Archiv für das Tag 'Vidovic'

Dies und das zum Wochenende

23. März 2013

Es ist nur ein Gerücht, wirklich nur ein Gerücht, dass das deutsche Fernsehen am Dienstag statt der Riesen-Partie gegen Kasachstan aus dem Volkspark überträgt. Live natürlich. Gezeigt werden soll die Fußballtennis-Partie zwischen HSV-Torjäger Artjoms Rudnevs und HSV-Co-Trainer Nikola Vidovic. Über fünf Sätze. Die Übertragung vom Kunstrasen-Platz neben der Arena soll bereits eine Stunde vor dem ersten Ballwechsel erfolgen, Anpfiff ist dann zur besten Sendezeit, nämlich um 20.30 Uhr. Schiedsrichter ist HSV-Co-Trainer Patrick Rahmen, Ballholer links ist HSV-Co-Trainer Frank Heinemann, Ballholer rechts ist HSV-Torwart-Trainer Ronny Teuber, Fifa-Beobachter ist Urs Meier (Schweiz), kommentiert wird das Match von „Altmeister“ Rolf „Töppi“ Töpperwien, das Moderatoren-Team besteht aus Carmen Thomas und Dieter Thomas Heck. Gegen Mitternacht ist dann auch noch ein Torlattenschießen zwischen Thorsten Fink und Frank Arnesen geplant; Deutschland gegen Dänemark – also bitte, liebe Fußball-Fans, nichts vornehmen an diesem Dienstag, es geht rund.

Und zwar in etwa so rund, wie es gestern in Astana bei der WM-Qualifikation auch rund ging. Da wurde zur besten Sendezeit über Stunden ein öffentliches Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gezeigt. Mit Werbeblöcken zwischendurch, versteht sich. Wirklich über Stunden. Und dann so, wie es immer ist, wenn „Klein“ gegen „Groß“ spielt: Nur nicht verletzen, nur kein Risiko eingehen, nur nicht verausgaben, nur keinen Schritt zu viel. Und daran wurde sich auch strikt gehalten. Oder profihaft.

Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw hatte in der Woche vor dem Spiel noch gesagt, dass diese „Kleinen“ doch besser eine Vor-Qualifikation bestreiten sollten, bevor sie dann auf die „Großen“ losgelassen werden. Kasachstan aber, das hat Löw extra betont, wurde von diesem Vorschlag ausgenommen. Kasachstan ist vielleicht nicht klein genug, oder von den Kleinen ein etwas Größerer. Ach, Herr Löw, warum? Weil Sie wussten, dass das deutsche Fernsehen, genauer das ZDF, das DFB-Training aus und gegen Kasachstan immerhin durch eine über dreistündige Live-Übertragung würdigt?
“Es war nicht so einfach gegen Kasachstan”, sagte Torwart Manuel Neuer nach dem Spiel. Natürlich war es nicht leicht: Anstoß um Mitternacht, dann in einer “Halle” auf Kunstrasen, und dazu auch noch ohne Stürmer – das ist schon hart. Wobei ich glaube, dass der Flug noch nachts aus Astana wohl das Härteste an diesem Trip war – Landung gegen 5.30 Uhr.
Im Radio, welcher Sender auch immer, habe ich heute gehört, dass der Sprecher von einem “Gurkenspiel” gesprochen hat. Mein Freund Klaus hat zur Halbzeit abgeschaltet und ist in die Kneipe gegangen. Kommentar: “Unerträglich.” Das war schon hart – das über Stunden ertragen zu müssen.

Auch wenn es schwer fällt, es geht nun noch einmal in die Wunde: Das war am Freitag ein ganz, ganz bitterer Fußball-Abend. In etwa so wie HSV gegen Augsburg. Nur gab es diesmal drei Punkte für den „Großen“. Gut daran war wohl nur, dass jeder deutsche Spieler sein Trikot nicht waschen lassen musste – verschwitzt oder dreckig war keiner.

Und während des “Spiels” habe ich so bei mir gedacht: Wenn die deutsche Nationalmannschaft im Schongang noch einen Gang nach dem anderen zurückschalten kann, dann dürfen die restlichen HSV-Profis, die noch in Hamburg verblieben waren, das doch auch. Dann dürfen die eben auch mal einen Kurz-Urlaub einschieben. Alles nur von wegen der Verletzungsgefahr. Eigentlich dürfte sich ja jetzt kein HSV-Profi, der in der Heimat geblieben ist, an diesem Wochenende verletzen. Eigentlich. Ich gehe davon aus. Obwohl wir das ja auch schon alles anders erlebt haben. Zum Beispiel dann, wenn da mal ein junger Vater sein Baby hebt und sich dadurch “Rücken” einfängt . . . Aber das wollen wir jetzt auch nicht verschreien.

Zum Thema Training und Nationalmannschaft zurück. Ich weiß gar nicht, ob ich das hier schon einmal geschrieben habe (falls ja, sage ich schon mal sorry!), aber es gab vor vielen Jahren mal eine heftige Diskussion zwischen Karl-Heinz Riedle, Rudi Assauer und mir. Auf Eurosport. Ich hatte dabei gewagt zu behaupten, dass früher, vor der Klinsmann-Ära beim DFB, nur „pille-palle“ bei der Nationalmannschaft trainiert wurde: kurz aufwärmen, ein kleines Spielchen, das war es. DFB-Kapitän Philipp Lahm hat es einst sogar in seinem Buch bestätigt, aber „Kalle“ Riedle protestierte ganz heftig („Wir haben früher auch hart trainiert, aber hallo.“) und nahm sich dazu Assauer als Beistand. Wobei der frühere Schalker Manager ja nie in der Nationalmannschaft gespielt hat. Aber das nur am Rande. Früher war das jedenfalls alles viel gemütlicher beim DFB. In etwa so, wie die 90 Trainings-Minuten gegen Kasachstan . . .

Zum HSV. Da hat „Scholle“ ja zuletzt viel über die Jugend berichtet. Und gestern ja auch mit Horst Hrubesch gesprochen. Dazu noch eine kleine Ergänzung: Am Montag, beim Oddset-Talk im Hotel „Le Royal Meridien“, war auch unser „Matz-abber“ „Eiche“ mit von der Partie (als Zuschauer), und er fragte Hrubesch nach der Talkrunde explizit zum HSV: „Kommen Sie noch einmal zum HSV zurück?“ Hrubesch antwortete nur kurz und knapp – und ehrlich: „Nein, nein, das ist vorbei.“ Weil das „Kopfball-Ungeheuer“ am 17. April 62 Jahre jung wird, dazu noch einen Drei-Jahres-Vertrag mit dem DFB abschließen wird – und dann in den verdienten Ruhestand gehen will. Wer also – wie ich – immer noch darauf gehofft hatte, dass sich Horst Hrubesch eines (nahen) Tages für seinen HSV entscheiden würde, das kann sich nun jeder abschminken. Das Thema ist durch. Ich glaube, zu 100 Prozent.

Ganz nebenbei: Wer an diesem Wochenende ein wenig Zeit hat, der sollte sich einmal das Video vom Oddset-Talk ansehen. Es sind dort von den Talk-Gästen einige gute Sachen gesagt worden – und brisante dazu. Das Video ist hier am Dienstag reingestellt worden.

Ja, und dann gibt es noch einen Rückblick auf das vergangene Wochenende. Dazu gab es nämlich eine bemerkenswerte Mail eines „Matz-abbers“, die ich hier – verkürzt (und gelegentlich korrigiert) – einmal veröffentlichen möchte:

Ich sehe als Pflicht der hiesigen Journalisten, dass endlich einmal bei Thorsten Fink hinterfragt wird, warum die Aufstellungen so frühzeitig bekanntgegeben werden…?! in Einzelfällen einem Spieler das Vertrauen auszusprechen, mag ja noch hilfreich und aus Sicht des Trainers verständlich sein, aber was eine vorzeitige Festlegung des (Stamm-)Personals sowie der taktischen Ausrichtung angeht, hat doch diese Woche eindrucksvoll bewiesen: Nämlich, dass dies mehr als kontraproduktiv fürs eigene Team ist. Und dabei ist nur zweitrangig zu bewerten, dass der Gegner vorab alle Informationen frei Haus erhält und sich explizit auf Stärken / Schwächen des HSV vorbereiten kann.

Warum hat sich Beister denn hängen lassen? Was überhaupt nicht hinterfragt wurde, sondern einfach nur als (angebliches) Faktum dargestellt wurde. Er wusste – wie alle anderen Spieler und den Fans – schon vor (!) dem Oslo-Spiel bereits, dass er nicht in der Startelf gegen Augsburg stehen würde. das ist anhand der Interviews und kolportierten Worte Finks belegbar. Konkurrenzkampf…? Fehlanzeige…!

Warum hat Arslan denn so ein bescheidenes Spiel gemacht…?! Sicher, er hätte unbekümmert aufspielen können, aber eben genauso nicht, denn bis 45 Minuten vor Spielbeginn wusste TA nicht, dass er in der Startelf steht. Auch bei ihm war die Anspannung spätestens seit dem „Dienstag-Gebet” des Trainers weg. Er wusste ja, wie das Mittelfeld besetzt sein würde, zumal es in den vergangen Tagen / Wochen auch keine Anzeichen gab, dass er nunmehr spielen würde. Spätestens durch Sons Versetzung ins Mittelfeld war klar, dass er schon einmal gar nicht spielen (Stammelf) würde – zumal ja auch noch Skjelbred das Puffer dazwischen war…! Mental war TA somit sicher schon bei der U-21, aber nicht beim Gegner aus Augsburg.

Und nun soll mir keiner damit kommen, dass es „doch Profis” seien, die immer bereit sein müssten. Das hat nichts mit „Profitum” zu tun, sondern ist eine menschliche Regung, dass man nicht bei 100 Prozent ist, wenn einem tage- / wochenlang suggeriert wurde, nicht gebraucht zu werden…!!!

Zu Maximilian Beister habe ich schon genug geschrieben, dieses Thema hat sich für mich (vorerst jedenfalls) erledigt. Zu Tolgay Arslan werde ich gleich noch einmal etwas sagen, aber zunächst mal zur allgemeinen Problematik. Nämlich der früh veröffentlichten HSV-Mannschaftsaufstellung.

Um ganz ehrlich zu sein, überrascht es mich auch, dass sich Thorsten Fink meistens schon sehr, sehr früh in alle seine Karten gucken lässt. Vielleicht gab es da mal eine Ausnahme, nämlich vor dem Stuttgart-Spiel, als da doch noch etwas geheim geblieben ist, aber ansonsten ist der HSV-Coach schon sehr offen. Mir fehlt ein Beispiel zu ihm. Huub Stevens war genau das Gegenteil – so denke ich rückblickend. Und Armin Veh kam Fink schon am nächsten, der heutige Frankfurter Trainer war oft auch sehr ehrlich – zu ehrlich. Weil ich auch denke, dass es dem Gegner schon mal ganz gut tun würde, wenn er die HSV-Aufstellung erst mit der Hereingabe des Spielberichtsbogens (in die Kabine) erfährt.

Und für die eigenen Spieler, da liegt unser „Matz-abber“ schon ganz richtig, ist es natürlich auch viel besser, wenn die Spannung bis zum Freitag (vor einem Spiel am Sonnabend) erhalten bliebe – bis dann der Kader bekannt gegeben wird. Bei Felix Magath, so erinnere ich mich, geschah das freitags so, dass er den Kader an die Tafel in der Kabine schrieb. Und Ende. Keine Erklärungen an die Spieler, erst recht keine Erklärungen an die Presse-Vertreter. Und das ist nämlich auch ein Punkt: Die Pressevertreter wollen immer alles ganz genau wissen. Ganz genau. Und sie bohren dann auch so lange, bis ihnen die Aufstellung für das kommende Wochenende auf dem Tablett serviert wird. Vom Trainer. Und da auch Thorsten Fink eine ganz ehrliche Haut ist, legt er alle (fast alle) Geheimnisse offen.

Wobei eines auch zu beachten wäre: Spätestens im Abschluss-Spielchen, in dem sich dann die „gedachte“ Aufstellung einspielen soll, weiß jeder Spieler, was die Stunde geschlagen hat. Das passiert nicht selten auch schon donnerstags, sodass dann auch schon die „Spannung“ raus sein könnte.

Zusammenfassend denke ich aber, dass Thorsten Fink besser beraten wäre, wenn er die Aufstellung etwas länger für sich behalten würde. Auch wenn er dadurch vielleicht ein bisschen Ärger mit den Presse-Vertretern bekommen würde. Aber meinen Kollegen möchte ich diesbezüglich gerne zurufen: Früher war es ein Sport, mit seinen (ins Blaue getippten) HSV-Aufstellungen richtig zu liegen, da wurden auch die „Richtigen“ gezählt – und wenn man „gewonnen“ hatte, dann wurde es der Konkurrenz (-Zeitung) auch noch unter die Nase gehalten. Das war doch aber viel besser, als jetzt immer zu 100 Prozent richtig zu liegen – weil die Informationen ja zeitig und aus erster Hand kommen. Und, um ehrlich zu sein, mir ist kein einziger Fall bekannt, in dem sich ein Leser deshalb bei der Zeitung (und/oder dem Reporter) beschwert hat, weil vor dem Spiel in der Aufstellung noch Dennis Aogo stand, plötzlich aber Tomas Rincon auf dem Rasen stand. Oder liege ich da so falsch?

Zu Tolgay Arslan. Mir tut es weh, wenn ich – wie nach dem Augsburg-Spiel passiert – lesen muss, dass er deswegen so schwach spielt, weil er verunsichert ist, dass er Zweifel hat, dass er stets vom Schlechtesten ausgeht. Er hat es den Kollegen der Bild nach der 0:1-Niederlage offenbart. Es wird schon so sein, wie er sagt, aber dass er so stark verunsichert ist, dazu hätte es eigentlich nicht kommen dürfen. Arslan hat aber viel, viel Pech gehabt. Er kam auf der „Sechs“ was kaum einer für möglich gehalten hätte, ganz groß raus. Ich hielt es sogar für total unmöglich, aber Arslan hat stark gespielt und auf diesem ungewohnten Posten seinen Mann gestanden, alle überzeugt. Er galt als der Aufsteiger der Saison. Und mitten in sein Glück hinein verletzte sich Rafael van der Vaart, sodass Tolgay Arslan diesen Posten (des Niederländers) übernehmen musste. Und schon war die „Sechs“ weg. Bitter für ihn, viel Pech für ihn. Und wenn er dann, als van der Vaart wieder spielte, von der Bank ins Spiel kam, dann brachte er nicht annähernd mehr die guten und großartigen Leistungen, die er vorher gebracht hatte. Und dann geht es vielleicht noch zwei, drei Spiele gut (weil der Trainer Arslan auch nicht fallen lassen wollte – das war gut!), aber nicht viel länger. Dann ist „Mann“ draußen. Auch einer, der vorher (ein paar Wochen vorher) noch eine Stütze war. So schnell geht es eben – und das nicht nur im Profi-Fußball, aber eben auch dort . . .

Thorsten Fink wurde in dieser Woche zu Tolgay Arslan gefragt, speziell zu den Selbstzweifeln des Spielers. Der Trainer antwortete: „Ich finde das gut. Aber ich finde auch, dass er Selbstvertrauen haben könnte, denn er ist ein Super-Spieler, er hat einen Super-Schritt nach vorne im letzten Jahr gemacht. Und dann kam das, was oftmals einem jungen Spieler passiert, wenn er einen riesigen Schritt nach vorne gemacht hat, dann fällt er in ein kleines Loch. Wenn man dann meint, weil es einem vorher ja gut gegangen ist, etwas weniger machen zu können . . .“ Dann brach Thorsten Fink ab. Und fuhr nach zwei, drei Sekunden fort: „Anscheinend hat es Tolgay jetzt, das entnehme ich seinen Aussagen, kapiert, dass man mehr machen muss. Nach oben kommen ist einfach, aber man ist auch schnell wieder unten. Sich oben zu halten, das es sehr schwierig, und das muss er nun auch mitmachen. Das machen ja viele junge Spieler mit. Aber ich denke, deshalb werte ich seine Aussagen als positiv, er weiß jetzt, was er wieder besser machen muss. Er kann Selbstvertrauen haben, er ist ein guter Spieler – er hat uns in der Hinrunde weit nach vorne gebracht. Mit weit nach vorn gebracht.“

Thorsten Fink ergänzt noch: „Tolgay ist einer der jungen Leute, auf die ich in Zukunft baue, er ist einer der jungen Wilden, einer aus der Rasselbande, die ich in der Zukunft gerne hätte. Talente, die Selbstvertrauen haben, die aber trotz allem weiter an sich arbeiten. Tolgay gehört dazu.“ Fink dann in seinem Resümee: „Reden ist immer gut, machen ist aber immer besser.“

Das “Reden” war darauf bezogen, dass sich Tolgay Arslan ja in der Zeitung offenbart hatte.

Ein anderes Thema. “Scholle“ hatte es bei „Matz ab“ geschrieben, im Hamburger Abendblatt erschien es auch. Dass Michael Mancienne gesagt hat, dass der HSV unter die ersten vier Clubs der Bundesliga gehört. Dazu gab es einen Leserbrief, den ich auch noch gerne veröffentlichen möchte. Es schrieb Friedrich L. aus Hamburg:

Lieber Herr Mancienne, der HSV gehört genau dorthin wo er jetzt steht und eher noch
weiter ins Mittelfeld. Wer oben mitspielen will, muss nicht nur mental dazu in der Lage
sein, sondern auch spielerisch. Dazu gehört zum Beispiel in jedes Spiel mit der richtigen
Einstellung zu gehen und die Motivation nicht nur bei den Top Vereinen abzurufen. In jedem Zirkus wird täglich trainiert, auch montags! Die Artisten beim HSV halten dieses aber für nicht erforderlich. Um im oberen Viertel eine Rolle zu spielen bedarf es einer anderen Einstellung aller Verantwortlichen in allen Belangen. Ein Blick zu den europäischen Top
Vereinen um zu sehen wie dort gearbeitet wird, ist bestimmt hilfreich die Wünsche des
HSV und Fans zu befriedigen.

Zu diesem Thema habe ich in den vergangenen Jahren schon sehr viel geschrieben, deswegen lasse ich das nun einmal unkommentiert. Soll sich jeder das denken, was er möchte – und eventuell seine Lehren daraus ziehen.

Und dann möchte ich schnell noch einmal auf die ARD-Sendung „Beckmann“ zurückkommen. Da hatte Schiedsrichter Babak Rafati seine Angriffe gegen die Schiedsrichter-Chefs Herbert Fandel und Hellmut Krug verteidigt: „Das sind keine Vorwürfe, sondern ich habe alles, was ich erlebt habe, im Detail beschrieben.“ Der 42-Jährige bekräftigte, dass er sich über längere Zeit von Herbert Fandel „menschenunwürdig, sehr kalt und persönlich verletzend“ behandelt gefühlt habe – „man hat mich systematisch gemobbt.“

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter betont, dass er niemanden die Schuld an seinem Suizidversuch vor 16 Monaten gebe. „Ich sehe niemanden als Täter und mich selbst als Opfer. Darum geht es mir gar nicht. Mir geht es einfach darum, diese Missstände in diesem Bereich, in dem ich tätig war, aufzudecken. Was in dieser Nacht passiert ist, muss ich mir ganz allein zuschreiben. Diese Tat wollte ich mir antun – und niemand anders. Allerdings wolle er zeigen, „was passieren kann, wenn man mit Menschen so umgeht“, wie es Fandel getan habe, so Rafati.

Ich finde es jammerschade, dass es so gekommen ist, dass es nun diese Eskalation gibt. Alles höchst, höchst bedauerlich. Es war ein schwerer Fehler, dass Rafati dieses Buch schreiben musste. Er hätte schweigen sollen, in meinen Augen sogar schweigen müssen. Nun aber geht es weiter. Damit ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht, dieses Buch, diese Anschuldigungen werden ein Nachspiel haben, davon bin ich restlos überzeugt. Mal abwarten, ob es auch so eintritt. Ich glaube aber nicht, dass sich das die Herren Fandel und Krug gefallen lassen werden. Wir werden sehen.

Ich habe hier schon geschrieben (und bekannt), dass ich mich mit Babak Rafati sehr gut verstanden habe. Grundsätzlich aber muss doch festgehalten werden: Rafati war in seinen letzten beiden Jahren als Schiedsrichter umstritten. Und er wurde, wie abartig das auch immer ist, zweimal von den BL-Profis zum schlechtesten Unparteiischen der Liga „gewählt“. Da ist es doch völlig klar und logisch, dass auch Männer wie Fandel und Krug, die Chefs von Rafati, einmal ein „ernstes Wort“ mit ihrem „Sorgenkind“ reden würden. Jeder Chef würde es mit seinem offensichtlich schwachen oder überforderten Angestellten machen. Und gegebenenfalls dann sogar die Reißleine ziehen. Aber das haben Fandel und Krug ja nicht mal gemacht . . .

Und dass Fandel folgenden Satz gesagt hat: „Babak, jeder kann sich Fehler erlauben, nur du nicht“, das war in der Schiedsrichterei allgemein bekannt. Es war aber nicht so gemeint, damit Rafati unter Druck zu setzen, sondern ihm zu vermitteln, dass er sich stets um bessere Leistungen bemühen solle – um nicht aus der Ersten Liga abzusteigen.

Babak Rafati, zu dem ich nach seinem Suizidversuch keinen Kontakt mehr hatte, sucht für sich ganz gewiss eine Erklärung für das Geschehene, aber dabei hat er in meinen Augen leider einen Irrweg eingeschlagen. Ich glaube eher, dass er mit dem ganzen Druck, der auf jedem BL-Schiedsrichter lastet, nicht (mehr) zurechtgekommen ist. Und damit meine ich nicht den Druck, der von Fandel und Krug ausging, sondern jenen Druck, der von der Öffentlichkeit (den Medien) und den Fans kommt und gemacht wird. Woche für Woche. Damit muss man erst einmal klarkommen. Erst recht dann, wenn man (höchst) sensibel ist – oder sogar auch krank. Ich hoffe nur, dass sich Babak Rafati, den ich als großartigen und humorvollen Menschen kennengelernt habe, noch besinnt, bevor es ganz zu spät ist. Obwohl es eigentlich schon viel zu spät ist . . .

PS: Ich kenne auch Herbert Fandel und Hellmut Krug persönlich, mit Krug bin ich (fast) befreundet, würde ich sagen. Das schreibe ich nicht, um damit anzugeben, sondern um zu sagen: Ich bin von diesen beiden Herren menschlich absolut überzeugt. Und man kann es mir glauben, dass ich auch ganz andere Charaktere in diesem Fußball-Geschäft kennengelernt habe, um die ich noch heute lieber einen ganz großen Bogen mache. Fandel und Krug gehören nicht zu dieser Kategorie, sie sind okay. Ich wurde das nach den Veröffentlichungen von Rafati von mehreren Freunden und Bekannten gefragt, wie ich Krug und Fandel einschätze, aber ich habe allen gesagt, dass ich an ihnen keine Seite oder Facette entdeckt habe, die mich zu dem Schluss kommen ließ: „Menschenunwürdig, sehr kalt und persönlich verletzend.“

Natürlich, das will ich nicht verhehlen, wir haben uns stets nur privat unterhalten, und nicht von Schiedsrichter zu Schiedsrichter-Boss, aber kann man sich nicht auch so ein Bild von Menschen machen? Ich lasse nichts auf Krug und Fandel kommen – so wie ich vorher auch nichts auf Babak Rafati habe kommen lassen. Egal, wie oft mir Kollegen und Fans eingeredet hatten, wie schlecht der Mann aus Hannover doch pfeift. Das habe ich stets ausklammern können. Weil er in meinen Augen ein feiner Mensch, ein ganz netter Kerl war – vielleicht ja auch noch ist.

Aber ein Buch muss sich ja auch verkaufen . . .

18.29 Uhr

Im Angebot: Wüste oder Achterbahn

5. Januar 2013

„Na, Herr Matz . . .“ So begrüßte mich der Kollege Kai Schiller am Handy, als ich ihn heute in Abu Dhabi anrief. Die Medien-Kollegen saßen gerade im Bus und wurden zum zweiten Training gefahren. Als der eine oder andere Journalist mitbekommen hatte, mit wem Kai Schiller da telefoniert, wurde im Bus sofort gesungen. Wieso, weshalb, warum? Und vor allem was? Das erzähle ich in dieser kleinen und nun folgenden Geschichte, die wohl so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird. Es war im Januar 2007, HSV-Trainer war (in seinen letzten Wochen) Thomas Doll. Wir Journalisten saßen in einem kleinen Bus, der uns beim Trainingslager in Dubai zum Training kutschierte. Es hatte sich mit den Tagen so ergeben, dass jeder im Bus stets auf seinem Platz saß. Ich zum Beispiel nahm immer hinten links, ganz in der Ecke meinen Sitz ein. Bei jeder Tour. Nur einmal nicht. Da setzte ich mich vorne neben den Fahrer. Weil ich am Tag zuvor von „Hamburg 1“ gebeten worden war, ein paar Takte zum Trainingslager im Frühstücksfernsehen zu erzählen. Ich wartete also während der Fahrt auf den Anruf aus Hamburg, und in dieser Zeit begann der Kollege Lars Pegelow damit, sich laut darüber Gedanken zu machen, „warum der Matz auf einmal ganz vorne sitzen“ würde? Er grübelte und grübelte, bis ich den Anruf von „HH1“ erhielt. Da fiel es dem Kollegen Pegelow wie Schuppen aus den Haaren: „Dieter Matz ist live auf Sendung, bei welchem Sender auch immer.“ Und das war dann das Zeichen. Es wurde von einer Sekunde zur anderen lautstark gesungen. Alle im Bus grölten munter drauf los, nur der Fahrer und ich nicht: „Dieter Matz ist homosexuell, homosexuell, homosexuell. Dieter Matz ist homosexuell . . .“ Immer und immer wieder. Und so laut wie es nur ging. Der Moderator in Hamburg bemerkte zwischendurch: „Mensch, Herr Matz, bei ihnen im Bus herrscht ja eine Super-Stimmung.“ Ich zu ihm: „Ja, das ist immer so, das ist hier wie ein Schulausflug der fünften Klasse . . .“ Ja, ja, die lieben Kollegen. Nein, im Ernst, sie sind schon in Ordnung. Und man muss ja auch mal über sich selbst lachen können.

Als Kai Schiller aber heute im Bus meinen Namen nannte, da wurde – natürlich – sofort wieder gesungen: „Dieter Matz ist homosexuell . . .“
Ja, das ist man nun ganz weit weg von der Front, und doch allgegenwärtig, so kann es gehen. Die damalige Busfahrt vom Januar 2007, ich schrieb es bereits, wird wohl so schnell nicht in Vergessenheit geraten.

So, zum Fußball von heute. Wobei ich mich bei allen, die kein Verständnis für die nun eingangs geschilderte Geschichte haben, schnell und in aller Form entschuldigen möchte. Es wird in Abu Dhabi, so hatte es Thorsten Fink ja vorher angekündigt, fast alle mit dem Ball gemacht (Standards allerdings wurden bislang noch nicht geübt!). Spielerisch und taktisch wird viel gemacht – und am Nachmittag gab es auch ein langes Spiel, das 40 Minuten dauerte. Und das für alle Zuschauer, inzwischen sind auch zehn VIP-Fans des HSV in Abu Dhabi eingetroffen, sehr schön anzusehen war. Es ging heftig zur Sache, da wurde sich nichts geschenkt. Es war allerdings nicht erkennbar, wer nun im A- und wer im B-Team spielte, es war bunt durcheinander gewürfelt.

Am Ende stand ein 2:0 für das „Team Orange“ fest. Artjoms Rudnevs hatte einen Elfmeter (!) verwandelt, und als Heiko Westermann Zweikampfsieger gegen Rafael van der Vaart geblieben war, zog der Kapitän mit dem Ball auf und davon und schoss ihn aus rund 18 Metern flach ins Netz – eine sehr schöne Aktion, ein sehr schöner Schuss.
Bei der Gewinner-Mannschaft gefiel meinem Kollegen Schiller besonders Ivo Ilicevic, über den sehr viel lief, der die Fäden fest und gut in der Hand hatte. Dazu konnte auch Neuzugang Valmir Nafiu (oder auch Nafju – wie ihn zwei Kollegen schreiben würden!) gefallen, der viele gute und sehr gute Szenen hatte. Der Junge (er wurde während des Spiels kurz an den Rand zu Thorsten Fink und zu einem Vier-Augen-Gespräch gebeten) mischt in Abu Dhabi frech, frisch und unbekümmert mit – er macht Spaß.

Wobei ich in diesem Moment an den 30. Dezember denke, als wir in der Mix-Zone in der Arena auf Thorsten Fink warteten. Da trainierte nämlich Nikola Vidovic mit Nafiu allein, beide spielten Fußballtennis. Und als Fink kam, war der Stand der Dinge jener: es hieß 12:1. Für den Co-Trainer. Der ansonsten ja draußen mit Artjoms Rudnevs oft schon Fußballtennis gespielt hat – um die technischen Fähigkeiten des Letten zu verbessern. Mir ist nun aber bislang nicht aufgefallen, dass Nafiu auch ähnliche Probleme in Sachen Technik hat,
sodass die behoben werden müssten. Ich werde es aber weiter beobachten.

Nicht an diesem Trainingsspielchen beteiligt war Maximilian Beister, der wegen (leichter?) Oberschenkelproblemen nur zuschauen konnte. Darüber hinaus fehlte auch Marcell Jansen, der nach seiner Schulter-OP (ausgekugelte Schulter) immer noch ein wenig geschont wird, der noch nicht alle Übungen mitmachen kann – oder auch soll. Ebenfalls nicht mitgespielt hat Petr Jiracek, der aber auch noch nicht mit der Mannschaft trainieren konnte. Der Tscheche läuft nach wie vor oft mit Reha-Coach Markus Günther, und ab und an schnappt er sich auch einen Ball und jongliert damit. Das war es dann aber auch schon. Jiracek sagt zu seiner Situation: „Mein Ziel ist es, nach der Rückkehr in Hamburg wieder mit der Mannschaft zu trainieren, und dann hoffe ich, dass ich gegen Nürnberg spielen werde.“

Das allerdings dürfte Utopie sein, denn er verpasst so die gesamte Vorbereitung in Abu Dhabi, und ob er dann innerhalb einer Woche alles aufholen kann? Zumal Thorsten Fink am 12. Januar, wenn es in der Bundesliga-Generalprobe im Volkspark gegen Austria Wien geht, wohl die für den Club angedachte Formation spielen lassen wird . . . Schade, schade, ich hatte mir das ganz anders erhofft, und wohl auch die HSV-Verantwortlichen, denn eigentlich hieß es doch bei der „Bestandsaufnahme“ am 30. Dezember, dass wieder alle Spieler fit sind – also auch Jiracek.

Übrigens: Gojko Kacar, dessen Wechsel zu Hannover 96 geplatzt ist (obwohl ich schlimmer Finger ja geunkt hatte, dass das mit 80:20 Prozent wohl klar gehen würde! Sorry!), wird nicht nach Abu Dhabi nachreisen, sondern in Hamburg mit der Regionalliga-Mannschaft von Rodolfo Cardoso trainieren. Eines steht fest: Kacar wird es in Zukunft schwer haben, zu Einsätzen in der Bundesliga zu kommen. Weil es ja beim HSV ein Über-Angebot an Mittelfeldspielern gibt, und weil hinter der vorgehaltenen Hand erzählt wird, dass weder der HSV noch Hannover 96 die Schuld an diesem geplatzten Wechsel haben. Kacar und sein Onkel Milan sollen sich verpokert haben. Sportchef Frank Arnesen sagt in diesen Tagen immer wieder: „Die beiden Vereine waren sich einig . . .“ Obwohl mir da ein Zitat von 96-Manager Jörg Schmadtke (gelesen in der Mopo) in den Sinn kommt, der ehemalige Bundesliga-Torwart sagte da nämlich (vor dem Scheitern der Verhandlungen), dass er den großen Optimismus, der beim HSV bezüglich des Wechsels von Kacar an die Leine herrsche, so nicht ganz teilen kann. Und so kam es dann ja auch.

Grundsätzlich denke ich ja über solche (angedachten) Wechsel, dass das so lange wie es nur irgendwie geht, geheim gehalten werden sollte. Im „Fall Kacar“ aber war von Beginn an eigentlich jeder Schritt – hüben wie drüben – öffentlich. Und das kann, auch wenn ich damit natürlich (es ist mir bewusst) gegen die Medien argumentiere, die ja stets und ständig alles wissen müssen und wollen, nicht gut im Interesse des Spielers und der Klubs sein. Aber gut, das ist meine unmaßgebliche Meinung, es gibt ja offensichtlich Herren, die es anders wollen und dann auch in die Tat umsetzen. Mit wäre es grundsätzlich lieber, wenn der HSV morgen zum Beispiel verkünden würde: „Kacar hat heute für drei Jahre beim FC Augsburg unterschrieben.“ Zum Beispiel. Kurz und schmerzlos, und dann könnte immer noch sehr viel an Reaktionen auf und über diesen Transfer in den Zeitungen stehen.

Für Frank Arnesen dürfte dieser verhinderte Wechsel arge Probleme bedeuten, denn er sollte ja eigentlich durch Spieler-Verkäufe 6,4 Millionen Euro bis zum Beginn der Rückrunde eingespart haben. Ob das noch etwas wird? Es darf zumindest stark bezweifelt werden. Und wieder stellt es sich mir so dar, dass beim HSV eben gut bis sehr gut bezahlt wird, da nimmt ein Fußball-Profi dann auch schon mal in Kauf, einige Monate mal auf der Bank oder auf der Tribüne zu sitzen. Mann gönnt sich ja sonst nichts. Und das Geld fließt und fließt und fließt, und fließt. Besser so sein Geld verdienen, als mit einem Erstliga-Klub eventuell abzusteigen, oder bei einem Zweitliga-Klub auf die Knochen zu bekommen – und dazu noch weniger Geld zu verdienen.

So, am Sonntag wird es nur eine Einheit geben – am Vormittag. Nachmittags gibt es dann für die Spieler zwei unterschiedliche Freizeitangebote. Es kann an einer Wüsten-Rallye teilgenommen werden, oder es geht in die „Ferrari-World“, wo es die schnellste Achterbahn der Welt gibt. Letzteres wäre ja nichts für mich, aber nicht wegen der Schnelligkeit. Oder weil es zu gefährlich wäre. Mal ehrlich, Achterbahn wäre doch langweilig. Weil: Achterbahn fährt der HSV doch schon seit einigen Jahren. Zwar nicht ganz so schnell, aber stetig. Und weil das so ist, gibt es auch noch ein drittes Freizeit-Angebot: Im Hotel bleiben und einfach mal Beine und Seele baumeln lassen.
Würde ich machen.

17.03 Uhr

Adler und Aogo wollen höher angreifen – Kacars und Jaros Wechsel geplatzt

4. Januar 2013

Das ist bitter. Für alle eigentlich. Denn als Gewinner des geplatzten Transfers von Gojko Kacar zu Hannover 96 darf und kann sich keiner fühlen. Im Gegenteil: der Spieler verpasst die Möglichkeit, sich bei einem zweifellos guten Bundesligisten eine neue Chance zu holen. Der Verein verpasst Einsparungen von rund vier Millionen Euro (zwei Millionen Ablöse, zwei Millionen Gehalt) und Hannover 96 bekommt einen gewünschten Spieler nicht. Wobei bei den Schilderungen, weshalb der Deal geplatzt ist, noch Unklarheiten herrschen. So gibt der HSV an, dass sich Kacar und Hannover nicht hätten einigen können. „Die Vereine sind sich weitgehend einig“, sagte Arnesen bereits vor einer Woche, um heute zu sagen: „Es ist schade, dass sich Gojko und Hannover nicht einigen konnten. Wir haben jetzt aber noch einen Monat Zeit, für Gojko einen neuen Verein zu finden.“
Und auch wenn jetzt hier der eine oder die andere damit nicht einverstanden sein sollte, ich werde hier nicht nach einem Schuldigen suchen. Den gibt es unter Umständen auch gar nicht. Denn wie alle gesagt hatten, waren der HSV und Hannover nah beieinander, Hannover und Kacar auch. „Hannover wäre eine gute Lösung für Gojko“, sagte mir heute dessen Onkel und Berater Milan Kacar, „Gojko wäre zu einem professionell geführten Verein gekommen, der ihn wirklich wollte. Er hätte dort wieder gut Anschluss finden können.“ Allerdings nicht um jeden Preis. „Bei so einem Transfer sind es drei Parteien, die am Ende zufrieden sein müssen. Wenn ein einziger davon nicht zufrieden ist, passt es nicht. Und in diesem Fall hat es nicht gepasst. Das gehört im Professionellen Fußball dazu – auch wenn ich weiß, dass jetzt alle schreiben werden, dass Gojko zu gierig war und er zum Deppen gemacht wird.“

Wird er nicht. Zumindest nicht hier im Blog. Denn klar ist, dass Kacar für einen Wechsel bereit war, auf Geld zu verzichten. „Gojko ist wirklich derjenige in dieser Dreiecksverhandlung, der allen Seiten noch am meisten entgegengekommen ist“, sagt Milan Kacar und fügt hinzu: „Aber es ist auch längst nicht klar, ob allein finanzielle Gründe entscheidend waren. Vielleicht gab es dann am Ende doch ein paar Zweifel in Hannover und man hat sich für eine günstigere Variante entschieden.“ Zumal die Hannoveraner mit Sicherheit auch nicht an zwei Millionen Euro Ablöse gedacht hatten, als sie nach dem lange Zeit schwer verletzten („Vor ein paar Jahren hat eine solche Verletzung noch das Karriereende bedeutet“ O-Ton Arnesen) Kacar fragten. Im Gegenteil, die Niedersachsen hatten sicher auf ein Schnäppchen gehofft, das sie jetzt mit dem ehemaligen Duisburger U-20-Nationalspieler für 800000 Euro glauben, gemacht zu haben.
Egal wie, letztlich hat es nicht gepasst. Und das kann man ganz sachlich sehen, Immerhin haben der HSV und Kacar einen Vertrag, den beide Seiten erfüllen müssen. Sollte es zu einer vorzeitigen Trennung kommen sollen, müssten sich beide Parteien einigen. Zur Not auch über die Zahlung eines Dritten, in diesem Fall wäre das Hannover gewesen. Wenn aber der Dritte (Hannover) nicht bereit ist, die dafür nötige Summe X (ob an Spieler oder Verein ist egal) zu zahlen, der HSV andererseits dem Spieler keine Abfindung zahlen will, dann ist es das gute Recht des Spielers, zu bleiben. Zumal dann – und das ist meine fast ausschließliche Motivation im Fall Kacar -, wenn der betreffende Spieler sich bislang nie etwas hat zu Schulden kommen lassen. Kacar ist zweifellos ein guter Fußballer und gibt im Training immer Vollgas. Er gilt als tadelloser Typ, was von Mannschaft wie Trainern und Vorständen bestätigt wird. Und er hat realistische Chancen, zu spielen, wenn er fit ist. Beim großen HSV wohlgemerkt. Dass er weg soll, ist sicherlich weniger seinen sportlichen denn den momentanen finanziellen Gründen geschuldet. Und im Gegensatz zu den absoluten Bankdrückern (Drobny, Tesche, Rajkovic, Berg etc.) gab es für den Serben einen Interessenten. Deshalb werde ich hier einen Teufel tun und irgendwen als „Schuldigen“ hinstellen.

Das werde ich im Übrigen auch bei den von mir als „absolute Bankdrückern“ nicht machen, da auch sie einen Vertrag haben, den der HSV mit ihnen aus freien Stücken verhandelt hat. Allerdings muss ich immer wieder hinterfragen, weshalb der eine oder andere nicht wechselt. Und darin bestehen, wie in den letzten Blogs zu den einzelnen Spielern aufgeführt, immer wieder aufgeführt, kleine aber eben auch entscheidende Unterschiede.

Ein kleines Bisschen hat auch nur noch an der Konstellation Kaiserslautern/David Jarolim gefehlt. Genau gesagt, die Zustimmung von Jaro hat gefehlt – und wird weiter fehlen. „Wir waren sehr weit, das Angebot war sehr gut – aber ich habe mich doch dazu entschieden, in Prag zu bleiben“, sagt Jarolim, der in der tschechischen Hauptstadt nach einem neuen Klub sucht. Zumindest bis Sommer. „Gut möglich, dass ich hier das eine halbe Jahr überbrücke und dann zurückkomme, um beim HSV als Trainer anzufangen“, sagt Jaro, dessen Pläne so heute in Abu Dhabi von Sportchef Frank Arnesen bestätigt wurden.

Große Pläne indes Dennis Aogo. Der Linksfuß traf sich heute im Trainingslager mit meinem hoch geschätzten Kollegen Kai Schiller und sprach dort über seine bislang schwerste Zeit seiner noch jungen Karriere. „Durch das vergangene Jahr bin ich etwas gelassener geworden. Ich habe meine innere Balance gefunden“, sagt der 25-Jährige, der harte Wochen in der Rehaklinik hinter sich hat. Ein rätselhafter Ermüdungszustand mit schlechten Blutwerten hatte dazu geführt, dass sich Aogo eine Zwangspause nehmen musste. Eine Zeit, über die er heute gut sprechen kann. „Es war die härteste, aber auch wichtigste Zeit in meinem Leben. Ich habe einen Weg gefunden, zu mir selbst zu finden“, sagt der gläubige Bibelleser und fügt hinzu: „Ich bin zufriedener und ausgeglichener als früher. Früher bin ich den Erwartungen anderer hinterhergelaufen.“ Heute nicht mehr.

Denn zum einen setzt er sich selbst diesem Druck nicht mehr aus, zum anderen hat es sportlich zuletzt hingehauen. Und auch im Trainingslager wusste Aogo, der mit viereinhalb Jahren Vereinszugehörigkeit immerhin schon dienstälteste HSV-Profi, bislang zu gefallen. „Dennis macht einen guten Eindruck. Wir planen weiterhin im Mittelfeld mit ihm“, sagt Trainer Thorsten Fink, der Aogos Stammplatz als Linksverteidiger in dessen Abwesenheit an Konkurrent Marcell Jansen übergeben hat. Für Aogo kein Problem – zumindest nicht mehr. „Über so etwas mache ich mir ehrlich gesagt keine großen Gedanken mehr. Mir ist vor allem wichtig, dass ich Spaß auf dem Platz habe, da ist es ganz egal, ob ich im Mittelfeld oder in der Abwehr spiele.“

Er will wieder dabei sein – und der Mannschaft helfen, im Jahr 2013 wieder in die Nähe der internationalen Startplätze zu kommen. Denn die dürfen noch immer – ausgesprochen oder nicht – das Ziel bleiben. Zumindest sieht es auch Rene Adler so. „Nach dem Trainingslager wollen wir in der Rückrunde mal richtig angreifen. Platz zehn ist doch Niemandsland, damit bin ich nicht zufrieden“, sagt der 27-Jährige. „Frankfurt, Freiburg und Mainz – vor diesen Teams habe ich Hochachtung.“

Ganz im Gegensatz zum unfassbaren Hype um das Ehe-Aus der van der Vaarts. Wie wohl alle in der Mannschaft zeigt auch Adler Mitgefühl mit seinem Teamkameraden: „Das ist sicher keine einfache Zeit für ihn, aber er ist Vollprofi. Im Training sieht man ihm das alles nicht an“, sagt Adler, der ein derart öffentlich geführtes Privatleben wie bei seinem Kollegen mit allen Mitteln vermeiden will. „Ich habe viel mit meiner Freundin darüber gesprochen. Wir haben uns klar dagegen entschieden“, sagt der Keeper, der mit der bekannten Schauspielerin Lilli Hollunder liiert ist, „wir verzichten bewusst auf die eine oder andere Anfrage, wollen lieber unsere Ruhe haben.“ Gut so. Denn bei allem Respekt vor den van der Vaarts insbesondere auch im Hinblick auf die schwierige Zeit für Sohn Damian – mich als Fußballfan langweilt sowas eher…

Aber okay, so viel zum heutigen, ansonsten eher ruhigen Freitag. Bis auf Jacopo Sala, der wegen eines Fieberschubes kurzerhand in ein Einzelzimmer (haben sonst nur Tscharner, van der Vaart und Neuhaus als ältester Spieler) verlegt wurde, sind glücklicherweise alle Spieler gesund geblieben und haben gut trainiert. Dabei wurde in zwei Gruppen gearbeitet. Ein Teil auf dem Platz (Mancienne soll dabei ein absolutes Traumtor nach einer Traumkombination mit Per Skjelbred erzielt haben), der andere Teil des Teams im Kraftraum mit Fitnesscoach Vidovic. Und morgen geht es weiter. Dann hoffentlich wieder nur mit Fußball und Dieter – sofern sich mein heute arg kränkelnder Kollege und Freund bis dahin wieder gesund meldet. Ansonsten, und versteht das bitte nicht als Drohung, bin ich wieder für Euch da.

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Wochenendstart und (vielleicht) bis morgen,

Scholle

P.S.: Gojko Kacar reist übrigens dennoch nicht nach Abu Dhabi nach. Zudem absolviert der HSV seine Tests jetzt am Montag, Dienstag und Mittwoch und für Marcus Berg gibt es laut Arnesen trotz anderslautender Ankündigungen noch keine Anfragen aus Spanien.

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