Archiv für das Tag 'Volkert'

Der HSV und seine Manager

28. Dezember 2011

Keine Zugänge, keine Abgänge – Winterpause. So ist das zurzeit beim HSV. Mein Kollege Kai Schiller hatte heute das Glück, mit ´Frank Arnesen sprechen zu können – es passiert (wohl) nichts mehr. Mein Bauchgefühl hatte mir ja gesagt, dass der HSV noch einen „Kracher“ zu Silvester holen wird – oder auch kurz danach, aber daraus wird wohl doch nichts. Der Blick in die klamme Kasse ist wohl zu ernüchternd . . . Obwohl: Dieses Fass möchte ich gar nicht erst wieder aufmachen. Wir alle werden es ja demnächst – genau am 15. Januar – wieder einmal genau erleben und hören, wie es um den HSV bestellt ist, auf der Jahreshauptversammlung nämlich, und die Herren werden es uns dann schon mitteilen. Die Finanzen des Klubs sind ja schon immer ein ganz, ganz heikles Thema gewesen, und selbst wenn sie noch so schlecht sein sollten – der HSV lebt ja immer noch. Ich sage mir deshalb seit einer geraumen Zeit schon: warum aufregen? Was hat es denn in der Vergangenheit gebracht? Da wurde über leere Kassen, halbleere und volle Kassen geschrieben, aber geändert hat es ohnehin nie etwas. Mir genügt es ohnehin, wenn die jetzige Führung hin und wieder davon spricht, dass finanziell keine großen Sprünge mehr gemacht werden können. Dann weiß ich, dass das Geld zwar knapp ist, aber es ist noch ein bisschen da. So interpretiere ich das jedenfalls – für mich. Nur für mich. Und vor dieser Saison war ja auch eigentlich kein Geld mehr da, oder nur wenig, und trotzdem konnten einige Spieler verpflichtet werden. Wie zum Beispiel Ivo Ilicevic, der mit vier Millionen Euro wohl der teuerste Neuzugang ist. Und vier Millionen sind ja auch Geld, wenn auch im gehobenen Profi-Fußball fast so etwas wie „Kleingeld“. Aber wenn es denn „Kleingeld“ ist, so hat der HSV wenigstens das noch in der Kasse.

Aber nun Schluss mit diesem leidigen Thema. Mehr gibt es, wie gesagt, am 15. Januar. Und zwar dann von kompetenter Seite. Wobei ich, das muss ich schnell noch loswerden, kürzlich sogar deshalb ein Lob erhalten habe (von einem „Matz-abber“), weil ich gar nicht mehr auf dieses Geld-Thema eingegangen bin. Danke dafür (auch Scholle erhielt Lob!), aber ich bin es auch Leid. Deswegen fange ich gar nicht erst (groß) damit an. Immerhin aber ist es ja so, dass der Sportchef zu dieser Saison mit wenig Geld und viel Auge eingekauft hat. Ich glaube, dass ich das immerhin sagen darf, weil sich darüber ja wohl die meisten einig sind. Und weil ich das im Zusammenhang mit Frank Arnesen geschrieben, wurde hier ja viel über den Dänen diskutiert. Was eigentlich ein schönes Thema ist: Wer ist der beste HSV-Manager? Welcher Mann hat hier für Furore gesorgt? Ich habe sie ja alle mitbekommen, angefangen bei Dr. Peter Krohn.

Der „General“ war ja 1973 erstmalig HSV-Präsident, wurde zwei Jahre später dann Generalmanager. Und Krohn war ein Mann mit vielen Ecken und Kanten, auch ein Mann, der mitunter auch recht unangenehm für seine Mitstreiter werden konnte – aber auch ein Mann, der vor Ideen nur so sprühte. Wenn Uli Hoeneß heute die Mutter alle Bundesliga-Manager ist, dann war Krohn der Vater. Er führte den HSV aus schlimmsten Krisen-Zeiten heraus – bis in die Spitze Europas. Rosa Trikots, Elefanten beim Show-Training. Wer Dr. Krohn daran festmacht, wird ihm nicht gerecht. Krohn holten Felix Magath (Krohn: „Meine Fernseh-Liebe“), Willi Reimann, Horst Bertl, Hans „Buffy“ Ettmayer, Horst Blankenburg, Ivo Buljan und einige mehr, Krohn holte aber vor allem Kevin Keegan. Das, obwohl der HSV – schon damals – kein Geld hatte. Um die Kassen wieder aufzufüllen, erfand Krohn mal eben den „Hafen-Pokal“. Zum Beispiel kam Liverpool nach Hamburg, füllte das Volksparkstadion und die Kassen (beider Klubs). Krohn war, so schrieb das Abendblatt einst, seiner Zeit damals weit voraus, er „verkaufte“ den Klub und die Raute – er setzte Maßstäbe für die nachfolgende Manager-Generation. Dabei hatte der frühere Bundestrainer Sepp Herberger einst – in Richtung Hamburg – gewarnt: „Krohn soll vom Fußball besser die Finger lassen . . .“ Und Max Merkel spottete damals: „Der Krohn glaubt doch, dass der Ball nur deshalb springt, weil ein Frosch darin sitzt.“ Egal, der äußerst kreative Krohn hat, trotz des Dauerkrachs mit Trainer Kuno Klötzer, dem HSV letztlich sehr, sehr gut getan, er hat Zeichen gesetzt – und die Note eins verdient.

Günter Netzer war dann der Mann, der ihm folgte. „Ich bin aus Mönchengladbach nach Hamburg gefahren, weil ich beim HSV die Stadionzeitung machen wollte, aber dann hat mir der damalige Präsident Paul Benthien gesagt, dass ich die Stadionzeitung nur machen dürfe, wenn ich auch HSV-Manager werde“, hat Netzer einst über seine Hamburger Karriere verraten. Es wurde die erfolgreichste Zeit des HSV. Weil Netzer erst den „harten Hund“ Branko Zebec verpflichtete, danach den genialen Ernst Happel nach Hamburg holte. Und weil es Netzer gelang, den abwanderungswilligen Kevin Keegan beim HSV zu halten – trotz größter Widerstände. Von 1978 bis 1986 war Günter Netzer, den ich noch heute sehr verehre, das muss ich shcnell mal gestehen (weil der Mann einfach Fußball pur ist), HSV-Manager. Gegen Ende seiner HSV-Laufbahn kaufte er Dieter Schatzschneider und Wolfram Wuttke – wie das endete, das wissen wir (wohl) alle. Netzer: „Ich hatte nicht für möglich gehalten, dass diese beiden Spieler die Mannschaft und den alten Ernst Happel noch so durcheinander bringen könnten, aber sie haben es tatsächlich geschafft . . .“ Von nun an ging’s bergab – würde Hildegard Knef singen.

Später sagte der damalige HSV-Präsident Dr. Wolfgang Klein über die Netzer-Ära: „Es gab zwischen Ernst Happel, Günter Netzer und mir nie einen einzigen Streit. Jeder hat den Bereich des anderen akzeptiert, auch ein ehemaliger Weltklasse-Spieler wie Günter Netzer hat einem Trainer Happel nie in den Job hineingeredet.“

Nachfolger von Netzer wurde ebenfalls ein „Zehner“: Felix Magath. Der hatte bis zum Sommer 1986 noch selbst gespielt, beendete dann mit dem WM-Finale von Mexiko (Argentinien – Deutschland 3:2) seine Fußball-Karriere und rutschte auf den HSV-Manager-Stuhl. Er holte – oder holten ihn doch eher Wolfgang Klein?) Josip Skoblar als Trainer, und später, nach dem Rauswurf von Torwart Uli Stein, auch Mladen Pralija. Der Anfang vom Ende des Managers Magath. Zumal er schnell begriffen hatte, dass er erstens mit Klein nicht auf einer Wellenlänge lag, und dass er zweitens doch besser in kurzen Hosen auf den Fußballplatz gehörte. Das allerdings dauerte noch, erst wurde Magath noch Manager in Uerdingen und Saarbrücken, bevor er dann die Trainer-Laufbahn einschlug. Erste Station, nur nebenbei, war Bremerhaven.

Für Magath kam 1988 Erich Ribbeck, den der damalige HSV-Präsident Ernst Naumann quasi im Alleingang verpflichtet hatte. Ribbeck war eine meiner größten Enttäuschungen beim HSV – aller Zeiten. Eigentlich ist er noch immer die größte. Mehr ist nicht zu sagen.

Auf Ribbeck folgte Hartmut Dieckhoff, der aber nur eine Art „Mini-Manager“ war. Und den Titel „HSV-Organisationsreferent“ trug. Das waren Zeiten. Ich war einst dabei, als Dieckhoff nach einem Freundschaftsspiel in der Nähe von Husum das Antrittsgeld für den HSV in einer Zigarrenkiste einsammelte und in den Bus trug. Zwischendurch musste er, die Kiste unter dem Arm, noch Autogramme geben . . .

Dann kam 1991 Georg Volkert vom FC St. Pauli Manager. Ein klangvoller Name im deutschen Fußball auch beim HSV, doch die Zusammenarbeit zwischen Volkert und Präsident Jürgen Hunke klappte überhaupt nicht. Das war wie Hund und Katze – ein frühes Ende war keine Überraschung. Auf Volkert folgte Heribert Bruchhagen, der bis Dezember 1994 im Amt war – in meinen Augen auch gute Arbeit geleistet – denn auch damals waren die Verhältnisse in Hamburg nicht gerade rosig. Bruchhagen und der damalige Präsident Ronald Wulff „konnten aber so gar nicht“ miteinander, deswegen die Trennung.

Mit dem neuen Präsidium um Uwe Seeler gab es dann 1995 auch den Manager Bernd Wehmeyer. Aber der ehemalige Linksverteidiger musste schnell lernen, dass es gar nichts – oder nur sehr wenig – zu „managen“ gab. Früher hielt sich das Gerücht, dass Wehmeyer bei Uwe Seeler fragen musste, ob er tatsächlich eine 50-Pfennig-Briefmarke auf dem Umschlag kleben dürfe, oder ob er den Brief doch besser persönlich zustellen solle? Meistens musste er wohl selbst laufen . . . So viel Ebbe herrschte in der Kasse.

1998 kam Holger Hieronymus. Zweiter Vorsitzender und sportlicher Leiter. Keine goldene Ära. „Hiero“ holte Thomas Doll zurück (aus Bari), Alexander Curtianu, Fabian Ernst, Dimitrios Grammozis, Vanja Grubac, Martin Groth, Setrgej Kirjakow, Nico Hoogma, Oliver Straube – und im Jahre 2001 den alternden Jörg Albertz von den Glasgow Rangers zurück. Im August 2002 übernahm dann Dietmar Beiersdorfer den Manager-Posten. Und ich denke noch heute, dass der „Didi“ Schwung (und Strukturen) in den Verein gebracht hat. Er hatte Ideen, er packte auch an – aber fühlte sich im Zusammenspiel mit dem Vorstand Hoffmann/Kraus wie ein fünftes Rad am Wagen. Leider, leider. Denn eigentlich gab es unter dem Duo Hoffmann/Beiersdofer eine sehr erfolgreiche Zeit, der HSV spielte wieder in Europa mit, der HSV holte namhafte (und teilweise auch teure) Spieler wie Vincent Kompany, Nigel de Jong, Mladen Petric, Marcell Jansen, Ivica Olic, Romeo Castelen, Paolo Guerrero, Joris Mathijsen, Frank Rost und vor allem Rafael van der Vaart. Natürlich aber auch den einen oder anderen „Rohrkrepierer“, und darunter einen „Knüller“ wie Juan Pablo Sorin. Dieser Name allein verdirbt dem Duo H/B eine Note über der Drei. Und ich weiß nicht, ob es der damalige Vorstandsvorsitzende tatsächlich so weit auf die Spitze getrieben hätte (die fehlende Zusammenarbeit mit dem Sportchef), wenn er gewusst oder geahnt hätte, dass er selbst bald nicht mehr im Amt sein würde. Eigentlich hätte alles so gut weiterlaufen können, aber wie heißt es so schön im Volksmund: „Wenn’s dem Esel zu wohl wird . . .“

Auf Beiersdorfer folgte dann erst einmal nichts. Die große Leere. Und das war, heute sehen es fast alle ein (auch die, die es damals – in verantwortlicher Position – vehement abgestritten haben!), der größte HSV-Fehler in diesem Jahrtausend. An diesem Vakuum hat der Klub bis heute zu knabbern. Allerdings bleibt uns heute die Hoffnung, dass Frank Arnesen dafür sorgen wird, dass dieser Fauxpas des HSV schon bald in Vergessenheit gerät. Hoffen wir es einmal gemeinsam.

18.55 Uhr

Zittern um Ze Roberto, Jansen und Demel

30. September 2010

Um erst einmal sportlich zu beginnen: Guy Demel fehlte beim heutigen Training, denn er hat eine Magen- und Darm-Grippe. Marcell Jansen fehlte beim heutigen Training, er hat eine Stirnhöhlenentzündung. Und Ze Roberto fehlte beim heutigen Training, weil er eine kleine Muskelverhärtung hat und die medizinische Abteilung meinte, dass es besser wäre, wenn der Brasilianer einmal einen Tag mit dem Training aussetzen würde. Trainer Armin Veh aber rechnet für das Sonnabend-Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern fest mit dem „großen Ze“, ob es mit Demel und Jansen gehen wird, das ließ der Coach noch offen. Wobei Jansen schon eine Lücke hinterlassen würde, die schwer zu schließen sein dürfte. „Wenn Marcell Antibiotika schlucken müsste, dann dürfte er wohl sicher ausfallen, auch sonst könnte es knapp werden“, sagt Veh über den deutschen Nationalspieler. Der Coach zur allgemeinen Lage: Wir jammern aber trotzdem nicht, denn wir haben noch genügend Leute.“ Wobei Mladen Petric und Paolo Guerrero ohnehin schon als Ausfälle feststanden.

Vier Spiele ohne Sieg. Das ist schlimm genug. Und zudem hat der Kicker heute geschrieben, dass der HSV seit einem Jahr die zweitschlechteste Bundesliga-Mannschaft ist. Nur neun Siege seit einem Jahr. Nürnberg holte als Schlusslicht acht . . . Eine Wahnsinns-Bilanz. Die ich niemals für möglich gehalten hätte. Das ist so wie mit den gefühlten Temperaturen im Wetterbericht. Da heißt es ja auch oft: „Gemessen zwölf Grad, gefühlte sechs.“ Beim HSV hätte ich gedacht: Gefühlte zehn bis 15 Siege – aber tatsächlich gezählt sind es neun. Ein Wahnsinn. Auf einer Veranstaltung am Nachmittag, zu der ich am Ende dieses Beitrags noch komme, sprach ich mit Felix Magath darüber. Der hätte die Zahl von neun Siegen auch nicht für möglich gehalten, weil er den guten Saisonstart von vor einem Jahr noch im Gedächtnis hatte. Dann sagte er aber: „Ich halte nichts von solchen saisonübergreifenden Statistiken, man dreht es sich dann so hin, wie man es braucht.“ Stimmt ja, aber nur neun Siege? Ich kann es nicht fassen, nein, das hätte ich niemals für möglich gehalten. Kommentar Veh: „Ich bin ja erst ein paar Wochen da, zu diesem Jahr kann ich nichts sagen. Aber wenn ich ein Jahr lang diese Ergebnisse habe, dann bin ich auch nicht mehr da . . .“

Folgt am Sonnabend nun der dritte HSV-Sieg in der Ära Veh? Er sagt: „Vier Spiele ohne Sieg, das passt mir gar nicht. Wir müssen es jetzt erzwingen, das Ergebnis, den Sieg, ganz einfach, und ich bin guter Dinge, dass wir das auch können. Die Mannschaft kann es, sie hat es auch drauf.“

Hoffentlich.

Sollte Jansen tatsächlich nicht spielen können, dann stünden Eljero Elia oder Piotr Trochowski als Alternativen parat. Und für Demel, so denke ich, sollte gegen Kaiserslautern ohnehin Tomas Rincon spielen. An einen Ausfall von Ze Roberto mag ich ja gar nicht denken, aber Veh ist optimistisch.

Beim Training heute gab es nach dem Aufwärmen an drei Stellen das beliebte „Fünf-gegen-zwei-Spiel“, anschließend wurden (Direkt-)Pässe in jeder Form geübt, später über eine halbe Stunde Flanken mit Torabschluss. Eric-Maxim Choupo-Moting „versenkte“ sicher, gekonnt und manchmal spektakulär, Eljero Elia schoss hart und platziert, Robert Tesche ebenfalls – und dann tauchen zwei Namen in dieser Rangliste auf, die Euch alle verblüffen werden: David Jarolim muss Spinat gegessen haben, er schoss wie Popeye und traf mehrfach sehenswert, wie übrigens auch Jonathan Pitroipa. Der hat nach seinem Bremen-Knaller wohl Gefallen an harten Schüsse gefunden. Er drosch die Kugel einmal so wuchtig gegen die Latte, dass sich auf der anderen Seite de Trainingsanlage die Kiebitze erschraken . . . Na bitte, es geht doch! Den Hoch-und-weit-Preis des Vormittags erschoss sich Choupo-Moting, der es als einziger HSV-Profi fertig brachte, die Kugel auch über den hohen Abfangzaun zu schießen. Den Ball suchen sie morgen noch . . .

Um das noch einmal abschließend zu sagen: Die Stimmung heute im Volkspark war gut. Teilweise wurde viel gelacht und gescherzt. Aber auch einmal gezittert und gebangt. Da lag bei fünf gegen zwei plötzlich Frank Rost am Boden und krümmte sich vor Schmerzen. Er war beim Kampf um den Ball mit Choupo-Moting ganz hart zusammengeprallt, das sah wirklich böse aus, Jarolim und Joris Mathijsen gaben an die medizinische Abteilung schon das Auswechselzeichen, aber dann erhob sich der Keeper doch noch, schüttelte sich kurz und „panzerte“ wie eh und je dem Ball nach. Aus solchem Holz sind echte Kerle geschnitzt.

Zum Abschluss des Trainings gab es ein „Scheibenschießen“. Aus 16 Metern Entfernung wurde das Tor, das abwechselnd von Rost und von Jaroslav Drobny gehütet wurde, „befeuert“. Wer traf, durfte das Training beenden. Und, wer war der Erste? Elia. Der schlug vor Freude einen Purzelbaum mit anschließender Schraube und einem Köllerbacher Übersteiger. Endlich einmal eine positive Regung der „Rakete“, es hat ja lange genug gedauert. Platz zwei ging an Muhamed Besic, Platz drei an Collin Benjamin. Nicht trafen Piotr Trochowski, Heiko Westermann, Dennis Diekmeier, Lennard Sowah und Choupo-Moting. Es ging dabei nicht nur um Treffer oder eben kein Treffer, nein, es ging um Geld für die Mannschaftskasse. Diejenigen, die nicht trafen, die müssen „blechen“.

Aber: Trotz der Tatsache, dass die Stimmung „draußen“ beim HSV locker war, es bleibt die Tatsache, dass jetzt gewonnen werden muss. Und demzufolge stehen sie alle unter Druck: Die Vereinsführung, die (und der) Trainer, die Mannschaft. Wie empfindet Armin Veh die derzeitige Situation? „Sie ist unbefriedigend. Ich möchte gewinnen. Und die Möglichkeiten waren in jedem Spiel da, aber wir haben nicht gewonnen. Und damit kann man nicht glücklich und zufrieden sein.“

Deswegen gab es in dieser Woche schon einen härteren Umgangston des Trainers, und es wurde sich meiner Meinung nach noch intensiver mit den bevorstehenden 90 Minuten beschäftigt – und auch mit den zurückliegenden. Am Mittwoch gab es Video-Anschauungsunterricht. Es gab Szenen von anderen Spielen (zum Beispiel Liverpool gegen Barcelona), in denen taktische Dinge, die aufgingen, exemplarisch gezeigt wurden. Wobei auch gute Szenen des HSV (ja, die gibt es!) dabei waren. Denn es war bisher ja nicht alles schlecht. Veh: „Diese Szenen zeigen insgesamt, wie wir uns das Spiel vorstellen, wie wir es haben wollen. Und so etwas werden wir nun öfter machen.“ Bei der Gelegenheit: Morgen (Freitag) ist um 16 Uhr Training, aber in der Arena, das bedeutet: unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Mit Kaiserslautern kommt nun ein Gegner nach Hamburg, der auch eine kleine Durststrecke hinter sich hat. Veh gibt aber zu: „Wir haben natürlich mehr Druck, keine Frage. Kaiserslautern hat es einfacher, die werden sich auf die Defensive stützen, die werden ganz kompakt stehen um dann zu kontern. Und die haben mit Hoffer und Lakic ganz schnelle Angreifer.“

Übrigens: Heute war auch der „Matz-abber“ „Gravesen“ (nicht nur er, aber auch er!) beim Training. Und als wir uns über David Jarolim unterhielten, sagte er genau das, was auch ich immer sage und schreibe: „Ich kann es nicht nachvollziehen, dass immer wieder einige fordern, Jarolim aus der Mannschaft zu nehmen. Der ist so enorm wertvoll für diesen HSV, der erobert unheimlich viele Bälle, der opfert sich förmlich für das Team auf – der ist nicht zu ersetzen.“ Mein Reden. Aber „Grave“ und ich sind wohl eine Sorte aussterbender Spezies, denn für die tschechische Nationalmannschaft ist „Jaro“ auch diesmal nicht nominiert worden. Muss Tschechien eine starke Nationalmannschaft haben, wenn sie auf einen so guten (HSV-)Spieler verzichten kann . . .

„Ich wäre zur Nationalmannschaft gefahren, aber ich soll ja nicht. Das ist vielleicht auch ganz gut so und besser für mich, denn dort zehn Tage zu verbringen und eventuell nicht zu spielen, das ist nicht gut“, sagt David Jarolim und fügt an: „Es ist die Entscheidung des Trainers, aber er braucht mich wohl nicht.“ Zu seinem heute sehr starken Schusstraining befand „Jaro“: „Es ist ja nicht so, dass ich nicht schießen kann, wichtig ist, dass man den Mut hat zu schießen. Das hat man bei Jonathan Pitroipa in Bremen gesehen.“ Zugabe, Zugabe möchte man rufen . . .

Zum Thema Mentalität hat David Jarolim übrigens eine etwas andere Meinung als sein Trainer. Der ehemalige HSV-Kapitän sagt: „Nach dem Bremen-Spiel müssen wir nicht über Mentalität sprechen, denn alle haben gesehen, das wir Mentalität haben. Es fehlen Kleinigkeiten, dass wir dieses Spiel nicht gewonnen haben, aber es lag nicht an der Mentalität, jeder will doch etwas erreichen, jeder marschiert doch. Und wir haben uns doch gegen Wolfsburg und Werder nicht schlecht präsentiert. Wir haben zehn Gegentore bekommen, da müssen wir uns verbessern. Jeder muss dafür zuständig sein, die Defensive zu verbessern. Jeder. Das fängt schon bei den Stürmern an.“ Dann ergänzte Jarolim noch: „Wir spielen doch keine Katastrophe zusammen, wir spielen doch nicht ohne System. Wenn das so wäre, dann hätte ich Schmerzen, aber ich denke, dass wir auf einem ganz guten Weg sind.“ Dennoch gibt er zu: „Angenehm ist der Blick auf die Tabelle zurzeit nicht, das ist klar.“

So, und nun werde ich doch noch ein wenig länger, denn ich muss noch über eine ganz besondere Veranstaltung, die am Nachmittag im Volkspark stattfand, berichten. Es gibt vier neue Füße, zwei neue Hände und eine Gedenktafel rund um den Uwe-Seeler-Fuß auf dem „Walk of fame“. Der Hamburger Unternehmer Andreas Maske (großes Kompliment, Herr Maske!) ist dafür verantwortlich, er lud zu einer ganz besonderen Feierstunde ein – und alle, alle kamen. Es war überwältigend, und Kult-Masseur Hermann Rieger gab danach zu: „Das ging mir sehr zu Herzen, ein Traum, alle diese Leute wieder zu sehen, ein einmaliges Erlebnis, einfach nur super.“

So war es. Ihren Fußabdruck haben nun hinterlassen: Felix Magath, Horst Hrubesch, Georg Volkert und Bernd Wehmeyer. Auf seine Hände blicken kann jetzt Rudi Kargus, und für Weltmeister Jupp Posipal gibt es eine Gedenktafel. HSV-Chef Bernd Hoffmann hielt die einführende Rede, Laudator war Dr. Peter Krohn, der danach viel Lob erhielt – auch von „seinem“ Trainer Kuno Klötzer (88): „Das kann er, das hat er auch richtig gut gemacht.“ Stimmt. Was super war: Nicht nur die geehrten Spieler waren alle da, es war auch fast gesamte große HSV-Familie zugegen. Einmalig.

Dr. Krohn in seinem Resümee: „Zählt man einmal die sportlichen Erfolge der sechs Männer, die heute in den Walk of fame aufgenommen wurden, zusammen, dann ergibt sich ein imponierendes Bild von zusammen 1420 Liga-Pflichtspielen für den HSV, zusammen 112 A-Länderspielen als HSV-Spieler, eine Weltmeisterschaft, zwei Europapokalsiege, drei deutsche Meisterschaften und einen DFB-Pokalsieg – das verdient unseren großen Applaus.“ Und den gab es dann reichlich.

Wie gesagt, eine traumhafte Veranstaltung, zu der viele HSV-Größen gekommen waren: Uwe Seeler, Dr. Wolfgang Klein, Udo Bandow, Jochen Meinke, Horst Schnoor, Gerhard Krug, Erwin Piechowiak, Klaus Neisner, Manfred Kaltz, Harry Bähre, Uwe Reuter, Arkoc Özcan, Bastian Reinhardt, die Ehefrauen von Jupp Posipal, Horst Dehn und Klaus Stürmer (aus Lemgo!) und Kuno Klötzer, um nur einige zu nennen. Fotos von dieser Veranstaltung wird demnächst (so denke ich) unserer „rasender Matz-ab-Reporter“ Benno Hafas (danke, Benno!) zeigen, dann habt Ihr einen kleinen Eindruck, was dort heute im Volkspark abging.

20.09 Uhr

Doppelte Entwarnung

6. September 2010

„Auf dem ersten Bild hat man nichts gesehen. Deswegen wird es nun noch ein zweites geben.“ Das sagte HSV-Trainer Armin Veh über die Kernspintomographie, die über die Knie-Verletzung von Marcell Jansen Aufschluss geben sollte. Aber auch bei der zweiten Aufnahme gab es nichts zu sehen – alles ist anscheinend in Ordnung. Es soll sich lediglich um eine Reizung des linken Knies handeln. Heute fuhr der Nationalspieler nur leicht auf dem Fahrrad, weil Jansen noch leichte Schmerzen verspürt, morgen wird dann entschieden, ob und wie die Belastung gesteigert werden kann. Auf jeden Fall ist es so, dass noch nicht über einen Ausfall Jansens für das Nürnberg-Spiel am Sonnabend gesprochen werden kann.

Gleiches gilt auch für Dennis Aogo. Am Sonnabend musste der WM-Teilnehmer noch für das Regionalliga-Team des HSV (gegen Wilhelmshaven) passen, doch heute kam der Abwehrspieler zum Training und konnte beim Betreten der Räumlichkeiten ein gewisses Strahlen nicht verbergen: „Es ist jetzt wieder alles okay, ich habe keine Beschwerden mehr.“ Warum auch immer. Eine doppelte Entwarnung also bei den so begehrten Linksfüßen des HSV, doch Armin Veh traut dem Frieden noch nicht ganz: „Erst einmal abwarten, wie sie das Training bis zum Sonnabend überstehen werden . . .“

Aogo machte auf jeden Fall das Abschlussspiel mit (auch Torwarttrainer Ronny Teuber war als Feldspieler dabei!), es sieht ganz gut aus, aber Veh sagt: „Dennis hat ja noch gar nicht mit der Mannschaft trainieren können, deswegen ist es immer ein Risiko, einen nicht ganz fitten Spieler einzusetzen. Er braucht ganz sicher noch einige Spiele, um wieder voll da zu sein.“ Einer von den beiden Links-Verteidigern, Jansen oder Aogo, wird aber wohl spielen müssen, denn Armin Veh würde höchst ungern Ze Roberto nach hinten ziehen. Obwohl der Coach auch sagt: „Ze wäre für den Fall der Fälle immer eine Option.“ Und ansonsten? Tomas Rincon und Robert Tesche. Der Reihenfolge nach. Lennard Sowah spielt bei solchen Gedankengängen des Trainers noch keine Rolle. Obwohl der 17-Jährige ja schon auf Einsätze in der Premier League verweisen könnte. Was zwar generell richtig wäre, aber unter besonderen Vorzeichen zustande kam, denn: Bei Absteiger FC Portsmouth waren das in der vergangenen Saison keine normalen Maßstäbe. Den Engländern fehlte vor einem halben Jahr das Geld, um Auflaufprämien zahlen zu können, deswegen mussten in der Endphase der Meisterschaft einige Nachwuchskräfte ran. Darunter auch Sowah. Mit dem ehemaligen Spieler des SC Urania aber, das steht fest, müssen sie alle beim HSV noch viel Geduld aufbringen.

Das heutige Training hat verpasst hat Jonathan Pitroipa, der um 16 Uhr erst landen sollte – und demnach morgen dabei ist. Dennoch, die Spieler, die dabei waren, die tragen klangvolle Namen: Frank Rost, Jaroslav Drobny. Paolo Guerrero, Robert Tesche, Ze Roberto, Piotr Trochowski, Dennis Aogo, Tom Mickel und Guy Demel, der nur bei den Stabilisations-Übungen mit von der Partie war, dann aber laufen ging. Mit ihm lief auch Dennis Diekmeier, der am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining einsteigen will (soll?). Erfreulich: Heung Min Son war auch in der Arena (auf der morgen die ersten Buchstaben montiert werden sollen), der Südkoreaner fuhr Fahrrad.

„Ich freue mich auf Mittwoch, wenn die Spieler wieder da sind“, sagt Armin Veh und sagt fast ein wenig zähneknirschend: „So ist das ja keine Trainiererei. Aber es ist ja immer das Gleiche. Da kann man ja niemanden auf die Spiele einstellen. Das kann man doch gar nicht. Und wenn es dann am Sonnabend schief geht, dann fragen sich die Fans, was die die ganze Woche über machen?“

Es kann übrigens noch sein, dass David Jarolim kurzfristig fehlen wird. Der werdende Vater wird dann nach Prag fliegen, wenn die Wehen bei seiner Freundin einsetzen. Grünes Licht hat der Tscheche von Trainer Veh bereits erhalten, denn der sagt: „Wenn einer fit ist und mal einen Tag ohne Training sein kann, dann ist es David Jarolim.“

Das Training am Montag haben fast alle gut überstanden, lediglich Drobny ließ sich nach dem Ende eine Binde um das rechte Knie verpassen, dann wurde der Keeper mit dem Golf-Car in Richtung Kabine gefahren. Kurios: Die Trainer ging um 17.30 Uhr vom Platz, die Spieler aber ließen sich noch im Rasen nieder und klönten miteinander. Lediglich Guerrero und Trochowski wagten noch einige Torschüsse, bevor auch sie zur Arena gingen (vielen Dank, Benno Hafas!).

Ja, und nun wartet am Sonnabend der 1. FC Nürnberg auf den HSV. „Wir sind in Hamburg der Favorit“, sagt Armin Veh. Natürlich, aber den Franken steht schon jetzt das Wasser bis zum Hals, das Spiel könnte durchaus unangenehm werden. Zumal Veh das sagt, was im Prinzip jeder seiner Kollegen sagt: „Es gibt in der Bundesliga keine leichten Spiele mehr.“ Natürlich nicht. Aber ein HSV-Sieg würde weitere Hoffnungen auf bessere Zeiten keimen lassen. Und er würde auch einen Uralt-Rekord einstellen, denn: Drei Siege zu Saisonbeginn hat der HSV zuletzt in der Saison 1974/75 geschafft. Es gab erst einen 3:1-Erfolg in Mönchengladbach, ein 1:0 daheim gegen Kickers Offenbach und wieder einen 3:1-Sieg in Frankfurt. Bei allen drei Erfolgen dabei: Rudi Kargus, Manfred Kaltz, Peter Nogly, Horst Bertl, Caspar Memering, Kurt Eigl, Klaus „Jonny“ Winkler, Ole Björnmose, Willi Reimann, Georg Volkert und Klaus Zaczyk. Am vierten Spieltag folgte dann in Hamburg ein 1:1 gegen Hertha BSC. Und am Ende der Saison belegte der HSV Rang vier. Könnte ich nach dieser Spielzeit auch wunderbar mit leben . . .

Apropos wunderbar: Ist es nicht herrlich, dass der „alte“ Ruud van Nistelrooy „sein“ Tor bei der niederländischen Nationalmannschaft gemacht hat? Egal in welchem Pille-Palle-Spiel auch immer, er hat es gemacht, in einem Kurz-Einsatz. Und nicht nur im Nachbarland haben sich alle mit „Van the man“ gefreut, auch hier in Hamburg wurde gejubelt. Und Armin Veh gibt zu: „Ich habe mich schon gleich gefreut, als er mir von seiner Nominierung berichtete. Und nun dieses Tor, alles ist bestens. Der Mann ist ja auch fit, auf diese Länderspiel-Einsätze hat er doch hin gearbeitet. Er könnte auch 90 Minuten spielen, keine Frage. Ich habe keinerlei Bedenken, weil er zurzeit bei seiner Nationalmannschaft ist, er ist absolut fit – er wollte diese Nominierung doch, und er hat sie sich verdient, weil er alles dafür getan hat.“ Der “alte Wolf” hat eben noch immer den richtige Biss.

Am Dienstag wird beim HSV einmal trainiert, die Einheit beginnt um 10 Uhr.

18.16 Uhr

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