Archiv für das Tag 'van der Vaart'

Der Beiersdorfer-Effekt greift

31. Juli 2014

Hat allen Grund, sich zu freuen. Mit Behrami ist Dietmar Beiersdorfer ein erster richtig guter Deal gelungen.

Hat allen Grund, sich zu freuen. Mit Behrami ist Dietmar Beiersdorfer ein erster richtig guter Deal gelungen.

 

Dietmar Beiersdorfer ist die personifizierte Hoffnung – und er wird seiner Rolle von Beginn an gerecht. Mit dem Schweizer Valon Behrami hat der 50-Jährige seinen ersten richtig großen Coup gelandet. Den Mittelfeldspieler (zwölf Millionen Euro Marktwert laut Tranfermarkt.de) verpflichtete er für gerade einmal 3,5 Millionen Euro vom SSC Neapel. Und das, obwohl neben dem HSV angeblich Inter Mailand sieben Millionen Euro und Atletico Madrid selbst dieses Angebot noch überboten haben sollen. Beiersdorfer ist geldwert – im wahrsten Sinne. Denn Behrami hatte sich dem Vernehmen nach schon lange mit einem Wechsel zum HSV beschäftigt. Bevor er beim SSC Neapel aussortiert worden war. Und bevor er andere Angebote bekommen hatte. Schon während der WM hatte sich der Schweizer Nationalspieler intensiv mit einem Wechsel nach Hamburg auseinandergesetzt, wie sein Freund und HSV-Profi Johan Djourou heute bestätigte. „Ich weiß seit ein paar Tagen, dass er zu uns kommt. Er hatte mir schon vor einigen Monaten erzählt, dass er sich mit der Bundesliga beschäftigt. Und, dass er sehr guten Kontakt zu Didi Beiersdorfer hat.“

Da ist es wieder, das „Prinzip Beiersdorfer“, das schon Spieler wie de Jong, van der Vaart und Co. nach Hamburg brachte: Groß reden können alle – ich mache. Und dabei erlaubt sich Beiersdorfer keine Fehler. So, wie er zu Amtsantritt jedem einzelnen Mitarbeiter des HSV die Hand gab und einen kurzen Plausch hielt, so sehr kümmert er sich auf persönlicher Ebene um „seine“ Spieler. Auch um die, die noch nicht da sind, aber irgendwann kommen sollen. Das kommt an. Und das spart dem HSV hier und da ein paar Euro – mal ganz stark untertrieben formuliert.

Dass dabei auch mal ein Transfer schiefgeht, oder besser: nicht erfolgreich ist – sch….egal. Bei Stefan de Vrij, dessen Geschichte ich hier wie versprochen in voller Länge erzählen und beweisen werde, wenn er fix irgendwo unterschrieben hat, hat’s offenbar nicht geklappt. Mit ManU und letztlich vor allem Lazio Rom hatte Beiersdorfer zwei zu große Konkurrenten im Boot. Da nützte auch alles Persönliche und der gute Leumund des HSV in den Niederlanden nichts, der Innenverteidiger wechselt dem Vernehmen nach nach Italien. Aber: Solange die Quote für eine starke Kaderzusammensetzung beim HSV ausreicht soll und muss es allen recht sein. Mehr ist für den Moment nicht zu erwarten.

„Dukaten-Didi“, wie Beiersdorfer in Anlehnung an sein glückliches Händchen bei An- und Verkäufen von Spielern in seiner Amtszeit als HSV-Sportchef (2002 – 2009) beim HSV genannt wurde, macht seinem Namen gleich zu Beginn seiner Transferaktivitäten alle Ehre. Und das leise. Sehr leise. Bis zum Transfervollzug, der für Freitagmorgen erwartet wird, kam: genau gar nichts. Für uns Journalisten macht es das Arbeiten nicht leichter und die Fans freut es. Ich befinde mich in solchen Momenten immer in einer Zwitterphase – letztlich aber ist das gut, was dem Verein hilft. Wenn es nachhaltig ist. Auch ich sehe das komplett so. Und das ist es bei Dietmar Beiersdorfer. Es ist förderlich für den Verein, der „dank“ seiner inzwischen fast vollzählig abgetretenen Protagonisten in Vorstand und Aufsichtsrat in den letzten Jahren als der neue „FC Hollywood“ verhöhnt wurde. Mehr noch: Es macht den HSV wieder seriös. Didi macht den HSV wieder seriös. Und nichts hat der HSV, die neue Fußball AG, nötiger, als glaubhaft zu sein. Für Fans, Spieler und Berater.

Allerdings, und das muss man festhalten, geht das alles nur, weil Beiersdorfer endlich Planungssicherheit hat. Nach etlichen Verhandlungen hat sich Klaus Michael Kühne jetzt bereit erklärt, dem mit 100 Millionen Euro verschuldeten HSV knapp 20 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen – für Neue. Und es ist bislang allein die Zusage Kühnes, die beim HSV das Personalkarussell ordentlich in Schwung bringt. Neben dem Mainzer Müller sollen noch Linksverteidiger Matthias Otsrzolek aus Augsburg sowie ein gestandener Innenverteidiger kommen. Anfang kommender Woche soll das Options-Modell (Kühne soll seine Einlage zu einem späteren Zeitpunkt in Vereinsanteile umwandeln können) unterschrieben werden. Bis dahin will Beiersdorfer neben Behrami auch gern den Mainzer Offensiven Nicolai Müller verpflichtet haben.

Ebenfalls in aller Ruhe. Zitate von Beiersdorfer dahingehend? Null. Er redet nicht – er macht einfach. Und das, was ihm viele in anderen Fällen negativ auszulegen versuchten, ist gut so. Immerhin hat es dem HSV einen Typen beschert, den ich mir und viele von Euch sich ewig zum HSV gewünscht hatten: einen so genannten harten Hund, um nicht übler klingend Begriffe zu benutzen. „Er ist verrückt auf dem Platz“, weiß Johan Djourou, der Behrami als seinen besten Freund im Schweizer Nationalteam sieht. Der HSV-Verteidiger kennt den neuen HSV-Star: „Er hat immer das Visier oben und gibt nicht auf. Ein toller Charakter. Behrami kann und will Niederlagen nicht hinnehmen. Der fightet bis zum Umfallen, ist sehr, sehr aggressiv. Egal ob im Spiel oder im Training. Das braucht eine gute Mannschaft. Und er hat viel Erfahrung.“ Ausreichend, um trotz der harten Gangart Roten Karten aus dem Weg zu gehen? „Er ist immer nur einen Millimeter vor den Verwarnungen“, sagt Djourou und führt Daumen und Zeigefinger symbolisch nah zusammen und lacht dabei: „Aber er kommt meistens heil durch. Auch, wenn man ihn manchmal beruhigen muss.“ Eine Rote und eine Gelbrote in 255 Profispielen untermauern das sicher…

Sportlich kommt noch eine Menge Qualität dazu. „ Er ist sehr, sehr gut am Ball, macht fast nie Fehler. Er spielt einfache, klare Bälle und ist extrem wichtig für unser Mittelfeld bei der WM gewesen“, lobt Djourou. „Ich glaube, er ist ein Spieler, der jede Mannschaft besser macht.“

Den HSV auf jeden Fall.

Am allermeisten freuen wird das sicherlich Trainer Mirko Slomka. Der ackert im Trainingslager in Österreich mit der Mannschaft so intensiv, wie ich es seit Jahren nicht mehr miterleben durfte. Mängel werden akribisch angegangen, körperliche Defizite aufgearbeitet. Und alle ziehen voll mit. Die Stimmung ist trotz grenzwertiger körperlicher Belastungen rundum gut. Selbst bei den Spielern, deren Zukunft noch offen ist. Denn klar ist auch, wo Neue kommen, müssen alte gehen. Auch das gehört zu dem Personalkarussell, das sich beim HSV jetzt erst richtig in Gang setzt.

Im zentral-defensiven Mittelfeld könnte das theoretisch leicht sein. Per Skjelbred würde gern bei Hertha BSC spielen, die Berliner wollen ihn – und der HSV hat auf der Position des Norwegers einen personellen Überhang. Allerdings würde ich Skjelbred nicht abgeben, wenn alles so kommt, wie der HSV es erwartet. Denn dann würde Hertha erst am letzten Tag der Transferperiode kommen und „Kleines“ anbieten. Doch dafür ist Skjelbred, der bislang einen sehr guten Eindruck macht, schlichtweg zu schade.

Ebenfalls möglich ist ein Verkauf von Milan Badelj, der sicherlich etwas mehr Geld bringen würde als Skjelbred – wenn es denn Interessenten gibt. Bislang hat sich diesbezüglich niemand beim HSV gemeldet. Allerdings läuft der Vertrag des Kroaten nur noch ein Jahr und er wäre 2015 ablösefrei. Die letzte Chance, Geld für ihn zu bekommen wäre dann im Winter. Oder eben jetzt. Und das sage ich als bekennender Fan der technischen Fähigkeiten Badeljs. Ich glaube, dass Badelj neben einem echten Abräumer für den HSV noch deutlich wertvoller als zuletzt würde. Aber der HSV muss wirtschaftlich denken. Und da kann er einen Verkauf schlichtweg nicht mehr ausschließen. Zumal Badelj, Arslan und auch der in der Vorbereitung auffällige Kerem Demirbay zu ähnliche Spielertypen sind.

In der Innenverteidigung ist das ähnlich. Auch wenn es hier jemanden noch härter treffen könnte. Denn Heiko Westermann, der bislang fast jedes Spiel für den HSV auf dem Platz stand, steht wie viele andere auch zur Disposition. „Aber genau das wollen wir doch“, lobt selbiger, „wir wollen Konkurrenzkampf auf hohem Niveau. Das ist für die Mannschaft gut – und es macht jeden einzelnen Spieler stärker.“

Harmonie trotz Leistungsdruck – das gab es lange nicht. Wie auch, es fehlte die Leistung…

Aber es muss auch klar sein, dass es nicht immer so weitergehen wird. Im Gegenteil, es wird sicherlich auch noch kleinere Unruhen geben, wie zuletzt bei Rafael van der Vaart, dem Interesse aus England nachgesagt wird. Sein ehemaliger Tottenham-Coach Redknapp soll den Linksfuß zu den Queens Park Rangers (Aufsteiger in die Premier League) lotsen wollen und lässt dafür kein öffentliches Statement aus. Ganz im Gegensatz zu van der Vaart, der noch ruhig ist. Der Niederländer würde gern in Hamburg bleiben, hat aber von Beiersdorfer und Co. noch keine klare Ansage. Aber auch hier zieht die Trumpfkarte Beiersdorfer. „Ich kenne ihn, er ist ehrlich, er ist gut. Hier wird einiges passieren. Und da wäre ich gern dabei.“ Weil der HSV wieder Spaß macht. Spielern, Offiziellen – und endlich auch wieder den Fans. Es wird dauern – aber der allseits erhoffte Beiersdorfer-Effekt zeigt seine (positive) Wirkung.

Am Freitagmorgen soll Behrami nach bestandenem Test unterschreiben. Anschließend geht’s per Flieger zusammen mit Beiersdorfer und dem neuen Nachwuchschef Bernhard Peters nach Österreich ins Trainingslager. Ich hoffe, dass wir morgen Gelegenheit haben werden, uns mit den Dreien zu unterhalten. Und noch mehr hoffe ich, dass es schon sehr bald weitere Neue gibt. Wobei ich zugeben muss, dass ich Geduld habe. Weil auch ich auf Beiersdorfers Fähigkeiten vertraue. Der Behrami-Deal hat’s nur noch einmal bewiesen…

 

Und dann noch ein paar gute News: Maxi Beister ist zurück auf dem Platz. der Rechtsfuß absolvierte  seine erste Einheit mit Ball und war anschließend extrem gut drauf: “Der nächste Meilenstein ist erreicht. Es geht voran.”

Fussball Fussball

Wieder am Ball: Maxi Beister

Wieder am Ball: Maxi Beister

 

 

Selbiges gilt für Pierre-Michel Lasogga, der zusammen mit der Fitnessabteilung des HSV arbeitete und zum Abschluss ein Fußball-Tennis-Spiel gegen Fitnesscoach Vidovic spielte. Das Ergebnis lasse ich hier aus…

Endlich wieder auf dem Platz: Pierre-Michel Lasogga

Endlich wieder auf dem Platz: Pierre-Michel Lasogga

 

In diesem Sinne, falls heute noch etwas passiert, ergänze ich den Blog selbstredend. Ansonsten wünsche ich Euch einen schönen Abend und mir eine etwas ruhigere, längere Nacht als gestern. So erfreulich die Unterbrechung der Nachtruhe auch war… ;-)

 

Scholle

http://www.sky.de/web/cms/de/videos-bundesliga.jsp?bctid=3706166334001

 

P.S.: Er hat nur Gutes verdient: Tomas Rincon. Umso schöner, dass der Venezolaner einen neuen Klub gefunden und für vier Jahre beim CFC Genua unterschrieben hat. Alles Gute, Tomas!

P.P.S.: In kürzester Zeit hat der HSV alle 5000 Auswärtstickets für das Köln-Spiel abgesetzt. Und wo wir uns schon über positive Veränderungen freuen, noch eine aus meiner Sicht sehr erfreulich Nachricht. Der Supporters Club will sich nicht in Gänze gegen die AG aussprechen und sucht den Dialog. Und das unterstütze ich an dieser Stelle nur zu gern. Aber lest selbst, was „HSVSCHNICKSCHNACK“ schreibt:

Wie geht es im Supporters Club weiter?“ ist das Kernthema unserer ersten Ausgabe – und hierzu hat uns ein Aufruf von Dirk Mansen, Timo Horn, Joachim Eybe, Axel Formeseyn und Nils Kühlwein erreicht, die sich um eine Neuordnung und Neuausrichtung des Supporters Clubs bemühen.

Nachdem am Sonntag ein erstes Treffen mit ca. 20 Fans aller Couleur (Fanclubvertreter, Regionalbetreuer, Allesfahrer, Reformer, Plusser – auch ohne Interesse an Vereinspolitik) stattgefunden hatte, sollen alle Mitglieder die Möglichkeit haben, den aktuellen Stand der Bemühungen und die Überlegungen zum Neuaufbau zu erfahren, mit zu diskutieren, ihre Bedenken oder Anregungen zu äußern oder sich einfach nur von der positiven Stimmung anstecken zu lassen.

Dazu findet am 06.08. um 19.00 Uhr ein weiteres Treffen statt, dieses Mal im Fanhaus an der Stresemannstrasse. Die Initiatoren würden sich über regen Zuspruch freuen. Lasst das Lagerdenken zu Hause und kommt aufgeschlossen und interessiert auf ein Bier (oder ein stilles Wasser) vorbei!

 

 

 

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