und zuletzt siegte der VfB bekanntlich 2:0 gegen Mainz 05. Hält diese Negativserie an? Oder schafft es der HSV, so wie er es leider schon so oft geschafft hat, diese Serie zu durchbrechen – und das Schlusslicht so wieder aufzubauen? Was für Stuttgart außerdem ein Horror-Szenario ist, das ist die Tatsache, dass ausgerechnet Bruno Labbadia dem VfB den Gnadenstoß versetzen könnte. Jener Labbadia, der einst sehr wohl Erfolge mit dem VfB vorweisen konnte, der dann aber trotz allem, da gibt es sicher Parallelen zum HSV, vor die Tür gesetzt worden war, weil sich die Verantwortlichen und die Fans mehr erhofft hatten. Heute gibt es in Stuttgart nicht wenige, die meinen, dass die Labbadia-Gegner von damals heute sehr wohl Abbitte leisten müssten, denn nach dem damaligen Abgang des Trainers ist beim VfB nichts besser geworden. Im Gegenteil.

 

Im Ländle regnete es heute, am Sonnabend aber soll die Sonne scheinen. In Hamburg ist es genau umgekehrt. Mal sehen, wie sehr die Punkteverteilung dafür sorgt, dass in einem Fan-Lager so oder so die Sonne scheinen wird. Wir hoffen natürlich, dass es hier trotz des Regens reichlich Sonnenschein geben wird . . .
Beim VfB Stuttgart sind, um mal die sportliche Seite zu beleuchten, alle Mann an Bord. Diejenigen Spieler, die leicht angeschlagen in die Woche gegangen waren, wurden oftmals geschont, mussten nicht immer alle Einheiten mitmachen. Morgen aber wird jeder von ihnen bei 100 Prozent sein. Und besonders auf die Offensive hoffen die Schwaben. Die behaupten, dass es noch nie einen Tabellenletzten in der Bundesliga gegeben hat, der auf eine solche Super-Offensive setzen und bauen und hoffen kann. Vorne sind drei blitzgefährliche Angreifer unterwegs: In der Mitte der ehemalige Millerntor-Bomber Ginczek, links der Sprinter Kostic, rechts der unberechenbare Harnik, und dahinter der schnelle und technisch versierte Didavi, der nach einer längeren Verletzungspause jetzt wieder zur alten Form zurückkehren will – und schon auf dem besten Wege ist. Er wird der HSV-Defensive extrem viele Kopfschmerzen bereiten – neben den Stürmern.

 

Beim HSV herrschte heute nicht nur wegen des guten Wetters beste Stimmung. Bis auf Valon Behrami und Nicolai Müller konnten alle Spieler trainieren. Eine Stunde gab es Programm. Nach dem Aufwärmen folgte ein Spiel fünf gegen fünf gegen fünf. Und danach gab es reichlich Standards. Eckstöße, Freistöße, von links und von rechts zur Mitte gebracht. Meistens von Rafael van der Vaart geschlagen, aber auch Lewis Holtby und Ivo Ilicevic versuchten sich. Mit den Standards wurde ein wirklich lange Zeit verbracht. Zum Schluss folgte Spaß-Training. Die Spieler durften, so sah es aus, das machen, wozu sie Lust hatten. Lange Pässe, kurze Pässe, Torabschlüsse – Flanken. Wobei auch Bruno Labbadia tüchtig mitmischte. Der Coach schlug die Bälle aus dem Anstoßkreis heraus auf die linke Seite, wo Matthias Ostrzolek die Kugel meistens mit der Brust stoppte – um dann aus dem Lauf heraus zu flanken. In der Mitte hatte dann die Angreifer ein Spielchen mit Torwart Jaroslav Drobny zu laufen. Vorher wurde angesagt, wie viele Tore sie aus acht Flanken machen – und der oder die Verlierer mussten danach Liegestütze absolvieren. Da es ein nicht-öffentliches Training war, sah ich nicht alles, gefühlt würde ich sagen, dass die Angreifer mehr Liegestütze machen mussten. Und um ehrlich zu sein, ich habe Drobny nicht am Boden gesehen. Wer Rene Adler dabei vermisst: Der Stammkeeper war nach einer Stunde in die Kabine gegangen, nur mal so, es sah nicht danach aus, als drücke Adler auch nur ein kleiner Schmerz.
Übrigens sah Club-Chef Dietmar Beiersdorfer heute dem Training zu, nach dem Ende der Einheit ging er dann mit einer asiatischen Delegation (sah nach einem jungen Spieler aus) in das Umkleidehaus im Volkspark.

 

Aus dem Kader, der heute trainiert hat, blieben der Brasilianer Cleber, Julian Green und auch Maximilian Beister zu Hause.
Schiedsrichter der Partie in Stuttgart wird der Berliner Manuel Gräfe sein, in meinen Augen eine sehr gute Ansetzung, er ist mit dem Münchner Dr. Felix Brych der zurzeit beste deutsche Unparteiische. Aber – man soll den Tag nie vor dem Abend loben. Habe ich zuletzt wahrscheinlich das eine oder andere Mal zu viel gemacht. Deswegen halte ich jetzt mal den Ball flach. Obwohl ich, wenn ich bei Schiedsrichter bin, gleich an Rafael van der Vaart denke, denn der hat bislang neun Gelbe Karten „eingefahren“. Sieht er in Stuttgart noch einmal Gelb, dann fand am Neckar das Abschiedsspiel des „kleinen Engels“ statt. Das wäre doch auch dramatisch. Nicht für jeden HSV-Fan, aber auf jeden Fall für van der Vaart selbst.

 

Aber der Niederländer könnte sich ja auch in Sachen Härte oder auch mit verbalen Entgleisungen zurückhalten, dann passiert eben nichts. Hoffentlich. Ich sprach heute noch mit einem ehemaligen HSV-Spieler, der sich in Sachen Zurückhaltung nie besonders zurückhielt. Sein damaliger Trainer Klaus Ochs hat über ihn einst gesagt: „Auf dem Platz ist er ein Ekel.“ Es geht, einige haben es schon erraten, um Horst Heese. Der heute 71-Jährige lebt schon seit Jahrzehnten in Belgien, verfolgt den HSV, für den er einst „nur“ 41 Spiele bestritt, aber immer noch ganz genau – über das Bezahlfernsehen. Heese wurde damals im Winter 1972 verpflichtet und absolvierte sein erstes Spiel für den HSV am 16. Dezember 1972, bei seinem Debüt gab es eine 0:1-Niederlage – und der HSV stand damals auf dem letzten Tabellenplatz. Trotzdem gab es ein Happy end, dank Heese, der in der HSV-Geschichte den Platz eins als HSV-Retter einnimmt. Er riss die gesamte Mannschaft damals mit, und das waren immerhin Spieler wie Rudi Kargus, Peter Hidien, Manfred Kaltz, Peter Nogly, Klaus Zaczyk, Georg Volkert, Ole Björnmose, Willi Schulz, „Bubi“ Hönig, Caspar Memering, und, und, und.

 

Horst Heese hat in der jüngeren Vergangenheit schon oft um und mit dem HSV gezittert. Diesmal aber schien er mir optimistischer zu sein, denn er sagte: „Das sieht doch jetzt schon wieder viel besser aus, als noch vor ein paar Wochen. Das ist ja jetzt eine ganz andere HSV-Truppe, die kämpfen und hängen sich voll rein – das sieht gut aus, in meinen Augen.“ Den Umschwung hat Bruno Labbadia gebracht, das sieht auch Heese so, denn er befindet: „Sicher hat Bruno viel bewirkt, aber wenn man auf einen schwachen Trainer folgt, dann muss man kein Super-Trainer sein. Da hätte kommen können, wer will, es waren vorher zu viele schwache Trainer da. Wenn die Jungs merken, da vorne steht einer, der versteht sein Handwerk, der hat selbst gespeilt, der weiß wie es geht, dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Aber wenn du da vorne ein paar Flaschen vor der Mannschaft stehen hast, in kurzen Sprinterhosen, dazu mit fünf Handys durch die Luft wirbeln, dann wissen die Spieler doch gleich Bescheid. Der kann denen doch gar nichts erzählen, und wie soll das denn funktionieren?“ Heese: „Wenn wir damals gemerkt haben, dass wir eine Flasche vor uns haben, dann haben wir den sofort auf die Rolle genommen. Wenn der in kurzen Hosen vor uns stand, haben wir schon gegrinst, wenn der dann noch seine Stutzen irgendwie schief angezogen hatten, dann war die Sache für uns gleich klar, was wir da für einen vor uns hatten . . . Wenn du aber einen Trainer hast, der selbst an der Front war, dem nimmst du doch eher ab, was er da erzählt. Und von den schwachen Trainern hatte der HSV zuletzt leider einfach zu viele.“

 

Horst Heese sagt über die heutige HSV-Truppe, und das ist aus seinem Munde gewiss ein riesiges Kompliment: „Jetzt ist wieder ein anderer Geist drin. Und wenn du den Bruno Labbadia siehst, das ist echt, das ist authentisch, er lebt das vor, was da jetzt passieren muss. Die anderen Trainer haben, wenn die Kameras auf sie zukamen, ein verzweifeltes Gesicht gemacht, haben ein wissenschaftliches Gesicht gemacht, oder sie haben ihre Notizblöcke vollgeschrieben. Da waren viele Schauspieler am Werk. Aber Gott sei Dank, sie tanzten nur einen Sommer. In Hamburg jedenfalls.“

 

Horst Heese appelliert – auch für die Zukunft des HSV – an die Ehemaligen des HSV: „Da sind doch so viele Pragmatiker, die müssten mal den Mund aufmachen. Damit die Knalltüten ausgespielt haben, damit der HSV endlich mal einen vernünftigen Trainer bekommt. Diejenigen, die noch den engen Draht zum HSV haben, sollten schon mal häufiger den Mund aufmachen.“ Aber, das vermute ich, es haben in der Vergangenheit vielleicht schon oft den Mund aufgemacht, doch es passierte nichts, ihre Tipps verhallten mehr oder weniger ungehört im Volkspark.

 

Und wie ist Horst Heese mit dem Punkt „Härte“ zurzeit mit den HSV-Spielern zufrieden? Heese: „Das könnte ruhig noch etwas mehr sein, ganz klar. Wobei man Härte nicht mit Unfairness verwechseln darfst. Aber es geht doch jetzt um alles. Man darf nicht von hinten zutreten, du kannst ja auch einen Gegner von vorne stören. Aber du musst fit sein, immer eisern und hart am Mann sein. Heute sieht man auch keine Schnitte, wenn man nicht hundertprozentig fit ist. Dann bist du im heutigen Tempo-Fußball total daneben. Und man muss auch immer schön aufpassen, dass man nicht zu viele Freistöße vor dem eigenen Strafraum verursacht, das kann sich dann auch schnell rächen, wenn der Gegner da Spezialisten hat, die solche Standards zu nutzen verstehen. Also, mehr Härte ja, aber keine Fouls.“
Mal sehen, wie das denn morgen in Stuttgart so laufen wird – in der HSV-Defensive.

 

Ich habe übrigens in die Programm-Zeitschrift „Hör zu“ geblickt, wie der Prominente (jede Woche ein anderer) den Spieltag, besonders den HSV getippt hat. Diesmal ist das Joscha Kiefer (Soko 5113) gewesen, und der tipp Stuttgart – HSV auf 4:0. Oha, ein dickes Ding! Und eine Woche weiter tippt Lukas Hundt (Akte Ex) den HSV gegen Schalke 04 auf 1:0. Mal abwarten, wie sich das alles (schon an diesem Spieltag) da unten entwickelt.

 

So, zwei Personalien habe ich noch:

Lotto King Karl eröffnet an diesem Sonnabend im Stadtpark die Open-Air-Saison – und ich wünsche dem Kult-Sänger und seiner Band alles Gute, viel Glück – und gutes Wetter. Und Euch, die Ihr dabei seid, viel Spaß.

Dann hat sich heute Joe Zinnbauer bei NDR2 zu Wort gemeldet. Der Trainer, der im Moment nicht groß arbeitet, kann sich durchaus vorstellen, dass er in der nächsten Spielzeit wieder die U23 (spielt am Sonnabend um 14 Uhr in Lübeck um Punkte) trainieren wird. Mich würde das sehr freuen, gebe ich zu, denn der „Joe“ hatte diese Truppe doch märchenhaft ins Laufen gebracht. Vielleicht schafft er das denn ja noch einmal, ich glaube, dass die meisten Spieler nichts dagegen hätten. Ich drücke ihm die Daumen, dass es noch einmal weitergehen wird mit ihm – beim HSV.

 

Und wie es dann in der Bundesliga weitergehen wird, das kann man dann wahrscheinlich schon morgen von 17.20 Uhr an etwas klarer sehen, auch wenn bestimmt noch nicht alles restlos geklärt sein wird. Davon gehen ich mal verstärkt aus Drückt dem HSV tüchtig die Daumen, dass auch diesmal das Abstiegsgespenst in andere Städte abzischt. Hat doch 2014 bestens geklappt – oder?

 

In diesem Sinne, kommt gut rein in den 33. Spieltag – und bleibt positiv!

Dieter.

 

18.46 Uhr

Der HSV und seine Manager

28. Dezember 2011

Keine Zugänge, keine Abgänge – Winterpause. So ist das zurzeit beim HSV. Mein Kollege Kai Schiller hatte heute das Glück, mit ´Frank Arnesen sprechen zu können – es passiert (wohl) nichts mehr. Mein Bauchgefühl hatte mir ja gesagt, dass der HSV noch einen „Kracher“ zu Silvester holen wird – oder auch kurz danach, aber daraus wird wohl doch nichts. Der Blick in die klamme Kasse ist wohl zu ernüchternd . . . Obwohl: Dieses Fass möchte ich gar nicht erst wieder aufmachen. Wir alle werden es ja demnächst – genau am 15. Januar – wieder einmal genau erleben und hören, wie es um den HSV bestellt ist, auf der Jahreshauptversammlung nämlich, und die Herren werden es uns dann schon mitteilen. Die Finanzen des Klubs sind ja schon immer ein ganz, ganz heikles Thema gewesen, und selbst wenn sie noch so schlecht sein sollten – der HSV lebt ja immer noch. Ich sage mir deshalb seit einer geraumen Zeit schon: warum aufregen? Was hat es denn in der Vergangenheit gebracht? Da wurde über leere Kassen, halbleere und volle Kassen geschrieben, aber geändert hat es ohnehin nie etwas. Mir genügt es ohnehin, wenn die jetzige Führung hin und wieder davon spricht, dass finanziell keine großen Sprünge mehr gemacht werden können. Dann weiß ich, dass das Geld zwar knapp ist, aber es ist noch ein bisschen da. So interpretiere ich das jedenfalls – für mich. Nur für mich. Und vor dieser Saison war ja auch eigentlich kein Geld mehr da, oder nur wenig, und trotzdem konnten einige Spieler verpflichtet werden. Wie zum Beispiel Ivo Ilicevic, der mit vier Millionen Euro wohl der teuerste Neuzugang ist. Und vier Millionen sind ja auch Geld, wenn auch im gehobenen Profi-Fußball fast so etwas wie „Kleingeld“. Aber wenn es denn „Kleingeld“ ist, so hat der HSV wenigstens das noch in der Kasse.

Aber nun Schluss mit diesem leidigen Thema. Mehr gibt es, wie gesagt, am 15. Januar. Und zwar dann von kompetenter Seite. Wobei ich, das muss ich schnell noch loswerden, kürzlich sogar deshalb ein Lob erhalten habe (von einem „Matz-abber“), weil ich gar nicht mehr auf dieses Geld-Thema eingegangen bin. Danke dafür (auch Scholle erhielt Lob!), aber ich bin es auch Leid. Deswegen fange ich gar nicht erst (groß) damit an. Immerhin aber ist es ja so, dass der Sportchef zu dieser Saison mit wenig Geld und viel Auge eingekauft hat. Ich glaube, dass ich das immerhin sagen darf, weil sich darüber ja wohl die meisten einig sind. Und weil ich das im Zusammenhang mit Frank Arnesen geschrieben, wurde hier ja viel über den Dänen diskutiert. Was eigentlich ein schönes Thema ist: Wer ist der beste HSV-Manager? Welcher Mann hat hier für Furore gesorgt? Ich habe sie ja alle mitbekommen, angefangen bei Dr. Peter Krohn.

Der „General“ war ja 1973 erstmalig HSV-Präsident, wurde zwei Jahre später dann Generalmanager. Und Krohn war ein Mann mit vielen Ecken und Kanten, auch ein Mann, der mitunter auch recht unangenehm für seine Mitstreiter werden konnte – aber auch ein Mann, der vor Ideen nur so sprühte. Wenn Uli Hoeneß heute die Mutter alle Bundesliga-Manager ist, dann war Krohn der Vater. Er führte den HSV aus schlimmsten Krisen-Zeiten heraus – bis in die Spitze Europas. Rosa Trikots, Elefanten beim Show-Training. Wer Dr. Krohn daran festmacht, wird ihm nicht gerecht. Krohn holten Felix Magath (Krohn: „Meine Fernseh-Liebe“), Willi Reimann, Horst Bertl, Hans „Buffy“ Ettmayer, Horst Blankenburg, Ivo Buljan und einige mehr, Krohn holte aber vor allem Kevin Keegan. Das, obwohl der HSV – schon damals – kein Geld hatte. Um die Kassen wieder aufzufüllen, erfand Krohn mal eben den „Hafen-Pokal“. Zum Beispiel kam Liverpool nach Hamburg, füllte das Volksparkstadion und die Kassen (beider Klubs). Krohn war, so schrieb das Abendblatt einst, seiner Zeit damals weit voraus, er „verkaufte“ den Klub und die Raute – er setzte Maßstäbe für die nachfolgende Manager-Generation. Dabei hatte der frühere Bundestrainer Sepp Herberger einst – in Richtung Hamburg – gewarnt: „Krohn soll vom Fußball besser die Finger lassen . . .“ Und Max Merkel spottete damals: „Der Krohn glaubt doch, dass der Ball nur deshalb springt, weil ein Frosch darin sitzt.“ Egal, der äußerst kreative Krohn hat, trotz des Dauerkrachs mit Trainer Kuno Klötzer, dem HSV letztlich sehr, sehr gut getan, er hat Zeichen gesetzt – und die Note eins verdient.

Günter Netzer war dann der Mann, der ihm folgte. „Ich bin aus Mönchengladbach nach Hamburg gefahren, weil ich beim HSV die Stadionzeitung machen wollte, aber dann hat mir der damalige Präsident Paul Benthien gesagt, dass ich die Stadionzeitung nur machen dürfe, wenn ich auch HSV-Manager werde“, hat Netzer einst über seine Hamburger Karriere verraten. Es wurde die erfolgreichste Zeit des HSV. Weil Netzer erst den „harten Hund“ Branko Zebec verpflichtete, danach den genialen Ernst Happel nach Hamburg holte. Und weil es Netzer gelang, den abwanderungswilligen Kevin Keegan beim HSV zu halten – trotz größter Widerstände. Von 1978 bis 1986 war Günter Netzer, den ich noch heute sehr verehre, das muss ich shcnell mal gestehen (weil der Mann einfach Fußball pur ist), HSV-Manager. Gegen Ende seiner HSV-Laufbahn kaufte er Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke – wie das endete, das wissen wir (wohl) alle. Netzer: „Ich hatte nicht für möglich gehalten, dass diese beiden Spieler die Mannschaft und den alten Ernst Happel noch so durcheinander bringen könnten, aber sie haben es tatsächlich geschafft . . .“ Von nun an ging’s bergab – würde Hildegard Knef singen.

Später sagte der damalige HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein über die Netzer-Ära: „Es gab zwischen Ernst Happel, Günter Netzer und mir nie einen einzigen Streit. Jeder hat den Bereich des anderen akzeptiert, auch ein ehemaliger Weltklasse-Spieler wie Günter Netzer hat einem Trainer Happel nie in den Job hineingeredet.“

Nachfolger von Netzer wurde ebenfalls ein „Zehner“: Felix Magath. Der hatte bis zum Sommer 1986 noch selbst gespielt, beendete dann mit dem WM-Finale von Mexiko (Argentinien – Deutschland 3:2) seine Fußball-Karriere und rutschte auf den HSV-Manager-Stuhl. Er holte – oder holten ihn doch eher Wolfgang Klein?) Josip Skoblar als Trainer, und später, nach dem Rauswurf von Torwart Uli Stein, auch Mladen Pralija. Der Anfang vom Ende des Managers Magath. Zumal er schnell begriffen hatte, dass er erstens mit Klein nicht auf einer Wellenlänge lag, und dass er zweitens doch besser in kurzen Hosen auf den Fußballplatz gehörte. Das allerdings dauerte noch, erst wurde Magath noch Manager in Uerdingen und Saarbrücken, bevor er dann die Trainer-Laufbahn einschlug. Erste Station, nur nebenbei, war Bremerhaven.

Für Magath kam 1988 Erich Ribbeck, den der damalige HSV-Präsident Ernst Naumann quasi im Alleingang verpflichtet hatte. Ribbeck war eine meiner größten Enttäuschungen beim HSV – aller Zeiten. Eigentlich ist er noch immer die größte. Mehr ist nicht zu sagen.

Auf Ribbeck folgte Hartmut Dieckhoff, der aber nur eine Art „Mini-Manager“ war. Und den Titel „HSV-Organisationsreferent“ trug. Das waren Zeiten. Ich war einst dabei, als Dieckhoff nach einem Freundschaftsspiel in der Nähe von Husum das Antrittsgeld für den HSV in einer Zigarrenkiste einsammelte und in den Bus trug. Zwischendurch musste er, die Kiste unter dem Arm, noch Autogramme geben . . .

Dann kam 1991 Georg Volkert vom FC St. Pauli Manager. Ein klangvoller Name im deutschen Fußball auch beim HSV, doch die Zusammenarbeit zwischen Volkert und Präsident Jürgen Hunke klappte überhaupt nicht. Das war wie Hund und Katze – ein frühes Ende war keine Überraschung. Auf Volkert folgte Heribert Bruchhagen, der bis Dezember 1994 im Amt war – in meinen Augen auch gute Arbeit geleistet – denn auch damals waren die Verhältnisse in Hamburg nicht gerade rosig. Bruchhagen und der damalige Präsident Ronald Wulff „konnten aber so gar nicht“ miteinander, deswegen die Trennung.

Mit dem neuen Präsidium um Uwe Seeler gab es dann 1995 auch den Manager Bernd Wehmeyer. Aber der ehemalige Linksverteidiger musste schnell lernen, dass es gar nichts – oder nur sehr wenig – zu „managen“ gab. Früher hielt sich das Gerücht, dass Wehmeyer bei Uwe Seeler fragen musste, ob er tatsächlich eine 50-Pfennig-Briefmarke auf dem Umschlag kleben dürfe, oder ob er den Brief doch besser persönlich zustellen solle? Meistens musste er wohl selbst laufen . . . So viel Ebbe herrschte in der Kasse.

1998 kam Holger Hieronymus. Zweiter Vorsitzender und sportlicher Leiter. Keine goldene Ära. „Hiero“ holte Thomas Doll zurück (aus Bari), Alexander Curtianu, Fabian Ernst, Dimitrios Grammozis, Vanja Grubac, Martin Groth, Setrgej Kirjakow, Nico Hoogma, Oliver Straube – und im Jahre 2001 den alternden Jörg Albertz von den Glasgow Rangers zurück. Im August 2002 übernahm dann Dietmar Beiersdorfer den Manager-Posten. Und ich denke noch heute, dass der „Didi“ Schwung (und Strukturen) in den Verein gebracht hat. Er hatte Ideen, er packte auch an – aber fühlte sich im Zusammenspiel mit dem Vorstand Hoffmann/Kraus wie ein fünftes Rad am Wagen. Leider, leider. Denn eigentlich gab es unter dem Duo Hoffmann/Beiersdofer eine sehr erfolgreiche Zeit, der HSV spielte wieder in Europa mit, der HSV holte namhafte (und teilweise auch teure) Spieler wie Vincent Kompany, Nigel de Jong, Mladen Petric, Marcell Jansen, Ivica Olic, Romeo Castelen, Paolo Guerrero, Joris Mathijsen, Frank Rost und vor allem Rafael van der Vaart. Natürlich aber auch den einen oder anderen „Rohrkrepierer“, und darunter einen „Knüller“ wie Juan Pablo Sorin. Dieser Name allein verdirbt dem Duo H/B eine Note über der Drei. Und ich weiß nicht, ob es der damalige Vorstandsvorsitzende tatsächlich so weit auf die Spitze getrieben hätte (die fehlende Zusammenarbeit mit dem Sportchef), wenn er gewusst oder geahnt hätte, dass er selbst bald nicht mehr im Amt sein würde. Eigentlich hätte alles so gut weiterlaufen können, aber wie heißt es so schön im Volksmund: „Wenn’s dem Esel zu wohl wird . . .“

Auf Beiersdorfer folgte dann erst einmal nichts. Die große Leere. Und das war, heute sehen es fast alle ein (auch die, die es damals – in verantwortlicher Position – vehement abgestritten haben!), der größte HSV-Fehler in diesem Jahrtausend. An diesem Vakuum hat der Klub bis heute zu knabbern. Allerdings bleibt uns heute die Hoffnung, dass Frank Arnesen dafür sorgen wird, dass dieser Fauxpas des HSV schon bald in Vergessenheit gerät. Hoffen wir es einmal gemeinsam.

18.55 Uhr

Zittern um Ze Roberto, Jansen und Demel

30. September 2010

Um erst einmal sportlich zu beginnen: Guy Demel fehlte beim heutigen Training, denn er hat eine Magen- und Darm-Grippe. Marcell Jansen fehlte beim heutigen Training, er hat eine Stirnhöhlenentzündung. Und Ze Roberto fehlte beim heutigen Training, weil er eine kleine Muskelverhärtung hat und die medizinische Abteilung meinte, dass es besser wäre, wenn der Brasilianer einmal einen Tag mit dem Training aussetzen würde. Trainer Armin Veh aber rechnet für das Sonnabend-Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern fest mit dem „großen Ze“, ob es mit Demel und Jansen gehen wird, das ließ der Coach noch offen. Wobei Jansen schon eine Lücke hinterlassen würde, die schwer zu schließen sein dürfte. „Wenn Marcell Antibiotika schlucken müsste, dann dürfte er wohl sicher ausfallen, auch sonst könnte es knapp werden“, sagt Veh über den deutschen Nationalspieler. Der Coach zur allgemeinen Lage: Wir jammern aber trotzdem nicht, denn wir haben noch genügend Leute.“ Wobei Mladen Petric und Paolo Guerrero ohnehin schon als Ausfälle feststanden.

Vier Spiele ohne Sieg. Das ist schlimm genug. Und zudem hat der Kicker heute geschrieben, dass der HSV seit einem Jahr die zweitschlechteste Bundesliga-Mannschaft ist. Nur neun Siege seit einem Jahr. Nürnberg holte als Schlusslicht acht . . . Eine Wahnsinns-Bilanz. Die ich niemals für möglich gehalten hätte. Das ist so wie mit den gefühlten Temperaturen im Wetterbericht. Da heißt es ja auch oft: „Gemessen zwölf Grad, gefühlte sechs.“ Beim HSV hätte ich gedacht: Gefühlte zehn bis 15 Siege – aber tatsächlich gezählt sind es neun. Ein Wahnsinn. Auf einer Veranstaltung am Nachmittag, zu der ich am Ende dieses Beitrags noch komme, sprach ich mit Felix Magath darüber. Der hätte die Zahl von neun Siegen auch nicht für möglich gehalten, weil er den guten Saisonstart von vor einem Jahr noch im Gedächtnis hatte. Dann sagte er aber: „Ich halte nichts von solchen saisonübergreifenden Statistiken, man dreht es sich dann so hin, wie man es braucht.“ Stimmt ja, aber nur neun Siege? Ich kann es nicht fassen, nein, das hätte ich niemals für möglich gehalten. Kommentar Veh: „Ich bin ja erst ein paar Wochen da, zu diesem Jahr kann ich nichts sagen. Aber wenn ich ein Jahr lang diese Ergebnisse habe, dann bin ich auch nicht mehr da . . .“

Folgt am Sonnabend nun der dritte HSV-Sieg in der Ära Veh? Er sagt: „Vier Spiele ohne Sieg, das passt mir gar nicht. Wir müssen es jetzt erzwingen, das Ergebnis, den Sieg, ganz einfach, und ich bin guter Dinge, dass wir das auch können. Die Mannschaft kann es, sie hat es auch drauf.“

Hoffentlich.

Sollte Jansen tatsächlich nicht spielen können, dann stünden Eljero Elia oder Piotr Trochowski als Alternativen parat. Und für Demel, so denke ich, sollte gegen Kaiserslautern ohnehin Tomas Rincon spielen. An einen Ausfall von Ze Roberto mag ich ja gar nicht denken, aber Veh ist optimistisch.

Beim Training heute gab es nach dem Aufwärmen an drei Stellen das beliebte „Fünf-gegen-zwei-Spiel“, anschließend wurden (Direkt-)Pässe in jeder Form geübt, später über eine halbe Stunde Flanken mit Torabschluss. Eric-Maxim Choupo-Moting „versenkte“ sicher, gekonnt und manchmal spektakulär, Eljero Elia schoss hart und platziert, Robert Tesche ebenfalls – und dann tauchen zwei Namen in dieser Rangliste auf, die Euch alle verblüffen werden: David Jarolim muss Spinat gegessen haben, er schoss wie Popeye und traf mehrfach sehenswert, wie übrigens auch Jonathan Pitroipa. Der hat nach seinem Bremen-Knaller wohl Gefallen an harten Schüsse gefunden. Er drosch die Kugel einmal so wuchtig gegen die Latte, dass sich auf der anderen Seite de Trainingsanlage die Kiebitze erschraken . . . Na bitte, es geht doch! Den Hoch-und-weit-Preis des Vormittags erschoss sich Choupo-Moting, der es als einziger HSV-Profi fertig brachte, die Kugel auch über den hohen Abfangzaun zu schießen. Den Ball suchen sie morgen noch . . .

Um das noch einmal abschließend zu sagen: Die Stimmung heute im Volkspark war gut. Teilweise wurde viel gelacht und gescherzt. Aber auch einmal gezittert und gebangt. Da lag bei fünf gegen zwei plötzlich Frank Rost am Boden und krümmte sich vor Schmerzen. Er war beim Kampf um den Ball mit Choupo-Moting ganz hart zusammengeprallt, das sah wirklich böse aus, Jarolim und Joris Mathijsen gaben an die medizinische Abteilung schon das Auswechselzeichen, aber dann erhob sich der Keeper doch noch, schüttelte sich kurz und „panzerte“ wie eh und je dem Ball nach. Aus solchem Holz sind echte Kerle geschnitzt.

Zum Abschluss des Trainings gab es ein „Scheibenschießen“. Aus 16 Metern Entfernung wurde das Tor, das abwechselnd von Rost und von Jaroslav Drobny gehütet wurde, „befeuert“. Wer traf, durfte das Training beenden. Und, wer war der Erste? Elia. Der schlug vor Freude einen Purzelbaum mit anschließender Schraube und einem Köllerbacher Übersteiger. Endlich einmal eine positive Regung der „Rakete“, es hat ja lange genug gedauert. Platz zwei ging an Muhamed Besic, Platz drei an Collin Benjamin. Nicht trafen Piotr Trochowski, Heiko Westermann, Dennis Diekmeier, Lennard Sowah und Choupo-Moting. Es ging dabei nicht nur um Treffer oder eben kein Treffer, nein, es ging um Geld für die Mannschaftskasse. Diejenigen, die nicht trafen, die müssen „blechen“.

Aber: Trotz der Tatsache, dass die Stimmung „draußen“ beim HSV locker war, es bleibt die Tatsache, dass jetzt gewonnen werden muss. Und demzufolge stehen sie alle unter Druck: Die Vereinsführung, die (und der) Trainer, die Mannschaft. Wie empfindet Armin Veh die derzeitige Situation? „Sie ist unbefriedigend. Ich möchte gewinnen. Und die Möglichkeiten waren in jedem Spiel da, aber wir haben nicht gewonnen. Und damit kann man nicht glücklich und zufrieden sein.“

Deswegen gab es in dieser Woche schon einen härteren Umgangston des Trainers, und es wurde sich meiner Meinung nach noch intensiver mit den bevorstehenden 90 Minuten beschäftigt – und auch mit den zurückliegenden. Am Mittwoch gab es Video-Anschauungsunterricht. Es gab Szenen von anderen Spielen (zum Beispiel Liverpool gegen Barcelona), in denen taktische Dinge, die aufgingen, exemplarisch gezeigt wurden. Wobei auch gute Szenen des HSV (ja, die gibt es!) dabei waren. Denn es war bisher ja nicht alles schlecht. Veh: „Diese Szenen zeigen insgesamt, wie wir uns das Spiel vorstellen, wie wir es haben wollen. Und so etwas werden wir nun öfter machen.“ Bei der Gelegenheit: Morgen (Freitag) ist um 16 Uhr Training, aber in der Arena, das bedeutet: unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Mit Kaiserslautern kommt nun ein Gegner nach Hamburg, der auch eine kleine Durststrecke hinter sich hat. Veh gibt aber zu: „Wir haben natürlich mehr Druck, keine Frage. Kaiserslautern hat es einfacher, die werden sich auf die Defensive stützen, die werden ganz kompakt stehen um dann zu kontern. Und die haben mit Hoffer und Lakic ganz schnelle Angreifer.“

Übrigens: Heute war auch der „Matz-abber“ „Gravesen“ (nicht nur er, aber auch er!) beim Training. Und als wir uns über David Jarolim unterhielten, sagte er genau das, was auch ich immer sage und schreibe: „Ich kann es nicht nachvollziehen, dass immer wieder einige fordern, Jarolim aus der Mannschaft zu nehmen. Der ist so enorm wertvoll für diesen HSV, der erobert unheimlich viele Bälle, der opfert sich förmlich für das Team auf – der ist nicht zu ersetzen.“ Mein Reden. Aber „Grave“ und ich sind wohl eine Sorte aussterbender Spezies, denn für die tschechische Nationalmannschaft ist „Jaro“ auch diesmal nicht nominiert worden. Muss Tschechien eine starke Nationalmannschaft haben, wenn sie auf einen so guten (HSV-)Spieler verzichten kann . . .

„Ich wäre zur Nationalmannschaft gefahren, aber ich soll ja nicht. Das ist vielleicht auch ganz gut so und besser für mich, denn dort zehn Tage zu verbringen und eventuell nicht zu spielen, das ist nicht gut“, sagt David Jarolim und fügt an: „Es ist die Entscheidung des Trainers, aber er braucht mich wohl nicht.“ Zu seinem heute sehr starken Schusstraining befand „Jaro“: „Es ist ja nicht so, dass ich nicht schießen kann, wichtig ist, dass man den Mut hat zu schießen. Das hat man bei Jonathan Pitroipa in Bremen gesehen.“ Zugabe, Zugabe möchte man rufen . . .

Zum Thema Mentalität hat David Jarolim übrigens eine etwas andere Meinung als sein Trainer. Der ehemalige HSV-Kapitän sagt: „Nach dem Bremen-Spiel müssen wir nicht über Mentalität sprechen, denn alle haben gesehen, das wir Mentalität haben. Es fehlen Kleinigkeiten, dass wir dieses Spiel nicht gewonnen haben, aber es lag nicht an der Mentalität, jeder will doch etwas erreichen, jeder marschiert doch. Und wir haben uns doch gegen Wolfsburg und Werder nicht schlecht präsentiert. Wir haben zehn Gegentore bekommen, da müssen wir uns verbessern. Jeder muss dafür zuständig sein, die Defensive zu verbessern. Jeder. Das fängt schon bei den Stürmern an.“ Dann ergänzte Jarolim noch: „Wir spielen doch keine Katastrophe zusammen, wir spielen doch nicht ohne System. Wenn das so wäre, dann hätte ich Schmerzen, aber ich denke, dass wir auf einem ganz guten Weg sind.“ Dennoch gibt er zu: „Angenehm ist der Blick auf die Tabelle zurzeit nicht, das ist klar.“

So, und nun werde ich doch noch ein wenig länger, denn ich muss noch über eine ganz besondere Veranstaltung, die am Nachmittag im Volkspark stattfand, berichten. Es gibt vier neue Füße, zwei neue Hände und eine Gedenktafel rund um den Uwe-Seeler-Fuß auf dem „Walk of fame“. Der Hamburger Unternehmer Andreas Maske (großes Kompliment, Herr Maske!) ist dafür verantwortlich, er lud zu einer ganz besonderen Feierstunde ein – und alle, alle kamen. Es war überwältigend, und Kult-Masseur Hermann Rieger gab danach zu: „Das ging mir sehr zu Herzen, ein Traum, alle diese Leute wieder zu sehen, ein einmaliges Erlebnis, einfach nur super.“

So war es. Ihren Fußabdruck haben nun hinterlassen: Felix Magath, Horst Hrubesch, Georg Volkert und Bernd Wehmeyer. Auf seine Hände blicken kann jetzt Rudi Kargus, und für Weltmeister Jupp Posipal gibt es eine Gedenktafel. HSV-Chef Bernd Hoffmann hielt die einführende Rede, Laudator war Dr. Peter Krohn, der danach viel Lob erhielt – auch von „seinem“ Trainer Kuno Klötzer (88): „Das kann er, das hat er auch richtig gut gemacht.“ Stimmt. Was super war: Nicht nur die geehrten Spieler waren alle da, es war auch fast gesamte große HSV-Familie zugegen. Einmalig.

Dr. Krohn in seinem Resümee: „Zählt man einmal die sportlichen Erfolge der sechs Männer, die heute in den Walk of fame aufgenommen wurden, zusammen, dann ergibt sich ein imponierendes Bild von zusammen 1420 Liga-Pflichtspielen für den HSV, zusammen 112 A-Länderspielen als HSV-Spieler, eine Weltmeisterschaft, zwei Europapokalsiege, drei deutsche Meisterschaften und einen DFB-Pokalsieg – das verdient unseren großen Applaus.“ Und den gab es dann reichlich.

Wie gesagt, eine traumhafte Veranstaltung, zu der viele HSV-Größen gekommen waren: Uwe Seeler, Dr. Wolfgang Klein, Udo Bandow, Jochen Meinke, Horst Schnoor, Gerhard Krug, Erwin Piechowiak, Klaus Neisner, Manfred Kaltz, Harry Bähre, Uwe Reuter, Arkoc Özcan, Bastian Reinhardt, die Ehefrauen von Jupp Posipal, Horst Dehn und Klaus Stürmer (aus Lemgo!) und Kuno Klötzer, um nur einige zu nennen. Fotos von dieser Veranstaltung wird demnächst (so denke ich) unserer „rasender Matz-ab-Reporter“ Benno Hafas (danke, Benno!) zeigen, dann habt Ihr einen kleinen Eindruck, was dort heute im Volkspark abging.

20.09 Uhr

Doppelte Entwarnung

6. September 2010

„Auf dem ersten Bild hat man nichts gesehen. Deswegen wird es nun noch ein zweites geben.“ Das sagte HSV-Trainer Armin Veh über die Kernspintomographie, die über die Knie-Verletzung von Marcell Jansen Aufschluss geben sollte. Aber auch bei der zweiten Aufnahme gab es nichts zu sehen – alles ist anscheinend in Ordnung. Es soll sich lediglich um eine Reizung des linken Knies handeln. Heute fuhr der Nationalspieler nur leicht auf dem Fahrrad, weil Jansen noch leichte Schmerzen verspürt, morgen wird dann entschieden, ob und wie die Belastung gesteigert werden kann. Auf jeden Fall ist es so, dass noch nicht über einen Ausfall Jansens für das Nürnberg-Spiel am Sonnabend gesprochen werden kann.

Gleiches gilt auch für Dennis Aogo. Am Sonnabend musste der WM-Teilnehmer noch für das Regionalliga-Team des HSV (gegen Wilhelmshaven) passen, doch heute kam der Abwehrspieler zum Training und konnte beim Betreten der Räumlichkeiten ein gewisses Strahlen nicht verbergen: „Es ist jetzt wieder alles okay, ich habe keine Beschwerden mehr.“ Warum auch immer. Eine doppelte Entwarnung also bei den so begehrten Linksfüßen des HSV, doch Armin Veh traut dem Frieden noch nicht ganz: „Erst einmal abwarten, wie sie das Training bis zum Sonnabend überstehen werden . . .“

Aogo machte auf jeden Fall das Abschlussspiel mit (auch Torwarttrainer Ronny Teuber war als Feldspieler dabei!), es sieht ganz gut aus, aber Veh sagt: „Dennis hat ja noch gar nicht mit der Mannschaft trainieren können, deswegen ist es immer ein Risiko, einen nicht ganz fitten Spieler einzusetzen. Er braucht ganz sicher noch einige Spiele, um wieder voll da zu sein.“ Einer von den beiden Links-Verteidigern, Jansen oder Aogo, wird aber wohl spielen müssen, denn Armin Veh würde höchst ungern Ze Roberto nach hinten ziehen. Obwohl der Coach auch sagt: „Ze wäre für den Fall der Fälle immer eine Option.“ Und ansonsten? Tomas Rincon und Robert Tesche. Der Reihenfolge nach. Lennard Sowah spielt bei solchen Gedankengängen des Trainers noch keine Rolle. Obwohl der 17-Jährige ja schon auf Einsätze in der Premier League verweisen könnte. Was zwar generell richtig wäre, aber unter besonderen Vorzeichen zustande kam, denn: Bei Absteiger FC Portsmouth waren das in der vergangenen Saison keine normalen Maßstäbe. Den Engländern fehlte vor einem halben Jahr das Geld, um Auflaufprämien zahlen zu können, deswegen mussten in der Endphase der Meisterschaft einige Nachwuchskräfte ran. Darunter auch Sowah. Mit dem ehemaligen Spieler des SC Urania aber, das steht fest, müssen sie alle beim HSV noch viel Geduld aufbringen.

Das heutige Training hat verpasst hat Jonathan Pitroipa, der um 16 Uhr erst landen sollte – und demnach morgen dabei ist. Dennoch, die Spieler, die dabei waren, die tragen klangvolle Namen: Frank Rost, Jaroslav Drobny. Paolo Guerrero, Robert Tesche, Ze Roberto, Piotr Trochowski, Dennis Aogo, Tom Mickel und Guy Demel, der nur bei den Stabilisations-Übungen mit von der Partie war, dann aber laufen ging. Mit ihm lief auch Dennis Diekmeier, der am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining einsteigen will (soll?). Erfreulich: Heung Min Son war auch in der Arena (auf der morgen die ersten Buchstaben montiert werden sollen), der Südkoreaner fuhr Fahrrad.

„Ich freue mich auf Mittwoch, wenn die Spieler wieder da sind“, sagt Armin Veh und sagt fast ein wenig zähneknirschend: „So ist das ja keine Trainiererei. Aber es ist ja immer das Gleiche. Da kann man ja niemanden auf die Spiele einstellen. Das kann man doch gar nicht. Und wenn es dann am Sonnabend schief geht, dann fragen sich die Fans, was die die ganze Woche über machen?“

Es kann übrigens noch sein, dass David Jarolim kurzfristig fehlen wird. Der werdende Vater wird dann nach Prag fliegen, wenn die Wehen bei seiner Freundin einsetzen. Grünes Licht hat der Tscheche von Trainer Veh bereits erhalten, denn der sagt: „Wenn einer fit ist und mal einen Tag ohne Training sein kann, dann ist es David Jarolim.“

Das Training am Montag haben fast alle gut überstanden, lediglich Drobny ließ sich nach dem Ende eine Binde um das rechte Knie verpassen, dann wurde der Keeper mit dem Golf-Car in Richtung Kabine gefahren. Kurios: Die Trainer ging um 17.30 Uhr vom Platz, die Spieler aber ließen sich noch im Rasen nieder und klönten miteinander. Lediglich Guerrero und Trochowski wagten noch einige Torschüsse, bevor auch sie zur Arena gingen (vielen Dank, Benno Hafas!).

Ja, und nun wartet am Sonnabend der 1. FC Nürnberg auf den HSV. „Wir sind in Hamburg der Favorit“, sagt Armin Veh. Natürlich, aber den Franken steht schon jetzt das Wasser bis zum Hals, das Spiel könnte durchaus unangenehm werden. Zumal Veh das sagt, was im Prinzip jeder seiner Kollegen sagt: „Es gibt in der Bundesliga keine leichten Spiele mehr.“ Natürlich nicht. Aber ein HSV-Sieg würde weitere Hoffnungen auf bessere Zeiten keimen lassen. Und er würde auch einen Uralt-Rekord einstellen, denn: Drei Siege zu Saisonbeginn hat der HSV zuletzt in der Saison 1974/75 geschafft. Es gab erst einen 3:1-Erfolg in Mönchengladbach, ein 1:0 daheim gegen Kickers Offenbach und wieder einen 3:1-Sieg in Frankfurt. Bei allen drei Erfolgen dabei: Rudi Kargus, Manfred Kaltz, Peter Nogly, Horst Bertl, Caspar Memering, Kurt Eigl, Klaus „Jonny“ Winkler, Ole Björnmose, Willi Reimann, Georg Volkert und Klaus Zaczyk. Am vierten Spieltag folgte dann in Hamburg ein 1:1 gegen Hertha BSC. Und am Ende der Saison belegte der HSV Rang vier. Könnte ich nach dieser Spielzeit auch wunderbar mit leben . . .

Apropos wunderbar: Ist es nicht herrlich, dass der „alte“ Ruud van Nistelrooy „sein“ Tor bei der niederländischen Nationalmannschaft gemacht hat? Egal in welchem Pille-Palle-Spiel auch immer, er hat es gemacht, in einem Kurz-Einsatz. Und nicht nur im Nachbarland haben sich alle mit „Van the man“ gefreut, auch hier in Hamburg wurde gejubelt. Und Armin Veh gibt zu: „Ich habe mich schon gleich gefreut, als er mir von seiner Nominierung berichtete. Und nun dieses Tor, alles ist bestens. Der Mann ist ja auch fit, auf diese Länderspiel-Einsätze hat er doch hin gearbeitet. Er könnte auch 90 Minuten spielen, keine Frage. Ich habe keinerlei Bedenken, weil er zurzeit bei seiner Nationalmannschaft ist, er ist absolut fit – er wollte diese Nominierung doch, und er hat sie sich verdient, weil er alles dafür getan hat.“ Der “alte Wolf” hat eben noch immer den richtige Biss.

Am Dienstag wird beim HSV einmal trainiert, die Einheit beginnt um 10 Uhr.

18.16 Uhr

Eine Sommergeschichte aus NRW

26. Juni 2010

Es ist immer wieder erstaunlich, wo die HSV-Fans beheimatet sind, wie sie ihren Klub kennen und lieben gelernt haben – und ebenso erstaunlich ist, dass sich diese Rothosen-Anhänger ganz, ganz emsig an den Sommergeschichten beteiligen. Ich freue mich sehr darüber, ich finde das nicht selbstverständlich und genieße es. Ich hoffe, dass das auch allen „Matz-abbern“ so geht. Vielen Dank den Autoren – und allen viel Spaß beim Lesen.

Und ab:

Vater und Sohn gemeinsam auf HSV Tour

Beginnen möchte ich mit meiner Sommergeschichte zu erzählen, wie ich zum Fußball gekommen bin. Mein Vater, Jahrgang 1939, hätte immer gerne Fußball im Verein gespielt, durfte aber nicht. Daher stand für ihn fest, dass sein Sohn es besser haben und auf jeden Fall im Verein Fußball spielen sollte. So kam es dann, dass ich im Alter von sieben Jahren (Jahrgang 1963) im April 1971 Mitglied bei Altona 93 wurde. Ich begann in der zweiten E-Jugend als linker Verteidiger.

Zur Saison 1974/75 wechselte ich dann zur Groß Flottbeker Spielvereinigung, wo ich dann später bis zur A-Jugend recht ansehnliche Spiele, wie ich meine, als Linksaußen ablieferte. Ich kann mich noch gut an die hervorragend besetzten Pfingstturniere beim SV Munster in der Lüneburger Heide und an internationale Turniere in Dänemark und Norwegen (wo wir 1980 den sog. Scandia Cup gewannen) erinnern. Das waren damals schon tolle Erfahrungen für uns Jugendliche. Und natürlich erinnere ich mich an ein Spiel gegen die zweite B-Jugend des HSV, das wir in Ochsenzoll 2:1 gewannen.

Wie bin ich nun HSV-Fan geworden? Es begann alles mit dem Uwe-Seeler-Abschiedsspiel am 1. Mai 1972, als mein Vater mich das erste Mal mit ins Volksparkstadion nahm. Der HSV u.a. mit Özcan, Schulz, Nogly, Zaczyk, Ripp, Hönig, Björnmose, Volkert und natürlich Uwe Seeler spielte gegen eine Weltauswahl. Da waren die Weltstars von damals zu bewundern: u. a. Pelé, Johan Cruijff, Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller, Karl-Heinz Schnellinger, Eusebio, Bobby Charlton, Bobby Moore, Dennis Law, George Best, Gordon Banks, Paul van Himst, Giacinto Facchetti, Sandro Mazzola, Gianni Rivera und Ferenc Bene. Ich erinnere mich noch genau, dass mein Vater mir eine HSV-Fahne kaufen wollte, aber ich habe mich dann für einen Wimpel vom Abschiedsspiel entschieden, den es heute noch gibt.

Es folgten weitere Spiele im Volkspark, vornehmlich auf der Südtribüne in Begleitung meines Vaters oder sogar meiner Mutter, die ich zum Achtelfinale im Europacup der Pokalsieger 1976 gegen Heart of Midlothian Edinburgh (4:2 für den HSV) für 15 DM eingeladen habe, damit ich ins Stadion durfte, denn alleine ließen sie mich noch nicht gehen. Später ging ich dann regelmäßig mit meinen Kumpels in die Westkurve Block E oder F. Was haben wir nicht für tolle Spiele gesehen, die Eintrittskarten habe ich heute noch, z.B. ein 5:0 gegen die Bayern (Saison 76/77) , das Europapokal-Halbfinale 1977 gegen Atletico Madrid (3:0 für den HSV), das 5:1 gegen Real Madrid im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister (Saison 1979/80), ein 4:1 gegen die Bayern (Saison 81/82) und auch das Endspiel um den UEFA-Cup gegen IFK Göteborg (Saison 81/82), das der HSV leider 0:3 verlor.

Schlimme Erinnerungen habe ich an den 9. Juni 1979, als der HSV Meister wurde und die Fans aus der Westkurve den Innenraum stürmten und es bei diesem Stadionunglück viele Schwerverletzte gab.

Dann zog ich nach dem Abitur und der Bundeswehrzeit 1984 zur Berufsausbildung nach München, aber keine Angst, ich bin nicht Bayern-Fan geworden. Ich verfolgte den HSV in den darauf folgenden Jahren eher distanziert aber weiterhin interessiert aus der Ferne und sah auch das ein oder andere Spiel des HSV im Olympiastadion. Ich finde, Bayern-Fan kann jeder sein, denn es ist einfach, für eine Mannschaft zu halten, die fast immer alles gewinnt. Zum richtigen „Fan-Sein“ gehört aber auch, Höhen und Tiefen, Siege und Niederlagen seines Vereins mit zu durchleben. Und wer eben fast nur Siege kennt, der kennt auch dieses Gefühl der Enttäuschung nicht, das eben auch zum Fußball dazu gehört. Es sind ja gerade die Emotionen, positive wie negative, die diesen Sport so besonders machen.

Seit 1996 wohne ich nun in NRW zwischen Aachen und Mönchengladbach, da hat man natürlich ganz viele Auswärtsspiele unseres HSV in gut erreichbarer Entfernung. Die nie ganz verloren gegangen Leidenschaft zum HSV wurde nun sozusagen neu entflammt. Mein Sohn (1993 geboren) spielt selbst auch Fußball und gemeinsam besuchen wir seit einigen Jahren Auswärtsspiele und jedes Jahr werden es mehr. Dieses Jahr waren wir u.a. auch in Eindhoven und in Anderlecht (beides sehr nervenaufreibende Spiele mit positivem Ausgang), für uns ja quasi fast vor der Haustür gelegen.

Eine richtige Achterbahn der Gefühle war natürlich auch das letzte Auswärtsspiel der Saison 2008/09 in Frankfurt mit dem Last-Minute-Tor von Trochowski zum 3:2. Wir versuchen immer, Karten im Stehblock zu bekommen, um die richtige Stadionatmosphäre zu spüren und den HSV entsprechend lautstark anzufeuern. Es ist immer wieder toll mit anzusehen, wie viele HSV-Fans die Mannschaft auswärts unterstützen. Mir macht es riesigen Spaß, mit meinem Sohn gemeinsam auf HSV-Tour unterwegs zu sein und mit unserem Verein mitzufiebern. Besonders freut mich natürlich auch, dass auch mein Sohn die Raute im Herzen trägt. Ist ja nicht immer ganz einfach, wenn die Schulkameraden um einen herum alle für Borussia Mönchengladbach, 1. FC Köln, Bayer Leverkusen oder für S04 und BVB halten.

Da mein Vater noch in Hamburg wohnt, besuchen wir natürlich auch immer wieder mal ein Heimspiel im Volkspark. Einfach ein Genuss! Alleine schon „Hamburg, meine Perle“ mit Lotto ist den Besuch wert.

Wie gut, dass es das Internet gibt! In unserer Zeitung ist ja über den HSV kaum mal was zu lesen, also lesen wir täglich Hamburger Abendblatt online und natürlich Matz ab von Beginn an, auch wenn wir uns an den Diskussionen bisher nicht beteiligt haben. Dieser Blog ist einfach klasse und wir möchten nicht mehr darauf verzichten. Da saugen wir dann alle Informationen rund um den HSV auf. Und wir hören bei den Spielen, die wir nicht besuchen, die Reportagen von NDR 90,3 mit Lars Pegelow.

Natürlich hofften auch wir in den letzten Jahren auf einen Titel. Die Gesamtentwicklung des HSV ist sehr positiv, die letzte Saison war nach dem furiosen Start in der Bundesliga mit Platz 7 letztlich enttäuschend. Aber inzwischen sind wir schon wieder optimistisch gestimmt und freuen uns auf eine hoffentlich erfolgreiche Saison 2010/11 unseres HSV.

Es grüßen Thomas und Thorsten Mäker aus Hückelhoven, NRW

13.50 Uhr

Eiches Sommergeschichte

17. Juni 2010

Der Traum vom guten WM-Fußball geht weiter. Und auch die Sonmmergeschichten bei “Matz ab”. Heute ist “Eiche Nogly” dran. Ich bin deswegen von seinem Beitrag sehr angetan, weil er von einem legendären Sportplatz schreibt, den ich persönlich auch sehr gut kenne. Viel Spaß beim Lesen:

Am Tag als Rainer Hoppe starb

Wie bin ich zum Fußball beziehungsweise zum HSV gekommen? Tja, wie ich zum Fußball kam, kann ich eigentlich gar nicht sagen. Meine Eltern hatten nichts mit Sport am Hut. Ich hingegen habe Fußball gespielt seit ich denken kann. Geboren im Jahr des Wembley-Tores habe ich am 13. März 1973 meinen Eintritt in den Bramfelder Sport-Verein unterschrieben. Anfangs spielte ich dort, wo alle diejenigen hingestellt wurden, die blind waren. Blind im Sinne des Fußballs!

Ich spielte also linker Verteidiger. Damals gab es deswegen noch keine Elterninitiativen wegen Mobbings oder dergleichen. Wer zu schlecht war, der blieb draußen. Oder er spielte eben linker Verteidiger.

Irgendwann in der E-Jugend ergab es sich mal, dass ein Stürmer fehlte. Wir waren nur elf Mann, soweit man mich damals mitzählte, das weiß ich nicht mehr genau. Ich spielte also im Sturm – notgedrungen. Es war ein Auswärtsspiel gegen Germania Schnelsen an der Frohmestraße. Der Platzwart hatte keine Netze aufgehängt. So etwas demotiviert. Mich ganz besonders. Aber wir gewannen 11:1 und ich schoss sieben Tore in diesem Spiel. Von da an blieb ich Stürmer.

Und die Tore waren keine Eintagsfliege, sondern von diesem Zeitpunkt an immer an der Tagesordnung. Die meisten in einem Spiel schoss ich am 19. August 1982 auf dem damals legendären Sportplatz Diekstücken an der Bramfelder Chaussee. Legendär deshalb, weil der Platz erstens wie eine Kuh-Wiese aussah, es dort zweitens in der Mitte des Platzes (Längsrichtung) eine Regenrinne gab, mit der man Bande spielen konnte, und weil es dort drittens eine Neigung von ungefähr 25 Prozent gab. Oben schien die Sonne, unten regnete es. Das eine Tor, nämlich das in Richtung Ohlsdorfer Friedhof, lag so weit unterhalb des Äquators, dass man beim Überlaufen der Mittellinie seinen Reisepass vorzeigen musste – nein, nein, ein Scherz. Aber die Neigung war schon extrem, es gab und gibt im Hamburger Fußball nichts Vergleichbares. Doch zurück zu meinen meisten Toren: Zehn Stück waren es in einem Spiel. Gegen wen? Warum ich das erwähne? Erst mal natürlich aus Stolz, aber auch um die Kurve zur Überschrift zu bekommen. Es war nämlich gegen den HSV! Womit wir beim eigentlichen Thema sind.

Ich war immer schon HSV Fan. Immer! Mein erstes Spiel im Volksparkstadion war ein legendäres und unvergessliches. Leider sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Es war am 1. April 1977. Meine Mutter hatte mir einen Herzenswunsch erfüllt und zwei Karten für das Spiel gegen Bayern München erworben. Gekostet hatten sie 27 DM das Stück. Sie fuhr mit mir zusammen mit dem Taxi – welch Luxus, aber es war ein Feiertag für mich – zum Stadion. Wenn ich mich recht erinnere, so standen wir ab Höhe Hagenbecks Tierpark unendlich lange im Stau. Zu solchen Spielen war ja auch damals schon die Hütte voll. Meine Mutter die Ruhe selbst. Sie interessierte sich überhaupt nicht für Fußball, sie war nur mir zu Liebe dabei. Ich wurde immer nervöser und es ging und ging nicht voran. Für mich als 10-Jährigen war das natürlich eine gefühlte nahezu lebensbedrohliche Situation. Irgendwo sind wir dann vorzeitig ausgestiegen und den Rest zu Fuß gegeangen – und kamen erst kurz nach dem Anpfiff ins Stadion.

Wir saßen auf der Nordtribüne. Der HSV gewann 5:0! Ein 5:0 gegen die großen Bayern. Unglaublich! Und dabei waren die Münchner mit allen Stars auf dem Acker. Ich erinnere noch den Elfmeter von Schorsch Volkert. Sepp Maier bewegte sich wie ein Affe auf der Torlinie, indem er immer mit den Armen hin und her schaukelte. Es half nichts. Auch der war drin! Ein Traum, so etwas im ersten Spiel erleben zu dürfen. Meine Mutter – die, die sich nicht für Fußball interessierte- stand neben mir auf dem Stuhl (oder waren es noch Holzbänke?) und schrie sich, wie wir alle an diesem Abend, die Seele aus dem Leib.

Aber es war auch der Tag, an dem Rainer Hoppe starb. Ein 16-jähriger Junge wurde in der Westkurve zu Tode getrampelt. Es ging damals tagelang durch die Presse. Schrecklich, dass das damals passiert ist. So hatte die Erfüllung meines Kindheitstraumes diesen bitteren Beigeschmack. Da ich erst zehn Jahre alt war, habe ich damals aber mehr das Ergebnis in mir getragen. Natürlich bin ich gleich zu einem der nächsten Heimspiele wieder hin. Das war ein 5:1 gegen den VfL Bochum. Im HSV-Tor stand Vladimir Kovacic, weil Rudi Kargus verletzt war. Schon wieder fünf Buden dachte ich und sah mich selbst als neuern Glücksbringer des HSV. Mein dritter Einsatz dann war in der Saison darauf, „nur“ ein 1:0 gegen den 1. FC Köln. Da war ich dann wieder auf dem Boden der Tatsachen. Das Tor in diesem Spiel schoss übrigens Peter „Eiche“ Nogly.

In der Meistersaison 1978/79 war ich dann regelmäßig im Stadion. Westkurve natürlich! Ich habe die erste – für mich erste – Meistersaison als knapp 13-Jähriger also meist live im Volkspark miterlebt. Das waren noch Zeiten.

Seit Ende der 80-er Jahre bin ich nun Dauerkartenbesitzer. Habe viele Auswärtsspiele mitgemacht, dabei die ganze Palette der Emotionen, Erfolge und Niederlagen mehr oder minder hautnah erlebt. Auch beim letzten Highlight, dem DFB-Pokalsieg, war ich im Stadion. Wenngleich es fast nichts geworden wäre. Mit dem Zug nach Berlin, 20 Jahre alt und vorlaut. Das eine oder andere Dosenbier haben wir auch intus gehabt. Gefühlt alle zehn Minuten kam im Zug von Hamburg nach Berlin die VOPO, um zu kontrollieren. Beim gefühlt zehnten Mal sprach ich den DDR-Schergen an: „ Sag mal, guckst Du heute Abend auch das Pokalfinale?“ Er in einem äußerst unfreundlichen und forschen Ton: „Nein, ich muss arbeiten.“
Daraufhin ich: „Na ja, macht ja nix. Kannst es ja auf Video aufnehmen und dann später gucken.“

Oha. Weder er noch meine Kumpels im Abteil waren sehr erfreut über meine dummerhaftige große Klappe. Um ein Haar hätte es mich den Pokalsieg gekostet. Ich habe ganz schön geschwitzt! Aber: Ende gut, alles gut. Ich lebe noch und mein HSV auch. Und die schweren Zeiten von heute sind bald die guten alten Zeiten von gestern, so wie diese Geschichte.

Danke für Eure Aufmerksamkeit, es grüßt Eiche Nogly

15.06 Uhr

Drei Sommergeschichten

15. Juni 2010

Es ist wieder einmal angerichtet. Drei Geschichten auf einen Streich. Heute werden uns und Euch Sommergeschichten aus der Ferne präsentiert. München, Budapest und Dortmund stehen im Mittelpunkt der Beiträge der „Matz-abber“, ich bin immer wieder fasziniert, wie Ihr zum HSV gekommen seid, wie Ihr für den HSV kämpft, wie sehr Ihr den HSV und seine Raute im Herzen habt. Vorbildlich. Vielen Dank für Eure Mühen – und Euch allen viel Spaß beim Lesen. Jetzt geht es los:

Unser Wicht fährt nach München

Da ich in Baden zu Hause bin, ist es nicht gerade typisch HSV-Fan zu sein. Oft werde ich gefragt: „Wicht, warum bist Du denn eigentlich Hamburger?“
Dazu muss ich sagen, dass ich 1969 das Licht der Welt erblickt habe. Als junger Bursche bin ich, wie fast alle schon im frühen Kindesalter, täglich auf dem Bolzplatz dem runden Leder nachgelaufen. Beim Kicken auf dem Sportplatz musste man natürlich ein Idol haben, und man musste immer sagen, wer man ist und wen man imitiert. Anfangs war das bei mir noch Schorsch Volkert, aber nachdem der zu den Schwaben nach Stuttgart gewechselt und Kevin Keegan zu uns gekommen war, stand für mich fest: Ich bin Keegan.“ Die Rückennummer sieben ist mir sogar bis heute erhalten geblieben.

1980 wurde dann ein Traum für mich wahr. Ich war gerade zehn Jahre alt, zum Geburtstag bekam ich nicht nur ein Trikot geschenkt, sondern ich durfte mit dem größten Bayern-Fan meines Heimatdorfes zum Bundesligaspiel Bayern München gegen den HSV. Obwohl ich erst im November Geburtstag hatte, wurde für mich ein Traum schon im September wahr.

Die Karten versprachen uns: Gegengerade Olympiastadion, genau auf Höhe Strafraum. Zu geil. Mein hellblaues Trikot mit dunkelblauem Schriftzug HSV wurde gar nicht mehr ausgezogen, und so rückte der Tag der Abfahrt immer näher. Ein Tag vor dem Spiel kommt es auf dem Münchner Oktoberfest zu dem berüchtigten Bombenattentat, bei dem einige Menschen ums Leben kommen und unzählige Leute verletzt werden.

Da hat meine Mam die Sache mit meiner Mitfahrt aus Angst abgesagt – und für mich ist natürlich eine Welt zusammengebrochen. Ein Tränenmeer war nichts dagegen, zum ersten Mal in meinem noch jungen Leben wusste ich, was Zorn und Wut bedeuten. Natürlich auf die Bayern, denn die sind ja schuld mit ihrem doofen Oktoberfest. Mein Dad – Fußballer durch und durch – hat sich dann durchgesetzt und meine Mam in einer Nachtsitzung überzeugt: Unser Wicht fährt doch mit nach München. Juhu!

Dann ging es doch noch los. Und ich war mir sicher: Wir fahren einen Sieg in München ein. Leider aber verlief das Spiel dann etwas anders. Weil Augenthaler in der 87. Minute per Kopf noch zum 2:1 für Bayern traf und der zwischenzeitliche Ausgleich von HSV-Talent Werner Dreßel nicht für einen Punkt reichte.

Aber nach dem Spiel wurde es noch einmal spannend. Wir sind unterhalb der Katakomben noch zum Spielereingang gekommen, und plötzlich standen alle meine Idole direkt vor mir: Jupp Koitka, Caspar Memering, Manni Kaltz, Horst Hrubesch, Bernd Wehmeyer, Felix Magath, Jimmy Hartwig und andere mehr. Sie alle haben dann mit einem Kugelschreiber auf meinem Trikot unterschrieben. Was für ein Erlebnis! Tja, ich war da der King. Und die Niederlage war vergessen. Und wenn ich daran dachte, dann war sie – natürlich – total und völlig unverdient. Seit diesem Erlebnis aber war spätestens klar: Raute im Herzen, und zwar für immer und ewig. Und die richtig geilen Jahre sollten ja erst noch kommen. Und: Auf einmal war ich mit meinem HSV-Trikot gar nicht mehr so allein auf den Sportplätzen im Badischen . . .

So langsam wird es aber mal wieder Zeit, dass ich hier mal den einen oder anderen jungen Rotzlöffel mit einer Raute auf dem Trikot auf dem Sportplatz treffe. Denke ich mir.
Viele Grüße aus dem Badnerland, Tommy Vöhl ( alias Wicht )

Die zweite Geschichte:

Ein großartiger Fußballabend in Ungarn

Zum Thema bessere Plätze: 16. August 2007, der HSV spielt in Budapest. Mein Sohn und ich: Nichts wie hin nach Ungarn (von Wien nach Budapest braucht man mit dem Auto etwa zwei Stunden). Wir bestellten also beim HSV über unseren Mitgliedsausweis zwei Tickets für den Gästeblock und bekommen die Auskunft, die Karten könne man dann am Stadion abholen. Okay, wir fahren los (altes Auto ohne Klimaanlage, dafür mit HSV-Sticker), schwitzten lange auf der Autobahn (Stau) und finden dann ewig lang keinen Parkplatz in der Nähe des Stadions. Ich fahre dann zur Tankstelle gleich neben dem Eingang, stelle mich an die freie Zapfsäule, gebe dem Tankwart 20 Euro und sage: „Tschüs, wir müssen jetzt zum Fußball.“ Hat super und ohne Komplikationen funktioniert. Was nicht so gut funktionierte war das Abholen der Tickets. Wir rannten zweimal um das Stadion, alle sprechen nur Ungarisch. Das Abholen der Gästetickets? Nie gehört.

Also was tun? Bis ich dachte: Wozu braucht man eigentlich eine Eintrittskarte? Wir beide hatten ja unseren HSV-Mitgliedsausweis dabei! Also auf die Ehrentribüne, ernstes Gesicht aufsetzen und nichts wie durch. Hat super geklappt, denn wir hatten selten einmal so gute Plätze. Okay, das Spiel war dann durchwachsen, aber ein großartiger Fußballabend war es für uns allemal.

Herzliche Grüße von Andreas Erfurth

Die dritte Geschichte:

So etwas Respektloses

Ich bin Baujahr 1941, als Drittgeborener wurde ich aber von meinem Vater und Opa mütterlicherseits als „Thronfolger” aufgezogen. Das heißt, ich wurde so gut wie die damalige Zeit es zuließ verwöhnt.
Mit sechs Jahren wurde ich in den hiesigen Fußballverein SV Upen (Kreis Goslar) angemeldet. Ich kam in die „Knaben”, Minis gab es noch nicht. Gespielt haben wir in Straßenschuhen, Buffer, wie ihr sie nennt (habe ich von Basti und Benno), gab es zu der Zeit noch nicht. Opa hat aber immerhin schon Lederstollen unter die Sohle genagelt. Die Stutzen musste Oma stricken, Hose und Trikot wurden von der Dorfschneiderin genäht. Und schon ging es los. Was waren das für Zeiten!

Wir hatten einen Rasenplatz am Dorfrand. Die Rasenpflege bestand darin, dass regelmäßig eine Schafherde (400 Tiere) über den „Teppich“ geschickt wurde. Der Vorteil lag auf der Hand – bzw. auf dem Grün: Die Wiese wurde gleichzeitig gestutzt und gedüngt. Diese „Pflege“ fand immer montags statt, damit die Düngung bis zum Wochenende entweder eingezogen oder ausgehärtet war.

Pech hatten wir nur beim Schulsport, der immer so ablief: Unser Lehrer Eduart Wegener (genannt Ede), ein zwei Meter großer Hüne, hatte ein Glasauge. Ede sagte immer: „Jetzt machen wir Sport. „ Und: „Die Mädchen können nach Haus gehen, ihr habt ja doch keine Ahnung von Sport.“ Dann sagte der Herr Lehrer auch: „Wir Jungs gehen auf den Platz und spielen Fußball.“ Gesagt, getan. Ede war mit von der Partie und nicht zu halten. Leider dauerte das Spiel nur fünf Minuten, dann mussten wir den Rest auf Knien liegend das Glasauge suchen. Wie gesagt, der Dünger war frisch . . . Aber ehrgeizig wie wir waren, die Knicker wurde immer gefunden.

Zeitsprung. Am ersten Mai 1962 kam ich berufsbedingt (auch weil ich nicht zur Bundeswehr wollte) nach Lünen in Westfalen. Was für ein Sprung, vom schönen Harz in den Pott. Der Schnee war hier nach zwei Tagen schwarz, so etwas hatte ich überhaupt noch nicht gesehen.

Aber endlich, endlich konnte ich meinen HSV sehen. Damals noch in der Kampfbahn Rote Erde in Dortmund. Leider hatten „wir“ diese Spiele zu jener Zeit meistens verloren. So wie 1964 oder 1965, ich weiß es nicht mehr so genau. Aber auf folgende Begebenheit erinnere ich mich ganz genau (wenn ich daran denke, bekomme ich immer noch einen dicken Hals): Beim HSV spielten u. a noch ein Juhani Peltonen und Arkoc Özcan. Es war noch eine halbe Stunde zu spielen, Dortmund führte 5:1. Da kam ein gewisser Gerd Cyliax, zu der Zeit „linker Läufer”, direkt vor mir an die Seitenbande und hat sich mit uns Fans unterhalten. Nach zwei Minuten meinte ein Fan: „Mensch, Gerd, geh’ auf’s Feld zurück.“ Darauf Cyliax wörtlich: „Lass doch die armen Schweine, die wollen doch auch mal den Ball haben . . . “ Gemeint waren die HSV-Spieler. So etwas Respektloses kann ich bis heute nicht vergessen.

Kurzum, wir haben das Spiel 3:5 verloren, aber der HSV hatte damals in den letzten zehn Minuten so aufgedreht, dass ich heute noch behaupte: Wäre das Spiel noch zehn Minuten länger gegangen, hätten wir gewonnen. Kurios – und unvergessen für mich – war bei diesem Spiel im Westfalenstadion: Immer wenn die Borussia ein Tor schoss, sprang der ganze Block von den Sitzen hoch. Nur der kleine Manni blieb sitzen. Schoss aber der HSV ein Tor, dann sprang der kleine Manni hoch – und wurde vom ganzen Block mit bitterbösen Blicken gestraft. Zudem wollte man mich schon einmal mitten auf der Fußgängerbrücke über die B1 an der Westfalenhalle verhauen. Aus Versehen. Mein Vergehen: Weil es regnerisch war, hatte ich einen blauen Schirm von einem Autoverleiher dabei. Also war ich für die Dortmunder gleich eine „Schalker Sau“.

Für heute beste Grüße, Euer HSVLuenen

Kleines belgisches Nähkästchen

18. März 2010

Belgische Zeiten für den HSV. Davon hat es in der Historie nicht viele gegeben. Gent, Brügge und Anderlecht sind die Vereinsnamen, mit denen es Hamburg bislang zu tun bekommen hat – nicht viel. Auch meine Berührungspunkte mit Belgien sind eher rar. Da gab es die aus deutscher Sicht total misslungene Europameisterschaft 2000, nicht der Rede wert. Und meine erste belgische Erfahrung hatte ich mit Ernst Happel. Den hatte Manager Günter Netzer im Sommer 1981 aus Brügge zum HSV geholt – welch ein Glücksgriff!

Um die Zeit bis zum so späten Anpfiff ein bisschen zu überbrücken, streue ich schnell dieses ganz kleine belgische Nähkästchen ein und beginne mal mit Ernst Happel, der ja ein großer Name für Hamburg und den HSVgeworden ist. Ich erinnere nicht mehr den Tag, an das genaue Datum, an dem Happel zum ersten Mal ein Training in Ochsenzoll leitete. Jetzt ziehe ich schnell mal den Vergleich zu Ruud van Nistelrooy. Bei ihm gab es kürzlich den wohl größten Medienrummel, den je eine Neuerwerbung des HSV ausgelöst hat. Nur bei Happel damals war es ähnlich. Es war für mich die Hölle. Ich sollte an ihn ran, ich hatte den Auftrag der Chefredaktion, ein Interview mit dem Wiener zu führen, aber ich war damals, als Neuling unter den vielen arrivierten Journalisten, absolut chancenlos. Alle drängelten sich an Happel ran, alle hatten größere Zeitungen hinter sich, oder sie kamen von Funk und Fernsehen.

Da ich aber nicht ohne Interview in die Redaktion zurückkehren wollte, entwickelte ich irgendwann bei diesem bunten Treiben eine andere Strategie. Ich gab auf. Äußerlich jedenfalls. Und wartete heimlich bis nach dem Training. Auf dem Parkplatz vor dem HSV-Restaurant Lindenhof hatte ich schon bei meiner Ankunft einen silbergrauen Mercedes gesehen – mit belgischem Kennzeichen. Ich parkte mein Auto neben Happels, und als der Trainer nach getaner Arbeit endlich ein seine Nobelkarosse einstieg, fuhr ich hinter ihm her. Ich wusste nicht, wohin. Ich wusste nicht, wo Happel wohnte, aber ich fuhr stur hinter ihm her. Und ich war allein. Das hatte keiner gemacht. Die Reise endete in Henstedt-Ulzburg. Genau in der Straße Fischers Privatweg. Als Happel aus seinem Auto stieg, stand ich neben der Tür – mitten auf dem Grundstück.

Er lächelte gequält. Sah meinen Fotoapparat. Und ich schilderte ihm meine Nöte: Interview, keine Chance an ihn heranzukommen – er lächelte erneut und sagte nur kurz: „Na gut, machen’s schnell.“ Ich knipste ein, zwei Fotos (gegen die Sonne, ich weiß es wie heute), ich stellte einige Fragen – und verschwand danach blitzartig. Bevor er es sich anders hätte überlegen können. So hatte ich ein Exklusiv-Interview mit Happel an seinem ersten Hamburger Tag. Mein Vorteil war da noch, dass Happel noch keinen Hamburger Journalisten kannte. Er wusste also nicht, wie groß oder wie klein meine Zeitung war, für die ich schrieb. Es hätte eine große sein können, deshalb machte er dieses Spielchen mit, doch zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht beim Abendblatt.

Jahre später, als ich dann HSV-Reporter beim HA geworden war, erinnerte ich Ernst Happel an unser erstes Aufeinandertreffen. Er verzieh mir meine damalige Überfalltaktik und Aufdringlichkeit – aber auch dabei lächelte nur ein wenig gequält. Immerhin konnte ich mit dem „Grantler“ bis zuletzt ganz gut. Als er schon mit niemandem mehr von den Hamburger Journalisten sprach, weil sich eine Zeitung über eine Abmachung hinweggesetzt hatte, unterhielt er sich noch (gelegentlich) mit mir. Er vertraute mir, er wusste, dass ich nichts davon schreiben würde . . . Insgesamt aber muss man schon zugeben, das will ich gar nicht verhehlen, dass Ernst Happel eigentlich immer recht wenig (auch mit uns Journalisten) gesprochen hat. Und selbst beim Training war das so: Kurz und knapp gab er seine Anweisungen, er gab immer nur das Nötigste von sich – aber jedes Wort hatte Gewicht. Alle parierten. Und wenn er pfiff, dann nicht etwa mit einer Pfeife, sondern nur leise und kurz durch die Lippen.

Ansonsten Belgien? Horst Heese, heute 66 Jahre alt und einer der ersten (oder der erste?) Retter in der Klubgeschichte des HSV. Der „harte Hund“ spielte von 1972 bis 1974 in Hamburg, wohnt aber schon seit vielen, viele Jahren in Eupen. Und beim RSC Anderlecht denke ich (natürlich) immer an das Europapokal-Finale vom 11. Mai 1977. Ein großer Tag für den HSV, als Georg Volkert und Felix Magath mit ihren Toren den späten 2:0-Sieg unter Dach und Fach brachten. Und es war auch ein großer Tag für den damaligen Trainer Kuno Klötzer. Der „Ritter“ ist bis heute einer der beliebtesten HSV-Trainer aller Zeiten geblieben. Klötzer wohnt bei mir um die Ecke, er hat mir Jahre später viel aus damaliger Zeit erzählt – seine Trainer-Station in Hamburg war für ihn nicht immer „Ponyhof“, er musste damals viele Kompromisse mit der Klubführung eingehen (unter der Regie von Dr. Peter Krohn), bis es eines Tages nicht mehr ging – und dann ging Klötzer von allein. Apropos gehen: Noch heute geht Kuno Klötzer, der in einem Monat 88 wird (am 19. April), zu jedem Heimspiel seines HSV, er ist der Raute immer treu geblieben, obwohl er danach noch bei Hertha BSC, in Duisburg und in Bremen tätig war. Und Kuno Klötzer weiß aus seiner HSV-Zeit noch immer recht, recht viel und Interessantes zu erzählen, er weiß noch immer alles.

Übrigens: In dem sehr schönen Buch „Unser HSV“ von Axel Formeseyn ist auf Seite 233 das etwas andere Mannschaftsfoto der damaligen Sieger-Truppe abgebildet. Nämlich auf einer Telefonkarte. Axel F. hat angegeben, dass auf seiner Karte noch einige nicht abtelefonierte Groschen sein müssten – meine ist noch total „jungfräulich“. Und unverkäuflich, diese Europapokal-Rarität.

Um auf das Spiel von heute (21.05 Uhr) zurück zu kommen: Für den HSV ist diese Partie auch eine Chance, weiterhin an einer großen, an einer besseren Zukunft zu arbeiten. Nur wenn der Klub weiterhin international spielt und damit auch zusätzliche Einnahmen erschließen kann, gibt es die Hoffnung auf die Rückkehr in den ganz großen Fußball – eines Tages wieder (permanent) in der Champions League zu starten. Sollte der HSV aber in der nächsten Saison nicht einmal in der Europa League am Start sein, müssten sich Klub-Chef Bernd Hoffmann und seine Mitstreiter reichlich Gedanken machen, wie dann eine schlagkräftige HSV-Mannschaft zu finanzieren ist. Ich wehre mich innerlich dagegen, vom HSV als „Ausbildungsklub“ für die ganz Großen in Europa zu sprechen, aber dann dürfte dieses hässliche Wort durchaus wieder eine gewisse Rolle spielen – leider. Aber das muss ja nicht. Wenn sich die Herren heute anstrengen, dann geht der Traum weiter. Übrigens: Wenn ich es richtig gerechnet habe, dann absolviert Keeper Frank Rost heute sein 85. Europapokal-Spiel. Eine tolle Zahl, dazu würde doch auch keine Niederlage passen.

Und wo ich gerade bei Traum bin: Entsetzt war ich über die Nachricht, dass Stuttgarts Manager Horst Heldt, der einst auch beim HSV als Beiersdorfer-Nachfolger jongliert wurde, tatsächlich davon gesprochen hat, dass Torwart Jens Lehmann bei der WM in Südafrika wieder zwischen den Pfosten es deutschen Tores stehen sollte, könnte oder gerne würde. Was für ein Schwachsinn! Warum wird eigentlich nicht über ein Comeback von Oliver Kahn gesprochen? Das ist doch schon lange überfällig. Und Weltmeisterschaften kann Kahn doch eigentlich ganz gut – bis auf Brasilien . . .

Noch einmal Heldt: Ich sprach in diesen Tagen mit einem Mitarbeiter des Deutschen Fußball-Bundes. Die Herren in Frankfurt sind in diesen Tagen ja arg gestresst – auch und wegen der Amerell-Affäre. Aber darum ging es diesmal nicht. Er sagte mir, dass sich rund um die Otto-Fleck-Schneise und in der DFB-Zentrale hartnäckig das Gerücht halten solle, dass zur neuen Saison gleich drei hochrangige DFB-Mitarbeiter nach Hamburg wechseln werden, könnten, sollen: Neben Urs Siegenthaler auch noch Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff, einst ja schon als Stürmer in Hamburg tätig, zudem auch (2002) als HSV-Manager im Gespräch. Wie gesagt, jetzt ein hartnäckiges Gerücht, aber es hält sich beharrlich. Und wird auch, wie ich es nun erlebt habe, immer wieder neu aufgetischt. Wobei, das steht ja auch fest, Bernd Hoffmann bereits für den HSV (via Bild-Zeitung) erklärt hat, dass Löw überhaupt kein Thema für ihn und den HSV sei. Mal sehen . . .

Ganz zum Schluss noch ein kurzer Schwenk zum Heim- oder Rückkehrer „HSV-Oliver“. Er schrieb ja (gleich zweimal), dass ich mich bei ihm entschuldigt habe, aber davon ist mir nichts bekannt, ich wüsste auch gar nicht wofür. Ich kann aber doch noch etwas Aufhellendes in Sachen „Oliver“ beitragen, und zwar in der Sache mit Felix Magath. Ich tat es bereits an dieser Stelle, aber korrigierend muss ich festhalten: Eines Tages rief HSV-Präsident Jürgen Hunke bei mir an und fragte, ob ich nicht einen Mann wüsste, der die HSV-Amateure trainieren und zugleich als Co-Trainer von Benno Möhlmann bei den Profis arbeiten könne. Ich empfahl ihm Felix Magath (mit dem ich damals schon befreundet war), der zu jener Zeit Coach des FC Bremerhaven war, brachte die beiden Herren zusammen – ein Abend, ein Gespräch, ein Vertrag, so begann Magaths dritte Zeit beim HSV (nach Spieler und Manager). Er war der „Kalli Kamp“ von Hamburg, Hunke setzte damals auf das „Werder-Modell“: Magath trainierte abends die Amateure und war tagsüber der Assi von Möhlmann bei den Profis. So begann die Karriere eines großen Trainers, der inzwischen schon viele neue Kapitel der deutschen Fußball-Geschichte geschrieben hat. Und wer weiß? Vielleicht gibt es am Ende dieser Saison ja bereits ein neues Kapitel . . .

Aber zuerst heißt es ja nun, ganz, ganz wichtig:
Nur der HSV!

Und spezielle Europapokal-Grüße möchte ich an dieser Stelle schnell noch in die Pfalz und in die „Matz-ab“-Runde in der Raute senden.

12.40 Uhr

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