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Rotiert van der Vaart aus dem Team? ***Ergänzt: Green “versuchts” …

11. Februar 2015

Joe Zinnbauer scherte sich nicht darum, dass er Geburtstag hat. Auch ein Rafael van der Vaart musste an seinem 32. Geburtstag zwischenzeitlich ins B-Team wechseln. Zinnbauer testete aus, was gegen die Bayern am Sonnabend greifen kann. Oder besser, er probiert, ob der HSV überhaupt ein Mittel hat. Zuerst mit van der Vaart, Diaz und Stieber im zentralen Mittelfeld, dann mit Jiracek, Diaz und Stieber. Ergo: Stieber und Diaz im Stamm – über van der Vaart oder Jiracek denkt Zinnbauer offenbar nach. Zumindest sollen die Spieler das so auffassen. Und ich hoffe, dass Zinnbauer tatsächlich darüber nachdenkt. Denn in München wird der HSV nicht mit zwei spielerischen Sechsern (Diaz und van der Vaart) hinter einem eher defensivschwachen Zehner wie Stieber bestehen können. Weniger noch, der HSV würde das Zentrum meiner Meinung nach komplett abgeben.


Aber noch ist Zeit, noch ist nichts entschieden. Diaz und Stieber scheinen im Vorteil – obgleich Letztgenannter heute bei uns in der Presserunde war. Das letzte Mal war er das vor dem Köln-Spiel, als alle dachten, er würde einige Tage später beginnen. Letztlich ließ Zinnbauer ihn aber doch draußen. „Ich hoffe, dass das kein schlechtes Omen ist“, scherzt der Linksfuß.

Grund genug, an seine Startelfnominierung zu glauben hat er jedenfalls. Eineinhalb Treffer in den letzten zwei Spielen, zwei Siege mit ihm auf der Zehn – vieles spricht für Stieber, der selbst noch lange nicht zufrieden ist. „Ich muss hier noch sehr viel beweisen“, so Stieber, der gegen Hannover der laufstärkste HSVer war. „Laufen kann ich immer. Und im Moment geht es nur um Ergebnisse. So gern wir selbst schöneren Fußball spielen wollen – der Kampf geht vor.“


Fürwahr. Wenn es einmal schwierig war, schönen Fußball zu spielen, dann bei diesen Bayern. Trotzdem setzt Stieber auf die Außenseiterchance. „Wir wissen, dass wir wieder alles geben müssen – und diesmal sicher noch etwas mehr. Wir müssen wieder über den Kampf kommen und auf die eine, kleine Chance warten, um einen Treffer zu machen“, so Stieber, der, einmal im Flow, sogar noch nachlegt: „Vielleicht ja auch zwei Tore – immerhin haben die Bayern im Moment auch einige Probleme.“ Oha. Mutig, beim FC Bayern von Problemen zu sprechen…

Dabei ist Stieber definitiv kein Lautsprecher. Eher das Gegenteil ist der Fall. Der Ungar ist zurückhaltend, fleißig, lernwillig – und ein absoluter Teamplayer. Darüber gemeckert, dass er in der Hinrunde nicht mehr als Reservist war, hat er nie. Er hat Gas gegeben. „Ich habe immer weitergemacht, weil ich ein Ziel habe. Das heißt immer noch: Stammspieler beim HSV.“ Mit seinen letzten beiden Spielen hat er sich dem Ziel zweifellos genähert – dennoch ist er noch weit davon entfernt.

Sollte er es irgendwann erreichen – er hätte es sich hart verdient. Denn leicht wurde es Stieber in Hamburg nicht gemacht – bis heute nicht. Von Anfang an galt er als Wunschspieler von Oliver Kreuzer und hatte nach dessen Demission in Hamburg eine Menge Skepsis der neuen HSV-Verantwortlichen zu verdauen. Er schluckte die bittere Pille wortlos und hielt durch. „Zoltan macht es im Moment gut, hat eine gute Vorbereitung gespielt“, lobte Zinnbauer zuletzt. Worte, die Stieber beflügeln. „Es tut gut, Vertrauen zu spüren. Aber ich darf mich nicht darauf ausruhen. Ich möchte mich hier jeden Tag empfehlen. Auch in München.“ Dass es dort – wie zuletzt häufiger – ein Debakel gibt, schließt Stieber aus: „Neun Gegentore werden wir ganz sicher nicht kassieren. Es wird ein hartes Spiel. Aber wir sind ganz sicher nicht ohne Chance.“

Apropos empfehlen: Das wurde Nicolai Müller zuletzt nach wiederholt äußerst mäßiger Leistungen vom Direktor Profifußball nahegelegt. Peter Knäbel hatte die Leistungen des Zugangs vom FSV Mainz kritisch beleuchtet – ebenso wie der Spieler selbst, der mit sich selbst nicht zufrieden ist und Besserung gelobte. Heute im Training ließ er den Worten erste Taten folgen. Der Außenstürmer war einer der Besten im A-Team, ackerte wie ich ihn lange nicht gesehen hatte und kam sogar – endlich – zu Torabschlüssen. Das wollte ich nach aller Kritik an dem Rechtsfuß unbedingt erwähnen. Ebenfalls auffällig: Matthias Ostrzolek. Der Linksverteidiger, der von Ronny Marcos verdrängt worden ist, spielte zunächst in der A-Elf, ehe ihn Marcos ersetzte – und ging als Punktsieger aus dem Duell. Mehr als nett zu erwähnen ist das sicher noch nicht. Klar. Aber es gefiel.

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In München zu gefallen dürfte gegen den unfassbar starken Arjen Robben (Ostrzolek oder Marcos) indes unfassbar schwierig werden. Fast so, wie als Offensivspieler aufzutrumpfen – dachte ich zunächst. Allerdings hat Müller eine hervorragende Stärke: Tempo. Er ist prädestiniert für schnelles Umschalten, fürs Konterspiel. Und genau das will Zinnbauer ja spielen lassen. Generell – und in München ganz sicher im Speziellen. Und sollte er Müller entsprechend einsetzen und dieser seine Aufgabe endlich auch entsprechend annehmen – es könnte für Müller die Chance sein, nach langer Zeit mal wieder zu überzeugen.

So, wie es Marcelo Diaz bislang schaffte. Beim Kurzeinsatz in Paderborn wusste der Chilene ebenso zu gefallen wie gegen Hannover. Mein Kollege Kai Schiller führte heute ein (sehr gelungenes!) Interview mit dem neuen Taktgeber im HSV-Mittelfeld, das morgen im Printteil des Abendblattes erscheint. Darin kommt Diaz menschlich ebenso gut rüber, wie zuletzt sportlich. Er sagt über sich selbst, er sei Perfektionist, vom HSV überzeugt und habe noch große Ziele. Auch gegen den FC Bayern. „Wenn man mit der Einstellung ins Spiel geht, dass man nur nicht zu hoch verlieren will, dann verliert man. Ich will aber gewinnen. Punkt. Vielleicht gewinnen wir, vielleicht spielen wir Unentschieden. Aber auf jeden Fall tue ich alles dafür, dass wir nicht verlieren. Ich denke immer nur groß“, so Diaz, der hinzufügt: „HSV gegen Bayern – das ist doch genau so ein Spiel, das man als Fußballer liebt. Für so ein Spiel bin ich in die Bundesliga zum HSV gewechselt.“

Was bleibt ist die Hoffnung. Und ich lege mich fest: Dass der HSV in München am Sonnabend besser auftritt, als seine Anwälte heute im Arbeitsrechtsstreit mit dem ehemaligen Fitnesstrainer Vidovic vor Gericht, ist ziemlich sicher. Denn nachdem man Vidovic zunächst 120000 Euro angeboten hatte, dachten die Anwälte, das Angebot drücken zu können, da Vidovic auf HSV-Tankkarte privat 13 Liter getankt hatte. Vidovics Anwalt hatte zuvor 200000 Euro Abfindung gefordert. Vor Gericht heute stellte der Vorsitzende Richter schnell fest, dass es keine gütliche Einigung geben würde, nachdem die HSV-Anwälte gar eine Strafanzeige gegen Vidovic in Erwägung zogen und nur noch zwei Monatsgehälter á 15000 als Abfindung boten. Der Richter riet den HSV-Anwälten, das ursprüngliche Angebot von 120000 Euro zu erneuern – Vidovics Anwalt hätte das angenommen, die HSV-Anwälte schlugen aus. Ergebnis: Der Richter riet erneut dazu, das Angebot auf die vertraglich geregelten 90000 Euro zuzüglich zwei Monatsgehälter (30000) zu erhöhen. Jetzt hat der HSV bis zum 25. Februar Zeit, sich zu entscheiden. Sollte man sich bis dahin nicht einigen können, wird die Verhandlung am 25. März fortgesetzt.

Fortschritte machen in der Zwischenzeit die Verletzten beim HSV. Dennis Diekmeier, Matti Steinmann und Valon Behrami absolvierten Lauftraining, während Pierre Michel Lasogga sogar mit dem Ball arbeiten konnte. Dass Johan Djourou heute im Training beim Abschlussspiel rausgenommen wurde, nannte Trainer Zinnbauer anschließend „abgesprochen“ und „nicht beunruhigend“. Der Schweizer soll am Sonnabend in München beginnen.

In diesem Sinne, bis morgen! da wird um 15.30 Uhr trainiert.
Scholle

***Julian Green kritisiert HSV***

Julian Green manövriert sich ins Abseits. “Mit mir hat bisher weder der Trainer noch der Sportdirektor gesprochen. Ich habe selbst aus der Presse erfahren, dass ich ab jetzt angeblich für die U23 spiele”, postete der 19-Jährige auf seiner Facebook-Seite. Er wolle beim HSV Stammspieler werden. “Das war und ist mein Ziel und war der Grund für meinen Wechsel. Ich bin Lizenzspieler, habe mir nichts zu Schulden kommen lassen und gebe in jedem Training alles”, schrieb Green.*

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