Archiv für das Tag 'van der Vaart'

Slomkas “Woche des Willens” hat begonnen

29. Juli 2014

+++Anmerkung: Auch heute wurde wieder bis nach 19 Uhr trainiert. Ich wollte Euch alles bebildert reinstellen, aber leider waren die Fotos bis jetzt noch nicht verfügbar. Ich werde sie aber nachreichen, sobald sie da sind****

Diese Tage werden gefüllt von Spekulationen. Immer wieder neue Namen und alte werden aufgewärmt. Denn: Der HSV hat seine Handlungsfähigkeit erlangt. Dank der bevorstehenden Zahlung von Klaus Michael Kühne. Der Wahlschweizer hat dem HSV einen Betrag von etwas weniger als 20 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Im Gegenzug soll er eine Option auf Umwandlung der Zahlung in Vereinsanteile erhalten. Sobald der Verein bewertet wurde. Und Und das soll in einem Jahr passieren. Soll heißen: Der HSV hat Zeit, seinen Vereinswert zu steigern. Das geschieht mit neuen Spielern – aber noch mehr mit guten Leistungen und Erfolgen. „Aber wir sind weit davon entfernt, irgendwelche großen Ziele zu formulieren“, sagt Trainer Mirko Slomka, „wir müssen hier im Trainingslager wie auch in den nächsten Wochen zunächst einmal die Basis schaffen, um Leistung zu ermöglichen.“

Und zumindest das wird mit aller Ernsthaftigkeit betrieben. Nach dem Lauftrainingslager in Flensburg, den harten Einheiten in Hamburg, einem mäßig intensiven aber reisetechnisch anstrengenden China-Trip folgen acht Tage Österreich, die es in sich haben werden. Und bereits in sich hatten. Nach der ersten Einheit am Montagabend, die so intensiv und gut war, dass Slomka sie immer wieder um noch ein Spielchen verlängerte. „Das war richtig gut“, sagt Heiko Westermann, „auch wenn mir die Beine jetzt schon wehtun, wir wussten, dass es eine harte Woche würde und waren darauf vorbereitet.“

Die „Woche des Willens“ hatte Slomka ausgerufen, und damit nicht z8u viel versprochen. Heute bekamen die Spieler ihre Westen mit GPS-System angelegt.

Das Messgeraet fuer die GPS-Auswertungen der Westen

Das Messgeraet fuer die GPS-Auswertungen der Westen

Ein Adidas-Mitarbeiter legt Valmir Nafiu seine GPS-Weste an

Ein Adidas-Mitarbeiter legt Valmir Nafiu seine GPS-Weste an

Damit kann der extra mit ins Trainingslager gereiste Leistungsdiagnostiker Matthias Hoppe (Uni Wuppertal) alle Laufwege und Laufintensitäten der Spieler kontrollieren. „So sehe ich zum Beispiel, welcher Sechser wie viel gelaufen ist und wie viele Meter davon in welchen Tempo absolviert hat“, sagt Slomka, der kein Geheimnis daraus macht, dass die Spieler noch etwas leiden müssen. „Wir werden alle bis an ihre Leistungsgrenzen bringen. Und darüber hinaus gehen“, so Slomka, „das ist sicher.“

Völlig platt: Jansen, Diekmeier, Westermann

Fussball Völlig platt: Jansen, Diekmeier, Westermann

 

Jonathan Tah ist am Ende mit seinen körperlichen Kräften. Und er ist damit keine Ausnahme.

Jonathan Tah ist am Ende mit seinen körperlichen Kräften. Und er ist damit keine Ausnahme.

Und damit begann er heute schon. 18 Durchgänge á 4×50 Meter in jeweils 9 Sekunden für die 50 Meter-Strecken wurden absolviert. Hammerhart. Und das sage ich als Fußballer. Jeder von Euch, der einmal eine derartige konzentrierte Laufeinheit im Anschluss an ein ebenfalls intensives Abschlussspiel gemacht hat, weiß, dass das einen umhaut. Im wahrsten Sinne. Auch Westermann und Co. nutzten die kurzen Laufpausen zwischen den Durchgängen im Liegen. Aber, und das muss man festhalten: Diese Mannschaft ist auf einem bereits jetzt sehr guten körperlichen Level. Das ist überdeutlich. Es liegen im Vergleich zum letztjährigen Trainingslager in Österreich (damals unter Fink) tatsächlich Welten. Und das ist gut so.

Die Qualen sind ihm ins Gesicht geschrieben: Dennis Diekmeier in einer der wenigen Pausen

Die Qualen sind ihm ins Gesicht geschrieben: Dennis Diekmeier in einer der wenigen Pausen

Einer, der das wollte, ist nach eigenen Angaben Gojko Kacar – bisher einer der Gewinner dieser langen Vorbereitung. „Ich habe dem Trainer am Anfang im ersten Gespräch nach meiner Rückkehr gesagt, dass ich mehr Training brauche, um wieder auf Bundesliga-Niveau zu kommen. Und ich glaube, das hat er falsch verstanden…“, sagt Kacar und lacht dabei. Der Serbe ist wieder gut drauf. An sich immer etwas in sich gekehrt, wirkt der rechtsfuß im Training aggressiv, motiviert – und vor allem: akzeptiert. „Als ich in die zweite Mannschaft abgeschoben und ausgemustert wurde, war das sehr hart für mich, weil ich immer für den HSV spielen wollte. Umso mehr habe ich gefreut, als ich plötzlich wieder in der Imtech-Arena für den HSV auflaufen durfte. Damit hatte ich nicht mehr gerechnet…“

„Schuld“ daran ist Mirko Slomka, der Kacar zu seiner Zeit als Hannover-Trainer bereits holen wollte. „Ich hatte gleich am ersten trainingstag ein langes Gespräch mit ihm. Er hat mir gesagt, dass er mich früher schon haben wollte und dass er mich behalten will.“ Ein Wechsel ist somit ausgeschlossen? Kacar zögert. Sagt dann aber klar: „Definitiv. Ich bleibe beim HSV. Das ist mein Verein.“

Seine Position hat er auch gefunden. Obwohl Trainer Slomka ihn variabel behalten möchte. „Der Trainer hat zu mir gesagt, dass er mich auf der Sechs und hinten ausprobieren will. Und jetzt habe ich zuletzt immer wieder in der Innenverteidigung gespielt“, sagt Kacar, der sich hinten wohlfühlt. Trotz der großen Konkurrenz. Aktuell stehen mit Johan Djourou, Heiko Westermann, Jonathan Tah, ihm und dem hoffentlich bald wieder genesenen Slobodan Rajkovic fünf nominelle Innenverteidiger im Kader – ein sechster wird gesucht. „Das ist nur gut. Die Konkurrenz macht uns stärker. Keiner hat mehr Pause, alle müssen immer alles geben. Das macht mich stärker. Ich freue mich darüber“, sagt Kacar.

Der Serbe, den ich als eher introvertierten Typen in den letzten Jahren habe kennenlernen dürfen, ist gereift. Und das ist nicht nur so dahergesagt, sondern tatsächlich so. Nach dem zweitschlimmsten Erlebnis seiner Karriere (schlimmer als die Aussortierung war sein Beinbruch, sagt er) folgte in Japan seine Rehabilitation. „Der Trainer ist ein Serbe und hat mich angerufen, als er las, dass ich nur in der Zweiten des HSV spielen durfte. Er hat mich überredet – und mir damit einen gefallen getan. Ich hatte tolle dreieinhalb Monate in Japan, habe tolle Menschen kennengelernt. Als ich wieder nach Hamburg gegangen bin, haben sie ein Plakat auf serbisch verfasst mit dem Text: ‚Gojk, bleib bei uns’. Das hat mich sehr gefreut. Ich habe in Japan Spielpraxis gesammelt – aber vor allem wieder Spaß am Fußball gefunden. Allein dafür war der Wechsel schon wichtig. Ich bin heute stärker denn je.“

Und müde. Denn auch an Kacar gehen die harten Einheiten nicht spurlos vorbei. „Ich bin schon etwas müde. Vom Kopf und vom Körper her. Aber ich weiß, dass es mir guttut, dass ich es brauche. Niemand mag es, so viel zu laufen. Aber danach fühlen sich alle besser. Es ist wichtig zu wissen, dass man sich optimal vorbereitet hat. Und wir wissen das.“ Dafür nimmt man auch mal eine Rekordvorbereitung von mehr als acht Wochen in Kauf. „Das ist die mit Abstand längste Vorbereitung meiner gesamten Karriere“, sagt Kacar, der trotzdem zum Scherzen aufgelegt ist: „Ich liege jetzt schon zum dritten Mal in einer Vorbereitung Nacht für Nacht mit Ivo Ilicevic auf einem Zimmer. Das ist hart.“

Ob demnächst neue Zimmernachbarn dazukommen ist noch unklar. Obwohl es so gut wie sicher ist. „Natürlich will jeder Trainer schnell seinen Kader zusammenhaben“, sagt Slomka, der die Wahl des Mannschaftsrates aufs Wochenende gelegt hat, um etwaigen neuen die Möglichkeit zu geben, an der Wahl, aus deren Mitte Slomka letztlich seinen Kapitän bestimmt, teilzunehmen. Ob Dietmar Beiersdorfer am Mittwoch bereits den ersten Neuen mitbringt? „Ich weiß es nicht. Wir haben vorher gut gearbeitet, viele gute Gespräche geführt und ich hoffe, dass wir jetzt schnell zum Abschluss kommen. Aber zeitgleich bringt es gar nichts, wenn ich jetzt hier den Druck aufbaue.“

Muss er auch nicht, da der eh schon da ist. Lange Zeit konnte Beiersdorfer nur Gespräche führen und versuchen, sich möglichst viele Optionen offen zu halten. Jetzt soll er endlich auch bieten können. 4,5 Millionen sollen demnach dem SSC Neapel geboten worden sein, um den dort nasch einem Streit mit Trainer Rafa Benitez aussortierten defensiven Mittelfeldspieler Valon Behrami freizuholen. Allerdings sollen dem Schweizer Nationalspieler auch Angebote aus England sowie von Inter Mailand (7 Mio) vorliegen. „Behrami wäre eine Bombe“, hofft Johan Djourou, der mit Behrami für die Schweizer Nationalelf in Brasilien unterwegs war. „Er ist ein guter Typ, der auf dem Platz ein wenig verrückt ist. Aber genau so einen brauchen wir“, sagt der Innenverteidiger, der mit Behrami befreundet ist und in stetem Kontakt steht. Ob er ihn überreden kann, nach Hamburg zu wechseln? „Ich habe viel mit ihm gesprochen, kann aber nur wenig helfen. Ich kann nur sagen, dass ich mich sehr freuen würde, wenn es klappt.“

Nicht nur er. Auch ich würde mich freuen, weil ich Behrami bei der WM als Führungsspieler der Schweizer gesehen habe und insbesondere von seiner Aggressivität und seiner bedingungslosen Gewinner-Mentalität überzeugt bin. Der Typ dreht vielleicht mal durch (Djourou: „Davon ist er in jedem Spiel nicht allzu weit entfernt – aber er hat sich im Griff“) – aber genau solche Typen braucht diese letzte Serie völlig harmlose, zahnlose Mannschaft. Behrami hat auf jeden Fall viel von dem, was dem HSV mit den „netten Sechsern“ Badelj, Arslan, Steinmann und Demirbay fehlt. Dass Shinji Kagawa, der bei ManU vor dem Aus steht, eine sensationelle Verstärkung wäre ist ebenso fraglos wie es unwahrscheinlich ist, ihn zu bekommen. Immerhin soll er rund 20 Millionen Euro kosten. Dann wäre nicht einmal mehr das Geld für Nicoali Müller da, für den der HSV dem (leider noch nicht) abgebenden Klub FSV Mainz rund vier Millionen Euro geboten hat und den Beiersdorfer so schnell wie möglich ins Trainingslager holen will.

Ihr seht, hier passieren derzeit deutlich mehrheitlich positive Dinge. Van der Vaart wird immer besser und wird auch von Trainer Slomka gelobt. Obgleich der Trainer ebenfalls nichts ausschließen will. Immerhin „belastet“ der Niederländer den Etat jährlich mit rund 8,5 Millionen Euro (15 Millionen Ablöse auf drei Jahre und 3,5 Mio Jahresgehalt). Ein Verkauf würde die HSV-Kassen zusätzlich entlasten. Das allein lässt den HSV einen Verkauf seines Kapitäns schon nicht ausschließen. Obgleich es gerade jetzt sehr schade wäre.

In diesem Sinne, bis morgen! Ach ja, und passend zum Positivtrend beim HSV setzt sich hier sogar das Wetter über alle Prognosen hinweg: Statt Regen und Gewitter strahlender Sonnenschein beim Nachmittagstraining. Läuft eben alles…

P.S.: Lasogga arbeitete auch heute weiter im Mannschaftshotel mit den Physios und absolvierte am Nachmittag einen Lauftest auf dem Laufband und soll am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining integriert werden.

P.P.S.: Das Abschlussspiel der harten Nachmittagseinheit gewannen Brunst – Diekmeier, Kacar, Tah, Jiracek –Demirbay – Steinmann Arslan, Ilicevic – Rudnevs durch zwei Treffer Rudnevs’.

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