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Knäbel: “HSV soll wieder das Hoch im Norden sein”

1. Oktober 2014

Überpünktlich waren sie. Um 14.59 Uhr, also eine Minute vor dem Plan, betraten Mediendirektor Jörn Wolf und Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer den Pressekonferenz-Raum der Imtech-Aren – mit dem Akteur des Tages im Schlepptau: Peter Knäbel. Von den Fotografen angefeuert posierten Beiersdorfer und Knäbel gemeinsam für ein Foto, während die dritte Säule des neuen sportlichen Dreigestirns unentdeckt an allen Fotografen vorbeihuschte und sich unter die Journalisten mischte: Bernhard Peters. „Ich glaub’ eher, das war’s jetzt“, ließ Beiersdorfer einen Fragenden („Wer wird nächste Woche präsentiert?“) noch wissen, ehe sich allesamt setzten und die PK begann.

Hat einen guten Blick für Talente und Missstände: der neue Direktor Profifußball, Peter Knäbel

Hat einen guten Blick für Talente und Missstände: der neue Direktor Profifußball, Peter Knäbel

 

Von selbiger werde ich heute in Schriftform nicht allzu viel berichten, da Ihr Euch das Video der gesamten PK hier im Blog ja anschauen könnt. Allerdings wollte ich noch loswerden, das Knäbel bei mir genau den Eindruck hinterlassen hat, den ich erwartet hatte: sympathisch und kompetent. Dass diese Qualitäten beim HSV erkannt wurden, ist allerdings nicht allein Beiersdorfer zuzuschreiben. Das verriet Knäbel mal eben so nebenbei. „Es war schon immer eine Art Fernbeziehung“, so der neue Direktor Profifußball, „schon zu Zeiten Bernd Hoffmanns, Frank Arnesens und Oliver Kreuzers gab es immer wieder mal Möglichkeiten.“ Allerdings sei erst jetzt – auch wegen der Personalie Peters, die Knäbel in den höchsten Tönen lobte – der Zeitpunkt gekommen, wirklich wieder zurück „in die schönste Stadt“, so Knäbel, zu wechseln. Links der A7 wolle er sich ein neues Zuhause suchen, denn er hat vor lange zu bleiben und umgeht so den zu erwartenden Dauerstau beim Deckelbau bis 2022.

Der ehemalige St.-Pauli-Profi ist das letzte Mosaiksteinchen in der Neuausrichtung des HSV, die mir persönlich Spaß macht. „Von Anfang an hatte ich dieses Dreigestirn geplant, hatte nach meinem ersten Kontakt zum HSV Bernhardt und Peter direkt als erste angesprochen“, so Beiersdorfer überglücklich. Dass er lange um Knäbel kämpfen musste hatte verschiedene Gründe. Auch einen, der mir besonders sympathisch war: Knäbel wollte sich bei seinem alten Arbeitgeber, dem Schweizer Fußballverband, mit Anstand verabschieden. Er wollte nicht gehen, ehe er seine „Weltstandsanalyse“ abgeschlossen hatte. Sol heißen: Knäbel analysierte noch den Stand des Schweizer Fußballs gegenüber dem Rest der Welt zu Ende – immerhin war das einst seine Mission, als er angetreten war. Damals wollte er die Schweiz in die Weltspitze führen. Und das ist gelungen. Aktuell rangiert die Schweiz auf Rang zehn in der Weltrangliste.

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Knäbel hat sein Werk in der Schweiz vollbracht und wollte raus aus der Komfortzone. Etwas Neues soll beginnen – und wer passt da besser als der (einst so) große HSV, der alles neu will. “Er wolle den HSV wieder zum “Hoch im Norden” machen. Eine große Aufgabe, entsprechend aufgeräumt wirkte Knäbel auch. Nicht polternd und demütig seiner Aufgabe gegenüber. Dabei vermittelte er definitiv den Eindruck, als habe er schon Lösungsansätze. Wobei, und damit wären wir wieder beim Dauerthema der letzten Wochen: Alles mit seiner Zeit. Auch Knäbel sagte, dass hier auf lange Sicht etwas entsehen kann, wenn die nötige Rihe dafür aufgebracht wird. Das Beispiel mit den tausend Puzzle-Teilchen, die zusammengesetzt werden müssen – sehr passend. Wobei ich in diesem Sinnbild gesprochen finde, dass der HSV zumindest die Eckstücke schon einmal gefunden hat und damit eine Basis vorhanden ist, die so vielversprechend ist wie lange nicht mehr.

Aber schaut Eich das Interview an und urteilt selbst – fürs Erste. Denn inhaltlich ist Knäbel an dieser Mannschaft sicher nicht zu messen. Obgleich der einstige Edeltechniker den Eindruck vermittelt, ganz nah dran zu sein. Als Außenseiter mit Insiderkenntnissen präsentierte er sich heute. Und das, nachdem er zur Mannschaft gesprochen und bevor er zu selbiger zum Training ging. „Ich werde mir alles ansehen und muss eigentlich eher die richtigen Fragen finden, als Antworten.“ Soll heißen: Knäbel will das aktuelle Team, dass er „defensiv stabil und leidenschaftlich“ gesehen hatte bis ins Kleinste durchanalysieren. Er wird viele Gespräche mit Spieler, Betreuern und den Trainern führen. Schon am Sonnabend sitzt er zudem auf der Trainerbank, um so nah dran zu sein. Tipps während des Spiels werde es allerdings eher nicht geben, dafür seien andere da.

Das neue "Dreigestirn" des HSV: Knäbel, Beiersdorfer und Peters (v.l)

Das neue “Dreigestirn” des HSV: Knäbel, Beiersdorfer und Peters (v.l)

Genau genommen nämlich das Trainerteam Zinnbauer/Rahmen, das sich heute über einen vollen Kader freuen durfte. Marcell Jansen und auch Rafael van der Vaart mischten wieder voll mit und hinterließen gute Eindrücke. Dennoch glaube ich nicht, dass Jansen in Dortmund als Linksverteidiger ran muss. Dafür hinterließ Ostrzolek in den letzten Spielen zu gute Eindrücke – mit aufsteigender Tendenz. Nein, Jansen könnte indes eine Alternative für Zoltan Stieber sein.

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Klarer scheint dagegen die Rolle van der Vaarts. Der Niederländer wurde heute gleich als zentraler Anspielpunkt in den verschiedenen Spielformen festgelegt und durfte schalten und walten, wie ihm beliebte. Und er machte das gut. Immer wieder öffneten seine Pässe Räume – obgleich seine Torabschlüsse definitiv ausbaufähig sind. Dennoch wirkte van der Vaart als beruhigender Ideen-Pol in einer Mannschaft, die zuletzt extrem engagiert aber oft auch übereifrig und unkreativ wirkte. Von daher gehe ich ganz fest davon aus, dass der Kapitän am Sonnabend in Dortmund spielen wird.

Dafür empfehlen konnte sich heute auch Artjoms Rudnevs. Der Lette erzielte beide Treffer beim 2:0-Sieg der B-Elf im heutigen Training. Und obgleich er wieder unerklärliche Fehlpässe und technische Stockfehler zeigte, war Rudnevs der torgefährlichste Spieler auf dem Platz. Bleibt zu hoffen, dass entweder a) Lasogga knipst und macht ein so überragendes Spiel macht, dass er nicht ausgewechselt werden kann oder b) Rudnevs mal etwas früher eingewechselt wird oder gar c) Lasogga und Rudnevs zusammen spielen. Wobei die letztgenannte Variante arg offensiv wäre (Drobny – Westermann (Diekmeier), Djourou, Cleber, Ostrzolek – Behrami – Müller, van der Vaart, Holtby – Lasogga, Rudnevs), weshalb ich sie ehrlich gesagt für ziemlich unwahrscheinlich halte.

Sicher ist hingegen, dass wir am Sonnabend zum einen wieder eine Matz-ab-Sendung nach Spielschluss zeigen werden und wir dafür extrem interessante Gäste haben: Tim Oliver „Timo“ Horn sowie Martin Oetjens, die neuen Hoffnungsträger der Abteilung Supporters. Horn wurde just zum Vorsitzenden und Otejens zum Stellvertretenden Vorsitzenden der Abteilung Supporters gewählt. Wir werden die Gelegenheit nutzen, sie Euch ausführlich vorzustellen und mit ihnen neben dem Spiel auch über ihre Visionen und unmittelbaren Vorhaben zu sprechen.

Morgen wird übrigens wieder um 15 Uhr an der Arena trainiert. Und ich würde wetten, das geschieht mit Peter Knäbel als Zuschauer. Ganz sicher aber mit mir. Bis morgen!

Scholle

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