Archiv für das Tag 'van Buyten'

Für eine Nacht Europa League?

21. November 2012

Es gibt so viele Dinge, die keinen Sinn machen. Wie zum Beispiel das 20-Millionen-Euro-Angebot für Heung Min Son. Da spielt der Südkoreaner seine erste halbwegs erfolgreiche – allerdings noch längst nicht konstant gute – Saison, und schon überschlagen sich europäische Topklubs? Zumindest soll das so sein. Liverpool will Son, heißt es! Inzwischen ist aus anfänglich kolportierten zehn Millionen kurzer Hand ein Angebot über 20 Millionen Euro geworden! Und der HSV lehnt ab.

Der HSV lehnt ab? Macht das alles einen Sinn?

Nein! Absolut nicht. Für 20 Millionen Euro würde der HSV Son in Watte verpackt bis in die Umkleidekabine der Reds liefern, um auch ganz sicher zu sein, dass an dem Deal nichts mehr schiefgeht. 20 Millionen wären absolut nicht ablehnbar. Wahrscheinlich wären es nicht einmal die zehn Million, obgleich man mit Son auch gleich zwei, drei neue Werbepartner verpflichtet. Was auch für einen Verkauf spricht: Der HSV ließ trotz derzeit deutlich geringerer finanzieller Nöte schon deutlich arriviertere Spielergrößen ziehen. Rafael van der Vaart beispielsweise ging für 15 Millionen zu Real Madrid, Vincent Kompany für knapp zehn Millionen Euro zu ManCity. Dazu gingen van Buyten, Ujfalusi, Boulahrouz und de Jong einst, weil das jeweilige Angebot nicht abzulehnen war. Das Einzige, was bei der Kiste Son einen Sinn ergibt, ist der Zeitpunkt der kolportierten Angebote. Denn: Dass diese Zahlen unmittelbar im Vorfeld der Vertragsgespräche des HSV mit seinem Talent auftauchen ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Zufall! Da wird versucht, einen Preis nach oben zu schrauben. Und das nicht vom HSV.

Aber wohl mit Erfolg. Medien springen auf die Meldung an. Auch wir hier mit dem „MatzAb-Blog“ springen jetzt darauf an, nachdem zuvor im Blog fleißig über Sinn und Unsinn eines Verkaufes diskutiert wurde. Eine Diskussion, an der ich gern ganz kurz teilhaben möchte: Ich würde es ebenso fahrlässig finden, wenn der HSV in der jetzigen Situation ohne Ersatz seinen besten Torschützen verkauft wie den Umstand, eine 20-Millionen-Offerte für den Sükoreaner abzulehnen. Immerhin ist Son eines der größten Talente des HSV – aber in finanziell schwierigen Zeiten sicher alles andere als unverkäuflich. Sportchef Frank Arnesen – und das wird er gemacht haben – ist auf jeden Fall gut beraten, sich schon mal nach vergleichsweise günstigem aber sportlich adäquatem Ersatz umzusehen, sollte tatsächlich mal ein Millionenangebot für Son ins Haus flattern.

Bis dahin allerdings werde ich das Thema Son weitgehend umschiffen – weil es bei derartig viel „Stiller-Post-Fakten“ einfach keinen Sinn macht.

Viel mehr Sinn macht es dagegen, sich mit dem nächsten Spiel zu beschäftigen. Das findet in zwei Tagen in Düsseldorf statt und könnte den HSV wenigstens für eine Nacht in das obere Drittel schieben. Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, wäre mit einem Punkt aus der Düsseldorf-Partie bereits erreicht. Und dass Hannover (in München), Werder (in Wolfsburg) und Mainz (gegen Dortmund) an diesem Spieltag punktlos bleiben, ist längst nicht ausgeschlossen. Ergo: Düsseldorf wird mal wieder ein Schlüsselspiel.

Schon letzte Woche hatten Heiko Westermann, Dennis Aogo, Marcell Jansen und auch Arnesen von einem richtungsweisenden Spiel gesprochen. Und das wiederholte Fink heute – allerdings bezogen auf Düsseldorf am Freitag. Ich hatte geschrieben, dass Mainz der erste Schritt in eine bessere Zukunft werden soll. Und der HSV machte mit einem schmucklosen, glücklichen 1:0 diesen Step. Sportlich zwar allemal nicht, aber ergebnistechnisch.

Zudem hatten zuvor einige Spieler behauptet, der HSV könnte keine Spiele gewinnen, in denen er „ka….“ spiele. „Dass es trotzdem ging, zeigt, dass wir als Mannschaft gefestigter sind. Gerade in der Defensive arbeiten wir besser gegen den Ball. Wir lassen einfach nicht mehr so viele Chancen zu. Das ist das Geheimnis im Moment“, so HSV-Kapitän Heiko Westermann, der sich weiter im Leistungshoch befindet und der hinzufügt, dass es hinter dem angesprochenen Geheimnis noch ein Geheimnis gibt. „Wir haben die Abstände zwischen den Viererketten verbessert und sind eingespielt, weil wir lange Zeit mit einer Formation gespielt haben.“ Und geht es nach Fink, wäre das auch so geblieben. Allein die Verletzung von Marcell Jansen zwingt den HSV-Coach zu einem Wechsel. „Dennis Aogo kommt rein, mehr ändere ich nicht“, so Fink.

Fink konnte heute mit Freude registrieren, dass sich Tolgay Arslan im Training schmerzfrei bewegte und somit auch in Düsseldorf wieder spielen wird. „Arslan kann spielen“, so Fink, der mit einem Sieg Druck auf die tabellarischen Nachbarn ausüben will – der aber zugleich warnt: „Düsseldorf hat jetzt 11 Punkte und ist auf einem Relegationsplatz. Bei einem Sieg wären sie bis auf drei Punkte an uns ran. Man sieht, dass wir eine gute Möglichkeit haben, uns in der Tabelle höher zu schieben. Das müssen wir ausnutzen.“ Insbesondere bei den oben beschriebenen aktuellen Spieltagspaarungen. „Aber es kann alles ganz schnell gehen.“ In beide Richtungen. Umso wichtiger sei es, sich mit einem Dreier erst mal auf lange Sicht von den Abstiegsrängen zu entfernen.

Der Rahmen dafür ist gegeben. Mit einem allseits beliebten Freitagabendspiel. „Als erste Mannschaft zu spielen, abends, und dazu noch unter Flutlicht – das ist das Schönste“, schwärmt Westermann, der den reiz wie folgt erklärt: „Das Stadion ist super, die Atmosphäre stimmt. Und wir legen vor. Als erste Mannschaft des Spieltages. Das ist cool. Das Ganze hat was von internationalem Feeling.“ Stimmt. Immerhin werden einige Millionen Zuschauer das Spiel sehen, das (fußballtechnisch) konkurrenzlos übertragen wird. Mehr als sonst in der Konferenz die Option HSV wählen auf sicher.

Vor allem aber ist es ein Auswärtsspiel – womit sich die Mannen um Westermann momentan deutlich besser zurechtfinden. „Auswärts klappt es besser“, bestätigt Westermann, „vor allem fußballerisch tun wir uns leichter.“ Weil sie dort im Gegensatz zu den Heimspielen nicht das Spiel machen müssen? „Auch“, sagt Westermann, „allerdings haben wir gegen Freiburg bis zum Platzverweis auch das Spiel gemacht. Wir nutzen auswärts besser unsere Räume, wie wir es gegen Mainz auch hätten machen müssen.“ Und da Düsseldorf nach zuletzt sieben sieglosen Spielen (sechs Niederlagen und ein Remis) kommen muss, dürfte es in der gut gefüllten Düsseldorfer Esprit-Arena für den HSV darum gehen, hinten kompakt wie zuletzt zu stehen, um die Kontermöglichkeiten zu nutzen. „Ich rechne mit einer kämpferisch starken Truppe“, sagt Fink, „da werden wir sicher nicht ins offene Messer laufen. Ich habe gesehen, dass Düsseldorf gute und starke Konter fährt.“

Klingt nach einem nicht allzu attraktiven Spiel. Aber okay, jetzt wieder eine Prognose abzugeben, ob das Spiel gut wird oder nicht, ist auch recht sinnlos. Allerdings glaube ich, dass der HSV mit Dennis Aogo hinten links einen Spieler haben wird, der auf seinen Einsatz brennt. Hoffentlich nicht so sehr wie Scharner vor zwei Wochen in Freiburg…

Zum Ende dieses Blogs habe ich noch zwei kleinere Meldungen. Zum einen bin ich in letzter Zeit häufiger (auch von Bloggern) gefragt worden, ob ich an einen Wechsel von Dietmar Beiersdorfer als Sportchef zu Werder Bremen glaube. Meine Antwort war immer: Nein. Allerdings hatte ich meine Bedenken, immerhin ist das Band zwischen Werder-Trainer Thomas Schaaf, Ex-Profi Marco Bode (hätte sich bei einem Beiersdorfer-Engagement auch zum Helfen bereiterklärt) und Dietmar Beiersdorfer sehr dick. Allerdings konnte ich mir nicht vorstellen, dass Beiersdorfer in St. Petersburg, wo man mit seiner Arbeit hochzufrieden ist, nach nur vier Monaten trotz Vertrages bis 2015 wieder aufhört. Zum Glück habe ich ihn eben erreicht. Unmittelbar vor dem Spiel Zenits gegen den FC Malaga, habe ich mit Beiersdorfer gesprochen. Und? Es ist zum Glück genau wie erwartet gekommen. „Ich kenne dort sehr viele Leute und hatte ein Angebot aus Bremen. Aber ich habe es abgelehnt, weil ich meinen Vertrag bei Zenit erfüllen möchte.“ Der läuft bis 2015. Ergo: Eine Rückkehr zum HSV ist – ohne Frank Arnesen etwas Böses zu wollen, ganz im Gegenteil: Bis 2015 ist noch viel Zeit – in Zukunft nicht mehr ausgeschlossen. Das wäre es aber wahrscheinlich für sehr viele HSV-Fans gewesen, wenn sich der Ex-HSV-Sportchef mit dem Nordrivalen eingelassen hätte.

Bei David Jarolim hatte ich ebenfalls Glück. Den ehemaligen Kapitän habe ich heute erreichen können, nachdem durchgesickert war, dass der Tscheche seinen Vertrag beim französischen Erstligisten FC Evian auf eigenen Wunsch „aus persönlichen Gründen“ aufgelöst hat. Zum Glück waren es keine schlimmen Ereignisse sondern einfach der Umstand, „dass es nicht mehr gepasst hat“, wie Jarolim mir schrieb. Jaro weiter: „Es war meine Entscheidung und besser, es dann direkt zu beenden.“

In diesem Sinne, Jarolim übernimmt beim HSV eine Jugendmannschaft, führt diese bis in die A-Bundesliga und bildet dabei drei, vier absolute Toptalente der Kategorie Götze aus. Beiersdorfer übernimmt zudem, wenn Arnesen den HSV auf Champions-League-Ebene irgendwann abgeben möchte. Und Son erzielt in Düsseldorf den (hoffentlich nur einen von vielen) Siegtreffer(n) auf Flanke von Dennis Aogo, der die kompletten 90 Minuten auf dem Platz steht und zusammen mit Westermann, Mancienne, Diekmeier und Adler hinten erneut die Null sichert.

Einverstanden?

Ich schon. Bis morgen!
Scholle

Petric (wohl) kein HSV-Kapitän

1. August 2011

Mladen Petric wird kein HSV-Kapitän. Das steht für mich fest. Denn, so meldete es die Deutsche Presse-Agentur heute: Mladen Petric hat die Vertragsgespräche mit dem HSV vertagt. Die während der Sommerpause aufgenommenen Verhandlungen über eine vorzeitige Vertragsverlängerung will der Stürmer vorerst nicht weiterführen. „Ich möchte diese so wichtige Entscheidung über den weiteren Verlauf meiner Karriere ganz in Ruhe und ohne jeglichen Druck treffen“, sagte Petric am Montag. Zum gegebenen Zeitpunkt werde man sich „sicher wieder zusammensetzen. Jetzt freue ich mich erst einmal auf die neue Saison“, erklärte der Kroate, der nach dieser Spielzeit ablösefrei wechseln kann.

Damit wird Petric – für mich jedenfalls – nicht Nachfolger von Heiko Westermann als Kapitän, denn das hatte ihm Trainer Michael Oenning nur bei einem längeren Verbleib an der Elbe in Aussicht gestellt. „Ich habe weiter die Hoffnung, dass er noch lange beim HSV bleibt. Wir alle wissen um seine Bedeutung für die Mannschaft“, sagt Oenning. HSV-Sportdirektor Frank Arnesen unterstrich ebenfalls die Wichtigkeit des Angreifers: „Wir hätten gern jetzt mit ihm verlängert, akzeptieren aber, dass er sich mit der Entscheidung Zeit lassen möchte. Mladen ist und bleibt ein wichtiger Spieler für uns.“

Der HSV hat ja schon einmal ein wenig Schiffbruch mit einem neuen Kapitän erlebt. Wer erinnert sich? Nein, nicht mit Heiko Westermann. Das war vor Beginn der Saison 2004/05. Da bestimmte HSV-Trainer Klaus Toppmöller (ja, der war auch mal Trainer hier!) vor Saisonbeginn Tomas Ujfalusi zum neuen Spielführer – und keine Woche später, nein, ein oder zwei Tage später war „Ujfi“ weg. Abgang zum AC Florenz. Und wer wurde dann der „Ersatz“-Kapitän? Es war Daniel van Buyten.
Namen sind ja so etwas von Schall und Rauch. Der heutige Bayern-Spieler war gerade erst zum HSV gekommen. Erinnert an die Situation vor einem Jahr. Da war Heiko Westermann gerade vom FC Schalke nach Hamburg gewechselt – ja, so wiederholt sich die Geschichte.

Auch auf anderer Ebene. Änis Ben-Hatira soll ja, so berichtet es die Mopo heute, die „Schnauze voll haben“. Vom HSV. Er soll weg wollen. Ein Jahr läuft der Vertrag des „pfiffigen Dribbelkünstlers“ noch, den wird er wohl auch noch erfüllen, aber dann: Abgang. Wahrscheinlich. Oder unwahrscheinlich? Ich würde es bedauern, wenn Änis ginge, denn ich halte ihn immer noch für ein großes Talent. Obwohl er mit seinen 23 Jahren so allmählich dem Talente-Alter entwachsen müsste . . .

Ich würde es begrüßen, wenn sich Änis durchbeißen würde. Beim HSV. Natürlich. Er hat sich doch, nachdem er beim MSV Duisburg gewesen ist, doch schon wieder in Hamburg nach oben „gedribbelt“. Und nun hat er vielleicht die Schnauze voll, weil er im Pokal in Oldenburg nicht zur Stammformation gehörte? Wenn dem so ist, dann wäre das eine Enttäuschung für mich. Ganz klar.

Im Trainingslager im wunderschönen Zillertal, sprachen Sportchef Frank Arnesen und Trainer Michael Oenning am ersten Abend mit der Mannschaft. Unter anderem auch über den folgenden Punkt: Zu dieser neuen HSV-Mannschaft gehören nicht nur elf Spieler, sondern alle. Und bei 24 oder 25 Spielern wird es immer mal ein Spiel geben, wo der eine oder andere Spieler auf der Tribüne sitzen muss. Weil des die Statuten der DFL nicht anders zulassen. Diesen Härtefall, der natürlich gar kein Härtefall ist, sprach Oenning explizit an. Er bereitete damit den einen oder andern Spieler darauf vor, dass es an Spieltagen auch gelegentlich nicht einmal für den Trainingsanzug reichen könne. Und er warb mit diesem Vortrag auch gleichzeitig um Verständnis, dass ein Spieler diese Situation bitte immer auch bedenken möge.

Das, muss ich zugeben, fand ich toll. Kein Trainer der Welt hat es nötig, eine solche Erklärung abzugeben, aber Oenning tat es. Und das war gut so. Wussten danach doch alle, was hier in Zukunft passiert. Es müsste zwar jedem (HSV-)Profi schon bei der Unterschrift unter dem Vertrag mit dem HSV einleuchten, dass nicht alle stets dabei sein können (Spiel oder Bank), aber wenn dafür dann noch extra der Blick geschärft wird, dann müssten es alle auch einsehen. Sie gehören ja weiterhin dazu, sie können sich auch weiterhin anbieten, sie werden wohl auch irgendwann einmal ihre Chance bekommen – aber im Moment geht es eben nicht anders. Da hat jeder Trainer ja seine Zwänge.

Wenn nun Änis Ben-Hatira, den ich versucht habe anzurufen (leider vergeblich), tatsächlich die Schnauze voll hat, dann hat er eventuell bei Oennings Vortrag nicht so ganz genau zugehört. Wie gesagt, ich würde es bedauern, aber jeder ist seines Glückes Schmied. Und wenn Änis die Erfahrungen mit Duisburg richtig wertet, dann wird er auch genau wissen, was zu tun ist. Ich vertraue ihm da voll und ganz.
Wie ich auch Mladen Petric vertraue. Er wird schon seine richtige Entscheidung treffen, da bin ich mir absolut sicher.

Ein Satz würde ich gerne noch zum Thema Heiko Westermann loswerden wollen. Ich denke mal, dass es auch bei Michael Oenning so ist, dass er immer nur die stärkste Mannschaft aufstellt – aufstellen will. Der Coach will ja auch nur gewinnen, denn er will, so denke ich, seinen Job in Hamburg noch möglichst lange behalten. Das gelingt ihm in erster Linie deshalb, wenn er gewinnt. Das heißt, wenn der HSV gewinnt. So oft wie möglich. Wenn nun Oenning aber immer die „Falschen“ aufstellen würde, würde der HSV wahrscheinlich weniger oft gewinnen. Und irgendwann wäre dann auch Oenning seinen Job los. Also: Oenning stellt immer nach bestem Wissen und Gewissen die beste Elf auf – und Heiko Westermann ist dabei. Logisch. Der Mann ist Nationalspieler. Will es auch wieder werden.

Obwohl, dieses Argument streiche ich am besten gleich wieder. Es hat hier ja schon beim „kleinen Dribbelkünstler“ nicht gezogen . . .

So, in der Kürze liegt die Würze. Heute mal. Gleich gibt es „Matz ab“ einmal live, nämlich bei „HH1“ – „bin ich jetzt in Fersehn?“ Jo. 20.15 Uhr. Und wer nicht auf Braunschweig gegen die Bayern verzichten will, für den gibt es die Wiederholung um 22.15 Uhr. Wenn der Kick in Braunschweig dann schon entschieden ist. Was ich leicht bezweifle, aber das ist eine andere Geschichte.
Also, wer Zeit hat, einmal bei „Rasant“ reinsehen – HH1 mit Uli Pingel. Und dem Gast Carl-Edgar Jarchow, der über sich und den HSV Auskunft geben wird.

Morgen ist um 10 Uhr noch ein Training angesetzt, dann folgt abends (19.15 Uhr) im Volkspark die Saisoneröffnung und das Spiel gegen Valencia – das auch live bei „Sport1“ übertragen wird.

18.13 Uhr

Analyse Teil sechs: Ärger an der Spitze

21. Mai 2011

Es wird heiß diskutiert werden, es wird sicher auch heftig Kritik an so mancher HSV-Führungsposition geübt – aber es wird nichts beschlossen. Aus der einst als „Palast-Revolution“ geplanten Versammlung ist lediglich eine Informationsveranstaltung des HSV geworden, die an diesem Sonntag um 11 Uhr im Westen der Arena im Volkspark beginnen soll. Wenn es dem Klub dann hilft . . .

In jeder Generation schieden sich die Geister an der Führung des HSV. Unumstritten war in der jüngsten Vereinsgeschichte eigentlich niemand, das war einst schon zu Dr. Peter Krohns Zeiten und zur Amtszeit von Dr. Wolfgang Klein so. Immer gab es mal eine kleine, vielleicht auch einmal die eine oder andere größere Opposition. Und das war natürlich auch in der Ära von Bernd Hoffmann so. Wobei ich bei der Saisonanalyse Teil sechs bin.

Von Februar 2003 an war Hoffmann der HSV-Boss, er ist es bis ins Frühjahr 2011 geblieben. Dann gab es die Ablösung – auch deshalb, weil der Erfolg im Verein ausgeblieben ist. Um es noch einmal zu betonen: Ich habe nichts gegen Bernd Hoffmann, ich habe mich immer neutral ihm gegenüber verhalten. Fest steht, dass der HSV unter seiner Regie aufblühte. Unter seiner Regie, gemeinsam mit Katja Kraus und Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Mir ist bis heute schleierhaft, wieso die drei Führungskräfte diese gut funktionierende, von etlichen zwischenmenschlichen Missverständnissen geprägte Zusammenarbeit aufs Spiel setzten. Aber das ist ein anderes Thema, das liegt schon länger zurück. Ich versuche es salopp unter dem Mott ab: „Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis . . .“

Den Erfolg Hoffmanns mache ich immer an den Transfers fest. Die Transfers vor seiner Zeit, und die während seiner Amtszeit. Im Jahre 2000 kamen Spieler wie Christoph Babatz, Alexander Bade, Thomas Gravesen, Dimitrios Grammozis, Vanja Grubac, Fabian Ernst, Özkan Gümüs, Sascha Ilic, Rasoul Khatibi und Josip Simunic nach Hamburg. Ein Jahr später, es stand immer noch Werner Hackmann an der Spitze des Klubs, waren es Spieler wie Jörg Albertz, Roda Antar, Kim Christensen, Marcel Maltritz, Bernardo Romeo, Raphael Wicky und Stefan Wächter. Ich habe gegen nicht einen dieser Profis etwas, alles nette Kerle und sicher auch brauchbare Fußballer.

Mit Hoffmann und mit Beiersdorfer waren es dann aber in den folgenden Jahren Spieler wie David Jarolim, Khalid Boulahrouz, Daniel van Buyten, Emile Mpenza, Benjamin Lauth, Thimotheee Atouba, Nigel de Jong, Guy Demel und vor allem Rafael van der Vaart. Später folgten noch Joris Mathijsen, Paolo Guerrero, Vincent Kompany und Ivica Olic, um nur einige Hochkaräter zu nennen – zuletzt Ruud van Nistelrooy. Namen, vor allem aber Kaufsummen (auch Leihsummen), an die sich der HSV vor Beginn der Hoffmann-Ära nie oder nur in ganz, ganz seltenen Fällen herangetraut hatte.

Natürlich gab es auch so manchen Flop seit 2003, aber wo gab, wo gibt es die nicht? Selbst der große FC Bayern, dort in Person von Über-Manager Uli Hoeneß, hat sich zahlreiche Fehleinkäufe geleistet. Für mich aber steht fest, dass es mit dem HSV unter Hoffmann, Kraus und Beiersdorfer deutlich bergauf ging. Deswegen habe ich Bernd Hoffmann auch geschätzt. Er hat der Raute sicher viel Gutes getan.

Trotz allem war er nie unumstritten. Was sicherlich auch mit der Art seiner Menschenführung zu tun hatte. Da hat (oder hatte) er sicher Defizite, aber, und das muss ich bei der Gelegenheit auch ganz deutlich sagen, die gab es auch bei so manchem Hoffmann-Vorgänger zu registrieren. Weil solche Schwächen schnell einmal bei Chefs generell auszumachen sind. Sonst werden solche Menschen vielleicht auch keine Chefs.

Was mich bei Bernd Hoffmann bis heute massiv gestört hat, das ist die Tatsache, dass er mir Christian Reichert, Dietmar Beiersdorfer und zuletzt auch Oliver Scheel Männer an seiner Seite hatte, die die Raute bis heute im Herz tragen, die aber, wenn es um die Führung des Klubs ging, stets nur Papiertiger waren. Hoffmann und Kraus trafen die meisten ihrer Entscheidungen allein, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass es auch noch ein drittes Vorstandsmitglied gab. Davon darf sicher jeder gerne selbst sein eigenes Bild verschaffen, er muss nur einmal mit diesen drei betroffenen Herren sprechen. Sie haben ganz sicher andere Vorstellungen von einer vernünftigen Art der Zusammenarbeit gehabt, bevor sie in den HSV-Vorstand kamen. Letztlich sind Reichert und Beiersdorfer daran gescheitert, und natürlich ist es hypothetisch, aber ich könnte wetten, dass auch ein guter Mann wie Scheel letztlich daran zerbrochen wäre – wenn es nicht zu jener Abberufung des Vorstandes kam, über die an diesem Sonntag ganz sicher auch diskutiert wird.

Ich behaupte einmal ganz frech: Hätten Bernd Hoffmann und auch Katja Kraus eine vernünftige Zusammenarbeit mit allen dem Vorstand angehörenden Personen gewählt, sie alle wären noch heute in Amt und Würden. Aber auch das ist natürlich hypothetisch.

Darüber, dass nun die Kassen des HSV leer sind, darüber sollen andere Leute befinden. Bernd Hoffmann hatte jahrelang immer wieder betont, dass er dafür stehe, nur das Geld auszugeben, das der HSV auch tatsächlich hat. Diese sicherlich gute und vorbildliche Vorstellung der Klub-Führung habe ich immer an Hoffmann geschätzt. Aber, und nun kommt das aber, er hat in den letzten (beiden?) Jahren diesen Pfad verlassen. Er ging offenbar, weil er ein überehrgeiziger Mann ist, mehr Risiko. Auch wohl deshalb, weil er die Zeiten leid war, in denen ganz Hamburg vergeblich auf einen Titelgewinn gewartet hat. Hoffmann wollte es – vielleicht mit behutsamer Gewalt – erzwingen, doch das Vorhaben ging schief, wie wir inzwischen alle schmerzlich erfahren mussten.

Auch deshalb geriet Bernd Hoffmann mehr und mehr in die Kritik. Der „neue“ HSV lässt nun ja sogar alle Verträge überprüfen, die in der Hoffmann-Ära abgeschlossen wurden. Das sei legitim, wurde von der jetzigen Führung und auch aus dem Kreis des Aufsichtsrates geäußert. Es mag legitim sein, keine Frage, aber es ist auch nicht nur höchst ungewöhnlich, es ist auch ein Novum in der HSV-Geschichte. Einen solchen Vorfall hat es meines Wissens nie zuvor gegeben. Wobei ich zu gerne einmal wüsste, weshalb das „alte“ Vorstandsduo einen Berater-Vertrag (kostete immerhin eine sechsstellige Summe) mit einer angesehenen Hamburger Firma abgeschlossen hatte. Auch das ist ein Novum. Zu früheren Zeiten gab es solche Beraterverträge (meines Wissens) nicht. Da waren die Klub-Chefs immer selbst in der Lage, ihren Weg zu gehen. Aber vielleicht ist es ja auch Mode geworden – denn die hohe, die ganz, ganz große Politik bedient sich ja auch schon seit Jahren solcher externer Berater.

Wieso, weshalb, warum? Ich habe keinerlei Erklärungen dafür. Wenn ich ein solches Amt bekleiden will, dann muss ich auch wissen, welche Voraussetzungen ich erfüllen muss, um diesen Anforderungen gerecht zu werden – sonst muss ich es geeigneteren Personen überlassen. Deshalb bin ich gespannt, was letztlich aus dem Überprüfen der Verträge heraus kommt.

Quintessenz dieses Vorstands-Theaters: In einem Sport-Verein sollte es in den meisten Fällen gemeinsam gehen, dieses Thema wurde in den letzten Jahren beim HSV verfehlt. Und wenn heute beklagt wurde, dass ein großer Fehler in der Vergangenheit gemacht wurde, als es keinen Sportchef (Nachfolger von Beiersdorfer) gab, dann kommt diese Einsicht Jahre zu spät. In jener Zeit wurden alle diesbezüglichen Fragen schnell abgewimmelt: Man hätte alles im Griff, es fehlt an nichts, es fehlt vor allem kein Sportchef. Heute wissen es alle besser.

Noch ein kurzer Absatz zu Katja Kraus. Sie, das habe ich immer wieder betont, wurde auch von „Oppositionellen“ des HSV für ihre Arbeit, die sie für den Klub verrichtete, gelobt. Ich teile das. Ihr wohl größter Fehler war, dass sie zwar alles für Bernd Hoffmann getan hat, dass sie ihm aber nicht beizeiten auf die Füße getreten ist, was eine gute, vorbildliche und fruchtbare Zusammenarbeit in der Führungsetage eines Sport-Vereins betrifft. Katja Kraus war Nationaltorhüterin, sie hätte ihrem Boss (Hoffmann) durchaus einmal etwas von Teamgeist verklickern können. Vielleicht hat sie es aber auch gemacht, vielleicht hat er es nur nicht angenommen – das vermag ich nicht zu sagen.

Über den „alten“ Aufsichtsrat habe ich schon viel und oft geschrieben. Er hat auf ganzer Linie versagt, das werde ich nur noch einmal wiederholen. Er hat deshalb versagt, weil er es versäumt hat, der Klub-Führung kontrollierend auf die Hände zu gucken. Er hat auch deshalb versagt, weil es zu viele Gemeinsamkeiten mit Bernd Hoffmann gab. Als ich das einmal ansprach, erfuhr ich nur: „Eine gute Zusammenarbeit kann nur dann erfolgreich sein, wenn man sich versteht und gemeinsam an einem Strang zieht.“ Aha. Habe ich damals gedacht, denke ich immer noch.

Nach dem Wechsel an der Klub-Spitze in diesem Frühjahr ist nun wieder Ruhe in den Klub eingekehrt. Zum Glück. Ich habe das Gefühl, dass die Führung und der Aufsichtsrat besser, mehr und auch (vor allem) im Team arbeiten. Ich jedenfalls vertraue dieser Konstellation, und ich kann nur hoffen, dass sich das letztlich auch auf die sportliche Seite niederschlägt. Wenn die Menschen, die nun beim HSV am Ruder sind, merken, dass nicht sie glänzen müssen, sondern nur der Klub, dann ist schon viel gewonnen. Persönliche Eitelkeiten haben vor allem in der jetzigen schwierigen Phase des HSV nichts zu suchen, dafür gibt es im Moment keinen Millimeter Platz. Arbeiten, rackern, schuften und alles für den Erfolg der drei größten Buchstaben der Hansestadt und der Bundesliga tun, das ist nun das Gesetz der Stunde.

17.56 Uhr

20 Millionen minus – der Abgrund naht

28. Dezember 2010

Er bleibt. Das hat Klubboss Bernd Hoffmann („Veh wird auch gegen Schalke auf der Bank sitzen“) versprochen. Und das hat auch Armin Veh gesagt. Er will dem HSV erhalten bleiben. Veh will seinen Vertrag bis Saisonende wenigstens erfüllen, tendenziell sogar die Option zur Verlängerung wahrnehmen. „Der HSV bietet einen der begehrtesten Arbeitsplätze der Liga“, hatte Veh gesagt. Und damit hat er wahrscheinlich sogar Recht. Zumindest war dies bislang immer so. Der HSV gilt ligaweit als Top-Adresse. Kein Wunder, ist es doch der einzige Klub, der seit Ligagründung erstklassig ist. Dazu noch ausgestattet mit einem starken Kader und großen Zielen. Allerdings läuft es in dieser Saison wie schon in der letzten Serie nicht so gut. Noch schlimmer: der Klub steht finanziell noch schlechter da als bisher bekannt.

Zuletzt hatte mir unsere Vorstandsfrau Katja Kraus von maximal 2,5 Millionen Euro kalkuliertem Minus für die aktuelle Saison berichtet. Allerdings kommen rund 14 Millionen Euro Verbindlichkeiten im Laufe der kommenden Saison hinzu. Zahlen, die vom Vorstand niemand bestätigen wollte – bis dem Abendblatt die Zahlen vorgelegt wurden. Demnach stehen 2011/2012 14 Millionen Euro Verbindlichkeiten zur Zahlung an, 2011/2012 noch mal sechs Millionen. Macht zusammen rund 20 Millionen Euro für Verbindlichkeiten aus Spielerkäufen. Dementgegen stehen keinen nennenswerten Einnahmen – zumal nicht, wenn erneut der internationale Wettbewerb verpasst wird.

Es liegt immer im Interesse des Verkäufers, sein Produkt anzupreisen. Auch deshalb, oder besser: nur deshalb sagt Hoffmann: „Der aktuelle Planungsstand für die kommende Saison ist nun wirklich nicht besorgniserregend.“ Dabei sollte er es besser wissen. Schließlich hatte der HSV in den letzten beiden Jahren die luxuriöse Situation im zweistelligen Millionenbereich investieren zu können. Jetzt muss er einen ähnlichen Betrag abbezahlen.

Und der Klub steht vor einem Umbruch. Einem Umbruch, den er mit minimalen finanziellen Mitteln schaffen muss. Dafür ist schon die ganz hohe Kunst des Managements erforderlich.

Dem Vorstand zugutehalten muss man, dass der Klub über einen teuren Kader verfügt und mit einem Verkauf eines Eljero Elias (Marktwert liegt bei geschätzten 15 Millionen Euro) auf einen Schlag ein Großteil der Verbindlichkeiten gedeckt werden könnten. Allerdings wäre damit auch der Spieler weg. Und angesichts der nicht funktionierenden aktuellen Mannschaft müsste der HSV mehr als nur einen neuen Spieler holen, um einen Umbruch auch einen selbigen werden zu lassen. Und gerade dafür wäre Geld mehr als hilfreich.

„Wir werden in diesem Winter und im kommenden Sommer mit einer heißeren Nadel als sonst stricken müssen“, weiß auch Sportchef Bastian Reinhardt, dass er ein kleines Kunststück vollbringen muss, will der Klub in der kommenden Saison wieder in die internationalen Ränge vorrücken. Mit Abgängen prominenter Spieler wie Zé Roberto, Ruud van Nistelrooy und Frank Rost (zumindest plant das der Vorstand, obwohl Rost selbst noch weiterspielen will) ist zu rechnen. Hinzu kommen Wackelkandidaten wie eben Elia, Mladen Petric (wollte/sollte schon vor dieser Saison weg) deren drohende Abgänge einkalkuliert werden müssen als sportliche Schwächungen. Rückkehrer wie Marcus Berg und David Rozehnal, deren Transfers im Übrigen den Bärenanteil der ausstehenden Verbindlichkeiten ausmachen, können nicht als Verstärkungen gezählt werden.

Quo vadis HSV?

Es müssen „Billigspieler“ kommen. Wobei der Begriff despektierlich ist. Es müssen Akteure kommen, die ablösefrei sind oder zumindest wenig kosten. So wie Shinji Kagawa, der vor dieser Saison für 350000 Euro zu Dortmund wechselte und für mich einer der überragenden Akteure der Hinrunde ist. Allerdings ist genau das die Konstellation, die der HSV seit 18 Monaten versucht aber nicht mehr hinbekommen hat. Im Gegenteil: mit Kacar, Berg und Rozehnal wurden allein schon mehr als 20 Millionen Euro versenkt. Zuvor hatte der HSV immerhin immer wieder mal Glücksgriffe mit Thomas Gravesen (kam ablösefrei, ging für 3,5 Millionen zu Everton). Oder wie bei Boulahrouz (kam für 1,5 Millionen, ging für 13 Mios) und Daniel van Buyten (kam für 3,8 Millionen – ging für knapp zehn Millionen). Der HSV hatte sich unter dem geschassten ehemaligen Sportchef Dietmar Beiersdorfer – in hier ganz klar zu nennender und von mir deshalb auch noch mal betonter – erfolgreicher Zusammenarbeit mit Bernd Hoffmann in die europäische Verfolgergruppe katapultiert und sportlich teuren Einkäufe zumeist noch teurere Verkäufe folgen lassen.

Bestes Beispiel dafür sind sicher Nigel de Jong und Rafael van der Vaart, die mit der Absicht nach Hamburg kamen, sich hier wieder in den europäischen Fokus spielen zu wollen und beide dem HSV neben sportlichen Spitzenleistungen ein dickes finanzielles Plus hinterließen. Der HSV wirtschaftete hervorragend und hatte den nötigen Erfolg.

Bis zur Demission Beiersdorfers, die eine sicher nicht innige dafür aber umso erfolgreichere Zusammenarbeit des seit Jahrzehnten erfolgreichsten Tandems an der Klubspitze beendete. Seitdem fehlte die sportliche Kompetenz. Warnungen wurden arrogant ignoriert und den Alleingängen verschiedener Entscheidungsträger wurde nicht ausreichend oder auch gare nicht vom völlig überforderten Aufsichtsrat entgegengewirkt – und der HSV steht da, wo er folgerichtig stehen muss: sportlich wie finanziell im Abseits.

„Wir werden auf der Basis gewohnter wirtschaftlicher Solidität die notwendigen sportlichen Entscheidungen treffen, um uns für die nächsten Jahre richtig aufzustellen“, beschreibt Hoffmann, dass man bemüht sei, trotz wenig Geld gute Spieler bekommen zu wollen. Ich bin mir fast sicher, dass allein dieser zweifellos getrübte Blick in die Zukunft bis und natürlich auch bei der Jahreshauptversammlung am 9. Januar für Gesprächsstoff sorgen wird.

Es werden die Schuldigen gesucht, und das muss auch so sein. Das ist notwendig, um Fehlfunktionen zu beheben. Allerdings ist das gerade im Vorfeld der Jahreshauptversammlung ein beliebter Vorgang, um politische Gegner zu diskreditieren. Schließlich stehen auch Wahlen (von Aufsichtsräten) an. Hoffmanns Kritiker werden ihn in die Ecke treiben wollen, ihn Hoffmann wird entweder andere Schuldige ausmachen oder die Situation beschönigen. Allerdings wird all das dem HSV aktuell nichts helfen, denn der steckt in der offensichtlich größten Krise der letzten zehn Jahre. Der HSV hat absolut keine Zeit, um persönliche Fehden auszutragen. Um der Krise entgegenzuwirken, bleibt dem HSV keine Millisekunde für etwas anderes, als das, was diese Mannschaft in der Rückrunde besser machen kann.

Warum ich das sage? Ob ich hier Entscheidungsträger vorläufig schürzen will? Mitnichten! Absolut nicht, ich bin sogar sehr dafür, eine ausführliche Analyse samt den dazugehörigen Folgeentscheidungen stattfinden zu lassen. Daran werde ich mir hier zusammen mit Euch auch gern aktiv beteiligen.

Aber nicht jetzt. Jetzt habe ich Angst. Die Angst, dass sich dieser HSV verhebt. Ich höre fast täglich Stimmen von den Hoffmann-Kritikern, die sich postieren und den großen Machtwechsel anstreben. Ein neuer Klubboss muss demnach her, am besten sogar schon direkt nach der Jahreshauptversammlung. Und am besten gleich noch ein neuer, stärkerer weil erfahrener Sportchef dazu. Aber Leute, selbst wenn demso sein sollte, wie soll das alles in der kurzen Zeit klappen? Am 9. Januar ist die Jahreshauptversammlung, am 15. Januar muss die Veh-Truppe bereits in Gelsenkirchen bei Schalke zur Rückrunde antreten. Und wer trifft bis dahin die wichtigen Entscheidungen in der Winterpause? Wer klärt die Trainerfrage, wer stellt in so kurzer Zeit ein Rettungsprogramm zusammen?

Nein, das kann nicht gutgehen. Nicht jetzt! Jetzt heißt es, auf die Lippen beißen und zusehen, mit dem vorhandenen Personal das Beste aus der Situation zu machen. Ohne Rücksicht auf Egoismen. Bis zum Ende der Saison alles nur im Sinne des Vereins.

Denn der Klub hat einzig und allein über den sportlichen Weg eine letzte Minimalchance, die kommende Saison auch finanziell etwas gelassener als vollkommen verspannt angehen zu können. Soll heißen: dem Klub bleibt nur die gut vier Wochen kurze Winterpause, um sich neu zu sortieren und aus einer mittelmäßigen Mannschaft ein funktionierendes Team zu formen, das die Europa-League-Ränge in Angriff nimmt. Ein Führungsvakuum wäre verheerend. Sollte das nicht verhindert werden können, droht der Absturz ins Mittelmaß. Genau dahin, wo sich die Mannschaft diese Saison bereits befindet. Genauer genommen sogar schon das ganze Jahr befindet. Denn wie meine Kollegen von der „Bild“ gerade online veröffentlicht haben, ist der HSV von den Punkten her bundesweit im Kalenderjahr 2011 nur elfter. Also unteres Mittelmaß.

Und allein das sollte Alarm genug für alle HSV-Sympathisanten sein, den Karren endlich wieder auf Kurs zu bringen. Gemeinsam. Egal, ob neben einem ein Freund oder ein vermeintlicher „Feind“ arbeitet. Die Zeit, die Schuldigen zu suchen, bleibt anschließend auch noch. Und sie wird genutzt. Ganz sicher.

19.11 Uhr

Christians Sommergeschichte

29. Juni 2010

Liebe “Matz-abber”, sind es die Temperaturen, die einigen von Euch so gewaltig zu Kopfe steigen? Was ist hier nur wieder los? So geht es auf keinen Fall weiter, ich teile die Meinungen vieler User – so geht der Blog kaputt. Es muss etwas passieren, es wird etwas passieren. Was mich besonders trifft: Menschen, die ich als besonnen, vernünftig und nett kennen gelernt habe, die setzen sich nun auch schon über die Schmerzgrenze hinweg – das tut mir besonders weh. Ich wollte eigentlich namentliche Verwarnungen aussprechen, aber es es sollten sich ruhig viele “Matz-abber” angesprochen fühlen. Wir hatten uns alle schon einmal – oder sogar mehrfach – darauf geeinigt, dass wir jene Beiträge, die beleidigend sind, die agggressiv sind oder einfach nur nervig, ganz einfach ignorieren. Nur hält sich niemand daran.
Ich habe mir in den letzten Wochen genau in diesem Punkt Zurückhaltung auferlegt. Und ich habe vor allem jenen User, der hier inzwischen schon jeden dritten Beitrag “absondert”, mit absoluter Nichtachtung gestraft. Ich habe viele, viele Mails von ihm auch in mein privates Postfach bekommen, ich wurde beleidigt, Ihr wurdet beleidigt und diffamiert – ich habe mir aber seit vielen Wochen nicht ein Komma mehr davon angesehen.
Es geht. Warum könnt Ihr das nicht auch?

Wie gesagt, es werden nun Maßnahmen ergriffen, aber ich bitte gleichzeitig auch diejenigen, die weit, weit über das Ziel hinaus geschossen sind, in sich zu gehen. Vielfach wurde mir das auch schon per Telefon versprochen, doch die guten Vorsätze hielten dann nur bis zur nächsten Provokation. Es wäre schade, wenn wir wieder mit Aussperrungen drohen müssten – obwohl ich manchmal daran denke, dass offenbar nur diese Maßnahme so richtig fruchtet. Aber muss das sein?

Es könnte alles so schön sein. Der Sommer ist da – und wir haben immer wiedre neue Sommergeschichten. Heute ist Christian an der Reihe, ich danke Dir für Deine Mühe und für die nette Geschichte – es hat mir viel Spaß gemacht, sie zu lesen. Und los geht es:

Schwarz-Weiß-Blaue Erleuchtung

Ich hatte mein Leben lang mit Fußball nix am Hut, weder als Spieler, noch als Konsument. Und das bei besten Voraussetzungen: Mein Vater ging gerne zum Fußball und besonders in der Zeit, als sein Heimatverein Wuppertaler SV in der Bundesliga spielte, waren die Duelle HSV – WSV Pflichttermine für die Familie. Ich habe den Rothenbaum erlebt, sah Uwe Seelers letzte Spiele und es konnte mich trotzdem nicht fangen: So ging die große Zeit des HSV spurlos an mir vorbei.

Zum Fußball und zum HSV kam ich erst viel später – und völlig unverhofft: Nachdem ich des Berufs wegen Hamburg verlassen habe und jahrelang im Exil lebte, stand Ende 2002 ein neuer Job und die Rückkehr nach Hamburg an. Im November besuchte ich meinen Bruder, um Wohnungen zu besichtigen und saß in seinem Wohnzimmer, als er unvermittelt vorschlug, doch jetzt gleich zum HSV zu gehen. Frau und Schwägerin zurückgelassen, in den Bahn gesprungen und ab nach Stellingen.
Wir kauften Karten an der Tageskasse. Ich: „Kann ich mit Kreditkarte bezahlen?“ Sie: „Sie sind hier beim Fußball!“ (Durchwühlen des Portemonnaies nach Bargeldresten) Ich: „Dann bitte die billigste Karte“.

Als wir unsere Plätze ausgesucht hatten – das konnten wir damals noch, denn die Bude war nur halb voll – trabte Lotto zu seinem Lift, fuhr hoch. Die Nord zeigte die Schals und Fahnen, Lotto stimmte „Hamburg meine Perle“ an. Ich kannte das Lied nicht, ich hatte das Stadion noch nicht erlebt – es traf mich wie ein Hammerschlag.

Wäre mein Leben ein Film, es wäre ein Strahl vom Himmel gekommen, der mich in einen goldigen Glanz gehüllt hätte und ein Chor im Hintergrund hätte schwülstige Stimmung gemacht. Schlagartig war mir klar, was mir in den letzten Jahren entgangen war. Lotto und die Nord hatten mich bekehrt, ich war Fan geworden.

Seit der Folgesaison habe ich eine Dauerkarte in 22C und habe in dieser Zeit große Dinge gesehen. Unvergessen das UI-Cup-Spiel gegen Basel, eigentlich ein trostloser Kick, aber Rafael van der Vaart stand nach langer Verletzung wieder im Kader. Als die Fans sahen, wie er sich warmlief, begannen die Rufe und mit jeder Minute wurde es lauter Als er den Rasen wieder betrat, war es ganz und gar unbeschreiblich. Er war wieder zurück.

Dann sein erstes Spiel nach der Valencia-Affäre, als es gegen Leverkusen ging. Auf dem Weg zum Stadion sah ich Kinder, die den Schriftzug auf ihrem VdV-Trikot dick durchgestrichen hatten und seine Begrüßung im Stadion war eisig. Als er beim Stand von 0:0 den Ball nahm und zum Elfmeter antrat, war es totenstill im Stadion, alle hielten den Atem an. Obwohl schon Jahre her, ist mir die Szene und meine Anspannung noch höchst präsent Auch das Gefühl, als er ihn souverän versenkt hatte und die Arena völlig aus dem Häuschen war.

Daniel van Buyten, wie er im Heimspiel gegen Köln den blutenden Alexander Laas auf seinen Armen vom Feld trug. Wie in der Saison der 1000 Leiden Dortmund mit 3:0 aus dem Stadion gefegt wurde und die Wende gelang, erst ab der 80. Minute konnte ich mich wirklich freuen. Wie der HSV nach Wieses Karatetritt gegen Werder verlor und meine Frau nach dem Spiel in Richtung Gästeblock lief, um die Bremer Mannschaft abzufeiern. Auf dem Rückflug von Fulham der schwule Rugbyclub aus London mit Hünen in Netzstrumpfhosen und Nagellack auf den bratpfannengroßen Händen, der die mürrischen HSV-Fans wieder zum Lachen brachte. Wie Bastian Reinhardt sich in seinem letzten Spiel für uns warmlief, die Rufe nach ihm immer lauter wurden und ihn alle feierten. Wie mein Sohn an der Hand von Hermann Auflaufkind war und selbst seine grün-weiße Mutter Tränen der Rührung in den Augen hatte, als sie den kleinen Mann in die riesige Arena laufen sah.

Neun Jahre große Emotionen: Enttäuschungen, Freudensprünge, Siege, Niederlagen. Und immer das Gefühl, Teil von etwas Einzigartigen zu sein.
Vor allem aber habe ich gesehen, wie sich der HSV entwickelt hat, wie das Stadion immer voller wurde und wie es stetig weiterging in Richtung Spitze. Auch wenn zwei Schritten nach vorne gerne mal einer nach hinten folgt oder wir mal eine Pirouette drehen: Wir sind wieder wer. Die Zeit ist nicht mehr fern, das Bayern München nicht nur vor den Spielen gegen uns, sondern die ganze Saison über mit Sorge und Respekt auf den HSV schaut.

17.44 Uhr

Der Koloss birgt Chancen

25. September 2009

Die Schwarzmalerei für das Bayern-Spiel, die ich auch vielen Kommentaren entnommen habe, ließe sich nach den Eindrücken der jüngsten Partien, vor allem der Pleite in Osnabrück, problemlos fortsetzen. Aber ich möchte an dieser Stelle auch mal eine Lanze für den HSV und für seine Spieler brechen. Tabellenführer wird man schließlich nicht durch Zufall. Die Spitzenposition in der Liga ist ein Zeichen erfolgreicher Arbeit, und die Bayern werden entgegen aller großmundigen Ankündigungen aus München eben auch mit einer großen Portion Respekt in die Hansestadt kommen.

Darum möchte ich in diesem Beitrag auch einmal intensiver auf die Chancen des HSV eingehen, die sich aus meiner Sicht gegen die Bayern ergeben könnten. Denn ähnlich wie die gestern aufgezeigten Baustellen im HSV-Team sind meiner Meinung nach auch die Bayern noch nicht in dem Zustand, dass man sie als dominante „Durchstarter“ betrachten sollte oder müsste.

Ein gutes Beispiel für die in dieser Saison oft wechselhaften Bayern und für ihren Balanceakt zwischen offensiver Brillanz und defensiver Anfälligkeit ist Daniel van Buyten. Als die Bayern ihn einst aus Hamburg an die Isar lotsten, waren sie begeistert von diesem belgischen Koloss. Als „Fels in der Brandung“ sollte er die bayrische Überlegenheit noch ausbauen, sollte zur Führungsfigur werden. In Hamburg, das möchte ich nicht verheimlichen, auch wenn es aus dem „Nähkästchen“ kommt, waren die Kollegen und viele Verantwortliche gar nicht so traurig, dass van Buyten die Mannschaft verließ. Nach seiner anfänglichen Teamplayer-Haltung wandelte sich der Belgier nämlich mehr und mehr zum Egoisten. Ein Spieler sagte einmal zu mir: „Achte mal darauf, was Daniel nach Gegentoren sagt.“ Tatsächlich schob er einige Verantwortung für Gegentreffer Nebenleuten zu, manchmal auch nur indirekt. Und bei einem Großteil seiner Weggefährten hat er es sich dann endgültig verscherzt, als er öffentlich seine Versetzung in den Angriff forderte. Frei nach dem Motto: Die anderen sind so schlecht, das kann ich besser…

Nun gut, in München kann sich van Buyten ein derartiges Verhalten natürlich nicht erlauben. Eigentlich stand er, das weiß ich aus mehreren Bayern-Quellen, sogar schon auf dem Abstellgleis. „Bundesligatauglich“ hieß es vor Louis van Gaals Antritt als Trainer, gerade auf internationalem Niveau aber mit zu vielen defensiven Defiziten behaftet. Im sportlichen Klartext: Van Buyten ist als kopfballstarker, körperlich dominanter Verteidiger gut, besticht (und blendet vielleicht auch etwas) durch seine Torerfolge und ist zudem eine imposante Erscheinung, die – und jetzt kommen die Einschränkungen – allerdings nicht über einige Defizite hinwegtäuschen. Van Buytens Stellungsspiel bei schnellen gegnerischen Vorstößen ließ in den vergangenen Monaten einige Schwächen erkennen, und in Sachen Geschwindigkeit und Wendigkeit macht er auch nicht immer den besten Eindruck. Da sollten David Jarolim und Ze Roberto, die van Buytens Spiel bestens kennen, ihren Kollegen wertvolle Tipps geben können.

Eine weitere „Baustelle“ betrifft beim FCB die Mittelfeldzentrale. Tymoshchuk hat da noch längst nicht die Führungsqualitäten offenbart, die man sich von dem Neuzugang erhofft hat. Ich bin besonders gespannt, wie er sich im direkten Aufeinandertreffen mit Jarolim zeigen wird. „Jaro“ ist vielleicht nicht der Schnellste, und seinen Schüssen kann man leider oft „Brötchen nachwerfen“, wie es Hamburgs Amateurtrainer nur zu gerne vom Spielfeldrand reinschreien, aber mit Zé Roberto bildet der Tscheche ein kongeniales Duo, das einen Spielrhythmus auch auf höchstem Niveau bestimmen kann. Den Bayern fehlt im Mittelfeld ein – ich sage es jetzt mal ganz flapsig – „Drecksacktyp“ der Marke van Bommel. Einer, der auch mal physische Zeichen setzt. Einen, der den Unmut der Gegner und Fans gegen sich aufbringt. Einen, der sein Team durch unkonventionelle Maßnahmen auf dem Platz auf- und mitunter sogar wachrüttelt, der das (Möchtegern-)Siegergen offen zur Schau trägt.

Immerhin in einer Sache sind wir uns wohl diesmal alle einig: Wir freuen uns auf Ivica Olic. Die Bayern werden staunen, welche positiven Reaktionen der Kroate hier immer noch hervorruft, obwohl er nun bei einem der ärgsten Widersacher spielt. Und wenn er denn ohne Torerfolg bleibt, wird Olic wohl auch entsprechend positiv verabschiedet werden.

Die Gewinner hätte ich fast vergessen: Philipp Schmidt gewann das Trikot von Volker Schmidt – Zufall, es haben sooo viele Schmidts mitgemacht.

Die zwei Karten bekommt Dennis Borske aus Hamburg.

Die Lösung lautete 0:4. So deutlich verlor der HSV sein erstes Heimspiel in der Bundesliga gegen den FC Bayern.

13:50 Uhr

“Wie heißt du?”

22. September 2009

Als er allein vom Trainingsplatz kam, stürzten sich einige jugendlichen Autogrammjäger auf ihn. Die Frage allerdings, die die jungen Herren dem „HSV-Profi“ stellten, war mehr als unpassend: „Wie heißt du?“ Wahrheitsgemäß antwortete der neue Testspieler des HSV: „Ich bin Ebi Smolarek.“ Und dann durfte er tatsächlich auch noch unterschreiben. Immerhin könnte der 28-jährige Stürmer schon demnächst für den HSV auf Torejagd gehen. So er sich denn in die Herzen der Klub-Verantwortlichen und der Trainer schießt und dribbelt. „Smolarek ist flink, schnell und torgefährlich“, lobt HSV-Co-Trainer Eddy Sözer die Testperson. Bis mindestens Mitte nächster Woche soll Smolarek noch in Hamburg vorspielen, erst dann soll eine Entscheidung darüber fallen, ob er tatsächlich als Soforthilfe verpflichtet wird.

Am Tag eins im Volkspark aber war absolut nicht erkennbar, wohin der Hase laufen wird. Ebi Smolarek hat sich in den letzten Wochen allein fit gehalten, hat viele Waldläufe absolviert. Ob er das mit Erfolg tat, war beim besten Willen nicht zu erspähen, denn die meiste Zeit stand Smolarek wie ein Fremdkörper auf dem Trainings-Rasen herum (siehe auch das Video bei „Matz ab“). Gefordert wurde er überhaupt nicht, ein Spiel, in dem er sein Können hätte unter Beweis stellen können, fand auch nicht statt, und irgendwie konnten die Trainingskiebitze den Eindruck gewinnen, als hätte sich Smolarek an diesem Nachmittag eine leichte Unterkühlung zugezogen.

Zum Schluss der zweistündigen Übungseinheit, die immerhin über 200 Zuschauer verfolgten (!), durfte Ebi Smolarek wenigstens noch etwas von seiner Klasse zeigen, die er anscheinend immer noch hat. Bruno Labbadia warf ihm Bälle zu (oder spielte sie ihm in die Füße), und dann durfte der polnische Nationalstürmer nach Herzenslust draufhalten. Und das tat er in den meisten Fällen überzeugend – rechts wie links. Dass er dann als erster Spieler den Platz verließ und allein in Richtung Kabine marschierte, war wohl auch nicht untypisch für den schlaksigen Profi, denn schon in Dortmund, als BVB-Stürmer, hatte er den Ruf weg, ein (gelegentlicher) Einzelgänger zu sein.

Fazit: Der erste Smolarek-Tag in Hamburg konnte keinerlei Aufschlüsse darüber geben, ob aus diesem eventuellen Not-Einkauf etwas werden könne. Am Dienstag fuhr der Testspieler nach dem Training zurück nach Rotterdam, um einige Dinge zu klären und einige Sachen nach Hamburg zu holen, am Mittwoch wird er dann an die Elbe zurückkehren, um am Donnerstag wieder mit seiner (zukünftigen?) Mannschaft zu trainieren.

Mein erster Eindruck? Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, bereits heute ein kleines Urteil über den Polen abzugeben, aber das ist schlichtweg nicht möglich  er stand die meiste Zeit fast tatenlost herum. Immer wieder wurde ich gefragt, warum ein Ebi Smolarek derzeit ohne Vertrag und Verein ist, aber auch diese Frage kann ich nicht beantworten. Co-Trainer Sözer sagte dazu: „Das werden wir mit Ebi unter sechs Augen besprechen.“

Auf jeden Fall steht fest: Smolarek will wieder (unbedingt) in die Bundesliga zurück, und er will zu einem Spitzenklub. Dazu gibt er alles, auch wenn er das im ersten Training nicht zeigen (und geben) durfte. Immerhin aber ist sich ein aktueller polnischer Nationalspieler nicht zu schade, sich einem mehrtägigen Probetraining zu unterziehen. Das spricht für seinen Charakter und seinen Willen, noch einmal angreifen zu wollen.

Für mich, wenn ich da einmal auf „ältere Tage“ zurückgreifen darf, war Ebi Smolarek immer eine „äußerst unangenehmer Gegenspieler“ für den HSV. Saß ich oben auf der Tribüne, habe ich ihn im Geiste als „Filzlaus“ tituliert. Und das ist keineswegs böse gemeint. Vielmehr ist es angelehnt an den Film-Klassiker mit Lino Ventura, der als Killer einen Staatspräsidenten erschießen soll, aber immer dann, wenn er schussbereit war, fiel ihm die „Filzlaus“, die Selbstmord begehen wollte, vor die Flinte. Jeder Selbstmordversuch der „Filzlaus“ scheiterte kläglich, der Mann schaffte es lediglich immer wieder, Ventura zu nerven und zu stören. Stören ist dabei das Stichwort: Vielleicht erinnert sich der eine oder andere HSV-Fan an Spiele gegen Dortmund (mit Ebi Smolarek). Ich sehe sie noch vor mir: Beim HSV hinten die eisenharten Khalid Boulahrouz und Daniel van Buyten, und mittendrin stets der “dritte Mann”: Smolarek. Wurde er getreten, trat er zurück. Wurde er gehalten, hielt er auch. Wurde gepöbelt, pöbelte er mit. Wurden sich abseits des Balles „körperliche Nettigkeiten“ wie Rempeln, Stoßen oder Kneifen ausgetauscht – er mischte immer munter mit. Motto: Keine Angst vor großen Tieren. Smolarek ließ sich nie abschütteln; lag er am Boden, stand er sofort wieder auf und ging unerschrocken mächtig zur Sache. Und hinzu kam natürlich auch seine große Torgefährlichkeit, sein schlitzohriges Talent, immer dort zu sein, wo es gefährlich werden könnte.

Genau das hatte ihn zuletzt wohl  nach England und nach Spanien gebracht. Warum es da aber nicht funktionierte, entzieht sich meinen Kenntnissen. Vielleicht deshalb, weil diese Ligen doch zu stark (auf jeden Fall stärker als die Bundesliga) sind. Und genau das ist der Punkt, warum ich glaube, dass Ebi Smolarek demnächst ein HSV-Profi ist. Er wird in der Bundesliga wieder sein Ding machen, weil hier die Abwehrspieler nicht ganz so eng und körperbetont decken, vielleicht auch nicht ganz so brutal hart sind wie in England und im Süden Europas.

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