Archiv für das Tag 'Uysal'

Ein kurzer Blick zu Zinnbauers Zweiten

4. Juli 2015

Sage noch einer, dass Spielerberater ihr Geld im Schlaf verdienen! Die müssen auch hart arbeiten. Und schwitzen. Gerade heute. In Ochsenzoll, dem HSV-Leistungszentrum, herrschten tropische Temperaturen, 37 Grad – aber die Berater und Scouts ließen sich das Testspiel zwischen der Zweiten des HSV und dem West-Regionalliga-Club SC Verl nicht entgehen. Es könnte bei diesem Spiel, das über vier (!) Halbzeiten geführt wurde, aber auch nur 90 Minuten dauerte, ja doch noch das eine oder andere Talent zu beobachten sein. Was ich für diesen sommerlichen Kick allerdings mal klar verneinen würde. Sie taten sich alle schwer. Vor dem Anpfiff wurde HSV-Co-Trainer Soner Uysal noch geflachst: „Wir hier heute schon für die WM in Katar geübt?“ Ja, aber nur hitzetechnisch. Übrigens gewann der SC Verl, der in HSV-Stutzen spielen musste, weil die eigenen zu Hause vergessen worden waren, das Spiel mit 1:0. Den ganzen Beitrag lesen »

Labbadia: „Man darf nie aufgeben. Nie!“

14. Mai 2015

Das war mal ein ganz besonders schöner Vatertag. Oder? Schön ist eigentlich falsch, es war ein ungewöhnlicher Vatertag. Weil ich den HSV trainieren hören konnte. Was für ein besonderes Erlebnis. Ich hörte den HSV, konnte ihn aber nicht sehen. Geheimtraining heißt das Zauberwort. Es wurde nicht hinter den weißen Lappen geübt, sondern in der Arena, und die war hermetisch abgeriegelt. Alles ganz geheim, wie der HSV am Sonnabend in Stuttgart gewinnen will. Und wenn es denn so kommt, dann finde ich auch jedes Geheimtraining der Welt völlig gerechtfertigt. Völlig. So aber, zwei Tage vor dem Abstiegs-Endspiel am Neckar, kann ich Euch nicht berichten, wie das Training gelaufen ist, wer gut war, war schlecht war, wer laut war, wer früher vom Platz ging – null. Immerhin sickerte durch, dass Petr Jiracek heute nicht trainieren konnte, weil er seit dem gestrigen Training einen so dicken großen Zeh hat, dass er nicht in einen Fußballstiefel hinein kam. Soll aber wohl morgen, wenn wieder ganz geheim trainiert wird, wieder behoben sein. Ebenfalls nicht trainiert haben – jedenfalls nicht im Stadion – heute Valon Behrami und Nicolai Müller. Beide werden wohl auch bis zum Saisonende, das ja ohnehin ganz nah ist, ausfallen – bei Müller ist es ja schon seit einer Woche beschlossen und verkündet.
Dagegen kehrte heute der Brasilianer Cleber wieder ins Mannschaftstraining zurück. Ob der Innenverteidiger in Stuttgart schon wieder mit von der Partie ist, ließ sich Trainer Bruno Labbadia noch offen: „Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, ob wir ihn in Stuttgart oder erst gegen Schalke brauchen, das wissen wir nicht – das, was wir heute von ihm gesehen haben, das war ordentlich, nun müssen wir abwägen, ob es schon sinnvoll ist, ihn mit nach Stuttgart zu nehmen.“ Ich denke und behaupte einmal: nein. Cleber wird noch ein Woche auf die Wiese gehen müssen, ehe er wieder dabei ist. Wenn überhaupt. Das kommt auch auf den Ausgang des Stuttgart-Spiels an.

 

Kurz noch zum Thema Behrami zurück. Der Schweizer liegt seit einigen Wochen flach, Knie- und Oberschenkel-Probleme. Bruno Labbadia zu seinem vielleicht schwierigsten Patienten: „Seine Probleme rühren her von seiner Operation, die er im Winter hatte, und sie sind eine Folge davon, dass er nicht die Zeit und die Möglichkeit hatte, das aufzuarbeiten. Da kommen viele Dinge zusammen, das ist sehr schade, aber wir müssen das akzeptieren. Wir müssen jetzt so mit ihm arbeiten, dass wenn wir ihn doch noch brauchen, er notfalls doch noch einsteigen könnte – aber im Moment ist das schwer.“

 

Auf der faulen Haut, das muss ich noch schnell einfügen, habe ich trotz allem während des Geheimtrainings zwischen zehn Uhr und 11.30 Uhr nicht gelegen, ich habe mir das Training der U23 „reingezogen“. Die Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso und Soner Uysal spielt an diesem Sonnabend in Lübeck um Punkte. Nur um Punkte, nicht um die Meisterschaft, dieses Ziel wurde ja am vergangenen Wochenende durch eine 0:2-Heimniederlage gegen Havelse verspielt. Und ich hatte den Eindruck, dass vor allem Uysal immer noch stocksauer darüber ist, dass die Meisterschaft so leichtfertig verspielt wurde. Aber so is Lebbe. So richtig aufgefallen ist mir bei diesem Training keiner, es waren ja auch die besten Leute beim gleichzeitigen Profi-Training beschäftigt . . . Für einige Minuten sah auch Sport-Chef Bernhard Peters dem bunten Treiben im Volkspark zu. Und Helm-Peter, der total enttäuscht war, dass er den Profis nicht mal durch ein Loch im Kunststoffzaun mit einem Auge folgen durfte. Aber es gibt ja Schlimmeres.

 

 

Zum Spiel gegen Stuttgart. Ich gebe zu, dass ich nicht besonders optimistisch bin. Das ist bei mir eigentlich ein ganz normaler Vorgang, diesmal aber wird dieser noch durch zwei Dinge etwas negativ beeinflusst. Erstens hat der HSV zuletzt gegen Freiburg wieder einmal, bis auf zehn Minuten in der Schlussphase, seine hässliche Fratze gezeigt, und zweitens befindet sich der VfB Stuttgart, auch wenn das die Ergebnisse nicht unbedingt belegen, seit einigen Wochen in einer konstant guten Form. Und die Schwaben haben nach dem 2:0 gegen Mainz ihr zweites Heimspiel in Folge, das halte ich für den jetzigen Stand der Meisterschaft, also zwei Spieltag vor Schluss, als etwas ungewöhnlich, aber es ist wohl vom Terminplaner her nicht anders möglich. Und da zuletzt, also am vergangenen Wochenende, in Stuttgart die „Hölle los war“, beim Spiel gegen Mainz, wird das auch für den HSV nicht so sonderlich leicht, dort gegen zwölf Mann zu bestehen. Wer sich erinnern kann: Die Super-Stimmung beim VfB wurde am vergangenen Montag von allen Zeitung und Illustrierten besonders hervorgehoben.

 

Leicht wäre das Spiel ohnehin nicht geworden, aber so wird es noch etwas schwerer. Für den HSV. Vermute ich jedenfalls. Und wenn ich so an Martin Harnik denke, den Hamburger im VfB-Trikot, dann wird mir sowieso schon immer leicht „schwummerig“, denn der Österreicher trifft ja ganz besonders gerne gegen den HSV, der einst sein Talent (bei Vier- und Marschlande) nicht erkannt (oder verschmäht) hatte. Sei es wie es sei, auf Harnik bin ich besonders gespannt – und Matthias Ostrzolek dürfte es bereits jetzt ähnlich ergehen. Da wird der ehemalige Augsburger schon mal sein Gesellenstück schmieden können, wenn er Harnik an die Kette legen würde. Wird aber haarig, keine Frage.

 

Und wer spielt beim HSV? Rene Adler im Tor, keine Frage. Die Viererkette davor bleibt auch unverändert, und auch die beiden Sechser dürften im Team bleiben: Gojko Kacar und Rafael van der Vaart. Dann aber wird es schon weniger mit den Stammplätzen. Ich denke mal, ohne dass ich ihn heute auf dem Rasen gesehen habe, dass Lewis Holtby wohl eher auf der Bank wird Platz nehmen müssen. Seine Vorstellung gegen Freiburg war doch viel zu wenig, als dass er noch einmal die Chance von Beginn an erhalten müsste. Ein Mittelfeld mit Zoltan Stieber, Ivica Olic und Marcell Jansen hätte gewiss seinen Reiz, allerdings würden sich dann dort gleich drei „Linksfüßer“ die Ehre geben, und ob das so spannend ist? Ich weiß es nicht. Aber Bruno Labbadia wird es wissen, das verriet er uns heute schon nach dem Training. Er hat die Aufstellung schon im Kopf, aber soweit geht die Liebe eben doch nicht, als dass er sie uns schon in die Blöcke diktieren würde. Geduld ist angesagt. Ich könnte mir trotz der Vorbehalte gegen drei „Linksfüßer“ vorstellen, dass es so kommen wird – und vorne soll und wird sich dann Pierre-Michel Lasogga versuchen.

 

Klingt doch auch nicht schlecht, diese Aufstellung. Aber im Ernst, so richtig schlecht klang die HSV-Aufstellung auch während dieser Saison eigentlich nie, und trotz allem wurde teilweise ein so finsterer Fußball zum Abgewöhnen dargeboten. Es kommt eben auf die Tagesform der Helden an – und auf die mentale Verfassung. Abstiegskampf wird im Kopf entschieden, heißt es ja so schön schon seit Wochen, nun wollen wir alle mal hoffen, dass die HSV-Jungs – alle – ihre Köpfe dafür frei haben. Nur mal so zur Erinnerung: Stuttgart als Schlusslicht hat 30 Punkte auf dem Konto, der HSV als Tabellenvierzehnter 32 Punkte. Sollten der VfB gewinnen . . .
Dann müsste der HSV wohl ganz auf die eine Woche später folgende Heim- und Schlusspartie gegen Schalke 04 setzen. Wirklich nur mal so am Rande. Damit sich alle, wirklich alle mental auf die Begegnung mit den Schwaben einstellen.
Meine Kollegen sind übrigens fast alle sehr bis verhalten optimistisch. Am meisten wurde ein 2:2 getippt, wobei ich mich frage, wer denn zwei Tore . . . Nun gut, auch das gab es ja zuletzt. Sohar einmal ein 3:2. „Helm-Peter“ wurde heute vom NDR-Hörfunk nach seinem Tipp gefragt – und was sagte er? Na klar, 2:2. Sollte es so kommen, werde ich ihm (im Picknick und beim nächsten Geheimtraining) eine Currywurst mit Pommes spendieren, damit er immer gut gestärkt auf seinem Drahtesel nach Hause strampeln kann.

 

Apropos Geheimtraining. Bruno Labbadia erklärte den Rückzug ins Stadion heute wie folgt: „Wir wollten einmal in der Abgeschiedenheit einige Dinge abtrainieren, vor allem auch die Ruhe genißene, die dazugehört – gerade am Vatertag.“ Auf Stuttgart bezogen sagte der HSV-Coach: „Wir sehen das Spiel als weitere Chance, unsere Situation weiter zu verbessern. Wir haben uns mit den letzten drei Spielen eine gute Ausgangsposition geschaffen, die wollen wir nun weiter verbessern.“ Co-Trainer Eddy Sözer und Sport-Direktor Peter Knäbel haben ja vor einer Woche den VfB gegen Mainz 2:0 gewinnen sehen und konnten mit Sicherheit live und vor Ort einige wichtige Eindrücke mit nach Hamburg bringen. Was, darüber allerdings schwieg der Trainer: „Sie haben mir berichtet, dass der VfB ein ordentliches Spiel gemacht hat – aber wir kennen den VfB ja auch, wir wissen, was auf uns zukommen wird, aber wir konzentrieren uns letztlich auf uns selber.“

 

Mein „Sky“-Kollege Sven Töllner sprach bei seiner Frage an den HSV-Trainer von einem „glücklichen Punktgewinn gegen Freiburg“ (so hätte ich es ganz sicher auch formuliert – weil es ganz glücklich war!), aber Bruno Labbadia stellte das 1:1 für sich in ein rechtes Licht: „Es war ein erkämpfter Punkt!“ Wie dem auch sei. Ich will das Spiel gegen Freiburg auch nicht im Nachhinein noch einmal von allen Seiten beleuchten, für mich war es einfach nur schlecht (vom HSV), und zwar erschreckend schlecht. Bis auf die Schlussphase. Und ich glaube, dass auch alle HSV-Verantwortlichen gut daran täten, wenn sie diese 90 Minuten aus dem vorletzten Heimspiel der Saison so oder ähnlich negativ einschätzen oder einstufen würden. Alles andere wäre Augenwischerei.
Bruno Labbadia relativierte aber aus seiner Sicht: „Das sieht man nicht nur bei uns, dass es da Schwankungen gibt, das ist auch bei anderen Mannschaften zu sehen. Ich habe zum Beispiel Kaiserslautern gegen St. Pauli gesehen, da lagen die Lauterer plötzlich 0:1 zurück und es ging nicht mehr viel. Das war bei uns ebenfalls so: Wir hätten das 1:0 gegen Freiburg machen können, kriegst aber das 0:1 und dann passieren solche Spiele. Dann, mit dem 1:0 im Rücken, macht es der Gegner auch gut, und dann gibt es solche Spiele. Freiburg hat es dann auch richtig gut gemacht, wir nicht – aber das haben wir ja auch zugegeben. Und ich habe einige Sachen bei uns gesehen, die nicht so liefen, wie wir uns das vorgestellt hatten.“ Dass es doch noch ein 1:1 gab, lag vornehmlich daran, dass Labbadia voll auf Offensive setzte und noch jeden Stürmer einwechselte, den er noch hatte. Auch wenn Maximilian Beister vielleicht einige Minuten zu spät kam, wie etliche Kollegen noch am Sonntag bemerkten.

 

Immerhin konnte Bruno Labbadia als Coach doch noch etwas Positives aus dem Freiburg-Spiel mitnehmen: „Es hat uns gezeigt, dass wir immer wieder aufstehen können. Dass wir zwar mal kurz am Boden liegen, dass wir mal Rückschläge erleiden, aber dass wir immer wieder dagegen an arbeiten, das hat uns dieses Spiel gezeigt, aber auch schon die Spiele davor. Wir sind zuletzt immer wieder aufgestanden, und das bringt uns dann auch eine gute Stimmung in die Mannschaft. Man darf nie aufgeben. Nie.“

 

Keine Frage (die am Rande eines Trainingstages immer mal wieder aufkommt!) spielt übrigens für den Trainer, ob Rafael van der Vaart auch in Stuttgart wieder zur Auflaufformation gehören wird: „Rafa hat sich gleich zu Anfang im Training gezeigt, dass er dem Verein und der Mannschaft helfen will. Das haben wir aufgenommen. Dann haben wir ihn auf verschiedenen Positionen eingesetzt, aber ganz klar ist er derjenige, der für mich auf der Acht spielen könnte – weil er eine gewisse spielerische Qualität bei uns reinbringt.“
Jetzt spielt der „kleine Engel“ aber auf der Sechs, doch auch das sieht der Trainer nur positiv: „Er hat das dort mit Gojko Kacar gemeinsam, was die Arbeit betrifft, was die Kompaktheit betraf, sehr gut gemacht. Und von dem her ist es gut, dass der Kapitän zuletzt solche Leistungen gebracht hat.“ Bruno Labbadia dann noch zum Abschluss über van der Vaart: „Ich glaube, dass er sich als Kapitän von seinem Verein einfach nur gut verabschieden will, und dazu kann er selbst viel beitragen.“ Mit einem Spiel mit Herz und Leidenschaft. Und das wird der Niederländer auch, bei aller Kritik, die es immer wieder mal für ihn gibt, auch am Sonnabend wieder an den Tag legen.

 

Apropos Tag. Bruno Labbadia befand über sein Wirken im Moment (weil er von den meisten neutralen Beobachtern gelobt wird): „Der Abstiegskampf hat mich zu einem kompletteren Trainer gemacht. Das ist eine ganz andere Art, zu arbeiten, aber ich brauche es nicht jeden Tag.“

 

Das Schlusswort zum Vatertag, aber eher schon im Hinblick auf Stuttgart, kam auch noch von Labbadia, der befand: „Wir haben uns zuletzt eine Ausgangslage geschaffen, von der wir vor einigen Wochen nur geträumt haben. Diesen Weg müssen wir jetzt weiter gehen. Das ist ein Kraftakt, aber es hilft nichts, es sind ja nur noch zwei Spiele.“

 

Und für die gilt:

Verlieren verboten!

 

Nur der HSV!

 

PS: Nachdem Lars Pegelow gestern so gefeiert wurde, weil er an Carl-Edgar Jarchow (der an diesem Freitag seinen letzten offiziellen HSV-Tag hat) gedacht hat, möchte ich mich auch noch kurz daran versuchen – und mir meine Belobigungen dafür abholen. Schon jetzt dafür ein herzliches Dankeschön!

Da ich weiß, dass im Hause Jarchow auf jeden Fall einer bei Matz ab mitliest, mache ich das mal so:

„Lieber Herr Jarchow, Sie haben gewiss keine schöne zweite HSV-Zeit (nach der Aufsichtsrat-Tätigkeit) gehabt, im Gegenteil, Ihr Wirken gestaltete sich äußerst zäh und wenig erfolgreich. Ich habe Ihnen immer gesagt, dass ich Ihren Mut bewundert habe, dass Sie dieses Amt übernommen haben. Kaum ein anderer HSVer hätte das gemacht. Und obwohl Sie ziemlich schnell wussten, was Sie da übernommen hatten, verlängerten Sie auch noch. Warum auch immer, spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte ich, Dieter Matz, das Handtuch geworfen.
Sie hatten in meinen Augen nie eine richtige, eine faire Chance, den HSV wieder nach oben zu führen, weil die Club-Kasse chronisch leer war. So ist es, die Ausnahme heißt Klaus-Michael Kühne, bis heute geblieben – und nun wollen wir mal sehen, wie sich der HSV in Zukunft so machen wird.

Auf jeden Fall waren Sie immer ein fairer Gesprächspartner, und obwohl Sie mitunter recht heftig kritisiert und attackiert wurden, haben Sie immer Rede und Antwort gestanden, ohne ausfällig oder beleidigt zu sein. Das war hanseatisch stark und immer Erste Liga!
Das muss Ihnen erst einmal – vor allem über eine so lange Zeit – einer nachmachen. Natürlich haben Sie auch manchen Fehler gemacht, ganz klar – aber wer macht die nicht? Diejenigen, die nun am meisten in die Luft gehen, die sollten sich vielleicht selbst einmal fragen, ob das alles so richtig ist, wie sie ihren Weg gehen – oder bislang gegangen sind . . .

Alles Gute für Ihren weiteren Weg, ich freue mich, dass Sie zum Hamburger Fußball-Verband gehen werden – ich bin dann ein „Untergebener“ von Ihnen.

Dieter Matz

 

18.04 Uhr

Nur drei kümmerliche Tore – erschreckend!

26. Oktober 2014

In Berlin kann man immer mal verlieren, das hat der HSV ja auch schon oft genug bewiesen. Das ist jetzt auch nicht das Entscheidende. Entscheidend ist vielmehr, dass der HSV keine Tore schießt. Drei lächerliche, drei kümmerliche Tore in den ersten neun Spielen dieser Saison – schlimmer geht es nimmer. Da lacht sich ja sogar Tasmania 1900 tot. Die Berliner hatten in der Saison 1965/66 immerhin schon sechs Tore nach neun Spieltagen erzielt, hatten dann am Ende ein Torverhältnis von 15:108. Und Mitabsteiger Borussia Neunkirchen hatte nach neun Spieltagen fünf Treffer auf der Habenliste – immerhin. Der HSV jagt weiterhin einen Negativ-Rekord nach dem anderen, wo einer zu greifen ist, da schreien die Hamburger hier und holen sich ihn. Gnadenlos. Und wie soll sich ein HSV-Fan denn nun noch Mut machen? Es geht vorne doch fast gar nichts zusammen. Und auf der Bank sitzt – trotz der Tore-Seuche – nicht mal mehr Artjoms Rudnevs, der einst gezeigt hat, dass er weiß, wo des Gegners Tor in der Bundesliga steht. Nein, das allein ist ein großes, ein riesiges Dilemma. Ohne Tore kann man nun mal nicht gewinnen – und das absolut Schreckliche daran ist, dass irgendwann der Gegner dann gegen den HSV trifft, und schon ist alles vorbei. Drei Tore in neun Spielen, das ist die absolute Blamage. Und einfach nur niederschmetternd. Das geht gar nicht!

 



 

Was hinzukommt: In der Medienstadt Hamburg, und da beziehe ich mich ausdrücklich mit ein, wird jede halbwegs gute Leistung des HSV von Wochenende zu Wochenende hochgejubelt. Nur weil der HSV mal nicht verloren hat. Und es ist nun einmal gute (oder eher schlechte?) hanseatische Sitte, dass die HSV-Profis dann mit stolz geschwellter Brust durch Hamburg brausen: Platz da, hier kommt ein HSV-Star!
Drei Tore, kann ich da nur wiederholen, drei kümmerliche Törchen. So sieht die bittere Realität aus. Aber was soll man auch als HSV-Spieler machen, wenn man eine Woche lang diesen 1:1-Sieg gegen Hoffenheim immer wieder als absolute Über-Leistung vor Augengeführt bekommt? Da kann man doch nur abheben. Und dann geht man eben in Berlin nicht in das Spiel, als ginge es wie gegen Bayern oder auch Dortmund nur darum, die Null hinten stehen zu lassen. Wer sind wir denn? Der Gegner hat sich nach uns zu richten . . .

 

„Wir haben gut angefangen, aber dann so ab der 15. Minute angefangen, das Spiel an Hertha abzugeben“, befand Trainer Joe Zinnbauer nach der 0:3-Pleite und fügte hinzu: „Auch in der zweiten Halbzeit haben wir versucht gut zu beginnen, da hatte Marcell Jansen ja auch die Chance zum 1:0. Dann aber der Konter zum 1:0 für die Berliner, und ganz schwer wurde es dann nach dem 0:2 . . .“ Das sahen alle, wie schwer es dann wurde. Generell aber befand der HSV-Coach: „Jetzt nach einer Niederlage wieder alles infrage zu stellen, ist der falsche Weg, der falsche Ansatz. Wir müssen das Konzept weiterfahren. Es hat doch allen gestern noch gefallen. Wir müssen das durchziehen und den Spielern Vertrauen geben. Auch wenn die beiden Gegner, die jetzt kommen, ganz schwer werden. Wir müssen schnell runterkommen und sehen, dass wir die Richtigen finden gegen Bayern.“ Stimmt. Obwohl das sicherlich viel leichter gesagt als getan ist.

 

Zu seiner Tormöglichkeit in der 55. Minute sagte Marcell Jansen noch in Berlin: „Wenn ich den reinmache, dann gibt es auch keinen Berliner Konter – und kein 0:1.“ Stimmt haargenau. So trifft Jansens Schluss-Kommentar leider auch voll auf den Punkt: „Wir haben leider kein Tor gemacht, und leider auch nicht so gut gestanden.“

 

Heiko Westermann pflichtet ihm bei: „Wir haben gut begonnen, alles ging bestens auf – und dann haben wir aufgehört, uns zu zeigen, aufgehört Fußball zu spielen. Drei dumme Gegentore haben wir uns eingefangen, zwei davon waren auf jeden Fall total dumm, ganz klar, wir haben ein ganz schlechtes Spiel gemacht. In den Wochen davor haben wir uns teilweise für gute Spiele nicht belohnt, diesmal haben wir nur schlecht gespielt.“ So ist es. Das sah auch Nicolai Müller so: „Die Niederlage ist ganz klar verdient, wir haben kaum Zweikämpfe gewonnen. In der ersten Viertelstunde waren wir noch griffig, da hatten wir gute Balleroberungen, dann haben wir den Faden verloren Warum auch immer.“ Und nun die Bayern am Mittwoch im Pokal? Müller: „Wie die drauf sind, das weiß ja jeder. Aber es ist Pokal, da gibt es nur gewinnen oder verlieren. Mal sehen, wie wir drauf sind – Favorit sind wir jedenfalls nicht.“ Gut erkannt. Aber der Pokal hat ja bekanntlich seine eigenen Gesetze.

 

Aber davon hält Sky-Experte Stefan Effenberg wahrscheinlich überhaupt nichts. Und ich glaube auch, dass der gebürtige Hamburger dem HSV absolut und null zutraut – nicht nur gegen die Bayern am Mittwoch. „Effe“ sagte bei „Sky“ über den so schwachen HSV in Berlin: „Bis auf die ersten fünf, sechs Minuten war das eine katastrophale Leistung der Hamburger. Dem HSV hat heute alles gefehlt. Die Aggressivität in den Zweikämpfen, das Miteinander, Füreinander, sich gegenseitig zu helfen, nachzurücken in die Offensiv wie in die Defensive. Die Situation wird immer schwieriger, das kann man auch nicht schönreden.“

 

Das wissen sie aber bestimmt auch in der neuen HSV-Führung. In die eigene Tasche gelogen wurde sich in den letzten Jahren in Hamburg viel zu oft und viel zu schön. Das ist nicht die Sache derjenigen, die den Karren nun aus dem Sumpf ziehen sollen. Am Tag nach der Ernüchterung von Berlin befand Sportdirektor Peter Knäbel offen: „Ich sehe derzeit niemanden, der das Offensivspiel des HSV prägt. Der absolute Wille, das 1:0 zu machen, war nicht genug da, die Qualität der Abschlüsse war bescheiden. Wir müssen mehr Brutalität an den Tag legen, wenn wir das 1:0 erzwingen wollen, um daraus dann mehr zu machen.“ Sportdirektor Knäbel weiter: „Nach dem 0:1 war es die schlechteste Reaktion, die ich von dieser Mannschaft, seit ich da bin, gesehen habe. Wir haben uns selbst aus dem Rhythmus gebracht, weil wir viele unnötige Ballverluste hatten. Wie man sich nach dem 0:1 verhalten hat, so geht das nicht.“ Dann kam Peter Knäbel vielleicht zu einem ganz entscheidenden Punkt: „Ich kenne die alten Zeiten nicht, aber heute hat man gesehen, dass diese Mannschaft unterschiedliche Facetten hat.“ Und, jetzt wird es wichtig: „Nach dem Sieg in Dortmund ging es hier in der Stadt so euphorisch zu, da ging es rauf und runter, da rauschte es. Das hat mich überrascht. Und nach dem 1:1 gegen Hoffenheim wurde öffentlich gefragt, ob das schon der neue HSV ist? Da habe ich mich dann gefragt, ob das alles wirklich so einfach ist? Und ob das wirklich alles so schnell geht? Ich habe damit gerechnet, dass es solche Rückschläge geben wird. Es wird von allen weiter harte Arbeit verlangt, nur harte Arbeit ist erforderlich.“

 

Dann haut mal schön rein! Das ist mal ’ne Ansage.

 

Und das gilt für alle. Nicht nur für diejenigen, die in erster Linie für das Toreschießen zuständig sind. Wobei ich bei jenem Spieler bin, um den sich zurzeit vielleicht die meisten HSV-Diskussionen ranken: Rafael van der Vaart. Gehört er nun ins Team, oder gehört er da schon lange nicht mehr hinein? Ich glaube ja immer noch, dass er dort mitspielen könnte – natürlich nicht in der „Berliner Form“. Der Niederländer läuft und läuft und rennt und ackert, aber an ihm läuft das Spiel seiner Mannschaft auch total vorbei. Ich bin mir absolut sicher, dass van der Vaart nur das Beste geben will, dass er sich voll reinhängt, dass er dieses Team auch führen will – aber er erreicht seine Mitspieler nicht. Nicht oder nicht mehr, das lasse ich mal dahingestellt. Ich glaube aber, dass wenn Rafael van der Vaart etwas weniger laufen würde, etwas weniger rennen und etwas weniger kämpfen würde, dass er dann wertvoller sein könnte. Als zentrale Anspielstation, als Rhythmus-Geber, als Ballverteiler – er konnte es doch mal, er war doch mal ein Weltklasse-Mann. Wenn er sich zentral anbieten würde, wenn ihn die Mitspieler suchen und bedienen würden, dann könnte er doch noch einmal wieder zu seinem Spiel zurückfinden. Vielleicht. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, aber ich bin so auch total unglücklich mit dem, wie es zurzeit läuft. Bei ihm und bei der Mannschaft.

 

Dass mich heute (auch gestern schon) viele Leute, auch aus der Ferne, angerufen oder mich mit einer sms bedient haben mit dem Hinweis, dass es van der Vaart „nicht mehr bringen“ würde, dass der HSV „nicht klug beraten ist, wenn er ihn nun ins Schaufenster stellt, um ihn im Winter verkaufen zu können“ – das spricht dafür, wie sehr sich die Fans um den HSV sorgen, aber ich vertrauen da in erster Linie Joe Zinnbauer. Ich habe es bei seinem Amtsantritt gesagt, und dazu stehe ich auch heute noch: „Bei Zinnbauer wird es nach Leistung gehen, nach nichts anderem.“ Und wenn der Trainer nun sieht, dass es mit van der Vaart nicht so recht laufen will, dann wird er ihn – das muss nicht diese oder nächste Woche sein – beiseite nehmen und mit ihm unter vier Augen klären, wie sich die Situation für den Trainer darstellt. Und dann dürfte der Kapitän der letzte Mann sein, der sich darüber beschwert. Er selbst hat doch vor Wochen gesagt, dass es hier nicht um Einzelschicksale geht, sondern um den HSV, um das Überleben des HSV in der Bundesliga. Und dem wird sich dann auch ein Rafael van der Vaart unterordnen. Und dann wird er, wenn der Druck vielleicht eines Tages nicht mehr ganz so hoch ist wie zurzeit, auch noch einmal wiederkommen und den Taktstock im HSV-Spiel schwingen. Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf.

 

Übrigens wurde van der Vaarts Konkurrent Lewis Holtby auf „Sky“ gefragt, wie er die Sache mit der (überraschenden) 45-minütigen Nichtberücksichtung sieht. Und das hat Holtby gesagt: „Wir haben einen großen, guten Kader, da bringt es nichts, wenn ich eine Diva bin und irgendwelche Aufstände betreibe. Wenn ich reinkomme, gebe ich alles.“ Das ist mal eine gute und vollkommen richtige Antwort.

 

Gefreut habe ich mich an diesem Sonnabend gegen 17.30 Uhr darüber, dass Valmir Nafiu sein Bundesliga-Debüt gefeiert hat. Das ist mal ein Ding. Zwei Jahre (rund) darf er nur trainieren, er sollte schon abgeschoben werden (schon lange sogar), aber er ging nicht. Und nun sein Auftritt. Das ist mal ein Comeback. Und mal sehen, was daraus noch wird. Und vielleicht nimmt sich ja auch Artjoms Rudnevs noch einmal ein Beispiel daran, denn es zeigt, dass gute Trainings-Leistungen sehr wohl belohnt werden.

 

Geärgert habe ich mich am Sonnabend auch darüber, dass Pierre-Michel Lasogga dem Bundestrainer nicht zeigen konnte, dass er in diese Nationalmannschaft gehört. Lasogga wollte, er riss sich in Halbzeit eins auch alle Beine aus, aber nicht gelang. Weil sie ihn weder suchten noch bedienten. Und im zweiten Durchgang ging er dann total unter. Schade, schade. Dass er später auch einer der Sündenböcke in der Öffentlichkeit war, das war ja irgendwie klar – drei kümmerliche Törchen. Dass er da vorne aber auch nichts bekommt, das wird dabei übersehen. Was hat Peter Knäbel noch in Sachen HSV-Offensive gesagt? Genau. Joe Zinnbauer befand zu diesem Thema: „Man kann das Spiel nicht an Pierre Lasogga festmachen. Wir haben zehn andere Spieler auf dem Platz, die auch Tore machen können und die Spieleröffnung machen sollen. Im Nachhinein war es für Pierre kein einfaches Spiel, die ganze Woche schon wurde über ihn und diesen Auftritt geschrieben, alles fokussierte sich auf ihn.“ Dazu kamen die permanenten Pfiffe von den Hertha-Fans, das konnte schon zermürben – und hat gewiss auch zermürbt.

 

Dann noch einmal etwas ganz Erfreuliches: Die Zweite hat ihren Siegeszug in der Regionalliga fortgesetzt – und wie! 10:0 bei Aufsteiger FT Braunschweig gewonnen, Halbzeit 3:0. Und wer schoss das dritte HSV-Tor? Es war Gideon Jung! Gestern noch bei uns auf der „Matz-ab-live“-Bank, heute schon Torschütze in Braunschweig – Glückwunsch, Gideon. Ganz nebenbei habe ich heute (und auch gestern noch) etliche Anrufe von HSV-Fans erhalten, die die Auftritte von Gideon Jung und Maximilian Beister explizit lobten. Richtig so, das waren auch sehr gute Auftritt und Aussagen! Aber diese außer Rand und Band geraten Zweite!? Das ist ja schon nicht mehr nur unheimlich, das ist ja der Wahnsinn pur! Zwölf Punkt Vorsprung nun schon vor dem Tabellenzweiten aus Bremen und bereits nach dem 14. Spieltag Herbstmeister! Übrigens, der HSV-II-Trainer (der Mann nach Zinnbauer) heißt Daniel Petrowsky. Und der Co-Trainer noch immer Soner Uysal. Und das 10:0 ist ein neuer deutscher Regionalliga-Rekord! Na bitte, es geht doch, der HSV sammelt ja doch nicht nur Negativ-Rekorde.
Die HSV-Tore: 0:1 Brüning (13.), 0:2 Brüning (22.), 0:3 Jung (29.), 0:4 Arslan (55., Foulelfmeter), 0:5 Arslan (58.), 0:6 Brüning (60.), 0:7 Masek (76.), 0:8 Arslan (80.), 0:9 Gouaida (82.), 0:10 Mende (85.)

 

PS: Training am Montag ist um 10 Uhr. Was hat Peter Knäbel noch gesagt? Harte Arbeit ist erforderlich, richtig schön harte Arbeit.

 

PSPS: Sportdirektor Peter Knäbel kündigte im Gespräch mit meinem (unseren) Kollegen Lars Pegelow (NDR 90,3) an, dass der Profi-Vertrag mit Trainer Joe Zinnbauer wahrscheinlich schon in dieser Woche unterschrieben wird. So kann ich mich täuschen – am Freitag schrieb ich noch im Hamburger Abendblatt genau das Gegenteil. Vielleicht aber hat ja gerade das den HSV ermunternd, sofort zu handeln. Auf jeden Fall freue ich mich für Joe Zinnbauer, es ist sicherlich verdient und genau der richtige Weg.

 

PSPSPS: Der Vorspann bei „Matz ab live“ ist nicht deswegen „verlängert“ worden, weil ich nach den zwölf Namen gefragt hatte, die dort zu sehen sind (außer „Scholle“ und ich!). Es ist ein technischer Fehler. Mehr nicht. Wer aber das Weltmeister-Heft von Oliver Wurm haben möchte, der schicke mir bitte eine Postkarte mit den Namen – es müssen ja nicht alle sein. Das wäre dann perfekt, ist aber sicher ganz, ganz schwer!
Dieter Matz, Sportredaktion Hamburger Abendblatt, Axel-Springer-Platz 1, 20350 Hamburg.
Ich habe fertig!

 
. . . und nicht vergessen, Freitag ist Matz-ab-Treffen (HSV-Ochsenzoll, Ulzburger Straße im “Anno 1887″ um 19 Uhr)
 

17.17 Uhr (Winterzeit)

U23-Cotrainer Soner Uysal: “Seit Joe weg ist, ist es deutlich ruhiger”

13. Oktober 2014

Was für ein düsterer Wochenanfang. Dachte ich. Alles grau in grau, es regnet – und die Imtech-Arena ist verwaist. Von den Spielern ist niemand da. Einzig der dauerverletzte Ivo Ilicevic quält sich in den Räumlichkeiten des Stadioninneren. Und er geht laufen. Eine Laufeinheit im angrenzenden Volkspark zusammen mit dem Fitness-Guru Markus Günther steht auf dem Plan. Wann genau der Kroate wieder einsatzbereit ist, ist weiter offen. Zu hoffen sei aber, so wird es kommuniziert, dass der Rechtsfuß diese Woche das Tempo in seinen Läufen intensiviert, um dann in der kommenden Woche wieder voll einzusteigen. „Ich hoffe, dass es bald wieder losgeht“, hatte mir Ilicevic am Freitag noch gesagt. Und ich bin mir sicher, dass er die paar Tage Geduld jetzt auch noch hat, nachdem er seit 2011 in mehr als der Hälfte seiner bisher 105 möglichen Partien nicht zum Einsatz kam. Und das fast immer verletzungsbedingt, nachdem er mit Rotsperre 2011 erst nach dem vierten Spieltag verpflichtet worden war. Dabei hatte alles so gut begonnen und der quirlige Rechtsfuß hatte die Vorbereitung komplett und ohne große Beschwerden absolvieren können. „Zum ersten Mal hat wirklich alles geklappt“, freute sich der Kroate, der inzwischen keiner Untersuchung noch nicht unterzogen wurde, nach dem letzten Trainingslager in Österreich. Und das zurecht. Zumal er vom damaligen Trainer Mirko Slomka einen Menge Komplimente bekam.

Inzwischen ist Slomka nicht mehr im Amt – und Ilicevic noch nicht wieder fit. Der 27-Jährige konnte sich demnach noch gar nicht beim neuen Trainer Josef „Joe“ Zinnbauer empfehlen und dürfte erst einmal eine Weile brauchen, um sich wieder an die Startelf heranzukämpfen. Zumal seine Konkurrenz gut spielt. Zumindest Nicolai Müller und Lewis Holtby dürften nach den letzten Spielen im offensiven Mittelfeld gesetzt sein. Dazu gesellt sich ein wieder genesener Rafael van der Vaart, der seinen dritten Frühling beim HSV einläuten will. Und nehmen wir Pierre Michel Lasogga als einzige Spitze noch dazu, ist aktuell zunächst kein Platz für Ilicevic, der damit kein Problem hat. „Wenn ich fit bin und meine Leistung bringe, werde ich meine Chance bekommen“, so Ilicevic kämpferisch – wissend, dass seine Person auch im Sommer schon für heiße Diskussionen im Vorstand gesorgt hatte. Weil er schlichtweg zu verletzungsanfällig ist. Aber was soll’s, der sympathische Offensivspieler ist da, er hat noch einen Vertrag bis Saisonende und er ist in gesundem Zustand sportlich zweifellos eine gute Alternative.

Eine gelungene Alternative ist auch Daniel Petrowsky. Zwar nicht mehr als offensiver Mittelfeldspieler – dafür aber nach seiner aktiven Karriere als Cheftrainer der U23. Denn der Nachfolger des beförderten Erfolgstrainers im HSV-Nachwuchs, Joe Zinnbauer, hat die Vorschusslorbeeren (Peters, Schröder und Beiersdorfer lobten ihn unlängst als den wohl besten Trainer im Jugendbereich) ist ungebrochen erfolgreich. Dabei hatten nicht wenige die Befürchtung, dass mit der Beförderung Zinnbauers auch ein Bruch in das junge Team kommen könnte. „Aber dem ist zum Glück nicht so“, sagt Soner Uysal, der nach Cardoso und Zinnbauer mit Petrowsky dem dritten Chefcoach unterstellt ist. „Im Gegenteil“, sagt Uysal und lacht dabei, „es ist hier inzwischen definitiv alles eine Ecke entspannter.“ Immerhin sei Petrowsky im Gegensatz zu „Durchdreher“ Zinnbauer ein ruhigerer Vertreter seiner Zunft. „Bei Joe wusstest du nie, was er gleich vorhat. Der wollte immer mehr. Von sich, von den Spielern und von uns Trainern. Auch jetzt nach Hannover, wo wir wirklich eine ganz starke Partie gemacht haben (4:1-Sieg, d. Red.), kam er an und lobte erst einmal alle ausführlich. Er war extrem positiv. Und am Ende hat er dann noch kurz, aber bestimmt gesagt: ‚Aber ein, zwei Tore mehr hätten es schon sein müssen.’ Joe hatte und hat einfach einen unfassbaren Willen und Energie. Er sprudelte vor Ideen und Gedanken und hat sich tatsächlich mit alles und jedem beschäftigt – das ist schon sensationell“, lobt Uysal seinen Ex-Chef.

Wie sich der Alltag in der U23 nach Zinnbauer so gestaltet wollte ich von Uysal hören. Und der ehemalige HSV-Profi muss nicht lange überlegen. „Ähnlich. Daniel hat von uns sämtliche notwendige Unterstützung bekommen und sich extrem schnell eingefunden. Wir hatten alle Befürchtungen, dass der Weggang von Joe bei der Mannschaft Risse verursacht. Zumal wir einen unfassbaren Lauf hatten. Aber zum Glück ist dem nicht so. Daniel hat das ganze komplett übernommen, das ist kein Problem.“

Auch, weil der ehemalige U16-Coach Petrowsky auf ein rundum verbessertes Umfeld trifft. „In den letzten Jahren hatten wir in der U23 Probleme, unsere eigenen Spiele aufnehmen zu lassen, um daraus selbst Analysen zu ziehen. Dabei ging es auch ums Geld. Ich will damit auch gar nicht Rodolfo Cardoso in Schutz nehmen – aber das war nicht einfach für den Trainer. Aber seit Joe da ist – und ich weiß bis heute nicht, wie er das hinbekommen hat – bekommen wir sogar den nächsten Gegner aufgenommen. Und dazu noch professionell analysiert.“ Dabei hilft mit Jan Roloff zudem ein von Bernhard Peters empfohlener Analyst. „Das ist alles inziwschen schon sehr viel professioneller geworden“, freut sich Uysal, „und es wird von Tag zu Tag noch besser.“

Zehn Punkte Vorsprung auf Bremen haben die U23-Kicker, das Thema dritte Liga wird öffentlich diskutiert – und ich habe noch von niemandem in offizieller Funktion gehört, dass ein Aufstieg zu teuer und unerwünscht wäre. „Nur wir versuchen das Thema auszublenden“, sagt Uysal, „dafür ist die Saison noch zu jung. Sollten wir nach fünf, sechs Spieltagen in der Rückrunde noch immer in der aktuellen Verfassung sein, könnte das sicher anders sein. Aber bis dahin bleiben wir ruhig und scheuen von Spiel zu Spiel.“

Zumal in der Winterpause einiges passieren könnte. Zinnbauer gilt als Freund von jungen Talenten und hatte zuletzt mit Steinmann, Götz und Cigerci die ersten Debütanten gebracht. Ob es auch Thema war, ihn hochzuziehen, wollte ich dann noch von Uysal wissen. „Bisher nicht. Ich habe eine verantwortungsvolle Position im Klub und fühle mich sauwohl“, so Uysal, der immerhin schon zweimal von seinen Chefs „nach oben verlassen“ wurde, ohne mitgenommen zu werden oder zumindest den Unterbau selbst als Chef übernehmen zu dürfen. Sauer ist er deswegen nicht. Auch nicht enttäuscht. „Ehrlich gesagt ist das auch völlig okay so. Ich sehe mich selbst eher als prädestinierten Cotrainer, denn als Chef an der Linie“, so Uysal erfrischend ehrlich. Uysal kann sich selbst einschätzen und hat vielen anderen seines Faches vor allem eine Eigenschaft voraus: Er weiß nicht nur, was er kann. Er weiß vor allem auch, was er nicht so gut kann. „Ich glaube schon, dass mein Knowhow auch für mehr geeignet wäre – aber ich glaube auch, dass es da andere gibt, die das deutlich besser vermitteln können als ich. Von daher bin ich wirklich nicht traurig.“

Zudem will er sich nie als Anhängsel eines Cheftrainers sehen. Schon deshalb wollte er nie und will auch heute nicht auf die Schnelle mit hochgezogen werden. „Mir ist es wichtig, dass ich nicht bei irgendwem mitgehe, sondern dass der Verein eine Idee mit mir hat. Für mich ist und wird immer entscheidend sein, dass der Verein einen Plan mit mir hat, den ich mitgehen kann und will. So, wie momentan als Cotrainer von Daniel in der U23.“ Sollte es darüber hinaus doch mal so weit kommen, dass der Verein ihn zum Bundesliga-Cotrainer machen will – Uysal wäre nicht abgeneigt. „Aber eben nur, wenn ich erkenne, dass es dem Verein dabei ganz speziell um mich und meine Qualitäten geht. Alles andere wäre nichts für mich. Ich brauche keine Öffentlichkeit für mein Ego. Ich muss nicht in der Zeitung zu stehen, um Spaß an meinem Job zu haben. Ich habe am meisten Spaß an meiner Arbeit beim HSV, wenn ich merke, dass ich gut bin in dem, was ich mache und die Leute das auch honorieren. So wie jetzt.“

Klingt gut. Sehr gut sogar. Zumal auch in der U23 eine gewisse Konstanz nicht von Nachteil ist. Schon gar nicht in (mit-)führender Position und bei dem Ziel, in den kommenden Jahren deutlich mehr Profis selbst ausbilden zu wollen. Apropos, morgen geht es wieder um zehn und um 15 Uhr an der Imtech-Arena zur Sache. Training mit Joe Zinnbauer ist angesagt. Ich werde da sein und berichten. Bis dahin,

(ein von Uysal nachhaltig beeindruckter) Scholle

Der HSV wagt den ganz großen Schnitt!

16. September 2014

Der HSV hat den totalen Umbruch gewagt. Ein mutiger Schritt, aber auch ein sinnvoller Schachzug, jetzt ist wirklich alles neu, was im seit Jahren schwächelnden Profi-Bereich zu erneuern war. Nach Chef-Coach Mirko Slomka mussten heute auch seine Assistenten ihre Koffer packen, das sind Nestor El Maestro, Zlatan Bajramovic, Fitness-Coach Nikola Vidovic und Torwarttrainer Ronny Teuber. Bei Bajramovic besteht noch die Möglichkeit, dass er wieder in den Nachwuchsbereich des HSV, aus dem er kam, zurückgehen wird. Das ist sicherlich der größte Schnitt, den der HSV gemacht hat, aber jetzt sind (fast) alle Posten in diesem neuen HSV tatsächlich neu besetzt, sodass nun tatsächlich von einem Neubeginn zu sprechen ist.

 


 

Um das gleich vorweg zu sagen: Ich finde diesen Schritt nicht nur mutig, wie eingangs schon geschrieben, sondern großartig. Was und wen hat der HSV nicht schon alles an Trainern hierher geholt? Es waren namhafte Männer dabei, sogar einen Vizeweltmeister hatten wir hier – nur gebracht haben sie alle nicht das, was sich die Verantwortlichen von ihnen erhofft hatten. Und mit ihnen hatten auch die vielen, vielen HSV-Fans gehofft, dass es nun irgendwann einmal wieder kontinuierlich bergauf gehen würde, das Gegenteil war der Fall.

 

Jetzt hat der HSV einen relativ unbekannten Mann geholt, und bewegt sich damit auf den Spuren des SC Freiburg, des FC Augsburg, der TSG Hoffenheim und Hannover 96, denn die Herren Tuchel, Weinzierl, Gisdol oder auch Torkut kamen damals, als sie Cheftrainer ihrer Clubs wurden, für die meisten Experten und Fans überraschend zu ihren Jobs. Diese Trainer aber hatten im jeweiligen Nachwuchsbereich schon aufhorchen lassen, indem sie gute Leistungen und Erfolge vorzuweisen hatten. Auf dieser Linie liegt nun auch der 44-jährige Josef „Joe“ Zinnbauer, der die U23 des HSV zu neuem Leben erweckt hat. Acht Spiele in der Regionalliga, acht Siege – das ist sensationell. Und alle Welt schwärmt von Joe Zinnbauer.

 

Sicherlich ist es ein wenig kurios, dass dieser Zinnbauer noch vom ehemaligen Sportchef Oliver Kreuzer aus Karlsruhe geholt worden ist, aber solche Geschichten schreibt eben der Fußball, und ganz besonders der Hamburger Fußball, der des HSV. Für mich ist das aber kein Grund, an Zinnbauer zu zweifeln oder zu mäkeln – der Mann kann es in meinen Augen, und er wird es hier beweisen. Egal, ob nun das erste Spiel, am Sonnabend gegen den FC Bayern, in die Hose gehen sollte. Der HSV geht einen Weg, der so noch nur vor einigen Jahren mal beschritten worden ist (Gerd-Volker Schock, Benno Möhlmann, Felix Magath), der aber absolut vernünftig ist. Zumal der Club kaum über die Finanzen verfügt, Mirko Slomka und einen anderen Chef-Coach über Jahre zu bezahlen. Slomkas Vertrag läuft noch bis Sommer 2016, muss also noch irgendwie weiter bezahlt werden, und diese Summe wird sicher in den siebenstelligen Bereich steigen. Der Vertrag von Zinnbauer läuft erst einmal unbefristet weiter, er wird sicherlich finanziell etwas angehoben – und bei Erfolg sicherlich auch dann befristet werden. Aber alles zu seiner Zeit.

 

Kurios ist an diesem Neuaufbau des HSV, dass mit Patrick Rahmen ein Mann an Zinnbauers Seite (als Co-Trainer) kommen wird, der seinerzeit noch von Thorasten Fink an die Elbe geholt worden war. Rahmen war erst kürzlich als Chef-Trainer des Nachwuchsbereiches des HSV eingestellt worden – und dieses Amt behält er – quasi nebenbei – auch weiterhin inne. Neuer Fitness-Coach wird Carsten Schünemann, neuer Torwarttrainer wird der frühere HSV-Keeper Stefan Wächter. Neuer Chef-Trainer der U23 wird der bisherige Coach der U16, Daniel Petrowsky, an seiner Seite bleibt Soner Uysal der Co-Trainer.

 

Was aus Thomas Westphal wird, den Mirko Slomka in diesem Sommer aus Hannover zum HSV (als Mannschafts-Betreuer) geholt hat, ist noch unklar. Wie schön, dass Joe Zinnbauer nicht auch noch zehn Mann oder mehr im Schlepptau hat – es würde wieder kosten und kosten und kosten. So gesehen ist Zinnbauer wirklich eine Billig-Lösung, aber das ist wahrlich nicht böse gemeint – der Mann könnte (und wird in meinen Augen) ein Glückgriff für den HSV werden. Auch wenn er am Sonnabend natürlich gleich vor einer ganz schwierigen Aufgabe stehen wird. Und dann am Mittwoch später noch einmal, mit der Auswärtspartie in Mönchengladbach.

 

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Wer sich von Euch noch kein Bild von Joe Zinnbauer machen kann, aber gerne etwas mehr von ihm erfahren oder sehen möchte, der kann das bei „Matz ab live“ – wir hatten ihn am 18. August in der Sendung – nach dem Pokalspiel in Cottbus. Es ist sehenswert, ganz sicher, das haben mir damals gleich mehrere Matz-abber bestätigt. Morgen, am Mittwoch, wird Zinnbauer sein erstes Training bei den HSV-Profis leiten. Ganz sicher unter großer Beobachter der HSV-Fans.

 

Und wer ganz genau informiert sein will, was sich heute im Volkspark getan hat, wie sich das alles entwickelt hat – der sollte sich hier und jetzt auch die Pressekonferenz mit Club-Chef Dietmar Beiersdorfer ansehen. Es lohnt sich. Viel Spaß damit – und einen schönen Feierabend.
Und: Nur der HSV!

 

18.25 Uhr

 
Spät in der Nacht, von den Moderatoren geschickt, möchte ich einmal einen Beitrag von “Sfegthzt” veröffentlichen, heute geschrieben. Und dickes Kompliment von mir – selten mal etwas Besseres gelesen. Treffer! Das hier trifft den Nagel genau auf die Birne. Vielen Dank dafür:

Also manchmal ist es echt zum Kotzen hier.
Ist mir vollkommen egal ob ich jetzt gesperrt werde, aber was hier für Dummpfeifen ihren Blödsinn absondern ist Wahnsinn.
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Warum muss jeder neue Spieler, jeder Neue Trainer absolut jeder der irgendwas beim HSV macht immer gleich kaputtgeschrieben werden?
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Alle wollten Slomka raus haben. Jetzt ist er weg. Alle wollten Tuchel. Tuchel aber nicht.
Jetzt bringt der HSV einen jungen Konzepttrainer mit sehr großem Potenzial zur 1. Mannschaft und plötzlich ist er der größte Stümper aller Zeiten,
kann nicht, wird von Spielern ausgelacht etc. Sag mal tickt ihr noch richtig?
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Hannover, Freiburg, Mainz (2mal), Hoffenheim und was weiß ich noch wer haben doch vorgemacht wie Klasse so etwas funktionieren kann.
Aber nein die HSV Fans sind zu gut und kompetent für einen Regionalligatrainer oder was?
Die dümmsten Fans der Liga sind wir. Ohne Spass.
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Was spricht dagegen Zinnbauer die faire Chance zu geben, die er verdient?
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Notfalls kann man später nochmal reagieren wenn es überhaupt nicht funktioniert (was sicher nicht passiert) und dann vielleicht einen Kandidaten holen
der den hochwohlgeborenen HSV Fans besser gefällt. Vielleicht eine Mutation aus Tuchel, Klopp, Heynckes, Happel und Jesus persönlich. Aber der würde
sicherlich auch gleich wieder ans Kreuz genagelt.
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Und falls die Spieler den Trainer nicht ernst nehmen sollten, dann gehören die Spieler fristlos entlassen und auf Schadensersatz wegen
Arbeitsverweigerung verklagt. Nichts anderes. Das sollen Profis sein und keine Kindergartentruppe aus Hollywood

Gute Nacht. Oder für den Mittwoch: Guten Morgen!

Mit Gojko Kacar nach Hannover!

13. September 2014

Der Boss war da. Dietmar Beiersdorfer ist rechtzeitig vor dem Sonntagsspiel des HSV in Hannover aus seinem USA-Urlaub zurückgekehrt – und stand sofort auf dem Trainingsplatz. Das heißt, er sah nur zu, vom Spielfeldrand aus. Aber er zeigte sich, er war da – das ist wichtig. Er muss sich schließlich immer ein Bild davon machen, was da läuft und was da eventuell nicht läuft. Nicht gelaufen ist heute Ivo Ilicevic, der beim Abschlusstraining nicht zu sehen war und somit auch für das morgige Spiel ausfallen wird. Wie es heißt, mit „muskulären Problemen“. Was immer sich dahinter auch verbirgt. Wer heute gelaufen ist, und das ist schon eine faustdicke Überraschung, dass ist Gojko Kacar. Von dem hatte Trainer Mirko Slomka gestern noch gesagt, dass er nächste Woche ins Mannschaftstraining einsteigen wird – aber das geschah schon an diesem Mittag. Und dann noch eine Überraschung: Kacar sitzt jetzt mit im Bus, trat die Reise mit nach Hannover an – und sitzt morgen schon auf der Ersatzbank. So schnell geht das manchmal, weil dem HSV so langsam doch die Leute ausgehen.

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Apropos Leute: Ich war nach dem Training, dem nicht-öffentlichen Training der Profis, auch noch bei der Zweiten. Zur Pause stand es 4:0 gegen Cloppenburg, und ich hatte natürlich alle Treffer verpasst. Dafür sah ich das Tor zum 5:0-Endstand, und das war erste Sahne. Nach diesem fünften Treffer hielten sich fast alle HSV-Nachwuchsspieler die Hände vor das Gesicht, denn so etwas Schönes hatten sie lange nicht mehr gesehen. Und vielleicht auch noch nie live miterlebt. Flanke von rechts, Christian Derflinger mit links zur Mitte, auf den gedeckten Nils Brüning. Der, hart bedrängt, nimmt die Kugel an, dreht sich um den Abwehrspieler, Brüning jongliert die Kugel um den Gegner herum, dann ist der Weg frei – der Ball wird aus 14 Metern volley und überlegt eingeschossen, fast eingeschoben. Herrlich gemacht. Wie Rastelli. Das ist schon sehenswert, was der Nachwuchs da anbietet. Diesmal waren 420 Zuschauer dabei. Und die sahen vorher die Treffer von Ahmet Arslan (9. Min., sein siebtes Saisontor!), Tolcay Cigerci (17.), Dominik Masek (20.) und Nils Brüning, der auch schon in der 40. Minuten getroffen hatte.

 

Die Cloppenburger standen in Halbzeit zwei oft massiert vor dem eigenen Tor und hätte eigentlich richtig „Kloppenburger“ heißen müssen, weil sie mitunter recht kräftig zutraten. Und dabei immer dem Schiedsrichter bedeutend, dass sie ja nur den Ball gespielt hätten . . . Das machen ja auch die Profis Woche für Woche vor. Was mir am HSV imponiert: Da wird nicht vom Tempo-Fußball gesprochen, er wird auch praktiziert. Da ist immer alles in Bewegung, das sieht richtig, richtig gut aus. Da ich nicht das ganze Spiel gesehen habe, halte ich mich mit einer gesamten Einschätzung zurück, diejenigen, die alles gesehen haben, die waren aber tüchtig am Schwärmen. Mir hat, wie schon gestern im Training bei den Profis, wiederum Ashton Götz gefallen, dazu auch Nils Brüning, der schnell und agil ist, jedem Ball nachsetzt. Er scheint gerade einen großen Sprung nach vorn zu machen. Übrigens stand HSV-Sportchef Bernhard Peters auf dem Dach eines Nachbargebäudes und sah sich das Spiel aus der Höhe an. Was ich sehr gut finde, dass der Nachwuchs-Chef persönlich anwesend ist. Ist ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wenn ich so recht überlege, aber das war beileibe nicht immer so.

 

So, kurz mal zum Spiel in Hannover. Wenn ich an 96 – HSV denke, fällt mir immer ein Traumtor ein. Von Thomas von Heesen erzielt, und zwar am 13. August 1988. Die Sonne schien an diesem Tag, der HSV führte 2:0, dann drosch Thomas von Heesen den Ball ins Netz der Niedersachsen. Per Fallrückzieher! Schöner hätte es Uwe Seeler auch nicht machen können, es war ein perfekter Fallrückzieher und ich sehe noch heute, wie das gesamte Tor zittert und zittert und zittert. Fast möchte ich sagen, minutenlang. Ein solches Pfund war das! Unvergessen. Und es wäre doch wunderschön, wenn so etwas mal wieder – aus Hamburger Sicht – in Hannover für den HSV passieren würde. Das damalige Spiel wurde dann noch knapper gewonnen, als es der Zwischenstand hergab, es hieß nach 90 Minuten 3:2, aber mir würde das morgen schon reichen.

 

 

Das Training heute verlief ohne besondere Vorkommnisse, soweit man das sehen konnte, denn es war ja nicht-öffentlich. Deswegen waren auch nicht einmal zehn Fans anwesend. Im Trainingsspielchen war nicht unbedingt etwas von einer Aufstellung zu erkennen, so spielte beispielsweise das Verteidiger-Pärchen Dennis Diekmeier/Matthias Ostrzolek in der Mannschaft, die für uns draußen als B-Team galt. In dieser B-Vertretung spielten auch die Talente Matti Steinmann und Philipp Müller mit, die, Ihr habt es blitzschnell erkannt, somit ihrer Mannschaft gegen Cloppenburg fehlten. Nach wie vor, und das wurde ich später an der Hagenbeckstraße relativ oft gefragt, gehe ich, gehen wir davon aus, dass morgen Jaroslav Drobny und nicht Rene Adler im HSV-Tor stehen wird. Und so wird aus dem HSV-Team fast eine neue Mannschaft. Mit Drobny; Diekmeier, Djourou, Cleber, Ostrzolek; Behrami, Holtby; Arslan, Nicolai Müller, Stieber; Lasogga. Die einzig wackelige Position ist dabei die von Arslan. Könnte durchaus sein, dass sich da Mirko Slomka noch etwas ganz Spannendes einfallen lässt – nämlich Neuzugang Julian Green. Ausgeschlossen ist das nicht – aber es wäre auf jeden Fall sehr mutig. Im HSV-Kader sind noch Adler, Jiracek, Kacar, Steinmann, Green und Rudnevs.

 

Ja, wenn ich etwas von mutig geschrieben habe: Mut hat in den letzten Jahren des Öfteren gefehlt, wenn es darum ging, junge Leute einzubauen. Und gestern, am Freitag, haben wir es alle wohl ganz hautnah erlebt, wie wenig Mut da beim HSV unterwegs ist. Leverkusen hat diesen Mut, da spielen viele, viele „Knaben“ und bieten teilweise Hochgeschwindigkeits-Fußball. Und „mittenmang“ Heung Min Son und Hakan Calhanoglu. Auf der Gegenseite übrigens, da spielte einer, den wir hier aus Hamburg kennen, den nicht nur ich sehr gerne im Volkspark gehabt hätte, aber der HSV wollte es nicht: Fin Bartels. Er schoss das 1:1 beim überraschenden 3:3. Und ganz besonders getränt haben die Augen einiger HSV-Fans, die zuvor schon die Zweite Liga gesehen hatten. Beim 1. FC Kaiserslautern spielte HSV-Leihgabe Kerem Demirbay mit, und er war vielleicht der beste Mann auf dem Platz. Was den Sky-Reporter dazu veranlasste, sich (in etwa) zu folgender Aussage hinreißen zu lassen: „Wenn der HSV solche guten Leute ausleihen kann, dann muss es ja richtig tolle Spieler in Hamburg geben . . .“ Gibt es ja auch, gibt es ja auch, keine Sorge, das werden die Jungs schon morgen in Hannover beweisen.

 

Was seit gestern heiß diskutiert wird: Die Aussage von Peter Nogly, der fragte, ob der HSV vielleicht zu hart trainiert wird. Fragte oder sagte, das weiß ich gar nicht, das Zitat erschien in der Bild. Was Mirko Slomka dazu sagte, das könnt Ihr Euch gerne auf dem Video von der Pressekonferenz am Donnerstag ansehen und anhören. Es gab jedenfalls einigen Wirbel darum. Was ich nicht so recht nachvollziehen kann, aber das muss ja auch nicht. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass gestern und heute auf keinen Fall zu hart trainiert worden ist, die Kraft müsste eigentlich reichen, um in Hannover ein gutes Spiel auf die Platte zu bringen. Müsste.

 

So, nun bliebt mir nur noch darauf zu verweisen, dass wir morgen, kurz nach dem Abpfiff in Hannover, wieder mit „Matz ab live“ zur Stelle sind. Ob „Papa Scholle“ mit von der Partie ist, kann ich noch nicht sagen, ich lasse mich überraschen. Auf jeden Fall sind zwei Gäste zur Stelle, und das werden Soner Uysal (ehemaliger HSV-Profi und nun Co-Trainer der Zweiten) und Sven Mende, Kapitän der „Wundermannschaft“ von Trainer Joe Zinnbauer, sei. Wäre wunderbar, wenn Ihr wieder mit von der Partie sein würdet.

 

18.07 Uhr

Kacar spürt das Vertrauen des Trainers

7. August 2014

Der HSV ist wieder da! Nicht nur aus dem Trainingslager zurück, sondern auch bei den Hamburgern und überhaupt wieder angesagt und angekommen. Ich habe einen Trainingstag wie heute noch nicht mitgemacht, und wenn doch, dann ist er schon lange, lange her. Der Volkspark meldete „ausverkauft“, so viele Menschen drängelten sich beim Training am Nachmittag auf der Anlage herum. Alle Achtung! Die Leute erinnern sich an ihren HSV, sie gehen wieder HSV, sie hoffen und sie sind wieder, doch wieder mit dem Herzen dabei. Ich glaube, dass heute über 1000 Zuschauer dabei waren, was natürlich auch daran liegt, dass Ferienzeit ist, aber diese kostbare Zeit könnte man sich ja eigentlich auch etwas anders um die Ohren schlagen, als ein Training des Tabellen-Drittletzten der Bundesliga zu besuchen. Aber die Leute spüren, dass sich etwas tut im Volkspark, dass es langsam wieder bergauf geht – oder besser, bergauf gehen könnte. Die Hoffnung ist in den Volkspark zurückgekehrt.

Das, wo vor Wochen oder Monaten schon viele das Weite gesucht haben – oder es auf jeden Fall angekündigt hatten. Ich bin ja auch restlos davon überzeugt, obwohl das eine ganz andere Sache ist, dass die Mädels und die Jungs aus dem Nord-Westen demnächst doch wieder dabei sein werden. Sie hatten doch einst nur eines im Herzen: die Raute. So etwas schmeißt man nicht weg. Jedenfalls nicht so mir nichts dir nichts. Wenn der HSV wieder wie der HSV spielt, soll heißen, wie einst im Mai (1983), dann kommen sie alle zurück, ich denke es und hoffe es auch.

Eine ähnliche Situation hat ja auch das Vorstandsmitglied Joachim Hilke vorgefunden. Es wollten viele betuchte HSV-Fans den Verein verlassen, keine Karten, keine Logen, nur weg! Etliche haben es auch durchgezogen, das wissen wir alle, der HSV muss in Sachen Business noch deutlich zulegen. Das aber wird nur dann gelingen, wenn das, was die Mannschaft spielt, auch endlich mal nach Fußball aussieht. Nur schönreden jeden noch so grottigen Kick, das langt eben nicht mehr. Das haben die Leute zwar spät gelernt, aber sie haben es immerhin gelernt. Und jetzt muss der HSV strampeln, jetzt sind alle gefragt, Spieler, Trainer, Verantwortliche mit Schlips und Kragen. Aber die Fans, wie schon geschrieben, die spüren, dass sich etwas tut. „Es sind schon wieder einige zurückgekehrt, es tut sich etwas“, sagt Hilke, der aber auch gleich hinzufügt: „Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein wollten und wollen, aber es ist deutlich ein positiver Trend erkennbar. Die Leute geben uns eine neue Chance.“ Noch lange nicht alle, noch lange nicht genug, aber immerhin. Joachim Hilke sagt aber auch ganz klar: „Wir müssen und werden den Ball flach halten, keine Frage, wir werden keine großen Sprüche klopfen, sondern arbeiten, arbeiten, arbeiten, um wieder mehr Kredit von den Leuten zu bekommen.“ Und er sagt auch: „Wir müssen uns konsolidieren, und das müssen wir sinnvoll und vor allen Dingen strukturell mit einem Plan in die Tat umsetzen. An diesem Plan müssen wir festhalten, und diesen Plan müssen sich alle halten, nur dann wird uns die Trendwende gelingen. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Wege sind.“

Und das liegt eben nicht nur an ein paar neuen Spielern, sondern an der Aufbruchsstimmung innerhalb des ganzen Vereins. Im Moment hat man den Eindruck, dass alle voller Demut an die ihnen gestellten Aufgaben herangehen, um wirklich das Beste für den HSV zu tun. Und für mich ist es insofern angenehm zu sehen, dass nicht die üblichen 50 Verdächtigen da mit hineinquatschen, sondern tatsächlich nur jene, die dafür in ein Amt geschlüpft sind. Wie herrlich zu sehen, dass es auch so geht. Und ich kann Euch, liebe „Matz-abber“, die Ihr diese „neue“ Stimmung nicht im Volkspark miterleben könnt, weil Ihr außerhalb wohnt, nur versichern, dass die eingefleischten Trainings-Kiebitze (noch immer) voll hinter dem Team von und um Didi Beiersdorfer stehen. Er genießt das volle Vertrauen, ich habe schon viele Skeptiker gehört und getroffen, aber an dem „Didi“ hat keiner von ihnen herumgenörgelt. Auch ein völlig neues HSV-Gefühl.

Apropos. Das hat auch einer, der eigentlich schon lange nicht mehr dazu gehören sollte: Gojko Kacar. Ihr erinnert Euch? Für zu schlecht befunden, aussortiert, weggeschickt, ausgeliehen mit der Hoffnung, dass es keine Rückkehr mehr gibt. Der Serbe lernte nach einer schweren Verletzung die Schattenseiten des Profi-Fußballs kennen, und zwar so ausführlich, wie es selten einer kennenlernen musste. Zuletzt kickte er in Japan. Und nun ist er wieder da. Wie es scheint, in bester körperlicher Verfassung. Und er hat plötzlich beste Chancen, Stammspieler zu werden. Als Innenverteidiger. Man höre und staune. Als Innenverteidiger. Da hatte er einst beim HSV seine besten Spiele abgeliefert. Dann wollte er selbst nicht mehr, weil in seiner Nationalmannschaft Mittelfeldspieler gesucht wurden – keine Innenverteidiger. Kacar suchte das Risiko – und verschwand in der Versenkung. Pech gehabt? Zu viel gewagt?

Mirko Slomka steht offenbar auf Gojko Kacar. Und der sagt: „Ich habe wieder Spaß und Freude am Fußball, und ich bin froh, dass ich wieder für den HSV spielen darf. Von daher bin ich glücklich, aber ich weiß, dass das nur eine Momentaufnahme ist. Ich muss und werde weiter hart arbeiten, und ich fühle dabei, dass der Trainer an mich glaubt. Ich spiele bei ihm, ich spiele auch auf einer anderen Position, und das freut mich. Wichtig ist für mich gewesen, dass ich immer an mich geglaubt habe, und ich denke auch jetzt, dass meine Zeit nun kommen wird.“
Denk positiv – Gojko Kacar ist darin offenbar ein echtes Vorbild.

Die Zeit in Japan hat er genossen, sie tat ihm ausgesprochen gut: „In Japan ist alles ganz anders, das ist ein anderer Fußball, man spürt den Druck dort nicht. Ich habe früher den Fußball gehasst, wegen meiner Verletzungen, aber in Japan habe ich den Fußball wieder lieben gelernt. Die Fans dort sind unglaublich nett, die haben mich nach jedem Training mit Geschenken und Süßigkeiten, Schokolade, überhäuft. Das war eine tolle Erfahrung für mich.“ Mit Stäbchen konnte er schon essen, er sagt aber: „Wenn man damit isst, dann ist das ein großer Kampf, und so isst man automatisch etwas weniger.“ Ganz praktisch also. Jedenfalls für einen Profi-Fußballer.

Der HSV hat mit Johan Djourou, Jonathan Tah, Heiko Westermann und dem verletzten Slobodan Rajkovic noch weitere vier Innenverteidiger, und trotzdem sucht der Club noch einen fünften Mann auf dieser Position. Zuletzt war der Schalter Santana im Gespräch. Kacar, dessen Vertrag noch ein Jahr läuft, stört das nicht groß, er sagt: „Es ist mir egal, ob ein neuer Mann kommt, das interessiert mich nicht. Ich werde immer alles geben, was ich kann, ich habe mit dem Trainer darüber gesprochen, und er hat mir gesagt, dass ich die gleiche Chance bekomme, wie alle anderen Spieler. Diese Chance möchte ich nutzen, ich werde jedenfalls alles dafür geben, und ich fühle mich zurzeit sehr wohl. Der HSV ist ein Super-Verein, wenn wir eine gute Saison spielen, dann werden wir sehen, was am Ende dabei herauskommt. Hoffentlich wird alles gut.“

Der HSV ist ein „Super-Verein“, Sagt einer, der weg sollte. Erstaunlich. Da ist nichts davon zu spüren, dass er nachtragend ist. Großartige Einstellung. Warum er damals aussortiert worden ist? Diese Frage ist ihm ebenfalls egal: „Ich gucke nur noch vorne, nicht mehr zurück. Das ist Vergangenheit, und ich bin voll motiviert, dass ich meine beste Leistungen bringen kann und werde.“ Wie er diese schwere Zeit überstanden hat, daran erinnert er sich höchst ungern. Nur nach vorne blicken. Obwohl er dann doch auch einmal noch Vergangenheitsbewältigung betreibt: „Ich weiß auch nicht, wie ich diese Zeit überstanden habe, aber ich habe sie überstanden. Ich kann nicht sagen, dass es eine leichte Zeit war, im Gegenteil, das war eine ganz schwere Zeit für mich. Aber ich habe viel Unterstützung von meiner Familie bekommen, und ich habe immer an mich geglaubt. Bei der Gelegenheit möchte ich mich auch noch einmal bei allen Leuten bedanken, die mich in dieser Zeit unterstützt haben. Auch bei den Trainer der Zweiten, Rodolfo Cardoso und Soner Uysal.“

Nicht nur seine Zeit beim HSV sieht Gojko Kacar nun wieder positiv, er traut auch der Mannschaft wieder einen besseren Weg zu: „Als ich aus Japan zurückgekommen bin, habe ich HSV-Spieler gesehen, die nicht an sich geglaubt haben, die kein Selbstbewusstsein mehr hatten. Aber jetzt, nach dem Training und nach den bisherigen Testspielen, da sind wir, so glaube ich, alle auf einem guten Weg. Wir haben hart gearbeitet, wir sind fit, und wir haben neue Spieler bekommen, sodass ich glaube, dass wir eine richtig gute Saison spielen können. Wir haben noch zwei Wochen Vorbereitung, wir können auch noch stärker werden – ich hoffe es auch.“

Über das harte Programm von Trainer Mirko Slomka sagt Kacar: „Es war wirklich sehr hart, aber wir haben uns alle gegenseitig gepusht – ich bin echt fit. Zudem ist kaum einer verletzt, sodass fast alle Spieler alle Einheiten mitgemacht haben. Deswegen denke ich, dass wir in dieser Saison in Sachen Fitness mithalten können, und das ist auf diesem hohen Niveau sehr wichtig.“ Und was hat er für ein Saison-Ziel vor Augen? Kacar: „Der HSV ist ein großer Verein, der muss eigentlich international spielen. Wenn wir gut starten, dann können wir auch eine richtig gute Saison spielen, aber wir müssen von Spiel zu Spiel denken, dass ist nach einer solchen Saison wie die letzte wohl das beste Rezept. Und dann werden wir sehen, wo wir landen. Auf jeden Fall sind wir auf einem guten Weg.“

Vor einem Jahr wollte ihn Mirko Slomka zu Hannover 96 holen, ein Engagement scheiterte nur denkbar knapp. Wollte Slomka den Innenverteidiger oder den Mittelfeldspieler Kacar? Er sagt: „Das weiß ich nicht, wirklich nicht, diese Frage müsste der Trainer beantworten. Jetzt ist er hier, das freut mich, und ich freuen mich, dass wir derzeit so harte Einheiten haben, denn ich brauche das, und wahrscheinlich nicht nur ich, sondern jeder Spieler, um fit zu sein. Und das sind wir.“

Fit genug für die Nationalmannschaft? Denkt er über ein Comeback nach? Gojko Kacar – der Optimist: „Die Situation hat sich verändert, jetzt gibt es weniger Innenverteidiger bei uns. Der Konkurrenzkampf ist zwar immer noch groß, aber ich glaube an mich. Wenn ich beim HSV spiele, dann werde ich auch wieder für die Nationalmannschaft spielen.“

Um dieses Ziel zu erreichen, muss Gojko Kacar nun jedes Spiel bei 100 Prozent sein. Auch in den Testspielen. Davon steht morgen ein weiteres auf dem Programm. Um 18.45 Uhr geht es auf der traditionsreichen Lübecker Lohnmühle gegen Lazio Rom, bislang sind 8000 Karten verkauft worden, das „riecht“ nach „voller Hütte“. Der HSV wird ohne Jonathan Tah antreten, der erst am Montag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen soll, zudem fehlt auch Pierre-Michel Lasogga, der weiterhin Knöchel-Probleme hat. Ob der Torjäger am Montag wieder einsteigen kann, ist noch offen – ich tippe eher, dass das noch ein wenig dauern wird. Nicolai Müller wird ebenfalls fehlen, weil er noch unter Adduktoren-Problemen zu leiden hat. Fehlen wird natürlich auch weiterhin Maximilian Beister, der heute eine Sonderschicht mit Reha-Coach Markus Günther schob, der danach aber nicht zufrieden war: „Heute war irgendwie kein guter Tag für mich“, sagte der Offensivmann, der einen Ball unter dem Arm trug. Gut war der Tag deswegen nicht, weil er wieder leichte Schmerzen im Knie verspürte. „Das ist mal so und mal so. Ich rechnen damit, dass ich in sechs Wochen wieder dabei bin.“ Dabei? Sechs Wochen? Im Training? Oder im Spiel? Diese Frage ließ „Maxi“ offen. Er sagt aber selbst, dass er mit dem jetzigen Stand zufrieden ist – und positiv ist ja, dass er sich selbst nicht unter Druck setzt. Jedenfalls öffentlich.

PS: Morgen wird trotz des Testspiels in Lübeck noch um 10 Uhr im Volkspark trainiert. Ob dann wieder so viele Zuschauer wie heute dabei sein werden? Wir lassen uns überraschen.

18.33 Uhr

Die lauen Zeiten sind vorbei ***KORREKTUR: Anpfiff in Niendorf um 18 Uhr!***

21. Juli 2014

Per Ciljan Skjelbred spielte den Ball über 20 Meter in die halbrechte Position, dort lief Artjoms Rudnevs in Stellung und legte den Ball mustergültig zur Mitte ab, und dann preschte Zoltan Stieber heran und schoss den Ball akrobatisch an Rene Adler vorbei in den rechten oberen Torwinkel. Ein Tor, dass viel Applaus von den Trainingskiebitzen erhielt, ein Zuschauer meinte sogar: „Das war schöner als das 1:0 von Götze gegen Argentinien.“ Naja. Ein wunderbarer Spielzug aber was es auf jeden Fall, und ein Spielzug, den man in Hamburg schon mit der Lupe suchen muss, um da irgendwie etwas zu finden. So gesehen war das schon ein echter Leckerbissen, der den Fans da heute am Vormittag präsentiert wurde. An einem Tag, an dem es eher etwas gemütlicher zuging im Volkspark, das spielerische Element stand im Blickpunkt. Wobei immer noch deutlich erkennbar ist, dass schon ein anderer Wind hinter dem Stadion weht. Trainer Mirko Slomka greift oft ein, korrigiert, gibt Hilfestellungen, und er ist nicht immer leise in seinen Anweisungen. Ich möchte das mal unter mein Motto stellen: „Die lauen Zeiten sind vorbei.“ Auch wenn das Wetter leicht flau machen könnte, aber im Prinzip weiß beim HSV jeder, was jetzt überfällig ist: Die Einstellung zum Beruf muss professioneller werden, jeder muss bereit sein, mehr zu geben, zuzulegen – ab jetzt ist eine ganz andere Mentalität gefragt, als die, die hier in den letzten Jahren vorherrschte.

Mich hatte die pessimistische Stimmung unter den HSV-Anhänger schon am Sonnabend überrascht, und auch heute hörte ich viele Stimmen, die dem „neuen HSV“ nicht viel Gutes zutrauen. Tenor: „Die kriegen doch keine neue Mannschaft zusammen, weil kein Geld da ist. Sonst hätten die doch schon einige Verstärkungen an Land gezogen.“ So sehe ich das (immer noch) nicht. Ich bin guter und sogar bester Hoffnung. Da wird schon noch etwas passieren. Natürlich fehlt es an Geld, aber das wird schon aufgebracht, wenn es sein muss. Von Klaus-Michael Kühne, davon bin ich restlos überzeugt, wird etwas kommen (auch wenn er es nicht an die große Glocke hängen wird!), und auch aus anderer Quelle wird Geld fließen. Deswegen muss sich noch niemand um den HSV sorgen, der in der Saison 2014/15 für eine bessere Zeit in Hamburg spielen und gewinnen wird. Da kann mich später jeder beim Wort nehmen, dieses Risiko gehe ich gerne ein.

Und selbst wenn nichts mehr an neuen Leuten passieren würde, so denke ich, dass es trotz allem besser laufen wird als zuletzt. Im aktuellen Kicker steht Mirko Slomka als HSV-Coach im Blickpunkt – ob er diese Aufgabe schafft, wie er sie bewältigen will, was dabei störend wirken könnte. Da wird auch die deutlich härtere Linie, die es nun in Hamburg gibt, thematisiert. Und Slomka sagt zu seiner Handschrift: „Ein Großteil der Mannschaft ist ganz glücklich, dass die Einheiten eine hohe Belastung darstellen.“ Soll heißen: Die Spieler ziehen mit, weil sie wissen, dass nur mit einem harten Training etwas erreicht werden kann, sie wissen auch, dass sie nun endlich aus ihrem langen Dornröschenschlaf aufwachen müssen. Und genau das kann man auch in den bisherigen Trainingseinheiten erkennen. Die meisten hängen sich voll rein und legen zu. Eben nach dem Motto: „Die lauen Zeiten sind vorbei.“

Und genau darauf wird auch der neue HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer ganz genau achten. Nicht nur er, aber selbstverständlich er auch. Sogar verstärkt, glaube ich. Auch wenn er zuletzt nicht beim Training war. Er kann sich aber auch nicht vierteilen, denn er bastelt ja ganz eifrig am neuen HSV herum. Sein Tag könnte im Moment 48 Stunden haben, und er würde dennoch nicht zur Ruhe kommen. Aber Ruhe ist ja auch nicht das, was in der jetzigen Phase gefragt ist. Jetzt müssen alle herumwieseln, um den Verein auf die Vorderbeine zu bringen.

Bei den Profis sah das heute schon ganz gut aus. Auffällig für mich: Rene Adler lieferte eine Reihe von Glanzparaden ab, Tolgay Arslan scheint sehr zu brennen, Per Ciljan Skjelbred scheint die Zeit in Berlin gut getan zu haben, Rafael van der Vaart setzt seinen Aufwärtstrend fort (er scheint Lust und Spaß zu haben, er wirkt auf mich beweglicher als zuletzt, er bringt sich mehr ein) und Pierre-Michel Lasogga gibt immer alles – der will.

Zum Thema van der Vaart kursierten ja heute einige Gerüchte, dass Queens Park Rangers Interesse hat – aber ich glaube das nicht. Die britische Zeitung „Sunday Mirror“ berichtete, dass der Aufsteiger in die Premier League an dem niederländischen Spielmacher dran sind, angeblich will ihn Rangers-Manager Harry Redknapp, der van der Vaart in dessen Zeit bei Tottenham Hotspur (2010 bis 2012) trainierte, zurück auf die Insel holen. Angeblich. Das ist alles mit sehr, sehr viel Vorsicht zu genießen. Kommentar van der Vaart, der gegenüber den Kollegen der Bild sagte: „Ich habe das auch gelesen, aber vom Verein habe ich nichts gehört.“

Ich habe immer noch das Gefühl, dass van der Vaart ohnehin nicht mehr weg will. Und dann nach England? Er wird sich an seine Zeit dort sehr genau erinnern – dass er auch nicht immer gespielt hat. Und jünger ist er ja auch nicht geworden . . . Das dann bei der Art des temporeichen Fußballs auf der Insel? Da ist der „kleine Engel“ dann doch hundertprozentig wesentlich besser in der Bundesliga aufgehoben, glaube ich. Auf der anderen Seite könnte der HSV mit dem Geld, das es für einen Van-der-Vaart-Wechsel geben würde, natürlich sofort an neue Spieler denken. Und wenn die Club-Verantwortlichen (und die Fans) dann noch an die vergangene Saison denken, als der Kapitän mit seinem Schiff restlos unterging, dann wäre ein Verkauf auch keine utopische Sache. Es wäre für beide Seiten wahrscheinlich von Vorteil – aber wie gesagt, ich glaube nicht daran. Irgendwie hat Rafael van der Vaart hier auch noch seinen Ruf ein wenig aufzupolieren, er ist vor allen Dingen jenen Fans, die ihn bei seiner Rückkehr auf Händen trugen, noch einiges schuldig. Und das wird er wissen. Und einiges dafür tun. Wahrscheinlich hat er auch schon einiges dafür getan, denn seine heutige und jetzige Verfassung kommt ja nicht von ungefähr.

Beim heutigen Training (nachmittags gab es ein Zirkeltraining) fehlten vom bisherigen Kader nur noch Maximilian Beister, der im Kraftraum trainierte, und Slobodan Rajkovic, der am Wochenende in Hamburg war, sich nun aber wieder in Belgien aufhält, um sich dort nach seinem Kreuzbandriss wieder fit zu machen. Ferner fehlten die jungen Leute wie Torwart Alexander Brunst-Zöllner, Tolcay Cigerci (kam von der U 19 des VfL Wolsfburg) und Christian Derflinger (kam von Bayern München II), die bei der 1:3-Niederlage der Zweiten gegen den VfL Osnabrück II zum Einsatz gekommen waren – und dort auch bleiben sollen, denn für die Regionalliga-Truppe des HSV geht es am Wochenende schon um Punkte – es geht zum Auftakt nach Goslar (dort kam die Zweite in der vergangenen Saison arg unter die Räder). Diesmal sind die Beteiligten aber alle ein wenig optimistischer, verhakten optimistisch. Grund dafür ist der neue Trainer Josef Zinnbauer. Der 44-Jährige hat bislang eine knallharte Vorbereitung durchgezogen, ließ jeden Tag und an jedem Tag auch länger als üblich trainieren. Wenn die Zweite in Goslar vielleicht auch fußballerisch noch nicht glanzvoll spielen wird – fit dürfte sie auf alle Fälle für 90 Minuten und mehr sein. Um alles, oder auf jeden Fall sehr viel, über den Gegner zu wissen, schickte Zinnbauer seinen Assistenten Soner Uysal am Sonntag nach Berlin, dort spielte der BFC Dynamo 2:2 gegen Goslar. Die 2:0-Führung der Berliner wurde dabei von zwei ehemaligen HSV-Spielern egalisiert: Kai-Fabian Schulz und George Kelbel – das gibt bestimmt ein herrlich-freundliches Wiedersehen!

Und wo ich gerade bei Talenten bin: Auffällig im Training sind für mich dieser Tage auch drei „Bubis“, die durchaus für Überraschungen in dieser Saison sorgen könnten: Jonathan Tah, der schon wieder wesentlich selbstbewusster auftritt als gegen Ende der Saison, Kerem Demirbay, dem ich (immer noch und jetzt schon wieder) zutraue, eine Rolle einzunehmen, wie sie hier Hakan Calhanoglu inne hatte, und zudem gefällt mir der junge Mann aus Oberhausen, Gideon Jung, der schnell, elegant und geschmeidig Fußball spielt. Ich lasse mich mal überraschen, was diese drei Jungs während der kommenden Spielzeit so auf die Beine stellen – Potenzial haben sie alle. Und zwar nicht wenig.

So, dann bleibt mir nur noch, auf das Spiel am Dienstag (also morgen) hinzuweisen: Der HSV gastiert bei „Scholles“ TSV Niendorf, und zwar um (ACHTUNG; KORREKTUR:) 18 Uhr am Sachsenweg. Es ist die Generalprobe für das Wochenende – wenn der HSV beim Telekom-Cup am Sonnabend – im Halbfinale – zunächst auf den VfL Wolfsburg trifft (korrigiert: 18.00 Uhr). Sonntag wartet dann als Gegner entweder der FC Bayern oder Borussia Mönchengladbach. So langsam geht es wieder loooohos!

An diesem Dienstag wird übrigens nicht trainiert, nur abends gespielt. Tagsüber ist die DFL im Volkspark vor Ort, es steht der Medien-Tag der Fußball-Liga an – mit vielen, vielen Fotos und Videos.

Und noch etwas Organisatorisches: Das in Flensburg geplante Freundschaftsspiel gegen Lazio Rom ist (aus Sicherheitsgründen?) verlegt worden, es findet am 8. August nun in Lübeck auf der traditionsreichen Lohmühle statt.

Und dann, das ist aber wirklich das Ende, fällt mir noch eine Nettigkeit ein, die ich vor Wochen gelesen habe, die mir nun wieder in den Gedanken herumspukt: Klaus-Michael Kühne hatte ja gesagt, dass der HSV einen erstklassigen Trainer braucht. Damit hatte er Mirko Slomka nicht nur ein bisschen angeschossen. Was mir dabei gefiel, dass wir die Antwort des HSV-Trainers, der eine ganz tolle Antwort gab: “Ich gehe in diese Saison und bemühe mich, ein erstklassiger Trainer zu werden.”
Großartig.

Dennis Diekmeier fehlte beim Nachmittagstraining, weil er zu einer Beerdigung musste.

Ich bemühe mich nun ab sofort, ein netter Mensch zu werden – und wünschen allen Matz-abbern und Ihren Lieben einen wunderschönen Feierabend.

17.32 Uhr

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