Archiv für das Tag 'Valencia'

Nach der EM ist vor dem HSV! Und: Beister und Westermann kommen zu “Matz ab live”

29. Juni 2012

Das ist mal n mächtiger Kater. Und den habe ich, obwohl ich gestern Abend wie immer nur Hefe alkoholfrei getrunken habe. Und trotzdem schmerzt dieser Kater mehr als nach ’nem Abend in der russischen Kaserne – denn dieser Kater hat einen sportlichen Hintergrund. Wie immer nach Deutschland-Niederlagen bei großen Turnieren ist für mich der Tag danach der schlimmste im Turnier. Der allerschlimmste…. Zumal dann, wenn sich eine Mannschaft selbst schlägt, wie wir es gestern gemacht haben. Ein kurzer Rückblick sei erlaubt….

Das ging schon bei der Nationalhymne los. Mein Freund Carsten Wittiber sagte da schon: „Guck dir mal den Buffon an! Wie der das Lied voller Inbrunst brüllt! Da wird einem doch schon klar, dass wir nicht gewinnen. Unsere Deutschen sind still, die singen gar nicht mit. Da ist gar keine Spannung. Und die Italiener brüllen ihre Nationalhymne.“ Sein Paradebeispiel blieb Buffon, der quasi aus Polen bis nach Rom zu schreien schien: „Seht her, ich mache das für Italien.“ Aber okay, ich bin kein Nationalist und es sollte jedem selbst überlassen sein, wie er mit seiner Herkunft umgeht. Aber es war zumindest ein erstes kleines Indiz in dem Spiel.

Wobei das mit dem „erstes“ nicht ganz richtig ist. Das erste Indiz für unsere Niederlage war natürlich die kuriose Aufstellung. Da geht der ach so selbstbewusste Topfavorit plötzlich vor Italien auf die Knie und stellt um. Defensiv wohlgemerkt. Kroos gegen Pirlo und Boateng, der offensiv vielleicht der harmloseste Deutsche ist (selbst Neuers Vorstöße versprühten mehr Gefahr…) war auf rechts fast immer allein. Dabei hatten Marco Reus, Andre Schürrle und auch Klose zuvor angedeutet, dass sie offensiv belebend sind. Klose zu bringen war richtig – aber dafür Gomez rauszunehmen falsch. Plötzlich war nicht mehr Gomez allein gegen drei, sondern Klose – spätestens da wussten die Italiener, dass diesen Deutschen zu viel Respekt vor ihrer Routine haben

So viel zum Kater, so viel zum Ärger über das Spiel, das als eine der unnötigsten Niederlagen meiner noch jungen EM-Geschichte hängenbleiben wird. Aber, um noch mal einen fürs Phrasenschwein rauszuholen: Nach der EM ist vor dem HSV.

Das wäre es zwar mit einer Finalteilnahme am Sonntag auch unmittelbar gewesen, aber okay. Wir haben in Hamburg größere Baustellen als die in der Deutschen Nationalelf. Vor allem haben wir ein paar mehr. Und es geht am Montag schon los. Trainingsauftakt ist um 15 Uhr an der Imtech-Arena. Dabei werden wir René Adler erstmals sehen, ebenso wie Artjoms Rudnevs. Beide Spieler muss ich sagen, machen auf mich einen guten, einen kernigen Eindruck. Adler, weil er trotz seiner jungen 27 Jahre schon als erfahrener Spieler durchgeht und mir bei unseren Telefonaten zuletzt imponiert hat. Der ehemalige Nationaltorhüter scheint jemand zu sein, der zu dem steht, was er sagt, macht und entscheidet. Beispiel: In Interviews, gerade wenn sie so lang sind wie das mit ihm, werden normalerweise anschließend bei der Autorisierung immer noch mal Änderungen vom Interviewten vorgenommen. Das ist nicht ungewöhnlich, das ist normal.

Anders bei Adler.

Wenn er etwas ändern wollte, dann lediglich in der Formulierung – nicht aber im Kontext. „Ich weiß, was ich sage und schweige lieber, als irgendwas Falsches zu sagen. Und wenn ich mal was Falsches sage, stehe ich dazu.“ Klingt gut.

Über Rudnevs weiß ich noch nichts persönlich, ich habe ihn noch nicht sprechen können. Aber ich habe mich mit verschiedenen Leuten über ihn unterhalten. Und das ausschließlich positiv. Überall, selbst bei denen, die es tendenziell nicht so gut mit dem HSV meinen, gilt Rudnevs als großes Talent. Sollte sich das ebenso bestätigen, wie die charakterliche Beschreibung von Frank Arnesen („Artjoms steht zu 100 Prozent hinter seiner Entscheidung, zum HSV zu kommen. Er will hier unbedingt was bewegen“), dann dürfen wir uns auf einen Typen freuen, der uns vielleicht ebenso viel Freude macht wie einst Olic.

Viel Freude erwarte ich auch von Maximilian Beister. Der Junge hat schon in Düsseldorf gezeigt, was er kann. Er hat Tempo, den Zug zum Tor, und er ist frech. Er traut sich was. Ergo: Maxi spielt das, was uns gestern gegen Italien fehlte.

Dass seine Leistungen in der Zweiten Liga nicht sofort 1:1 in der Ersten Liga umzusetzen sind, ist klar. Das soll und darf auch niemand erwarten. Aber ich glaube, dass allein schon die Mentalität von Maxi ein Qualitätsmerkmal ist, das uns berechtigt hoffen lässt. „Für mich folgt der nächste Schritt“, sagt Beister, „und das wird ein großer. Ich weiß, dass es schwerer wird. Ich weiß aber auch, dass ich mich durchsetzen werde.“ Gut so. So soll es sein. Mutig nach vorn gedacht. Und wenn es mal hakt – dann wird trainiert. Plötzlich auf der Bank zu sitzen bedeutet eben nicht sofort, dass man es nicht kann. Das wissen wir seit gestern auch von Schweini, der angeblich keine Probleme gehabt hätte, auch mal auf der Bank zu sitzen (warum sagt er es erst nach dem Ausscheiden?). Obwohl er vorher bei seiner Pressekonferenz betont hatte, „ich bin 100-prozentig fit“… Na gut, ich schweife wieder in die Vergangenheit ab und ärgere mich.

Dabei ist der Blick nach vorn sehr wohl spannend. Zum einen, weil wir am Sonntag, am letzten Tag vor dem Saisonauftakt des HSV, den HSV-Kapitän Heiko Westermann im Anschluss an das Finale bei „Matz ab live“ im Champs begrüßen dürfen. Zum anderen, weil das noch nicht alles ist. Auch Maximilian Beister wird kommen und somit seinen ersten öffentlichen Auftritt in Hamburg feiern. Bei uns im Blog! Ich freue mich auf zwei sehr interessante Gäste, mit denen wir über das Finale, über das Auftreten der Deutschen und natürlich viel über die bevorstehende HSV-Saison sprechen werden.

Zum anderen ist der Blick nach vorn spannend, weil es beim HSV noch eine Latte Personalien zu klären gibt. Was wird aus Jaroslav Drobny? Was passiert bei Paolo Guerrero, der intern einen sportlich hohen Stellenwert genießt aber schlichtweg im Gehalt zu teuer ist? Nach dem SSC Neapel soll jetzt auch Valencia Interesse haben. Dazu Espanyol Barcelona, die sich allerdings ob eigener Finanzprobleme vorerst aus dem Rennen verabschiedet haben dürften.

Es sind noch mehr Namen zu nennen, allerdings wurde das hier schon x-fach geschrieben. Und da es tatsächlich keine Bewegung gibt, belasse ich es bei diesen paar Zeilen darüber.

Wobei, am Ende möchte ich dann doch noch mal zwei große Komplimente loswerden. Das erste noch mal rückwirkend an den begeisternden Fußball, den die Deutschen exklusive Halbfinale gespielt haben. In der Qualifikation haben sie komplett überzeugt, Portugal, Holland, Dänemark und Griechenland waren chancenlos. Und das mit der jüngsten Truppe des Turniers – das lässt einiges erhoffen für 2014. Und, wer sieht es nicht auch so? Weltmeister werden ist noch ne Ecke geiler als Europameister…

Und mein zweites Kompliment geht an Lotto King Karl. Der Mann ist als Gesprächsgast nicht nur eine Bank, er ist auch wohltuend ausgeglichen in seinen Analysen. Dass unser Stadionsprecher und HSV-Hymnen-Sänger zudem ein Pfundskerl ist, wissen seit gestern auch die 500 Gäste im Champs. Okay, nicht alle. Aber sicher ein ganz großer Teil, denn Lotto musste gestern nicht nur etliche Autogramme schreiben und Fotos machen – er unterhielt sich auch extrem geduldig mit jedem Gast, der ihn etwas fragte. Und das nicht oberflächlich, wie man es von dem einen oder anderen Sternchen gewohnt ist. Nein, Lotto hört zu, er fragt seinen Gegenüber, antwortet ausführlich und vermittelt seinen Gesprächspartnern das Gefühl, sehr persönlich zu sein. Im positiven Sinne. Wahrscheinlich passen er und Dieter deshalb so gut zusammen – privat wie in der Sendung. Obwohl sie beide noch eine gemeinsame Leidenschaft zu BU verbindet. Denn während Dieter dort seine Hochzeit als Fußballer verlebte, wurde Lotto stets von seinem Vater mit ins kleine, traditionsreiche Stadion von Barmbek-Uhlenhorst geschleppt. Seither lieben beide den Klub. Allerdings nicht ganz so sehr wie den HSV…

In diesem Sinne, nach der EM ist vor dem HSV. Und der wird uns in den nächsten Wochen auf Trab halten. Wie? Darüber werden wir am Sonntag 15 Minuten nach Spielschluss des Finales mit Heiko Westermann und Maximilian Beister sprechen. Live im Champs – live hier im Blog. Und vor allem: mit einem Hinweis, in welchem Blog ihr die Fragen stellen könnt, die ich dann versuchen werde, an die beiden Gäste weiterzuleiten…! Versprochen!

Bis morgen! Dann wieder mit Dieter. Wir sehen/hören uns am Sonntag!

Scholle

Der HSV sucht Verstärkung – dafür soll Demel gehen

15. August 2011

Heute war trainingsfrei: Ein Tag Ruhe nach einem Wochenende, dass allen Beteiligten inklusive uns hier im Blog zu denken gegeben hat. Und auch Ihr hattet darüber diskutiert, ob sich der HSV diesen freien Tag erlauben kann. Eine berechtigte Diskussion, wie ich finde. Aber auch eine, die definitiv beide Schlüsse zulässt. Denn die Erholung für die Spieler ist ebenso wichtig und notwendig, wie der HSV Nachholbedarf in Sachen Automatismen hat. Denn, ohne hetzerisch sein zu wollen, ich habe in dem Spiel der Aufsteiger vom FC Augsburg in Lautern wirklich mehr einstudierte Spielzüge und eine deutlich bessere Abstimmung gesehen als beim HSV gegen Hertha. Denn da war nicht mal das Auffälligste der Vorbereitung zu sehen: die Flankenläufe von Dennis Diekmeier. Statt immer wieder steil zu gehen und seine Schnelligkeit zu nutzen, beschränkte sich der Rechtsverteidiger wie sein Penadant auf links, Dennis Aogo, auf die Defensivarbeit. Und dadurch fehlte dem HSV eine Menge Offensivqualität.

Schon deshalb bin ich froh, dass jetzt noch etwas geht: der HSV ist weiter auf der Suche nach Verstärkung. „Der Transfermarkt ist noch 15 Tage geöffnet“, sagt jetzt Frank Arnesen und kündigt an, „da kann noch einiges passieren.“ Eine Aussage im Konjunktiv, die umgesetzt werden sollte. Und wird es auch. Wenn meine Informationen richtig sind, ist Arnesen weiter auf der Suche nach Verstärkungen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der HSV noch einen oder zwei Spieler abgeben kann. „Sollte das gelingen, haben wir eventuell die Möglichkeit, noch einen Neuen zu holen.“ Erste Streichkandidaten sind weiterhin die eh schon aussortierten Guy Demel und Mickael Tavares.

Zudem sollen noch ein, zwei Spieler verliehen werden. Hier gilt Sören Bertram als erster Kandidat, während ein Verleihgeschäft von Tolgay Arslan ausgeschlossen ist. Der Angreifer ist zwar immer noch verletzt, allerdings hat er Oenning in der Vorbereitung komplett überzeugt. „Tolgay hat gezeigt, dass er uns helfen kann“, so der Trainer. Ebenfalls ausgeschlossen scheint ein Verkauf von Änis Ben-Hatira, an dem zuletzt Hertha BSC interessiert gewesen sein soll. Ein Umstand, den Arnesen nicht bestätigen wollte. „Ich saß vor dem Spiel mit den Verantwortlichen aus Berlin zusammen und keiner hat irgendwas davon gesagt. Insofern gehe ich davon aus, dass es kein Interesse gibt“, so Arnesen, der zudem betonte, Ben-Hatira sowieso nicht abgeben zu wollen.

Stattdessen könnte es noch einen zentralen Mittelfeldspieler treffen. Denn genau für die Position sucht der HSV derzeit nach Verstärkung, nachdem die Mannschaft sowohl in der Vorbereitung als auch in den ersten Ligaspielen genau dort am schwächsten Präsentierte – ohne einen Lösungsansatz zu bieten. Allerdings stellt sich mir die Frage, wer dann gehen muss. Denn immerhin stehen mit Robert Tesche, Gojko Kacar, Tomas Rincon, David Jarolim und sogar noch Heiko Westermann gleich fünf Kandidaten zur Verfügung – Neuzugang er Skjelbred nicht mal mitgerechnet. Definitiv zu viele Kandidaten für gerade mal zwei Positionen…

Klar ist, dass man für den 32-jährigen Jarolim nicht mehr viel bekommen würde, Tesche gerade erst seinen Vertrag verlängert hat und Westermann zum Kapitän bestimmt wurde. Und Kacar gilt trotz seiner weiterhin stagnierenden schwachen Form als Eckpfeiler in Oennings Planungen. Bliebe – dem Ausschlussverfahren sei dank – wohl nur noch Tomas Rincon übrig. der altersmäßig für andere Klubs interessant sein dürfte und zuletzt bei der Copa America stark aufspielte. Zumal ich von dem Venezolaner weiß, dass seine Geduld in diesem Jahr deutlich limitierter ist als in den vergangenen Jahren. „Ich will einen Stammplatz und der Mannschaft helfen, wieder international zu spielen“, so Rincons klare Ankündigung. „Ich habe beim HSV sehr viel gelernt und es ist an der Zeit, über die Reservistenrolle hinaus zu kommen“, so Rincon, der sicherlich zu den „Abgabe-Kandidaten“ zählen dürfte, die dem HSV noch ein wenig finanziellen Spielraum ermöglichen könnten.

Nicht mehr dazu zählt Wolfgang Hesl, der zudem ablösefrei zu Dynamo Dresden gewechselt ist. Für den Keeper soll kostengünstig Ersatz geholt werden. „Wir werden noch einen dritten Torwart holen“, sagt Arnesen, und fügt hinzu, dass der Markt auf der Torwartposition derzeit sehr überschaubar sei. Zuletzt hatten Arnesen und Oenning immer wieder betont, noch einen jungen, deutschen Torhüter holen zu wollen. Den allerdings gibt der Markt derzeit nicht her. „Deshalb werden wir einen Torwart übergangsweise holen und eventuell im Winter noch mal aktiv“, so der HSV-Sportchef, der sich einem Internetportal zufolge auf einen Anruf aus Spanien freuen darf.

Laut des italienischen Portals „tuttomercatoweb” soll der spanische Spitzenklub FC Valencia bereit sein, zehn Millionen Euro Ablöse für den kroatischen Nationalspieler zu bezahlen. Eine italienische Quelle über einen kroatischen Spieler, der von einem deutschen verein nach Spanien wechseln soll – klingt doch seriös, oder?? Und dann noch die Summe von zehn Millionen Euro… Eine Summe, die ich für utopisch halte und von der beim HSV noch niemand etwas gehört haben will. Und ganz ehrlich: sollte der HSV auch nur die Hälfte für den Angreifer geboten bekommen, wäre ich schon überrascht. Zumal Petrics Vertrag am Saisonende ausläuft und der Kroate demnach im Juli 2012 ablösefrei gehen könnte. Zudem müsste der HSV dann wieder neben dem Mittelfeld auch im Angriff nachlegen – und gute Stürmer sind teuer.

Fakt ist, dass noch etwas passieren sollte. Das scheint ja auch hier im Blog die Meinung der Mehrheit zu sein. Und auch wenn ich persönlich nicht allzu viel von Internetabstimmungen halte, würde mich interessieren, wo Ihr den größten Bedarf seht. Vor allem auch: wen würdet Ihr holen? Ich bin gespannt, was so zusammenkommt.

In diesem Sinne, bis morgen! Training ist da um zehn und um 15 Uhr an der Arena.

Scholle (18.45 Uhr)

Und dann am Blogende leider noch eine sehr traurige Meldung:

    Ilija Eplinius ist am vergangenen Freitag im Alter von 70 Jahren verstorben.

    Der Amateurvorstandvorsitzende verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit in Hamburg. „Wir haben einen langjährigen und sehr engagierten Wegbegleiter verloren. Ilija Eplinius hat für den Sport im HSV gelebt und über viele Jahrzehnte die Geschicke des Amateursports entscheidend mitbestimmt. Seine herzliche Art und seine Kompetenz werden uns sehr fehlen. Ich möchte der ganzen Familie unsere große Anteilnahme aussprechen”, so HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel via www.hsv.de.

    Ilija Eplinius arbeitete 30 Jahre neben seinem Beruf in der Hamburger Baubehörde als Abteilungsleiter im Handball und hatte maßgeblichen Anteil an der Umsetzung des „HSV Handball“. Im Jahr 2000 wurde Eplinius in den Amateurvorstand gewählt, in dem er 2003 den Vorsitz übernahm. Erst vor zwei Wochen musste er seine Aufgaben aus gesundheitlichen Gründen an seinen Stellvertreter Hartmut Stöpel übertragen.

    Unser tiefes Mitgefühl, und da spreche ich sicherlich auch im Name meines Blogvaters Dieter, gehört besonders seiner Frau und seinen zwei Töchtern.

Mit Jarolim gegen Oldenburg

29. Juli 2011

Keine Angst vor großen Tieren. Obwohl es ja für den HSV erst einmal gegen die „kleinen Tiere“ geht, nämlich im DFB-Pokal gegen den VfB Oldenburg. Aber darum ging es im heutigen Abschlusstraining nicht vordringlich. Es war nur eine putzige Szene, die mich an die „Angst“ erinnerte: Als auf drei Stationen „Sechs gegen Zwei“ gespielt wurde, herrschte beste Stimmung auf dem Rasen, es wurde gelacht, gescherzt und geflucht. Letzteres von jenen Spielern, die in den Kreis mussten – um dort hinter dem Ball herzujagen. Bei acht Leuten war es besonders heiter und laut, das gab es mitunter das reinste „Indianergeheul“ zu hören: Eljero Elia, Romeo Castelen, Änis Ben-Hatira, Jaroslav Drobny, Ashton Götz, Janek Sternberg und Torwarttrainer Ronny Teuber. Und nun zu jener Szene mit „keiner Angst“. Als Drobny in der Mitte war, der Ball hoch oben in der Luft, da sprang der mindestens einen Kopf kleinere Ashton Götz dem langen Keeper so vehement in die Seite, dass der größte Mühe hatte, seinen körperlichen Vorteil auszunutzen. Keine Angst vor großen Tieren eben – der Kleine ging mächtig zur Sache. Machte er übrigens nicht nur in dieser Szene, ich hab den Eindruck, dass der 18-Jährige immer selbstbewusster wir und deshalb frisch und unbekümmert mit – und aufspielt. Und ich habe mir dabei gedacht: Da kommt mal wieder einer, bei dem man die Hoffnung hat, dass er sich bis ganz oben durchbeißt. Obwohl das sicher noch dauern wird.

Das Programm von heute: Erst wurde sich warmgelaufen, dann gab es Direktspiel, Pässe in den Fuß des Mitspielers, dann bat Konditionstrainer Günter Kern zum Hügel, an dem es fünf Minuten lang kurze Sprints gab – es folgte „Sechs gegen Zwei.“ Zum Abschluss wurden Spielzüge eingeübt, Standards geschlagen, die Abseitsfalle geübt (!) – und es gab auch ein Abschlussspielchen. Um 12.09 Uhr verteilte Trainer Michael Oenning die roten Hemden – für die Stammformation. Wobei alle Trainingskiebitze ganz genau hinsahen, ging es doch um die Frage: Robert Tesche oder David Jarolim? Nachdem Dennis Aogo, Mladen Petric und Heung Min Son ihre Hemdchen schon einkassiert hatten – gab es das „Rot“ auch für? And the winner is: „Jaro“. Vorläufig jedenfalls.

Zwei Szenen hatten vor dem Spiel noch für Erheiterung gesorgt: Als Son ein Abpraller vor die Füße flog, da flog ihm auch Drobny entgegen – der Torwart hatte einen Nachschuss des Südkoreaners erwartet. Son aber täuschte den Schuss nur an, Drobny flog „falsch“ – und Son schob den ball lässig in die Mitte, wo Petric vollendete. Die Fans lachten und freuten sich, am lautesten aber lachte Eljero Elia, der mit dieser Finte von Son wohl auch nicht gerechnet hatte. Gut gemacht! Und den Hoch-und-Weit-Preis des Tages gab es für Gojko Kacar, der den Ball aus kurzer Entfernung nicht nur über das Tor setze, sondern auch über den Fangzaun. Das war eine Kunst. Der Serbe hielt sich entsprechend die Hände vor sei Gesicht. Romeo Castelen hatte eine ähnliche Szene, schaffte es aber nicht, den großen Zaun zu überwinden, es fehlten ein, zwei Zentimeter.

Beim Spiel selbst schoss dann Mladen Petric (nach einem herrlichen Töre-Pass) das einzige Tor – indem er den Ball mit der Sohle an dem herausstürzenden Tom Mickel vorbeizog und aus spitzem Winkel einschoss. Da gab es donnernden Applaus von den Rängen.
Und gestaunt wurde auch noch danach, als es zur Entspannung ein kurzes, aber heftiges Scheibenschießen“ gab. Große Bewunderung erntete zuerst Janek Sternberg, der den Ball gegen Mickel in den oberen linken Winkel schlenzte – herrlich. Auch Petric gelang später noch ein ähnlicher Treffer.

Etwas zurückhaltender war an diesem Tag Heung Min Son. 18 Tore hat er in der Vorbereitung erzielen können, in Oldenburg soll diese Serie fortgesetzt werden. „Unsere Mannschaft ist bestens vorbereitet, wir haben ordentlich Gas gegeben – und wir haben trotzdem immer unseren Spaß gehabt, jetzt kann es losgehen“, sagt Son erwartungsfroh und führt an: „Ich weiß nicht, ob wir besser als in der vergangenen Saison werden, aber ich hoffe es.“ Hat er sich ganz sicher vorgenommen, weiterhin viele Tore für den HSV zu schießen, aber er hält den Ball flach: „Wichtig ist nicht, ob ich Tore schieße, sondern wichtig ist nur, dass wir als Mannschaft Erfolg haben. Ich hoffe, dass wir mit dem Gewinnen schon morgen beginnen.“

Vor einem Jahr hatte Son in der Vorbereitung auch ähnlich gut getroffen, und dann verletzte er sich im Saisoneröffnungs-Spiel gegen Chelsea schwer, zog sich einen Bruch des Mittelfußes zu. Diesmal kommt die Saisoneröffnung erst am Dienstag, im Spiel gegen den FC Valencia. Spielt er mit? Er sagt: „Natürlich, keine Frage. Daran, dass ich mich erneut schwer verletzen könnte, denke ich überhaupt nicht. Das wird nicht mehr passieren.“ Die Fans würde es sicherlich erfreuen, wenn Son fit und frisch in die Saison starten könnte, denn er ist inzwischen der Hamburger Publikumsliebling geworden. Er sagt: „Ich freue mich, wenn sich die Fans freuen, und wir spielen ja auch viel für sie, damit sie Spaß und Freude haben. Und ich will einfach nur Spaß haben, wenn ich Fußball spiele, das ist mir wichtig.“

Und das kann man auch sehen. Er gibt auch im Training immer alles – mit Spaß. Und es ist ihm egal, auf welcher Position er zum Einsatz kommt: „Ich spiele da, wo mich der Trainer hinstellt, und ich gebe dann mein Bestes. Ich habe kein Problem damit, wenn ich nicht in der Spitze spiele, ich kann es auch links oder rechts, oder auch hinter der Spitze. Alles kein Problem für mich.“

Hauptsache Spaß. Und Hauptsache Sieg.

So sieht es wohl auch bei Dennis Aogo aus. Der Nationalspieler gehört ja noch immer jenem Kreis an, aus dem der Trainer in der kommenden Woche den Kapitän bestimmen wird. Und ganz sicher ist es auch so, dass Aogo in der Hierarchie der neuen HSV-Mannschaft einen großen Sprung nach vorne gemacht hat. Der Mann hat einfach immer etwas zu sagen. Und ich finde das ausgesprochen gut so, denn je mehr Spieler Verantwortung übernehmen, umso besser ist es um den Teamgeist beim HSV bestellt. Und ich habe nicht erst seit der „Neuzeit“ beim HSV, die mit dieser Mannschaft Einzug gehalten hat, den Eindruck, dass sich Aogo um einen besseren Zusammenhalt in der Truppe bemüht.

Zum Pokalspiel an diesem Sonnabend sagt Aogo: „Über den Pokal gibt es den schnellsten Weg nach Europa, deswegen sollten wir uns da richtig gut drauf konzentrieren. Und nicht durch Leichtsinnigkeit früh ausscheiden. Ich nehme den Wettbewerb sehr, sehr ernst, ich nehme auch die kleinen Gegner sehr ernst, es wäre ja nicht das erste Mal, dass ein Großer an einem Kleinen scheitert. Deswegen gilt meine ganze Konzentration diesem Spiel. Die Spieler des VfB Oldenburg werden wie um ihr Leben kämpfen, das sollten wir wissen.“

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Es war schön zu sehen, wie Michael Oenning heute nach dem Training seine Mannen noch einmal um sich versammelte. Alle saßen (im Halbkreis) auf dem Hosenboden, Oenning kniete vor seinen Spielern – und erzählte (wohl) von dem, was er erwartet, was seine Mannschaft erwartet, vielleicht auch von der Wichtigkeit dieses Wettbewerbs. Wie schön wäre es, wenn alle, wirklich alle ganz genau zugehört hätten . . .

So wird der HSV morgen spielen: Drobny; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Aogo; Kacar, Jarolim; Töre, Son, Elia; Petric.

So, schnell noch eine Nachricht des HSV (bezüglich der nächsten Woche):

Am kommenden Dienstag (Anstoß 19.15 Uhr) feiert der HSV seine offizielle Saisoneröffnung mit einem Testspiel gegen den FC Valencia. Für die Partie gegen den spanischen Champions-League-Teilnehmer wurden bislang 24 000 Tickets verkauft. An den Vorverkaufsstellen sind noch Karten in allen Kategorien verfügbar. Kinder zahlen im Vorverkauf auf allen Plätzen nur acht Euro, Erwachsene zwischen zehn und 35 Euro. An der Tageskasse wird es nur ein begrenztes Kontingent an ermäßigten Tickets geben, weshalb der HSV bittet den Vorverkauf zu nutzen.

Bei der Saisoneröffnung wird neben dem Fußball ein buntes Rahmenprogramm geboten. Bereits ab 16.00 Uhr findet auf der Westplaza eine Aktion vom neuen Exklusiv- und Hamburger Weg-Partner Hanwha Solar statt. Auf der NDR Bühne wird ein DJ schon vor dem Anpfiff für gute Stimmung sorgen. Zum Talk sind Spieler und Verantwortliche des HSV eingeladen. Nach dem Spiel wird Stadionsprecher Lotto King Karl eine gute halbe Stunde seine Songs zum Besten geben. Auch Exklusivpartner Entega beteiligt sich mit einer Eventfläche am Stadiongelände, auf der unter anderem eine Hüpfburg, eine Schussgeschwindigkeitsanlage und eine Torwand auf die Fans warten.

Und noch eine Nachricht vom HSV: Robert Tesche hat seinen bis Sommer 2012 laufenden Vertrag vorzeitig bis zum Jahre 2014 verlängert.

Allen Matz-abbern und Ihren Lieben ein wunderschönes (und erfolgreiches) Wochenende.

17.44 Uhr

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