Archiv für das Tag 'Vagner Love'

Vorbereitung: 13 Spiele, sechs HSV-Siege

12. August 2012

Vagner Love lässt grüßen. Erinnert das noch einer von euch? Vagner Love, oder wie er genau heißt: Vágner Silva de Souza, heute Stürmer bei Flamengo Rio de Janeiro, sollte zum HSV kommen. Hieß es nicht nur in Hamburg damals. Es sollte fast alles perfekt sein – und dann war rein zufällig auch noch mein „Matz-ab“-Kollege Christian Pletz in Brasilien, sprach persönlich mit dem Stürmer. Vagner Love bestätigte den Fast-Wechsel zum HSV, und „Matz ab“ vermeldete es quasi aus erster Hand – und dann platzte der Wechsel doch noch. Die Häme, die dann über „Matz ab“ einbrach, die war riesig. Und hielt monatelang, wenn nicht sogar jahrelang an. Genau deswegen stand hier gestern nichts von Hakan Calhanoglu. Weil ich mir zum Ziel gemacht habe, nur dann etwas von einem Wechsel zu schreiben, wenn auch ich mich informiert habe. Da der HSV auf Mallorca weilte und ich keinerlei „Nahrung“ zu einem Wechsel des Karlsruhers bekam, schrieb ich nichts. Bevor ich von anderen abschreibe – und vielleicht wieder erfahren muss, dass der Fast-Wechsel doch noch geplatzt ist. Häme – nein danke! Ich denke (und habe gedacht), dass es bis zum Sommer 2013 noch etwas Zeit ist – auch für andere Vereine, noch dazwischenzufahren und dem HSV noch einmal kräftig in die Suppe zu spucken . . . Mal abwarten, wie sich das alles entwickelt.

Sollte es für das nächste Jahr aber tatsächlich klappen, dann kann man dem HSV nur gratulieren. Ich sah am ersten Drittliga-Spieltag dieser Saison die Partie Heidenheim gegen den KSC (2:2) live im Fernsehen, ein Klasse-Spiel. Aufschlussreich gerade im Hinblick auf das Pokalspiel der kommenden Woche. Hakan Calhanoglu schoss in Heidenheim eine 2:0-Führung des Zweitliga-Absteigers heraus. Mit zwei großartigen Freistößen. Einen versenkte er links, einen rechts. Der HSV kann sich freuen. Wenn es denn klappen sollte – so wie es die deutsche Presse-Agentur berichtet:

Der HSV scheint den Poker um den Karlsruher Offensivspielers Hakan Calhanoglu gewonnen zu haben. Wie das „Hamburger Abendblatt“ und die „Bild“-Zeitung berichten, soll der 18 Jahre alte Kreativspieler in den nächsten Tagen einen Dreijahresvertrag von 2013 an unterzeichnen. In der kommenden Saison wird er allerdings noch beim Drittligisten KSC unter Vertrag stehen, dem nächsten Gegner im DFB-Pokal. Der HSV wollte sich dazu am Sonntag vor dem Rückflug nach dem mit 1:0 gewonnenen Test bei Real Mallorca nicht äußern.

Seit der U 16 spielt der in Deutschland geborene Sohn türkischer Eltern für die Auswahl-Mannschaften der Türkei. Zuletzt hatten auch die Bundesligisten Hoffenheim, Freiburg und Bremen um Calhanoglu mitgeboten. „Wenn es stimmt, wäre es sehr schade“, sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs, „aber zu den aufgerufenen Bedingungen hätten wir es nicht machen können.“ Der HSV soll etwa zwei Millionen Euro für das Talent an den KSC zahlen.

Vor Wochen war sich Werder angeblich schon mit Hakan Calhanoglu einig. Ich kann mir deswegen nicht vorstellen, dass die Bremer nun ohne Kampf aufgeben werden. Und andere Vereine wachen eventuell nun, wo der Wechsel zum HSV öffentlich gemacht worden ist, ja auch noch auf. Und meines Wissens dürfen Verträge dieser Art (also für 2013) jetzt noch gar nicht geschlossen werden – auch keinerlei Vorverträge.

Ganz nebenbei, gaaaaanz nebenbei: Vor Wochen hatte „uns Scholle“ hier bei „Matz ab“ als Allererster (vor allen Hamburger Zeitungen) die Meldung, dass der HSV Calhanoglu will. Marcus „Scholle“ Scholz hatte seinerzeit mit dem Berater des KSC-Spielers gesprochen, und dieser bestätigte sowohl das HSV-Interesse als auch das von Werder.

Themenwechsel. Der HSV hat mich sportlich mit dem 1:0-Sieg beim RCD Mallorca total und auch total positiv überrascht, das gebe ich gerne zu. Und irgendwie passt dieses Resultat auch gut in die Landschaft, denn der 1. FC Nürnberg verliert mit dem 0:1 gegen Betis Sevilla sein erstes Testspiel, und der HSV setzt mit dem Sieg in Spanien ein erstes richtiges Ausrufezeichen. Wobei die Defensivabteilung ganz erfreulich und sehr stark gearbeitet hat (gegen ein Team, das in der kommenden Woche um Punkt spielen soll!), nach vorne aber nicht allzu viel ging. Ballbesitz ist das Zauberwort, Trainer Thorsten Fink will Ballbesitz und lässt genau darauf auch spielen (Motto: „Haben wir den Ball, schießt der Gegner keine Tore“). Und auf Mallorca war der Gegner nicht in der Lage, mehr in Ballbesitz zu kommen. Ein Tor langt dem HSV – in diesem Fall. Und so könnte es in dieser Saison durchaus noch öfter Spiele dieser Art geben.

Mit einer Sache wusste ich gar nicht so recht, wie ich damit umgehen soll: Paul Scharner. Wieso kam der Österreicher, der sich lange warmlief, dann doch nicht zum Einsatz? Waren die beiden Innenverteidiger, Jeffrey Bruma und Michael Mancienne, zu gut an diesem Abend? Oder erhielten sie noch eine „Gnadenfrist“? Licht ins Dunkel brachte Trainer Fink, wie mir mein Kollegen Kai Schiller, der mit auf der Insel (gewesen) ist: „Paul Scharner hatte erst einen Tag mit uns trainiert, es war wichtig für ihn, dass er erst einmal die Mannschaft kennen lernt. Da der Österreicher auch bis Donnerstag bei seiner Nationalmannschaft ist, wird beim Pokalspiel die Innenverteidigung auch Bruma/Mancienne heißen, das kann ich garantieren – sie haben ja auch eine gute Vorbereitung gespielt.“ Das stimmt, und deswegen ich diese Maßnahme auch absolut nachvollziehbar.
Pokal-Gegner KSC steht übrigens in Liga drei nach der 0:1-Auswärts-Niederlage in Bielefeld schon wieder sieglos auf einem Abstiegsrang – Platz 18 von 20 Mannschaften. Da müsste es doch eigentlich mit dem Teufel . . .

Der HSV kehrt erst heute am Abend wieder zurück nach Hamburg, die Mannschaft lief heute auf Mallorca aus. Am Montag haben die Spieler ihren freien Tag.

Am Dienstag folgt dann – bevor es „pokalig“ wird – zum Abschluss der Vorbereitung noch das Spiel beim Hamburger Oberliga-Klub Altona 93. Es gab jetzt vom 6. Juli an 13 Spiele, die von den HSV-Leistungen her sehr durchwachsen waren, die aber (immerhin) sechs Siege und vier Unentschieden brachten. Hier noch einmal alle Partien auf einen Blick:

1860 Rosenheim – HSV 2:2
Zillertal-Auswahl – HSV 0:10
Terek Grozny – HSV 2:2 (wetterbedingt vorzeitig beendet)
Holstein Kiel – HSV 1:1
FC Suwon Samsung II (Südkorea) – HSV 0:6
FC Groningen – HSV 1:2
Seongnam Ilhwa Chunma (Südkorea) – HSV 0:1
FC Barcelona II – HSV 2:1
Eintracht Norderstedt – HSV 0:6
Borussia Dortmund – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
FC Bayern – HSV 1:0 (zweimal 30 Minuten)
Nordsjaelland – HSV 0:0
RCD Mallorca – HSV 0:1.

In einem abschließenden Resümee muss festgestellt werden, dass nicht viele Spiele dabei waren, in denen der HSV voll überzeugt hat. Im Gegenteil. Aber, und so hat es Trainer Thorsten Fink immer wieder betont, wichtig ist, dass der HSV zum Punktspiel-Start bei 100 Prozent ist – und das hat der HSV-Coach ja auch quasi versprochen. Fink sagte wörtlich: „Was nützt es, wenn man in der Vorbereitung nur gewinnt, in der Bundesliga dann aber verliert? Wir werden zum Bundesliga-Start zu 100 Prozent da sein.“ Eine Frage mit einer deutlichen Antwort. Und wenn dann der HSV in der Bundesliga erfolgreich spielt, dann denkt ganz bestimmt keiner mehr an diese etwas holprige Vorbereitung zurück. Auch ich nicht. Versprochen.

So, ansonsten gab es an diesem Sonntag Dütt und Datt.

Wie zum Beispiel die Meldung, dass sich Markus Babbel, der Hoffenheimer Trainer, darüber beklagt hat, dass nicht der Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw seinem Keeper Tim Wiese eine Absage für das Argentinien-Länderspiel (am Mittwoch in Frankfurt/M.) erteilt habe, sondern „nur“ der Co-Trainer und der Torwarttrainer (Hansi Flick und Andreas Köpke). Auch das ist nachvollziehbar. Denn erstens überrascht es mich, dass nun Hannovers Zieler die Nummer zwei ist, und dann wäre es ganz sicher besser gewesen, wenn Löw das selbst verkündet hätte. Da bin ich ganz auf Babbels Seite, denn er ist ein feinfühliger, ehrlicher und eher zurückhaltender Mensch, der immer weiß, was er sagt und wie er sich zu verhalten hat. Babbel, der ehemalige HSV-Spieler (den ich immer sehr geschätzt habe!), ist ganz sicher kein Besserwisser und auch kein Lautsprecher, der Mann ist einfach nur klasse – ein ganz feiner Mensch.
Und dass er Wiese zum TSG-Kapitän gemacht hat, das hat Babbel sicherlich nicht getan, um den HSV-Anhang zu ärgern, das spricht vielmehr und irgendwie auch für Wiese, der bei anderen Klubs (und den dazugehörigen Fans) ja nicht sonderlich beliebt ist. Wiese soll aber, so hat es mir mein alter Freund Harald Stenger (der nun als Medien-Direktor des DFB aufhören muss) oft genug bestätigt, gar nicht so ein „Stinkstiefel“ sein, für den er vor allem wohl in Hamburg gehalten wurde – und wird.
Aber, das zum Abschluss, macht ein Trainer einen „Quertreiber“ wirklich sehenden Auges zum Kapitän?

Und wo wir gerade bei Torhütern sind: Jens Lehmann hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Und in meinen Augen ganz gute Dinge von sich gegeben. Die Agentur dapd schreibt:

Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Jens Lehmann hat sich verwundert über Matthias Sammers Wechsel zu Bayern München geäußert. „Ich war überrascht“, sagte Lehmann der „Bild am Sonntag“. Sammer habe seinen Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) im vergangenen Jahr verlängert und von Werten wie Loyalität gesprochen. „Und auf einmal werden diese Werte innerhalb von ein paar Stunden anders beurteilt und ausgelegt.“

In der Verpflichtung des 44-Jährigen als neuen Bayern-Sportvorstand sieht Lehmann zudem erhöhtes Konfliktpotenzial beim Rekordmeister. Er betonte aber: „So, wie ich ihn erlebt habe, streitet Matthias Sammer mit den Leuten, die unter ihm sind. Er streitet nicht mit den Leuten, die über ihm stehen.“

Lehmann und Sammer kennen sich unter anderem durch ihre gemeinsame Zeit bei Borussia Dortmund. Sammer führte den BVB 2002 als Trainer zur Meisterschaft, Lehmann stand damals im Tor.

Eine interessante Meinung von Lehmann. Und die rief bei mir noch einmal die damalige Wechsel-Posse Sammers zum HSV ins Gedächtnis zurück. In der Tat, damals, als Sammer sich für den DFB entschied (obwohl er beim HSV schon zugesagt hatte), sprach der Sport-Direktor viele hehre Worte. Die aber wohl dann doch nicht mehr ganz so hehr sind, wenn der große FC Bayern ruft . . . Aber ist ja ohnehin abgehakt, dieses Thema, ich fand es nur ganz interessant, wie ein Großer des deutschen Fußballs darüber denkt – und es dann auch offen ausspricht.

Zum Thema Nationalmannschaft gab es dann heute auch noch folgenden Meldung (dapd), wobei es hier um den FC Bayern geht:

Bayern München wird das Supercup-Duell mit Borussia Dortmund ohne Bastian Schweinsteiger antreten. Der Nationalspieler, der zuletzt mit Sprunggelenksproblemen zu kämpfen hatte, trainierte zwar am Samstag wieder. Trainer Jupp Heynckes verzichte im Supercup aber vorsichtshalber auf ihn, teilte der Verein vor dem Heimspiel am Sonntag (20.00 Uhr) mit. Dagegen soll Stürmer Claudio Pizarro nach seinen Hüftproblemen wieder in den Kader zurückkehren.

Wir erinnern uns: Schweinsteiger wurde bei der EM trotz seiner fehlenden Fitness immer tapfer mit durchgeschleppt. Nach der EM bestritt Schweinsteiger kein Pflichtspiel mehr, und er ist trotz allem immer noch nicht fit für den FC Bayern! Das hätte ich auch mit einem dicken Fragezeichen versehen können, denn ganz offenbar ist da doch etwas ganz Gravierendes falsch gelaufen. Schweinsteiger hätte, ich schrieb es während der EM, gar nicht (mehr) auflaufen dürfen (und sollen), aber da war wohl falsch verstandene „Liebe“ zwischen Trainer und Spieler mit im Spiel (während ich das schreibe, verwandelt der ehemalige HSV-Spieler Christian Rahn, ja der „alte“ Rahner, gerade einen Elfmeter zum 1:0 für Regensburg gegen Duisburg – Glückwunsch!).

Apropos Ehemaliger: Auch ihn gib es noch, wie der Sport-Informations-Dienst berichtet:

Der frühere Fußballer des Jahres Ailton war bei seinem Debüt beim Sechstligisten Hassia Bingen gleich der Matchwinner. Der 39-Jährige kam gegen die SpVgg Ingelheim in der 68. Minute ins Spiel und erzielte vor 1300 Zuschauern beide Treffer (84./90.) zum 2:0-Erfolg. „Kugelblitz bleibt Kugelblitz. Mein Antritt ist Explosion“, sagte der frühere Bremer der Rhein-Zeitung. Nach Angaben der Zeitung war bereits nach dem ersten Tor ein Kamerateam auf den Platz gelaufen.

Dschungelcamp-Teilnehmer Ailton tingelt seit 2009 durch die deutschen Amateurligen. Zunächst beim in die Niederrheinliga abgestürzten Ex-Pokalsieger KFC Uerdingen, ein Jahr später beim Bremer Regionalligisten FC Oberneuland und schließlich beim niedersächsischen Siebtligisten VfB Peine.

Ja, der liebe, gute, dicke Ailton, der hier noch in Hamburg aufdribbeln durfte, obwohl er seine Zukunft schon lange hinter sich hatte. Wenn ich an ihn denke, dann nicht nur wegen der tausendprozentigen Chance gegen Werder, die dem HSV Millionen gekostet hat, sondern an seine Extravaganz. Der führte sich hier beim HSV oft so wie ein König auf. Da musste man anklopfen, bevor man ihn ansprechen durfte. Es fehlte nur noch eine Sänfte, auf der ihn die Mitspieler auf den Rasen zu tragen hätten. Ja, es gab schon Typen hier . . . Trainer Thomas Doll verzweifelte damals an dem „Dicken“, weil der stets versprach, im Hotel im Kraftraum zu arbeiten, um den Rückstand in Sachen körperlicher Fitness so schnell wie möglich aufzuarbeiten. Aber denkste Kraftraum, Ailton legte die Beine hoch und ließ den lieben Fußball-Gott einen guten Mann sein.

Dann ganz kurz noch ein kleiner Schwenker in die Zweite Liga. Zum 1. FC Köln. Zwei Spiele, zwei Punkte – ein Fehlstart? Mir tut der ehemalige HSV-(Jugend-)Spieler Holger Stanislawski etwas Leid. Der EFFZEH jagt Podolski, Novakovic und alles was sonst noch stürmen kann vom Hof, und jetzt fragt sich „ganz Köln“, warum der Klub keine Tore schießt? Kommt mir irgendwie bekannt vor.

So, und nun trifft noch ein „Ehemaliger“ in der Zweiten Liga. Änis Ben-Hatira, der ein unwahrscheinlich breites Kreuz bekommen hat (alles Muskeln!), schießt Hertha BSC gerade beim FSV Frankfurt mit 1:0 in Führung. So schießt das Leben . . .

Und dann gab es da noch diesen Bericht von „Malle BZ“:

HSV-Hooligans vs. Helmuts

Gestern Nacht soll es laut Zeugenberichten in der Schinkenstraße am Ballermann zu einer massiven Schlägerei zwischen HSV-Fans und den Sonnenbrillenverkäufern gekommen sein. Die HSV-Supporter feierten in den dort liegenden Biergärten ausgelassen und wurde immer wieder von den dreisten Schwarzafrikanern bedrängt, etwas aus dem Angebot zu kaufen. Irgendwann gegen 2 Uhr muss die Stimmung dann aber ziemlich schnell umgeschlagen haben, nachdem es immer wieder zu Beleidigungen von Seiten der „Helmuts“ kam.

Die Situation eskalierte und einige Dutzend HSV´ler teilten massive Ohrfeigen an die immer mehr werdenden Schwarzen aus. Eine Massenkeilerei quer über die Schinkenstrasse entstand, es flogen Bierkrüge und Tische. Die Lage beruhigte sich erst, als eine große Anzahl Polizisten am Schlachtfeld auftauchte und die Lager spaltete. Auf Seiten der Sonnenbrillenverkäufer soll es zu einigen Verletzten gekommen sein, die in mehreren Krankenwagen abtransportiert wurden.

PS: Nicht vergessen, am Montag kein Training im Volkspark.

16.26 Uhr

Kühner Plan mit Reizpunkten

26. Juni 2010

Mannomann, kann ich nur sagen. Wenn die neue Mannschaft des HSV nach der bald endenden Sommerpause ähnlich enthusiastisch und frisch und vital und engagiert in die Vorbereitung geht wie Ihr Matz-abber mit Euren tollen Sommergeschichten und mit Euren Kommentaren zu unterschiedlichen Themen, dann ist in der Saison 2010/11 ordentlich was drin. Was bringt es, den vergebenen Chancen für eine Teilnahme am internationalen Wettbewerb nachzutrauern? Nichts. Was bringt es, einen Abgang wie Jerome Boateng zu bedauern? Nichts. Also ziehe ich die einzige logische Konsequenz, die es gibt. Ich beschäftige mich mit dem Hier und Heute und mit der hoffentlich rosigen Zukunft.

Dass es auch in der Gegenwart einige Reizthemen und auch ein derartig gelagertes Klima gibt, habe ich ja gestern schon erklärt. Immer wieder rückt der kühne Vorstoß des Vorstands, Privatgelder eines leidenschaftlichen und millionenschweren HSV-Fans für Spielerverpflichtungen zu nutzen, in den Mittelpunkt der Diskussionen. Anstoß hoch drei, könnte man meinen, hat seinen Namen eigentlich verfehlt. Revolution hoch drei – so müsste der Arbeitstitel lauten, wenn ich die wirklich emotionalen und zum Teil auch sehr differenzierten Beiträge zu dem Thema betrachte.

Ja, vielleicht ist es sogar revolutionär, was da vom Vorstand geplant und vom Aufsichtsrat bestätigt wurde. Ich fasse es für diejenigen, die nicht so im Thema sind, mal vereinfacht zusammen. Bernd Hoffmann und Co. suchen stetig nach neuen Erlösquellen, um den Kader des HSV zu verbessern. Zuletzt, so muss man wohl zähneknirschend konstatieren, war es nicht mehr möglich, immer wieder neue und größere Beträge zu erwirtschaften, mit denen neue Stars oder zumindest starke Kicker internationalen Formats an die Elbe zu locken. Dann tüftelten Hoffmann und seine Mitstreiter am längst vorhandenen Projekt Anstoß hoch drei herum und passten es den neuesten Entwicklungen an. Sie fanden mit Klaus-Michael Kühne einen HSV-Liebhaber der besonderen Art, der bereit ist, mehrere Millionen Euro in den HSV zu investieren – aus seiner Privatschatulle. Gegenleistung des HSV: Sollte der Klub einen oder mehrere der Kühne-Geld-Neulinge gewinnbringend verkaufen, würde der Milliardär entsprechend einen Teil vom Kuchen abbekommen.

Nun kommen die Supporters ins Spiel, die der Angelegenheit mit einer gehörigen Portion Skepsis begegnen. Supporters-Chef Ralf Bednarek, der sich ja schon ziemlich heftige Anfeindungen gefallen lassen muss, weil er sich zu dem Projekt kritisch geäußert hat, und mehrere fördernde Mitglieder trauen dem Braten offenbar noch nicht. Warum? Weil sie ihres Erachtens zu wenig Einblicke in das Gesamtkonzept des Deals bekommen. Also haben sie eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Das mögen manches Mitglied und auch manch Verantwortlicher überzogen finden, es ist nun aber das gute Recht der Mitgliedschaft, und daher sehe ich das auch nicht so dramatisch. Für eine Portion Zusatzärger hat nun gesorgt, dass der Aufsichtsrat dem Projekt grünes Licht gegeben hat, bevor es am 13. Juli zur Mitgliederversammlung kommt. Da könne doch etwas nicht stimmen, denkt sich da mancher Supporter, sonst hätte man doch wenigstens bis danach warten können. Dass dem HSV in Sachen Hochkaräter aber ohne Kühnes Millionen – ob es nun zehn, 15 oder sogar 20 werden, habe ich bis heute nicht genau verstanden – kein einziger Volltreffer auf dem bald rumorenden Transfermarkt gelingen wird, also Eile geboten ist, wird natürlich auch nicht so richtig berücksichtigt. Der Ausgang dieses für die Medien herrlichen Sommerzoffs ist offen. Es wird bestimmt aber noch den einen oder anderen Nachschlag geben.

Da hier im Blog ja beide „Lager“, wenn ich sie jetzt einmal etwas flapsig so nennen darf, vertreten sind, möchte ich zum Wohle des HSV um Sachlichkeit bitten. Denn nur wer versucht, die Lage oder Argumentation seines schärfsten Kritikers nachzuempfinden, kann ihn vielleicht am Ende verstehen und eines Besseren belehren. Euch muss ich jawohl nicht sagen, dass sowohl Bernd Hoffmann als auch Ralf Bednarek am Wohle des HSV interessiert sind. Diesen beiden Vorsitzenden ihrer jeweiligen Riegen kann man nur raten, dass sie sich gerade in solchen Streitfällen mal intern intensiv austauschen, ruhig auch konstruktiv streiten, anstatt immer und immer wieder den Weg über die Öffentlichkeit zu suchen. Denn der endet selten mit zwei, beziehungsweise drei Gewinnern. Und wenigstens der HSV sollte am Ende doch immer als Sieger den „Platz“ verlassen, oder?

Ich habe übrigens lange mit meinem Kollegen Christian Pletz über dieses Projekt und den öffentlichen Streit diskutiert. Er war ja kürzlich in Brasilien, wo ein Vorstoß wie dieser des HSV-Vorstands alles andere als eine Sensation wäre. Dort wird bei den Vereinen ganz klar zwischen wirtschaftlichen Rechten und Transferrechten unterschieden. Es gibt Hunderte Spieler, die wirtschaftlich mehreren Privatinvestoren gehören. Beim Weiterverkauf profitieren diese Geldgeber dann gegebenenfalls – die meisten aber eher nicht. Entscheidend für den Verein ist, dass er 100-prozentiger Eigentümer des Transferrechts ist, so dass kein Investor mit entscheiden darf, wann, ob oder dass es zu einem Weiterverkauf kommt. Da muss der Verein den Hut aufhaben.

Apropos Brasilien, ich wollte ja eigentlich zum Abschluss noch kurz auf einen (wirklich nur einen!) Namen eingehen, der mal wieder mit dem HSV in Verbindung gebracht wird. Es geht um den brasilianischen Stürmer Vagner Love, der ja noch auf Leihbasis bei Flamengo Rio de Janeiro unter Vertrag steht. Sollten charakterliche Züge, stabile Verhaltensweisen und Vorbildfunktionen tatsächlich eine Rolle bei Spielerverpflichtungen spielen, dann kann ich nur hoffen, dass dieses Enfant terrible nicht in Hamburg landen wird. Sollte es mit Kühnes Millionen perfekt gemacht werden, würde ich das Projekt sofort umtaufen: von Anstoß hoch drei auf Abpfiff hoch drei…

22:23 Uhr

Keine Love-Parade, jetzt zählt Freiburg

15. Januar 2010

Endlich wieder Bundesliga, die Pause ist vorbei. Mit dem heutigen Abschlusstraining neben der Nordbank-Arena endete auch das dauerhafte Vorgeplänkel. „Ist die Mannschaft gut in Schuss für das Duell gegen den SC Freiburg?“, fragte mich heute Vormittag ein guter Freund. Ich antwortete: „Ja, ich glaube schon! Aber das heißt noch lang nicht, dass sie das Team aus dem Breisgau an die Wand spielen wird.“ Er war mit dieser Antwort ganz und gar nicht zufrieden. Mit so einem „Wischiwaschi“ könne er nichts anfangen, sagte er, ich solle doch mal Farbe bekennen. Aber es ist doch nun mal wirklich so. So gut eine Vorbereitung auch war oder ist, so optimal die Vorzeichen sind – eine echte Standortbestimmung ist immer erst das erste Duell um Zählbares. Wer das gleich gewinnt, macht einen Riesensatz nach vorne, vor allem im Kopf. Das ist so etwas wie eine sportliche Anschubhilfe.

Um den Stellenwert des Heimspiels gegen Freiburg weiß natürlich auch Bruno Labbadia. Ich denke, dass das auch ein Grund dafür ist, warum er sich so frühzeitig auf seine Startelf festgelegt hat. Rost, Rincon, Rozehnal, Mathijsen, Aogo, Trochowski, Jarolim, Tesche, Jansen, Petric und Torun genießen das volle Trainer-Vertrauen und wissen das eigentlich schon seit Wochenbeginn. Als verschworene Einheit soll dieses Team den ersten Dreier in 2010 einfahren, möglichst einen flotten noch dazu.

Wenn Ihr morgen im Stadion oder am Bildschirm den Rasen der Nordbank-Arena seht, dann zuckt bitte nicht ängstlich zusammen. Mehr konnten die Green-Grau-Keeper wirklich nicht rausholen, und sie haben echt unermüdlich gearbeitet. Nach dem gestrigen Mini-Versuch der Profis auf dem schwer bespielbaren Untergrund hat das Stadion-Management sogar noch einmal nachgelegt. Resultat nach der Plattwalzaktion: Nun sieht der Rasen zwar noch ramponierter aus als vorher, aber dafür ist er wenigstens einigermaßen eben. Das wird dem Passspiel zu Gute kommen – und damit hoffentlich auch Petric und Co.

Ihr habt es ja selbst schon mehrfach geschrieben, jetzt nehme auch ich es als offiziell hin: Der Wechsel des Brasilianers Vagner Love an die Elbe ist geplatzt. Nun kann man lange darüber diskutieren, ob die Verantwortung dafür in Hamburg, Moskau oder in Rio liegt. Fakt ist: Der Stürmer hat sich höchstpersönlich gegen einen Wechsel zum HSV und für einen Transfer zu Flamengo ausgesprochen. Und seien wir doch mal ganz ehrlich: Wenn ein Spieler gegen seinen Willen hier her gekommen wäre (das ist in der Vergangenheit immer mal wieder der Fall gewesen), dann wäre das (Vagner) Love-Projekt doch vom ersten Tag an zum Scheitern verurteilt gewesen. Dann hätte es hier nie eine Love-Parade gegeben.
Mich würde nur interessieren, was nach dieser eigentlich fast totsicheren Transfernummer hinter den Kulissen intern beim HSV passiert. Für Aufsichtsratschef Horst Becker war gestrige Meldung seiner Bestätigung des Leihgeschäfts alles andere als imagefördernd. Klubboss Bernd Hoffmann dürfte nach den News aus Brasilien mit einer pochenden Halsschlagader umhergetigert sein. Und Bruno Labbadia, der so gerne eine namhafte Alternative für den nach wie vor verletzten Paolo Guerrero gehabt hätte, ist nun wieder genauso schlau wie vorher. Zumal Angreifer dieses Formats so rar gesät sind wie Palmen in Hamburg.

Mehrere von Euch haben es in ihren Kommentaren ja auf den Punkt gebracht. Vor zwei Tagen hieß es noch: Elia ist gegen Freiburg dabei, Vagner Love kann kommen. Nun wird Elia (nahm nicht am Abschlusstraining teil) in Zivil zuschauen, und Vagner Love hört brasilianische Sambaklänge statt Hamburger Platt. Labbadia ist gut beraten, sein Handy in den kommenden Tagen auf lautlos zu schalten. Denn so ein geplatzter Deal – vom Hickhack um Guy Demel, der vielleicht nach Sunderland geht, vielleicht aber auch nicht, ganz abgesehen – ruft die Berater- und vor allem die Spielervermittlerbranche auf den Plan, als gäbe es kein Morgen mehr.

Dabei ist für mich erst einmal die Frage zu klären, was für einen Spielertyp Labbadia überhaupt sucht. Will er einen spielerisch genialen Dribbler? Einen kantigen Bullen für das Zentrum? Einen Langen? Einen Wuseligen? Ich habe gehört, er sucht nach einem echten Torjäger, einem mit eingebauter Zehn-Treffer-Garantie pro Halbserie. Na, das werden noch spannende zwei Wochen bis zur Schließung der Transferliste. Eines ist aber sicher: Die gehandelten Namen dieser Angreifer-Kategorie werden wir vermutlich alle kennen, denn solche gibt es weltweit maximal 20-30. Und Labbadia, der selbst Torjäger war, wird sich nicht mit B-Ware abspeisen lassen. Dann bleibt er lieber beim aktuellen Kader und spart die Kohle für den Sommer.

Jetzt ist aber Schluss mit den Gerüchten, Spekulationen und Profilerstellungen. Jetzt beginnt die Vorbereitung auf den SC Freiburg. Alles andere muss ausgeblendet werden. Und zwar komplett. Habt Ihr eigentlich ein Ritual für dieses „Vorspiel“? Ich habe, obwohl ich ja nur auf der Tribüne dabei bin, wirklich ein bisschen Lampenfieber. Aber das ist nicht außergewöhnlich, weil es vor jedem Halbserienstart so ist. Ich melde mich dann nach dem Spiel wieder bei Euch – und am Sonntag steht ja auch noch die Mitgliederversammlung an.

Ups, fast hätte ich noch etwas vergessen. Okay, ich gebe zu, das letzte Gewinnspiel war schwer, sehr schwer sogar. Schwerer, als ich gedacht habe, denn es ließ in der Tat mehrere Antworten zu. Weil zum Beispiel Roda Antar vom HSV nicht direkt zum SC Freiburg wechselte, sondern erst, für einen Monat, zum FC Tadamon Sur Club. Und es gab Benjamin Kruse, der als „Quoten-Profi“ (ohne Erstliga-Einsatz) vom HSV nach Feiburg wechselte. Deswegen, bevor sich hier einer beschwert, ließen wir diesmal alle Antworten mit „Golz, Kruse und Antar“, auch nur „Golz“ oder auch „Golz mit Kruse“ als Antwort gelten. Es war verwirrend, sorry, soll nicht wieder vorkommen, war meine Schuld – Entschuldigung.
Hier die beiden Gewinner: Das Pitroipa-Trikot geht nach Wiesbaden zu Dirk Steinhoff. Die beiden Karten für das Freiburg-Spiel erhält Dirk Schemainda aus Itzehoe.

Und ein letztes Wort noch. In Sachen „Vorspiel“ kann ich Euch wärmstens empfehlen, das morgige Abendblatt zu lesen, vor allem das Magazin darin. Unter dem Motto „Einblick in die Welt der Raute“ gibt es eine große Fußballausgabe zum Rückrundenstart. Wer bei dieser Lektüre keinen Appetit bekommt, ist selber schuld…

17:31 Uhr

Uwe Seeler: “Champions-League-Platz”

14. Januar 2010

Er ist Hamburgs größter Fußballer aller Zeiten, er ist ein deutsches Fußball-Idol und ein Weltstar. Und es für mich immer wieder ein Freude, mit ihm ein Gespräch für Euch zu führen. Unmittelbar vor dem Rückrunden-Start sprach ich mit Uwe Seeler, der, daran erinnere ich immer sehr gerne, in 72 Länderspielen 43 Tore für Deutschland schoss, der in 270 Oberliga-Spielen 307 Treffer erzielte und der in der Bundesliga bei 239 Einsätzen 137 Treffer markieren konnte. „Uns Uwe“ hat noch viele weitere Höchstleistungen vollbracht, aber er ist vor allem stets ein Mann des Volkes geblieben, ein Star zum Anfassen, ein Mensch. Und er ist auch heute noch immer bei „seinem“ HSV, so oft er kann, auf jeden Fall bei jedem Heimspiel. Auch gegen Freiburg wird er wieder dabei sein.

Matz ab: Herr Seeler, wo wird der HSV Ihrer Meinung nach am Ende dieser Saison?

UWE SEELER: Er wird einen der ersten drei Plätze belegen, davon bin ich überzeugt. Ich hoffe auf die Champions Legaue, obwohl man noch vorsichtig sein muss, denn es kommt ja auch immer noch drauf an, ob man nun endlich mal vom Verletzungspech verschont bleibt. Spielt die Mannschaft mal mit Bestbesetzung durch, dann muss man mal so um die letzten vier, fünf Spiele sehen, ob es nicht doch eventuell noch für die Meisterschaft langen könnte. Aber daran sollte man wirklich noch nicht heute dran denken, sondern zunächst einmal von Spiel zu Spiel sehen und immer fein drei Punkte sammeln. Am besten gegen den SC Freiburg gleich damit beginnen.

Matz ab: Was muss beim HSV in der Rückrunde verbessert werden?

SEELER: Die Schwächen waren ja, dass man zu Hause gegen schwächere Gegner hat Punkte liegen lassen, gegen die man eigentlich in Hamburg hätte siegen müssen – wie Mönchengladbach und Bochum. Das sind sechs Punkte, wenn man die heute hätte, dann wissen wir alle, wo der HSV jetzt stehen könnte. Es muss Kontinuität rein. Und wenn man dann Erfolg hat, das ist ja stets mein Motto, dann muss man ganz fest mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben, so dass es bis zum Saisonende reicht.

Matz ab: Wer oder was war Ihre größte Überraschung der Hinrunde?

SEELER: Man muss schon ehrlich sagen, dass Ze Roberto schon eine enorm starke Saison gespielt hat, schade dass er sich so schwer verletzte und ausfiel. Dazu dann Eljero Elia, der eine große Verstärkung ist, er hat der Mannschaft schon sehr, sehr gut getan.

Matz ab: Und wie denken Sie über den Senkrechtstarter Tomas Rincon?

SEELER: Ich habe ihm schon eine gute Leistung zugetraut, aber nicht unbedingt eine so gute. Man konnte aber durchaus sehen, dass er einer ist, der immer wollte, dass er lauffreudig und kampfstark ist, und solche Leute kann jedes Team gut gebrauchen. Er hat sich wirklich prächtig entwickelt, und sicher war es auch gut für ihn, dass er aufgrund der Verletztenmisere dringend benötigt wurde, so dass er sich auch mal zeigen konnte.

Matz ab: Gab es auch ein Enttäuschung der Hinrunde für Sie?

SEELER: Nein, richtig enttäuscht hat keiner. Mich hat nur total enttäuscht, dass wir ein so großes Verletzungspech hatten, ich hätte gerne mal gesehen, was passiert wäre, wenn wir mit der besten Mannschaft hätten durchspielen können. Zum Glück haben wir ja einen so guten Kader, dass wir immer noch gut gespielt haben und noch den vierten Platz bis zur Winterpause halten konnten.

Matz ab: Im Moment ist der Stürmer Vagner Love beim HSV im Gespräch, denken Sie, dass sich der HSV noch verstärken sollte?

SEELER: Zu Vagner Love kann ich nicht viel sagen, ich kenne ihn zwar, habe aber nur wenig von ihm gesehen. Ob er zum HSV passt? Ich weiß es nicht. Im Winter ist es ja oft so, dass man für viel Geld nicht unbedingt absolute Spitzenklasse bekommt. Ich drücke dem HSV die Daumen, das es ein Volltreffer wird, dass der Klub nicht am Ende wieder eine lange Nase macht.

Matz ab: Der HSV wollte Vagner Love ja schon im Sommer, er soll wirklich gut sein . . .

SEELER: Das klingt ja auch ganz gut, aber ich weiß nicht, welche Leistungen er in der jetzigen Phase bringen kann. Wenn er jetzt noch Zeit benötigen sollte, um sich in der Bundesliga einzuspielen, wie es immer so schön heißt, dann bin ich skeptisch, aber wenn er gleich einschlägt wie eine Rakete, wäre das in Ordnung. Ich habe da aber immer meine Bedenken, doch das müssen letztlich nur die Verantwortlichen entscheiden.

Matz ab: Der Abgang von Guy Demel droht schon jetzt im Winter, der von Jerome Boateng im Sommer. Könnten Sie damit leben?

SEELER: Wieso müssen wir denn immer wieder Spieler abgeben? Wenn wir mal Meister werden wollen, dann sollten wir versuchen, die Leistungsträger zu halten. Meister wird man nur mit einer eingespielten Mannschaft, und dazu sollten wir die besten Leute schon an den HSV binden. Wenn wir immer wieder mit einer neuen Mannschaft starten müssen, dann wird es nicht einfach sein, sich auch immer dort oben zu halten.

Matz ab: Sehen Sie die Entwicklung des HSV in den letzten Jahren als positiv an?

SEELER: Ja, die ist positiv, aber sie ist noch immer nicht entscheidend. In der vergangenen Saison waren wir auch oft ganz nah dran, haben dann aber am Ende doch alles und sehr viel verspielt. Es geht nur über die Kontinuität, dazu muss die Mannschaft auf einem ganz starken Level gehalten werden. Das ist Voraussetzung für einen Titel.

Matz ab: Bis jetzt war der HSV ein Ausbildungsverein für die ganz Großen, kann er sich denn schon leisten, die besten Spieler hier in Hamburg zu halten, denn das kostet ja?

SEELER: Das ist eine Sache der Verantwortlichen. Und wenn es doch alles so positiv ist, dann sollte es in einer Weltstadt wie Hamburg auch irgendwann einmal möglich sein, dass man den ganz großen Klubs Paroli bietet. Klar, es gibt immer mal Grenzen, dass man nicht jeden Spieler halten kann – aber versuchen sollte man das schon immer.

Matz ab: Aber zum Beispiel zu Bayern München fehlt dem HSV in Sachen Finanzen doch schon einiges, das wird auch nicht leicht aufzuholen sein, oder?

SEELER: Das stimmt. Da muss der HSV noch viele Teilnahmen an der Champions League schaffen, um da mitreden zu können. Das alles ist sicher kein leichtes Unterfangen für den HSV, denn wenn man die Gehälter der Spieler von den Spitzenklubs in Europa hört, dann sind die doch noch ein gutes Stück entfernt von dem, was in Hamburg gezahlt werden kann. Und wenn man solche Gehälter dann zahlt, dann gibt es auch schnell mal Neid und Missgunst im Team, und so etwas führt dann zu Unruhe und Misserfolgen – es ist ein schmaler Grad, auf dem man sich dann als Verein bewegt.

Matz ab: Einer Ihrer Nachfolger ist ja Marcus Berg, an ihm scheiden sich noch die Geister. Trauen Sie dem Schweden noch zu, dass er den Durchbruch in Hamburg schafft?

SEELER: Das sollte man einem jungen Mann immer zutrauen, und ich bin da noch voller Hoffnung. Ich wünsche ihm viel Erfolg, er kann sich sicher noch entwickeln, allerdings wird sein Weg noch dornenreich sein, keine Frage.

Matz ab: Piotr Trochowski ist ein deutscher Nationalspieler, erwarten Sie von ihm mehr als von anderen Spielern?

SEELER: Von einem Nationalspieler erwartet man automatisch, dass er eine Führungsrolle in der Mannschaft übernimmt, das ist ganz klar. Von ihm erwarte ich schon, dass er konstant gute Leistungen bringt, und dass er auch mal Spiele entscheidet.

Matz ab: Wie sehr erhoffen Sie sich eigentlich endlich einmal einen Titel für den HSV?

SEELER: Sehr, wirklich sehr. Ich finde auch, dass das die hervorragenden Fans verdient hätten, sie geben immer alles, sie unterstützen ihre Mannschaft stets super, das ist begeisternd. Wir haben doch alle schon viel zu lange auf eine Meisterschaft gewartet, aber ich kann einen Titel auch nicht herbeizaubern, das muss die Mannschaft schon machen. Ich hoffe auf jeden Fall, dass der HSV in diesem Jahr in die Champions League kommt, das wäre schon mal ein Anfang.

Matz ab: Wer wird denn Ihrer Meinung nach Meister 2010?

SEELER: Von der Routine her spielen die Bayern natürlich wieder mit um den Titel. Als die Münchner in der Hinrunde schwächelten, konnten die anderen Klubs ja nicht so davonziehen, als dass es entscheidend gewesen wäre. Aber mit den Bayern kämpfen auch noch Werder, Schalke, Leverkusen und der HSV um die Meisterschaft. Und vielleicht kommt ja auch noch einer von hinten, obwohl ich glaube, dass die von mir genannten Klubs wohl doch das Rennen unter sich machen werden.

Matz ab: Was trauen Sie denn der deutschen Nationalmannschaft in Südafrika zu?

SEELER: Wir müssen uns hinter keiner Nation verstecken, das ist ganz klar, wir sind eine Turniermannschaft, deswegen ist auch diesmal alles möglich – dazu gehört aber ganz sicher auch ein wenig Glück.

23.50 Uhr

Mit Elia wird das nichts

14. Januar 2010

Es war genau 14.48 Uhr, als Trainingszuschauer und Spielerberater Marcus Marin „Oh“ sagte und sein Gesicht verzog. Eljero Elia hatte gerade zu einem kurzen Sprint angesetzt, war dabei leicht umgeknickt und dann schnurstracks weitergehumpelt bis an die Seitenlinie, wo ihn Physiotherapeut Uwe Eplinius in Empfang nahm. Trainer Bruno Labbadia unterbrach die taktisch geprägte Einheit kurz, er erklärte seinen Profis das von ihm gewünschte Verhalten. Und als Elia ein paar Minuten später auf den Platz zurückjoggte, schien der kleine Trainingsunfall als Lappalie abgehakt zu sein. Doch die Beobachter wurden eines Besseren oder in diesem Fall Schlechteren belehrt.

Denn zehn Minuten später humpelte Elia erneut. Und diesmal endete der Weg an die Seitenlinie nicht mit einer Rückkehr des Niederländers, sondern mit seiner Fahrt auf dem Rücksitz des Golf-Karts in Richtung Kabine. Trainingsabbruch, Lazarett – nun wird es doch nichts mit einem Einsatz gegen den SC Freiburg. Elia, der ja selbst auf einen Kurzeinsatz gehofft hatte, muss sich gedulden. Und angesichts der heutigen Reaktion von Labbadia, der merklich seinen Kopf schüttelte, als er Elia vom Rasen stapfen sah, glaube ich nicht, dass der Coach das Risiko eingehen wird, den lädierten „Schneefloh“ ins Rennen zu werfen. Nicht einmal, wenn es angesichts des Resultats notwendig sein sollte.

Dass es das nicht werden soll, dafür plant Labbadia mit seinen Spielern jeden Schachzug, jedes Verhalten und unterschiedliche Szenarien. Der Trainingsplatz sieht nach den paar Einheiten, die die Mannschaft nach ihrer Rückkehr aus Belek absolviert hat, schon arg gerupft aus. Als Platzwart im aktuellen Hamburger Winter darf man sein Grün nicht lieben, jedenfalls nicht zu sehr, sonst würde man manchem HSV-Profi an die Wäsche wollen, wenn er mal wieder einen großen Placken mit einer leichten Grätsche aus dem Boden rupft. Vielleicht ist es aber auch gar nicht so schlecht, wenn die Bälle nicht wie auf englischem Rasen in den Fuß fallen, wenn sie auch mal verspringen, ungewohnt beschleunigt oder auch leicht abgelenkt werden. Warum? Ganz einfach: Weil das am Sonnabend gegen die Männer aus dem Breisgau nicht anders wird.

Der Rasen in der Nordbank-Arena ist in einem aus Greenkeeper-Sicht erbärmlichen Zustand, weil er wegen des Klimas entgegen vorheriger Planungen in diesem Winter eben nicht gewechselt werden konnte. Labbadia könnte lamentieren, er könnte sich aufregen, fuchsteufelswild werden. Macht er aber nicht, denn das Problem mit dem Untergrund wird Freiburg auch zu schaffen machen. Nach der Stunde auf dem Trainingsplatz verlegte Labbadia die letzten 30 Übungsminuten in die Arena. „Über den Kampf“ müsse man nun ins Spiel finden, ähnlich wie gegen Werder, sagte der Coach auf der Pressekonferenz. Und die erste Elf dafür dürfte er gefunden haben: Rost im Tor, Rincon, Rozehnal, Mathijsen, Aogo davor, im Mittelfeld Trochowski, Jarolim, Tesche und Jansen, vorne Petric und Torun. Diese Formation hört sich für viele Außenstehende qualitativ möglicherweise zwar nicht so hochwertig an (mit Ze Roberto, Boateng, Guerrero, Elia fehlen ja auch echte Hochkaräter), aber sie könnte meines Erachtens eine recht gute Mischung aus spielerischen und kämpferischen Elementen hervorbringen.

Am Rande des Trainingsplatzes im Volkspark gab es neben Elia natürlich noch zwei Hauptthemen: Vagner Love und Guy Demel. Einige der Kiebitze wurden von einem Kamerateam sogar schon zum bevorstehenden Abschied des Ivorers Demel befragt. „Der darf nicht wech“, sagte ein Mann mit echtem Hamburg-Slang. „Warum nicht?“, fragte der Reporter. Antwort: „Weil der hierher gehört!“ So einfach ist das. Oder auch nicht. Der HSV hält sich im Fall Demel jedenfalls komplett bedeckt. Das könnte auch an der mageren Ablöse liegen, die der FC Sunderland bieten soll. Heute ist plötzlich nicht mehr die Rede von 5,7 bis 6 Millionen Euro, sondern von maximal zwei. Ob sich der HSV in diesem Fall antun muss, mitten in der Saison einen neuen Rechtsverteidiger zu schnitzen? Eher nicht. Aber wahrscheinlich ist das alles nur Teil des Pokerspiels. Ich bleibe bei meiner Einschätzung: Demel wird bald auf der Insel spielen.

Was den Brasilianer Vagner Love betrifft, gibt es auch noch nichts Neues. Obwohl: doch. Der HSV-Aufsichtsrat hat dem Vorstand einstimmig die Erlaubnis erteilt, das Leihgeschäft mit dem Torjäger unter Dach und Fach zu bringen. Nun laufen hinter den Kulissen die Verhandlungen, und immer wieder tauchen Wasserstandsmeldungen auf. Von „Vagner Love ist bereits auf dem Anflug“ bis „Moskau hat ihn für Flamengo freigegeben“ ist alles. Als jüngstes Gerücht habe ich gelesen, dass sich der Stürmer gegen einen Wechsel nach Hamburg entschieden haben soll und weiter in seiner brasilianischen Heimat bleiben will. Aber wie gehaltvoll all dieses Rumoren tatsächlich ist, lässt sich nur äußerst schwer nachvollziehen. Sobald auf NDR 90,3 „Love is in the Air“ im Nachrichtenprogramm gespielt wird, ist der Deal perfekt. Bis dahin heißt es: Abwarten.

16:50 Uhr

Vagner Love soll kommen

13. Januar 2010

Der HSV will noch hoch hinaus. Schon am Montag geht das los. Da wird die Mannschaft das größte Flugzeug der Welt, den Airbus A 380, besteigen. Der 6000. Airbus der Serie wird an die Fluggesellschaft Emirates übergeben, und diese Firma prangt bekanntlich auf der Brust eines jeden HSV-Spielers. Ehrensache, dass da die Mannschaft einläuft, wenn ein solches Geschäft in Hamburg feierlich über die Bühne gebracht wird.

Mit einem Heimsieg am Sonnabend gegen den SC Freiburg (50 000 Karten sind verkauft) im Rücken wäre eine solche Veranstaltung natürlich noch viel lockerer und souveräner zu absolvieren. Und damit es am Ende auch tatsächlich drei Punkte gibt, gaben die Spieler auch am Mittwoch beim Training wieder ihr Bestes. Bei eisigem Nord-Ost-Wind, der gefühlte Temperaturen so um die zehn Grad mit sich brachte (und alle Zaungäste mächtig frieren ließ), ging es teilweise ganz heiß zur Sache. Wieder mit von der Partie: Eljero Elia. Noch einmal bekräftigte sich mein Eindruck, dass der Niederländer auf jeden Fall gegen Freiburg spielen wird. Der HSV benötigt bei solchen Witterungsbedingungen einen „Schneefloh“ wie ihn, ich würde Elia trotz der Tatsache, dass er lange Zeit nicht mit dem Team trainieren konnte, von Beginn an spielen lassen – und dann so weit, wie ihn die Füße tragen. Einen guten Eindruck bei dieser Einheit hinterließ für mich übrigens David Rozehnal, der sich in „Bremen-Form“ vorstellte. Hoffentlich hält es mindestens bis Sonnabend – und dann auch noch Monate.

Ein Spieler, der in den letzten zwölf Stunden hier seine Kreise gezogen hat, wird noch nicht für den HSV auflaufen können: Vagner Love. Der 25-jährige Stürmer war bislang von ZSKA Moskau an den brasilianischen Erstliga-Klub SE Palmeiras ausgeliehen, nach meinen Erkenntnissen will der Angreifer aber aus seiner Heimat zurück nach Europa, und nicht, wie es schon hieß, lieber in Brasilien bleiben. Abwarten, was er uns dann bei seiner Vorstellung in Hamburg als Wahrheit erzählen wird. So er denn wirklich kommt. Aber davon gehe ich zum jetzigen Zeitpunkt ganz verstärkt aus, nehmt mich beim Wort, aber ich habe diesen Transfer innerlich schon abgehakt. Und einige „Matz-abber“, wie ich den ganzen Tag über sehen konnte, ebenfalls. Kompliment übrigens an „SingsangHSV“, der diese Geschichte „ausgegraben“ hat, ich kann es immer wieder nur betonen: Ihr seid klasse, Ihr seid super, Ihr seid stark, denn Ihr seid immer auf Ballhöhe. Unglaublich und toll.

Auch in einem anderen Punkt ist das in dieser Form zu loben. Ihr seid schon sehr, sehr aufmerksam, was hier geschrieben wurde, was hier auch schon einmal – vor Wochen und Monaten – geschrieben stand. Auch davor ziehe ich den Hut. So wurde hier erinnert, dass es um Vagner Love ja schon einigen Ärger beim HSV gegeben hat, denn im Sommer war sich der Klub (Chef Bernd Hoffmann) eigentlich schon einig mit dem Brasilianer, verpflichtete ihn dann aber überraschend doch nicht (der HSV nahm Marcus Berg unter Vertrag). Die am Vagner-Love-Transfer beteiligte Firma forderte daraufhin vom HSV für die geleisteten Vorarbeiten eine stattliche Summe (mindestens 500 000 Euro), doch über dieses Geld berieten sich (bis heute?) die Anwälte beider Parteien in aller Stille. Und vielleicht wird dieses Geld ja nun doch fließen, für was und für wen auch immer? Und wenn es nur den guten Zweck hat, den HSV-Angriff zu verstärken.

Mit der Verpflichtung (Ausleihe?) von Vagner Love hätte sich für mich auch das Thema Paolo Guerrero erledigt. Schlägt der 1,71 Meter große Brasilianer hier ein und wird übernommen, dürfte es für den verletzten Peruaner sehr, sehr eng werden. Wenn Ihr mich fragt, dann wäre es für mich sogar sein Ende in Hamburg. Und dann bin ich sehr, sehr gespannt darauf, welcher „große Verein“ dann beim ablösefreien Guerrero zugreifen wird. Und für wie viele Millionen? Denn darum geht es ja doch nur. Auch wenn ich es in diesem speziellen Fall immer noch nicht fassen kann, denn mit einem doppelt gerissenen Kreuzband kann „Mann“ eigentlich keine großen Sprünge machen, weil doch gar nicht absehbar ist, wie die Verletzung verheilt – und ob sie nicht doch wieder aufbricht? Guerrero konnte übrigens nichts zu Vagner Love sagen, denn der verletzte HSV-Profi hält sich noch in seiner Heimat auf.

Um Millionen geht es auch im Fall Guy Demel. Es läuft doch alles darauf hinaus, dass er den Weg Richtung Sunderland antritt. Auch dazu möchte ich Euch mein „Bauchgefühl“ nicht vorenthalten, ich glaube mit 70:30, dass der gute „Giiiiiiieeeeeee“ nach England gehen wird. Abwarten. Noch ist viel Zeit bis zum 31. Januar. Und ich glaube auch, dass in diesem Fall von einigen Herren nicht immer die „absolute“ Wahrheit gesprochen und verbreitet wurde.

Wobei ich nun schon wieder ein ganz anderes Gerücht gehört habe; eines mit und um Rafael van der Vaart. Danach soll sich Real Madrid in diesen Tagen nach einem Ersatz für den „kleinen Engel“ umsehen, und dann könnte und dürfte er zum HSV wechseln. So das Gerücht. Ich weiß, wahrscheinlich werde ich Euch damit (enorm) nerven, mich selbst nervt es ja auch (enorm), aber so wird es eben erzählt. Das wollte ich Euch nicht vorenthalten. Ich glaube daran allerdings nicht, nicht einmal mit einem Prozent. Für mich bleibt van der Vaart, zurzeit gezerrt, bei Real, denn Madrid ist immer noch eine der Top-Adressen dieser Fußball-Welt. Und in diese Nähe will der HSV erst noch kommen, auch wenn hier schon zu lesen war, dass der HSV bereits unter den ersten 20 Vereinen Europas stünde.

Das mag ja sein, aber ich glaube trotz allem, dass Bernd Hoffmann damals, als er sein Ziel formulierte, etwas anderes gemeint hatte. Und dass Bernd Hoffmann mit dem jetzigen Stand auch noch nicht zufrieden ist. Er will, so glaube ich erkannt zu haben, mit dem HSV Stammgast in der Champions League sein, ab und zu mal einen Titel gewinnen und bei den noch immer ganz „Großen“ gelegentlich Angst und Schrecken verbreiten, wenn die etwas vom HSV aus Hamburg hören. Und so weit ist es leider, leider noch nicht. Wird aber, davon bin ich überzeugt. Restlos sogar. Und ich werde es noch erleben.

Und noch ein ganz kleines Gerücht kreiste am Mittwoch beim Training um den Volkspark herum: Nicht Giovanni Trapattoni (70), sondern der erst 53-järige ehemalige HSV-Trainer Martin Jol soll oder könnte neuer türkischer Nationaltrainer werden. Auch hier gilt eisern: abwarten.

Übrigens: Wenn Ihr, die „Matz-abber“, jetzt noch den neuen Sportchef ermitteln könntet, dann wäre „Matz ab“ ganz sicher in aller Munde, so hält sich das noch ein wenig in Grenzen. Am Sonntag findet ja beim HSV die Mitgliederversammlung statt, ich könnte mir schon vorstellen, dass Aufsichtsrats-Boss Horst Becker zu diesem Thema (ohne Ende?) einige Worte verlieren wird. Und vielleicht verrät er ja auch allen schon den Namen. Abwarten.

Ein kurzer Dank noch an “Dylan1941″, der den Spruch “Love ist in the air” hier bei “Matz ab” niederschrieb. Diese Zeile fand bei meinem Kollegen Marcus Scholz so viel Gefallen, dass er sie (bislang) übernommen hat. Aber auch hier gilt, abwarten.  Ob diese Zeile dann auch bei unseren Chefs Gefallen findet. Englisch kommt eigentlich nicht so gut an, aber sie ist für mich absolut klasse. Danke, Bob. Und abwarten, ob sie dann morgen im Abendblatt auch noch Bestand hat.

Und noch eine kleine Notiz, aber eine die wehtut: Bastian Reinhardt hat auf seinem Weg zum Comeback einen Muskelfaserriss erlitten und wird zunächst einmal ausfallen.

19.14 Uhr

Wo endet das noch?

31. August 2009

Ze Roberto und kein Ende. Oder, was ich mich frage: wo endet das noch? Ich halte es da im Prinzip wie „HSV-Oliver“, ich bin ganz sicher kein Feind von Bernd Hoffmann, denn der hat viel Gutes für den Klub getan. Ich wehre mich allerdings dagegen, wenn mir, wie bei „HSV-Oliver“ geschehen, unterstellt wird, dass ich etwas Falsches geschrieben habe. Deshalb möchte ich einmal aufklärend in die Runde schicken: Am Sonnabend meldete der NDR 90,3 im Sport, dass Ze Roberto laut eines Berichtes im Spiegel doch vier Millionen Euro Ablöse gekostet hat. Dazu wurde Aufsichtsrat-Chef Horst Becker vom Sender befragt, und Becker antwortete dem Sinne nach: Das war mir so nicht bekannt. Horst Becker wurde dann von 90,3 dazu noch einmal am Sonntag befragt und sagte sinngemäß: „Das Gesamtpaket Ze Roberto wurde bei dessen Verpflichtung nicht überschritten. Die Summe, die vom Aufsichtsrat genehmigt wurde, ist eingehalten worden.“ In der Bild (Montag-Ausgabe) sagte Horst Becker zudem, dass aufgrund der Ablösesumme Ze Roberto im Gehalt gedrückt werden konnte.

So weit, so schön. Zum besseren Verständnis für alle User: Beim HSV muss jede Summe über 500.000 Euro ausgegeben wird, vom Aufsichtsrat genehmigt werden. Und nun zurück zu Ze Roberto: Was bitte ist denn da für ein Konstrukt aufgebaut worden? Welche Rolle spielt der Klub in Uruguay? Und welche Rolle hat der Spielerberater Juan Figer inne? Wo gehen die vier Millionen hin? Tatsächlich an Nacional Montevideo? Und wenn ja, warum überhaupt? Und wenn das Geld (auch nur zu Teilen) an Figer gehen sollte – warum? Gibt er davon etwas weiter? Und wenn ja, an wen? Und noch eine ganz wichtige, ja entscheidende Frage: Ist es total ausgeschlossen, dass dem HSV durch diese nebulösen Transferaktionen steuerliche Nachteile entstehen?

Um noch mal auf „HSV-Oliver“ zurück zu kommen: Ich glaube in diesem Profi-Sport nicht mehr an den Weihnachtsmann Das Geschäft ist knallhart, und es geht um Millionen. Um Millionenden sogar, wenn ich das einmal so überspitzt schreiben darf.

Fakt ist: Ze Roberto hat nie für Nacional Montevideo gespielt. Ob er es jemals vorhatte? Auch da habe ich meine Zweifel. Und: Figer hält an diesem Klub die Mehrheitsanteile. Nachtigall, ick hör dir trapsen. Mehr möchte ich nicht mehr dazu sagen. Es mögen andere Leute, nämlich die, die dafür zuständig sind, sich daran versuchen, mehr Licht ins Dunkel bringen.

Nur das möchte ich auch noch einmal betonen: Seit Bernd Hoffmann – natürlich im Zusammenspiel mit Sportchef Dietmar Beiersdorfer – im Februar 2002 den HSV übernommen hatte, ging es mit dem Klub sportlich bergauf. Auch fast alle Neuzugänge, die geholt wurden, hatten klangvolle Namen, es wurde in Dimensionen eingekauft, von denen der HSV zuvor nur hatte träumen können. Hoffmanns Verdienst. Deswegen möchte ich auch betonen, dass ich den Klub-Boss nicht von der Spitze des HSV weg haben möchte. Dass er dennoch nicht unumstritten ist, liegt wohl auch daran, dass er es gelegentlich schafft, sich spielend über gewisse „Spielregeln“, die es innerhalb des HSV gibt (die Satzung), hinweg zu setzen. Da waren in der Vergangenheit eventuell Dietmar Beiersdorfer und das Vorstandsmitglied Christian Reichert (sein Nachfolger Oliver Scheel ist noch jung im Amt) noch ein gewisser Widerpart für Hoffmann, der Aufsichtsrat war es nicht immer (oder viel zu selten?). Und, diese Frage muss erlaubt sein, wie ist es in Zukunft mit dem neuen Sportchef? Mal abwarten.

Festzuhalten ist aber trotzdem: Wenn alle Medien, das Fernsehen, die Zeitungen und die Radiostationen, davon berichten, dass Ze Roberto im Sommer 2009 ablösefrei zum HSV gekommen sei, dann ist es natürlich das gute Recht des HSV, zu schweigen und auch über die Dusseligkeit aller zu schmunzeln. Wenn aber nicht nur, wie eingangs erwähnt, der Aufsichtsrat nichts davon weiß, und sogar die Uefa, wie im „NDR Sportclub live“ berichtete, auf ihrer Homepage schrieb, dass Ze Roberto ablösefrei zum HSV gekommen sei, dann läuft da vielleicht doch etwas ein ganz klein wenig falsch. Oder sehe ich das etwa zu eng?

Wobei ich noch eine Anmerkung machen möchte: Dem HSV steht noch eine weitere kleine Unannehmlichkeit ins Haus. Im Juni 2009 nämlich wollte Bernd Hoffmann den Stürmer von ZSKA Moskau, Vagner Love, verpflichten. Es gab mehrere Treffen mit einer Sportagentur, der HSV war bereit, bis zu 17 Millionen Euro für den Angreifer auf den Tisch zu legen. Die ganze Geschichte zog sich über einige Tage hin, letztlich sollte der Transfer wohl zwölf Millionen Euro kosten, doch der Deal platzte. Bis dahin ist noch alles völlig normal.

Aber: Die Firma H. und Partner GmbH und Co. KG reklamiert nun für sich, gewisse (Vor-)Arbeit geleistet zu haben, und wenn gearbeitet wird, gibt es auch gewisse Forderungen, die beglichen werden müssen. Weil es da aber gewisse Zahlungs-Schwierigkeiten gibt, ist bislang auch keine Zahlung erfolgt. Die Firma H. und Partner schaltete deswegen am 13. Juli 2009 einen Anwalt ein. Es soll um 1,5 Millionen Euro gehen. Die Firma einen von Bernd Hoffmann und Katja Kraus unterschriebenen Vertrag haben (per Fax), der dem Spielerberater 1,5 Millionen Euro zugesteht. Umstritten soll dabei nur sein, dass Bernd Hoffmann diesen Vertrag zwar unterschrieben habe, dabei aber der Firma H. und Partner gesagt hatte, dass er für diese Summe noch das Okay des Aufsichtsrates einholen müsse – und wolle.

Um zum Ende zu kommen: Bernd Hoffmann trat quasi in letzter Sekunden von dem Vertrag und von dem Vorhaben, Vagner Love zu verpflichten, zurück, weil der HSV zeitgleich Eljero Elia unter Vertrag genommen hatte; Vagner Love durfte (musste) in Moskau bleiben – und erst einmal Ende. Der Aufsichtsrat wusste von diesem geplanten Transfer nichts, musste ja auch gar nicht erst bemüht werden, denn der Vertrag mit Vagner Love kam ja auch nicht zustande.

Die Firma H. und Partner aber, die von einem schwebenden Verfahren spricht und deshalb schweigen möchte, hat jedoch noch den von Hoffmann und Kraus unterschriebenen Vertrag in der Schublade – und wartet nun auf Entschädigung. Die muss, wenn die Einigung beider Parteien ausbleibt, zur Not das Gericht festlegen. Bernd Hoffmann sagt dazu: „Wenn es zum Vertragsabschluss mit Vagner Love gekommen wäre, dann hätte die Agentur einen Anspruch auf die übliche Zahlung einer Provision gehabt, aber es kam nicht zum Vertragsabschluss.“ Fortsetzung folgt.

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