Archiv für das Tag 'van der Vaart'

Nichts los im Volkspark – die Ruhe vor dem Sturm

9. Juni 2015

Die Transferperiode hat noch nicht einmal begonnen, und schon ist klar: Der HSV verpasst mal wieder einen gelungene Umbruch. So liest es sich zumindest größtenteils in den Kommentaren in verschiedenen Foren – nicht nur hier. Weil es heißt, Ivo Ilicevic soll einen neuen Vertrag bekommen. Einen leistungsbezogenen Einjahresvertrag, weil Trainer Bruno Labbadia die Chance sieht, dauerhaft von den zweifellos vorhandenen Qualitäten des Offensivspielers profitieren zu können. Vergessen die Verletzungsarie des heute 28-Jährigen, der seit seiner Unterschrift 2011 für den HSV 61 Spiele verpasste, das heißt jeweils 15 Spiele pro Saison im Schnitt. Verletzt.
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Auf der Suche nach dem neuen Herzstück

7. Juni 2015

Champions-League-Finale in Berlin. 75.000 im Stadion, halb Spanien und halb Italien vor den Fernsehgeräten. Es geht um den höchsten Titel in Europa. Am Ende gewinnt der Favorit, freut sich ekstatisch, und der gemeine Hamburger sitzt auf dem Sofa vor der Glotze und denkt sich nur: Regt Euch doch nicht so auf, seid doch nicht so nervös – es ist doch nur Champions League.

Ja, was ist das alles im Vergleich zum Drama in Karlsruhe. Zweifelsohne eine andere Fußballwelt. Den ganzen Beitrag lesen »

“Tomorrow, my friend – tomorrow…”

2. Juni 2015

****Laut “Neue Presse” hat sich der HSV mit Admir Mehmedi auf einen Wechsel geeinigt. Ablöse-Verhandlungen mit Freiburg stehen noch aus.****

Ich bin voll im Eimer. Körperlich und seelisch, ehrlich gesagt. Auch deshalb kann ich gar nicht aufhören, die selbstgedrehten Videos auf den unterschiedlichsten Kanälen zu sehen. Und noch immer bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich an das Spiel denke. Marcelo Diaz schnappt sich einfach die Pille, zirkelt sie in letzter Sekunde rein. Und ausgerechnet Nicolai Müller, der in Hamburg eine rabenschwarze Saison hinter sich hat, rettet dem HSV die Klasse in der Verlängerung – mehr geht nicht. Bis knapp drei Uhr konnte ich nicht einschlafen – was auch daran gelegen haben könnte, dass ich mit ein paar Kumpels am Tresen saß und im Hintergrund das Spiel als Dauerschleife lief. Dreimal haben wir uns die kompletten 124 Minuten angeschaut – und ich hätte noch länger gekonnt…

So genügsam bin ich geworden. Das Minimalziel Klassenerhalt versetzt mich in einen Euphoriezustand, wie ich ihn nicht mal nach Götzes WM-Treffer empfunden habe. Den Möchtegern-Fußball-Moralisten sei an dieser Stelle gesagt: Mir ist egal, das ihr das alles für ungerecht haltet – am Ende ist es gerecht. Ich gehe in diesem Fall sogar so weit, dass sich der HSV den Klassenerhalt über die letzten acht Wochen hart erarbeitet und am gestrigen Abend in Karlsruhe sogar verdient hat. Auf jeden Fall aber schäme ich mich nullkommanullnullnullnullnull dafür, diesen Erfolg zu feiern. Aber wem sage ich das, den meisten hier wird es wahrscheinlich ähnlich gehen…

Dass die Mannschaft mal so richtig durchdreht, war klar. In Karlsruhe ging es im Bus los, anschließend wurde die Chartermaschine zum Party-Flieger umgestaltet (ganz weit vorn wie immer Lewis Holtby und Maxi Beister) und in Hamburg gings ins Zwick. „Das war schon ganz ordentlich“, resümierte Peter Knäbel, der trotz der kurzen Nacht ausgesprochen ausgeruht wirkte. Zwei Stunden im Regenerationsraum am Stadion, zwei Stunden im heimischen Bett – das reihte dem Direktor Profifußball, der in den nächsten Tagen unter Hochdruck die neue Saison planen muss. „Die Zeit der Relegation haben wir Rückstand auf alle anderen“, so Knäbel, „den einen oder anderen Spieler haben wir dadurch leider verloren. Stefan Reinartz zum Beispiel konnte nicht länger warten und hat mit Frankfurt die sicherere Variante gewählt. Das ist schade – aber das müssen wir aufholen.“

Zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer und natürlich mit Bruno Labbadia will Knäbel jetzt zunächst die offenen Personalien intern (Westermann, Ilicevic, Kacar, Rajkovic) abarbeiten. „Bruno wollte im Tunnel bleiben, deshalb habe ich ihn nicht abgelenkt und alles soweit vorbereitet, dass wir Entscheidungen treffen können.“

36 Spieler stehen aktuell unter Vertrag, 25 sollen es zur neuen Saison nur noch sein. Müssen es sogar, da einhergehend der Gehaltsetat gesenkt werden muss. Da bedarf es keines Mathematikers, um nachrechnen zu können, wie viele Spieler gehen müssen. Zumal heute bereits ein Neuer verpflichtet wurde, den wir hier im Blog schon in der Winterpause angekündigt haben: Batuhan Altintas. Der 19-jährige Angreifer wechselt ablösefrei von Bursaspor, wo er die Saison über suspendiert war, nach Hamburg und soll hier an die Bundesliga herangeführt werden.

Aber zurück zum Wesentlichen: zur Rettung. Mein Lieblingskollege aus der Radiowelt und Mit-Blogger hier, Lars Pegelow, hat es in seiner sensationellen Reportage hervorragend zusammengefasst: Endlich ist Schluss. ( Unser Lars rastet aus…) Wobei das „endlich“ bei mir nur deshalb Gültigkeit hat, weil es ein gutes Ende genommen hat. Einen Abstieg habe ich nie als Alternative geschweige denn als „Chance“ gesehen. Ich gehöre nicht zu diesen „Jetzt haben wir es mal verdient, abzusteigen“-Schwätzern, die sich der Folgen gar nicht bewusst waren oder dem HSV schlichtweg nur Schlechtes wünschen wollten. Ich sehe schon allein in der Personalie Bruno Labbadia eine große Chance. Der HSV-Coach hat gegenüber seinem ersten Traineraufenthalt in Hamburg viel dazugelernt – und er macht nahezu alles richtig. Übrigens nur, weil seine Kinder ihn lassen. „Sie waren wegen meines ersten Abganges am Anfang so gar nicht dafür, dass ich das Amt annehme. Im Gegensatz zu meiner Frau, die wusste, dass ich das machen muss“, erzählte Labbadia heute. „Ich glaube aber, inzwischen sind auch meine Kinder einverstanden.“

Ich gebe zu, dass ich gestern während des Spiels nicht verstanden habe, weshalb er Ivica Olic nicht spätestens zur Halbzeit auswechselte. Ich gebe auch zu, dass ich generell mit seinen Aus- und Einwechslungen meine Probleme hatte. Angesichts der Ballstafette zum Siegtreffer (Stieber auf Cléber, der auf Müller) muss ich allerdings Abbitte leisten. Gestern hat Labbadia so gesehen wirklich absolut alles richtig gemacht. Spät – aber eben nicht zu spät. Sich feiern lassen will er aber nicht. Labbadia freut sich über den Klassenerhalt, aber im Gegensatz zu mir dreht er nicht durch. „Bei aller Freude müssen wir lernen, Demut zu zeigen. Wir haben uns viel erarbeitet, haben hart gearbeitet. Wir haben den Klassenerhalt verdient – aber wir hatten auch Glück.“

Am Tag nach der Rettung ist Labbadia schon wieder fokussiert (um mal das Unwort dieser HSV-Saison zu benutzen). „Wir müssen viele Gespräche nachholen, die wir für die Zeit der Relegation aufgeschoben haben“, so Labbadia, der sich nicht von den Emotionen des Klassenerhaltes lenken lassen will.

Schlussjubel Trainer Bruno Labbadia (HSV) Fussball Bundesliga, Relegation Rueckspiel, Karlsruher SC - Hamburger SV 1:2 n.V.

Schlussjubel Trainer Bruno Labbadia (HSV)
Fussball Bundesliga, Relegation Rueckspiel, Karlsruher SC – Hamburger SV 1:2 n.V.

„Wir haben es geschafft, weil wir Zusammenhalt hatten. Die sechs Spieltage waren für mich vom Gefühl her mehr Erfahrung als sonst in einer ganzen Saison. Aber ich kann das unterscheiden – ich entscheide nicht aus einer Emotion heraus, sondern überlegt. Und wir alle wissen, dass sich vieles ändern muss.“ Wie er zu Westermann, Boban, Kacar und Ilicevic steht verriet Labbadia nicht. „Das entscheiden wir jetzt in Ruhe und mit aller Sorgfalt.“ Es wird sich was ändern. Da bin ich mir nicht erst seit heute sicher. Personell im Kader, und auch im Trainerstab. Zuletzt hatte ich gehört, dass U23 und Bundesliga die Konditionstrainer tauschen. Aber das ist noch nicht bestätigt.

Wer an dieser Stelle noch eine Diskussion über Manuel Gräfes Freistoßentscheidung erwartet, den muss sich enttäuschen. Die Szene ließ verschiedene Entscheidungen zu – zu unserem Glück hat er sich für Freistoß entschieden. Eine Fehlentscheidung war das aber allemal nicht. Punkt. Dafür aber rankt sich um den Freistoß eine andere, witzige Geschichte. „Respekt an Marcelo“, sagte Labbadia, „dass er Rafa den Ball wegschnappt und so eiskalt versenkt – alle Achtung. Dabei weiß ich, dass Rafa sich gut fühlte und darauf gehofft hatte, das Spiel mit gerade so einem Standard zu entscheiden.“

Hat er aber nicht. Dabei, so erzählen es sich die Spieler untereinander, wollte van der Vaart auch schießen. Er sagte es Diaz auf Englisch auch. „Ich schieße!“ Wirklich beeindruckt hatte er Diaz damit aber nicht, denn der antwortete angeblich nur: „Yeah! Tomorrow, my friend – tomorrow!“ und schoss… Egal wie, van der Vaarts Nichtstun war vielleicht der alles entscheidende Akt und entsprechend sah er es anschließend auch. „Auch das zeigt, dass wir als Einheit aufgetreten sind. Alle hatten ein gemeinsames Ziel“, freute sich Knäbel und nannte eine Szene exemplarisch: „Als jemand nach dem Spiel fragte, wer denn das 2:1 gemacht hatte, gab es als Antwort von einem Fan: Wir alle! Und genau so war es auch. Genau so muss es immer sein…“

In diesem Sinne, ich muss meine Kopfschmerzen auskurieren – und das geht am besten mit einer Exkursion durch die tausend Videos vom Spiel. Aber bevor ich diesen Blog abschließe, möchte ich Euch noch einen tollen Sportsmann ans Herz legen: Markus Kauczinski. Wie er die aus KSC-Sicht unfassbar bittere Niederlage wegsteckte und fair gratulierte ohne groß zu hadern – ganz großer Sport! Aber hört selbst: https://www.youtube.com/watch?v=-N1P031ecrE

Bis morgen. Dann ausgeruht und mit dem ersten Teil der Saisonanalyse. Ich bin fertig. Fix und…

Scholle

Sensationell! Wahnsinn! Der HSV bleibt oben!

1. Juni 2015

Der HSV muss nicht runter! Hurra, er lebt immer noch! Das war Dramatik pur, das ist alles der helle Wahnsinn, das war nur Wahnsinn. Mit 2:1 nach Verlängerung gewinnt der HSV das Relegations-Rückspiel in Karlsruhe und bleibt damit in der Ersten Bundesliga. Gratulation, HSV! Auch wenn er wieder einmal bis zur letzten Sekunde mit den Nerven seiner Anhänger gespielt hat. Gekämpft haben sie, gut gespielt haben sie nach langer Zeit auch mal wieder, aber in der 90. Minute sah es dennoch nach der Zweiten Liga aus. Der KSC führte 1:0, als es doch noch einen Freistoß für den HSV gab. Ein Freistoß, der wohl nicht berechtigt war, aber Marcelo Diaz traf aus 20 Metern – Verlängerung. Und da nutzten zwei Eingewechselte für die Entscheidung: Cleber legte von links in den Fünfmeterraum, Nicolai Müller war zur Stelle und schoss das 2:1 – die Entscheidung, die erste Liga! Glückwunsch, HSV! Aus einer grottigen, aus einer total verkorksten Saison wurde dann doch noch das Beste gemacht. Glückwunsch auch Trainer Bruno Labbadia, der sicher nicht alles richtig gemacht hat, aber der letztlich dafür gesorgt hatte, dass diese eigentlich „tote Truppe“ doch wieder ein bisschen Leben zeigte. Aufgeräumt werden muss trotz allem, beim HSV, aber das hat jetzt Zeit. Erst einmal darf gefeiert werden – Glück, Glück, Glück. Aber der HSV hat anscheinend die Dame Fortuna auf seine Seite gebracht. Dass der KSC in der Schlussminute noch einen Handelfmeter verschoss, Rene Adler hielt gegen Hennings, war nicht mehr entscheidend, denn selbst bei einem 2:2 wäre der HSV oben geblieben.


 

Der HSV begann in Karlsruhe diesmal ganz anders, als noch am Sonnabend im Volkspark. Das sah nach Fußball aus. Der „Dino“ übernahm die Spielführung, er drückte, er spielte nach vorne – wann immer es gegen die beiden Viererketten des KSC ging. Der HSV, bei dem doch Lewis Holtby wieder die Chance erhalten hatte (und nicht Zoltan Stieber), war Chef im Ring und diktierte über weite Strecken das Tempo. So muss ein Erstliga-Verein gegen einen klassentieferen Gegner spielen. Das sah gut aus. Bis auf die Tatsache, dass der HSV nicht nur schön spielen durfte, sondern auch ein Tor machen musste. 0:0 wäre der Tod.

 

Ivo Ilicevic riskierte bereits in der fünften Minute eine Fernschuss, doch der Ball, aus 24 Metern abgefeuert, verfehlte um die, vier Meter das KSC-Tor. Immerhin, es war mal ein Schuss des HSV. Und nur 60 Sekunden noch eine Hamburger Möglichkeit: Ivica Olic umkurvte die KSC-Abwehr von rechts (wie einst Helmut Rahn – oha, sehr hoch gegriffen, ich weiß!) und schoss aus 18 Metern mit links, aber Torwart Orlishausen hielt die Kugel, indem er sie ins Feld zurückfaustete. Aber das war doch mal etwas, was für Optimismus sorgen könnte. Und es wurde noch besser: Marcelo Diaz schickte Dennis Diekmeier in den KSC-Strafraum, ein kluger Rückpass – aber leider war kein HSV-Kollege zur Stelle. Aber immerhin mal ein Ball, der hinter die Abwehr gespielt wurde – und der Gefahr brachte (17.). Und wiederum nur Sekunden später gab Rafael van der Vaart, für den gesperrten Gojko Kacar im Team, den Ball hoch an den Elfmeterpunkt, Olic legte per Kopf ab auf Pierre-Michel Lasogga, und der schoss, so kennt man ihn, sofort. Voller Wucht, aber der Ball wurde von seinem Gegenspieler abgeblockt, Gefahr gebannt.

 

Immerhin, das fiel mir während dieser Drangphase des HSV ein, machte der HSV schön Druck. Und ich musste an den vergangenen „Doppelpass“ (Sport1) denken, in dem der frühere HSV-Manager Heribert Bruchhagen gesagt hatte: „Der HSV ist zu Hause nicht in der Lage, das Spiel zu machen . . .“ Das stimmt. Aber anscheinend klappt das auswärts besser, denn hier bestimmte der HSV die Szenerie und machte das Spiel. Eindeutig. Der KSC kam kaum einmal gefährlich in die Nähe des Hamburger Strafraums. Der HSV auf der Gegenseite aber sehr wohl: van der Vaart versuchte sich aus 18 Metern mit seinem schwächeren rechten Fuß, aber Orlishausen hielt mühelos. Wie sehr der HSV drückte, das drückte nach einer halben Stunde auch das Eckenverhältnis aus, der HSV führte 6:0. Aber leider weiterhin torlos. Das änderte sich auch in der 39. Minute nicht, als Lewis Holtby von links flankte, Lasogga köpfte aus neun Metern, aber zu lasch und zu unplatziert, wieder war Orlishausen mühelos auf dem Posten.
Halbzeit, 0:0.

 

Unverändert ging es in den zweiten Spielabschnitt. Und der HSV kam. Er machte das, was angesagt war – es musste ein Tor her. Und das lag in der 52. Minute in der Luft: Eckstoß von links von van der Vaart, am Fünfmeterraum steigt Diekmeier hoch und verlängert zu Mitte, der Ball kam am Elfmeterpunkt runter, da stand Lasogga – doch der traf den Ball nicht richtig. Was ihm bescheinigt werden muss: war auch schwer. Dennoch, mit Glück macht man auch ein solches Ding mal, aber eben auch nur mit Glück.

 

Dann drückte der HSV etwas weniger, und es wurde dafür bunter. Drei Gelbe Karten gab es für den HSV: Diaz, Slobodan Rajkovic und van der Vaart hatten zu sehr mit den Ellenbogen gearbeitet. Und der KSC wurde stärker . . . Nach einem Eckstoß, dem ersten des KSC, musste der am Pfosten stehende Diaz auf der Torlinie retten (69.). Der HSV am Ende seiner Kräfte? Das hatten die Hamburger Anhänger genau umgekehrt erhofft – so wie im Hinspiel. Da ließ der KSC zuletzt auch etwas nach. Trainer Bruno Labbadia wechselte Frische ein: Für den agilen und immer noch sehr aktiven Lewis Holtby kam Zoltan Stieber (67.). Warum Holtby? Das wird der Coach sicherlich in den nächsten Tagen noch erklären. Oder auch nicht. Ich hätte Holtby an diesem Tag jedenfalls nie ausgewechselt . . . Doch so etwas ist ja auch ganz klar Sache des Cheftrainers.


 

Karlsruhe hatte dann die beste Chance des zweiten Durchgangs, als zweimal Nazarov (völlig blank am langen Pfosten!) die Möglichkeit zum 1:0 auf dem Fuß hatte. Zum Glück traf der KSC-Mann nicht richtig . . . Aber es wurde enger und enger. Karlsruhe kam immer besser ins Spiel, der HSV musste dem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Doch plötzlich ein Lebenszeichen: Flanke von Matthias Ostrzolek, am Elfmeterpunkt steigt hoch und köpft auf das Tor – doch Orlishausen hält prächtig.

 

Das Tor fällt aber auf der Gegenseite. Der eingewechselte Nicolai Müller verdaddelt (im Zusammenspiel mit van der Vaart) den Ball kurz vor dem Strafraum, Hennings bedient Yabo mit einem großartigen Heber – und Tor. 1:0 für den Zweitliga-Club (78.). Aber noch war nichts verloren.

 

Der HSV gab alles. Er reaktivierte die letzten Kraftreserven – er hatte Chancen. Er köpfte Lasogga an den Pfosten (81.), den Nachschuss vergab Diekmeier, der völlig freistehend am Fünfmeterraum den Ball nicht traf! Wahnsinn! Welch ein Wahnsinn! Sekunden später klärte der KSC-Mann Gulde nach einem Kopfball von Johan Djourou auf der Linie, Orlishausen war geschlagen. Und in der 83. Minute versuchte sich Ivo Ilicevic mit einem Seitfallzieher, als er den Ball volley aus acht Metern ins Tor fetzen wollte – aber leider den Ball nicht traf. Wahnsinn in Vollendung! In der 86. Minute köpfte der eingewechselte Cleber (spielte Brechstangen-Mittelstürmer!) nach Eckball um Zentimeter vorbei – es sollte nicht sein. Oder doch? In der 90. Minute Freistoß für den HSV. Es soll ein Handspiel gewesen sein. War es wohl nicht. Schiedsrichter Manuel Gräfe aber gab den Freistoß, und den schoss Marcelo Diaz aus 20 Metern in den linken oberen Winkel. Der HSV lebte noch. Ein Kunstschuss, aber ein sehr, sehr wichtiger. Das war noch mehr Wahnsinn. Aber toll, einfach nur toll, toll, toll.
Verlängerung, doch noch Verlängerung. Es war ja eigentlich schon vorbei – mehr Spannung, mehr Dramatik geht gar nicht. Es geht nicht. Das ist Herzkasper-Fußball in Vollendung! Das ist alles unglaublich – aber das ist Fußball. Der HSV war doch noch einmal aufgestanden, obwohl er schon fast in Liga zwei war.

 

Nur der HSV!

 

In der Verlängerung zog die Polizei vor dem HSV-Block auf. Das sah gefährlich aus. Und so ganz und gar nicht nach Fußball. Gespielt wurde aber dennoch. Die einzige Möglichkeit der ersten 15 Minuten hatte der KSC (als Diekmeier noch mit dem Schiedsrichter debattierte!), aber die Kugel flog am langen Eck vorbei. Zum letzten Mal Halbzeit.

 

Und als alles auf ein Elfmeterschießen deutete, schoss Nicolai Müller auf Vorarbeit von Cleber doch noch das 2:1. Dass Rene Adler in der Schlussphase noch einen Elfmeter hielt, war unerheblich, der HSV bleibt oben, oben, oben, oben, oben, oben – Jubel, Trubel, Heiterkeit.

 

Der HSV spielte mit: Adler; Diekmeier, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek; Diaz, van der Vaart; Olic (77. Min. Müller), Holtby (67. Min. Stieber), Ilicevic (86. Min. Cleber); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler wurde kaum gefordert, war die Ruhe selbst – nur den Ball, den hielt er wieder viel zu lange. Manuel Neuer lässt schön grüßen . . . In der Verlängerung hielt er allerdings zweimal sensationell, so auch den Elfmeter von Hennings. Da schickt der Adler dann auch schöne Grüße an Manuel Neuer . . .

 

Dennis Diekmeier machte vieles richtig, hinten war das absolut okay, aber vorne macht er es sich dann immer wieder kaputt, wenn er nicht den Abschluss (Flanke) sucht, sondern zu 95 Prozent zurückspielt. Schade, schade, schade.

 


Johan Djourou
hatte keine Probleme mit Hennings, spielte souverän, war kopfballstark. Das war stark.

 

Slobodan Rajkovic erledigte seine Defensivaufgaben ordentlich, hinten ohne Schwierigkeiten, nach vorne war er aber schnell am Ende mit seinem Latein.

 

Matthias Ostrzolek spielt zu oft zu harmlos nach vorne, er sucht auch zu 90 Prozent immer wieder nur den Rückpass. Wenn er doch nur mal den Kampf eins gegen eins suchen würde, aber er bevorzugt das körperlose Spiel – schade, schade, schade.

 

Marcelo Diaz gehörte zu den effektiveren Hamburgern, bot sich immer wieder an, ging weite Wege – auch nach vorne, das sah gut aus. Auch wenn er nie zum Abschluss kam.

 


Rafael van der Vaart
gehörte, ganz, ganz sicher, zu den Aktivposten des HSV, der Niederländer spielte eine sehr gute erste Halbzeit, was er machte, das hatte Hand und Fuß. Dass er dann, mit zunehmender Spieldauer, etwas nachlässt, ist ganz normal (er ist nicht im Rhythmus) – aber dafür sitzen draußen ja noch einige auf der Bank.

 

Ivo Ilicevic war in Halbzeit eins der beste Hamburger, er riskierte Dribblings, war um Tempo bemüht – warum erst jetzt, am Ende der Saison, warum erst jetzt, wo schon lange feststeht, dass er Hamburg verlassen muss?

 

Lewis Holtby spielte deutlich besser als im Hinspiel, sehr engagiert, laufstark, einsatzfreudig. Warum nicht immer so?

 

Ivica Olic blieb blass und schwach, so wie schon im Hinspiel. Leider nur Note sechs, auch wenn er sich angeschlagen durchquälte.

 

Pierre-Michel Lasogga konnte sich einige Male besser in Szene setzen als noch am Sonnabend, aber insgesamt erwarten alle von ihm viel, viel mehr.

 

Zoltan Stieber (ab 67. Min. für Holtby) drückte sofort auf die Tube, Tempo, Tempo, Tempo. Gut so.

 

Nicolai Müller (ab 77. Min. für Olic) sorgte gleich für ein Tor – leider für den KSC. Welch ein unfassbarer Einstand! Aber er schlug noch zurück, auf der richtigen Seite – denn er schoss das 2:1 und geht damit in die Geschichte des HSV ein. Glückwunsch!

 

Cleber (ab 86. Min. für Ilicevic) sollte für das Tor sorgen, köpfte gleich knapp vorbei – und sorgte für Unruhe in der KSC-Defensive. Das war sehr, sehr gut – und auch deshalb, weil er das 2:1 vorlegte. Glückwunsch!

 

Gleich werden wir wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sein, um über dieses unfassbare, wahnsinnige Relegationsspiel in Karlsruhe zu sprechen. Zwei große ehemalige HSVer sind dann bei „Scholle“ und mir zu Gast: Frank Mackerodt, das ehemalige Aufsichtsrats-Mitglied, und ein letztes Mal vor der Sommerpause Stefan Schnoor, früher bekannt als eisenharter HSV-Stopper und heute als Sport1-Experte, der die klare Sprache liebt. Frank Mackerodt, das sei noch kurz erwähnt, immer wieder ein sehr gern gesehener Gast bei uns, wurde als Glücksbote „eingekauft“, denn er war auch vor einem Jahr unser Gast, als der HSV mit dem 1:1 in Fürth die Klasse gehalten hatte.
Mach’s noch einmal, Frank, so das Motto!!!
Das HA-TV, „Scholle“ und ich würden uns wieder sehr freuen, wenn Ihr uns per Bildschirm bei diesem Vierer-Gespräch begleiten würdet. Bis gleich also.

 

Dann noch, auch wenn es keinem helfen sollte, die Zeit vor dem Anpfiff. Ich schrieb das, was jetzt hier folgt, rund 30 Minuten vor dem Anstoß im Karlsruher Wildpark:

 

Laut Hamburger Abendblatt vom heutigen Tag glaubte die Mehrheit (vor dem Spiel) nicht mehr an die Rettung des HSV. In meiner näheren Umgebung war das ein wenig anders, denn Freunde, Bekannte und auch Familie waren durchaus noch optimistisch – und hofften zumindest auf ein höheres Unentschieden. Ich sprach aber am Vormittag auch mit einem langjährigen Bundesliga-Schiedsrichter, der mir wenig Hoffnung machte – weil er das Hinspiel aufmerksam beobachtet hatte und zu dem Schluss kam: „Das reicht nicht für die Erste Liga.“
Egal aber wie, ob nun Sieg oder Unentschieden, es ging ja nicht um Schönheit, sondern nur ums Drinbleiben. Und dafür war die Anteilnahme in diesen Tagen (seit dem 1:1 im Hinspiel) riesig. Unglaubliche viele Anrufe, Mails und SMS erhielt ich, die Glück wünschten, die noch an den HSV glaubten. Vielen Dank dafür – das ist einmalig! Aus der Ferne drückte der ehemalige HSV-Abwehrspieler Andrej Panadic per SMS die Daumen, und aus Budapest meldete sich Ferencvaros-Trainer und HSV-Legende Thomas Doll (Pokalsieger und Vizemeister Ungarns) und schrieb ebenfalls, wie sehr er dem HSV die Daumen drücken wird.
Vom „Dithmarscher_Jung“ kam dagegen heute eine traurige Mail, denn er schrieb an „Matz ab“: „Meine Frau ist gerade ausgerutscht, Oberschenkelhalsbruch. Ich hoffe doch sehr, dass dieses kein schlechtes Zeichen für heute Abend ist.“
Ich habe mich für Hals- und Beinbruch entschieden, das wünscht man doch vor einem wichtigen Ereignis – also bedeutet das etwas Gutes. Auf jeden Fall wünschen wir Deiner Frau schnelle und gute Besserung!

Ein ehemaliger St.-Pauli-Kapitän schrieb mir seine etwas außergewöhnliche Unterstützung eine halbe Stunde vor dem Anpfiff: „Bleibe ruhig, ich sonne mich noch 30 Minuten, und dann bin ich 90 Minuten ein Roter – und HSV gewinnt!“ Auf dem Weg zum Public Viewing in der Arena meldeten sich „el presidente“ Benno Hafas und „Lars49“ und drückten alle in freudiger Erwartung – und in der Hoffnung, dass es auch helfen würde. Aus Berlin meldete sich unsere „Hope/Eva“ und wünschte allen viel, viel Glück und natürlich den Klassenverbleib, und aus Prag hatte ja schon gestern David Jarolim gesagt, dass er für den HSV beten wird. Das musste doch etwas werden mit dem Dino. Ich hoffe es jetzt, um 18.30 Uhr (also eine halbe Stunde vor Anpfiff), ganz einfach mal, dass das alles, auch die vielen Wünsche die jetzt nicht namentlich genannt werden konnten – hilft.
Ihr werdet es schon wissen – ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht . . .

 

21.43 Uhr

Jarolim betet für den HSV: “Wir packen das!”

31. Mai 2015

Mit 19 Spielern reiste der HSV heute Abend nach Karlsruhe. Für den Fall, dass doch noch einer ausfällt, nachdem zuletzt Petr Jiracek (Knie), Ivica Olic (Rücken). Pierre Michel Lasogga (irgendwie alles ein bisschen) und Ivo Ilicevic (Adduktoren) angeschlagen waren und heute im Abschlusstraining mitwirken konnten. Daumen hoch hieß es anschließend bei Ilicevic, der zwar vorzeitig in die Kabine ging – allerdings aus reiner Vorsicht. Ebenso bei Olic, der zunächst als 50:50-Kandidat galt, jetzt aber grünes Licht gab. „Das ist super. Ivi ist mit seiner Art immer einer, der entscheiden kann“, freut sich auch Ivica-Freund und Ex-HSVer David Jarolim aus der Ferne, ehe er entscheidend einschränkt: „Wenn er fit ist.“

Denn das war der Kroate zuletzt nicht. Gegen Karlsruhe im Hinspiel sah man ihm an, dass ihn die Rückenbeschwerden in der Beweglichkeit einschränkten. „Aber selbst wenn er nicht von Beginn an spielt, ist er einer, der bei einer Führung zum Beispiel als einzige Spitze die Abwehr des Gegners so beschäftigt, dass das wiederum die eigene Defensive entlastet. Kein Gegner kann ruhig das eigene Spiel aufbauen, wenn gegenüber so ein Ivi rumläuft.“ Telefoniert habe Jarolim mit seinem Kumpel extra nicht. „Ich habe mit Drobny gesprochen – aber auch nur vor dem ersten Relegationsspiel. Danach sollen sich alle voll auf die Relegationsspiele konzentrieren.“

 

Ob er das Hinspiel gesehen hat? „Ja, aber nur am TV, da ich mich parallel noch auf meine Aufnahmeprüfung zum Fußballlehrer vorbereiten muss. Ich hatte aber meinen Vater und meinen Bruder vor Ort – und wir haben seeeehr viel telefoniert.“ Weil sie so erschrocken waren? „So ungefähr. Mein Vater hatte den HSV länger nicht gesehen und war erstaunt über die vorsichtige Spielweise“, so Jarolim junior. Wie er selbst das Spiel gesehen hat? „Das Ergebnis ist völlig okay – weil es besser als das Spiel war. Und es bedeutet, dass du auswärts einen Treffer erzielen musst. Genau das hättest Du aber auch machen müssen, wenn Du im Hinspiel 0:0 gespielt hättest.“

 

Und obwohl Jarolim anzumerken ist, dass er enttäuscht war vom Hinspiel, kommt in dem Mittelfeldspieler sofort der HSV-Kapitän durch, der er einst mal war. „Relegation ist mächtig Druck, da geht fast alles über die mentale Stärke. Und ich bin mir sicher: Karlsruhe wird im Rückspiel mehr machen als in Hamburg. Sie werden uns mehr Räume bieten, weil sie zu Hause spielen und ihre große Chance wittern. Und wenn wir es schaffen, die Mischung aus defensiver Stabilität und schnellem Umschalten hinzubekommen – dann packen wir es.“ Wir wohlgemerkt. Wie der HSV aber mit dem vorhandenen Personal schnell umschalten soll, weiß auch Jarolim nicht wirklich. Stattdessen konstruiert er sich selbst ein wenig Hoffnung: „Mit Diekmeier kommt ein schneller Mann wieder rein, der nach vorn Dampf machen kann. Zusammen mit Ivo Ilicevic, den ich im Hinspiel übrigens echt gut fand.“

 

Am Montagmorgen wird Jarolim in ein Kloster gehen und für den HSV beten. Und das, obgleich er gar nicht besonders gläubig ist. Aber wenn er schon nicht selbst als Glücksbringer vor Ort sein könne – dann wolle er zumindest im Geiste dabei sein. „Ich mache alles für dieses eine Spiel. Es ist ein richtiges Finale. Ein Spiel, in dem wirklich alles scheißegal ist – außer der Sieg.“ Auch die Aufstellung?

David Jarolim Fussball Abschiedsspiel David Jarolim, HSV All-Stars - Jarolim Dream-Team

David Jarolim
setzt auf seinen HSV: “E wird schwer – aber wir schaffen es!”

Heute im Training agierte die A-Elf mit Diaz und van der Vaart zentral-defensiv, während davor Ilicevic, Holtby und Stieber agierten. „Warum eigentlich Jiracek oder van der Vaart? Ich könnte mir sogar vorstellen, dass van der Vaart neben Jiracek eine sehr gute Alternative wäre“, so Jarolim, der seinen Landsmann betreffend hinzufügt: „Petr muss natürlich fit sein – aber dann ist er eine echte Variante. Petr hat in seiner Karriere schon genug schwere Spiele gespielt und kennt den Druck. Und er hat Biss. Petr will immer, der kann einfach nicht verlieren. Und diese Mentalität muss morgen von der ersten Sekunde an zu sehen sein. Und das vor allem auch bis zur letzten Sekunde. Wir müssen morgen ackern, was der Körper hergibt. Danach ist genug Zeit für alle, um auszuruhen.“ Außer für die Nationalspieler, die zu ihren Teams fliegen müssen – sage ich und bekomme sofort die Quittung: „Aber auch das darf nichts zählen. Gar nichts!“, raunzt mich Jarolim an. Wobei – inhaltlich hat er Recht. Daher belasse ich es dabei. Zu einem Ergebnis-Tipp wollte sich Jaro dann auch nicht hinreißen lassen. Außer, dass der HSV die Klasse hält. „Scheiß drauf wie – aber das klappt!“

 

Na dann, ich vertrete ja auch die Meinung, dass der HSV es erneut knapp schafft, und dass erneut am Ende niemand weiß, warum er es geschafft hat. Alles andere macht auch keinen Spaß…

 

Apropos, den Spaß hatte die Mannschaft heute im Training – aber sie wich schnell der Anspannung. Labbadia versammelte die Mannschaft um sich herum und hielt eine längere Ansprache. Zu Beginn, in der Mitte und am Ende des Trainings wurde viel gesprochen. Und wer sich die Bilder ansieht, wie die 19 Mann (Adler, Brunst, Beister, Cleber, Diaz, Diekmeier, Djourou, Gouaida, Holtby, Ilicevic, Jiracek, Lasogga, Marcos, Müller, Olic, Ostrzolek, Rajkovic, Stieber, van der Vaart) am Flughafen eincheckt, der kann erkennen, dass die Spieler die Bedeutung des Rückspiels schon spüren. „Egal wie lange man dabei ist“, so Jarolim, „in so einem Spiel produziert dein Körper Adrenalin ohne Ende. Da merkst du den einen oder anderen Schmerz nicht – da kannst du laufen ohne Ende. Oder aber du kommst nicht ins Spiel und verkrampfst immer mehr. Und ich kann mir vorstellen, dass der KSC das erste Mal den Druck spürt, so nah dran zu sein und doch noch alles verspielen zu können. Sie waren so kurz vor dem 2:0 im Hinspiel, hätten gewinnen können und es damit schon fast entschieden. Und dennoch haben sie es nicht geschafft. Sie haben sogar noch das 1:1 kassiert. Wie schon in der Saison, wo man auch direkt hätte hochgehen können. Insofern haben wir vielleicht sogar einen kleinen Vorteil mit den erfahrenen Spielern im Team. Aber dieser Vorteil zahlt sich nur aus, wenn wir ihn uns mit 110, nein: mit 150 Prozent Einsatz erarbeiten und von Beginn an allen klarmachen, dass da eine andere Mannschaft als im Hinspiel auf dem Platz steht.“ Zumindest personell wird es auf jeden Fall so kommen müssen nach den Sperren für Westermann und Kacar, die zwar mitgeflogen sind – aber fast noch mehr leiden als die einsetzbaren Spieler. Kacar zu meinen Kollegen der Mopo: „Ich weiß gar nicht, wie ich das überleben soll.“

Dabei ist die Antwort genauso simpel wie schwer umzusetzen: Mit einem Sieg oder einem Sieg oder einem höheren Remis als 1:1.

 

In diesem Sinne, bis morgen. ich muss zugeben, dass sich meine Müdigkeit in eine gewisse Anspannung gewandelt hat. Aber das war in der letzten Saison auch so. Damals hatte ich allerdings ein deutlich schlechteres Gefühl als heute. Das habe ich auch Jaro gesagt und den zweiten Raunzer abgekommen: „Gefühle sind schön“, Jarolim, „aber nur zu Hause. Okay, cool kann eigentlich keiner bleiben. Nicht mal ich aus der Entfernung. Ich habe schon im Hinspiel gezittert, wie als Spieler nie. Als Spieler konnte ich die Anspannung meistens sehr gut in positive Energie umwandeln. Und glaub mir, das geht unseren Jungs morgen nicht anders. Morgen ist der größere Wille allein entscheidend. Und ich weiß, dass Bruno Labbadia allen Spielern genau das mehr als deutlich machen wird.“ Jarolims Erfolgsformel: „Ich glaube, dass wir körperlich auch im Hinspiel am Ende etwas mehr zuzulegen hatten. Wenn wir das diesmal gleich von Beginn an zeigen, Labbadia die richtigen Worte findet und mein Gebet greift – dann klappt das!“

 

Na dann, mir ist es mehr als recht. Mir ist tatsächlich alles recht, was legal ist und zum Klassenerhalt reicht. In diesem Sinne. Bis morgen!

 

(Ein deutlich angespannter) Scholle

 

P.S.: Für das morgige Matz ab live nach dem Spiel haben wir uns einen Gast eingeladen, der schon mal an entscheidender Stelle als Glücksbringer fungierte. Insofern haben auch wir unsere Hausaufgaben erledigt…

P.P.S.: Die “Chosen few” haben sich heute offiziell als Gruppierung aufgelöst. Einen Tag vor dem wichtigen Relegationsspiel. Und so sehr ich ihr Engagement auch loben könnte – der Zeitpunkt der Bekanntmachung hätte dümmer nicht gewählt werden können. Schade – im doppelten Sinne…

Personalsorgen – na und…?!

30. Mai 2015

Bruno Labbadia lachte viel und feuerte seine Jungs beim Fußball-Tennis an (Siegerteam: Holtby, van der Vaart, Diekmeier). Der HSV-Trainer will sich nichts anmerken lassen, und doch erkennt man genau, was in ihm los ist: Labbadia macht sich Sorgen um sein Personal. Ivo Ilicevic pausierte heute sogar mit leichten Adduktorenproblemen, die eigentlich ein Training nicht zwingend ausschließen. Aber es wird in Watte gepackt, wer angeschlagen ist. Der HSV geht kein Risiko mehr ein, nachdem auf der Zielgeraden immer mehr Spieler wegbrechen.

 

Zum einen sind sie gesperrt – wie Gojko Kacar (5. Gelbe) und Heiko Westermann (10. Gelbe). Zum anderen sind sie verletzt wie Valon Behrami (Knie), Artjoms Rudnevs (Adduktoren) und Marcell Jansen (muskuläre Probleme), die allesamt noch immer nicht mit der Mannschaft trainieren können. Zudem ist neben Ilicevic auch weiter unklar, ob Petr Jiracek (Knie), Pierre Michel Lasogga (Schulter) und Ivica Olic nach seinem Allergieschock wieder vollkommen fit werden bis Montagabend. Letztgenannter war am Freitagabend ins Krankenhaus eingeliefert und am Sonnabend wieder entlassen worden. „Wir müssen schauen, was sich bis Montag ergibt“, so Labbadia, der im heutigen Training ausschließlich auf aktive Regeneration setzte.

Viel machen kann man in den letzten Tagen sowieso nicht mehr. Was jetzt nicht drin ist, bekommt man auch nicht mehr rein. Und fit genug war der HSV, ich meine sogar, der HSV hätte in den letzten 20 Minuten deutlich mehr Kraft gehabt als der KSC, dem der im Hinspiel beste Zweikämpfer (mit den meisten Ballaktionen seines Teams) fehlen wird: Dominic Peitz. Übrigens ebenfalls wegen einer Gelbsperre.

 

Beim HSV rückt auf jeden Fall Dennis Diekmeier für Westermann auf die Rechtsverteidigerposition. „Wir müssen jetzt nicht mehr groß nachdenken, was alles hätte sein können“, so Diekmeier, „wir müssen uns auch keine Gedanken darüber machen, wer gegen den KSC spielt. Wir haben jetzt nur dieses eine Spiel, das alles verändern wird. Und unsere Aufgabe ist mehr als eindeutig: nur der Klassenerhalt zählt. Wie und mit wem wir den schaffen – das ist mir jedenfalls absolut schnuppe.“

 

Stimmt. Absolut sogar. Und dennoch wird heiß diskutiert, ob im Zentrum Rafael van der Vaart neben Marcelo Diaz auflaufen soll oder ob es doch eher der etwas defensivstärkere Jiracek sein sollte, sofern dieser bis dahin komplett fit ist. Gar nicht diskutiert wird offenbar die interessante Variante, die mir mein sympathischer Sky-Kollege und Fußballexperte Sven Töllner heute vorschlug: Warum nicht mit einer Sechs spielen, also mit einem echten Abräumer. „Cléber Reis könnte das doch“, so Tölles Idee, die ich zunächst sehr charmant fand, da ich noch immer davon überzeugt bin, dass der HSV mit der Doppelsechs gegen einen Gegner wie Karlsruhe eine Position verschenkt.

Als Sechser eine Alternative? Cléber Reis.

Als Sechser eine Alternative? Cléber Reis.

Aber so interessant ich die Idee auch finde, ich glaube, dass eine derart gravierende Umstellung vor einem derart wichtigen Spiel für Labbadia nicht infrage kommt. Und das ist sicherlich auch gut so. „Wir werden auf den letzten Metern nicht mehr groß was probieren“, hatte Labbadia vor dem Hinspiel gegen den KSC gesagt. Und auch diesmal wird er sich an seine Worte halten, glaube ich. Ob letztlich mit van der Vaart für Kacar oder mit Jiracek – offen.

Mehr als wahrscheinlich ist, dass der HSV in Karlsruhe nicht mit einem Gegner rechnen muss, der von der ersten Sekunde an volles Risiko geht. Im Gegenteil. Der KSC muss kein Tor schießen. Wobei ich gelesen habe, dass der KSC mit dem für Montag angesetzten Schiedsrichter Manuel Gräfe beide Heimspiele in dieser Saison verloren hat…

 

Aber im Ernst: Gegen den KSC darf der HSV mutiger spielen als im Hinspiel. Nein, er muss es sogar. Sollte Olic rechtzeitig fit werden, wird er als zweite Spitze zu Lasogga stoßen, der heute zumindest beim zweikampflosen Tennisfußball einen guten Eindruck hinterließ. Dahinter agierte im Hinspiel Lewis Holtby mehr schlecht als recht. Und ich hoffe, dass dieses Mal der einzige auch aus der zweiten Reihe torgefährliche Mittelfeldspieler kommt: Zoltan Stieber.

 

Noch nicht wieder bei 100 Prozent ist Maxi Beister, der sicherlich eine echte Alternative werden dürft, wenn Lasogga und/oder Olic ausfallen sollten. Dem Youngster fehlt nach wie vor die Spielpraxis. Ebenso wie zuletzt Nicolai Müller, der knapp vier Wochen wegen eines Knochenödems ausgefallen war. Beide sollen aber gegen Karlsruhe dabei sein – und beide haben das, was Lasogga und Olic nicht haben: Tempo. Sollte der HSV also wieder nicht in der Lage sein, sich in der Karlsruher Hälfte festzubeißen und mit Flanken auf Lasogga und Co. zu agieren, stünden Labbadia Alternativen bereit.

 

Apropos, beim KSC spielt eine Offensivkraft, die ich sehr gern in Hamburg sehen würde: Dimitrij Nazarov. Der flinke Rechtsfuß brillierte gegen den HSV mit seiner Technik und zeigte bei seinem Lattentreffer in der zweiten Hälfte, dass der 25-Jährige auch torgefährlich ist. Oliver Kreuzer hatte den Nationalspieler Aserbeidschans bereits massivst gelobt – und nicht zu viel versprochen. Und angesichts der Tatsache, dass der HSV mit Jansen und Ilicevic zwei Flügelspieler sowie mit van der Vaart einen nominellen Zehner verliert, finde ich Nazarov schon ob der finanziell sehr angespannten Lage beim HSV hochinteressant. Er hat zwar noch einen Vertrag bis 2016 – aber angesichts des aktuellen Marktwerts von 650000 Euro (Quelle: www.transfermarkt.de) noch eine Menge Potenzial – auf allen Ebenen.

 

Aber okay, das nur nebenbei. Wichtiger als Neue sind jetzt die, die fit sind und in Karlsruhe schaffen sollen, was gefühlt eine Mehrheit nicht mehr zu glauben scheint: den Klassenerhalt. Ich persönlich glaube daran, dass der HSV es schafft, so schwer es auch wird. Mehr gab es heute nicht – und mehr gibt es grundsätzlich eigentlich auch nicht mehr zu sagen. In diesem Sinne: Euch allen einen schönen DFB-Pokalabend. Und bis morgen.

 

Scholle

 

P.S.: Apropos Pokal: So sieht Public Viewing in Wolfsburg aus (Quelle “1887tv”), zumindest 90 Minuten vor Anpfiff:

Wolfsburg vor dem Pokalendspiel

Bis Schlusspfiff ist nichts wichtiger als dieses Spiel…!

27. Mai 2015

Da schreibe ich einmal wieder über Rafael van der Vaart und alle drehen durch. Dabei steht in meinen Zeilen, dass van der Vaart in meinen Augen keine Erstligatauglichkeit hat und in meinen Augen auch nur dann zum Einsatz kommen dürfte, wenn Lasogga und/oder Olic ausfallen UND HSV-Trainer Bruno Labbadia es als die beste Lösung ansieht. Eben jener Labbadia, der (man glaubt es kaum!!) deutlich näher an dem Niederländer dran ist und dessen momentane Leistungsfähigkeit besser einschätzen kann als ich, ihn als die momentan beste Besetzung für die etwaige Position sieht. Ich vertraue dem Trainer nach dessen überzeugender Performance in den letzten Wochen – mehr nicht. Auch dann, wenn er im Gegensatz zu mir glaubt, dass van der Vaart der Mann ist, der jetzt gebraucht wird.

 

Ich maße mir schlichtweg nicht an, es besser zu wissen. Schon gar nicht, nachdem ich nur Bruchteile der letzten Einheiten mitverfolgen konnte. Und vor allem: auf mich kommt es auch überhaupt nicht an. Ich will nur, dass der HSV die Relegation übersteht – erst einmal. Danach wird abgerechnet. Auch mit van der Vaart. Daher, noch mal für alle, für die ich mich nicht klar genug ausgedrückt habe: Mit keinem Wort heiße ich van der Vaarts Aktion in Stuttgart nachträglich gut – im Gegenteil: Das war eines Mannschaftskapitäns mehr als unwürdig, das war definitiv voll fürn A….. Und ich schrieb daher auch, dass ich ihn allein ob dieser Szene nicht aufstellen würde. Obwohl ich ihn in den Jahren kennengelernt habe und weiß, dass er diesen Fehler wiedergutmachen will…

Aber zurück zum einzig Wichtigen, was in meinen Augen bis zum Klassenerhalt auch alles andere in den Schatten stellt: zum Sportlichen. Heute fand in Malente die letzte Trainingseinheit statt. Nach dem Feuerschwur, den meine „BILD“-Kollegen beim gestrigen Lagerfeuer ausgemacht hatte, ging es heute noch einmal zur Sache. Die letzten Feinschliffe für die zwei Spiele der Saison sollten geholt werden – und neben Petr Jiracek (brach ab) fehlte Ivica Olic ob seiner anhaltenden Rückenprobleme. Es droht also weiterhin der Ausfall des 1:0-Torschützen vom Sonnabend. Positiv: Pierre Michel Lasogga indes ist offenbar wieder gesund. Heute trainierte er erneut voll mit und dürfte somit auch morgen von Beginn an auflaufen können.

Die große Frage also ist: Wer ersetzt Olic, sollte der Kroate ausfallen? Zuletzt hatte Labbadia immer betont, bei einem Stürmerausfall logischerweise Artjoms Rudnevs reinwerfen zu wollen. Allerdings ging es dabei eher um einen Ausfall Lasoggas. Das viel größere Problem aber ist, dass auch Rudnevs heute ausfiel und nicht im Kader steht. Der Lette leidet an Adduktorenproblemen. Statt seiner agierte im heutigen Training Zoltan Stieber als Linksaußen, während Lewis Holtby die „Neuneinhalb“ spielte und van der Vaart nur im B-Team agierte. Im A-Team beließ es Labbadia erwartungsgemäß bei der Abwehr aus dem Köln-Spiel sowie erneut Marcelo Diaz neben Gojko Kacar.

Mit im Kader für das erste Relegationsspiel ist (noch) Ivica Olic. Und obwohl noch nicht klar ist, ob er Olic spielen kann (der Mopo sagte er: „Abwarten. Heute könnte ich noch nicht…“), sorgte sein Sturmpartner Pierre Michel Lasogga heute für Freude im Trainerteam. Bei den Abschlussübungen mit Flanken über die Außen traf der letztjährige Relegationsheld nahezu wie er wollte. Mit dem Fuß links wie rechts und mit dem Kopf – und das Lob von Trainer Labbadia war ihm sicher. Zumal der sich gegen defensiver spielende Karlsruher gut beraten ist, das eigene Spiel über die Außen zu forcieren und Lasogga zu suchen. Denn wichtig wird sein, dass der bullige Angreifer möglichst oft im oder zumindest direkt am Strafraum in Ballbesitz kommt. Nur dann ist er wirklich gefährlich – wie auch das heutige Training eindrucksvoll bewies. Und sollte Labbadia letztlich doch eine zweite Spitze brauchen, hat er ja auch noch Offensivallrounder Maximilian Beister im Kader…

Es gäbe tatsächlich an einem Tag wie diesem noch so viel zu berichten, man könnte so viele verschiedene Aufstellungsmöglichkeiten diskutieren. Aber ich belasse es heute beim Notwendigsten. Ich glaube, dass bis morgen nach dem Spiel wirklich nichts anderes wichtig ist als das, was die Mannschaft unterstützt. So, wie der erneute Aufruf zum Spalierstehen für die Mannschaft. Auf www.hsv-ev.de heißt es:

Alles geben für die Relegation

Wir haben gezittert, wir haben gebangt, wir haben gejubelt. Und wir alle haben immer noch Gänsehaut, wenn wir an den 23.05.2015 denken.

MACHT ES NOCH EINMAL

Die Begrüßung der Mannschaft war ein toller, großartiger Erfolg. Tausende HSV Fans säumten den Weg von der Sylvesterallee bis direkt vor das Stadion und sorgten für Gänsehautatmosphäre – auch im Mannschaftsbus. Die Mannschaft war so begeistert, dass wir gebeten wurden, die Aktion vor dem Relegationsspiel am kommenden Donnerstag zu wiederholen.

MACHT ES NOCH EINMAL

Kommt alle am Donnerstag um 19 Uhr zur Sylvesterallee und begrüßt unser Team! Wir brauchen noch mehr Leute, noch mehr Stimmung, NOCH MEHR GÄNSEHAUT!

Und danach mobilisieren wir alle im Stadion nochmal all unsere Kräfte und geben 90 Minuten ALLES!

Ihr werdet gebraucht!

MACHT ES NOCH EINMAL

 

 

Eine mehr als unterstützenswerte Aktion, wie ich finde. Weniger Verständnis habe ich für die kurzfristige Vorverlegung des Rückspiels auf 19 statt 20.30 Uhr am kommenden Montag. Angeblich will man so der Dunkelheit nach dem Spiel aus dem Weg gehen, die der Sicherheit abträglich wäre. Ich hoffe nur, dass alle HSV-Fans mit langer Anreise trotz dieser Verlegung pünktlich im Stadion sein werden.

 

Aber zurück zum morgigen Hinspiel! Morgen heißt es, noch mal alles zu geben – und am besten noch mal ein wenig mehr als sonst! 90 Minuten lang Vollgas auf und neben dem Platz! Auch, wenn man sich mal nicht einer Meinung ist, und auch wenn man mit der Aufstellung mal nicht einverstanden ist – Einzelschicksale zählen nicht mehr. Was auch immer irgendwer glaubt, kritisieren zu müssen – er sollte damit warten bis nach Schlusspfiff dieser Relegation. Es zählt gegen den KSC tatsächlich ausschließlich das Ergebnis. Kurz gesagt: Die elf, die auflaufen, müssen es richten – mit der uneingeschränkten Unterstützung von den Rängen. Und ich bin mir sicher, dass sie morgen genau das von den Rängen der Imtech-Arena bekommt. So, wie zuletzt immer…

 

In diesem Sinne: Alle Mann an Bord!!!

 

Bis morgen!

 

Scholle

“Nur wer bei 100 Prozent ist, kann spielen”

26. Mai 2015

Ein Gast am Tresen, ansonsten war es heute leer. Und das bei dem herausragenden Essen. Letztes Mal war es ein XXL-Schnitzel mit Beilagen bis zum Abwinken – diesmal war es frischer Spargel mit Salzkartoffeln und Sauce Hollandaise für 11,50 Euro auf „Mascha’s“ Tafel mit dem Angebot des Tages. Und so lecker sein Essen ist, so präzise sind seine Vorhersagen. Zuletzt hatte er gesagt, der HSV schaffe es. Zumindest in die Relegation. Dieses Mal sieht Manfred-Michael Janz, wie Mascha bürgerlich heißt, den HSV schon im Hinspiel deutlich vorn. 2:0 in der Imtech-Arena. Sagt er. Und ich würde diesen Tipp sofort unterschreiben…

 

Mascha im Interview, Teil 2:

 

Ebenso Bruno Labbadia, der um die Schwere der bevorstehenden Aufgabe weiß. Auch der Direktor Profifußball, Peter Knäbel, mahnt, den Relegationsgegner nicht zu unterschätzen. Er habe in den letzten fünf Wochen jeweils die Spiele der Karlsruher gesehen und warnt vor der Ausgeglichenheit der Mannschaft. „Sie ist in sich gefestigt. Der KSC spielt guten Fußball, ist in der Liga die Mannschaft mit dem meisten Ballbesitz und den wenigsten Gegentoren. Ihr Erfolg kommt nicht von ungefähr“, so Knäbel heute bei schönstem Sonnenschein vor der Trainingseinheit der Profis in Malente.

 

Wobei ich mir sicher bin, dass die Mannschaft den Gegner nicht unterschätzt. Diejenigen, die schon letzte Serie gegen Fürth dabei waren, werden sich sicherlich gut erinnern und diese Erinnerungen an den Rest weitergeben. „Wir reden viel miteinander“, sagt Labbadia, der das zweite Mal Malente als teambildend empfindet, „weil ich sehe, dass die Mannschaft sich mit sich selbst beschäftigt. Es wird viel miteinander gesprochen. Und der Zusammenhalt ist das, was unser Spiel auszeichnet.“ Das und die zweifellos letzte erstklassige Bastion im Klub: die Fans. Das Hinspiel war schon so gut wie ausverkauft, noch bevor der Gegner feststand.

Offen ist indes noch, ob Rafael van der Vaart nach seiner abgesessenen Gelbsperre wieder ins Team rücken wird. Auch, weil mit Ivica Olic (Rücken) und Pierre Michel Lasogga noch zwei angeschlagene Spieler fraglich sind. Und während Letztgenannter heute ohne Probleme durchtrainierte, beendete Olic das Training vorzeitig. Abgesprochen zwar – aber der Kroate ist eben noch nicht wieder gesund.

Balltraining - aber für den Rücken und nicht mit den Füßen für Ivica Olic. Der Einsatz des Kroaten ist noch offen

Balltraining – aber mehr für den Rücken als für die Füße hieße es heute noch für Ivica Olic. Der Einsatz des Kroaten ist wegen anhaltender Rückenplobleme noch offen

„Klar ist, dass in den beiden Spielen nur spielen kann, wer bei 100 Prozent ist. Wenn irgendwer auch nur einen Prozentpunkt Konzentration auf seinen Zeh, seinen Rücken oder seine Schulter verschwendet, fehlt ihm dieser im Zweikampf und es geht schief“, sagt Knäbel und Labbadia pflichtet seinem direkten Vorgesetzten bei: „Das werden zwei außergewöhnlich intensive Spiele, in denen uns definitiv alles abverlangt wird. Deshalb arbeitet unsere medizinische Abteilung unter Hochdruck und wir müssen ganz genau schauen, wer wie weit ist.“

 

Außer verletzungsbedingt hat Labbadia tatsächlich wenig Grund zu wechseln. Wobei – ich würde es dennoch machen. Denn der KSC wird den HSV nicht annähernd so hoch angreifen wie die meisten Bundesligisten. Der HSV wird agieren müssen – die Karlsruher reagieren. Dafür muss der HSV so spielstark wie möglich aufgestellt werden. Zuletzt bekam der Chilene Marcelo Diaz nach langer Verletzungspause seine Chance – und konnte sie nur bedingt nutzen. Neben Kacar gelang ihm nicht viel, obgleich die Analyse-Experten von „spielverlagerung.de“ ihn zum Schlüssel für den Sieg erkoren. „Besser. Noch besser“, waren Diaz’ Worte nach dem Spiel – und er meinte sich selbst. Er erwartet noch mehr von sich. Und das ist gut so. Denn in Sachen Spielaufbau übernahm er zwar die Rolle des Anspielpunktes im Mittelfeld, allerdings ohne dabei offensive Aktionen einleiten zu können.

 

Aber zurück zur großen Frag: Spielt Rafael van der Vaart oder spielt er nicht? Ich glaube, er spielt, sobald Lasogga und/oder Olic ausfallen. Und obgleich ich ihm das Erstligaformat nach nunmehr 34 langen Spieltagen absprechen musste, in dieser Partie könnte er noch mal wichtig sein. Zum einen, weil ich weiß, dass er sich selbst sehr über sich selbst geärgert hat und traurig war, sich nicht auf dem Feld verabschieden zu können. „Er hat am Rand gelitten, weil er zum Zuschauen verdammt war“, sagte Knäbel heute und versicherte: „Wenn er noch mal gebraucht wird, wird er da sein. Er will sich gut verabschieden.“

 

 

Stimmt, aber allein darauf kommt es nicht an. Denn in diesem beiden Spielen ist nicht allein ein feiner Fuß (der zu selten zur Wirkung kommt) gefragt, sondern auch Körperlichkeit und vor allem Tempo. Einzige Ausnahme könnte die Spitze sein, sofern der HSV das voraussichtlich defensivere KSC-Spiel für Flankenläufe und Bälle in den Sechzehner nutzen kann. Denn dort ist und bleibt Lasogga gefährlich. Und dort hat Olic seinen ersten ernst zu nehmenden Treffer selbst erzielt. Heute indes drehte er nur einige Runden um den Platz und verbrachte den größten Teil der Trainingszeit im Kraftraum sowie auf der Massagebank.

Der Rest der Mannschaft absolvierte ein lockeres Balltraining ohne größere Laufarbeit. „Auflockern, ausschlafen und den Kopf wieder frei bekommen“, hatte Labbadia sich vom erneuten Trainingslager versprochen. Und viel mehr scheint es auch nicht zu sein. Morgen soll am späten Nachmittag die zweite Einheit stattfinden. Viel ausstehen müssen die HSV-Profis demnach nicht. „Fein-Tuning“ nennen die Verantwortlichen den Inhalt des Malente-Trainingslagers, Teil zwei.

 

Dabei wird es am Donnerstag in erster Linie darum gehen, wie die Mannschaft mit dem zweifellos vorhandenen Druck umgehen wird. Der HSV kann etwas verlieren und muss zudem gleich zu Beginn zu Hause antreten. „Der HSV hat die Qualitäten, den KSC zu bezwingen“, weiß der an den FC Kaiserslautern verliehene und heute für die U21-EM nominierte Kerem Demirbay (Glückwunsch, Kerem!!!), der auch warnt: „Karlsruhe ist eine seltsamerweise sehr erfahrene Truppe mit einer guten Abwehr und einem richtig guten Stürmer, auf dessen Namen ich gerade nicht komme.“ Rouwen Hennings? „Richtig“, so Demirbay, „die sind hinten kompakt und vorn gefährlich. Aber der HSV hat diese Mittel auch und braucht sich absolut nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Der HSV muss zeigen, dass er den KSC ernst nimmt, ihm aber keine Chance lässt.“ Demirbays Prognose? „Es wird hart, aber der HSV hat das Zeig, im Hinspiel die Weichen zu legen und die Klasse zu sichern.“

 

Na denn. Das klingt doch gut. Und um noch einmal auf van der Vaart zurückzukommen: Ich würde ihn allein ob der Szene in Stuttgart zunächst nur auf die Bank setzen und es ihm gegenüber auch so begründen. Allerdings glaube ich, dass diese Szene in van der Vaart gärt und er nichts lieber will, als diesen Fehler zu korrigieren. Damit hätte man einen hochmotivierten Mann, der von der Bank aus das Spiel verändern könnte. Andererseits, sollte van der Vaart am Ende sogar von Beginn an spielen – dann wird Labbadia es sich sehr gut überlegt haben und sportlich seine Gründe haben. Denn dass er sich nicht von Namen blenden sondern nach Leistung aufstellt, hat er unlängst bewiesen. Das zeigt schon die Art, wie und auch dass er Valon Behrami “aussortiert” hat. Eine Maßnahme mit Signalwirkung an die Mannschaft. Vielleicht hat Labadia ja auch die richtigen Signale für seinen Kapitän parat. Ich hoffe es – nein: ich glaube es.

 

In diesem Sinne, alle Mann an Bord.

 

Bis morgen

Scholle

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