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Alle Mann an Bord – auch Lasogga?

9. April 2015

Ok, Entwarnung. Zumindest teilweise würde ich sagen. Und auch erst einmal nur für die Spieler. Denn heute rückte Peter Knäbel seine Aussage, er wüsste seit dem Bayer-Spiel, welchen Spielern er vertrauen kann und welchen nicht, deutlich gerade. Er habe auf die sportliche Verfassung seiner Spieler beziehen wollen und damit nur sagen wollen, wer noch Extraeinheiten braucht und wer nicht. Deswegen habe es mit Assistenztrainer Peter Hermann auch morgendliche Extraeinheiten gegeben, unter anderem auch für Pierre Michel Lasogga. Und dem soll das richtig gut getan haben, sagt Knäbel, der den bulligen Angreifer gar in der Verfassung sieht, am Sonnabend gegen den VfL Wolfsburg (18.30 Uhr, Imtech-Arena) von Beginn an aufzulaufen.

 

Ansonsten ließ Knäbel personell alles offen. Strafen für die 0:4-Pleite werde es nicht geben. Es werden zumindest keine Spieler aus dem Kader gestrichen, die letzte Woche dabei waren. Mit 20 Mann will der Interimstrainer in Zukunft die letzten zwei Einheiten vor dem jeweiligen Spiel trainieren lassen. Wer nicht für den Kader im darauffolgenden Spiel vorgesehen ist, trainiert separat oder bei der U23. Auch nicht als Strafe, sondern als Steigerung der Trainingsqualität im Bundesligakader gedacht. Tabuisiert werde nichts, sagt Knäbel, weshalb sich auf der anderen Seite kein Spieler zu sicher fühlen darf.

Peter Knäbel wirkt souverän. Und er will auch so wirken. Er weiß, dass es darum geht, der Mannschaft Sicherheit zu vermitteln. Dass ihn auf diesem Weg ausgerechnet sein alter Weggefährte Felix Magath attackiert, ließ ihn nach außen kalt. „Was mich als Vertreter des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer mehr beschäftigt, ist die Tatsache, dass man den Eindruck vermittelt, als wäre die Trainerposition beliebig“, sagte Magath am Mittwoch: „Als könnte jeder, der gerade mal Lust hat oder schon einmal Fußball gespielt hat, eine Bundesliga-Mannschaft trainieren.“ Man würde sich „ja auch nicht von jemandem am Herzen operieren lassen, der das nicht gelernt hat“, ergänzte Magath. Worte, die Knäbel mit einem verschmitzten Lächeln abprallen ließ. Er kenne Magath ja und wisse, warum dieser so kritisch spricht. Und wer sich mal schlau macht (oder vielleicht noch erinnert): Magath war es, der Peter Knäbels Karriere als Bundesligaspieler beendete. Nach dessen Amtsübernahme in Nürnberg 1997 berief er Knäbel kein einziges Mal mehr für die Startelf, wechselte ihn gar nur noch vier Mal ein.

 

Vergangenheit. Und einem Knäbel gerade zwei kurze Sätze wert. Diskussionen um seine Person interessieren ihn wenig. Er ist außergewöhnlich selbstbewusst, manchmal durchaus noch mit dem Hang zum Oberlehrerhaften. Aber genau das scheint auch gefragt zu sein. Wenn die Mannschaft in Person des „Unkaputtbaren“ schon von fehlendem Mut spricht, muss einer die Fahne hochhalten. Eben er als Trainer. Er will jetzt nicht auf seinen Spielern rumtrampeln, sondern sie aufbauen. Sagt er. Mit Peter Hermann zusammen, der die Trainingseinheiten leitet, während Knäbel das Geschehen zumeist vom Rand aus beobachtet und eher selten einschreitet.

Knäbel, der beim Training oft mit verschränkten Armen (wechselweise hinter dem Rücken und mit Denkerpose) das Geschehen verfolgt, ließ heute die vermeintliche A-Elf durchspielen. Westermann spielte neben Ostrzolek, Cléber und Djourou hinten rechts für Diekmeier, zentral davor spielten wenig überraschend Behrami und Diaz. „Das erste Mal können beide von Beginn an auflaufen“, freut sich Knäbel auf die Premiere des Duos, das „schon immer geplant war“ und warnt vor zu hohen Erwartungen: „Es ist aber eben auch das erste Mal.“

 

Im Training heute wirkten beide jedenfalls, als könnte es passen. Behrami räumte ab – Diaz versuchte, das Spiel aufzubauen. Diaz versuchte dabei allerdings vergeblich, die heute alles andere als funktionierende Offensive Beister, van der Vaart, Holtby und Olic davor in Szene zu setzen. Und wenn ich nicht zu gut wüsste, dass Trainingsleistungen beim HSV selten bis nie klare Schlüsse für das bevorstehende Spiel zulassen – ich würde mir ernsthaft Sorgen machen.

 

So aber bleibt positiv festzuhalten, dass im B-Team wenigstens Pierre Michel Lasogga im Abschlussspiel zu gefallen wusste. Und obwohl ich bislang nicht dachte, dass Lasogga beginnen würde – jetzt hoffe ich es zumindest. Zum einen wegen der Trainingsleistung, zum anderen, weil ich einfach hoffe, dass er nicht noch weniger reißen kann als die anderen.

Ist wieder auf dem Sprung zur Startelf: Pierre Michel Lasogga (l.)

Ist wieder auf dem Sprung zur Startelf: Pierre Michel Lasogga (l.)

 

Allerdings würde ich Lasogga nicht mit Olic über links spielen lassen. Ich würde auch nicht Holtby (wie Knäbel im Training) auf links stellen, sondern Mohamed Gouaida. Der Youngster scheint mir noch mit am wenigsten vorbelastet. Oder anders gesagt: er denkt nicht zu viel nach. Gouaida probiert es einfach, er geht spielerisch ins Risiko. Und das fehlt dem HSV. Zudem hatte Knäbel selbst heute wieder den Mut seiner Spieler angesprochen und hofft dabei auch auf den Faktor Heimspiel.

 

Knäbel hatte bereits mitbekommen, dass die Supporters am Mittwochabend eine neue Aktion ins Leben gerufen hatten, die da heißt: Alle Mann an Bord. Auf die Anhängerist erneut Verlass – und das freut den Direktor Sport und Trainer in Personalunion. „Wir brauchen sie in dieser Situation aber nicht ‚wieder’, sondern ‚umso mehr’. Die 57000 Fans im Heimspiel werden der Mannschaft helfen“, so Knäbel, der hinzufügt: „Aber dann liegt der Ball auch schon gleich bei der Mannschaft.“ Und irgendwie ist man geneigt, zu sagen: Ja, leider ist das so.

Wobei ich auch diese Saison trotz der vielen Fehler und der ebenso schädlichen wie anhaltenden Tuchel-Diskussion nicht daran glauben will, dass sich diese Mannschaft nicht mehr rettet. Vor allem, weil ich daran glaube, dass die neue Saison bereits gut vorgeplant ist. Zu Lasten der aktuellen Saison, zweifellos. Das Thema hatten wir Anfang der Woche. Aber gerade deshalb ist es meine Motivation, noch ein wenig mehr darauf zu hoffen. Zusammen mit dem wahrscheinlich zuverlässigsten Erfolgsfaktor des HSV: den Fans.

 

In diesem Sinne, ich bin mit an Bord. Und das auch morgen wieder, wenn die Mannschaft nicht wie heute vor 300 Zuschauern sondern unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Ich melde mich im Anschluss daran bei Euch.

 

Scholle

P.S.: Anbei ein Foto, das Benno mir freundlicherweise geschickt hat. Danke dafür!
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