Archiv für das Tag 'van der Vaart'

“Nur wer bei 100 Prozent ist, kann spielen”

26. Mai 2015

Ein Gast am Tresen, ansonsten war es heute leer. Und das bei dem herausragenden Essen. Letztes Mal war es ein XXL-Schnitzel mit Beilagen bis zum Abwinken – diesmal war es frischer Spargel mit Salzkartoffeln und Sauce Hollandaise für 11,50 Euro auf „Mascha’s“ Tafel mit dem Angebot des Tages. Und so lecker sein Essen ist, so präzise sind seine Vorhersagen. Zuletzt hatte er gesagt, der HSV schaffe es. Zumindest in die Relegation. Dieses Mal sieht Manfred-Michael Janz, wie Mascha bürgerlich heißt, den HSV schon im Hinspiel deutlich vorn. 2:0 in der Imtech-Arena. Sagt er. Und ich würde diesen Tipp sofort unterschreiben…

 

Mascha im Interview, Teil 2:

 

Ebenso Bruno Labbadia, der um die Schwere der bevorstehenden Aufgabe weiß. Auch der Direktor Profifußball, Peter Knäbel, mahnt, den Relegationsgegner nicht zu unterschätzen. Er habe in den letzten fünf Wochen jeweils die Spiele der Karlsruher gesehen und warnt vor der Ausgeglichenheit der Mannschaft. „Sie ist in sich gefestigt. Der KSC spielt guten Fußball, ist in der Liga die Mannschaft mit dem meisten Ballbesitz und den wenigsten Gegentoren. Ihr Erfolg kommt nicht von ungefähr“, so Knäbel heute bei schönstem Sonnenschein vor der Trainingseinheit der Profis in Malente.

 

Wobei ich mir sicher bin, dass die Mannschaft den Gegner nicht unterschätzt. Diejenigen, die schon letzte Serie gegen Fürth dabei waren, werden sich sicherlich gut erinnern und diese Erinnerungen an den Rest weitergeben. „Wir reden viel miteinander“, sagt Labbadia, der das zweite Mal Malente als teambildend empfindet, „weil ich sehe, dass die Mannschaft sich mit sich selbst beschäftigt. Es wird viel miteinander gesprochen. Und der Zusammenhalt ist das, was unser Spiel auszeichnet.“ Das und die zweifellos letzte erstklassige Bastion im Klub: die Fans. Das Hinspiel war schon so gut wie ausverkauft, noch bevor der Gegner feststand.

Offen ist indes noch, ob Rafael van der Vaart nach seiner abgesessenen Gelbsperre wieder ins Team rücken wird. Auch, weil mit Ivica Olic (Rücken) und Pierre Michel Lasogga noch zwei angeschlagene Spieler fraglich sind. Und während Letztgenannter heute ohne Probleme durchtrainierte, beendete Olic das Training vorzeitig. Abgesprochen zwar – aber der Kroate ist eben noch nicht wieder gesund.

Balltraining - aber für den Rücken und nicht mit den Füßen für Ivica Olic. Der Einsatz des Kroaten ist noch offen

Balltraining – aber mehr für den Rücken als für die Füße hieße es heute noch für Ivica Olic. Der Einsatz des Kroaten ist wegen anhaltender Rückenplobleme noch offen

„Klar ist, dass in den beiden Spielen nur spielen kann, wer bei 100 Prozent ist. Wenn irgendwer auch nur einen Prozentpunkt Konzentration auf seinen Zeh, seinen Rücken oder seine Schulter verschwendet, fehlt ihm dieser im Zweikampf und es geht schief“, sagt Knäbel und Labbadia pflichtet seinem direkten Vorgesetzten bei: „Das werden zwei außergewöhnlich intensive Spiele, in denen uns definitiv alles abverlangt wird. Deshalb arbeitet unsere medizinische Abteilung unter Hochdruck und wir müssen ganz genau schauen, wer wie weit ist.“

 

Außer verletzungsbedingt hat Labbadia tatsächlich wenig Grund zu wechseln. Wobei – ich würde es dennoch machen. Denn der KSC wird den HSV nicht annähernd so hoch angreifen wie die meisten Bundesligisten. Der HSV wird agieren müssen – die Karlsruher reagieren. Dafür muss der HSV so spielstark wie möglich aufgestellt werden. Zuletzt bekam der Chilene Marcelo Diaz nach langer Verletzungspause seine Chance – und konnte sie nur bedingt nutzen. Neben Kacar gelang ihm nicht viel, obgleich die Analyse-Experten von „spielverlagerung.de“ ihn zum Schlüssel für den Sieg erkoren. „Besser. Noch besser“, waren Diaz’ Worte nach dem Spiel – und er meinte sich selbst. Er erwartet noch mehr von sich. Und das ist gut so. Denn in Sachen Spielaufbau übernahm er zwar die Rolle des Anspielpunktes im Mittelfeld, allerdings ohne dabei offensive Aktionen einleiten zu können.

 

Aber zurück zur großen Frag: Spielt Rafael van der Vaart oder spielt er nicht? Ich glaube, er spielt, sobald Lasogga und/oder Olic ausfallen. Und obgleich ich ihm das Erstligaformat nach nunmehr 34 langen Spieltagen absprechen musste, in dieser Partie könnte er noch mal wichtig sein. Zum einen, weil ich weiß, dass er sich selbst sehr über sich selbst geärgert hat und traurig war, sich nicht auf dem Feld verabschieden zu können. „Er hat am Rand gelitten, weil er zum Zuschauen verdammt war“, sagte Knäbel heute und versicherte: „Wenn er noch mal gebraucht wird, wird er da sein. Er will sich gut verabschieden.“

 

 

Stimmt, aber allein darauf kommt es nicht an. Denn in diesem beiden Spielen ist nicht allein ein feiner Fuß (der zu selten zur Wirkung kommt) gefragt, sondern auch Körperlichkeit und vor allem Tempo. Einzige Ausnahme könnte die Spitze sein, sofern der HSV das voraussichtlich defensivere KSC-Spiel für Flankenläufe und Bälle in den Sechzehner nutzen kann. Denn dort ist und bleibt Lasogga gefährlich. Und dort hat Olic seinen ersten ernst zu nehmenden Treffer selbst erzielt. Heute indes drehte er nur einige Runden um den Platz und verbrachte den größten Teil der Trainingszeit im Kraftraum sowie auf der Massagebank.

Der Rest der Mannschaft absolvierte ein lockeres Balltraining ohne größere Laufarbeit. „Auflockern, ausschlafen und den Kopf wieder frei bekommen“, hatte Labbadia sich vom erneuten Trainingslager versprochen. Und viel mehr scheint es auch nicht zu sein. Morgen soll am späten Nachmittag die zweite Einheit stattfinden. Viel ausstehen müssen die HSV-Profis demnach nicht. „Fein-Tuning“ nennen die Verantwortlichen den Inhalt des Malente-Trainingslagers, Teil zwei.

 

Dabei wird es am Donnerstag in erster Linie darum gehen, wie die Mannschaft mit dem zweifellos vorhandenen Druck umgehen wird. Der HSV kann etwas verlieren und muss zudem gleich zu Beginn zu Hause antreten. „Der HSV hat die Qualitäten, den KSC zu bezwingen“, weiß der an den FC Kaiserslautern verliehene und heute für die U21-EM nominierte Kerem Demirbay (Glückwunsch, Kerem!!!), der auch warnt: „Karlsruhe ist eine seltsamerweise sehr erfahrene Truppe mit einer guten Abwehr und einem richtig guten Stürmer, auf dessen Namen ich gerade nicht komme.“ Rouwen Hennings? „Richtig“, so Demirbay, „die sind hinten kompakt und vorn gefährlich. Aber der HSV hat diese Mittel auch und braucht sich absolut nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Der HSV muss zeigen, dass er den KSC ernst nimmt, ihm aber keine Chance lässt.“ Demirbays Prognose? „Es wird hart, aber der HSV hat das Zeig, im Hinspiel die Weichen zu legen und die Klasse zu sichern.“

 

Na denn. Das klingt doch gut. Und um noch einmal auf van der Vaart zurückzukommen: Ich würde ihn allein ob der Szene in Stuttgart zunächst nur auf die Bank setzen und es ihm gegenüber auch so begründen. Allerdings glaube ich, dass diese Szene in van der Vaart gärt und er nichts lieber will, als diesen Fehler zu korrigieren. Damit hätte man einen hochmotivierten Mann, der von der Bank aus das Spiel verändern könnte. Andererseits, sollte van der Vaart am Ende sogar von Beginn an spielen – dann wird Labbadia es sich sehr gut überlegt haben und sportlich seine Gründe haben. Denn dass er sich nicht von Namen blenden sondern nach Leistung aufstellt, hat er unlängst bewiesen. Das zeigt schon die Art, wie und auch dass er Valon Behrami “aussortiert” hat. Eine Maßnahme mit Signalwirkung an die Mannschaft. Vielleicht hat Labadia ja auch die richtigen Signale für seinen Kapitän parat. Ich hoffe es – nein: ich glaube es.

 

In diesem Sinne, alle Mann an Bord.

 

Bis morgen

Scholle

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