Archiv für das Tag 'Veh'

Frankfurt wird nervös . . .

17. Mai 2013

Spannend wird es auf jeden Fall. Vielleicht sogar dramatisch. Und wenn es in Hamburg und Frankfurt lange Zeit 0:0 steht, dann wird mit jeder Minute mehr eine ganz besondere Atmosphäre in beiden Stadien herrschen. Dann gibt es eventuell ein Herzschlag-Finale. Und geht es nach dem Computer der Sport-Bild, dann wird an diesem Sonnabend ganz – oder auf jeden Fall fast ganz – Hamburg jubeln. Wer sich erinnert: Vor Wochen, Ende März, hatte die Sport-Bild die letzten Bundesliga-Spieltag tippen lassen. Von Udo Lattek und von Experten aus dem Wettbüros. Und vom eigenen Computer, Der SB-Computer hatte den HSV zwar letztlich auf Rang zehn einlaufen lassen (sich also „leicht“ geirrt), aber immerhin hat er für morgen folgende Spielausgänge getippt: Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 2:3, HSV – Bayer Leverkusen 3:1. Was will der Hamburger mehr?

Übrigens: Die Experten von Tipico haben den HSV auf Rang sechs einlaufen lassen, die von Bwin sogar auf Platz fünf. Letzteres kann nicht mehr geschehen, aber die Herren hatten eben Vertrauen in den HSV. Anders als Udo Lattek, der den HSV auf Rang zwölf enden sah. Knapp daneben ist auch vorbei, aber der gute Udo kennt sich eben auch etwas besser beim FC Bayern aus . . .

Die stehen hier und heute aber nicht zur Diskussion. Leverkusen muss morgen erst einmal besiegt werden, und dann muss gehofft werden, dass die Wolfsburger ihre gute Auswärtsform durch einen erneuten Dreier (diesmal in Frankfurt) unterstreichen. Unmöglich ist das alles doch nicht. Der VfL ist mit 25 Auswärtspunkten die drittbeste Auswärtsmannschaft der Liga – hinter Bayern und Dortmund. Das ist doch etwas, das Mut machen müsste, ihr Hamburger. Und mit Leverkusen kommt eine Mannschaft in den Volkspark, die auswärts nur einen Punkt mehr geholt hat, als der HSV in der Fremde. Dass der HSV gegenüber der Werkself daheim nur 26 Zähler geholt hat, Bayer dagegen 39 – das verschweigen wir dann doch besser.

Egal aber was die Statistiken auch immer sagen, die Tagesform und vielleicht auch ein Hauch Glück entscheiden darüber, ob der HSV doch noch Europa packen wird. Die Hamburger sind heiß, das war heute beim Abschlusstraining zu spüren. Da wurde konzentriert gearbeitet – gepaart mit Spaß. Erst eine habe Stunde das obligatorische Kreisspielchen (drei Stationen), dann wurde immer zu dritt über fünf Meter gesprintet. Wobei die Spieler ganz genau darauf achteten, wer diesen Sprint gewonnen hat. Da wurde teilweise um Zentimeter gefeilscht. Dann gab es ein Abschlussspielchen, in dem die beiden Mannschaften bunt durcheinander gewürfelt wurden. Ein Team spielte mit Drobny, Westermann, Rajkovic, Rincon, Badelj, Co-Trainer Heinemann, Ilicevic, Sala, Skjelbred und Rudnevs, das andere Team mit Adler, Bruma, Jansen, Mancienne, Diekmeier, Aogo, van der Vaart, Jiracek, Son und Beister. Heung Min Son traf zuerst gegen Rene Adler, dann Maximilian Beister. Wie das Match (auf einem Viertel des Platzes) endete, das entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, denn die nebenan trainierende „Zweite“ verließ den Rasen, und ich wollte unbedingt noch mit Andre Panadic sprechen. Der ehemalige HSV-Spieler (101 Spiele, fünf Tore als Innenverteidiger) ist im Moment mit seinem Sohn Mateo in Hamburg, „Panas“ Sohnemann trainiert – auf Vermittlung von HSV-Manager Bernd Wehmeyer – bis einschließlich morgen zur Probe beim HSV (Regionalliga-Team). „Pana“ ist mächtig stolz auf seinen Filius, wagt aber noch keine Prognose. Es „sehe ganz gut aus“ sagt er vorsichtig und will abwarten, was und wie sich der HSV nach dem Sonnabend entscheidet. Immerhin: Neben „Pana“ stand der frühere Bundesliga-Profi Uwe Fuchs, der sich einst auch als Trainer versucht hatte, heute aber Spielerberater ist. Er wird sich wohl künftig um Mateo Panadic kümmern und dabei behilflich sein, einen Verein zu finden – falls es mit dem HSV nicht klappen sollte.

Aber zurück zum aktuellen Geschehen, zum 34. Spieltag. Oh, als ich das schreibe, den 34. Spieltag, wird mir ganz „schwummerig“ – Schei . . .-Sommerpause. Das wird noch eine schlimme und über weite Strecken auch langweilige Zeit. Weil sich beim HSV ja auch in Sachen Ein- und Verkäufen traditionell erst gegen Ende der Pause etwas tut. Nun gut, damit müssen wir leben. Auch wenn es schwerfällt.

In Frankfurt scheinen sie inzwischen auch ein wenig nervös zu werden. Weil es aus Hamburg je den einen oder anderen Satz – von wegen des Drucks – gegeben hatte. Dazu schreibt die Agentur heute:

Trainer Armin Veh vom Tabellensechsten Eintracht Frankfurt hat vor dem Bundesliga-Finale am Samstag die Störfeuer vonseiten des Hamburger SV gekontert. „Wir haben einen Etat von 25 Millionen Euro, und der HSV macht in dieser Saison Schulden. Und dann sollen wir Druck haben. Das ist doch ein Witz. Da lache ich mich kaputt, wenn ich sowas höre“, sagte Veh einen Tag vor dem abschließenden Saisonspiel der Hessen am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky und Liga total!). HSV-Trainer Thorsten Fink hatte vor dem Showdown um Platz sechs gestichelt: „Wir haben nicht viel zu verlieren, Frankfurt dagegen schon.“ Auch Keeper Rene Adler hatte gesagt, dass der Druck bei der Eintracht liege. Dem Aufsteiger aus Frankfurt (50 Punkte) würde ein Sieg im Duell mit den „Wölfen“ für die Europa-League-Qualifikation reichen, und sogar ein Unentschieden, wenn zeitgleich Verfolger Hamburger SV (48) gegen Bayer Leverkusen nicht gewinnt oder bei einem Sieg nicht 13 Treffer aufholt. Die Eintracht könnte prekärerweise nach 33 Spieltagen auf einem der ersten sechs Plätze und einer tollen Saison noch aus den internationalen Rängen purzeln.

Veh muss noch um den Einsatz von Toptorjäger Alexander Meier (15 Treffer) bangen, der zuletzt wegen einer Sprunggelenkverletzung ausgefallen war. Kapitän Pirmin Schwegler stehe nach seiner Schambeinblessur auf jeden Fall im Kader, kündigte Veh an. Der Schweizer Mittelfeldspieler liebäugelt mit einem Wechsel nach Wolfsburg. Coach Veh, der die Hessen vor dieser Saison zurück in die Bundesliga geführt hatte, sprach im Vorfeld von einem schwierigen Spiel. „Wir wissen aber, dass wir etwas Großes erreichen können“, erklärte der 52-Jährige, der selbst ein Verpassen der Europa League nicht als Drama bewerten würde. „Wenn es nicht klappt, dann geht die Welt auch nicht unter. Auch Platz sieben wäre ein großer Erfolg.“

Für den HSV doch auch. Ernsthaft. Sollte es nicht mit Rang sechs klappen, dann sind Platz sieben oder acht auch akzeptabel. Für mich jedenfalls. Und daran, dass wir dann alle gemeinsam wieder auf die nächste Spielzeit hoffen, daran haben wir uns alle doch schon längst seit Jahren gewöhnt. Immerhin, und das kann selbst der größte HSV-Kritiker nicht von der Hand weisen, ist es in dieser Saison wieder bergauf gegangen – mit dem HSV. Auch wenn es diese berühmt-berüchtigte Berg-und-Talfahrt gegeben hat. Daran wird der Club sicher arbeiten – wenn Geld da ist.

Erst einmal abwarten, was der Sonnabend nun bringen wird. Beim HSV sind alle Mann an Deck, lediglich „Maxi“ Beister hatte heute während des Spiel ein paar Schwierigkeiten und musste sich behandeln lassen, ging dann auch, als das Trainingsende gekommen war, als erster Spieler in die Kabine. Thorsten Fink hatte zuvor eine engagierte Gemeinschaft trainieren sehen. Und der Coach sagte: „Wir sind heiß, wir brennen auf dieses Spiel.“ Dann sagte er auch noch: „Wenn Leverkusen aber genauso motiviert ist wie wir, genauso top drauf ist, dann werden wir keine Chance haben. Das ginge dann doch nur für uns, wenn Bayer eine Rote Karte bekäme – oder so. Die haben doch mehr Qualitäten. Die stehen doch ganz oben, haben Platz drei schon sicher. Der FC Bayern könnte gegen uns auch nur verlieren, wenn sie nicht hundert Prozent geben. Wenn aber zwei Mannschaften, von der eine qualitativ stärker besetzt ist, gleich motiviert sind, dann muss schon viel passieren, wenn die etwas schwächere gewinnen sollte . . .“

Tagesform. Ich sage, die Tagesform wird entscheiden. Und wenn die HSV-Mannschaft endlich von der ersten Minute an begreift – und dementsprechend zur Sache geht – dass es hier um sehr, sehr viel geht und dass das die allerletzte Chance auf Europa ist, dann ist der Unterschied – auch der qualitative – zwischen beiden Teams vielleicht doch nicht ganz so groß.

So, zum Schluss sie noch kurz erwähnt, dass der frühere HSV-Kapitän David Jarolim heute seinen 34. Geburtstag feiert – herzlichen Glückwunsch, „Jaro“ – und bis bald.

Dann findet auch morgen nach dem Spiel wieder die immer beliebter werdende „Matz-ab-live“-Talkrunde“ statt, für das wir eigentlich schon zwei Gäste seit Anfang Februar fest verpflichtet hatten: Manfred Kaltz und Harry Bähre. Rekordspieler Kaltz allerdings hat heute Nachmittag (leider) absagen lassen, sodass wir im Laufe des heutigen Abends noch um einen Ersatz bemüht sind. Wir sind am „röteln“ . . .

PS: Aus technischen Gründen ist das”Matz-ab”- Gewinnspiel noch nicht aktualisiert, es ist “am werden”, aber die Gewinner der Trikots und der Karten sind bereits benachrichtigt worden.

18.52 Uhr

Mit Raute – und Arslan auf der Sechs

5. April 2013

So, nun ist es nicht mehr lange hin, bis zum Anstoß der Partie gegen den SC Freiburg. Es wird spannend, es wird dramatisch – denn es steht für beide Mannschaften viel auf dem Spiel. Ich denke ja, dass es für den HSV um viel mehr geht, als nur um drei Punkte. Es geht darum, endlich wieder einmal in einem Heimspiel das beste, das vielleicht auch wahre Gesicht des HSV zu zeigen. Bitter nur, dass jetzt ausgerechnet die unbequemen Männer aus dem Breisgau kommen, mit diesem erst recht unangenehmen Trainer am Spielfeldrand. Der SC Freiburg, das ist vielleicht für jene unerschütterlichen Hamburger Optimisten interessant, hat seine letzten beiden Bundesliga-Spiele gegen den HSV im Volkspark (!) gewonnen. Einmal 2:0, einmal 3:1. Das schreibe ich nur, weil ich allein heute schon drei Männer getroffen habe, die mit etwas von „es wird schwer, aber der HSV wird 1:0 gewinnen“ erzählten. Auch ein 2:0 und ein 2:1 war dabei. Der HSV (und sein Anhang) sollte also gewarnt sein.

Wobei ich mich schon wundern muss, dass nur ein paar Tage nach dem 2:9-Desaster von München die Optimisten wieder wie die Pilze aus dem Boden schießen. Mein Kollege Florian Rebien (Mopo) hat mir verraten, dass der HSV nach all seinen großen und auch riesigen Klatschen nie das darauf folgende Bundesliga-Spiel gewonnen hat. Wenn ich das noch richtig erinnere, dann gab es danach sogar nur Niederlagen. Deshalb gilt es natürlich auch, gegen eine solche Statistik anzuspielen. Obwohl gerade das wohl das geringste Übel ist, mit dem die heutige HSV-Mannschaft zu kämpfen hat. Immerhin ist der HSV ja aber auch noch die Nummer eins im hohen Norden, und auch in dieser Beziehung steht einiges auf dem Spiel. Auch oder vor allem in der (Ab-)Rechnung mit Freiburg, denn die „Streicher“ haben in dieser Saison in Hannover, in Bremen und in Wolfsburg gewonnen. Siegen sie auch in Hamburg, dann sind sie die wahre Eins im Norden . . . Kleiner Scherz.

Nachdem ich in dieser Woche schon früh angefangen habe, über eine Aufstellung zu spekulieren, muss ich nun alles – oder auf jeden Fall einiges – zurücknehmen. Im Moment (16.20 Uhr) trainiert die Mannschaft neben der Arena, es wird auch ein Spielchen gemacht, doch Trainer Thorsten Fink hat die Mannschaft bunt durcheinander gewürfelt. Daran lässt sich nichts ablesen. Ich denke aber, dass für diesen Sonnabend folgende Aufstellung im Kopf des Trainers steckt:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Arslan; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Son, Rudnevs.

Also wieder eine Änderung im System. Fink versucht es mit der Raute und lässt sowohl Tomas Rincon als auch Milan Badelj draußen – er bringt Tolgay Arslan, der in der Hinserie auf der Sechs voll überzeugt hat. Allerdings hat Arslan auf dieser Postion, so weit ich mich erinnern kann, noch nie allein gespielt. Man darf also gespannt sein. Etwas bedauerlich finde ich es, dass mein Versuch (oder war es doch eher ein Wunsch?) mit Petr Jiracek in der Startformation nicht aufgegangen ist. Schade, schade, ich hätte mir den Tschechen schon mal ganz gerne gegönnt, denn ihn haben wir alle ja noch nicht so richtig und wirklich gesehen. Ich habe den „Jira“ aber immer noch vor Augen, wie er bei der Europameisterschaft im Team der Tschechen alles und jeden in Grund und Boden gelaufen hat. Das müsste er doch auch (eigentlich) in Hamburg schaffen könne, oder? Vielleicht allerdings erst in der nächsten Saison . . . Was ich schon bedauerlich finden würde.

Aber gut, das ist, wie ein früherer bekannter Hamburger Nationalspieler einst immer gesagt hat, allein Sache des Bundestrainers. In diesem Falle des Vereins-Trainers, nämlich Thorsten Fink. Und der hat ja gestern sehr energisch gesagt, dass er das macht, was er für richtig hält – und nicht das, was andere von außen ihm einreden wollen. Gut so.

Andere (von außen) hätten ja wohl auch erwartet, dass der Coach seine Versager von München in dieser Woche so richtig schön und nach allen Regeln der Kunst „lang machen“ würde. Aber denkste. Fink ließ sogar weniger als sonst trainieren. Waren die Einheiten vorher meistens und mindestens 90 Minuten lang, so ging es diesmal höchstens 75 Minuten – oder auch nur eine Stunde. Marcell Jansen, darauf angesprochen, hat dazu gesagt: „Die Einheiten mögen kürzer als sonst gewesen sein, aber dafür waren sie intensiver.“

Nun gut, das kann man so sehen.

Um es gleich und auch noch einmal zu sagen: Thorsten Fink bleibt mein HSV-Trainer, soll HSV-Trainer bleiben – auch deshalb, weil ich endlich Kontinuität (so wie die Club-Führung) möchte. Fehler haben sämtliche Vorgänger von ihm auch reichlich gemacht, Fehler macht auch Fink reichlich – aber wer macht keine Fehler? Und die vielen Kritiker, die jetzt auf der Bildfläche erscheinen, die haben ja auch nichts zu kritisieren gehabt, als der HSV kürzlich schon mal auf einem Europa-Legaue-Platz rangierte. Und dorthin wurde die HSV-Mannschaft ja auch „nur“ von Thorsten Fink geführt. Und wer sagt denn, dass es der 14. Trainer in elf Jahren besser machen würde? Das haben wir doch alles in den vergangenen Jahren immer wieder geglaubt. Wenn ich nur allein daran erinnern darf, wie viele treue HSV-Fans mir damals, als Armin Veh entlassen worden war, Michael Oenning ans Herz gelegt hatten. Motto: „Das ist ein junger Mann wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, der wird den HSV wieder zu neuem Leben erwecken . . .“ Und? Was war? Kann sich jemand daran erinnern? Nicht nur daran, wie es gelaufen ist, sondern daran, einen solchen Vorschlag gemacht zu haben?

Nein, es ist schon ein schlimmes Geschäft (geworden), diese Fußball-Bundesliga, und schön daran ist doch, dass kaum etwas planbar ist. Das können nur die Bayern, sie sind die Ausnahme.

Noch einmal kurz zum heutigen Abschlusstraining, das recht lebhaft war (von der Lautstärke her). Die Einheit dauerte (bis ekelhaft kaltem Wind) 60 Minuten, danach blieben Rene Adler und Sven Neuhaus noch mit Torwarttrainer Ronny Teuber auf dem Acker (nicht böse gemeint – an die HSV-Gärtner!), um Flanken zu üben. Was mir gefiel: Hielt Adler einen Kopfball oder Schuss von Neuhaus, so klatschten sie sich miteinander ab. Ein tolles Verhältnis und (Fast-)Konkurrenten. Am Rande des Platzes unterhielten sich Co-Trainer Frank Heinemann und Tolgay Arslan, auch Marcell Jansen stand dabei. Ob es da um die Raumaufteilung oder generell die Spielauffassung eines „Sechsers“ ging? Es blieb mir verborgen. Und auf der anderen Seite des Platzes übte Heung Min Son immer wieder seine gefährlichen Linksschüsse – Borussia Dortmund weiß ein Lied davon zu singen.

Heil sind heute alle geblieben, Thorsten Fink nimmt folgende Herren mit in den Kader (für das Freiburg-Spiel): Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Petr Jiracek, Milan Badelj, Tomas Rincon und Gojko Kacar. Gegenüber dem Spiel in München fehlen Jacopo Sala und Valmir Nafiu.

Ich wünsche dem HSV und allen seinen Anhängern einen erfolgreichen und erfreulichen Sonnabend – und insgesamt ein wunderschönes Wochenende. Vielleicht sogar mit Frühlingsgefühlen . . .

PS: Als der Freiburger Max Kruse, der einst bei Vier- und Marschlande kickte, noch bei einem Hamburger Nachbar kickte, da machte mich ein (in meinen Augen) großer HSVer schon darauf aufmerksam, dass der HSV doch bitte diesen sehr guten Spieler zu sich holen möge. Wäre ja eine Möglichkeit gewesen, nach dem Motto: „Warum in die Ferne schweifen, wenn der Gute ist so nah . . ?“ Das aber hat leider nicht geklappt. Kruse, früher als Knabe und Jugendlicher oft Zuschauer beim HSV, ging nach Freiburg – und wechselt nun im Sommer weiter nach Mönchengladbach. Dieser (in meinen Augen) große HSVer hat mir nun wieder geschrieben – eine sms. Da machte er darauf aufmerksam, dass am Millerntor wieder ein durchaus interessanter Mann spielt. Ein Stürmer diesmal. Und einer, der nur ausgeliehen ist (von Borussia Dortmund). Und ich wurde gefragt, ob der HSV wenigstens diesmal wach ist – interessiert ist, dran ist? Ich aber kann das nicht sagen. Ich weiß nicht, ob die Herren des HSV einen Daniel Ginczek für fähig halten, für den HSV Tore in der Ersten Bundesliga zu erzielen. Meine Vermutung allerdings ist nein. Ich glaube nicht, dass da der HSV schon mal drüber nachgedacht hat. Aber das ist, wie geschrieben, nur eine Vermutung. Der HSV wird dazu nichts sagen. Wie heißt es dann, wenn man danach fragt, immer so schön: „Über Spieler, die nicht bei uns unter Vertrag sind, reden wir grundsätzlich nicht.“ Ich jetzt in diesem speziellen Fall auch nicht mehr.

Und Freiburg ist mir ja auch allemal wichtiger.

PSPS: Am 12. April findet in der Raute/Museum eine Lesung mit dem bekannten und beliebten TV-Moderator Gerhard Delling (ARD) statt: „50 Jahre Bundesliga – wie ich sie erlebte.“ Der Abend beginnt um 18.30 Uhr, Einlass ist eine Stunde vorher – Karten kosten zehn Euro und sind im Museum und über die HSV-Shops erhältlich. Und wenn ich dafür einmal kurz Reklame machen darf: Es wird sich lohnen, dabei zu sein, denn Gerhard Delling hat erstens viel zu erzählen, und zweitens ist er ein äußerst humorvoller Mensch – das wird sicherlich ein toller Abend.

Und dann gibt es heute eine Post aus Indonesien. Von HSV-Fan Michael, der dort lebt. Diese Mail möchte ich gerne veröffentlichen, denn sie spiegelt das wider, was in diesen Zeiten viele HSV-Fans er- und durchleben müssen.
Und dem Michael auf diesem Wege vielen Dank. Sollte eine/einer von euch ihm schreiben wollen, so würde ich bei ihm anfragen, ob ich seine Adresse dann an den einen oder anderen Interessenten weitergeben darf.

Lieber Dieter,

eine absolute Premiere für mich. Noch nie habe ich einen Leserbrief geschrieben, aber irgendwie muss man mit Geschehenem ja fertig werden und daher richte ich mich an Sie mit einem Appell an alle HSV-Fans.

Bitte entschuldigen Sie, wenn ich dazu etwas weiter aushole. Ich bin 42 Jahre alt, zweifacher Familienvater und lebe seit über 12 Jahren in Indonesien. Da ich Lehrer bin und immer nur in den Sommerferien nach Deutschland kann, ist es lange her, dass ich das letzte Mal im Stadion war (beim 4:4 gegen Juve nebenbei bemerkt, kurz danach zog ich um). Allerdings kann ich die Spiele, die ich in den letzten 12 Jahren nicht in irgend einer Form live erlebt habe, noch an einer Hand abzählen. Anfangs auf dem Weltempfänger, dann im Liveticker, später im Internetradio, heute im Livestream oder über einen malayischen Satelit im Fernsehen. Ich bin selbst für den Mopo-Liveticker zum Testspiel gegen Altona 93 mitten in der Nacht aufgestanden…

Aber so einen Abend wie letzten Sonnabend habe ich in 35 Jahren HSV-Fan noch nicht erlebt (nicht mal bei den bitteren Niederlagen gegen Werder 2009!). Ich saß in einer deutschen Bar in der Innenstadt. Bei Anstoß waren noch gut 20 Leute da, 2 Bayern-Fans, ca. 10 Hamburger, der Rest neutral. Kurz vor Schluss saßen die Bayern-Fans mehr betrunken als freudentrunken am Tresen und diskutierten bereits über alles mögliche, nur nicht das Spiel. Der Rest war da schon lange auf dem Heimweg. Ich saß alleine vor der Großbildleinwand und habe bis zum Schlusspfiff ausgeharrt. Gerne würde ich jetzt sagen “aus Treue zum Verein” oder “weil man sein Team auch in schweren Stunden nicht im Stich lässt” (ich bin auch im Stadion noch nie frühzeitig gegangen, egal wie es stand!), aber diesmal war es wohl eher, weil ich wie versteinert da saß und den Hintern nicht hochbekommen hätte, selbst wenn ich es wollte. Enttäuschung, Wut, Unverständnis, es nicht fassen können… alle Gefühle auf einmal!

Ich habe die ganze Woche überlegt, was ich beim Spiel gegen Freiburg machen werde. Ich hatte mir Montag geschworen, dass ich erst wieder einen HSV-Spiel sehen werde, wenn sich die Jungs die Aufmerksamkeit, die man ihnen schenkt, auch verdienen. Nun ist Freitag und ich habe realisiert, dass dies Unsinn ist. Es geht ja weiter, muss weiter gehen! Ich werde auch am Samstag vor dem Fernseher oder Computer sitzen und das Spiel verfolgen – wie die letzten 35 Jahre. Wir können ja nicht den Betrieb einstellen, weder die Spieler noch die Fans. Vielleicht werde ich die nächsten Wochen nicht vor Freude aufspringen, sollte der HSV ein Tor schießen, dazu sitzt der Stachel der Enttäuschung zu tief, aber ich werde da sein. Es gibt ja doch keine Alternative, Hamburg wird immer meine Stadt bleiben, der HSV immer mein Verein.
Ich erwarte auch nicht viel am Samstag und in den letzten Spielen. Keine glanzvollen Siege, keinen Europa-League-Platz oder sonstiges. Und wenn wir am Sonnabend 2:4 gegen Freiburg verlieren, kann ich damit leben. Aber ich wünsche mir eine Mannschaft zu sehen, die sich den A… aufreißt, kämpft und alles gibt! Mit allem anderen kann ich leben – wenn sie sich nur nicht noch einmal willenlos in ihr Schicksal ergeben!

Ich hoffe, es werden Sonnabend wieder 50.000 den Weg in den Volkspark einschlagen und unsere Mannschaft unterstützen! Jeder der Kinder hat wird mir vielleicht zustimmen – hat man nicht sein Kind immer dann am liebsten, wenn es eigentlich gerade einen Arschvoll verdient hätte? Und gerade die etwas eigenwilligen, schwierigen Kinder brauchen uns oft am meisten. Ist vielleicht beim HSV nicht anders…

In diesem Sinne auf ein Neues am Sonnabend.

Schwarz-weiß-blaue Grüße aus Jakarta,
Michael aus Indonesia

PSPSPS: Morgen wird um 18.30 Uhr im Volkspark gegen Freiburg gespielt, danach folgt die Internet-Übertragung von “Matz ab live” mit den Gästen Ernst-Otto Rieckhoff (ehemals Aufsichtsrats-Boss) und Carsten Kober, ehemaliger HSV-Bundesliga-Spieler (und “Matz-abber”). Wäre super, wenn ihr uns einschalten würdet – die vergangene 2:9-Sendung mit Sven Neuhaus und Andreas Fischer bescherte uns einen neuen fünfstelligen Einschaltrekord. Vielen Dank dafür!

17.49 Uhr

Wieso lässt Veh solchen Fußball spielen?

4. Februar 2013

Fix was los im Postfach. Da rappelt es im Karton. Ich bin begeistert. Zuschriften, Mails, Telefonate ohne Ende – herrlich. Fußball-Hamburg diskutiert über Levin Öztunali und die Folgen eines Wechsels. Und alles so unglaublich sachlich, das hätte ich nie für möglich gehalten. Traumhaft. Und so respektvoll – in Richtung Uwe Seeler, das hatte ich gar nicht erwartet. Toll. Es müssen das Mittelstürmer-Idol ja doch noch viele, viele „Matz-abber“ spielen, schießen, kämpfen und meckern gesehen haben. Ich habe das auch, deswegen trage ich einen Mann, der so viel, so unglaublich für den deutschen, für den Hamburger und für den HSV-Fußball getan hat, auch immer noch auf Händen. Das wird, das möchte ich jedem anderen Seeler-Fan sagen, auch bis an mein Lebensende so bleiben. Und da wäre es mir egal, ob mir der Ehrenspielführer die Freundschaft kündigen würde, oder nicht. Übrigens bin ich kein Duz-Freund von Uwe Seeler – und noch ein „übrigens“: Macht euch keine Gedanken, ich glaube alles das, was ich über Uwe Seeler geschrieben habe, es ist mein voller Ernst! Und ich glaube es nicht nur, ich bin davon restlos überzeugt. Und habe dabei null Promille im Blut. Auch keine andere Droge, bevor es einer schreibt und vermutet.

Zum Thema Öztunali erhielt ich, wie geschrieben, viele, viele Mails. So auch diese, die nun folgt. Die gab es gleich mehrfach, ich habe mich entschieden, diese Version zu veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr Matz,

natürlich verfolge ich auch mit etwas „Trauer“ den Verlauf um den Seeler-Enkel.
Nicht nur, dass ich aus rein romantischen Gründen einen Verbleib von Levin Öztunali (LÖ) gerne gesehen hätte, sehe ich vielmehr den bevorstehenden Bruch mit „Uns Uwe“ selber als Problem an. Könnten Sie bitte, wenn Sie das nächste mal Kontakt mit Uwe haben ihm folgenden Bericht vorlegen?

Bayer verliert den Kampf um Sarr.

Enttäuschung und Frustration bei Bayer 04 Leverkusen: Das umworbene Verteidiger-Talent Marian Sarr verlässt den Werksklub und wechselt zu Borussia Dortmund. Für Geschäftsführer Holzhäuser bietet der Vorfall Anlass zur Generalkritik. Bayer 04 Leverkusen verliert eines seiner Top-Talente. Wie der Klub am Mittwoch bestätigte, wechselt Marian Sarr in der Winterpause zu Borussia Dortmund. „Es war keine einfache Entscheidung für uns. Hätte man auf Vertragserfüllung bestehen sollen, vielleicht sogar müssen? ?Leverkusen erhält für den Junioren-Nationalspieler eine Ablösesumme. Über die Höhe wollte der Klub nichts sagen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist Leverkusen außerdem an der weiteren Entwicklung des Spielers finanziell beteiligt, wenn diese positiv verlaufen sollte. So wird zum Beispiel ein weiterer Betrag fällig, wenn Sarr in der Bundesliga zum Einsatz kommen sollte …

Mod-Edit: Auch Dieter darf keine kompletten Texte zitieren ohne Einverständnis des Urhebers. Den kompletten Artikel findet ihr hier (danke auch an den Schenefelder für den Link): http://www.ksta.de/bayer-04/verteidiger-talent-bayer-verliert-den-kampf-um-sarr,15189374,21183104.html

Vielleicht beruhigt Herr Seeler sich dann ja etwas, wenn er realisiert, dass der Club, zu dem sein Enkel jetzt wechselt, genauso „armselig“ und „seelenlos“ ist!?

Vielleicht greifen Sie selber diese Geschichte in Ihrer Berichterstattung mal mit auf!?

Außerdem finde ich es ziemlich merkwürdig, wie ungescholten Mete Öztunali aus dieser Geschichte herauskommt. Man muss sich mal vor Augen halten, dass dort ein bezahlter Angestellter des HSV in der Öffentlichkeit schlecht über seinen Arbeitgeber berichtet!?
Ein Mann, dessen Aufgabe es war junge Leute zum HSV zu lotsen, ihnen zu erklären, dass der HSV für die Förderung seiner Karriere das Beste sei!

Und das sag ich, als einer, der seinerzeit mit Mete im Tor bei TuRa Harksheide den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Ich bin sehr enttäuscht von ihm!

(Der Name des Absenders ist mir bekannt, ich möchte ihn zu seinem Schutz nicht veröffentlichen!)

Zum Thema Öztunali gab heute auch HSV-Sportchef Frank Arnesen noch folgendes Statement heraus:

Wir haben Levin Öztunali die größtmögliche sportliche Perspektive beim HSV geboten. Ab Sommer hätte er voll bei den Profis mit trainiert. Darüber hinaus haben wir ihm ein wirtschaftliches Angebot unterbreitet, dass es in dieser Form für einen Nachwuchsspieler beim HSV noch nicht gegeben hat. Dass Levin und seine Familie sich dennoch entschieden haben, in der Zukunft einen anderen Weg einzuschlagen und den HSV zu verlassen, respektieren wir. Möglicherweise lastet außerhalb Hamburgs als Uwe Seelers Enkel ein geringerer Druck auf ihm.

Es ist nicht richtig, dass Levin daraufhin vom Trainings-und Spielbetrieb des HSV suspendiert wurde. Allerdings ist es gängige Praxis und Teil unserer Ausbildungsphilosophie, dass Spieler mit weiterlaufenden Verträgen vorrangig gefördert und eingesetzt werden, was bislang nur nie öffentlich thematisiert wurde. Unser Vorgehen habe ich Levins Vater Mete Öztunali heute in einem persönlichen Gespräch erläutert, um möglicherweise entstandene Missverständnisse zu klären. Ich werde auch noch mit den betreffenden Trainern unseres Nachwuchsleistungszentrums Kontakt aufnehmen, um den weiteren Umgang mit Levin genau abzustimmen.
Nach einem Telefonat mit Levins zukünftigem Club Bayer Leverkusen, haben wir mit der Familie ebenfalls die bestehende Möglichkeit erörtert, einen sofortigen Wechsel in die Wege zu leiten. Diese Möglichkeit wurde aber von der Familie abgelehnt, da Levin bis zum Sommer in Hamburg bleiben möchte.

So, so viel für heute zum Thema Öztunali und Seeler. Die Zeitungen morgen werden wieder voll davon sein, und deswegen möchte ich euch auch nicht damit überfrachten. Alles hat ein Ende – nur die Frankfurter Wurst hat zwei . . . Um damit einen eleganten Überganz zu schaffen und noch einmal kurz auf das „Matz-ab-live“-Video hinzuweisen. Diesmal, falls es sich noch nicht herumgesprochen hat, mit Kult-Masseur Hermann Rieger und Ex-Torwart Jürgen Stars. Beiden sei an dieser Stelle noch einmal gedankt, Hermann war wegen der späten Sendung erst um kurz vor Mitternacht daheim, das nenne ich Einsatz. Und zu „Starski“ Stars möchte ich noch eines sagen: Er war Ersatztorwart beim HSV, „nur“ Ersatztorwart, aber allen diejenigen, die ihn nie zwischen den Pfosten haben fliegen sehen, sei gesagt: Stars war ein wirklich starker Keeper, ich habe zum Schluss oft auch gegen ihn gespielt, da war er stets der Beste seiner Mannschaft. Und er hat nicht umsonst noch zum Schluss seiner Karriere in Kanada und Amerika gespielt. Das möchte ich nur noch schnell anfügen, weil Ersatztorwart so „niedrig“ klingt. Schließlich hatte er einen so guten Mann wie Rudi Kargus vor sich – jahrelang.

Apropos jahrelang. Heute hat Lotto King Karl Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch unserer einzigartigen „Perle“, die ja auch schon seit Jahren für uns singt. Lotto, Du bist ein ganz Großer, Du bist auch ein ganz großer HSV-Fan, ich hoffe, dass Du noch viele Jahrzehnte auf dieser gelben Knaack-Bühne im Norden der Arena stehen wirst (gemeinsam mit Carsten Pape) und über Hamburg und den HSV singen wirst. Bleib schon gesund, alles Gute!

Noch einmal möchte ich – aus gegebenem Anlass – auf das Frankfurt-Spiel zurückkommen. Weil es etliche „Matz-abber“ gibt, die darauf hinwiesen, dass der jetzige Eintracht-Coach ja vor nicht allzu langer Zeit einmal auch HSV-Trainer war. Armin Veh. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Veh ist hier einst „vom Hof gejagt“ worden. Wie so viele andere. Und nun lässt dieser Mann, dem so viele Fans vorgeworfen haben, keine Ahnung zu haben („Armin Veh-ler“), einen solchen Fußball spielen. Wie geht das? In diese Geschichte hinein soll, so einige User, auch die Vertragsverlängerung (um zwei Jahre!) von Bruno Labbadia mit dem VfB Stuttgart bestens passen. Darüber möchte ich mich aber am liebsten ein wenig ausschweigen, nur kurz und knapp sagen: Es soll ja auch Menschen geben, die aus ihren Fehlern lernen können, um dann die nötigen Konsequenzen zu ziehen . . .

Zu Armin Veh habe ich eine etwas umfassendere Meinung. Der Mann kam nach Hamburg, als hier schon längst herum war, dass er gar nicht erste Wahl gewesen sei. Da wurden viele andere Namen gehandelt – vorher. Und dann war es plötzlich Veh. Und es rankte sich genau darum auch ein Gerücht (das Veh wohl gekannt hatte): Auf dem Weg zu einem anderen Trainer (Robin Dutt?) landete die HSV-Führung in einem Hotel in Freiburg. Und dort lief ihnen der Manager von Armin Veh über den Weg. Man unterhielt sich, man tauschte sich aus – und man hatte urplötzlich einen ganz anderen Trainer, als den, der eigentlich geplant und m Visier war.

Wenn man als Coach dann unter solchen Umständen zum HSV kommt, hat man schon einen etwas anderen Start. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass Armin Veh einen guten Job macht, und dass er sehr wohl sehr viel von seinem Job versteht. Das Training war okay, der Umgang mit der Mannschaft auch. Nur mit der „oberen Etage“ hatte Veh so seine Probleme, die langsam aber stetig zunahmen. Da ging ihm oft einiges nicht schnell genug, nicht professionell genug – und einiges ging überhaupt nicht, was er natürlich monierte. Darüber hat er oft geklagt und genörgelt, anfangs noch ziemlich leise und auch etwas versteckt, dann immer offener. Das ist aber seine Art. Mit der die HSV-Oberen jedoch nicht unbedingt so gut klar kamen. Eher war das Gegenteil der Fall.

Aber wer sich erinnert: Armin Veh hat auch zu seinen Frankfurter Zeiten (schon vor einem Jahr, schon vor dieser Saison) oft gemeckert. Hier fehlten ihm Leute, da auch. Und alles ging ihm, wie in Hamburg, nicht schnell genug. Nur schluckte man in Frankfurt diese Kritik (wohl eher zähneknirschend, wenn ich so an Heribert Bruchhagen denke), während man in Hamburg von Mal zu Mal entsetzter reagierte. Die HSV-Oberen mochten diese Ironie und auch diese gewisse Art von Pessimismus, was Veh durchaus oft ausstrahlte, überhaupt nicht. Zudem hatte der damalige HSV-Coach auch – nach Meinung der Führung (auch nach Meinung der Medien) – zu oft, viel zu oft sogar, davon gesprochen, am Ende der Saison nicht mehr HSV-Trainer sein zu wollen . . . Auch deswegen kam es zum Bruch. Weil „der“ HSV letztlich vermutete, dass Armin Veh nicht mehr mit vollem Herzen hinter dieser ganzen Sache stehen würde. Als dann dem HSV am 12. März 2011 das katastrophale 0:6 in München passierte, da musste Armin Veh dann – für keinen kam es unerwartet – gehen.

Kurios an der damaligen Situation: Co-Trainer Michael Oenning übernahm den Veh-Posten – und zog im Training sofort mächtig an (obwohl man das als trainer gegen Saisoenende eigentlich nicht machen sollte). Aber Oenning hatte da ganz offenbar die größten Defizite des HSV gesehen. In der Laufbereitschaft. Und wenn man jetzt die Frankfurter laufen sieht . . . Unfassbar ist das für mich. Unfassbar.

Wenn ich meine Meinung noch kurz dazugeben dürfte: Ich hatte mit Armin Veh ein gutes Einvernehmen, fast hätte ich ein ausgezeichnetes geschrieben. Ich mochte (und mag) den Menschen und den Trainer Veh, er hatte durchaus gute und sehr gute Ansichten über den Fußball, er war stets kooperativ, ehrlich, geradeaus und offen, er griff so gut wie nie zu einer Lüge (auch nicht in Not), und er hätte wohl, wenn man ihm die nötige Rückendeckung „von oben“ gegeben hätte, auch noch viel erreicht mit dem HSV. Vielleicht nicht so viel, wie jetzt mit der Frankfurter Eintracht, aber er hätte bestimmt schon etwas mehr „Grund in diese Mannschaft“ (von damals!) bekommen. Davon bin ich immer noch überzeugt. Dass auch ein Armin Veh nicht immer alles richtig gemacht hat (und gewiss auch nicht immer richtig lag), das ist natürlich klar. Aber: Wer macht denn keine Fehler?

Mich wurmt nur, dass er jetzt einen so tollen und großartigen Fußball in und mit Frankfurt spielen lässt. Das gebe ich zu. Wieso? Das frage ich mich schon. Wieso mit einer solchen „No-name“-Mannschaft? Oder vielleicht gerade deshalb? Armin Veh hat nun Spieler, die (noch?) keine Stars sind, die kein Star-Gehabe an sich haben, die ihrem Trainer noch glauben, wenn der ihnen sagt, dass Fußball ein Laufspiel sei. In dieser Frankfurter Mannschaft gibt es, so versicherten mir am Sonnabend einige hessische Kollegen, keinen einen bequemen Spieler, keinen Mann, der sich zu schade dafür wäre, für den Nebenmann einige Schritte mehr zu machen. Spieler solcher Art aber hatte der HSV zu Veh-Zeiten durchaus. Und sogar nicht wenige. Es ist doch so, wir kennen das alle: Wenn in Hamburg ein HSV-Profi, der so an 22. oder 23. Stelle in der Mannschafts-Hierarchie steht, nachts um drei Uhr bei Rot über die Ampel fährt, heißt es am nächsten Tag garantiert: „HSV-Star sieht Rot – auf der Flucht durch Stadt“. Wobei die Benotung auf „HSV-Star“ liegt. Hier ist jeder sofort und automatisch mit der Unterschrift unter den Profi-Vertrag ein „Star“. Und solche Spieler genießen dann schon gewisse Privilegien. Und dann wird man auch schon mal etwas bequemer. Dann muss man eben nicht jeden Lauf selbst erledigen, sondern lässt die anderen mal für sich laufen. Mann ist ja „Star“.
Ja, so versuche ich mir schon seit vielen Jahren das HSV-Spiel zu erklären. Und wenn ich jetzt an diese Frankfurter denke, wie die liefen, rannten, sprinteten, wie die Hasen, dazu mit Liebe, Lust, Spaß, Leidenschaft und Herz, dann fehlt mir in Hamburg schon seit langer Zeit sehr, sehr viel. Ich kann nur jeden (auch jeden „Matz-abber“) bitten oder raten, sich das Spiel vom Sonntag, wenn es denn technisch geht, noch einmal anzusehen. Und genau darauf zu achten, wie bei den Frankfurtern Fußball gespielt wurde – und beim HSV Fußball gearbeitet wurde. Tut euch das noch einmal an. Und achtet mal darauf, wie die Post bei Frankfurt abging, und wie sich der HSV vergeblich versuchte, das Spiel nach vorne zu quälen. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Und wenn dazu der HSV-Kapitän Heiko Westermann (nach dem Spiel) die mangelnde Laufbereitschaft seines Team anprangerte, zudem sagte, dass man sich ja „so viel vorgenommen habe, aber nichts davon wurde in die Tat umgesetzt“, dann wissen wir, warum es so ist – wie es ist. Guckt euch dieses Frankfurt-Spiel noch einmal an, und euch wird ein Lichtlein aufgehen. Ganz sicher. Diese 90 Minuten sind ein Lehrbeispiel dafür, wie man es macht (die Eintracht), und wie man es nicht macht (der HSV). Und man weiß am Ende, dass Fußball tatsächlich ein Laufspiel ist. Laufen mit Köpfchen. Im richtigen Moment gemeinsam Gas geben, nachrücken, anbieten, hinterlaufen . . . Wollen. Ganz einfach wollen. Und zwar alle zehn Feldspieler. Beim HSV „parken“ mir einige zu viel und zu lange.

So, noch eine personelle Meldung: Artjoms Rudnevs erlitt am Sonnabend eine Muskelquetschung im Oberschenkel und muss zwei Tage Pause einlegen. Wenn die Nationalspieler wieder in Hamburg sind (Donnerstag), dann darf auch der Torjäger wieder einsteigen.

Ja, dann ist da noch dieses eine Länderspiel. Frankreich – Deutschland am Mittwoch. Mit HSV-Keeper Rene Adler im Tor (und Heiko Westermann auf der Bank). Über das Torwart-Comeback schreibt heute mein geschätzter Kollege Jens Mende von der Deutschen Presse-Agentur:

Rene Adler verzog keine Miene. Und aus der Reserve locken ließ sich der Torwart vom HSV erst recht nicht. Ein neuer Torwart-Zoff? Gewiss nicht. Ruhig, fast schon monoton beantwortete der Schlussmann die Fragen zu seiner erstaunlichen Rückkehr ins Tor der Fußball-Nationalmannschaft.

Als „sensationelle Geschichte“ empfindet Adler seinen Einsatz am Mittwoch (21 Uhr/ARD) gegen Frankreich, den ihm Bundestrainer Joachim Löw versprochen hat. Das schon. Aber aus den für ihn so wichtigen 90 Minuten eine Kampfansage an Stammkraft Manuel Neuer zu machen, hält Adler für unangemessen – trotz der gereizten Kommentare des Münchner Konkurrenten zu der vertauschten Aufgabenverteilung in Paris.

„Ich freue mich, wenn ich spielen kann. Ich denke, dass das eine Spiel nicht viel ändern wird an der Rollenverteilung. Das nehme ich mit und genieße es“, sagte Adler in Frankfurt. Neuers Nörgelei („Bei einem solchen Spiel wäre ich gerne dabei gewesen.“) und direkte Stichelei („Ich habe seine Entwicklung nicht verfolgt, weil ich bei Bayern München spiele.“) wollte Adler nicht kommentieren. „Ich habe das gar nicht mitgekriegt. Es ist sein gutes Recht. Ich bin nicht in der Position, das zu bewerten“, sagte Adler. Mit einem Typ wie ihm ist ein Torwart-Kampf wie vor der Heim-WM 2006 zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann nicht vom Zaun zu brechen.

Es waren die kleinen Bemerkungen in Nebensätzen, die am Montag die Bedeutung seines elften Länderspiels für ihn preisgaben. Auf Routine und „sein Schema“ habe er gesetzt, als die frohe Kunde von Löw am Freitag kam: „Um das alles nicht so hoch zu hängen“. Dennoch wurden vom HSV-Betreuerstab gleich Videosequenzen über Franck Ribéry und Karim Benzema zusammengestellt. Bei der Nationalmannschaft folgt weiteres Gegnerstudium. Nichts soll ihn am Mittwochabend im Stade de France überraschen können.

Adler hat in seinen Torwartjahren schon viel erlebt. Kurz vor der WM 2010 kam durch eine Rippenverletzung das Aus. Neuer zog an ihm vorbei. In Leverkusen ging es bergab. Erst der Wechsel zum HSV im Sommer 2012 brachte die Wende. Im deutschen Tor stand er letztmals am 17. November 2010 beim 0:0 in Göteborg gegen Schweden.

Viel hat sich für Adler in seinem Leben seither verändert. Er wirkt ungewöhnlich ruhig für das aufgeregte Fußball-Geschäft. Nur eines ist gleich geblieben. Eigene Patzer wie kürzlich im Nordderby gegen Werder Bremen kann er nicht vertragen. „Ich ärgere mich nach wie vor über Fehler. Das ist in mir, das ist der sportliche Ehrgeiz, der mich treibt.“ Das klingt dann doch ein bisschen nach Oliver Kahn.

Und noch einmal das Thema Torwart:

Der tschechische Nationaltorwart Petr Cech fehlt beim Länderspiel seines Verbandes gegen die Türkei am Mittwoch in Manisa. Die Nummer eins des FC Chelsea hatte sich bei der 2:3-Niederlage gegen Newcastle United den kleinen Finger gebrochen. Ihn wird Jan Lastuvka von Dnjepropetrowsk bei der Vorbereitung auf die Qualifikation zur Fußball-WM 2014 im Tor ersetzen, und der der Reservetorwart des HSV, Jaroslav Drobny (33), rückt in den Kader auf.

Und dann gab es heute noch diese dpa-Meldung:

Die Verluste der Fußballvereine in Europa sind auf ein Rekordniveau von insgesamt 1,7 Milliarden Euro gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Fünf-Jahres-Analyse des europäischen Fußball-Verbandes, die die Uefa am Montag vorstellte. Der Studie zufolge sind auch die Spielergehälter in Europa im Verlauf dieser Zeit um 40 Prozent auf insgesamt 8,6 Milliarden Euro gestiegen.

„Ohne eine Verhaltensänderung steigt die Gefahr der Pleite für die Vereine“, sagte Uefa-Präsident Michel Platini. Der Franzose nannte die Einhaltung des sogenannten „Financial Fair Play“ der Uefa deshalb auch überlebensnotwendig für die europäischen Fußball-Clubs. „Eine Beschränkung der Kosten ist und bleibt die größte Herausforderung für die Vereine“, sagte Platini. Die Uefa hat mit dem „Financial Fair Play“ ein Lizenzierungsverfahren für die Europacup-Wettbewerbe beschlossen. Es soll die große Verschuldung vieler Clubs stoppen.

PS: Am Dienstag wird im Volkspark – mit natürlich dezimierten Kader – um 15 Uhr trainiert.

PSPS: Wenn alles klappt, wird hier das Moderatoren-Team demnächst noch ein, zwei Fotos vom “Matz-ab-Baby” veröffentlichen. Es ist “Scholles” Lia Sophie, die am 29. Januar geboren wurde.

18.36 Uhr

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