Archiv für das Tag 'van der Vaart'

Riesig, Gojko, Hamburg liegt Dir zu Füßen!

3. Mai 2015

Ist das sensationell! Der HSV ist wieder da, er lebt, er ist auf Platz 14 vorgerückt – und hat das Abstiegsgespenst ein wenig geschockt. Herrlich! Der HSV siegt in Mainz 2:1 und darf weiter von der Rettung träumen. Der Druck auf die Mannschaft war riesig, vor dem Anpfiff, aber die HSV-Profis hielten diesem Druck Stand. Hamburg spielte lange Zeit sehr gut in Mainz, holte die Hausherren aber in der Schlussphase doch noch wiedre ziurück ins Spiel – kassierte den Ausgleich und kam doch noch zurück. Zum Sieg. Gojko Kacar war in der 87. Minute erfolgreich, ausgerechnet der „Aussortierte“ Serbe, der trotz allem eine vorbildliche Einstellung an den Tag legt. Super. Gojko, ganz Hamburg liegt Dir zu Füßen! Jetzt am Freitag gegen Freiburg nachlegen, mit einem Sieg natürlich, und dann hängt der Hamburger Himmel voller Geigen!

 

Morgens um zehn Uhr war die Welt für mich nicht mehr so ganz in Ordnung an diesem Sonntag. Ich hörte, gemeinsam mit Frau M., Radio Hamburg, und dort wurde gemutmaßt, dass der HSV eventuell (oder sicher?) seinen Teamgeist in Hamburg vergessen hätte. Oha! Was soll das werden? Die Entwarnung kam dann aber so gegen 15.30 Uhr, denn von Beginn an zeigte der HSV sein neuestes Gesicht. Die Mannschaft trat als Einheit aus, sie spielte konzentriert und auch sehr diszipliniert. Und sie stand kompakt, hatte die Räume bestens zugenagelt. Was darüber hinaus auffällig war: Der Ball wurde in den eigenen Reihen gehalten, nur wenn es wirklich eine Möglichkeit ging, mit Tempo nach vorne zu spielen, wurde das auch beherzt getan. Ansonsten aber wurden die Mainzer klug in Schach gehalten, die quirligen 05-Offensivkünstler wurden so geschickt gebremst, denn sie kamen nicht so oft an den Ball, wie sie es sich vielleicht – oder ganz bestimmt – gewünscht hätten.

 

Der HSV begann gegenüber dem Spiel gegen Augsburg mit einer auf einer Position veränderten Aufstellung. Statt Zoltan Stieber stand der ehemaliger Mainzer Nicolai Müller in der Anfangsformation. Bruno Labbadia hatte wohl auch die Karte gesetzt, dass die „Ehemaligen“ sehr gerne gegen ihren früheren Arbeitgeber treffen – und generell auch spielen. Für Müller aber war das Spiel früher beendet, als gedacht, denn in der 39. Minute ging er gezerrt vom Platz. Es kam aber nicht, wie von mir erwartet, Stieber, sondern Marcell Jansen.

 

Natürlich hatten die Mainzer von Beginn an mehr vom Spiel, sie führten zur Halbzeit auch mit 5:0 Ecken, aber nur zweimal bestand die Gefahr, dass der HSV in Rückstand geriete. In der achten Minute schoss Jairo aus halbrechter Position scharf auf das Tor, Rene Adler tauchte blitzschnell ab und wehrte den Ball auch ab – nur zur Mitte. Da hatte der HSV dann Glück, dass kein Mainzer einschussbereit war, Heiko Westermann schoss den Ball zwar nicht souverän, aber er klärte – ebenfalls mit Glück. Die zweite Mainzer Möglichkeit genau zehn Minuten später, als Baumgartlinger aus 23 Metern abzog, doch Adler flog ins bedrohte linke Ecke und lenkte den Ball zur Ecke.

 

Im Dauerregen von Mainz kam der HSV dann aber stetig besser ins Spiel. Und in der 29. Minute (!), also nach einer halben Stunde, riskierte Ivica Olic auch den ersten Torschuss. Der Kroate zog aus 25 Metern ab, aber der Ball stieg in die zweite Etage und flog zudem weit am Tor vorbei. Immerhin, der erste Versuch war gestartet . . . Weil es ja so viele davon nicht gibt, im Spiel des HSV.

 

In der 30. Minute dann ein böser Zusammenprall im Mittelfeld: Rafael van der Vaart und der Mainzer Soto gingen zum Ball, beide Spieler gingen danach auch zu Boden – und Soto musste mit einer schweren Verletzung vom Platz getragen werden. Das sah ganz, ganz schlimm aus, gute Besserung für den Mainzer Strategen, aber er wird ganz sicher in dieser Saison nicht mehr auflaufen können.

 

Van der Vaart konnte dann weitermachen, und er hatte in der 35. Minute eine große Chance auf dem linken Fuß. Der HSV stürmte in Überzahl, aber der „kleine Engel“ schaltete nicht schnell genug, er verpasste den geeigneten Moment zum Abspiel – und ließ sich auf der Strafraumgrenze noch stoppen. Da war mehr drin. Doch damit hatte der HSV auf jeden Fall mal angedeutet, dass auch er in der Offensive gefährlich werden kann.

 

Und zwei Minuten später stand es sogar 0:1 in Mainz. Wieder ein Hamburger Konter, diesmal über rechts. Westermann umkurvte am Strafraumeck Gegenspieler Koo, flankte dann zur Mitte – mit links! Baumgartlinger wollte per Kopf abwehren, verlängerte den Ball aber so unglücklich, dass der Ball – für den HSV total glücklich – sich hoch in den linken Torwinkel senkte, unhaltbar für Torwart Karius. Der Bann war gebrochen. Sensationell. Eine Westermann-Flanke in den siebten Hamburger Himmel! Jetzt hieß es nur noch, die letzten 53 Minuten ohne Gegentor zu überstehen . . . Und vorne vielleicht doch noch das eine oder andere Tor (!) zu machen. Ivo ILicevic schoss in der 38. Minute aus 23 Metern, aber genau auf Karius, der die Kugel ins Feld zurückfaustete. Und unmittelbar vor dem Pausenpfiff hatte Marcell Jansen dann das 2:0 auf dem linken Fuß, aber nach Vorlage von Pierre-Michel Lasogga schoss der Mittelfeldspieler zu schwach, 05-Keeper Karius hielt ohne Mühe – auch da war wesentlich mehr drin. Halbzeit.

 

Nach dem Seitenwechsel gleich große Aufregung am Mainzer Strafraum. Bungert hatte Jansen gelegt – drin? Oder doch eher draußen? Der gute Schiedsrichter Peter Sippel hatte es genau gesehen, draußen – nur Freistoß. Und den versemmelte Lasogga. Aber trotz allem, auch das war ein guter Auftakt. Der HSV zeigte Zähne. Und hatte das 2:0 vor Augen. Nach einer Ecke von van der Vaart stieg Gojko Kacar neun Meter vor dem Tor der Mainzer hoch, köpfte die Kugel aber genau auf Karius (55.). Pech. Aber auch ein Zeichen, dass Mainz noch einmal kommen wollte. Und Mainz kam. In der 69. Minute war die Hamburger Defensive zu weit aufgerückt und einigermaßen unsortiert, Koo, der einst auch mal zum HSV kommen sollte, lief in den Hamburger Strafraum und schoss aus zwölf Metern – an den Pfosten. Glück für den HSV, obwohl Adler auch im bedrohten Eck war.

 

Das aber war die Zeit des Erwachens der Mainzer. Sie drückten. Und der HSV wackelte. Bedenklich sogar. Wieso? Das werden wir gleich bei „Matz ab live“ klären können – vielleicht. Auf jeden Fall drückten die Hausherren, und sie hatten Erfolg. Brosinski wurde rechts in den Strafraum geschickt, Johan Djourou stand zu tief und hob die Abseitsstellung auf – Rückpass, den der eingewechselte De Blasis täuschend durchließ, sodass der ebenfalls eingewechselte Malli einschießen konnte – 1:1 in der 76. Minute. Die Schlussphase konnte ja noch heiter werden . . .

 

Und es wurde noch so etwas von heiter! Der HSV schlug zurück. Nach einer Ecke kam Kacar an den Ball, er riskierte einen Schuss aus 22 Metern, der misslang – aber Jansen köpfte ihm die Kugel wieder zurück, und dann traf Kacar aus 16 Metern zum 2:1-Siegtor. Dass in der Schlussphase der Mainzer Brosinski nach einem vermeintlichen Foul an dem eingewechselten Artjoms Rudnevs noch die Rote Karte sah, war unerheblich. Für die Mainzer aber eher bitter, weil es kein Rot war. Aber das störte niemandem im Hamburger Lager, da war Jubel. Trubel Heiterkeit angesagt. Herrlich, herrlich, herrlich! Es ist eine wunderbare Zeit angebrochen – Zeit für ein Hamburger Fußball-Wunder.

 

Der HSV spielte mit: Adler; Westermann,
Rajkovic, Djourou, Ostrzolek; Kacar, van der Vaart; Müller (39. Min. Jansen), Olic (83. Min. Rudnevs), Ilicevic (77. Min. Stieber); Lasogga.

 

Die Einzelkritik

 

Rene Adler machte keinen Fehler, auch wenn man sich gelegentlich wünschen würde, dass er in Sachen Strafraumbeherrschung mehr Souveränität ausstrahlen würde. Seine Vorderleute wünschten sich das bestimmt auch – gelegentlich.

 

Heiko Westermann hatte auf seiner ungeliebten Rechtsverteidiger-Position fast alles immer gut im Griff – und leitete das HSV-Tor ein. Das war okay.

 

Slobodan Rajkovic soll während des Spiels zwei Schmerztabletten bekommen haben, aber er hielt tapfer durch – und bot eine solide Leistung dabei.

 

Johan Djourou köpfte viele gefährliche Sachen aus dem Strafraum, hob leider aber vor dem 1:1 auch das Abseits des Mainzers Brosinski auf. Insgesamt aber absolut okay.

 

Matthias Ostrzolek setzte die Reihe seiner guten Auftritte in Mainz fort, auch wenn er noch besser werden muss! Note drei!

 

Gojko Kacar schreibt HSV-Geschichte! Weil er als „Aussortierter“ alles gibt, immer volle Pulle – und dann schießt er noch das 2:1. Das ist sensationell, Gojko!

 

Rafael van der Vaart hatte Ideen, lief viel, wenn auch nicht immer schnell – aber so gehört er ganz einfach in das HSV-Team.

 

Ivo Ilicevic machte anfangs flott mit – aber die Kräfte verließen ihn stetig. Da müsste noch mehr kommen, wenn er Eigenwerbung betreiben wollte.

 

Nicolai Müller durfte in der alten Heimat ran, zeigte Biss, aber er verletzte sich früh und schied aus.

 

Ivica Olic rackerte, ackerte, aber in Sachen Abspiel lag er verdächtig oft total daneben. Das konnte er mal besser.

 

Pierre-Michel Lasogga war stets unterwegs, er zeigte sich von seiner guten Seite, auch wenn er vorne oft allein auf sich gestellt war. Dennoch ist er als „Stoßstürmer“ sehr, sehr wichtig – und wertvoll. Obwohl er kein Tor erzielte. Macht nichts.

 

Marcell Jansen (ab 39. Min. für Müller) war da, und er machte mit seiner Routine etliche gute Sachen – auch wenn er noch besser könnte.

 

Zoltan Stieber (ab 77. Min. für Ilicevic hätte ruhig ein wenig früher kommen dürfen, aber er kam – und er war lebhaft und zeigte viel Einsatzwillen.

 

Artjoms Rudnevs (ab 84. Min. für Olic) mischte mit seiner Kampfkraft noch sehr gut mit – er ist ja unberechenbar, und deswegen auch gut für einen solchen Wechsel.

 

Das war es zunächst vom Spiel in Mainz, bei dem wieder viele HSV-Fans dabei waren – und auch etliche „Matz-abber“. Sie hatten sich vor dem Spiel bei mir gemeldet und ein gemeinsames Daumendrücken gefordert – was natürlich gemacht wurde. Vielen Dank für den Anruf, Ihr seid klasse. Wir sind dann gleich wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle, um über die Partie beim Karnevalsverein zu sprechen. Unser Gast ist heute der ehemalige HSV-Kapitän und –Aufsichtsrat Thomas von Heesen. Wir alle würden uns sehr freuen, wenn Ihr wieder unsere Zuschauer sein würdet. Und die Jungs, die jetzt auf der Rückfahrt aus Mainz sind, die können es dann ja heute Nacht in aller Ruhe ansehen.

 

17.39 Uhr

 

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