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***Engländer vermelden Holtby-Wechsel zum HSV****Es geht endlich wieder los – ohne Demirbay und Skjelbred

29. August 2014

****Aktualisiert: Holtby-Wechsel fix? Englische Zeitungen vermelden den Wechsel von Holtby zum HSV als perfekt – der HSV dementiert. Noch….*****

Endlich Heimspieltag. Der SC Paderborn kommt. Und die HSV-Fans sind wieder heiß auf ihren HSV. Knapp 53000 Tickets sind nach Angaben des HSV bislang abgesetzt – und ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie die Stimmung sein wird. Dass es genügend Gründe gibt, diese Mannschaft anzufeuern ist fraglos. Das stand bei den echten Fans nie infrage. Auch jetzt in AG-Form nicht. Auch deshalb appellierte Marcell Jansen an die Fans – was ich grundsätzlich okay finde. Zumal auch ich hoffe, dass sich letztlich die Qualität der Arbeitenden beim HSV über die Rechtsform hinwegsetzt und sich am Ende wieder eine große HSV-Gemeinde Sonnabend für Sonnabend für den HSV in Bewegung setzt.

Und es gibt neben den sportlichen Punkten auch im Umfeld schon viele erfreuliche Bewegungen. „HSV Schnack“ (www.HSVC-Schnack.de) hat die Supporters auch medial wieder als Abteilung aufleben lassen, Poptown hat seinen Rückzug vom Rückzug bekanntgegeben. Und im berühmt-berüchtigten Block 22c sind auch nicht viele Plätze frei geblieben. Allein, ob von dort oben weiter Stimmung gemacht wird, ist offen. Aber es gibt Anzeichen, die hoffen lassen. Weil dieser HSV ein endlich seriöses Gesamtbild abgibt.


Trainer und Mannschaft haben hart gearbeitet, der Vorstand hat seine Arbeit ebenso ruhig wie intensiv erledigt und der Aufsichtsrat – der taucht so gut wie gar nicht mehr auf. Ergo: Der HSV hat gelernt. Und die HSVerinnen und HSVer honorieren das. Es mag zwar nur ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung sein. Aber es ist eben auch der erste kleine richtige Schritt seit langer Zeit. Umso schöner wäre es, wenn die gesamte Vorbereitung letztlich mit dem Transfer von Lewis Holtby ob als Kauf oder (sehr wahrscheinlich) als Leihgeschäft – egal. Es würde eine Vorbereitung abrunden, die so lief, wie man es sich vom HSV wünschen darf. Eben komplett anders als in den letzten drei, vier Jahren.

Und so bin ich mir sicher, dass der HSV auf Sicht wieder Erfolg haben wird. Mehr als in der Vorsaison ist selbstredend. Weniger geht ja auch nicht. Aber ich glaube, dass der HSV sich im Nachwuchs ebenso gut aufstellt, wie er es oben mit den getätigten Transfers begonnen hat. Entsprechend gelassen sollte Marcell Jansen daher auf die erneute Nicht-Nominierung reagieren. Er hat jetzt genug Zeit, sich über Leistungen beim HSV wieder anzubieten. Und er hat einen verein, der zumindest wieder die Chance hat, sich nach oben zu entwickeln. „Und genau das habe ich vor“, sagt der Linksfuß, der gegen Paderborn voraussichtlich wieder in der Startelf stehen wird.

Im Abschlusstraining heute agierte er ebenso wie die ebenfalls erneut nicht für die Nationalelf nominierten Rene Adler und Heiko Westermann im A-Team. Übrigens in exakt jenem Team, das auch gegen Köln von Beginn an auf dem Platz stand. Soll heißen: Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Jansen – Behrami, Badelj – Arslan, van der Vaart, Ilicevic – Lasogga.

Ebenfalls dabei sein wird Cléber. Der Brasilianer feiert sein Debüt beim HSV. Als Reservist. „Ich habe in Brasilien schon gespielt und bin fot hergekommen“, so der Brasilianer, der Maori-Zeichen auf den Arm tätowiert hat. Zeichnungen, wie sie von Kriegern getragen werden. „Ich bin ein Kämpfer. Und ich bin auf alles vorbereitet. Ob Bank oder Startelf“, sagt Cléber, der noch nichts über Paderborn gehört hat, aber von Ex-Fußballer Edson Büttner nicht nur in Hamburg begleitet wird, sondern auch über die Gegner informiert wird. Die Spekulation, der FC Barcelona habe einmal Interesse an einer Verpflichtung gehabt, wies Cléber von sich: „Nein, da ist nichts dran.“ Was er von seiner ersten Saison in Hamburg erwartet? „Ich hoffe, dass ich mich schnell adaptieren kann und meine Spielweise dem HSV helfen wird.

Nicht mehr dabei waren Kerem Demirbay und Per Skjelbred. Obwohl sie beide noch pünktlich vor Trainingsbeginn an der Arena auftauchten. „Ich habe mich noch von der Mannschaft verabschieden wollen“, sagt Demirbay, der ab sofort für den 1. FC Kaiserslautern spielen wird. Für ein Jahr auf Leihbasis, am Sonntag geht es los. „Vorher besuche ich noch meine Familie“, so Demirbay, der dessen erster Frust über die fehlende Chance in Hamburg verflogen zu sein scheint. „Natürlich ist man erstmal enttäuscht, wenn man nach einer guten Vorbereitung keine Spielzeit bekommt. Aber mit der Entscheidung, zu Lautern zu wechseln bin ich sehr zufrieden. Der FCK ist ein Topklub, wo ich hoffentlich genug Spielzeit bekomme.“ Sollte er. Heute zwar noch nicht, dafür aber schon in einer Woche, wenn es wieder am Freitagabend dann gegen den FSV Frankfurt geht.


Zudem hat Demirbay nachträglich eine hohe Wertschätzung erhalten. Denn trotz des dringenden Wunsches des FCK, den Deutsch-Türken sofort zu kaufen, blieb der HSV hart. „Ich weiß, dass Herr Beiersdorfer recht viel von mir hält. Und das ist ein gutes, ein motivierendes Gefühl“, freut sich Demirbay, der letztlich im Guten wechselt und gern gestärkt zurückkommen will. Und selbst der Wunsch des FCKL nach einer Kaufoption blieb vom HSV unerfüllt. „Das zeigt mir, dass ich nicht alles falsch gemacht haben kann in Hamburg“, so Demirbay.

Ebenfalls nichts falsch gemacht hat zweifellos Per Skjelbred. Zumindest spielte er eine sehr ordentliche letzte Saison in Berlin, absolvierte eine gute Vorbereitung beim HSV und blieb auch in den letzten Tagen, in denen sich sein Wechsel zurück nach Berlin konkretisierte, nichts schuldig. „Ich freue mich, dass beide Vereine eine gute Lösung gefunden haben“, so Skjelbred, der in Berlin auch wieder auf seine Familie trifft, die dort wohnen geblieben war. Heute sammelte auch er seine Sachen zusammen und reiste ab. Für 1,3 Millionen Euro wechselt der Norweger in die Hauptstadt.

Daher: Alles Gute, Per! Alles Gute Kerem!

Richtig Gutes erfährt der HSV auch im Nachhinein von und für Vadis Odjidja-Ofoe. Der Mittelfeldspieler war im Januar 2008 für 400000 Euro aus Anderlecht zum HSV gewechselt, um im Januar 2009 nach Brügge zu wechseln. Und das für 900000 Euro – zuzüglich einer Vertragsklausel, die besagt, dass der HSV an einem möglichen Weiterverkauf beteiligt werden muss. Mein belgischer Kollege, der mich darüber informierte, sprach von einer 20-Prozent-Beteiligung des HSV. Und das wären noch mal 600000 Euro, sollte der Wechsel des 25-Jährigen zu Norwich für die jetzt bekannt gewordenen drei Millionen Euro Ablöse realisiert werden.

Geld, das der HSV für den Transfer seines absoluten Wunschspieler Lewis Holtby dringend braucht. Denn der Mittelfeldspieler, der in England bislang rund fünf Millionen Euro verdienen soll, wird egal wie nicht billig. Obwohl der 23-Jährige bereits sein soll, für einen Wechsel nach Hamburg auf einen Teil seines Gehaltes zu verzichten. Dafür leiht der HSV den Wunschspieler für ein Jahr aus – mit Kaufoption. Und ich bleibe dabei, dass dieser Wechsel stattfinden wird. Weil der HSV in Person Dietmar Beiersdorfers Holtby weiterhin unbedingt will. Ob zusätzlich noch ein Perspektivspieler für den Angriff geholt werden kann, hängt maßgeblich am Verhandlungsverlauf mit Tottenham.

Und obgleich für heute nicht mehr viel zu erwarten sein soll, ist das für morgen sicher anders zu sehen. Denn da sollte mit einer ähnlich disziplinierten Leistung wie in Köln ein Dreier drin sein. Auch ohne Holtby. In diesem Sinne, ich hoffe auf ein stimmungsvoll gefülltes Stadion und auf ein Spiel, das diese gute Stimmung nicht nur verdient, sie zudem fördert und am besten noch steigert.

Bis morgen,
Scholle

Van der Vaart: “Ich habe das Gefühl, ich treffe in Hannover wieder…”

20. Februar 2013

Kennt Ihr das? Ihr wollt etwas fragen – traut Euch aber die Frage nicht, weil es Euch dem Gast gegenüber unangenehm ist. Noch schlimmer: Schon der Fakt, diese Frage überhaupt stellen zu wollen, ist Euch selbst unangenehm. So ähnlich ging es mir heute bei Rafael van der Vaart. Der Niederländer saß uns Fragenden gegenüber und sprach über die Wichtigkeit des Hannover-Spiels und seines Tores für ihn. Und ich wollte wissen, wie sehr ihn der Hype um seine Kurzzeittrennung von seiner Frau genervt und gestört hat. Allerdings bedürfte das einer Frage über sein Privatleben – und sowas ist so gar nicht mein Ding. Es interessiert mich auch tatsächlich nicht im Zusammenhang mit Fußball.

Aber egal wie, ich habe gefragt. Allerdings anders. So zurückhaltend, dass ich mir die Frage mir selbst gegenüber rechtfertigen konnte. Eben gut verpackt, wie ich finde. Zumindest konnte Rafael den privaten Anteil problemlos selbst dosieren. Ob er sich darüber freut, endlich nur sportliche Nachrichten zu produzieren bzw. über sich lesen zu können, war die eine Frage. Und ob er für seine Leistungsfähigkeit einen Unterscheid spürt im Gegensatz zur Trennungsphase Anfang Januar? Zwei Fragen, die Medienprofi van der Vaart mit seiner gewohnt charmanten Art abarbeitete. „Natürlich war es wichtig für mich, mal wieder gut zu spielen. Und zuletzt, auch dank des Tores gegen Gladbach, war es schon besser. Und solche Tore schießt man nur, wenn man auch privat Ruhe hat. Die private Ruhe ist sehr wichtig. Ich fühle mich jetzt wieder frei.“ Hat man gesehen, wie ich finde. Schon beim Jubel – aber das hatten wir gestern ja schon…

Van der Vaart ist das Alphatier beim HSV in Sachen Selbstvertrauen. Als Fink gestern davon sprach, dass sich die Mannschaft eine andere Außenwirkung erarbeitet habe, dachte er mit Sicherheit auch an van der Vaart und dessen Wirkung auf die Mannschaft. Ein Rene Adler ist dabei sicherlich ähnlich einflussreich – aber van der Vaart ist derjenige auf dem Platz, an dem sich die meisten Spieler hochziehen. Er ist der Weltstar, der den Unterschied machen kann – wie mit seinem Traumtor gegen Gladbach. Und er ist auch der einzige, der öffentlich von Europa sprechen darf.

Aber genau das macht er nicht. Im Gegenteil, auch hundert Nachfragen verführen van der Vaart nicht zu leichtsinnigen Aussagen. Die Nummer 23 des HSV warnt stattdessen vor zu früher Zufriedenheit und appelliert an seine Mitspieler. „Hannover ist eine starke Mannschaft, das wird ganz schwer. Aber wir sind auch stark. Und das wissen die Gegner.“ Immerhin sei der HSV immer in der Lage, ein Tor zu erzielen. Und defensiv würde hervorragend gearbeitet. Eine gute Kombination. „Allein das verunsichert den Gegner nicht selten.“

Mit Folgen. Tabellarisch verbessert sich der HSV Woche für Woche. Und anstatt Häme werden Rudnevs, Son, Jansen und Co. Respekt entgegengebracht. Sagt van der Vaart. „Am Anfang haben die Gegner über uns gelacht, wenn wir angekommen sind. Das machen sie jetzt nicht mehr. Das merken wir.“ Schon anhand der gegnerischen Taktiken erkenne man das. Kein Gegner würde mehr auf Teufel komm raus den HSV unter Druck setzen wollen. Im Gegenteil, die Gegner sind vorsichtig geworden. Van der Vaart: „Alle versuchen erst mal, kompakt zu stehen. Weil wir immer gefährlich sind, weil wir Selbstvertrauen haben. Wir sind inzwischen einfach extrem schwer zu schlagen. Das wissen die.“ Ob Europa-League-Teilnehmer Hannover 96 aktuell einen Entwicklungsschritt weiter ist? „Nein“, sagt van der Vaart, „das ist nur eine Momentaufnahme. Der HSV ist so groß, das dreht sich in wenigen Sekunden.“

Van der Vaart ist auch die Vormachtstellung im Norden egal. „Wenn wir Dritter und die Zweiter sind, wäre mir das egal“, so der Linksfuß, der dem Nordderby am Sonnabend deshalb auch keine besondere Wichtigkeit beimisst. „Für die Fans ist es sicher was Großes, und den einen oder anderen Spieler motiviert es zusätzlich. Aber am Ende ist es ein Punktspiel. Und wir brauchen einfach die Punkte.“

Und dafür wiederum braucht der HSV Tore. Von van der Vaart – oder eben von den anderen. Zuletzt hatte sich Artjoms Rudnevs diesbezüglich ebenso hervorgetan wie Heung Min Son. Allerdings entstand nur um den Südkoreaner ein ungeahnter Wirbel. Arsenal, Liverpool, Tottenham, Chelsea – eigentlich alle Premier-League-Klubs und überhaupt alle Vereine dieser Welt – wollen Son. Zehn, 15, sogar 20 Millionen Euro Ablösesummen werden gespielt. Und mittendrin versucht HSV-Sportchef Frank Arnesen, den Südkoreaner längerfristig an den finanziell klammen HSV zu binden. Allerdings mit guten Aussichten auf Erfolg, wie Trainerteam und Vorstand gleichermaßen betonen. Und auch van der Vaart – den Son zuletzt als „mein Vorbild“ bezeichnete – ist guter Dinge. „Sonni macht das ganze Theater nicht unruhig. Er ist für uns überragend. Und ich glaube, dass er sich bei uns auch sehr wohlfühlt.“

Van der Vaart selbst will sich in den nächsten Tagen auch mal mit dem Angreifer unterhalten. „Eigentlich halte ich mich da raus“, sagt van der Vaart, „aber ich werde ihm sagen, dass es besser ist, noch zu bleiben. Und das nicht für uns als HSV, sondern für ihn.“ Hier in Hamburg habe Son beste Entwicklungschancen, während der Schritt zu einem europäischen Topklub gleichbedeutend mit weniger Einsatzzeiten und mehr Bankzeiten sein könnte. „Sonni ist jetzt 20 Jahre alt und spielt seine erste sehr gute Saison“, sagt van der Vaart und rät seinem Angreifer, „da muss er nicht gleich nervös werden. Es wäre gut für ihn, wenn er noch ein paar Saisons hier spielt.“

Das wäre es auch für den HSV. Obgleich die durchgesickerte Zusage Lewandowskis mit den Bayern – für mich der logische Schritt eines überragenden Bundesligastürmers – den Stürmermarkt innerhalb der Bundesliga noch mal wachrüttelte. Der Dortmunder wechselt wohl an die Isar und der BVB muss sich Ersatz suchen. Ob Son das sein kann? Bislang ist darüber nichts bekannt, aber es würde zu Klopp passen, statt eines fertigen Superstars sich ein Talent der Kategorie Son zu holen. Insgesamt glaube ich, dass sich auch die Bundesliga immer weiter hin zum spanischen Modell ohne reinen Stürmer entwickeln wird. Technisch versierte Offensivspieler wie Götze, Lewandowski oder auch Son werden gesucht – und auch das macht Son für den HSV noch wertvoller. Ob Son sich bei van der Vaart mal erkundigt hat nach der Premier League oder im Speziellen Tottenham? „Nein“, so der Niederländer, „und ich glaube auch nicht, dass er das machen wird. Im Gegenteil: Ich habe nicht das Gefühl, dass Sonni gehen will.“

Und wer ist als Orakel besser geeignet als der Mann, der seine ersten Treffer nach einer langen Durststrecke richtig ankündigte? Richtig – niemand! Deshalb musste heute natürlich auch die Frage folgen, was der HSV-Star für das bevorstehende Nordderby orakelt. Und wir wurden nicht enttäuscht: „Mein Gefühl sagt mir“, so van der Vaart, „dass ich wieder treffen werde!“

Klingt super, oder?! Und sollte van der Vaart seine sportlichen Leistungen jetzt noch dem Klang seiner Vorhersagen anpassen – dem HSV wäre doppelt und dreifach geholfen…

In diesem Sinne, morgen wird wieder trainiert. Mit Rene Adler und Slobodan Rajkovic, die auch heute schon problemlos mitwirken konnten und gegen Hannover dabei sein werden. Auch das klingt gut…

Bis morgen,
Scholle

Das darf einfach nicht der HSV-Anspruch sein…

22. August 2012

Es tut schon weh, Europa League zu sehen. Nicht weil der HSV nicht mitspielt – das geht vielen anderen Mannschaften auch so. Solche Zeiten kann man überstehen und sich neu aufstellen. Solche Zeiten bieten sogar ungeahnt große Chancen. Aber: es schmerzt, weil der Abstand des HSV zum großen europäischen Bühne so groß wie lange nicht mehr ist – und vor allem, weil er immer größer wird. Inzwischen ist sich der HSV nicht einmal mehr einig über den gemeinsamen Weg. Da sagt Frank Arnesen ganz offen, dass es Spieler gibt, die nur mit der Hilfe von Herrn Kühne zu finanzieren wären und dass darüber nachgedacht wird, der Kontakt zum Speditionsmilliardär da ist. Auf der anderen Seite widerspricht Klubboss Carl Jarchow seinem (immerhin auch) Vizepräsidenten und schließt eine Kooperation aktuell aus. Da sagt Arnesen, dass er keinen Spieler holen werde, nur um einen zu holen und Trainer Thorsten Fink sagt auf derselben Veranstaltung, dass auf jeden Fall noch ein kreativer Mittelfeldmann kommen werde. Es passt im Moment auf Führungsebene eben genau so viel zusammen, wie auf dem Platz.

Und dass das nicht viel ist, weiß inzwischen fast jeder. Auch hier im Blog, wo sich noch immer einige unerschütterliche Fans unfassbar über Dieter gestrigen Blog aufregen, haben die meisten Fans erkannt, dass Fantreue nicht nur blindes vertrauen in die Verantwortlichen bedeutet sondern auch, den Finger in die offene Wunde zu legen. Das äußert sich in den verschiedensten Formen – und zum Glück immer häufiger auch in konstruktiver Kritik. Denn das, was sich beim HSV derzeit abspielt, ist mit „fahrlässig“ noch beschönigt umschrieben. Oder glaubt hier irgendjemand, dass ein Frank Arnesen mit diesem Kader zufrieden ist? Glaubt jemand ernsthaft, dass Thorsten Fink keine Neuen mehr fordert? Beide wissen nur zu gut, dass es bei ausbleibendem Erfolg als allererstes um ihre Köpfe gehen wird. „Die Situation ist wie sie ist“, sagt Arnesen nur noch, „damit muss ich arbeiten.“

Klingt nach hundertprozentiger Überzeugung, meint Ihr nicht…?!?

Nein, liebe Blogger, was Dieter geschrieben hat, trifft es. Es herrscht momentan eine giftige Mixtur aus persönlichen Eitelkeiten, falscher Vorsicht bei Neueinkäufen und Ideenlosigkeit. „Wir holen keinen Zehner, nur um einen zu holen“, hat Arnesen heute wiederholt. Und das kann er nur deshalb gesagt haben weil er schon einen Namen parat hat. Denn alles andere käme seinem Scheitern gleich. Oder ist es zu verstehen, dass der Mann mit dem dicksten Notizblock Europas, wie der sympathische Däne vorgestellt wurde, es in den letzten Monaten (eigentlich seit Amtsantritt) nicht geschafft hat, eine passende Alternative aufzutreiben? „Wir haben das eingenommene Geld ungefähr wieder in Neue investiert“, sagte der Sportchef heute. Soll heißen, das Guerrero- und Töre-Geld sowie die eingesparten Gehaltsmillionen bei Petric stecken in Adler, Rudnevs, Scharner, Beister und Badelj. Geld für einen Zehner? „Im Moment müssen wir nach anderen Lösungen suchen“, so Arnesen ausweichend. Es ist einfach kein Euro mehr da, obwohl der Zehner die von allen immer und immer wieder beteuerte Priorität hatte. Bitter.

Heute wird wieder das Fass van der Vaart aufgemacht. Selbst Fink und Arnesen wollen einen Transfer des Niederländers nach Hamburg auf den letzten Metern der Transferfrist, die am kommenden Sonnabend endet, nicht ausschließen und wanden sich bei den Nachfragen. Arnesen sagte zwar, dass der Niederländer „im Moment kein Thema“ ist, allerdings feuerte er die Spekulationen noch an. Bei Tottenham wüsste man, dass Präsident Daniel Levy immer wieder Transfers in den letzten Sekunden der Transferfrist durchziehen würde. „Der braucht diesen Kick“, so Arnesen, der mit diesen Aussagen bei seinem eigenen Vorstandsboss keine Freudensprünge ausgelöst haben dürfte. Immerhin wäre van der Vaart nur mit sehr großzügiger Hilfe von Kühne finanzierbar…

Apropos Jarchow: Gestern wurde der Klubboss auf der NDR-Veranstaltung gefragt, warum er die von Euch gestellten Fragen nicht beantwortet hätte. Und bei aller Kritik – diesmal ist Herr Jarchow absolut schuldlos. Ich habe ihm die Fragen einmal leicht gefiltert zugeschickt – ihn dabei aber nicht erreicht. Deshalb, ganz klar: Mein Fehler! Als ich von Jarchow hörte, er hätte die Fragen nicht bekommen, hatte ich die Idee, die Fragen nicht schriftlich beantworten zu lassen, sondern vor der Kamera, da so sicherlich deutlich mehr Fragen beantwortet werden könnten. Das hatte ich leider vergessen, hier mitzuteilen, aber das machen wir jetzt. Dieter und ich sind dafür mit Jarchow für Mitte kommender Woche – weil wir das erste Spiel in der Bundesliga unbedingt abwarten wollten – verabredet. Wir werden dann eine Matz-Ab-Sendung drehen und möglichst viele Eurer Fragen von Carl Jarchow beantworten lassen. Dessen Zusage steht.

Sitzen wird am Wochenende Zhi Gin Lam. „Dennis wird den Vorzug erhalten“, ließ sich HSV-Trainer Thorsten Fink heute am Rande der Präsentation der neuen Panini-Bilder entlocken.

Einschub in eigener Sache: Kommt es nur mir so vor oder vermarktet der HSV wirklich alles, was es zu vermarkten gibt? Und wo bleibt dann das eingenommene Geld? Aber okay, es seien noch eine Menge finanzieller Altlasten abzuarbeiten, sagt Jarchow, der seinerseits optimistischer ist als manch anderer. Die Negativstimmung schon im Vorfeld einer Saison habe er so noch nie miterlebt, sagt Jarchow. Und damit mag er Recht haben. Auch damit, dass genau in dieser mehr als geringen Erwartungshaltung von außen eine große Chance liegt.

Aber mal im Ernst: geht es darum? Oder wäre es nicht für alle Beteiligten von Vorteil, eine Art Aufbruchstimmung mit neuen (meinetwegen auch alten) Hoffnungsträgern zu verbreiten? Ich befürchte, wir kommen irgendwann soweit, dass die HSVer sich im Recht sehen, wenn sie nur nicht absteigen. Und das ist ein Anspruch, der so unfassbar niedrig ist. Es ist ein Nicht-Anspruch, den die Nummer eins in einer der reichsten Städte Europas meiner Ansicht nach nicht haben darf.

Der Anspruch fürs Wochenende ist zumindest noch ein Sieg. Zum Glück. Und den plant Thorsten Fink mit einigen Umstellungen. Heung Min Son wird voraussichtlich erneut die Rolle des verletzten Tolgay Arslan bzw. des noch nicht gefundenen kreativen Mittelfeldspielers übernehmen. Diekmeier wie bereits erwähnt Lam ersetzen und Jacopo Sala dafür Maxi Beister auf rechts. Trotz seines Treffers gegen Karlsruhe kritisierte Fink heute seinen Rückkehrer. „Er muss defensiv noch mehr machen, dort dazulernen“, so Fink, der Sala die Rolle als rechter Mittelfeldmann zutraut und dem Italiener gutes Training attestierte. Zudem machte Fink heute Per Skjelbred Hoffnungen auf einen erneuten Startelfauftritt am Sonnabend gegen Nürnberg. „Er hat im Moment die Nase vorn“, so Fink.

Dieter hat den Status Quo sehr emotional, aber absolut passend beschrieben. Und auch seine Forderung, dass alle Beteiligten endlich aufwachen müssen, unterstütze ich zu 100 Prozent. Sie ist richtig. Und wichtig. Denn mit diesem Kader und der bislang unbegründeten Hoffnung auf Besserung in die Saison zu gehen, wäre fahrlässig. Das weiß Fink und macht intern Druck. Das weiß Arnesen, der nicht umsonst die Fässer Kühne und van der Vaart öffnete bzw. offen ließ und zudem den in großen Teilen sicherlich notwendigen aber in dieser Form auch gefährlichen Konsolidierungskurs öffentlich anprangerte („Wir dürfen uns nicht kaputtsparen“). Und das wissen inzwischen selbst die Spieler. Einige äußern sich hinter vorgehaltener Hand, andere übernehmen Verantwortung. Immerhin ging einer von ihnen inzwischen zu Arnesen und fragte offiziell nach, was personell noch geplant sei, weil er sich Sorgen macht.

In diesem Sinne, noch ist Zeit. Wenn auch nicht mehr viel. Aber immerhin noch etwas Zeit, um bisherige Mängel aufzuarbeiten.

Bis morgen,
Scholle

Arnesen: “Es passiert etwas. Schon sehr bald”

9. Juli 2012

Nur gut, dass sein kurzer Wutausbruch keine Verletzung nach sich zog. Immer wieder prügelte Marcell Jansen auf den gepflegten Trainingsrasen im Stadion von Hippach mit seiner rechten Faust ein. Er ärgerte sich über vergebene Chancen. Er fluchte sogar lautstark, obwohl er im Trainingsspiel seiner Mannschaft fünf Tore beisteuern konnte, er zu den auffälligeren Akteuren gehörte und seine Mannschaft am Ende gewann. Es war heute einfach Zug drin. Nach einem kurzen Kraftausdauer-Zirkel (bislang werden die hier noch sehr spielerfreundlich dosiert) folgte ein Spiel auf verkürztem Feld mit Anspielpunkten an den Außenseiten. Ein Spiel auf engem Raum. Ergo: viele schnelle Zweikämpfe, viele Torabschlüsse. Und viele Reibereien. Eben ein Spiel, das für die Zuschauer schön anzusehen und sehr unterhaltsam war. „Ich bin mit Robert Tesche eigentlich sehr gut befreundet“, sagte mir Tolgay Arslan anschließend, „wir haben uns anschließend auch wieder vertragen – aber selbst mit ihm habe ich mich in diesem Spiel richtig angelegt.“

Ein gutes Zeichen? Ja. Ebenso, wie die Tatsache, dass Frank Arnesen („Ich habe Ersatzakkus dabei“) fast durchgehend am Telefon hängt. Der Sportchef hat alle Hände voll zu tun, wie wir wissen. Immerhin muss noch eine ganze Menge passieren, sollte der HSV nicht wieder in den unteren Regionen spielen wollen. „Und es passiert schon ordentlich was“, sagt Arnesen, bevor er von einem Fan gefragt wird, wann dann beim HSV etwas Zählbares passieren wird. „Schon sehr bald, glaube ich.“

In Tottenham, so ist zu hören, ist auf jeden Fall schon ordentlich was los. Nachdem Rafael van der Vaart dort immer wieder platziert hatte, sich einen Wechsel – insbesondere in die Bundesliga – vorstellen zu können, scheint auch der Premier-League-Klub gesprächsbereit zu sein. Von HSV-Seite soll das Interesse an dem Niederländer nachhaltig platziert worden sein. Obgleich im Vorstand nicht alle für die Verpflichtung der einstigen Nummer 23 sind. Dennoch, und das wissen alle, bei keinem anderen Spieler auf der noch immer händeringend gesuchten Position besteht eine vergleichbar große Chance, von Fan/Investor/Mäzen Klaus Michael Kühne Geld zu bekommen. Und das ist angesichts des weiter stockenden Verkaufsstatus’ der eigenen Spieler so etwas wie ein (nicht der letzte, aber momentan der größte) Strohhalm, an den sich alle klammern.

Aber gut, zuletzt hatte uns Arnesen gesagt, es gebe zwei Spieler (Sechser und Zehner), die aus eigenen Mitteln finanziert werden könnten. Namen, die noch nirgendwo geschrieben wurden, wie uns versichert wurde. Aber eben auch Namen, die nur dann infrage kommen, wenn beim HSV Spieler abgegeben werden können. Doch diese Spieler wiederum gibt es aktuell nicht. Slobodan Rajkovic zählt dazu, ist heute aber vorzeitig zum Training erschienen, obwohl er eigentlich noch bis zum 11. Juli frei haben sollte. Anstatt zu wechseln, ist Rajkovic früher da als er muss – klingt nicht so, als ob er weg will. „Das ist lobenswert. Das zeigt seine gute Einstellung“, lobt Arnesen, wissend, dass es die Situation nicht leichter macht. Denn auch der Innenverteidiger scheint schwer zu vermitteln, zumal er beim HSV sehr gut verdient. Womit wir beim Kernproblem sind: die Spieler, die gehen sollen, müssten woanders auf Geld verzichten. Und das wollen sie natürlich nicht. Verständlicherweise. Das zählt für Rajkovic ebenso wie für Robert Tesche, Per Skjelbred (bei ihm soll Trondheim erfolglos angefragt haben), Jaroslav Drobny und am meisten natürlich der HSV-Topverdiener Paolo Guerrero. Eine Situation, die für die betroffenen Spieler nicht einfach ist. Egal mit wie viel Geld im Monat sie entschädigt werden, an der Ehre eines Profis kratzt es, wenn ihm gesagt wird, dass er nicht mehr gebraucht wird. „Das ist für jeden Spieler im ersten Moment schlimm“, sagt Arnesen, „aber im zweiten Moment erkennt er, dass man ihm mit so klaren, ehrlichen Aussagen helfen will. Denn kein Spieler spielt gern bei einem Verein, bei dem er nicht zum Einsatz kommt. Das ist doch klar.“

Klar gewonnen (zugegeben, kleiner Themenbruch…) hat am Sonntagabend übrigens Maximilian Beister. Ebenso wie die anderen Neuen Rene Adler („Dich zu lieben“ von Roland Kaiser), Rudnevs (lettische Nationalhymne), Macauley Chrisantus (Heimatlied aus Nigeria), Matti Steinmann (Udo Lindenbergs Duett mit Clueso „Cello“), Florian Stritzl (ein mir nicht bekanntes deutsches Raplied) sowie der dänische Youngster Christian Nörgaard, (die dänische Version von „Bruder Jacob“) musste Beister beim Mannschaftsabend unterhalb des Teamhotels singen. „Maxi ist er King, Maxi war mit Abstand der Beste“, lobte Arnesen, „der war so cool, als wäre das sein Beruf.“ Letztlich musste Beister sogar doppelt singen. Wie beim Grand Prix d’Eurovision üblich, musste der Sieger sein Siegerlied (Beister sang „Someone like you“ von Adele) zur Feier noch mal singen. Anders als Nörgaard (nicht Norgaard, obwohl das so auf dem Trikot steht…), dessen Lied nur Arnesen sofort erkannte. „Christian war sooo schlecht“, scherzte Arnesen anschließend, „ich habe ihm gesagt, dass das eine Schande für uns Dänen und für seien Eltern war, die beide Musiker sind. Ich habe ihm gesagt, dass er von mir eine heftige Geldstrafe aufgebrummt bekommt.“

Die hatte zuletzt tatsächlich Paolo Guerrero bekommen, der zusammen mit Tomas Rincon, Drobny und dem verletzten Ivo Ilicevic noch Urlaub hat und somit die ersten Einheiten mit dem neuen Angreifer Artjoms Rudnevs, bei dem übrigens beide „s“ am Ende des Vor- und Nachnamens mitgesprochen werden, verpasst. Zuletzt hatte es bezüglich des Namens unterschiedliche Aussagen gegeben – nur deshalb sei das hier noch mal erwähnt.

Ebenso wie die Tatsache, dass der erste Lette beim HSV gut angenommen wird. Mannschaftsintern wird er bereits Rudi genannt. Und er selbst sagt, dass er sehr glücklich ist, sich auf den nächsten Schritt freut, „der sehr hart wird. Die Bundesliga ist noch mal ein ganz anderes Kaliber als die polnische Liga. Aber dafür arbeiten wir auch härter.“

Das muss er allerdings auch. Denn obwohl Arnesen und auch Trainer Thorsten Fink immer wieder versuchen, jeglichen Druck von Rudnevs abzuwenden, setzt er sich selbst einem hohen Erwartungsdruck aus. „Wie ich gehört habe, bin ich der erste Lette in der Bundesliga. Ich repräsentiere hier mein Land. Und das möchte ich so gut machen wie zuletzt in Polen, wo ich 22-mal getroffen habe.“

Dass er eine solche Marke in der Bundesliga nicht sofort erwarten kann, ist Rudnevs klar. Der Angreifer wirkt aber sehr entspannt, verliert kein Wort zu viel. Er ist cool. Und er scheint alles im Blick zu haben. „Er ist eher ein ruhiger Typ“, sagt Arslan, der sich nicht nur außerhalb des Platzes mit dem Letten hervorragend versteht: „Vom ersten Tag an haben wir uns gut verstanden. Wir kennen schon unsere Laufwege, stimmen uns gut aufeinander ab. Und er ist mal ein ganz anderer Spielertyp als Paolo Guerrero und Mladen Petric, die viel übers Spielerische lösen können. Rudi kommt eher über die Laufarbeit, ist sehr viel unterwegs. Und dadurch reißt er viele Lücken. Zumal er nicht selten beide Innenverteidiger auf sich zog und ich dadurch unbeobachtet war.“

Lobende Worte für den Mann, der nach eigener Aussage seine Familie, Frau Santa und Tochter Arina in jeder Sekunde vermisst, die er noch ohne sie ist. „Sie ziehen wahrscheinlich zum ersten Spiel her, wenn die ganzen Vorbereitungstouren beendet sind“, sagt Rudnevs, der in Hamburg noch im Hotel wohnt und am Donnerstag mit dem Deutschunterricht beginnen will. „Die Sprache ist mir sehr wichtig“, so der 24-Jährige, der dafür sogar einen der ganz wenigen freien Tage opfert.

Rudnevs gewöhnt sich noch. So zumindest würde ich seine bisherigen Kostproben einstufen. Er zeigte in den Spielen ausbaufähige Leistungen. Im Training zeigte er aber auch, dass er zum Tormachen da ist. Er nahm wenig am Spiel teil, dafür traf er aber. „Ich bin Stürmer“, sagt Rudnevs, „und ich will zuallererst Tore machen. Ich muss viele Tore machen.“ Den Vergleich zum bisher besten HSV-Schützen, Mladen Petric, lehnt er dennoch ab. „Ich bin nicht der neue Mladen Petric – ich bin Artjoms Rudnevs. Und ich bin beim HSV“ Was die Ziele mit dieser Mannschaft sein können? „Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die sich sehr gut versteht. Alle sind freundlich zueinander und wissen, wie sie sich neben und auf dem Platz zu verhalten haben. Hier haben alle Respekt voreinander – und das ist mir wichtig“ Für welche Tabellenregion das reichen könnte? „Schwer zu sagen“, antwortet Rudnevs, der die Bundesliga ja auch nur aus dem Fernsehen kennt. „Aber die Mannschaft hat die große Chance, jetzt zu zeigen, dass sie sich auf einem großen Level zurechtfinden kann.“

In diesem Sinne, hier in Finkenberg hat es angefangen zu regnen. Unmittelbar vor dem wahrscheinlich anzahlmäßig mit Abstand am besten besuchten Fanfest, dass hier am Montagabend um 18 Uhr beginnt. Hoffentlich haben die dort Vorkehrungen getroffen. Denn diese mehr als 500 Fans, die jedes Training zum kleinen Fest machen, haben es allemal verdient.

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Dennis Aogo musste mit leichten Sprunggelenksproblemen heute pausieren, soll aber am Dienstag voraussichtlich wieder ins Training einsteigen können.

P.P.S.: Die Fahrradtour des HSV nach Hintertux gewann Heiko Westermann. Der Kapitän absolvierte die zehn Kilometer lange, stetig ansteigende (von 1500 auf 2000 Höhenmeter) Strecke in 50 Minuten.

P.P.P.S: Das Fanfest war, wie eigentlich alles bislang in diesem Trainingslager, bestens organisiert. Unter einem riesigen Zeltdach konnten rund 500 HSV-Fans mit den Profis sprechen, Fotos machen und sich Autogramme holen. Mittendrin natürlich unsere Matzabber, die sich als erstes Rene Adler an den Tisch holten (Foto), ehe sie lange mit Frank Heinemann sprachen.

Schluss mit Nachtrauern

1. September 2010

Habt Ihr den gestrigen Tag und die Nachwehen des Wechselirrsinns auch so gut überstanden wie ich? Ist es nicht herrlich, wie ruhig die Telefone heute wieder sind? Ich genieße es wirklich, auch wenn es jetzt natürlich noch einiges aufzuarbeiten gibt. Angefangen bei den Transfers, die noch über die Bühne gegangen sind, bei denen ich noch einige Infos schuldig geblieben war. David Rozehnal wechselt zunächst auf Leihbasis nach Lille. Die Franzosen zahlen keine Leihgebühr, der HSV übernimmt sogar noch einen Teil seines Grundgehalts. Das stellt einmal mehr unter Beweis, welch geringen Stellenwert der Tscheche bei Trainer Armin Veh zuletzt noch hatte.

Wolfgang Hesls Abgang habe ich übrigens total verschwitzt. Der dritte Torwart wurde an den SV Ried in die österreichische Bundesliga verliehen. Für ein Jahr, meines Wissens auch ohne eine nennenswerte Leihgebühr. In Österreich soll „Wolle“ reifen und Spielpraxis sammeln, um dann möglichst zur nächsten Saison der Nummer eins in Hamburg (dann vielleicht nur Jaroslav Drobny) Dampf zu machen. In dieser Saison, das war ja eigentlich schon mit Drobnys Verpflichtung klar, hätte Hesl kaum Chancen für eine Berücksichtigung bei den Profis gehabt. Zuletzt kam er ja auch ausschließlich bei Rodolfo Cardosos Amateuren zum Einsatz.

Und nun noch einmal Rafael van der Vaart. Ja, es ist richtig, dass sich der HSV um den Niederländer bemüht hat. Ja, es ist auch richtig, dass Bernd Hoffmann den Edeltechniker und Torgaranten liebend gerne zurück an die Elbe gelotst hätte. Aber ebenso richtig ist es halt auch, dass die Chancen für einen Transfer van der Vaarts zum HSV in den vergangenen Wochen nie höher als zehn Prozent lagen. Sportchef Bastian Reinhardt hat das ja auch mehrfach angemerkt, aber hier in Hamburg mag das offenbar niemand hören. Wenn ich jetzt die vielen Kritiker höre und lese, die dem HSV-Vorstand in Bezug auf den „kleinen Engel“ Versäumnisse vorwerfen, von einer vertanen Großchance reden und mit dem Kopf schütteln, dass van der Vaart für eine Ablöse in Höhe von zehn Millionen Euro nach Tottenham gegangen ist, dann muss ich schon mächtig durchschnaufen um nicht selbst ins Kopfschütteln zu verfallen.

Van der Vaart wollte gar nicht zurück nach Hamburg. Zudem sind die besagten Kritiker leider meist auch die ersten, die nach einigen Misserfolgen und schlechteren Wirtschaftszahlen dem gleichen HSV-Vorstand Missmanagement vorwerfen würden. Uns allen, die wir (und da zähle ich mich dazu) Rafael van der Vaart liebend gerne wieder im HSV-Trikot gesehen hätten, muss immer wieder bewusst gemacht werden oder sein: Der HSV ist angesichts der aktuellen internationalen Wettbewerbsflaute finanziell keinesfalls mit rosigen Einnahmeerwartungen ausgestattet. Der aktuelle Kader ist teuer und hochwertig besetzt. Ein Van-der-Vaart-Deal hätte ein bei einem Dreijahresvertrag (Real wollte unbedingt verkaufen) mindestens 25 Millionen Euro mit allen Nebengeräuschen verschlungen, und dieses unkalkulierbare Risiko kann und will von den HSV-Machern niemand eingehen. Ganz abgesehen davon, dass Tottenham noch einige Zusatzreize (z.B. Handgeld, Sonderprämienzahlungen) in sein Vertragswerk integriert haben soll.

Ich persönlich habe mich damit abgefunden, dass die seinerzeit sensationelle Verpflichtung van der Vaarts von Dietmar Beiersdorfer ein Überraschungscoup mit anschließendem Genuss während der Spielzeiten war. Wie oft habe ich nach Toren des „kleinen Engels“ mit der Zunge geschnalzt, und wie oft habe ich mich gefragt, wie die HSV-Macher so einen Spieler überhaupt zum Wechsel an die Elbe bewegen konnten?! Nun bin ich gespannt, ob sich van der Vaart auch in der Premier League durchsetzen kann. Ich habe einige Zweifel bezüglich seiner Geschwindigkeit, aber andererseits hat ihn auch die Härte der Bundesliga nicht aus dem Tritt gebracht. Er hat mitunter genial gespielt und getroffen. Ich wünsche ihm alles Gute beim Ex-Verein von Martin Jol.

Schluss mit dem Nachtrauern, das sollten wir alle beherzigen. Schauen wir doch einfach mal auf den vorhandenen Kader. Dort sehe ich natürlich auch noch einige Baustellen und Fragezeichen, aber ich sehe keinerlei Gründe, warum wir uns nicht mit den Topvereinen der Liga messen können sollten. Die Hamburger Defensive gewinnt zunehmend an Stabilität, das Mittelfeld ist vielseitig und für alle Bedarfsfälle besetzt, und eine personell derartig hochkarätig besetzte Abteilung Attacke würde sich mancher Champions-League-Teilnehmer in Europa wünschen.
Wie fandet Ihr Petrics Reaktion auf den geplatzten Stuttgart-Wechsel? Ich habe nach seiner zum Ausdruck gebrachten Enttäuschung in den Hamburger Medien erst ein bisschen gegrollt, aber dann habe ich es auch wieder sein lassen. Lasst ihn doch eine Woche schmollen und in Ruhe, dann wird er anschließend schon wieder und umso schneller in die Spur zurückfinden. Petric ist ein Vollprofi, mit allen Wassern gewaschen. Dass er sich jetzt hinstellt und so tut, als müsse er zu einem Arbeitgeber zurückkehren, der ihn gerne abgegeben hätte, ist nur ein Teil der persönlichen Frustbewältigung.

Zumal es überhaupt nicht den Tatsachen entspricht. Ich habe schon häufiger mit Armin Veh und auch mit Bastian Reinhardt über den Kroaten gesprochen. Beide halten viel von ihm und würden seine Qualitäten nicht freiwillig aus den eigenen Reihen verbannen. Interessant und brenzlig wäre es geworden, wenn Stuttgart sieben oder mehr Millionen für Petric geboten hätte. Dann hätte es nämlich zu einigen internen Differenzen zwischen wirtschaftlichen und sportlichen Verantwortungsträgern kommen können, was eine Zustimmung oder Ablehnung in Sachen Transferfreigabe betrifft. Und mittendrin der Aufsichtsrat. Heißa, das wäre wieder hoch hergegangen. Aber zum Glück blieb und bleibt uns das vorerst erspart.

So, das war es heute von mir. Vom Training kann ich nicht viel berichten. Nach dem 5:1-Testspielsieg gegen den SC Victoria fuhr die Mannschaft zum Ausradeln in den Volkspark. Warum Paolo Guerrero alleine in den Wald joggte, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen, ist aber bestimmt nichts Schlimmes. Vielleicht ja Rad-Angst… Nein, Spaß beiseite. Die größte Neuigkeit vom HSV-Gelände ist wahrscheinlich die, dass die riesigen Knaack-Kräne samt Mitarbeitern in luftiger Höhe begonnen haben, die Vorarbeiten für die Buchstabenbestückung des Arena-Daches vorzunehmen. Dann wird aus der HSV-Heimstätte bald wirklich die endgültige Imtech-Arena.

12:52 Uhr

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