Archiv für das Tag 'van der Vaart'

Sensationell! Wahnsinn! Der HSV bleibt oben!

1. Juni 2015

Der HSV muss nicht runter! Hurra, er lebt immer noch! Das war Dramatik pur, das ist alles der helle Wahnsinn, das war nur Wahnsinn. Mit 2:1 nach Verlängerung gewinnt der HSV das Relegations-Rückspiel in Karlsruhe und bleibt damit in der Ersten Bundesliga. Gratulation, HSV! Auch wenn er wieder einmal bis zur letzten Sekunde mit den Nerven seiner Anhänger gespielt hat. Gekämpft haben sie, gut gespielt haben sie nach langer Zeit auch mal wieder, aber in der 90. Minute sah es dennoch nach der Zweiten Liga aus. Der KSC führte 1:0, als es doch noch einen Freistoß für den HSV gab. Ein Freistoß, der wohl nicht berechtigt war, aber Marcelo Diaz traf aus 20 Metern – Verlängerung. Und da nutzten zwei Eingewechselte für die Entscheidung: Cleber legte von links in den Fünfmeterraum, Nicolai Müller war zur Stelle und schoss das 2:1 – die Entscheidung, die erste Liga! Glückwunsch, HSV! Aus einer grottigen, aus einer total verkorksten Saison wurde dann doch noch das Beste gemacht. Glückwunsch auch Trainer Bruno Labbadia, der sicher nicht alles richtig gemacht hat, aber der letztlich dafür gesorgt hatte, dass diese eigentlich „tote Truppe“ doch wieder ein bisschen Leben zeigte. Aufgeräumt werden muss trotz allem, beim HSV, aber das hat jetzt Zeit. Erst einmal darf gefeiert werden – Glück, Glück, Glück. Aber der HSV hat anscheinend die Dame Fortuna auf seine Seite gebracht. Dass der KSC in der Schlussminute noch einen Handelfmeter verschoss, Rene Adler hielt gegen Hennings, war nicht mehr entscheidend, denn selbst bei einem 2:2 wäre der HSV oben geblieben.


 

Der HSV begann in Karlsruhe diesmal ganz anders, als noch am Sonnabend im Volkspark. Das sah nach Fußball aus. Der „Dino“ übernahm die Spielführung, er drückte, er spielte nach vorne – wann immer es gegen die beiden Viererketten des KSC ging. Der HSV, bei dem doch Lewis Holtby wieder die Chance erhalten hatte (und nicht Zoltan Stieber), war Chef im Ring und diktierte über weite Strecken das Tempo. So muss ein Erstliga-Verein gegen einen klassentieferen Gegner spielen. Das sah gut aus. Bis auf die Tatsache, dass der HSV nicht nur schön spielen durfte, sondern auch ein Tor machen musste. 0:0 wäre der Tod.

 

Ivo Ilicevic riskierte bereits in der fünften Minute eine Fernschuss, doch der Ball, aus 24 Metern abgefeuert, verfehlte um die, vier Meter das KSC-Tor. Immerhin, es war mal ein Schuss des HSV. Und nur 60 Sekunden noch eine Hamburger Möglichkeit: Ivica Olic umkurvte die KSC-Abwehr von rechts (wie einst Helmut Rahn – oha, sehr hoch gegriffen, ich weiß!) und schoss aus 18 Metern mit links, aber Torwart Orlishausen hielt die Kugel, indem er sie ins Feld zurückfaustete. Aber das war doch mal etwas, was für Optimismus sorgen könnte. Und es wurde noch besser: Marcelo Diaz schickte Dennis Diekmeier in den KSC-Strafraum, ein kluger Rückpass – aber leider war kein HSV-Kollege zur Stelle. Aber immerhin mal ein Ball, der hinter die Abwehr gespielt wurde – und der Gefahr brachte (17.). Und wiederum nur Sekunden später gab Rafael van der Vaart, für den gesperrten Gojko Kacar im Team, den Ball hoch an den Elfmeterpunkt, Olic legte per Kopf ab auf Pierre-Michel Lasogga, und der schoss, so kennt man ihn, sofort. Voller Wucht, aber der Ball wurde von seinem Gegenspieler abgeblockt, Gefahr gebannt.

 

Immerhin, das fiel mir während dieser Drangphase des HSV ein, machte der HSV schön Druck. Und ich musste an den vergangenen „Doppelpass“ (Sport1) denken, in dem der frühere HSV-Manager Heribert Bruchhagen gesagt hatte: „Der HSV ist zu Hause nicht in der Lage, das Spiel zu machen . . .“ Das stimmt. Aber anscheinend klappt das auswärts besser, denn hier bestimmte der HSV die Szenerie und machte das Spiel. Eindeutig. Der KSC kam kaum einmal gefährlich in die Nähe des Hamburger Strafraums. Der HSV auf der Gegenseite aber sehr wohl: van der Vaart versuchte sich aus 18 Metern mit seinem schwächeren rechten Fuß, aber Orlishausen hielt mühelos. Wie sehr der HSV drückte, das drückte nach einer halben Stunde auch das Eckenverhältnis aus, der HSV führte 6:0. Aber leider weiterhin torlos. Das änderte sich auch in der 39. Minute nicht, als Lewis Holtby von links flankte, Lasogga köpfte aus neun Metern, aber zu lasch und zu unplatziert, wieder war Orlishausen mühelos auf dem Posten.
Halbzeit, 0:0.

 

Unverändert ging es in den zweiten Spielabschnitt. Und der HSV kam. Er machte das, was angesagt war – es musste ein Tor her. Und das lag in der 52. Minute in der Luft: Eckstoß von links von van der Vaart, am Fünfmeterraum steigt Diekmeier hoch und verlängert zu Mitte, der Ball kam am Elfmeterpunkt runter, da stand Lasogga – doch der traf den Ball nicht richtig. Was ihm bescheinigt werden muss: war auch schwer. Dennoch, mit Glück macht man auch ein solches Ding mal, aber eben auch nur mit Glück.

 

Dann drückte der HSV etwas weniger, und es wurde dafür bunter. Drei Gelbe Karten gab es für den HSV: Diaz, Slobodan Rajkovic und van der Vaart hatten zu sehr mit den Ellenbogen gearbeitet. Und der KSC wurde stärker . . . Nach einem Eckstoß, dem ersten des KSC, musste der am Pfosten stehende Diaz auf der Torlinie retten (69.). Der HSV am Ende seiner Kräfte? Das hatten die Hamburger Anhänger genau umgekehrt erhofft – so wie im Hinspiel. Da ließ der KSC zuletzt auch etwas nach. Trainer Bruno Labbadia wechselte Frische ein: Für den agilen und immer noch sehr aktiven Lewis Holtby kam Zoltan Stieber (67.). Warum Holtby? Das wird der Coach sicherlich in den nächsten Tagen noch erklären. Oder auch nicht. Ich hätte Holtby an diesem Tag jedenfalls nie ausgewechselt . . . Doch so etwas ist ja auch ganz klar Sache des Cheftrainers.


 

Karlsruhe hatte dann die beste Chance des zweiten Durchgangs, als zweimal Nazarov (völlig blank am langen Pfosten!) die Möglichkeit zum 1:0 auf dem Fuß hatte. Zum Glück traf der KSC-Mann nicht richtig . . . Aber es wurde enger und enger. Karlsruhe kam immer besser ins Spiel, der HSV musste dem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Doch plötzlich ein Lebenszeichen: Flanke von Matthias Ostrzolek, am Elfmeterpunkt steigt hoch und köpft auf das Tor – doch Orlishausen hält prächtig.

 

Das Tor fällt aber auf der Gegenseite. Der eingewechselte Nicolai Müller verdaddelt (im Zusammenspiel mit van der Vaart) den Ball kurz vor dem Strafraum, Hennings bedient Yabo mit einem großartigen Heber – und Tor. 1:0 für den Zweitliga-Club (78.). Aber noch war nichts verloren.

 

Der HSV gab alles. Er reaktivierte die letzten Kraftreserven – er hatte Chancen. Er köpfte Lasogga an den Pfosten (81.), den Nachschuss vergab Diekmeier, der völlig freistehend am Fünfmeterraum den Ball nicht traf! Wahnsinn! Welch ein Wahnsinn! Sekunden später klärte der KSC-Mann Gulde nach einem Kopfball von Johan Djourou auf der Linie, Orlishausen war geschlagen. Und in der 83. Minute versuchte sich Ivo Ilicevic mit einem Seitfallzieher, als er den Ball volley aus acht Metern ins Tor fetzen wollte – aber leider den Ball nicht traf. Wahnsinn in Vollendung! In der 86. Minute köpfte der eingewechselte Cleber (spielte Brechstangen-Mittelstürmer!) nach Eckball um Zentimeter vorbei – es sollte nicht sein. Oder doch? In der 90. Minute Freistoß für den HSV. Es soll ein Handspiel gewesen sein. War es wohl nicht. Schiedsrichter Manuel Gräfe aber gab den Freistoß, und den schoss Marcelo Diaz aus 20 Metern in den linken oberen Winkel. Der HSV lebte noch. Ein Kunstschuss, aber ein sehr, sehr wichtiger. Das war noch mehr Wahnsinn. Aber toll, einfach nur toll, toll, toll.
Verlängerung, doch noch Verlängerung. Es war ja eigentlich schon vorbei – mehr Spannung, mehr Dramatik geht gar nicht. Es geht nicht. Das ist Herzkasper-Fußball in Vollendung! Das ist alles unglaublich – aber das ist Fußball. Der HSV war doch noch einmal aufgestanden, obwohl er schon fast in Liga zwei war.

 

Nur der HSV!

 

In der Verlängerung zog die Polizei vor dem HSV-Block auf. Das sah gefährlich aus. Und so ganz und gar nicht nach Fußball. Gespielt wurde aber dennoch. Die einzige Möglichkeit der ersten 15 Minuten hatte der KSC (als Diekmeier noch mit dem Schiedsrichter debattierte!), aber die Kugel flog am langen Eck vorbei. Zum letzten Mal Halbzeit.

 

Und als alles auf ein Elfmeterschießen deutete, schoss Nicolai Müller auf Vorarbeit von Cleber doch noch das 2:1. Dass Rene Adler in der Schlussphase noch einen Elfmeter hielt, war unerheblich, der HSV bleibt oben, oben, oben, oben, oben, oben – Jubel, Trubel, Heiterkeit.

 

Der HSV spielte mit: Adler; Diekmeier, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek; Diaz, van der Vaart; Olic (77. Min. Müller), Holtby (67. Min. Stieber), Ilicevic (86. Min. Cleber); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler wurde kaum gefordert, war die Ruhe selbst – nur den Ball, den hielt er wieder viel zu lange. Manuel Neuer lässt schön grüßen . . . In der Verlängerung hielt er allerdings zweimal sensationell, so auch den Elfmeter von Hennings. Da schickt der Adler dann auch schöne Grüße an Manuel Neuer . . .

 

Dennis Diekmeier machte vieles richtig, hinten war das absolut okay, aber vorne macht er es sich dann immer wieder kaputt, wenn er nicht den Abschluss (Flanke) sucht, sondern zu 95 Prozent zurückspielt. Schade, schade, schade.

 


Johan Djourou
hatte keine Probleme mit Hennings, spielte souverän, war kopfballstark. Das war stark.

 

Slobodan Rajkovic erledigte seine Defensivaufgaben ordentlich, hinten ohne Schwierigkeiten, nach vorne war er aber schnell am Ende mit seinem Latein.

 

Matthias Ostrzolek spielt zu oft zu harmlos nach vorne, er sucht auch zu 90 Prozent immer wieder nur den Rückpass. Wenn er doch nur mal den Kampf eins gegen eins suchen würde, aber er bevorzugt das körperlose Spiel – schade, schade, schade.

 

Marcelo Diaz gehörte zu den effektiveren Hamburgern, bot sich immer wieder an, ging weite Wege – auch nach vorne, das sah gut aus. Auch wenn er nie zum Abschluss kam.

 


Rafael van der Vaart
gehörte, ganz, ganz sicher, zu den Aktivposten des HSV, der Niederländer spielte eine sehr gute erste Halbzeit, was er machte, das hatte Hand und Fuß. Dass er dann, mit zunehmender Spieldauer, etwas nachlässt, ist ganz normal (er ist nicht im Rhythmus) – aber dafür sitzen draußen ja noch einige auf der Bank.

 

Ivo Ilicevic war in Halbzeit eins der beste Hamburger, er riskierte Dribblings, war um Tempo bemüht – warum erst jetzt, am Ende der Saison, warum erst jetzt, wo schon lange feststeht, dass er Hamburg verlassen muss?

 

Lewis Holtby spielte deutlich besser als im Hinspiel, sehr engagiert, laufstark, einsatzfreudig. Warum nicht immer so?

 

Ivica Olic blieb blass und schwach, so wie schon im Hinspiel. Leider nur Note sechs, auch wenn er sich angeschlagen durchquälte.

 

Pierre-Michel Lasogga konnte sich einige Male besser in Szene setzen als noch am Sonnabend, aber insgesamt erwarten alle von ihm viel, viel mehr.

 

Zoltan Stieber (ab 67. Min. für Holtby) drückte sofort auf die Tube, Tempo, Tempo, Tempo. Gut so.

 

Nicolai Müller (ab 77. Min. für Olic) sorgte gleich für ein Tor – leider für den KSC. Welch ein unfassbarer Einstand! Aber er schlug noch zurück, auf der richtigen Seite – denn er schoss das 2:1 und geht damit in die Geschichte des HSV ein. Glückwunsch!

 

Cleber (ab 86. Min. für Ilicevic) sollte für das Tor sorgen, köpfte gleich knapp vorbei – und sorgte für Unruhe in der KSC-Defensive. Das war sehr, sehr gut – und auch deshalb, weil er das 2:1 vorlegte. Glückwunsch!

 

Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über dieses unfassbare, wahnsinnige Relegationsspiel in Karlsruhe zu sprechen. Zwei große ehemalige HSVer sind dann bei „Scholle“ und mir zu Gast: Frank Mackerodt, das ehemalige Aufsichtsrats-Mitglied, und ein letztes Mal vor der Sommerpause Stefan Schnoor, früher bekannt als eisenharter HSV-Stopper und heute als Sport1-Experte, der die klare Sprache liebt. Frank Mackerodt, das sei noch kurz erwähnt, immer wieder ein sehr gern gesehener Gast bei uns, wurde als Glücksbote „eingekauft“, denn er war auch vor einem Jahr unser Gast, als der HSV mit dem 1:1 in Fürth die Klasse gehalten hatte.
Mach’s noch einmal, Frank, so das Motto!!!
Das HA-TV, „Scholle“ und ich würden uns wieder sehr freuen, wenn Ihr uns per Bildschirm bei diesem Vierer-Gespräch begleiten würdet. Bis gleich also.

 

Dann noch, auch wenn es keinem helfen sollte, die Zeit vor dem Anpfiff. Ich schrieb das, was jetzt hier folgt, rund 30 Minuten vor dem Anstoß im Karlsruher Wildpark:

 

Laut Hamburger Abendblatt vom heutigen Tag glaubte die Mehrheit (vor dem Spiel) nicht mehr an die Rettung des HSV. In meiner näheren Umgebung war das ein wenig anders, denn Freunde, Bekannte und auch Familie waren durchaus noch optimistisch – und hofften zumindest auf ein höheres Unentschieden. Ich sprach aber am Vormittag auch mit einem langjährigen Bundesliga-Schiedsrichter, der mir wenig Hoffnung machte – weil er das Hinspiel aufmerksam beobachtet hatte und zu dem Schluss kam: „Das reicht nicht für die Erste Liga.“
Egal aber wie, ob nun Sieg oder Unentschieden, es ging ja nicht um Schönheit, sondern nur ums Drinbleiben. Und dafür war die Anteilnahme in diesen Tagen (seit dem 1:1 im Hinspiel) riesig. Unglaubliche viele Anrufe, Mails und SMS erhielt ich, die Glück wünschten, die noch an den HSV glaubten. Vielen Dank dafür – das ist einmalig! Aus der Ferne drückte der ehemalige HSV-Abwehrspieler Andrej Panadic per SMS die Daumen, und aus Budapest meldete sich Ferencvaros-Trainer und HSV-Legende Thomas Doll (Pokalsieger und Vizemeister Ungarns) und schrieb ebenfalls, wie sehr er dem HSV die Daumen drücken wird.
Vom „Dithmarscher_Jung“ kam dagegen heute eine traurige Mail, denn er schrieb an „Matz ab“: „Meine Frau ist gerade ausgerutscht, Oberschenkelhalsbruch. Ich hoffe doch sehr, dass dieses kein schlechtes Zeichen für heute Abend ist.“
Ich habe mich für Hals- und Beinbruch entschieden, das wünscht man doch vor einem wichtigen Ereignis – also bedeutet das etwas Gutes. Auf jeden Fall wünschen wir Deiner Frau schnelle und gute Besserung!

Ein ehemaliger St.-Pauli-Kapitän schrieb mir seine etwas außergewöhnliche Unterstützung eine halbe Stunde vor dem Anpfiff: „Bleibe ruhig, ich sonne mich noch 30 Minuten, und dann bin ich 90 Minuten ein Roter – und HSV gewinnt!“ Auf dem Weg zum Public Viewing in der Arena meldeten sich „el presidente“ Benno Hafas und „Lars49“ und drückten alle in freudiger Erwartung – und in der Hoffnung, dass es auch helfen würde. Aus Berlin meldete sich unsere „Hope/Eva“ und wünschte allen viel, viel Glück und natürlich den Klassenverbleib, und aus Prag hatte ja schon gestern David Jarolim gesagt, dass er für den HSV beten wird. Das musste doch etwas werden mit dem Dino. Ich hoffe es jetzt, um 18.30 Uhr (also eine halbe Stunde vor Anpfiff), ganz einfach mal, dass das alles, auch die vielen Wünsche die jetzt nicht namentlich genannt werden konnten – hilft.
Ihr werdet es schon wissen – ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht . . .

 

21.43 Uhr

Jarolim betet für den HSV: “Wir packen das!”

31. Mai 2015

Mit 19 Spielern reiste der HSV heute Abend nach Karlsruhe. Für den Fall, dass doch noch einer ausfällt, nachdem zuletzt Petr Jiracek (Knie), Ivica Olic (Rücken). Pierre Michel Lasogga (irgendwie alles ein bisschen) und Ivo Ilicevic (Adduktoren) angeschlagen waren und heute im Abschlusstraining mitwirken konnten. Daumen hoch hieß es anschließend bei Ilicevic, der zwar vorzeitig in die Kabine ging – allerdings aus reiner Vorsicht. Ebenso bei Olic, der zunächst als 50:50-Kandidat galt, jetzt aber grünes Licht gab. „Das ist super. Ivi ist mit seiner Art immer einer, der entscheiden kann“, freut sich auch Ivica-Freund und Ex-HSVer David Jarolim aus der Ferne, ehe er entscheidend einschränkt: „Wenn er fit ist.“

Denn das war der Kroate zuletzt nicht. Gegen Karlsruhe im Hinspiel sah man ihm an, dass ihn die Rückenbeschwerden in der Beweglichkeit einschränkten. „Aber selbst wenn er nicht von Beginn an spielt, ist er einer, der bei einer Führung zum Beispiel als einzige Spitze die Abwehr des Gegners so beschäftigt, dass das wiederum die eigene Defensive entlastet. Kein Gegner kann ruhig das eigene Spiel aufbauen, wenn gegenüber so ein Ivi rumläuft.“ Telefoniert habe Jarolim mit seinem Kumpel extra nicht. „Ich habe mit Drobny gesprochen – aber auch nur vor dem ersten Relegationsspiel. Danach sollen sich alle voll auf die Relegationsspiele konzentrieren.“

 

Ob er das Hinspiel gesehen hat? „Ja, aber nur am TV, da ich mich parallel noch auf meine Aufnahmeprüfung zum Fußballlehrer vorbereiten muss. Ich hatte aber meinen Vater und meinen Bruder vor Ort – und wir haben seeeehr viel telefoniert.“ Weil sie so erschrocken waren? „So ungefähr. Mein Vater hatte den HSV länger nicht gesehen und war erstaunt über die vorsichtige Spielweise“, so Jarolim junior. Wie er selbst das Spiel gesehen hat? „Das Ergebnis ist völlig okay – weil es besser als das Spiel war. Und es bedeutet, dass du auswärts einen Treffer erzielen musst. Genau das hättest Du aber auch machen müssen, wenn Du im Hinspiel 0:0 gespielt hättest.“

 

Und obwohl Jarolim anzumerken ist, dass er enttäuscht war vom Hinspiel, kommt in dem Mittelfeldspieler sofort der HSV-Kapitän durch, der er einst mal war. „Relegation ist mächtig Druck, da geht fast alles über die mentale Stärke. Und ich bin mir sicher: Karlsruhe wird im Rückspiel mehr machen als in Hamburg. Sie werden uns mehr Räume bieten, weil sie zu Hause spielen und ihre große Chance wittern. Und wenn wir es schaffen, die Mischung aus defensiver Stabilität und schnellem Umschalten hinzubekommen – dann packen wir es.“ Wir wohlgemerkt. Wie der HSV aber mit dem vorhandenen Personal schnell umschalten soll, weiß auch Jarolim nicht wirklich. Stattdessen konstruiert er sich selbst ein wenig Hoffnung: „Mit Diekmeier kommt ein schneller Mann wieder rein, der nach vorn Dampf machen kann. Zusammen mit Ivo Ilicevic, den ich im Hinspiel übrigens echt gut fand.“

 

Am Montagmorgen wird Jarolim in ein Kloster gehen und für den HSV beten. Und das, obgleich er gar nicht besonders gläubig ist. Aber wenn er schon nicht selbst als Glücksbringer vor Ort sein könne – dann wolle er zumindest im Geiste dabei sein. „Ich mache alles für dieses eine Spiel. Es ist ein richtiges Finale. Ein Spiel, in dem wirklich alles scheißegal ist – außer der Sieg.“ Auch die Aufstellung?

David Jarolim Fussball Abschiedsspiel David Jarolim, HSV All-Stars - Jarolim Dream-Team

David Jarolim
setzt auf seinen HSV: “E wird schwer – aber wir schaffen es!”

Heute im Training agierte die A-Elf mit Diaz und van der Vaart zentral-defensiv, während davor Ilicevic, Holtby und Stieber agierten. „Warum eigentlich Jiracek oder van der Vaart? Ich könnte mir sogar vorstellen, dass van der Vaart neben Jiracek eine sehr gute Alternative wäre“, so Jarolim, der seinen Landsmann betreffend hinzufügt: „Petr muss natürlich fit sein – aber dann ist er eine echte Variante. Petr hat in seiner Karriere schon genug schwere Spiele gespielt und kennt den Druck. Und er hat Biss. Petr will immer, der kann einfach nicht verlieren. Und diese Mentalität muss morgen von der ersten Sekunde an zu sehen sein. Und das vor allem auch bis zur letzten Sekunde. Wir müssen morgen ackern, was der Körper hergibt. Danach ist genug Zeit für alle, um auszuruhen.“ Außer für die Nationalspieler, die zu ihren Teams fliegen müssen – sage ich und bekomme sofort die Quittung: „Aber auch das darf nichts zählen. Gar nichts!“, raunzt mich Jarolim an. Wobei – inhaltlich hat er Recht. Daher belasse ich es dabei. Zu einem Ergebnis-Tipp wollte sich Jaro dann auch nicht hinreißen lassen. Außer, dass der HSV die Klasse hält. „Scheiß drauf wie – aber das klappt!“

 

Na dann, ich vertrete ja auch die Meinung, dass der HSV es erneut knapp schafft, und dass erneut am Ende niemand weiß, warum er es geschafft hat. Alles andere macht auch keinen Spaß…

 

Apropos, den Spaß hatte die Mannschaft heute im Training – aber sie wich schnell der Anspannung. Labbadia versammelte die Mannschaft um sich herum und hielt eine längere Ansprache. Zu Beginn, in der Mitte und am Ende des Trainings wurde viel gesprochen. Und wer sich die Bilder ansieht, wie die 19 Mann (Adler, Brunst, Beister, Cleber, Diaz, Diekmeier, Djourou, Gouaida, Holtby, Ilicevic, Jiracek, Lasogga, Marcos, Müller, Olic, Ostrzolek, Rajkovic, Stieber, van der Vaart) am Flughafen eincheckt, der kann erkennen, dass die Spieler die Bedeutung des Rückspiels schon spüren. „Egal wie lange man dabei ist“, so Jarolim, „in so einem Spiel produziert dein Körper Adrenalin ohne Ende. Da merkst du den einen oder anderen Schmerz nicht – da kannst du laufen ohne Ende. Oder aber du kommst nicht ins Spiel und verkrampfst immer mehr. Und ich kann mir vorstellen, dass der KSC das erste Mal den Druck spürt, so nah dran zu sein und doch noch alles verspielen zu können. Sie waren so kurz vor dem 2:0 im Hinspiel, hätten gewinnen können und es damit schon fast entschieden. Und dennoch haben sie es nicht geschafft. Sie haben sogar noch das 1:1 kassiert. Wie schon in der Saison, wo man auch direkt hätte hochgehen können. Insofern haben wir vielleicht sogar einen kleinen Vorteil mit den erfahrenen Spielern im Team. Aber dieser Vorteil zahlt sich nur aus, wenn wir ihn uns mit 110, nein: mit 150 Prozent Einsatz erarbeiten und von Beginn an allen klarmachen, dass da eine andere Mannschaft als im Hinspiel auf dem Platz steht.“ Zumindest personell wird es auf jeden Fall so kommen müssen nach den Sperren für Westermann und Kacar, die zwar mitgeflogen sind – aber fast noch mehr leiden als die einsetzbaren Spieler. Kacar zu meinen Kollegen der Mopo: „Ich weiß gar nicht, wie ich das überleben soll.“

Dabei ist die Antwort genauso simpel wie schwer umzusetzen: Mit einem Sieg oder einem Sieg oder einem höheren Remis als 1:1.

 

In diesem Sinne, bis morgen. ich muss zugeben, dass sich meine Müdigkeit in eine gewisse Anspannung gewandelt hat. Aber das war in der letzten Saison auch so. Damals hatte ich allerdings ein deutlich schlechteres Gefühl als heute. Das habe ich auch Jaro gesagt und den zweiten Raunzer abgekommen: „Gefühle sind schön“, Jarolim, „aber nur zu Hause. Okay, cool kann eigentlich keiner bleiben. Nicht mal ich aus der Entfernung. Ich habe schon im Hinspiel gezittert, wie als Spieler nie. Als Spieler konnte ich die Anspannung meistens sehr gut in positive Energie umwandeln. Und glaub mir, das geht unseren Jungs morgen nicht anders. Morgen ist der größere Wille allein entscheidend. Und ich weiß, dass Bruno Labbadia allen Spielern genau das mehr als deutlich machen wird.“ Jarolims Erfolgsformel: „Ich glaube, dass wir körperlich auch im Hinspiel am Ende etwas mehr zuzulegen hatten. Wenn wir das diesmal gleich von Beginn an zeigen, Labbadia die richtigen Worte findet und mein Gebet greift – dann klappt das!“

 

Na dann, mir ist es mehr als recht. Mir ist tatsächlich alles recht, was legal ist und zum Klassenerhalt reicht. In diesem Sinne. Bis morgen!

 

(Ein deutlich angespannter) Scholle

 

P.S.: Für das morgige Matz ab live nach dem Spiel haben wir uns einen Gast eingeladen, der schon mal an entscheidender Stelle als Glücksbringer fungierte. Insofern haben auch wir unsere Hausaufgaben erledigt…

P.P.S.: Die “Chosen few” haben sich heute offiziell als Gruppierung aufgelöst. Einen Tag vor dem wichtigen Relegationsspiel. Und so sehr ich ihr Engagement auch loben könnte – der Zeitpunkt der Bekanntmachung hätte dümmer nicht gewählt werden können. Schade – im doppelten Sinne…

Personalsorgen – na und…?!

30. Mai 2015

Bruno Labbadia lachte viel und feuerte seine Jungs beim Fußball-Tennis an (Siegerteam: Holtby, van der Vaart, Diekmeier). Der HSV-Trainer will sich nichts anmerken lassen, und doch erkennt man genau, was in ihm los ist: Labbadia macht sich Sorgen um sein Personal. Ivo Ilicevic pausierte heute sogar mit leichten Adduktorenproblemen, die eigentlich ein Training nicht zwingend ausschließen. Aber es wird in Watte gepackt, wer angeschlagen ist. Der HSV geht kein Risiko mehr ein, nachdem auf der Zielgeraden immer mehr Spieler wegbrechen.

 

Zum einen sind sie gesperrt – wie Gojko Kacar (5. Gelbe) und Heiko Westermann (10. Gelbe). Zum anderen sind sie verletzt wie Valon Behrami (Knie), Artjoms Rudnevs (Adduktoren) und Marcell Jansen (muskuläre Probleme), die allesamt noch immer nicht mit der Mannschaft trainieren können. Zudem ist neben Ilicevic auch weiter unklar, ob Petr Jiracek (Knie), Pierre Michel Lasogga (Schulter) und Ivica Olic nach seinem Allergieschock wieder vollkommen fit werden bis Montagabend. Letztgenannter war am Freitagabend ins Krankenhaus eingeliefert und am Sonnabend wieder entlassen worden. „Wir müssen schauen, was sich bis Montag ergibt“, so Labbadia, der im heutigen Training ausschließlich auf aktive Regeneration setzte.

Viel machen kann man in den letzten Tagen sowieso nicht mehr. Was jetzt nicht drin ist, bekommt man auch nicht mehr rein. Und fit genug war der HSV, ich meine sogar, der HSV hätte in den letzten 20 Minuten deutlich mehr Kraft gehabt als der KSC, dem der im Hinspiel beste Zweikämpfer (mit den meisten Ballaktionen seines Teams) fehlen wird: Dominic Peitz. Übrigens ebenfalls wegen einer Gelbsperre.

 

Beim HSV rückt auf jeden Fall Dennis Diekmeier für Westermann auf die Rechtsverteidigerposition. „Wir müssen jetzt nicht mehr groß nachdenken, was alles hätte sein können“, so Diekmeier, „wir müssen uns auch keine Gedanken darüber machen, wer gegen den KSC spielt. Wir haben jetzt nur dieses eine Spiel, das alles verändern wird. Und unsere Aufgabe ist mehr als eindeutig: nur der Klassenerhalt zählt. Wie und mit wem wir den schaffen – das ist mir jedenfalls absolut schnuppe.“

 

Stimmt. Absolut sogar. Und dennoch wird heiß diskutiert, ob im Zentrum Rafael van der Vaart neben Marcelo Diaz auflaufen soll oder ob es doch eher der etwas defensivstärkere Jiracek sein sollte, sofern dieser bis dahin komplett fit ist. Gar nicht diskutiert wird offenbar die interessante Variante, die mir mein sympathischer Sky-Kollege und Fußballexperte Sven Töllner heute vorschlug: Warum nicht mit einer Sechs spielen, also mit einem echten Abräumer. „Cléber Reis könnte das doch“, so Tölles Idee, die ich zunächst sehr charmant fand, da ich noch immer davon überzeugt bin, dass der HSV mit der Doppelsechs gegen einen Gegner wie Karlsruhe eine Position verschenkt.

Als Sechser eine Alternative? Cléber Reis.

Als Sechser eine Alternative? Cléber Reis.

Aber so interessant ich die Idee auch finde, ich glaube, dass eine derart gravierende Umstellung vor einem derart wichtigen Spiel für Labbadia nicht infrage kommt. Und das ist sicherlich auch gut so. „Wir werden auf den letzten Metern nicht mehr groß was probieren“, hatte Labbadia vor dem Hinspiel gegen den KSC gesagt. Und auch diesmal wird er sich an seine Worte halten, glaube ich. Ob letztlich mit van der Vaart für Kacar oder mit Jiracek – offen.

Mehr als wahrscheinlich ist, dass der HSV in Karlsruhe nicht mit einem Gegner rechnen muss, der von der ersten Sekunde an volles Risiko geht. Im Gegenteil. Der KSC muss kein Tor schießen. Wobei ich gelesen habe, dass der KSC mit dem für Montag angesetzten Schiedsrichter Manuel Gräfe beide Heimspiele in dieser Saison verloren hat…

 

Aber im Ernst: Gegen den KSC darf der HSV mutiger spielen als im Hinspiel. Nein, er muss es sogar. Sollte Olic rechtzeitig fit werden, wird er als zweite Spitze zu Lasogga stoßen, der heute zumindest beim zweikampflosen Tennisfußball einen guten Eindruck hinterließ. Dahinter agierte im Hinspiel Lewis Holtby mehr schlecht als recht. Und ich hoffe, dass dieses Mal der einzige auch aus der zweiten Reihe torgefährliche Mittelfeldspieler kommt: Zoltan Stieber.

 

Noch nicht wieder bei 100 Prozent ist Maxi Beister, der sicherlich eine echte Alternative werden dürft, wenn Lasogga und/oder Olic ausfallen sollten. Dem Youngster fehlt nach wie vor die Spielpraxis. Ebenso wie zuletzt Nicolai Müller, der knapp vier Wochen wegen eines Knochenödems ausgefallen war. Beide sollen aber gegen Karlsruhe dabei sein – und beide haben das, was Lasogga und Olic nicht haben: Tempo. Sollte der HSV also wieder nicht in der Lage sein, sich in der Karlsruher Hälfte festzubeißen und mit Flanken auf Lasogga und Co. zu agieren, stünden Labbadia Alternativen bereit.

 

Apropos, beim KSC spielt eine Offensivkraft, die ich sehr gern in Hamburg sehen würde: Dimitrij Nazarov. Der flinke Rechtsfuß brillierte gegen den HSV mit seiner Technik und zeigte bei seinem Lattentreffer in der zweiten Hälfte, dass der 25-Jährige auch torgefährlich ist. Oliver Kreuzer hatte den Nationalspieler Aserbeidschans bereits massivst gelobt – und nicht zu viel versprochen. Und angesichts der Tatsache, dass der HSV mit Jansen und Ilicevic zwei Flügelspieler sowie mit van der Vaart einen nominellen Zehner verliert, finde ich Nazarov schon ob der finanziell sehr angespannten Lage beim HSV hochinteressant. Er hat zwar noch einen Vertrag bis 2016 – aber angesichts des aktuellen Marktwerts von 650000 Euro (Quelle: www.transfermarkt.de) noch eine Menge Potenzial – auf allen Ebenen.

 

Aber okay, das nur nebenbei. Wichtiger als Neue sind jetzt die, die fit sind und in Karlsruhe schaffen sollen, was gefühlt eine Mehrheit nicht mehr zu glauben scheint: den Klassenerhalt. Ich persönlich glaube daran, dass der HSV es schafft, so schwer es auch wird. Mehr gab es heute nicht – und mehr gibt es grundsätzlich eigentlich auch nicht mehr zu sagen. In diesem Sinne: Euch allen einen schönen DFB-Pokalabend. Und bis morgen.

 

Scholle

 

P.S.: Apropos Pokal: So sieht Public Viewing in Wolfsburg aus (Quelle “1887tv”), zumindest 90 Minuten vor Anpfiff:

Wolfsburg vor dem Pokalendspiel

Bis Schlusspfiff ist nichts wichtiger als dieses Spiel…!

27. Mai 2015

Da schreibe ich einmal wieder über Rafael van der Vaart und alle drehen durch. Dabei steht in meinen Zeilen, dass van der Vaart in meinen Augen keine Erstligatauglichkeit hat und in meinen Augen auch nur dann zum Einsatz kommen dürfte, wenn Lasogga und/oder Olic ausfallen UND HSV-Trainer Bruno Labbadia es als die beste Lösung ansieht. Eben jener Labbadia, der (man glaubt es kaum!!) deutlich näher an dem Niederländer dran ist und dessen momentane Leistungsfähigkeit besser einschätzen kann als ich, ihn als die momentan beste Besetzung für die etwaige Position sieht. Ich vertraue dem Trainer nach dessen überzeugender Performance in den letzten Wochen – mehr nicht. Auch dann, wenn er im Gegensatz zu mir glaubt, dass van der Vaart der Mann ist, der jetzt gebraucht wird.

 

Ich maße mir schlichtweg nicht an, es besser zu wissen. Schon gar nicht, nachdem ich nur Bruchteile der letzten Einheiten mitverfolgen konnte. Und vor allem: auf mich kommt es auch überhaupt nicht an. Ich will nur, dass der HSV die Relegation übersteht – erst einmal. Danach wird abgerechnet. Auch mit van der Vaart. Daher, noch mal für alle, für die ich mich nicht klar genug ausgedrückt habe: Mit keinem Wort heiße ich van der Vaarts Aktion in Stuttgart nachträglich gut – im Gegenteil: Das war eines Mannschaftskapitäns mehr als unwürdig, das war definitiv voll fürn A….. Und ich schrieb daher auch, dass ich ihn allein ob dieser Szene nicht aufstellen würde. Obwohl ich ihn in den Jahren kennengelernt habe und weiß, dass er diesen Fehler wiedergutmachen will…

Aber zurück zum einzig Wichtigen, was in meinen Augen bis zum Klassenerhalt auch alles andere in den Schatten stellt: zum Sportlichen. Heute fand in Malente die letzte Trainingseinheit statt. Nach dem Feuerschwur, den meine „BILD“-Kollegen beim gestrigen Lagerfeuer ausgemacht hatte, ging es heute noch einmal zur Sache. Die letzten Feinschliffe für die zwei Spiele der Saison sollten geholt werden – und neben Petr Jiracek (brach ab) fehlte Ivica Olic ob seiner anhaltenden Rückenprobleme. Es droht also weiterhin der Ausfall des 1:0-Torschützen vom Sonnabend. Positiv: Pierre Michel Lasogga indes ist offenbar wieder gesund. Heute trainierte er erneut voll mit und dürfte somit auch morgen von Beginn an auflaufen können.

Die große Frage also ist: Wer ersetzt Olic, sollte der Kroate ausfallen? Zuletzt hatte Labbadia immer betont, bei einem Stürmerausfall logischerweise Artjoms Rudnevs reinwerfen zu wollen. Allerdings ging es dabei eher um einen Ausfall Lasoggas. Das viel größere Problem aber ist, dass auch Rudnevs heute ausfiel und nicht im Kader steht. Der Lette leidet an Adduktorenproblemen. Statt seiner agierte im heutigen Training Zoltan Stieber als Linksaußen, während Lewis Holtby die „Neuneinhalb“ spielte und van der Vaart nur im B-Team agierte. Im A-Team beließ es Labbadia erwartungsgemäß bei der Abwehr aus dem Köln-Spiel sowie erneut Marcelo Diaz neben Gojko Kacar.

Mit im Kader für das erste Relegationsspiel ist (noch) Ivica Olic. Und obwohl noch nicht klar ist, ob er Olic spielen kann (der Mopo sagte er: „Abwarten. Heute könnte ich noch nicht…“), sorgte sein Sturmpartner Pierre Michel Lasogga heute für Freude im Trainerteam. Bei den Abschlussübungen mit Flanken über die Außen traf der letztjährige Relegationsheld nahezu wie er wollte. Mit dem Fuß links wie rechts und mit dem Kopf – und das Lob von Trainer Labbadia war ihm sicher. Zumal der sich gegen defensiver spielende Karlsruher gut beraten ist, das eigene Spiel über die Außen zu forcieren und Lasogga zu suchen. Denn wichtig wird sein, dass der bullige Angreifer möglichst oft im oder zumindest direkt am Strafraum in Ballbesitz kommt. Nur dann ist er wirklich gefährlich – wie auch das heutige Training eindrucksvoll bewies. Und sollte Labbadia letztlich doch eine zweite Spitze brauchen, hat er ja auch noch Offensivallrounder Maximilian Beister im Kader…

Es gäbe tatsächlich an einem Tag wie diesem noch so viel zu berichten, man könnte so viele verschiedene Aufstellungsmöglichkeiten diskutieren. Aber ich belasse es heute beim Notwendigsten. Ich glaube, dass bis morgen nach dem Spiel wirklich nichts anderes wichtig ist als das, was die Mannschaft unterstützt. So, wie der erneute Aufruf zum Spalierstehen für die Mannschaft. Auf www.hsv-ev.de heißt es:

Alles geben für die Relegation

Wir haben gezittert, wir haben gebangt, wir haben gejubelt. Und wir alle haben immer noch Gänsehaut, wenn wir an den 23.05.2015 denken.

MACHT ES NOCH EINMAL

Die Begrüßung der Mannschaft war ein toller, großartiger Erfolg. Tausende HSV Fans säumten den Weg von der Sylvesterallee bis direkt vor das Stadion und sorgten für Gänsehautatmosphäre – auch im Mannschaftsbus. Die Mannschaft war so begeistert, dass wir gebeten wurden, die Aktion vor dem Relegationsspiel am kommenden Donnerstag zu wiederholen.

MACHT ES NOCH EINMAL

Kommt alle am Donnerstag um 19 Uhr zur Sylvesterallee und begrüßt unser Team! Wir brauchen noch mehr Leute, noch mehr Stimmung, NOCH MEHR GÄNSEHAUT!

Und danach mobilisieren wir alle im Stadion nochmal all unsere Kräfte und geben 90 Minuten ALLES!

Ihr werdet gebraucht!

MACHT ES NOCH EINMAL

 

 

Eine mehr als unterstützenswerte Aktion, wie ich finde. Weniger Verständnis habe ich für die kurzfristige Vorverlegung des Rückspiels auf 19 statt 20.30 Uhr am kommenden Montag. Angeblich will man so der Dunkelheit nach dem Spiel aus dem Weg gehen, die der Sicherheit abträglich wäre. Ich hoffe nur, dass alle HSV-Fans mit langer Anreise trotz dieser Verlegung pünktlich im Stadion sein werden.

 

Aber zurück zum morgigen Hinspiel! Morgen heißt es, noch mal alles zu geben – und am besten noch mal ein wenig mehr als sonst! 90 Minuten lang Vollgas auf und neben dem Platz! Auch, wenn man sich mal nicht einer Meinung ist, und auch wenn man mit der Aufstellung mal nicht einverstanden ist – Einzelschicksale zählen nicht mehr. Was auch immer irgendwer glaubt, kritisieren zu müssen – er sollte damit warten bis nach Schlusspfiff dieser Relegation. Es zählt gegen den KSC tatsächlich ausschließlich das Ergebnis. Kurz gesagt: Die elf, die auflaufen, müssen es richten – mit der uneingeschränkten Unterstützung von den Rängen. Und ich bin mir sicher, dass sie morgen genau das von den Rängen der Imtech-Arena bekommt. So, wie zuletzt immer…

 

In diesem Sinne: Alle Mann an Bord!!!

 

Bis morgen!

 

Scholle

“Nur wer bei 100 Prozent ist, kann spielen”

26. Mai 2015

Ein Gast am Tresen, ansonsten war es heute leer. Und das bei dem herausragenden Essen. Letztes Mal war es ein XXL-Schnitzel mit Beilagen bis zum Abwinken – diesmal war es frischer Spargel mit Salzkartoffeln und Sauce Hollandaise für 11,50 Euro auf „Mascha’s“ Tafel mit dem Angebot des Tages. Und so lecker sein Essen ist, so präzise sind seine Vorhersagen. Zuletzt hatte er gesagt, der HSV schaffe es. Zumindest in die Relegation. Dieses Mal sieht Manfred-Michael Janz, wie Mascha bürgerlich heißt, den HSV schon im Hinspiel deutlich vorn. 2:0 in der Imtech-Arena. Sagt er. Und ich würde diesen Tipp sofort unterschreiben…

 

Mascha im Interview, Teil 2:

 

Ebenso Bruno Labbadia, der um die Schwere der bevorstehenden Aufgabe weiß. Auch der Direktor Profifußball, Peter Knäbel, mahnt, den Relegationsgegner nicht zu unterschätzen. Er habe in den letzten fünf Wochen jeweils die Spiele der Karlsruher gesehen und warnt vor der Ausgeglichenheit der Mannschaft. „Sie ist in sich gefestigt. Der KSC spielt guten Fußball, ist in der Liga die Mannschaft mit dem meisten Ballbesitz und den wenigsten Gegentoren. Ihr Erfolg kommt nicht von ungefähr“, so Knäbel heute bei schönstem Sonnenschein vor der Trainingseinheit der Profis in Malente.

 

Wobei ich mir sicher bin, dass die Mannschaft den Gegner nicht unterschätzt. Diejenigen, die schon letzte Serie gegen Fürth dabei waren, werden sich sicherlich gut erinnern und diese Erinnerungen an den Rest weitergeben. „Wir reden viel miteinander“, sagt Labbadia, der das zweite Mal Malente als teambildend empfindet, „weil ich sehe, dass die Mannschaft sich mit sich selbst beschäftigt. Es wird viel miteinander gesprochen. Und der Zusammenhalt ist das, was unser Spiel auszeichnet.“ Das und die zweifellos letzte erstklassige Bastion im Klub: die Fans. Das Hinspiel war schon so gut wie ausverkauft, noch bevor der Gegner feststand.

Offen ist indes noch, ob Rafael van der Vaart nach seiner abgesessenen Gelbsperre wieder ins Team rücken wird. Auch, weil mit Ivica Olic (Rücken) und Pierre Michel Lasogga noch zwei angeschlagene Spieler fraglich sind. Und während Letztgenannter heute ohne Probleme durchtrainierte, beendete Olic das Training vorzeitig. Abgesprochen zwar – aber der Kroate ist eben noch nicht wieder gesund.

Balltraining - aber für den Rücken und nicht mit den Füßen für Ivica Olic. Der Einsatz des Kroaten ist noch offen

Balltraining – aber mehr für den Rücken als für die Füße hieße es heute noch für Ivica Olic. Der Einsatz des Kroaten ist wegen anhaltender Rückenplobleme noch offen

„Klar ist, dass in den beiden Spielen nur spielen kann, wer bei 100 Prozent ist. Wenn irgendwer auch nur einen Prozentpunkt Konzentration auf seinen Zeh, seinen Rücken oder seine Schulter verschwendet, fehlt ihm dieser im Zweikampf und es geht schief“, sagt Knäbel und Labbadia pflichtet seinem direkten Vorgesetzten bei: „Das werden zwei außergewöhnlich intensive Spiele, in denen uns definitiv alles abverlangt wird. Deshalb arbeitet unsere medizinische Abteilung unter Hochdruck und wir müssen ganz genau schauen, wer wie weit ist.“

 

Außer verletzungsbedingt hat Labbadia tatsächlich wenig Grund zu wechseln. Wobei – ich würde es dennoch machen. Denn der KSC wird den HSV nicht annähernd so hoch angreifen wie die meisten Bundesligisten. Der HSV wird agieren müssen – die Karlsruher reagieren. Dafür muss der HSV so spielstark wie möglich aufgestellt werden. Zuletzt bekam der Chilene Marcelo Diaz nach langer Verletzungspause seine Chance – und konnte sie nur bedingt nutzen. Neben Kacar gelang ihm nicht viel, obgleich die Analyse-Experten von „spielverlagerung.de“ ihn zum Schlüssel für den Sieg erkoren. „Besser. Noch besser“, waren Diaz’ Worte nach dem Spiel – und er meinte sich selbst. Er erwartet noch mehr von sich. Und das ist gut so. Denn in Sachen Spielaufbau übernahm er zwar die Rolle des Anspielpunktes im Mittelfeld, allerdings ohne dabei offensive Aktionen einleiten zu können.

 

Aber zurück zur großen Frag: Spielt Rafael van der Vaart oder spielt er nicht? Ich glaube, er spielt, sobald Lasogga und/oder Olic ausfallen. Und obgleich ich ihm das Erstligaformat nach nunmehr 34 langen Spieltagen absprechen musste, in dieser Partie könnte er noch mal wichtig sein. Zum einen, weil ich weiß, dass er sich selbst sehr über sich selbst geärgert hat und traurig war, sich nicht auf dem Feld verabschieden zu können. „Er hat am Rand gelitten, weil er zum Zuschauen verdammt war“, sagte Knäbel heute und versicherte: „Wenn er noch mal gebraucht wird, wird er da sein. Er will sich gut verabschieden.“

 

 

Stimmt, aber allein darauf kommt es nicht an. Denn in diesem beiden Spielen ist nicht allein ein feiner Fuß (der zu selten zur Wirkung kommt) gefragt, sondern auch Körperlichkeit und vor allem Tempo. Einzige Ausnahme könnte die Spitze sein, sofern der HSV das voraussichtlich defensivere KSC-Spiel für Flankenläufe und Bälle in den Sechzehner nutzen kann. Denn dort ist und bleibt Lasogga gefährlich. Und dort hat Olic seinen ersten ernst zu nehmenden Treffer selbst erzielt. Heute indes drehte er nur einige Runden um den Platz und verbrachte den größten Teil der Trainingszeit im Kraftraum sowie auf der Massagebank.

Der Rest der Mannschaft absolvierte ein lockeres Balltraining ohne größere Laufarbeit. „Auflockern, ausschlafen und den Kopf wieder frei bekommen“, hatte Labbadia sich vom erneuten Trainingslager versprochen. Und viel mehr scheint es auch nicht zu sein. Morgen soll am späten Nachmittag die zweite Einheit stattfinden. Viel ausstehen müssen die HSV-Profis demnach nicht. „Fein-Tuning“ nennen die Verantwortlichen den Inhalt des Malente-Trainingslagers, Teil zwei.

 

Dabei wird es am Donnerstag in erster Linie darum gehen, wie die Mannschaft mit dem zweifellos vorhandenen Druck umgehen wird. Der HSV kann etwas verlieren und muss zudem gleich zu Beginn zu Hause antreten. „Der HSV hat die Qualitäten, den KSC zu bezwingen“, weiß der an den FC Kaiserslautern verliehene und heute für die U21-EM nominierte Kerem Demirbay (Glückwunsch, Kerem!!!), der auch warnt: „Karlsruhe ist eine seltsamerweise sehr erfahrene Truppe mit einer guten Abwehr und einem richtig guten Stürmer, auf dessen Namen ich gerade nicht komme.“ Rouwen Hennings? „Richtig“, so Demirbay, „die sind hinten kompakt und vorn gefährlich. Aber der HSV hat diese Mittel auch und braucht sich absolut nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Der HSV muss zeigen, dass er den KSC ernst nimmt, ihm aber keine Chance lässt.“ Demirbays Prognose? „Es wird hart, aber der HSV hat das Zeig, im Hinspiel die Weichen zu legen und die Klasse zu sichern.“

 

Na denn. Das klingt doch gut. Und um noch einmal auf van der Vaart zurückzukommen: Ich würde ihn allein ob der Szene in Stuttgart zunächst nur auf die Bank setzen und es ihm gegenüber auch so begründen. Allerdings glaube ich, dass diese Szene in van der Vaart gärt und er nichts lieber will, als diesen Fehler zu korrigieren. Damit hätte man einen hochmotivierten Mann, der von der Bank aus das Spiel verändern könnte. Andererseits, sollte van der Vaart am Ende sogar von Beginn an spielen – dann wird Labbadia es sich sehr gut überlegt haben und sportlich seine Gründe haben. Denn dass er sich nicht von Namen blenden sondern nach Leistung aufstellt, hat er unlängst bewiesen. Das zeigt schon die Art, wie und auch dass er Valon Behrami “aussortiert” hat. Eine Maßnahme mit Signalwirkung an die Mannschaft. Vielleicht hat Labadia ja auch die richtigen Signale für seinen Kapitän parat. Ich hoffe es – nein: ich glaube es.

 

In diesem Sinne, alle Mann an Bord.

 

Bis morgen

Scholle

Mehr Glück darf niemand erwarten

18. Mai 2015

Ab nach Malente. Ab Mittwoch bereitet sich der HSV auswärts auf das große Saisonfinale vor. Und ich glaube, dass das die richtige Maßnahme ist. Ein Fingerzeig an die Mannschaft, sich zusammen zu raufen und als Einheit zu formen. Ein einziges, letztes Mal noch gegen Schalke alles geben, irgendwie gewinnen und dann hoffen. Darauf hoffen, dass nicht noch einmal alle gegen den HSV spielen. Ob es letztlich verdient wäre oder nicht – das lasse ich bewusst lieber dahingestellt. Darum geht es mir auch nicht mehr. Mir geht es tatsächlich nur noch darum, den GAU irgendwie zu vermeiden…

In der Sendung unmittelbar nach dem Spiel habe ich viele Dinge aus einer spontanen Emotion heraus gesagt. Das ist nicht besonders professionell, das muss ich eingestehen und mir vielleicht anlasten. Aber so war es nunmal. Ich habe dabei Rafael van der Vaart kritisiert und muss heute sagen: Ich stehe noch immer zu 100 Prozent zu meinen Aussagen. Auch zu denen in den Wochen und Monaten davor, in denen ich van der Vaart definitiv nicht zum Hoffnungsträger aufgebaut hatte, sondern lediglich meine Hoffnungen in Verbindung mit ihm formuliert hatte. Die beschränkten sich ob seiner körperlichen Defizite nur noch auf Standards und Pässe aus dem Spiel heraus – und sie blieben unerfüllt. Bis Sonnabend. Bis zu Kacars Treffer zum 1:0 in Stuttgart. Die Wende im rechten Moment? Mitnichten. Anschließend legte van der Vaart ein Spiel hin, das seiner unwürdig ist. Er versuchte mit aller Macht, seine zehnte Gelbe zu bekommen und schaffte das in der Nachspielzeit. Er entzog sich damit seiner Verantwortung für den Verein. Und das macht mich sauer, zumal auch ich immer wieder zu ihm stand. Egal, wie schwer es mir oft fiel…

 

Ich werde am Sonnabend dennoch aufstehen und applaudieren, sofern der HSV van der Vaart tatsächlich verabschieden sollte. Weil er dem HSV sehr viel mehr gegeben hat als er durch diese Szene kaputt machen konnte. Van der Vaart war der Türöffner für weitere Stars, er war spielerisch der Unterschied bei seinem ersten Engagement in Hamburg. Und er verhalf dem HSV zu Erfolgen, wie es sie hier Jahrzehnte lang nicht zu feiern gab. Aber es wird ein Geschmäckle haben. Leider. Denn das am Sonnabend war vereinsschädigend, unkollegial und – so weit würde ich in diesem Fall sogar gehen – sogar undankbar. Zum einen denen gegenüber, die auf ihn gesetzt haben, die ihn trotz allem immer wieder aufgestellt und an ihn geglaubt haben. Da schließe ich die Fans voll mit ein. Und zum anderen war es undankbar den Kollegen gegenüber, die ihn mit durchgeschleppt haben in der Hoffnung auf diesen einen, genialen Moment, der allen verwehrt blieb und jetzt auch bleiben wird. Sofern er nicht noch einen Einsatz in einer ja noch möglichen Relegation hat…

Umfrage: Hält der HSV die Klasse, und was, wenn nicht?

 

Unabhängig davon bin ich überzeugt davon, dass Bruno Labbadia die Mannschaft noch einmal wecken wird. Abgeschieden in Malente wird er auch dem letzten Egomanen das eine große Spiel gegen Schalke schmackhaft machen. Er wird die Spieler zur Einheit formen, wie sie immer behauptet, es zu sein. Und das ist angesichts der Brisanz auch nicht schwer. Dieses Spiel firmiert unter „Ausnahmezustand“ – das dürfte auch der letzte Egomane im HSV-Trikot verstehen.

 

Klar ist aber auch, das Labbadia die Spieler nicht grundsätzlich ändern wird. Und das bedeutet, dass im Kader grundlegende Renovierungen vonnöten sind. Warum Labbadia den Spielern nicht sagt, was er von ihnen hält ist logisch. Aber ich hoffe, dass er dafür seine Gelegenheit bekommen wird und vom Vorstand entsprechend bei der Kaderumstellung unterstützt wird. Denn zur neuen Saison muss sich mal wieder nahezu alles ändern. Auch die Außendarstellung der Verantwortlichen. Wie man sich nach dem 33. Spieltag und knapp 35 Millionen Euro Ausgaben für Neue hinstellt und sagt, man hätte die Probleme schon in der Saisonvorbereitung erkannt und die Probleme erwartet – es macht mich sprachlos.

 

Aber in der aktuellen Situation ist eigentlich auch das nicht wichtig. Diese fünf Tage bis zum Schalke-Spiel sind Außenstehende ausnahmsweise mal sch…egal, Vereinspolitik komplett zu missachten und nichts ist wichtiger, als die Mannschaft und die Fans. Vor allem in Verbindung miteinander. Denn die eigenen Fans sind für mich das letzte Faustpfand, das dieser HSV noch hat. Nur die von den Rängen herübergebrachten Emotionen scheinen die Spieler noch ausreichend zu beflügeln. Eigenmotivation? Zu wenig. Ein extrem bitteres Urteil. Vor allem, wenn man die Konkurrenz aus Hannover, Stuttgart und vor allem Freiburg sowie Paderborn spielen sieht. Dass letztlich ausgerechnet die löbliche Einstellung dieser Konkurrenten die größte Chance des HSV am letzten Spieltag darstellt – pure Ironie…

 

Ebenso wie jetzt den Fußballgott bemühen zu wollen. Sofern es diesen denn gibt, hat der HSV ihn in den letzten Monaten schon überbeansprucht. Allein die Spieltagskonstellation müsste man ihm schon danken und müsste damit zufrieden sein. Noch mehr Glück dürfen wir einfach nicht verlangen, ohne vermessen zu werden. Schon gar nicht, wenn man sieht, wie wenig tapfere Paderborner davon haben…

 

Aber genug Sentimentalität, zurück zum harten Profigeschäft. Und das darf beim HSV noch deutlich härter werden. Denn der Verein muss davon wegkommen, sich von Spielern lenken zu lassen. Egal ob jetzt ein van der Vaart, ein Behrami, Müller oder auch ein Lasogga – sie alle sind Angestellte des HSV. Nur demütig ihrem Arbeitgeber gegenüber sind sie allesamt nicht. Zumindest nicht ausreichend. Warum auch? Der HSV lässt es sich ja gefallen. Noch. Einzig bei Bruno Labbadia habe ich das Gefühl, dass er sich von Namen nicht beeindrucken lässt. Zumindest war er bei seinem letzten Engagement 2009 so. Jetzt muss er die eine oder andere Kröte schlucken, weil die Zeit zu kurz und die Situation zu ernst ist. Aber nach der Saison wird er sagen, was er schon erkannt hat: diese Mannschaft braucht ein komplett anderes Gesicht. Sie braucht mehr Charakter als dieses immer wieder fälschlich erhoffte Potenzial seiner Stars. Dieser HSV braucht für einen erstmals ernst zu nehmenden Neuanfang deutlich mehr Kacars, und dafür weniger van der Vaarts – der HSV braucht mehr Typ, weniger Status. Oder wie sagte Dietmar Beiersdorfer bei seinem Amtsantritt: „Der HSV muss ein neues Gesicht bekommen, mit dem sich alle identifizieren können.“ Stimmt. Und ich bin mir sicher, dass sich jeder Fan mit Charakterstärke anfreunden kann – auch wenn das nicht sofort zur Meisterschaft oder einem internationalen Wettbewerb langt. Bei mir ist es zumindest so.

 

Und das gilt auch für die Führung. Ich hatte vergangene Woche geschrieben, dass die Positionen in meinen Augen dort falsch besetzt sind. Dass nun ein ausgewiesener Fachmann wie Olaf Kortmann der selben Ansicht ist, ehrt mich. Obgleich Olaf wahrscheinlich genauso wenig Hoffnung hat, dass der HSV in der Spitze entsprechende Korrekturen vornimmt, behaupte ich, dass gerade das ein massives Zeichen wäre. Ein Zeichen der eigenen Stärke, Fehler einzugestehen und sie zu beheben, den Verein über das eigene Ego zu stellen. Inwieweit das auch auf Personalien wie Maxi Beister, Valon Behrami und Mo Gouaida zutrifft? Das werde ich unter anderem morgen in einem hoffentlich ausschließlich sportlich orientierten Blog thematisieren.

 

Ich wurde letzte Woche gefragt, ob ich irgendwas gegen Beiersdorfer hätte und kann diese Frage mit einem überdeutlichen NEIN beantworten. Ganz im Gegenteil! Ich halte nach wie vor von kaum jemandem sonst mehr als von ihm, wenn es um den Neuaufbau bei diesem HSV geht. Aber eben als Sportchef, nicht als Vorstandsboss. Als Sportchef hat er wiederholt bewiesen, dass er mit ausreichend Zeit Großes aufbauen kann. Mit der Betonung auf „ausreichend“ – also nicht wie im Sommer, wo er Vorstandsboss und Sportchef in einem war. Es kann schlichtweg nicht gutgehen, wenn man sich als Vereinsoberster (Repräsentant bei etlichen Veranstaltungen, Verhandlungsführer mit Kühne etc.) zugleich auch um ein derart sensibles Thema wie die Kaderzusammenstellung beim HSV kümmern muss – wie man auch im aktuellen Ergebnis deutlich erkennen kann. Insofern kann ich Beiersdorfers Ahnung im Vorfeld der Saison durchaus nachvollziehen – nur Verständnis kann ich dafür nicht aufbringen. Denn insbesondere er hatte das Heft des Handelns in der Hand.

 

Nur gut, dass Beiersdorfer sich in Sachen Trainer durchgerungen hat, Imterimscoach Peter Knäbel durch seinen Freund und Vertrauten Labbadia zu ersetzen. Ansonsten wären wir sicherlich schon abgestiegen. Labbadia und Beiersdorfer – das passt. Und daraus kann eine Menge entstehen, wenn dieses Jahr die Klasse gehalten wird und nach dem letzten Saisonspiel einmal alles umgekrempelt wird.

 

Umso mehr Verständnis habe ich für Labbadias Wunsch, sich noch mal aus dem hiesigen, negativen Umfeld zu verabschieden und in Malente die Speicher der Spieler wieder aufzufüllen. Denn mehr als Augen zu und durch geht momentan nicht. Soll heißen: Klasse irgendwie halten und dann noch mal alles auf Anfang. Und damit meine ich wirklich alles…

 

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um zehn und um 15.30 Uhr an der Imtech-Arena trainiert, ehe es am Mittwoch gen Malente geht.

 

Bis dahin,

Scholle

Die Hoffnung des HSV? Der liebe Gott und ein Wunder

17. Mai 2015

Das, was keiner will, ist eingetreten. Der HSV hat sein Schicksal nicht mehr in der eigenen Hand. Ebenso wie das eigene 1:2 beim VfB Stuttgart waren die Siege des SC Freiburg und Hannover 96 für diese Konstellation verantwortlich. Vielleicht wirft die Haltung der Bayern im Breisgau Fragen auf, aber am Ende bekommt der HSV, was er verdient. Und das ist nach diesem desaströsen Spiel in der Mercedes-Benz-Arena der vorletzte Tabellenplatz und die Gewissheit, dass nicht einmal ein Sieg am letzten Spieltag gegen Schalke den Klassenerhalt – oder wenigstens die Relegation – aus eigener Kraft sichern würde.

Umfrage: Hält der HSV die Klasse, und was, wenn nicht?

„Wir haben eine Ausgangslage, die sich drastisch verschlechtert hat“, stellte Trainer Bruno Labbadia klar. „Dabei war uns ja von Beginn an klar, dass wir bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt spielen würden. Allerdings haben wir uns die gute Position, die wir uns erarbeitet haben, kaputt gemacht.“ Und wie sie das gemacht haben. Gegen 15.45 Uhr stand der HSV mit eineinhalb Beinen in der Bundesliga, am Ende steht die Mannschaft mit eineinhalb Beinen im Unterhaus. „Es war ein Matchball, den wir vergeben haben“, setzte Vereinsboss Dietmar Beiersdorfer drauf. „Die Leistung war enttäuschend. Das war schwach und zu wenig.“ Weitere Analysen über die Hintergründe dieses Auftritts lieferten die Verantwortlichen nicht. Im Grunde war das auch schnell zu erkennen. Ich will mich auf wenige Dinge beschränken, die alle miteinander zu tun haben.

Das erste Mal hatte ich an diesem Nachmittag in Stuttgart ein ungutes Gefühl, als die HSV-Profis mit den T-Shirts zum Warmlaufen auf den Rasen marschierten. „Wir schaffen es!“ stand darauf. Allzu große Sicherheit, die Bekanntgabe einer Hoffnung als Tatsache, die die Spieler am Ende eingeholt hat. Ein Ergebnis sollte man erst nach vollbrachter Arbeit verkünden – nicht schon vorher. Besser haben es die Stuttgarter Fans gemacht, die ihre Mannschaft mit einem großen „Niemals-aufgeben“-Plakat begrüßt haben. DAS war das eigentliche Motto. Und der VfB hat es deutlich besser umgesetzt als der HSV.

Es war beängstigend mit anzusehen, wie der HSV nach 25 Minuten aufgehört hat, an dieser Partie teilzunehmen. Mit dem Stuttgarter Ausgleich, dessen Zustandekommen vielleicht glücklich war, erlahmte alles bei den Hamburgern. Rajkovic und Djourou fanden keine Anspielstationen mehr, weil sich alle Mittelfeldspieler verkrümelten. Wo war van der Vaart? Wo war Kacar? Was war mit den Flügeln Jansen und Ilicevic, die nicht zu sehen waren? Es war so viel Angst im Spiel, dass alle nur noch weggerannt sind.

Einige Spieler verdienen besondere Beachtung. Rafael van der Vaart zum Beispiel hat 90 Minuten nach einer Gelbe Karte gebettelt. Fouls, Geschimpfe, Nicklichkeiten. Immer wieder sprach Schiedsrichter Manuel Gräfe beschwichtigend mit ihm – aber in der Nachspielzeit konnte er nicht mehr anders. Nach einer weiteren Meckerei gab’s endlich die 10. Gelbe Karte und damit die Sperre gegen Schalke. Van der Vaart hat sich dazu gestern nicht mehr geäußert, aber das hatte schon schwer den Anschein, als ob er diese Verwarnung provoziert hätte. Ein schlimmes Verhalten.

Pierre Michel Lasogga durfte nach dem frühen Zusammenprall mit seinem Kollegen Ivica Olic bis zur 59. Minute weiterwurschteln. Der Bursche gehörte aber sofort ausgewechselt, er torkelte nur über den Rasen. Es war keine Kopfverletzung, sondern eine Schulterprellung, wie heute diagnostiziert wurde. Trotzdem: Bei Lasogga ging gar nichts, der HSV auch aus diesem Grund quasi eine Stunde lang nur zu zehnt. Bruno Labbadia versicherte heute nochmals, dass er seinen Angreifer immer wieder gefragt habe, ob es weitergehe. Lasogga sagte ja – eine Fehleinschätzung.

Am Ende fehlte der gesamten Mannschaft Spannkraft. Nichts war zu spüren von dem Willen, sich gegen den Abstieg zu stemmen. Die meisten Zweikämpfe gingen flöten, es war eine Selbstaufgabe. Das, was Bruno Labbadia mühsam an Streichhölzchen aufgebaut hatte in den vergangenen Wochen zu einem ansehnlichen Türmchen, fiel durch einen Windhauch zusammen. Es war nicht mehr als ein Windhauch, denn natürlich war auch Stuttgart zunächst total unsicher. Zwar stürmten sie in den ersten fünf Minuten, aber nach dem 0:1 durch Kacar schossen die Schwaben die einfachen Pässe ins Seitenaus oder die steilen Schläge ins Nirvana. Bis sie merkten, dass sie vom HSV nichts zu befürchten hatten. 10:1 Schüsse aufs Tor – so sah es am Ende aus. Die Partie hätte 5:1 ausgehen müssen, wenn Rene Adler nicht so viel gehalten hätte.

„Als wir gekommen sind, waren wir Tabellenletzter“, so Bruno Labbadia heute. „Da hätte niemand mehr einen Pfifferling auf uns gesetzt. Natürlich hatten wir nicht gedacht, dass wir diesen Rückschlag erleiden würden. Aber trotzdem haben wir noch eine Möglichkeit. Wir müssen nicht jammern, sondern an uns glauben. Wir müssen Schalke schlagen, und dann werden wir sehen, was passiert.“

Dietmar Beiersdorfer wurde heute mehrfach gefragt nach seinen Fehlern in dieser Saison. Die Ernennung von Peter Knäbel zum Cheftrainer zum Beispiel. Beiersdorfer wehrte all diese Fragen ab und verwies auf die nächste Woche, wenn die Saison vorbei ist. „Es ist unsere Aufgabe, im Management intern über alle Szenarien zu sprechen. Das tun wir schon länger. Aber unsere Aufgabe und unser Ziel ist es vorher, das Spiel gegen Schalke zu gewinnen und die Möglichkeiten zu haben, drin zu bleiben.“ Dies kann ich im Moment nachvollziehen. Beiersdorfer bringt es heute nichts, Selbstzerfleischung zu betreiben oder auch nur den nachvollziehbaren Wunsch der Öffentlichkeit nach Benennung der Schuldigen zu befriedigen. In den kommenden sechs Tagen geht es nur um das Schalke-Spiel.

Vielleicht geht es danach noch um die Relegationsspiele – das weiß der Fußballgott. Auf den wird es übrigens auch wieder ankommen. Dessen ist sich Zoltan Stieber sicher, der beim Blick auf die Konstellation keine anderen Ratschläge mehr hat: „Wir müssen alles geben gegen Schalke und gewinnen. Hoffen wir, dass der liebe Gott auch mit uns ist.“ Ähnlich formulierte es Rene Adler: „Wir haben jetzt noch ein Spiel und können die Tabelle auch lesen. Die Situation ist beschissen. Aber wir können es noch schaffen. Ich glaube, dass wir Schalke schlagen, und mit ein bisschen Hoffen und Bangen – vielleicht gibt es noch ein Wunder.“ Oder hat der HSV im vergangenen Jahr alles Glück der Welt aufgebraucht?

Und wie soll diese Truppe, die in Stuttgart offenkundig unter dem Druck zusammen gebrochen ist, den noch viel größeren Druck des kommenden Spiels meistern? Diese Frage ist nicht zu beantworten. Hoffnung gibt es nur, weil es in dieser Saison ab und an geklappt hat. Dietmar Beiersdorfer: „Wir haben schon mal ähnlichen Druck gehabt gegen Augsburg. Das war auch ‚letzte Ausfahrt Klassenerhalt‘. Das hat die Mannschaft hervorragend gemacht. Man muss das Positive sehen. Wenn man nicht dran glaubt, wird es auch nichts. Wir werden bis zum Schlusspfiff kämpfen. Das ist unsere Pflicht und unsere Leidenschaft.“ Na ja….

Als besondere Maßnahme prüft der Verein nun ein erneutes Trainingslager. Die Entscheidung, ob das kurzfristig zu realisieren ist, steht zur Stunde noch aus. Jedenfalls würde Labbadia nach dem trainingsfreien Montag ab Dienstag gern mit seinen Profis eine Luftveränderung vornehmen. Klar ist, dass es nicht erneut nach Rotenburg gehen wird, wo er den HSV bereits nach seinem Amtsantritt zusammengesammelt hatte.

Hoffnung hat übrigens auch Peter Knäbel – das sagte er gestern im ZDF-Sportstudio: „Die Relegation zu gewinnen, wäre für uns wahrscheinlich auch schon ein Erfolg. Wir haben es fast in eigener Hand. Bei den ganzen Entwicklungen dieses Spieltages sehen wir, dass es auch schnell mal in die andere Richtung gehen kann.“ Knäbel war heute übrigens zur Spielbeobachtung in Braunschweig, wo der mögliche Hamburger Relegationsgegner Karlsruher SC mit 2:0 gewann.

Und nun noch ein Wort mehr oder weniger in eigener Sache. Am vergangenen Mittwoch habe ich ein paar Absätze zu Carl Jarchow geschrieben, der aus dem HSV-Vorstand ausgeschieden ist. Die Pawlowsche Reaktion bei einigen Kommentaren hätte ich mir denken können. „Gefälligkeitsjournalismus“ hier – „die Presse ist Teil des Problems“ da.

Habe ich geschrieben, dass Jarchows Vertragsverlängerung 2012 ein Fehler war? Ja, das habe ich geschrieben. Habe ich geschrieben, dass Jarchow viele sportliche und wirtschaftliche Fehler begangen hat? Ja, das habe ich geschrieben. Habe ich geschrieben, dass der Verein nach seiner Amtszeit schlechter dastand als vorher? Komisch, das habe ich ja auch geschrieben.

Ich lasse mir ungern das Wort im Mund herum drehen und insofern waren einige der Kommentare aus meiner Sicht reichlich daneben. Ich habe hier schon vor einigen Wochen ausführlich zur Campus-Peinlichkeit Stellung bezogen. Dieses Projekt wurde damals von Jarchow/Hilke angeschoben, und dass es primär eine Geld-Beschaffungsmaßnahme war – dieser Eindruck ist wohl kaum zu leugnen. Gut verpackt mit einem neuen Nachwuchsprojekt, zugegeben, aber die Umplanungsmaßnahmen, die durch Bernhard Peters und Co. vorgenommen wurden, zeigen, dass das ursprüngliche Konzept auch inhaltlich nicht durchgetaktet war. Inhaltlich – das war nicht die Priorität. Aber: Jarchow und alle anderen im HSV waren und sind dafür rechtlich nicht zu belangen gewesen. Das ist Stand heute Tatsache.

Diese Zusammenhänge, und dass Alexander Otto den Granden den Allerwertesten gerettet hat mit seiner 10-Millionen-Euro-Zuwendung, das wurde auch hier von Scholle, Dieter und mir thematisiert. Als ich geschrieben habe, dass Jarchow gut aus seiner HSV-Vorstands-Zeit herausgekommen ist, wurde das hier ebenfalls als Medien-Problem dargestellt. Nach der Devise: Ihr habt ihn aber auch schön in Frieden gelassen.

Wer bitteschön hat Carl Jarchow, der jahrelange Minus-Zahlen als Vorstands-Vorsitzender zu verantworten hatte, denn vor allem in Frieden gelassen? Das waren die HSV-Mitglieder selbst, von denen einige mich nun hier kritisiert haben. Jarchow hat nicht eine einzige kritische Nachfrage erhalten auf der Mitgliederversammlung im Januar. Da war nicht die Rede davon, dass der Verein reihenweise Rote Zahlen geschrieben hat und die Campus-Millionen versickert sind. Von der Frage, ob die einzelnen Vorstände denn überhaupt entlastet werden – auch Joachim Hilke hätte diese Frage treffen können – war ebenfalls nichts zu hören. Gar nichts.

Was mir wichtig ist und war bei der Betrachtung Jarchows und vieler anderen, deren Wirken für den HSV am Ende in einem negativen Licht stand: Sie alle wurden auch von bestimmten Leuten, namentlich vom Aufsichtsrat, eingesetzt. Wenn Jarchow gescheitert ist, dann ist auch der alte Aufsichtsrat gescheitert. Führungskräfte in Unternehmen haben EIN wesentliches Instrument zur Steuerung der ganzen Firma, und das ist die Personalauswahl. Ist also Jarchow gescheitert, dann spricht das gegen diejenigen, die ihn ins Amt gehoben haben. Analog heute: Zeigt sich, dass Dietmar Beiersdorfer, wie von Scholle am Montag geschrieben, eigentlich kein Vorstands-Vorsitzender ist, dann geht diese Kritik in erster Linie an das Gremium, das Beiersdorfer bestellt hat. Und schon wären wir bei Karl Gernandt und seinem Team.

Zurück zu Jarchow. Zu guter letzt wurde nämlich angezweifelt, dass Jarchow für die Ausgliederung war. War er aber. Nicht als jemand, der sie initiiert hätte oder angeschoben. Das waren andere – das war die Gruppe HSV-Plus um Otto Rieckhoff. Aber dass Jarchow dessen ungeachtet dafür war, ist einfach Fakt. Das haben mir alle möglichen Menschen aus dem Verein bestätigt. Vermutlich wird mir nun auch noch weiter vorgehalten, ich habe HSV-Plus nicht gewollt. Ich verweise höflich auf eine „Matz-ab-live“-Sendung vom September 2013. Hier habe ich deutlich gesagt, die Ausgliederung muss kommen. Zu diesem Zeitpunkt war HSV-Plus gerade ein paar Tage auf dem Markt. Dass ich diese Haltung anschließend nicht marktschreierisch vor mir hergetragen habe wie andere, liegt wohl daran, dass ich Journalist bin. Aber egal, ob jemand aus meiner Sicht schlechte Arbeit geleistet hat – Kritik unter der Gürtellinie wird es von mir nicht geben.

Im übrigen: Welche Gefälligkeit sollte ich wohl von Carl Jarchow erwarten, wenn er Vize-Präsident des Hamburger Fußball Verbandes ist? VIP-Karte fürs Oddset-Pokal-Endspiel?

Noch sechs Tage bis zum Schalke-Spiel.

Lars
18.00 Uhr

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