Archiv für das Tag 'Tuchel'

Nur Lasogga trifft – HSV 1:1 gegen Bursaspor

22. Juli 2015

HSV-Bursaspor

Test in Harsewinkel: HSV – Bursaspor

Adrenalinschub für die HSV-Kicker in Harsewinkel. Statt der Nachmittags-Trainingseinheit gab’s einen Testkick gegen den türkischen Club Bursaspor, der über zwei Mal 35 Minuten angesetzt war. Am Ende geht die Partie 1:1 aus – für den HSV trifft Lasogga per Foulelfmeter. Durch das späte Gegentor haben sich die Hamburger ihre kleine Belohung für die intensive Trainingsarbeit in Ostwestfalen genommen. Außerdem gibt es zur Minute immer noch keine Entscheidung um Michael Gregoritsch. Der Österreicher soll aus Bochum kommen, nach wie vor. Auch heute hieß es, eine Einigung stehe unmittelbar bevor. Tatsächlich hatte ich nach Gesprächen heute morgen damit gerechnet, dass wir von den Vereinen die endgültige Vollzugsmeldung erhalten würden – aber noch immer ist es nicht fix. Hängepartie reloaded.

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Beiersdorfer: “In der Krise herausragend gearbeitet”

14. Juni 2015

War toll.
Diese Mitgliederversammlung des HSV. Großartig war es sogar. Und trotz der Probleme, die es hin und wieder mal gegeben haben soll, in dieser Saison, muss festgestellt werden: „Es ist alles auf den Weg gebracht. Wir müssen nur Geduld aufbringen.“ Alles super. Oder wie es ein Redner ausdrückte. „Friede, Freude, Eierkuchen.“ Und im Prinzip: Die Experten haben schuld. Natürlich. Und mit Experten ist vornehmlich die Presse gemeint – logisch. Wenn die sich mal damit beschäftigen würden, oder beschäftigt hätten, woher der HSV 2015, Relegations-Teilnehmer, einst gekommen ist, dann würden die, nämlich diese Experten, sich mit Kritik gewaltig zurückhalten. Ganz gewaltig sogar. Es ist nämlich nicht alles so schlecht, wie es gemacht wird – oder wurde. Der HSV ist weiter erstklassig, es geht ihm gut – und, das ist mein Fazit, und nun müssen wir mal abwarten, wie es weiter bergauf geht. Die Weichen, so war heute zu vernehmen, sind dafür gestellt, nur geht das alles nicht so schnell, wie viele es erhofft hatten, wie viele gewollt hatten. Das dauert. Und das Schöne an dieser Situation ist ja das, dass wir nun alle abwarten können, wie schön und gut es tatsächlich demnächst laufen wird. Versprochen ist ja viel, und versprochen ist ja versprochen. Jetzt dürfte, muss, müsste oder sollte auch mal etwas geliefert werden . . . Zum Beispiel Platz zwölf. Oder so. Den ganzen Beitrag lesen »

Wie der Gang aufs Schafott

22. Mai 2015

Morgen endet die 52. Saison der Fußball-Bundesliga. Zum 52. Mal steht der HSV in der Endtabelle. Wir wissen ziemlich sicher, dass er allenfalls ein einziges Mal – nämlich im vergangenen Jahr – ähnlich schlecht dastand, wie er es morgen kurz vor halb sechs tun wird. Drei Mal war der HSV in den vergangenen 52 Jahren sogar an erster Stelle und wurde Deutscher Meister. Das ist lange her -und natürlich hat dieser Verein in den vergangenen Jahren alles dafür getan, falls dieses 52. Mal in Folge in der Bundesliga-Tabelle das vorerst letzte Mal sein wird. Weiß Gott hat er das.

Kennt Ihr das? Alle Welt fragt dich: Was glaubst du, wird das noch was? Ja, nein, vielleicht – die Antwort muss ebenso unklar bleiben wie unerheblich. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird an diesem 34. Spieltag irgendetwas passieren, was unerwartet ist. Als Favoriten gehen wohl der VfB Stuttgart nach zwei Heimsiegen in Folge ins Rennen und vielleicht auch Hannover 96, das nach dem 2:1 zuletzt in Augsburg Rückenwind bekommen haben dürfte. Aber vielleicht gilt das auch für die Freiburger nach ihrem Sieg gegen die Bayern. Oder profitiert am Ende der SC Paderborn, weil das Team von Andre Breitenreiter am wenigsten zu verlieren hat?

Am meisten zu verlieren hat der HSV. Er kann sein ganzes Selbstverständnis verlieren. Kein Dino mehr, keine ewige Uhr. Vielleicht auch keine vernünftige Perspektive. Denn nach heutigem Stand wäre das Rausposaunen des Ziels „sofortiger Wiederaufstieg“ unrealistisch. Dietmar Beiersdorfer und sein Team wären nicht nur für den ersten Abstieg der HSV-Geschichte verantwortlich, sondern sie hätten sich weitestgehend unmöglich gemacht, weil sie dies sogar mit dem teuersten HSV-Kader aller Zeiten „geschafft“ hätten.

Diese finanzielle Komponente würde dafür sorgen, dass sich der HSV strecken müsste, um das 10-Millionen-Euro-Loch zu stopfen, das für die Zweitliga-Lizenz offen ist. Ich gehe davon aus, und entsprechende Signale kommen aus dem Verein, dass dies gelingen würde. Freilich auf Kosten des Handlungsspielraumes für die Verstärkung der Mannschaft. Doch nachdem auch in dieser Saison Unsummen ausgegeben wurde für Spieler, die keine Mannschaft bilden konnten, muss der enge Gürtel kein zusätzlicher Nachteil sein.

Sollte es also schief gehen morgen – und ich sehe außer der Unberechenbarkeit der HSV-Mannschaft keinen rationalen Grund, warum es nicht schief gehen sollte -, dann beginnt ein neues Zeitalter. Nach allem, was wir in dieser Woche gehört haben, wird dieses neue Zeitalter mehr oder weniger mit den alten Figuren eingeläutet. Beiersdorfer an der Spitze, und auch Joachim Hilke und Frank Wettstein im Vorstand. Die sportliche Leitung mit Peter Knäbel und Bernhard Peters dürften weiter ihr Konzept verfolgen, das ja insbesondere eine mittelfristige Komponente hat.

Am vergangenen Wochenende war Matthias Sammer im aktuellen Sportstudio. Dort war sehr viel die Rede von Strategien und der Zusammenstellung einer Mannschaft. Sammer hat dort eine Kernaussage getroffen, die eins-zu-eins für den HSV gilt – wenn auch auf anderem Niveau. „Bei aller langfristigen Planung darf man nie das Tagesgeschäft aus den Augen verlieren.“

Und genau hier hat Beiersdorfer mit seinem Team den Kernfehler begangen – das Tagesgeschäft wurde vernachlässigt.

Insbesondere hat der Verein es versäumt, auf der Trainerposition konsequent auf einen starken Mann zu setzen. Mirko Slomka – von Anfang an unerwünscht und „enteiert“ durch Klaus-Michael Kühne. Joe Zinnbauer – er kam zunächst „bis auf weiteres“ (O-Ton Dietmar Beiersdorfer), hat es noch sehr gut gemacht, war doch aber immer nur der Platzhalter für Thomas Tuchel. Peter Knäbel – eine Verlegenheitslösung. Erst mit Bruno Labbadia kam ein richtiger Trainer. Vor dem 28. Spieltag auf dem letzten Platz. Hier wurde das Tagesgeschäft tatsächlich vernachlässigt.

Die Aufarbeitung der Saison bietet noch viele andere Perspektiven. Es gibt eine ganze Reihe weiterer „Schuldiger“ und Ungereimtheiten. Es gibt schlechte Startbedingungen und hausgemachte Fehler. Es gibt unerklärliche Transfer-Flops und – immer noch – einen üblen HSV-Virus der Selbstzufriedenheit, von dem sich die aktuelle Mannschaft nicht freimachen konnte.

Aber es gibt auch noch eine Chance: es gibt die Chance, dass sich morgen gegen Schalke das Blatt wendet. Der HSV ist noch im Spiel, so wie Frankfurt 1999 im Spiel war in einem der dramatischsten Abstiegs-Krimis aller Zeiten. Und so gehen wir alle in diesen Nachmittag in der Gewissheit, dass nichts unmöglich ist. Genauso groß ist die Gewissheit, dass Hoffnung beim HSV in den vergangenen Jahren noch immer enttäuscht wurde. Alles in allem eine merkwürdige Stimmungslage. Es ist wie der freiwillige Gang aufs Schafott.

Das Ding morgen wird der HSV nur mit positiven Emotionen bestehen können. Es muss ein Augsburg-Feeling ins Stadion kommen. Stimmung und Entschlossenheit vom ersten Schritt an. Wenn dieses Signal von unten kommt, dann werden die Tribünen einstimmen. Für dieses eine Spiel alles andere vergessen. Nicht mehr nachdenken, ob einen die Beine noch tragen, sondern einfach losrennen. Man nennt das: Glück erzwingen. So wie gegen Augsburg, so wie in Mainz, so wie gegen Freiburg.

Die allermeisten der 57.000 Zuschauer morgen im Stadion können nichts für die aktuelle Malaise. Sie leiden mit ihrem Verein, auch wenn sie sich noch so oft abgewendet haben. Sie haben den Abstieg nicht verdient. Hat der HSV ihn verdient? Sicher mehr als Paderborn oder Freiburg – aber die Fans im Stadion, sie haben den Abstieg nicht verdient!

Die Mannschaft des HSV ist heute nach einem Training um 17.03 Uhr aus Malente Richtung Hamburg gedüst. Im Elysee Hotel wird übernachtet – wie immer. Morgen nach einem Vormittag, dessen Stunden sich sicher hinziehen werden wie Kaugummi, geht’s dann irgendwann ins Stadion. Fans werden Spalier stehen und ihren Kickern zujubeln. Wie es in den Köpfen der Profis aussieht? Keiner kann es sagen. Richten sie sich noch einmal auf nach dem Stuttgart-Niederschlag? Völlig ungewiss. Der HSV verliert ja nicht nur sehr oft – er verliert oft auch viel mehr als nur ein Spiel. In Stuttgart hat er den Glauben verloren, den er sich in den Wochen zuvor mühsam aufgebaut hatte. Hat Malente jetzt gereicht, um diesen Glauben wiederzufinden? Hilft vielleicht der FC Schalke 04, der in Sachen Außendarstellung in dieser Woche auf HSV-Niveau war?

Es wird spannend morgen Nachmittag – und so wie wir unseren Verein kennen, wird es auch dramatisch.

So könnte sich der HSV retten: Adler – Westermann, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek – Kacar, Jiracek – Stieber, Ilicevic, Olic – Lasogga

Dieter und Scholle begrüßen anschließend Ex-Profi Stefan Böger und Journalist Jan-Christian Müller zu „Matz-ab-live“.

Lars
18.10 Uhr

Alle Mann an Bord – auch Lasogga?

9. April 2015

Ok, Entwarnung. Zumindest teilweise würde ich sagen. Und auch erst einmal nur für die Spieler. Denn heute rückte Peter Knäbel seine Aussage, er wüsste seit dem Bayer-Spiel, welchen Spielern er vertrauen kann und welchen nicht, deutlich gerade. Er habe auf die sportliche Verfassung seiner Spieler beziehen wollen und damit nur sagen wollen, wer noch Extraeinheiten braucht und wer nicht. Deswegen habe es mit Assistenztrainer Peter Hermann auch morgendliche Extraeinheiten gegeben, unter anderem auch für Pierre Michel Lasogga. Und dem soll das richtig gut getan haben, sagt Knäbel, der den bulligen Angreifer gar in der Verfassung sieht, am Sonnabend gegen den VfL Wolfsburg (18.30 Uhr, Imtech-Arena) von Beginn an aufzulaufen.

 

Ansonsten ließ Knäbel personell alles offen. Strafen für die 0:4-Pleite werde es nicht geben. Es werden zumindest keine Spieler aus dem Kader gestrichen, die letzte Woche dabei waren. Mit 20 Mann will der Interimstrainer in Zukunft die letzten zwei Einheiten vor dem jeweiligen Spiel trainieren lassen. Wer nicht für den Kader im darauffolgenden Spiel vorgesehen ist, trainiert separat oder bei der U23. Auch nicht als Strafe, sondern als Steigerung der Trainingsqualität im Bundesligakader gedacht. Tabuisiert werde nichts, sagt Knäbel, weshalb sich auf der anderen Seite kein Spieler zu sicher fühlen darf.

Peter Knäbel wirkt souverän. Und er will auch so wirken. Er weiß, dass es darum geht, der Mannschaft Sicherheit zu vermitteln. Dass ihn auf diesem Weg ausgerechnet sein alter Weggefährte Felix Magath attackiert, ließ ihn nach außen kalt. „Was mich als Vertreter des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer mehr beschäftigt, ist die Tatsache, dass man den Eindruck vermittelt, als wäre die Trainerposition beliebig“, sagte Magath am Mittwoch: „Als könnte jeder, der gerade mal Lust hat oder schon einmal Fußball gespielt hat, eine Bundesliga-Mannschaft trainieren.“ Man würde sich „ja auch nicht von jemandem am Herzen operieren lassen, der das nicht gelernt hat“, ergänzte Magath. Worte, die Knäbel mit einem verschmitzten Lächeln abprallen ließ. Er kenne Magath ja und wisse, warum dieser so kritisch spricht. Und wer sich mal schlau macht (oder vielleicht noch erinnert): Magath war es, der Peter Knäbels Karriere als Bundesligaspieler beendete. Nach dessen Amtsübernahme in Nürnberg 1997 berief er Knäbel kein einziges Mal mehr für die Startelf, wechselte ihn gar nur noch vier Mal ein.

 

Vergangenheit. Und einem Knäbel gerade zwei kurze Sätze wert. Diskussionen um seine Person interessieren ihn wenig. Er ist außergewöhnlich selbstbewusst, manchmal durchaus noch mit dem Hang zum Oberlehrerhaften. Aber genau das scheint auch gefragt zu sein. Wenn die Mannschaft in Person des „Unkaputtbaren“ schon von fehlendem Mut spricht, muss einer die Fahne hochhalten. Eben er als Trainer. Er will jetzt nicht auf seinen Spielern rumtrampeln, sondern sie aufbauen. Sagt er. Mit Peter Hermann zusammen, der die Trainingseinheiten leitet, während Knäbel das Geschehen zumeist vom Rand aus beobachtet und eher selten einschreitet.

Knäbel, der beim Training oft mit verschränkten Armen (wechselweise hinter dem Rücken und mit Denkerpose) das Geschehen verfolgt, ließ heute die vermeintliche A-Elf durchspielen. Westermann spielte neben Ostrzolek, Cléber und Djourou hinten rechts für Diekmeier, zentral davor spielten wenig überraschend Behrami und Diaz. „Das erste Mal können beide von Beginn an auflaufen“, freut sich Knäbel auf die Premiere des Duos, das „schon immer geplant war“ und warnt vor zu hohen Erwartungen: „Es ist aber eben auch das erste Mal.“

 

Im Training heute wirkten beide jedenfalls, als könnte es passen. Behrami räumte ab – Diaz versuchte, das Spiel aufzubauen. Diaz versuchte dabei allerdings vergeblich, die heute alles andere als funktionierende Offensive Beister, van der Vaart, Holtby und Olic davor in Szene zu setzen. Und wenn ich nicht zu gut wüsste, dass Trainingsleistungen beim HSV selten bis nie klare Schlüsse für das bevorstehende Spiel zulassen – ich würde mir ernsthaft Sorgen machen.

 

So aber bleibt positiv festzuhalten, dass im B-Team wenigstens Pierre Michel Lasogga im Abschlussspiel zu gefallen wusste. Und obwohl ich bislang nicht dachte, dass Lasogga beginnen würde – jetzt hoffe ich es zumindest. Zum einen wegen der Trainingsleistung, zum anderen, weil ich einfach hoffe, dass er nicht noch weniger reißen kann als die anderen.

Ist wieder auf dem Sprung zur Startelf: Pierre Michel Lasogga (l.)

Ist wieder auf dem Sprung zur Startelf: Pierre Michel Lasogga (l.)

 

Allerdings würde ich Lasogga nicht mit Olic über links spielen lassen. Ich würde auch nicht Holtby (wie Knäbel im Training) auf links stellen, sondern Mohamed Gouaida. Der Youngster scheint mir noch mit am wenigsten vorbelastet. Oder anders gesagt: er denkt nicht zu viel nach. Gouaida probiert es einfach, er geht spielerisch ins Risiko. Und das fehlt dem HSV. Zudem hatte Knäbel selbst heute wieder den Mut seiner Spieler angesprochen und hofft dabei auch auf den Faktor Heimspiel.

 

Knäbel hatte bereits mitbekommen, dass die Supporters am Mittwochabend eine neue Aktion ins Leben gerufen hatten, die da heißt: Alle Mann an Bord. Auf die Anhängerist erneut Verlass – und das freut den Direktor Sport und Trainer in Personalunion. „Wir brauchen sie in dieser Situation aber nicht ‚wieder’, sondern ‚umso mehr’. Die 57000 Fans im Heimspiel werden der Mannschaft helfen“, so Knäbel, der hinzufügt: „Aber dann liegt der Ball auch schon gleich bei der Mannschaft.“ Und irgendwie ist man geneigt, zu sagen: Ja, leider ist das so.

Wobei ich auch diese Saison trotz der vielen Fehler und der ebenso schädlichen wie anhaltenden Tuchel-Diskussion nicht daran glauben will, dass sich diese Mannschaft nicht mehr rettet. Vor allem, weil ich daran glaube, dass die neue Saison bereits gut vorgeplant ist. Zu Lasten der aktuellen Saison, zweifellos. Das Thema hatten wir Anfang der Woche. Aber gerade deshalb ist es meine Motivation, noch ein wenig mehr darauf zu hoffen. Zusammen mit dem wahrscheinlich zuverlässigsten Erfolgsfaktor des HSV: den Fans.

 

In diesem Sinne, ich bin mit an Bord. Und das auch morgen wieder, wenn die Mannschaft nicht wie heute vor 300 Zuschauern sondern unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Ich melde mich im Anschluss daran bei Euch.

 

Scholle

P.S.: Anbei ein Foto, das Benno mir freundlicherweise geschickt hat. Danke dafür!
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Fußball verkehrt: HSV stürmt, Bayern mauert

6. April 2015

Hoffnung?

„Dieter, zeig mir Deinen Strohhalm, mach’ mir irgendwie noch Hoffnung . . .“

 

Das höre ich seit dem 0:4-Debakel von Leverkusen immer wieder.

 

Strohhalm? Hoffnung? Habe ich nicht mehr. Ehrlich. Damit kann ich nicht mehr dienen. Ich bin am Ende aller Träume angelangt. Der HSV blamiert sich von Woche zu Woche mehr, wird zum Gespött in ganz Deutschland, nur in Hamburg haben die Verantwortlichen immer noch nicht kapiert, dass es bereits zehn Minuten nach Zwölf ist. Am vergangenen Sonntag bot ein Zuschauer beim Sport1-Doppelpass per Telefon folgende Wette an: „10 000 Euro, dass dieser HSV in dieser Saison kein Spiel mehr gewinnt . . .“ Ich werde nicht dagegenhalten.

 

 

In diesem Zusammenhang fällt mir ein, was der frühere Nationalspieler Dietmar Hamann (einst FC Bayern und Liverpool) und heutige Sky-Experten nach der Abfuhr gegen Bayer über den HSV gesagt hat: „In der Winterpause habe ich schon gesagt, dass der HSV spielerisch mit die schwächste Mannschaft ist. Ich bin mir sicher, dass der HSV absteigt – und zwar direkt.“ Über die Gründe sagte Hamann: „Der HSV hat jetzt jede Menge Kompetenz mit Beiersdorfer, Peters und Knäbel. Wenn ich dann Zinnbauer im Oktober hole, muss ich mit ihm durch die Saison gehen. Sonst gibt man den Spielern Alibis. Darum hatte ich gedacht, dass man sagt: ‘Der Joe bleibt hier’. Der HSV muss jetzt zeigen, dass man die sportliche Kompetenz auch in Ergebnisse ummünzen kann.“
Noch einer, der den HSV abstürzen sieht, und zwar direkt, nicht über Los. Willkommen im Club, Herr Hamann!

 

Ja, Ratschläge kommen von vielen Seiten, von oben, von unten, von links und von rechts. Aber erstens nehmen die Herren ohnehin nichts an, und zweitens ist jetzt sowieso alles zu spät.

 

Mich hat eine Passage des Blogs von Lars Pegelow gestern besonders beeindruckt, angesprochen. Peter Knäbel, der HSV-Interimscoach, hat bei der Pressekonferenz nach der 0:4-Abfuhr im Beisein seines Kollegen von Bayer Leverkusen auf die Frage, wie er sich in seinem ersten Trainer-Einsatz dort unten an der Außenlinie gefühlt hat, geantwortet: „Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Ich glaube, der Kollege Schmidt hat nicht jemanden gesehen, der so funktioniert wie ein Anfänger. Die Position passt mir, ich habe mich wohl gefühlt da unten.“

 

Er hat sich also wohl gefühlt dort unten. Irgendwie sah man es ihm an. Ich weiß nicht warum (lag es an den Klamotten?), aber ich habe, wenn der HSV-Coach gezeigt wurde, immer an Sepp Herberger jun. gedacht. Aber geht es eigentlich ums „Wohlgefühl“ des HSV-Trainers? Geht es um Peter Knäbel und wie er sich dort fühlt? Nein, darum geht es weiß Gott nicht. Darum geht es zuletzt Es geht um den HSV! Nur um den HSV. Und darum, ob eine HSV-Mannschaft auch so funktioniert, wie sie funktionieren sollte, bevor es auf den Acker geht. Und dieser HSV funktionierte in diesem Jahr höchst selten, seit Wochen überhaupt nicht mehr – und in Leverkusen schon gar nicht.

 

Und dann komme ich mal zum Thema Anfänger. Der Herr Schmidt wird wahrscheinlich ein wenig schmunzeln – vielleicht aber auch ein wenig lachen. Eventuell gibt er ja mal einen kleinen Wink aus Leverkusen herüber, oder lässt einen kleinen Wink geben . . .
Also, Anfänger:

 

Alle Welt ist sauer auf Johan Djourou, weil er einen so schlampigen Pass auf Heiko Westermann gespielt hat. Ich habe hier meine – und etwas andere – Sichtweise auf dieses schon „tödliche“ Gegentor in der siebten Minute.

 

Der HSV steht seit Wochen mit dem Rücken zur Wand. Weiß jeder. Dann kommt ein neuer Trainer, nach eigenem Bekunden kein Anfänger, und sieht folgende großartige Leistung seiner von ihm eingestellten Mannen: Einwurf von Nicolai Müller, der fast an der rechten Eckfahne steht. Er wirft den Ball in Richtung Ivica Olic, aber die Kugel landet bei einem Bayer-Profi – und der schlägt den Ball nach vorn. Sie landet bei Johan Djourou, der gefühlt zehn bis 15 Metern in der Bayer-Hälfte steht. Er passt den Ball auf den neben ihm, auf gleicher Höhe stehenden Heiko Westermann, der nicht an den Ball kommt – und der Konter läuft. Alle laufen sie um ihr Leben, Leverkusener und Hamburger. Hamburger aber nur hinterher. Und drin das Ding.

 

Und wer jetzt ganz genau aufgepasst hat, der wird gemerkt haben, wo hier der Hase im Pfeffer liegt. Wo standen Djourou und Westermann? Bei einem Einwurf an der rechten Eckfahne? Jawollo, sie standen weit in des Gegners Hälfte. Um Leverkusen kaputtzustürmen? Das ist eine der bittersten Leistungen, die der HSV seit langem vollbracht hat. Das ist so etwas von amateurhaft, dass es nur noch blamabel zu nennen ist.

 

Was bitte hat ein Johan Djourou, und was hat ein Heiko Westermann – jeweils als letzte defensive Absicherung – in der Hälfte Leverkusens zu suchen? Nichts! Absolut nichts! Wollte der 16-Törchen-HSV das Team von Bayer Leverkusen in Grund und Boden spielen? Wacht endlich mal auf, Ihr hohen HSV-Herren, wacht endlich auf!

 

Und es gibt ein Parade-Beispiel von diesem Wochenende, wie man es auch machen kann:

 

Der große FC Bayern mauerte an diesem Wochenende in Dortmund. Der Rekordmeister trat ohne Robben, Ribery und Alaba an, dafür aber mit gleich acht Defensivspielern. Und gewann 1:0 in Dortmund. Obwohl München nur etwa 32 Prozent Ballbesitz hatte, und auch nicht allzu viele Tormöglichkeiten. Aber die Bayern ließen eben auch nicht sonderlich viel zu. Zwei Chancen hatte Dortmund, mehr nicht. Weil sich alle Bayern-Spieler an die taktische Marschroute ihres Trainers, der immer noch Pep Guardiola heißt, hielten. Sie hielten sich auch deswegen dran, weil sie sonst von ihrem Trainer „vom Eis gezerrt“ worden wären. So geht es zu bei Rekordmeistern.

 

Der heutige Aufsichtsrat und frühere HSV-Kapitän Peter Nogly, der es einst auf 320 Bundesliga-Spiele für den HSV gebracht hat, verließ 1980 den HSV. Aus Verärgerung. „Mir hatte Branko Zebec die Lust am Fußballspielen genommen“, hat mir Nogly vor einiger Zeit mal verraten. Wie? Lust am Fußballspielen genommen? Nogly: „Weil er mir als Abwehrspieler verbot, über die Mittellinie zu gehen. Und man durfte auch mit keinem Weitschuss versuchen, ein Tor für den HSV zu erzielen. Wenn wir uns widersetzten, dann gab es Ärger ohne Ende!“ Da hat also ein Trainer seinem Abwehrspieler – und das gleich mehrfach und wiederholt – verboten, über die Mittellinie zu gehen? Was sind denn das bloß für Methoden? Das ist ja Fußball aus dem Mittelalter! Heute muss, egal ob man es kann oder auch nicht, mit jedem Gegner mitgespielt werden. Da kann man nicht hinten mal dichtmachen und hoffen, dass vorne der liebe Gott hilft – mit einem Törchen. Das geht nicht. Kürzlich spielte, fällt mir gerade ein, Hertha BSC aber genau so. Nicht in Hamburg beim 1:0-Sieg, nein, da muss man es auch nicht sonderlich herausstellen, sondern zuvor beim 0:0 in Stuttgart. Beim Tabellenletzten. Da wurde gemauert und auf Konter gehofft. Und es hat geholfen – es gab ein wertvolles Pünktchen.

 

Zum Thema Bayern in Dortmund befand übrigens Dietmar Hamann noch beiläufig: „Es war aus der Not geboren, aber das Spiel war richtungsweisend. Pep und die Mannschaft haben gesehen, dass sie nicht immer auf Pressing und Ballbesitz spielen können, wenn sie gegen starke Mannschaften spielen. Gegen Mannschaften wie Barcelona werden sie vielleicht auch so spielen. Das kommt auch Lewandowski entgegen. Wenn sie so spielen, ist er die beste Nummer neun der Welt.“

 

Aus der Not heraus geboren! Als kommender Meister – nicht als kommender Absteiger! Alle Achtung!

 

Und selbst auf die Gefahr hin, dass ich mich nun völlig lächerlich mache, muss ich mal eine Geschichte von mir erzählen. Bevor ich B-Lizenztrainer in den Herrenbereich wechselte, trainierte ich fünf Jugendmannschaften bei drei verschiedenen Vereinen. Die letzte Station war dabei der 1. SC Norderstedt, die C-Jugend. Wir wurde, wie alle meine Jugend-Teams, Staffelmeister und trugen Aufstiegsspiele zur Sonderklasse aus. Schön daran ist ja, dass ich das so schreiben kann, und falls es nicht stimmen würde, gäbe es bestimmt die eine oder andere Stimme, die mich widerlegen würde – falls ich Unsinn schreibe. Ist aber kein Unsinn. Wir gewannen Spiel eins, mussten dann auf neutralem Platz (Hagenbeckstraße) gegen St. Pauli antreten. Die Braunen hatten ihr erstes Spiel 19:0 (!) gewonnen. Hatten wir überhaupt eine Chance? Schon in der Woche bereitete ich die Mannschaft auf „Anti-Fußball“ hin. Und unmittelbar vor dem Spiel beschwor ich die Spieler, sich unbedingt – ein einziges Mal – an diesen „Anti-Fußball“ zu halten. Ich weiß, das ist nicht das Gelbe vom Ei, aber wir wollten uns von St. Pauli nicht überfahren lassen. „So viele Bälle, wie wir sie heute in die Wicken schlagen, können die gar nicht haben. Bei Einwürfen, Anstößen und Freistößen lassen wir uns alle Zeit der Welt . . .“ Und vorne hilft der liebe Gott. Und er half. Einmal waren wir vorne – Tor, 1:0 gewonnen. Und die Väter meiner Spieler trugen mich auf Schultern vom Platz. Aufgestiegen, das nur nebenbei, sind wir aber dennoch nicht!

 

Ja, ja, ich höre es jetzt schon, „das ist Jugend-Fußball – wie bitter und primitiv ist das denn?“. Und: „Bei den Profis geht es eben ganz anders, viel härter zu.“ Stimmt. Ich möchte mit dieser Geschichte ja auch nur andeuten, dass man sich durchaus auf ein Spiel richtig und nach seinen Mitteln (das, was die Mannschaft tatsächlich hergibt!) einstellen kann. Und nicht einfach nur zusehen, wie meine letzten Abwehrspieler weit vorne in der gegnerischen Hälfte herumturnen. Leverkusen hätte mit einer Defensiveinstellung des HSV die Lust am Fußball genommen werden müssen, die einzige Chance in meinen Augen, die der HSV gehabt hätte – aber nein, es muss ja mitgespielt werden. Motto: „So schlecht, wie wir stehen, sind wir ja gar nicht.“ Genauso nämlich dachten die HSV-Trainer einst vor einem 2:9 und auch vor einem 0:8 in München . . . Wahnsinn – Größenwahn(sinn).

 

Übrigens: Eine einzige Chance hatte der HSV in den 90 Minuten von Leverkusen. Das war in der 64. Minute, als Nicolai Müller an Torwart Leno scheiterte. Soviel mal zur Hamburger Offensivleistung.

 

Und da frage ich mich schon und immer noch und immer wieder: Wieso schreitet da eigentlich niemand von den „hohen Herren“ ein? Warum wird nicht vorher mal ein Marschroute abgesprochen – und dann von allen abgesegnet? Das geschieht in fast jedem zweiten oder dritten Amateurverein. Hier wird der Trainer, oder wurde der Trainer, bei fast jedem seiner Schritte in der Kabine verfolgt, auch mit der Videokamera, um ihn zu „coachen“. Was er gut macht, was er falsch macht! Aber um das Wichtigste, nämlich die taktische Auslegung in den jeweiligen Spielen, da wird nichts unternommen. Das ist so lächerlich und soweit von profihaft entfernt, dass es schon komische Züge trägt. Das ist für mich nur unfassbar. Und so spielt dann eben auch nur ein Absteiger, ganz klarer Fall.

 

Wenn Peter Knäbel, gegen den ich als Mensch überhaupt nichts habe, im Gegenteil, wir haben uns all die Jahre sehr, sehr gut verstanden, aber darum geht es ja auch gar nicht. Er könnte bestimmt auch der richtige Sportchef für den HSV sein (ist nachzulesen, ich habe nie etwas anderes geschrieben oder gesagt), wenn Peter Knäbel jetzt sagt, dass er weiß, auf wen er sich verlassen kann, dann hoffe ich mal für ihn, dass er daraus auch die richtigen Konsequenzen zieht – und vor allem ziehen kann! Ich finde, dass das einzig Gute zurzeit ist, dass sich jeder HSV-Fan beizeiten darauf einstellen kann, was nach dieser Saison Fakt sein wird. Da gibt es dann kein plötzliches Erwachen, denn so langsam müsste auch der Letzte wissen, wohin hier der Hase laufen wird.

 

So viel zum Team Anfänger. Tragisch für mich ist nur, dass sich mit diesem 0:4-Desaster von Leverkusen die Geschichte nur wiederholt hat. Als der „große“ (Fehleinkauf) Bert van Marwijk noch die 2:4-Niederlage in Braunschweig einfahren durfte, war das genau ein Spiel zu viel. Das war damals wie heute ein verschenktes Spiel. Und davon darf sich ein abstiegsgefährdetes Team eigentlich keines erlauben. Wieso also spielte der HSV in Leverkusen mit? Leiden die alle dort oben unter Größenwahn? Wie beurteilen die eigentlich die momentane Situation wirklich? „Es gibt noch sieben Spiele, also 21 Punkte zu gewinnen – keine Panik.“ So scheint es wohl zu sein. Und eigentlich ja auch egal, zum Aufwachen ist es ohnehin schon zu spät . . .

 

Herr Tuchel, übernehmen Sie! In Liga zwei.
Und wo ich gerade bei Tuchel bin, der frühere Mainzer (oder er ist ja Noch-Mainzer) hat heute einem möglichen neuen Arbeitgeber abgesagt, nämlich Rasenballsport Leipzig.

 

Ein etwas anders gelagertes Thema: Wer immer noch jammert, wie schlecht es dem HSV (finanziell) geht, und dazu gehöre vor allem auch ich (!!!), der sollte vielleicht doch mal nach Augsburg, Mainz oder auch Freiburg blicken. So gesehen geht es dem HSV nämlich blendend, nur daraus macht er nichts. 33 Millionen wurden vor dieser Saison verschenkt, weil nichts passierte. Und im Winter wurde zugesehen, weiteres Geld zu sparen. Motto: „Das wird schon noch.“ Ich habe an diesem Wochenende auch die Dritte Liga gesehen, da gibt es Vereine, die fünf, sechs oder sogar sieben neue Spieler im Winter geholt haben, aus Angst, nicht abzusteigen. Und diese Neuzugänge spielen auch fleißig. Beim HSV wurden die Augen verschlossen, trotz der – zum Beispiel – einzigartigen Torflaute. Und mit Ivica Olic wurde, so Sportdirektor Peter Knäbel damals, der „Wunschspieler“ verpflichtet. Immerhin.
Er mag ja schlecht trainieren, der Artjoms Rudnevs, aber ich weiß, dass er sich bislang bei keinem Einsatz für den HSV um einen Einsatz gedrückt hat. Er hat sich, wie schlecht auch immer er am Ball war, stets den Hintern aufgerissen. Zuletzt wurde er dafür mit einem Platz (Plätzen) auf der Tribüne „belohnt“. Verkehrte Welt.

 

Zu diesem Thema passt nun bestens die Vorhersage von Dietmar Beiersdorfer: „Wir werden alles dafür tun, damit am Sonnabend gegen Wolfsburg ein Team auf dem Platz steht, das um sein Leben kämpft.“

 

Es kommt mir vor, als wenn ein jeder HSV-Spieler wie zuletzt immer sagt: „Das nächste Spiel ist für uns das wichtigste, da werden wir uns als Mannschaft präsentieren.“ Jo, genau.

 

Bei der Gelegenheit: Mir ist aufgefallen, dass Valon Behrami seit Dortmund-Spiel, in dem er im ganzen Land wegen seiner Fouls angeprangert worden war, nun nur noch handzahm Fußball spielt. Er war zuvor aggressiv, er eroberte viele Bälle, ging kämpferisch voran, weckte auf, motivierte, riss mit – alles vorbei. Wieso?

 

Mein Resümee nach Spiel eins mit dem dritten Trainer der Saison: Wer geglaubt hatte, dass es nur durch Handauflegen mit einem Male eine neue, frische, flott spielende HSV-Mannschaft geben würde, dem ist tatsächlich nicht zu helfen. Peter Knäbel hat gegenüber seinem Vorgänger Joe Zinnbauer nichts (oder kaum etwas) geändert. Wie könnte er auch? Neue Spieler hat auch er nicht zur Verfügung, und wenn er jetzt den Kniff der Kniffe gehabt hätte, dann wäre das eher übel gewesen, denn: Dann hätte er diesen Kniff auch dem guten „Joe“ verraten können, denn dafür wäre ein Sportchef ja eigentlich da gewesen. Es geht, wie schon gesagt, nur um den HSV, und zwar nur.

 

Zum Schluss fällt mir dann auch noch der gute und „ewige Loddar“ ein, Lothar Matthäus. Der hat einst gesagt: „Wir dürfen jetzt nicht den Sand in den Kopf stecken.“

 

So, ich bin, wie eingangs schon geschildert, restlos am Ende. Schönes Rest-Osterfest noch – und einen guten Start in die neue Woche. Ich möchte mich schnell noch bei unseren „Matz-ab-live-Gästen „Lars 49“ und Olaf Kortmann bedanken! Beide Herren sind viel gelobt worden, weil sie viel Kluges gesagt haben – und das freut uns immer wieder sehr, wenn wir das hören. Während einer solchen „Sendung“ bekomme ich zum Beispiel nicht so sehr viel mit, ob das nun gut oder besonders schlecht gewesen ist – diesmal muss es aber, das zeigen mir Mails und Anrufe (und auch Beiträge), gut gewesen sein. Und dazu liegt mir noch auf dem Herzen, dass es in meinen Augen eigentlich egal ist, ob der eine oder andere Gast schon häufig mal bei uns gesessen hat – die Hauptsache ist doch, dass wir vernünftig über das Spiel und den HSV reden, und das haben sowohl „Lars 49“ und auch Olaf Kortmann gemacht. Danke!

 

Und dann zum Schluss noch ein Blick zurück. Gestern endete Lars Pegelow hier mit: „Und für Eure privaten Planungen: Der Saisonstart der Zweiten Bundesliga in der Saison 2015/2016 ist am Wochenende 24. bis 27. Juli.“

Ich sage dazu, dass Ihr Euch mal auf den 27. August einstellen solltet – einen solchen „Leckerbissen“ lässt sich Sport1 doch nicht entgegen. Montags wird für den HSV wohl der häufigste Spieltag werden. . .

Es grüßt der tief frustrierte und immer noch total entsetzte
Dieter.

 

PS: An diesem Dienstag ist ganz bestimmt Training, ich weiß allerdings noch nicht, wann? Gerade steckt mir aber Lars P., dass um 10 und 15 Uhr trainiert werden soll.

 

PSPS: Rafael van der Vaart, der wohl nicht nach Kansas City gehen wird, soll nun mit dem spanischen Club FC Cadiz liebäugeln.

 

17.51 Uhr

Peter Knäbel verzichtet auf Youngsters – Alexander Otto gibt keine weiteren Millionen

3. April 2015

Mit teilweise strahlenden Gesichtern, scherzend und entspannt kamen die HSV-Profis heute von ihrem Abschlusstraining aus dem Stadion, um sich in ihrem Zelt neben der Arena zu duschen. Knapp 90 Minuten dauerte die finale Einheit vor dem Kick in Leverkusen – und erst nachdem die Profis guter Dinge vom Rasen gingen, schlichen Trainer Peter Knäbel und der Vereins-Vorsitzende Dietmar Beiersdorfer in ein Gespräch vertieft hinterher.

In der Reihe „Dieses Spiel ist das wichtigste der Rückrunde“ folgt nun etwa der fünfte Teil, wobei die Partie nach dem Trainerwechsel in Hamburg zweifelsohne ganz entscheidenden Charakter besitzt. Dass der HSV dabei mit drei Punkten aus dem Westen zurückkehrt, ist gar nicht einmal notwendig, um noch einmal Schwung zu bekommen im Abstiegskampf. Klar, nur Punkte zählen, aber an den anstehenden Aufgaben morgen und dann anschließend gegen Wolfsburg und in Bremen könnte sich auch manch anderer Bundesligist überheben.

Es kommt auch darauf an, dass das Team Vertrauen fasst in die Marschroute und die Spielweise, die Peter Knäbel vorgibt. Und zwar möglichst flott, denn ansonsten werden die TV-Kameras in den nächsten Wochen wieder damit beginnen, das Ticken der ewigen Bundesligauhr im Stadion bis zum Erbrechen zu drehen und zu thematisieren – so kurz vor dem möglichen Ende.


 

Vertrauen gewinnen – das würde sich vor allem zeigen in einem gelungeneren Offensivspiel. Unter Joe Zinnbauer gab es zwar Auswärtsspiele, in denen die Mannschaft vorbildlich verteidigte. So viele Spieler wie möglich hinter den Ball, wenn der Gegner angreift. Das ging gut, zumindest bis zum Bayern-Spiel. Was nun fehlt ist, dass sich die Herren Profis nicht wieder ins Hemd machen, wenn ein Mitspieler ihnen die Kugel zuschiebt. Dass Passwege gegangen werden und damit Angebote ausgegeben werden zum Zuspiel – dass endlich wieder Verantwortung übernommen wird auf dem Platz. Und zwar nicht nur, wenn’s einigermaßen läuft und es noch 0:0 steht, sondern auch wenn man etwas schiefgeht. Von wegen zu instabil – das hatte Knäbel vor einer guten Woche noch nach dem 0:0 im Test in Osnabrück noch bemängelt. Stabilität und Sich-wehren-wollen – das bitteschön wollen alle HSVer sehen. Und das ist notwendig, um im Abstiegskampf zu bestehen.

Rene Adler steht also im Tor. Knäbel hält den ehemaligen deutschen Nationaltorwart also für stabil genug, den Abstiegskampf zu meistern. Das größere Potential besitzt er im Vergleich mit Drobny, jetzt muss er Nerven zeigen und ein Rückhalt sein – so wie Drobny vergangenes Jahr. Zuletzt hatte der Tscheche nicht unbedingt begeistert, wenngleich ihm seine Rote Karte aus dem Hoffenheim-Spiel aus meiner Sicht nicht anzulasten ist. Nichtsdestotrotz: Adler ist wieder da – ausgerechnet in Leverkusen bei seinem Ex-Klub.

Auffällig auch, dass Peter Knäbel keinen der jungen mehr dabei hat, auf die Joe Zinnbauer gesetzt hatte. Gouaida – leicht angeschlagen. Götz und Marcos – gehen zur U 23. Von Julian Green ist auf der Internetseite des HSV schon gar nicht mehr die Rede. Weder im Profi-Kader noch bei der U 23. Übrigens ist auch Maximilian Beister nicht mit dabei, obwohl Knäbel insgesamt sogar 19 Spieler nominiert hat und dementsprechend einen von ihnen kurzfristig streichen muss.

Ob Beister darüber akut überrascht ist – dazu gab es keinen Kommentar. Dafür veröffentlichte HSV-Total heute ein Interview mit Beister, in dem sicher nicht von einer Streichung aus dem Kader ausgegangen worden war: „Ich bin jetzt seit dreieinhalb Monaten dabei und fühle mich soweit ganz gut. Wenn ich von Anfang an spiele, möchte ich das Vertrauen zurückgeben mit guter Leistung. Wenn der Trainer mich aufstellt, bin ich bereit.“ Das sagte Beister, der nach seinem Kreuzbandriss noch nicht wieder zu einer festen Größe geworden ist, vor der Kader-Bekanntgabe. Weder bei Zinnbauer, und auch nicht jetzt bei Knäbel, kommt der Lüneburger Jung wie erhofft zum Zuge. Ich finde das überraschend, denn der Trainer des HSV hat zwar eine prominent besetzte Ersatzbank in Leverkusen, aber keine echte Alternative als Flügelstürmer – wenn die Aufstellung so kommt, wie es das Training gestern und vorgestern erahnen ließ.

So könnte der HSV in Leverkusen spielen: Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami, Jiracek – Müller, Stieber, Ilicevic – Olic
Außerdem im Kader: Drobny, Diaz, Lasogga, Rudnevs, Holtby, van der Vaart, Kacar, Rajkovic

Zu einem anderen Thema – es betrifft noch einmal das Interview des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt. Eine Passage daraus hat nun eine Reaktion von Alexander Otto hervorgerufen, der ja mit zehn Millionen Euro den Bau des Campus-Projektes unterstützt, und die der Klarstellung bedarf. Im Zusammenhang mit der finanziellen Situation des HSV hatte Karl Gernandt einen Satz gesagt, der missverständlich rüberkam. Es ging um den Einstieg der Geldgeber Otto, Klaus-Michael Kühne und eines dritten „Aktionärs“, wie Gernandt sagte (hierbei soll es sich um einen Kredit in Höhe von acht Millionen Euro handeln).

Gernandt hatte wörtlich gesagt: „Es ist in unserer Situation umso anerkennenswerter, dass Klaus-Michael Kühne, Alexander Otto und ein dritter Mann, der nicht genannt werden will, die Schatulle aufmachen und sagen: ich bin bereit, ordentliche Beträge auf den Tisch zu legen, ohne eine Gegenleistung zu fordern.“

Diese Aussage ist in dem Gesprächzusammenhang teilweise so verstanden worden, als ob die Herren zusätzlich zu ihrem bekannten Engagement weiteres Geld geben, um im Sommer anstehende Transfers zu ermöglichen. Zuletzt war ja im Zusammenhang mit einer möglichen Tuchel-Verpflichtung von 25 Millionen Euro Investitionen in die Mannschaft die Rede gewesen.

„Dass Alexander Otto sich in dieser Weise engagiert, kann ich dementieren“, sagte mir nun Rando Aust, der Sprecher von Otto. „Das würde auch nicht zum Engagement von Herrn Otto in der Sportförderung passen.“ Heißt also: Kein Geld für Tuchel oder die Mannschaft von dem Hamburger Unternehmer. Wer das Interview von Karl Gernandt komplett hört, der ahnt, dass dies vom Aufsichtsrats-Boss auch nicht gemeint gewesen sein mag – sondern es sich nur um eine Beschreibung der bisherigen Investitionen der drei potenten Herren gehandelt hat. Dennoch: Die Formulierung, insbesondere weil es in dem Interview bis dahin um Thomas Tuchel ging, lässt auch eine andere Deutung zu, die nun also von Otto-Seite zurechtgerückt wurde.

Diese Information ist wichtig, denke ich, denn wenn im Paket Tuchel zusätzlich zu dem von den „Bild“-Kollegen gespielten 12,8 Millionen Euro Gehalt für den potentiellen neuen Coach für die nächsten vier Jahre noch eine Anschubfinanzierung fürs Team in der Größenordnung 25 Millionen Euro genannt wird, dann bleibt die Frage offen: Woher soll das Geld kommen? Zumal Karl Gernandt im selben Interview zugibt, dass die Suche nach weiteren Investoren einen Rückschlag erlebt hat durch die aktuelle „Krise“, wie er es nannte: „Der eine oder andere mögliche Investor zieht sich im Moment zurück und sagt: Ich möchte eigentlich nicht einen Zweitligaklub unterstützen.“

Wichtig ist die Klarstellung sicher auch für die Verhandlungssituation des HSV. Sollte irgendein anderer Verein, an den Dietmar Beiersdorfer mit der Frage nach einem Spielertransfer herantritt, denken, dass Hamburg geschröpft und ausgereizt werden könne, weil im Hintergrund die Millionen nur so fließen, dann irrt er eben.

Letzter Auszug zum Thema Geld, selbst wenn das alles seit Tagen unter ndr.de nachzuschauen ist – aber es passt hier in den Zusammenhang. Gernandt zum Trikotsponsor „Emirates“: „Ich bin ziemlich sicher, dass wir mit unserem Trikotsponsor in Kürze soweit sein werden [den Vertrag zu verlängern – Matz ab]. Auch mit anderen Partnern – die Verträge sich verhandelt. Das passt alles.“

Morgen spielt der HSV in Leverkusen. Anschließend möchten Dieter und Scholle in „Matz ab live“ am liebsten über eine faustdicke Überraschung reden. Der frühere HSV-Volleyballtrainer Olaf Kortmann, heute als Mentalcoach aktiv, wird einer der Gäste sein.

Lars
18.00 Uhr

„Wir haben sicher kein Thema Knäbel!“ – Adler wieder Nr. 1

2. April 2015

Der Gründonnerstag ist traditionell ein ruhiger Medientag. Die Kollegen der Print-Branche machen frei oder höchstens halblang, denn am Karfreitag erscheint keine Tageszeitung. Heute war es jedoch alles andere als ruhig in der Gerüchteküche – Thema: Trainerfrage beim HSV -, auch wenn am Ende wenig Zählbares stand. Aber dazu am Ende mehr.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Fans sich einfinden zu den Trainingseinheiten am Stadion. Heute war es bestimmt wieder eine dreistellige Besucherzahl. Die meisten von ihnen mussten sich ganz schön strecken während der knapp zweistündigen Einheit. Denn je mehr Fans kommen, desto höher und undurchlässiger werden die Planen drum herum. Klar: Peter Knäbel hat gerade vor seinem ersten Spiel wenig Interesse daran, dass viel von seiner taktischen Richtung nach außen dringt. Morgen beim Abschlusstraining wird es übrigens garantiert gar nichts zu sehen geben. Die Einheit findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Stadion statt.

Was nun die spannendste offene Personalfrage angeht, spielt Knäbel noch einige Stunden auf Zeit. Drobny oder Adler – das will der Trainer am Donnerstagabend mit beiden Torhütern besprechen. Sobald ich von einer Entscheidung höre, wird der Blog hier aktuell ergänzt. Im Training haben beide in etwa gleichlange Einsatzzeiten im vermeintlichen A-Team erhalten. Wie dieses A-Team aussehen könnte, deutete sich zumindest an. Die Viererkette hinten mit Diekmeier, Djourou, Westermann und Ostrzolek, davor Behrami und Jiracek, schließlich eine offensive Dreierreihe mit Müller, Stieber und Ilicevic sowie der einzigen Spitze Olic. Wenig Neues also, aber das war wohl auch nicht zu erwarten.
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AKTUELL: Rene Adler ist ab sofort wieder die Nummer 1 im HSV-Tor. Das teilte Peter Knäbel den beiden Torhütern am frühen Abend mit. Adler habe sich seinen Einsatz verdient, so Knäbel.
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In dem heutigen Video seht Ihr wie gehabt die Pressekonferenz. Ich will hier jetzt nicht alle Einzelheiten schriftlich wiederholen, aber einige Passagen lohnen doch für einen zweiten Blick. Sportlich Erhellendes war nicht herauszuhören – da wollte Knäbel deutlich spürbar wenig preisgeben. Erfeulich jedenfalls, das hat Knäbel klar bestätigt, dass es vor der Partie wenig Säbelrasseln oder Revanche-Gelüste gibt, nachdem das Hinspiel ja vor Emotionen nur so kochte. Der HSV hatte das Calhanoglu-geprägte Spiel mit 1:0 für sich entschieden.


 

Natürlich wurde Peter Knäbel angesprochen auf die Äußerungen von Aufsichtsrats-Boss Karl Gernandt am vergangenen Sonntag. Sehr klar und gerade nahm Knäbel dazu Stellung, und es war zwischen den Zeilen zu hören, dass er nicht begeistert war über das, was er da von Gernandt hören konnte. Nachdem Vereinschef Dietmar Beiersdorfer ja angekündigt hatte, Knäbel werde so oder so auf den Posten des Sportdirektors zurückkehren, hatte Gernandt ebendiese Einschätzung in Zweifel gezogen. Knäbel würde die nötige Strahlkraft verloren gehen, wenn der HSV absteige. So umschrieb Unternehmer Gernandt seine Zukunftsprognose im Abstiegsfall.

Völlig zurecht hat Knäbel nun entgegnet, dass die fehlende Strahlkraft „bei jedem im HSV so sein wird, der Verantwortung trägt“. Eine banale Aussage eigentlich, aber sie trifft den Kern. Und sie offenbart auch den Fehler in der Gernandt-Aussage, denn wenn dieser HSV tatsächlich den Weg nach unten gehen muss, dann steht zwangsläufig alles auf dem Prüfstein. Einen Peter Knäbel da noch herauszunehmen, ist also überflüssig gewesen. Ist nicht im Abstiegsfall Karl Gernandt selbst gnadenlos gescheitert? Dietmar Beiersdorfer ebenso? Wie sieht es mit Bernhard Peters aus? Diese Debatten würden kommen, daran führt kein Weg vorbei. Insofern absolut korrekt, wenn Peter Knäbel heute schlussfolgert: „Wir haben aktuell alles – aber sicher kein Thema Knäbel.“

Weil Knäbel beim HSV auch um alles kämpft, nicht aber um seine persönliche Zukunft als Trainer, kann er auch die Diskussionen um Thomas Tuchel glaubhaft beiseite schieben. Er muss sie nicht deuten als Angriff auf seinen Posten, und darf sich deswegen auch – so wie heute geschehen – darüber freuen, dass ein begehrter Mann mit dem HSV in Verbindung steht. Es beeinflusse ihn überhaupt nicht, und selten habe ich bei einer Trainerdiskussion einen Satz gehört, der so glaubhaft war wie dieser von Peter Knäbel.

Natürlich sorgt dies nicht dafür, dass irgendwelche Sorgenfalten kleiner werden. Die gesamte HSV-Führung hat sich in den vergangenen Tagen immer wieder zitieren lassen mit selbstkritischen Bemerkungen. Dass offensichtlich niemand von den Granden befürchtet hat, dass die aktuelle Lage so misslich sein würde, wie sie jetzt ist, kann man als ehrliches Hinterfragen der eigenen Performance werten. Selbst wenn sie nichts an den Fehlern ändert, die Scholle hier in seinem gestrigen Blog, wie ich denke, klar und eindeutig aufgezeigt hat.

Die Verantwortlichen müssen sich sogar vorwerfen lassen, sich in ihrem mittel- und langfristigen Planen so sehr gefallen zu haben, dass sie die aktuelle Entwicklung nicht mehr in den Griff bekommen haben. Stand jetzt jedenfalls. In Wahrheit hat nicht eine einzige der personellen oder strategischen Entscheidungen von Beiersdorfer und Co. irgendeinen positiven Einfluss auf die laufende Saison gehabt. Mit vielen Maßnahmen sollten Weichen gestellt werden, und es liegt ja auch auf der Hand, dass ein Bernhard Peters beispielsweise mit einer Neu-Ausrichtung des Jugend- und Nachwuchsbereiches nicht nach einem halben Jahr am Ziel seiner Träume sein kann.

Ebenso klar ist, dass Beiersdorfers Identitätsfindung nicht, nachdem der Identitätsverlust des HSV über Jahre betrieben wurde, in einer Saison funktionieren würde. Auch Peter Knäbel konnte bislang keine einschneidenden Einflüsse auf das Transfergeschäft geltend machen – in seine Zeit beim HSV fällt gerade einmal eine Winter-Transferperiode. Mit anderen Worten: Das, was im Mai vergangenen Jahres als Aufbruch startete, kann nicht im April 2016 umgesetzt sein. Wer das geglaubt hat, ist naiv.

Leider muss dieser Vorwurf nach Naivität manchen Entscheidungsträger selbst treffen. Denn das trotz des Einsatzes großer Mittel und einer Mannschaft, die vom Gehaltsniveau und von der eigentlichen Leistungsstärke seiner einzelnen Kicker viel weiter oben stehen müsste, nicht mehr als Platz 16 mit 16 kümmerlichen Toren herausgesprungen ist, das ist eben auch ein Fehler der auf langwirkende Strategie setzenden hohen Herren beim HSV. Nachdem erkannt wurde, dass die Mannschaft in sich kein funktionierendes Gefüge und keine Hierarchie besitzt, die Leistungsfußball fördert, wurden strategisch fragwürdige Transfers getätigt. Der chronisch angeschlagene Behrami, um endlich einen Leader im Mittelfeld zu haben. Mit Cleber einen brasilianischen Innenverteidiger für drei Millionen Euro, um wirklich einen im positiven Sinne brutalen Abwehrspieler zu haben – egal ob er große Eingewöhnungsprobleme haben könnte und technisch etwas unter Thiago Silva steht. Mit Olic einen Rückkehrer im Sturm, der trotz seines Alters und des fehlenden Wiederverkaufswertes zumindest Leistung und Einstellung garantieren sollte, die das vorhandene, traumatisierte Personal nicht zu liefern imstande war.

Diese Transfers sind jeder für sich genommen als Rettungsanker nachvollziehbar, weil sie auf aktuelle Defekte, wie Dietmar Beiersdorfer es nannte, reagierten. Doch abgesehen davon, dass der sportliche Niedergang trotzdem nicht verhindert werden konnte, wird jede einzelne Maßnahme, die die eigene Strategie konterkariert, den dringenden Prozess des Umbruchs erneut verzögern. Und zwar nicht nur in dieser Saison, sondern auch in der nächsten. Finanzielle Mittel werden gebunden, die eigentlich für andere Transfers, die in die Zukunft gerichtet sein sollen, da sein müssten. Der eine oder andere Platz im Kader wird durch einen Arrivierten besetzt, wo doch ein Youngster hineinpreschen müsste.

Ich wurde vor zwei Wochen nach dem Trainerwechsel gefragt, ob damit nicht das gesamte neue Konzept erledigt sei. Im Abstiegsfall ist die Antwort eindeutig – dann ist erstmal alles erledigt. Unter welchen Bedingungen der HSV dann, mit welchem Personal und mit welchen Führungsfiguren, wieder aufstehen will, ist einigermaßen unklar. Was aber, wenn der Klassenerhalt doch gelingt?

In ferner Zukunft, das wird sich jeder HSV-Fan erhoffen, wird die Saison 2014/2015 dann unter Umständen als notwendige Zittersaison gesehen werden, die anschließend – analog Borussia Mönchengladbach – zum Aufschwung geführt hat. Ob es so kommt, wissen wir heute nicht. Wer garantiert, dass nicht eine weitere, dritte Horrorsaison folgt? Genau hier setzen die strategischen Entscheidungen der Vereins-Führung an. Und ich behaupte, dass man erst in der kommenden Saison beurteilen kann, ob die Beiersdorfer-Maßnahmen in die richtige Richtung geführt haben oder nicht. Eine Stabilisierung mit einer veränderten Mannschaft, die sich endlich wieder Leistungssport-Gesichtspunkten beugen muss, muss das Ziel sein. Das ist sicher nicht unmöglich, wenngleich das Hineinschliddern in die momentane Lage das Vertrauen in die führenden Personen erschüttert hat.

Und während ich so darüber nachdenke, was die Zukunft dem HSV bringen wird, blicke ich auf den Spielplan der kommenden Wochen. Auswärts Leverkusen, zu Hause Wolfsburg, auswärts Bremen. Wenn sich fortsetzt, was der HSV aktuell bietet, dann steht das Team nach diesen Partien – eventuell noch vor dem SC Paderborn – auf einem Abstiegsplatz in der Bundesliga. Und es sind nur noch fünf Spiele übrig. Das Konzept des HSV mit Dietmar Beiersdorfer hängt am seidenen Faden.

Und damit auch die Verpflichtung von Thomas Tuchel. Hier möchte ich am Beginn einhaken. Gegen Mittag, die HSV-Pressekonferenz lief gerade, erreichte mich eine Nachricht. Die Leipziger Volkszeitung habe getwittert, Thomas Tuchel gehe zu RB. Ich wollte Knäbel gerade danach fragen, da folgte schon das Online-Dementi. Der Twitter-Account der Zeitung sei geknackt worden – es war eine Falschmeldung.

Kurz danach meldete die „Rhein-Neckar-Zeitung“, Thomas Gisdol sei ein Trainer-Kandidat in Hamburg. Nicht unbedingt weit hergeholt, denn dass Bernhard Peters große Stücke auf Gisdol hält, ist bekannt. Allerdings dementierte der HSV die Meldung.

Es sind noch nicht einmal zwei Tage bis zum Spiel eins beim HSV unter Peter Knäbel. Die Spannung steigt.

Lars
18.40 Uhr

Der HSV ist Meister…

1. April 2015

im Machen halber Sachen. Außer in der Vorstandsetage gibt es in bislang noch jedem Bereich des Vereins halbe Sachen, offensichtliche Kompromissentscheidungen und offene Planstellen. Selbst im täglichen Training beherrschen Übergangslösungen und Kompromisse das Geschehen. In einer derart unsicheren Phase wie in diesem harten Abstiegskampf kann diese Unklarheit auf allen Ebenen ein wesentlicher Faktor werden. Befürchte ich. Aber der Reihe nach:

 

Der Nachwuchs: Bernhard Peters wischt hier seit Sommer radikal durch. Auf der einen Seite sorgt das für Unsicherheiten bei den Übungsleitern – auf der anderen Seite war das nach Jahren der Erfolglosigkeit zwingend notwendig. Selbst die Trainer der zwei wichtigsten Nachwuchsteams bekamen frühzeitig mitgeteilt, dass sie für diese Saison noch gut genug seien, ab der neuen Serie aber von anderen ersetzt werden. In der U23 soll ein Fußballlehrer kommen, während der gerade krankheitsbedingt als U23-Trainer zurückgetretene Daniel Petrowski den Fußballlehrer und Dauer-U19-Coach Otto Addo ablösen soll.

Kluger Kopf udn Stratege: Bernhard Peters sortiert den Nachwuchs um. Noch mit mäßigem Erfolg.

Kluger Kopf und Stratege: Bernhard Peters sortiert den Nachwuchs um. Bilsnag noch mit mäßigem Erfolg.

Seit der Mitteilung im Dezember läuft es bei beiden Mannschaften eher schlecht als recht. Dass jetzt ausgerechnet der vor Saisonbeginn bei der U23 gefeuerte und anschließend als Techniktrainer geparkte Rodolfo Cardoso interimsweise übernommen hat spricht für sich. Kurzum: Der Nachwuchsbereich gleicht weiter einer Baustelle ohne klares System. Noch. Denn wie zu hören ist, soll zur neuen Saison mit neuen Verantwortlichen strukturell Klarheit geschafft werden. Besser gesagt: Es muss Klarheit geschafft werden, will man in der Jugend der Konkurrenz nicht weiterhin hinterherlaufen.

 

Die Mannschaft: Auch heute pausierte Valon Behrami, obgleich er für die Schweiz zuletzt nicht auflaufen musste. Als absoluter Führungsspieler war er im Sommer angepriesen worden, obgleich er in allen Gesprächen vom Verein die Zusicherung einforderte, unter der Woche immer wieder pausieren zu dürfen, da seine Knie einfach nicht mehr hergeben. Im Gegenzug versprach er, jedes Spiel zu spielen – auch wenn er dafür mal Schmerzen in Kauf nehmen muss. Der HSV stimmte zu, weil er keine bessere Alternative hatte. Eine Kompromisslösung, die nur bedingt funktioniert. Trainieren kann Behrami selten. Zweifellos: Wenn er denn mal auf dem Platz ist, spielt Behrami sein Spiel und hilft dem HSV. Aber er musste im Winter operiert werden und fehlte in bislang sechs Rückrundenspielen. Erst dreimal wirkte er 2015 mit. Dass er sich intern ob seiner andauernden Trainingspausen mit der Mannschaft nicht optimal einspielen kann – keine Frage.

Fehlt oft - in Trainingseinheiten wie Spielen: Valon Behrami, der als "Aggressive Leader" der Mannschaft Impulse verleihen soll

Fehlt oft – in Trainingseinheiten wie Spielen: Valon Behrami, der als “Aggressive Leader” der Mannschaft Impulse verleihen soll

 

Hinzu kam, dass die zweite, entscheidende Personalie nicht griff, und der Kapitän einfach sportlich nicht mitkam. Im vergangenen Sommer entschied sich der HSV nach langen Überlegungen, Rafael van der Vaart doch zu behalten. Mehr noch: Der Niederländer ist sogar der festgelegte Kapitän. Und als in den ersten Spielen deutlich wurde, dass der einstige Weltklassemann einfach nicht mehr das nötige Tempo hat, wurde er auf die Sechs geschoben. Für ihn musste ein junger und zweifelsfrei talentierter Spieler wie Tolgay Arslan weichen und im Winter letztlich sogar gehen. Dabei setzte van der Vaart in bislang einem einzigen Spiel positive Signale: Im Hinspiel gegen Bayer Leverkusen. Ansonsten fiel der Held alter HSV-Tage hinten über. Allein die Trainer versuchten ihn immer wieder ins Team zu drücken und konterkarierten damit ihr eigens ausgerufenes Leistungsprinzip zu offensichtlich.

 

Dass jetzt auch noch die Torwartposition neu diskutiert wird, dürfte der Sicherheit im Team nicht zuträglich sein. Im Gegenteil: Trotz Adlers guter Listungen und einer zweifellos besseren, längerfristigen sportlichen Perspektive, ist die Abwehr mit Drobny eingespielt. Der Tscheche war unumstrittene Nummer eins bis zur Roten Karte. Er galt und gilt als verbaler Antreiber und zuverlässiger Rückhalt. Eine Änderung auf der Position wäre vertretbar – aber unnötig. Zumal Drobny in der Mannschaft aktuell ein höheres Standing genießt als Adler.

 

Der Trainer: Nachdem Slomka im Sommer mangels Alternative weitermachen durfte, folgte Zinnbauer auf ihn. Beide Trainer hatten immer den Namen Thomas Tuchel, der über ihnen schwebte und sich bis heute hält. Auch die Mannschaft registrierte, dass die Trainer nicht erste Wahl waren – was nie gut ist. Die Akzeptanz des Chefs leidet und die unzufriedenen Spieler trauen sich noch eher, schlechte Laune zu verbreiten und der Teammoral zu schaden. Peter Knäbel ist jetzt schon der dritte Übergangstrainer in einer Saison – ein Indiz, das einen Abstieg erklären könnte.

 

Für Knäbel spricht, dass er als Direktor Sport der oberste Vorgesetzte der Spieler ist. Auch jetzt als Trainer und Direktor Profifußball in Personalunion. Die Spieler wissen also, dass sie sich gerade bei ihm nichts erlauben dürfen, wenn sie in Hamburg bleiben wollen. Das lässt zumindest ein wenig hoffen. Aber selbst der neue, von allen hoch gelobte und von den Spielern jetzt schon gefeierte Cotrainer Peter Hermann ist nur bis Saisonende da. Derart viel Unruhe und Unklarheiten hat sonst kein Bundesligaklub auf der Position der sportlichen Führung.

 

Und das alles, um die Position für einen Trainer offen zu halten, der dem HSV zwar positive Signale sendet, der aber noch nicht zugesagt hat? Hier geht der HSV ein enorm hohes Risiko, selbstverschuldet den Weg in die zweite Liga antreten zu müssen. Denn klar ist, dass Beiersdorfer vor der Saison die Defizite erkannt und angesprochen hatte – nur abzustellen wusste auch er sie nicht. Vor allem aber verwunderte mich heute der – absolut zutreffende! – Satz Beiersdorfers in der Bild: „Es funktioniert beim HSV seit Jahren nicht, weil die Mannschaftsstruktur nicht gefestigt ist. Das müssen wir ändern. Wir müssen eine klare Linie reinbringen, die vorgibt, welche Spieler und Trainer für uns infrage kommen.“ Worte, die der Vorstandsboss so auch schon vor der Saison sagte, bevor er zusammen mit seinen Kollegen 33 Millionen Euro in neue Spieler investierte.

 

 

Ihr seht, das Konzept 2014/2015 ist nicht nur ohne Erfolg – es besitzt keine Stringenz. Selbst die Entscheider, die den Weg beim HSV derzeit vorgeben, waren anfänglich nicht komplett. Die Kaderplanung im Sommer wurde jedenfalls nur anteilig vom Hauptverantwortlichen (Knäbel) getätigt, das dieser erst spät im Sommer mit dem HSV einig wurde. Ich behaupte, dass Dietmar Beiersdorfer trotz seiner unbestrittenen herausragenden analytischen Fähigkeiten bei seiner Zusage die Tragweite der hier vorherrschenden Mängel nicht bewusst war. Dadurch ist der HSV weiterhin nichts anderes als ein Flickenteppich. Es gilt das Motto: Irgendwie die Klasse halten „und dann mal so richtig umstrukturieren“. Dann wird alles anders – und vor allem besser. Diesmal auch wirklich…! Mit Tuchel samt neuem Trainerteam, mit vier sicheren und einigen weiteren Abgängen sowie Zugängen für rund 25 Millionen Euro soll dem seit Jahren inflationär genannten Umbruch in Hamburg endlich mal Genüge getan werden.

 

Und damit Ihr mich nicht falsch versteht, ich hoffe, dass es so kommt. Ganz klar. Ich glaube auch, dass Beiersdorfer, Knäbel, Peters und letztlich auch Tuchel einen Plan haben, wie das umzusetzen ist. Aber ich weiß eben leider auch, wie knapp es in der vergangenen Saison war und wie hart das Restprogramm in dieser Saison ist. Und eindeutige Ansätze, dass es dieses Jahr klappen wird, habe ich nicht. Ich sehe in jedem Bereich offensichtliche Mängel – ohne klare Stärken, die man dagegen setzen kann. Ich habe das Gefühl, dieses Jahr herrscht sogar etwas mehr Abstiegsangst vor als letzte Saison.

 

Dass (auch ich) ohne Rücksicht auf vorliegende Fakten immer wieder sage: „Ach, irgendwie wurschteln die sich da durch“ ist (zumindest bei mir) nicht mehr als Zweckoptimismus. Gegen die eigene Überzeugung oder realitätsfremd mag man das nennen – aber es ist angesichts der schon jetzt verkorksten Saison auch das letzte Stilmittel, um der Mannschaft zumindest moralisch von außen noch zu helfen. Eben so, wie es Fans machen. Und wahrscheinlich auch so, wie es die Beiersdorfer, Knäbel, Peters, Hermann und Co. inzwischen machen. Und egal wie es am Ende ausgeht: Wundern muss sich in diesem Verein niemand mehr.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 15 Uhr trainiert. Dann soll auch Marcell Jansen wieder dabei sein, der heute entgegen eigener Hoffnungen noch nicht wieder mittrainierte. Auch Valon Behrami soll am Donnerstagnachmittag wieder voll einsteigen.

 

Bis dahin.

Scholle

P.S.: Hier noch – absolut passend zum heutigen Thema – eine unterstützenswerte Aktion, wie ich finde. Lasse führt sogar mit seinem Burgerentwurf in Hamburg. Logisch….!!!

Der Link zur Abstimmung:
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http://meinburger.mcdonalds.de/burger/20763720322113

Den Blick fürs Wesentliche schärfen

31. März 2015

Natürlich beherrscht das Thema Thomas Tuchel ganz Hamburg. Ist er der Heilsbringer? Was genau macht ihn eigentlich so außergewöhnlich? Sind 3,2 Millionen Eiuro Jahresgehalt gerechtfertigt für jemanden, der bislang „nur“ Mainz in der Bundesliga trainiert hat? Und geht die Gleichung (Tuchel + 25 Millionen für neue = Erfolg) auch auf? Angesichts der Tatsache, dass der HSV dieses Jahr 33 Millionen Euro ausgegeben hat und tatsächlich sportlich noch nichts besser geworden ist, ist letzteres zumindest sehr fraglich.

 

Und es ist mir auch noch relativ egal. Fakt ist für mich, dass alles Rechnen keinen Sinn macht, wenn der HSV aktuell seine Hausaufgaben nicht hinbekommt. Und danach sieht es leider (noch) aus. „Schon deshalb darf unser Blick noch lange nicht in die neue Saison gehen. Wir haben jetzt ein Problem, das wir uns selbst eingebrockt haben und das wir lösen müssen. Alle zusammen. Und damit meine ich die, die jetzt da sind. Nicht die, die vielleicht noch kommen.“ Eine Aussage, wie sie vom Trainer kommen könnte. Umso überraschender ist der Absender: Gojko Kacar. Vor dem Hintergrund, dass der Serbe gerade mitgeteilt bekommen hat, dass er gehen muss ist es wenigstens beachtlich. Zumindest für diejenigen, die ihn nicht kennen.

Dabei ist Kacar die Enttäuschung über sein Aus beim HSV deutlich anzumerken. Er weiß, dass er hier fünf Jahre lang mehr oder weniger vergeblich versucht hat, anzukommen. Geschafft hatte er es einst bei Armin Veh wie auch zuletzt im Sommer bei Mirko Slomka. „Beide Male dachte ich, jetzt geht es endlich los. Und beide Male habe ich mich verletzt. Es waren zuletzt fünf schwierige Jahre – manchmal auch mit Pech. Aber ich will meine Zeit hier anders beenden. Ich will hier mit einem positiven Ergebnis im Rücken gehen. Der HSV ist ein toller, ein großer Verein. Und ich will helfen, dass ihm nichts schlimmes passiert.“

 

Kacar ist – dabei bleibe ich – in Sachen Einstellung vorbildlich. Er weiß, dass die Ehe mit dem HSV keine glückliche war. „Und wenn nichts mehr geht, muss man ehrlich sein und sich trennen. Genau so lief das Gespräch mit Peter Knäbel“, so Kacar weiter. „Er hat mir gesagt, dass es für beide Seiten wahrscheinlich die beste Lösung wäre, etwas Neues zu probieren. Und ich habe ihm geantwortet, dass ich die Ehrlichkeit schätze und dass ich alles daran setzen werde, dass wir unser Ziel zusammen erreichen.“

 

Klingt gut. Wobei ich es gestern schon schrieb: Bei Kacar muss man sich keine Sorgen machen. Ebenso wenig wie bei Rafael van der Vaart. Der Niederländer ist seit Monaten enttäuscht. Von sich, von seinen Einsatzzeiten, insgesamt von seiner gesamten Zeit beim HSV, seitdem er wieder zurückgekehrt ist. „Ich war es gewohnt, in der Champions League oder der Europa League zu spielen, auch für mich war Abstiegskampf neu“, sagt der Niederländer, der auf diese Erfahrung gern verzichtet hätte.

 

Seit der Winterpause ist bereits klar, dass er gehen wird. „Ich wusste es und habe es Euch trotzdem nicht gesagt“, sagt van der Vaart und lächelt. Dabei ist er über den Zeitpunkt der Bekanntgabe nicht allzu glücklich. „Es hätte nicht gesagt werden müssen, jetzt, wo wir so wichtige Aufgaben vor uns haben. Andererseits ist es vielleicht gut, dass hier Klarheit herrscht. Jetzt wissen alle, was los ist und können sich ausschließlich auf den Abstiegskampf konzentrieren.“

 

Was die Zukunft betrifft, wollte sich van der Vaart heute nicht äußern. Die EM 2016 als Nationalspieler mit den Niederlanden ist das nächste (letzte) große Ziel van der Vaarts. Ob er letztlich in die USA („Das kann ich mir sehr gut vorstellen“) oder doch in Europa („Für eine EM-Nominierung wäre das sicher von Vorteil“) wollte er heute noch nicht sagen. Klar sei für ihn, dass er nach seiner aktiven Karriere in zwei oder drei Jahren gern zum HSV zurückkehren würde – und der HSV ihn gern einbinden würde.

 

Bis dahin schwört sich van der Vaart jedoch auf die letzten acht Spiele ein. Sichtbar enttäuscht aber gefasst wirkt er. Dass die letzten beiden Jahre für einen einstigen Weltklassespieler wie ihn eine persönliche Niederlage waren, versucht er gar nicht erst zu leugnen. Van der Vaart ist geradeaus. Er ist zweifellos frustriert – aber gefasst. Er weiß, dass auf ihn noch eine große Verantwortung zukommt.

So muss es sein: Beim Vormittagstraining ging es ordentlich zur Sache. Dabei krachte es zwischen Nicolai Müller und Gojko Kacar. Ein Handschlag unter Männern und das Thema war beigelegt.

So muss es sein: Beim Vormittagstraining ging es ordentlich zur Sache. Dabei krachte es zwischen Nicolai Müller und Gojko Kacar. Ein Handschlag unter Männern und das Thema war beigelegt.

Und er will nicht der erste Mannschaftskapitän sein, der den HSV in den Abstieg führt. Deshalb bemüht er sich, optimistisch zu bleiben. „Es geht um alles, das wissen wir. Aber man muss ruhig bleiben. In der letzten Saison, als es ganz eng war, sind wir bis zur letzten Minute ruhig und am Ende mit viel Glück dringeblieben.“ Dieses Jahr sei das anders. „Wir haben diesmal mehr Qualität, das wissen wir. Aber wir müssen das endlich auch im Spiel abrufen, nicht nur im Training. Und dabei will ich helfen.“

 

Gegen Leverkusen am Sonnabend beginnt die acht Spiele andauernde Operation Klassenerhalt. Van der Vaarts Erbe für bessere HSV-Zeiten? Wie sieht er die Zukunft des HSV? Glaubt er an Thomas Tuchel als Heilsbringer? Alles Fragen, die van der Vaart unangenehm sind. Die nahe Zukunft gehört in Hamburg nicht mehr ihm. Er hat eh genug mit dem Moment zu tun. Und das ist auch gut so. Denn all die Diskussionen um Tuchel, um dessen Millionen-Gehalt und die 25 Millionen Euro für Neuzugänge sind momentan wenig zielführend. Sie gehören dazu – aber unkontrolliert fortgeführt verschleiern sie den nötigen Blick auf die harte Realität. Und die heißt nicht Tuchel + neue Spieler für 25 Millionen ab Sommer – sondern schlicht und einfach Abstiegskampf in Leverkusen am Sonnabend.

 

Mehr gibt es zum heutigen Tag nicht zu sagen. Außer, dass Marcelo Diaz wieder ins Mannschaftstraining zurückgekehrt ist – zusammen mit Heiko Westermann. Marcell Jansen will am Mittwoch wieder einsteigen. Und dann darf es gern auch wieder – nein, dann muss es sogar einzig und allein um den sportlichen Ist-Zustand gehen. Dann heißt es Peter Knäbel statt Thomas Tuchel. Dann heißt es wieder: Abstiegskampf pur.

 

Bis morgen.

Scholle

 

P.S.: Comeback von Rodolfo Cardoso! Der EX-Profi übernimmt per sofort wieder den Posten als Cheftrainer der U23. der bisherige Trainer Daniel Petrowsky fällt krankheitsbedingt aus.

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