Archiv für das Tag 'Uwe Seeler'

Herzlichen Glückwunsch, Uwe Seeler!

5. November 2011

Lieber Herr Seeler,

ganz herzliche Glückwünsche zu Ihrem 75. Geburtstag, alles, alles Gute, vor allem natürlich beste Gesundheit. Das wünschen wir Ihnen von Herzen. Sie sind ein Vorbild für die Jugend, Sie sind ein Star zum Anfassen, Sie sind seit Jahrzehnten Kult und Sie sind vor allen Dingen eines:
ein großartiger Mensch.

Ich möchte mich speziell für Ihre faire Art der Zusammenarbeit bedanken, Sie haben mir über Jahrzehnte Ihr Vertrauen geschenkt, Sie waren da, wenn ich Sie brauchte, wenn das Hamburger Abendblatt Sie brauchte. Danke. Vielen, vielen Dank, das war einfach nur hervorragend.
Was ich ebenfalls noch kurz anmerken muss: Wir, Herr Seeler, haben in den vielen Jahren einige Sendungen (TV und Radio) gemeinsam bewältigen dürfen – Sie waren, so wie zuletzt bei “Drei nach neun” in Bremen, immer überragend. Weil Sie längst ein großartiger Medien-Profi geworden sind, der mit diesem Metier so gekonnt spielen kann. Mit Ihnen gewinnt jede Sendung, ganz sicher – Kompliment.

Wenn ich dazu einmal kurz aus dem Nähkästchen plaudern darf:
Es war vor etwa einem Jahr. Sie hatten an unserem Abendblatt-Buch „Nur der HSV“ mitgewirkt, ich durfte Ihnen ein Exemplar in Ihr Büro bringen. Als ich – nach einem kurzen Gespräch über den HSV und den Fußball allgemein – wieder gehen wollte, hielten Sie und Ihre Frau mich fest: „Wir haben eine Bitte, Herr Matz, Sie sollen uns dieses Buch bitte signieren.“
Wie bitte? „Nein, Herr Seeler, das geht nicht. Das geht wirklich nicht. Der kleine Matz kann dem großen Uwe Seeler kein Buch signieren. Umgekehrt geht das immer wieder, aber ich? Nein, nein, nein. Beim besten Willen, nein.“
Sie aber stellten mir nur ein kurzes “Ultimatum”: „Entweder signieren Sie uns das jetzt, oder wir lassen Sie nicht gehen . . .“
Überredet. Ich machte mich ans Werk. Ich schrieb sogar eine ganze Seite voll:

Am 5. August 1959 hatte ich (neun Jahre alt) Sie zum ersten Mal live am Rothenbaum Fußball spielen gesehen. Halbfinale im Nordpokal (das gab es damals), 16 000 Zuschauer am Rothenbaum wollten die Partie gegen den „ewigen Zweiten“ Werder Bremen sehen. Einer von den 16 000 war ich. Der HSV gewann sensationell 9:1. Das muss man sich kurz auf der Zunge zergehen lassen: 9:1. Sie, Herr Seeler, schossen drei Tore. Klaus Neisner vier. Diese Art der Tor-Verteilung war höchst ungewöhnlich, denn in der Regel waren Sie es, der für die meisten Treffer zuständig war. Egal, nach diesem Schützenfest holte ich mir Autogramme von allen Spielern. Auch von Ihnen. Sie schrieben, schrieben und schrieben – wie üblich. Und waren ob des Sieges bester Laune. Noch heute denke ich, dass Sie anschließend (nach den vielen Autogrammen) förmlich über die Rothenbaumchaussee rein in den HSV-Bierbrunnen (wo die Mannschaft stets das Essen einnahm – und meistens auch feierte) geflogen, nein, förmlich geschwebt sind. Die gute Laune schien ihnen ganz offensichtlich Flügel verliehen zu haben. So war es oft.

Von diesem August-Tag an wurde ich ein „harter und eiserner“ HSV-Fan. Wann immer ich konnte (spielte ja selbst bei BU), fuhr ich zu den Oberliga-Spielen an den Rothenbaum. Und sah dort die vielen, vielen Super-Tore von Ihnen. Ich fuhr auch oft zum Training. Sah, wie Sie freiwillig so manche Sonderschicht schoben, eisern am Kopfballpendel arbeiteten. Vorbildlich eben. Wie immer.

Sie wurden im Fußball meine Nummer eins. Und auch das habe ich Ihnen ins Buch geschrieben: Ich “war” als Knabe jeden Tag mindestens einmal Uwe Seeler. Ich übte Fallrückzieher, Hechtkopfbälle, Volleyschüsse Marke Seeler. Manchmal, gebe ich gerne zu, war ich auch Gert „Charly“ Dörfel. Dann, wenn ich versuchte, Ihnen mit links (meinem schwächeren Fuß) auf den Kopf zu flanken. Es waren Versuche.

Aber so „begleitete“ ich Sie durch das Fußball-Leben. Ich sah Sie in der Oberliga, in der Bundesliga, ich sah Sie gegen Ajax Amsterdam, Penarol Montevideo, Benfica Lissabon, gegen Peles FC Santos, und, und, und. Ich sah auch Ihre drei Tore gegen die deutsche Nationalmannschaft, als der HSV ein Testspiel gegen Herbergers WM-Team (1962) nach einem 0:3-Rückstand noch mit 4:3 gewann. Lausig kalt war es an jenem Abend, sibirisch kalt sogar, aber das Volksparkstadion war mit über 60 000 Zuschauern (!) ausverkauft. Und alle Fans schrien nicht nur an diesem Winterabend: „Uwe, Uwe, Uwe . . .“

Als ich dann vor 32 Jahren mein erstes Interview mit Ihnen führen durfte, war ich aufgeregt wie ein – ich weiß es nicht mehr, wie. Ich erinnere nur, dass ich enorm nervös war, minutenlang vor Ihrer Firma in der Ulzburger Straße auf und ab gegangen bin, bevor ich zu Ihnen unter das Dach ging. Dabei waren Sie damals schon genauso nett und zuvorkommend, wie Sie es heute sind. Zum Anfassen nett. Ich habe an diesem Tag meine Nervosität nie ablegen können, „schoss“ zum Schluss noch Fotos von Ihnen – gegen Licht! Eine mittlere Katastrophe. Aber so war es. Später, bei folgenden Interviews, hat sich meine Nervosität dann natürlich gegeben, denn Sie waren immer – wie ich eingangs schon schrieb – fair, hilfreich und zuvorkommend.

Sie sind bis heute meine Nummer eins geblieben, trotz der Tatsache, dass ich in über 30 Jahren auch Männer wie Franz Beckenbauer, Günter Netzer, Uli Hoeneß, Rudi Völler und, und, und kennen lernen durfte. Sie, Herr Seeler, sind meine Nummer eins, und ich wünsche Ihnen und auch mir (ganz unbescheiden), dass Sie noch Jahrzehnte meine Nummer eins sein können und werden.

Alles, alles Gute für Sie und Ihre Familie.

Auch im Namen der Matz-abber und des Abendblattes.

Ihr Dieter Matz.

Und: Zur Feier des Tages habe ich noch einmal in meinem Archiv gewühlt. Habe ein Gedicht gefunden, das ich zum 70. Geburtstag verfasste – und auch bei der gigantischen Feier oben auf der Bühne vortragen durfte. Zu Ihrer großen Verwunderung, und zur Verwunderung von Günter Netzer und Jan Fedder, die mir – wie ich mich erinnere – zu Füßen saßen (und sich wohl fragten, was ich dort oben mache?). Es war die Idee des HSV – und es war mir eine Ehre.
Hier das nun nur in den Zahlen (70 auf 75) abgeänderte „Werk“:

75? Nein, nein, nein, nein,
der Uwe kann so alt nicht sein.
Gestern sah’n wir ihn noch springen,
sah’n ihm Tore noch gelingen,
die so viele Gegner schlugen,
und die „Marke Seeler“ trugen.

Er war einer wie sonst keiner,
war ein Großer schon als Kleiner,
er war ein Knipser immer schon,
traf Spiel für Spiel in Perfektion,
„uns Uwe“ – der war weltbekannt,
als Deutschlands erster Tor-Gigant,
und war vor Müller – lange schon,
der erste Bomber der Nation.

Wir erinnern uns doch alle,
an das Seelersche „Geknalle“,
Uwe schoss aus allen Lagen,
traf sogar an schlechten Tagen,
schoss Tore wie vom „and’ren Stern“,
war nie ein „Mister Möchtegern“,
er gab nie ein Spiel verloren,
so als hätt’ er’s sich geschworen,
wenn es „Uwe, Uwe“ schallte,
er gleich noch viel härter knallte.

Er war der Liebling aller Massen,
Schützenkönig aller Klassen,
Uwe traf im Fallen, Liegen,
stehend, sitzend – und im Fliegen,
meistens war’n es Charlys Flanken,
die auf Uwes Kopf dann sanken,
beim Gegner gab es auf ein’ Schock,
sprang Uwe in den dritten Stock.

Er war ein echtes Phänomen,
konnt’ selbst die schönsten Dinger dreh’n,
er war schnell Hamburgs Attraktion,
nahm morgens pfeifend Pitralon,
kannte nie so was wie Krisen,
übersprang die größten Riesen,
- und er erfand den Torinstinkt,
er hat mit Schwalben nie gelinkt,
für ihn galt nie ein Flugverbot,
er schoss die Gegner schwer in Not,
er traf mit rechts, er traf mit links,
bei ihm saß praktisch jedes Dings,
ein Uwe-Hecht war stets ein Tor,
- so kam der HSV empor!

Uwes Kopfball – echt der Knaller,
waren schnell im Munde aller,
Uwe schleppte selbst die Bälle,
er stand niemals auf der Stelle,
sprintete in jede Gasse,
jeder Schuss von ihm war klasse,
Fallrückzieher Marke Seeler,
machten jeden Fan fideler,
lag Uwe quer mal in der Luft,
roch es nach Tor – sein schönster Duft,
Uwe nahm sie wie sie kamen,
dafür bürgte er mit Namen,
und er kämpfte wie von Sinnen,
für ihn gab’s nur eins: gewinnen,
er ging dorthin – wo’s weh ihm tut,
er hatte den besond’ren Mut.

Manchmal kochte Uwe über,
steckte Fouls und Nasenstüber,
locker weg – und ging zur Sache,
Tore waren seine „Rache“,
Uwe wurde oft getreten,
hat um Rücksicht nie gebeten,
ihm klopften sie die Knöchel grün,
er blieb trotz allem immer kühn,
er schmiss sich rein, zog nie zurück,
so machte er sein Fußball-Glück,
an ihm hingen sie wie Kletten,
doch auch das konnt’ sie nie retten,
Uwe machte alle alle,
lockte jeden in die Falle,
klotzen wollt’ er – und nicht kleckern,
- deshalb war er oft am Meckern,
er schimpfte sogar dann und wann,
ganz heftig mit dem eig’nen Mann,
fluchte wie ein Kesselflicker,
bis ihn Krug dann bremste: „Dicker,
nun mach’ mal Schluss und schieß dein Tor. . .“
Dann rauschte es auch im Kontor,
Uwe schwoll dann jede Ader,
lud so seinen Turbolader,
er zog dann durch, er zog davon,
und ließ es rappeln im Karton,
sein Dickkopf ging durch jede Wand,
er war dann schwer wie’n Elefant,
es trommelte in seiner Brust,
sein Kopf oft puterrot vor Frust,
er pöbelte, er keifte – schrie,
doch niemals nur als Alibi,
hat so manchen Sieg erzwungen,
wurd’ ein Vorbild für die Jungen,
- so riss er die Kollegen mit,
ja, Seeler, der war echt ein Hit!

Er war ein Star in dieser Welt,
ein fairer Sportsmann – der gefällt,
oft ausgezeichnet und geehrt,
seit vielen Jahren hoch verehrt.

Er war der Star vom Rothenbaum,
war früh Idol – für Fans ein Traum,
sah als König von der Elbe,
niemals Rot – höchstens ’ne Gelbe,
nur einmal wurde unser Held,
zum Duschen früher „freigestellt“:
Klopper war’ns, aus Bremerhaven,
die sein Schienbein zu oft trafen,
selbst er verlor mal die Geduld,
- es gab danach noch ein Tumult,
Fan-Gepöbel und Gezerre,
und auch noch ’ne Heimspielsperre,
„uns Uwe“ brummte für ein Spiel,
- was ihm nicht sonderlich gefiel . . .

Den Uwe hat ein jeder gern,
ob nah aus Hamburg – ob von fern,
nie hat’s ihn hier weggetrieben,
ist ein Mann des Volks geblieben,
schreibt Autogramme mit Geduld,
ist nun schon seit Jahrzehnten Kult,
er war hier sogar Präsident
(ohne das rechte Happy End!),
doch gab’s dabei auch sehr viel Schmerz,
- er trägt die Raute tief im Herz,
der HSV ist sein Verein,
so war es – und so wird’s stets sein,
Uwes Tore – Extraklasse,
er schoss davon eine Masse,
wer erinnert sich nicht gerne,
an das Spie hier gegen Herne:
Uwe saß im Volkspark-Rasen,
mit Tilkowski – wie zwei Hasen,
doch Uwe dann nach oben schnellt,
ein Fallrückzieher – 2:1 fällt!
Heut’ noch herrscht darüber Staunen,
nie verebbt ist dieses Raunen,
was damals durch ganz Deutschland ging,
– doch war’s nicht Uwes schönstes Ding.

Ilka war sein bester Treffer,
die Frau Buck, mit Pep und Pfeffer,
sie wurde dann ja seine Frau,
vor 52 Jahr’ genau (!),
heut’ ist sie Chef in Norderstedt,
weiß immer wann – und ob was geht,
im Seeler-Bau in Ochsenzoll,
sie managt wirklich alles toll,
sie schenkte ihm drei Töchter – fein
(die Jungs mussten dann Enkel sein),
sie kümmert sich um Hof und Haus,
- Uwe ihr Mäuschen, sie die Maus,
zusammen sind sie wunderbar,
wie aus dem Bilderbuch ein Paar,
„uns Uwe“ hat sein Glück gemacht,
die Seelers, nein, welch eine Pracht!

Ein langes Leben – und viel Glück,
und schau’n Sie ruhig oft zurück,
es lief nichts falsch – im Seeler-Haus,
und deshalb gibt es nun Applaus.

PS: Um für keine zu große Verwirrung zu sorgen: Ich habe zurzeit eine Auszeit genommen, und diese wird auch noch ein wenig fortgesetzt.
Und: Ich gratulieren den “Machern” um Benno Hafas, JU aus Q und HSV-Wolle, die es geschafft haben, einen “Matz-ab-Fan-Club” ins Leben zu rufen. Eine wirklich tolle Sache! Vielen Dank dafür – und ich verspreche Euch, dass ich zu jeglicher Unterstützung bereit sein werde. Auf eine schöne HSV-Zeit!

0.33 Uhr

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