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Rückendeckung für Slomka, Gerüchte um Adler

15. Juni 2014

Haupt-Diskussions-Thema um den HSV waren in den vergangenen Tagen die irritierenden Aussagen des neuen Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt. Insbesondere sein mehrdeutiger Kommentar zu Trainer Mirko Slomka haben über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Die Meldungen, man würde sich in der Spitze der Fußball AG bereits mit einem Nachfolger Thomas Tuchel beschäftigen, schaukelten sich in gewisser Weise hoch.

 

Wie Scholle hier bereits gestern geschrieben hat, ist ein kurzfristiger Trainerwechsel beim HSV allerdings kein Thema. Wie ich erfahren habe, soll sich Karl Gernandt selbst sogar erschreckt haben, als er die öffentlichen Interpretationen seiner Aussagen gelesen hat. Seither gab es von Gernandt ja auch keinen Kommentar mehr. Das kann man wohl als Zeichen werten, dass er sich eine etwas größere Zurückhaltung auferlegt hat. Wobei meiner Ansicht gerade jetzt mal ein klares Wort nach der Devise: „Slomka steht nicht zur Debatte!“ angebracht wäre.

 

Denn wenn der Coach des HSV am Mittwoch das erste Training in Hamburg leitet, ist doch schon klar, welche Fragen zunächst auf ihn einprasseln. Rechnen Sie damit, lange HSV-Trainer zu bleiben? Fühlen sie sich nicht in ihrer Position geschwächt? Wie beurteilen sie diese Aussage Gernandts mitten in der Sommerpause? Und so weiter. Hätte man sich sparen können.

 

Natürlich steht es nicht in Stein gemeißelt, dass Mirko Slomka bis 2016 – so lange läuft sein Vertrag beim HSV – Trainer in Hamburg bleiben wird. Theoretisch könnten Dietmar Beiersdorfer und Karl Gernandt ihn sogar nicht für die Optimal-Besetzung halten. Es war ja nun auch nicht alles Gold, seit Slomka das Zepter übernommen hat. Aber mit großer Sicherheit müssen doch erst einmal andere Pflöcke eingehauen werden, anstatt nun eine Trainerdebatte anzuzetteln. Sie bleibt übrigens angezettelt und noch nicht begraben, so lange nicht endlich ein klares Wort von oben das Gegenteil besagt.

 

Oliver Kreuzer hat sich übrigens mittlerweile zur Casa Slomka geäußert. Natürlich stärkt er den Trainer: „Ich habe vernommen, dass der Name Slomka gefallen ist. Mirko ist seit vier Monaten hier, er hat einen hervorragenden Job gemacht. Das Ziel war der Klassenerhalt. Das haben wir über die Relegation geschafft. Wir hatten in dieser Zeit unglaubliche Verletzungssorgen. Dass wir es dann doch geschafft haben, ist auch Mirkos großer Verdienst. Für mich gibt es an Mirko Slomka keine Zweifel.“

 

Weil nun aber Karl Gernandt und Dietmar Beiersdorfer (noch) schweigen, und auch der designierte zweite Mann Joachim Hilke mit Interviews abwartet, habe ich noch einmal mit den aktuellen Amtsinhabern gesprochen. Dazu gehört auch Hilke, klar, aber ich meine in erster Linie Carl Jarchow. Er ist jetzt schon (mit Hilke) im Vorstand der AG, die dann ja ab 1. Juli das Machtzentrum des HSV sein wird. Dietmar Beiersdorfer kommt als Vorstands-Vorsitzender hinzu, so dass der neue Aufsichtsrat Jarchow abberufen müsste, damit die gewünschte Zweier-Konstellation Jarchow/Hilke entsteht.

 

Carl Jarchow also führt die Geschäfte weiter, und dass er alles andere als begeistert ist über Karl Gernandt, das liegt auf der Hand. Hier schränke ich ein: dies ist mein Eindruck, denn Jarchow sagt es nicht direkt. Jedenfalls spricht er, wie es seine Art ist, nicht mit dem Keule, sondern mit dem Florett. „Jeder kann sich selbst nur ein bisschen zurücknehmen und versuchen, etwas weniger für solche Schlagzeilen zu sorgen. Bei einem Gebilde wie dem HSV ist es jedoch schwierig, das ganz auszuschließen. Man wird es nicht ganz verhindern können.“

 

Soweit Carl Jarchow zu diesem Thema. Da Jarchow zusammen mit Oliver Kreuzer (und in Absprache mit Beiersdorfer) aktuell noch die Transfer-Hoheit besitzt, ist es von entscheidender Bedeutung, Informationen über die tatsächliche Größenordnung eines Einstiegs von Klaus-Michael Kühne zu erhalten. Diese Informationen liegen Jarchow derzeit nicht vor. Ob er sie überhaupt erhält, ist eine zweite Frage. Jedenfalls muss klar sein, was der HSV investieren kann in den kommenden Monaten bis zum Ende der Transferfrist am 31. August. „Das ist ganz grundlegend wichtig. Vor allem ist wichtig, dass wir uns mit Dietmar Beiersdorfer abstimmen – das gilt insbesondere für Oliver Kreuzer. Dieser Austausch geschieht sehr konstruktiv. Welche finanziellen Möglichkeiten die AG haben wird, wissen wir im Detail noch nicht“, erläutert Jarchow.

 

Ein Wort noch zu Jarchow persönlicher Zukunft. Er ist ja bis Mitte 2015 beim HSV unter Vertrag. Sollte er aus dem AG-Vorstand abberufen werden, dann bleibt er Vorsitzender des HSV e.V. und erhält damit automatisch einen Sitz im Aufsichtsrat der Fußball AG. Soweit ist der Rahmen gesteckt – für seinen Kollegen Oliver Kreuzer gilt das nicht. Jarchow ergreift allerdings Partei für Kreuzer, dem er auch in HSV AG eine Rolle zutraut. „Ich würde es ihm wünschen, weil ich finde, dass er ein sehr schweres erstes Jahr in Hamburg hatte. Er hatte auch einen sehr schweren Start, nachdem er erst spät hinzugestoßen ist und wenige Möglichkeiten besaß, Dinge zu beeinflussen. Er hat jetzt die gesamte Zeit den Übergang gut mitgetragen, arbeitet konstruktiv und ohne übertriebenen Egoismus. Ich würde mir wünschen, dass er weitermachen kann, aber das ist nicht meine Entscheidung.“

 

Und um noch einmal abschließend auf Mirko Slomka einzugehen: wenn es am Montag zum Gipfeltreffen der Bosse mit Mirko Slomka kommt, dann wird es wohl kaum über eine mögliche vorzeitige Demission des Coaches gehen. Vielmehr muss ja auch mal mit allen Beteiligten die gesamte Vorbereitungsphase durchgesprochen und -geplant werden.

 

Heißes Transfergerücht heute: Rene Adler soll für drei Millionen Euro nach Sunderland gehen. Hier die Meldung des englischen „Mirror“:

Der Boss des FC Sunderland, Gus Poyet, will die Nummer eins des HSV, Rene Adler, holen – das ist der Keeper, der kurz vor der WM aus dem deutschen Kader gestrichen wurde. Poyet ist bereit, zweieinhalb Millionen Pfund in den erfahrenen Schlussmann zu investieren, der seinem Verein geholfen hat, in der Relegation die Bundesliga zu halten. Adler sollte vergangene Woche zu Verhandlungen nach England kommen, das hat allerdings wegen Knieproblemen nicht geklappt. Diese Verletzung soll in Kürze auskuriert sein.

 

Abgesehen davon, dass einige Ungenauigkeiten in der Meldung sind (Adler hat Rücken- und keine Kniebeschwerden; außerdem hat er in der Relegation gar nicht gespielt) ist dies ein weiteres Kapitel im anscheinend nicht enden wollenden Trennungs-Gerüchte-Spiel um den Torwart, der vor zwei Jahren aus Leverkusen nach Hamburg kam.

 

Eine aktuelle Einschätzung von Oliver Kreuzer habe ich heute nicht bekommen. Vorgestern habe ich mit Kreuzer allerdings sehr ausführlich über Adler gesprochen, insbesondere über dessen Bandscheibenvorfall. Kreuzer sagte: „Wir haben ein Feedback unseres Mannschaftsarztes, dass es mit seinem Rücken nicht so gut aussieht. Wir haben einige Male versucht, Rene am Telefon zu erreichen, das hat bislang leider nicht funktioniert. Natürlich erwarten wir schnell eine Antwort, um zu wissen, ob er am Mittwoch überhaupt das Mannschaftstraining aufnehmen kann.“ Wie gesagt – das war vorgestern. Seither hat es sicherlich weitere Kontaktversuche gegeben, wobei es schon bemerkenswert ist, dass ein Profi, der offenkundig eine schwerere Verletzung hat, am Telefon nicht erwischt werden kann – Urlaub hin oder her.

 

Zu der Personalie Adler passt die Information, dass die Hamburger offenbar kurz vor der Verpflichtung eines weiteren Schlussmanns sind. Er heißt Johannes Kreidl, ist 18 Jahre alt, und beim FC Wacker Innsbruck unter Vertrag. Er steht in der österreichischen U-18-Nationalmannschaft. Der junge Kreidl war vor einigen Wochen bereits zum Test bei Torwart-Trainer Ronny Teuber in Hamburg. Österreichische Zeitungen melden nun, dass der Wechsel kurz bevor steht. Ein Ersatz für Adler würde Kreidl sicher nicht werden. Aber generell versucht sich der HSV verstärkt, auf dieser Position zu wappnen. Mit Alexander Brunst-Zöllner (18) steht ja bereits ein weiterer junger Nachwuchs-Keeper im Profi-Kader des HSV.

 

In Sachen Pierre Michel Lasogga gibt es auch heute keine neuen Wasserstandsmeldungen. Sollte sich etwas tun, halten wir Euch auf dem Laufenden. Es gab heute wieder Gespräche, so viel ist bekannt, aber warten wir nun mal ab, wohin sich die Waage endgültig neigt. Noch, so scheint es, ist der HSV nicht aus dem Rennen.

 

Am Montagabend um 18 Uhr beginnt die WM auch für Deutschland mit der ersten Partie gegen Portugal. Wir wollen Euch auch die Weltmeisterschaft über mit unseren Matz-ab-Live-Sendungen unterhalten und melden uns deswegen nach Abpfiff der Partie mit unserer Gesprächsrunde. Gast ist unter anderem HSV-Profi Dennis Diekmeier.

 

Schönen WM-Abend wünscht Lars (und Johan Djourou wünsche ich, dass er nicht noch einmal in der Verlosung ist bei einem Schweizer Gegentor wie eben beim 0:1 gegen Ecuador…)

 

P.S.: Und dann möchte ich noch einmal hinweisen auf Dieters Nachricht vorhin, die Ihr jetzt unter den älteren Blog-Einträgen findet!

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