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Jens Meier kündigt Rückzug im Mai an – und Slomka baut mächtig um

21. Februar 2014

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen – besagt ein Sprichwort. Und Mirko Slomka setzt es beim HSV um. Der neue HSV-Trainer baut die Mannschaft im vergleich zum Braunschweig-Spiel mächtig um. „Ich hoffe für das Spiel gegen Dortmund auf eine Aufbruchstimmung“, sagte uns der Aufsichtsratsvorsitzende Jens Meier heute im Interview, das ihr hier im Blog findet. Und diese Hoffnung scheint berechtigt zu sein. Die Anhängern demonstrierten zuletzt und werden auch am Sonnabend vor, während und nach dem Dortmund-Spiel beweisen, was es heißt, Geschlossenheit zu demonstrieren. Zum einen natürlich resultierend aus der Trauer und der Verbundenheit zu dem am Dienstag verstorbenen Kultmasseur Hermann Rieger. Zum anderen aber auch ob der schwierigen sportlichen Situation. Es gelten keine Ausreden mehr, „der Verein muss in sich eng zusammenstehen“, fordert Meier. Und er deutet an, worum es geht: Alle müssen sich jetzt, so schwer es auch fällt, dem Wohle des Vereines unterordnen. Jede kleine Ablenkung könnte letztlich den Absturz bedeuten.

Und das weiß auch Heiko Westermann. Der ehemalige Kapitän ist beim HSV seit seinem Wechsel im Juli 2010 in der Startelf gesetzt, sofern er gesund und spielberechtigt ist. Beides gilt auch für morgen – und dennoch droht dem Defensivspieler erstmals gesund die Reservistenrolle. Statt seiner werden Slobodan Rajkovic und Johan Djourou die Innenverteidigung bilden. „Wir müssen auch manche Dinge verändern, allein um das Bewusstsein der Spieler neu zu wecken“, hatte Slomka bei seinem Amtsantritt gesagt. Und jetzt setzt er es um. Mit Westermann als prominentestes Opfer.

Obwohl sich Westermann selbst so nicht bezeichnen will. Im Gegenteil: Der Mann, der hier rauf und runter diskutiert wird, beweist einmal mehr, dass er als Mannschaftsspieler vorbildlich ist. Denn so enttäuscht er auch die Anzeichen seines Bankdaseins wahrgenommen hat, so selbstlos geht er damit um. Ob er sauer ist? „Nein“, sagt Westermann, „sauer ist das falsche Wort. Obwohl es mich auf der Bank zerreißen würde, nicht aktiv auf dem Platz dabei sein zu können weiß ich aber auch, dass ich mich in unserer jetzigen Situation dem Ganzen unterzuordnen habe.“

Ob diese im Abstiegskampf zwingend notwendige Haltung schon bei der ganzen Mannschaft angekommen ist, ließ Westermann unbeantwortet. Aber er weiß um sein Standing innerhalb der Mannschaft und sieht sich in der Pflicht: „In dieser Phase könnte der Trainer den Platzwart aufstellen – wenn wir am Ende dadurch Erfolg haben, ist mir alles recht. Für beleidigt sein ist jetzt der falscheste Moment. Angesichts unserer sportlichen Situation hat keiner von uns ein Recht dazu.“ Vor allem er nicht. „Der HSV ist für mich eine Herzensangelegenheit. Deshalb will ich immer aktiv helfen, ich werde mich auch nie mit der Bank zufrieden geben. Das wäre auch falsch. Aber gerade weil mir der HSV so wichtig ist, werde ich jetzt die Konzentration aller nicht mit dümmlichen Eitelkeiten stören. Ich werde einfach weiter sportlich alles geben, was in meiner Kraft steht.“ Und den Rest entscheidet dann der Trainer.

Und der hat einige Ideen, die er gegen Dortmund umsetzen will. Nach dem Abschlusstraining heute waren es drei Männer aus dem ehemaligen Jugoslawien, die als letzte vom Trainingsplatz kamen. Neben dem kroatischen Fitness-Trainer Nikola Vidovic hatten dessen Landsmann Milan Badelj sowie der Serbe Slobodan Rajkovic ein Lächeln auf den Lippen. Nachvollziehbar, denn die beiden werden morgen in der Partie gegen Borussia Dortmund zur Startelf des HSV gehören.

Bei Innenverteidiger Rajkovic hatte sich diese Entwicklung in den vergangenen Tagen angedeutet und ja auch durch das klare Statement von Trainer Mirko Slomka gestern Unterfütterung erhalten. Für den bulligen Serben kommt es nun also wirklich zum Kaltstart. Sein erstes Bundesliga-Spiel in dieser Saison steht auf dem Plan. Das erste Pflichtspiel für den HSV seit dem Mai 2013.

Vielleicht ist es DIE Chance seiner Karriere, um wieder echter, aktiver Fußball-Profi zu werden. Die Anlagen für den AbstiegsKAMPF bringt er schon allein durch seine sehr kampfbetonte Spielweise mit. Nun kann er auch Charakterstärke nachweisen – und das wird er, da bin ich mir sicher. Auch wenn nach einer so langen Pause sicher keine Wunderdinge zu erwarten sind – Rajkovic wird alles geben. Weil er ein absoluter Teamplayer ist und seine Chance sieht. So gesehen ist die Entscheidung von Mirko Slomka für den Linksfuß aus Belgrad absolut vertretbar – aber sicher auch mutig. Denn Rajkovic, der Mann ohne Wettkampfpraxis, spielt an der Seite von von Johan Djourou, dem Mann ohne gute Leistungen zuletzt. Daher bleibt zu hoffen, dass Slomkas Mut belohnt wird.

Der HSV-Trainer durfte indes aufatmen, als Mittelfeldspieler Milan Badelj heute signalisierte : “Alles okay!” Seine Blitzheilung nach Bänderriss im Fuß aus dem Pokalspiel gegen Bayern soll das HSV-Mittelfeld mit spielerischer Klasse versehen. Badelj soll somit an der Seite des für den Kampf stehenden Tomas Rincon Linie ins Spiel bringen. Alternativen besitzt Mirko Slomka ohnehin kaum noch. Ouasim Bouy musste das Training heute mit Fieberanfällen abbrechen. Er düste mit seinem Fahrzeug anschließend nicht mit ins Mannschaftshotel, sondern fuhr schnurstracks nach Hause.

Übrigens gab es auch einen kroatischen Pechvogel heute. Der befürchtete Muskelfaserriss bei Ivo Ilicevic stellte sich in einer Kernspintomographie zwar als nicht so schwerwiegend heraus, eine Zerrung im Oberschenkel ist es aber doch. Zwei Wochen Pause für den anfälligen Ilicevic. Wieder einmal.

Zu den glücklichen Ost-Europäern hätte sich heute auch Petr Jiracek gesellen können. Auch der Tscheche steht vor einem Comeback in der Startelf. Neun Einsätze hatte Jiracek erst in dieser Saison. Bei Fink galt er als durchgefallen, bei van Marwijk als nicht berücksichtigt. Nun darf er auf seiner Lieblingsposition im linken Mittelfeld wirbeln. Insgesamt werden also sieben Positionen gegenüber dem Braunschweig-Spiel neu besetzt. Das ist mal ein Wort.

Rafael van der Vaart, der ja mit einer Fußverletzung nicht zur Verfügung steht, hat heute eine 45-Minütige Laufeinheit hinter sich gebracht. Dies ist sechs Tage nach der Verletzung ein weiteres gutes Genesungszeichen. Nächste Woche Mannschaftstraining – diese Vorstellung Slomkas könnte sich also tatsächlich bewahrheiten.

Ansonsten hat Mirko Slomka heute im geheimen Training kein elf-gegen-elf simuliert (so viele Leute hatte er auch gar nicht zusammen), sondern nutzte die Einheit zu anderen Spielformen. Nach etwa einer Stunde war das Training beendet. Nun heißt es Akku aufladen, um alle Kräfte für den Favoriten in Schwarz-Gelb zur Verfügung zu haben.

In der Zwischenzeit ist ein heißer Termin offiziell geworden. Die ordentliche Mitgliederversammlung, auf der endgültig über HSV-Plus abgestimmt werden soll, ist auf Sonntag, den 25. Mai, terminiert worden. Die Veranstaltung findet in der imtech-Arena statt.

Seite heute wissen wir, dass Jens Meier dann nicht mehr Vorsitzender des HSV-Aufsichtsrates sein wird. Wie oben bereits angekündigt, hatten wir heute die Gelegenheit, ein langes und ausführliches Interview mit dem Chef des Hamburger Hafens zu führen. Dort erklärte Meier, dass er sein Amt zunächst behalten möchte, um das Gremium geschäftsfähig zu halten. Auch als Zeichen für den Neuanfang, der auch aus seiner Sicht nötig ist, möchte er in die Versammlung Ende Mai dann aber nicht mehr in dieser Funktion hineingehen.

Der HSV hat Schlagseite – dieses Zugeständnis musste Jens Meier natürlich machen. Er nimmt in unserem Gespräch Stellung zu den Turbulenzen rund um die Gespräche mit Felix Magath, sein aktuelles Verhältnis zum Vorstand – und Meier schildert aus seiner Sicht auch, wie sich sein umstrittenes Gremium in den nächsten Wochen und Monaten nach den insgesamt sechs Rücktritten zu verhalten hat. Selbst zu den Problemen mit seinem Handy-Akku gibt es auch eine Auskunft.

Morgen nun steht das immens wichtige Spiel gegen Borussia Dortmund auf dem Programm. Irgendwie sind wir alle ja darauf vorbereitet, dass es eine Niederlage gibt. Dortmund ist klarer Favorit, zuletzt wieder in Form gekommen. 13 Treffer hat der BVB in der Rückrunde bereits erzielt – häufiger traf kein anderes Team. Nur zwei Mal konnte der HSV in diesem Jahr über ein Tor jubeln (durch Lasogga und Ilicevic in Braunschweig) – seltener traf auch kein anderes Team.

Gegen die Hamburger spricht die gnadenlos schlechte Heimbilanz – für den HSV die stete Hoffnung auf Besserung, erst recht nach dem Trainerwechsel. Natürlich wird es auch ein ganz spezieller Tag, weil er in der Erinnerung an den verstorbenen Hermann Rieger gehalten sein wird. Sicher wäre es auch in Hermanns Sinne, wenn nach der Schweigeminute zu seinen Ehren 90 Minuten lang gelaufen, geschrien, gekämpft und angefeuert wird, um dem HSV zum Klassenerhalt zu verhelfen. Mehr noch, er selbst würde alles in seinen Kräften stehende dafür geben. Daher bleibt zu hoffen, dass die Spieler dieses Erbe erkennen und sich ihrer verantwortung dem verein und sich selbst gegenüber bewusst werden. So, wie Heiko Westermann

Und so will der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Djourou, Rajkovic, Jansen – Badelj, Rincon – Calhanoglu, Arslan, Jiracek – Lasogga.

Hoffentlich klappt es morgen zumindest mit einem Teilerfolg. Wir melden uns wie immer gegen 18 Uhr nach dem Spiel bei Euch mit einer neuen Ausgabe von Matz ab live.

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle & Lars

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