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0:3 – Ex-HSVer Ben-Hatira erschießt HSV!

25. Oktober 2014

So schnell schießen die Preußen eben doch nicht. Der HSV ist wieder auf dem Boden der harten Realität gelandet und wird in nächster Zukunft wieder nur, und absolut nur nach unten die Blicke richten. Nach der 0:3-Klatsche bei Hertha BSC müssen sich alle Spieler hinterfragen, ob sie mit der richtigen Einstellung dabei waren, denn die Niederlage wurde durch einen Konter der Berliner eingeleitet, als der HSV total aufgerückt war und auf das erste Tor drückte. Das war amateurhaft. Ausgerechnet der ehemalige HSV-Profi Änis Ben-Hatira schoss zwei Tore und leistete für das 2:0 die Vorarbeit. Nun müssen die Wunden geleckt werden, und zwar schnell, denn am Mittwoch kommen die Bayern zum Pokal in den Volkspark, und am Sonnabend wird es nicht leichter, denn dann geht es gegen Bayer Leverkusen. Da heißt es sich warm anziehen, das wird ein ganz, ganz harter Winter. Aber wir müssen da alle durch. Alle. Kopf hoch. Das Leben geht weiter, wenn auch im Moment nicht sonderlich schön.

 


 

Spielt Lewis Holtby? Ist Matthias Ostrzolek draußen? Kommt Marcell Jansen von Beginn an zum Zuge? Das waren die Fragen vor dem Anpfiff, die die Fans bewegten. Und Trainer Joe Zinnbauer hatte sich lange nicht in die Karten schauen lassen, erst kurz vor dem Anpfiff sickerte durch: Holtbay sitz nur auf der Bank. Das kam für uns schon etwas überraschend, muss ich zugeben, aber der Coach hat sich ganz sicher etwas dabei gedacht. Und wohl in erster Linie auf Erfahrung in diesem Auswärtsspiel gesetzt, denn auch Jansen war dabei – wie schon beim 1:0-Sieg in Dortmund.

 

Dass das Match im Olympiastadion kein leichtes werden würde, das war schon klar. Zu oft ist der HSV mit großen und größten Hoffnungen in Berlin zu Gast, und kam dann doch mit leeren Händen zurück in die Hansestadt. Es werden sich einige daran erinnern können . . . Diesmal begann der HSV, wie schon so oft in der jüngeren Vergangenheit, im Stile einer Heim-Mannschaft und bestimmte das Geschehen. Nur Torchancen gab es keine, spätestens am Hertha-Strafraum war Ende mit den offensiven Versuchen des HSV. Obwohl, das soll keine Kritik an Pierre-Michel Lasogga sein, der frühere Herthaner mühte sich, lief viel, hielt einige Male klug den Ball, verteilte ihn auch gut – das konnte sich sehenlassen; unter den Augen von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw. Ob der in erster Linie für Lasogga in die Hauptstadt gekommen war? Oder auch für Nicolai Müller, Jansen, Ostrzolek? Oder sogar für Heiko Westermann? Einen Berliner kann der Bundes-Jogi doch nicht im Sinn gehabt haben, oder? Nein, nein, es ging um einen Hamburger. Für die spielten ja immerhin drei Herthaner mal im Trikot mit der Raute: Änis Ben-Hatira, Peer-Ciljan Skjelbred und der zunächst auf der Bank kauernde Marcel Ndjeng.

 

So richtig aufregend wurde es erstmalig in diesem Spiel in der 17. Minute. Bei einem hohen Ball in den HSV-Strafraum hinein sprang der bullige Berliner Abwehrchef Heitinga HSV-Keeper Jaroslav Drobny ganz böse an. Das war in meinen Augen ein schlimmes Foul, Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) aber zog nichts, nicht mal mit den Achseln. In meinen Augen eine klare Gelbe Karte. Und wie Drobny einen solchen Anschlag „überlebt“ und wegsteckt, dafür habe ich keine Erklärung. Der Mann muss aus Eisen sein. Kurze Pflege, einmal schnell geschüttelt – und dann ging es weiter. Und drei Minuten später foulte Skjelbred gegen Tolgay Arslan, indem er „drüber“ hielt. Kein Gelb!

 

Dann wurde es sportlich. Ben-Hatira bediente seinen Stürmer Kalou, der plötzlich halblinks frei vor Drobny aufkreuzte, der HSV-Schlussmann aber kam blitzschnell aus dem Tor, verkürzte den Winkel und hielt per Fußabwehr (22.). Fast im Gegenzug die erste HSV-Möglichkeit. Rechtsflanke von Arslan (seine beste Szene!), am langen Pfosten legte Jansen per Kopf zurück zu Ostrzolek, doch der Linksverteidiger schoss aus 13 Metern hoch und weit über das Berliner Tor. Das Tempo blieb danach hoch in diesem Spiel, es ging hin und her – in dieser Art und Weise hätte der HSV vor Wochen sicherlich nicht dagegenhalten können. Nun kann er es, und er steht auch in der Defensive viel sicherer, weil alle im Team jetzt auch defensiv denken – und mitmachen. Hinten rechts übrigens machte der junge Ashton Götz sein erstes Bundesliga-Spiel von Beginn an, und das machte er meistens auch gut. Er konnte die Gegenspieler (oft Ben-Hatira) zwar nie hundertprozentig neutralisieren, aber er „mischte“ trotz allem prächtig mit. Der Junge, der die Rückennummer 39 trug, kann etwas! Auch wenn in der zweiten Halbzeit ein wenig die Kräfte schwanden . . .

 

Zum zweiten Durchgang kam Lewis Holtby für Arslan, und der HSV kam auch. Jansen bringt den Ball flach zur Mitte, Müller kommt nicht ran – im Rückraum wäre Rafael van der Vaart vollkommen frei und sicher die bessere Option gewesen (55.). Danach stempelte der frühere HSV-Spieler Ndjeng mit einem Weitschuss die Querlatte (58.), bevor es turbulent wurde. Die 59. Minute bringt jeden HSV-Fan an den Rande des Wahnsinns: Erst steht Jansen halblinks frei vor dem Hertha-Gehäuse, doch er zögert einen Tick zu lange – Keeper Kraft stürzt raus und hält den Ball. Im Gegenzug dann machen es die Berliner besser: Die gesamte HSV-Defensive unsortiert, fast alle „turnten“ vorne herum – und der Konter läuft. Ben-Hatira ist die letzte Station, er umkurvt den „zurückfliegenden“ Valon Behrami und schlenzt den Ball klug und überlegt ins lange Eck – unhaltbar für Drobny. Der Anfang vom Ende.

 

Die Vorentscheidung dann in der 65. Minute. Eckstoß von Ben-Hatira, Kopfballduell, am langen Pfosten lauerte der Herthaner Hosogai und lenkt die Kugel an das Torgestänge, auf der Linie steht Heitinga und vollendet. Ganz, ganz bitter! Joe Zinnbauer bringt noch vor dem Wiederanstoß Julian Green für van der Vaart – aber es nützt nichts mehr. Der HSV ist bemüht, aber ohne die rechte Durchschlagskraft. Auch der überraschende Wechsel in der 74. Minute brachte daran keine Änderung – Zinnbauer brachte Valmir Nafiu (!) für Lasogga, der in der zweiten Halbzeit kaum noch in Erscheinung getreten war. Ein bemerkenswerter Wechsel aber in jedem Fall, doch Nafiu hatte im Abschlusstraining noch zwei Tore zum 3:0-Sieg der Reservisten gegen den Stamm erzielt.

 

 

Der HSV spielte mit: Drobny; Götz, Djourou, Westermann, Ostrzolek; Arslan (46. Holtby), Behrami; Müller, van der Vaart (65. Green), Jansen; Lasogga (74. Nafiu).

 

Die Einzelkritik:

 

Jaroslav Drobny hielt wie immer gut, an den Toren aber gab es nichts zu halten.

 

Ashton Götz begann abgeklärt, ruhig und sicher, aber mit zunehmender Spieldauer ließ er ein wenig nach – aber an ihm lag es gewiss nicht, dass der HSV verlor. Das müssen sich schon die „älteren Herrschaften“ ankreiden lassen. Legte in der 85. Minute den Ball vor, der zum 3:0 für die Hertha führte.

 

Johan Djourou stand lange Zeit sicher, dann stürmte er, fehlte hinten – und der Schuss ging in den Ofen. Leider, leider. Ein wenig zu viel riskiert, statt auf die Null zu setzen.

 

Heiko Westermann räumte lange Zeit gut auf, Mitte der zweiten Halbzeit schien er ein wenig zu resignieren (gibt es das bei ihm überhaupt?), auf jeden Fall aber war er leicht angeschlagen. Auch er fehlte hinten beim 0:1 – da fehlten nicht nur alle, da fehlte vor allem die Abstimmung in der Defensive.

 

Matthias Ostrzolek verlangt mehr von sich, wie er nach dem Spiel gegen Hoffenheim zugab, diesmal könnte er sich wiederholen. Da muss mehr kommen, ganz klar. Berlin wird er nicht in guter Erinnerung behalten, das war irgendwie ein gebrauchter Tag, der ihm da angedreht worden war.

 

Tolgay Arslan fand nie so richtig ins und zu seinem Spiel. Spielte einige Mal unsauber, lief auch oft hinter dem Ball und dem Gegenspieler hinterher.

 

Valon Behrami rieb sich in unzähligen Duellen auf, dirigierte, wollte mitreißen – es blieb beim Versuch, weil er diesmal auf zu wenig Gegenliebe (Qualität im Team?) stieß.

 

Nicolai Müller tauchte einige Male auf, aber die meiste Zeit eben auch ab.

 

Rafael van der Vaart war sicher sehr bemüht, lief unheimlich viel, aber diesem Spiel konnte er keine Klasse verleihen, er muss erst wieder noch in Form kommen.

 

Marcell Jansen spielte solide mit, aber mehr auch nicht. Note vier.

 

Pierre-Michel Lasogga war auf Besuch bei seiner „alten Dame Hertha“ und sollte, so hatte es der HSV-Anhang erwartet und erhofft, den HSV zum Sieg schießen. Es blieb bei dem Schuss Hoffnung, obwohl Lasogga mindestens eine sehr gute erste Halbzeit hinlegte – aber ohne Abschluss. Zweite Halbzeit war er dann nicht mehr zu sehen. Ob ihn die Pfiffe der Hertha-Frösche zermürbten?

 

Lewis Holtby (ab 46. Min. für Arslan) kam zur Pause rein, war bemüht, auch aktiver als sein berühmter Nebenmann (van der Vaart), aber er konnte nichts mehr inszenieren, da viele neben ihm schon abgetaucht waren.

 
Julian Green (ab 65. Min. für van der Vaart) wollte noch, konnte aber nicht mehr, da kaum noch einer so richtig wollte – oder konnte.

 

Valmir Nafiu (ab 74. Min. für Lasogga) kam zu spät, als dass er noch etwas hätte bewirken können. Immerhin aber kam er einmal.

 

PS: Wir sind gleich wieder mit „Matz ab live“ aus dem Restaurant „Champs“ (Schnelsen/Burgwedel) auf Sendung, wir sprechen dann natürlich über das Spiel in Berlin. „Scholle“ und ich haben wieder zwei Gäste bei uns, es sind diesmal Maximilian Beister und HSV-Talent Gideon Jung. Wäre toll, wenn Ihr wieder so zahlreich einschalten würdet wie zuletzt.

 

PSPS: Am kommenden Freitag (31. Oktober) findet im HSV-Restaurant „Anno 1887“ (Leistungszentrum Ochsenzoll, Ulzburger Straße, Norderstedt) unser Matz-ab-Treffen statt, Beginn 19 Uhr. Mitzubringen wären an diesem Abend (vor dem Leverkusen-Spiel) gute oder auch beste Laune, denn es soll ein Treffen unter Freunden werden. Und keine Mitgliederversammlung!

 

17.30 Uhr

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