Archiv für das Tag 'Uysal'

Ruhig? Besinnlich? So wird das nix beim VfL!

11. Dezember 2015

Im April verlor der HSV zu Hause mit 0:2 gegen den VfL Wolfsburg

Im April verlor der HSV zu Hause mit 0:2 gegen den VfL Wolfsburg

Genügend Power hat er noch, der Bruno Labbadia, das sagte er gestern auf der Pressekonferenz. Zwei Mal muss er seine Jungs noch froh und munter machen vor dem Feste, damit dieses ereignisreiche Hamburger Fußballjahr sein angemessenes, friedvolles Ende finden kann. „Ich bin noch nicht besinnlich gestimmt“, so Labbadia. Doch ob der normale HSV-Wettkampfmodus ausreicht, um beim Achtelfinal-Teilnehmer der Champions League, dem VfL Wolfsburg, zu bestehen, ist doch ein wenig fraglich. Acht Mal in Folge keinen Sieg geholt gegen die Niedersachsen, die zwei beeindruckende Heimspiele hinter sich haben – das spricht für den VfL. Eins ist wohl klar: Etwas Außergewöhnliches ist nötig vom HSV in Wolfsburg, um dort einen Punkt mitzunehmen. Verlockend ist das Szenario, wonach der VfL ja ohnehin der haushohe Favorit ist. Steckt im HSV genügend Leben und Energie, um sich gegen diese allgemeine Erwartungshaltung zu stemmen? Vielleicht ist Bruno Labbadia ja dankbar für den Hinweis, den er heute von seinem Kollegen Dieter Hecking erhalten hat: „Der HSV zeigt zwei Gesichter – daran muss Bruno Labbadia noch arbeiten.“ Vielen Dank für den Hinweis, wobei die Hamburger in dieser Saison gerade auswärts ihr besseres Gesicht zeigten.

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… und am Ende trifft der HSV! +++NEWS: Ekdal verletzt+++

24. Oktober 2015

Jubeltraube in Hoffenheim - irgendwo da drin steckt Sieg-Torschütze Lasogga

Jubeltraube in Hoffenheim – irgendwo da drin steckt Sieg-Torschütze Lasogga

Der HSV kommt langsam aus den Puschen, weil sich die Mannschaft unter Bruno Labbadia zu einem Experten für späte Entscheidungen gemacht hat. Schon zum dritten Mal in dieser Saison gelang der siegbringende Treffer ganz am Ende – das war zuvor schon gegen Stuttgart (3:2 durch Djourou in der 89. Minute) und in Ingolstadt (1:0 durch Gregoritsch in der 87. Minute) der Fall. Auch in der vorigen Saison hat’s am Ende gerappelt. 2:1 in Mainz (31. Spieltag) durch Kacar in der 87., 1:1 gegen Freiburg (32. Spieltag) durch Kacar in der 90., 1:1 durch Diaz im Relegations-Rückspiel in Karlsruhe in der 91. Minute. Nun war es also die 88. Minute, als Pierre Michel Lasogga den Schipplock-Pass zum entscheidenden Tor nutzte. „Das ist der Glaube, den wir in der vergangenen Saison bekommen haben, dass wir nie aufgeben. Das ist bei uns drin und auch bei den Gegnern, die wissen, dass wir nicht klein beigeben. Das ist schon mal ganz gut“, sagt Bruno Labbadia. Und: Endlich wieder ein Tor geschossen, nach genau 361 Minuten.

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Traumberuf HSV-Nachwuchstrainer

11. Oktober 2015

Liga-Pokalsieger HSV 2003 mit Schalenhalter Mahdavikia, Reinhardt über ihm, sowie Rahn als zweiten von rechts

Liga-Pokalsieger HSV 2003 mit Schalenhalter Mahdavikia, Reinhardt über ihm, sowie Rahn als zweiten von rechts

Ob man bereits von einer entsprechenden Philosophie im Nachwuchsbereich des HSV sprechen kann, sei einmal dahin gestellt. Dennoch ist es auffällig, dass Sportdirektor Bernhard Peters gerade in dieser Saison in seiner Jugend-Abteilung vermehrt auf ehemalige HSV-Profis setzt. Rodolfo Cardoso, gerade als U-16-Trainer beurlaubt, und Soner Uysal, nach dem Weggang von Joe Zinnbauer Richtung St. Gallen zum U-23-Cheftrainer befördert, waren oder sind schon lange beim HSV beschäftigt. Doch mit Christian Rahn, Mehdi Mahdavikia und Bastian Reinhardt tummeln sich drei weitere ehemalige Spieler in Peters’ Bereich. „Ich bin dem HSV sehr dankbar für diese Chance“, sagt Christian Rahn (36), fünffacher deutscher Nationalspieler. „Ich liebe diesen Verein, ich liebe diese Stadt“, setzt Mehdi Mahdavikia (38), WM-Teilnehmer 1998 und 2006, nach. Und Bastian Reinhardt (39), der beim HSV schon Profi, Sportchef und Nachwuchsleiter war, sagt zu seiner Rolle: „Vielleicht sieht es so aus, als hätte ich zwei Schritte zurück gemacht. Aber ich habe hier als Trainer ungeheuer viel Freude und Spaß.“ Auf diese drei trifft es offenbar zu: sie haben ihren Traumberuf im HSV-Nachwuchsbereich gefunden.

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Hunt rückt wieder ins Zentrum – Müller ersetzt Gregoritsch

1. Oktober 2015

Aaron Hunt darf in Berlin wieder ins Mittelfeldzentrum zurück - und das ist auch gut so

Aaron Hunt darf in Berlin wieder ins Zentrum zurück – und das ist auch gut so

Irgendetwas fehlt immer. So hatte ich den gestrigen Blog begonnen. Und so kann man auch den heutigen beginnen. Eigentlich kann man diesen Eingangssatz immer nutzen, wenn man sich die Situation des HSV-Nachwuchses ansieht. Selbst in der vergangenen Saison, die man mit neun Siegen aus neun Spielen begann. Die Dritte Liga wurde als Ziel ausgerufen. Denn damals fehlte oben im Bundesligabereich etwas, was von unten nachgebessert werden musste. Logische Konsequenz: Plötzlich fehlte unten wieder Qualität. Aufstieg in die Dritte Liga? Mitnichten. Inzwischen ist man 17. der Regionalliga und der oberste Chef der Nachwuchsabteilung macht sich ernsthaft Sorgen. Wobei, das muss er auch. Denn obgleich ich mich mit meinen Niendorfern über den Bundesliganachwuchs des HSV als attraktiven Gegner in der Oberliga freuen würde – ein Abstieg wäre der GAU für den Nachwuchs des HSV.
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Wenigstens der Jung macht Freude

15. August 2015

Gideon Jung (l., hier gegen Bayerns Costa) war ein Lichtblick im HSV-Spiel

Gideon Jung (l., hier gegen Bayerns Costa) war ein Lichtblick im HSV-Spiel

Es gibt viele Wege, mit dieser 0:5-Niederlage in München umzugehen. Die einen können das Thema schnell abhaken mit dem Satz: „Der FC Bayern ist halt nicht unser Maßstab“ – ich kann das so nicht. Ich kann auch nicht sagen, dass der HSV schon besser als letzte Saison war und es dabei belassen. Ich zähle auch nicht zu denen, die sagen, dass der HSV gegen einen gnädigen Gegner sogar noch Glück hatte. Nein, für mich wiegt diese Niederlage so lange schwer, bis sie inhaltlich aufgearbeitet ist. Zeigen und beweisen kann das Team diese Aufarbeitung erst im nächsten Bundesligaspiel. Aber es es gibt viele verschiedene Ansätze. Einige positive – aber leider noch mehr negative. Den ganzen Beitrag lesen »

Ein kurzer Blick zu Zinnbauers Zweiten

4. Juli 2015

Sage noch einer, dass Spielerberater ihr Geld im Schlaf verdienen! Die müssen auch hart arbeiten. Und schwitzen. Gerade heute. In Ochsenzoll, dem HSV-Leistungszentrum, herrschten tropische Temperaturen, 37 Grad – aber die Berater und Scouts ließen sich das Testspiel zwischen der Zweiten des HSV und dem West-Regionalliga-Club SC Verl nicht entgehen. Es könnte bei diesem Spiel, das über vier (!) Halbzeiten geführt wurde, aber auch nur 90 Minuten dauerte, ja doch noch das eine oder andere Talent zu beobachten sein. Was ich für diesen sommerlichen Kick allerdings mal klar verneinen würde. Sie taten sich alle schwer. Vor dem Anpfiff wurde HSV-Co-Trainer Soner Uysal noch geflachst: „Wir hier heute schon für die WM in Katar geübt?“ Ja, aber nur hitzetechnisch. Übrigens gewann der SC Verl, der in HSV-Stutzen spielen musste, weil die eigenen zu Hause vergessen worden waren, das Spiel mit 1:0. Den ganzen Beitrag lesen »

Labbadia: „Man darf nie aufgeben. Nie!“

14. Mai 2015

Das war mal ein ganz besonders schöner Vatertag. Oder? Schön ist eigentlich falsch, es war ein ungewöhnlicher Vatertag. Weil ich den HSV trainieren hören konnte. Was für ein besonderes Erlebnis. Ich hörte den HSV, konnte ihn aber nicht sehen. Geheimtraining heißt das Zauberwort. Es wurde nicht hinter den weißen Lappen geübt, sondern in der Arena, und die war hermetisch abgeriegelt. Alles ganz geheim, wie der HSV am Sonnabend in Stuttgart gewinnen will. Und wenn es denn so kommt, dann finde ich auch jedes Geheimtraining der Welt völlig gerechtfertigt. Völlig. So aber, zwei Tage vor dem Abstiegs-Endspiel am Neckar, kann ich Euch nicht berichten, wie das Training gelaufen ist, wer gut war, war schlecht war, wer laut war, wer früher vom Platz ging – null. Immerhin sickerte durch, dass Petr Jiracek heute nicht trainieren konnte, weil er seit dem gestrigen Training einen so dicken großen Zeh hat, dass er nicht in einen Fußballstiefel hinein kam. Soll aber wohl morgen, wenn wieder ganz geheim trainiert wird, wieder behoben sein. Ebenfalls nicht trainiert haben – jedenfalls nicht im Stadion – heute Valon Behrami und Nicolai Müller. Beide werden wohl auch bis zum Saisonende, das ja ohnehin ganz nah ist, ausfallen – bei Müller ist es ja schon seit einer Woche beschlossen und verkündet.
Dagegen kehrte heute der Brasilianer Cleber wieder ins Mannschaftstraining zurück. Ob der Innenverteidiger in Stuttgart schon wieder mit von der Partie ist, ließ sich Trainer Bruno Labbadia noch offen: „Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, ob wir ihn in Stuttgart oder erst gegen Schalke brauchen, das wissen wir nicht – das, was wir heute von ihm gesehen haben, das war ordentlich, nun müssen wir abwägen, ob es schon sinnvoll ist, ihn mit nach Stuttgart zu nehmen.“ Ich denke und behaupte einmal: nein. Cleber wird noch ein Woche auf die Wiese gehen müssen, ehe er wieder dabei ist. Wenn überhaupt. Das kommt auch auf den Ausgang des Stuttgart-Spiels an.

 

Kurz noch zum Thema Behrami zurück. Der Schweizer liegt seit einigen Wochen flach, Knie- und Oberschenkel-Probleme. Bruno Labbadia zu seinem vielleicht schwierigsten Patienten: „Seine Probleme rühren her von seiner Operation, die er im Winter hatte, und sie sind eine Folge davon, dass er nicht die Zeit und die Möglichkeit hatte, das aufzuarbeiten. Da kommen viele Dinge zusammen, das ist sehr schade, aber wir müssen das akzeptieren. Wir müssen jetzt so mit ihm arbeiten, dass wenn wir ihn doch noch brauchen, er notfalls doch noch einsteigen könnte – aber im Moment ist das schwer.“

 

Auf der faulen Haut, das muss ich noch schnell einfügen, habe ich trotz allem während des Geheimtrainings zwischen zehn Uhr und 11.30 Uhr nicht gelegen, ich habe mir das Training der U23 „reingezogen“. Die Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso und Soner Uysal spielt an diesem Sonnabend in Lübeck um Punkte. Nur um Punkte, nicht um die Meisterschaft, dieses Ziel wurde ja am vergangenen Wochenende durch eine 0:2-Heimniederlage gegen Havelse verspielt. Und ich hatte den Eindruck, dass vor allem Uysal immer noch stocksauer darüber ist, dass die Meisterschaft so leichtfertig verspielt wurde. Aber so is Lebbe. So richtig aufgefallen ist mir bei diesem Training keiner, es waren ja auch die besten Leute beim gleichzeitigen Profi-Training beschäftigt . . . Für einige Minuten sah auch Sport-Chef Bernhard Peters dem bunten Treiben im Volkspark zu. Und Helm-Peter, der total enttäuscht war, dass er den Profis nicht mal durch ein Loch im Kunststoffzaun mit einem Auge folgen durfte. Aber es gibt ja Schlimmeres.

 

 

Zum Spiel gegen Stuttgart. Ich gebe zu, dass ich nicht besonders optimistisch bin. Das ist bei mir eigentlich ein ganz normaler Vorgang, diesmal aber wird dieser noch durch zwei Dinge etwas negativ beeinflusst. Erstens hat der HSV zuletzt gegen Freiburg wieder einmal, bis auf zehn Minuten in der Schlussphase, seine hässliche Fratze gezeigt, und zweitens befindet sich der VfB Stuttgart, auch wenn das die Ergebnisse nicht unbedingt belegen, seit einigen Wochen in einer konstant guten Form. Und die Schwaben haben nach dem 2:0 gegen Mainz ihr zweites Heimspiel in Folge, das halte ich für den jetzigen Stand der Meisterschaft, also zwei Spieltag vor Schluss, als etwas ungewöhnlich, aber es ist wohl vom Terminplaner her nicht anders möglich. Und da zuletzt, also am vergangenen Wochenende, in Stuttgart die „Hölle los war“, beim Spiel gegen Mainz, wird das auch für den HSV nicht so sonderlich leicht, dort gegen zwölf Mann zu bestehen. Wer sich erinnern kann: Die Super-Stimmung beim VfB wurde am vergangenen Montag von allen Zeitung und Illustrierten besonders hervorgehoben.

 

Leicht wäre das Spiel ohnehin nicht geworden, aber so wird es noch etwas schwerer. Für den HSV. Vermute ich jedenfalls. Und wenn ich so an Martin Harnik denke, den Hamburger im VfB-Trikot, dann wird mir sowieso schon immer leicht „schwummerig“, denn der Österreicher trifft ja ganz besonders gerne gegen den HSV, der einst sein Talent (bei Vier- und Marschlande) nicht erkannt (oder verschmäht) hatte. Sei es wie es sei, auf Harnik bin ich besonders gespannt – und Matthias Ostrzolek dürfte es bereits jetzt ähnlich ergehen. Da wird der ehemalige Augsburger schon mal sein Gesellenstück schmieden können, wenn er Harnik an die Kette legen würde. Wird aber haarig, keine Frage.

 

Und wer spielt beim HSV? Rene Adler im Tor, keine Frage. Die Viererkette davor bleibt auch unverändert, und auch die beiden Sechser dürften im Team bleiben: Gojko Kacar und Rafael van der Vaart. Dann aber wird es schon weniger mit den Stammplätzen. Ich denke mal, ohne dass ich ihn heute auf dem Rasen gesehen habe, dass Lewis Holtby wohl eher auf der Bank wird Platz nehmen müssen. Seine Vorstellung gegen Freiburg war doch viel zu wenig, als dass er noch einmal die Chance von Beginn an erhalten müsste. Ein Mittelfeld mit Zoltan Stieber, Ivica Olic und Marcell Jansen hätte gewiss seinen Reiz, allerdings würden sich dann dort gleich drei „Linksfüßer“ die Ehre geben, und ob das so spannend ist? Ich weiß es nicht. Aber Bruno Labbadia wird es wissen, das verriet er uns heute schon nach dem Training. Er hat die Aufstellung schon im Kopf, aber soweit geht die Liebe eben doch nicht, als dass er sie uns schon in die Blöcke diktieren würde. Geduld ist angesagt. Ich könnte mir trotz der Vorbehalte gegen drei „Linksfüßer“ vorstellen, dass es so kommen wird – und vorne soll und wird sich dann Pierre-Michel Lasogga versuchen.

 

Klingt doch auch nicht schlecht, diese Aufstellung. Aber im Ernst, so richtig schlecht klang die HSV-Aufstellung auch während dieser Saison eigentlich nie, und trotz allem wurde teilweise ein so finsterer Fußball zum Abgewöhnen dargeboten. Es kommt eben auf die Tagesform der Helden an – und auf die mentale Verfassung. Abstiegskampf wird im Kopf entschieden, heißt es ja so schön schon seit Wochen, nun wollen wir alle mal hoffen, dass die HSV-Jungs – alle – ihre Köpfe dafür frei haben. Nur mal so zur Erinnerung: Stuttgart als Schlusslicht hat 30 Punkte auf dem Konto, der HSV als Tabellenvierzehnter 32 Punkte. Sollten der VfB gewinnen . . .
Dann müsste der HSV wohl ganz auf die eine Woche später folgende Heim- und Schlusspartie gegen Schalke 04 setzen. Wirklich nur mal so am Rande. Damit sich alle, wirklich alle mental auf die Begegnung mit den Schwaben einstellen.
Meine Kollegen sind übrigens fast alle sehr bis verhalten optimistisch. Am meisten wurde ein 2:2 getippt, wobei ich mich frage, wer denn zwei Tore . . . Nun gut, auch das gab es ja zuletzt. Sohar einmal ein 3:2. „Helm-Peter“ wurde heute vom NDR-Hörfunk nach seinem Tipp gefragt – und was sagte er? Na klar, 2:2. Sollte es so kommen, werde ich ihm (im Picknick und beim nächsten Geheimtraining) eine Currywurst mit Pommes spendieren, damit er immer gut gestärkt auf seinem Drahtesel nach Hause strampeln kann.

 

Apropos Geheimtraining. Bruno Labbadia erklärte den Rückzug ins Stadion heute wie folgt: „Wir wollten einmal in der Abgeschiedenheit einige Dinge abtrainieren, vor allem auch die Ruhe genißene, die dazugehört – gerade am Vatertag.“ Auf Stuttgart bezogen sagte der HSV-Coach: „Wir sehen das Spiel als weitere Chance, unsere Situation weiter zu verbessern. Wir haben uns mit den letzten drei Spielen eine gute Ausgangsposition geschaffen, die wollen wir nun weiter verbessern.“ Co-Trainer Eddy Sözer und Sport-Direktor Peter Knäbel haben ja vor einer Woche den VfB gegen Mainz 2:0 gewinnen sehen und konnten mit Sicherheit live und vor Ort einige wichtige Eindrücke mit nach Hamburg bringen. Was, darüber allerdings schwieg der Trainer: „Sie haben mir berichtet, dass der VfB ein ordentliches Spiel gemacht hat – aber wir kennen den VfB ja auch, wir wissen, was auf uns zukommen wird, aber wir konzentrieren uns letztlich auf uns selber.“

 

Mein „Sky“-Kollege Sven Töllner sprach bei seiner Frage an den HSV-Trainer von einem „glücklichen Punktgewinn gegen Freiburg“ (so hätte ich es ganz sicher auch formuliert – weil es ganz glücklich war!), aber Bruno Labbadia stellte das 1:1 für sich in ein rechtes Licht: „Es war ein erkämpfter Punkt!“ Wie dem auch sei. Ich will das Spiel gegen Freiburg auch nicht im Nachhinein noch einmal von allen Seiten beleuchten, für mich war es einfach nur schlecht (vom HSV), und zwar erschreckend schlecht. Bis auf die Schlussphase. Und ich glaube, dass auch alle HSV-Verantwortlichen gut daran täten, wenn sie diese 90 Minuten aus dem vorletzten Heimspiel der Saison so oder ähnlich negativ einschätzen oder einstufen würden. Alles andere wäre Augenwischerei.
Bruno Labbadia relativierte aber aus seiner Sicht: „Das sieht man nicht nur bei uns, dass es da Schwankungen gibt, das ist auch bei anderen Mannschaften zu sehen. Ich habe zum Beispiel Kaiserslautern gegen St. Pauli gesehen, da lagen die Lauterer plötzlich 0:1 zurück und es ging nicht mehr viel. Das war bei uns ebenfalls so: Wir hätten das 1:0 gegen Freiburg machen können, kriegst aber das 0:1 und dann passieren solche Spiele. Dann, mit dem 1:0 im Rücken, macht es der Gegner auch gut, und dann gibt es solche Spiele. Freiburg hat es dann auch richtig gut gemacht, wir nicht – aber das haben wir ja auch zugegeben. Und ich habe einige Sachen bei uns gesehen, die nicht so liefen, wie wir uns das vorgestellt hatten.“ Dass es doch noch ein 1:1 gab, lag vornehmlich daran, dass Labbadia voll auf Offensive setzte und noch jeden Stürmer einwechselte, den er noch hatte. Auch wenn Maximilian Beister vielleicht einige Minuten zu spät kam, wie etliche Kollegen noch am Sonntag bemerkten.

 

Immerhin konnte Bruno Labbadia als Coach doch noch etwas Positives aus dem Freiburg-Spiel mitnehmen: „Es hat uns gezeigt, dass wir immer wieder aufstehen können. Dass wir zwar mal kurz am Boden liegen, dass wir mal Rückschläge erleiden, aber dass wir immer wieder dagegen an arbeiten, das hat uns dieses Spiel gezeigt, aber auch schon die Spiele davor. Wir sind zuletzt immer wieder aufgestanden, und das bringt uns dann auch eine gute Stimmung in die Mannschaft. Man darf nie aufgeben. Nie.“

 

Keine Frage (die am Rande eines Trainingstages immer mal wieder aufkommt!) spielt übrigens für den Trainer, ob Rafael van der Vaart auch in Stuttgart wieder zur Auflaufformation gehören wird: „Rafa hat sich gleich zu Anfang im Training gezeigt, dass er dem Verein und der Mannschaft helfen will. Das haben wir aufgenommen. Dann haben wir ihn auf verschiedenen Positionen eingesetzt, aber ganz klar ist er derjenige, der für mich auf der Acht spielen könnte – weil er eine gewisse spielerische Qualität bei uns reinbringt.“
Jetzt spielt der „kleine Engel“ aber auf der Sechs, doch auch das sieht der Trainer nur positiv: „Er hat das dort mit Gojko Kacar gemeinsam, was die Arbeit betrifft, was die Kompaktheit betraf, sehr gut gemacht. Und von dem her ist es gut, dass der Kapitän zuletzt solche Leistungen gebracht hat.“ Bruno Labbadia dann noch zum Abschluss über van der Vaart: „Ich glaube, dass er sich als Kapitän von seinem Verein einfach nur gut verabschieden will, und dazu kann er selbst viel beitragen.“ Mit einem Spiel mit Herz und Leidenschaft. Und das wird der Niederländer auch, bei aller Kritik, die es immer wieder mal für ihn gibt, auch am Sonnabend wieder an den Tag legen.

 

Apropos Tag. Bruno Labbadia befand über sein Wirken im Moment (weil er von den meisten neutralen Beobachtern gelobt wird): „Der Abstiegskampf hat mich zu einem kompletteren Trainer gemacht. Das ist eine ganz andere Art, zu arbeiten, aber ich brauche es nicht jeden Tag.“

 

Das Schlusswort zum Vatertag, aber eher schon im Hinblick auf Stuttgart, kam auch noch von Labbadia, der befand: „Wir haben uns zuletzt eine Ausgangslage geschaffen, von der wir vor einigen Wochen nur geträumt haben. Diesen Weg müssen wir jetzt weiter gehen. Das ist ein Kraftakt, aber es hilft nichts, es sind ja nur noch zwei Spiele.“

 

Und für die gilt:

Verlieren verboten!

 

Nur der HSV!

 

PS: Nachdem Lars Pegelow gestern so gefeiert wurde, weil er an Carl-Edgar Jarchow (der an diesem Freitag seinen letzten offiziellen HSV-Tag hat) gedacht hat, möchte ich mich auch noch kurz daran versuchen – und mir meine Belobigungen dafür abholen. Schon jetzt dafür ein herzliches Dankeschön!

Da ich weiß, dass im Hause Jarchow auf jeden Fall einer bei Matz ab mitliest, mache ich das mal so:

„Lieber Herr Jarchow, Sie haben gewiss keine schöne zweite HSV-Zeit (nach der Aufsichtsrat-Tätigkeit) gehabt, im Gegenteil, Ihr Wirken gestaltete sich äußerst zäh und wenig erfolgreich. Ich habe Ihnen immer gesagt, dass ich Ihren Mut bewundert habe, dass Sie dieses Amt übernommen haben. Kaum ein anderer HSVer hätte das gemacht. Und obwohl Sie ziemlich schnell wussten, was Sie da übernommen hatten, verlängerten Sie auch noch. Warum auch immer, spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte ich, Dieter Matz, das Handtuch geworfen.
Sie hatten in meinen Augen nie eine richtige, eine faire Chance, den HSV wieder nach oben zu führen, weil die Club-Kasse chronisch leer war. So ist es, die Ausnahme heißt Klaus-Michael Kühne, bis heute geblieben – und nun wollen wir mal sehen, wie sich der HSV in Zukunft so machen wird.

Auf jeden Fall waren Sie immer ein fairer Gesprächspartner, und obwohl Sie mitunter recht heftig kritisiert und attackiert wurden, haben Sie immer Rede und Antwort gestanden, ohne ausfällig oder beleidigt zu sein. Das war hanseatisch stark und immer Erste Liga!
Das muss Ihnen erst einmal – vor allem über eine so lange Zeit – einer nachmachen. Natürlich haben Sie auch manchen Fehler gemacht, ganz klar – aber wer macht die nicht? Diejenigen, die nun am meisten in die Luft gehen, die sollten sich vielleicht selbst einmal fragen, ob das alles so richtig ist, wie sie ihren Weg gehen – oder bislang gegangen sind . . .

Alles Gute für Ihren weiteren Weg, ich freue mich, dass Sie zum Hamburger Fußball-Verband gehen werden – ich bin dann ein „Untergebener“ von Ihnen.

Dieter Matz

 

18.04 Uhr

Nur drei kümmerliche Tore – erschreckend!

26. Oktober 2014

In Berlin kann man immer mal verlieren, das hat der HSV ja auch schon oft genug bewiesen. Das ist jetzt auch nicht das Entscheidende. Entscheidend ist vielmehr, dass der HSV keine Tore schießt. Drei lächerliche, drei kümmerliche Tore in den ersten neun Spielen dieser Saison – schlimmer geht es nimmer. Da lacht sich ja sogar Tasmania 1900 tot. Die Berliner hatten in der Saison 1965/66 immerhin schon sechs Tore nach neun Spieltagen erzielt, hatten dann am Ende ein Torverhältnis von 15:108. Und Mitabsteiger Borussia Neunkirchen hatte nach neun Spieltagen fünf Treffer auf der Habenliste – immerhin. Der HSV jagt weiterhin einen Negativ-Rekord nach dem anderen, wo einer zu greifen ist, da schreien die Hamburger hier und holen sich ihn. Gnadenlos. Und wie soll sich ein HSV-Fan denn nun noch Mut machen? Es geht vorne doch fast gar nichts zusammen. Und auf der Bank sitzt – trotz der Tore-Seuche – nicht mal mehr Artjoms Rudnevs, der einst gezeigt hat, dass er weiß, wo des Gegners Tor in der Bundesliga steht. Nein, das allein ist ein großes, ein riesiges Dilemma. Ohne Tore kann man nun mal nicht gewinnen – und das absolut Schreckliche daran ist, dass irgendwann der Gegner dann gegen den HSV trifft, und schon ist alles vorbei. Drei Tore in neun Spielen, das ist die absolute Blamage. Und einfach nur niederschmetternd. Das geht gar nicht!

 



 

Was hinzukommt: In der Medienstadt Hamburg, und da beziehe ich mich ausdrücklich mit ein, wird jede halbwegs gute Leistung des HSV von Wochenende zu Wochenende hochgejubelt. Nur weil der HSV mal nicht verloren hat. Und es ist nun einmal gute (oder eher schlechte?) hanseatische Sitte, dass die HSV-Profis dann mit stolz geschwellter Brust durch Hamburg brausen: Platz da, hier kommt ein HSV-Star!
Drei Tore, kann ich da nur wiederholen, drei kümmerliche Törchen. So sieht die bittere Realität aus. Aber was soll man auch als HSV-Spieler machen, wenn man eine Woche lang diesen 1:1-Sieg gegen Hoffenheim immer wieder als absolute Über-Leistung vor Augengeführt bekommt? Da kann man doch nur abheben. Und dann geht man eben in Berlin nicht in das Spiel, als ginge es wie gegen Bayern oder auch Dortmund nur darum, die Null hinten stehen zu lassen. Wer sind wir denn? Der Gegner hat sich nach uns zu richten . . .

 

„Wir haben gut angefangen, aber dann so ab der 15. Minute angefangen, das Spiel an Hertha abzugeben“, befand Trainer Joe Zinnbauer nach der 0:3-Pleite und fügte hinzu: „Auch in der zweiten Halbzeit haben wir versucht gut zu beginnen, da hatte Marcell Jansen ja auch die Chance zum 1:0. Dann aber der Konter zum 1:0 für die Berliner, und ganz schwer wurde es dann nach dem 0:2 . . .“ Das sahen alle, wie schwer es dann wurde. Generell aber befand der HSV-Coach: „Jetzt nach einer Niederlage wieder alles infrage zu stellen, ist der falsche Weg, der falsche Ansatz. Wir müssen das Konzept weiterfahren. Es hat doch allen gestern noch gefallen. Wir müssen das durchziehen und den Spielern Vertrauen geben. Auch wenn die beiden Gegner, die jetzt kommen, ganz schwer werden. Wir müssen schnell runterkommen und sehen, dass wir die Richtigen finden gegen Bayern.“ Stimmt. Obwohl das sicherlich viel leichter gesagt als getan ist.

 

Zu seiner Tormöglichkeit in der 55. Minute sagte Marcell Jansen noch in Berlin: „Wenn ich den reinmache, dann gibt es auch keinen Berliner Konter – und kein 0:1.“ Stimmt haargenau. So trifft Jansens Schluss-Kommentar leider auch voll auf den Punkt: „Wir haben leider kein Tor gemacht, und leider auch nicht so gut gestanden.“

 

Heiko Westermann pflichtet ihm bei: „Wir haben gut begonnen, alles ging bestens auf – und dann haben wir aufgehört, uns zu zeigen, aufgehört Fußball zu spielen. Drei dumme Gegentore haben wir uns eingefangen, zwei davon waren auf jeden Fall total dumm, ganz klar, wir haben ein ganz schlechtes Spiel gemacht. In den Wochen davor haben wir uns teilweise für gute Spiele nicht belohnt, diesmal haben wir nur schlecht gespielt.“ So ist es. Das sah auch Nicolai Müller so: „Die Niederlage ist ganz klar verdient, wir haben kaum Zweikämpfe gewonnen. In der ersten Viertelstunde waren wir noch griffig, da hatten wir gute Balleroberungen, dann haben wir den Faden verloren Warum auch immer.“ Und nun die Bayern am Mittwoch im Pokal? Müller: „Wie die drauf sind, das weiß ja jeder. Aber es ist Pokal, da gibt es nur gewinnen oder verlieren. Mal sehen, wie wir drauf sind – Favorit sind wir jedenfalls nicht.“ Gut erkannt. Aber der Pokal hat ja bekanntlich seine eigenen Gesetze.

 

Aber davon hält Sky-Experte Stefan Effenberg wahrscheinlich überhaupt nichts. Und ich glaube auch, dass der gebürtige Hamburger dem HSV absolut und null zutraut – nicht nur gegen die Bayern am Mittwoch. „Effe“ sagte bei „Sky“ über den so schwachen HSV in Berlin: „Bis auf die ersten fünf, sechs Minuten war das eine katastrophale Leistung der Hamburger. Dem HSV hat heute alles gefehlt. Die Aggressivität in den Zweikämpfen, das Miteinander, Füreinander, sich gegenseitig zu helfen, nachzurücken in die Offensiv wie in die Defensive. Die Situation wird immer schwieriger, das kann man auch nicht schönreden.“

 

Das wissen sie aber bestimmt auch in der neuen HSV-Führung. In die eigene Tasche gelogen wurde sich in den letzten Jahren in Hamburg viel zu oft und viel zu schön. Das ist nicht die Sache derjenigen, die den Karren nun aus dem Sumpf ziehen sollen. Am Tag nach der Ernüchterung von Berlin befand Sportdirektor Peter Knäbel offen: „Ich sehe derzeit niemanden, der das Offensivspiel des HSV prägt. Der absolute Wille, das 1:0 zu machen, war nicht genug da, die Qualität der Abschlüsse war bescheiden. Wir müssen mehr Brutalität an den Tag legen, wenn wir das 1:0 erzwingen wollen, um daraus dann mehr zu machen.“ Sportdirektor Knäbel weiter: „Nach dem 0:1 war es die schlechteste Reaktion, die ich von dieser Mannschaft, seit ich da bin, gesehen habe. Wir haben uns selbst aus dem Rhythmus gebracht, weil wir viele unnötige Ballverluste hatten. Wie man sich nach dem 0:1 verhalten hat, so geht das nicht.“ Dann kam Peter Knäbel vielleicht zu einem ganz entscheidenden Punkt: „Ich kenne die alten Zeiten nicht, aber heute hat man gesehen, dass diese Mannschaft unterschiedliche Facetten hat.“ Und, jetzt wird es wichtig: „Nach dem Sieg in Dortmund ging es hier in der Stadt so euphorisch zu, da ging es rauf und runter, da rauschte es. Das hat mich überrascht. Und nach dem 1:1 gegen Hoffenheim wurde öffentlich gefragt, ob das schon der neue HSV ist? Da habe ich mich dann gefragt, ob das alles wirklich so einfach ist? Und ob das wirklich alles so schnell geht? Ich habe damit gerechnet, dass es solche Rückschläge geben wird. Es wird von allen weiter harte Arbeit verlangt, nur harte Arbeit ist erforderlich.“

 

Dann haut mal schön rein! Das ist mal ’ne Ansage.

 

Und das gilt für alle. Nicht nur für diejenigen, die in erster Linie für das Toreschießen zuständig sind. Wobei ich bei jenem Spieler bin, um den sich zurzeit vielleicht die meisten HSV-Diskussionen ranken: Rafael van der Vaart. Gehört er nun ins Team, oder gehört er da schon lange nicht mehr hinein? Ich glaube ja immer noch, dass er dort mitspielen könnte – natürlich nicht in der „Berliner Form“. Der Niederländer läuft und läuft und rennt und ackert, aber an ihm läuft das Spiel seiner Mannschaft auch total vorbei. Ich bin mir absolut sicher, dass van der Vaart nur das Beste geben will, dass er sich voll reinhängt, dass er dieses Team auch führen will – aber er erreicht seine Mitspieler nicht. Nicht oder nicht mehr, das lasse ich mal dahingestellt. Ich glaube aber, dass wenn Rafael van der Vaart etwas weniger laufen würde, etwas weniger rennen und etwas weniger kämpfen würde, dass er dann wertvoller sein könnte. Als zentrale Anspielstation, als Rhythmus-Geber, als Ballverteiler – er konnte es doch mal, er war doch mal ein Weltklasse-Mann. Wenn er sich zentral anbieten würde, wenn ihn die Mitspieler suchen und bedienen würden, dann könnte er doch noch einmal wieder zu seinem Spiel zurückfinden. Vielleicht. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, aber ich bin so auch total unglücklich mit dem, wie es zurzeit läuft. Bei ihm und bei der Mannschaft.

 

Dass mich heute (auch gestern schon) viele Leute, auch aus der Ferne, angerufen oder mich mit einer sms bedient haben mit dem Hinweis, dass es van der Vaart „nicht mehr bringen“ würde, dass der HSV „nicht klug beraten ist, wenn er ihn nun ins Schaufenster stellt, um ihn im Winter verkaufen zu können“ – das spricht dafür, wie sehr sich die Fans um den HSV sorgen, aber ich vertrauen da in erster Linie Joe Zinnbauer. Ich habe es bei seinem Amtsantritt gesagt, und dazu stehe ich auch heute noch: „Bei Zinnbauer wird es nach Leistung gehen, nach nichts anderem.“ Und wenn der Trainer nun sieht, dass es mit van der Vaart nicht so recht laufen will, dann wird er ihn – das muss nicht diese oder nächste Woche sein – beiseite nehmen und mit ihm unter vier Augen klären, wie sich die Situation für den Trainer darstellt. Und dann dürfte der Kapitän der letzte Mann sein, der sich darüber beschwert. Er selbst hat doch vor Wochen gesagt, dass es hier nicht um Einzelschicksale geht, sondern um den HSV, um das Überleben des HSV in der Bundesliga. Und dem wird sich dann auch ein Rafael van der Vaart unterordnen. Und dann wird er, wenn der Druck vielleicht eines Tages nicht mehr ganz so hoch ist wie zurzeit, auch noch einmal wiederkommen und den Taktstock im HSV-Spiel schwingen. Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf.

 

Übrigens wurde van der Vaarts Konkurrent Lewis Holtby auf „Sky“ gefragt, wie er die Sache mit der (überraschenden) 45-minütigen Nichtberücksichtung sieht. Und das hat Holtby gesagt: „Wir haben einen großen, guten Kader, da bringt es nichts, wenn ich eine Diva bin und irgendwelche Aufstände betreibe. Wenn ich reinkomme, gebe ich alles.“ Das ist mal eine gute und vollkommen richtige Antwort.

 

Gefreut habe ich mich an diesem Sonnabend gegen 17.30 Uhr darüber, dass Valmir Nafiu sein Bundesliga-Debüt gefeiert hat. Das ist mal ein Ding. Zwei Jahre (rund) darf er nur trainieren, er sollte schon abgeschoben werden (schon lange sogar), aber er ging nicht. Und nun sein Auftritt. Das ist mal ein Comeback. Und mal sehen, was daraus noch wird. Und vielleicht nimmt sich ja auch Artjoms Rudnevs noch einmal ein Beispiel daran, denn es zeigt, dass gute Trainings-Leistungen sehr wohl belohnt werden.

 

Geärgert habe ich mich am Sonnabend auch darüber, dass Pierre-Michel Lasogga dem Bundestrainer nicht zeigen konnte, dass er in diese Nationalmannschaft gehört. Lasogga wollte, er riss sich in Halbzeit eins auch alle Beine aus, aber nicht gelang. Weil sie ihn weder suchten noch bedienten. Und im zweiten Durchgang ging er dann total unter. Schade, schade. Dass er später auch einer der Sündenböcke in der Öffentlichkeit war, das war ja irgendwie klar – drei kümmerliche Törchen. Dass er da vorne aber auch nichts bekommt, das wird dabei übersehen. Was hat Peter Knäbel noch in Sachen HSV-Offensive gesagt? Genau. Joe Zinnbauer befand zu diesem Thema: „Man kann das Spiel nicht an Pierre Lasogga festmachen. Wir haben zehn andere Spieler auf dem Platz, die auch Tore machen können und die Spieleröffnung machen sollen. Im Nachhinein war es für Pierre kein einfaches Spiel, die ganze Woche schon wurde über ihn und diesen Auftritt geschrieben, alles fokussierte sich auf ihn.“ Dazu kamen die permanenten Pfiffe von den Hertha-Fans, das konnte schon zermürben – und hat gewiss auch zermürbt.

 

Dann noch einmal etwas ganz Erfreuliches: Die Zweite hat ihren Siegeszug in der Regionalliga fortgesetzt – und wie! 10:0 bei Aufsteiger FT Braunschweig gewonnen, Halbzeit 3:0. Und wer schoss das dritte HSV-Tor? Es war Gideon Jung! Gestern noch bei uns auf der „Matz-ab-live“-Bank, heute schon Torschütze in Braunschweig – Glückwunsch, Gideon. Ganz nebenbei habe ich heute (und auch gestern noch) etliche Anrufe von HSV-Fans erhalten, die die Auftritte von Gideon Jung und Maximilian Beister explizit lobten. Richtig so, das waren auch sehr gute Auftritt und Aussagen! Aber diese außer Rand und Band geraten Zweite!? Das ist ja schon nicht mehr nur unheimlich, das ist ja der Wahnsinn pur! Zwölf Punkt Vorsprung nun schon vor dem Tabellenzweiten aus Bremen und bereits nach dem 14. Spieltag Herbstmeister! Übrigens, der HSV-II-Trainer (der Mann nach Zinnbauer) heißt Daniel Petrowsky. Und der Co-Trainer noch immer Soner Uysal. Und das 10:0 ist ein neuer deutscher Regionalliga-Rekord! Na bitte, es geht doch, der HSV sammelt ja doch nicht nur Negativ-Rekorde.
Die HSV-Tore: 0:1 Brüning (13.), 0:2 Brüning (22.), 0:3 Jung (29.), 0:4 Arslan (55., Foulelfmeter), 0:5 Arslan (58.), 0:6 Brüning (60.), 0:7 Masek (76.), 0:8 Arslan (80.), 0:9 Gouaida (82.), 0:10 Mende (85.)

 

PS: Training am Montag ist um 10 Uhr. Was hat Peter Knäbel noch gesagt? Harte Arbeit ist erforderlich, richtig schön harte Arbeit.

 

PSPS: Sportdirektor Peter Knäbel kündigte im Gespräch mit meinem (unseren) Kollegen Lars Pegelow (NDR 90,3) an, dass der Profi-Vertrag mit Trainer Joe Zinnbauer wahrscheinlich schon in dieser Woche unterschrieben wird. So kann ich mich täuschen – am Freitag schrieb ich noch im Hamburger Abendblatt genau das Gegenteil. Vielleicht aber hat ja gerade das den HSV ermunternd, sofort zu handeln. Auf jeden Fall freue ich mich für Joe Zinnbauer, es ist sicherlich verdient und genau der richtige Weg.

 

PSPSPS: Der Vorspann bei „Matz ab live“ ist nicht deswegen „verlängert“ worden, weil ich nach den zwölf Namen gefragt hatte, die dort zu sehen sind (außer „Scholle“ und ich!). Es ist ein technischer Fehler. Mehr nicht. Wer aber das Weltmeister-Heft von Oliver Wurm haben möchte, der schicke mir bitte eine Postkarte mit den Namen – es müssen ja nicht alle sein. Das wäre dann perfekt, ist aber sicher ganz, ganz schwer!
Dieter Matz, Sportredaktion Hamburger Abendblatt, Axel-Springer-Platz 1, 20350 Hamburg.
Ich habe fertig!

 
. . . und nicht vergessen, Freitag ist Matz-ab-Treffen (HSV-Ochsenzoll, Ulzburger Straße im „Anno 1887“ um 19 Uhr)
 

17.17 Uhr (Winterzeit)

U23-Cotrainer Soner Uysal: „Seit Joe weg ist, ist es deutlich ruhiger“

13. Oktober 2014

Was für ein düsterer Wochenanfang. Dachte ich. Alles grau in grau, es regnet – und die Imtech-Arena ist verwaist. Von den Spielern ist niemand da. Einzig der dauerverletzte Ivo Ilicevic quält sich in den Räumlichkeiten des Stadioninneren. Und er geht laufen. Eine Laufeinheit im angrenzenden Volkspark zusammen mit dem Fitness-Guru Markus Günther steht auf dem Plan. Wann genau der Kroate wieder einsatzbereit ist, ist weiter offen. Zu hoffen sei aber, so wird es kommuniziert, dass der Rechtsfuß diese Woche das Tempo in seinen Läufen intensiviert, um dann in der kommenden Woche wieder voll einzusteigen. „Ich hoffe, dass es bald wieder losgeht“, hatte mir Ilicevic am Freitag noch gesagt. Und ich bin mir sicher, dass er die paar Tage Geduld jetzt auch noch hat, nachdem er seit 2011 in mehr als der Hälfte seiner bisher 105 möglichen Partien nicht zum Einsatz kam. Und das fast immer verletzungsbedingt, nachdem er mit Rotsperre 2011 erst nach dem vierten Spieltag verpflichtet worden war. Dabei hatte alles so gut begonnen und der quirlige Rechtsfuß hatte die Vorbereitung komplett und ohne große Beschwerden absolvieren können. „Zum ersten Mal hat wirklich alles geklappt“, freute sich der Kroate, der inzwischen keiner Untersuchung noch nicht unterzogen wurde, nach dem letzten Trainingslager in Österreich. Und das zurecht. Zumal er vom damaligen Trainer Mirko Slomka einen Menge Komplimente bekam.

Inzwischen ist Slomka nicht mehr im Amt – und Ilicevic noch nicht wieder fit. Der 27-Jährige konnte sich demnach noch gar nicht beim neuen Trainer Josef „Joe“ Zinnbauer empfehlen und dürfte erst einmal eine Weile brauchen, um sich wieder an die Startelf heranzukämpfen. Zumal seine Konkurrenz gut spielt. Zumindest Nicolai Müller und Lewis Holtby dürften nach den letzten Spielen im offensiven Mittelfeld gesetzt sein. Dazu gesellt sich ein wieder genesener Rafael van der Vaart, der seinen dritten Frühling beim HSV einläuten will. Und nehmen wir Pierre Michel Lasogga als einzige Spitze noch dazu, ist aktuell zunächst kein Platz für Ilicevic, der damit kein Problem hat. „Wenn ich fit bin und meine Leistung bringe, werde ich meine Chance bekommen“, so Ilicevic kämpferisch – wissend, dass seine Person auch im Sommer schon für heiße Diskussionen im Vorstand gesorgt hatte. Weil er schlichtweg zu verletzungsanfällig ist. Aber was soll’s, der sympathische Offensivspieler ist da, er hat noch einen Vertrag bis Saisonende und er ist in gesundem Zustand sportlich zweifellos eine gute Alternative.

Eine gelungene Alternative ist auch Daniel Petrowsky. Zwar nicht mehr als offensiver Mittelfeldspieler – dafür aber nach seiner aktiven Karriere als Cheftrainer der U23. Denn der Nachfolger des beförderten Erfolgstrainers im HSV-Nachwuchs, Joe Zinnbauer, hat die Vorschusslorbeeren (Peters, Schröder und Beiersdorfer lobten ihn unlängst als den wohl besten Trainer im Jugendbereich) ist ungebrochen erfolgreich. Dabei hatten nicht wenige die Befürchtung, dass mit der Beförderung Zinnbauers auch ein Bruch in das junge Team kommen könnte. „Aber dem ist zum Glück nicht so“, sagt Soner Uysal, der nach Cardoso und Zinnbauer mit Petrowsky dem dritten Chefcoach unterstellt ist. „Im Gegenteil“, sagt Uysal und lacht dabei, „es ist hier inzwischen definitiv alles eine Ecke entspannter.“ Immerhin sei Petrowsky im Gegensatz zu „Durchdreher“ Zinnbauer ein ruhigerer Vertreter seiner Zunft. „Bei Joe wusstest du nie, was er gleich vorhat. Der wollte immer mehr. Von sich, von den Spielern und von uns Trainern. Auch jetzt nach Hannover, wo wir wirklich eine ganz starke Partie gemacht haben (4:1-Sieg, d. Red.), kam er an und lobte erst einmal alle ausführlich. Er war extrem positiv. Und am Ende hat er dann noch kurz, aber bestimmt gesagt: ‚Aber ein, zwei Tore mehr hätten es schon sein müssen.’ Joe hatte und hat einfach einen unfassbaren Willen und Energie. Er sprudelte vor Ideen und Gedanken und hat sich tatsächlich mit alles und jedem beschäftigt – das ist schon sensationell“, lobt Uysal seinen Ex-Chef.

Wie sich der Alltag in der U23 nach Zinnbauer so gestaltet wollte ich von Uysal hören. Und der ehemalige HSV-Profi muss nicht lange überlegen. „Ähnlich. Daniel hat von uns sämtliche notwendige Unterstützung bekommen und sich extrem schnell eingefunden. Wir hatten alle Befürchtungen, dass der Weggang von Joe bei der Mannschaft Risse verursacht. Zumal wir einen unfassbaren Lauf hatten. Aber zum Glück ist dem nicht so. Daniel hat das ganze komplett übernommen, das ist kein Problem.“

Auch, weil der ehemalige U16-Coach Petrowsky auf ein rundum verbessertes Umfeld trifft. „In den letzten Jahren hatten wir in der U23 Probleme, unsere eigenen Spiele aufnehmen zu lassen, um daraus selbst Analysen zu ziehen. Dabei ging es auch ums Geld. Ich will damit auch gar nicht Rodolfo Cardoso in Schutz nehmen – aber das war nicht einfach für den Trainer. Aber seit Joe da ist – und ich weiß bis heute nicht, wie er das hinbekommen hat – bekommen wir sogar den nächsten Gegner aufgenommen. Und dazu noch professionell analysiert.“ Dabei hilft mit Jan Roloff zudem ein von Bernhard Peters empfohlener Analyst. „Das ist alles inziwschen schon sehr viel professioneller geworden“, freut sich Uysal, „und es wird von Tag zu Tag noch besser.“

Zehn Punkte Vorsprung auf Bremen haben die U23-Kicker, das Thema dritte Liga wird öffentlich diskutiert – und ich habe noch von niemandem in offizieller Funktion gehört, dass ein Aufstieg zu teuer und unerwünscht wäre. „Nur wir versuchen das Thema auszublenden“, sagt Uysal, „dafür ist die Saison noch zu jung. Sollten wir nach fünf, sechs Spieltagen in der Rückrunde noch immer in der aktuellen Verfassung sein, könnte das sicher anders sein. Aber bis dahin bleiben wir ruhig und scheuen von Spiel zu Spiel.“

Zumal in der Winterpause einiges passieren könnte. Zinnbauer gilt als Freund von jungen Talenten und hatte zuletzt mit Steinmann, Götz und Cigerci die ersten Debütanten gebracht. Ob es auch Thema war, ihn hochzuziehen, wollte ich dann noch von Uysal wissen. „Bisher nicht. Ich habe eine verantwortungsvolle Position im Klub und fühle mich sauwohl“, so Uysal, der immerhin schon zweimal von seinen Chefs „nach oben verlassen“ wurde, ohne mitgenommen zu werden oder zumindest den Unterbau selbst als Chef übernehmen zu dürfen. Sauer ist er deswegen nicht. Auch nicht enttäuscht. „Ehrlich gesagt ist das auch völlig okay so. Ich sehe mich selbst eher als prädestinierten Cotrainer, denn als Chef an der Linie“, so Uysal erfrischend ehrlich. Uysal kann sich selbst einschätzen und hat vielen anderen seines Faches vor allem eine Eigenschaft voraus: Er weiß nicht nur, was er kann. Er weiß vor allem auch, was er nicht so gut kann. „Ich glaube schon, dass mein Knowhow auch für mehr geeignet wäre – aber ich glaube auch, dass es da andere gibt, die das deutlich besser vermitteln können als ich. Von daher bin ich wirklich nicht traurig.“

Zudem will er sich nie als Anhängsel eines Cheftrainers sehen. Schon deshalb wollte er nie und will auch heute nicht auf die Schnelle mit hochgezogen werden. „Mir ist es wichtig, dass ich nicht bei irgendwem mitgehe, sondern dass der Verein eine Idee mit mir hat. Für mich ist und wird immer entscheidend sein, dass der Verein einen Plan mit mir hat, den ich mitgehen kann und will. So, wie momentan als Cotrainer von Daniel in der U23.“ Sollte es darüber hinaus doch mal so weit kommen, dass der Verein ihn zum Bundesliga-Cotrainer machen will – Uysal wäre nicht abgeneigt. „Aber eben nur, wenn ich erkenne, dass es dem Verein dabei ganz speziell um mich und meine Qualitäten geht. Alles andere wäre nichts für mich. Ich brauche keine Öffentlichkeit für mein Ego. Ich muss nicht in der Zeitung zu stehen, um Spaß an meinem Job zu haben. Ich habe am meisten Spaß an meiner Arbeit beim HSV, wenn ich merke, dass ich gut bin in dem, was ich mache und die Leute das auch honorieren. So wie jetzt.“

Klingt gut. Sehr gut sogar. Zumal auch in der U23 eine gewisse Konstanz nicht von Nachteil ist. Schon gar nicht in (mit-)führender Position und bei dem Ziel, in den kommenden Jahren deutlich mehr Profis selbst ausbilden zu wollen. Apropos, morgen geht es wieder um zehn und um 15 Uhr an der Imtech-Arena zur Sache. Training mit Joe Zinnbauer ist angesagt. Ich werde da sein und berichten. Bis dahin,

(ein von Uysal nachhaltig beeindruckter) Scholle

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