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Der neue Klopp? Nein, es ist Zinnbauer – Joe Zinnbauer

22. September 2014

Der neue Klopp ist da. Beim HSV. Wahnsinn. Und ich darf darüber berichten.

Aber: Das mache ich nicht. Zumindest noch nicht.

Denn einen Joe Zinnbauer – so sympathisch und erfolgreich er auch ist – ist noch nie Deutscher Meister geworden, er ist noch kein DFB-Pokalsieger geschweige denn Champions-League-Finalist als Trainer wie sein Freund Jürgen Klopp. Und wenn es nach mir geht, muss Zinnbauer auch gar kein Klopp werden, schließlich kann und soll er hier doch seine eigene Erfolgsgeschichte schreiben. „Kloppo ist geil. Als Spieler, Trainer und als Typ. Bei einem Zinnbauer muss man das noch abwarten…“, sagte er heute völlig zurecht in der ihm eigenen, sehr unterhaltsamen Art, die erahnen lässt, dass die Ansprachen bei vielen Spielern Wirkung zeigen. Dennoch, kann ich ihn als Bundesligatrainer noch lange nicht beurteilen und halte es auch für höchst unseriös, etwas Derartiges zu behaupten.

Nichtsdestotrotz gibt es für mich bislang zwei Indizien, die erst einmal für Zinnbauer sprechen: Seine Art, sich mitzuteilen klingt nach Teamwork, nach Gemeinschaft und Ehrgeiz, es als unverbrauchter Bundesligatrainer weit zu bringen. Zudem sein bisherigen Erfolg als HSV-Trainer in der U23 sowie beim Profi-Debüt gegen Bayern München, wo er ganz offenbar den rechten Ton getroffen hat sowie das Urteil des renommierten Trainers, Trainer-Scouts und Trainer-Ausbilders Bernhard Peters.


Ansonsten, und das ist nur fair Zinnbauer gegenüber, hat er noch nicht viel auf Bundesliga-Ebene zeigen können. Das heißt nicht, dass ich nicht an Zinnbauer glaube. Im Gegenteil, ich glaube eher, dass die Erwartungshaltungen zu hoch geschraubt werden und hoffe sehr, dass Zinnbauer die bisherigen Vorschusslorbeeren mit der Mannschaft zusammen rechtfertigen kann. Ich bin eben auch sensibilisiert, was das Trainer-Feiern betrifft. Nach Slomkas 3:0 gegen Dortmund zum Auftakt dachten auch alle, dass Bert van Marwijk einfach nicht die richtigen Mittel ergriffen hatte und von nun an alles besser werden würde. Und es kam anders.

Damals, weil die Mannschaft schlichtweg nicht gut genug war. Sie war unfit und das wussten alle, weil es deutlich zu sehen war. Das ist diesmal anders, Slomka, der eigentlich schon seit Monaten keine echte Chance in Hamburg hatte, hat eine fitte Mannschaft hinterlassen, was nach acht Wochen Vorbereitung auch nicht anders zu erwarten war. Mehr als 120 Kilometer riss die Mannschaft gegen Bayern ab. Für viele ein Indiz dafür, dass die Mannschaft wollte – und das kann man auch gelten lassen. Denn der FC Bayern hat den HSV spielerisch dazu gezwungen.

Der Unterschied: Im Vergleich zu vielen anderen Spielen hat die Mannschaft ihre Aufgabe diesmal angenommen. Und das sicher auch. Weil Joe Zinnbauer sie gut eingestellt hatte. Vor seiner Beförderung als Gast in Matz ab live gesagt, dass ihm das Läuferische extrem wichtig ist. Er habe mit der U23 in der Vorbereitung die Grundlagen gelegt „jeden Gegner schlagen zu können. Wenn mal nicht über das Spielerische, dann über das Läuferische. Denn da kann uns keiner was vormachen“, so der Bundesligatrainer damals.

Heute musste sich der gefeierte HSV-Trainer erneut auf dem Podium den Fragenden stellen (siehe Video-Interview). Und er erledigte seinen Job erneut äußerst gekonnt. Locker, mit Biss und der einen oder anderen Anekdote garniert. Dass er 24 Stunden am Tag für Fußball lebt war da noch unspektakulär, zumal das nach eigenen Aussagen bei keinem HSV-Trainer bisher anders war. Außer natürlich bei Toppi Toppmöller, der war sogar 25 Stunden am Tag für den HSV unterwegs….

Aber egal wie, Zinnbauer brennt auf seinen neuen Job. Genau wie Torwarttrainer Stefan Wächter, der Ronny Teuber ersetzt. Ein Wechsel, den ich zunächst sehr schwer nachvollziehen konnte, da Teuber von wirklich allen Torhütern bislang als Top-Lösung bezeichnet worden war. Mir ist wirklich kein einziger Keeper seit Teubers Rückkehr bekannt, der den Inhaber der Fußballlehrer-Lizenz nicht gelobt hat. Und das im privaten Gespräch auch von jenen, die nicht spielten… Aber okay, es ist jetzt so. Und Stefan Wächter erledigte seinen Job im Nachwuchsbereich so gut, dass er schon lange hoch gelobt war. Ich hatte nur gedacht, dass der HSV sich an dieser Stelle einen Abfindungsposten hätte sparen können.

Heute im Training war das egal. Zinnbauer absolvierte ein aktives Rehaprogramm mit Torschussübungen – womit ich zum letzten Punkt kommen wollte, der mir in den zehn tagen Urlaub von außen aufgefallen ist: Die Erwartungshaltung an Pierre-Michel Lasogga. Denn klar ist, Lasogga ist noch nicht in der Form, die man sich von ihm bei seiner Verpflichtung erhofft hatte. Er hat gegen Bayern als einer der Wenigen nicht überzeigt – und das kann und darf niemanden überraschen. Lasogga hat fast zwei Drittel der Vorbereitung verletzt passen müssen und wurde trotzdem von Saisonbeginn an reingeschmissen. Seither klagt er nicht (er redet ja eh nicht), aber es wird geklagt. „Er ist ein toller Stürmer, der noch nicht bei 100 Prozent ist. Er ist noch nicht topfit und weiß das auch“, sagte Zinnbauer heute sinngemäß. Und wir sollten das verinnerlichen. Lasogga ist nicht fit – aber sowohl Slomka als auch Zinnbauer setzen auf ihn und geben ihm das vertrauen, das dieser zurückzahlen wird. Und solange er gesund bleibt gehe ich ganz fest davon aus, dass Lasogga das auch tun wird. Vielleicht ja schon am Mittwoch in Mönchengladbach, wo vermutlich die gleiche Startelf wie gegen Bayern auflaufen wird. Zumindest wurde heute so trainiert.

In diesem Sinne, bis morgen. Dann hoffentlich etwas früher als heute.

Scholle

P.S.: Julian Green musste mit leichten Atemproblemen vorzeitig in die Kabine, soll aber morgen schon wieder mittrainieren können.

P.P.S.: Vielen, vielen Dank noch einmal an alle, die meiner Frau und mir so lieb gratuliert haben. Wir haben uns sehr gefreut! Danke!!

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