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Van der Vaart tun die Heimspiele weh: „Das war zu Hause einfach zu wenig.“

19. Dezember 2013

Für die Überraschung des Tages sorgte HSV-Trainer Bert van Marwijk heute beim Training vor dem Hinrunden-Finale gegen Mainz 05. Petr Jiracek erhielt plötzlich das Leibchen der Stammspieler. Alles sieht danach aus, als würde der Tscheche Tolgay Arslan im defensiven Mittelfeld ersetzen. Dieser Wechsel kommt schon ein wenig unerwartet, denn Arslan war in den vergangenen Monaten eigentlich gesetzt.

Und Jiracek stand in dieser Saison erst drei Mal in der Startelf beim HSV. Im August in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Schott Jena, und dann zwei Mal in der Bundesliga: beim 4:0 gegen Eintracht Braunschweig sowie beim 0:2 gegen Werder Bremen. Nun also offenbar erneut eine Chance für den Linksfuß, der seit seinem Wechsel zum HSV Ende August 2012 hinter den Erwartungen geblieben war.

Gegen Mainz wird Jiracek wohl im zentralen Mittelfeld spielen. Bislang war er vornehmlich auf der linken Seite eingesetzt worden. Wir werden sehen, ob van Marwijk diese Maßnahme tatsächlich so durchzieht und wie sich Jiracek dann schlägt. Wenn ich Zusammenschnitte von Spielen der tschechischen Nationalmannschaft in den vergangenen Monaten gesehen habe, waren immer gute Szenen oder sogar Torbeteiligungen Jiraceks dabei gewesen. Sein weniger guter Zwillingsbruder, so mein Eindruck, muss anschließend dann wieder zum HSV zurückgekehrt sein. Vielleicht bringt er nun aber wirklich etwas von seiner Dynamik aus der Nationalmannschaft, die er in Hamburg so vermissen lässt, gegen Mainz 05 auf den Rasen.


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Ein Sieg in diesem Spiel, das wissen wir spätestens nach der Aussage von HSV-Boss Carl Jarchow vom vergangenen Sonnabend, ist „Pflicht“. 19 Punkte über Weihnachten – damit könnte man also leben und sich eventuell in der Winterpause Gedanken machen, wie man denn schnellstmöglich nach oben kommen würde. Eine Niederlage und 16 Punkte – dann würde der Blick bis Saisonende im Mai nur nach unten gerichtet sein.

Bert van Marwijk weiß deswegen um die Bedeutung, und nicht nur er. „Ich brauche meinen Spieler nicht zu erklären, wie wichtig dieses Spiel ist“, sagte der Trainer heute auf der Pressekonferenz. „Wir benötigen die drei Punkte, aber einfach wird es nicht. Wir haben Schwierigkeiten mit Mannschaften, die uns aggressiv angreifen. Mainz ist auch eine dieser Mannschaften.“

Was den Gegner von Sonnabend ausmacht, so van Marwijk, sei die Unberechenbarkeit. „Sie haben oft unterschiedliche Aufstellungen und eine unterschiedliche Spielweise. Man kann alles erwarten von ihnen.“ Und: Mainz hat 21 Punkte auf dem Konto, mehr als der HSV, wie der Trainer noch einmal betonte.

Heute wurde mit ihm über das Kernproblem der Hinrunde gesprochen – die Heimschwäche. „Von den Ergebnissen stimmt es, da haben wir zu wenig gewonnen“, stimmt van Marwijk zu. „Aber abgesehen von der Partie gegen Augsburg, die ich so nie wieder sehen will, waren auch gute Spiele dabei. Ich denke an unsere Auftritte gegen Mönchengladbach und Stuttgart.“ Punkte sind aber viel zu wenig heraus gesprungen. Hat der HSV ein echtes Heimproblem? „Wenn alle darüber reden, dann wird es ein Problem. Das ist wie bei einem Stürmer, der das Tor nicht trifft. Wenn man das dann auch noch pausenlos thematisiert, wird es ein echtes Problem. Also rede ich nicht darüber.“

So kann man es sehen – aber man darf die Heimschwäche des HSV auch offen ansprechen wie Rafael van der Vaart. „Es tut weh, dass wir unseren Fans nicht mehr bieten konnten. Das war zu Hause einfach zu wenig. Natürlich haben wir eine junge Mannschaft, aber wir sind auch Männer. Wir müssen mit der Kritik umgehen und zusehen, dass wir gerade zu Hause erfolgreicher werden.“

Van der Vaart sieht die Heimprobleme im mentalen Bereich. Von Laufstatistiken, Debatten über angeblich fehlende Fitness und Ausdauer, hält der Niederländer nichts. „Auswärts muss man nicht unbedingt gewinnen. Wir spielen dort geduldig, haben alle Zeit der Welt und warten auf unsere Chance. Zu Hause sieht das ganz anders aus. Wir wollen immer von Anfang an ein Superspiel machen und haben das Gefühl, dass wir müssen, müssen, müssen! Vielleicht ist das aber der größte Fehler. Etwas weniger ist besser.“

Mehr Ruhe, mehr Geduld – aber im entscheidenden Moment mehr Entschlossenheit. Diese Kardinal-Eigenschaften fehlen dem HSV allzu oft.

Körperlich hat Rafael van der Vaart übrigens keine Probleme mehr. Nach seinen Knieproblemen zu Beginn der Woche fühlt er sich fit. Das gilt nicht für Rene Adler. Der Torwart wird auch gegen Mainz definitiv ausfallen und durch Jaroslav Drobny vertreten. Fehlen wird außerdem Ivo Ilicevic, dessen Vater verstorben ist. Unser Mitgefühl gilt Ivo und seiner Familie in dieser schweren Zeit!

Rafael van der Vaart hat vor dem abschließenden Spiel des Jahres einen kleinen Ausblick auf Weihnachten und 2014 gegeben. Er wird zunächst in seine niederländische Heimat fahren, dort gibt es an den Feiertagen traditionell Raclette. Anschließend ein paar Tage Urlaub, fast ganz ohne Fußball. „Ich denke immer an Fußball und den HSV, auch wenn man ein paar Tage abschalten muss. Das ist sehr wichtig. Und dann hoffe ich auf eine Super-Rückrunde.“ Mit einem kleinen Seitenblick auf sein Privatleben und die schwere Zeit, die er mit Lebensgefährtin Sabia nach der Fehlgeburt vor einigen Wochen hatte, sagte van der Vaart: „Ich hoffe, das nächste Jahr wird für mich persönlich besser als dieses. Und dass alle gesund bleiben!“

Was die Partie am Sonnabend angeht, schreibt der Sport-Informationsdienst zur heutigen Pressekonferenz der Rheinhessen:

Trainer Thomas Tuchel verteilt Vorschusslorbeeren – für den Gegner. „Die haben herausragende Fußballer wie Rafael van der Vaart, Tolgay Arslan, Milan Badelj und Hakan Calhanoglu. Dazu noch vorn Maximilian Beister und Pierre-Michel Lasogga, die das mit ihrer Mentalität ergänzen. Das kann sehr unangenehm sein“, meinte Tuchel. Seine Spieler dürften sich nicht ausspielen lassen, kaum Standards zulassen. „Wir müssen im Kollektiv arbeiten und die Abstände zwischen den einzelnen Reihen eng halten“, erklärte der Mainzer Trainer.
Mit elf Punkten aus den letzten sieben Spielen sammelte die 05er auch viel Selbstvertrauen. Der HSV überzeugte trotz der guten Spieler zu selten und liegt mit 16 Punkten nur auf dem 13. Platz. Trainer Bert van Marwijk fordert zwangsläufig einen Sieg. „Deshalb müssen wir planvoll, strukturiert und diszipliniert spielen. Unser Selbstvertrauen muss zur Geltung kommen“, sagte Tuchel. Die Atmosphäre in der Hamburger Arena fordere alle Sinne und treibe zu Höchstleistungen.

Gestern Abend haben Sportchef Kreuzer und Trainer van Marwijk zusammen gesessen und über die HSV-Personalien gesprochen. Konkret ging es auch um die Winterpause, die bekanntlich für den HSV vornehmlich durch Spielerverkäufe geprägt sein soll. „Es ist bekannt, dass wir kein Geld für Zugänge haben“, sagte Oliver Kreuzer nach dem Gespräch. In einem Atemzug wurde dem aktuellen Kader das Vertrauen ausgesprochen.

Diese Bekundung ist natürlich nur ein Teil der Wahrheit. Außenverteidiger-Position und Sturm sind beim HSV nicht doppelt-gleichwertig besetzt. Das ist bekannt, und in diesem Fall ist der Verweis Kreuzers auf die missliche Finanzlage der entscheidende Aspekt. Nach dem Spiel bei den Bayern war ja die Vertragslage von Tomas Rincon ein Thema in den Medien. Der Venezolaner hat dort ordentlich gespielt, seine Zukunft hängt in der Schwebe.

Der HSV hat Rincon eine Million Euro Gehalt geboten, der Spieler hat dies abgelehnt. Ich kann mir vorstellen, dass Rincon in Süd- und Mittelamerika als Spieler des Turniers bei der letzten „Copa America“ einen guten Ruf genießt, aber in der Bundesliga und beim HSV ist er eben immer nur 12. oder 13. Mann geblieben. Hier gilt es auch vom Spieler und dessen Berater, seinen europäischen Marktwert realistisch einzuschätzen.

In der heutigen Ausgabe des Hamburger Abendblatts ist ein großes Interview mit Ex-Präsident Wolfgang Klein, bekanntlich ein Verfechter von „HSV-PLUS“. Sehr lesenswert, sehr informativ. Kernaussage Kleins, oder „Gretchenfrage“, wie die Kollegen Rainer Grünberg und Alexander Laux zurecht formulieren, ist diese: „Liegt (die unzureichende Qualität des Aufsichtsrates) an der Besetzung des Gremiums oder an den Strukturen?“

Befürworter der aktuellen Satzung, des e.V.-Gedankens, schieben diese Problematik auf die einzelnen, handelnden Personen. Klein hält dagegen: „Die bisherige Struktur führt zu diesen Fehlbesetzungen. Nicht ein einziger der Kandidaten, die ich gerne im Aufsichtsrat der AG sähe, wäre bereit, dafür einen Wahlkampf zu führen oder sich einer Mitgliederbefragung vor 30 Leuten zu stellen. Gute Leute stehen dafür nicht zur Verfügung.“

Das ist tatsächlich das Kernthema für den 19. Januar, und mein stiller Wunsch verbirgt sich dahinter, dass alle sich auf die Kernthemen konzentrieren. Sonst kommt der HSV an diesem Tag nicht vom Fleck und zerfasert sich in Schein-Themen. Klein hat das Kernthema angesprochen, wozu dann natürlich auch die Öffnung für Investoren oder strategische Partner gehört.

Vor kurzem haben wir darüber berichtet, dass Ex-HSV-Verteidiger Tomas Ujfalusi seine Fußball-Stiefel an den Nagel gehängt hat. Heute kam diese Meldung:

Anfang Dezember hatte Tomás Ujfalusi seine Profi-Karriere wegen anhaltender Knieprobleme bei Sparta Prag beendet. Doch so ganz ohne den Fußball scheint der 35-jährige ehemalige HSV-Verteidiger dann doch nicht auszukommen. Galatasaray Istanbul gab nun bekannt, dass der 78-fache tschechische Nationalspieler ab sofort neuer Sportdirektor des türkischen Meisters wird. Ujfalusi, der vor seinem letzten Engagement in Prag Kapitän von Galatasaray war, unterschrieb einen Vertrag bis zum 31. Mai 2014.

Hier geht einer seinen Weg. Wobei nun wohl endgültig die Hoffnung vorbei ist, dass der HSV irgendwann noch einmal das Ablösespiel für Ujfalusi erhalten wird. 2004 war der tschechische Verteidiger, den Klaus Toppmöller als Trainer gerade zum Mannschaftskapitän bestimmt hatte, für 7,5 Millionen Euro plus Ablösespiel zum AC Florenz verkauft. Nun ja, das Geld kam, das Ablösespiel nie…

Das ist es von mir für heute. Bis morgen, Training dann um 15.30 Uhr für alle zugänglich.
Macht es gut
Lars

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