Archiv für das Tag 'Trochowski'

Traumtore – Son übt sie mit dem Papa

27. Oktober 2012

In der 60. Minute wiederholte Hans-Jürgen „Ditschi“ Ripp seine Meinung, die er schon mehrfach vor und in der Halbzeitpause geäußert hatte: „Dieses Spiel kann der HSV gar nicht mehr verlieren. Augsburg ist zu schwach, und der HSV steht gut und spielt clever.“ Auf den Punkt gebracht, diese Analyse. So souverän sah das aus – und da gilt es, das Wort souverän zu unterscheiden von gut. Gut hat der HSV nämlich nicht so oft während dieser 90 Minuten gespielt, aber dennoch war dieser Dreier doch nur höchst selten in Gefahr. Für mich eigentlich nur beim Stande von 0:1, als der Augsburger Werner mit Beginn der zweiten Halbzeit gleich „zwei Elfmeter“ ausließ, als er aus fünf Metern neben das HSV-Tor köpfte. Ein kleines Wunder, einen solchen Ball nicht mal auf das Tor zu bekommen – aber natürlich gut für den HSV. Und als Werner dieses „dicke Ding“ liegen ließ, der HSV auf 2:0 erhöhte, da war das Spiel gelaufen. Auch deshalb, weil der durchaus engagierte und sehr wohl bemühte FC Augsburg eben viel schlechter spielte als der HSV.

Wer nicht weiß, wer „Ditschi“ Ripp ist: Er war der Libero der Europapokal-Gewinner-Mannschaft von 1977, und er saß gestern gemeinsam mit dem Linksverteidiger der HSV-Sieger-Elf, Peter Hidien, bei „Matz ab live“. Vielen Dank auch noch einmal an dieser Stelle an die beiden Hamburger EC-Helden, sie waren prima Gäste, es hat mir viel Spaß gemacht. Und wer die Sendung nicht gesehen hat, der sollte dieses kalte und vielleicht sogar auch noch verschneite Wochenende dazu nutzen. Ist ja auch ein wenig HSV-Geschichte, die dort ver- und bearbeitet wurde.

Aber zurück zum Augsburg-Spiel.
Einer der großen Gewinner im HSV-Team war der 1:0-Torschütze. Heung Min Son wird immer stärker zu einem Hoffnungsträger des HSV. Der Südkoreaner, nun fünf Saisontore (insgesamt 13 in der Bundesliga für den HSV), hat vor allen Dingen seinen linken Fuß ganz erstaunlich entwickelt. Ich schrieb es bereits: Wie gegen Dortmund ließ er einen herrlich präzisen und dennoch auch harten Schlenzer mit links von der Strafraumgrenze los. Solche „Dinger“ hat er früher noch nicht so drauf gehabt, aber mit 20 Jahren ist man eben im besten Alter, um (schnell) zu lernen. Das hat er in den vergangenen Monaten offensichtlich getan. Auch wenn er gelegentlich noch ein wenig weich erscheint (in Augsburg, das sage ich ausdrücklich, war das aber diesmal nicht der Fall), wenn es um die Zweikampfführung geht. Aber er kann ja auch nicht alles auf einmal erledigen, er muss ja noch Ziele haben . . .

„Und er ist ja auch noch jung, er weiß, dass er noch ein bisschen konstanter werden muss. Aber wenn man das Tor sieht, das war einfach nur überragend“, lobte Nebenmann Rafael van der Vaart.
Der Niederländer hätte es nicht besser machen können, hat schon viele solcher Klasse-Treffer erzielen können, aber es ehrt ihn, dass er so über Son spricht. Aber so ist sie, die „ewige 23“, ein Teamplayer. Son war nach diesem Sieg und seinem Treffer natürlich bestens gelaunt: „Solche Tore machen Spaß. Und solche Treffer kommen vom Üben, aber jetzt muss man so weiter üben.“ Heung Min Son übt aber nicht nur beim HSV-Training, sondern auch mit seinem Vater (der fast bei jedem Training am Rande steht und alles ganz genau beobachtet). Wong-Jung hat sicherlich ganz entscheidenden Anteil am Höhenflug seines Sohnes, auch wenn der sagt: „Mein Vater ist schon sehr anstrengend, sehr kritisch. Er wird jetzt sagen: ‚Schnell vergessen, nächste Woche spielen wir wieder.’ So ist er immer.“

Sons Traumtor war ansonsten aber einer der wenigen Höhepunkte in dieser Partie. Offensiv trat der HSV höchst selten mal in Erscheinung, vornehmlich in Halbzeit eins war da Harmlosigkeit Trumpf. Allerdings war Augsburg ja noch harmloser, und im zweiten Durchgang konnte der HSV dann ja auch noch einen (kleinen) Zahn zulegen. Mit dem 2:0 von Artjoms Rudnevs (63.) war die Partie quasi entschieden. Auch deshalb, weil der HSV ist trotz der vielen Abspielfehler meistens gut verstand, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. So nahmen die Hamburger den unternehmungslustigen Schwaben doch erheblich an Motivation. Dennoch befand HSV-Sportdirektor Frank Arnesen: „Wir müssen noch mehr bringen.“ Ganz sicher. Denn so schwach wie Augsburg sind nicht viele Mannschaften. Aber der Däne fügte auch noch an: „Wir wollen uns ja auch noch nicht ganz oben ansiedeln, sondern unter die Top ten kommen.“ Im Moment rangiert der HSV auf Platz sechs – international! Welch eine schöne Momentaufnahme.

Aber der HSV ist eben nicht nur „runderneuert“ worden, sondern auch auf Vordermann gebracht. Dank van der Vaart („Kein überragender Fußball von uns, aber trotzdem gewonnen.“), der in meinen Augen dafür gesorgt hat, dass alle jetzt viel konzentrierter und auch engagierter zu Werke gehen. Im Training. Und in den Spielen. Seit sieben Bundesliga-Begegnungen ist der „kleine Engel“ nun wieder beim HSV, in dieser Zeit führte der 29-Jährige den Abstiegskandidaten mit 13 Punkten aus dem Keller. Auch wenn van der Vaart nicht immer glänzt, schon gar nicht immer in Bestform spielt – er hat die Sinne seiner Nebenleute geschärft. Eindeutig. Alle haben eine Schippe drauf gelegt, jeder reißt sich nun mehr zusammen – auch wenn es immer noch die gelegentlichen Aussetzer wie die gegen den VfB Stuttgart gibt. Dennoch ist unübersehbar, dass sich der HSV stabilisiert hat. Linksverteidiger Marcell Jansen scheint das indirekt zu bestätigen: „Wir haben in Augsburg nach schwachem Beginn eine Reaktion gezeigt. Da war ich selber verwundert, denn wenn man mal die vergangenen Jahre zurückblickt, sind wir meistens untergegangen oder haben den Faden komplett verloren.“

Trainer Thorsten Fink, der während der Partie beim FCA nicht sonderlich aufgeregt wirkte (aber das war wahrscheinlich nur von außen betrachtet so), befand nach dem verdienten Dreier: „Wir haben den Sieg nicht gestohlen, heute hat die Effektivität gesiegt.“ So ist es. Und Augsburgs Torwart Simon Jentzsch gab dann auch zu: „Am Ende konnte man das Gefühl haben, wir hätten noch drei Stunden länger spielen können und es wäre kein Tor gefallen.“

Nun wird sich am Sonnabend im Volkspark (Anstoß um 18.30 Uhr) zeigen, in wie weit dieser HSV schon wieder den ganz Großen der Liga schon wieder nahe gekommen ist. Die Bayern geben ihre Visitenkarte ab. Eigentlich noch immer mindestens eine Nummer zu groß für den um Anschluss bemühten HSV, aber Wunder soll es ja vor allen Dingen im Fußball immer wieder einmal geben. Und der erfahrene Rafael van der Vaart blickte wohl auch deshalb ein wenig optimistisch in Richtung nächstes Wochenende: „Wir können jedes Spiel gewinnen – auch gegen die Bayern.“

Naja, wir werden es ja ohnehin abwarten müssen.

Dann gab es auch noch diese – für mich sehr betrübliche – SID-Meldung:

Das Verletzungspech bei Ex-Nationalspieler Piotr Trochowski (früher HSV) reißt nicht ab. Nachdem der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler vom spanischen Fußball-Erstligisten FC Sevilla vor wenigen Tagen wegen eines Knorpelschadens im Knie operiert werden musste und acht Monate ausfällt, wurde bei einer weiteren Röntgenuntersuchung beim Ex-Hamburger ein Schienbeinbruch festgestellt. Trochowski muss sich erneut einem Eingriff unterziehen, bei dem eine Metallplatte eingesetzt wird. Trochowski befindet sich zurzeit noch in Denver/US-Bundesstaat Colorado. Er hatte sich bei der 2:3-Niederlage Ende September gegen den FC Barcelona verletzt. Wegen seiner starken Auftritte in Sevilla hatte sich Trochowski zuletzt Hoffnungen auf eine Rückkehr in die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gemacht.

PS: Morgen (Sonntag) wird im Volkspark nicht trainiert. Sie haben es sich verdient.
Aber: Wer dennoch nicht ganz auf den HSV verzichten will, der sollte sich um 14 Uhr in Norderstedt die Zweite im Regionalliga-Spiel gegen den VfB Lübeck ansehen. Wahrscheinlich mit Paul Scharner – allein der “Ösi” ist ein Erlebnis.

18.11 Uhr

Beister: “Düsseldorf ist kein Thema”

23. Oktober 2012

Er war der Gewinner des Stuttgarts-Spiel – trotz der schmeichelhaften 0:1-Niederlage des HSV: Maximilian Beister. Der U-21-Nationalstürmer war zur Pause eingewechselt worden, gab mächtig Gas und beeindruckte den Trainer. Thorsten Fink lobte den 22 Jahre alten Angreifer und stellte erstmalig auch einen Auftritt in der Stammformation in Aussicht – nach zuletzt sieben Einwechslungen in dieser Saison. HSV-Coach Fink hat ja auf der linken Mittelfeldposition mehrere Optionen, aber Beister scheint im Moment die besten Karten zu haben. Er oder Ivo Ilicevic, der heute wieder auf dem Platz zu sehen war, wo er mit Reha-Trainer Markus Günther ein Einzeltraining genoss. Eine weitere Möglichkeit aber wäre sicherlich auch, Dennis Aogo hinten links zu bringen, und Marcell Jansen wieder nach vorne zu ziehen. Abwarten, für welche Variante sich Fink entscheiden wird. Es geht ja nun schon bald los, der HSV muss bekanntlich schon am Freitag wieder ran – bei den unbequemen Augsburgern.

„Maxi“ Beister wäre sicherlich die offensivere Aufstellung, was bei dem kampf- und defensiv-starken Tabellensechzehnten, der erst einmal gewonnen hat (bei 5:11 Toren), nicht verkehrt wäre. Angriff ist – oder soll ja – die beste Verteidigung (sein). Aber noch gab es vom Trainer keinen Hinweis, dass Beister nun „losgelassen“ wird. „Es gab bislang noch kein Signal des Trainers, ich warte ab und bereite mich wie auf jedes Spiel vor.“ Immerhin ist Thorsten Fink bei Beister kurz nach dem Stuttgart-Auftritt vorstellig geworden, um dem Angreifer mitzuteilen, dass er „zufrieden“ mit dem Maxi-Spiel gewesen sei. Das ist doch schon mal was. So etwas dürfte es in dieser Saison noch nicht (oft) gegeben haben. Für Beister aber großer Anlass zur Freude: „Wenn der Trainer mit mir zufrieden ist, dann ist das für mich noch kein Grund zu sagen, dass ich selbst mit mir zufrieden war. Es war vielleicht ein guter Schritt nach vorne für mich, aber trotzdem muss ich weiter hart an mir arbeiten – hart arbeiten wie alle anderen. Wenn der Trainer zufrieden ist mit mir, das ist für mich kein Grund, mich darauf auszuruhen.“

Die meisten Experten hatten „Maxi“ Beister einen steilen und schnellen Weg in die HSV-Stammformation zugetraut, aber bislang ging alles stets über die Bank. Der Unterschied zwischen der Ersten und der Zweiten Bundesliga scheint doch größer als gedacht. Beister sagt: „In der Ersten Liga wird mehr Fußball gespielt, in der Zweiten Liga wird mehr Wert auf die kompakte Defensive gelegt, auch auf ein gutes Zweikampfverhalten – das ist schon ein anderer Fußball, der in Liga eins gespielt wird, oftmals auch viel schneller.“ Die Umstellung dauert an, oder hat gedauert – wie man will. Er sagt selbst: „Ich stecke in dieser Phase noch drin, ich muss mich noch daran gewöhnen – aber ich bin, so denke ich, auf einem guten Weg. Ich merke das von Woche zu Woche, dass ich mich schon an gewisse Dinge gewöhnt habe.“

Maximilian Beister wirkt bei diesen Sätze reif und abgeklärt – anders als ein 22-Jähriger. Er über sich: „Ich schätze meine Situation schon ganz realistisch ein, denn in meinem ersten halben Jahr in Düsseldorf klappte das anfänglich nur stockend, und dann kam das von Spiel zu Spiel. Je mehr Einsatzzeiten ich bekommen habe, je besser lief es dann. Deshalb weiß ich für mich, dass es gut ist, mit Zeit zu geben. Und auch der Trainer gibt mir die Zeit, er redet mit mir und er vertraut mir. Deswegen kann ich das schon gut einschätzen, obwohl man als Spieler natürlich immer spielen will. Ich setze mich auf keinen Fall unter Druck, das kann ich nur sagen – ich blicke auf jeden Fall positiv in die Zukunft.“

Natürlich. Und spielen wollen sie stets immer alle. Aber bei ihm gab es zuletzt auch das Gerücht, dass er zurück zur Fortuna nach Düsseldorf will. Nur ein Gerücht? Oder doch mehr? „Maxi“ Beister bezieht Stellung: „Das Gerücht kam nicht von mir. Ich habe keine Ahnung, woher das kam, ich habe mich mit diesem Thema auf jeden Fall nicht beschäftigt. Ich war bei der U-21-Nationalmannschaft, da gab es ganz andere und viel wichtigere Themen, da habe ich bestimmt nicht an einen Wechsel oder an Fortuna Düsseldorf gedacht.“ Dann erklärt er unmissverständlich: „Mich interessiert dieses Thema nicht, ich habe mich damit nicht auseinander gesetzt, es wird auch in Zukunft kein Thema für mich sein, denn ich sehe meine Zukunft beim HSV, ich habe hier vier Jahre unterschrieben, meine Aufgabe liegt beim HSV. Es waren zwei sehr schöne Jahre in Düsseldorf, aber ich habe hier nun meine Aufgabe zu erfüllen, und nur darauf konzentriere ich mich.“

Dass „Maxi“ Beister für Zeitungen fotografiert wurde, als er neben Fortuna-Trainer Norbert Meier während eines Spiels auf der Bank saß, ist für den HSV-Spieler absolut kein Indiz für einen sich anbahnenden Wechsel: „Ich bin da nicht von allein hingegangen, sondern wurde gefragt, ob ich mich dorthin setzen möchte. Das habe ich dann getan. Ich habe dort nicht nur mit dem Trainer gesessen, ich habe dort mit vielen Personen gesessen, mit denen ich Freundschaften pflege. Und damit ist dieses Thema für mich auch nun beendet.“ Okay.

Der Mann weiß was er will. Und tritt auch selbstbewusst auf. Das gefällt mir. Das gefiel mir schon in seiner „ersten“ HSV-Zeit, und noch immer bin ich sprachlos, dass der HSV damals Beister gleich für zwei Jahre ausgeliehen hatte, während alle anderen HSV-Leihspieler nur für ein Jahr weg aus Hamburg waren. Aber das waren eben auch andere Zeiten, Zeiten, in denen es keinen Sportchef gab, der das Talent von „Maxi“ Beister hätte erkennen können. Aber gut, nun ist er wieder da, und auch wenn der Start stotternd verlief, so sagen der Trainer und auch der Sportchef Frank Arnesen unisono, dass sie von Beister nicht nur viel halten, sondern auch noch sehr viel erwarten, und dass sie auf ihn bauen.

Und es ist fast schon kurios, dass der Lüneburger sein Talent ja immer (oder auf jeden Fall meistens) bei der Nachwuchs-Nationalmannschaft gezeigt hat – durch ein stets engagiertes Spiel und mit erfolgreichen Torschüssen. Auch durch Beister-Tore hat der DFB den Start bei der U-21-Europameisterschaft geschafft. Und nun hat er auch für diese Mannschaft nur ein Ziel: „Wenn ein deutsches Team an einer EM teilnimmt, dann will dieses Team natürlich auch gewinnen, das ist doch klar. Wir haben eine sehr gute Mannschaft, wir verstehen uns alle super – und wir haben auch die Qualität, um Europameister werden zu können.“

Und nebenbei mit dem HSV in die obere Tabellenhälfte – das wäre doch auch etwas. Jetzt, wo die Mannschaft doch noch entsprechend verstärkt worden ist. „Maxi“ Beister schwärmt von Rafael van der Vaart: „Er ist absolut positiv für mich, ich werde von ihm profitieren. Ein Rafael van der Vaart gibt immer alles für die Mannschaft, und er hat in den letzten Jahren so viele klasse Leistungen gezeigt und damit bewiesen, was er für eine Klasse hat, und trotzdem nimmt er sich hier nichts raus. Er ist ein absoluter Teamspieler, man kann als junger Spieler zu ihm gehen und sich Tipps holen, man kann sich ganz normal mit ihm unterhalten – und auf dem Platz kann er eben den einen oder anderen entscheidenden Pass schlagen.“

Dass Beister diese gewissen Anfangsschwierigkeiten beim HSV gehabt hat, soll ja auch an leichten Schwächen in seiner Defensivarbeit gelegen haben. Aber auch in diesem Punkt zeigte er sich zuletzt – in den Begegnungen mit der Schweiz – bei der U-21 – verbessert. Fast hätte ich geschrieben, deutlich verbessert, aber auch ein Freund von mir machte mich auf diesen >Umstand aufmerksam. Beister selbst konstatiert: „Ich glaube schon, dass ich mich in den letzten drei Wochen defensiv gesteigert habe, dass konnte man auch in den EM-Qualifikationsspielen sehen. Da hat das in meinen Augen sehr gut geklappt.“ Weiter führt er aus: „Wir Offensivspieler denken natürlich offensiv, deswegen ist es so eine Sache mit der Defensive. Wie versuche ich meine Defensivaufgaben zu verbessern, daran denkt man sehr wohl, aber ich denke, dass ich auch in dieser Beziehung schon einen Schritt nach vorne gemacht habe.“ Er gibt dann aber auch zu: „Ich weiß sehr wohl, dass ich da noch eine Schippe drauf legen muss, dass ich mich auch in taktischen Dingen noch verbessern muss – aber ich bin da, so glaube ich, schon auf einem guten Weg.“

Am Freitag in Augsburg wird er das unter Beweis stellen können. Er sagt: „Meine Erinnerungen an Augsburg sind nicht die besten, wir haben da mal 2:1 zur Pause geführt und noch 2:5 verloren. Der FCA ist eher defensiv eingestellt, man muss Geduld haben, man darf auch bei einem Spielstand von 0:0 in der 60. Minute nicht die Ruhe verlieren, sondern man muss weiter versuchen, sein Spiel zu spielen. Und man muss die Chancen, die man dann hat, auch eiskalt nutzen. Und wenn wir konzentriert spielen, die Zweikämpfe gewinnen und die zweiten Bälle erobern, dann werden wir auch mit einem Dreier nach Hamburg zurückkehren.“

Na, das ist doch mal ein Wort, „Maxi“!
Also nur beherzigen, diese Dinge, dann klappt es wahrscheinlich auch mit dem zweiten Auswärtssieg der Saison.

In Sachen Aufstellung bin ich persönlich nicht nur gespannt, was Thorsten Fink nun mit Maximilian Beister vor hat. ich denke auch an die HSV-Defensive. In diesem Punkt stand in der Spiel-Information zu lesen, die es vor der Stuttgart-Partie vom HSV (für alle Journalisten) gegeben hat: “Der HSV und der VfB Stuttgart sind die beiden Bundesliga-Teams, die die meisten Schüsse auf das eigene Tor zulassen.” Da gibt es also auch noch harte Arbeit für das Trainer-Team zu verrichten. Und fast unbemerkt gab am vergangenen Sonntag ja ein “neuer Mann” seinen Einstand beim HSV: Paul Scharner. Wenn auch nur für die letzten fünf Minuten (für Son), wenn auch nur als Kopfball-Ungeheuer im Angriff. Geplant ist der Österreicher aber ja für die Innenverteidigung, und da wäre es sicher auch ein wenig hilfreich für den HSV, wenn es da (mal) einen Spieler geben würde, der auch das eine oder andere Mal kräftig zulangen oder dazwischen hauen kann. Man darf gespannt sein, wann Scharner dort hinten seine Vorzüge einbringen darf – und zwar von Anfang an. Ich, das will ich nicht verhehlen, würde mich freuen, wenn das recht bald geschehen könnte. Dann, so denke ich, würde der HSV in dieser geschilderten Statistik bestimmt nicht länger auf dem letzten Platz herumdoktern . . .

So, ein ganz anderes Thema:
Als ehemaliger HSV-Profi ist man ja nie so richtig aus dem Blickfeld aller Rothosen-Freunde. Deswegen nun noch diese Meldung: Piotr Trochowski ist in den USA wegen eines schweren Knorpelschadens operiert worden. Der „kleine Dribbelkünstler“ wird deshalb acht Monate pausieren müssen – was für eine Strecke. Und: Nationalmannschaft ade. Unglaublich gut aber die Aktion der Mannschaftskollegen vom FC Sevilla, die vor dem Erstliga-Spiel am Montag (gegen Mallorca, 3:2 gewonnen) alle ein T-Shirt trugen, auf denen beste Grüße und Genesungswünsche an „Troche“ zu lesen waren. Tolle Aktion!

Und dann noch ein Hinweis in eigener Sache:
Am Freitag gibt es die nächste Folge von „Matz ab live“ aus dem „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel), und zwar mit zwei besonderen Gästen. Es sind Spieler aus jener HSV-Mannschaft, die dem Klub erstmalig – 1977 – einen Europapokal in die Vitrine stellten. Ihr Kommen haben die Abwehrrecken Peter Hidien und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp. Darüber freue ich mich sehr – und ich hoffe, dass ihr nach dem HSV-Spiel in Augsburg einschalten werdet.

PS: Morgen wird um 10 Uhr im Volkspark trainiert.

19.39 Uhr

Lam verletzt sich – hoffen auf die Überraschung

21. September 2012

Vorneweg etwas in eigener Sache: Heute heiratet unser Moderator Dennis in Reinbek seine Freundin Bianca. Im Namen aller Blog-Verantwortlichen möchte ich ihm und seiner Lieben auf diesem Wege alles Gute und eine lange, gesunde, gemeinsame Zukunft wünschen. Zudem ist es eine tolle Gelegenheit, ihm sowie seinem Kompagnon Andre für die tolle Moderation dieses Blogs zu danken. Was die beiden leisten können tatsächlich nur die beurteilen, die es täglich miterleben. Und daher: Chapeau, meine Herren! Das ist ganz großer Sport.

Womit ich wieder zum HSV überleiten will. Da war für den heutigen Freitag ein geheimes Training angesetzt. Und das war auch gut so. Es klingt aus dem Mund (der Feder) eines Journalisten vielleicht etwas komisch, zumal der von den persönlichen Eindrücken lebt – allerdings kann ich mich in der aktuellen Situation diesbezüglich auch mal gut zurücknehmen. Zumal in Sachen Beurteilung der Einheiten nicht immer Einigkeit herrscht. Aber okay, das ist ein anderes Thema.

Und zwar ganz sicher nicht für heute. Denn die ersten Punkte sollen her – egal wie. Und wenn ein Geheimtraining dabei hilft, ist es die Mühen und den Verzicht unsererseits allemal wert. Dass es am Ende doch ein offenes Training wurde, war dann eher der Schonung des Stadionrasens geschuldet. Zudem wollte Trainer Thorsten Fink beim Abschlusstraining nicht nur seine erste Elf zusammenspielen lassen, sondern noch den einen oder anderen Spezialeffekt trainieren. Wobei sich die Spezialeffekte auf die Abwehrarbeit konzentriert haben dürften. Denn noch immer ist die Defensive die Achillesferse, obgleich der Sturm an sich noch nicht zu bestechen wusste. Gegen den BVB sollte Heung Min Son eigentlich als Spitze agieren. Im Abschlusstraining beorderte ihn Fink dann allerdings doch wieder auf die rechte Außenbahn und ließ dafür Artjoms Rudnevs vorne spielen. Nur gut, dass der Südkoreaner positionell nach eigenen Angaben keine Präferenzen hat. „Ob links, rechts, hinter den Spitzen oder ganz vorn ist mir egal. Hauptsache, ich spiele.“

Und das wird er gegen Dortmund. Das tut er schon seit einigen Spielen. Unter Fink ist Son zum Stammspieler mutiert, obgleich positionell abweichend. „Ich bin natürlich ganz zufrieden mit der Entwicklung“, sagt Son und meint damit seine persönlich, aber nicht die Entwicklung der gesamten Mannschaft. Das wiederum verwundert mich ein wenig, da ich noch immer fest davon überzeigt bin, dass Son nicht annähernd das abruft, was in ihm steckt. Noch immer hat der beidfüßige Offensivspieler zu viele Ballverluste, zu viele unnötig verlorene Zweikämpfe. Und noch immer kommt der schussgewaltige Südkoreaner zu selten zum Abschluss. Dass er mehr Potenzial hat, als bislang gezeigt, sieht Son ähnlich. „Ich muss im Training noch eine Menge Gas geben und mich noch weiter entwickeln.“

Dabei helfen soll auch Rafael van der Vaart, den Son „eine Bombe“ nennt. Von dem Niederländer will Son profitieren. In Form von gekonnten Zuspielen – aber vor allem auch von dessen Erfahrung. „Rafael ist ein Riesenspieler. Er hat ein gutes Auge, das Passspiel. Ich bin sehr, sehr froh, dass er zurückgekommen ist. Von ihm kann ich noch sehr viel lernen.“

Vor allem aber soll van der Vaart, und darauf hofft auch Son, für den sportlichen Aufschwung sorgen. „Wir haben vier Pflichtspiele verloren – das ist nicht gut. Die Tabelle sieht schon scheiße aus.“ Stimmt. Und etwas überraschend fügte Son hinterher: „Aber die Stimmung in der Mannschaft ist super.“ Einen kurzen Augenblick habe ich gestockt – dann aber wurde klar, dass Son nur sagen wollte, dass sich die Mannschaft nicht aufgegeben hat, dass sie trotz der Niederlagen nach vorn blickt. Gerade auch, weil mit van der Vaart, Badelj und dem leider noch zwei Spiel gesperrten Jiracek viel Qualität hinzugekommen ist. Son: „Wir haben Qualität. Wir dürfen uns einfach nicht zu viele Gedanken machen.“

Wohin das führen kann, war in den letzten Spielen zu erkennen. Auch bei ihm selbst. „Ich habe bei meiner ersten großen Chance zu viel nachgedacht. Das war mein Fehler.“ Anschließend habe zu lange seiner der Chance nachgetrauert. „Ich habe immer wieder gedacht, dass wir mit meiner Chance geführt hätten, dass das ganze Spiel anders gelaufen wäre.“ Bis zu seinem eigenen Treffer. Dort habe er instinktiv gehandelt. Ob er gegen Dortmund wieder versuchen würde, bei einer derart klaren 1:1-Situation den Torwart zu umspielen? „Das mache ich vom Dortmunder Keeper abhängig.“

Klar aber ist, dass Son der Torschütze ist, der den letzten Heimsieg herbeigeführt hat. Am 14. April sorgte er für den 1:0-Erfolg, der den Weg zum Klassenerhalt ebnete. „Das war vielleicht der schönste Moment in meiner HSV-Zeit bisher“, sagt Son, „das war damals sehr wichtig für die Mannschaft und für mich.“

Im Moment von großer Bedeutung für den HSV sind die ersten Minuten der Spiele. Immer wieder wirkt die Mannschaft schläfrig, kritisiert anschließend die ersten Minuten der jeweiligen Partien. „Auch in Frankfurt haben wir uns noch vor dem Spiel deutlich gesagt, wie wichtig gerade die ersten Minuten des Spiels sind“, sagt Son, „und wir konnten uns anschließend nicht erklären, weshalb es wieder schiefgegangen ist.“ Auch Son selbst hat keine Ahnung, woran es liegt. „Ich bin mir sicher, dass alle zugehört haben. Daran kann es nicht liegen. Aber vielleicht war es auch Pech…“

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Klar ist, dass der HSV gegen Dortmunds bärenstarke Offensive insbesondere defensiv geschlossener auftreten muss. Und dabei ist der Ausfall von Jeffrey Bruma, der heute beim Abschlusstraining gar nicht mitmachen konnte, kein Vorteil. Der Niederländer klagt noch immer über Schmerzen im Knie und wird nahezu sicher ausfallen. Für Bruma rückt der eigentlich schon auf die Bank degradierte Michael Mancienne wieder in die erste Elf. Der Engländer wird nach seinen durchwachsenen Spielen zuletzt neben Heiko Westermann eine neue Chance erhalten, während Dennis Diekmeier rechts verteidigt. Zudem spielte Zhi Gin Lam beim Abschlussspiel in der A-Elf Linksverteidiger, womit klar schien, dass Marcell Jansen vorne links bleibt. Stand 16.55 Uhr: Gegenüber Frankfurt gibt es nur die zwangsweisen personellen Veränderungen Bruma und Jiracek, den Tolgay Arslan ersetzen wird.

Das allerdings änderte sich schnell, als sich Lam plötzlich an den Oberschenkel fasste. Nur wenige Minuten vor Trainingsende musste der kleine umfunktionierte Linksverteidiger vom Platz getragen werden. Eine noch nicht näher definerte Muskelverletzung zwang Lam zum Abbruch und Fink somit um schnellen Umbau. „Ich war mir klar, jetzt muss ich alles umwerfen“, so Fink wenig begeistert. Allerdings dürfte der Umbau schnell gehen: Jansen rückt auf die linke Abwehrseite, während Ivo Ilicevic, bei dem noch immer alle auf den Durchbruch hoffen, auf die linke Offensivseite. Sollte der Kroate, von dem ich mir bei dessen Verpflichtung so viel erhofft hatte, endlich das zeigen, was ihn in Kaiserslautern stark gemacht hat, wäre der Tausch Lam/Ilicevic nicht zwingend eine Verschlechterung.

Abwarten und Daumen drücken.

Wobei die Partie gegen Dortmund natürlich ungleich schwerer werden dürfte, trotz des Ausfalles von Ilkay Gündogan, den Sven Bender ersetzen wird. Ansonsten kann BVB-Trainer Jürgen Klopp auf seine beste Elf zurückgreifen. Auch auf den zuletzt lange fraglichen Keeper Roman Weidenfeller. „Die spielen schon richtig guten Fußball“, lobt Son. Und er hat Recht.

Ebenso wie viele hier im Blog, die genervt sind vom Thema Vereinspolitik. Schon der teilweise abstrusen Diskussionen wegen lasse ich heute selbige komplett außen vor. Und ganz ehrlich: das interessiert mich unmittelbar vor einem solchen Spiel auch nicht die Bohne. Dass die ganzen Themen bestehen bleiben, ist klar. Darauf sollten hier alle gefasst sein. Da kommen noch viele kleine, mal dunkle, mal weniger dunkle, mal heikle, mal weniger heikle Geheimnisse ans Tageslicht. Die Grabenkämpfe sind nunmal da. Ob wir es gut finden oder nicht. Und um dem/der einen oder anderen Blogger/-in zu antworten: Die Gerüchte um Arnesen kommen nicht von mir, sie stehen seit Monaten im Raum und wurden auch nicht von mir öffentlich gemacht, sondern von der SportBild. Intern gibt es einige Leute, die sich in diesem Thema um eine lückenlose Aufklärung bemühen. Einige von ihnen sind damit zufrieden, dass bislang nichts Illegales nachzuweisen war, andere suchen weiter. Dafür kann ich nichts. Aber ich werde Euch zu gegebener Zeit davon berichten. Allerdings werde ich hier einen Teufel tun und mich zwischen die Fronten setzen. Warum auch? Ich bin Berichterstatter und komme dieser Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen nach. Ich lasse mich nicht von der einen oder der anderen Seite einspannen. Auch nicht von denen hier im Blog, die mich immer wieder irgendwelchen Fraktionen zurechnen wollen und die teilweise ebenso kreative wie abstruse Presse-vs-HSV-Verschwörungstheorien enttarnt haben wollen.

Wobei: Ich frage mich eigentlich immer wieder beim Lesen dieser Kommentare, was für Berichterstatter diese Blogger wären, die völlig unbelegt und nachweislich substanzlose Gerüchte über andre Blogger, Dieter oder auch mich hier in die Welt setzen, während sie sich genau darüber bei mir und meinen Kollegen so massiv beschweren….

Egal! Schon gar nicht werde ich hier Namen derer nennen, mit denen ich beim HSV spreche, solange die es nicht ausdrücklich autorisiert haben. Ich werde aber gern in den nächsten Blogs immer darauf hinweisen, wenn ich noch einen Teil zum Thema Vereinspolitik/Arnesen etc. schreibe. Dann können die, die nicht an einer umfänglichen Berichterstattung interessiert sind, den Teil meiden, ohne sich zu ärgern. Das ist auch völlig okay und stört tatsächlich niemanden.

In diesem Sinne, hoffen wir endlich mal wieder auf einen Festtag in der Imtech-Arena. Am besten mit einem Überraschungserfolg (schon ein Remis wäre sowas) gegen Dortmund. Zumal ich mich noch sehr gut an einen Sieg vor sieben Jahren am 24. September 2005 gegen den FC Bayern erinnere. Damals war ein gewisser Rafael van der Vaart neu beim HSV und erzielte im Duell mit dem damaligen Titelträger Bayern München das wichtige 1:0. Am Ende siegte der HSV dank eines Traumtores von Piotr Trochowski am Ende mit 2:0 und sorgte für die so oft herbeigesehnte Initialzündung, die den HSV letztlich sogar bis in die Champions League führte. Dass wir das heute nicht erwarten können, ist klar. Erwarten können wir aber, dass sich dieser HSV zerreißt und dem spielerisch übermächtig wirkenden BVB alles abverlangt.

Bis morgen!
Scholle

So könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Arslan – Son, van der Vaart, Ilicevic – Rudnevs.

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