Archiv für das Tag 'Veh'

Die Pressekonferenz: Fink und Kreuzer bleiben Freunde, Jarchow bleibt und Magath kommt nicht

17. September 2013

Die erste Aufregung ist vorbei. Fink ist abgereist, hat sich von der Mannschaft verabschiedet und ist abgefahren. “Immer wieder mal Wirrwarr auf dem Platz” hatte den Sportchef Oliver Kreuzer veranlasst, seinen Freund zu beurlauben. Trotzdem hofft er darauf, weiter eine gute Freundschaft zum Geschassten zu pflegen.

Trotz der verpassten Ziele, die sich Klubboss Carl Jarchow zu seinem Amtsantritt vor zwei Jahren gesetzt hatte, denkt er nicht an Rücktritt. Ebenso wenig daran, sich einen Felix Magath als Trainer zu holen und fremdfinanzieren zu lassen. Aber seht selbst: Ich werde diesen Blog am Ende aktualisieren mit allen Neuigkeiten, die mir bekannt werden. Wie zum Beispiel, dass der HSV bislang noch keinen Kontakt zu Holger Stanislawski aufgenommen hat, dessen Name hier neben Foda, Babbel (dazu sagt Kreuzer: “Kein Kontakt”), Rangnick und sogar Stevens herumgeistert. Solltet Ihr schnelle News wollen, ich versuche es parallel via facebook (www.facebook.com/groups/matzab) immer zeitnah zu aktualisieren, weil es hier im Blog immer eines neuen Blogs benötigen würde.

Aber bis dahin erst einmal die durchaus interessante PK mit Jarchow und Kreuzer.

Scholle



Anmerkung von den Moderatoren:
Von Dieter wurde gute 20 Minuten vorher ein Blog veröffentlicht, den wir jetzt hier (nach Abstimmung) reinkopiert haben:


Gedanken zum Trainer-Wechsel

„Scholle muss hart arbeiten, ich habe Urlaub – und Thorsten Fink wurde beurlaubt. Letzteres Thema ist natürlich das Highlight dieses Dienstags. Es ging schneller als ich gedacht habe, wobei ich zugeben muss, dass ich gar nicht mit einer Trainer-Trennung gerechnet habe. „Kontinuität“ heißt bekanntlich seit etwas mehr als zwei Jahren das Zauberwort des HSV, ich habe gedacht, dass die Club-Führung eher lebendige Kröten schlucken würde, als Thorsten Fink vor die Tür zu setzen. Deswegen meine Anerkennung den Herren des HSV, dass sie sich zu diesem schwierigen Schritt entschlossen habe.

Es wurde aber wohl Zeit. Nicht nur deshalb, weil das hohe Ziel Europa schon jetzt kaum noch zu erreichen sein wird, sondern vielmehr deshalb, weil der HSV in den letzten Wochen gespielt hat wie ein Abstiegskandidat – Ausnahme Braunschweig. Der HSV kämpft, so wie es jetzt den Anschein hat, wieder einmal nur ums nackte Überleben. Deswegen musste die Reißleine rechtzeitig gezogen werden, das haben die Verantwortlichen trotz aller Treueschwüre für den Trainer erkannt und zum Wohle des Dinos reagiert.

Thorsten Fink hat es nicht geschafft, aus (relativ) wenig mehr zu machen. So sehr er sich auch mühte. Von seinen Spielern habe ich, und ich denke, es geht auch allen meinen Kollegen so, nie ein schlechtes Wort über den Coach gehört. Auch nicht hinter der vorgehaltenen Hand. Das war bei dem einen oder anderen Vorgänger Finks sehr wohl anders. Fink hat sicher nur das Beste gewollt, aber er hat es nicht verstanden, aus diesem Kader eine schlagkräftige Einheit zu formen. Sicherlich hat der HSV nicht die allerbesten Spieler unter Vertrag, von den Namen her aber ganz sicher auch keine schlechten Profis. Daraus wäre bestimmt ein Team zu formen gewesen, das den HSV-Fans wesentlich besseren Fußball geboten hätte, als jene blutleere Kickerei, die dem Anhang der Rothosen seit langer Zeit gehörig auf die Nerven gegangen ist. So gesehen ist Thorsten Fink schon sehr deutlich gescheitert, denn so richtig guten Fußball hat der HSV unter seiner Regie fast nie gespielt. Es waren viele „Klatschen“, die der HSV im vergangenen Jahr und auch in 2013 kassierte, das besonders Schlimme daran war und ist, dass diese Pleiten gefühlt noch viel, viel schlimmer waren, als sie es ohnehin schon waren.

Aber, und nun kommt das große „Aber“, Fink sitzt da in einem Boot mit so vielen seiner Vorgänger. Michael Oenning, Armin Veh, Bruno Labbadia , Martin Jol, Huub Stevens, Thomas Doll, Klaus Toppmöller, Kurt Jara und Frank Pagelsdorf (von Arnesen, Cardoso, Moniz und Hieronymus will ich nicht erst schreiben) haben es doch auch nicht (immer) hinbekommen, dass in diesem Jahrtausend im Volkspark wirklicher und anerkannter Klasse-Fußball gespielt wurde – und zwar vom HSV. Und viele dieser Trainer haben gewiss nicht den schlechtesten Ruf gehabt, einige von ihnen haben auch nach dem HSV noch bewiesen, dass sie es sehr wohl können. Nur beim HSV konnten sie es eben nicht. So wie Fink jetzt. Auch wegen der Umstände in Hamburg. Seit Jahren weigern sich die HSV-Profis, das ist Tatsache, aus ihrem Kreis eine vernünftige Mannschaft formen zu lassen, die als Team, als echte Einheit auftritt, die Spaß am Job hat, die auch erkannt hat, was die Raute bedeutet, was es damit auf sich hat, für diese drei berühmten Buchstaben zu spielen. In diesem HSV denken seit Jahren viel zu viele Spieler nur an sich, statt auf das „Wir-Gefühl“ zu setzen, statt als Mannschaft aufzutreten.

Deswegen liegt es nicht unbedingt stets und ständig an den Trainern, die sich in Hamburg mit der Herkules-Aufgabe zu beschaffen hatten, diesen maroden HSV, bei dem es seit Jahren mehr Schein als Sein gibt, auf Vordermann zu bringen. Auch der Mann nach Fink wird keine Wunder vollbringen können, ich bedaure ihn schon jetzt. Aus diesem abgewrackten Club wieder einen Top-Verein zu formen, ist unter diesen Voraussetzungen eigentlich ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Da sollte der geneigte HSV-Fan schon die Realität nicht verkennen. Bei und an diesem HSV würden auch Trainer wie Mourinho, Ferguson, Hiddink, Wenger, Heynckes und Hitzfeld gnadenlos scheitern. Ich erinnere mich noch an Erich Ribbeck, an dessen kurze Ära beim HSV. Als er kurz vor seinem Abgang aus Hamburg stand (was dann aber völlig überraschend und bei Nacht und Nebel geschah), da verriet er mir mal, wie er seine ersten Tagen beim HSV rückwirkend betrachtete: „Auf Teneriffa, fernab von Hamburg, wurde ich einst von Ernst Naumann verpflichtet. Als ich dann zum HSV kam, in die Geschäftsstelle in der Rothenbaumchaussee ging, da sah ich hinter die Kulissen und entdeckte zu meinem Entsetzen, dass die drei großen Hamburger Buchstaben nur noch von notdürftig geflickten Pfeilern, die schon morsch und teilweise gebrochen waren, gestützt wurden. Mehr als diese drei Buchstaben hatte der Club leider nicht zu bieten.“

Ich könnte wetten, dass es einige HSV-Trainer (der letzten beiden Jahrzehnten) gibt, die ein ähnliches Aha-Erlebnis hatten. Nur zugeben durften sie es nicht, dass sie alle glaubten, bei einem „Welt-Club“ unterschrieben zu haben. Einem „Welt-Club“, der aber so rein gar nichts mehr mit einem großen europäischen Spitzen-Verein gemein hatte. Diese Erkenntnis kam ihnen viel später, aber das behielten sie dann besser für sich. Andernfalls wäre es ja auch blauäugig gewesen – und wer gibt schon gerne ein so bildschönes Eigentor zu?

Thorsten Fink muss sich deshalb keine großen Vorwürfe machen. Vor ihm sind sie brutal gescheitert, nach ihm werden sie ebenso Schiffbruch erleiden. Egal wer kommt. Deswegen wäre es jetzt eigentlich an der Zeit, den ganz großen Umbruch zu starten. Ein radikaler Neuaufbau des Vereins müsste her, und wenn es die Jungs (und die eine Dame) gut mit ihrem HSV meinen, die jetzt (in welchem Amt auch immer) in der Verantwortung stehen, dann raufen sie sich zusammen und machen den Weg frei für einen neuen HSV.

Von vielen ist das, ich weiß es wohl, natürlich zu viel verlangt, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben ein Amt bekleiden – sie haben erstmalig etwas zu sagen und kleben an diesem Job. Was aber wäre, wenn jetzt die fünf Personen, die im Aufsichtsrat gegen ihren Boss sind, ein Zeichen setzen würden und von ihren Pöstchen zurücktreten würden? Dann wäre immerhin schon mal ein Anfang gemacht – die Zeit wird ohnehin kommen, wo sie nicht mehr benötigt werden. Wie all die anderen. Nur jetzt könnten sie den so dringend erforderlichen Umbruch einleiten und beschleunigen. Wäre vielleicht einmal zu überdenken. Nicht immer nur hadern, ärgern, mosern, meckern und reden, sondern jetzt Taten folgen lassen – dann werden sie in meinen Augen zu Helden ihres Vereins.

Der HSV darf ganz einfach nicht weiter so still vor sich hin wurschteln. Und den nächsten Trainer und den nächsten Trainer und wieder den nächsten Trainer verschleißen. Jetzt ist ein Punkt gekommen, an dem nicht nur ein Umdenken erfolgen muss, sondern an dem auch gehandelt werden sollte. Zum Wohle des HSV. Nur zum Wohle des HSV.

So, das wollte ich zu diesem Thema einmal loswerden. Obwohl ich jetzt im Urlaub bin und „Scholle“ der Boss ist. Wer es dazu immer noch nicht mitbekommen hat: Ich werde in diesem Monat 65 Jahre, folglich am 1. Dezember ein „richtiger“ Rentner. Geplant war es seit Wochen, dass ich dann tatsächlich „in Rente“ gehe, nun aber habe ich mich mit dem Hamburger Abendblatt quasi in letzter Sekunde darauf geeinigt, doch noch ein Jahr dran zu hängen. Im Sommer 2014 werden wir uns dann alle zusammensetzen und beraten, ob das gut war, ob es noch einmal verlängert – oder ob der Vertrag zum 31. Dezember 2014 dann auslaufen wird. Das ist der Stand der Dinge. Da ich noch meinen gesamten Urlaub auf der Uhr habe, dazu jede Menge freier Tage, werde ich bei „Matz ab“ ein wenig länger fehlen.

Aber zwischendurch wird es ganz sicher auch das eine oder andere Lebenszeichen von mir geben. So am 19. Oktober, den sich alle Interessierten merken sollten. Das ist der Sonnabend vor dem Stuttgart-Spiel im Volkspark. Da werden wir beim HSV in Ochsenzoll („Anno 1887“) das nächste „Matz-ab“-Treffen veranstalten, und Ihr seid dazu herzlich eingeladen. Es werden auch andere Gäste dabei sein, einer hat bereits heute zugesagt, und das ist Ernst-Otto Rieckhoff, der bei der Gelegenheit über sein Modell „HSVplus“ sprechen wird. Also, wer Lust hat, der kommt am 19. Oktober ins „Anno 1887“ und feiert ein wenig mit uns – so es bis dahin wenigstens ein kleines Bisschen zu feiern gibt.

Ich wünsche dem HSV ein glückliches Händchen, ich wünsche allen Verantwortlichen des Vereins viel Mut – und ich danke besonders Oliver Kreuzer für seine Entscheidungsfreudigkeit. Als er im Sommer zum HSV kam, haben viele Fans und Mitglieder wie folgt gedacht: „Jetzt haben sich zwei Freunde gesucht und gefunden, nun geht die Kumpanei und der Klüngel erst richtig los.“ Auch ich war von einem solchen Gedankengut nicht weit entfernt! Jetzt ist es anders gekommen, und dazu ziehe ich den Hut vor Oliver Kreuzer. Der Mann geht seinen Weg, ohne Rücksicht auf seinen „Freund“, er denkt sicher auch an seine Karriere – aber sicherlich auch ein gehöriges Stück an die Zukunft des HSV.

Auch bei Thorsten Fink möchte ich mich kurz bedanken, die Zusammenarbeit war Bundesliga, keine Frage, es wird auch keinen Kollegen in Hamburg geben, der das anders sieht. Viel Glück, Herr Fink, für die nächste Aufgabe.

Und sollte ich gefragt werden, wen ich nun als Trainer holen würde, dann würde ich zunächst nur an den HSV denken. Kein Geld, keine guten Spieler, keine richtig guten Perspektiven. Mein Mann wäre, wenn der Club weiter so amateurhaft vor sich hin wurschteln würde, Thomas Doll. Ein Mann mit der Raute Im Herzen, er lebt in Hamburg, würde es in den ersten Tagen, Wochen und Monaten sogar eventuell umsonst machen – und er hat den HSV schon einmal gerettet. Dass er später auch scheiterte, das lag auch daran, dass er ein unheimliches Verletzungspech zu verkraften hatte. Und vielleicht auch ein wenig zu viel Nähe zu den Spielern zugelassen hatte – aber daraus hat der Thomas, der nicht mehr der „Dolly“ von einst ist, längst gelernt.

Sollte jetzt aber der Umbruch schon, dank der fünf Herren aus dem Aufsichtsrat, über die Bühne gehen, dann ist die Zeit für Klaus-Michael Kühne, Felix Magath und Bernd Hollerbach gekommen. Auch keine so schlechte Lösung, um es einmal ganz süffisant zu formulieren – denn diese drei Herren würden schon etwas aus dem HSV machen.

Und auch mit dem Kandidaten Markus Babbel (mit dem der HSV bislang nicht gesprochen hat!) könnte ich sehr gut leben, denn er war zu seiner Zeit ein „Vollblut-HSVer“. Ich weiß noch die Zeit, als er zum FC Bayern zurückbeordert worden ist – Babbel sträubte sich mit Händen und Füßen. Er wollte beim HSV bleiben. Doch Herr Hoeneß wollte es anders. Und das war letztlich auch zum Vorteil von Markus Babbel, der er wurde Nationalspieler und einer des besten Abwehrspieler Europas. Aber, ich traf ihn beim Tag der Legenden am Millerntor, die Raute hat er immer im Herzen behalten. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für diesen Schleuder-Sessel-Job beim HSV.

Leider, leider weiß ich, dass Thomas von Heesen kein Interesse mehr an diesem Amt hat, er hat Arbeit genug und muss sich den HSV nicht mehr antun. Was ich als sehr, sehr schade empfinde.

So, nun überlasse ich wieder „Scholle“ das Feld, ich wollte mich nur ganz kurz zu Wort melden – nicht dass ich mich so aus dem Staub mache.

Dieter Matz

12.41 Uhr

Frankfurt wird nervös . . .

17. Mai 2013

Spannend wird es auf jeden Fall. Vielleicht sogar dramatisch. Und wenn es in Hamburg und Frankfurt lange Zeit 0:0 steht, dann wird mit jeder Minute mehr eine ganz besondere Atmosphäre in beiden Stadien herrschen. Dann gibt es eventuell ein Herzschlag-Finale. Und geht es nach dem Computer der Sport-Bild, dann wird an diesem Sonnabend ganz – oder auf jeden Fall fast ganz – Hamburg jubeln. Wer sich erinnert: Vor Wochen, Ende März, hatte die Sport-Bild die letzten Bundesliga-Spieltag tippen lassen. Von Udo Lattek und von Experten aus dem Wettbüros. Und vom eigenen Computer, Der SB-Computer hatte den HSV zwar letztlich auf Rang zehn einlaufen lassen (sich also „leicht“ geirrt), aber immerhin hat er für morgen folgende Spielausgänge getippt: Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 2:3, HSV – Bayer Leverkusen 3:1. Was will der Hamburger mehr?

Übrigens: Die Experten von Tipico haben den HSV auf Rang sechs einlaufen lassen, die von Bwin sogar auf Platz fünf. Letzteres kann nicht mehr geschehen, aber die Herren hatten eben Vertrauen in den HSV. Anders als Udo Lattek, der den HSV auf Rang zwölf enden sah. Knapp daneben ist auch vorbei, aber der gute Udo kennt sich eben auch etwas besser beim FC Bayern aus . . .

Die stehen hier und heute aber nicht zur Diskussion. Leverkusen muss morgen erst einmal besiegt werden, und dann muss gehofft werden, dass die Wolfsburger ihre gute Auswärtsform durch einen erneuten Dreier (diesmal in Frankfurt) unterstreichen. Unmöglich ist das alles doch nicht. Der VfL ist mit 25 Auswärtspunkten die drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga – hinter Bayern und Dortmund. Das ist doch etwas, das Mut machen müsste, ihr Hamburger. Und mit Leverkusen kommt eine Mannschaft in den Volkspark, die auswärts nur einen Punkt mehr geholt hat, als der HSV in der Fremde. Dass der HSV gegenüber der Werkself daheim nur 26 Zähler geholt hat, Bayer dagegen 39 – das verschweigen wir dann doch besser.

Egal aber was die Statistiken auch immer sagen, die Tagesform und vielleicht auch ein Hauch Glück entscheiden darüber, ob der HSV doch noch Europa packen wird. Die Hamburger sind heiß, das war heute beim Abschlusstraining zu spüren. Da wurde konzentriert gearbeitet – gepaart mit Spaß. Erst eine habe Stunde das obligatorische Kreisspielchen (drei Stationen), dann wurde immer zu dritt über fünf Meter gesprintet. Wobei die Spieler ganz genau darauf achteten, wer diesen Sprint gewonnen hat. Da wurde teilweise um Zentimeter gefeilscht. Dann gab es ein Abschlussspielchen, in dem die beiden Mannschaften bunt durcheinander gewürfelt wurden. Ein Team spielte mit Drobny, Westermann, Rajkovic, Rincon, Badelj, Co-Trainer Heinemann, Ilicevic, Sala, Skjelbred und Rudnevs, das andere Team mit Adler, Bruma, Jansen, Mancienne, Diekmeier, Aogo, van der Vaart, Jiracek, Son und Beister. Heung Min Son traf zuerst gegen Rene Adler, dann Maximilian Beister. Wie das Match (auf einem Viertel des Platzes) endete, das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, denn die nebenan trainierende „Zweite“ verließ den Rasen, und ich wollte unbedingt noch mit Andre Panadic sprechen. Der ehemalige HSV-Spieler (101 Spiele, fünf Tore als Innenverteidiger) ist im Moment mit seinem Sohn Mateo in Hamburg, „Panas“ Sohnemann trainiert – auf Vermittlung von HSV-Manager Bernd Wehmeyer – bis einschließlich morgen zur Probe beim HSV (Regionalliga-Team). „Pana“ ist mächtig stolz auf seinen Filius, wagt aber noch keine Prognose. Es „sehe ganz gut aus“ sagt er vorsichtig und will abwarten, was und wie sich der HSV nach dem Sonnabend entscheidet. Immerhin: Neben „Pana“ stand der frühere Bundesliga-Profi Uwe Fuchs, der sich einst auch als Trainer versucht hatte, heute aber Spielerberater ist. Er wird sich wohl künftig um Mateo Panadic kümmern und dabei behilflich sein, einen Verein zu finden – falls es mit dem HSV nicht klappen sollte.

Aber zurück zum aktuellen Geschehen, zum 34. Spieltag. Oh, als ich das schreibe, den 34. Spieltag, wird mir ganz „schwummerig“ – Schei . . .-Sommerpause. Das wird noch eine schlimme und über weite Strecken auch langweilige Zeit. Weil sich beim HSV ja auch in Sachen Ein- und Verkäufen traditionell erst gegen Ende der Pause etwas tut. Nun gut, damit müssen wir leben. Auch wenn es schwerfällt.

In Frankfurt scheinen sie inzwischen auch ein wenig nervös zu werden. Weil es aus Hamburg je den einen oder anderen Satz – von wegen des Drucks – gegeben hatte. Dazu schreibt die Agentur heute:

Trainer Armin Veh vom Tabellensechsten Eintracht Frankfurt hat vor dem Bundesliga-Finale am Samstag die Störfeuer vonseiten des Hamburger SV gekontert. „Wir haben einen Etat von 25 Millionen Euro, und der HSV macht in dieser Saison Schulden. Und dann sollen wir Druck haben. Das ist doch ein Witz. Da lache ich mich kaputt, wenn ich sowas höre“, sagte Veh einen Tag vor dem abschließenden Saisonspiel der Hessen am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky und Liga total!). HSV-Trainer Thorsten Fink hatte vor dem Showdown um Platz sechs gestichelt: „Wir haben nicht viel zu verlieren, Frankfurt dagegen schon.“ Auch Keeper Rene Adler hatte gesagt, dass der Druck bei der Eintracht liege. Dem Aufsteiger aus Frankfurt (50 Punkte) würde ein Sieg im Duell mit den „Wölfen“ für die Europa-League-Qualifikation reichen, und sogar ein Unentschieden, wenn zeitgleich Verfolger Hamburger SV (48) gegen Bayer Leverkusen nicht gewinnt oder bei einem Sieg nicht 13 Treffer aufholt. Die Eintracht könnte prekärerweise nach 33 Spieltagen auf einem der ersten sechs Plätze und einer tollen Saison noch aus den internationalen Rängen purzeln.

Veh muss noch um den Einsatz von Toptorjäger Alexander Meier (15 Treffer) bangen, der zuletzt wegen einer Sprunggelenkverletzung ausgefallen war. Kapitän Pirmin Schwegler stehe nach seiner Schambeinblessur auf jeden Fall im Kader, kündigte Veh an. Der Schweizer Mittelfeldspieler liebäugelt mit einem Wechsel nach Wolfsburg. Coach Veh, der die Hessen vor dieser Saison zurück in die Bundesliga geführt hatte, sprach im Vorfeld von einem schwierigen Spiel. „Wir wissen aber, dass wir etwas Großes erreichen können“, erklärte der 52-Jährige, der selbst ein Verpassen der Europa League nicht als Drama bewerten würde. „Wenn es nicht klappt, dann geht die Welt auch nicht unter. Auch Platz sieben wäre ein großer Erfolg.“

Für den HSV doch auch. Ernsthaft. Sollte es nicht mit Rang sechs klappen, dann sind Platz sieben oder acht auch akzeptabel. Für mich jedenfalls. Und daran, dass wir dann alle gemeinsam wieder auf die nächste Spielzeit hoffen, daran haben wir uns alle doch schon längst seit Jahren gewöhnt. Immerhin, und das kann selbst der größte HSV-Kritiker nicht von der Hand weisen, ist es in dieser Saison wieder bergauf gegangen – mit dem HSV. Auch wenn es diese berühmt-berüchtigte Berg-und-Talfahrt gegeben hat. Daran wird der Club sicher arbeiten – wenn Geld da ist.

Erst einmal abwarten, was der Sonnabend nun bringen wird. Beim HSV sind alle Mann an Deck, lediglich „Maxi“ Beister hatte heute während des Spiel ein paar Schwierigkeiten und musste sich behandeln lassen, ging dann auch, als das Trainingsende gekommen war, als erster Spieler in die Kabine. Thorsten Fink hatte zuvor eine engagierte Gemeinschaft trainieren sehen. Und der Coach sagte: „Wir sind heiß, wir brennen auf dieses Spiel.“ Dann sagte er auch noch: „Wenn Leverkusen aber genauso motiviert ist wie wir, genauso top drauf ist, dann werden wir keine Chance haben. Das ginge dann doch nur für uns, wenn Bayer eine Rote Karte bekäme – oder so. Die haben doch mehr Qualitäten. Die stehen doch ganz oben, haben Platz drei schon sicher. Der FC Bayern könnte gegen uns auch nur verlieren, wenn sie nicht hundert Prozent geben. Wenn aber zwei Mannschaften, von der eine qualitativ stärker besetzt ist, gleich motiviert sind, dann muss schon viel passieren, wenn die etwas schwächere gewinnen sollte . . .“

Tagesform. Ich sage, die Tagesform wird entscheiden. Und wenn die HSV-Mannschaft endlich von der ersten Minute an begreift – und dementsprechend zur Sache geht – dass es hier um sehr, sehr viel geht und dass das die allerletzte Chance auf Europa ist, dann ist der Unterschied – auch der qualitative – zwischen beiden Teams vielleicht doch nicht ganz so groß.

So, zum Schluss sie noch kurz erwähnt, dass der frühere HSV-Kapitän David Jarolim heute seinen 34. Geburtstag feiert – herzlichen Glückwunsch, „Jaro“ – und bis bald.

Dann findet auch morgen nach dem Spiel wieder die immer beliebter werdende „Matz-ab-live“-Talkrunde“ statt, für das wir eigentlich schon zwei Gäste seit Anfang Februar fest verpflichtet hatten: Manfred Kaltz und Harry Bähre. Rekordspieler Kaltz allerdings hat heute Nachmittag (leider) absagen lassen, sodass wir im Laufe des heutigen Abends noch um einen Ersatz bemüht sind. Wir sind am „röteln“ . . .

PS: Aus technischen Gründen ist das”Matz-ab”- Gewinnspiel noch nicht aktualisiert, es ist “am werden”, aber die Gewinner der Trikots und der Karten sind bereits benachrichtigt worden.

18.52 Uhr

Mit Raute – und Arslan auf der Sechs

5. April 2013

So, nun ist es nicht mehr lange hin, bis zum Anstoß der Partie gegen den SC Freiburg. Es wird spannend, es wird dramatisch – denn es steht für beide Mannschaften viel auf dem Spiel. Ich denke ja, dass es für den HSV um viel mehr geht, als nur um drei Punkte. Es geht darum, endlich wieder einmal in einem Heimspiel das beste, das vielleicht auch wahre Gesicht des HSV zu zeigen. Bitter nur, dass jetzt ausgerechnet die unbequemen Männer aus dem Breisgau kommen, mit diesem erst recht unangenehmen Trainer am Spielfeldrand. Der SC Freiburg, das ist vielleicht für jene unerschütterlichen Hamburger Optimisten interessant, hat seine letzten beiden Bundesliga-Spiele gegen den HSV im Volkspark (!) gewonnen. Einmal 2:0, einmal 3:1. Das schreibe ich nur, weil ich allein heute schon drei Männer getroffen habe, die mit etwas von „es wird schwer, aber der HSV wird 1:0 gewinnen“ erzählten. Auch ein 2:0 und ein 2:1 war dabei. Der HSV (und sein Anhang) sollte also gewarnt sein.

Wobei ich mich schon wundern muss, dass nur ein paar Tage nach dem 2:9-Desaster von München die Optimisten wieder wie die Pilze aus dem Boden schießen. Mein Kollege Florian Rebien (Mopo) hat mir verraten, dass der HSV nach all seinen großen und auch riesigen Klatschen nie das darauf folgende Bundesliga-Spiel gewonnen hat. Wenn ich das noch richtig erinnere, dann gab es danach sogar nur Niederlagen. Deshalb gilt es natürlich auch, gegen eine solche Statistik anzuspielen. Obwohl gerade das wohl das geringste Übel ist, mit dem die heutige HSV-Mannschaft zu kämpfen hat. Immerhin ist der HSV ja aber auch noch die Nummer eins im hohen Norden, und auch in dieser Beziehung steht einiges auf dem Spiel. Auch oder vor allem in der (Ab-)Rechnung mit Freiburg, denn die „Streicher“ haben in dieser Saison in Hannover, in Bremen und in Wolfsburg gewonnen. Siegen sie auch in Hamburg, dann sind sie die wahre Eins im Norden . . . Kleiner Scherz.

Nachdem ich in dieser Woche schon früh angefangen habe, über eine Aufstellung zu spekulieren, muss ich nun alles – oder auf jeden Fall einiges – zurücknehmen. Im Moment (16.20 Uhr) trainiert die Mannschaft neben der Arena, es wird auch ein Spielchen gemacht, doch Trainer Thorsten Fink hat die Mannschaft bunt durcheinander gewürfelt. Daran lässt sich nichts ablesen. Ich denke aber, dass für diesen Sonnabend folgende Aufstellung im Kopf des Trainers steckt:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Arslan; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Son, Rudnevs.

Also wieder eine Änderung im System. Fink versucht es mit der Raute und lässt sowohl Tomas Rincon als auch Milan Badelj draußen – er bringt Tolgay Arslan, der in der Hinserie auf der Sechs voll überzeugt hat. Allerdings hat Arslan auf dieser Postion, so weit ich mich erinnern kann, noch nie allein gespielt. Man darf also gespannt sein. Etwas bedauerlich finde ich es, dass mein Versuch (oder war es doch eher ein Wunsch?) mit Petr Jiracek in der Startformation nicht aufgegangen ist. Schade, schade, ich hätte mir den Tschechen schon mal ganz gerne gegönnt, denn ihn haben wir alle ja noch nicht so richtig und wirklich gesehen. Ich habe den „Jira“ aber immer noch vor Augen, wie er bei der Europameisterschaft im Team der Tschechen alles und jeden in Grund und Boden gelaufen hat. Das müsste er doch auch (eigentlich) in Hamburg schaffen könne, oder? Vielleicht allerdings erst in der nächsten Saison . . . Was ich schon bedauerlich finden würde.

Aber gut, das ist, wie ein früherer bekannter Hamburger Nationalspieler einst immer gesagt hat, allein Sache des Bundestrainers. In diesem Falle des Vereins-Trainers, nämlich Thorsten Fink. Und der hat ja gestern sehr energisch gesagt, dass er das macht, was er für richtig hält – und nicht das, was andere von außen ihm einreden wollen. Gut so.

Andere (von außen) hätten ja wohl auch erwartet, dass der Coach seine Versager von München in dieser Woche so richtig schön und nach allen Regeln der Kunst „lang machen“ würde. Aber denkste. Fink ließ sogar weniger als sonst trainieren. Waren die Einheiten vorher meistens und mindestens 90 Minuten lang, so ging es diesmal höchstens 75 Minuten – oder auch nur eine Stunde. Marcell Jansen, darauf angesprochen, hat dazu gesagt: „Die Einheiten mögen kürzer als sonst gewesen sein, aber dafür waren sie intensiver.“

Nun gut, das kann man so sehen.

Um es gleich und auch noch einmal zu sagen: Thorsten Fink bleibt mein HSV-Trainer, soll HSV-Trainer bleiben – auch deshalb, weil ich endlich Kontinuität (so wie die Club-Führung) möchte. Fehler haben sämtliche Vorgänger von ihm auch reichlich gemacht, Fehler macht auch Fink reichlich – aber wer macht keine Fehler? Und die vielen Kritiker, die jetzt auf der Bildfläche erscheinen, die haben ja auch nichts zu kritisieren gehabt, als der HSV kürzlich schon mal auf einem Europa-Legaue-Platz rangierte. Und dorthin wurde die HSV-Mannschaft ja auch „nur“ von Thorsten Fink geführt. Und wer sagt denn, dass es der 14. Trainer in elf Jahren besser machen würde? Das haben wir doch alles in den vergangenen Jahren immer wieder geglaubt. Wenn ich nur allein daran erinnern darf, wie viele treue HSV-Fans mir damals, als Armin Veh entlassen worden war, Michael Oenning ans Herz gelegt hatten. Motto: „Das ist ein junger Mann wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, der wird den HSV wieder zu neuem Leben erwecken . . .“ Und? Was war? Kann sich jemand daran erinnern? Nicht nur daran, wie es gelaufen ist, sondern daran, einen solchen Vorschlag gemacht zu haben?

Nein, es ist schon ein schlimmes Geschäft (geworden), diese Fußball-Bundesliga, und schön daran ist doch, dass kaum etwas planbar ist. Das können nur die Bayern, sie sind die Ausnahme.

Noch einmal kurz zum heutigen Abschlusstraining, das recht lebhaft war (von der Lautstärke her). Die Einheit dauerte (bis ekelhaft kaltem Wind) 60 Minuten, danach blieben Rene Adler und Sven Neuhaus noch mit Torwarttrainer Ronny Teuber auf dem Acker (nicht böse gemeint – an die HSV-Gärtner!), um Flanken zu üben. Was mir gefiel: Hielt Adler einen Kopfball oder Schuss von Neuhaus, so klatschten sie sich miteinander ab. Ein tolles Verhältnis und (Fast-)Konkurrenten. Am Rande des Platzes unterhielten sich Co-Trainer Frank Heinemann und Tolgay Arslan, auch Marcell Jansen stand dabei. Ob es da um die Raumaufteilung oder generell die Spielauffassung eines „Sechsers“ ging? Es blieb mir verborgen. Und auf der anderen Seite des Platzes übte Heung Min Son immer wieder seine gefährlichen Linksschüsse – Borussia Dortmund weiß ein Lied davon zu singen.

Heil sind heute alle geblieben, Thorsten Fink nimmt folgende Herren mit in den Kader (für das Freiburg-Spiel): Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Petr Jiracek, Milan Badelj, Tomas Rincon und Gojko Kacar. Gegenüber dem Spiel in München fehlen Jacopo Sala und Valmir Nafiu.

Ich wünsche dem HSV und allen seinen Anhängern einen erfolgreichen und erfreulichen Sonnabend – und insgesamt ein wunderschönes Wochenende. Vielleicht sogar mit Frühlingsgefühlen . . .

PS: Als der Freiburger Max Kruse, der einst bei Vier- und Marschlande kickte, noch bei einem Hamburger Nachbar kickte, da machte mich ein (in meinen Augen) großer HSVer schon darauf aufmerksam, dass der HSV doch bitte diesen sehr guten Spieler zu sich holen möge. Wäre ja eine Möglichkeit gewesen, nach dem Motto: „Warum in die Ferne schweifen, wenn der Gute ist so nah . . ?“ Das aber hat leider nicht geklappt. Kruse, früher als Knabe und Jugendlicher oft Zuschauer beim HSV, ging nach Freiburg – und wechselt nun im Sommer weiter nach Mönchengladbach. Dieser (in meinen Augen) große HSVer hat mir nun wieder geschrieben – eine sms. Da machte er darauf aufmerksam, dass am Millerntor wieder ein durchaus interessanter Mann spielt. Ein Stürmer diesmal. Und einer, der nur ausgeliehen ist (von Borussia Dortmund). Und ich wurde gefragt, ob der HSV wenigstens diesmal wach ist – interessiert ist, dran ist? Ich aber kann das nicht sagen. Ich weiß nicht, ob die Herren des HSV einen Daniel Ginczek für fähig halten, für den HSV Tore in der Ersten Bundesliga zu erzielen. Meine Vermutung allerdings ist nein. Ich glaube nicht, dass da der HSV schon mal drüber nachgedacht hat. Aber das ist, wie geschrieben, nur eine Vermutung. Der HSV wird dazu nichts sagen. Wie heißt es dann, wenn man danach fragt, immer so schön: „Über Spieler, die nicht bei uns unter Vertrag sind, reden wir grundsätzlich nicht.“ Ich jetzt in diesem speziellen Fall auch nicht mehr.

Und Freiburg ist mir ja auch allemal wichtiger.

PSPS: Am 12. April findet in der Raute/Museum eine Lesung mit dem bekannten und beliebten TV-Moderator Gerhard Delling (ARD) statt: „50 Jahre Bundesliga – wie ich sie erlebte.“ Der Abend beginnt um 18.30 Uhr, Einlass ist eine Stunde vorher – Karten kosten zehn Euro und sind im Museum und über die HSV-Shops erhältlich. Und wenn ich dafür einmal kurz Reklame machen darf: Es wird sich lohnen, dabei zu sein, denn Gerhard Delling hat erstens viel zu erzählen, und zweitens ist er ein äußerst humorvoller Mensch – das wird sicherlich ein toller Abend.

Und dann gibt es heute eine Post aus Indonesien. Von HSV-Fan Michael, der dort lebt. Diese Mail möchte ich gerne veröffentlichen, denn sie spiegelt das wider, was in diesen Zeiten viele HSV-Fans er- und durchleben müssen.
Und dem Michael auf diesem Wege vielen Dank. Sollte eine/einer von euch ihm schreiben wollen, so würde ich bei ihm anfragen, ob ich seine Adresse dann an den einen oder anderen Interessenten weitergeben darf.

Lieber Dieter,

eine absolute Premiere für mich. Noch nie habe ich einen Leserbrief geschrieben, aber irgendwie muss man mit Geschehenem ja fertig werden und daher richte ich mich an Sie mit einem Appell an alle HSV-Fans.

Bitte entschuldigen Sie, wenn ich dazu etwas weiter aushole. Ich bin 42 Jahre alt, zweifacher Familienvater und lebe seit über 12 Jahren in Indonesien. Da ich Lehrer bin und immer nur in den Sommerferien nach Deutschland kann, ist es lange her, dass ich das letzte Mal im Stadion war (beim 4:4 gegen Juve nebenbei bemerkt, kurz danach zog ich um). Allerdings kann ich die Spiele, die ich in den letzten 12 Jahren nicht in irgend einer Form live erlebt habe, noch an einer Hand abzählen. Anfangs auf dem Weltempfänger, dann im Liveticker, später im Internetradio, heute im Livestream oder über einen malayischen Satelit im Fernsehen. Ich bin selbst für den Mopo-Liveticker zum Testspiel gegen Altona 93 mitten in der Nacht aufgestanden…

Aber so einen Abend wie letzten Sonnabend habe ich in 35 Jahren HSV-Fan noch nicht erlebt (nicht mal bei den bitteren Niederlagen gegen Werder 2009!). Ich saß in einer deutschen Bar in der Innenstadt. Bei Anstoß waren noch gut 20 Leute da, 2 Bayern-Fans, ca. 10 Hamburger, der Rest neutral. Kurz vor Schluss saßen die Bayern-Fans mehr betrunken als freudentrunken am Tresen und diskutierten bereits über alles mögliche, nur nicht das Spiel. Der Rest war da schon lange auf dem Heimweg. Ich saß alleine vor der Großbildleinwand und habe bis zum Schlusspfiff ausgeharrt. Gerne würde ich jetzt sagen “aus Treue zum Verein” oder “weil man sein Team auch in schweren Stunden nicht im Stich lässt” (ich bin auch im Stadion noch nie frühzeitig gegangen, egal wie es stand!), aber diesmal war es wohl eher, weil ich wie versteinert da saß und den Hintern nicht hochbekommen hätte, selbst wenn ich es wollte. Enttäuschung, Wut, Unverständnis, es nicht fassen können… alle Gefühle auf einmal!

Ich habe die ganze Woche überlegt, was ich beim Spiel gegen Freiburg machen werde. Ich hatte mir Montag geschworen, dass ich erst wieder einen HSV-Spiel sehen werde, wenn sich die Jungs die Aufmerksamkeit, die man ihnen schenkt, auch verdienen. Nun ist Freitag und ich habe realisiert, dass dies Unsinn ist. Es geht ja weiter, muss weiter gehen! Ich werde auch am Samstag vor dem Fernseher oder Computer sitzen und das Spiel verfolgen – wie die letzten 35 Jahre. Wir können ja nicht den Betrieb einstellen, weder die Spieler noch die Fans. Vielleicht werde ich die nächsten Wochen nicht vor Freude aufspringen, sollte der HSV ein Tor schießen, dazu sitzt der Stachel der Enttäuschung zu tief, aber ich werde da sein. Es gibt ja doch keine Alternative, Hamburg wird immer meine Stadt bleiben, der HSV immer mein Verein.
Ich erwarte auch nicht viel am Samstag und in den letzten Spielen. Keine glanzvollen Siege, keinen Europa-League-Platz oder sonstiges. Und wenn wir am Sonnabend 2:4 gegen Freiburg verlieren, kann ich damit leben. Aber ich wünsche mir eine Mannschaft zu sehen, die sich den A… aufreißt, kämpft und alles gibt! Mit allem anderen kann ich leben – wenn sie sich nur nicht noch einmal willenlos in ihr Schicksal ergeben!

Ich hoffe, es werden Sonnabend wieder 50.000 den Weg in den Volkspark einschlagen und unsere Mannschaft unterstützen! Jeder der Kinder hat wird mir vielleicht zustimmen – hat man nicht sein Kind immer dann am liebsten, wenn es eigentlich gerade einen Arschvoll verdient hätte? Und gerade die etwas eigenwilligen, schwierigen Kinder brauchen uns oft am meisten. Ist vielleicht beim HSV nicht anders…

In diesem Sinne auf ein Neues am Sonnabend.

Schwarz-weiß-blaue Grüße aus Jakarta,
Michael aus Indonesia

PSPSPS: Morgen wird um 18.30 Uhr im Volkspark gegen Freiburg gespielt, danach folgt die Internet-Übertragung von “Matz ab live” mit den Gästen Ernst-Otto Rieckhoff (ehemals Aufsichtsrats-Boss) und Carsten Kober, ehemaliger HSV-Bundesliga-Spieler (und “Matz-abber”). Wäre super, wenn ihr uns einschalten würdet – die vergangene 2:9-Sendung mit Sven Neuhaus und Andreas Fischer bescherte uns einen neuen fünfstelligen Einschaltrekord. Vielen Dank dafür!

17.49 Uhr

Wieso lässt Veh solchen Fußball spielen?

4. Februar 2013

Fix was los im Postfach. Da rappelt es im Karton. Ich bin begeistert. Zuschriften, Mails, Telefonate ohne Ende – herrlich. Fußball-Hamburg diskutiert über Levin Öztunali und die Folgen eines Wechsels. Und alles so unglaublich sachlich, das hätte ich nie für möglich gehalten. Traumhaft. Und so respektvoll – in Richtung Uwe Seeler, das hatte ich gar nicht erwartet. Toll. Es müssen das Mittelstürmer-Idol ja doch noch viele, viele „Matz-abber“ spielen, schießen, kämpfen und meckern gesehen haben. Ich habe das auch, deswegen trage ich einen Mann, der so viel, so unglaublich für den deutschen, für den Hamburger und für den HSV-Fußball getan hat, auch immer noch auf Händen. Das wird, das möchte ich jedem anderen Seeler-Fan sagen, auch bis an mein Lebensende so bleiben. Und da wäre es mir egal, ob mir der Ehrenspielführer die Freundschaft kündigen würde, oder nicht. Übrigens bin ich kein Duz-Freund von Uwe Seeler – und noch ein „übrigens“: Macht euch keine Gedanken, ich glaube alles das, was ich über Uwe Seeler geschrieben habe, es ist mein voller Ernst! Und ich glaube es nicht nur, ich bin davon restlos überzeugt. Und habe dabei null Promille im Blut. Auch keine andere Droge, bevor es einer schreibt und vermutet.

Zum Thema Öztunali erhielt ich, wie geschrieben, viele, viele Mails. So auch diese, die nun folgt. Die gab es gleich mehrfach, ich habe mich entschieden, diese Version zu veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr Matz,

natürlich verfolge ich auch mit etwas „Trauer“ den Verlauf um den Seeler-Enkel.
Nicht nur, dass ich aus rein romantischen Gründen einen Verbleib von Levin Öztunali (LÖ) gerne gesehen hätte, sehe ich vielmehr den bevorstehenden Bruch mit „Uns Uwe“ selber als Problem an. Könnten Sie bitte, wenn Sie das nächste mal Kontakt mit Uwe haben ihm folgenden Bericht vorlegen?

Bayer verliert den Kampf um Sarr.

Enttäuschung und Frustration bei Bayer 04 Leverkusen: Das umworbene Verteidiger-Talent Marian Sarr verlässt den Werksklub und wechselt zu Borussia Dortmund. Für Geschäftsführer Holzhäuser bietet der Vorfall Anlass zur Generalkritik. Bayer 04 Leverkusen verliert eines seiner Top-Talente. Wie der Klub am Mittwoch bestätigte, wechselt Marian Sarr in der Winterpause zu Borussia Dortmund. „Es war keine einfache Entscheidung für uns. Hätte man auf Vertragserfüllung bestehen sollen, vielleicht sogar müssen? ?Leverkusen erhält für den Junioren-Nationalspieler eine Ablösesumme. Über die Höhe wollte der Klub nichts sagen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist Leverkusen außerdem an der weiteren Entwicklung des Spielers finanziell beteiligt, wenn diese positiv verlaufen sollte. So wird zum Beispiel ein weiterer Betrag fällig, wenn Sarr in der Bundesliga zum Einsatz kommen sollte …

Mod-Edit: Auch Dieter darf keine kompletten Texte zitieren ohne Einverständnis des Urhebers. Den kompletten Artikel findet ihr hier (danke auch an den Schenefelder für den Link): http://www.ksta.de/bayer-04/verteidiger-talent-bayer-verliert-den-kampf-um-sarr,15189374,21183104.html

Vielleicht beruhigt Herr Seeler sich dann ja etwas, wenn er realisiert, dass der Club, zu dem sein Enkel jetzt wechselt, genauso „armselig“ und „seelenlos“ ist!?

Vielleicht greifen Sie selber diese Geschichte in Ihrer Berichterstattung mal mit auf!?

Außerdem finde ich es ziemlich merkwürdig, wie ungescholten Mete Öztunali aus dieser Geschichte herauskommt. Man muss sich mal vor Augen halten, dass dort ein bezahlter Angestellter des HSV in der Öffentlichkeit schlecht über seinen Arbeitgeber berichtet!?
Ein Mann, dessen Aufgabe es war junge Leute zum HSV zu lotsen, ihnen zu erklären, dass der HSV für die Förderung seiner Karriere das Beste sei!

Und das sag ich, als einer, der seinerzeit mit Mete im Tor bei TuRa Harksheide den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Ich bin sehr enttäuscht von ihm!

(Der Name des Absenders ist mir bekannt, ich möchte ihn zu seinem Schutz nicht veröffentlichen!)

Zum Thema Öztunali gab heute auch HSV-Sportchef Frank Arnesen noch folgendes Statement heraus:

Wir haben Levin Öztunali die größtmögliche sportliche Perspektive beim HSV geboten. Ab Sommer hätte er voll bei den Profis mit trainiert. Darüber hinaus haben wir ihm ein wirtschaftliches Angebot unterbreitet, dass es in dieser Form für einen Nachwuchsspieler beim HSV noch nicht gegeben hat. Dass Levin und seine Familie sich dennoch entschieden haben, in der Zukunft einen anderen Weg einzuschlagen und den HSV zu verlassen, respektieren wir. Möglicherweise lastet außerhalb Hamburgs als Uwe Seelers Enkel ein geringerer Druck auf ihm.

Es ist nicht richtig, dass Levin daraufhin vom Trainings-und Spielbetrieb des HSV suspendiert wurde. Allerdings ist es gängige Praxis und Teil unserer Ausbildungsphilosophie, dass Spieler mit weiterlaufenden Verträgen vorrangig gefördert und eingesetzt werden, was bislang nur nie öffentlich thematisiert wurde. Unser Vorgehen habe ich Levins Vater Mete Öztunali heute in einem persönlichen Gespräch erläutert, um möglicherweise entstandene Missverständnisse zu klären. Ich werde auch noch mit den betreffenden Trainern unseres Nachwuchsleistungszentrums Kontakt aufnehmen, um den weiteren Umgang mit Levin genau abzustimmen.
Nach einem Telefonat mit Levins zukünftigem Club Bayer Leverkusen, haben wir mit der Familie ebenfalls die bestehende Möglichkeit erörtert, einen sofortigen Wechsel in die Wege zu leiten. Diese Möglichkeit wurde aber von der Familie abgelehnt, da Levin bis zum Sommer in Hamburg bleiben möchte.

So, so viel für heute zum Thema Öztunali und Seeler. Die Zeitungen morgen werden wieder voll davon sein, und deswegen möchte ich euch auch nicht damit überfrachten. Alles hat ein Ende – nur die Frankfurter Wurst hat zwei . . . Um damit einen eleganten Überganz zu schaffen und noch einmal kurz auf das „Matz-ab-live“-Video hinzuweisen. Diesmal, falls es sich noch nicht herumgesprochen hat, mit Kult-Masseur Hermann Rieger und Ex-Torwart Jürgen Stars. Beiden sei an dieser Stelle noch einmal gedankt, Hermann war wegen der späten Sendung erst um kurz vor Mitternacht daheim, das nenne ich Einsatz. Und zu „Starski“ Stars möchte ich noch eines sagen: Er war Ersatztorwart beim HSV, „nur“ Ersatztorwart, aber allen diejenigen, die ihn nie zwischen den Pfosten haben fliegen sehen, sei gesagt: Stars war ein wirklich starker Keeper, ich habe zum Schluss oft auch gegen ihn gespielt, da war er stets der Beste seiner Mannschaft. Und er hat nicht umsonst noch zum Schluss seiner Karriere in Kanada und Amerika gespielt. Das möchte ich nur noch schnell anfügen, weil Ersatztorwart so „niedrig“ klingt. Schließlich hatte er einen so guten Mann wie Rudi Kargus vor sich – jahrelang.

Apropos jahrelang. Heute hat Lotto King Karl Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch unserer einzigartigen „Perle“, die ja auch schon seit Jahren für uns singt. Lotto, Du bist ein ganz Großer, Du bist auch ein ganz großer HSV-Fan, ich hoffe, dass Du noch viele Jahrzehnte auf dieser gelben Knaack-Bühne im Norden der Arena stehen wirst (gemeinsam mit Carsten Pape) und über Hamburg und den HSV singen wirst. Bleib schon gesund, alles Gute!

Noch einmal möchte ich – aus gegebenem Anlass – auf das Frankfurt-Spiel zurückkommen. Weil es etliche „Matz-abber“ gibt, die darauf hinwiesen, dass der jetzige Eintracht-Coach ja vor nicht allzu langer Zeit einmal auch HSV-Trainer war. Armin Veh. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Veh ist hier einst „vom Hof gejagt“ worden. Wie so viele andere. Und nun lässt dieser Mann, dem so viele Fans vorgeworfen haben, keine Ahnung zu haben („Armin Veh-ler“), einen solchen Fußball spielen. Wie geht das? In diese Geschichte hinein soll, so einige User, auch die Vertragsverlängerung (um zwei Jahre!) von Bruno Labbadia mit dem VfB Stuttgart bestens passen. Darüber möchte ich mich aber am liebsten ein wenig ausschweigen, nur kurz und knapp sagen: Es soll ja auch Menschen geben, die aus ihren Fehlern lernen können, um dann die nötigen Konsequenzen zu ziehen . . .

Zu Armin Veh habe ich eine etwas umfassendere Meinung. Der Mann kam nach Hamburg, als hier schon längst herum war, dass er gar nicht erste Wahl gewesen sei. Da wurden viele andere Namen gehandelt – vorher. Und dann war es plötzlich Veh. Und es rankte sich genau darum auch ein Gerücht (das Veh wohl gekannt hatte): Auf dem Weg zu einem anderen Trainer (Robin Dutt?) landete die HSV-Führung in einem Hotel in Freiburg. Und dort lief ihnen der Manager von Armin Veh über den Weg. Man unterhielt sich, man tauschte sich aus – und man hatte urplötzlich einen ganz anderen Trainer, als den, der eigentlich geplant und m Visier war.

Wenn man als Coach dann unter solchen Umständen zum HSV kommt, hat man schon einen etwas anderen Start. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass Armin Veh einen guten Job macht, und dass er sehr wohl sehr viel von seinem Job versteht. Das Training war okay, der Umgang mit der Mannschaft auch. Nur mit der „oberen Etage“ hatte Veh so seine Probleme, die langsam aber stetig zunahmen. Da ging ihm oft einiges nicht schnell genug, nicht professionell genug – und einiges ging überhaupt nicht, was er natürlich monierte. Darüber hat er oft geklagt und genörgelt, anfangs noch ziemlich leise und auch etwas versteckt, dann immer offener. Das ist aber seine Art. Mit der die HSV-Oberen jedoch nicht unbedingt so gut klar kamen. Eher war das Gegenteil der Fall.

Aber wer sich erinnert: Armin Veh hat auch zu seinen Frankfurter Zeiten (schon vor einem Jahr, schon vor dieser Saison) oft gemeckert. Hier fehlten ihm Leute, da auch. Und alles ging ihm, wie in Hamburg, nicht schnell genug. Nur schluckte man in Frankfurt diese Kritik (wohl eher zähneknirschend, wenn ich so an Heribert Bruchhagen denke), während man in Hamburg von Mal zu Mal entsetzter reagierte. Die HSV-Oberen mochten diese Ironie und auch diese gewisse Art von Pessimismus, was Veh durchaus oft ausstrahlte, überhaupt nicht. Zudem hatte der damalige HSV-Coach auch – nach Meinung der Führung (auch nach Meinung der Medien) – zu oft, viel zu oft sogar, davon gesprochen, am Ende der Saison nicht mehr HSV-Trainer sein zu wollen . . . Auch deswegen kam es zum Bruch. Weil „der“ HSV letztlich vermutete, dass Armin Veh nicht mehr mit vollem Herzen hinter dieser ganzen Sache stehen würde. Als dann dem HSV am 12. März 2011 das katastrophale 0:6 in München passierte, da musste Armin Veh dann – für keinen kam es unerwartet – gehen.

Kurios an der damaligen Situation: Co-Trainer Michael Oenning übernahm den Veh-Posten – und zog im Training sofort mächtig an (obwohl man das als trainer gegen Saisoenende eigentlich nicht machen sollte). Aber Oenning hatte da ganz offenbar die größten Defizite des HSV gesehen. In der Laufbereitschaft. Und wenn man jetzt die Frankfurter laufen sieht . . . Unfassbar ist das für mich. Unfassbar.

Wenn ich meine Meinung noch kurz dazugeben dürfte: Ich hatte mit Armin Veh ein gutes Einvernehmen, fast hätte ich ein ausgezeichnetes geschrieben. Ich mochte (und mag) den Menschen und den Trainer Veh, er hatte durchaus gute und sehr gute Ansichten über den Fußball, er war stets kooperativ, ehrlich, geradeaus und offen, er griff so gut wie nie zu einer Lüge (auch nicht in Not), und er hätte wohl, wenn man ihm die nötige Rückendeckung „von oben“ gegeben hätte, auch noch viel erreicht mit dem HSV. Vielleicht nicht so viel, wie jetzt mit der Frankfurter Eintracht, aber er hätte bestimmt schon etwas mehr „Grund in diese Mannschaft“ (von damals!) bekommen. Davon bin ich immer noch überzeugt. Dass auch ein Armin Veh nicht immer alles richtig gemacht hat (und gewiss auch nicht immer richtig lag), das ist natürlich klar. Aber: Wer macht denn keine Fehler?

Mich wurmt nur, dass er jetzt einen so tollen und großartigen Fußball in und mit Frankfurt spielen lässt. Das gebe ich zu. Wieso? Das frage ich mich schon. Wieso mit einer solchen „No-name“-Mannschaft? Oder vielleicht gerade deshalb? Armin Veh hat nun Spieler, die (noch?) keine Stars sind, die kein Star-Gehabe an sich haben, die ihrem Trainer noch glauben, wenn der ihnen sagt, dass Fußball ein Laufspiel sei. In dieser Frankfurter Mannschaft gibt es, so versicherten mir am Sonnabend einige hessische Kollegen, keinen einen bequemen Spieler, keinen Mann, der sich zu schade dafür wäre, für den Nebenmann einige Schritte mehr zu machen. Spieler solcher Art aber hatte der HSV zu Veh-Zeiten durchaus. Und sogar nicht wenige. Es ist doch so, wir kennen das alle: Wenn in Hamburg ein HSV-Profi, der so an 22. oder 23. Stelle in der Mannschafts-Hierarchie steht, nachts um drei Uhr bei Rot über die Ampel fährt, heißt es am nächsten Tag garantiert: „HSV-Star sieht Rot – auf der Flucht durch Stadt“. Wobei die Benotung auf „HSV-Star“ liegt. Hier ist jeder sofort und automatisch mit der Unterschrift unter den Profi-Vertrag ein „Star“. Und solche Spieler genießen dann schon gewisse Privilegien. Und dann wird man auch schon mal etwas bequemer. Dann muss man eben nicht jeden Lauf selbst erledigen, sondern lässt die anderen mal für sich laufen. Mann ist ja „Star“.
Ja, so versuche ich mir schon seit vielen Jahren das HSV-Spiel zu erklären. Und wenn ich jetzt an diese Frankfurter denke, wie die liefen, rannten, sprinteten, wie die Hasen, dazu mit Liebe, Lust, Spaß, Leidenschaft und Herz, dann fehlt mir in Hamburg schon seit langer Zeit sehr, sehr viel. Ich kann nur jeden (auch jeden „Matz-abber“) bitten oder raten, sich das Spiel vom Sonntag, wenn es denn technisch geht, noch einmal anzusehen. Und genau darauf zu achten, wie bei den Frankfurtern Fußball gespielt wurde – und beim HSV Fußball gearbeitet wurde. Tut euch das noch einmal an. Und achtet mal darauf, wie die Post bei Frankfurt abging, und wie sich der HSV vergeblich versuchte, das Spiel nach vorne zu quälen. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Und wenn dazu der HSV-Kapitän Heiko Westermann (nach dem Spiel) die mangelnde Laufbereitschaft seines Team anprangerte, zudem sagte, dass man sich ja „so viel vorgenommen habe, aber nichts davon wurde in die Tat umgesetzt“, dann wissen wir, warum es so ist – wie es ist. Guckt euch dieses Frankfurt-Spiel noch einmal an, und euch wird ein Lichtlein aufgehen. Ganz sicher. Diese 90 Minuten sind ein Lehrbeispiel dafür, wie man es macht (die Eintracht), und wie man es nicht macht (der HSV). Und man weiß am Ende, dass Fußball tatsächlich ein Laufspiel ist. Laufen mit Köpfchen. Im richtigen Moment gemeinsam Gas geben, nachrücken, anbieten, hinterlaufen . . . Wollen. Ganz einfach wollen. Und zwar alle zehn Feldspieler. Beim HSV „parken“ mir einige zu viel und zu lange.

So, noch eine personelle Meldung: Artjoms Rudnevs erlitt am Sonnabend eine Muskelquetschung im Oberschenkel und muss zwei Tage Pause einlegen. Wenn die Nationalspieler wieder in Hamburg sind (Donnerstag), dann darf auch der Torjäger wieder einsteigen.

Ja, dann ist da noch dieses eine Länderspiel. Frankreich – Deutschland am Mittwoch. Mit HSV-Keeper Rene Adler im Tor (und Heiko Westermann auf der Bank). Über das Torwart-Comeback schreibt heute mein geschätzter Kollege Jens Mende von der Deutschen Presse-Agentur:

Rene Adler verzog keine Miene. Und aus der Reserve locken ließ sich der Torwart vom HSV erst recht nicht. Ein neuer Torwart-Zoff? Gewiss nicht. Ruhig, fast schon monoton beantwortete der Schlussmann die Fragen zu seiner erstaunlichen Rückkehr ins Tor der Fußball-Nationalmannschaft.

Als „sensationelle Geschichte“ empfindet Adler seinen Einsatz am Mittwoch (21 Uhr/ARD) gegen Frankreich, den ihm Bundestrainer Joachim Löw versprochen hat. Das schon. Aber aus den für ihn so wichtigen 90 Minuten eine Kampfansage an Stammkraft Manuel Neuer zu machen, hält Adler für unangemessen – trotz der gereizten Kommentare des Münchner Konkurrenten zu der vertauschten Aufgabenverteilung in Paris.

„Ich freue mich, wenn ich spielen kann. Ich denke, dass das eine Spiel nicht viel ändern wird an der Rollenverteilung. Das nehme ich mit und genieße es“, sagte Adler in Frankfurt. Neuers Nörgelei („Bei einem solchen Spiel wäre ich gerne dabei gewesen.“) und direkte Stichelei („Ich habe seine Entwicklung nicht verfolgt, weil ich bei Bayern München spiele.“) wollte Adler nicht kommentieren. „Ich habe das gar nicht mitgekriegt. Es ist sein gutes Recht. Ich bin nicht in der Position, das zu bewerten“, sagte Adler. Mit einem Typ wie ihm ist ein Torwart-Kampf wie vor der Heim-WM 2006 zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann nicht vom Zaun zu brechen.

Es waren die kleinen Bemerkungen in Nebensätzen, die am Montag die Bedeutung seines elften Länderspiels für ihn preisgaben. Auf Routine und „sein Schema“ habe er gesetzt, als die frohe Kunde von Löw am Freitag kam: „Um das alles nicht so hoch zu hängen“. Dennoch wurden vom HSV-Betreuerstab gleich Videosequenzen über Franck Ribéry und Karim Benzema zusammengestellt. Bei der Nationalmannschaft folgt weiteres Gegnerstudium. Nichts soll ihn am Mittwochabend im Stade de France überraschen können.

Adler hat in seinen Torwartjahren schon viel erlebt. Kurz vor der WM 2010 kam durch eine Rippenverletzung das Aus. Neuer zog an ihm vorbei. In Leverkusen ging es bergab. Erst der Wechsel zum HSV im Sommer 2012 brachte die Wende. Im deutschen Tor stand er letztmals am 17. November 2010 beim 0:0 in Göteborg gegen Schweden.

Viel hat sich für Adler in seinem Leben seither verändert. Er wirkt ungewöhnlich ruhig für das aufgeregte Fußball-Geschäft. Nur eines ist gleich geblieben. Eigene Patzer wie kürzlich im Nordderby gegen Werder Bremen kann er nicht vertragen. „Ich ärgere mich nach wie vor über Fehler. Das ist in mir, das ist der sportliche Ehrgeiz, der mich treibt.“ Das klingt dann doch ein bisschen nach Oliver Kahn.

Und noch einmal das Thema Torwart:

Der tschechische Nationaltorwart Petr Cech fehlt beim Länderspiel seines Verbandes gegen die Türkei am Mittwoch in Manisa. Die Nummer eins des FC Chelsea hatte sich bei der 2:3-Niederlage gegen Newcastle United den kleinen Finger gebrochen. Ihn wird Jan Lastuvka von Dnjepropetrowsk bei der Vorbereitung auf die Qualifikation zur Fußball-WM 2014 im Tor ersetzen, und der der Reservetorwart des HSV, Jaroslav Drobny (33), rückt in den Kader auf.

Und dann gab es heute noch diese dpa-Meldung:

Die Verluste der Fußballvereine in Europa sind auf ein Rekordniveau von insgesamt 1,7 Milliarden Euro gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Fünf-Jahres-Analyse des europäischen Fußball-Verbandes, die die Uefa am Montag vorstellte. Der Studie zufolge sind auch die Spielergehälter in Europa im Verlauf dieser Zeit um 40 Prozent auf insgesamt 8,6 Milliarden Euro gestiegen.

„Ohne eine Verhaltensänderung steigt die Gefahr der Pleite für die Vereine“, sagte Uefa-Präsident Michel Platini. Der Franzose nannte die Einhaltung des sogenannten „Financial Fair Play“ der Uefa deshalb auch überlebensnotwendig für die europäischen Fußball-Clubs. „Eine Beschränkung der Kosten ist und bleibt die größte Herausforderung für die Vereine“, sagte Platini. Die Uefa hat mit dem „Financial Fair Play“ ein Lizenzierungsverfahren für die Europacup-Wettbewerbe beschlossen. Es soll die große Verschuldung vieler Clubs stoppen.

PS: Am Dienstag wird im Volkspark – mit natürlich dezimierten Kader – um 15 Uhr trainiert.

PSPS: Wenn alles klappt, wird hier das Moderatoren-Team demnächst noch ein, zwei Fotos vom “Matz-ab-Baby” veröffentlichen. Es ist “Scholles” Lia Sophie, die am 29. Januar geboren wurde.

18.36 Uhr

Foto

Jarchow: „Manchmal zahlen wir auch zu gut.“

3. Februar 2013

„Wir haben absolut zu wenig investiert in der ersten Hälfte. Frankfurt hat mehr investiert, war einfach geiler und giftiger, war auch von der Laufbereitschaft her besser. Das ist eine Riesenenttäuschung – jetzt können wir uns wieder hinten anstellen.“ Das Resümee von HSV-Kapitän Heiko Westermann nach der ernüchternden 0:2-Heimpleite gegen Eintracht Frankfurt.

Und Trainer Thorsten Fink befand: „Wir haben ja auch nicht großartig von Europa geträumt.“

Andere schon. Träumen ist ja erlaubt, heißt es doch immer so schön. Und ich kenne viele Fans, die davon träumen . . .

Aber die HSV-Spieler denken und glauben wohl nicht zu sehr an Europa und ihre Chance, die sie ja durchaus hätten. Sonst würden sie doch ganz anders auftreten, oder? Erste Halbzeit in Nürnberg schwach, erste Halbzeit gegen Bremen schwach, und nun auch erste Halbzeit gegen Frankfurt schwach. Was ist da los? Meine Kumpels „Franky“ und „Olli“ haben mir heute diese Frage gestellt: „Wieso reißen sich Mannschaften wie Fürth und Augsburg so den Hintern auf, und der HSV nicht? Für Fürth und Augsburg geht es um den Klassenerhalt, für den HSV ginge es um Europa. Ginge. Aber davon ist nichts zu sehen. Und ein bekannter „Matz-abber“ hat mir heute am Vormittag gesagt: „Ist es dir eigentlich schon mal aufgefallen: Egal, ob es um etwas geht, oder es nur ein ganz einfaches und normales Bundesliga-Spiel geht – der HSV spielt immer gleich. Fast emotionslos. Es gibt keinen Unterschied zwischen einem Spiel um Platz fünf oder um Platz zehn.“

Unverständlich ist es allemal. Warum kann sich diese HSV-Mannschaft – aber es gab fast immer solche HSV-Mannschaften, davon mal abgesehen – nicht einmal einig sein: „Wir gehen jetzt auf den Rasen und laufen unsere Gegner um und dumm. Wir rasen, sprinten, kämpfen, geben alles, als ginge es um unser Leben.“ Und dann? Nichts! Querpässe, Rückpässe, Schlafwagen-Fußball. Lothar Matthäus, der Sky-Experte, stellte zur Pause völlig richtig fest: „Der HSV macht es den Frankfurtern ja auch immer leicht. Der HSV ist im Aufbau so langsam, dass sich die Eintracht-Spieler auch immer in aller Ruhe wieder nach hinten auf ihre Positionen begeben können. Da gibt es keinen einzigen Überraschungs-Moment.“ Völlig richtig, Herr „Loddar“. Es geht so oft immer wieder zurück. Fast so, als wolle sich jeder Hamburger sagen: „Abwarten, immer mit der Ruhe, wir haben noch Zeit genug, um unsere Tore zu schießen . . .“

Kompliment, was der Armin Veh aus dieser No-name-Mannschaft aus Hessen gemacht hat! Dickes Kompliment sogar. Ich hoffe, dass das jeder, der in der Arena sah, auch wahrgenommen hat. Das ist das Werk von Armin Veh-ler, wie es an diesem Wochenende rund um die Arena immer wieder zu hören war. Veh-ler. Ja, ich denke mal, dass dieser Armin Veh doch nicht ganz so schlecht ist, wie viele hier in Hamburg – etwas arrogant und hochnäsig – denken, denn: Jeder Frankfurter Spieler, ich wiederhole jeder, wusste genau, was er zu tun und was er zu lassen hatte. Diese Mannschaft stand wie eine eins, da griff ein Rädchen in das nächste. Und da wurde gelaufen. Mensch, was wurde da gelaufen! Herrlich anzusehen. Hinten und vorne waren die Hessen, blitzartig, da marschierte jeder munter rauf und runter. Beim HSV? Fehlanzeige. Lange Zeit jedenfalls. Heiko Westermann hat die fehlende oder mangelnde Laufbereitschaft völlig berechtig angeprangert. Das ist doch alles viel zu statisch, ohne großes Leben. Langweilig, wie mir heute ein HSV-Fan schrieb. Von der Einsatzbereitschaft eines Heung Min Sons, der von der ersten Sekunde an voll da war, einmal abgesehen.

Nein, da muss man sich keinen Sand in die Augen streuen, das, was der HSV über weite Strecken anbietet, das ist der reinste Schlafwagen-Fußball – oder Sommer-Fußball im Februar. Und so spielt eben ein Tabellenneunter. Und ganz sicher keine Mannschaft, die sich anschicken will, um Europa aufzumischen. Es fehlt die Lust, die Leidenschaft, das Engagement – und auch das Miteinander. Wohl auch deshalb, weil einige Spieler (zurzeit) ihre Form suchen, weil sie viel zu viel mit sich ganz allein beschäftigt sind. Rafael van der Vaart ist ein Beispiel dafür, Milan Badelj, der seine fünfte Gelbe sah und nun am Sonnabend in Dortmund fehlen wird, ebenfalls.

Schnell mal die Statistik des Spiels:

Der HSV lag in Sachen Torschüssen mit 23:16 vorn, führte auch nach Eckbällen 7:6 und nach Flanken mit 13:8. In Ballkontakten lag der Verlierer mit 60:40 vorn, in den Fouls mit 17:10. Gewonnene Zweikämpfe verlor der HSV mit 42:58 Prozent. Das ist hart. Die meisten Ballkontakte, und auch das spricht für sich: Westermann mit 110. Der beste Frankfurter: Schwegler mit 62. Die zweikampfstärksten Spieler: Dennis Diekmeier (64 Prozent) und der Frankfurter Anderson (80 Prozent).

„Immer, wenn es um was geht, versagt ihr“, hallte es von den Rängen der mit 52 523 Zuschauern gut gefüllten Arena. Wie schön, dass es friedlich blieb. So muss es sein. Aber zurück zum Wesentlichen: „Frankfurt war besser, abgeklärter und reifer“, erkannte Fink. Und Rene Adler befand: „Es wird immer viel von Konstanz gesprochen. Wir müssen nach einem Derbysieg einfach mal nachlegen. Da müssen wir effektiver sein und knallhart die Sache ausnutzen. Daran sieht man, dass wir noch relativ grün sind und eine relativ junge Mannschaft haben.“ Dass sich der eine oder andere HSV-Profi über den schlechten Zustand des Rasen ausließen, nahm Adler zähneknirschend zur Kenntnis: „Die 20-jährigen Jungs sollten sich nicht über den Rasen beschweren, sondern sich auf das Spiel konzentrieren. Wenn sie so arbeiten würden, wie unsere Platzwarte, dann hätten wir weniger Probleme.“
Rene – so ist es! Treffer!

Nicht ganz so gut hat Nationaltorwart Manuel Neuer eine “Vorlage” verwandelt. Dass Adler am Mittwoch im Länderspiel gegen Frankreich im deutschen Tor stehen soll und wird, fíndet der Bayern-Schlussmann nicht wirklich prickelnd.Und weil das so ist, mault er auch – öffentlich – über diese Entscheidung. Unverständlich, denn man sollte doch mal fair bleiben. Auch Neuer. Er war damals die Nummer zwei hinter Adler (der sich bekanntlich schwer verletzte), und hat trotz allem Neuer auch gelegentlich gespielt. Und genau so läuft es nun umgekehrt – was bei Torhütern ja grundsätzlich problematisch ist. Und unverdient ist es schon gar nicht. Ich würde Neuer jetzt raten: Weiter beleidigt rummaulen – und dann von Rücktritt reden. Dann wäre das Problem vom Tisch . . .

So, zurück zum Frankfurt-Spiel. Einige sprachen danach ja Klartext. So auch Carl-Edgar Jarchow. Der HSV-Chef war heute zu Gast beim „Sport1-Doppelpass“. Er sagte . . .

…über die Leistungsträger Heung-Min Son und Rafael van der Vaart:

„Ich gehe davon aus, dass wir den Vertrag von Heung-Min Son in nächster Zeit verlängern. Wir wissen, was wir an ihm haben und sind nicht weit weg von den internationalen Plätzen. Wieso sollten wir ihn da abgeben? Bei Rafael van der Vaart haben wir jemanden gebraucht, der den anderen die Verantwortung abnimmt. Wenn man sich die Entwicklung in der Hinrunde anschaut, dann hat er das auch geschafft. Er ist noch nicht bei 100 Prozent, aber die wird er in den nächsten Wochen wieder erreichen.“

… über die finanziellen Altlasten in Hamburg:

„Vielleicht haben wir unseren Spielern manchmal zu viel Geld gezahlt. Darüber hinaus haben wir es im Sommer nicht geschafft, den Kader zu verkleinern, weil wir uns für die sportliche Entwicklung entschieden haben. Mit Rafael van der Vaart und Milan Badelj haben wir noch zwei Spieler dazu genommen, was sich negativ auf die Gesamtbilanz ausgewirkt hat. Das war natürlich nicht gut für die Kadergröße. Die Basis ist aber gelegt und wir haben trotzdem das Budget um 10 Millionen Euro gesenkt.“

…über die aktuelle Lage beim HSV:

„Wir müssen beachten, wo wir herkommen. Wir haben uns in den letzten Monaten stabilisiert. Wir hatten gestern die Chance auf Platz fünf zu springen, aber wir müssen sehen, dass wir einfach noch nicht so weit sind. „Ich bin ja nicht hier, um etwas schön zu reden: Mir fehlte in der ersten Halbzeit die Körperspannung. Ich finde aber auch, dass die Frankfurter gestern einfach gut waren.“

…über den Abgang von HSV-Talent und Uwe Seeler-Enkel Levin Öztunali:

„Wir haben ihm ein Angebot gemacht, wie wir es noch nie einem Nachwuchsspieler gemacht haben. Er wollte aber zu Bayer Leverkusen gehen. Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Wir haben alles probiert. Bei uns ist aber in der Jugendförderung in den letzten Jahren nicht alles richtig gelaufen – das muss man eingestehen.“

Mir gefiel besonders ein Jarchow-Satz sehr gut: „Manchmal zahlen wir auch zu gut.“

Großen Zoff gibt es auch in einer anderen Sache, und zwar um den Wechsel des Uwe-Seeler-Enkels Levin Öztunali nach Leverkusen. Seeler ist sauer. Das war ja schon am Freitag erkennbar, als ich mit dem Mittelstürmer-Idol sprach. Heute legte „uns Uwe“ noch einmal in Bild und Mopo nach. „Es ist armselig, was mit meinem Enkel passiert ist. Die ganze Sache hat nichts mit Geld zu tun. Ich kenne die Hintergründe. Beim HSV reagiert man oft viel zu spät. Ich stehe voll und ganz hinter Levins Entscheidung. Sie ist reiflich überlegt“, sagte Seeler. Und in Richtung von Sportdirektor Frank Arnesen sagte der 76-Jährige: „Er sollte sich gut überlegen, was er so von sich gibt.“ Weil Arnesen vor der Entscheidung von Öztunali gesagt hatte: „Es liegt an Levin, ob er sich für die Ausbildung und Familie oder fürs Geld entscheidet.“

Der Transfer zu Bayer schlägt in Hamburg hohe Wellen – noch immer. Und das ist keine Überraschung, schließlich geht es nicht um irgendeinen x-beliebigen Nachwuchskicker, sondern um den Enkel von Uwe Seeler. Der Juniorennationalspieler darf nicht einmal mehr in der U19 des HSV spielen, trainiert nur noch in der U17 des Clubs. „Über die Suspendierung ärgere ich mich am meisten. Das geht gar nicht“, schimpfte Opa Seeler. Die Gründe für den Wechsel lägen allein in der sportlichen Perspektive begründet, hätten mit Geld nichts zu tun. Der HSV müsse seine Nachwuchsförderung grundlegend überdenken. In Leverkusen soll Öztunali 1,7 Millionen Euro bis 2018 verdienen.

Frank Arnesen sagte (auf Sky) zu dieser ganzen Thematik: „Wir haben fünf andere große Spieler, die zu uns kommen. Du kannst nicht alle Kämpfe gewinnen – und den um Levin haben wir verloren. Wenn er nach Leverkusen gehen will, dann ist das seine Wahl. Ich bin nicht enttäuscht, weil wir ihm eine Perspektive geboten haben. Und es war seine Entscheidung. Wenn wir das nicht getan hätten, wäre ich enttäuscht gewesen.“

Ich bin über diesen Weggang schwer enttäuscht. Und alle, die das nicht nachvollziehen können, möchte ich sagen: Es geht hier um den Enkel von Uwe Seeler. Und auch um einen Jugendnationalspieler. Von dem alle, die beim HSV in Ochsenzoll tätig sind (oder sich dort bestens auskennen) unisono sagen: „Dieser Levin Öztunali ist das größte Talent, das der HSV in den letzten fünf Jahrzehnten in seinen Reihen hatte, für ein solches Talent hätte man beim HSV Kopfstände machen müssen.“

Das denke ich auch.

Denn ist es nicht so:
Uwe Seeler ist weltweit ein großer und gefeierter Star, er ist wirklich überall beliebt und bekannt, wo es Fußball gibt. Er ist ein Star und trotzdem immer auf dem Boden geblieben, er ist kein arroganter Profi, sondern stets ein Mensch zum Anfassen geblieben .Er ist in Deutschland ein unglaublich populärer Held – und in Hamburg natürlich erst recht. Er ist das sportliche Aushängeschild dieser Stadt, es gibt hier keinen Größeren, es hat nie einen Größeren gegeben. Das mögen diejenigen, die Uwe Seeler nie haben spielen sehen, anders sehen, aber sie sollten nicht einfach überheblich und abwertend abwinken, sondern mir glauben – es ist so. Nichts davon ist übertreiben. Uwe Seeler ist auch heute noch bei Jung und Alt dermaßen beliebt, dass es für Hamburg vergleichsweise keinen anderen Star gibt. Auch nicht nur annähernd.

Und genau deswegen hätte der HSV Uwe Seeler einbinden müssen, einbinden müssen in den „Kampf“ um Levin. Egal, ob Uwe Seeler das nun gewollt hätte, oder auch nicht. Der HSV hätte sich mit Uwe Seeler an den Tisch setzen müssen, denn: Seeler ist ein Vollblut-HSVer, er liebt diesen Verein, er hat nie einen anderen Club gehabt, hat viele Millionen links liegen lassen, und er will auch mit Sicherheit niemals etwas Schlechtes für den HSV, für seinen HSV. Und ganz sicher auch nichts Schlechtes für seinen Enkel. Und genau das wäre die ideale Basis gewesen, auf der man sich hätte treffen und einigen können – nein, einigen müssen. Ganz klar, ich sage müssen. Und da hat der HSV versagt. Absolut versagt. Das sage ich auch ganz deutlich. Es geht hier nicht um einen x-beliebigen 16-jährigen Fußballer, es geht um die Familie Seeler. Uwe Seeler ist eine Hamburger und natürlich auch eine HSV-Institution, er hätte deshalb unbedingt mit ins Boot genommen werden müssen. Das hat der HSV versäumt, deswegen gibt es nun diesen Ärger. Ärger, der schon in der Entstehung hätte verhindert werden müssen. Denn es geht hier nicht um die Familie Erich Meier oder Max Müller, es geht hier immer noch um Uwe Seeler. Das hätte beachtet werden müssen.Unbedingt.

Ohnehin bin ich schon seit Jahren der Meinung, dass dieser HSV sich schon viel zu lange geleistet hat, einen Helden wie Uwe Seeler links, ganz links sogar liegen zu lassen. In anderen Vereinen werden Größen dieser Art, wenn sie die dann überhaupt haben, hofiert, gefeiert, verehrt und in irgendeiner Form auch immer wieder mal eingebunden – beim HSV passiert nichts. Der Schleswig-Holsteinische Fußball-Verband hat seine Sportschule in Malente erst kürzlich nach Uwe Seeler benannt, und der HSV? Eine solche lebende Legende wäre für viele, viele andere Clubs ein wahrer Glückfall, aber Hamburg tritt in dieser Beziehung sein Glück mit Füßen. Aber ganz kräftig.
Und Ende.

PS: Morgen (Montag) kein Training im Volkspark.

17.57 Uhr

Jetzt sollte erstmal nur noch Fußball zählen…

14. September 2012

Oha. Da hat der werte Herr Kühne mal wieder einen rausgehauen. Warum genau jetzt? Keine Ahnung. Allerdings ist der Speditionsmilliardär augenscheinlich und offenkundig ein Mann, der sagt, was er will und denkt. Ohne Rücksicht auf Personen und Momente. So geschehen bei seiner Generalkritik am HSV vor einigen Wochen. Und so geschehen auch heute. Diesmal nimmt Kühne insbesondere Sportchef Frank Arnesen und Klubboss Carl Jarchow aufs Korn. „Die Sportdirektion macht dort keinen guten Job, der Vorstandschef schaut mir zu sehr auf die Zahlen. Deshalb habe ich mich eingeschaltet“, sagte Kühne der „Welt am Sonntag“. Kühne erklärte zudem, weshalb er seinen ersten Beitrag zur Rückholung van der Vaarts erhöht hatte. „Es hat mich furchtbar geärgert, dass der HSV zur grauen Maus in der Bundesliga geworden ist. Es fehlte eindeutig eine Leitfigur“, sagte Kühne.

Die hat der HSV jetzt. Und bei aller Freude über den Transfer von Rafael van der Vaart und den wiederkehrenden Aussagen Kühnes, er wolle sich nicht beim HSV einmischen – mit solchen Aussagen macht er es. Sogar massiv. Und obwohl auch ich die Transfers von Frank Arnesen bislang sehr kritisch sehe, so geht man nicht mit einem Sportchef um. Herr Kühne äußert Kritik, die ihm maximal intern zusteht. Nicht aber öffentlich. Denn, und diesen Sachverstand unterstelle ich einem derart erfolgreichen Geschäftsmann dann einfach, mit seinen Worten macht er Politik. Politik, die in diesem Fall Arnesen und Jarchow schadet. „Ich werde mich beim HSV nicht einmischen“, sagt Kühne der „WamS“ – dabei hat er es längst getan.

Ihr seht, es ist zweischneidig. Auf der einen Seite nehme auch ich gern einen van der Vaart dank der Millionen Kühnes – auf der anderen Seite droht die Gefahr der Einflussnahme. Direkt – oder eben indirekt wie in diesem Fall. Zu allem Überfluss ist Arnesen bereits mächtig angeschlagen. Seit den Vorwürfen der unkorrekten Transferabwicklungen hat sich der Däne beim HSV intern nicht mehr erholt. Ich weiß nicht, wie es bei Euch ist, aber in meinem Bekanntenkreis werden immer mehr Stimmen laut, die Arnesen Vorwürfe machen und sogar dessen Demission erwarten oder gar fordern. Und allemal diejenigen dürften sich jetzt durch Herrn Kühnes Kritik bestätigt fühlen. Und für Arnesen und Jarchow dürfte es intern und vor allem öffentlich noch ungemütlicher werden als jetzt schon.

Wobei Ihr mich bitte nicht falsch verstehen dürft, ich will niemanden vor berechtigter Kritik schützen. Im Gegenteil. Arnesen hatte bis zuletzt, bis Jiracek und van der Vaart kamen, zweifellos mehr Qualität verkauft als eingekauft – was teuer (und qualitativ hochwertig) in der letzten Transferwoche korrigiert wurde. Ein Kritikpunkt, dem sich Arnesen intern zurecht ausgesetzt sieht. Allerdings ist Arnesen in Hamburg angetreten mit der Vorgabe, rund 15 Millionen Euro für Neue ausgeben zu können. Das bewahrheitete sich nicht. Im Gegenteil. Immer wieder war der Däne dazu verdonnert, erst Spieler zu verkaufen, ehe er Neue holen konnte – was zum einen an der Finanzpolitik von Vorstandsboss Jarchow und zum anderen auch am Aufsichtsrat lag, die diese Marschroute vorgegeben hatten.

Ihr seht, alles hat seine zwei Seiten. Und ich hoffe, dass sich der HSV ein wenig mehr an das hält, was nach etlichen anderen zuletzt auch Ex-Trainer Armin Veh riet: Mehr Einheitlichkeit. „Wenn dieser tolle Klub es irgendwann schafft, dass alle – oder zumindest der größte Teil der Verantwortlichen – an einem Strang ziehen, kann aus dem HSV schnell wieder zu einem richtigen Topklub werden.“ Meinem Frankfurter Kollegen sagt Veh zudem, was er Dieter und mir einmal in einem Sechs-Augen-Gespräch erklärt hatte: „In Hamburg war es irgendwann sogar so weit, dass der Vorstand unmittelbar in meine Belange einwirken wollte – und das geht nicht. Nur, wenn alle ihre Verantwortlichkeiten kennen und sich daran halten, ist Ruhe möglich.“

Und wenn es schon der HSV samt Investor nicht schafft – fangen wir hier doch damit an. Denn einig sind wir uns allein darin schon, dass dieser HSV sportlich hoffen lässt. Vielleicht ärgere ich mich deshalb auch so über den Zeitpunkt der Aussagen Kühnes. Denn vor dem Spiel in Frankfurt dürfen wir endlich wieder optimistisch sein. Endlich und nach einer gefühlten Ewigkeit wieder begründet. Dass dennoch wieder nur über Kühne und dessen harte Worte gesprochen wird – bitter! Dabei dürfte das doch auch nicht in dessen Sinn sein. Er ist doch selbst HSV-Fan….

Aber gut, wir hier sollten das Thema abhaken oder zumindest vorerst ruhen lassen und uns dem Spiel eins mit van der Vaart widmen. Ein Spiel, das wie gesagt hoffen lässt. Petr Jiracek und Milan Badelj beweisen im Training, dass mit ihnen deutlich mehr Spielwitz auf dem Platz zu erwarten ist, Heiko Westermann indes, dass er in der Innenverteidigung seinen Platz gefunden hat. Und auch im Tor ist der HSV weiter top besetzt, während Marcell Jansen links im Mittelfeld formstark auftritt und Rafael van der Vaart eh über jeden Zweifel erhaben scheint. So schnell und selbstverständlich wie der Niederländer ist beim HSV lange kein Spieler mehr zum absoluten Leader aufgestiegen. Wobei ich diesbezüglich noch einen Geheimtipp abgeben würde: Milan Badelj.

Der Kroate besticht im Training mit Ballsicherheit. Und er dirigiert. „Auf Englisch können wir uns super verständigen“, verriet uns Badelj in nahezu perfektem Englisch heute. Der Kroate, der seine fehlenden Sprinterqualitäten mit gutem Stellungs- und Passspiel vergessen macht, kennt die Rolle des „Gehirns auf dem Platz“, er weiß, wie Mannschaften zu führen sind. „In der Nationalmannschaft und bei Dynamo Zagreb habe ich immer Verantwortung gehabt – und diese Rolle mag ich. Ich will den Ball haben, ich will meinen Teil beitragen. Wenn jeder seine Aufgabe mit seinen besten Eigenschaften erfüllt, wird die Mannschaft stark.“ Wenn er dafür van der Vaart 90 Minuten den Rücken freihalten soll – „dann mache ich das. Kein Problem. Wenn wir es schaffen, dass jeder seine besten Eigenschaften gezielt einbringt, werden wir stark.“

Badelj, der heute kurz bei uns in der Runde saß, macht trotz seiner jungen 23 Jahre einen extrem aufgeräumten Eindruck. Er ist devot der stärkeren Bundesliga gegenüber („Ich weiß, dass ich hier weniger Zeit habe und alles schneller, härter und intensiver ist“) aber ehrgeizig („Ich will immer gewinnen. Und das immer ein wenig mehr als alle anderen“). Zudem ist Badelj bemüht, sich einzubringen, lernt bereits seit vergangenem Sonnabend Deutsch. „Ich will mich mit allen perfekt verständigen können, da ist die Sprache sehr wichtig.“

Badelj ist bescheiden, lobt sich nicht selbst und wirkt fast ein wenig verlegen, wenn man ihm verschiedene Qualitäten auf dem Platz bescheinigt. Er zusammen mit dem nicht minder bescheidenen und ehrgeizigen Jiracek sowie dem genialen van der Vaart – das kann was werden. Ich glaube, dass von den Dreien die zuletzt wackelige Defensive ebenso wie die zu harmlose Offensive profitieren wird. In Frankfurt soll es Artjoms Rudnevs werden, der im Training heute wieder so spielte wie vor Werder. Auffällig waren da nur technische Stockfehler. Allerdings habe ich das auch vor dem Bremen-Spiel gesagt und im Weserstadion zeigte Rudnevs völlig unerwartet seine bislang beste Leistung, seit er für den HSV spielt. Sollte er diese bei den Hessen noch einmal steigern können und vielleicht sogar treffen – ich würde mich freuen. Ebenso wie Arnesen, der für den Transfer des ersten Letten zum HSV verantwortlich ist.

In diesem Sinne, lasst uns die Stunden bis zum Abpfiff in Frankfurt so optimistisch wie möglich angehen. Vereinspolitik muss jetzt in den Hintergrund rücken, damit die sportliche Euphorie seit dem van-der-Vaart-Wechsel weitergelebt werden kann. Dabei sollte auch egal sein, ob vorn ein Berg oder Rudnevs oder auch ein Son oder Beister aufläuft. Sein wir doch froh, dass wir endlich wieder etwas Auswahl haben… „Schritt für Schritt nach oben“ – hatte Badelj als sein Ziel für die nächsten Wochen ausgegeben – und damit alles gesagt, was es zu sagen gibt. Der Rest muss auf dem Platz gezeigt werden.

Bis morgen! Dann wieder mit Dieter. Ich freue mich währenddessen auf Frankfurt.

Scholle

In Frankfurt warten einige “Hamburger”

10. September 2012

Dreimal hätte Rafael van der Vaart in seinen bisherigen drei Hamburger Jahren die Chance gehabt, mit dem HSV in Frankfurt um Bundesliga-Punkt zu kämpfen, einmal nur hat er es geschafft. Und dieses eine Mal endete mit einer 1:2-Niderlage für den HSV, obwohl der „kleine Engel“ am 15. September 2007 das Hamburger Ehrentor erzielen konnte. Am Sonntag nun kann es van der Vaart besser machen – mit Tor und mit einem ersten Sieg beim Aufsteiger in Frankfurt. Allerdings dürfte das kein Selbstgänger werden, denn die Hessen sind hinter dem FC Bayern München Tabellenzweiter, weil sie ihre beiden Auftaktspiele siegreich gestalten konnten: 2:1 gegen Bayer Leverkusen, 4:0 bei der TSG Hoffenheim. Aber egal, wie es in der Vergangenheit auch lief, auf den Schultern des 29-jährigen Niederländers ruhen zurzeit alle Hamburger Hoffnungen. Welche Zeitung man auch immer aufschlägt, welche Fernsehanstalten dieser Tage auch immer über den HSV berichten – an van der Vaart kommt niemand vorbei. Mal sehen, wie lange dieser Zustand noch andauert. Gibt es die erhofften HSV-Erfolge, dann sicherlich noch sehr, sehr lange. Bleiben diese Erfolge aber aus, so dürfte sich der Alltag auch im Volkspark ganz schnell wieder einstellen.

Wiedersehen macht Freude – am Sonntag werden etliche „Hamburger“ auf der Gegenseite stehen, beim Gastgeber. Das fängt ganz oben bei der Eintracht an, denn der Klub-Boss Heribert Bruchhagen war einst Manager beim HSV, bevor es zur unschönen Trennung kam; der damalige HSV-Chef Ronald Wulff setzte Bruchhagen vor die Tür. Ein Umstand, den der Frankfurter Vorstandsvorsitzende bis heute noch nicht so recht verarbeitet hat. Auf der Trainerbank der Hessen sitzt Armin Veh, der im Sommer 2010 den Job beim HSV angetreten hatte. Am 8. März teilte Veh dem Klub mit, dass er am Saisonende aufhören werde: „Mit der Entwicklung im Verein kann man aus meiner Sicht nicht arbeiten. Es geht hier teilweise nicht mehr um Fußball, was aber mein Job ist. Auch wenn wir sportlich nicht dort stehen, wo wir gerne stehen würden, braucht man dennoch eine Perspektive. Diese ist für mich nicht vorhanden.“

Fünf Tage nach dieser Erklärung verlor der HSV mit gefühlt 0:15 beim und gegen den FC Bayern, aber auch das realistische 0:6 war der HSV-Führung zu hoch – Veh musste seine Koffer packen, sein Nachfolger wurde sein Assistent Michael Oenning. Der ließ, das aber nur am Rande, die Mannschaft danach sofort härter trainieren (was nach Meinung vieler Trainer im März überhaupt nichts mehr nützt), aber so richtig nach vorn gebracht hat den HSV diese Maßnahme auch nicht mehr. Veh heuerte dann bei der Frankfurter Eintracht an und stieg in diesem Sommer mit dem Verein in die Erste Bundesliga auf – am Sonntag gibt es nun das erste sicherlich brisante und pikante Wiedersehen.

In der Mannschaft der Hessen stehen zudem drei weitere „Hamburger“. Zambrano und Oczipka kamen vom FC St. Pauli, Alexander Meier spielte einst (2003 bis 2004) für den HSV, bevor er nach Frankfurt wechselte. Dort ist der heute 29-jährige Mittelfeldspieler nicht nur schon seit Jahren eine große und überragende Stütze, sondern auch ein gefährlicher Torschütze. Fast könnte ich wetten, dass er auch am Sonntag wieder gegen den HSV zulangen wird – er hat es doch eigentlich immer getan. Das hat schon Tradition. Kurios ist: Vier Einsätze hatte Alex Meier nur für den HSV. In der Saison 2003/04. Gegen Hannover 96 (der HSV verlor 0:3) löste er in der 71. Minute den dänischen Verteidiger Lars Jacobsen ab, beim 1:1 des HSV in Bochum kam Meier in der 69. Minute für Bernardo Romeo, und in der Rückrunde war Meier dann auch nur noch zweimal für den HSV am Start: gegen Hannover und gegen Bochum. Kurios, aber wahr. Gegen 96 kam Meier in der 81. Minute für David Jarolim, der HSV verlor 2:3, und beim 1:1 gegen den VfL stand Alex Meier zum einzigen Mal in einem Bundesliga-Spiel für den HSV in der Start-Formation – mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit stand für ihn Naohiro Takahara auf dem Rasen.

Wenn es nicht aufgefallen sein sollte – Meier, der gegen Hoffenheim zweimal traf, blieb mit dem HSV sieglos! Aber mit Frankfurt feierte er danach große Erfolge. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass der HSV nicht mit „jungen Spielern“ kann? Die Geduld fehlte auch in seinem Fall, das ist klar, dass er sich so gut entwickeln würde, das war damals nicht vorhersehbar. Fest steht, dass Meier ein großes Talent war, und dass er heute wohl auch beim und bei diesem HSV einen Stammplatz hätte. Aber von solchen Talenten hat der HSV ja in all seinen Bundesliga-Jahren etliche (und viel zu viele) vom Hof geschickt. Und dabei wohl auch viel, viel Geld dabei eingebüßt . . .

Apropos jung: Der HSV ist seit Monaten ja sehr stolz darauf, dass er eine ganz, ganz junge, vielleicht sogar die jüngste Mannschaft der Liga hat. Gegen Bremen hatte das Werder-Team ein Durchschnitts-Alter von 24,6 Jahren, der HSV hatte 24,9 Jahre vorzuweisen. Ähnlich wird es wohl gegen Frankfurt sein, denn die Eintracht brachte zuletzt auf 25 Jahre, und beim HSV wird bekanntlich der 29-jährige Rafael van der Vaart erstmalig wieder mit dabei sein – und das Durchschnitts-Alter somit leicht erhöhen.

Wenn es denn aber hilfreich ist . . . Die neue HSV-Mannschaft um van der Vaart macht mir doch die Hoffnung, dass es eine Zittersaison wie zuletzt nicht noch einmal geben wird. Adler – Bruma, Westermann, Mancienne, Aogo – Badlj, Jiracek – Beister, van der Vaart, Jansen – Rudnves; das ist doch ein Team, dass auch bei einem Aufsteiger bestehen könnte. Zumal die Frankfurter gewiss auch nicht unverwundbar sind, denn im Pokal haben sie sich ebenso blamiert wie der HSV. Die Eintracht verlor (mit zehn Mann) beim Zweitliga-Vertreter Erzgebirge Aue mit 0:3. Also müsste der HSV doch eigentlich nur so wie Aue spielen . . .

Wobei noch nicht sicher ist, ob der Kroate Milan Badelj überhaupt mit von der Partie wird sein können, denn der Zugang hatte sich ja beim 0:2 in Bremen einen Muskelriss zugezogen. Und von den Nationalspielern könnte sich ja auch noch morgen der eine oder andere Hamburger noch verletzen – was wir nicht hoffen wollen.
Morgen wird im Volkspark übrigens zweimal trainiert, und zwar um 10 und um 16 Uhr. Am Mittwoch wird um 16 Uhr geübt, am Donnerstag und Freitag jeweils um 10 Uhr. Und weil am Mittwoch erst nachmittags trainiert wird, fällt das geplante Frage-und-Antwort-Spiel von „Scholle“ und mir (bei „Matz ab live“) erst einmal aus. Wird aber dann doch bald schon nachgeholt. Das Moderatoren-Team sucht dafür immer noch „Moderatoren“, wer also an einem Mittwoch-Nachmittag Zeit und Lust hat, uns die Fragen zu stellen, der sollte sich bei uns (den Moderatoren) melden.

Zwei Dinge habe ich noch am Rande zu berichten (zu berichtigen?). Am Freitag schrieb ich in meinem Bericht im Hamburger Abendblatt darüber, dass mit der Wahl des zwölfköpfigen Aufsichtsrates im November 1996 „Leben in die Bude beim HSV“ kam. Verrat und Intrigen gab es seit dieser Zeit genügend – und viel zu viel. Nur das war damit gemeint. Ich weiß sehr wohl, dass es seit dieser zeit auch viele (kleinere) sportliche Erfolge gab (Start in der Champions League und in der Europa League), und dass auch in dieser Zeit das Stadion neu gebaut wurde, dass die Liga-Mannschaft von Norderstedt-Ochsenzoll in den Volkspark umzog, und, und, und. Mit „Leben in der Bude“ waren aber nur die Verräter und die Intriganten gemeint – alles klar?

Und dann gab es noch einen ganz kleinen TV-Bericht im Dritten Programm (NDR), in dem es hieß, dass ich gesagt habe, dass es für uns HSV-Reporter früher leichter gewesen ist, an die Spielerfrauen heranzukommen. Heranzukommen? Daraufhin wurde ich geflachst und gefragt, wie oft ich denn an HSV-Spielerfrauen herangekommen bin? So, wie mir diese Frage gestellt wurde, war das natürlich nicht gemeint. Es war nur so, dass Spielerfrauen damals viel, viel länger mit ihren Männern beim HSV (und in Hamburg) waren, und dass man sich deswegen untereinander auch kannte – teilweise sehr gut, dazu war man auch oft „per Du“. Das ist heute (bis auf eine Ausnahme) absolut nicht mehr möglich.

Damals aber, um mal kurz aus dem Nähkästchen zu plaudern, war das Verhältnis Spieler/Journalist auch nicht ganz so distanziert, wie heute. Da gab es auch mal die eine oder andere freundschaftliche Beziehung – alles längst vorbei. Als der junge Dietmar Beiersdorfer einst aus Fürth zum HSV gekommen ist (das war 1986) , brachte er auch seine junge Freundin Anja mit. Und eines Tages bat mich der „Didi“, mal zu seiner Anja zu fahren, die in Ottensen eine Lehrstelle als Modistin angetreten hatte. Beide, der Didi und die Anja, hatten sich verkracht, sie hatte „Schluss gemacht“ mit ihm. Beiersdorfer bat mich, mit ihr zu reden. Weil ich etwas zu früh zur Lehrstelle in Ottensen gekommen war, wartete ich bis zur Mittagspause auf Didis Freundin. Dann redeten wir, und später vertrugen sich der HSV-Profi und seine Anja auch wieder – sie heirateten später sogar (diese Ehe hielt dann aber doch nicht ganz so lange). Aber einen solchen „Schlichtungsversuch“ wird es in diesem Leben nicht mehr geben, weder von mir noch von einem anderen Reporter. Denn solche „engen“ Beziehungen sind im heutigen Profi-Fußball ganz einfach undenkbar.
Schade eigentlich. Zurückzudrehen aber gibt es da nichts mehr, das ist sicher.

18.33 Uhr

Neuzugang Scharner: “Ich will sofort helfen”

10. August 2012

„Er hat mich angeguckt, kurz überlegt – und dann gesagt: ‚So machen wir es, Trainer’“, hatte HSV-Coach Thorsten Fink erzählt. Vorausgegangen war am Montag ein 165-Minuten-Gespräch in Wien mit Paul Scharner, dem neuen Abwehrmann des HSV, der heute einen Zweijahresvertrag beim HSV unterschrieb und gleich mal einen Auftakt nach Maß hinlegte. Warum er nicht lange überlegt habe? Schlau gemacht über den HSV bei Landsleuten oder Bekannten hat er sich zudem auch nicht. „Als ich die drei Buchstaben gehört habe, musste ich nicht mehr überlegen. Der HSV ist meiner Meinung nach einer der Topklubs in der Bundesliga. Und die Bundesliga ist strukturell, von den Stadien her und den Fans die beste Liga der Welt.“

Scharner, der in England „Super-Toony“ (Super-Verrückter) genannt wurde, ist ein zweifellos eigenwilliger Typ. Einer, der bei den Fans sehr gut ankommen dürfte, da sein Spiel über den Einsatz definiert ist. Er gibt immer alles. „Ich bin bei meinen Stationen in Brann Bergen und Wigan Athletic zum Fan-Spieler des Jahres gewählt worden,“, erzählt die neue Nummer 20 (vorher Guy Demels Nummer) des HSV nicht ohne Stolz. Und das habe vor allem daran gelegen, dass er immer 100 Prozent gegeben habe. „Ich werde auch hier versuchen, die Fans zu begeistern.“ Vor allem mit Einsatz, Kampf und Willen. Scharner: „Mein erster Glaubensgedanke war, dass ich immer mehr machen muss als andere, wenn ich es als Österreicher hoch hinaus schaffen will.“ Deshalb habe er sich auch mit 15, 16 Jahren „als es mit den Mädels und den Partys losging“ von seinen damaligen Freunden komplett abgenabelt. „Als die losgingen, war ich damals immer schon im Bett.“

Mehr noch. Er habe alles dem Fußball untergeordnet. Mit 15 Jahren fing Scharner sogar an, sich parallel zum Körperlichen auch geistig fit für den Profifußball machen zu lassen. „Ich habe einen Mentaltrainer genommen“, sagt Scharner, der diesen Aspekt auch heute noch extrem wichtig nimmt. „Ich habe damals autogenes Training gemacht und trainiere mein Gehirn auch heute noch regelmäßig. Es ist genau so wichtig, den Kopf zu trainieren, wie man seinen Körper immer fit halten muss.“ Dafür begleitet Valentin Hobel den Abwehrhünen seit seinem 15. Lebensjahr. „Er ist mein Karrieremanager“, sagt Scharner, „er ist meine Vertrauensperson.“

Ihn hatte Scharner auch angerufen, unmittelbar bevor er seine Entscheidung für Hamburg fällte. Und er ist es, der Scharner offenbar großes Selbstvertrauen einimpft. „Bis jetzt komme ich recht hoch hinaus – für einen Österreicher“, lacht Scharner, „und ich traue mir noch mehrere Jahre zu.“ Bis zu seinem 34. Lebensjahr, für die kommenden zwei Jahre, hat Scharner beim HSV unterschreiben – und danach soll noch lange nicht Schluss sein. „Ich bin auf der Geburtsurkunde 32, aber ich fühle mich lange nicht so. Für mich ist mit 34, 35 Jahren noch nicht Sense.“ Wie lange genau? „Das steht in den Sternen.“

Klar ist, der HSV hat sich mit Scharner einen echten Typen geholt. Und dieser Österreicher ist anders als die Kitzbichlers, Schopps, Baurs der HSV-Geschichte. „Ein Ernst Happel bleibt indes unerreicht – auch von mir. Aber ich versuche es.“ Und das könnte zumindest insofern klappen, als dass er für den HSV eine schnelle Hilfe wird. Zumindest, wenn er seinen Worten entsprechend Taten folgen lässt. „Ich stehe für Erfahrung, Einsatz pur und 100 Prozent Professionalität“, sagt Scharner über sich selbst. Und der Vater dreier Söhne (4, 7 und 9 Jahre alt) gilt als Mann der Tat. „Ich habe eine sehr hohe Eigenmotivation.“ So habe er sich auch – zudem bestückt mit einem individualisierten Trainingsplan – allein sehr gut fithalten können. „Ich werde keine lange Akklimatisierung brauchen“, sagt Scharner, „ich bin fit und werde schnell helfen können“, sagt der mit 193 Zentimetern groß gewachsene neue Innenverteidiger des HSV. Ob er es auch schon bald darf? „Ich kann nicht von einem Fixplatz (österreichisch für Stammplatz) ausgehen, das entscheidet der Trainer. Aber ich bin bereit für das Cup-Spiel in Karlsruhe und den Saisonstart gegen Nürnberg.“

Und Scharner hat mit seinem neuen Klub noch große Ziele. „Der HSV hat eine lange Erfolgsgeschichte, auch wenn er zuletzt etwas gestrauchelt ist. Aber was nicht ist, kann noch werden. Deshalb bin ich ja da.“ Und was beim Österreicher in Schriftform arrogant rüberkommt, kommt im persönlichen Gespräch sehr viel angenehmer rüber. Es klingt eher wie eine sehr große Portion Ehrgeiz und zudem sehr hohe Ansprüche an sich selbst. Zutaten, die dieser HSV sehr gut gebrauchen kann. Denn, und das ist mehr als deutlich, nicht nur extern wird der HSV sehr kritisch gesehen. Auch die Spieler machen sich Gedanken über ihre Kaderstärke. Und mit Scharner bekommen sie einen, der – vorerst noch verbal – vorwegmarschiert. Und er will diese Führungsrolle auch einnehmen. „Ich weiß, dass der Kader extrem verjüngt worden ist von Sportchef Frank Arnesen“, so Scharner, „aber ich habe mit mehr als 200 Spielen in der Premier League meine Erfahrungen sammeln können.“ In der österreichischen Nationalmannschaft habe er seine gewünschte Rolle schon. „Das Team braucht Führungspersönlichkeiten. Und ich glaube, da passe ich gut rein.“

Und das, obwohl Scharner ganz sicher kein Angepasster ist. Im Gegenteil. Bei Austria Wien verweigerte er seinem damaligen Trainer und heutigen DFB-Nationaltrainer Jögi Löw mal die Einwechslung. Er ließ sich einfach nicht einwechseln. In England fiel er zudem durch gefärbtes Haar auf – in Vereinsfarben wohlgemerkt. Und am meisten aufgefallen ist bei ihm sein erster Einsatz in England, als er für Wigan ins Mittelfeld eingewechselt wurde und gleich den Siegtreffer markieren konnte. „Seitdem herrschte die Meinung vor, ich sei ein Mittelfeldspieler. Fast 50 Prozent meiner Spiele in der Premier League habe ich als Sechser gespielt.“ Und das wolle er in Hamburg nicht mehr. Mehr noch, er ließ es sich von Trainer Thorsten Fink im persönlichen Gespräch zusichern. „Meine Position ist in der Innenverteidigung. Es ist meine beste Position. Dafür habe ich mich entscheiden und das auch so mit dem Trainer abgesprochen.“

Im Training heute war noch nicht viel zu erkennen. Scharner hielt sich verbal noch zurück.
Und das, obwohl Ex-HSV-Frankfurts Trainer Armin Veh den Österreicher, der sich bei der Eintracht fit hielt, in den höchsten Tönen für dessen Führungsqualität gelobt hatte. „Paul hat kurz geschaut und dann Anweisungen gegeben. Er hat sofort geführt. Gut geführt.“ Dennoch beließ es Scharner heute beim Spielen. Mit einer kleinen Ausnahme. Nach genau 28 Minuten setzte er zum ersten Mal zur Sense an – und es traf Maximilian Beister, der auch einige Sekunden brauchte, um sich wieder zu sammeln. Ansonsten aber spielte Scharner ruhig und unauffällig in der B-Elf. Fink hatte zwei Mannschaften eingeteilt, die erahnen ließen, wer am Sonnabend auf Mallorca von Beginn an spielen dürfte. Scharner nicht. Noch nicht.

In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass Scharner seinen Worten Taten folgen lassen kann. Denn sollte dem so sein, haben wir eine echte Verstärkung dazugewonnen.

Bis morgen! Dann wieder mit Dieter!

Scholle

P.S.: Während Jogi Löw erneut komplett auf HSV-Spieler verzichtetet, erfuhren acht Spieler des HSV die Ehre einer Länderspielnominierung. Während Jacopo Sala (U21 Italien), Christian Norgaard (U19 Dänemark) und Maximilian Beister (U21 Deutschland) mit den U-Nationalmannschaften unterwegs sind, reisen Marcus Berg (Schweden), Jaroslav Drobny (Tschechien), Artjoms Rudnevs (Lettland), Ivo Ilicevic (Kroatien) und Muhamend Besic (Bosnien/Herzegowina) mit ihren A-Länderteams zu den Testspielen.

P.P.S.: Seit heute sind Karten für das Spiel des NTSV gegen den HSV (7. September, 18.30 Uhr am Sachsenweg) im Vorverkauf. Solltet Ihr hier Tickets haben wollen, könnt ihr diese im Adyton (Geschäftsstelle NTSV, Sachsenweg 78), bei Sport&Mode Niendorf (Tibarg 38) beziehen. Oder ihr schreibt mir und wir treffen uns beim Training.
Die Preise:
– VIP (Parkplatz, Sitzplatz, Essen und Getränke frei im überdachten VIP-Bereich): 39 Euro
– Sitzplatz Tribüne: 16 Euro
– Stehplatz: 12 Euro
– Stehplatz ermäßigt (Schüler, Studenten, Rentner): 8 Euro

Arnesen – nett, höflich und unverbindlich

2. Juni 2012

Diese Woche war ich im Osten. Erst Magdeburg, dann Leipzig. Weil ich es dort spannend finde. Nämlich zu sehen, wie sich der Osten entwickelt. Toll. Besonders Leipzig ist eindrucksvoll. Rein zufällig fand da auch das Länderspiel gegen Israel statt, und darauf werde ich auch noch kurz eingehen. Zuerst aber das Wichtigste – was ich „vor lauter Leipzig“ fast vergessen hätte:
Der Matz-abber “Altona” schrieb:

Heute erledigte ich wie immer meinen wöchentlichen Großeinkauf bei Penny in der Kieler Straße. Wie jeden Samstag wartete nach dem Einkauf der Hinz-und-Kunzt-Verkäufer neben dem Einkaufswagensammelplatz auf Käufer des Straßenmagazins. Ich gab ihm wie immer 50 Cent mit der Ausrede, dass ich das Magazin schon an anderer Stelle gekauft hätte. Der Verkäufer
entgegnete mir sofort, dass das unwahrscheinlich sei, da das aktuelle Magazin erst gestern erschienen sei und zudem diesmal übrigens 28 Seiten EM-Sonderbeilage enthielte.

Schlagfertig wie ich bin, wusste ich zu antworten, dass ich schon alles über die kommende Fußball-EM wüsste, da ich fast alle Sonderausgaben der Fußball-Presse im Zeitschriftenkiosk
Eppendorfer Weg gekauft hätte. Doch der Hinz-und Kunzt-Verkäufer gab sich noch nicht geschlagen und holte seine letzte Trumpfkarte aus dem Ärmel. „Die Ausgabe enthält auch einen zweiseitigen Artikel des bekannten Abendblatt-Sportreporters Dieter Matz”, warf er mir in der Hoffnung zu, dass ich den Namen schon einmal gehört hätte. Volltreffer. Na, da hatte er
einen gelandet.

„Ok”, meinte ich, „Sie haben mich überzeugt, ich nehme die Zeitung”. Er gab mir – korrekt wie er war, die 50 Cent zurück und ich gab ihm 2 Euro für das Magazin, dass zum Preis von 1,90 Euro angeboten wird.

Damit hatte der Verkäufer also statt 50 Cent 1,10 Euro verdient, denn von jedem verkauften Magazin dürfen die Hinz-und-Kunzt-Verkäufer einen Euro für sich behalten.

@Dieter, ich finde das einfach ganz große Klasse, dass Du Dich für sozial Schwächere engagierst. Deinen zweiseitigen Artikel habe ich natürlich gleich verschlungen, will aber nicht auf Details eingehen, vielleicht wird ja noch der eine oder andere Matz-abber neugierig und hat auch 1,90 Euro übrig. Nur soviel: Natürlich plaudert Dieter u. a. auch über den Spieler, der nach Meinung vieler Matz-abber Dieters Lieblingsspieler war . . . Ihr wisst schon, wen ich meine, oder?

Danke, lieber „Altona“, Du hast mich gerettet. Und auch ich werde mir dieses Heft von „Hinz und Kunzt“ – selbstverständlich – noch kaufen.

So, womit nun anfangen? Mit dem Erfreulichen? Genau, mit dem Erfreuliche. Der HSV verkauft Dauerkarten wie geschnitten Brot. Wahnsinn! Und großartig zugleich. Ich finde es einfach nur super, wie die HSV-Fans zum Verein, zu ihrer Raute, halten. Phänomenal! Ich hätte es nie gedacht, denn gegen Ende der vergangenen Saison blieben ja schon viele (Dauerkarten-)Plätze im Volkspark leer. Aus Protest gegen den Fußball, der dort geboten wurde. Ich kenne etliche Fans, die sich das nicht mehr antun wollten. Und nun das! Es ist unfassbar für mich, und nun hoffe ich, dass sich auch so mancher Logen-Inhaber doch noch auf seine heimliche und große Liebe besinnt – nämlich den HSV.

Wir haben doch schon so manches Tief durchlitten, und wir sind doch alle immer wiedergekommen. Jetzt, wo es ja wirklich nicht mehr schlechter geht, jetzt sollten wir zusammenstehen und gemeinsam dafür sorgen, dass es wieder bergauf geht. Der Anfang ist von euch, ihr treuen Fans, gemacht, nun heißt es auf allen Ebenen nachzusetzen, damit der Aufschwung keine Utopie bleibt.

Und ich bin nicht als Nepper, Schlepper, Bauerfänger vom Herrn Jarchow eingekauft worden, das möchte ich mal betonen, es ist meine innerste Überzeugung, dass es nur so geht, wie ich es beschrieben habe. Anders wird das nichts.

Apropos Carl-Edgar Jarchow. Seit dem Interview, das ja am Mittwoch und Donnerstag hier veröffentlicht wurde, hatte ich keinen Kontakt mehr zum HSV-Klub-Chef. Ich hoffe mal, dass alles in Ordnung war, dass es von Jarchows Seite aus keine Beanstandungen gab. Wenn, dann werde ich es ja demnächst hören. Von den Beiträgen her war es ja wohl so, dass der Mittwoch gelobt und der Donnerstag eher zerrissen wurde. Damit kann ich leben – und der Herr Jarchow liest es ja ohnehin nicht, was in Foren anonym über ihn geschrieben wird. Ich kann nur jedem, wirklich jedem Matz-abber sagen, dass Carl-Edgar Jarchow dieses Interview ganz gelassen über sich ergehen ließ, und dass er in jeder Lage auch absolut souverän war und blieb. Das habe ich schon ganz anders erlebt, deswegen von hier aus und an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank, Herr Jarchow. Und viel Glück und ein gutes Händchen für die nächste Saison. Könnten wir alle wohl ganz gut gebrauchen.

So, schnell noch zum Abstecher nach Leipzig. Es war nach langer Zeit das erste Länderspiel, das ich nur aus Jux und Dollerei besuchte, ohne arbeiten zu müssen. Was zur Folge hatte, dass ich nicht nur (gemeinsam mit Frau M.) ganz entspannt auf der Tribüne sitzen konnte, sondern auch mit vielen interessanten Leuten noch einige Worte wechseln durfte. Zum Beispiel mit gleich einigen Spielerberatern, die natürlich zahlreich vertreten waren. Und da hatte ich gleich eine ganze Batterie von Fragen, ist doch klar – so richtig privat ist man ja doch nie.

„Welche Leute kommen zum HSV? Ich möchte Namen wissen.“ Natürlich erhielt ich keine Auskunft. Da will sich niemand das Geschäft kaputtmachen lassen. Dennoch gab es einige Sachen, die mich erstaunten. Zum Beispiel fragte ich einen Herrn, was denn nun an Schalke und Rafael van der Vaart sei. Und die Antwort überraschte mich: „Schalke will zwar, aber meiner Meinung nach kann Schalke sich weder einen van der Vaart erlauben, noch einen Eljero Elia. Klappern gehört zum Handwerk, aber Schalke hat noch weniger Geld in der Kasse als der HSV . . .“ Da kam doch wieder ein wenig Hoffnung bei mir auf.

Und der HSV? Was macht der HSV? Ein Spielerberater: „Der HSV kommt nicht so recht in die Hufe. Und ich weiß nicht, woran das liegt? Sind die so unentschlossen, weil sie noch nicht wissen, welcher Spieler doch noch bleiben? Oder liegt es nur am fehlenden Geld, was ich nicht glaube? Ich weiß es nicht.“ Meine Frage, wie sich der Herr Arnesen denn so macht, wurde wie folgt beantwortet: „Er ist unglaublich nett und höflich, aber total unverbindlich. Er lässt sich nie in die Karten schauen.“ Und als das gesagt wurde, gesellte sich noch ein weiterer Spielerberater zu uns. Und der pflichtete seinem Kollegen sofort bei: „Wenn ich ihm einen Spieler anbiete, dann sagt er immer sofort: ‚Guter Mann, wirklich, das ist ein sehr guter Mann, ganz bestimmt . . .’ Aber mehr sagt er auch nicht. Und es kommt auch weiter nichts von ihm.“
Eben nett, höflich und total unverbindlich. Zum Wochenbeginn kehrt Frank Arnesen von seinem Kurz-Urlaub aus Spanien wieder zurück nach Hamburg, und dann wird er sicher weiter am HSV 2012 basteln. Wie es heißt, stehen die Vertragsverhandlungen von Marcell Jansen und Tolgay Arslan ganz oben auf dem Programmplan. Und weitere Verpflichtungen? Da gib es ja noch so viel Zeit . . .

Erst einmal ist EM. Und da gibt es ja für Bundestrainer Jogi Löw noch viele, viel Probleme. Als ich da oben auf der Leipziger Tribüne saß, dachte ich auch unwillkürlich an den HSV. Nicht deshalb, weil mit Dennis Aogo der Hamburger im DFB-Aufgebot fehlt, sondern weil es ja eine Menge Fragezeichen gibt. Fragezeichen, die auch oft in Hamburg zu sehen und zu erleben waren. Mit Schweinsteiger, Götze, Klose und Mertesacker gibt es gleich vier „Wackelkandidaten“ im DFB-Kader, alle sind auf ihre Art ein „Überraschungs-Ei“, denn niemand weiß zum jetzigen Zeitpunkt, was sie wirklich bringen werden. Mich erinnert das alles auch ein wenig an die WM 1982 in Spanien. Okay, ist schon lange her, aber damals gab es mit Karl-Heinz Rummenigge auch einen angeschlagenen Spieler, der in jedem Spiel dabei war, aber höchsten bei 70 oder 80 Prozent. Trotz allem setzte Bundestrainer Jupp Derwall immer wieder auf den Münchner – sehr zum Ärger einer Mitspieler. Und auch zum Ärger viele Fans, die nämlich glaubten, dass Deutschland mit einem Spieler, der bei 100 Prozent gewesen wäre, noch besser gewesen wäre – als mit einem Rummenigge mit 70 oder 80 Prozent.

Und jetzt gibt es gleich vier Spieler im deutschen Aufgebot, die noch nach ihrer Form suchen – weil sie längere Zeit verletzt waren. Hat Löw zu viel gewagt? Ist er ein zu großes Risiko eingegangen? Zum Beispiel der „Fall“ Götze/Draxler. Löw hat Götze mitgenommen – ich hätte es umgekehrt gemacht. Oder Schweinsteiger? Wird er der neue „Rummenigge“?
Aber gut, wir werden es nun abwarten müssen, zu ändern ist jetzt ohnehin nichts mehr.

Dennoch erinnert mich diese Problematik auch in vielen Facetten an den HSV. Als zum Beispiel Armin Veh HSV-Trainer war, hatte er einst, so um die Weihnachtszeit, die Faxen dicke. Er kündigte für das nächste Spiel an: „Ab jetzt spielen nur die Spieler, die auch in der Lage sind, 90 Minuten zu laufen und zu kämpfen.“ Sollte heißen: Keine Rücksicht auf große Namen, die eventuell angeschlagen sind oder es waren, dafür junge, hungrige und frische Kräfte rein.

Veh hatte es öffentlich angekündigt, aber was helfen alle noch so guten Vorsätze, wenn die junge, hungrigen und frischen Kräfte dann doch nicht die Erwartungen des Trainers erfüllen? Wenn es keinen HSV-Erfolg gibt? Dann verfährt (und verfuhr) jeder HSV-Trainer doch lieber so: „Was stört mich mein Geschwätz von gestern . . .“ Dann werden eben doch die älteren, erfahrenen Kräfte gebracht, egal ob sie beim 100 oder nur bei 80 Prozent sind. Denn in der Öffentlichkeit wird auch jener (HSV-)Trainer zerrissen, der große Namen draußen lässt um dann mit den unbekannten Talenten zu verlieren. Da sind dann die Experten, die Fans und auch die Journalisten, das will ich gar nicht verhehlen, unerbittlich – dann hagelt es Kritik am Trainer.

So wie es einst Armin Veh gemacht (und angekündigt) hat, so gab es in der jüngeren Vergangenheit noch manchen HSV-Coach, dem auch irgendwann einmal die Hutschnur platzte – weil die Leistungen der Arrivierten nicht stimmten. Letztlich aber sind sie alle immer wieder zu ihren namhaften Spielern zurückgekehrt, was ganz offenbar das geringere Risiko ist.

Mit Blick auf diese EM bin ich sehr gespannt, ob Löw mit Schweinsteiger, Mertesacker, Götze und Klose mehr Glück haben wird. Wer meine Meinung dazu hören (oder lesen) will: ich glaube nicht, dass das alles gutgehen wird. Aber wenn „Scholle“ das jetzt liest, wird er wieder sauer sein – weil ich stets eher Pessimist als Optimist bin.

Nun bin ich für heute schon fast wieder am Ende. Sommerpause eben. Ich habe während meiner Abwesenheit in Hamburg etliche Zuschriften erhalten, die ich entweder beantworten muss, oder die ich zu einem Thema für „Matz ab“ machen kann, darauf werde ich morgen eingehen.

Eines muss ich noch aufklären: Beim letzten „Matz ab live“ hatte ich ja ein HSV-Trikot für denjenigen User ausgelobt, der am schnellsten errät, in welchem Trikot ich dort am Tisch saß. Zwei Leute hatten dann genau zur selben Minute erraten, aber einer hatte die Lösung „Hitzelsperger“ falsch geschrieben. Ich wollte mir etwas überlegen, doch dann hat „Wortspieler“ verzichtet. „Lorenzo vom Matterhorn“, der Gewinner, sollte (so er denn will) einmal Kontakt zum Moderatoren-Team aufnehmen, damit ich weiß, wohin das HSV-Trikot zu schicken ist. Es wäre auf jeden Fall sehr nett, wenn er es denn täte. Danke dafür schon einmal vorab.

19.14 Uhr

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