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Sobiech soll schon am Donnerstag kommen

7. Juli 2013

Das Gute vorweg: Der HSV macht am Dienstag noch ein Testspiel. Gegner ist der österreichische Zweitligist FC Liefering (frisch aufgestiegen). Ein Klub, der mit Red Bull Salzburg kooperiert und die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink noch mal vor eine etwas schwerere Aufgabe stellen soll. „Allein der Test gegen die Zillertalauswahl war mir dann doch zu wenig.“ Insbesondere ob des mauen 0:2 zu Beginn des Trainingslagers am Freitag in Innsbruck. „Es ist noch alles etwas zäh bei uns“, umschreibt Fink diplomatisch den unbefriedigenden Zustand der Mannschaft. „Man sieht halt, dass wir Fitness brauchen. Für die Beine und letztlich auch, um uns besser zu konzentrieren. Wir müssen uns die Kondition holen – dann kommt der Rest.“

Und dafür gab es heute – mein armer Kollege Flo Heil muss das alles nachtrainieren – einen ordentlichen Ausdauer- und Kraftzirkel auf dem Nebenplatz des Hippach-Stadions. Nicht zu lang, aber intensiv. „Wir dürfen uns nicht noch einmal so präsentieren, wie in Innsbruck“, sagt Sportchef Oliver Kreuzer noch mal klar und redet sich ein wenig in Rage. „Das Spiel in Innsbruck kam sicher zu einem unpassenden Zeitpunkt. Aber so ein Auftreten kann und darf nicht das Resultat sein. Das war eine unterirdische Leistung. Sowas darf nicht noch ein zweites Mal passieren. Wir dürfen uns nicht so blamieren. Gerade jetzt, wo wir stimmungsmäßig auf einem guten Weg waren, wirft uns das meilenweit zurück. Jetzt heißt es doch gleich wieder: ‚Da geht dieselbe Scheiße von vorne los’. Dabei war vorher zuträgliche Ruhe im Stall.“

In ähnlich klaren Worten habe er es auch den Spielern gesagt, die das Spiel laut Kreuzer zu leicht genommen haben. Und dann sagt der Sportchef etwas, was mich hoffen lässt, dass endlich nötige Veränderungen im Anspruchsdenken und Handeln der Spieler herbeigeführt wird. „Der HSV muss immer gewinnen. Immer! Egal ob Champions-League-Finale, Innsbruck oder Zillertalauswahl – das muss unser Anspruch sein. Fürth und Augsburg darf sowas mal passieren. Aber Mannschaften wie Bayern Dortmund, Schalke und Hamburg nicht. Wir dürfen kein einziges Spiel mehr zu leicht nehmen. Denn genau da fängt es an…“

Sätze, mit denen Kreuzer offene Türen bei Fink einrennt. „Der Olli hat halt die Bayern-Mentalität noch drin, das Sieger-Gen. Ich finde es gut, wenn der Sportdirektor gleich Gas gibt.“ Zumal Kreuzer das auch an der Transferfront macht. Am Montag unterschreibt Marcus Berg in Hamburg seinen Auflösungsvertrag und in Athen bei Panathinaikos. Im Gegenzug will Kreuzer schon heute Lasse Sobiech klarmachen. „Lasse soll so schnell es geht zur Mannschaft stoßen“, sagt Kreuzer über den 1,96-Meter-Mann, der den HSV rund 500000 Euro Ablöse kosten soll. Geld, das der HSV beim 2-Millionen-Gehalt Bergs eingespart hat. „Rechne ich den Abgang gegen den Neuzugang bleibt noch immer eine siebenstellige Summe übrig“, rechnet Kreuzer und hofft daher auf Grünes Licht vom Aufsichtsrat. „Ich bin da ganz optimistisch.“

Geplant ist, dass der ehemalige St.-Pauli-Profi nach dem Trainingslager zur Mannschaft stößt. „Ich erwarte bis spätestens Dienstag eine Entscheidung von Michi“, sagt Kreuzer und meint mit „Michi“ Dortmunds Sportchef Michael Zorc. „Spätestens am Donnerstag oder Freitag soll Lasse dann zur Mannschaft dazu stoßen.“ Wobei bei der Personalie des U21-Nationalspielers Eile geboten ist. „Dem Trainer war primär wichtig, hinten Stabilität reinzubekommen“, sagt Kreuzer, „und dafür sind wir mit Johan Djourou und mit Lasse als Neue gut gerüstet. Aber während es kein Problem ist, neue Offensivspieler einzubauen, bedarf es defensiv deutlich mehr Zeit, die nötigen Automatismen einzustudieren. Deshalb werden wir ganz sicher keinen Tag verschenken.“

Ähnlich wie bei Jacques Zoua. Der Kameruner landet am Montagabend in München und reist dann noch zur Mannschaft, um Dienstag mitzutrainieren und am Mittwoch schon wieder abzureisen. Bei dem Kameruner hatte der FC Basel das Visum nicht verlängert, nachdem der Transfer nach Hamburg fix war, zugleich aber den HSV nicht informiert. Als der HSV davon erfuhr, war es schon zu spät. „Marinus Bester hat aber in der Zwischenzeit einen tollen Job gemacht und Zouas Anreise ermöglicht“, lobt Kreuzer, obwohl die gesamte Geschichte eigentlich nichts zu loben hergibt.

Aber okay, Zoua kommt ins Zillertal. Und es ist gut möglich, dass Fink ihn im Test gegen Liefering einsetzt. Zumindest für zehn Minuten. „Damit die Fans ihn sehen und kennenlernen. Aber erst mal schaue ich, wie er nach den Reisestrapazen körperlich drauf ist“, so der Trainer, der ansonsten bis auf Ilicevic („Da muss ich erst Rücksprache mit der medizinischen Abteilung halten“) alle 25 mitgereisten Profis einsetzen will. Auch die drei Innenverteidiger, die aller Voraussicht nach noch den HSV verlassen werden. Zumindest plant es der HSV so für das Testspiel, obwohl der Klub mit Rajkovic, Mancienne und Scharner grundsätzlich nicht mehr plant. Kreuzer hatte sich in den letzten Tagen mit den Dreien zusammengesetzt und ihnen ihre Situationen aufgezeigt. So, wie er es zuvor bei Gojko Kacar, Marcus Berg und Robert Tesche gemacht hatte. Letzterer hatte in der vergangenen Woche Verhandlungen in Spanien geführt. Und laut Kreuzer kommt Bewegung in den Wechsel. „Robert ist jung und will spielen. Der will nicht auf der Tribüne hocken. Er selbst strebt einen Wechsel an.“

Gut so. Denn auch wenn bei Tesche wenig bis keine Ablösesumme zu erwarten ist, Kreuzer schafft es zumindest, Gehälter einzusparen. Warum er das schafft, was vorher bei Arnesen nicht geklappt hat? Kreuzer: „Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass das Fußballgeschäft ganz sicher knallhart ist – aber es auch einer Portion Menschlichkeit bedarf. Mir hat Giovanni Trapattoni beim FC Bayern mal gesagt: ‚Olli, pass auf. Du wirst bei uns in der kommenden Saison wenig spielen.’ Weil er auf junge Spieler wie Babbel und Kuffour setzen wollte und am Ende auch setzte. Das war hart, aber ehrlich. Und deswegen bin ich am Ende in die Schweiz gewechselt, als ich gesehen habe, dass ich trotz guter Leistungen in den 17 Einsätzen, die ich hatte, immer wieder raus war, wenn der entsprechende Verteidiger wieder gesund war. Und deshalb sage ich es den Spielern auch so. Ich haue nicht mit dem Hammer auf den Kopf und sage: ‚Ab sofort bist du raus und trainierst bei der U23.’ Ich versuche stattdessen den Spieler bei der Ehre zu packen, ihm seine Situation aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass er weg muss.“ Auch Rajkovic, Mancienne und Scharner.

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Letztgenannter hatte uns gesagt, er habe klargemacht, dass er bleiben wolle. „Das hat er uns in dem Gespräch am Freitag definitiv nicht so gesagt. Er hat vielmehr gesagt, dass er sich die Situation erst anschauen wolle und dann entscheidet.“ Und ich habe so das Gefühl, dass sich die Drei denken, an einem Tah und Sobiech sehr wohl vorbeikommen zu können. Ergo: Warten, bis die anderen zwei „Aussortierten“ weg sind und dann als Nummer fünf das Feld von hinten aufrollen.

Wobei ich hoffe, dass genau dieses Szenario nicht eintritt und Kreuzer Recht behält. Denn der Sportchef setzt auf den guten Ruf Scharners in England spekuliert. „Er genießt in England einen ausgezeichneten Ruf. Sollte er auf dem Markt sein, dürfte es für ihn kein Problem sein, in England unterzukommen.“ Das allerdings nicht ablösefrei. Ebenso wie bei Rajkovic und Mancienne, der in der abgelaufenen Saison noch Stammspieler war, rechnet Kreuzer mit Ablösesummen. „Klar ist, dass uns die Vereine keine Unsummen hinterherwerfen werden. Aber wir haben auch nichts zu verschenken.“ Deshalb legte Kreuzer auch Wert auf die Feststellung, dass alle drei bis zu einem etwaigen Wechsel ganz normal Kaderspieler blieben. Also nicht in Ochsenzoll mit der U23 trainieren sollen.

Und während Kreuzer bei den drei angesprochenen ein gutes Gefühl hat, dass es zum Wechsel kommt, macht er sich bei Gojko Kacar Sorgen. Der wird von seinem Onkel Milan betreut und vertreten. „Und ich weiß nicht, ob Milan über das nötige Netzwerk verfügt“, so Kreuzer. Deshalb habe er andere Berater angesprochen, die sich umsehen sollen. „Gojko war enttäuscht, als ich ihm mitgeteilt habe, dass wir nicht mit ihm planen, dass er nicht mehr zum Kader gehört. Aber am Ende des Tages ist diese Entscheidung für alle gut.“ Wenn sie denn umgesetzt werden kann.

In diesem Sinne, eigentlich wollte ich Eich heute auch noch von meinem netten Zusammentreffen mit Kerem Demirbay erzählen – das allerdings vertage ich auf morgen, um Euch nicht mit zu langen Blogs zu langweilen. Dafür aber noch einmal der Hinweis, dass ich aus dem Trainingslager auch immer wieder aktuell via facebook (zumindest so lange, wie es mein Auslandsdatenpass der Telekom noch zulässt) und selten auch via twitter (alias Scholle0003) berichte, oder besser gesagt, Updates reinstelle unter www.facebook.com/groups/matzab. Schaut doch mal rein, wenn Ihr Lust und Zeit habt.

Bis morgen,
Scholle

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