Archiv für das Tag 'Trochowski'

Jarchow: “Es gibt keine Trainer-Diskussion!”

18. September 2012

Das ist doch typisch! Kaum verliert der HSV einige Spiele, schon schießt sich die Presse auf den Trainer ein. Solche oder ähnliche Kommentare kenne ich aus den vergangenen drei Jahrzehnten zur Genüge. Immer ist es die Presse, die die Trainer an- und dann auch noch abschießen. Was ich stark bezweifle, aber ist der Ruf erst ruiniert, schießt es sich ganz ungeniert . . . Beim Training werde ich immer häufiger auf einen Trainerwechsel beim HSV angesprochen, und bei „Matz ab“ wird ja auch schon fleißig, emsig und häufig über einen neune HSV-Coach gesprochen. Hier einmal nur zwei Beispiele:

Von „schaengel” kam folgender Beitrag:

Was mich besonders wundert…warum schreibt denn die (lokale) Presse nichts über unseren Trainer? Ist denn nur hier im Blog die Stimmung so Anti oder gibt es ein Agreement zwischen der Presse und dem Verein?
Wenn man mal bei Google News nach „Fink” sucht, erscheint keinerlei „offizielle” Presseschelte, nur die Berichte von uns Uwe oder die herausragenden Aussagen von ThoFi wie „HSV hat Potenzial für TopTen”.
Warum ist es da (noch) so still? Was sagen den die Blogväter?

Und von „Peter Panther” gibt es das hier zu lesen:

Thorsten Fink vergisst bei seinem ganzen Gelaber und der Bitte nach mehr Zeit, dass er die längste Vorbereitungszeit hatte, die es je in der Bundesliga-Historie gab. Dazu mag er wohl nicht einsehen, dass er lediglich drei neue Spieler einbauen musste, die allesamt im Mittelfeld beheimatet sind, ergo jetzt die schlechte Defensiv-Leistung zu kritisieren, für die er letztlich Schuld trägt, denn die Abwehrreihe ist unverändert.

Mich stört auch, dass mangelnde Erfahrung herhalten soll, denn ein Jansen, Aogo (wenn auch jetzt verletzt), ein Westermann, dahinter ein Adler im Tor, sind erfahrene Profis, die schon durch Stahlbäder gingen. Da muss es möglich sein, die schwächeren Leistungen von Mancienne, Bruma oder Diekmeier zu kompensieren. Ging ja früher bei Boateng auch, wenn der sich mal wieder ’nen Klops leistete. Und alle drei haben auch schon in der vergangenen Saison ihre Spiele gemacht, ergo hätte Fink ihre Fehler in der Vorbereitung erkennen und ggf. abstellen müssen, bzw. sie ggf. nicht mehr aufstellen dürfen. Sich dann wegen einer Lappalie mit Raikovic zu überwerfen ist dann natürlich besonders clever, zumal wegen einer Sache, die bei jedem zweiten Bayern-Training Standard ist…

Alles in allem, ich schrieb es gestern bereits, ist Fink ein Maulheld, der mit vermeintlich großen Visionen angetreten ist und kläglich zu scheitern droht, eigentlich schon gescheitert ist. Das die Einkäufe von Arnesen dazu beitragen mag ich nicht wirklich glauben, denn mit Beister, Jiracek, Adler, Badelj und van der Vaart hat man gute Leute am Start, die zudem mit Jansen und Westermann eine solide Startelf aufbieten können. Das es im Sturm noch hakt gebe ich zu, allerdings kommen wir ja meist nicht mal vor das gegnerische Tor…

Man sollte sich langsam mal nach ’nem neuen Trainer umsehen… Das Fink noch seine Chance nutzt, halte ich für sehr unwahrscheinlich!

Wohl gemerkt, und auch richtig bemerkt: Die Presse hält sich in diesem Punkt hanseatisch-vornehm zurück. Weil die Zeit im Moment und in meinen Augen auch noch lange nicht reif ist für einen neuen HSV-Trainer. Jeder weiß, dass sich der HSV seit einem Jahr im Umbruch befindet – und so etwas kostet eben seine Zeit. Und jeder zweite (User) weiß, dass der HSV kein geld mehr in der Kasse hatte, immer noch hat. Das Geld, was nun noch in letzter Sekunde für Petr Jiracek und Rafael van der Vaart floss, hatte der Verein gar nicht, wird der Verein auch in den nächsten fünf Jahren und mehr immer noch nicht haben. Der HSV hat viel riskiert – ich schrieb es bereits, finanziell ist es ein ganz heißer Tanz auf der Rasierklinge.

Und wenn der HSV kein Geld für neue Spieler mehr hat(te), dann gibt es erst recht kein Geld mehr für eine Trainerentlassung. Die zudem auch viel zu früh käme. Thorsten Fink hat doch völlig recht: Diese neue HSV-Mannschaft, die jetzt erstmalig in Frankfurt auf dem Rasen stand, die benötigt noch einige Zeit, um sich stetig besser einzuspielen. Und alle sollten ihr auch diese Zeit einräumen. So schwer es auch jedem Fan fällt. Zudem sollten die Ungeduldigen einmal kurz nach Hannover blicken. Dort startete Trainer Mirko Slomka vor zwei Jahren auch unglaublich schlecht, er stand auf der Liste der Trainer-Entlassungen auf Platz eins – und dann startete 96 bis heute unglaublich gut durch. Deswegen wird es von mir auch keine Forderungen nach einer Trainer-Entlassung beim HSV geben. Alles wird sich von allein ergeben. Gewinnt Thorsten Fink, dann geht es auch aufwärts mit dem HSV, bleibt er in den nächsten Wochen sieglos, dann wird der HSV – wohl oder übel – handeln müssen. Ich sage ganz klar: handeln müssen. So ist das Geschäft. Das weiß auch Fink. Aber noch besteht keinerlei Anlass zu einer solchen Handlung, auch kein Anlass zur Hektik oder gar Panik.
Immer schön flach halten, den Ball. Das Ding wird doch noch. Da bin ich mir absolut sicher.

Wobei ich gerne noch einmal im Matz-ab-Archiv gekramt habe. Denn das schrieb ich einst an dieser Stelle:

Tagesarchiv für den 14. August 2012

Die Zeile lautete:

Defensive okay – die Offensive muss nachlegen

14. August 2012

Und da stand zu lesen:

Zur Lage seiner Mannschaft befand Thorsten Fink im Anschluss daran: „Wir haben vor Saisonbeginn gesagt, dass wir an der Defensive arbeiten wollen, das haben wir getan, unsere Defensive ist jetzt verstärkt, wir habe da gut gearbeitet. Und nun müssen wir natürlich wieder versuchen, beides zu können: Abwehr und Offensive. Wir müssen nicht nur gut verteidigen können, wir müssen auch gut angreifen können, wir müssen auch im Ballbesitz bleiben, und wir müssen auch gut kontern können. Das alles gehört zum guten Fußball. Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass wir besser und schneller nach vorne spielen können.“

Grundsätzlich befindet Fink: „Wir haben auch schon in der vergangenen Saison gezeigt, dass wir gut Fußball spielen können, das haben wir auch jetzt gegen große Gegner gezeigt, da hat meine Mannschaft bezeigt, dass sie nichts von ihrem Können verloren hat. Wenn wir in jedem Spiel gut stehen und wir gewinnen 1:0, dann muss man auch zufrieden sein. Dass wir dann mit der Zeit wieder etwas erarbeiten können, ist ja auch klar. Man muss nicht alles von der Mannschaft erwarten, dass wir schon alles perfekt können – wichtig ist, dass wir die Spiele gewinnen.“ Und Fink sagte auch: „Wir haben jetzt in 13 Spielen neun Gegentore bekommen, das ist nicht viel in der Vorbereitung, von daher bin ich damit schon mal zufrieden. Dass wir im Moment noch nicht so spielen können wie was weiß ich wer, das sollte keiner erwarten – und das hat ja auch keiner erwartet. Denn wenn wir schon alles so gut könnten, dann müssten wir auch schon wieder Ansprüche haben – und die haben wir im Moment nicht. Wir haben den Anspruch, dass wir uns im Spiel nach vorne verbessern wollen, und dass das eine oder andere auch gegenüber der vergangenen Saison besser klappt – und auch das haben wir schon bewiesen. Standardsituationen sind zum Beispiel schon verbessert worden, defensiv ist das okay – und offensiv war auch schon einiges ganz gut. Ich sehe schon einige Entwicklungen.“

Das ist eigentlich der Punkt, den ich zu kritisieren habe. In aller Ruhe, sachlich, und ohne (s)eine Entlassung und ohne seinen Kopf zu fordern! Kritik ist und muss erlaubt sein, wenn sie oberhalb der Gürtellinie angesiedelt ist, und diese hier ist oberhalb der Gürtellinie angesiedelt:
Thorsten Fink sieht mir zu schnell und zu viel zu rosig – bei seiner Mannschaft. Die Spiele nach diesen Aussagen haben ihm das Gegenteil gezeigt. Zur Erinnerung: Das, was da am 14. August gesagt wurde, war vor dem KSC-Pokalspiel. Und dann noch einmal zur Erinnerung: Nach dem Liga-Total-Cup in Hamburg, also einige Tage vorher, hatte Thorsten Fink in einem Interview mit der Bild versprochen: „Wir werden am ersten Spieltag zu 100 Prozent da sein.“

In kurzen Hosen? Auf dem Rasen? Pünktlich?

Das meine ich: Fink setzt sich mit diesen Aussagen auch selbst gewaltig unter Druck. Wie oft sollte schon „die Post nach oben abgehen“? Statt tiefer zu stapeln greift der HSV-Trainer stets in die Vollen. Und wenn es dann schief geht, wenn der HSV dann wieder nur verloren hat, dann ist die Enttäuschung von mal zu mal größer. Weil der Trainer doch versprochen hat, das es endlich und schon bald aufwärts geht – mit dem HSV.

Deswegen begrüße ich es auch ausdrücklich, dass Thorsten Fink nun um Zeit und Geduld bittet. Jetzt, nach vier Niederlagen. Die Zeit des HSV wird kommen, da bin ich mir absolut sicher, aber es wird auch sicherlich noch dauern. Gegen Dortmund erwarte ich nichts, gegen Mönchengladbach kann es eventuell den ersten Punkt geben, gegen Hannover gibt es zum 125. Geburtstag noch eine Pleite, aber danach wird dann die Zeit des HSV kommen.
Mal sehen, ob ich zum Propheten tauge . . .

Aber gebt dem HSV und damit auch dem Trainer noch Zeit. Ihr alle habt doch beklagt, dass es in den letzten acht Jahren acht Trainer-Entlassungen beim HSV gegeben hat. Ihr habt beklagt, dass niemals Kontinuität in den Laden kommt, wenn stets und ständig (und bei der kleinsten Krise) sofort der Trainer vor die Tür gesetzt wird. Okay, jetzt ist es schon keine kleine Krise mehr, aber es sind in der Liga doch auch erst drei Spieltage absolviert. Nun haltet einmal tapfer durch, so schwer es auch fallen mag. Ich leide doch wie ihr unter dieser Misserfolgs-Serie. Aber mit den letzten (sehr guten) Verstärkungen, mit Milan Badelj, Petr Jiracek und Rafael van der Vaart, muss und wird sich der Erfolg doch auch bald einstellen. Und sollte der Trainer nun zum Dortmund-Spiel seine Mannschaft erfolgreich umkrempeln, dann geht es vielleicht auch schon (oder noch) etwas schneller.

Obwohl die Ungeduld eines jeden Fans, das sei absolut noch einmal bestätigt, auch völlig normal ist – bei dieser Tabellensituation. Und auch eine gewisse Unruhe im Klub. Carl-Edgar Jarchow, der Vorstandsvorsitzende, gab zu: „Die ganze Situation erfreut mich natürlich nicht, das ist ja klar, aber die Unruhe im Verein hält sich noch in Grenzen. Wir wissen natürlich, dass der Saisonstart schlecht war, die Fans sind enttäuscht – wir sind es auch. Aber wir haben ja auch noch Maßnahmen getroffen, die uns hoffen lassen, das es ist der Zukunft anders wird.“ Auf die Frage eines TV-Kollegen, ob der Trainer noch fest im Sattel sitzt, sagte Jarchow: „Ich werde hier mit Ihnen keine Trainer-Diskussion führen.“

Carl-Edgar Jarchow weiter: „Es gibt auch intern bei uns keine Diskussion über den Trainer. Weil dafür die Grundlage fehlt. Wir sind von dem Trainer überzeugt, dass er mit dieser Mannschaft vorankommt, deswegen gibt es da auch keine Diskussionen.“

Und wenn der HSV am 29. September, wenn der 125. Geburtstag gefeiert wird, immer noch so trostlos durch die Bundesliga bummelt? Was ist dann? Jarchow: „Wir werden auch dann das Jubiläum feiern, wenn wir bis dahin nicht so erfolgreich waren. Aber ich wünsche mir das natürlich anders, keine Frage.“

Einen nicht ganz unwichtigen Punkt möchte ich – im Zusammenhang mit dem Trainer – auch noch kurz ansprechen: Stichwort Kondition. Auch heute wurde ich wieder während des Trainings darauf angesprochen (wie fast jeden zweiten Tag!): „Wann trainiert diese Mannschaft eigentlich mal Ausdauer? Und wann schleichen die Spieler mal vor Erschöpfung vom Platz, sodass sie kein fröhliches Lied mehr auf den Lippen pfeifen können?“ Ich sage dann immer und immer wieder: „In der Bundesliga wird wissenschaftlich trainiert, da gibt es kaum noch einen Schleifer als Trainer . . .“ Ausnahmen bestätigen die Regel, aber in Hamburg gab es schon seit vielen, vielen Jahren keinen mehr. Eigentlich seit der Ära Felix Magath. Und alle anderen Trainer nach dem Felix haben so trainiert, wie jetzt Thorsten Fink. Also alles völlig normal. Hätte der HSV keine Kondition, keine Kraft, keine Ausdauer, dann hätte er in Frankfurt nicht mit zehn Spielern bis zum Schluss um den Ausgleich kämpfen können. Konnte der aber. Der HSV war in den letzten 20 Spielminuten das deutlich konditionsstärkere Team. Wohl gemerkt, mit zehn Mann. Es liegt also nicht daran, dass die Mannschaft im Training zu wenig gequält wird.

Nur die Ruhe also, obwohl, das gebe ich zu, ich ganz gerne auch mal den einen oder anderen Tag erleben möchte, an dem die HSV-Profis „vom Platz kriechen“, weil sie fix und foxi sind. Das müssen wohl meine masochistische Züge sein . . . Früher war eben alles wie früher, auch die Schinderei. Obwohl, wenn ich mich nicht irre hat Thorsten Fink auch zu Beginn der Vorbereitungszeit gesagt: „Qualität kommt von Qual.“ Wie er das wohl gemeint hat?

Noch kurz zu einem Wechsel, der gegen Dortmund anstehen könnte: Der ehemalige Dortmunder Thorsten Fink könnte den ehemaligen Dortmunder Tolgay Arslan aufstellen (weil Petr Jiracek gesperrt fehlen wird). Und Arslan befindet: „Das wäre super, ich freue mich drauf. Weil es gegen den Meister geht, und weil ich ja noch einige Dortmunder kenne, mit ihnen spielte ich einst in der Jugend zusammen für den BVB.“ Mit Reus, mit Götze und in der U-Nationalmannschaft mit Gündogan. Über Arslan hatte Thorsten Fink ja gesagt, dass der sich bestens mit Rafael van der Vaart versteht. Dazu der Deutsch-Türke voller Selbstbewusstsein: „es ist vielleicht zuviel gesagt, aber es stimmt schon. In den Testspielen stimmte es zwischen uns. Er spielt auch Fußball, ich denke, wir beide denken das Gleiche, und dann ist es vielleicht einfacher, mit einem Fußball zu spielen, der vielleicht auch auf der Straße groß geworden ist.“
Es war von Rafael van der Vaart die Rede.

Dass Tolgay Arslan nun auf der Sechs zum Einsatz kommen könnte, also sein Spiel defensiver angelegt sein müsste, das stört ihn nicht. Der Trainer hatte gesagt, dass er Arslan deswegen in dieser Woche noch intensiv im Training beobachten werde, ob er auch defensiv kann? Tolgay Arslan noch einmal voller Selbstvertrauen: „Ich kann defensiv. Das wird man sehen. Ich werde giftig sein. Natürlich werde ich dem Trainer beweisen, dass ich das kann. Man sagt immer, dass ich ein offensiver Spieler bin, aber ich werde das Gegenteil das beweisen. Jetzt spiele ich eine Position hinter der, die ich sonst spiele, aber ich werde es allen zeigen, dass ich es auch da kann.“
Auf geht’s, Tolgay, lass es krachen!

Kurz noch ein Satz zur Jubiläums-Anleihe. Ihr werdet es in allen Zeitungen und im Fernsehen sehen können, am 29. September so es so weit sein. Die Dinger sehen gut aus es gibt sechs Prozent pro Jahr (über sieben Jahre), und es gibt drei verschiedene Schmuck-Urkunden, auf denen jeweils die HSV-Vergangenheit (die gute!) abgebildet ist. Ich werde mir diese Schmucksachen ins Haus holen, klarer Fall! Es gibt sie für 125 Euro, für 404 Euro (weil Uwe Seeler einst in seiner großen Laufbahn 404 Tore für den HSV in Pflichtspielen erzielt hat) und für 1887 Euro, die Global-Urkunde gibt es für 500 Euro und für jeden Betrag mehr, der durch 500 teilbar ist.

Ein ganz anderes Thema:

Er hat die Raute immer noch ganz tief im Herzen – und Hamburg auch. Logisch, selbstverständlich, natürlich – klar. Als ich heute mit David Jarolim sprach, war seine erste Frage: „Was war da los in Frankfurt?“ Und dann: „Wieso hat der HSV 2:3 verloren?“ „Jaro“ wollte es genau wissen, woran es lag, dass es wieder nur eine Niederlage gab. Er selbst hatte 3:0 gewonnen. Der erste Saisonerfolg von seinem neuen Arbeitgeber FC Evian Thonon Gaillard, der Aufsteiger Bastia bezwang. Jarolim war 80 Minuten mit von der Partie und sagte: „Das war ganz schön hart, denn es war mein erster Einsatz seit vier Monaten. Dafür aber ging es ganz gut.“

Seine Mannschaft muss bei der „Jaro-Premiere“ wohl auch ganz gut gespielt haben, denn solche klaren Siege sind in Frankreich eigentlich nicht an der Tagesordnung. „In Frankreich wird etwas anders Fußball gespielt. Es ist irgendwie schneller und auch hektischer“, sagt „Jaro“, der aber dafür sorgte, dass immer dann Ruhe ins Spiel kam, wenn es nötig war. Er hielt den Ball klug und verteilte ihn auch geschickt. Sehr zur Freude seines neuen Trainers, der nun auch die Doppelrolle als Sportdirektor innehat. „Als ein solcher hat er mich vor Wochen nach Evian geholt. Er ist schon über 20 Jahre im Verein und legt großen Wert auf Disziplin, das finde ich sehr gut“, sagt „Jaro“, der gleich nach seiner Ankunft eine Trainerentlassung beim FC Evian miterleben durfte. Aber da hatte der tschechische Dauerläufer ja durch seine HSV-Zeiten gewisse oder auch beste Erfahrungswerte einzubringen . . . Das macht nur noch härter.

„Es ist landschaftlich wunderschön hier“, berichtet David Jarolim über seine neue „Wahl-Heimat“, hoch in den Bergen des Genfer Sees. Endlich einmal hat ein HSV-Spieler seinem neuen Klub im ersten Spiel gleich ein Erfolgserlebnis beschert. Es geht doch. Übrigens: Von dem Siegtor, das Piotr Trochowski am Wochenende für den FC Sevilla gegen Real Madrid schoss, hatte Jarolim auch in Frankreich schon gehört. Er sagte: „Das freut mich für Troche, ein solches Erfolgserlebnis wird ihm sicher viel Selbstvertrauen geben – und ein Siegtor gegen Real Madrid schießt man ja auch nicht alle Tage.“ Wie wahr.
Evian TG hat nun vier Punkte und liegt auf Tabellenplatz 15 (von 20 Vereinen).
Weiterhin alles Gute in Frankreich und mit dem FC Evian, „Jaro“.

Und für euch natürlich einen wunderschönen Feierabend.

PS: Am Mittwoch wird um 16 Uhr im Volkspark geübt.

18.11 Uhr

Matz ab feiert dritten Geburtstag – danke!

6. August 2012

Vielen Dank für die zahlreichen Glückwünsche zum Dreijährigen! Es gab für mich viel Post und auch Anrufe, und zwar aus aller Welt! Danke dafür, danke auch für eure Treue. Drei Jahre „Matz ab“, wie die Zeit vergeht. Und es ist auch so, als würden es schon so viele Jahre mehr sein, die wir gemeinsam auf dem Buckel haben – gefühlt sind es für mich mindestens zehn Jahre “Matz ab“. So intensiv war das alles, verlief das alles. Ich habe viele, viele großartige Menschen kennen und schätzen gelernt, es gab hervorragende Begegnungen und Erfahrungen – das war schon traumhaft. Und dafür bedanke ich mich noch einmal ausdrücklich. Natürlich gab es auch gelegentlich Ärger, aber darüber möchte ich an einem solchen Tag gar nicht erst schreiben. Mir tut es nur um jene Leute Leid, das sage ich offen und ehrlich, die zuerst ganz „große Matz-abber“ waren, die dem Blog überaus positiv gegenüber standen, die dann aber mit der Zeit abgesprungen sind. Ich trauere in dieser Hinsicht vielen Menschen nach, die ich auch persönlich kennen lernen durfte, von denen ich auch menschlich total beeindruckt und begeistert war – die es dann aber vorzogen, nicht mehr zu unserem Kreis gehören zu wollen. Schade kann ich dazu nur sagen – ich vermisse euch. Und allen anderen „Matz-abbern“ möchte ich an diesem Tag zurufen: „Auf die nächsten drei Jahre!“

Um einmal einen Glückwunsch aus der Flut der vielen Glückwünsche herauszupicken:

Von „suedstern”:

„hallo herr matz und herr scholz,
herzlichen glückwunsch zum 3jährigen. ich halte mit meinen aufkleber am
auto und auf meinem pc in ganz wuerttemberg zur stange. viele hsv fans im
sueden sprechen mich auf grund meiner aufkleber an. diese grüße ich auch
hiermit. sie sind bei weitem nicht so negativ eingestellt, wie viele hier
im blog. das ist wahrscheinlich die gnade der weiten entfernung zu ihrem
lieblingsverein.
viele grüße w.w.“

So, zurück zum Wesentlichen:

„Internet ist das Schwerste was es gibt.“ Das sagten (und bestätigten) mir am Wochenende viele Kollegen, die es von „außerhalb“ in den Volkspark gezogen hatte, um den „Liga-total-Cup“ zu verfolgen und darüber zu berichten. Recht haben sie, aber auch darüber will ich nicht groß schreiben (und reden). Hier treffen sich eben verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen zum Fußball allgemein und zum HSV ganz speziell. Diese Leute alle unter einen Hut zu bekommen, ist nicht zu schaffen, dank des großartigen Moderatoren-Teams aber geht es „Matz ab“ heute wesentlich besser als noch vor eineinhalb Jahren. Deswegen bedanke ich mich auch an die drei Moderatoren – und zwar ganz ausdrücklich und von Herzen. Ihr macht einen tollen Job, quasi rund um die Uhr, das ist sensationell und hervorragend. Danke.

Es gab bei „Matz ab“ in diesen drei Jahren ein stets Auf und Ab. Es gab viele Höhepunkte, auch viele Tiefpunkte – aber der absolute Knüller in dieser Geschichte ist und bleibt der „Fall van Nistelrooy“, den die beiden „Matz-abber“ „Eiche Nogly und Jacek Dembinski „aufdeckten“. Das war einmalig, es wird wohl auch einmalig bleiben, aber vor allem werden wir (ich auf jeden Fall) noch in Jahrzehnten darüber sprechen. Das Zusammenspiel zwischen Fans und den HSV-Verantwortlichen war in dieser Geschichte nahezu perfekt – ich bin, das gebe ich gerne zu, noch heute davon begeistert, wie das damals alles (unter der Decke) lief. Auch dafür noch einmal vielen Dank – und (immer noch und immer wieder) meine Hochachtung, ihr Experten!

In dem Zusammenhang, und damit komme ich zum aktuellen Tagesgeschehen, gab es am Wochenende auch eine Mal, die wie folgt aussah:

„Moin Dieter,
haben wir nun unseren langersehnten Spielmacher? In Italien heißt es heute, dass Jorquera, der schon seit Wochen immer mal wieder mit uns in Verbindung gebracht wird, nun tatsächlich zu uns wechseln soll/wird. Vielleicht kannst Du/könnt Ihr Dich/Euch ja mal beim Liga-Total Cup danach umhören.

Gruß, NicNac“

Ein neuer „Fall van Nistelrooy“? Nicht ganz. Erstens wird dieser Name schon seit einiger Zeit in Hamburg gehandelt (das Abendblatt hatte ihn vor 14 Tagen gespielt), zweitens wissen auch die anderen Medien der Stadt von diesen Verhandlungen. Es soll „etwas dran sein“, aber mehr wohl auch noch nicht. Der HSV hat mit Jorquera gesprochen, aber perfekt ist noch nichts – wenn es klappen sollte, dann werden wohl auch noch einige Tage ins Land ziehen. Cristobal Andres Jorquera Torres ist vor zwei Tagen 24 Jahre alt geworden, er ist 1,74 Meter groß und aktueller Nationalspieler Chiles. Er spielt beim italienischen Erstliga-Klub FC Genua, er ist Rechtsfuß und hat laut „Transfermarkt“ einen aktuellen Marktwert von „nur“ 1,8 Millionen Euro.

Wie geschrieben, es ist „etwas dran“, aber „etwas dran“ war auch an anderen Spielern immer mal wieder etwas – deswegen abwarten. Es könnte aber immerhin sein, dass es mit dem Chilenen endlich etwas werden könnte. Ein kleiner Fortschritt.

Von noch einem Südamerikaner ist (und war?) ja auch im Zusammenhang mit dem HSV die Rede: St. Paulis Abräumer Carlos Zambrano. Soll aber nichts dran sein. Soll. Man weiß es ja aber nie so genau. Und dann taucht in den letzten Stunden immer wieder ein neuer Name auf: Der 32 Jahre alte Österreicher Paul Scharner, der sich eine Woche bei Eintracht Frankfurt auf- du fitgehalten hat. Die Hessen werden den 1, 93 Meter großen Innenverteidiger, der zuletzt in England spielte (West Bromwich Albion und Wigan), aber nicht verpflichten. Auch deshalb, weil sie Zambrano holen wollen . . . Scharner dürfte aber für den HSV so etwas wie (jetzt) erste Wahl sein, ich rechne eigentlich stündlich damit, dass er unter Vertrag genommen wird.

Dann kämen also Milan Badelj und Paul Scharner, aber wie steht es um einen Stürmer? Der HSV, das offenbarte doch der Liga-total-Cup ganz eindrucksvoll, braucht einen Angreifer. Dringend. Händeringend. Bitte, bitte. Uwe Seeler („Der HSV braucht noch einen Brecher“) hat es schon lange erkannt, der letzte HSV-Anhänger jetzt spätestens am Sonntag. Ein Stürmer muss her. So wird das nichts. Wobei ich doch gar nichts gegen Artjoms Rdnevs habe. Er soll ja bleiben und sich entwickeln. Es kann ja mit ihm noch was werden, aber der HSV benötigt trotz allem noch einen Stürmer. Wer das nicht sieht, der sollte sich später nicht wundern . . .

Ich sprach heute mit HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow. Ich wollte von ihm wissen, ob der HSV diese Baustelle überhaupt auf dem Plan hat. Jarchow antwortete gelassen: „Wir wissen, wo wir noch etwas tun müssen, davon können Sie ausgehen. Und wir müssen sicherlich auch – alles im Rahmen unserer Möglichkeiten – etwas tun . . .“ Ein Glück. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Oder? Denn ich sage mir ja auch: „Wenn Carl-Edgar Jarchow das weiß, hoffentlich weiß es auch der Sportchef. Denn zuletzt hieß es vom HSV ja immer nur: Wir brauchen einen Zehner und einen Innenverteidiger. Von einem Stürmer war weit und breit nichts zu hören . . .“

Und wo ich gerade mit dem Vorstandsvorsitzenden gesprochen habe, da habe ich auch nach Klaus-Michael Kühne gefragt. Herr Jarchow, gibt es eigentlich noch Kontakt zum großen HSV-Gönner, Mäzen und Sponsor? Jarchow: „Gibt es, das schläft auch nicht ein, denn der alte Vertrag mit Herrn Kühne läuft ja immer noch weiter.“ Okay. Aber bezüglich eines neuen Engagements des Milliardärs? Jarchow: „Da war das Interview, das Herr Kühne zuletzt gegeben hatte, ja nicht gerade hilfreich und förderlich.“ Das mag so sein, wäre ja auch nur normal. Nach den Aussagen. Carl-Edgar Jarchow sagte aber zur „Mitarbeit“ Kühne auch noch: „Das Engagement war ja mehr oder weniger auf einen Namen reduziert, nämlich Rafael van der Vaart, und wie alle wissen, hat das nicht geklappt.“ Stimmt. Deswegen glaube ich auch, dass der Herr Kühne seinen noch immer laufenden Vertrag erfüllen wird, aber ein neues Engagement wird es wohl (so schnell) nicht wieder geben.
Schade eigentlich.

Kühne war immer mein großer und auch mein letzter Strohhalm, an den ich mich geklammert habe. Auch im Hinblick auf einen neuen Stürmer. Und wenn ich so daran denke, dass es der Herr Kühne einst ja auch schon ganz gut mit „seinem“ HSV gemeint hat, so sollte er einmal daran denken, kurz über seinen eigenen Schatten zu springen: Dieser HSV braucht dringend Soforthilfe, Herr Kühne, Sie könnten helfen, weil Sie dazu in der Lage sind – und wenn Sie und auch Ihre Frau den Verein lieben, dann helfen Sie bitte noch einmal. Trotz aller unterschiedlicher Meinungen. Es geht doch nur um den Klub.

Dieser HSV braucht Ihre Hilfe, Herr Kühne, mehr denn je!

Und wenn ich dazu noch einmal auf Zugang Artjoms Rudnevs zurückkommen darf. Dazu gibt es immer wieder Mails, zwei davon möchte ich euch einmal zu Gemüte führen:

„Hallo Herr Matz,

warum sieht man den Spieler Rudnews schon jetzt so negativ? Es war einmal, so fangen viele Märchen, bei einem Heimspiel meines HSV wurde ein neuer Spieler eingesetzt, ich hatte einen Platz auf der alten Haupttribüne in der ersten Reihe, konnte also die Spieler beim warmmachen wunderbar beobachten. Es war ein neuer großer Spieler dabei, er kam von Rot Weiss Essen.
Der Mann war nach meinem ersten Eindruck ein Antifussballer, jeder Ball sprang ihm vom Fuss. Der Spieler hieß übrigens Hrubesch, also bitte etwas Geduld.
Mfg. Peter W.“

Und von unserer treuen Seele „Nordbert” kam zum Thema die folgende Mail:

„Moin Dieter, moin Leute,

ich erinnere mich noch an einen gewissen Bernardo Romeo, der schon ein ziemlicher Knipser war. Mit dem Ball alleine auf den Torwart durfte man ihn nicht loslassen, aber im Strafraum war er großartig und hatte enormen Unterhaltungswert (zumindest, wenn man HSV-Fan war). Wenn ich es richtig erinnere, hat Dein Kumpel Thomas Doll (bitte berichtigt mich, wenn ich hier falsch liege) ihn damals nicht mehr haben wollen, weil er nicht mehr in das Spielsystem paßte. Nun finde ich, daß Toreschießen schon in ein HSV-Spielsystem passen sollte, aber Thomas Doll war da in der Tat der weitsichtigere Mensch, denn seitdem haben ja alle HSV-Trainer am System ohne Toreschießen festgehalten und soviele Fachleute können sich ja nicht irren… :roll:

Ich sehe das Problem, das Rudnevs und Berg vermutlich bekommen, eher darin, daß sie nicht mit den Vorlagen gefüttert werden, die sie brauchen, um eine gute Torquote zu erzielen. Von Marcell Jansen, der in seiner HSV-Anfangszeit irre gefährliche, flache Hereingaben von der Grundlinie aus geschlagen hat, kommt so gut wie gar nichts mehr. Dennis Diekmeyer geht vorsichtshalber kaum noch zu Grundlinie. Ecken sind traditionell seit Jahren högscht ungefährlich (gegen Barca sah das besser aus, ich habe mich echt gewundert – wäre schön, wenn das konserviert werden könnte). Ein Problem übrigens, mit dem meiner Meinung nach auch Van the Man zu kämpfen hatte. Von Laufwunder Petric ganz zu schweigen. Ich mache mir von daher weniger Sorgen wegen unserer Stürmer, sondern sehe die Probleme vor allem beim Anspiel in die Spitze.“

Dazu habe ich ja auch schon etwas geschrieben (im Abendblatt). Es gab eine Saison, in der der HSV gleich vier hochbegabte „Daddelbrüder“ (Spielmacher) in seinen Reihen wusste, die alle einen Stürmer einsetzen konnten. Rafael van der Vaart, Stefan Beinlich, Sergej Barbarez und Piotr Trochowski. Das war in der Saison 2005/06. Der HSV belegte Platz drei in der Liga und schoss dabei die viertmeisten Tore (53). Das gelang mit vier Vorlagengebern. Jetzt aber sucht der HSV einen! Und ob der es dann reißen wird? Da braucht man schon eine gehörige Portion Optimismus. Aber ich will ja nicht meckern, ich harre aus. Und warte auf die Dinge, die da noch passieren sollen – und müssen.

Noch aber sieht es doch so aus: Rudnevs ist hinter Marcus Berg bislang Stürmer Nummer zwei. Weil er sich erst noch umstellen muss. Berg aber war zuletzt meistens Stürmer Nummer drei – hinter Paolo Guerrero und Mladen Petric. Wie soll das jetzt gehen? Wir alle haben es ansatzweise gegen Dortmund und Bayern gesehen – es geht nicht. Oder auf jeden Fall nicht viel. Ich kenne keinen auswärtigen Journalisten, der am Wochenende in der Arena saß, der sich nicht große Sorgen um den HSV macht – um den Dino. Sie alle wollen, dass der HSV drin bleibt, aber sie alle wissen auch, dass das noch sehr, sehr schwer werden wird. Sie alle haben Hamburg jedenfalls äußerst nachdenklich verlassen, wenn es in ihren Gedankengängen um die sportliche Zukunft des HSV ging.

Aber gut, es geht heute und morgen ja auch noch nicht los. Und die Verantwortlichen bleiben ja noch total ruhig. Trainer Thorsten Fink jedenfalls scheint im Moment die Ruhe selbst zu sein: „Wir werden am ersten Spieltag zu 100 Prozent da sein.“ Und: „Ich sage klipp und klar, dass der HSV nicht zu den Abstiegskandidaten gehören wird. Wir sind rund um Platz zehn anzusiedeln.“

Hoffentlich. Damit wäre ich sehr, sehr zufrieden. Sehr. Aber sagen kann man ja viel. Wie ich schreiben. Nur was dann hinten dabei rumkommt, das werden wir erst in einigen Wochen erleben. Kurios ist, dass mir auf meinem Schreibtisch heute – genau in diesem Zusammenhang – die „HSV live“ vom 17. März 2012 entgegenflatterte. Der HSV erwartete den SC Freiburg zum Punktspiel. Und da steht auf Seite 34: „Wir werden dieses Spiel gewinnen!“ Gesagt hatte es damals in einem vereinseigenen Interview Trainer Fink. Er sagte ganz zum Schluss: „Wichtig ist der Sieg, nur das zählt. Wir werden dieses Spiel gewinnen. Punkt.“
Der HSV verlor 1:3.

Denn etwas sagen oder eine Prophezeiung ist das eine, und die Realität etwas ganz anderes.

Einen schönen „Matz-ab“-Geburtstag wünsche ich euch allen.

PS: Training ist morgen (Dienstag) zweimal im Volkspark. Um 10 Uhr, und dann am Nachmittag eigentlich um 15.30 Uhr. Aber meine Kollegen sprechen in diesem Fall von 18.30 Uhr. Also könnte es durchaus spät werden.

17.57 Uhr

Der alte Kaltz kann es immer noch

9. Juni 2012

„Und immer dran denken – die Gefahr kommt über rechts.“ Hat Manfred „Manni“ Kaltz bei seiner Abfahrt aus Norderstedt gesagt. Der frühere Nationalverteidiger war Beifahrer von Uli „die Kante“ Borowka, Kaltz ließ schnell die Fensterscheibe herunter und gab mir noch schnell den kostenlosen Tipp. Dann ging es für die beiden ehemaligen Profis in die Fisch-Auktionshalle, wo sie sich das EM-Spiel Deutschland gegen Portugal ansehen werden. Nicht allein. Es sind viele Gäste der Sparda-Bank geladen, und viele Alt-Internationale. Die spielten am Nachmittag auf dem Rasenplatz von Eintracht Norderstedt gegen eine Hamburger Presse-Auswahl. Halbzeit 0:0, Endstand 3:0. Für die „Ehemaligen“ – natürlich, möchte man meinen. Aber die Sieger hatten mehr Mühe als erwartet.

Der Veranstalter hatte mit 4000 bis 5000 Zuschauern gerechnet, gekommen waren bei Hamburger Schmuddelwetter um die 300. Die Autogrammjäger unter ihnen kamen auf ihre Kosten, denn die Stars von gestern stellten sich bereitwillig zu vielen Fotos und zu den begehrten Unterschriften. Auch Schiedsrichter Bernd Heynemann (Magdeburg) verteilte fleißig die von ihm geforderten Autogrammkarten.

Organisiert und aufgestellt hatte das Star-Ensemble der ehemalige HSV-Spieler Stefan Schnoor, der in Ermangelung von Angreifern gelegentlich sogar als Sturmspitze aufkreuzte (und auch das 1:0 per Abstauber erzielte!). „Du warst schon immer ein verkappter Stürmer“, sagte ich ihm während des Spiels, aber er antwortete: „Eher ein verkappter Zehner.“ Fritz Walter, Wolfgang Overath, Günter Netzer . . . Stefan Schnoor.

Aber er hatte natürlich eine gute Mannschaft beisammen. Neben Kaltz und Borowka waren die ehemaligen HSV-Profis Jochen Kientz, Bastian Reinhardt, Peter Nogly, Ingo Hertzsch (aus Leipzig angereist!) und Thomas Vogel dabei. Zudem Michael Rummenigge, Thomas Helmer und Marco Bode, der für mich der beste Mann bei den „Alten“ war, der sogar einen sehenswerten Fallrückzieher riskierte – und auch ein Abstaubertor erzielte. „Man, man, der Bode hat es aber noch drauf“, sagte Presse-Abwehrmann Christian Pletz (unser Matz-ab-Pletzi) später anerkennend. Gut war aber auch, ich ziehe den Hut vor ihm, „Manni“ Kaltz. Alle Achtung. Die Pässe, die Standards und die Flanken kamen wie zu seinen besten Tagen. Presse-Torwart Oliver Hinz von Altona 93: „So schießt sie kein Spieler in der Oberliga Hamburg. Kaltz bringt sie genau dorthin, wo er sie auch hin haben will. Erste Sahne.“ Kaltz, 59 Jahre alt, kann es immer noch. Wie er über das gesamte Spielfeld (mit Ball) stolzierte und mit einem sehenswerten Lupfer gegen den Pfosten das 2:0 (Bode) vorbereitete – einfach nur klasse.

Bei den Medien-Vertretern spielten – neben anderen – auch Sky-Moderator Patrick Wasserziehr sowie HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf, der seinem Unmut über das „schlechte Spiel“ der Presse-Truppe stets freien Lauf ließ. Immerhin gab er nach dem Schlusspfiff zu: „Hat trotz allem Spaß gemacht. Und wenn ich etwas gemeckert habe, so liegt es schlicht und einfach daran, dass ich immer gewinnen will.“ Aber gegen einen Sieg der Medien-Vertreter hatten natürlich die Altmeister doch erhebliche Einwände.

So, es ist EM. Und in einigen Minuten sind auch wir Deutsche voll dabei und mittendrin. Deswegen halte ich mich heute mal kurz und knapp – die Spannung steigt, auch bei mir. Obwohl ich immer noch leicht pessimistisch bin. Ganz leicht.

Aber obwohl ich in der Obdachlosen-Zeitung „Hinz und Kunzt“ ja schon einige EM-Nähkästchen geschrieben habe, gibt es da noch ein ganz kleines, was ich hier schnell noch zum Besten geben möchte. Europameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden. Bundestrainer Erich Ribbeck, der ehemalige HSV-Sportchef. Der hatte in den Wochen vorher stets verkündet: „Ich werde keinen Spieler mit in den EM-Kader nehmen, der noch kein Länderspiel gemacht hat.“ Ein Mann, ein Wort. Da HSV-Torwart Jörg Butt noch kein Länderspiel bestritten hatte, fragte ich Ribbeck einmal kurz unter vier Augen: „Gilt das auch für Jörg Butt?“ Ribbeck: „Ja, Butt wird vorher noch seinen Einsatz erhalten . . .“

Und es gab da ja auch noch zwei Testspiele für die deutsche Mannschaft. Am 3. Juni gegen Tschechien – aber beim 3:2-Sieg spielte Oliver Kahn 90 Minuten durch. Dann der letzte Test vor dem EM, am 7. Juni in Freiburg gegen Liechtenstein. Ribbeck kündigte in der Pressekonferenz an: „Da wird Jens Lehmann zwischen den Pfosten stehen.“ Wie Lehmann? Und Butt?

Ich ging nach der Pressekonferenz zu Erich Ribbeck, wieder ein kurzes Gespräch unter vier Augen: „Herr Ribbeck, und was ist mit Butt? Sie haben mir doch gesagt, Butt würde auch noch vor der EM seinen Einsatz erhalten . . .“ Ribbeck setzte eine grimmige Miene auf und sagte kurz und knapp: „Sie immer mit Ihrem Butt, Butt, Butt, Aber keine Angst, Herr Matz, er bekommt seinen Einsatz, auch wenn ich es für den dritten Mann im Tor nicht unbedingt für nötig erachte.“

2:1 stand es bei Halbzeit in Freiburg gegen Liechtenstein, dann kam Butt. Er kassierte zwar auch noch einen Gegentreffer vom Fußballzwerg, aber Deutschland gewann 8:2. Und „Butti“ hatte seinen ersten Länderspiel-Einsatz – ich war happy, er war happy – alle waren zufrieden. So hatte ich beim HSV-Torwart vielleicht 25 Prozent meine Finger im Spiel, dass er gegen Liechtenstein ran durfte – aber ganz aufmerksame „Matz-abber“ werden sich erinnern, dass ich einst Sven Kmetsch (ehemaliger HSV-Kapitän) zu Zeiten von Berti Vogts in die DFB-Auswahl „sabbelte“. Da aber waren es mindestens 95 Prozent. Kmetsch schaffte aber nur zwei Einsätze . . .
Den Kritikern (meinen Kritikern) sei gleich entgegnet: Mehr HSV-Spieler waren es aber nicht. Auch bei Piotr Trochowski oder Dennis Aogo hatte ich meine Finger nicht im Spiel. Aber Butt und Kmetsch zeigen, dass es im „großen Fußball“ gelegentlich auch ganz amateurhaft und hemdsärmelig zugehen kann – da gibt es dann keinen Unterschied zu (m)einem kleinen Verein um die Ecke.

So, nun ist EM, und zwar Hochstimmung. Das Spiel Niederlande gegen Dänemark (0:1) bestärkt mich darin, dass es nicht unbedingt ein Turnier für die Favoriten geben wird.

Apropos Dänemark: Da spielt ein Mann namens Lars Jacobsen mit. Der war von 2002 bis 2003 HSV-Profi, brachte es auf 22 Einsätze (ein Tor) und ging wieder, weil ihn der HSV nicht mehr wollte. Quasi durchgefallen. Der 32-jährige Verteidiger vom FC Kopenhagen spielt aber schon seit jener Zeit stets für Dänemark (50 Länderspiele). War aber für den HSV einst ein wenig zu schlecht . . . So kann es gehen.

Falls es gleich auffällt, dass ich ein wenig heiser bin: Ich war heute „Trainer“ der Presse-Auswahl, und da habe ich gelegentlich ein wenig zu laut über den Platz gegrölt. Übrigens: gleich nach dem Schlusspfiff der Partie Deutschland gegen Portugal gibt es wieder „Matz ab live“ – wir sehen uns.
Eine schöne EM für alle.

19.52 Uhr

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