Archiv für das Tag 'van der Vaart'

Stadionverkauf wird diskutiert – hoffentlich nicht mehr lange…

15. Mai 2013

Und Ihr denkt, Ihr habt Probleme? Mitnichten. Das Spielhaus, das wir für unseren Lütten im Garten aufgebaut haben ist ein Problem. Zumindest für unseren Nachbarn, der sich schnellstmöglich bei unserer Verwaltung gemeldet hat – bevor er mich angesprochen hat. Jetzt sollen wir alles zurückbauen und das wiederum missfällt meiner Frau. Zurecht, denn es steckt sehr viel Arbeit drin und jetzt auch wieder sehr viel Arbeit vor uns. Und das mit einem hausgemachten Problem. Hätten wir vorher gefragt, wäre ja „alles gar kein Problem“ gewesen. Sagt der Nachbar. Meint er aber nicht. Und deshalb haben wir jetzt ein Problem. Auch mit ihm.

Warum ich das Ganze schreibe? Weil es mich sehr an den HSV erinnert, der sich immer wieder selbst vor Probleme stellt, weil die Kommunikation schief läuft. Eben so, wie bei den Finanzproblemen des HSV, die hier im Blog seit Jahren beschrieben wurden und bei denen sich bis heute noch Blogger hinstellen, die das leugnen. Aber okay, das Minus ist amtlich, die Not so groß, dass jetzt sogar der Verkauf des Stadions diskutiert wird. Ein Vorgehen, das mit Sicherheit einen tiefen Graben in die Mitgliedschaft ziehen würde, sollte an dem Gedanken festgehalten werden. Allerdings glaube ich nicht, dass der Verkauf jemals Wirklichkeit wird. Oder besser: ich hoffe es ganz stark. Denn der HSV hat für mich nur eine Heimat – und das ist die Imtech-Arena.

Vielmehr sollte der Vorstand in der Lage sein, das Minus anders einzudämmen. Gerade ein vereinsintern so umjubelter Vermarktungsprofi wie Joachim Hilke sollte in der Lage sein, dem HSV neue Geldquellen zu öffnen. Wobei ich die erneute Erhöhung der Dauerkarten damit nicht meine. Gestern schrieb mich ein Blogger an, er habe seine Dauerkarte erneut bestellt und müsse jetzt 13 Prozent mehr bezahlen. Er ärgerte sich fürchterlich, meinte dann aber, er sei halt HSVer und habe ja keine andere Wahl, wenn er seinen Verein nicht künftig ausschließlich vor dem TV verfolgen wolle.

Stimmt.

Aber Freunde macht sich der HSV damit keine neuen. Im Gegenteil. Die Grenze der Ticketpreise hat der HSV in meinen Augen längst erreicht. Der HSV ist im Bundesligavergleich im oberen Drittel angesiedelt, hat bei Top-Spielen sogar Spitzenpreise. Und schon jetzt gibt es dauerhafte Proteste der Fanvereinigungen, die sich ausweiten werden. Auch nach Hamburg. Da bin ich mir inzwischen sicher.

Und es ist auch verständlich. Immerhin hat der HSV seit Jahren einen Zuschauerschnitt jenseits der 50000-er-Marke. Dass der Verein wachsen will und dafür Geld braucht, ist auch völlig okay. Aber er muss intern wachsen können, mit neuen Sponsoren und nicht immer nur auf Kosten der Anhängerschaft. Der HSV ist das Bundesliga-Urgestein mit einem Jahresumsatz jenseits der 100-Millionen Euro. Da sollte es machbar sein, einen Kader zusammenzustellen und zu finanzieren, der international spielt. Denn das wiederum würde bedeuten, dass es mehr Pflichtspiele als aktuell gibt – und diese Mehreinnahmen sollten eine erneute Ticketpreis-Erhöhung vermeidbar machen.

Das Argument, dass der Stadionbesucher auch den höheren Preis bezahlt, zieht zwar noch – aber es kann sich schneller drehen, als es den Verantwortlichen hier recht ist. Zumal dann, wenn sich die sportliche Leistung nicht verbessert. Mit welchem Argument zahle ich aktuell mehr für den HSV als vor vier, fünf Jahren, als der HSV noch international spielte. Damals spielte der HSV zweifellos attraktiveren Fußball als heute – und der Fan musste dafür nicht so tief in die Tasche greifen wie jetzt. Und schon gar nicht so tief wie in der kommenden Saison.

Der HSV geht ein hohes Risiko und macht seine Marke exklusiv weil teuer – sogar mit Erfolg. Noch. Aber was passiert, wenn die Fans irgendwann wegbleiben und plötzlich man plötzlich wieder den Stand aus dem alten Volksparkstadion mit 25000 Zuschauern gegen Teams wie Mainz, Augsburg, Wolfsburg etc. hätte? Ich glaube nicht, dass das hier irgendwer will. Ebenso wenig wie ein verkauftes Stadion.

Deshalb muss der aktuelle HSV-Vorstand ein Konzept entwickeln, wie man den andauernden Verlusten entgegenwirkt. Das hat schon lange nichts mehr mit den Altlasten allein zu tun. Nein, dieser HSV macht weiter Minus – mit neuen Oberen, die sich dafür verantworten müssen. Heute sind es Scheel, Jarchow, Arnesen und Hilke, die einen Weg finden müssen, den HSV zu verbessern, ohne die Kosten dafür auf die eigenen Anhänger abzuwälzen.

Aber okay, noch besteht ja sogar die Chance auf einen internationalen Wettbewerb. Wenn auch klein, die Möglichkeit ist da. Allerdings mit einer hammerharten Aufgabe gegen den Dritten Bayer Leverkusen. Heute konnte Trainer Thorsten Fink zwar wieder alle Spieler (bis auf die Dauerverletzten Arslan und Berg) auf dem Platz begrüßen. Und er hatte auch gleich mal wieder eine Idee. Eine überraschende sogar. „Gegen einen so starken Gegner wie Leverkusen muss man vielleicht auch mal was Besonderes versuchen“, so Fink, der dafür ein 3-5-1-1-System einstudierte. Dabei agierten Bruma, Westermann und Rajkovic in der Dreierkette nebeneinander, leicht vorgezogen Diekmeier über rechts und Jansen über links. Badelj machte die einzige Sechs, Jiracek kam über die rechte Seite, Aogo über lins, während van der Vaart hinter der einzigen echten Spitze Son spielte. Musste die Mannschaft auf defensive umschalten, hatte Fink plötzlich ein 5-4-1-System, als mit Diekmeier und Jansen in der Abwehrkette. Vorteil hierbei: „Leverkusen ist nicht nur bei Kontern sondern auch mit ihren vielen Kopfballspielern gefährlich“, so Fink, der mit Bruma statt Rincon so einen Kopfballspezialisten mehr auf dem Platz hätte.

Allerdings wirkte diese Formation nicht so eingespielt, dass Fink sie sofort einsetzen könnte. Im Gegenteil: bei einem letzten Spiel, in dem es um viel geht, wäre das Risiko größer als die Wahrscheinlichkeit, dass es funktioniert. Und mal angenommen, der Fink’sche Versuch ginge nach hinten los – das Echo darauf wäre gewaltig. Ich glaube nicht, dass Fink das riskiert.

Warum auch? Gegen Hoffenheim hat der HSV nach langer Zeit mal wieder richtig gut gespielt und verdient mit 4:1 gewonnen. Dabei entscheidend war sicher auch wieder Heung Min Son, dessen Zukunft nach Saisonende zügig geklärt werden soll. Auf die Nachfrage, wann das passiert, antwortete mir Jarchow heute: „Es gibt noch keinen Termin.“ Aber man werde es sicher nicht zu weit nach hinten hinauszögern. Die gleiche Frage beantwortete mir Sons Berater Thies Bliemeister: „Wir haben noch keinen Fahrplan. Aber wenn das letzte Spiel gespielt ist, haben wir Zeit, uns hinzusetzen und alles zu besprechen. Es ist auch möglich, dass Son bleibt.“

Klingt nach Abschied. Mal wieder. Aber bevor ich jetzt von Tag zu Tag hin und her wechsele, lasse ich es lieber ganz und warte ab, bis es ein Ergebnis gibt. Denn, das sagte Bliemeister auch, der BVB ist längst noch nicht aus dem Poker um Son ausgestiegen. Allerdings, wenn ich mir die Namen der anderen Kandidaten durchlese, dürfte Son nicht allererste Wahl sein.

Erste Wahl war Scharner bei Wigan. Die allerdings sind seit dem 1:4 gegen Arsenal am Dienstag zweitklassig, womit sich Scharners Zukunft auf der Insel trotz der ihm gewidmeten, imposant zahlreichen Lobeshymnen der Wigan-Fans geklärt hat. Der Österreicher hatte vor seinem Leihwechsel gesagt, auf keinen Fall zweitklassig spielen zu wollen und beteuerte den extra angereisten Fink und Arnesen, dass er zurückkommen wolle – und wird. Und das finde ich gar nicht so schlecht. Denn wer sich in der Premier League gut verkauft, dürfte auch das zeug haben, dem HSV zu helfen. Und gerade auf der Innenverteidigerposition hat der HSV Nachholbedarf, den Scharner vielleicht lösen kann. Und da auch noch vergleichsweise günstig…

Und jetzt Daumen drücken – für die U23, die gerade beim SC Victoria ein wegweisendes Spiel im Abstiegskampf bestreitet.

Bis morgen! Da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Son geht, Son bleibt, Son geht – oder bleibt er jetzt doch?

14. Mai 2013

Er hatte es eilig. Immerhin musste er noch den Flieger nach London erreichen, der ihn zum Spiel Wigans bei Arsenal London befördern sollte. Paul Scharner tritt heute Abend für Wigan an – und Fink will zusammen mit Sportchef Frank Arnesen vor Ort überprüfen, inwieweit der Österreicher für den HSV in der kommenden Saison wichtig ist. „Ich muss Paul auch mal live sehen, und heute ergibt sich die Gelegenheit“, sagt Fink. Ob er sich auch andere Spieler ansieht oder sonstige Termine hat? „Keine Termine“, so Fink, „ich fliege tatsächlich nur wegen Paul hin.“ Okay, aber sollte noch jemand auffallen – Stift und Zettel haben Arnesen und Fink dabei, wie der Trainer versichert…

Der hatte zuvor auf einige Stammspieler im Training verzichten müssen. Dennis Aogo kuriert noch die Reste seiner Sprunggelenksverletzung aus, Petr Jiracek hat in Hoffenheim einen Schlag aufs Knie bekommen und Rafael van der Vaart leichte Wadenprobleme. „Alle drei wollen aber schon am Mittwoch wieder mittrainieren“, so Fink, der bei seiner Mannschaft ob des Saisonendspurts „einen gewissen Substanzverlust“ erkannt hat. Allerdings liege der noch im Erträglichen – und die Aussicht auf das Finale am Sonnabend im eigenen Stadion sei Schmerzmittel genug für alle Wunden. „Es ist deutlich, dass hier alle richtig heiß darauf sind, am Sonnabend das Unmögliche doch noch möglich zu machen. Ich habe ein gutes Gefühl, dass die Mannschaft die Überraschung erzwingt.“ Und sollte dies nicht gelingen, weil Frankfurt parallel punktet: „Dann ziehe ich den Hut vor der Eintracht“, so Fink, „dann haben sie es verdient.“

Stimmt. Egal wer am Ende auf welchem Platz steht, er hat es verdient. Wobei ich mir ebenso wie Fink sicher bin, dass sich Ex-HSVer Ivica Olic mit dem VfL Wolfsburg in der Partie bei Eintracht Frankfurt nicht hängenlassen wird, nachdem sie nunmehr neun Spiele in Folge nicht verloren haben und noch die Chance auf einen einstelligen Tabellenplatz haben. Zudem liegt der psychologische Druck bei den Hessen. „Frankfurt hat den Vorteil, nur einen Punkt zu brauchen und ein Heimspiel zu haben. Aber auf der anderen Seite haben wir den psychologischen Vorteil, nur gewinnen zu können, während Frankfurt eine ganze Menge zu verlieren hat.“

Stimmt. Aber ob’s was nützt?

Egal wie, der HSV muss zuerst einmal gegen Bayer Leverkusen gewinnen. Und die Werkself ist nicht nur tabellarisch nach Bayern und Dortmund der drittschwerste Gegner, den man haben kann. „Taktisch, technisch und physisch ist Bayer top“, lobt auch HSV-Trainer Fink. Zurecht. Denn die Leverkusener sind spielstark, können hervorragend kontern und sind bei Standards gefährlich. Es fehlt an nicht vielem. Außer vielleicht an der Motivation im letzten Saisonspiel, da es für Bayer um nichts mehr geht. Der dritte Rang ist gesichert – weder nach oben noch nach unten geht etwas. „Ich glaube nicht, dass die sich hängenlassen“, sagt Fink, der ein heißes Spiel erwartet: „Alle, ob Spieler, Trainer oder Zuschauer, können sich auf ein geiles Finale freuen.“

Wobei so kurz vor Saisonende auch schon die ersten Andeutungen von Analysen durchsickern. Heute bei Fink. „Wir hatten 48 Punkte mehr oder weniger als Ziel ausgegeben und die jetzt erreicht. Die haben wir auch nicht von irgendwelchen Elfen geschenkt bekommen sondern uns erarbeitet. Wir dürfen uns ganz sicher nicht belügen, da gibt es einiges, was wir verbessern müssen. Aber wie wir nach den großen Rückschlägen in München, Hannover oder hier gegen Schalke zurückgekommen sind zeigt, dass der Kern der Mannschaft da ist. Und der will jetzt die 51 Punkte, was top wäre.“ Immerhin sei man in der Vorsaison 15. Gewesen und jetzt achter. Fink: „Das ist eine absolut positive Entwicklung.“

Allerdings eine, die noch deutlich besser hätte ausfallen müssen. Die Ansprüche, die der HSV hat, können nicht jenseits irgendwelcher Europapokalplätze liegen“, bilanzierte auf der 20. Hamburg-Soirée am Montag Günther Netzer die wechselhafte Saison schon vor dem letzten Spieltag. „Man kann nicht zufrieden sein. Die Mannschaft hat kein Vertrauen geschaffen. Man muss sich nur mal vorstellen, welche Punkte der HSV in dieser Saison liegen gelassen hat“, sagt der vielleicht geeignetste Kandidat für einen HSV-Vorstandsposten, der allerdings und leider weiterhin jegliche Mitarbeit bei seinem Ex-Klub ausschließt.

Ausgeschlossen ist zudem ein letztes Mitwirken von Tolgay Arslan, dessen Kreuzbandzerrung noch immer nicht auskuriert ist und die den jungen Mittelfeldmann vor echte Probleme stellen könnte. „Es sieht nicht gut aus bei ihm“, sagt Fink, bezogen auf einen Einsatz Arslans und ergänzt: „Das wird eng für seine EM-Teilnahme.“ Hintergrund: Arslan zählt noch immer zum Kader der U21-Nationalelf, die vom 5. bis 18. Juni in Israel um den EM-Titel kämpft. Bitter für Tolgay, dem ich von hier gute Besserung wünsche und für den ich beide Daumen gedrückt halte. Er hätte sich so einen krönenden Abschluss absolut verdient.

Verdienen ist ein gutes Stichwort. Das will der HSV mit Spielerverkäufen. Unter anderem stand und steht auch ein Verkauf von Heung Min Son noch auf dem Zettel. Und während in den letzten Tagen immer wieder Champions-League-Finalist Borussia Dortmund als Hauptinteressent genannt wurde, scheint sich dieser Wechsel plötzlich zu zerschlagen. Denn trotz des Dementis von Werders Kevin de Bruyne soll der Transfer des Belgiers zum BVB bereits eingetütet sein. Einzig die Einigung zwischen BVB und Chelsea, von denen de Bruyne an die Weser verliehen ist, steht noch aus. Zudem sollen BVB-Boss Watzke samt Trainer Jürgen Klopp und Manager Michael Zorc in Brasilien bezüglich eines offensiven Mittelfeldspielers und in Porto in Sachen Stürmer fündig geworden sein: Jackson Martinez gilt inzwischen als heißester Kandidat für die wahrscheinliche Nachfolge Robert Lewandowskis.

Zudem gilt intern als hochwahrscheinlich, dass Son ein Engagement in England nicht dem HSV vorziehen werde. Im Gegenteil, heute habe ich das erste Mal seit Wochen wieder einen Offiziellen sagen hören, dass er eher mit einem Verbleib Sons rechnet. Nun denn. – eine Fortsetzung der Arie ist sicher. Geplant ist, dass sich Son im Laufe der kommenden Woche erklärt. Aber dazu werde ich Euch im Laufe dieser Woche hoffentlich noch ein wenig mehr berichten können.

Und wo wir gerade beim Thema Angreifer sind: Während ich vor zwei Wochen an eine taktische Aussage Finks glaubte, als er Maxi Beister hoch lobte, hat sich dieser die Komplimente inzwischen wieder ehrlich verdient. Im Training gibt der reumütige Youngster Vollgas und scheint vieles wiedergutmachen zu wollen. Und das sieht gut aus. Deutlich besser sogar als noch vor der überflüssigen Roten Karte. Weiter so, Maxi!

Klar ist, dass am Sonnabend nur Jeffrey Bruma verabschiedet wird. Für die restlichen Verkaufsposten hat sich bislang noch kein Abnehmer gefunden. Kacar scheint sich mit Hannover einig werden zu können und Slobodan Rajkovic soll Interessenten aus Russland haben, dort aber nicht hingehen wollen. Aber ansonsten ist noch alles ruhig. „Der Markt bewegt sich schon“, hatte Frank Arnesen vor 14 Tagen gesagt. Allerdings bewegt sich selbiger bislang am HSV vorbei. Aktuell marschiert auch ein Stürmerkandidat am HSV vorbei: Daniel Ginczek wechselt vom FC St. Pauli voraussichtlich nach Nürnberg. Der HSV, der einen groß gewachsenen Stürmer wie Ginczek (22 Jahre alt, 17 Tore, 191 Zentimeter hoch und 80 Kilogramm schwer) sucht, ist nicht in der Verlosung, worüber sich heute einige aufgeregt haben. Und ehrlich gesagt, zählte auch ich zu denen, die in Ginczek einen richtig Guten erkannt haben wollten. Dennoch bin ich aktuell nicht der Meinung, dass der HSV Ginczek holen muss. Im Gegenteil, der Pauli-Recke ist mir einem Rudnevs zu ähnlich. Und obwohl sich Fink zitieren lässt, Ginczek wäre interessant und würde ins Anforderungsprofil passen, glaube ich, dass der HSV besser beraten wäre, einen langen Stürmer zu nehmen, der über etwas mehr technische Fähigkeiten verfügt. Denn davon gibt’s beim HSV keinen und genau den will Fink. Insofern bin ich diesbezüglich ganz entspannt. Noch hat der HSV ja Zeit.

Nicht vorbei sein wird es mit HSV-Spielen nach der Partie gegen Leverkusen, da die Mannschaft ab kommenden Dienstag für drei Tage (21. Bis 24. Mai) eine Abschlussreise mit Teambuilding-Caharakter nach Neuruppin unternimmt. Die Tour wird durch ein Testspiel gegen Neuruppin abgerundet. Und das alles ja vielleicht doch noch als Europa-League-Teilnehmer.

In diesem Sinne, bis morgen! Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Der HSV nimmt die Rolle des Jägers an!

12. Mai 2013

Geht es euch nicht auch so? Ich muss immer an „Troche“ denken. Ihr doch sicher auch, oder? Piotr Trochowski, der „kleine Dribbelkünstler“ und sein Tor in Frankfurt. Man schrieb damals in Deutschland die 90. Minute im Hessenland, es stand zwischen der Eintracht aus Frankfurt und dem HSV 2:2, und dann hob der Fußball-Gott die Abseitsregelung auf – und „Troche“, unsere aller „kleiner Dribbelkünstler“, gerade noch im Abseits stehend, zog mutig und beherzt ab. Drin das Ding. Und drin der Fisch. Der HSV spielte doch noch Europapokal, Europapokal, Europapokal, Europapokal, Eu-roo-paa-poooo-kaaaaaal . . . Das kann doch kein Zufall sein. Das ist ein Zeichen. Ganz bestimmt. Wieder Frankfurt. Wieder der letzte Spieltag. Wieder muss ein Sieg her – und Frankfurts Niederlage. Doch wo ist der „kleine Dribbelkünstler“? Daran könnte es natürlich noch scheitern, aber ich gehe nicht davon aus. Das wird was. Ihr werdet sehen. Dieser 4:1-Sieg des HSV gegen Hoffenheim hat Langzeitwirkung – und entwickelt sich erst noch. Eine Woche lang, und dann versinkt Hamburg im Freudentaumel. Nächsten Sonnabend, so gegen 17.20 Uhr . . .

„Ich habe schon die verrücktesten Dinge am letzten Spieltag gesehen“, sagte Trainer Thorsten Fink in Sinsheim – und sprach mir dabei so aus dem Herzen. Was gab es nicht schon alles? Die reinsten Kopfstände gab es da schon. Und fragt mal nach bei Otto Rehhagel. Von wegen 12:0 und so. Nein, nein, da kann es doch durchaus passieren, dass die auswärtsstarken Wolfsburger in Frankfurt gewinnen, und der heimstarke HSV, der nur nicht an Fürth, Augsburg und Freiburg denken darf, gegen die nicht ganz so schlechten Leverkusener gewinnt. Das ist ja nicht unmöglich, das wäre ja nicht einmal in der Nähe eines Fußball-Wunders. „Wir haben jetzt viel zu gewinnen und überhaupt nichts zu verlieren. Und vielleicht sind wir in der Jägerrolle besser“, sagte Thorsten Fink auch noch, und ich würde ihm sagen: „Natürlich. Natürlich und absolut liegt dem HSV die Jägerrolle, ganz klar. Eindeutig. Die andere Art von Fußball, nämlich von oben herab spielen, das lag dem HSV ja zuletzt nicht so . . .“

Obwohl – Sinsheim hat ja eigentlich gezeigt, dass der HSV auch von oben herab . . . Mit einer, das ist nun kein Spaß, mit einer erstklassigen Leistung, mit einem konzentrierten und disziplinierten Spiel. Und diesmal hatte ich das Gefühl, dass da eine Mannschaft versucht, das Unmögliche doch noch wahr werden zu lassen. A wurde sich gegenseitig geholfen und motiviert, sodass ich mir gedacht habe: „Menschenskinder, und jetzt, wo sie es halbwegs kapiert haben, da ist die Saison zu Ende. Ein Jammer das.“ Immerhin sagte Thorsten Fink in einem ersten und ganz kurzen Resümee: “Die Saison war und ist jetzt schon mal gut, denn in der letzten Saison wären wir fast abgesteigen, und nun stehen wir auf dem siebten Tabellenplatz – udn wir können nun am letzten Spieltag noch den Sprung nach Europa schaffen.” Das ist doch was! Aber genau. Ich sage dazu schon einmal vorab: “Herzlichen Glückwunsch, Thorsten Fink, gut gemacht.”

Aber – was lehrt uns nun dieser 4:1-Sieg? Ein Wort rückte sich in mir während des Spiels gegen Hoffenheim stets zurecht: punktuell. Carl-Edgar Jarchow, der total verärgerte HSV-Chef (weil der NDR die Sache mit den 24 Mios als kleines Minus rausgehauen hat!), hat ja in der vergangenen Woche gesagt, dass es „keinen Schnitt“ geben wird (beim HSV), sondern dass man sich „punktuell“ verstärken wird. Und das wird genügen. Behaupte ich mal. Kemer Demirbay und Hakan Calhanoglu sind schon da, und wenn nun noch ein „ordentlicher“ Innenverteidiger (vom Typ „Kante“) käme, und ein Brecher wie zum Beispiel St. Paulis Torjäger Daniel Ginczek, dann wäre das schon okay. Natürlich, ich höre und lese es schon, natürlich, da liegt ihr ja nicht so falsch, natürlich könnten auch Rooney, Messi und Ronaldo passen, aber ob man an diese Jungs so billig rankommt? Da habe ich doch meine Zweifel. Leichte, aber sie sind doch schon da. Und noch einmal zu Ginczek. Mein neben mir sitzender Kollege sagte heute während des Spiels neben dem Dom-Platz: „Wenn der HSV nicht geschlafen, sondern den Zambrano und den Kruse im Sommer 2012 mit der U- und der S-Bahn geholt hätte, dann gäbe es heute gar keine Frage mehr, ob sich der HSV noch für Europa . . .“
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah?
Und der HSV sucht doch einen Brecher. 17 Tore in der Zweiten Liga sind ja auch nicht ganz so schlecht, die muss man mal erst machen.

Kurz noch einmal zu Carl-Edgar Jarchow. Der Boss freute sich nach dem 4:1-Erfolg und sagte: „Jetzt haben wir ein kleines Finale. Nach dem Verlauf der vergangenen Wochen habe ich das nicht mehr erwartet.“ Der FDP-Politiker glaubt auch, so meldete es die Agentur, dass die Wirtschaftsbilanz zum Saisonende nicht so verheerend wie befürchtet ausfallen werde. Wobei zu diesem Thema immer wieder auch aus der Mitgliedschaft zu hören ist, dass das stimmen mag (und kann). Nämlich dann, wenn der Vertrag mit dem Vermarkter Sportfive doch verlängert wird. Dann steht eine Summe von elf Millionen Euro für den HSV im Raum – und die würde dann ja schnell mal helfen (und etwas ausgleichen) können. Mal abwarten, in welche Richtung sich das alles so bewegen wird. Obwohl, wenn ich so ganz genau nachdenke, dann ist mir so, als hätte ich vor ein, zwei oder drei Jahren gehört, dass der HSV sich künftig selbst vermarkten wolle – und auf Sportfive verzichten wollte. Das hat mir vor langer, langer Zeit schon mal der eine oder andere Offizielle ganz inoffiziell gesagt, aber man kann seine Meinung natürlich auch mal ändern. Keine Frage. Alles legitim. Wenn es zum Wohle es HSV ist.

Zurück nach Sinsheim. In Gedanken. “Wenn wir jetzt doch noch den europäischen Startplatz erreichen sollten, dann interessiert niemanden, ob wir zwischendurch mal schlecht gespielt haben, on es zwischendurch mal ein Auf und Ab oder ob es Höhen und Tiefen gegeben hat. Dann sind wir einfach da”, sagte Nationaltorwart Rene Adler. „Das lief richtig gut.“, sagte Marcell Jansen und dachte (bei Liga total) schon mal sieben Tage weiter: „Es liegt jetzt nicht mehr in unserer Hand, aber wir werden versuchen, das Heimspiel gegen Leverkusen zu gewinnen. Wolfsburg ist im Moment auch gut drauf und sie wollen sicher in Frankfurt gewinnen. Wir werden sehen, was sich der liebe Fußballgott für uns ausgedacht hat . . .“ Aber genau. Und Rafael van der Vaart befand bei „Liga total“: „Die Ergebnisse waren diesmal gut für uns. Wir mussten gewinnen – es wird noch spannend am letzten Spieltag. Hoffentlich gewinnen wir wieder – und die anderen nicht.“ Wie gesagt (und geschrieben): Die Hoffnung stirbt am letzten Spieltag.

Wobei zum Hoffenheim-Ausflug des HSV auch noch eines bemerkt werden darf: Markus Gisdol, der junge und erstliga-unerfahrene TSG-Trainer, war dem HSV schon auch ein bisschen sehr entgegengekommen. Ich dachte so während des Spiels an Joachim „Jogi“ Löw, der während der letzten EM ja auch – vor dem Italien-Spiel – gedacht hat, dass er schon so weit ist, dass er mit der ganzen Fußball-Welt spielen könne. Und heute dachte ich während der Partie St. Pauli – Eintracht Braunschweig an den BTS-Coach Lieberknecht, der ja auch nur, als Dank (denke ich) an seine Aufstiegs-Reservisten, die etwas verbesserte B-Mannschaft auf das Millerntor geschickt hatte. Glückes Geschick. Gisdol, der Hoffenheimer, hatte wohl nach den jüngsten Erfolgen unter seiner Regie gedacht, dass die Bundesliga an sich ein ganz einfaches Geschäft sei. Er baute auf den unerfahrenen Stefan Thesker, der hinten verteidigte (für US-Nationalspieler Fabian Johnson), und er baute in der Innenverteidigung auf den erst 17 Jahre alten Niklas Süle, der bei seinem Erstliga-Debüt den gesperrten Vestergaard. Vertrat. Beide TSG-Youngster aber stürzten (ihre Mannschaft) von einer Verlegenheit in die nächste. Jetzt werden sie in Sinsheim wohl wissen, dass Bundesliga doch nicht ganz so leicht ist.

Dabei fällt mir just ein, wie wohl Paul Scharner jetzt darüber denkt. Über die Bundesliga. Der Österreicher. Der ja nur vom HSV auf die Insel ausgeliehen wurde. Scharner hat es nun allen Hamburgern bewiesen, dass man auch mit der Raute (im Herzen) einen Pott gewinnen kann. Keinen ganz so unwichtigen. Den englischen FA-Cup, der immerhin im Wembleystadion ausgespielt wird. Scharner spielte mit Abstiegskandidat Wigan gegen das große Manchester City und gewann 1:0. Und damit den Pokal. Sensationell. Wobei City ja mit keiner „Gurkentruppe“ spielte, sondern mit: Hart – Zabaleta, Kompany, Nastasic, Clichy – Barry, Yaya Touré – Nasri, Tevez, Silva – Aguero. Der in Dortmund gehandelte Edin Dzeko wurde in der 90. (+ 1) erst eingewechselt – da hatte Watson gerade für das einzige Tor des Tages gesorgt. Übrigens spielte Scharner in der Dreierkette von Wigan, hinten zentral. Und die Null stand hinten.
Ich meine ja nur. Weil der HSV doch einen Innenverteidiger sucht.

PS: Die Regionalliga-Mannschaft des HSV hat gegen Spitzenreiter Holstein Kiel ein achtbares 0:0 erzielt und damit einen kostbaren Punkt gewonnen. Glückwunsch. Und wenn die Agentur es richtig berichtet (oder es der „Matz-abber“ „Wortspieler“ vielleicht doch besser weiß), dann hat die A-Jugend des HSV im letzten Spiel der Saison beim Tabellenvorletzten Chemnitzer FC mit 1:4 verloren, steht aber zum Saisonende auf dem zehnten Tabellenplatz.

PSPS: In eigener Sache. Hier steht am Tag nach dem HSV-Spiel . . .
Diese Passage habe ich am Montag gelöscht, denn “Matz ab live” steht nun drin. Vielen Dank an die Techniker, die daran Tag und Nacht gearbeitet haben.
Holger Hieronymus (HSV-Profi, -Sportchef und – Trainer, Europapokal-Gewinner 1983, Nationalspieler und DFL-Geschäftsführer) war unser ganz besonderen Gast – es lohnt sich, dieses Interview noch einmal anzusehen.

Übrigens gab es diesmal eine große Anzahl von Fragen, die uns per Mail geschickt wurden, die aber während der Sendung nicht alle beantwortet werden konnten. Deshalb hier noch einige Ergänzungen, die gleich kommen werden. Eines muss ich aber im Namen von Holger Hieronymus noch sagen, weil es ja sofort viele Sepkulationen und Vermutungen um seine Person gegeben hatte. Der ehemalige Nationalspieler sagte mir: “Um Missverständnissen vorzubeugen, ich werde zu 100 Prozent nie wieder HSV-Sportchef und ich werde auch nicht in den Aufsichtsrat gehen, nicht wechseln und auch nicht wählen lassen. Das ist hundertprozentig. Bevor mir unterstellt wird, dass ich mich mit dieser Sendung bei ‘Matz ab’ ganz einfach mal so positionieren wollte. Das war zu 100 Prozent nicht der Fall.” Letzteres kann und muss ich bestätigen, “HH” sollte schon lange mal unser Matz-ab-Gast sein, wenn er sich damit und dadurch hätte positionieren wollen, hätte er es schon vor Monaten tun können.

Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob der HSV an Frank Arnesen als Sportchef und an Thorsten Fink als Trainer festhalten sollte: “Das ist eine wirklich schwere Frage, denn ich kann nicht beurteilen, wie man beide miteinander arbeiten. Das kann man auch nicht nur daran festmachen, welche Ergebnisse man an den Wochenenden sieht. Zur Arbeit von Sportchef und Trainer gehören auch Dinge, die kein Außenstehender sieht und beurtelen kann. Arnesen muss zum Beispiel Kontakte pflegen und halten, mit der Blickrichtung auf neue Spieler, Spielerberater. Genau so ist es auch bei Thorsten Fink, der hat Aufgaben, die ein Fan oder Außenstehender nicht sieht und deswegen auch nicht beurteilen kann.”

Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob die HSV-Statuten nicht 60 000 Mitglieder entmündigen, denn es gibt keine Briefwahl: “Ich bin nicht für die Briefwahl. Ganz klar. Und wenn dann gesagt wird, wir können nicht zur Mitgliederversammlung kommen, dann frage ich: Was treibt eigentlich Menschen in einen Verein, wenn er nicht zweimal im Jahr zur Mitgliederversammlung kommen kann? Bei der Versammlung werden nun einmal wichtige und maßgebliche Maßnahmen für den Club getroffen, und das wird über Wochen und ganz genau vorbereitet – so etwas kann man auf dem Postwege nicht erledigen.”

Holger Hiernoymus zu der Frage eines “Matz-abbers”, ob die Philosophie beim HSV schon über Jahre fehlt (außer Sparen und Platz zehn als Vorgabe): “Man muss die Zeile, die man sich steckt, ja auch erreichen können. Es macht ja keinen Sinn zu sagen, dass man sich die Ziele einfach mal ein bisschen höher stecken sollte. Nach dem Motto: ‘Diese Ziele können wir zwar nicht erreichen, aber wir stecken sie trotzdem mal hoch.’ Das bringt in meinen Augen nichts.”

Dann kamen noch weltbewegende Fragen wie diese eine: “War das Steak durch oder medium?” Dazu sei noch kurz angemerkt: Niemand von uns, auch Holger Hierinymus nicht, hat an diesem Tage, also an diesem 11. Mai 2013, ein so herrliches Block-House-Steak gegessen. Leider. Dabei liebe ich es so sehr, es gibt nichts Besseres! Aber wir waren alle noch zu satt vom Mittagessen (im Hause). Auf die nun dazu aufkommenden neuen Fragen möchte ich jedem zugestehen: “Jawoll, ich bin zu blöd.” Daqs gilt für mich, für die anderen Mitstreiter möchte ich das lieber nicht sagen. Obwohl auch sie nichts gegessen hatten . . .

Bei der Gelegenheit: An diesem Montag wird im Volkspark nicht trainiert.

17.59 Uhr

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