Archiv für das Tag 'van Nistelrooy'

„Moin, Labbadia hat wohl dazu gelernt.“

26. Juli 2015

In einer lauen Sommernacht 2015, die soll es schon gegeben haben, stieg ja kürzlich ein Pärchen über den Zaun einer Badeanstalt. Die Frau benutzte anschließend die große Rutsche – und landete nach einer rasanten Abwärtsbewegung recht unsanft in einem großen Becken – es war nämlich kein Wasser drin. So in etwa komme ich mir heute vor: Der HSV kommt aus dem zweiten Trainingslager zurück, und an diesem Wochenende genießen die Spieler zwei freie Tage, bevor es am Montag um 14 Uhr im Volkspark weitergehen wird. Die Frau mit der „Trockenübung“ erlitt übrigens einen Beinbruch, der mir hoffentlich erspart bleibt – nach dieser und meiner „Trockenübung“. Außer der Tatsache, dass der HSV nicht tätig ist, kann man ja sagen, dass es trotz allem bergauf geht – in Sachen Fußball. Die Zweite Liga spielt wieder, die Dritte Liga spielt wieder, und auch die Regionalliga hat den Betrieb wieder aufgenommen. Im Fernsehen gab es reichlich Fußball live zu sehen – alles wird gut. Das gilt auch für die Zweite des HSV, der ich ja eine schwere Saison prophezeit habe. Der Auftakt aber ist richtig gut gelungen, Lars Pegelow hat darüber ja schon gestern geschrieben. 2:1 in Goslar, das kann sich wahrlich sehen lassen. Glückwunsch an Joe Zinnbauer und das gesamte Team!

Den ganzen Beitrag lesen »

Von Versprechungen, Forderungen und Altmeistern

20. Juni 2015

So eine Fußball-Sommerpause ist einfach nur schrecklich. Jahr für Jahr wieder. Zumal dann, wenn sich der HSV wieder einmal traditionell Zeit lässt, Zeit lassen muss, um neue Spieler zu verpflichten. Auch Jahr für Jahr wieder. The same procedure as every year – im Sommer, nicht zum Jahreswechsel. Still ruht der See. Es tut sich nichts. Obwohl die Herren des HSV schön unterwegs sind, um sich nach Verstärkungen umzusehen. Sogar bei der U21-Europameisterschaft waren sie in Tschechien, obwohl die Talente dort wohl allesamt eine Preisklasse zu hoch sein dürften für den HSV. Aber warten wir es ab, mehr bleibt ja nicht. Obwohl die Ungeduld wächst. Bei vielen HSV-Fans. Und eventuell auch bei manchem Angestellten des Clubs. So las ich heute beim Einkaufen die Titelseite der „Bild“, und dort stand zu lesen: „Olic fordert neue Stars“. Da dachte ich so bei mir: „Wer nicht?“
Den ganzen Beitrag lesen »

Jarolim: “Wir holen noch elf Punkte!”

21. April 2015

Die Ruhetage beim HSV sind für mich zuletzt eher quälend gewesen. Nicht, weil ich kein Training beobachten und mit dem Trainer etc. sprechen kann. Nein, irgendwie habe ich zurzeit das Gefühl, dass dieser freie Tag anders genutzt werden könnte. So wie heute, um ehrlich zu sein. Denn heute waren einige Profis trotz ihres freien Tages richtig fleißig. Marcelo Diaz beispielsweise absolvierte erneut eine individuelle Einheit und soll nach Möglichkeit noch in dieser Woche wieder ins Training einsteigen. Noch etwas schneller war Dennis Diekmeier unterwegs. Der Rechtsverteidiger absolvierte schon intensive Läufe. Dennoch soll sich der Rechtsverteidiger mit seinem Comeback noch etwas gedulden. Sein Einsatz gegen Augsburg ist eher unwahrscheinlich. Ausfallen wird sicher Cléber Reis (Kapselriss). Und um derartigen Verletzungen vorzubeugen absolvierten René Adler, Valon Behrami und Rafael van der Vaart am trainingsfreien Dienstag ein leichtes regeneratives Programm im provisorischen Trainingszentrum. Nicht dabei war Pierre Michel Lasogga, obgleich ihm Trainer Bruno Labbadia zuletzt noch etwas fehlende Praxis attestiert hatte. Schade eigentlich – den Stürmer mit Nachholbedarf hätte ich am ehesten erwartet…

Apropos Labbadia, wenn es in diesen Tagen irgendeinen Funken Hoffnung gibt, dann ist er dafür verantwortlich. „Bruno Labbadia ist definitiv einer meiner Toptrainer gewesen“, erinnert sich der ehemalige HSV-Vorzeigeprofi David Jarolim an die Saison 2009/2010 zurück. „Seitdem Bruno Labbadia wieder da ist, habe ich tatsächlich ein viel besseres Gefühl“, so der einstige HSV-Kapitän, der weiterhin auf Nichtabstieg setzt. „Gegen Augsburg gewinnt der HSV am Sonnabend 1:0“, ist sich Jarolim sicher. Und eigentlich wäre es auch eine sichere Sache, immerhin wollte er am Sonnabend als Glücksbringer live vor Ort sein. Daraus wird aber nicht, da das Ligaspiel seines tschechischen Klubs auf Sonnabend gelegt wurde.

 

„Wenn ich mit meinen Kindern da war, haben wir nie verloren. Und wenn es nach mir ginge, wäre ich die letzten fünf Spiele immer live dabei“, so Jarolim, der trotz seiner Abwesenheit auf elf Punkte aus den verbliebenen fünf Partien tippt. Nach dem Sieg gegen Augsburg gibt’s ein 1:1 gegen Mainz, einen 2:1-Sieg gegen Freiburg, ein 1:1 in Stuttgart und ein 1:0-Sieg am letzten Spieltag in der Imtech-Arena gegen Schalke. „Super, oder?“, lacht Jarolim. Allerdings ohne die Tipps zu revidieren, wie er ausdrücklich wiederholt.

schätzen sich: Ex-HSV-Kapitän David Jarolim (l.) und HSV-Trainer Bruno Labbadia - hier in der Saison 2009/2010

Schätzen sich: Ex-HSV-Kapitän David Jarolim (l.) und HSV-Trainer Bruno Labbadia – hier in der Saison 2009/2010

Auch Jarolim hält große Stücke auf Labbadia. „Unter ihm hatten wir am Anfang einen tierischen Lauf, haben den besten Fußball seit langer Zeit gespielt und haben am Ende trotz der vielen verletzten Spieler und der schwierigen Umstände ohne echt gesunden Stürmer noch das Halbfinale in der Europa League erreicht. Dass der Trainer trotzdem gehen musste, lag dann an Dingen drumherum, die nicht normal waren.“

 

Unter anderem auch daran, dass es sich Labbadia mit dem einen oder anderen großen Namen (u.a. Zé Roberto, van Nistelrooy, Petric) in der Mannschaft verscherzt hatte. Und das, weil er das Leistungsprinzip gnadenlos angesetzt hatte. Namen zählten nicht. Und ich für meinen Teil weiß noch, dass einer der Stammspieler Labbadia mir gegenüber zu seinem bis dahin besten Trainer gekürt hatte. Bis er nach einer Verletzung nicht automatisch wieder ins Team rückte. Plötzlich hatte Labbadia seiner Aussage nach „keine Ahnung“ mehr – was mir ehrlich gesagt gefiel. Dennoch musste Labbadia am Ende nach einer außergewöhnlich fragwürdigen Niederlage in Hoffenheim gehen.

 

„Dass er zurück ist, ist richtig und gut“, lobt Jarolim die Entscheidung des Vorstandes. Sie sei zwar etwas spät gefallen – aber sie sei wichtig. „Er gibt mir ein besseres Gefühl und ich weiß noch, dass bei ihm jedes Training mit dem bevorstehenden Spiel zu tun hatte. Labbadia hat in der Woche immer genau das trainiert, was er am Wochenende sehen wollte. Er beherrschte es, der Mannschaft Automatismen beizubringen und hatte immer einen Plan.“ Ein Vorbild für den angehenden Trainer? „Von ihm habe ich auf jeden Fall eine ganze Menge mitnehmen können.“ Dennoch, das weiß auch Jarolim, den Rest dieser Saison kann Labbadia nur noch verwalten. „Er hat nicht die Zeit, hier viel Neues einzustudieren. Aber er wird erkennen, wen er gebrauchen kann, wer wirklich will und fit ist.“

 

Dass er will, kann man Pierre Michel Lasogga nicht absprechen. Aber er kann noch nicht so, wie er will und wie es alle erwarten. Auch deshalb lässt Labbadia keine Gelegenheit aus, den Toptorjäger der Vorsaison starkzureden. „Wir brauchen ihn, ganz klar“, sagt Labbadia und Jarolim stimmt zu: „Wenn der HSV den Fußball spielt, der zu Flanken und Pässen in den Sechzehner führt, kann es schnell was werden. Ein Tor, und der Knoten könnte platzen“, sagt Jarolim. „Ich weiß, wie das ist. Plötzlich wird alles, was einen vorher runtergezogen hat, umgekehrt und es läuft. Das kann einen tierischen Lauf geben, das entwickelt eine tolle Dynamik. Und das braucht diese Mannschaft.“

Jarolim, der sich momentan als Seelsorger für seinen Freund Ivica Olic (Jarolim: „Er ist nicht gut drauf, er leidet. Aber er wird am Ende noch sehr wichtig“) verdingt, glaubt tatsächlich an den Nichtabstieg. Und ich will ihm für heute mal folgen. Einen Tag lang mal Hoffnung zwischen vielen Tiefschlägen seitens eines erfahrenen Profis zu erfahren – das tut selbst einer geschundenen Reporterseele mal ganz gut. Daher belasse ich es heute mal damit und sage: Danke Jaro! Auf dass Du Recht behältst…

 

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen (Champions-League?)Abend, bis morgen! Da wird um 10 und um 15.30 trainiert.

 

Scholle

Joe droht mit Kamelen – Scheels “geile Zeit”

14. Januar 2015

Wie sich die Bilder doch gleichen. Oder die Situationen. Am 5. August 2014 stand im Matz-ab-Blog folgende Passage aus einem Interview zu lesen, das „Scholle“ mit dem damaligen HSV-Trainer Mirko Slomka geführt hat:

 

Matz ab: Wie sehr sorgen Sie sich um den Fitnesszustand bei Pierre-Michel Lasogga, der gerade die dieswöchige, sehr intensive Phase nicht mitmachen konnte?

Mirko Slomka: Für ihn ist das viel schlimmer als für uns. Wir haben ja neben dem Platz auch viel mit ihm gearbeitet, aber ihm fehlt natürlich die Spielpraxis. Er ist ein Typ, den man sofort reinschmeißen kann und der sofort funktionieren wird. Die Situation frustriert ihn natürlich selbst am meisten. Er muss Dinge machen auf dem Nebenplatz, die keinen Spaß machen, während die anderen Spielformen einstudieren. Wie bitter ist das denn…?! Vor allem nach einer eigentlichen Kleinigkeit, die leider sehr schmerzhaft ist. Aber wir arbeiten daran, dass er schnell zurückkommt und hoffen, das in den nächsten zwei, drei Tagen hinzubekommen.

 

Ja, wir hatten doch alles schon einmal. Im Fußball heißt es ja so schön und so oft, dass sich alles immer mal ausgleicht, aber offenbar wiederholt sich auch alles. Im Juli 2014 war der HSV ins Trainingslager nach Stegersbach in Österreich gefahren. Damals mit einem „leicht“ angeschlagenem Pierre-Michel Lasogga. Bei der Abreise aus Hamburg hieß es seinerzeit, dass der Torjäger vorsichtshalber aus dem Training herausgenommen worden ist, er aber im Trainingscamp wieder voll einsteigen wird. Und so wurde fortan von Tag zu Tag gehofft – und von einem angeschlagenen Lasogga berichtet.
Am 28. Juli hieß es bei Matz ab:

 

„Heute nicht im Training dabei war Pierre-Michel Lasogga, der weiterhin mit muskulären Problemen pausiert und im Mannschaftshotel behandelt wurde.“

 
Auch einen Tag später hieß es bei uns:

 

„Lasogga arbeitete auch heute wieder im Mannschafts-Hotel mit den Physios und absolvierte am Nachmittag einen Lauftest auf dem Laufband. Er soll am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.“

 

Schrieb „Scholle“. Aber: Lasogga stieg tatsächlich erst wieder am 16. August ins Mannschaftstraining ein. Und genau zwei Tage später fand in Cottbus das DFB-Pokalspiel gegen Energie statt. Lasogga galt für diese Partie als HSV-Strohhalm und wurde in der 46. Minute eingewechselt. Von nun an ging’s bergauf? Nicht ganz. Lasogga stand zwar eine Woche später, beim Bundesliga-Auftakt in Köln, in der Startformation, aber noch wochenlang bescheinigte ihm die gesamte Hamburger Medienlandschaft: „Er ist noch lange nicht bei 100 Prozent, kann es ja auch gar nicht sein.“

 

Auch heute hat Pierre-Michel Lasogga nicht mit der Mannschaft trainiert, und nicht nur in mir werden Erinnerungen an den Start dieser Saison wach. Was soll werden, wenn die ganze Sache wieder so läuft wie im Sommer 2014? Irgendeiner sollte doch dafür zuständig sein, Tore für den HSV zu machen. Aber vielleicht findet sich derjenige ja noch in den restlichen Tagen – bis zum 31. Januar, dem Auftakt mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Nur, das sollte doch zu denken geben, es sind ja nur noch 16 Tage. Das könnte wieder einmal recht knapp werden, und dabei hoffen wir doch alle, dass der Neun-Törchen-HSV in diesem Jahr mal so richtig loslegt in Sachen Toren.

 

Bei der Gelegenheit, das fand ich auch im Blog vom August 2014 – weil ich doch gerade bei neuen Spielern für den HSV war. Damals gab es ein Interview mit Klaus-Michael Kühne, und der sagte dabei am 14. August zu seinem (Fast-)Lieblings-Thema:

 

„Ich erwarte, dass sich die Mannschaft stabilisiert. Die Führung ist ausgetauscht, es sind die richtigen Leute dort. Natürlich können sie keine Wunder bewirken, man muss Geduld haben, man muss sehen, wie die Mannschaft sich jetzt einspielt. Ich glaube, Herr Beiersdorfer macht eine erstklassige Arbeit und ich bin hoffnungsvoll. Aber ich würde auch sagen, man muss diesem Verein und dieser Mannschaft jetzt eine Chance geben. Man sollte jetzt kein überehrgeiziges Ziel formulieren.“ Was das sein könnte? „Einen einstelligen Tabellenplatz erhoffe ich mir schon“, sagt Kühne und schiebt nach: „Und wenn es dann noch weiter nach oben geht, dann freue ich mich. Aber das ist vielleicht dann erst in der übernächsten Saison der Fall.“
Beim Thema Neuzugänge (Kühne: „Ich habe einen kleinen Teil dazu beigetragen“) zeigte sich Kühne bislang sehr zufrieden. „Herr Beiersdorfer hat das Talent dazu. Er musste nur leider die guten Spieler immer wieder zu schnell verkauft und viel Geld damit verdient. Und das Geld daraus ist alles verwirtschaftet worden – ein Phänomen für mich“, so Kühne kritisch, ehe er sehr moderat und mit Weitsicht formuliert: „Ich hoffe, dass die Finanzen des Vereins dann irgendwann so gut werden, dass die guten Spieler nicht gleich wieder verkauft werden müssen, sondern bleiben, damit es eine eingespielte, homogene Mannschaft wird. Und das geht nicht von heute auf morgen, das muss in Jahren aufgebaut werden. Es muss hier ganz sicher mittel- bis langfristig gedacht werden.“

 

Mit anderen Worten: Geduld ist gefragt. Hatten bsilang aber nicht alle. Und ich glaube, wenn ich mich richtig erinnere, dass auch Klaus-Michael Kühne zu diesen etwas ungeduldigen Menschen gehörte. Oder immer noch gehört. Nun gut, wir werden es abwarten müssen, wie sich die Geschichte mit ihm und auch mit den eventuellen Verpflichtungen noch entwickelt.

 

Und das ist ja auch in jedem Jahr dasselbe. Oder in jeder Sommer- oder Winter-Pause. Neu ist allerdings der heutige Tag für Oliver Scheel gewesen. Das HSV-Vorstandsmitglied hatte heute seine Schlussvorstellung beim HSV. Scheel ist zwar offiziell noch bis zum 25. Januar ein ehrenamtliches HSV-Vorstandsmitglied, an diesem 14. Januar 2015 aber packte er seine sieben Sache in der HSV-Geschäftsstelle zusammen und – ging. „Nach einem halben Jahr das Abtauchens und zum Verdauen ist meine Vorstandsarbeit beim und im HSV nun abgeschlossen. Ich gehe aufrecht durch das Stadion, denn ich weiß, was ich für den Verein geleistet habe.“

 

Der 49-jährige Rechtsanwalt war sechs Jahre HSV-Vorstand und geht mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Weinend, weil ich gerne im HSV-Vorstand gearbeitet habe. Lachend, weil ich weiß, dass nun eine neue Zeit im Club beginnt, dass nun eine neue Generation heranreift. Ich weiß, dass ich dieses Kapitel nun gut abschließen kann, es sollen und werden nun andere richten, und ich freue mich, dass der HSV jetzt drei Persönlichkeiten bekommen wird, die dem Verein gut tun werden.“ Oliver Scheel wäre gerne geblieben, das ist auch klar, aber er wollte als bezahlter Präsident bleiben – das hat der HSV aber abgebogen. Und Scheel sagt dazu: „Das ist auch okay so. Man hat sich für das Ehrenamt entschieden, und das war eben nichts für mich.“

 

Rückwirkend sagt Scheel zu seiner Zeit in der HSV-Führungsetage: „Es war unterm Strich eine wirklich geile Zeit, trotz aller Intrigen und aller Härte, die es dabei gab. Der Druck lag auch auf meinen Schultern, es war nicht immer leicht, aber insgesamt war es ein schöner Lebensabschnitt für mich. Ich habe viele Dinge mitgemacht, habe sogar Europapokal-Spiele miterleben dürfen, und auch die größte und auch die längste Mitgliederversammlung in der HSV-Geschichte.“ Und er hat sie fast alle organisiert. Und er stand oft im Mittelpunkt, wenn etwas schiefgelaufen war – mit den Fans, mit seinen Fans: „Ich habe mein Gesicht hinhalten müssen, wenn unsere Anhänger mal wieder einen Zug auseinandergenommen hatten.“ Oder in Sachen Pyro-Techniker unter den HSV-Fans. Scheel gibt zu: „Sicher habe ich auch Fehler gemacht, aber war macht die nicht? Ich wäre ja sonst Supermann, und der HSV wäre schon auf Augenhöhe mit dem FC Bayern . . .“

 

Auf die Frage, ob er seine Arbeit für den HSV entsprechend gewürdigt sah, antwortete Olli Scheel: „Ja. Mit dem Hintergrund, dass meine Arbeit ja nicht in der großen und breiten Öffentlichkeit geschehen ist. Dennoch habe ich stets viele zufriedene und auch glückliche Menschen im Stadion getroffen, die mit mir einverstanden waren.“

 

Jetzt, wo er geht – sorgt er sich da um den HSV? Um seinen HSV? Oliver Scheel: „Das ist in der Gesamtheit sicherlich schwer zu beantworten, denn in der Bundesliga-Abteilung fehlt mir seit einem halben Jahr der Einblick. Von außen ist für mich erkennbar, dass es dort sicher noch einiger Zeit bedarf, ehe der Aufschwung zu sehen ist. Mit Dietmar Beiersdorfer an der Spitze ist der HSV aber gut aufgestellt, es freut mich, dass er wieder zu uns zurückgekehrt ist. Mit ihm habe ich meine Amtszeit damals begonnen, mit ihm höre ich nun auf – das werte ich als gutes Zeichen. Es kann aber, das muss ich schon sagen, nicht gleich alles von heute auf morgen funktionieren, was nun angedacht und angeschoben worden ist, es können nicht auf Anhieb wieder blühende Landschaften zu sehen sein – alles braucht seine Zeit. Aber ich bin optimistisch, dass das auch klappen wird.“

 

Auch im Zusammenspiel AG und e.V.? Scheel dazu: „Natürlich kann man dafür nicht endlos Zeit beanspruchen, aber auch in diesem Punkt bin ich Optimist. Wir müssen sportlich durch diesen Sommer kommen, das ist klar, um dann bis Mitte 2016 gemeinsam in ein gutes und gesundes Fahrwasser zu kommen. Ich will damit nicht sagen, dass wir dann in der Champions League spielen werden, dass der Club wieder total aufgeblüht ist, aber die größten Einlauf-Schwierigkeiten sollten bis Mitte 2016 dann doch behoben sein.“ Sein Wort in Fußball-Gottes Gehörgang. Ich wünsche es Oliver Scheel, dass es so kommen wird, ich wünsche es auch dem HSV und seinem Anhang.

 

Aber verlässt er jetzt nicht doch etwas desillusioniert den Verein? Oliver Scheel überlegt ein, zwei Sekunden und sagt dann: „Nein. Ich habe es mir nicht leichter vorgestellt, also kann ich auch nicht desillusioniert sein. In meinen sechs Jahren als HSV-Vorstandsmitglied habe ich ja, es ist allen bekannt, einige Male gegen die Mehrheit gestimmt, und da hätte ich mir schon gelegentlich gewünscht, dass ich Unterstützung erhalte, um diese Dinge in meine Richtung umzusetzen. Grundsätzlich aber sage ich rückblickend, dass es schon klar war, wie schwer ein solches Amt zu bekleiden ist.“

 

Und nun? Als einfaches HSV-Mitglied? Gibt es nun eine Freikarte für ihn? Scheel lacht: „Hoffentlich nicht, denn ich habe mir meine Dauerkarten immer selbst gekauft.“ Er saß überwiegend auf der Südtribüne, ließ sich aber bei Spielen immer überall mal sehen: „Da war ich flexibel, und das möchte ich auch bleiben.“ Und eines fernen Tages wieder ein HSV-Amt? Scheel: „Das will ich nicht ausschließen. Es ist ja nicht so, dass mich nun sage: Schluss – und nie wieder. Aber ich würde nicht um jeden Preis ein Amt übernehmen. Die Rahmenbedingungen müssen schon stimmen. Was nicht heißen soll, dass ich nur Ja-Sager um mich herum haben möchte, aber ich würde die Gewissheit haben wollen, dass ich in einem Team arbeite, dass die gleichen Ansichten vertritt, wie ich. Man sollte schon in dieselbe Richtung marschieren.“

 

Ich wünsche Oliver Scheel für seine Zukunft alles Gute. Und ich bedanke mich für die stets faire und gute Zusammenarbeit. Das hat trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten sehr gut und professionell geklappt. Und vielleicht ist es ja so, wie es in Deutschland ja auch oft und schön heißt: „Man sieht sich immer zweimal im Leben.“ Oliver Scheel wird wohl als Rechtsanwalt arbeiten, sagt aber auch: „Ich habe auch einige andere Ideen im Kopf, die wollte ich aber solange nicht forcieren, wie ich noch beim HSV bin. Jetzt werde ich sicherlich die eine oder andere Sache für mich ausloten.“ Vielleicht schon am heutigen Abend. Den hatte Oliver Scheel schon genau geplant: „Um 17 Uhr werde ich das Stadion verlassen, dann werde ich mich zu Hause umziehen und um die Außenalster laufen. Dabei werde ich noch einmal an die Zeit beim HSV zurückdenken.“ Und vielleicht schon mit der konkreten Zukunftsplanung beginnen? Wer weiß?

 

Eine letzte Frage musste ich Scheel aber dann doch noch stellen. Die von „Scholle“ zum Thema Finanzen und Campus. Am 25. Januar, so hatte es „Scholle“ gestern formiert, auf der Mitgliederversammlung wird der alte Vorstand ob der in den Bilanzen versenkten Campus-Millionen Stellung beziehen müssen. Oliver Scheel tat es heute schon: „Ganz klar, juristisch ist das alles einwandfrei gelaufen, da war und ist alles in Ordnung. In der Option der Anleihe konnte jeder lesen, was im Prospekt stand. Wir sind da völlig rein. Dass einige nicht alles lesen, das kann uns nicht zum Nachteil gereichen. Dennoch sage ich auch: Wir hätten damals genau diesem Punkt doch etwas mehr Aufmerksamkeit schenken sollen, das wäre am Ende dann . . .“ Oliver Scheel hält inne. Sagt dann: „Da suche ich noch nach dem richtigen Wort. Man sollte sich das schon klar ins Gesicht schauen können, aber grundsätzlich sage ich auch, dass das ein schwieriges Thema ist. Wenn das ein wenig klarer herausgestellt worden wäre, dann wären wir wohl alle eine einvernehmliche Anliegergemeinschaft gewesen wären – das glaube ich schon.“

 

„Scholle“ wollte diese Frage auch Carl-Edgar Jarchow gestellt haben, aber das klappte aus technischen Gründen nicht – deshalb sprang ich in die Bresche. Der HSV-Vorstandsvorsitzende sagte zu diesem diffizilen Thema: „Das Geld ist damals zu bestimmten Bedingungen eingeworben worden, das konnte jeder lesen. Wir durften das Geld anderweitig anlegen, das ist klar. Wenn ich jetzt immer wieder höre, dass der Campus nicht gebaut wird, dann sage ich allen: Wartet es doch mal ab! Der nächste Trainingsplatz ist bereits geplant, es geht voran. Wenn auch langsamer, als damals gedacht. Die Leute werden es aber erleben, dass der Campus kommt, und sogar mit einem Platz mehr als ursprünglich geplant.“ Abschließend sagt Jarchow zu diesem Thema: „Wir haben die liquiden Mittel anderweitig benutzt, das ist klar, aber dazu stehen wir, denn es war legitim. Ich kenne die Vorwürfe, die uns in diesem Zusammenhang gemacht werden, aber sie schockieren mich nicht.“

 

So, und nach diesem Abstecher in die Vorstandsarbeit geht es dann doch noch nach Dubai und auf den dortigen Trainingsacker. Das heißt, um es mit „Scholle“ zu sagen, ich bin nicht in Dubai, ich sitze in der Redaktion und habe heute verschiedentlich mit Männern in Dubai telefoniert. Vornehmlich mit meinem Kollegen Kai Schiller, der mich umfassend über den Tag informiert hat.

 

Morgens stand ein Lauf vor dem Frühstück auf dem Programm, dann wurde von 11 Uhr bis 13 Uhr (oder sogar eine halbe Stunde länger?) hart trainiert. Dabei wurde der Coach auch ein wenig lauter, weil es nicht alles so lief, wie er sich das vorgestellt hatte: „Wenn ihr das nicht schafft, dann könnt ihr drüben in der Wüste Kamele reiten . . .” Oha! Es soll ja in Dubai millionenschwere Renn-Kamele geben, die nicht ganz so leicht zu reiten sein werden. Als ich mit dem HSV vor Jahren in Dubai war, logierten wir gegenüber einer solchen Kamele-Ranch – und ich machte mich eines Tages mal auf, solche Tierchen zu filmen. Eines fraß mir ein wenig vom Ärmel meines Hemdchens ab, ein anderes Kamel stieß mit dem Kopf voll gegen die Kamera (die ich durch den Zaun gehalten hatte!) und damit gegen mein rechtes Auge. Da habe ich dann mal kurzzeitig ein Auge zugedrückt . . . Also, Joe Zinnbauer, das mit den Kamelen wird doch nicht so leicht sein – wie Fußball.

 

Beim Training nicht dabei waren Pierre-Michel Lasogga, Dennis Diekmeier und Valon Behrami. Besonders bitter ist Lasogga, der nicht mal auf dem Platz zu sehen war, sondern nur individuell im Hotel trainierte. Diekmeier war gestern beim Kernspin fällt noch mit Kniereizung ein paar weitere Tage aus. Behrami war ebenfalls nicht auf dem Platz zu sehen, überhaupt noch nicht in Dubai, aber das war nach seiner Operation nicht anders zu erwarten. Ronny Marcos drehte immerhin Runden. Das Quartett wird sicherlich morgen beim Spiel gegen Frankfurt im Hazza-bin-Zayed-Stadium in Al-Ain fehlen. Anpfiff ist um 20 Uhr Ortszeit (bei uns in Deutschland 17 Uhr), Hessen 3 überträgt live.

 

Zitat Joe Zinnbauer zum Fehlen seines Torjägers: „Lasoggas Verletzung ist noch nicht so, wie wir uns das vorstellen. Wir nehmen ihn ein paar Tage raus.” Apropos raus: Heiko Westermann und Maximilian Beister waren beide am harten Vormittag voll dabei, wurden am Nachmittag aber geschont. Grundsätzlich hat mir Kai Schiller verraten: „Das Training hier ist sehr intensiv, das alles macht einen hervorragenden Eindruck.“ Besonders ein Spieler hat es dabei meinem Kollegen angetan: Cleber Reis. Schiller: „Der Brasilianer räumt alles ab, der ist super drauf, an ihm kommt keiner vorbei, und er gibt auch lautstark Anweisungen. Der macht ein richtig tollen Eindruck.“ Der Schweizer Testspieler Innocent Emeghara, der durch seine Schnelligkeit beeindruckt, fand auch Erwähnung, weil er ein schönes Fallrückzieher-Tor schoss. Er soll morgen gegen Frankfurt zum Einsatz kommen. Apropos Testspieler: Ein solcher könnte eventuell auch Mohamed Salah Ghaly werden. Der ägyptische Profi ist ebenfalls für seine Schnelligkeit bekannt, ist Linksfüßer und spielt als Stürmer für den FC Chelsea. Seit 2011 gehört der 22-Jährige dem Kader der ägyptischen Nationalmannschaft an.
Was mich an dieser Personalie stört? FC Chelsea! Für die Älteren unter uns – es gab mal ein Lied: „Wer kann das bezahlen, wer hat so viel Geld, wer hat so viel Pinke-Pinke, wer hat so viel Geld?“ Ansonsten hätte ich nichts dagegen. Und irgendwann ist ja auch ein Ruud van Nistelrooy von Real Madrid zum HSV gewechselt, nicht wahr, Eiche und Jacek Dembinski?
Das waren noch Zeiten.

 

So, wir sind ein wenig lang geworden heute, aber ich hatte ja auch, zwangsläufig, längere Zeit ausgesetzt. So ist das, wenn sich drei Herren um eine gute Sache verdient machen möchten.

 

17.47 Uhr

Die Konkurrenz siegt – und Rudnevs trifft!

25. Januar 2014

Außer Spesen nichts gewesen. Einmal Volkspark hin und zurück, aber die Spieler nicht einmal in kurzen Hosen gesehen. Nicht mal in langen. Als ich zum Training kam, fuhren die ersten HSV-Profis bereits wieder nach Hause. Dabei war ich nicht zu spät – der HSV, wahrscheinlich ja der Trainer – hatte die bitterkalte Übungseinheit kurzfristig vorverlegt. So konnte ich dann wieder ins Auto springen – und wenigstens die zweite Halbzeit in der Bundesliga verfolgen. Und wo ich gerade dabei bin, in Dortmund ist gerade das 1:1 gefallen – und Sky-Reporter Fritz von Thurn und Taxis sagt zum Eigentor: „Money, Money, Money . . .“ Weil der Dortmunder Sven Bender das 1:1 geschossen hat, der „alte Fritz“ hat dabei wohl an Abba gedacht. Oder an die Torprämie, die sich Sven Bender nun aus Augsburg holen darf . . . Ja, auch das ist Fußball. Erst hat man kein Glück, und dann kommt auch noch Pech hinzu. Ging nicht nur „Money“ Bender so, sondern auch mir. Und? Richtig! Da muss man durch.

Matz_ab_ankuendigung_2000_Uhr

Ja, und der HSV? Es sollen alle gesund vom Platz gegangen sein. Weder war einer verletzt, noch ist einer erfroren. Bert van Marwijk hat, sicher ist sicher (falls ein Schalker Spion da war), nicht elf gegen elf spielen lassen, sodass nicht erkennbar war, wer denn nun morgen in der Startformation stehen wird. „Scholle“ hat es ja gestern bereits getippt (oder spekuliert), ich schließe mich dem nur an. Heiko Westermann wird hinten drin spielen, Zhi Gin Lam auch (rechts), und auf der Sechs darf Tolgay Arslan ran. Wohl ran. Ganz Genaues weiß man nicht, das ist ja auch ganz allein Sache des Trainers. Für mich ist es auch nicht die wichtigste Frage, wer spielt, sondern nur eine Frage, wie er spielt. Wie sie alle spielen. Jeder weiß doch, um was es hier geht, trotz der arktischen Temperaturen muss ein jeder HSV-Profi brennen.

Dafür muss auch der Coach sorgen. Mit seiner Ansprache muss Bert van Marwijk seine Jungs so richtig heiß machen – so sie es dann nicht schon von alleine sind. Der Niederländer hat über das Schalke-Spiel verraten: „Noch in der Kabine nach der Niederlage gegen Mainz habe ich den Spielern gesagt, dass jetzt nur Schalke zählt. Nur dieses Spiel ist wichtig, nur das. Auf dieses Spiel ist die ganz Vorbereitung abgestimmt, nur auf dieses eine Spiel.“ Dann mal los! Bei bislang nur zwei mickrigen Heimsiegen ist das eine mutige Aussage – aber vielleicht helfen ja die beiden „Neuen“. Irgendwie ist Ola John für mich der große Hoffnungsträger im harten Abstiegskampf, auch wenn er wahrscheinlich nicht von Anfang an spielen und stürmen wird, doch es geht ja auch als Joker. Übrigens, jetzt, wo die ersten Sonnabend-Spiele beendet sind: Artjoms Rudnevs trifft zum 1:0 für Hannover 96 (1:1 Ivica Olic – die kennen wir doch, oder?) – und der „kleine HSV“ gewinnt beim grün-weißen „Geheimfavoriten“ 3:1. Und da auch Nürnberg gewinnt (4:0 gegen den nächsten HSV-Gegner Hoffenheim!) und der SC Freiburg 3:2 gegen Leverkusen siegt – warm anziehen! Ganz warm anziehen! Der HSV rangiert an diesem Sonnabend um 17.30 Uhr an Platz 15, aber Frankfurt könnte am Abend noch mit einem Sieg über Hertha BSC vorbeiziehen. Und der Tabellenvorletzte Nürnberg ist vom HSV nur noch zwei Punkte entfernt. Daumen drücken!

Für den „großen HSV“ können wir jetzt bis zum Anpfiff ohnehin nicht mehr viel tun – außer Daumen drücken. Alles andere muss jetzt und am Sonntag von 17.30 Uhr an von den Spielern erledigt werden. Und da bei Schalke Julian Draxler fehlt und zudem der große HSV-„Killer“ Klaas Jan Huntelaar zunächst nur auf der Bank sitzen wird, habe ich auch kein ganz so schlechtes Gefühl (für den HSV). Sie sollten, die Hamburger, allerdings ein wenig auf Jefferson Farfan (in Super-Verfassung zurzeit) aufpassen, und dazu auch ein bisschen auf den „kleinen“ Max Meyer.

Und dann hoffen wir Hamburger und jeder HSV-Fan, dass es klappt. Ich habe im Abendblatt ja 2:0 getippt – 2:0. Wobei mir mein Freund „Petermann“ verbal den Vogel gezeigt hat: „Wovon träumst du eigentlich in der Nacht?“ Vom HSV. Ist, gebe ich zu, nicht immer ganz schön. So muss es wohl auch einem „Ehemaligen“ gehen. Ruud van Nistelrooy hat sich in dieser Woche zum HSV geäußert, er meinte auf „Sport1“: „In Hamburg wird immer noch ein Umbruch gemacht, zum wievielten Male eigentlich? Immer wieder ein Umbruch, Jahr für Jahr. Ich hoffe für den HSV, dass dieser neue Umbruch den Verein mal wieder hoch bringt, dass es dem HSV dann mal wieder gut geht. Das hoffe ich echt.“

Wer nicht, mein Ruud, wer nicht?

Ja, der im Umbruch befindliche HSV, was hat er in den letzten Jahren nicht alles an guten Spielern gehabt?! Gehabt! Fast alle guten Jungs sind weg, sind Hamburger Geschichte. Wenn ich da so an Freitag denke, an Mönchengladbach gegen Bayern. Aber hallo. Was hat sich der Jerome Boateng gemacht!? Der spielt eine Weltklasse-Partie nach der anderen. Der hat gestern, so glaube ich, nicht einen Fehler gemacht – überragend, ganz einfach überragend. Und wo ich gerade bei diesem „Eröffnungsspiel“ bin: Irgendein Anhang, ob der von Gladbach oder vom FC Bayern, hat dem HSV-Anhang ja ein Lied geklaut. „Immer Erste Liga.“ Ich dachte, ich träume. „Immer Erste Liga“, ja das ist der HSV, und andere übernehmen es für sich – so gesehen kann sich die HSV-Anhängerschaft ja die Hände reiben: Die „große“ Konkurrenz klaut in Hamburg. Das hat schon was. Wenn es schon nicht die Fußballer sind, die sich in den Mittelpunkt drängen, dann ist es wenigstens noch der Anhang. Glückwunsch. Da hat sich eine Idee verselbständigt.

So, ich komme ins Schwafeln. Aber einen habe ich noch. Neues von Thomas Doll. Der ist ja bekanntlich Trainer des ungarischen Traditions-Clubs Ferencvaros Budapest und hat das erste Testspiel mit 5:1 gegen einen Drittliga-Verein gewonnen. Nach dem Schlusspfiff wurden die Spieler und vor allem der Coach lautstark gefeiert. Und ich drück Thomas Doll kräftig die Daumen, dass das so weitergehen wird für ihn. Denn ich halte ihn immer noch für einen sehr guten Trainer – weil ich doch weiß, was ich von ihm in Ochsenzoll und im Volkspark gesehen habe.

Zu diesem Thema sendet der NDR an diesem Sonntag einen besonderen Bericht:

Thomas Doll hofft perspektivisch auf eine Rückkehr in die Bundesliga. “Ich werde eines Tages wieder in der Bundesliga auf der Trainerbank sitzen – das weiß ich. Wenn man seriös arbeitet und einen guten Job macht, dann ist auch alles wieder möglich”, sagte der 47 Jahre alte Trainer bei den Dreharbeiten zur Sportclub Reportage („Fußballtrainer im Wartestand“, Sonntag, 23.35 Uhr, im NDR Fernsehen).

Nach zwei Jahren ohne Trainerjob hat der ehemalige Coach des Hamburger SV und von Borussia Dortmund gerade seinen neuen Posten beim ungarischen Erstligisten Ferencvaros Budapest angetreten. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass er gerne in Deutschland geblieben wäre: „Zurzeit ist es aber so, dass es schwer ist für mich in der Bundesliga. Das ist schließlich kein Wunschkonzert.“

So, und nun habe ich zum Thema Mitgliederversammlung noch eine besonderen Mail erhalten. Und zwar von einem HSV-Mitglied, das am vergangenen Sonntag in Saal eins sitzen „musste“, weil die große Halle H schon wegen Überfüllung geschlossen worden war. Da ich bis zu dieser Mail keine Ahnung hatte, was im Saal eins los war, habe ich mich gefreut, davon zu erfahren. Für alle, die es ebenfalls interessiert – und noch ein wenig mehr als nur Saal eins:

Lieber Dieter!

Heute schreibe ich weniger den Blogvater-Dieter an, sondern vielmehr den HSV-Plus-Unterstützer und -Fan Dieter.

Da ich am vergangenen Freitag im Saal 1 des CCH war, haben wir uns leider nicht persönlich getroffen. Dennoch freue ich mich sehr, dass HSV-Plus die erste Hürde genommen hat. Vielen Dank auch dafür, dass du meine Frage aufgegriffen und im Forum meiner Meinung nach sehr hilfreich damit beantwortet hast, dass nicht taktisch gewählt werden, sondern vielmehr lediglich seinem Favoriten die Stimme gegeben werden sollte. Wie von mir befürchtet, zielten genau darauf ja verschiedene Konzepte ab.
Glücklicherweise ohne Erfolg. Allerdings ist dies wirklich nur das 1:0 für HSV-Plus gewesen. Beim anschließenden Tagesordnungspunkt fiel zwar noch nicht der Ausgleich, aber wir spielen nur noch mit zehn Mann, wenn man es mal in die Fußballersprache übersetzen will.
Wenn ich richtig informiert bin, dann stehst du dem Thema Fernwahl durchaus kritischer gegenüber. Ich plädiere dafür zwar grundsätzlich, halte diese Frage jedoch – und da bin ich bei Dr. Krohn – für eher nebensächlich, sofern HSV-Plus wirklich umgesetzt wird. Allerdings liegt genau dort das Problem. Sofern die fehlenden Prozente für die Fernwahl erreicht worden wären, wäre die endgültige Zustimmung für HSV-Plus wohl nur Formsache gewesen. So bin ich mir da leider nicht so sicher…

Getragen wird diese Befürchtung insbesondere von meinen Beobachtungen auf der vergangenen Mitgliederversammlung. So konnte ich im Saal 1 nach dem Vortrag Rieckhoffs nahezu ausschließlich Begeisterung vernehmen, keine Pfiffe oder Kritik, sondern eine absolut überwältigende Mehrheit, die das Konzept mit stehenden Ovationen gefeiert hat. Die anderen Konzepte hingegen erhielten nur ganz vereinzelt Applaus. Der Saal hatte zudem diverse Lücken.
Als es dann jedoch zur Abstimmung und den finalen Schlussworten kam, herrschte ein etwas anderes Bild vor. Der Saal war mittlerweile sehr gut besucht und von dem zuvor fast leeren Oberrang ertönten deutlich hörbare Pfiffe zu Rieckhoffs Konzept sowie ebenfalls deutlicher Jubel zum Konzept “HSV-Reform”. Ähnlich verhielt es sich bei der Frage zur Fernwahl, deren Ablehnung frenetisch bejubelt wurde. Was ich damit sagen will: Scheinbar wusste eine große Gruppe von Leuten, wann die Abstimmung ungefähr stattfindet. Zu genau diesem Zeitpunkt hat sie sich eingefunden. Die Tatsache, dass diese Gruppe relativ geschlossen auftrat – und dann auch für Unruhe im hinteren Bereich von Saal 1 gesorgt hat – lässt zudem befürchten, dass es sich dabei um eine organisierte Gruppe handelt. Von wem auch immer diese organisiert wurde… Befürchtet werden muss nun, dass diese “Organisation” im Sommer noch größeren Umfang erreichen wird, zumal ich bereits (nicht wenige) Stimmen vernommen habe, die sagten, dass sie sich nicht noch einmal zehn Stunden Versammlung antun werden und es die verbliebenen Mitglieder schon richten würden. Sofern viele so denken wäre dies natürlich absolut fatal…

Daher habe ich mir einmal Gedanken gemacht, wie zumindest ein “Sicherheitsnetz” gespannt werden könnte. Diese Vorgehensweise ist möglicherweise auch nicht uneingeschränkt fair, das sind die Überlegungen der HSV-Plus-Gegner aber erst recht nicht. Fakt ist, dass die Abstimmung zur Fernwahl nur gescheitert ist, da bereits diverse Familienväter zu dieser späten Stunde den Saal verlassen hatten und ihre Ja-Stimmen somit nicht mehr zur Verfügung standen. Gleichzeit waren zu diesem Zeitpunkt die “Gegner” von HSV-Plus deutlich zahlreicher im Versammlungsraum vertreten, als dies noch zu Beginn der Veranstaltung der Fall war. “Geradegerückt” werden könnte diese Situation nur dadurch, dass der TOP Fernwahl erneut auf die Liste aufgenommen wird. Ergeben würde sich – nach stundenlanger Diskussion über HSV-Plus und deren – ich will es nicht hoffen – Ablehnung durch wenige Stimmen jedoch im Anschluss nur wieder die gleiche Situation. Die Abstimmung zur Fernwahl scheitert, HSV-Plus dann im Zweifel ebenfalls auf Jahre, da die nötige Mehrheit knapp nicht erreicht wird. “Geknackt” werden könnte dieser Teufelskreis dann nur durch Zustimmung zur Fernwahl. Wie aber könnte diese relativ sicher erreicht werden? Zunächst steht der TOP am Ende der Tagesordnungsliste (so wird es ja vermutlich sowieso automatisch kommen). Direkt nach den Begrüßungsworten wird ein Antrag auf Änderung der Geschäftsordnung gestellt. Den überwiegend HSV-Plus-affinen Mitgliedern wird erläutert, dass eine Abstimmung am Ende unfair wäre, da viele Mitglieder dann schon zu Hause sind. Zudem werden alle HSV-Plus-Befürworter (die zumindest zu diesem Zeitpunkt noch mehr als 75% betragen sollten) darum gebeten, dass sie ihre Stimme abgeben, damit – im Falle einer Ablehnung des Antrages – ALLE Mitglieder die Möglichkeit haben, sich zu diesem brisanten Thema durch Stimmabgabe zu äußern.

Eine solche Begründung – vorgetragen durch einen erfahrenen und charismatischen Redner wie z. B. Sven Kröger – sollte die 50 Prozent Mehrheit erhalten. Anschließend würde über das Thema Fernwahl abgestimmt und zwar dann, wenn noch der Großteil der HSV-Plus-Befürworter im Raum ist und vor allem bevor die HSV-Plus-Gegner ihre Mannen komplett herangekarrt haben. Eine Zustimmung zur Fernwahl würde dann zumindest Gewissheit geben, dass HSV-Plus auf einer nachfolgenden Mitgliederversammlung ausreichend Zustimmung erhält.

Meine Zeilen sind – wie eingangs erwähnt – der Befürchtung geschuldet, dass gewisse Stellen alles daran setzen werden, um den tatsächlichen Willen der HSV-Mitglieder zu “unterwandern”. Diese grundlegende Entscheidung sollte meiner Meinung nach im Zweifelsfall sowieso von allen HSVern getroffen werden und würde dann sicherlich auf eine Zustimmung von 80 – 90 Prozent kommen. Nur ist die Situation eben wie sie ist, und da ist es meiner Meinung nach zumindest eine denkbare “Notlösung” im Rahmen der vorliegenden Satzung zu handeln und den Kritikern von HSV-Plus nicht alle “Spielchen” durchgehen zu lassen.

Damit ist Ende für heute, morgen sind die „Helden“ gefragt und gefordert. Wir haben nach dem Spiel wieder „Matz ab live“ auf dem Programm, unsere Gäste sind das ehemalige Aufsichtsrats-Mitglied Axel Formeseyn und der frühere HSV-Torwart Jürgen Stars. Wir würden uns freuen, wenn Ihr uns einschalten würdet.

Und noch einmal zurück zur Bundesliga von heute – und „Money, Money, Money“: Dortmunds Sahin traf zum 2:1, und damit war das Eigentor vom Tisch, aber Augsburg glich doch noch aus – zum 2:2-Endstand. Doch armer „Money“ Bender?

19.04 Uhr – bei Frankfurt – Hertha heißt es immer noch 0:0.
Ach, ich hätte es nicht schreiben dürfen – um 19.07 Uhr steht der HSV auf dem Relegationsplatz, denn Meier, ausgerechnet unser Alex Meier, schießt die Eintracht 1:0 in Führung. Prost Mahlzeit!

“Wie geht es nun weiter?”

28. Dezember 2013

Winterpause. Fast alle sind im Urlaub, bereiten sich mental auf die Rückrunde vor. Mit nur 16 Punkten aus 17 Spielen hat der HSV mit Beginn des neuen Jahres eine Menge zu erledigen, es fehlt an allen Ecken und Enden, nichts ist bei den „Rothosen“ so in Ordnung, dass sich bequem zurückgelegt werden kann. Im Gegenteil, bei allen, bei wirklich allen müssten täglich die Alarmglocken schrillen. Und jeder müsste sich quasi rund um die Uhr die Frage stellen: „Wie kommen wir aus diesem Dilemma so schnell wie möglich wieder heraus?“ Ja, wie? Was ist zu tun? Laufen mir in diesen Tagen HSV-Fans über den Weg, dann werde auch ich immer wieder gefragt: „Wie geht es nun weiter?“ Ich bin leider auch kein Hellseher. Ich weiß nur, wenn hier nicht vom 3. Januar an eine ganz andere Gangart eingeschlagen wird, dann kann das alles doch noch ganz böse enden – denn die (Abstiegs-)Konkurrenz schläft nicht, diese Vereine haben sich schon lange mit ihrer prekären Situation auseinandergesetzt, haben die Lage erkannt und angenommen – und kämpfen dagegen mit allen Mitteln an. Und zwar miteinander.

Spreche ich mit den HSV-Anhängern über die Hinrunde, so komme ich auch immer wieder auf das Freiburg-Spiel. Da warf sich der SCF-Torwart Baumann ja gleich drei Dinger (beim 3:0-Sieg des HSV) selbst rein. Wenn diese drei Punkte nicht auf das HSV-Konto gewandert wären, was wäre dann wohl hier los? Man mag ja gar nicht daran denken . . .

Die letzte Rettung scheint für Fans des HSV einen Namen zu haben: Einkäufe. Der Club muss bessere Spieler kaufen, so wird oft gefordert. Die Antwort, die ich darauf gebe, ist immer dieselbe: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Und die Antworten, die Trainer Bert van Marwijk und Sportchef Oliver Kreuzer immer wieder auf die Frage nach neuen Spieler-Einkäufen unisono gaben, war die: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Obwohl das noch immer nicht alle verinnerlicht haben. Die wollen ja nichts von „einem stets klammen HSV“ wissen, die glauben immer noch an einen finanziell total gesunden HSV. Dass im vergangenen Sommer noch millionenschwere Spieler-Einkäufe getätigt wurden, das werten sie als untrügliches Zeichen dafür, dass es immer noch viel Geld im HSV gibt. Dass es aber immer Schulden oder ein immer größer werdendes Minus gibt, auch durch diese Verpflichtungen, das sehen sie nicht. Zum Ende meines Beitrags komme ich, weil ich dazu aufgefordert wurde, noch einmal auf dieses leidige Thema zu sprechen. Dass nur deswegen mit dem Vermarkter, von dem sich der Verein (HSV) eigentlich schon seit Jahren trennen wollte (ist alles nachzulesen), noch einmal verlängert wurde (das gab Millionen, die den Verein gerade noch vor einem totalen Finanz-Chaos bewahrten), das betrachten diese Finanz-Experten als völlig normal. Es ist so wie es ist . . .
Wie gesagt, am Ende kommt dieses Thema noch einmal hoch.

Zunächst aber noch einmal zu jenen Neuverpflichtungen, die nun helfen sollen – oder könnten. Das ist ein Trugschluss. Erstens wegen der fehlenden Geldmittel, zweitens wegen fehlender Angebote. Welcher Verein trennt sich jetzt von Spielern, die so gut sind, dass sie dem HSV eine Soforthilfe wären? Und selbst wenn so gute Spieler auf dem Markt wären – zu welchem Preis? Die wären (für den HSV) kaum bezahlbar. Und, wie geschrieben, sie müssten keine Ergänzungsspieler sein, sondern Profis, die dem Club sofort helfen. Von dieser Sorte aber laufen in Europa, nein, in der ganzen Welt herzlich wenige herum. Im Sommer ist das anders, aber im Winter sind solche (auch von der Konkurrenz) begehrten Exemplare wahre Raritäten.

Ich habe einmal nachgesehen, was es in diesem Jahrtausend an Winter-Transfers des HSV gegeben hat – also Einkäufe. Die Zahl derer ist, bis auf eine Saison, begrenzt. Das hat mich überrascht. So viele „Nachkäufe“ hat es gar nicht gegeben.

In der Spielzeit 2000/01 kamen in der laufenden Saison Erik Meijer, Tomas Ujfalusi und Jochen Kientz. Spieler, die nicht die ganz großen „Kracher“ waren, die aber immerhin mitgespielt haben – und zwar nicht schlecht. Wobei Ujfalusi für mich ein sehr, sehr guter Einkauf war, der Tscheche war ganz sicher überdurchschnittlich und eine sehr gute Stütze der HSV-Mannschaft.

Dann ging es weiter:

 

 

Saison 01/02: Am 1. Dezember kam Raphael Wicky, aber das blieb nicht die einzige Winter-Verpflichtung, denn es kam auch noch Bernardo Romeo (vielen Dank, Devildino!). Der HSV belegte am Ende Rang elf.

 

 

Saison 02/03: Im Winter kam Stürmer Naohiro Takahara, der es noch auf 16 Einsätze brachte, dabei aber nur drei Tore erzielte. Keine ganz so starke Bilanz. Der HSV belegte Platz vier.

 

 

Saison 03/04: Im Winter kamen Torwart Tom Starke und das Stuttgarter Talent Vjatscheslaw Hleb, beide Spieler spielten aber keine Rolle für den HSV, der am Ende Rang acht belegte.

 

 

Saison 04/05: Im Winter wurde Piotr Trochowski vom FC Bayern geholt, der Mittelfeldspieler wurde in Hamburg Nationalspieler. Der HSV belegte zum Schluss wieder Platz acht.

 

 

Saison 05/06: Im Winter gab es zwei Verpflichtungen. Eine lohnende, denn das war Nigel de Jong, und eine, die völlig daneben ging: Ailton. Der dicke Brasilianer war ein völliger Flop, aber der HSV schaffte seine beste Platzierung in diesem Jahrtausend, und zwar unter Trainer Thomas Doll: Platz drei.

 

 

Saison 06/07: Im Winter gab es drei Not-Einkäufe. Frank Rost ist bis heute der beste Winter-Einkauf des HSV aller Zeiten, denn der Torwart rettete dem HSV die Erste Bundesliga. Zudem war Ivica Olic eine überragende Verpflichtung, der Dauerläufer wurde – wie Rost – zu einer riesigen Stütze des HSV. Der „dritte Mann“ in diesem Bunde, Mathias Abel, spielte dagegen keine Rolle. Der HSV wurde am Saisonende noch (unter der Regie von Retter Huub Stevens) Tabellensiebter.

 

 

Saison 07/08: Im Winter wurden Vadis Odjidja Ofoe und Anton Putsila (in Hamburg fälschlich Putsilo genannt) unter Vertrag genommen, beide Spieler kamen über eine Mitläufer-Rolle nicht hinaus – der HSV belegte Rang vier.

 

 

Saison 08/09: Diese Spielzeit geht „in die Geschichte“ ein, weil es im Winter (unter dem Team Martin Jol/Dietmar Beiersdorfer) gleich sechs neue Leute gab – und nur einer davon mit einer großen Nachhaltigkeit aufwarten konnte: Tomas Rincon. Der Venezolaner ist bis heute dabei, alle anderen aber suchten – mehr oder weniger – schnell wieder das Weite. Oder mussten das Weite suchen: Albert Streit, Michael Gravgaard, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng (heute bei Hertha BSC fast ein Stammspieler) und Ersatztorwart Khalid Sinouh (wer hat ihn eigentlich noch drauf?). Der HSV wurde in dieser Spielzeit Tabellenfünfter.

 

 

Saison 09/10: In diesem Winter gab es nur eine Verpflichtung, aber die hatte es auch in sich: Ruud van Nistelrooy. Marketing-technisch ein „Kracher“, sportlich nicht. Tabellenrang sieben gab es dann für den HSV.

 

 

Saison 10/11: Der HSV endete auf Rang acht, im Winter hatte es keine „Nachkäufe“ gegeben.

 

 

Saison 11/12: Der HSV hielt mit Mühe und Not die Klasse, Platz 15 war es zum Schluss – ohne Verstärkungen im Winter.

 

 

Saison 12/13: Auch in diesem Winter keine einzige Verstärkung, am Ende gab es Rang sieben für den HSV. Der wohl eingesehen hatte, dass Winter-Verpflichtungen nicht so wirklich sinnvoll sind.

 

 

Seit 13 Jahren waren im Prinzip von insgesamt 23 Einkäufen nur Rost, Olic, Trochowski, Romeo, Wicky, de Jong und Rincon wertvolle Ergänzungen – weil Soforthilfen. Nicht wirklich lohnende Geschäfte für den HSV, eher war das Gegenteil der Fall, weil zu viel Geld für viel zu wenig (einfach nur) verplempert wurde.
Daraus ist allerdings zu schließen, dass sich auch in diesem Winter der HSV nur auf sicher verlassen sollte. Einfach mal die Ärmel aufkrempeln und zur Sache gehen. Das hätte schon was . . .

Nun noch ein ganz interessanter Brief, der mich nach den Festtagen erreichte. Vielen Dank dafür, auch wenn er, das habe ich natürlich durchaus registriert, kritisch mit mir, „Matz ab“ und dem Sport-Journalismus umgeht. Ich werde dazu am Ende dieser Mail noch einmal Stellung beziehen, jetzt erst einmal die Zuschrift:

„Moin Herr Matz,

erstmal hoffe ich, dass Sie, zusammen mit Ihrer Familie, schöne und erholsame Weihnachten verbracht haben. Und wünsche Ihnen hiermit auch gleich einen guten Rutsch ins neue Jahr! Soweit, so gut. Nun gehts wieder zu unserem geliebten HSV und den, ich nenne es mal, Aufgaben, eigentlich sogar Pflichten, eines Journalisten. Seit mehr als einer Woche ist es nun auch offiziell: dem HSV geht es nicht nur sportlich, sondern auch finanziell sehr schlecht. Noch schlechter, als einige erwartet haben. Die vor kurzem veröffentlichte Bilanz lässt das nur zu gut erkennen. Nun meine Frage: Liegt es an der noch relativ knappen Zeit, dass eben über diese aktuelle (und zugleich schrecklich anzuschauende) Geschäftsbilanz der Saison 2012/2013 nur sehr oberflächlich berichtet worden ist, oder war das in der Tat schon alles, was wir dazu erwarten durften? Allgemein vermisse ich bei Ihnen und Ihren Kollegen vom Abendblatt eine detaillierte und tiefgreifende Analyse zu den aktuellen HSV-Verhältnissen. Insbesondere den Finanzen. Vieles ist so schwammig, so oberflächlich. Aber ist es nicht genau die Aufgabe eines Journalisten, eklatante Missstände klar und deutlich anzuprangern? Zum Beispiel so wie Ihre Kollegin Britta Kerhahn das vor einigen Tagen getan hat? Wobei Sie nicht mal außergewöhnliches geleistet hat, sie hat einfach nur das getan, was ein/eine Journalist/Journalistin tun muss. Nämlich Missstände aufdecken. Klar und deutlich. Darf man das zukünftig (vermehrt) auch von Ihnen und Ihren Abendblatt-Kollegen erwarten? So eine schöne, tiefgreifende Analyse der Finanzen des HSV, der aktuellen Bilanz 2012/2013? Wo z.B. ist das Geld der Fananleihe plötzlich hin?

. . .

Sehr viele HSV-Fans würden es Ihnen danken und sich mit Sicherheit sehr darüber freuen, solche detaillierte Analysen zukünftig in Ihrem, ansonsten durchaus interessanten HSV-Blog, zu lesen zu bekommen. Gerne aber auch beim Abendblatt direkt. Trauen Sie sich und lassen Sie zu diversen Themen mal “echte” Experten an die Tasten! Das würde dem Blog meiner Meinung nach sehr gut tun. PRO Gastbeiträge bzw. Expertenmeinungen.

Viele Grüße, Marcel“

 

 

Eine „schöne und tiefgreifende Analyse“ erwartet der User „Marcel“. Dazu muss ich einmal sagen, dass es solche „schönen, tiefgreifenden Analysen“ hier früher durchaus zu solchen Zahlen gegeben hat. Nur was war die Folge? Die Experten, und es gab hier tatsächlich solche Experten, die mit Zahlen im täglichen Alltag, also im Berufsleben, umzugehen hatten, diese Experten haben uns Punkt für Punkt widerlegt. Es wäre ja alles nur dummes Zeug, alles Blödsinn, es ist ohnehin alles ganz anders. Wir wurden als völlig „ahnungslos“ und als „Blinde“ hingestellt. Das ging nicht nur wochenlang, sondern monatelang und jahrelang so. Diese Herren (und auch Damen, muss ich leider sagen) wussten alles besser. Die glaubten unsere „schönen, tiefgreifenden Analysen“ nicht nur nicht, sie rechneten uns genau das Gegenteil von dem vor, was wir in unseren „schönen, tiefgreifenden Analysen“ errechnet und recherchiert hatten.

Davon, lieber „Marcel“, habe ich persönlich längst die Nase gestrichen voll. Sprechen diese Zahlen und Tatsachen, die jetzt auf dem Tisch liegen, nicht für sich? Ist das alles nicht alarmierend genug? Und bei diesem ganzen Dilemma in diesem HSV ist doch heute noch immer so, dass hier Leute glorifiziert werden, die für den finanziellen Absturz des HSV verantwortlich sind. Die Jungs, die dafür Verantwortung tragen, dass es mit diesem Club steil bergab ging, werden jetzt aber immer noch von Leuten glorifiziert, die zwar bei den HSV-Spielen auf der Tribüne dabei sind, sogar gelegentlich beim Training – die aber allein dadurch alles wissen (wollen) und die sich so den absoluten Durchblick verschafft haben. Woher dieser Durchblick dann aber auch immer kommen mag, ich habe diese Leute nie innerhalb des HSV mitarbeiten gesehen, geschweige dass sie sich HSV-intern erkundigt oder auch nur schlau gemacht haben, wie und warum alles so läuft – oder gelaufen ist?
Da wird munter drauf gemutmaßt und dann einfach rausgehauen, was ihrer Meinung nach einfach mal herausgehauen werden muss.

Vielleicht kommt eines Tages doch noch ein Mensch (des HSV), der einmal schonungslos auspackt und die Dinge offen beim Namen nennt. Das ist leider nie geschehen – aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch meine. Wenn eines Tages die eine oder andere Führungsperson des HSV so in die Enge getrieben worden ist, dass ihr gar nichts anderes übrig bleibt, als „auszupacken“, dann werden wir allen vielleicht doch noch einmal die ganze Wahrheit erfahren. Ich wünsche es mir.

Vieles ist „so schwammig, so oberflächlich“ – schreibt „Marcel“. In seinem vorherigen Beitrag hat „Scholle“ noch einmal – allerdings gar nicht so schwammig und oberflächlich – geschrieben, wie es um die Finanzen des HSV bestellt ist. Auch die Problematik mit dem Vermarkter, der noch einmal verpflichtet werden musste, weil sonst die schon so negativen Zahlen noch viel dramatischer gewesen wären.
Was ist daran „schwammig und oberflächlich“? Diese Bilanz wurde von allen Medien angeprangert. Das ist Tatsache. Und nun sind die HSV-Mitglieder gefordert, darauf zu reagieren. Wo es doch innerhalb des HSV noch immer (und ganz sicher) viele, viele Leute (Mitglieder) gibt, die die Zahlen ohnehin nicht als so dramatisch ansehen, als dass darauf reagiert werden müsste. Oder die diese Negativ-Zahlen einfach als “dummes Zeug” abtun.

Kurios in diesem Zusammenhang ist ja auch, dass es nun im Aufsichtsrat Personen gibt, die eine solche Kontrolle (des Vorstands) immer von ihren Vorgängern nicht nur erwartet, sondern auch stets und ständig mit Nachdruck, Vehemenz und auch mit vielen bösen Worten (oft hinter der vorgehaltene Hand) gefordert hatten, die heute aber selbst alles nur abnicken und mittragen.
Alles halb so wild? Genau, alles nur halb so wild!
Offenbar wollen es im HSV viele so „schwammig und oberflächlich“.

Allen aber, denen die Tatsache, dass die negativen HSV-Zahlen nur durch eine eigentlich nie gewollte Verschönungskur (mit dem Vermarkter) „gerettet“ wurden, zu denken gibt, die sollten sich endlich wehren. Am 19. Januar können die Weichen für eine bessere Zukunft des HSV gestellt werden, diejenigen, die dabei mithelfen wollen, die müssen dann nur Flagge zeigen, ins CCH kommen und wählen. So einfach wäre das.
In diesem Zusammenhang stelle ich mir übrigens schon seit geraumer Zeit zwei nicht ganz unwichtige Fragen:

Wieso engagieren sich eigentlich so viele ehemalige HSV-Profis für diese neuen HSV-Strukturen – wieso? Ich kenne bislang keinen „Ehemaligen“ (Spieler) des HSV, der dagegen ist.
Und warum sind so viele Leute, die nie an den Außenlinien auf- und abgelaufen sind, um dann eine halbhohe Flanke zur Mitte zu schlagen, so sehr dagegen? Weil diese Leute ganz einfach viel mehr Ahnung vom Profi-Fußball haben?

Ihr solltet vielleicht einmal darüber nachdenken.

Und nicht vergessen:
Ich bin für ein friedliches Miteinander.

17.57 Uhr

Tolgay Arslan macht es Spaß, “da vorne ein bisschen rumzudödeln!”

1. Dezember 2013

Das eine Abend-Spiel ist mit zumindest überwiegend positiven Eindrücken verarbeitet – da steht das nächste schon an für die Jungs vom HSV. Trainer Bert van Marwijk hat mit den Spielern am 1. Advent die Bundesliga-Partie in der Volkswagen Arena (1:1) besprochen und analysiert. Jetzt geht der Blick nach vorn, und das lohnt sich allemal.

Ich freue mich richtig auf diesen Pokalabend am Dienstag ab 19 Uhr. Das Stadion ist fast ausverkauft. Es kommt ein anderer Traditionsverein in den Volkspark, der 1. FC Köln. Und ich glaube, dass dieser Gegner dem HSV gerade gelegen kommt, um in die Runde der letzten acht einzuziehen. Es ist eigentlich mal wieder Zeit für ein richtiges Fußballfest.


Beim Training heute Vormittag war außerhalb nicht viel los. Ein paar Fans waren nur da – und immerhin bekamen sie Rafael van der Vaart wieder auf dem Trainingsplatz zu sehen. Beim Übungsspiel zehn gegen zehn mischte er munter mit – allerdings als neutrale Figur auf dem Rasen. Er war immer bei der Mannschaft, die gerade den Ball hatte. Freier Mann sozusagen. Probleme mit seinem lädierten rechten Fuß waren nicht zu erkennen.

Trotzdem sagte van der Vaart hinterher, dass es nicht für einen Einsatz gegen Köln reichen würde. „Mir geht es sehr gut“, so der Niederländer, „aber Köln kommt zu früh“. Das würde bedeuten, dass Rafael van der Vaart dann am Sonnabend in der Bundesliga gegen den FC Augsburg zurückkehren wird. Jedenfalls bewahrheitet sich, was Trainer und Sportchef schon unmittelbar nach der Verletzung gesagt hatten. Vier Wochen werde der Ausfall des „kleinen Engels“ nicht dauern.

Und es bewahrheitet sich auch, was wir schon über seine Verletzung im Allgemeinen berichtet haben. Der kolportierte Bänderanriss innen und außen kann es unmöglich gewesen sein – da haben sich in der Diagnose Altschäden und akute Symptome unübersichtlich vermischt.

Gegen den VfL Wolfsburg hat Tolgay Arslan die van-der-Vaart-Rolle meistens eingenommen. Im Scherz darauf angesprochen, dass sich van der Vaart nach Arslans starker zweiter Hälfte bei den Wölfen ja erst wieder ins Team spielen müsse, lachte der Deutsch-Türke: „Nein, nein. Der Rafa ist eine feste Größe. Den brauchen wir dringend. Wir freuen uns alle, dass er schneller zurückkommt, als fast alle vermutet haben.“

Seine neue offensive Rolle, die ja eigentlich eine ganz alte ist, weil Tolgay Arslan sie vor Jahren noch gespielt hat, gefällt ihm. „Das hat Spaß gemacht in Wolfsburg, da vorn ein bisschen rumzudödeln. Der Trainer gibt mir auch das Vertrauen, das ist ganz wichtig für mich. Es gibt keinen Anschiss, wenn mal etwas schief geht. Er gibt uns mit, dass wir uns in der Offensive austoben können – auch mal mit einem Dribbling.“

Was die Analyse des Wolfsburgs-Spiels angeht, bringt es Arslan auf den Punkt. „Zwei Punkte haben wir verschenkt, aber denen wollen wir jetzt nicht mehr hinterher trauern. Ein paar Sachen müssen wir taktisch verbessern, Konzentration und Einstellung von der ersten Minute an bringen, und zwar zu 100 Prozent, und dann gewinnen wir auch die nächsten Spiele.“

Wobei der nächste Gegner, der 1. FC Köln, auf keinen Fall unterschätzt werden dürfe. „Die spielen nächstes Jahr eine Liga höher, da gehören sie auch hin“, so Arslan über den Tabellenführer der Zweiten Liga. Die haben ein paar richtig gute Kicker.“ Was, so Arslan, aber nichts daran ändere, dass sein HSV Favorit ist und diese Rolle auch durchdrücken muss.

Überhaupt, der Pokal. „Das ist ein geiler Wettbewerb. Ich habe es schon erlebt damals in Aachen, als wir erst im Viertelfinale gegen die Bayern ausgeschieden sind. Aber im Pokal passieren auch außergewöhnliche Dinge – das müssen wir Dienstag verhindern.“

Was die Aufstellung angeht, deutet sich keine Veränderung an. Im Training blieb von Formation und System alles wie in Wolfsburg. Allein Heiko Westermann musste beim Training passen und brauste nach der Behandlung seines immer noch schmerzenden rechten Knies schnell davon, während die anderen noch auf dem Trainingsrasen standen.

Eine echte Alternative für Westermann gibt es ja auch nicht, selbst wenn ihn Michael Mancienne dort im Training vertrat. Aber wie Westermann ist Mancienne gelernter Innenverteidiger und hat dort seine Stärken. Es wäre gut, würde Westermann gegen Köln Unterstützung bekommen und das sogenannte „Doppeln“ häufiger praktiziert werden. Allein gegen einen dribbelstarken Außenstürmer, wie in Wolfsburg Daniel Caligiuri, sah Westermann oft alt aus. Darauf muss die gesamte Mannschaft reagieren.

Was den DFB-Pokal angeht, wird es ja langsam wieder Zeit, dass der HSV auf sich aufmerksam macht. Der letzte Pokalsieg aus dem Jahr 1987 ist mehr als ein Vierteljahrhundert her. In diesem Jahrtausend hat der HSV bei 13 Versuchen lediglich einmal das Halbfinale erreicht. Das endete dann auch noch sportlich-tragisch mit der 2:4-Niederlage nach Elfmeterschießen gegen Werder Bremen.

Maximilian Beister, damals Zuschauer, kann sich noch gut an diese Partie im Frühjahr 2009 erinnern. „Die Stimmung damals im Stadion wird niemand vergessen, der dabei gewesen ist. Ich auch nicht. Es gibt solche Pokalspiele, die können in die Geschichte eingehen. Hoffentlich schaffen wir das auch bald.“

Zurück zur Pokal-Historie. Abgesehen von 2009 hat der HSV zuletzt auch nur ein weiteres Mal das Viertelfinale erreicht. 2008 war der VfL Wolfsburg Endstation (1:2 nach Verlängerung). Weitere vier Male in diesem Jahrtausend hat der HSV überhaupt das Achtelfinale geschafft. Ansonsten war immer vorher Schluss. Und damit es sich auch gelohnt hat, dass ich mir die Statistik der vergangenen Jahre angeguckt habe, hier noch ein paar Zahlen aus den DFB-Pokalspielen des HSV seit 2000:

Es gab in diesem Zeitraum 21 Siege und 13 Niederlagen (darunter allerdings auch das verschobene Hoyzer-Spiel 2004 beim SC Paderborn). Drei Mal stand der HSV in einem Elfmeterschießen, gewann nur 2009 gegen Fortuna Düsseldorf und verlor im selben Jahr gegen den VfL Osnabrück (dazu das angesprochene Werder-Drama). Sieben Mal ging es für die Hamburger in die Verlängerung, nur zwei Mal ging der HSV anschließend als Sieger vom Platz. Erfolgreichste HSV-Pokal-Torjäger waren Mladen Petric und Ivica Olic (je 8 Tore), Rafael van der Vaart und Piotr Trochowski (je 5) sowie Ruud van Nistelrooy, Sergej Barbarez, Raphael Wicky, Mehdi Mahdavikia und Bernardo Romeo (je 3). Mangels großer Erfolge fallen in diese Zeit einige legendäre Niederlagen. Wie angesprochen Werder Bremen 2009, Paderborn einige Jahre zuvor. Dazu 2006 ein 3:4 nach Verlängerung bei den Stuttgarter Kickers, als die Mannschaft vom damaligen Trainer Thomas Doll die Partie schon im Sack hatte.

Alles in allem ist die jüngere Pokal-Geschichte wirklich keine Hamburger Erfolgsgeschichte. Vielleicht zahlt es sich eines Tages aus, dass Maximilian Beister als Jugendlicher einige Male beim DFB-Pokalfinale in Berlin als Zuschauer war. „Ehe ich als 14-Jähriger zum HSV gewechselt bin, war ich eigentlich regelmäßig zum Endspiel in Berlin“, erzählte Beister heute. „Sechs oder sieben Mal war ich da. Ich kenne die Stimmung, sie ist einfach sehr schön“, so Beister mit einem Glänzen in den Augen. Zur Partie am Dienstag gegen den 1. FC Köln sagt Beister: „Auch dieses Spiel ist so etwas wie ein Finale. Man hat an diesem Abend nur diese eine Chance. Das Stadion wird brennen, es ist fast ausverkauft, und die Leute werden bestimmt sehr euphorisch sein. Und ich hoffe, dass uns diese Stimmung auch beflügeln wird.“

Beister ist ein richtiger Pokalfan. „Wir müssen die Chance, die wir haben, nutzen. Man braucht etwas Losglück, dann kann man viel erreichen in diesem Wettbewerb. Das sollten wir beherzigen gegen den 1. FC Köln.“ Ähnlich wie Tolgay Arslan beschwört Beister die nötige hohe Konzentration. „Von der ersten Minute an müssen wir wach sein. Wir dürfen kein bisschen nachlassen, kein Prozent runtergehen. Köln ist nicht zu unterschätzen, sie sind eigentlich kein Zweitligist. Das 3:0 bei St. Pauli hat gezeigt, dass sie Qualität haben.“

Wach sein, aufmerksam sein, von Beginn an ernsthaft zur Sache gehen – diese Dinge hat Bert van Marwijk den Spielern also in der Besprechung heute Vormittag eingeimpft. Am Dienstag um 19 Uhr ist Anpfiff, und dann werden wir erleben, wie das Team diese Vorgabe umsetzen kann. Möglich sollte es doch zumindest sein.

Geht es nach Hakan Calhanoglus Selbstverständnis, dann wird es klappen. Er wurde zu Köln gefragt und seiner Einschätzung von deren Zweitliga-Sieg am Millerntor: „Wir sind nicht St. Pauli. Wir sind der HSV.“

Ein schönes Schlusswort. Bis morgen, Training dann um 15.30 Uhr.
Lars

Der “Unverletzbare” wird wohl fehlen

3. August 2013

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Heißt es im Fußball ja immer so schön. Das kann ich aber nicht mehr hören. Für mich ist das nur Gesülze. Natürlich gewinnt ab und an der Außenseiter gegen einen großen Favoriten, aber wenn eine Profi-Truppe konzentriert und nicht überheblich spielt, dann müsste der klassentiefere Verein schon schlagbar sein. Ich bewundere, gebe ich zu, einen Club wie den FC Augsburg, der das gewiss nicht leichte Pokal-Auswärtsspiel bei RB Leipzig nach großem Kampf dann doch locker mit 2:0 gewinnt. So muss es sein. Und wenn man so die letzten Jahren Revue passieren lässt, so gewinnen die Favoriten auch mehr und mehr ihre Spiele gegen die Mannschaften „von unten“. Weil es sich inzwischen herumgesprochen hat, dass es im Pokal ja sehr wohl auch eine „dicke Marie“ zu verdienen gibt. Paradebeispiel, wie man es nicht machen sollte, ist für mich eine HSV-Pokal-Partie in der Saison 2000/01. Trainer war Frank Pagelsdorf, der in Karlsruhe mit der B-Mannschaft spielen ließ – und 0:1 verlor. Dieser Stachel sitzt bei mir immer noch sehr, sehr tief, denn dieses Pokal-Aus war überflüssig und absolut leichtfertig herbeigeführt. Ich habe Geislingen und Eppingen miterlebt (als Fan), aber dieses 0:1 von Karlsruhe ärgert mich immer noch, weil damit auch viel Geld verschenkt wurde. Verschenkt.

Inzwischen aber hat kaum noch ein Verein Geld zu verschenken. Der HSV schon gar nicht. Deswegen hoffe ich, dass die Mannschaft morgen beim Gastspiel in Jena auch weiß, was da für den Verein auf dem Spiel steht. Nicht nur an Renommee, sondern auch in Sachen Finanzen. Aber ich hoffe nicht nur, ich bin auch davon überzeugt, dass der HSV beim Fünftliga-Club von Beginn an zeigen wird, wer hier Profi und wer hier der Amateur ist. Ich erwarte ein ähnliches Spiel wie es der HSV in der ersten Pokalrunde am 15. August 2010 zeigte. Damals ging es gegen den Club Torgelower SV Greif, der HSV gewann 5:1. Ruud van Nistelrooy schoss drei Tore (zudem trafen Paolo Guerrero und David Jarolim), aber zur Pause hieß es immerhin nur 1:1. Da durfte noch ein wenig gezittert werden.

Natürlich sind solche Spiele nicht angenehm, denn die Amateure geben im „Spiel ihres Lebens“ stets alles, aber wenn man mit der richtigen Einstellung in die Partie geht, dann muss man einen solchen Auftrag auch professionell erledigen. Wie zum Beispiel am 5. August 2007, als der HSV 5:0 bei Holstein Kiel gewann – nach Kampf und Krampf. Am 27. August 2000 gab es einen klaren 3:0-Erfolg bei Erzgebirge Aue, aber souverän war etwas anderes. Und am 29. August 1998 siegte der HSV glanzlos in Runde eins bei den Amateuren des FC Denzlingen, die bis zur Pause ein 0:0 hielten. Dann trafen Anthony Yeboah, Martin Groth und Harald Spörl verwandelte einen Elfmeter. Wie gesagt, so in der Art dürfte es auch morgen in Jena laufen.

Obwohl ich Eppingen und Geislingen natürlich immer noch im Hinterkopf habe. Gegen den VfB Eppingen war das am 26. Oktober 1974 schon die zweite Pokalrunde, zuvor hatte der HSV bei Preußen Münster 4:0 gewonnen. Drei Tage vor Eppingen hatte der HSV dann im Uefa-Cup im Volkspark gegen Steagul Rosu Brasov mit 8:0 gewonnen, und dann wird eine Mannschaft, die mit Kargus; Kaltz, Krobbach, Hidien, Memering, Björnmose, Eigl (46. Bertl), Mackensen, Sperlich, Reimann und Volkert antrat, wohl ein wenig übermütig. Nur Horst Bertl traf für die Rothosen, er verkürzte auf 1:2, die Sensation aber konnte auch er nicht verhindern. Noch schlimmer eigentlich war die Pleite, die sich der HSV unter der Regie von Ernst Happel erlaubte. Am 1. September spielten in Runde eins Stein, Kaltz, Jakobs, Schröder, Groh, Magath, Rolff (46. Wehmeyer), Milewski, Wuttke, McGhee und von Heesen gegen den SC Geislingen. Zuvor hatte der HSV in der Bundesliga bei Borussia Dortmund 2:1 gewonnen und daheim gegen Mönchengladbach 1:1 gespielt – und dann ging es gegen elf Geislinger . . . Und die siegten 2:0. Gegen einen HSV, der letztlich Platz fünf in der Bundesliga belegte. So kann es gehen. Auch gehen. Nur morgen, da wird es anders, viel souveräner, professioneller und deutlicher laufen. Wobei das 0:4 von Dresden, am vergangenen Mittwoch „eingespielt“ natürlich auch eine Rolle spielen wird. Wer als Profi jetzt nicht wachsam ist, wer jetzt noch glaubt, dass es mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei gegen den Außenseiter geht, der dürfte seinen Job verfehlt haben. Und letztlich riskiert er mit einem lustlosen oder überheblichen Auftritt auch seinen Job beim HSV.

Einen „ganz schlimmen“ Pokal-Auftritt des HSV habe ich übrigens noch: Paderborn, 21. August 2004. Die Mannschaft von Trainer Klaus Toppmöller verlor 2:4, der Coach wurde nach dem Aus wüst beschimpft und bepöbelt, und die HSV-Spieler vom eigenen Anhang (!) bespuckt. Dabei hatte ein Schiedsrichter namens Robert Hoyzer diese Partie verpfiffen, hatte HSV-Tore verhindert und Emile Mpenza schon in der 36. Minute vom Platz gestellt. Der HSV hatte durch Tore von Christian Rahn und Mpenza schon 2:0 geführt, dann griff der „Unparteiische“ entscheidend ein – ein Tiefpunkt des DFB-Pokals. Ich war dabei, ich kann mich an dieses Spiel noch bis in jede Kleinigkeit hinein erinnern – ich werde es bis an mein Lebensende nicht vergessen – der größte Skandal überhaupt. Aber das ist ja nun schon neun Jahre Geschichte, jetzt ist der HSV gefordert, ein neues, ein positives Kapitel hinzuzufügen.

Elfmeter, das wurde ich in der Nachbarschaft eben noch gefragt, hat der HSV heute am Vormittag nicht geübt. Das wäre ja auch noch schöner. Weil es doch nie und nimmer ein Elfmeterschießen gaben darf. Und auch geben wird, davon bin ich immer noch total überzeugt. Im abschließenden Spielchen, in dem sich bunt durcheinander gewürfelte Mannschaften gegenüber standen, gab es keinen Sieger – es gab nicht mal ein Tor. Rene Adler und Jaroslav Drobny blieben „sauber“. Bunt durcheinander gewürfelt stimmt nur bedingt, denn vor Drobny, der morgen in Jena zwischen den HSV-Pfosten stehen wird, stand die Viererkette mit Dennis Diekmeier, Lasse Sobiech, Jonathan Tah und Marcell Jansen. Diese Abwehrreihe sollte sich wohl einspielen, denn, die Experten haben es sicherlich schon bemerkt und erraten, in der Mitte fehlte der Name Heiko Westermann.

Der ehemalige HSV-Kapitän hatte schon vor dem Training leichte Kniebeschwerden, dann fiel er während der Aufwärmphase auf genau das rechte Knie und verspürte einen stechenden Schmerz. Leicht laufend, abseits des Mannschafts-Trainings, versuchte Westermann, der „Unverletzbare“, noch, wieder „Leben“ in sein Knie zu bekommen, aber dann musste er aufgeben. Er ließ sich auf einem kleinen „Golfwagen“ in die Kabine fahren. Für Westermann rückt wahrscheinlich Tah in die Mannschaft, allerdings besteht noch immer die Möglichkeit, dass der deutsche Nationalspieler über Nacht doch noch gesundet (und dann spielen kann). Mitgefahren ist Heiko Westermann auf jeden Fall, es ging ja per Bus in den Osten – eine nicht gerade Kräfte schonende Reise bei heißen Temperaturen. Und vielleicht auch dem einen oder anderen Stau.

Während Thorsten Fink unmittelbar nach dem Training ein großes Fragezeichen hinter dem Einsatz von Westermann setzte, wird Marcell Jansen spielen können. Der Linksverteidiger gab grünes Licht, er absolvierte das Abschluss-Training ohne Beschwerden – hatte allerdings auch eine halbe Tablette, die die Schmerzen bekämpfen soll, eingenommen. Während Jansen als spielen kann, fällt Michael Mancienne aus. Der Engländer stand zwar bis zuletzt auf dem Rasen des Trainingsplatzes, hat sich aber offenbar „etwas“ an der Wade zugezogen – Mancienne saß nicht mit im Bus, der gen Jena fuhr. Und auch Slobodan Rajkovic ist nicht dabei.
Aber es wird auch so gehen . . .

Im Sturm hat Thorsten Fink noch die Wahl: Artjoms Rudnevs oder Jacques Zoua? Ich glaube, er wird sich für den Zugang aus Basel entscheiden. Erstens wirkt er auf mich fußballerisch stärker, und zweitens könnte es ja eine Wirkung wie bei einer Lawine geben. Schießt Zoua gegen den Fünfliga-Club ein oder mehrere Tore, dann könnte das auch für die Bundesliga Selbstvertrauen geben. Könnte. Klappt das auch diesmal nicht, dann hätte Fink ja immer noch Rudnevs auf der Bank.

Nach dem offiziellen Training schossen übrigens noch vier Spieler reichlich viele Freistöße: Rafael van der Vaart, Hakan Calhanoglu, Tolgay Arslan und Dennis Aogo. Als Mauer fungierten drei dicke Plastikmännchen, im Tor stand Sven Neuhaus. Und der hatte viel zu tun. Den ersten Super-Freistoß fing er sich von Calhanoglu, der Ball flog scharf und hoch in den Winkel – sodass der Keeper nur noch applaudieren konnte. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch die anderen drei Spieler noch den einen oder anderen Freistoß sehenswert versenkten – das sah teilweise richtig gut aus. Hoffentlich bewahren sie sich für morgen ein wenig die Nervenstärke für diese Standards auf. Und wo ich gerade bei Calhanoglu war: Der Mittelfeldspieler hatte für mich die bemerkenswerteste Szene des Vormittags. Mitten im größten Gewühl mit ungefähr 18 Beinen (das sah da wie bei einer E-Jugend aus) dribbelte er sich mit zwei Doppelpässen, die er mit sich selbst spielte (!), durch die Abwehr. Das ging zack-zack, rechts links, rechts links – und ab. Thorsten Fink kommentierte das wie folgt (ich weiß allerdings nicht, wen er meinte!): „Das ging viel zu leicht, du musst mal dazwischenhauen . . .“ Wie gesagt, welcher Abwehrspieler da Calhanoglu stoppen sollte, indem er dazwischenhauen sollte, das konnte ich nicht ausmachen, aber sehenswert war diese Aktion trotz allem. Lange eine solche Finesse nicht mehr gesehen – beim HSV.

Wie schön wäre es, wenn die Fans das morgen auch, nach dem Spiel gegen den SV Schott in Jena, sagen könnten. Dass das kein müheloses Unterfangen wird, das beweist jetzt gerade der heutige DFB-Pokal auf anderen Plätzen. Dortmund, die große Dortmunder Borussia, der Champions-League-Finalist, quälte sich zu einem mageren 3:0-Sieg in Wilhelmshaven – bis zur 70. Minute hatte es 0:0 gestanden. Der SC Freiburg musste in Neustrelitz sogar in die Verlängerung, und Eric-Maxim Choupo-Moting, der Ex-HSVer, rettete Mainz mit seinem Tor zum 2:1 (in der 87. Minute) im Spiel bei Fortuna Köln. Das alles sollte dem HSV doch eine ganz kleine Warnung sein . . . Und auch das noch erwähnt: Noch ein Ex-HSVer hat getroffen, nämlich Heung Min Son, der beim 5:1-Sieg von Leverkusen zum 4:1 traf.

17.35 Uhr

Wenn Son erst einmal Welt-Fußballer ist . . .

13. Februar 2013

Sorry vorab für die Verspätung, heute war hier (in meinem Redaktions-Computer) der Teufel los. Unglaublich. Ich konnte meinen geschriebenen Text nicht in den Blog stellen, da konnte ich mich auf den Kopf stellen. Viele Kollegen haben geholfen, damit es doch noch klappt – vielen Dank dafür. Und ich hoffe mal, dass der Computer sich bis morgen wieder erholt hat. . .

Los geht es:

Es gibt noch keine Entwarnung. Im Gegenteil. Heute sprach der HSV das aus, was ich gestern noch vorsichtig umschrieb: Es handelte sich bei Nationaltorwart Rene Adler tatsächlich um eine Bauchmuskelzerrung. Das ist höchst bedauerlich, denn damit ist nicht zu spaßen. Und es könnte deswegen durchaus eng werden für das Gladbach-Spiel am Sonnabend. Adler war auch heute nicht auf dem Trainingsplatz anzutreffen . . . Es darf gezittert werden.


Ansonsten herrscht im Training eine gute Stimmung, es wird konzentriert „gearbeitet“, und es geht in den Trainingsspielchen schön zur Sache. Besonders dann, so habe ich das Gefühl, wenn die Kugel in der Nähe von Maximilian Beister ist. Der Stürmer kann vor Kraft (oder vor Frust?) kaum an sich halten, er lässt es in fast jedem Zweikampf ordentlich krachen. Der Stachel sitzt offenbar tief. Weil er derzeit nicht zum Einsatz kommt, denn Artjoms Rudnevs und Heung Min Son haben im Moment deutlich die Nase vorn – weil sie einen fast unglaublichen Lauf haben. Beide. Dabei bescheinigt Trainer Thorsten Fink seinem „dritten Mann“, nämlich Beister, dass er sich zurzeit in sehr guter Verfassung befindet, dass er gut trainiert – dass er nur das Pech hat, dass zwei andere Stürmer sehr gut drauf sind. Was natürlich kein Trost für Beister sein kann, denn er sieht auf sich, er will spielen. Klar. Aber da sind dem Trainer schon die Hände gebunden, er kann ja nicht dazu kommen, freiwillig auf Son oder Rudnevs zu verzichten – da würde sich die Konkurrenz des HSV schön die Hände reiben.

Wobei es für mich nach wie vor sensationell erscheint, dass sich Rudnevs und Son so großartig gesteigert haben. Ich kann mich noch genau an den 27. Juli 2010 erinnern – als Son im Trainingslager in Längenfeld (Österreich) sein erstes Interview gab.

„Scholle“ schrieb damals für das Hamburger Abendblatt:

„Er atmete unüberhörbar tief durch. Geschafft! Heung Min Son hatte seine erste eigene Pressekonferenz mit Erfolg absolviert. Der Auftritt vor den Reportern im HSV-Trainingslager verlangte ihm sichtlich mehr Mut ab als seine Gastspiele auf dem Rasen. Dort hat der 18-jährige Südkoreaner zuletzt so brilliert, dass er inzwischen als feste Größe im Profi-Kader des HSV zählt. Ja, der Stürmer ist sogar mit sieben Treffern bester Vorbereitungsschütze des HSV. Trainer Armin Veh ist überzeugt: „Son kann mit 18 Jahren schon so viel wie andere Profis mit 30 Jahren nicht.”
Mit asiatischer Höflichkeit lächelt Son dennoch alle großen Ambitionen einfach weg: „Ich weiß, dass ich mich hinten anstellen muss. Wir haben mit Paolo Guerrero, Mladen Petric und Ruud van Nistelrooy Super-Stürmer.” Maxim Choupo-Moting nennt er in diesem Zusammenhang lieber nicht – schließlich hat er den vom 1. FC Nürnberg zurückgekehrten Leih-Profi in der Werteskala von Trainer Armin Veh bereits überholt.
Erwähnen würde Son dies natürlich nie. Nur keine großen Sprüche. Er redet leise in schon akzeptablem Deutsch, mitunter bittet er höflich, die Frage noch einmal zu wiederholen. Etwa als er seinen Lieblingsort in Hamburg verraten soll. Son zögert, nennt dann den Hafen. Und lächelt.

Sehr viel mehr wird Son auch noch nicht von Hamburg gesehen haben. Die „Ich lebe nur für den Sport”-Phrase gehört zum Standard-Repertoire vieler Profis. Auf Son trifft sie zu. Mit 16 kam er im Rahmen eines DFB-Austauschprogramms mit Südkorea nach Deutschland – mit ihm versuchten sich zwei weitere Koreaner beim HSV, drei heuerten beim 1. FC Nürnberg an. Nur Son biss sich durch: „Ich hatte ein Ziel. Profi beim HSV zu werden.”

So stand es damals im Abendblatt. Auffällig war damals: Son verbrachte im Training sehr viel Zeit mit Ruud van Nistelrooy. Nach fast jeder Trainingseinheit fachsimpelten sie. Es war ein ungleiches Duo. Hier der Fußball-Azubi, dort der 34-jährige Weltstar. „Ich habe früher nie diese Hilfe bekommen, vielleicht mache ich es deshalb bei ihm”, sagte der Holländer.

Es hat sich bezahlt gemacht – für Heung Min Son. Heute stand er neben mir. Nichts ist mehr von dem kleinen „Knaben“, von dem kleinen „Bürschchen“ von damals zu erkennen. Größer ist er geworden, klar, und auch breiter. Ohne ein Gramm Fett auf dem Körper, natürlich nicht, Aber er hat Muskeln bekommen, er hat in diesem Punkt deutlich zugelegt. Es macht sich bezahlt, dass er auch – neben dem, Fußballtraining auf dem Platz – viel und oft und hart im Kraftraum schuftet. Der junge Mann, 20 Jahre jung, gibt alles, um ein ganz Großer des Fußballs zu werden. Viele Jungs in seinem Alter ruhen sich oft auf dem, was sie bislang erreicht haben, aus, Son aber gibt weiter Vollgas. Da weiß ganz offensichtlich einer, was er will. Und er wird dabei auch von der ganzen Familie unterstützt. Die Geschichte, seine Geschichte könnte auch heißen: „Von einem der auszog, über Hamburg die Fußball-Welt zu erobern.“ Inzwischen, und ich gebe zu, dass das seine Zeit brauchte, inzwischen bin ich absolut davon überzeugt, dass Son seinen Weg nach ganz oben nicht nur gehen will, sondern auch gehen wird.
Und bevor ich es wieder vorgehalten bekomme: Ich weiß, dass ich, so vermute ich, vor einem halben Jahr noch ganz anders geschrieben habe. Inzwischen aber hat Heung Min Son solche rasanten Fortschritte gemacht, wie ich sie damals niemals von ihm vermutet habe. Niemals.

„Wir sind zurzeit alle sehr gut drauf, die Stimmung in der Mannschaft ist gut, das ist klar, aber feststeht auch, dass wir diesen 4:1-Sieg in Dortmund schnell vergessen müssen, damit wir am Wochenende gegen Gladbach wieder Vollgas geben können“, sagt Heung Min Son und fügt an: „Es macht natürlich mehr Spaß, wenn man gewinnt. Und jetzt müssen wir diesen Schwung nutzen, um am Sonnabend wieder zu gewinnen. Es geht immer weiter, immer Vollgas, immer Vollgas.“

Der HSV hat sein Sturm-Duo entdeckt und gefunden, beide Spieler ergänzen sich gut. Son sagt: „Wir arbeiten sehr, sehr hart, und wir bleiben nach dem Training auch oft noch auf dem Platz und schießen viel. Und wenn man viel schießt und viel trainiert, dann macht sich das auch beim Spiel bezahlt. Ich arbeite hart, und ich habe auch viel Spaß, Fußball zu spielen.“
Aus Korea kommt viel Post von den Fans, die machen viele verrückte Sachen – weil ich jetzt einen so guten Lauf habe. Im Internet wird viel geschrieben, über Audio wird viel berichtet – und die Zeitungen in der Heimat schreiben auch sehr viel. Das ist im Moment schon mehr geworden.

Dass er nicht abhebt, darauf achten sein Vater, die gesamte Familie und auch sein Berater Thies Bliemeister. Son sagt: „Die passen ganz genau auf, die sind auch sehr kritisch und auch sehr hart. Wenn ich etwas falsch mache, dann ist mein Papa schon sauer auf mich. Er will, dass ich immer nur gut spiele, jedes Spiel. Ich will das auch, aber es funktioniert leider nicht immer.“ Aber immer öfter, da ist sicher. Kürzlich sagte Trainer Thorsten Fink über Son: „Wenn er am Strafraum frei zum Schuss kommt, dann ist das meistens auch ein Tor, er hat einen sehr, sehr guten Schuss.“

Damit das nicht in einen „falschen Hals“ kommt, fügt Heung Min Son noch hinzu: „Ich bin jetzt auch nicht der kleine Junge, der alles das tut, was sein Papa sagt. Wenn ich mich müde fühle, dann sage ich ihm auch schon, dass ich nicht mehr trainieren möchte. Das ist klar. Dennoch ist mein Papa schon sehr wichtig für mich.“ Zumal der Vater bei jedem Training am Rande steht und seinen Filius ganz genau beobachtet. Und nach der Einheit gibt es dann die Einzelkritik a la Son: „Er sagt mir auch nach jedem Training, was ich falsch gemacht habe – und wie es besser gehen kann.“

Für mich ist es nach wie vor ein „kleines Wunder“, dass Son seine schönsten Tore mit dem linken Fuß erzielt. Den linken Fuß hatte er zu Beginn seiner HSV-Zeit eigentlich nur, damit er nicht umkippt. Heute sagt er: „Ich habe sehr viel geübt. Auch im Urlaub, da habe ich mit meinem Papa in Korea viel geübt. Und hier bleibe ich, wie schon gesagt, nach dem Training noch oft auf dem Platz und übe auch immer wieder mit links zu schießen. Mit links, so glaube ich, schieße ich inzwischen besser als mit rechts.“ Und er sagt noch lächelnd: „Als ich zuletzt gegen Werder Bremen mit rechts getroffen habe, war ich schon ein wenig überrascht . . .“

Als Heung Min Son gefragt wurde, ob er noch solo sei, oder ob es da schon eine Freundin gäbe, sagt er: „Solo – leider.“ Und er ergänzt: „Ich will auch ein bisschen meine Ruhe haben – aber deutsche Frauen sind schon sehr hübsch . . .“ dann „haut“ er noch einen raus, als es um das Thema Freundin geht: „Ich werde weiter hart arbeiten, und wenn ich dann Welt-Fußballer bin, dann kommt die Freundin von ganz allein.“
Hundertprozentig.

Am Sonnabend kann Heung Min Son ja mal den nächsten „raushauen“ – indem er Mönchengladbach ein, zwei oder drei „reinhaut“. Ganz Hamburg drückt ihm dabei die Daumen. Und damit wäre er dann auch schon einen Schritt weiter – in Richtung Welt-Fußballer. Und Freundin.

Dass Borussia Mönchengladbach morgen, am späten Donnerstag, noch ein schweres Spiel gegen Lazio Rom zu absolvieren hat, ist inzwischen allen bekannt. Dass das Spiel am Sonnabend, wenn die Gladbacher nach Hamburg kommen werden, kein Selbstgänger für den HSV wird, sollten trotz allem alle wissen. Und wer es nicht glaubt, der sollte sich eines vergegenwärtigen:
Gladbach hat alle vier bisherigen internationalen Europa-League-Spiele dieser Saison ohne Niederlage überstanden. Das Stichwort ist Auswärtsspiel. Wer sehen will, wie gut die Borussia zwei Tage vor dem HSV-Spiel drauf ist, der sollte am Donnerstag um 21.05 Uhr auf Sendung sein, Kabel eins und Sky übertragen live aus Gladbach.

Und dann gibt es da in Kürze noch eine Sendung, auf die sich alle Fans von Uwe Seeler freuen dürfen. Ich freue mich auf jeden Fall. Es handelt sich dabei um „Das Erdinger Star-Interview“ auf SPORT1: Fußball-Ikone Uwe Seeler spricht mit Moderatorin Caroline Voit über seinen Legendenstatus, Fußball von damals und heute, warum er 1961 ein Angebot von Inter Mailand ausgeschlagen hat, die heutigen hohen Spielergehälter, die Erziehung seines Vaters und seine eigene Vaterrolle, wie er seine Frau kennenlernte und wie er ihr einen Heiratsantrag machte. Das komplette „Erdinger Star-Interview“ mit Uwe Seeler wird am Freitag, 15. Februar, ab 19:45 Uhr ausgestrahlt.

Im Folgenden vorab ausgewählte Zitate:

Uwe Seeler sagt über …

… seinen Legendenstatus in Deutschland:„Ich bin stolz darauf, dass ich da, wo ich hinkomme, gerne gesehen bin. Ich bin schon 40 Jahre aus dem Fußball raus und werde trotzdem gern gesehen, auch erkannt. Das freut mich natürlich. Ich glaube, das ist in der schnelllebigen Zeit heute wirklich außergewöhnlich. Und wenn die Leute nett zu mir sind, dann bin ich auch zu den Leuten nett, aber ich sehe das als ganz normal an. Das Schönste auf der Welt ist, normal zu sein – und das bleibe ich! Aber da habe ich keine Probleme – es ist einfach so: Man ist wie man ist, und da kommt man am Weitesten damit.“

… den Fußball von damals und heute: „Man sollte keine Vergleiche ziehen. Wir haben in der Regionalliga eine Aufwandsentschädigung von 320 DM im Monat gekriegt, vielleicht mal nachher 400. Und selbst mit dem Beginn der Bundesliga 1963 sind ja die Gehälter vorgeschrieben gewesen. Als Nationalspieler durfte ich 1.250 DM brutto verdienen – da hätte ich mir heute in Hamburg nicht mal eine Wohnung leisten können für meine Familie.“

… die hohen Spielergehälter im heutigen Profifußball: „Ja, gut, das ist die Entwicklung. Die Spieler wären ja blöd, wenn sie das, was sie kriegen können, nicht nehmen würden. Ob immer das Preis-Leitungs-Verhältnis stimmt? Darüber kann man nachdenken!
[…] Der Fußball boomt ja unheimlich und ich hoffe, dass das auch die nächsten Jahre noch so bleibt. Man muss nur aufpassen, dass man nicht überzieht – auch nicht mit den Gehältern, dass man immer vernünftig kaufmännisch wirtschaftet. Aber man sieht ja, wie schnell das bei den Vereinen immer mal auf und ab geht. Ich sehe das bei meinem HSV eben im Moment auch, dass unheimlich viele Schulden da sind. Das muss man nach Möglichkeit vermeiden, damit nichts Schlimmeres passiert!“

… seinen Vater: „Wenn wir mal Verletzungen hatten oder wegen dicker Knöchel gejammert haben, hat er gesagt: ‚Kommt ihr Beiden mal her, ich will hier keine Weicher im Haus haben, also macht ‘nen nassen Lappen drum und in zwei Tagen ist alles weg‘. Das, was er gesagt hat, hat er immer in kurzen Worten gesagt, aber das hat gesessen. Da er selbst ein harter Bursche war, konnten wir nicht widersprechen!“

… seine eigene Vaterrolle: „Ich war immer der Gute – ich durfte nicht schimpfen. Das Schlechte hat meine Frau gesagt. ‚Schimpfen tue ich, sonst sagen die nachher: Wenn der Papi kommt, schimpft er immer – und das ist auch nicht gut‘. Das war bei uns alles immer sehr gut eingeteilt, aber die Idee meiner Frau. Sie hat mir auch immer gute Dinge und Positives zugesteckt, wenn ich nach Hause gekommen bin: ‚Lob mal hier, lob mal da – und dann war ich immer der Gute!“

Uwe Seeler auf die Frage, warum er 1961 das Angebot von Inter Mailand ausgeschlagen habe: „Die haben unheimlich viel Geld geboten! Ich habe mich aber für den Beruf und den schwereren Weg entschieden. Ich bin nach wie vor glücklich, dass ich beides so gemacht habe. Der Trainer, der mich unbedingt haben wollte, hat mir nur übersetzen lassen, dass er überhaupt nicht verstehen könne, dass ein Mensch so viel Geld ausschlägt. Aber ich bin glücklich, zufrieden, habe meinen Beruf und meinen Leistungssport Gott sei Dank durchziehen können. Mit ein bisschen guten Willen geht vieles. Ich bin heute noch froh, dass ich die Entscheidung so getroffen habe. Es wäre schlecht, wenn ich das heute bereuen würde.“

Uwe Seeler auf die Frage, wie er seine Frau kennenlernte: „Über den HSV natürlich. Sie hat Handball gespielt und ich war Fußballer. Und da haben wir uns mal auf einem Silvesterfest kennengelernt – die Chemie stimmte gleich und das Vertrauen war da. So sind wir dann beide groß geworden, haben früh geheiratet: drei Kinder, sieben Enkelkinder. Wir sind eine Großfamilie – das macht unheimlich viel Spaß!“

Seeler über den Heiratsantrag: „Also, das waren ganz andere Zeiten: Mit einer Tafel Schokolade. Sie hat nur gelacht und ich glaube, ich habe mich auch a bisserl blöd dabei angestellt, aber sie hat natürlich sofort ja gesagt.“

PS: Morgen, am Donnerstag, wird im Volkspark um 10 Uhr trainiert.

19.07 Uhr (und ab – ich bin fertig. Im wahrsten Sinne des Wortes!)

Nächste Einträge »

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.