Archiv für das Tag 'Veh'

Zinnbauers neuer Weg – vielleicht nicht mutig, aber richtig

23. Februar 2015

Das, was da heute auf dem Trainingsplatz zu finden war, lief in den letzten Monaten zum gleichen Zeitpunkt eigentlich gemütlich durch den Volkspark. Vom Stamm zum Reservisten – ein Schicksal, das derzeit nicht nur Rene Adler trifft. Auch Heiko Westermann und Kapitän Rafael van der Vaart mussten gegen Gladbach zunächst auf die Bank – und dabei zusehen, wie der HSV eine gute Reaktion auf die 0:8-Pleite gegen Bayern München zeigte. Nein, mehr noch: Der HSV zeigte ein gutes Spiel. Mit einem Nackenschlag in der Nachspielzeit – aber mit vielen lachenden Gesichtern am Montag. Außer bei denen auf dem Trainingsplatz natürlich…

 

Wobei, über Heiko Westermann hatten wir hier schon oft geschrieben. Der ehemalige Kapitän ist mit Sicherheit genauso enttäuscht über seine Rolle als Reservist, wie er der Mannschaft die Daumen drückt und sie unterstützt. Aber er hat momentan einfach keinen Lauf. Gestern erst vier Minuten vor Schluss eingewechselt, musste er den Ausgleichstreffer mit ansehen. Schuldlos. Und dennoch machen viele den Innenverteidiger als Mitschuldigen aus. Wahnsinn. Aber gut, Fan kommt von fanatisch – das hat mit Objektivität und Vernunft wenig zu tun.

 

Und damit hier nicht gleich wieder eine falsche Schublade geöffnet wird, auch ich war mit der Startaufstellung mehr als einverstanden. Auch ich hätte in dieser Phase auf Westermann wie auch auf van der Vaart verzichtet. Zum einen, weil sich in der Mannschaft andere Spieler zuletzt im Training (sowie Rajkovic auch in den Spielen) in den Vordergrund spielen konnten. Zinnbauer hat endlich sein Leistungsprinzip 1:1 umgesetzt – und er wurde dafür belohnt. Das war nach einem 0:8, wo jeder ausgewechselt werden kann und sich lächerlich machte, würde er pöbeln, nicht außergewöhnlich mutig, okay. Aber es war eben die richtige Entscheidung. FussballRajkovic spielte hinten (fast schon gewohnt) stark, die Außen (Ostrzolek für Marcos und Diekmeier für Götz) waren sicher, und im defensiven Mittelfeld sorgten Gojko Kacar und Petr Jiracek für Ordnung. Bis zum körperlichen Ende. Bei Kacar reichte es bis zur 86. Minute, wo er mit Krämpfen ausgewechselt werden musste. Leider. Jiracek hielt sogar bis zum Schluss durch und hatte danach noch immer so viel Feuer in sich, sich so massiv beim Schiri über die Eckstoßentscheidung aufzuregen, dass er von Mitspielern weggezogen werden musste.

Dennoch, bis zur Ecke hatte das Spiel des HSV für mich lange nicht gesehene Ordnung. Zwei Chancen zu Beginn und zwei am Ende – dazwischen stand man defensiv äußerst sicher, oftmals tatsächlich mit allen elf in der eigenen Hälfte. Dennoch schaltete die Mannschaft immer wieder schnell um, attackierte zwischendurch auch immer wieder mal offensiv. Die Mannschaft machte tatsächlich immer wieder das, was der Trainer unter der Woche so ausgiebig hatte trainieren lassen. „Ich habe lange nicht mehr so intensiv verschieben geübt“, lachte der Fast-Matchwinner Zoltan Stieber über den ungewöhnlichen Zeitpunkt für das Basistraining, „aber es hat geholfen. Wir wussten auf dem Platz alle, was wir machen mussten.“

Vor allem auch, weil Kacar und Jiracek viel sprachen, ihre Mitspieler stellten und selbst alles wegarbeiteten, was ihnen vor die Füße kam. Und während Kacar die beachtliche Leistung nach fast drei Jahren nicht in der Startelf absolvierte (Chapeau!) muss ich bei Jiracek eingestehen, dass ich mich weder an ein Spiel noch an eine Trainingseinheit erinnere, in der er mir so imponieren konnte wie gestern. Und das von Minute zu Minute mehr.

Von Beginn an war der Tscheche präsent. Zweikampfstark – und endlich auch sicher im Spielaufbau. Nachdem auch ich kaum noch daran glaubte, meine einstige Begeisterung bei seiner Verpflichtung bestätigt zu bekommen, schöpfe ich neue Hoffnung. Ich betone das, weil ich nicht übertreiben will. Es war jetzt nach Paderborn (da fand ich ihn schon gut) ein erster richtig guter Auftritt. Jiracek harmonierte mit Kacar, der aus seine Emotionen keine Mördergrube machte.

 

Wie wurde er verrissen, sogar fürs Training zu den Amateuren degradiert und von den Fans als geldgeiler Spieler abgestempelt, als er nicht wechselte, obwohl ihm der Verein selbiges immer wieder nahelegte? „Ich habe immer an meine Chance geglaubt“, so der Serbe, der in Hamburg vielleicht mehr Tiefschläge hinzunehmen hatte als ein Profiboxer in seiner gesamten Karriere. Aufgegeben hat der introvertiert wirkende Rechtsfuß dennoch nicht. Jetzt hofft er auf ein Happyend: „Ich habe immer an meine Chance geglaubt“, so der Serbe, der in Hamburg vielleicht mehr Tiefschläge hinzunehmen hatte als die meisten Boxer im Laufe ihrer Karrieren, „und das war ein sehr emotionaler Moment für mich.“


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Im Gegensatz zum Print kann ich in diesem Blog ganz persönliche Meinungen vertreten und daher sagen, dass mich das Comeback von Kacar außergewöhnlich freut. Weil er trotz aller (auch unfairen) Tiefschläge nie aufgegeben hat. Weil er ein absoluter Teamplayer ist. Weil er in jedem Training Vollgas gibt und eine Einstellung auf den Platz bringt, die vorbildlich ist. Und weil er bei allem immer fair geblieben ist. Kacar hat nie gejammert, nie gepöbelt. Stattdessen hat er jetzt bewiesen, dass er mehr kann als ihm Armin Veh, Michael Oenning, Rodolfo Cardoso, Thorsten Fink, Bert van Marwijk, Mirko Slomka zugestanden haben: Kacar kann dem HSV helfen.

 

Aber zurück zu Jiracek, dem in meinen Augen besten Mann des 1:1. Der Linksfuß, dessen Marktwert in Hamburg bislang von fünf auf gerade noch zwei Millionen Euro gefallen ist, hat sich zunächst einmal fest ins Team gespielt – da lege ich mich fest. Sofern er gesund bleibt, kann Zinnbauer für das nächste Spiel in Frankfurt nicht an ihm vorbei. Selbst wenn Valon Behrami zurückkommt.Fussball „Mit den beiden hat das richtig gut geklappt“, freute sich auch Torschütze Stieber, der von Kacar und Jiracek durchgehend gestellt und auf dem Platz gecoacht wurde. „Jira hat mir schon in der Vorbereitung viel geholfen. Das Zusammenspiel mit ihm ist für mich super, weil er mir viele gute Tipps gibt. Das passt.“ Wobei man insgesamt das Gefühl gewinnen konnte, dass es insgesamt mit dieser vergleichsweise weniger prominenten Mannschaft homogener wurde.

 

Letztlich aber möchte ich noch mal auf Rafael van der Vaart zurückkommen. Mein netter Kollege Matthias Sonnenberg forderte heute zur Ehrlichkeit ihm gegenüber auf. Ein Abschied auf Raten dürfe es nicht geben. Und ich gebe dem Sportchef der „Bild Hamburg“ in diesem Punkt auch absolut Recht für den Punkt mit der Ehrlichkeit. Denn ich glaube, dass Ehrlichkeit in diesem Fall bedeutet, dass van der Vaart zwar mit seiner Erfahrung noch sehr wichtig sein kann. Sogar entscheidend. Aber ich glaube eben – und damit schließt sich für mich an dieser Stelle der Kreis zur Diskussion am Beginn dieser Saison -, dass man mit van der Vaart besprechen sollte, dass er zumindest partiell noch gebraucht wird. In ausgewählten, besonderen Situationen. Aber ansonsten sollte man langsam den Umbruch an seiner Sollbruchstelle ansetzen. Ob letztlich mit Jiracek, und Kacar oder nach deren Rückkehr mit Behrami (trainierte heute normal mit) oder Diaz in der Zentrale – das muss Zinnbauer von Spieltag zu Spieltag entscheiden. Aber aktuell ist van der Vaart nicht mehr DER Spielgestalter.

 

Wobei, diese Rolle gibt es in der Form auch gar nicht mehr. Stattdessen setzt Zinnbauer auf Lauf- und zweikampfstärke. Stieber war auf der Zehn mit gut 13 Kilometern wieder der laufstärkste HSVer (vor Jiracek mit 12,08 km) – und er traf. „Ich hatte nicht viel Zeit nach dem schönen Pass von Rudnevs – und dann hat’s gepasst. Aber das Tor hat letztlich auch nur einen Punkt gebracht und ich habe noch einiges zu verbessern“, so der Ungar, der sich in Sachen Kritik insbesondere von seinem Bruder (selbst Profi in Ungarns erster Liga) sowie seinem Vater beraten lässt. Und obwohl er eigentlich auf der Außenbahn beheimatet war, freut er sich über die neue Rolle. Und nicht nur er. „Stiebi ist ein richtig guter Spieler, wenn er Vertrauen bekommt. Als Nummer Zehn kann er sogar Tore schießen“, lobte ihn Interimskapitän Johan Djourou nach dem Gladbach-Spiel.

 

Vieles deutet darauf hin, dass van der Vaart zum Joker avanciert. Zu einem der teuersten der Vereinsgeschichte. Die Frage ist, ob der um den HSV zweifellos außergewöhnlich verdiente Spieler diese Rolle dauerhaft annehmen kann und will. Schon deshalb hat Mathias Sonnenberg Recht: Der HSV(-Trainer) wäre sicherlich gut beraten, ehrlich mit seinem Kapitän darüber zu sprechen. Verdient hat es der Niederländer – und vielleicht wird es ja gar zu einer Win-Win-Geschichte. Zuzutrauen wäre es van der Vaart – ebenso wie Westermann – allemal…

 

In diesem Sinne, bis morgen. Da ist übrigens trainingsfrei.

 

Scholle

 

P.S.: Ivica Olic hat nur einen “kleinen Faserriss” erlitten und soll schon gegen Dortmund wieder voll dabei sein können. Das ergab eine Untersuchung in München.

Ein guter Wochenanfang

20. Oktober 2014

So richtig geheuer ist ihm das Ganze noch nicht. „Ashton ist immer ruhig, da darf man sich nicht wundern“ hatte Mannschaftskollege Fabio Morena uns bereits bei Matz ab live verraten. Und der Angesprochene bewies heute, dass Morena richtig liegt. „Ich war schon aufgeregt, habe mir aber Mühe gegeben, ruhig zu bleiben. Das ist mein Naturell“, so die kurze, gleichbleibend betonte Antwort darauf, ob er bei seiner Einwechslung gegen Hoffenheim besonders aufgeregt gewesen ist. Immerhin hatte er plötzlich keine 500 sondern knapp 50000 Zuschauer. Aber auch das spielt keine Rolle. „Der Junge hat ’nen Puls von 50“, hatte Morena gesagt, „immer. Das wird ihm in diesem Fall sicher geholfen haben.“

 

Für Abendblatt-Blogs



 

 

Okay, zumindest hat es nicht geschadet. Denn Götz machte ein ordentliches Spiel. „Er hat mich positiv überrascht“, so Matthias Ostrzolek, Götz’ Pendant auf der linken Seite der Viererkette, „dass der so cool bleibt und so schnell ankommt – großes Kompliment. Das ist nicht so einfach gewesen für ihn, zumal er noch gar nicht richtig warm war gegen eine starke Mannschaft aus Hoffenheim.“

 

Götz selbst ist zurückhaltender. Er will noch nichts feiern. „Ich freue mich natürlich, aber ich gebe mir jetzt Mühe, noch mehr zu spielen.“ Ziele habe er direkt noch nicht. „Ich nehme das alles erst einmal so mit und schaue, was da kommt. Er war schon vor Jahren unter Armin Veh am Profidebüt dran, musste dann wieder zurück in die U23, verletzte sich vergangenes Jahr mehrfach schwer. „Drei Innenbandanrisse und dann ein richtiger Bänderriss“, so Götz, warfen ihn zurück. Bis Joe Zinnbauer das Zepter in der Bundesligamannschaft übernahm und ihn von Beginn an ins Profitraining hochzog. Ob für den Jungen, der beim SC Hamm 02 groß wurde, ein Traum in Erfüllung gegangen ist? Götz schweigt. Und er grinst. Aber er sagt nichts, außer: „Mal schauen, was die Zukunft so bringt. Man weiß ja nie.“

 

Götz ist vorsichtig. Sehr vorsichtig. Anders als auf dem Platz, wo er als einer der schnellsten Spieler im HSV-Kader das Risiko suchen soll in Sachen Offensivvorstöße. Die Sicherheit dazu wird er sich wohl in den nächsten Wochen holen können. Zumindest sind die Voraussetzungen dafür gegeben. Götz hat den Trainer, der ihn schon in der U23 protegiert hat. Zudem fällt Dennis Diekmeier wohl vorerst auf seiner Position aus. Per MRT-Aufnahme wurde bei dem Rechtsverteidiger eine massive Muskelquetschung festgestellt. „Das ist bei einem Zweikampf in den ersten Minuten mit Beck passiert. Ich habe gleich gemerkt, dass da ordentlich was drin ist“, so Diekmeier, der heute seinen 25. Geburtstag feiert (Herzlichen Glückwunsch!!) „aber ich dachte, ich könnte mir den Pferdekuss mit der Zeit rauslaufen. Aber stattdessen wurde es immer schlimmer.“

 

So schlimm, dass er nach 30 Minuten raus musste – und den Platz für Götz freimachte. „Der Trainer meinte nur: ‚Mach Dein Spiel’ zu mir“, erzählte uns Götz heute, also einen Tag nachdem er eben genau diese Anweisung befolgt hatte und dafür zurecht viel Lob erntet. „Er ist auffällig solide, hat seine Zweikämpfe gewonnen und sich gleich super eingefügt“, so Ostrzolek und Heiko Westermann ergänzt: „Er hat das bewiesen, was er im Training immer andeutet: Dass er großes Potenzial hat.“

 

Und er hat eine Mannschaft, die ihm die Eingewöhnung leicht macht. Die Mannschaft steht defensiv gut, sie hat wieder Selbstvertrauen – und Teamgeist. Wenn einer einen Fehler macht, dann hat er noch seine Mannschaftskollegen, die selbigen wieder ausbügeln. Klingt logisch – war beim HSV aber lange Zeit auch anders. „Zumindest sind wir inzwischen so geschlossen als Team und stabil wie ewig nicht“, freut sich Heiko Westermann, der von dem neuen Teamgeist gegen Hoffenheim mit am meisten profitiert hat, wie er selbstkritisch hinzufügt: „Ich habe mich da ein paarmal echt dämlich angestellt“, so der Innenverteidiger, „da muss ich deutlich abgeklärter sein.“ Dass er mit 107 die meisten Ballkontakte hatte – und das als Innenverteidiger in einem Spiel, in dem sein Team nicht unter Dauerdruck stand – für Westermann nebensächlich: „Ich war trotzdem unzufrieden mit mir. Ich bin nach dem Spiel in die Kabine und habe mich bei Johan Djourou bedankt. Er war für mich da, wenn was schief ging.“ So, wie Westermann zuvor auch für Djourou.

 

Wobei in diesem Zusammenhang auch noch einmal Valon Behrami genannt werden muss, der nicht nur für mich schon längst unersetzlich ist. Auch gegen Hoffenheim ackerte der Schweizer das Mittelfeld ab und gewann (laut Statistik nur) 50% seiner Zweikämpfe. Wobei ich ehrlich gesagt das Gefühl hatte, es wären deutlich mehr gewesen. Aber gut, wichtig für den HSV war und ist der Rechtsfuß eben auch so. „Valon ist für uns hinten ein echter Stabilisator“, lobt auch Westermann den Kollegen, der es nicht selten mit einem der talentiertesten Spieler zu tun hatte, die ich in der Imtech-Arena in den letzten Monaten gesehen habe: Roberto Firmino. Zugegeben, der Brasilianer machte beim 1:1 nicht sein bestes Spiel und verlor sogar den entscheidenden Zweikampf vor dem 1:1 von Lasogga. Aber wer mal genauer hingesehen hat, der konnte erkennen, dass der Zehner der TSG nicht nur technisch auf allerhöchstem Niveau agiert sondern zudem zweikampfstark ist. „Hoffenheim hat nach den Bayern sicherloch eine der besten Offensiven in der Bundesliga derzeit“, sagt Westermann, der gerade Firmino hoch lobt: „Der Junge ist eine ganz schwere Angelegenheit. Der ist schon echt hart zu bespielen.“

 

Aber es hat geklappt. Bis auf den Pfostenkracher deutete Firmino mehr an, als er zeigte. Und auch wenn mich die Aussicht auf seine Möglichkeiten begeisterte, war ich noch begeisterter davon, wie der HSV als Team dagegenhielt und sich speziell in den zweiten 45 Minuten präsentiert hat. Das Gefühl jedenfalls, nach einem Rückstand das Spiel eigentlich schon verloren zu haben, ist bei mir gänzlich verschwunden. Sogar wenn es gegen ein Spitzenteam wie Hoffenheim geht. Unter Zinnbauer hat sich der HSV ein Selbstverständnis erarbeitet, das in Selbstvertrauen übergeht. Obgleich die Ergebnisse noch zu wünschen übriglassen. „Wir sind auf dem oft zitierten guten Weg“, so Westermann, „obgleich der Ertrag aus den letzten guten Spielen mit einem Punkt aus zwei Heimspielen natürlich enttäuschend ist, ist zu erkennen, dass sich etwas entwickelt.“ Weil die Mannschaft den Zusammenhalt entdeckt hat und endlich auch auf den Platz transportiert? „Sicherlich. So, wie wir uns im Moment präsentieren, war es hier schon Jahre nicht mehr“, freut sich Westermann, der immerhin seit 2010 im Team steht.

 

Noch nicht wieder dabei ist Maximilian Beister. Dafür aber ist er wieder in Hamburg und führt hier sein Rehaprogramm fort. Warum ich das erwähne? Weil es ein gutes Zeichen ist. Denn Maxi hatte mir vor Wochen gesagt, erst dann wieder aus Düsseldorf nach Hamburg zu reisen, wenn er sich sicher ist, körperlich im bestmöglichen Zustand zu sein – natürlich am Reha-Zeitplan gemessen. Etwas weiter ist hingegen Ivo Ilicevic, der im nächsten Mannschaftstraining am Mittwoch wieder einsteigen will. „Es fühlt sich gut an“, so der Kroate, der heute zusammen mit Rafael van der Vaart ein individuelles Programm absolvierte. Soll heißen: Auch personell gibt es weiterhin positive Tendenzen. In diesem Sinne, bis morgen! Da ist übrigens trainingsfrei.

Scholle

Beiersdorfer: „Zeigen, dass der HSV lebt!“ – und van der Vaart schwärmt von Italien

16. Oktober 2014

Joe Zinnbauer hat heute mal kräftig Tempo rausgenommen. Drei Tage vor dem Spiel gibt es weder ein spektakuläres Training noch markige Aussagen in Richtung des kommenden Gegners aus Hoffenheim. Die Fans, die sich heute Vormittag am Stadion eingefunden haben, sahen nur ein paar joggende Profis – teils wegen der Regeneration nach dem Test gestern gegen die eigen U 23 (3:0) oder den absolvierten Länderspielen, teils aus Verletzungsgründen.

(Kleiner Hinweis an die Macher von hsv.de: Schreibt es doch auf die Internet-Seite, wenn das Training nichts für Fans ist. Gerade in den Ferien kommen viele Familien extra vorbei, um ihre Idole zu sehen und Autogramme zu sammeln.)

Dabei gibt es keine weiteren personellen Sorgen zu bewältigen. Valon Behrami gab heute „grünes Licht“. Er habe das letzte EM-Qualifikationsspiel seiner Schweizer Mannschaft (4:0 in San Marino) nur aus Sicherheitsgründen verpasst. Leichte Kniebeschwerden – da war sein Einsatz gegen den Zwergstaat nicht notwendig. Für den HSV am Sonntag gegen Hoffenheim steht seinem Einsatz allerdings nichts im Weg. Schon morgen soll Behrami wieder ins Training einsteigen.

Wie wichtig Valon Behrami ist, zeigt auch die Aussage von seinem Mittelfeldkollegen Tolgay Arslan gestern in der „Sport-Bild“. Behrami sei der neue Chef in der Mannschaft, ließ Arslan wissen – und auch wenn der Schweizer selbst dazu heute nichts Weiteres beisteuern konnte und wollte (schaut Euch hierzu und zu allen anderen Themen gern den Mitschnitt der Pressekonferenz mit Valon Behrami an), spricht aus Arslans Aussage eine Menge Hochachtung für den neuen Mitspieler.

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Vielleicht ist es problematisch, wenn aus der Mannschaft heraus nach so kurzer Zeit bereits eine derartige Aussage kommt. Könnte auf den ersten Blick etwas schleimig wirken. Doch Arslans Botschaft ist ja auch der Wunsch nach Sicherheit und Halt, den es in der Vergangenheit so eben nicht gegeben hat. An der Seite seines neues Mitspielers ist Tolgay Arslan, wie ich finde, in den vergangenen Wochen gewachsen. So ähnlich war das eigentlich auch schon vor zwei Jahren, als Rafael van der Vaart zum HSV kam. Arslan ist da für eine gewisse Zeit richtig aufgeblüht und hatte Freude an der neuen Konstellation. Jetzt spürt er, dass sich wieder etwas tut – und insofern bleibt allen Fans vor allem die Hoffnung, dass der Trend nach oben länger anhält und tatsächlich auch nachhaltig ist.

Arslan ist ja solch ein Paradebeispiel für nötige Geduld mit einem Spieler aus den eigenen Reihen. Er wird ja hier auch oft sehr kritisch beurteilt und natürlich waren seine Leistungen auch oft zu schwankend. Aber: In unterschiedlichen Situationen sind die Leistungen der Profis auch unterschiedlich. Stimmt das Umfeld, und da ist der HSV – nach allem, was wir auch aus der Mannschaft in den vergangenen Wochen gehört haben – auf einem guten Weg. „Wir müssen locker sein und nicht so sehr den Druck annehmen“, sagte heute Valon Behrami. Behrami meint diesen Druck, den jeder Einzelne – ob auf dem Platz oder der Tribüne – in der jüngeren bis mittleren Vergangenheit so häufig gespürt hat, wenn ein Bundesliga-Heimspiel des HSV im Volkspark begonnen hat. Diesen Druck, der dann schnell lähmt und die Spiele zu einer Gurkerei ohne Niveau werden lässt.

Vor diesem Hintergrund ist auch der Wunsch von Vereins-Boss Dietmar Beiersdorfer fürs Hoffenheim-Spiel nachvollziehbar, den er am Montag auf der Hamburg Soiree geäußert hat. „Nein, ich habe keine Angst vor diesem Spiel. Es ist ein wunderbarer Gegner um zu beweisen, dass man im eigenen Stadion leidenschaftlich kämpft. Die Zuschauer spüren, dass es eine Mannschaft ist, die sich zerreißt. Ich hoffe, dass wir das wieder tun. Ich finde, es ist ein wunderbares Spiel um zu zeigen, dass der HSV lebt, und dass wir gewinnen wollen. Vor Dortmund haben wir ein halbes Jahr kein Spiel gewonnen. Ich habe es der Mannschaft immer wieder gesagt: Wir wollen einfach dieses Gefühl des Siegens wieder haben, dann kann man auch wunderschön leben in Hamburg. Ansonsten macht es alles keinen Spaß. Es ist nicht gut, wenn man nicht gewinnt.“

Genau 100 Tage ist Beiersdorfer morgen im Amt – welchen Einfluss er bisher genommen hat und welche Schritte eingeleitet, das ist bekannt. Nach wie vor gilt, was bei seinem Amtsantritt Anfang Juli galt: Die Hoffnung auf einen besseren HSV lastet vor allem auf seinen Schultern. Immerhin hat er sich einige Mitstreiter geholt, die eine viel versprechende Vita mitbringen. Beiersdorfer tritt, wie erwartet, vertrauensvoll auf und verfolgt einen Plan. Er nimmt Leute mit und trifft nachvollziehbare Personalentscheidungen.

Dass Wunder selten sind, stimmt allerdings auch. Rückschläge waren auch dabei ebenso wie ein Trainerwechsel und die unklare, im Hintergrund schwelende Lage rund um Investor Klaus-Michael Kühne. Entsprechende Begleiterscheinungen müssen Beiersdorfer und sein Team weiterhin schlucken, bis es dem HSV mal besser geht. Das wird auch in den kommenden 100 Tagen nicht zu ändern sein, selbst wenn der HSV dann sportlich deutlich besser dastehen sollte als aktuell.

Zur Stabilisierung würde beitragen, wenn das wirtschaftlich potente Umfeld in Person von Kühne und Karl Gernandt aus ihren Fehlern der vergangenen Wochen lernt. Ein entsprechender Effekt ist nur über die Zeitschiene zu erreichen. Das heißt: Was sie mit ihren Aussagen und Interviews, insbesondere im Juli, an Unruhe hinein gebracht haben, muss sich in den kommenden Monaten setzen und legen. So gewinnen sie Vertrauen zurück. Ankündigungen in diese Richtung hat es Montag auf der Soiree von Gernandt ja auch gegeben, wobei mir eine offenere Problematisierung seiner Doppelrolle mit möglichem Interessenkonflikt (engster Mitarbeiter von Kühne – Aufsichtsrats-Boss HSV) gefehlt hat.

Als Aufsichtsrats-Boss muss es sein Interesse sein, dass die wirtschaftliche Bewertung des HSV so hoch wie möglich ausfällt, um Anteile für so viel Geld wie machbar zu veräußern. Als rechte Hand von Kühne ist sein Interesse genau entgegen gesetzt. Ich will Karl Gernandt nichts Böses unterstellen, aber bei jedem anderen würde man sagen: Diese Konstellation ist Mist. Jedenfalls gilt auch hier, dass über die Zeitschiene Vertrauen gewonnen werden kann. Es ist ein hochsensibles Thema.

Natürlich würde auch Luft herausgehen, wenn in Zukunft weitere potente Wirtschaftsleute oder – unternehmen gefunden würden, die den HSV gleichfalls unterstützen. Ein bis zwei Partner sollen es ja demnächst sein, wie angedeutet wurde. Abwarten.

Wie Ihr in der Pressekonferenz von Trainer Joe Zinnbauer seht, hat er sich vor dem Anpfiff am Sonntag um 15.30 Uhr ziemlich zurückgehalten. Keine klare Ansage zum Einsatz von Rafael van der Vaart, auch wenn die Trainingseindrücke darauf hinweisen, dass der Kapitän seine Mannschaft nach sieben Wochen Pause wieder aufs Feld führen wird. Vielleicht ist die Zurückhaltung des Trainers ja auch nur ein Ablenkungsmanöver, weil er Hoffenheimer Spione in die Irre führen möchte. Aber auch das könnt Ihr im Stream nachverfolgen.

Mannschaftskapitän van der Vaart scheint sich in der Zwischenzeit mit einem nahenden Abschied aus Hamburg vertraut zu machen. Dem Internet-Portal nusport.nl sagte er: „Hamburg ist fantastisch, aber ich habe immer gerne neue Herausforderungen. Ich würde gerne in Italien spielen.“ Er habe nicht das Gefühl, für immer in Hamburg zu bleiben, fährt van der Vaart fort. Ältere Spieler wie Buffon, Totti und Pirlo würden dort auch in hohem Alter noch vergöttert. Sein Vertrag läuft im kommenden Sommer aus – und natürlich hat er auch die Zeichen der Zeit beim HSV erkannt. Selbst wenn es sportlich passen sollte in den kommenden Monaten, kann sich der Verein einen Rafael van der Vaart in Zukunft wohl nicht mehr leisten. Die Anschubfinanzierung von Klaus-Michael Kühne in Höhe von 25 Millionen Euro dürfte in etwa verbraucht sein (damit wäre auch Kühnes noch auszuhandelnde Beteiligung am HSV erschöpft), und mit Lewis Holtby steht der Nachfolger quasi schon unter Vertrag.

Es ist ja sowieso bitter, was sich beim Blick auf den kommenden Transfersommer ergibt. Rafael van der Vaart kann ablösefrei gehen – für ihn hat der HSV einmal 14,5 Millionen Euro hingelegt. Gojko Kacar kann gehen, der 5,5 Millionen gekostet hat. Heiko Westermanns Vertrag läuft aus – von den 7,5 Millionen Ablösesumme ist nichts mehr übrig. Dazu kommen Marcell Jansen (ehemals 8 Millionen Ablöse), Ivo Ilicevic (4 Millionen) und Slobodan Rajkovic (2,5). Mit anderen Worten: Spieler, für die der HSV im Laufe der Jahre 42 Millionen Euro an Ablösesummen ausgegeben hat, dürfen für Null gehen. Da sind alle weiteren Worte (fast) überflüssig, wobei dies natürlich nur die eine Seite der Medaille ist. In eine faire Analyse müssen auch die Beträge anderer Spieler einfließen, die der HSV für wenig Geld gekauft und für höhere Summen wieder abgeben konnte (wie Hakan Calhanoglu u.a.).

Zurück zum Tagesaktuellen: Gemeinsamer Nenner bei den beiden öffentlichen Auftritten von Führungsspieler Behrami sowie Coach Zinnbauer war ein gewisses Misstrauen was den Glauben in die eigene Konstanz angeht. Wie heute schön im Abendblatt aufbereitet, ist das Team seit eineinhalb Jahren ohne zwei Siege in Folge (Coach damals: Thorsten Fink) und schon satte vier Jahre ohne drei Dreier hintereinander (Coach damals: Armin Veh).

Kurz zur Personallage: Heiko Westermann musste wegen eines Infekts, den er sich wahrscheinlich bei seinen Kindern aufgehalst hat, heute passen, soll aber – wie Behrami – morgen ins Training einsteigen. Auch Julian Green steht nach überstandener Rippenverletzung wieder zur Verfügung, wobei der US-Nationalspieler sicher einen weiten Weg haben dürfte zurück in die Mannschaft.

Morgen wird wieder auf dem Platz trainiert, und zwar zur Spielzeit um 15.30 Uhr.

Lars
18.12 Uhr

Vier Wochen nach dem 25. Mai – jetzt ENDLICH nach vorn gucken!

22. Juni 2014

In den vergangenen Tagen, insbesondere bei der Debatte um die Äußerungen von Klaus-Michael Kühne, waren hier in den Kommentaren heiße Diskussionen entbrannt. Wer ist wofür verantwortlich? Fehlstart von HSV-Plus oder berechtigte Kritik der neuen Macher? Welche Rolle spielen Jarchow und Co. aktuell und behindern sie den Neustart?

 

In ganz großem Maße kommt darüber hinaus immer wieder der Wunsch auf nach Abrechnung mit dem aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat. Diese Abrechnung wird hier stark eingefordert, um wirklich einmal Ross und Reiter zu nennen, um mit dem Grundübel aufzuräumen und reinen Tisch zu machen, so dass die Basis gelegt ist und die neuen Leute um Dietmar Beiersdorfer am 1. Juli dann auch offiziell anfangen können.

 

Offensichtlich gibt es ein paar unterschiedliche Wahrnehmungen was die Inhalte des Blogs in den vergangenen Monaten angeht. Man kann es wertfrei auf den vereinfachten Nenner bringen: Wir, die Blogschreiber, sind der Ansicht, die Missstände genannt zu haben und auch die dahinter stehenden Namen; kritische Blog-Kommentierer bestreiten dies und bemängeln zu weichen Umgang mit den Protagonisten. Soweit, mehr oder weniger, der Status Quo.


 

Gerade die momentane Übergangsphase sorgt für Nervosität. Mal abgesehen von den Äußerungen des designierten Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt sowie dem Interview von Klaus-Michael Kühne ist wenig an die Öffentlichkeit gedrungen. Dietmar Beiersdorfer beispielsweise hält sich komplett zurück. Ansprechpartner sind nur die alten Macher, in erster Linie der Vereins-Vorsitzende Carl Jarchow und Sportchef Oliver Kreuzer. Von ihnen hören wir, dass sie eng mit Beiersdorfer und Co. in Kontakt sind und alles abgesprochen wird. Aus dem Kühne-Interview ist eine andere Perspektive herauszulesen – demnach kleben die „Alten“ an ihren Sesseln und geben ihre Positionen nicht vorzeitig auf, obwohl sie seit dem 25. Mai faktisch einer aussterbenden Spezies angehören. Wo die Wahrheit genau liegt, enge Absprache oder Dissenz, ist im Moment nicht objektiv zu bewerten.

 

Zurück zum Thema „Abrechnung“. Am Ende haben Carl Jarchow und Oliver Kreuzer die Beinahe-Katastrophe der vergangenen Saison zu verantworten, daran führt kein Weg vorbei. Es ist einfach, sie an den Pranger zu stellen, denn sie haben dafür ja auch eine Menge Angriffsflächen geboten.

 

Aber: Die Probleme des HSV liegen viel tiefer und sind mit der Opferung zweier Verantwortlicher doch nicht behoben. Das wurde in den vergangenen Jahren auf verschiedenen Positionen immer wieder punktuell versucht.

 

Der Aufsichtsrat war schuld. Also folgte auf Udo Bandow dessen Stellvertreter Horst Becker. Die Wirtschaftsweisen kamen in das Gremium, besser wurde es nicht. Irgendwann übernahm Otto Rieckhoff das Amt, dann Alexander Otto, Manfred Ertel, Jens Meier. Die „Supporters“ schienen in der Mehrheit zu sein. Und jeder war auf seine Weise erfolglos in dem Sinn, den Niedergang des Vereins in den vergangenen Jahren nicht verhindert zu haben.

 

Auch die Vorstands-Personalien, die vom Aufsichtsrat angegangen wurden, haben keine Besserung gebracht. Das Ende von Bernd Hoffmann unter großem Tohuwabohu, der regelmäßige Wechsel auf dem Sportchef-Posten. Nach zu langer Phase der Vakanz, die durch das Ende der Ära Beiersdorfer begann, sowie den Herren Siegenthaler, Reinhardt, Sammer, Arnesen und letztlich Oliver Kreuzer, die teilweise im Amt, teilweise nur Kandidaten waren, steht der HSV immer noch nicht besser da.

 

Im Bemühen, den Verfall zu stoppen, wurde immer nur ein Mann entlassen, an dessen Stelle ein anderer kam, der sich dann wie sein Vorgänger aufrieb und verbrauchte. Natürlich waren es auch immer wieder individuelle Entscheidungen und Fehler, die die Arbeit des einen oder anderen kennzeichneten. Als Quintessenz blieb doch immer nur eins: das Scheitern.

 

Ebenso auf der Trainerposition. Stevens, Jol, Labbadia, Moniz, Veh, Oenning, Fink, van Marwijk, Slomka. Das sind die Namen seit 2007. Der jeweilige Neue würde den Laden in den Griff bekommen – diese Hoffnung blieb bis heute ebenso unsterblich wie unerfüllt. Dazu passt die stete Abwärtsentwicklung im Nachwuchs-Bereich in Norderstedt. Die U-Mannschaften des HSV hinken der Konkurrenz hinterher. Viele gute Trainer haben den Verein in den vergangenen Jahren verlassen, weil die übergeordneten Sportchefs sich diesem Bereich entweder nicht richtig widmen wollten oder konnten.

 

Im Sommer 2014 ist der HSV an einem Punkt angelangt, an dem sich endlich eine Erkenntnis durchgesetzt hat, die sich durch die Ausgliederung in eine Fußball-AG dokumentiert. Es muss ein radikaler Kurswechsel des ganzen Schiffs her, nicht nur diese ständige punktuelle Verändern dieser oder jenen misslichen Personalie. Das alte Modell der Flickschusterei, des Übeltäter-Suchens, des Messias-Verpflichtens, ehe man erkennt, dass sich hinter jedem Messias doch wieder ein gescheiterter Fehlerteufel verbarg, sollte zu einem Ende kommen. Es ging und geht HSV-Plus und sicher auch den 86,9 Prozent, die sich für die Ausgliederung ausgesprochen haben, nicht mehr um den nächsten Trainerwechsel, der die Wende zum Guten nach sich ziehen müsste. Es ging ihnen nicht um die Fortsetzung des personellen Austauschs nach altem Muster, sondern um einen grundlegenden Wandel des HSV.

 

Der alte HSV war lahm und schwach geworden. Er hat sich in inneren Kämpfen aufgerieben und produzierte keine Führungskräfte, die die Kraft und Fähigkeit besaßen, alle Lecks zu schließen. Das lag in dem einen Fall an der Schwäche des Einzelnen, im anderen Fall an der Größe des Lecks, dessen Stopfung manch erfahrenen Kapitän vor eine unlösbare Aufgabe gestellt hätte. Gleichsam gaben schwache Vorstände und Aufsichtsräte gern das Alibi an, in DIESEM HSV nicht besser arbeiten zu können und sowieso vorwiegend an den Altlasten zu leiden. Auch diese Haltung wurde zu einem Teil der Abwärtsspirale.

 

Es gibt wohl keinen anderen Bundesliga-Verein, der in den vergangenen Jahren derart viele Angriffsflächen bot und der auch derart heftig angegriffen wurde. Die Schwäche der Handelnden hat gleichsam dafür gesorgt, dass kleinste Störfeuer aus dem Umfeld für einen Schlingerkurs des gesamten Gebildes sorgen konnten. Ich erinnere mich an eine Mitgliederversammlung Anfang 2010. Der Verein hatte gerade mal wieder Schlagseite und zu diesem Zeitpunkt keinen Sportdirektor. Vereins-Boss Bernd Hoffmann war schwer angeschlagen, als plötzlich Bruno Labbadia im CCH ans Rednerpult ging. Labbadia hat dort in einer Grundsatzrede versucht, den Vereins-Vorstand zu stärken. Ein einmaliger Vorgang, soweit ich weiß. Ein Angestellter versucht seinen Vorsitzenden und damit den ganzen HSV auf Kurs zu halten, weil er die Gefahr des Auseinanderdriftens erkennt. So löblich Labbadias Versuch war, so sehr zeigte er auch damals die Schwäche der Verantwortlichen im Vorstand und Aufsichtsrat, die zu einer solchen Rettungsaktion nicht in der Lage waren.

 

Im Frühjahr dieses Jahres hat Bert van Marwijk nach wenigen Monaten im Amt seine Beobachtung in Worte gefasst: „Dieser Verein ist dabei, sich selbst zu zerstören.“ Van Marwijk erhielt für diesen Satz viel Zustimmung – und es steht auf einem anderen Blatt, dass er in seiner eigentlichen Aufgabe, gelinde gesagt, nicht gerade überzeugen konnte. Die Beobachtung jedenfalls, die saß.

 

Die Idee von den Initiatoren von HSV-Plus, allen voran Otto Rieckhoff, aus dem HSV e.V. eine HSV AG zu machen, ist an sich nicht revolutionär. Ein Dutzend anderer Bundesligisten hat vor den Hamburgern seine Struktur geändert, und sich wahlweise als AG oder KG ins Handelsregister eintragen lassen. Dies ist gewissermaßen der äußere Rahmen, der womöglich klug und zeitgemäß ist, der aber vor allem die innere Neuordnung des HSV in die Wege leitet. Ein anderes Denken, keine Klüngelei mehr, Einigkeit in den Zielen – kurz gesagt alles, was der HSV in den vergangenen Jahren in seiner Gesamtheit hat vermissen lassen. Beim HSV hat all das eine ungeheure Öffentlichkeit nach sich gezogen – viel mehr als anderswo. Oder haben die „Tagesthemen“ von der Ausgliederung bei Werder Bremen berichtet? Hat „Die Zeit“ sich Eintracht Frankfurt gewidmet? Beim HSV, so die bundesweite Einschätzung, hat die gesamte Debatte eine ganz andere Dimension – es ging und geht um das Überleben des Dinos.

 

Dahinter verschwanden Bedenken in Detailfragen. Mitglieder-Rechte, die Nutzung der Raute als Marke, einzelne Paragrafen im Übernahme-Vertrag, über die vor kurzer Zeit noch ausgiebig in der Mitgliederversammlung gestritten worden wäre, wurden von der Minderheit zwar angesprochen. Doch das Bedürfnis, und auch die Notwendigkeit, nach einer Veränderung des großen Ganzen war übermächtig.

 

Jeder Einzelne der in der Vergangenheit handelnden Personen wird übrigens Professionalität, das beste Bemühen für den HSV, personelle Verbesserung für sich beanspruchen und als Ziel gesetzt haben wollen – in seiner Gänze hat sich der Verein allerdings immer mehr zerrissen. Fehlentscheidungen summierten sich und zogen sich wie in einer Todesspirale immer weiter abwärts. Somit war aus meiner Sicht fast jeder Verantwortliche des HSV in den vergangenen Jahren gleichfalls Täter, weil natürlich nicht jeder Fehler mit den Strukturen zu entschuldigen ist, und Opfer, weil dieser gesamte Verein einfach kaum steuerbar war.

 

Welche Rolle Ihr Carl Jarchow, Joachim Hilke, Oliver Kreuzer, Oliver Scheel, Jens Meier und all die anderen in diesem Zusammenhang gebt – bitte bildet Euer eigenes Urteil. Sie alle sind hier und anderswo häufig zu Wort gekommen, ebenso wie ihre Kritiker. Die Karten liegen auf dem Tisch. In diesem Sinne waren auch die Aussagen von Klaus-Michael Kühne aus meiner Sicht „too much“. Was soll diese Ungeduld? In zehn Tagen weht ein anderer Wind, und zwar auch nach Kühnes Vorstellungen. Was die Ungeduld angeht, wird Kühne übrigens ziemlich sicher noch die eine oder andere harte Probe bestehen müssen. Geduld ist nämlich mit Sicherheit gefragt, wenn es um den HSV der Zukunft geht. Rom ist nicht an einem Tag erschaffen worden, und die Aufwärtsentwicklung des HSV, die sich alle erhoffen, ganz sicher nicht. Es wird dauern, ehe tragfähige Ergebnisse zu sehen sein werden. Dietmar Beiersdorfers Eigenschaft, für Nachhaltigkeit sorgen zu können, kann dem HSV dabei helfen. Aber mal eben husch-husch im Vorbeigehen wird hier nix besser – es ist ein langer Weg zurück für den HSV.

 

Inzwischen ist eine andere Zeitrechnung angebrochen. Und zwar die von Dietmar Beiersdorfer und Karl Gernandt. Natürlich ist es irritierend, wenn in den ersten Tagen nach der Entscheidung für die AG eine Reihe diskussionswürdiger Statements Gernandts zu lesen sind und sein Chef, Klaus-Michael Kühne, im Abendblatt vom Leder zieht. Beim Trainingsstart am Mittwoch, als die Berichte über die Krankschreibung Calhanoglus sowie das Kühne-Interview in aller Munde waren, habe ich mich mit einem langjährigen HSV-Mitarbeiter unterhalten. Wir waren uns einig, dass wir darauf keine Lust mehr haben. Dass sich die ständigen Störfeuer, die mit Fußball oder einem Aufbruch nichts zu tun haben, ohne Ende nerven. Gerade dies sollte mit dem 25. Mai beendet sein, umso größer die Verwunderung, dass durch genannte Äußerungen der neuen Macher scheinbar die alte Schablone wieder sichtbar wird.

 

Aber in den kommenden Wochen, beginnend mit dem 1. Juli, werden wir klarer sehen was die Intentionen der neuen starken Männer angeht. Die größten Hoffnungen ruhen dabei natürlich auf Beiersdorfer. Es besteht nach wie vor die große Chance, dass er mit den richtigen Weichenstellungen für den Umschwung sorgt. Und die Äußerungen von Gernandt und Kühne könnten, wenn sie auch nicht vergessen werden, in einem anderen Zusammenhang erscheinen und betrachtet werden.

 

Dass Karl Gernandt sich beispielsweise seit knapp zwei Wochen öffentlich aus dem Verkehr zieht, ist ja schon als erste Reaktion auf das Echo seiner Äußerungen zu werten. Doch halt: eine große Kritik bleibt. Trainer Mirko Slomka infrage zu stellen und dies nicht klarzustellen, ist ein Riesenfehler. Slomka geht angeschlagen in die Vorbereitung, und das ist schlecht. Dass der Coach selbst sich dann noch im ersten Interview vor den Kameras schützend hinter Kühne stellt, ähnelt vom Muster her dem Auftritt Bruno Labbadias. Und dieses Muster ist das falsche. Die HSV-Mannschaft ist nach wie vor instabil, sie hat sich ja auch gegenüber der Vorsaison bislang kaum verändert. Insofern benötigt sie dringend einen starken Trainer, der nicht von oben geschwächt werden darf. Es sei denn, man will ihn wirklich kurzfristig austauschen. Überspitzt formuliert ist Slomka bereits jetzt zum Abschuss freigegeben worden.

Zuletzt hat der ehemalige HSV-Präsident Wolfgang Klein heftige Kritik an Klaus-Michael Kühne geübt. Dessen Äußerungen seien Vereins schädigend, so Klein. Sicher gibt es nicht wenige, die Kühne deswegen am liebsten zum Mond schießen würden. Doch es ist heute wir vor dem 25. Mai: Der HSV befindet sich auch in wirtschaftlicher Abhängigkeit von seinem Gönner. So gesehen herrscht eine gewisse Hassliebe zwischen HSV und Kühne – und zwar von beiden Seiten. Auch diese Hassliebe in die richtige Richtung zu lenken, ist eine Aufgabe von Dietmar Beiersdorfer. Und es wird sicher nicht seine einfachste sein.

 

Heute Mittag ist die HSV-Mannschaft Richtung Schleswig-Holstein aufgebrochen. In Bredstedt hat um 17 Uhr ein erstes Testspiel begonnen – zur Halbzeit steht es 9:0. Nachher gibt es eine sportliche Aktualisierung dieses Fußball-Abends an der Küste.

 

Der HSV jedenfalls fährt später weiter nach Glücksburg, wo eine Woche Station gemacht wird.

 

So, und WM-technisch ruhen nachher alle deutschen Hoffnungen auf Klinsi und den USA.

Sportlicher Gruß von Lars
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Erster Test viele Tore. Das ist die Kurzfassung des HSV-Spiels in Bredstedt in Schleswig-Holstein vor 1.500 Zuschauern gegen eine Nordfriesland-Auswahl. Endergebnis: 16:0.
So spielte der HSV in der 1. Halbzeit: Drobny – Diekmeier, Tah, Westermann, Jansen – Kacar, Demirbay, Jiracek – Stieber, Rudnevs, Ilicevic
Und so in der 2. Halbzeit: Brunst – Westermann, Tah, Mancienne, Jiracek – Steinmann, Arslan – Zoua, Cigerci, Derflinger – Rudnevs
Tore: 1:0 Demirbay (4.), 2:0 Kacar (13.), 3:0 Demirbay (18.), 4:0 Demirbay (20.), 5:0 Demirbay (23.), 6:0 Stieber (29.), 7:0 Demirbay (30.), 8:0 Rudnevs (36.), 9:0 Rudnevs (37.), 10:0 Tah (47.), 11:0 Cigerci (66.), 12:0 Rudnevs (70.), 13:0 Zoua (80.), 14:0 Derflinger (84.), 15:0 Steinmann (88.), 16:0 Arslan (90.)
Trainer Mirko Slomka hat vor dem Spiel kurz sein Programm fürs Trainingslager in Glücksburg in der kommenden Woche erläutert. Zwei Einheiten pro Tag stehen an der Förde an, ehe es am kommenden Sonnabend auf der Rückreise zum zweiten Test kommt gegen den ETSV Weiche Flensburg. Was seine einschneidenden Personalien angeht, berichtete Slomka von vergeblichen Versuchen, Hakan Calhanoglu am Telefon zu erreichen. Mutmaßlich, so Slomka, habe Calhanoglu seine Handynummer gewechselt. Außerdem wusste Slomka davon zu berichten, dass Pierre Michel Lasogga einige Mal das Gespräch mit dem HSV-Trainer gesucht habe. Demnach wollte sich Lasogga erkundigen, was los sei mit seinem endgültigen Wechsel zum HSV. Eine Einigung ist bis dato noch nicht zu vermelden, aber einmal mehr dokumentiert die kleine Anekdote, dass es Lasogga offenbar kaum erwarten kann, zum HSV zurückzukehren.
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Slomka hofft auf “bedingungslose Unterstützung”

6. März 2014

Fünf Minuten und 35 Sekunden lang dauerte das erste Statement am heutigen Donnerstag von Trainer Mirko Slomka. Und es war keine Brandrede. Auch kein vorbereitete Statement seine eigene Person betreffend, sondern die tatsächliche Aneinanderreihung der Verletzten und deren Prognosen für das Wochenende. „Wir wollen hier nicht jammern und uns auch nicht hinter Verletzten verstecken“, sagt der HSV-Trainer. Dabei gab es schon Trainer beim HSV, die bei weitaus weniger Verletzungspech rote Backen bekamen…




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Immerhin fallen am Wochenende Marcell Jansen – sein Bänderriss aus dem Länderspiel gegen Chile wurde bereits operiert – und Pierre-Michel Lasogga definitiv aus. Jansen sogar sechs bis acht Wochen. Und Rafael van der Vaart wird sich aller Voraussicht nach vorerst dazugesellen. „Er hatte am Mittwoch noch über 40 Fieber und muss mindestens 24 Stunden fieberfrei sein, bevor wir ihn belasten dürfen. Das wird eng.“ Stimmt. Klar sei unterdessen, dass Lasogga nicht spielen kann. Die Muskelverhärtung aus dem Training bei der A-Nationalelf sei nicht abgeklungen und das Risiko zu groß. „Wir folgen da der Empfehlung unserer medizinischen Abteilung.“

Bitter.

Zumal auch Slobodan Rajkovic, Zhi Gin Lam und Lasse Sobiech zuvor für das nächste Abstiegsendspiel gegen Frankfurt passen mussten. Und als sich Heiko Westermann heute am Trainingsende das Knie mit Eis behandeln und anschließend mit Verband vom Platz ging, schien alles Verletzungspech der Fußballwelt in Hamburg angekommen. „Ist nur ‚ne Vorsichtsmaßnahme“, gab Westermann schnell Entwarnung und sich Slomka wollte nichts wissen von einer unangenehmen Ausgangssituation.

Der Hannoveraner macht in meinen Augen alles richtig – er bleibt sich und seinem Linie treu, alles positiv anzugehen. „Es macht doch keinen Sinn, sich den Kopf zu zerbrechen, wenn man es eh nicht ändern kann“, sagt Slomka und man kann nur vermuten, wie oft er sich zuletzt bei seinen Statements auf die Lippen beißen musste. Slomka wolle nur nach vorne blicken und sich weniger mit den verletzten Spielern zu beschäftigen als mit denen, die spielen können. „Wir werden die anderen stark machen“, kündigt Slomka an. Zum Beispiel das Sechser-Duo Arslan/Badelj. „Mit Milan und Tolgay auf der Sechs haben wir schon eine besondere Klasse“, so der HSV-Trainer, ehe er auch auf den Rückkehrer Ivo Ilicevic eingeht: „Hakan ist wieder dabei, und Ivo. Das ist auch noch mal große Klasse. Da haben wir richtig Qualität.“

Die hat allerdings auch Frankfurt, obgleich der am Saisonende freiwillig dort scheidende Trainer Armin Veh immer wieder mangelnde Klasse seines Kaders moniert hatte. „Gerade offensiv ist die Eintracht stark. Die Außenverteidiger sind extrem offensiv ausgerichtet – das allein ist schon eine besondere Qualität.“ Zudem sei ein ehemaliger Hamburger zu erwähnen: „Alex Meier ist enorm kopfballstark, treffsicher und der beste Assistgeber“, so Slomka über den Mann, der in Hamburg beim HSV und beim FC St. Pauli spielte, ehe er nach Frankfurt wechselte.

Kümmern sollen sich voraussichtlich Heiko Westermann und Johan Djourou. Letztgenannter spielte für die Schweiz gegen Kroatien 90 Minuten durch. Und er blieb – das ist die beste Nachricht – unverletzt. „Johan hatte zuletzt 86 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 80 Prozent angekommene Pässe. Das sind Daten, an denen ich ihn messe.“ Ebenso Arslan, der gegen Dortmund stark spielte, allerdings zu wenig Ballbesitz hatte. „Ich habe ihm gesagt, dass er pro Spiel auf 100 Ballkontakte kommen muss. Gegen Bremen waren es schon etwas mehr, da waren es 79“, so Slomka fordernd.

Klar ist, dass der HSV am Sonnabend mit einer Mannschaft antreten wird, die so wahrscheinlich noch nie zusammen gespielt hat. Aber auch darin sieht Slomka etwas Positives. Immerhin sei so das Bewusstsein jedes einzelnen neu gefordert, sich auf seine Mitspieler einzulassen. Grundvoraussetzung bei allem Drumherum bleibt dennoch die Einstellung zum Spiel. „Es ist immer eine riesige Herausforderung, zu versuchen, die richtige Aufstellung zu finden. Zu sehen, wer bereit ist, den Weg zu gehen Und wir brauchen gegen Frankfurt eine sehr, sehr kampfstarke Mannschaft, die den Funken zum Publikum überspringen lässt.“ Denn gerade darin sieht Slomka den größten Vorteil des HSV. „Ich bin optimistisch, weil wir zu Hause spielen. Mit den Fans im Rücken spielen wir in Überzahl. Daher werden wir sie sehr gut gebrauchen.“ Angesichts des ausgerufenen Fahnentags und der Erfahrung aus der letzten Jahren behaupte ich an dieser Stelle: Diese Unterstützung wird da sein. Ein Publikum wie in Stuttgart am Mittwoch wird es nicht geben. Zumal alle um die Probleme im Kader des HSV wissen – um mal das Positive aus der besch… Verletztenmisere zu ziehen.

Fraglich ist noch, wer aus der U23 hochgezogen wird. Zuletzt hatte Francis Adomah auf der linken Seite Marcell Jansen ersetzt. Allerdings ist der 22-Jähreige mit gerade drei regionalligaspielen noch zu unerfahren, wie Slomka („Er macht sich ansonsten aber gut“) befindet. Und während ich zunächst den Verdacht hatte, er würde Jiracek im Falle einer Genesung (Slomka: „Es ist bei ihm noch sehr kritisch. Seine Muskelprobleme sind zäher als gedacht“) nach links hinten ziehen und Ilicevic davor beginnen lassen, schloss Slomka heute auch nicht aus, U23-Spieler Ashton Götz eine Chance zu geben. „Es gibt ja die eine oder andere Option. Götz ist sehr schnell. Er war zuletzt häufiger dabei und ist eines der größeren Talente aus der U23 und kann links wie rechts spielen“, so der HSV-Trainer. Aber zu viel basteln will und werde er nicht. Bliebe noch die Möglichkeit, Westermann auf die Außenbahn zu ziehen und Mancienne in der Mitte beginnen zu lassen. Wobei ich mir in dem Fall Gedanken um einen Spielaufbau von hinten aus der Viererkette (Diekmeier, Djourou, Mancienne, Westermann) heraus machen würde.

Dennoch, noch liegt ein Trainingstag vor dem HSV und es sind Rückkehrer möglich. Selbst van der Vaart ist noch nicht gänzlich abgehakt. Aber wie schon vor zwei Tagen geschrieben – es ist am Ende tatsächlich egal, wer am Wochenende aufläuft – der Weg ist eindeutig und die Tabelle lässt keine Konjunktive mehr zu. Es sind Taten gefordert. Und die Fans, in die ich momentan die vielleicht sogar größte Hoffnung lege. Ich hoffe, dass sie wieder das Gespür für die Situation entwickeln und bedingungslos applaudieren. Wie gegen Dortmund erhofft sich auch Slomka ein „Bejubeln von allen Aktion, auch von Befreiungsschlägen. Denn das hilft der Mannschaft, das gibt ihr Sicherheit“.

Und dem werde und will ich mich nicht in diesem Fall entziehen. Ich bekomme vermehrt Zuschriften, die mich darum bitten, mal nicht so kritisch mit dem HSV umzuspringen sondern zur Gemeinsamkeit aufzurufen. Und auch wenn das grundsätzlich nicht meine Aufgabe ist und auch in Zukunft nicht sein wird, mache ich in diesem so prekären Fall eine Ausnahme.

Ergo: Lasst uns bis nach Schlusspfiff am Sonnabend versuchen, all die negativen Einflüsse aus der Vereinspolitik, aus den Gremien und auch vom Platz in den Hintergrund zu schieben. Damit Ihr mich nicht falsch versteht: Ich meine nicht, dass wir sie vergessen. Das darf nicht passieren! Im Gegenteil: Ich plane schon jetzt viele Stunden und Blogs ein, in denen wir uns massiv und kritisch mit al den Fehlern der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart beschäftigen müssen.

Aber wir stellen sie so lange hintenan, wie sie für das Ziel Klassenerhalt hinderlich sein könnten. Und um zu zeigen, was ich meine, lege ich gleich mal los und versuche, aus dem Ausfall Lasoggas keine (berechtigte) Grundsatzdiskussion in Richtung Kaderplanung zu führen, wie es eigentlich logisch wäre. Vielmehr versuche ich, die Situation positiv anzugehen – mit Slomkas Worten in Richtung Lasogga-Ersatz Jacque Zoua: „Er wurde als Stürmer verpflichtet, war in Basel ein zentraler Stürmer mit der Tendenz aus den letzten Wochen, gern als Doppelspitze zu fungieren, was in dieser Systematik denkbar ist. Er ist ein sehr lauffreudiger und williger Spieler. Er hat große Lust, der Mannschaft Gutes zu tun. Wir werden diskutieren, was wir brauchen“, so Slomka, der zudem die „extreme“ Kopfballstärke Zouas hervorhob. Und auch ich werde Zoua am Wochenende bedingungslos die Daumen drücken. Ebenso wie den Tesches, Johns, Bouys und was weiß welche HSV-Profis, denen Slomka gegen Frankfurt das Vertrauen schenkt.

Und dabei belasse ich es auch. Für heute.

Bis morgen! Da wird im Übrigen unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Scholle

Verletzte ohne Ende! Kreuzer: „Es ist mühsam.“

5. März 2014

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AKTUALISIERUNG: Dem HSV klebt das Pech an den Stiefeln. Linksverteidiger Marcell Jansen musste sich in der 24. Minute des Länderspiels gegen Chile verletzt auswechseln lassen. Jansen signalisierte, dass er sich den linken Fuß umgeknickt hat. Nach dem Spiel wurde beim HSV-Profi ein Außenbandriss festgestellt, damit fällt er für Frankfurt-Spiel am Sonnabend aus – und auch darüber hinaus noch. Aktuell ist Jansen der 13. verletzte, angeschlagene bzw. kranke HSVer!
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Es kennzeichnet Mannschaften in der Abwärtsspirale, dass bei allen Problemen – schlechte Form von Leistungsträgern, individuelle Patzer, extreme Unruhe im Verein, Trainerwechsel, Geldnot – auch oft ein fataler Umstand hinzu kommt: eine Verletztenmisere.

Wer heute beim Training am Volkspark war, der tat sich schwer, allein schon in der Fantasie anhand der wackeren Verbliebenen noch eine einigermaßen schlagkräftige Elf für die Partie gegen Eintracht Frankfurt am kommenden Sonnabend zu basteln. Die Liste der Verletzten ist beim HSV aktuell auf zwölf angewachsen. Eine dramatische Zahl.

Unter ihnen sind allein sieben Spieler, die vergangenen Sonnabend bei der 0:1-Niederlage in Bremen auf dem Rasen standen. Und nur bei wenigen zeichnet sich im Moment deutlich ab, dass es noch reichen könnte für die Partie in drei Tagen im Volkspark.




Mobile Version: Matz ab nach dem Nordderby

Am schwersten wiegt der mögliche Ausfall von Pierre Michel Lasogga im Sturm. Der 22 Jahre alte Torjäger ist beim HSV nicht zu ersetzen. Eine Kernspintomografie in München und eine folgende Untersuchung bei Dr. Müller-Wohlfahrt hat bestätigt, dass Lasogga eine Verhärtung im Oberschenkel hat, die beim Training der Nationalmannschaft neu aufgebrochen ist. „Wir werden mit allen Mitteln darum kämpfen, dass er am Samstag gegen Frankfurt spielen kann“, kündigte Trainer Mirko Slomka an. Es wird allerdings ein Rennen gegen die Zeit – zum einen.

Zum anderen muss sich der Coach natürlich die Frage stellen, ob es überhaupt zu verantworten ist, wenn er Lasogga gegen die Eintracht bringt. Der Leih-Stürmer schlägt sich schon seit Wochen mit ähnlichen Verletzungen herum, die er ganz offensichtlich nie zu 100 Prozent auskuriert. Insofern würde Lasogga eine Pause guttun, auch wenn’s schwer fällt. Und auch wenn Frankfurt eine enorm wichtige Partie ist. Aber das trifft auch auf die Wochen danach zu. Oliver Kreuzer, der Sportchef, formuliert den Zwiespalt so: „Vielleicht müssen wir ein Stückweit ins Risiko gehen.“ In jedem Fall wird Lasogga noch am heutigen Mittwoch-Abend, nach seiner Rückkehr aus München, beim HSV im Stadion weiter behandelt.

Macht es also mehr Sinn, so oder so, erst für Nürnberg mit Lasogga zu planen? Wie schwer sich die anderen HSV-Angreifer tun, hat auch das heute Torschuss-Training gezeigt. Wobei: was heißt eigentlich „die anderen Stürmer“? Es gibt mit Jacques Zoua ja nur einen einzigen, der nominell in Lasoggas Rolle schlüpfen könnte. Jedenfalls ist der Kameruner, weder im Training noch im Spiel, ein echter Knipser. Wesentlich besser stellten sich heute schon Robert Tesche und Ouasim Bouy an. Doch dazu später.

Was Jacques Zoua angeht, hat der ehemalige HSV-Trainer Thorsten Fink heute eine Lanze für den Angreifer gebrochen. Fink hält Zoua, den er im Sommer vergangenen Jahres aus Basel nach Hamburg geholt hat, nach wie vor für einen guten Mann, der Anlaufzeit brauche. Aber, so Fink weiter: „Jacques ist auf jeden Fall besser als die beiden Spieler, die der HSV in der Winterpause geholt hat.“ (Ola John und Ouasim Bouy) Mehr von Zoua (in dieser Bundesliga-Saison erst ein Treffer) und Fink lest Ihr morgen im Hamburger Abendblatt.

Bei Pierre Michel Lasogga ist es neben der medizinischen auch eine Glaubensfrage des Trainers, ob er den Angreifer bringen wird. Komplett ausgeschlossen ist ein Einsatz, um mal bei den sieben aus dem Werder-Spiel zu bleiben, bei Lasse Sobiech. Der Innenverteidiger hat sich im Test gegen die eigene U 23 gestern eine Gehirnerschütterung zugezogen. Außerdem sind ihm gleich drei Zähne abgebrochen. Fünf Tage lang darf Lasse Sobiech sich nun gar nicht belasten. Gute Besserung! Sobiechs Einsatz gegen Frankfurt war allerdings ohnehin nicht vorgesehen, weil sich Mirko Slomka bereits auf sein Abwehrzentrum Djourou/Westermann festgelegt hatte.

Ganz und gar unklar ist noch, welche Mittelfeldspieler zur Verfügung stehen könnten. Rafael van der Vaart hütete auch heute mit einer Grippe das Bett. Das Trio Petr Jiracek/Hakan Calhanoglu/Ivo Ilicevic trainierte individuell mit Reha-Coach Markus Günther. Und Milan Badelj, der nach erfolgreicher Hand-OP wieder ins Training einsteigen wollte, plagen heftige Schmerzen. Dieses Quintett also muss von Tag zu Tag gucken. Am Donnerstag werden wir beim Training sehen, ob der eine oder andere zurückkehrt.

Sportchef Kreuzer hofft, dass zumindest drei der Genannten gegen Frankfurt zur Verfügung stehen. „Bei Hakan bin ich sehr optimistisch“, sagte Kreuzer. „Ich denke, das kriegen wir hin.“ Auch die Entwicklung von Petr Jiracek sei viel versprechend. „Der ist sowieso ein Kämpfer“, meint Kreuzer. Und auch Rafael van der Vaart könnte, wenn das Fieber verschwindet, ein Startelf-Kandidat sein.

Dazu kommen die Langzeitverletzten Slobodan Rajkovic, Maximilian Beister (beide Kreuzbandriss – Rajkovic wurde nicht, wie gestern vom HSV verkündet, gestern operiert – sondern erst am morgigen Donnerstag in Belgien operiert), Zhi Gin Lam (Adduktorenprpbleme), Kerem Demirbay (Bänderriss) sowie Keeper Jaroslav Drobny, dessen verletzte Wade wohl noch nicht bis Sonnabend ausgeheilt sein wird.

„Es ist ziemlich mühsam in diesen Wochen“, fasst Oliver Kreuzer zusammen. „Der Trainingsrhythmus ist auf eine harte Probe gestellt, wenn regelmäßig so viele Spieler ausfallen.“ Viel zu tun gibt es für die medizinische Abteilung des HSV, die ja in den vergangenen Wochen neu geordnet wurde. Nachdem Anfang 2012 die werbewirksam verkündete Zusammenarbeit mit dem UKE begonnen wurde, hatte Philip Catala-Lehnen die Verantwortung. Bereits unter Bert van Marwijk wurde Catala-Lehnen von einer Kapazität abgelöst, wie es in Branchen-Kreisen heißt.

Michael Joneleit, der eine Orthopädie-Praxis in Offenbach betreibt, kümmert sich um die Bundesliga-Spiele herum um die HSV-Mannschaft. Joneleit hat auch einige Jahre in der Schweiz und mit dem bekannten Sportarzt Bernd Seegesser zusammen gearbeitet. In gewisser Weise scheint der Verein also zurückzukehren zu seinem alten Modell, wonach ein Arzt sich als Vertrauensperson um die Mannschaft kümmert.

Zuletzt waren die HSV-Profis für ihre Behandlungen immer wieder zu Ärzten ihres jeweiligen Vertrauens ins ganze Bundesgebiet geflogen, um sich behandeln zu lassen. So macht dann natürlich die gesamte Zusammenarbeit mit dem UKE, die im übrigen auch sehr stark unter dem Gesichtspunkt der Kostenersparnis getroffen wurde, keinen Sinn mehr.

Nun ist also Joneleit da, und seine Aufgabe ist in gewisser Weise mit der von Mirko Slomka zu vergleichen. Sowohl medizinische Abteilung als auch Profi-Mannschaft wurde in den vergangenen Jahren personell kräftig durchgewechselt. Viele Physios, der langjährige Osteopath Thomas Marquardt, der eine oder andere Arzt sind verschwunden. Linewitsch, Niedergassel, vorher Dierk und Schwartz, die beide ja lange Jahre erfolgreich für den HSV da waren. Auch hier täte Kontinuität not.

Im Training heute wurde aus allen Lagen geschossen. Schnelles Spiel nach vorn, Flanken, Kopfbälle und Torschuss. Das hat Mirko Slomka seinen Jungs für heute ins Gebetsbuch geschrieben. Robert Tesche, der „Trainingsweltmeister“, stellte die Keeper Adler und Drobny vor größere Probleme. Auch Ouasim Bouy und –mit Abstrichen – Michael Mancienne bewiesen Treffsicherheit. Bedauerlicherweise sind alle drei nicht gerade die Hoffnungsträger für das Spiel gegen das Team des früheren HSV-Trainers Armin Veh, der sich gegen seinen alten Verein sicher einiges vorgenommen hat. Am Nachmittag war von den Jungs des HSV dann am Trainingsplatz nicht mehr viel zu sehen. Sie trainierten individuell im Kraftraum.

Heute sind noch drei HSV-Profis mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz. Marcell Jansen trifft mit Deutschland in Stuttgart auf Chile. Verteidiger Johan Djourou ist mit der Schweiz in St. Gallen gegen Kroatien im Einsatz. Und Ola John spielt für die U 21 der Niederlande in Velsen-Zuid gegen Israel. Viel Erfolg – ach, Erfolg ist egal. Verletzt Euch nicht auch noch!

Und dann wäre uns allen sicher geholfen, wenn sich die Erklärungen der Spieler nach dem Frankfurt-Spiel daran orientieren würden, was alle Zuschauer auf den Tribünen sehen und spüren. Schon in Bremen haben die HSV-Profis behauptet, sie hätten gekämpft und alles gegeben. Nein! Abstiegskampf ist mehr als das. Dem Gegner wehtun, so wie es Dortmund beim HSV erlebt hat. Einen Schritt mehr gehen, als man gehen kann. Den Schweinehund überwinden. Diese Eigenschaften stecken nicht in dieser HSV-Mannschaft, jedenfalls nicht von Haus aus. Aber sie muss es eingeimpft bekommen Tag und Nacht vor den entscheidenden Wochen dieser Saison, vor den wichtigsten Wochen der letzten 50 Jahre. Zeigt, dass Ihr keinen Millimeter preisgeben wollt gegen Eintracht Frankfurt. Ist das der Fall, gibt es eine Einheit mit dem Publikum bis zur 90. Minute, die zum Erfolg führen kann. Egal ob Rincon oder Bouy im Mittelfeld stehen, egal ob Lasogga oder Zoua stürmt. Gelingt all dies nicht gegen Eintracht Frankfurt und anschließend, dann Gute Nacht.

Einen entspannten Länderspiel-Abend wünscht
Lars

**Aktualisiert**Chapeau, “Rhinemike” – da steckt viel Wahres drin!

15. Januar 2014

Rudnevs verliehen, Westermann noch nicht wieder fit, Arslan verletzt, Diekmeier verletzt, Beister schwer verletzt und Kerem Demirbay mit Verdacht auf Bänderriss im Sprunggelenk (wird am Freitag in Hamburg genauer untersucht) – es läuft in dieser Vorbereitung nicht gut. Ganz im Gegenteil. Trainer Bert van Marwijk, der die Reisestrapazen als „nicht optimal“ bezeichnet hatte, gab seinen Profis heute sogar vom Nachmittag an bis zur Abreise morgen frei. „Ich hätte gerne noch mal trainiert, aber wir müssen realistisch sein. Wir haben mehrere Profis, bei denen unsere Docs sagen, dass ihnen eine Trainingspause gut tun würde.“

Bitter. Was für eine holprige Vorbereitung.

Einziger Lichtblick, so mein Kollege vor Ort, Kai Schiller, war Jacques Zoua, der positiv zu gefallen wusste, gestern im Test sogar doppelt traf. Und der einstige Wunschspieler von Thorsten Fink fühlt sich endlich richtig wohl. Auch positionell. „Ich mag es am meisten im Zentrum zu spielen“, so Zoua, der aber über Einsatzzeiten generell schon froh wäre und schnell nachschiebt:, „Aber ich kann auch auf den Flügeln spielen.“

Das kann auch Marcell Jansen, dem Kontakt zu Bayer Leverkusen nachgesagt wird. Inzwischen sogar inniger Kontakt. Zwar dementierten das heute nahezu alle Beteiligten – allerdings muss das nichts heißen. Zumal meinem Kollegen Kai Schiller glaubhaft versichert wurde, dass Jansen in Leverkusen schon im Wort stünde und dies familienintern verkündet hätte. Fünf Millionen Euro würde das dem HSV festgeschriebene Ablösesumme bringen – und der Linksverteidiger, der in den letzten Jahren eigentlich immer zum Kreis der Nationalelf gehörte (auch bei seiner letzten Vertragsverlängerung), kann international spielen. Soll heißen: Sollte Jansen nicht eh schon weg sein, hätte er eine momentan sehr gute Verhandlungsposition – der HSV nicht.

Aber gut, die Situation in diesem Fall passt sich nur der generellen Position des HSV an. Und die ändert sich auf Sicht nicht – es sei denn, am Sonntag wird entsprechend gewählt. Es kann der Startschuss erfolgen, indem (mindestens – und am besten nur) eine Strukturreform gewählt wird. Da die Initiative HSVPlus für mich die einzige ist, die bislang in allen Diskussionsrunden konkrete Lösungsansätze liefern konnte, ist klar, wozu ich tendiere. Denn dieser HSV braucht Sofort-Hilfe – wie gesagt, auf allen Ebenen. Und vor allem finanziell.


Passend dazu bitte ich Euch, Euch den folgenden, mit sehr vielen Wahrheiten versehenen Artikel von „rhinemike“ durchzulesen. Der Verfasser des Textes hat mir heute noch mal ausdrücklich die Erlaubnis zum Abdrucken seines Beitrages auf Transfermarkt.de gegeben und ebenso nette Worte für den Matz-ab-Blog gefunden wie in großen Teilend die HSV-Historie der letzten Jahre korrekt dargestellt. Daher auch an dieser Stelle noch einmal, Chapeau „rhinemike“! Und danke, dass ich ihn hier veröffentlichen darf. Der Text:

Hört auf Hunke!!!!

O-Ton Hunke:”Wir brauchen neue Leute! Immer hatten wir Cliquen, Gruppen von 7,8Mann, die sich zusammen gesetzt haben. Und den Verein übernahmen. Wir brauchen neue Menschen!”

Hunke sagte in der Sendung das, was ich bereits vor 3 Jahren beim HSV kritisierte. Es gibt “Vereine im Verein!” . Das bleibt bei keinem großen Verein aus. Erst recht bei Traditionsclubs, in großen Städten! *Hüstel*

Und besonders in einem so weit verzweigten Club, wie dem HSV, mit dieser Vielzahl an Abteilungen.

Wie dem HSV!

Der HSV:

Einst ein Gigant! In den 80ern mindestens auf Augenhöhe mit Bayern! Ein Name wie Donnerhall! Ein dickes, fettes Stück Bundesliga-Geschichte und tragende Säule des deutschen Fußballs! Ich habe diese Zeiten, als Kind erlebt! Und oft ehrfürchtig nach Norden geschaut!

Es war, als Stünde dort ein Riese, der den Norden dominiert und von dort alles wegfegt!
Irgendwann liefen die Bremer dann sportlich den Rang ab!
Der Riese legte sich hin, zu einem langen, langen Schlaf! Er verschwand völlig aus meiner Wahrnehmung, verkümmerte zur grauen Maus. Die Tabellenplätze wurden dauerhaft zweistellig!
Mit Ausreißern nach oben, unter Magath und Pagelsdorf.

Irgendwann kam dann Hoffmann! Wirkte unsympathisch, überheblich! Aber sehr energisch. Redete von Dingen, die ich damals nicht verstand. Die ich für Teufelswerk hielt, die im Fußball nix verloren hatten. Marketingkonzepte, Strategien, Wachstum generieren, usw.

Damals war dieses überhebliche “Unternehmensberater-Gequatsche” noch verpönt!

Aber er fand in Beierdorfer einen kongenialen Mann vor, der einen Riecher für Transfers zu haben schien! Hoffmann beschaffte die Gelder, die Beiersdorfer in Spieler investierte, die wiederum teuer verkauft wurden, usw.

Mit den beiden wuchs und wuchs der HSV wieder! Es reichte nnoch nicht für ganz oben! Aber der HSV war wieder präsent! Auch international! Und ich konnte den Kerl immer noch nicht leiden! Klar! Didi Beiersdorfer war auch beim FC! Super Typ! Mega-sympathisch! Aber dieser Hoffmann???
Ist kein Sunny-Boy! Aber er scheint was drauf zu haben. Irgendwann führten wir diese Diskussionen, wie man den Verein besser vermarktet und mehr Geld heraus holt, etc. auch beim FC. Ich beschäftigte mich natürlich zwangsläufig mit diesen Dingen. Auch in anderen Clubs. Und irgendwann habe ich den HSV um diesen Hoffmann beneidet!

Einen Macher! Keiner, der auf Person X oder Person Y Rücksicht nimmt! Einer der den Verein nach vorne bringen will. Einer der Ideen hat. Für Hoffmann waren diese Befindlichkeiten, der wachsenden “Ultrakultur” neu! Diese etablierte sich erst Am Anfang des 21. Jahrhunderts so richtig, wuchs mit dem Internet. Ebenso diese internationalen Gemeinsamkeiten wie einen Kodex, für Ultras und ein , wenn man sich stur dran hält, arg begrenztes Weltbild, welches diese “Vereinsverterter” nachbeten.

Wie dem auch sei! Hier stießen Innovation und Tradition( ich bezeichne es mal so), aufeinander!
Hoffmann war dem Verein zu schnell! Er war vielen in der Bundesliga um Jahre voraus! Das Mißtrauen, im Umfeld der Alt-HSVer wuchs! Er kam mit Dingen an, die sie befremdeten, die sie verunsicherten. Weil sie es nicht verstanden! Und das schlimmste von allen: “Er war keiner von ihnen!” Er war kein Hamburger, kein HSVer! Keine Raute im Herzen!

Er hatte keine Seilschaft!!!

Wie dem auch sei! Hoffmann beging den Fehler und trieb Beierdorfer aus dem Club! Den anerkannten Publikumsliebling, der in meiner Wahrnehmung, die meisten Lorbeeren für den bisherigen Aufstieg erntete. Damit gab sich Hoffmann selber zum Abschuß frei!

Er war ja sowieso so anders! “Ein Wirtschaftsmensch”! Einer der kühl und emotionslos daher redet. Mit wirtschaftsbezogenen Fachbegriffen um sich schmeißt! Einer der alles zu Geld machen will!

Total Anti-Ultra! Denn die haben ja diesen Kodex! Und nach dem müssen Ultras ja Kommerz scheiße finden! “Hilfe! Wir haben den leibhaftigen Satan im Verein!” Die Ultras rieben sich an ihm! Sie testeten Ihre Grenzen aus. Und so kam es, dass beim HSV, wie bei anderen Clubs auch, einige Vögel entdeckten, wozu sie in der Lage sind. Sprich Bednarek und momentan Liebnau. Stellvertretend für einige andere auch noch!

Sie haben gemerkt, wie einfach so eine straff organsisierte Gruppe zu mobilisieren, zu lenken ist! Mit ganz einfachen rhetorischen Mitteln. Ein wenig Populismus, ein wenig Demagogie! Hier etwas verzerren, dort etwas aufbauschen, am Ende etwas weglassen. Das ganze mit viel Pathos vorgetragen. Appelle an symbolische, nicht meßbare Dinge, wie Ehre, Tradition, Werte! Und schon schafft man Identifikation!

Dieses Phänomen kennen wir alle aus der Geschichte, aus der Welle, aus vielen radikalen polit. Gruppen! Eine handvoll “Führer” gibt die Parole vor, die Herde blökt sie nach! Die Inhalte sind zwar ganz andere, aber das Prinzip ist bekannt! Diese Probleme hatten auch Köln, Bayern, Schalke, usw.

Die Ultras haben gemerkt, welche Macht sie haben Alleine, über die Kurven! Aber es gibt ja noch andere Wege, die ihnen aber zunächst verschlossen blieben!

Aber es gab ja auch noch andere “Hoffmann”-Verlierer. Leute, die in seiner Ära ihr Pöstchen verloren haben. Vereinspolitische Gegner eben. Aber auch Journalisten, denen er nicht so Rede und Antwort stand, wie die feinen Herrn Lokalreporter es gewohnt waren und erwartet haben. Hoffmann wollte Professionlität! Und dazu gehört es, nicht mehr Preis zu geben, als nötig!

Ein Sakrileg in Hamburg!

Denn, ich zitiere aus Schtonk, einer der genialsten Satiren, ever:
“Hamburg ist ja DIE deutsche Pressestadt”

So wuchsen Interessengemeinschaften! Diverse Lokalreporter aportierten brav jedes Stöckchen, welches ihnen die Hoffmann-Gegner zu warfen. So kam es zu interessanten und ungeahnten Koalitionen! Dass Hunke und Ertel keine Freunde sind, ist wohl kein Geheimnis!

Hunke sieht sich als den wahren “Großen Vorsitzenden”, zumindest im AR. Ich bezweifle, dass er Ertel ernst nimmt und sich selbst wohl eher für das Maß aller Dinge hält. Ertel wiederum weiß, dass Hunke ein Narziss und Selbstdarsteller ist. Dazu ein großer Blender! Aber ein blender, der weit in die Hamburger Bürgerschaft wirkt.

Beide machten sich irgendwo das Potential der Ultras zu nutze! Was nicht schwierig war. Ertel scheint mit seiner linken Weltanschauung sowieso etwas “ultra-kompatibel” zu sein. Aber im Grunde reichte es , wie bei Hunke, einfach irgendwie gegen Hoffmann zu sein. Die Ultras waren das Stimmvieh, Bednarek, Liebnau und Co waren plötzlich wichtig. Sie wurden durch die Hintertür umworben. Es scheint, als haben sich Hunke und Ertel einfach davor geklemmt. Sie öffneten Liebnau und Bednarek wiederum Türen, die vorher für sie verschlossen waren. Der Einfluss, den jede einzelne der Parteien besaß, verschmolz!

Und fertig war die Front!

Man schoss den Vorstand nach und nach sturmfrei! Unterstützt, durch Dauerfeuer der hamburger Presse! Das gipfelte dann in der “Übernahme” durch die Hintertür. Man brachte genug eigene Leute in den AR! Genug, um Hoffmann quasi Handlunsunfähig zu machen.

Ab diesem zeitpunkt wurde der Aufsichtsrat MIßBRAUCHT! Man benutzte dieses Kontroll und Aufsichtsorgan, man pervertierte es , um von dort aus den Verein zu lenken. Bei der nächsten Wahl zogen noch mehr Leute, aus der gemeinsamen Wahl in den AR, dass er nun unter der Herrschaft Ertels, zum Machtzentrum wurde! Man hatte es geschafft! Feierte sich selbst!

Klar schlug der ehemalige AR, Rieckhoff, dann Jarchow vor! Als Interimslösung! Mangels alternativen, in dieser hektischen Zeit, konnte man nur wenige Kandidaten gewinnen. Erst recht, weil sie der “Front” gefallen mussten. So kam Jarchow ins Spiel!

Angedacht, um den HSV in dieser schwierigen Zeit auf Kurs zu halten, bis man sich auf einen “Profi”, als dauerhafte Lösung einigen könnte.

Was die Anti-Hoffmann-Fraktion übersehen, bzw. nicht bemerkt hat:

Der harte Kern der Ultras, die in diesem, von Liebnau vorgegröhlten Block sitzen, sind nicht DIE Mitglieder des HSV! Sie sind nur ein teil! Selbst alle im Stadion, über die Kurven hinaus, sind längst nicht alles. Nein! Weit über Hamburg hinaus gibt es etwa 70.000 Mitglieder und ein vielfaches an Fans! Und ebenso, wie diese Ultrakultur, wuchs im Internet eine weitere Neuerung! Diverse Foren, auf denen über Fußball diskutiert werden. Der ein oder andere weiß, was ich meine! Dort versammeln sich Fans, die nicht zwingend in der Kurve stehen, die keinem auferlegten, schrägen Kodex folgen, die kein Satzungskonformes Weltbild haben. Fans die sich ihre eigenen Meinungen bilden. Die sich nicht über ein Megafon beeinflussen lassen.
Diese Fans stellen fest, dass sie mit ihren Gedanken nicht alleine sind. und dass viele tausende andere auch der Meinung sind, dass Hoffmann eigentlich ein guter war, dass die Absetzung schäbig verlaufen ist. Und teilen ihren Frust, der aber noch immer ignoriert wird, und von oben herab abfällig abgetan wird. “Jaaa im Netz wird viel geschrieben, aber das ist alles nur Hetze und unsachlich!”

Man ignoriert das gepflegt und setzt darauf, die Ultras zu befrieden und bei allem irgendwie bei Laune zu halten! Man glaubte, es genügt, um irgendwie an der Macht zu bleiben. Wie naiv manche sich das vorgestellt haben, den Club besser zu führen, als Hoffmann, habt Ihr bei Konzepten von Hunke, Liebnau und Ertel selber gehört!

Diese Herrschaften dachten sich, wir spielen jetzt mal mit in der großen Fußballwelt!

Und dann begingen die neuen ihren dicksten Fehler! Sie haben Jarchow, einen von ihnen, der nur als Interimslösung verkauft wurde, heimlich still und leise zur Dauerlösung befördert!
Ohne Diskussion! Jarchow war pflegeleicht!

Der User, der ihn vor ein paar Tagen beschrieb, drückte vieles aus, was ich dumpf empfunden habe!
Jarchow wirkte eher wie ein biederer Verwalter! Einer der keinem weh tut. Der nur dann agiert, wenn es denn sein muss. Der , bei kritik, schön die Verantwortung weiter gibt. Gerne auch an “Hoffmann-Leute”, wie Arnesen.

Mit dem Tag der Vertragsverlängerung Jarchow´s, festigte sich die Meinung der breiten Masse! Die Fans und Mitglieder in den Foren, in den Fanclubs! Alle hatten die Schnauze voll! Die Wut festigte sich. Zu dreist, zu überheblich, zu arrogant hat diese Clique in Hamburg die Dinge an sich gerissen!

Zu dreist und arrogant ist sie aufgetreten! Mit einem unglaublich widerlichen Selbstverständnis!
Natürlich! Hätten ja auch alle anderen zu den Versammlungen kommen können. Selber Schuld!

“Wenn euch euer Verein nicht mal wert ist, einmal im Jahr nach Hamburg zu reisen, dann seid Ihr halt keine echten Fans! Dann seid Ihr Fans 2. Klasse! Krankheit, Familie, Geld, Beruf sind doch nur Ausreden und treffen nur bei einzelnen zu. Der Rest ist doch nur zu bequem!”

So schienen die neuen Verantwortlichen zu denken. So wirkten sie, bei all ihrem Handeln!

Dummerweise haben sie sich alle überschätzt! Liebnau, Ertel, Hunke, Jarchow!
Sie zeigten in der Zeit, seit dem Tag der Entlassung, spätestens, dass sie es nicht können. Sie entliessen Arnesen. Der vlt. nicht so engagiert war, wie das alle gedacht haben. Natürlich wurde er unter anderen Vorzeichen geholt. Man hat ihm mit Sicherheit andere Bedingungen versprochen.
Auch er wurde im Laufe der Zeit zermürbt.

Während dessen wuchs aber nun ein neuer “Feind” am Himmel! EOR kam plötzlich, wie aus heiterem Himmel, mit einer initiative, die nicht nur Licht am Ende des finanziellen Tunnels versprach, sondern auch Veränderungen voraus setzten, die beim HSV nichts mehr so lassen würde, wie es war.

Auch dieses wurde zunächst belächelt. Man unterschätzte die Strahlkraft! Aber das wichtigste:
Alle gegner der “Clique” fanden nun eine Stimme. Es schien, als käme da jemand , der die , bisher, nicht organisierten fans verstünde!

Es gibt nun plötzlich eine ungeahnte Opposition! Rieckhoff zog das ganze sachlich, professionell und sehr fleissig auf! Bereiste die Republik!

Endlich! Endlich etwas, worauf dieser Club seit langer Zeit gewartet hat!

Die Clique stellte nun fest, dass dort auf der JHV plötzlich ein völlig neuer Gegner auftaucht! Eine völlig neue Qualität der Mobilisierung! Diskussionen, die so differenziert waren, dass man sie von Fans eigentlich nicht so erwartet hat. Nicht diese einfach zu handelnden “Schafe”, aus dem Block, der Chosen Few! Nein! Viele, viele Fans, die aufgrund der Teilnahme an der Diskussion so gefestigt und überzeugt in ihrer Meinung sind, dass diese populistische Masche nicht mehr läuft!

Man wurde aktionistisch! Der kritische Arnesen wurde durch kreuzer ersetzt. Auch er wird sich das anders vorgestellt haben! Aber er scheint dankbar, für diese Chance zu sein.

Aber auch er konnte aus einem Esel kein Rennpferd machen! Fink wurde durch BvM ersetzt!
Toll ! Sportlicher Aufschwung! Aber einer, der schnell wieder verpuffte! Auch er wirkt desillusioniert!

Beide Personalien zeigten, dass der HSV ein Sumpf ist! Ganz deutlich! Ebenso kann man das an V.d.Vaart festmachen!

Chaosclubs bieten immer große Chancen! Ein guter Spielmacher oder ein charismatischer Trainer oder ein cleverer Sportdirektor können bei so einem Chaos manchmal der große retter sein.

Dass plötzlich ein Rädchen ins andere greift, der Erfolg zurück kommt, und der Laden läuft!

Siehe Watzke, beim BVB!
Siehe Favre bei BMG
Siehe Magath, beim VFB und in der ersten Saison beim S04!

usw.

Aber beim HSV verbrennen sie in kürzester Zeit! Es ist, als ob die Protagonisten abenteuerlustig sind und sich denken, dass sie es schon schaffen. Aber irgendwann merken sie, sie stecken in einem Sumpf. Aus dem sie nicht so schnell heraus kommen.

Die Clique merkt, dass sie ihr Pulver verschossen hat! Sie haben nur noch eine Chance, indem sie HSV+ verhindern. Das haben sie mittlerweile gemerkt!

Und so kommt es am Sonntag zu einer historischen Entscheidung!

———————-

So habe ich den HSV in den letzten Jahren wahr genommen! So habe ich seine Geschichte, seine Entwicklung erlebt! Auch, wenn es ein längerer Post ist, ist es natürlich sehr verkürzt! Ich habe mir viele, viele Gedanken über den HSV gemacht. Und das ist der Eindruck, den ich habe!

Falls ich irre, möge man mich korrigieren!

Ich wiederhole mich in der Sache, aber der HSV MUSS sich von den Cliquen, den Vereinen im Verein lösen! Ich wüsste nicht, wie das anders gehen sollte, als den Verein auszugliedern.

Eine neue Organisation und Struktur würde frischen Wind rein bringen, alte Zöpfe abschneiden.
Andernfalls wird sich nichts dauerhaft ändern. Alleine aufgrund der Durchlässigkeit der momentanen Satzung konnten immer wieder diese Leute in den Verein, die dort nichts zu suchen haben.

Kein anderer Bundesligaclub ist so transparent, wie der HSV! Es scheint so, als habe jeder, jedes AR-Mitglied, jeder Mitarbeiter der geschäftsstelle seinen “eigenen Journalisten”. Das bietet zwar für neutrale einen hohen Unterhaltungswert. Der Verein verkommt so aber zu einer Mischung aus GZSZ, Muppet-Show und Dallas. Damit muss Schluß sein!

Das ist dieses Clubs unwürdig!

Alleine damit hätte der HSV schon wieder einiges gewonnen! Nicht zu letzt Seriösität!
Wenn man dann im 2. Schritt auch gleich das finanzielle Dilemma beseitigen kann, umso besser!

Und auch nach den beiden Sendungen komme ich zum gleichen Schluß, wie der werte Herr Hunke:

“Die Cliquen müssen weg! Wir brauchen neue Leute!”

Tut ihm doch am Sonntag den Gefallen!

Ich habe versucht, mich in beide Parteien hinein zu versetzen. habe Argumente abgewogen.
Und natürlich ist der Preis beachtlich, den HSV+ manchen abverlangt!

Aber es ist mMn. existentiell unumgänglich!

Sorry, wenn ich euch nochmal mit einem längeren Post quälen musste! Aber ich musste das nochmal in Gänze reflektieren, um dann entweder korrigiert oder bestätigt zu werden.

So ist die Situation, wie ich sie in den letzten Jahren wahr genommen habe!

Gute Nacht, aus Kölle!

“rhinemike” transportiert die richtige Nachricht – Cliquen regieren seit Jahren. Und das nicht immer – sogar immer weniger! – zum Wohle des Vereins. Der Aufsichtsrat macht dies augenscheinlich, und auch in der oft zitierten Ära Hoffmann/Beiersdorfer ist das der Grund fürs Scheitern gewesen. Dass in dem Beitrag jetzt nicht alles so war und ich auch die Rollen einzelner nicht so dramatisch beurteilen würde, wie er – so what…?! Das eigentliche Übel hat “rhinemike” erkannt.

Und das war, sowas wird mir trotz allem noch immer von einigen nachgesagt, ganz sicher auch nicht Bernd Hoffmann. Im Gegenteil. Ich habe immer gesagt, dass er und Beiersdorfer im Duett genau das waren, was diesen HSV auf Jahre nach vorn hätte bringen können. Aber leider vertrugen sich beide nicht. Beiersdorfer warf Hoffmann vor, ihn zu hintergehen, ihn zu mobben und aus wichtigen Entscheidungen bewusst auszugrenzen. Hoffmann wiederum kritisierte Beiersdorfers Arbeitsweise. Beiersdorfer war für Hoffmann zu langsam, zu glanzlos. Hoffmann wollte es selbst machen und entscheiden. Und so kam es wie in allen anderen sozialen Schichten auch möglich, zum Zerwürfnis der beiden. Es war ein Ende aus persönlichen Gründen. Es ging einfach nichts mehr – leider anschließend auch nicht mehr für den HSV.

Immer wieder höre ich von Spielern aus der Zeit (2009), dass Bruno Labbadia ein richtig guter Trainer war. Ich weiß, das sieht Dieter anders und auch ich hatte meine Probleme mit Labbadias Trainingsarbeit. Aber letztlich muss man eingestehen, dass der HSV unter Labbadia hervorragenden, attraktiven Fußball spielte. Vielleicht am Anfang sogar den schönsten der letzten 25 Jahre. Und hätte Labbadia, der als bissig und ziemlich beratungsresistent gilt, in dieser Phase einen beruhigenden, erfahrenen Sportchef wie Beiersdorfer an seiner Seite gehabt – er hätte viele interne Machtkämpfe nicht kämpfen müssen und sich mehr auf seine Kernkompetenz konzentrieren können – auf die Mannschaft. Ich bin mir bis heute absolut sicher, mit Beiersdorfer wäre es besser gelaufen.

Aber okay, ich bin schon wieder beim “hätte, wenn und aber” – es ist leider nicht so gekommen.

Im Übrigen, selbst wenn mir jemand nicht sympathisch ist – und davon gab’s in den letzten 15 Berufsjahren einige, wie Ihr Euch denken könnt, ich hatte und habe nicht das Bedürfnis, ihm bewusst zu schaden. In diesem Punkt muss ich “rhinemike” widersprechen. Auch aktuell gibt es einige im HSV, die mir alles andere als sympatisch sind – dies aber m.M.n. auch nicht sein müssen. Solange sie aus meiner Sicht einen guten Job machen, schreibe ich das. Wenn ich irgendwann der Meinung bin, dass die jeweiligen Personen – selbst wenn ich sie persönlich noch so sehr schätze – nicht mehr gut arbeiten, schreibe ich auch das. Um nur ein paar Beispiele zu bringen, fragt doch mal bei Bastian Reinhardt, Holger Hieronymus (den ich heute sehr gern wieder in einer verantwortungsvollen Position beim HSV sehen würde), Jörg Butt, Frank Pagelsdorf, Armin Veh u.s.w. nach… Das sind alles Leute, die ich noch heute sehr schätze, zu denen ich seit ihrem Ausscheiden beim HSV teilweise sogar freundschaftsähnliche Verhältnisse pflege. Aber es sind eben auch Leute, bei denen ich irgendwann das Gefühl hatte, dass es mit ihnen und vor allem auch durch sie beim HSV nicht mehr voranging. So habe ich es zu den verschiedenen Zeitpunkten auch geschrieben – und bin damit nichts besonderes. Ich behaupte sogar, das machen 98 Prozent meiner Kollegen “Lokalreporter” nicht anders.

Aber ich komme vom eigentlichen Thema ab – und das hat “rhinemike” heute sensationell dargestellt: Dieser HSV muss sich neu aufstellen. Strukturell, personell, finanziell und sportlich ist man derzeit kaum mehr konkurrenzfähig und riskiert viel. Zu viel sogar. Daher sehe ich den durchaus lobenswerten Gedanken von Eckart Westphalen, die Konzeptträger sollten mehr Zeit bekommen, einen Konsens zu finden, als fahrlässig an. Es wird keinen Konsens zwischen den verschiedenen Strukturen mehr geben, wie Otto Rieckhoff im Sportforum sowie im Interview danach deutlich gesagt hatte. Und das wird sich auch am Sonntag zeigen.

Nein, dieser HSV braucht jetzt eine klare Entscheidung, einen neuen Weg. Einen besseren. Vielleicht haben wir dann ja die Möglichkeit, den 19. Januar 2024 als zehnjähriges Jubiläum für eben jenen Tag zu feuern, an dem eine neue, bessere Ära eingeläutet wurde.

ich hoffe es. Sehr sogar.

Also noch einmal: Geht am Sonntag ins CCH. Geht wählen! Der HSV braucht Euch.

Scholle

Van Marwijks Kampf gegen Windmühlen

13. Dezember 2013

Ganz schön viel Rauch heute, der abziehen musste über dem Volkspark. Es war zwar nur eine kleine „Wutrede“ gestern von Trainer Bert van Marwijk, aber doch immerhin viel größer als erwartet. Als generell von ihm erwartet, als zu diesem Zeitpunkt erwartet. Gestern hat Dieter hier schon im Wortlaut alles wieder gegeben, was der niederländische Trainer loswerden musste. Auch die Zeitungen waren voll. Kritik an der Mannschaft, an der Mentalität, Disziplin soll Einzug halten, seine erste Abrechnung und so weiter.

Klar, dass van Marwijks Worte in erster Linie auf die Mannschaft treffen. Sie setzen ja auch um, bzw. setzen eben gerade nicht um, was vorgegeben ist. Auf dem Platz ist allwöchentlich sichtbar, in Toren messbar, wie gut und schlecht sie arbeiten. Schon seit Jahren, habe ich heute wiederholt gehört, stecke ja solch eine Sch…-Mentalität in der HSV-Mannschaft, die wir dann alle vergangenen Sonnabend beim 0:1 gegen Augsburg bewundern konnten. Wohlfühlgesellschaft, Gucci hier, Gucci da. Mag sein.
Matz_ab_ankuendigung_1730_Uhr
Ich habe jetzt aber nicht schon wieder Lust, mich mit dieser oder jener Schwäche eines Spieler oder einen Trainers zu beschäftigen. Wie viele Trainer will der HSV noch verschleißen, wie viele Spieler kaufen, weil gedacht wird, hier kommt der richtige für eine goldene Zukunft, um sie dann irgendwann wieder zu verscherbeln und einen nächsten Umbruch zu starten? Ich behaupte: die Trainer und Spieler, die der HSV in den vergangenen Jahren durchgeschleust hat, sind und waren im Schnitt nicht schlechter als bei vergleichbaren Bundesliga-Vereinen. Sportlich nicht, aber auch nicht von der Einstellung und Bereitschaft, sich für den Beruf und den Verein zu opfern.


Aber: das Ganze funktioniert nicht einseitig. Nie und nimmer. Es muss immer auch eine Instanz geben, die darüber steht und entsprechende Leistung einfordert. Diese Führung muss vorhanden sein, es muss eine Leitlinie geben, einen Gedanken, für den der Verein steht. Identifikation muss geschaffen werden. Es genügt nicht, nach desaströsen Leistungen auf die Gehaltsabrechnung zu verweisen und zu meinen, mit ihren Millionen-Gagen sei den Profis Motivation genug an die Hand gegeben. Das Problem ist: fehlt die Führung, dann treten die Schwächen in den Menschen, in diesem Fall den Profis, hervor. Dann werden aus Musterprofis beim FC XY bequeme Profis beim HSV. Automatisch.

Die großen Gagen gibt es nämlich anderswo auch. Es muss mehr dazu kommen. Zumindest ein bisschen von dem, was die Fans und Anhänger des Vereins mit ins Stadion tragen, wenn sie ein Spiel des HSV sehen. Eine HSV-Identität muss mit dabei sein, ein Ziel – jenseits vom schnöden Mammon – für das sich der Einsatz lohnt. Ein Bundesligaspieler ist nicht dann besser als sein Gegenspieler, wenn er statt 1,2 nun 1,3 Millionen Euro verdient. Begeisterung, Motivation, Identifikation – das muss da sein.

Die Erfolgsgeschichte eines jeden Clubs, der gerade obenauf ist, besitzt Puzzleteile dieses Phänomens. In Freiburg war es so (auf andere Art, weil der Verein kleiner ist), in Dortmund ist es so im großen Rahmen, bei Werder war es so jahrelang, und bei den Bayern klappt es in Blockbuster-Manier.

Es ist ein jahrelanges Missverständnis beim HSV, dass immer der jeweilige Trainer verantwortlich gemacht wird, wenn die Vermittlung dieser Werte nicht gelingt. In diesen Tagen habe ich von hohen Herren auch wieder gehört, van Marwijk habe keine große Zukunft beim HSV, wenn er sich abkanzelt und im Hotel wohnt. Wenn er die Mannschaft, den Verein kritisiert wie gestern, und dadurch Distanz zeigt. Dieser Gedanke, denke ich, greift zu kurz. Auch der Trainer muss als Teil begriffen werden, in den Begeisterung von oben, von Führungsseite, vom Verein eingepflanzt wird. Pathetisch gesagt ein Ideal, für das es sich zu kämpfen lohnt, und das alle beim HSV haben müssen.

Wann hat der HSV in den letzten Jahren mal richtige Begeisterung entfacht? Mir fällt da die Zeit ein von 2004 bis 2005, als Thomas Doll das Traineramt übernommen hat. Hier war plötzlich eine Figur, die den HSV gelebt hat. Er hat den Club, die Stadt mitgerissen. Emotional war das die heißeste Phase des Clubs in den letzten 20 Jahren. Natürlich – es gab Herzkasper-Spiele zu anderen Zeiten. Es gab ein 4:4 gegen Juventus, es gab europäische Halbfinals. Aber die große Aufbruch-Stimmung, die Freude am HSV, die gab es durch begeisterte und dadurch begeisternde Figuren oben. Doll war als Trainer solch eine Figur (abgesehen davon auch noch ein sehr guter Coach), und hat damit im Prinzip eine Aufgabe übernommen, die eine Etage über ihm noch stärker hätte gelebt werden müssen. Aber: er ist auch von einer anderen HSV-Figur, Dietmar Beiersdorfer, eingesetzt worden. Mit anderen Worten: hier war die Vereins-Verbundenheit durchlässig und hat sich schließlich auf die Mannschaft übertragen.

Bert van Marwijk hat nun erkannt, dass dieser Verein eine bestimmte Krankheit hat. Er nannte es Zufriedenheit, man könnte es auch eine Schlafkrankheit nennen. Das „Erfolglos-Syndrom“. Es kommt nicht vom Trainer, und ich fürchte, auch van Marwijk könnte sich daran überheben – so wie sich Fink, Veh und andere überhoben haben. Ja aber, werden jetzt viele sagen, der Fink hat dies und das falsch gemacht. Der Veh hat doch gar kein Feuer gehabt. Der Labbadia sich nicht mit der Mannschaft verstanden.

Ich habe mit Armin Veh einmal, es war kurz vor seinem freiwilligen-unfreiwilligen Ende beim HSV, über die Situation des Clubs gesprochen. Wir sind alles durchgegangen, von oben bis unten. Vor allem oben natürlich, denn da setzen die Schwächen an. „Es ist ein Wahnsinn“, hat der Veh immer wieder gesagt, wenn es zum Aufsichtsrat kam. Unter diesen Bedingungen hat er Fehler gemacht, die Mannschaft ist ihm aus der Hand geglitten. So hat auch Thorsten Fink sein Feuer mitgebracht nach Hamburg – und als es erloschen war, sind ihm ebenfalls Fehler unterlaufen. Der HSV hat sie alle geschafft.

Zurück zu Veh. Als er dann entlassen wurde, habe ich damaligen Amtsinhabern empfohlen, einmal das Gespräch mit Veh zu suchen. Es bestand ja nun kein Anstellungsverhältnis mehr, vielleicht hätte ein unabhängiger Austausch ja mal geholfen, die Augen zu öffnen. Das Interesse von HSV-Seite war gering, denn Veh wurden immer nur und immer wieder seine Unzulänglichkeiten vorgeworfen.

Alle nicht gut genug für den HSV. Der Veh zu faul. Der Fink nur auf dem Weg zur Familie nach München. Der Jol hatte immer seine holländischen Freunde in der Kabine, und der Oenning war ja nur ein Nachwuchs-Trainer. Ich kann das alles nicht mehr hören und sehen.


Vor ein paar Monaten, es war ausgerechnet nach dem 2:9 bei den Bayern, habe ich einmal einen Kommentar zur Lage des HSV gemacht. Ein Vorschlag für eine bessere Spitze war: Beiersdorfer zum Präsident, Hoogma ins Management, Rost und Barbarez dazu, Uli Stein als Torwarttrainer – und guckt doch mal, was der Beinlich macht und wie man den Hrubesch doch noch mal endlich kriegen kann. Der Text wurde damals auch bei einer Veranstaltung der HSV-Senioren vorgelesen. Mir wurde von höhnischem Gelächter berichtet.

Klar, kann man drüber lachen – wie soll das auch gehen? Und überhaupt: dieses ewig-gestrige mit den 83ern, oder wie? Mir ging es und geht es jetzt um den Gedanken, der dahinter steckt. Um den HSV. Um Figuren, die diesen Verein verkörpern und nach außen tragen und die eine emotionale Bindung mitgeben, die – richtig vorgelebt – dann auch irgendwann mal auf dem Rasen ankommt.

Jeder kann sich selbst überlegen, ob im aktuellen Vorstand und Aufsichtsrat diese Figuren sind, und ob sie kommen würden bei den aktuellen Strukturen. Oder ob von Heesen, Hieronymus, Jakobs und andere mit ihren Verbindungen mehr davon bieten. Oder Hunke. Oder ob Ertel, Liebnau und Co. für den richtigen Weg stehen. Die Frage, ob ein strategischer Partner am 20. Januar, am Tag nach der Mitgliederversammlung, unter „HSV-PLUS“-Voraussetzungen da steht und mit einem Scheck wedelt, ist da erstmal zweitrangig. Es braucht ein Modell, in dem Leistungsfußball mit HSV-Identität gefördert wird. Mit all seinen Gesichtern und Geschichten. Alles in eine Richtung. In eine Richtung!!!

Damit nämlich Calhanoglu, Beister und Tah ihre erfolgreiche Zukunft in Hamburg haben werden, und nicht anderswo. Auch und gerade diese Jungs brauchen etwas, woran sie sich halten können – das Verbindende des HSV. Wenn sie merken, dass der Trainer – im Moment van Marwijk – wie sie selbst in dem wackeligen Boot sitzt und nach Orientierung sucht, dann sind sie so schnell verschwunden wie einige andere vor ihnen.

Zum Training heute. Personell hat sich nicht viel getan. Der Kader ist wie erwartet, so dass van Marwijk morgen in München folgende Elf aufbieten könnte:
Drobny – Rincon, Tah, Djourou, Jansen – Badelj, Arslan – Zoua, van der Vaart, Calhanoglu – Lasogga.

Jacques Zoua steht also mal wieder in der Startelf und vertritt den Gelb-gesperrten Maxi Beister. In der heutigen, kurzen Presserunde hat Zoua verraten, dass er schon zwei Mal gegen den FC Bayern gespielt hat. In der Champions-League-Saison 2011/2012 wurde er jeweils eingewechselt – beim Hinspiel in Basel (1:0) und beim Rückspiel in München (0:7). Heute sagte der Kameruner: „Ich versuche, das Spiel gegen die Bayern wie jedes andere Bundesliga-Spiel zu sehen. Natürlich wird es schwer, aber wir versuchen alles.“

Die Bayern müssen auf Boateng (fünfte Gelbe Karte) verzichten, und nach wie vor auf Robben und Schweinsteiger. Alaba, so heißt es aus München, könnte auf der linken Verteidiger-Position durch Contento ersetzt werden. Das wäre dann der Gegenspieler von Jacques Zoua.

Hoffnung für den HSV: Claudio Pizarro kommt wohl zunächst von der Ersatzbank. Im März schoss er vier Tore gegen den HSV. Insgesamt hat er in 21 Spielen gegen Hamburg 18 Tore erzielt. Eine unfassbare Quote.

Für den HSV geht es darum, sich anständig aus der Affäre zu ziehen. Das wäre völlig okay. An den Bayern haben sich dieses Jahr auch Barca und andere die Zähne ausgebissen. Dieser Fußball-Sonnabend, denke ich, bietet unabhängig vom Ausgang des Spiels keinen Anlass für Hohn und Spott.

Bei Oliver Scheel sind inzwischen die ersten Anträge eingegangen für die Mitgliederversammlung. „HSV-PLUS“ von Otto Rieckhoff, „Tradition mit Zukunft“ von Jürgen Hunke, „Rautenherz“ liegen vor. Außerdem viele Einzelanträge, unter anderem die Idee, eine Stiftung zu gründen. Die Anträge der „HSV-Reform“ werden bis zum Fristende am Sonntagabend auf der Geschäftsstelle des HSV erwartet.

Dieter und Scholle erwarten Euch nach dem Abpfiff des Bayern-Spiels zu „Matz ab live“. Ein Gast wird der Niendorfer Ex-HSV-Profi Alexander Laas sein.
Bis dahin
Lars

P.S.: Das DFB-Pokalspiel gegen Bayern München steigt am Mittwoch, 12. Februar 2014, um 20.30 Uhr und wird sowohl in der ARD als auch auf Sky gezeigt. Und: In der Vorbereitung auf die Fußball-WM in Brasilien spielt die deutsche Nationalmannschaft am 13. Mai in der imtech-Arena gegen Polen.

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