Archiv für das Tag 'Torun'

Oenning und das zweite Gesicht des HSV

26. April 2011

Na bitte, es gibt doch noch erfreuliche Nachrichten rund um den HSV. Wer sagt es denn? Die Agenturen vermelden heute:

Der HSV hat positive Nachrichten von der Deutschen Fußball Liga (DFL) erhalten. Die DFL-Geschäftsführung hat den „Rothosen“ im Lizenzierungsverfahren die Spielberechtigung für die Saison 2011/2012 erteilt, gab der norddeutsche Bundesliga-Klub am Dienstag auf seiner Homepage bekannt. Der HSV, der die Ausgaben für seinen Bundesliga-Kader zur kommenden Spielzeit von derzeit 48 auf rund 35 Millionen Euro senken will, erhält die Lizenz damit bereits zum sechsten Mal nacheinander ohne Auflagen.

So, und weil ich gestern mit ihm begonnen habe, so muss ich das auch heute tun. Es ging und geht um Michael Oenning. Ich hatte ihn kritisiert, dass er uns am Freitag nichts über die Laufzeit seines Vertrages verraten hatte (verraten wollte), hatte den HSV-Trainer dann aber angekreidet, dass er es sehr wohl (am Sonntag!) beim Pay-TV-Sender Sky gesagt hatte. Ich habe Michael Oenning heute bei unserem Gespräch gesagt, dass ich so (nämlich kritisch) über ihn berichtet habe, und er stellte es gerade. Die vertraglichen Details seines Vertrages mit dem HSV wurden erst am Abend vor dem Spiel (!) in Stuttgart besprochen – im Mannschaftshotel. Er konnte also mir (und uns) am Freitag in den Mittagsstunden noch gar nichts über die Laufzeit verraten. Deshalb sage ich nun: „Sorry, Herr Oenning, ich nehme alles zurück und entschuldige mich in aller Form.“ Diese Entschuldigung hat Michael Oenning auch schon angenommen – und er empfand es auch als gut, dass wir sofort an diesem Dienstag darüber gesprochen haben.
So soll es bleiben.

Apropos Trainer-Vertrag: Der sollte heute eigentlich unterschrieben werden, unterschrieben sein, aber das wird nun auch heute noch nicht passieren, weil sich erst der Aufsichtsrat ein wenig intensiver mit dem Stückchen Papier beschäftigen möchte.

Und nun zum Fußball. Den gab es heute tatsächlich wieder, denn im Volkspark wurde trainiert. Aber hallo! Erst die hohe Laufschule von Günter Kern, dann ein Spiel ohne Tore (aber Mann gegen Mann), und zum Abschluss ein kleines Turnier (halber Platz) von drei Mannschaften. Es ging zur Sache! Ich weiß, ich weiß, es kann keiner von Euch mehr lesen und mehr hören, aber so war es tatsächlich. Wenn Ihr das Stuttgart-Spiel noch in Erinnerung habt, dann sah das ja eher ein wenig nach Beamten-Mikado aus, aber wer diese Einheit heute gesehen hat, der wird sich fragen: „Warum bewegt sich diese Truppe an diesem Dienstag so, als wolle sie Weltmeister werden, und warum stellt dieselbe Truppe am Sonnabend bereits nach 90 Sekunden die Arbeit ein?“ Es ist und bleibt ein riesiges Rätsel. Dass Ihr es nicht mehr hören könnt, das kann ich sehr, sehr gut verstehen – aber es ist wieder einmal Tatsache.

Schon bei den Lauf-Übungen waren die meisten hundertprozentig bei der Sache. Mir gefielen, wenn ich das einmal sagen darf, besonders Heung Min Son, Piotr Trochowski, David Jarolim und Mladen Petric – beim Laufen! Jawoll, sehr wohl beim Laufen. Später dann, bei den Spielchen, überzeugten mich Frank Rost, Dennis Diekmeier, Paolo Guerrero Tomas Rincon (!), teilweise auch Guy Demel – vor allen Dingen aber Piotr Trochowski. Kay, 50 Prozent des Blogs werden nun in di Luft gehen, aber es ist so, wie es ist. Und wenn „Troche“ gut und sogar auffällig trainiert, dann werde ich es auch immer nennen – so lange es noch geht. Übrigens: Die beiden schönsten Tore des Vormittags schossen zwei – ich nenne sie mal „Exoten“: Zuerst traf Collin „Collo“ Benjamin mit links in den oberen Torwinkel (gegen Frank Rost), dann auch noch Romeo Castelen, ebenfalls ein „Tor des Monats“. Ihr habt richtig gelesen: Romeo Castelen. Es geht langsam bergauf mit ihm, aber ich will es nicht heraufbeschwören . . .

Zur Verletztenfront: Mladen Petric zog sich genau um 11.48 Uhr bei einem Pressschlag eine Adduktorenverletzung zu, er musste vom Golf-Car (und Fahrer Uwe Eplinius) in Richtung Kabine gefahren werden – das sah nicht gut aus, da droht dem HSV der nächste Ausfall für das Freiburg-Spiel am Sonnabend. Auf dem Rasen „nebenan“ trainierte Marcell Jansen mit Reha-Coach Markus Günther, später gesellte sich auch Eric-Maxim Choupo-Moting dazu, der bis zu den Spielen das volle Programm mitgemacht hatte. Es fehlte diesmal Tunay Torun, der in Stuttgart eine Gesäßmuskelzerrung erlitten hat.

Ganz kurz noch zur Intensität des Trainings. Michael Oenning bezeichnete es später als „Steinzeit-Übung“, was er im Mittelteil der Einheit veranstalten ließ. Es hieß Mann gegen Mann ohne Tore, teilweise mit Aufgaben (zweimal berühren). Es waren Mann gegen Mann fest eingeteilt. Zum Beispiel spielten Guerrero gegen Rincon, Jarolim gegen Trochowski. Warum „Steinzeit-Übung“? Weil sie tatsächlich uralt ist. Mit dieser Übung hielt der damalige Meister-Trainer Günther Mahlmann seine Mannschaft von 1960 fit. Es wurde damals mehrfach die Woche stets über den gesamten Platz (!) am Rothenbaum gelaufen, und zwar Mann gegen Mann. Und jeder sah, nicht nur der Trainer und die Kollegen, sondern auch die Trainingskiebitze, wer etwas drauf hatte (läuferisch), und wer nicht. Stand nämlich ein Spieler oft allein, war sein eingeteilter Gegenspieler ganz offensichtlich nicht in der Lage, ihm zu folgen – also hatte derjenige auch nichts drauf! Bei der heutigen Übung fiel in meinen Augen mindestens einer krass ab: Jonathan Pitroipa. Aber das nur am Rande.

Die erste Frage, die ich Michael Oenning heute gestellt habe, war die: „Kann sich eigentlich noch ein Spieler, der eigentlich für die kommende Saison gesetzt war, noch in den letzten vier Spielen, also inklusive Stuttgart, aus dem Kader spielen?“ Der Trainer sagt: „Davon muss man sich frei machen. Mein großer Vorteil ist ja, dass ich diese Mannschaft nun schon seit einem Jahr kenne, ich kann Dinge bewerten, und ich nehme sie als Grundlage für meine Bewertung. Ich setze sie auch immer in Bezug darauf, was wir für Möglichkeiten haben. Für mich ist doch klar: Ich will die best mögliche wettbewerbsfähige Mannschaft zusammenbauen. Ich unterliege da auch Sachzwängen, wie auch der Verein – das wird man sehen Es kann Spieler geben, die ich gerne, die mir aber sagen, dass sie nicht bleiben wollen. Und es gibt die finanziellen Dinge, wenn ich jemanden haben möchte, den wir aber nicht bekommen, weil das Geld nicht reicht. Das ist normal.“ Oenning sagt aber auch: „Das ist in diesem Jahr aber insgesamt ei wenig schwieriger, weil wir klar gesagt haben, dass wir ein wenig kleiner, werden ein wenig jünger werden und wir werden auch anders. Weil sich die Truppe verändert. Und wenn es nach mir geht, dann muss das alles nun in Fahrt kommen, dann müssen wir jetzt ganz schnell Tempo aufnehmen.“ Meine Frage beantwortete Oenning aber auch noch: „Manchmal runden sich auch Bilder ab. Und dann kann es natürlich sein, dass man sich sagt: Hm, hm, hm, jetzt, wo sich der Spieler eigentlich zeigen müsste, da kommt dann zu wenig. Dann mag diese Bewertung eventuell noch mit einfließen – aber wir sind eigentlich schon relativ klar, wie wir es machen wollen. Aber, das sage ich auch, auszuschließen ist nichts.“

Um noch einmal auf Stuttgart und den Kontrast zu heute zurück zu kommen: Das muss einen Trainer doch maßlos ärgern, dass die Truppe heute Bäume ausgerissen, sich im Ländle aber nur „verpieselt“ hat – oder? Oenning: „Und wie. Deswegen haben wir das Spiel heute noch einmal ganz genau analysiert – und diese Problematik auch zur Diskussion gestellt. Es kann doch nicht sein, dass man fünf, sechs Tage den Eindruck hat, dass alle ganz genau wissen, um was es geht, und dann, im entscheidenden Moment, dann sind sie wie ausgewechselt. Und dass sie dann wieder anfangen – wie heute. Da wird hart trainiert, und das wird hingenommen, es wird akzeptiert, und es wird sich bemüht. Nur: Wenn nur ein bisschen von dem Bemühen, was heute gezeigt wurde, am Sonnabend mit eingebracht worden wäre, dann hätten wir das Problem gar nicht gehabt.“

Oenning sagt – oder rätselt – auch noch weiter: „Dann muss man sich fragen, woran das liegt? Wollten sie nicht, konnten sie nicht? Das ist genau das Spannende, das herauszufinden. Warum fällt es uns so schwer, diese Widerstände zu überwinden? Und warum schaffen sie es nicht, sich als Gruppe zu helfen? Das ist für mich die spannendste Frage überhaupt.“ Michael Oenning gibt dann noch zu: „Natürlich bin ich sauer, ich bin nach wie vor sogar sehr sauer. Und dazu kommt, dass auch noch einige Spieler sauer auf sich selbst sind – was ja eigentlich ein gutes Zeichen ist. Trotz allem müssen wir Lösungen finden. Es nützt uns nichts, sie zu verdammen und ihnen zu sagen, dass sie nicht mehr mitspielen dürfen. Wir müssen sie ja weiterentwickeln. Wenn wir aber zu dem Schluss kommen, dass sie sich nicht weiterentwickeln lassen, ja dann muss man sich eben trennen.“

Im Moment stehen die Zeichen deshalb auf Trennung. Hört man die Trainingskiebitze, zieht man alle Stimmen unter einem Strich zusammen, dann haben die meisten von dieser HSV-Mannschaft die Nase gestrichen (!) voll – und wollen ein total runderneuertes Team. 80 bis 90 Prozent des jetzigen Kaders auswechseln, dann auf neue Leute setzen – und hoffen.

Michael Oenning hat heute von einem zweiten Gesicht seiner Mannschaft gesprochen. Und er sagt: „Das kommt immer an bestimmten Stellen wieder. Wenn Druck entsteht, wenn sich die Spieler selber Druck machen, oder wenn ein Stück Unbekümmertheit mit im Spiel ist. Aber das herauszufinden, und dann herauszufiltern, wer in der Lage ist, in solchen Situationen doch das Heft in die Hand zu nehmen – das fehlt uns ja. Ist es vielleicht auch diese Frage, dass wir eine gewisse Unausgewogenheit im Kader haben? Es passiert ja oft so: Man gerät in Rückstand, und dann rennt alles nach vorne, um das zu reparieren. Plötzlich rennt alles nach vorne. Und dann passiert genau das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll, man rennt in Konter und sieht sehr dumm aus.“ Der Coach weiter: „Es sind ja alles gute Fußballer, die wir bei uns haben, aber speziell in diesen schwierigen Situationen musst du stehen und gerade sein. Und das ist schon meine Aufgabe, das zu sehen, ob einer das kann oder auch nicht. Und das unterscheidet dann letztlich auch einen guten von einem sehr guten Spieler, und einen sehr guten Spieler zu einem Weltklassemann. Für mich ist ein guter Fußballer einer, der einen gravierenden Fehler begeht und trotzdem auf einem guten Niveau weiter spielen kann.“

Aber hat der HSV solche Spieler? Die auch voller Selbstbewusstsein stecken und jeden noch so harten Rückschlag verarbeiten? Ich meine, dass es davon herzlich wenige gibt, viel zu wenige. Und sieht man die jetzt noch in den drei verbliebenen Spielen? Oder wird da nur noch Dienst nach Vorschrift gespielt? Oenning: „Wenn man jetzt abschenkt, wenn man es jetzt nur so laufen lässt, dann offenbart man sich ja auch. Jetzt ist es doch noch viel schwieriger, finde ich. Wenn man seinen ganz konkreten Zielen nicht mehr nachhängen kann, dann musst du trotz allem schon zeigen, dass du es begriffen hast um was es geht. Ich glaube, dass sind nicht zuerst jene Spieler, die schon begriffen haben, dass die Reise beendet ist. Wenn ich sehe, wie Piotr Trochowski trainiert, wie er sich anbietet – er trainiert seit zwei Wochen überragend. Normal muss ich sagen, ich lasse ihn laufen, aber dann kommt sofort berechtigt die Frage, dass er ja gar nicht mehr da ist, und ob ein solcher Einsatz denn noch sinnvoll ist? Und da muss ich eine Lösung finden. Ich muss sehen, ob er diese Leistung dann auch im Spiel umsetzen und abrufen kann.“

Vor dieser Frage wird Michael Oenning an diesem Sonnabend stehen. Trochowski trainiert, wie der Coach sagt, überragend, also müsste er eigentlich spielen. Eigentlich. Aber wer spielt den „eigentlich“ derzeit überragend? Eigentlich doch niemand. Also muss sich Oenning doch vor die Frage stellen, was er falsch machen kann, wenn er einen Spieler bringt, der im Training sehr gut ist, der am Saisonende aber weg sein wird? Ich bin gespannt, wie sich Oenning entscheiden wird – eine schwere Aufgabe. Der Trainer sagt aber auch klar: „Eindeutig, es geht hier nicht um irgendwelche Abschiedstourneen. Eigentlich gilt das Leistungsprinzip. Wobei ich das einschränkende Wort eigentlich eigentlich gar nicht benutzen dürfte. Aber wenn es dann so kommt, dann werde ich das auch zu kommunizieren wissen.“

Was noch hinzukommt: Die Spieler sehen doch alle, wer im Training seine Leistung bringt, wer sich reinhängt, wer sich gehen lässt. „Warum habe ich denn heute diese Steinzeit-Übung machen lassen? Weil ich etwas sehen will“, sagt der Trainer. Klar. Er will Leistung sehen, und er will sehen, wer sich engagiert, wer noch alles für den HSV und diese Mannschaft gibt. Und, sagt er: „Die Gruppe muss es ja auch sehen. Die Spieler haben schon ein feines Gespür dafür, wer hier was zeigt.“ Und wer nicht. Oenning: „Wir müssen diese Mentalität ausbilden, wir dürfen uns nichts mehr wegnehmen lassen, wir müssen mehr machen als andere. Wir müssen das auch wollen. Und das müssen alle auch spüren, das muss man auch bei jedem, der auf der Bank sitzt, spüren. Da darf keiner leblos sitzen. Du musst dir Begeisterung erarbeiten und sie dann auch ausleben, sonst geht das nicht.“

Jetzt aber ist es ohnehin zu spät. Diese Saison ist faktisch beendet. Aber für die nächste Spielzeit klingt das echt gut. Es sind Oenningsche Vorhaben und Vorsätze, die Hoffnung machen. Wenn sie dann tatsächlich in die Tat umgesetzt werden. Gespannt sind wir nur darauf, wer von der jetzigen Mannschaft dann noch dabei ist.

Einer ist es auf jeden Fall: Dennis Aogo. Auch mit ihm haben wir heute wieder einmal gesprochen. Und, um auch das noch einmal zu sagen: Es gibt längst HSV-Profis, die sich diesen Gesprächen nicht mehr stellen, nicht mehr stellen wollen. Dennis Aogo aber stellt sich immer, und darauf möchte ich einmal verweisen. Er kommt, wenn er gefordert wird, er drängt sich aber keineswegs auf. Zu loben aber ist diese (seine) Einstellung auf jeden Fall, denn er könnte es sich auch leicht machen – und gar nichts mehr sagen. Er sagt aber, weil er dabei an die Fans denkt. Und zwar in erster Linie. Und deswegen soll bitte keiner von Euch nun auf Dennis Aogo einhauen, wenn er wieder einmal etwas sagt.

Der Nationalspieler auf die Frage, was sich nun ändern sollte, was sich ändern muss? „Wie oft standen wir schon vor dieser Frage? Das ist wirklich schwierig. Langsam kommt man sich schon dumm vor, denn es ist doch immer wieder dasselbe. Ich will auch gar nicht mehr auf das Stuttgart-Spiel eingehen, denn das wäre in meinen Augen Schwachsinn. Jeder hat gesehen, was wir falsch gemacht haben – das war einiges. Wir müssen gegen Freiburg vieles besser machen, und wir sollten uns vielleicht an die letzten Heimspiele orientieren, die waren doch gar nicht so schlecht. Hannover war nicht so schlecht, Dortmund auch, daran sollten wir denken.“

Ich habe den Nationalspieler dann gefragt, ob er nachvollziehen könne, dass den Fans solche Vorhaben, solche Lippenbekenntnisse schon seit einiger Zeit zum Hals heraushängen? Aogo: „Natürlich, das kann ich, das weiß ich, klar habe ich auch dafür Verständnis. Ich habe doch gerade gesagt, dass ich mir schon dumm dabei vorkomme. Weil ich weiß, dass die Fans es schon so oft gehört haben. Deswegen sage ich das ja, aber was sollen wir machen? Ich könnte hier nichts mehr sagen, klar, aber das wäre auch Schwachsinn. Ich könnte sagen, dass schon alles gesagt worden ist, aber was hilft das? Wir müssen doch etwas versuchen, wir müssen etwas rüberbringen zu den Fans . . .“ Wenn es schon im Spiel nicht gelingt. Dann ergänzt der Abwehrspieler noch: „Es gibt aber sicher auch für uns Situation, in denen wir uns fragen, warum dies oder das passiert ist – und für finden darauf keine Antwort mehr. Einiges ist für mich, für uns auch einiges unerklärlich, wie etwas zustande kommt, aber irgendwann ist man da auch als Spieler überfragt. Ganz besonders dann, wenn man schon so oft dieselben Fragen gestellt bekommen hat. Irgendwann wird man dann auch unglaubwürdig, ganz klar.“ Und: „Eigentlich wäre es das Beste, nichts mehr zu sagen. Aber das ist ja auch nicht Sinn der Sache . . .“

Natürlich nicht. Und da denke ich nicht an mich, an die Journaille – ich denke an das Zusammenspiel Spieler – Fans.

Dennis Aogo weiß, dass der HSV hinter den Erwartungen geblieben ist. Natürlich weiß er es. Seine Erklärung: „Man spricht ja von einer Mannschaft. Es geht ja nicht um Einzelspieler, es geht auch nicht um die individuelle Qualität einzelner Spieler, es geht vielmehr um die Qualität, die man als Mannschaft rüber bringt. Und diese Qualität spiegelt sich dann wider in der Tabelle. Eine Qualität ist ja nicht nur die individuelle Qualität eines Spielers, sondern wie man diese individuelle Qualität in die Qualität der Mannschaft einbringt.“ Und in diesem Punkt, genau in diesem Punkt, ist der HSV eben weit, weit zurückgeblieben. Aogo: „So etwas kann man nicht künstlich herstellen, das muss ich ergeben.“

Und beim HSV ergibt es sich schon seit Jahren nicht. „Wir hoffen es, dass wir es in den nächsten Jahren hinbekommen werden“, sagt Aogo. Und hofft dabei wohl auch auf einen Umbruch, denn er befindet: „Ich glaube, dass nun der richtige Schritt gemacht wird. Es ist der richtige und auch der logische Schritt des Vereins, denn in den letzten Jahren sind wir ein bisschen auf der Stelle getappt. Etwas anderes konnte man jetzt nicht machen, es musste etwas passieren – und die vertragliche Situationen einiger Spieler lassen es ja auch jetzt zu.“
So ist es. Bleibt nur die Frage, inwieweit der Klub davon auch Gebrauch machen wird.

Vielleicht trennt sich ja schon am Sonnabend weiter die Spreu vom Weizen, wenn es gegen Freiburg um die „goldene Ananas“ geht. Man wird sehen . . .

PS: Training um 10 Uhr (Mittwoch) im Volkspark.

18.21 Uhr

0:3-Pleite – und aus der Traum!

23. April 2011

Aus, Ende, vorbei. Der HSV kann das Unternehmen Europa zu den Akten legen, denn die 0:3-Pleite beim VfB Stuttgart sorgt für das Ende aller Träume. Vier Siege aus vier Spielen, so war es vorgegeben worden, aber schon der erste Auftritt in der Fremde ging voll in die Hose. Diese Mannschaft spielt, das bewies der Ausflug ins Ländle, genau so gut oder genau so schlecht, wie es der derzeitige Tabellenstand offenbart. Viele klangvolle Namen stehen in den Reihen der Rothosen, aber sie alle zeigen nur höchstens die Hälfte von dem, wie sie früher einmal gekonnt haben. Zwar wurde das Hamburger Spiel im zweiten Durchgang etwas besser, aber insgesamt ist damit wahrlich kein noch so kleiner Blumentopf zu gewinnen – damit ist der große HSV wieder einmal auf dem Weg zur „grauen Maus“ in der Bundesliga. Das ist enttäuschend, das ist blamabel, das ist auch jammerschade, aber man muss den Tatsachen ins Auge blicken. Dieser HSV ist einfach zu bieder, daran kann auch kein noch so gut gemeinter Trainerwechsel etwas ändern.

Den Start wieder einmal total verschlafen. Mehr geht ja gar nicht. Der HSV lief in den ersten 30 Minuten wie Falschgeld über den Rasen. Wobei die ersten 90 Sekunden noch ganz vielversprechend waren, denn da wurde der VfB an seinem Strafraum festgespielt, da kam der HSV sogar zum ersten Eckball. Strohfeuer. Was danach aus Hamburger Sicht gespielt wurde, das war unterirdisch. Schon vor dem VfB-Führungstor hätte Hajnal aus elf Metern den ersten Treffer für die Schwaben markieren müssen – vorbei. Dann doch das Tor – symptomatisch für die HSV-Vorstellung: Torwart Frank Rost „schickte“ Gojko Kacar nach außen, der Serbe rettete den Ball noch kurz vor dem Überschreiten der Seitenlinie. Die aus der Not nach vorn beförderte Kugel wurde vorne gleich verloren, ein Steilpass – und die Mitte war total verwaist. Kacar noch außen, Heiko Westermann desorientiert, Cacau hatte keine Mühe, den Ball ins Netz zu schieben. Das war nach genau fünf Minuten und 14 Sekunden. Es war Cacaus erstes Tor seit November 2010, aber der HSV war ja schon immer gut, Aufbauhilfe zu leisten . . .

Der HSV danach völlig von der Rolle. Hajnal hätte das 2:0, 3:0 und 4:0 für den VfB schießen können, fast müssen. Bei Hamburg kein Siegeswille erkennbar, null Entschlossenheit, kein Tempo im Spiel, keine Ideen, das war alles viel zu brav, hilflos, hausbacken, naiv, durchschaubar – Sommerfußball pur! Da spielte eine Mannschaft, die ihre letzte Chance auf einen europäischen Startplatz ergreifen wollte, aber nichts, wirklich nichts war davon zu sehen. Die Hamburger kamen immer einen Schritt zu spät, der VfB wirkte schneller, spritziger, entschlossener und vor allem läuferisch viel stärker. Beim HSV wurde immer erst dann gelaufen, wenn der Ball in die Nähe des Fußes gespielt wurde – meistens war das zu spät und die Kugel rollte ins Aus. Stümperhaft und viel zu ungenau, völlig ohne Selbstvertrauen wurde nach vorne gespielt.

So spielt keine Mannschaft, die nach Europa will, so sieht auch kein Fußball aus, der in Europa gespielt wird.

Allerdings, das spricht dann doch ein wenig für den HSV, nach 30 Minuten kam Hamburg. Als Tunay Torun einen Ball auf (1) die Torlatte der Stuttgarter befördert hatte, da sammelte sich der HSV und besann sich auch offenbar auf seine Fähigkeiten. Angetrieben von David Jarolim, der um jeden Ball kämpfte, der viele Duelle für sich entscheiden konnte, der vorbildlich und mit jener Willenskraft zur Sache ging, was eigentlich von jedem HSV-Profi von Beginn an erwartet worden war. Wer diesen Jarolim vom HSV wegschicken möchte, der sitzt wahrscheinlich auf einem ganz hohen Ross. Weit und breit war keiner zu sehen, der ähnliches Engagement zeigte. Aber, auch das muss erwähnt werden: Der „Krankenhaus-Pass“, der vor dem 3:0 (von Cacau) gespielt wurde, der stammte von „Jaro“. Das aber geschah in der 88. Minute, da ließen die meisten Hamburger ohnehin schon ihre Köpfe hängen, da hatte sich die Ernüchterung schon gaaaaaanz breit gemacht.

Zu den Offensivkräften: Sie blieben in der ersten halben Stunde total harmlos, aber dann fanden sie doch allmählich besser ins Spiel. Was besonders für die beiden Youngster galt. Torun schoss ans Außennetz, und Änis Ben-Hatira gewann plötzlich einige Dribblings, zeigte Spielwitz und Übersicht. Sein Abschluss allerdings ist verbesserungswürdig, da zeigt er noch zu oft einige überflüssige Nachlässigkeiten. Schade. Wenn er das noch hätte, dann wäre er in der Tat eine gleichwertige Ergänzung zu Nebenmann Mladen Petric, der meiner Meinung nach zu oft übersehen wurde, der meiner Meinung nach viel mehr gesucht werden müsste. Er ist ein Knipser, also müsste er bedient werden – aber er wird es nicht. Jedenfalls wird er zu oft übersehen. Als das in der zweiten Halbzeit allerdings geschah, da zeigte sich Petric nicht immer auf der Höhe, da verschoss er einige Sachen, da verstolperte er auch den einen oder anderen Ball.

In Sachen Spielgestaltung müsste für mich auch Ze Roberto mehr tun. Das wäre ganz sicher eine Sache für den Brasilianer, aber der durchläuft im Moment eine Schwächeperiode. Von ihm kommt nach vorne nicht viel – oder genauer, da kommt herzlich wenig. Der „große Ze“ müsste viel, viel mehr die Initiative ergreifen, den Ball fordern, den Ball verteilen – aber das geschieht eben nicht. Da sieht einiges doch eher nach Alibi aus.

Ähnlich die Lage bei Eljero Elia. Der Niederländer zeigt gelegentlich gute Ansätze, dann träumt wahrscheinlich jeder HSV-Fan von diesem ominösen Wort „Durchbruch“, aber garantiert geht die nächste Aktion nach einer gelungenen voll in die Hose. Ganz, ganz bitter. Wann wohl wird Hamburg einmal den „wahren Elia“ erleben? Gar nicht mehr? Es ist immer mehr zu vermuten. In der 61. Minute kam für Elia Paolo Guerrero, den ich schon für den zweiten Durchgang erwartet hatte. Aber ganz offensichtlich sitzt der Stachel (bei Trainer Michael Oenning) immer noch zu tief, es kam für den angeschlagenen Torun erst einmal der eher defensiv orientierte Robert Tesche (46.).

Wer weiß, wie es gekommen wäre, hätte Ben-Hatira seine „Hundertprozentige“ in der 63. Minute genutzt? Er scheiterte freistehend an Torwart Ulreich, eine nicht untypische Szene für den jungen Hamburger. Da hat er noch ordentlich an sich zu arbeiten, im Abschluss ist er einfach viel zu schwach.

Was nützt es dem HSV, wenn er im zweiten Durchgang engagierter spielte, das Geschehen offener halten konnte, teilweise gute Ansätze zeigte? Es hilft nichts. Das Unternehmen Europa fand spätestens mit dem 2:0, das der eingewechselte Gentner erzielte (Kacar sah nicht besonders gut aus), ein abruptes Ende. Wunder gibt es immer wieder, aber dieser HSV hatte auch kein Fußball-Wunder verdient, denn das, was in dieser Saison gespielt und geboten wurde, war wieder einmal viel zu wenig.

Es darf an der Elbe wieder einmal gehofft werden – auf die neue Saison. Alles wie gehabt.

17.33 Uhr

War das van Nistelrooys Abschiedsspiel?

17. April 2011

„Beide Mannschaften haben sich hier nichts geschenkt.“ Befand Hannovers Trainer Mirko Slomka danach. Und HSV-Coach Michael Oenning hatte erkannt: „Das war ein 0:0 der besseren Art.“ Selbstverständlich. Ich meine, selbstverständlich wird ein Mann wie Oenning dieses Spiel nicht schlecht reden, denn es geht ja um seinen Job. Und selbstverständlich war dieses 0:0 besser als das 0:0 in Hoffenheim, aber . . . Richtig erfreulich und wie „richtig guter Fußball“ sah das nie aus. Und irgendwie lief diese Partie auch wie das 1:1 des HSV zuletzt gegen Dortmund: Auch damals hätte der Gast eigentlich gewinnen müssen, weil er die besseren Chancen gehabt hatte. Diesmal allerdings, das gebe ich gerne zu, erwachte der HSV wenigstens in der letzten Viertelstunde – und hätte da sehr wohl noch gewinnen können. Wenn nicht sogar müssen, wenn ich da so an Eljero Elia und Jonathan Pitroipa blicke. Was hatten diese beiden Flitzer für Chancen? Und, was zu bedenken ist: Hannover hatte in den letzten beiden Auswärtsspielen 1:8 Tore kassiert – 0:4 in Köln, 1:4 in Dortmund. Das sah ein wenig nach Schießbude aus, aber der HSV hielt sich hanseatisch vornehm zurück.

Auf dem Heimweg traf ich genau deswegen auch viele HSV-Fans, die besonders mit Elia und „Piet“ haderten. Einige wünschten sie sogar „zum Teufel“, einer war für den „sofortigen Verkauf“. Gemach, gemach, das wird ja passieren, aber alles zu seiner Zeit. Noch ist ja kein Sommer-Schluss-Verkauf. Ich hoffe nur, dass der neue Sportchef Frank Arnesen irgendwo auf dieser Welt vor dem Fernseher gesessen, diese 90 Minuten betrachtet und danach die nötigen Konsequenzen (für sich im Kopf) gezogen hat. Hier muss viel passieren, sehr viel sogar – und Arnesen ist am Zug.

Denn ich bin ja ganz nahe bei denen, die sich über den Fußball, den der HSV bietet, aufregen. Dass Olli Dittrich („Dittsche“) von „Null-Fußball“ sprach, das habe ich bereits geschrieben, aber er war ja nicht allein. So mancher Fan murmelte später etwas von „Schlafwagen-Fußball“, es wurde aber auch wieder der schon oft benutzte Begriff des „Beamten-Fußballs“ benutzt. Der HSV lässt den Ball laufen – für sich. Und deshalb wurde auch diesmal, nach diesem 0:0, wieder einmal über die „Alt-Herren-Truppe“ des HSV gelästert. Wobei ich sagen muss: Es gibt ja keine jungen und keine alten Spieler, sondern nur gut und schlechte. Schlecht wird es nur dann, wenn die älteren Herren auch noch schlecht spielen. Oder auch schlecht stehen (statt spielen).

Ruud van Nistelrooy hat sich im Hannover-Spiel einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen. Es muss, das ist meine ganz alleinige Spekulation, in der letzten Minute passiert sein, denn ansonsten merkt ein Spieler doch sehr wohl, wenn er sich einen Faserriss zugezogen hat – und lässt sich auswechseln. Das passierte nicht. Obwohl der HSV noch hätte zweimal wechseln können. Also steht für mich fest: Letzte Minute oder letzte Sekunde. So oder so, Hannover dürfte demnach das Abschiedsspiel von Ruud van Nistelrooy gewesen sein. Handelt es sich tatsächlich um einen Muskelfaserriss (wie vom HSV gemeldet), dann wird er in den letzten vier Spielen garantiert nicht mehr zum Einsatz kommen.

Wobei ich sage: Schade um jenen Ruud van Nistelrooy, den wir alle bis Weihnachten erlebt haben, den wir geschätzt und umjubelt haben. Was er nach dem geplatzten Wechsel zu Real Madrid gespielt hat, war nicht mehr der Rede wert, deswegen dürfte sein Ausfall auch nicht mehr schwer wiegen. Im Gegenteil, auf der Pressetribüne (und wohl nicht nur dort) fragten wir uns untereinander doch schon des eine oder andere Mal, warum Michael Oenning den stark abbauenden van Nistelrooy nicht schon zur Pause ausgewechselt hat. „Herr Oenning, ist Ruud van Nistelrooy für Sie unantastbar?“ fragte ein von mir sehr geschätzter Kollege, doch der HSV-Coach sagte ganz klar: „Nein.“ Nach einer kurzen Pause ergänzte der Coach: „Zu Ruud habe ich mich ja auch klar positioniert. Warum sollte er unantastbar sein? So lange ich den Eindruck habe, dass er der Mannschaft helfen kann, dass er sich bemüht, ist er natürlich jemand, der uns mit seiner Torgefahr gut tut. Aber er hat keinen Freifahrtschein.“ Also auch keine Art Denkmalschutz, wie auch schon von einigen „angefressenen“ HSV-Fans vermutet wurde.

Zu Ruud van Nistelrooys Leistung befand Oenning übrigens: „Ruud hat seine Kopfballchance gehabt, er hat sich aufgerieben mit den Innenverteidigern, und er hat versucht, seine taktische Aufgabe zu erfüllen. Natürlich hat er heute unter dem Strich nicht diese Torgefahr ausgestrahlt, die man von ihm kennt, oder die man von ihm erwarten kann. Aber er hat es versucht, und er bleibt auch immer gefährlich, weil er immer aus dem Bruchteil einer Chance ein Tor machen kann. Aber bei Ruud fehlen eben im Moment die letzten Prozent noch.“ Noch. Und er wird es nicht mehr ändern können . . .

Oenning, der ja ein „0:0 der besseren Art“ gesehen hatte, gab aber auch zu: „Wenn man aus diesen 90 Minuten die besten Szenen zusammengeschnitten hätte, dann hätte wohl mancher gedacht, dass in diesem Spiel Musik drin war. Leider aber hat uns heute dir Durchschlagskraft gefehlt, um gute und ganz große Torchancen herauszuspielen. Wir haben mehr Ballbesitz gehabt, wir haben versucht, das Spiel spielerisch anzugehen, aber wir haben gesehen, dass Hannover eine stabile Mannschaft hat, die so nebenbei nicht auszuspielen ist. Da muss man wirklich viel riskieren.“ Ganz ehrlich sagte Michael Oenning auch: „Es wäre möglich gewesen, dieses Spiel zu gewinnen – ob das dann verdient gewesen wäre, das steht auf einem ganz anderen Blatt.“

So aber ergibt sich eine ganz wichtige Frage: War es das mit dem HSV und Europa? Oenning: „Da muss man realistisch sein, dieses 0:0 hilft nicht wirklich. In den letzten vier Spielen dürfen wir keine Fehler mehr machen, da müssen wir alle Spiele gewinnen. Es ist noch nicht vorbei, wir werden versuchen, alles zu gewinnen. Und ich glaube dass wir gezeigt haben, dass wir stabil sind. Wir haben in den letzten vier Spielen sehr wenige Gegentore bekommen, was bei uns vorher auch anders der Fall war. Wir schaffen es aber nicht, genügend Tore zu erzielen, und das wird natürlich der Hauptschwerpunkt sein, dass wir uns da in den kommenden Wochen verbessern.“

Das dürfte ein Wunsch des Trainers bleiben – so sehr ich ihn auch schätze. Was jetzt nicht in der Mannschaft steckt (zum Beispiel Torabschluss, Kondition, Geschlossenheit), das wird bis zum Saisonende ganz sicher auch nichts mehr. So sehr sich Oenning auch darum bemühen wird. Apropos Oenning: In dieser Woche, so melden es die „innerbetrieblichen Sensoren“ des HSV, soll ja in Sachen Chef-Trainer für die Saison 2011/12 eine Entscheidung fallen. Vieles spricht dabei für Oenning, und wenn ich nach Prozenten gefragt werde, dann steht es für mich zu 90 Prozent fest, dass der ehemalige Nürnberger auch in der nächsten Spielzeit den HSV trainieren wird.

Kurz zurück noch einmal zum „Denkmalschutz“. Grundsätzlich ist es für jeden Trainer der Welt ja schwer, einen „richtigen Star“, der schon etwas älter und zudem weltbekannt ist, vom Platz zu nehmen oder ihn sogar ganz draußen zu lassen. Ich stelle es mir vor, dass Oenning nach einem solchen 0:0-Spiel einmal Ze Roberto auf der Bank schmoren lassen würde. Was würde es dann in Hamburg eine Woche lang rauschen – im Blätterwald, aber nicht nur dort? Hat Ze Roberto das verdient? Ist Ze Roberto am Ende? Wird Ze Roberto vom Trainer vorgeführt? So wird Ze Roberto vom Hof gejagt.“ Und, und, und. Garantiert.
Hast du aber eine junge Mannschaft, passiert das nicht. Jedenfalls nicht in dieser krassen Form. Oder hat jemand schon einmal einen Sturm im deutschen Blätterwald erlebt, als der Mainzer Trainer Tuchel seinen Nationalspieler Holtby einmal ganz draußen ließ? Oder als er ihn, wie an diesem Wochenende geschehen, auswechselte? Oder als der Dortmunder Meistertrainer Klopp seinen Nationalspieler Großkreutz ganz einfach mal auf die Bank setzte? Da passiert so gut wie nichts.
Und mit einem „alten Herren“ kann man sich das vielleicht einmal erlauben, eventuell sogar noch ein gaaaaanz vorsichtiges zweites Mal, aber beim dritten Mal wäre dann Abpfiff, Daddeldü. Dann rauscht es nämlich im Karton, und zwar ganz kräftig. Siehe Ballack, Heynckes und Leverkusen. Deshalb sehne ich den Zeitpunkt herbei, an dem der HSV eine junge Truppe ins Rennen schickt, eine Truppe mit hungrigen, willigen, heißen „Rennern“, die es auch einmal akzeptieren, wenn der Trainer eine andere Meinung (und andere Vorstellungen) hat. Das schon 2011/12? Es wäre wünschenswert. Wobei ich nichts gegen jene Spieler sage, die jenseits der 27 oder 28 Jahre sind. Solche Leute braucht jede Mannschaft, die braucht auch der HSV. Nur nicht einen Ansammlung von vielen „älteren Herren“, bei denen sich dann auch noch der eine oder andere Star für unantastbar hält.

Stichwort „junge Leute“. Tunay Torun hat ja mal wieder seine Chance erhalten, er ist ja inzwischen türkischer A-Nationalspieler geworden. Leider sah man davon im Hannover-Spiel nichts. Aber ich möchte Torun nun auch nicht zerreißen, denn: Monatelang sieht er nur zu, kann sich nur im Training beweisen; wenn man dann seine Chance erhält, dann will man in diesen 90 Minuten alles zeigen, was man drauf hat – und verkrampft. So ordne ich einmal diese „Torun-Vorstellung“ ein. Obwohl ich mir schon wünschen würde, dass mal, nein, dass endlich einmal ein HSV-Talent so explodiert, dass man sofort Angst haben müsste, dass nun Barcelona oder Manchester United kommen, um diesen Spieler zu kaufen. Bei Heung Min Son hatte ich ja einst ein wenig diese Angst, aber was ist daraus geworden? Und außer Son? Vor Son? Vor Jahren? Null. Leider.

Ganz kurz noch einmal zur „Kopfnuss-Situation“ zwischen David Jarolim und dem Hannoveraner Pinto. „Jaro“ ging ja ziemlich theatralisch zu Boden, das war garantiert nicht richtig. Dennoch kann ich das nicht verurteilen, denn: Zwischen „Jaro“ und Schmiedebach und „Jaro“ und Pinto gab es eine Menge heißer Duelle, die auch verbal ausgeführt wurden. Dann knistert es schon einmal, und dann kann es auch mal eine „Kopf-an-Kopf-Situation“ geben – wie diese. Dass aber ausgerechnet Pinto hinterher davon sprach, dass „das mit Fairness nichts mehr zu tun hat“, das verwundert doch sehr. Ballack lässt grüßen, kann ich da nur sagen, und nicht nur Ballack. Pinto ist nämlich, nachdem er jahrelang klein und zaudernd wie eine graue Maus durch die Erste und Zweite Bundesliga gelaufen ist, längst ein größeres „Trampeltier“ geworden, das richtig gut und kernig zur Sache geht. Das kann er auch ganz sicher so machen, es ist nichts dagegen zu sagen, aber dann von „Fairness“ zu reden, das halte ich dann doch für sehr frivol.

Und noch ein Wort zu Jarolim. Udo Lattek, der große Udo, hat einst im „Doppelpass“ gesagt: „Jarolim ist ein Schlitzohr, er ist ganz sicher auch nicht mein Freund – aber einen solchen Spieler habe ich mir früher immer gern in meiner Mannschaft gewünscht. Besser bei und mit mir, als gegen mich.“ Und deswegen freue ich mich auch für den HSV, dass er in „Jaro“ wenigstens einen „Aufmischer“ hat, denn alle anderen Feldspieler (!) sind in diesem Punkt eher zurückhaltend.

Jetzt, wo die Bayern den Spaß am Fußball wieder gefunden haben (zurzeit 4:0 gegen Leverkusen!), wünsche ich Euch noch einen schönen Sonntag – und einen wunderbaren Start in die neue Woche.

16.49 Uhr

0:0 – wer glaubt noch an ein Wunder?

16. April 2011

Als der Mainzer Schürrle am Freitag um 22.13 Uhr das 1:0-Siegtor für den FSV gegen Mönchengladbach erzielt hatte, da wusste ich: Das wird wieder einmal ein ganz mieses Wochenende. Mainz gewinnt, Nürnberg gewinnt – nur der HSV, der gewinnt nicht. 0:0 gegen Hannover 96, wer glaubt da noch an ein Wunder, das die Hamburger nach Europa führen könnte? Diese Nullnummer hilft nur den Niedersachsen, der HSV bleibt zwar unter Michael Oenning weiter ungeschlagen, aber ein Zauberer ist der neue Coach eben auch nicht. Der HSV steht da, wo er leistungsmäßig auch stehen muss. Es war diesmal ein eher müder Kick, auch wenn in der Schlussphase einige Male ein HSV-Tor in der Luft lag. Insgesamt aber war das wieder einmal viel zu wenig.

Der HSV brannte. Und wie! So wie es der Trainer vorher versprochen hatte. Die Mannschaft nahm von Beginn an das Heft in die Hand, sie drückte, sie kämpfte, sie spielte mit Herz, sie spielte wie entfesselt auf, das war Leidenschaft pur. Da sah jeder Fan im Volkspark und vor dem Fernsehgerät, dass diese Mannschaft um die letzte Chance, sich doch noch für Europa zu qualifizieren, nutzen wollte. Was heiß nutzen, sie wollte es biegen, sie hatte Biss, sie ging aufs Ganze. Das war Fußball, wie die Leute in sehen wollen, da blieb kein Mensch mehr ruhig auf seinem Platz sitzen, das war einfach nur klasse.

Als ich diese „Eröffnung“ meinem Nachbarn vorlas, fragte er mich erstaunt: „In welchem Jahr war dieses Spiel?“ Die Antwort blieb ich ihm schuldig. Ich kann mich im Moment immer noch nicht erinnern, wann der HSV – wie oben geschildert – so gnadenlos gut aufzog. Keine Ahnung. Gegen Hannover 96 war es jedenfalls wieder einmal nicht der Fall. Obwohl Hannover natürlich auch als Tabellendritter ein ganz gewaltiges Kaliber ist. Das darf nicht unterschätzt werden.
Und irgendwie hatte ich auch noch das Gefühl, dass es zu warm war – so mit 16 Grad.

Hannover griff den HSV schon am Hamburger Strafraum an. Das erfordert hohes Laufvermögen – Hannover hat es. Die Mannschaft wirkte frischer, schneller, ideenreich, beweglicher, entschlossener, geschlossener, aggressiver. Allen voran die beiden „Giftnickel“ Pinto und Schmiedebach. Nach 15 Minuten hätten die Niedersachsen schon führen können, führen müssen. Ya Konan köpfte unbedrängt aus sechs Metern überweg (8.), Rausch blieb mit seinem Schuss an Dennis Aogo hängen (10.), und Dennis Diekmeier rettete einmal Millimeter vor der Torlinie (15.), sonst hätte es 0:1 gestanden. Diese Chancen nur zur Erinnerung.

Und der HSV? Der spielte viel zu ungenau nach vorne. Fast jeder Ball kam postwendend zurück. Ruud van Nistelrooy monierte in Richtung Diekmeier, doch einmal den Ball in den Fuß zu spielen, aber dabei blieb es. Grau ist alle Theorie. . . Da gab es schon Beifall, als Eljero Elia aus lauter Verzweiflung aus 35 Metern abzog – weit überweg. Wie zuvor Mladen Petric per Kopf – und wie danach Gojko Kacar aus 19 Metern. Überweg, überweg, überweg.

Vieles wird dem Zufall überlassen, einige Sachen sind gut angedacht und werden schlecht zu Ende geführt, viele Dinge sind aber auch ganz einfach zu naiv, zu amateurhaft. Und wenn die Spieler erkannt haben, dass sie beim 0:0 in Hoffenheim zu weit voneinander entfernt standen, so sollten sie sich dieses Spiele noch einmal ganz genau ansehen. Da greift kaum einmal ein Rad ins nächste. Es ging für den HSV um so viel, aber das war leider nie zu sehen. Und sage mir niemand, dass das an den Nerven und am zu großen Druck gelegen habe. Es ist einfach mangelnde Qualität. Und natürlich auch eine Sache der Bereitschaft – der Laufbereitschaft.

„Das ist Null-Fußball“, sagte mir zur Pause Olli Dittrich, „unser aller Dittsche“. Er meinte, so glaube ich verstanden zu haben, nicht „null Fußball“, sondern wirklich „Null-Fußball“. Und, das ist das Schöne an diesem Null-Fußball, die Arena ist gefüllt! 57 000 Zuschauer waren da. Ausverkauft!

Und noch eine bemerkenswerte Geschichte: Am Rande erwärmten sich die Ersatzspieler. Wer, so fragten wir uns, würde wohl Besserung bringen? Piotr Trochowski, der nach Sevilla abwandert? Sicher nicht, denn er braucht Risiko in seinem Spiel, und er würde nie Risiko gehen, wenn er nach dem ersten Ding gleich Pfiffe erhielte. Marcell Jansen? Der hängt doch seit Wochen irgendwie durch, wirkt total verunsichert. Und Heung Min Son? Jenseits von Gut und Böse – seit Wochen schon. Paolo Guerrero? Hat sich selbst ins Abseits gestellt, seit der in Peru – einfach nur mal so – von seinem Abschied gesprochen hat. Und Jonathan Pitroipa? Von seiner großartigen Form ist nichts mehr erkennbar – Zahn gezogen. Schon lange.

Die HSV-Fans im Nord-Westen skandierten bei dieser Art des Null-Fußballs: „Hermann Rieger, Hermann Rieger.“ Der aber kann nicht eingewechselt werden. Obwohl er auch diesmal wieder da war. Und wenn ich schon bei Hermann bin: „Es geht mir gut. Ich sollte eigentlich operiert werden, aber meine Nieren streiken ein wenig, deswegen wurde das nicht gemacht. Aber es geht mir wirklich gut.“ Aber er wird nun wieder Chemo bekommen, das ist wohl unvermeidbar.

Zurück zum Fußball. Frank Rost absolut okay und fehlerfrei. Dennis Diekmeier mit einer einwandfreien Partie – einfach nur gut. Auch wenn er gegen Ende der Partie ziemlich am Ende schien. Was bei ihm ganz natürlich ist, nach der langen Verletzungspause. Heiko Westermann mit dem Kopf ganz okay, am Boden wie gewohnt – in der Schule würde ich ihm Note drei geben. Gojko Kacar wieder fleißig, aufmerksam, Löcher stopfend – auch Note drei. Und links? Dennis Aogo immer bemüht, wirklich immer bemüht, er will etwas bewegen, denkt auch immer im Sinne der Mannschaft – aber: Im Vorwärtsgang will ihm nicht so richtig etwas gelingen, mal eine entscheidende Flanke, mal ein Schuss aus der zweiten Reihe. Was absolut schade ist, denn auch in dieser Beziehung will er. Auch im Abspiel lag er diesmal einige Male mehr als sonst daneben.

David Jarolim fand erst nach 20 Minuten erst so richtig in die Partie, er war diesmal nicht so bestimmend auf der Sechs wie sonst. Aber er biss. Mal gegen Schmiedebach, mal gegen Pinto. Da spielt „Jaro“ den „Frank Rost“ im Feld. Was sonst kaum einer mal macht. „Jaro“ mischt alle auf, um sein Team nach vorne zu bringen.

Tunay Torun hatte eine wirklich gute Szene, fiel ansonsten klar ab. Für ihn kam in der 61. Minute Pitroipa – aber der hat null Selbstvertrauen, er hilft in dieser Verfassung nicht mehr. Und links Eljero Elia? Der Ball ist rund. Der Niederländer trat zu oft auf die Kugel – und lag am Boden, und der Ball war verstolpert. Weg!

Ze Roberto viel unterwegs, aber eine zündende Idee hatte er lange Zeit nicht. Erst gegen Ende des Spiels, als der HSV zulegte und gute sowie beste Chancen hatte, da zeigte sich auch Ze Roberto häufiger.

Und vorne? Ruud van Nistelrooy baute schon in Halbzeit eins mächtig ab. Dass er bleiben durfte, liegt wohl auch daran, dass Trainer Michael Oenning auf seine Vollstrecker-Qualitäten setzt – falls es denn einmal eine solche Möglichkeit geben sollte. Es gab sie nicht. Bis auf eine Kopfballchance, aber die war nicht so zwingend. Mladen Petric neben „van the man“ fand lange keine Bindung, aber er taute in Halbzeit zwei auf – und legte zu. Die beste Offensivkraft des HSV. Aber die Null blieb stehen. Null-Fußball eben. Und viele Pfiffe zum Abschied.

17.34 Uhr

Hannover ist schon der letzte Strohhalm

15. April 2011

Na dann! Los geht’s. Die letzte Chance auf die Europa League, das erste der letzten fünf Endspiele? „Unser letzter Strohhalm“, sagt Kapitän Heiko Westermann, „und wir haben gegen die auch noch etwas gutzumachen.“ Eine 2:3-Niederlage aus dem Hinspiel. „Ja, aber wir waren besser und haben die Punkte da liegenlassen.“ Deshalb gelte aus zweierlei Sicht nur ein Ziel: Der Dreier gegen den Dritten morgen ab 15.30 Uhr in der Imtech-Arena. Und auch Cheftrainer Michael Oenning setzt auf Sieg, will ggen die konterstarken Niedersachsen stürmisch agieren lassen. „Er lässt nach vorne spielen“, weiß sein Assistent Rodolfo Cardoso zu berichten, „ihm ist das Ergebnis nicht ganz so wichtig wie die Art zu spielen. Allerding nur so lange, wie wir gewinnen natürlich.“

Das muss der HSV, sofern er sich die Chance auf den fünften Rang und somit die Teilnahme an der Europa League erhalten will. Drei Punkte gilt es auf Mainz aufzuholen, die wiederum heute Abend gegen Gladbach vorlegen in einem Spiel, das sich wohl die gesamte HSV-Mannschaft im Mannschaftshotel ansehen wird.

Wie sehr viele von Euch werde auch ich es sehen. In der Hoffnung, dass die Gladbacher sich im Abstiegskampf etwas Luft verschaffen können und so dem HSV helfen. Denn, wenn man mal ehrlich ist, hat Mainz das leichteste Restprogramm derer, die um Platz fünf kämpfen. „Aber wenn wir weiter gewinnen und Druck aufbauen, muss die sehr junge Mainzer Mannschaft damit erst einmal klarkommen“, stichelt Cardoso, mit dem wir (Kai Schiller und ich) uns heute in der Raute getroffen haben. „Unsere Mannschaft hat die Erfahrung und alle sind ganz gut drauf. Warum nicht?“, so Cardosos rhetorische Frage.

Ehrlich gesagt, ich habe keinen Grund. Zumindest keinen, den ich nennen werde. Denn auch ich halte mich jetzt an die Maxime, in den letzten fünf Spielen nichts anderes zählen zu lassen, als den sportlichen Erfolg. Erst, wenn die letzte theoretische Chance vorbei ist, werde ich damit aufhören. Wie viele von Euch wahrscheinlich auch. Das ist sicher nicht die intelligenteste Art, mit der Situation umzugehen, aber die einzige, die mir Spaß macht.

Spaß hat derzeit auch die Mannschaft, das ist inzwischen inflationär oft genannt worden. Aber es ist auch tatsächlich jeden Tag zu sehen. Auch heute wieder im Training. Denn so konkurrierend die Spieler untereinander sind und so hart sie in den Trainingsspielen um einen Platz in der Startelf auch kämpfen, sie sind sich in ihrem Ziel eins. „Es war eine harte Woche“, sagt Dennis Diekmeier, „weil alle mitziehen. In den Spielen, wo eine A- gegen eine B-Elf gespielt hat, hat die B-Truppe immer richtig gut dagegengehalten. Es lässt sich keiner hängen.“ Im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen teilweise bis ins Halbfinale international gespielt wurde und somit eine Doppelbelastung (mit DFB-Pokal sogar dreifach), scheint die Mannschaft zum Saisonende hin nicht abzubauen sondern ihre zweite Luft zu bekommen.

Wer diese einsetzen kann, scheint noch offen zu sein. Zumindest lässt sich Oenning mal wieder nicht in die Karten schauen. Im Training folgte heute auf eine kurze Laufeinheit ein verlängertes Kreisspiel. Aktive Erholung – mehr nicht. Und für uns keine Antwort auf die Frage, wer den gelbrot-gesperrten Änis Ben-Hatira ersetzen wird. Eine Frage, die übrigens auch Cardoso stellte. Doch auch der sympathische Argentinier vermochte sich nicht festzulegen. „Michael wird eine Idee haben. Und wir werden sicher auch darüber sprechen. Er akzeptiert meine Meinung – aber am Ende entscheidet er.“ Wen Rodolfo spielen lassen würde? Der ehemalige Zehner diplomatisch: „Da bieten sich gleich mehrere ebenbürtige Konstellationen an.“ Zum einen wäre das Tunay Torun, zum anderen Jonathan Pitroipa. Und die für mich wahrscheinlichste Lösung wäre Eljero Elia auf rechts, während Marcell Jansen in seinem dann 150. Bundesligaspiel die linke offensive Seite vor ausverkauftem Haus übernehmen könnte.

Und während es über rechts eine Bauchentscheidung Oennings wohl zwischen Torun und Elia geben wird, bin ich mir sicher bei der Aufstellung in der Abwehr. Dort beginnt Diekmeier rechts, daneben wird es auf Gojko Kacar und Westermann ankommen, während Dennis Aogo links hinten anfängt. Allerdings gibt es nur wenige Alternativen, da Benjamin nicht im Kader steht, Muhamed Besic bei der Regionalliga-Elf aufläuft und Joris Mathijsen (Knöchel) sowie Guy Demel (Magen-Darm-Probleme) ausfallen.

Und das gegen niemand geringeren als Didier Ya Konan (13 Tore, sieben Vorlagen) und Mohammed Abdeallaoue (9/1), die zusammen an 30 der insgesamt 42 Treffer der Niedersachsen beteiligt waren. „Hannover ist sehr lauf- und kampfstark, steht kompakt und spielt schnelle Konter mit zwei starken Stürmern“, analysiert Cardoso und auch Diekmeier und Westermann sind sich einig: „Das wird ein Schlüssel zum Sieg, hinten wieder so eng wie in großen Teilen der Partie gegen Dortmund zu stehen“, so Westermann, der zugleich auf die eigene Stärke setzt: „Wir müssen ganz sicher besonders auf die beiden achten. Aber wir werden trotzdem hoch (offensiv ausgerichtet, Anm. d. Red.) stehen, weil uns keiner weglaufen wird. Wir haben in der Verteidigung genug Tempo.“

Immerhin vier Siege in den letzten fünf Spielen haben sich die Hannoveraner vorgenommen, um so zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Champions League zu erreichen. „Das können sie ja auch noch, wenn sie bei uns verloren haben“, sagt Westermann, der den nächsten Gegner als „die größte Überraschung der Saison“ bezeichnet.

Nicht wirklich überraschen würde mich indes, wenn nach dem Hannover-Spiel eine Entscheidung in Sachen Trainer fällt. So zumindest wird gemutmaßt. Und einen Sieg gegen Hannover vorausgesetzt, kann ich mir da nichts anderes vorstellen, als dass es eine Entscheidung pro Oenning geben wird. Alles andere könnte die konzentrierte Arbeit stören. Und wie wichtig die Europa League auch finanziell für den HSV wäre, wisst ihr alle selbst.

In diesem Sinne,

ich freue mich auf das HSV-Duell!

Bis morgen,
Scholle

18.05 Uhr

Letzte Fakten zum Spiel:

Hamburger SV: Rost – Diekmeier, Kacar, Westermann, Aogo – Jarolim – Jansen, Zé Roberto, Elia – Petric, van Nistelrooy

Kader: Mickel, Tesche, Trochowski, Pitroipa, Torun, Son, Guerrero
Nicht dabei: Ben-Hatira (Gelb-Rot-Sperre), Mathijsen (Sprunggelenksprobleme), Demel (Magen-Darm-Grippe), Drobny (Handbruch), Stepanek (Aufbautraining nach Kreuzbandriss), Castelen (Aufbautraining nach Knie-OP), Besic, Choupo-Moting (HSV II), Benjamin, Rincón (nicht berücksichtigt)

Hannover 96: Zieler – Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz – Schmiedebach, Pinto – Stindl, Rausch – Ya Konan, Abdellaoue
Nicht dabei: Andreasen (Aufbautraining)

Schiedsrichter:
Christian Dingert (Lebecksmühle)

Optimismus pur beim HSV – verlängert Petric?

14. April 2011

Da geht doch was! Entgegen der Aussagen seines Beraters Volker Struth, der vom ersten Treffen mit dem neuen HSV-Vorstand enttäuscht war, zeigte sich Mladen Petric zufrieden. „Es war ein atmosphärisches Gespräch, aus dem ich positive Schlüsse ziehe“, sagt der Angreifer, mit dem der HSV gern vorzeitig verlängern würde. „Beide Seiten können sich vorstellen, weiter zusammen zu arbeiten.“

Das klingt doch mal ordentlich. Und obgleich derartige Wasserstandsmeldungen selten wirklich aussagekräftig sind, stimmt zumindest mal die Tendenz. Zumal Mladen, dessen Trikot wir morgen verlosen werden, hinzufügte, dass es in dem ersten Gespräch insbesondere darum ging, alte Rechnungen zu begleichen, beziehungsweise alte Fehden zu beenden. In dem Gespräch sei es auch um das Szenario im letzten Sommer gegangen, wo Petric seinen bereits mit dem VfB Stuttgart eingetüteten Wechsel vom alten HSV-Vorstandsboss Bernd Hoffmann untersagt wurde. Und das, obwohl man dem Kroaten zuvor suggeriert hatte, dass er bei einem passenden Angebot wechseln dürfe. „Sie wollten wissen, ob ich mir einen Verbleib jetzt vorstellen kann, oder ob das Sommertheater zu tief sitzt.“
Tut es nicht. Sagt Mladen selbst. Dafür nagt an dem Top-Torjäger des HSV der Frust über fehlende internationale Spiele. „Mir wäre etwas mehr Belastung lieber“, sagt Petric, „denn wenn man seine gesamte Karriere immer international gespielt hat, fehlt einem schon was. Ich vermisse die Reisen, das Training im fremden Stadion am Vorabend. Und vor allem die Spiele.“ Deshalb gelte jetzt nur noch das Ziel Europa League. Trotz der aktuell drei Punkte Rückstand auf den fünften Platz (Mainz 05) und dem Tabellen-Dritten aus Hannover als nächsten Gegner: „Hannover 96 ist eine große Überraschung“, lobt Petric, „aber wir reden hier auch nicht über eine Übermannschaft. Unser Anspruch muss sein, im eigenen Stadion jedes Spiel zu gewinnen. Auch das.“

Geht es nach den Trainingsleistungen – ich weiß, die waren bislang eher wenig aussagekräftig, sind aber eben doch der einzige Gradmesser unter der Woche – dann könnte es am Sonnabend gegen den kleinen HSV auch echt was werden. Im heutigen Training wurde viel Abschlüsse geübt. Und was die Heroen da alles einnetzten war schon beachtenswert. Vorne weg David Jarolim, aber auch unsere „Tormaschinen“ Mladen Petric, Ruud van Nistelrooy und Paolo Guerrero netzten ein, was das Zeug hielt. Und bevor beim gemeinsamen Grillen dem leiblichen Wohl gefrönt wurde, verschafften sich die Spieler mit verschiedenen Erfolgserlebnissen im Training neues Selbstvertrauen. „Man merkt, dass die Stimmung dahin geht, das man einen Sieg erwartet“, will Oenning erkannt haben und stimmt selbst mit ein: „Ich liege da mit den Jungs auf einer Wellenlänge. Wir haben Top-Bedingungen. Gutes Wetter und das Stadion wird voll sein. Wir werden da anknüpfen, wo wir gegen Dortmund aufgehört haben.“

Wobei selbstredend nicht das späte Gegentor, sondern insbesondere die gute erste Halbzeit sowie die geschlossene Mannschaftsleistung in der zweiten Hälfte nach dem Platzverweis für Ben-Hatira gemeint war. „Wir brauchen den Sieg, wir wollen den Sieg. Weil wir im Rennen um die internationalen Plätze bleiben wollen. Viele Spiele haben wir ja nicht mehr. Wenn es nicht gelingt, muss danach schon alles passen, um noch eine Chance zu haben“, sagt Oenning. Dabei ist ihm auch ein Punkt zu wenig. Nur ein Sieg zählt. „Die Mannschaft brennt darauf“, verrät Oenning. Davon habe er sich in den Trainingseinheiten überzeugen können, in denen nach seiner Aussage ordentlich die Fetzen geflogen sind.

Dass es ein harter Gang gegen die Niedersachsen wird, weiß Oenning. Und während aus Hannover von 96-Trainer Mirko Slomka von einem „brutal-schweren Auswärtsspiel spricht“ lobt Oenning die 96er: „Sie spielen ein flaches 4-4-2 und schnell nach von, wo sie zwei sehr gute Stürmer haben. Ihr Erfolg kommt nicht von ungefähr“, so der HSV-Coach, der nicht daran glaubt, dass seine Spieler den nächsten Gegner ob fehlender großer Namen unterschätzen: „Zum jetzigen Zeitpunkt unterschätzt die keiner mehr.“

Drei Punkte Rückstand hat der HSV, der morgen auf einen Sieg von Borussia Mönchengladbach in Mainz hofft und der am Sonnabend im eigenen Spiel eine Position neu besetzen muss: die von Gelb-Rot-Sünder Änis Ben-Hatira. „Ich habe da schon eine Idee“, so Oenning, der heute im Training alle möglichen Variationen ausprobierte. Im dreigeteilten Abschlussspiel ließ er zunächst Eljero Elia rechts für Ben-Hatira und Marcell Jansen auf der linken Seite ran, ehe er Tunay Torun für Elia reinnahm und Elia wiederum auf Jansens Position setzte. Im letzten Drittel kam dann Jonathan Pitroipa rechts zum Zug, blieb aber im Contest mit den beiden ersten Varianten einiges schuldig.

Wer Oenning am besten gefallen hat? „Ich war positiv überrascht“, so der Cheftrainer, „sie haben mir alle drei etwas angeboten. Es wird ein lauffreudiger Spieler sein, der sowohl offensiv als auch (womit Pitroipa wohl aus dem Rennen ist, Anm. d. Red.) defensiv arbeitet.“ Die meisten, auch ich, rechnen eh damit, dass Jansen auf links rückt und Elia für Ben-Hatira die rechte Bahn übernimmt.

Gar keine Rolle spielt in den Überlegungen Piotr Trochowski. Auch gegen Hannover darf sich der abwandernde Deutsch-Pole nicht auf ein erstes Abschiedsspiel freuen. Sagt Oenning zumindes. „Im Moment steht die Mannschaft aufgrund Ihrer Leistung.“ Soll heißen, es gibt keinen Grund, etwas zu verändern. Bis auf die rechte Bahn eben.

Das wiederum bedeutet auch, dass sich Joris Mathijsen auf der Bank wiederfinden wird. Zumindest, wenn er seine Knöchelprobleme wieder in den Griff kriegt. „Joris hat voll mittrainiert, hat aber noch Beschwerden. Bei ihm entscheiden wir am Freitag, ob es für den Kader reicht“, sagt Oenning. Gleiches gilt für Guy Demel, der heute wegen Magen-Darm-Problemen fehlte, während Pitroipa zwar ob einer Wunde an der Achillessehne früher aufhörte, aber bis Sonnabend, wahrscheinlich sogar schon am Freitag wieder fit sein soll.

Die Auswahl ist wieder groß vor dem Spiel gegen Hannover. Gut für Michael Oenning, der als studierter Sport- und Deutschlehrer rhetorisch bekanntermaßen gut ausgebildet ist, wie er heute den Jungen und Mädchen, die im Rahmen des „Girl’s Day“ gestern bei der Pressekonferenz fragen stellen durften, bewies. Mit der Frage, ob Oenning denn auch über die Saison hinaus in Hamburg bleibt, wollte ein Junge wissen, ob der Münsterländer auch kommende Saison als Cheftrainer beim HSV arbeiten wird. „Ich werde ganz sicher noch länger in Hamburg bleiben“, so Oenning, der damit bei uns für kurzweiliges Aufsehen sorgte. Die Entscheidung? Mitnichten. Denn Oenning fügte hinzu: „Das aber erst mal nur deshalb, weil meine Familie hier lebt. Ansonsten gibt es nichts Neues zu berichten.“ Noch nicht. Allerdings, so habe ich es gehört, soll schon nach dem Hannover-Spiel eine Entscheidung bekanntgegeben werden. Mit guten Chancen für Oenning. Zumal, wenn der HSV gewinnt und dadurch eventuell näher an die Europa-League-Plätze rückt.

In diesem Sinne, ich glaube bis zur letzten theoretischen Chance daran und freue mich auf eine Endphase, die sehr, sehr spannend werden kann.

Scholle

19.10 Uhr

P.S.: An dieser Stelle möchte ich noch mal unseren Blogvater Dieter grüßen, der seit Dienstag mit einer deftigen Grippe flachliegt. Gute Besserung, mein Freund!!

Oennings Verwirrspiele – wer stürmt neben Petric?

31. März 2011

Wenn ich gefragt werde, wie ich das jeweils als nächstes anstehende Spiel beurteile, rufe ich mir immer einige Eckdaten auf. Grundlage meiner Meinungsbildung ist dabei immer die Stimmung innerhalb der Mannschaft. Insbesondere auf drei, vier Eckpfeiler im Team achte ich dabei besonders. Denn diese „Leitwölfe“ sind es zumeist, die die Stimmung am besten wiederspiegeln. Haben sie Lust und verbreiten Optimismus, kann es gut werden. Maulen sie aber oder wirken sogar unmotiviert, wird’s haarig. Eins dieser Stimmungsbilder gibt nicht selten Mladen Petric ab. Und das „Orakel Petric“ sagt heute: „Diesmal wird es ein anderes Spiel in Hoffenheim geben.“

Und damit hat er recht. Ganz sicher sogar. Was auch sonst?

Aber ich glaube auch, dass das, was er eigentlich damit sagen wollte, richtig ist: Es wird nicht noch einmal ein derartiges Debakel wie zuletzt beim 1:5 und im Jahr davor beim 0:3 in Hoffenheim. Dafür sind die Voraussetzungen diesmal deutlich besser als in den vergangenen Jahren. „Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist gut“, sagt Petric, „und das, obwohl ich gehört habe, dass die, die hier geblieben waren, richtig hart arbeiten mussten. Und trotzdem wird gelacht.“

Immerhin hatte Cheftrainer Michael Oenning vermehrt auf Lauf- und Kraftübungen gesetzt. „Uns tat das gut“, so Marcell Jansen, der sich mit Oenning nach seiner Nichtnominierung gegen Köln ausgesprochen hat und gegen Hoffenheim wieder im Kader stehen wird. „Er hat eine gute Reaktion gezeigt“, lobt Oenning, der allerdings nicht verraten wollte, ob Jansen von Beginn an auflaufen oder zunächst auf der Bank sitzen wird.

Ob’s an dem Hoffenheim-Scout lag, der bewaffnet mit Zettel, Stift und Kamera mal wieder ohne fundierte Erkenntnisse von dannen ziehen musste?

Auf jeden Fall wechselte Oenning heute im Trainingsspiel munter durch. Die große Frage, wer in Sinsheim den gesperrten Ruud van Nistelrooy ersetzen wird, beantwortetet der HSV-Coach zuerst südkoreanisch. Heung Min Son, der in der Länderspielpause spielfrei war und im Training alles andere als zu überzeugen wusste, durfte zuerst neben Mladen Petric ran. Allerdings wusste er erneut nicht zu überzeigen und wurde im zweiten Drittel gegen Tunay Torun ausgewechselt. Ebenso wie Gojko Kacar im Zeiten Drittel in die B-Elf wechselte, während Heiko Westermann von der „Sechs“ in die Innenverteidigung rotierte und David Jarolim die zentrale Defensive im Mittelfeld übernahm. Und während unser armer Kollege aus Hoffenheim spätestens jetzt gar nicht mehr wusste, wer nun wo spielen würde, legte Oenning im letzten Drittel noch einen drauf und ließ Marcell Jansen für den spielfreudigen Eljero Elia links im Mittelfeld ran. Und Son stürmte neben Torun – das allerdings mit ernsterem Hintergrund, denn Mladen Petric war umgeknickt und musste früher in die Kabine.

Der zweite Ausfall im Sturm?

Zum Glück nicht. Sagt Petric zumindest selbst. „Ich bin umgeknickt und habe einen Schmerz verspürt. Dass ich aufhöre, ist aber eher vorsichtshalber. Bis zum Hoffenheim-Spiel wird das schon wieder gehen.“ Muss es auch. Denn immerhin ist Mladen, dessen 2012 auslaufender Vertrag ja noch nicht verlängert wurde, mit elf Saisontreffern der Top-Torjäger des HSV. Ob er schon ein Gespräch mit dem HSV hatte? „Nein“, so Petric, „aber das ist jetzt auch nicht das Thema. Ich habe ja eh noch ein Jahr weiter Vertrag. Nächstes Thema bitte….! “

Ok, Vertragsfragen abgehakt. Dann noch mal zur Verletzung, immerhin ist Mladen für das Hoffenheimspiel ja mein Stimmungsbarometer. Und als ich schon leise Zweifel hegte, dass mein erster Optimismus verfrüht gewesen sein könnte, schob Mladen im Weggehen zum Glück noch nach: „Macht euch keine Sorgen.“

Angekommen! Und nur zu gern angenommen! Danke Mladen! Das mache ich nicht. Im Gegenteil, ich setze auf die Wende im Stadion der Schande für den HSV, in der Rhein-Neckar-Arena. Auch und gerade weil es bei der TSG Hoffenheim 1899 die vielleicht bittersten Niederlagen vor dem 0:6 gegen Bayern in der Bundesliga setzte. „Ein zusätzlicher Motivationsfaktor“, wie es Mladen Petric heute formulierte, „ich habe absolut kein negatives Gefühl vor diesem Spiel.“

Apropos, am Trainingsplatz fragte ich meine Kollegen, die neben mir standen, ob sie mit mir wetten würden. Eben weil ich so ein Gefühl habe. Denn ich glaube und hoffe, dass gegen die TSG am Sonnabendabend (18.30 Uhr, Sky überträgt live) weder Torun noch Son (beide sind momentan neben der Spur) neben Mladen beginnen wird, sondern Paolo Guerrero. Und das obwohl auch der Peruaner zuletzt wie seine jüngeren Kollegen nicht wirklich überzeugen konnte und in allen drei Dritteln des Trainingsspiels heute in der B-Elf agierte.

Aber seine heutige Leistung unterstrich meine Vermutungen, denn selbst der zusammen mit Jonathan Pitroipa angeblich schnellste Spieler im Team, Dennis Diekmeier, konnte Guerrero in dem einen oder anderen Laufduell nicht halten. Mehr noch: Guerrero traf als einziger Stürmer aus dem Spiel heraus (Petric verwandelte einen Foulelfmeter) nach schöner Hackentrickvorlage Sons sogar für die B-Elf per schöner Direktabnahme aus elf Metern. Und der Peruaner gilt als einer, der durch solche Psychospielchen, im Training immer nur B- statt A-Elf zu spielen, gekitzelt werden kann.

Das wiederum gilt ganz sicher nicht für Heiko Westermann. Der Kapitän darf sich seiner Startelfnominierung sowohl im Training als auch in der Bundesliga eigentlich immer sicher sein. So auch heute. Allerdings bleibt die Frage unbeantwortet, ob auf der „Sechs“ oder doch wieder in der Innenverteidigung neben Joris Mathijsen.

Letzteres würde mir am besten gefallen. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass Westermanns Qualitäten weniger im kreativen, also im Mittefeldbereich, denn in der Abwehr gebraucht werden. Dort hat er eine klare Aufgabe, auf die er all seine Konzentration lenken und die er mit seiner Zweikampf- und Kopfballstärke bestens ausfüllen kann. Einziges Manko hierbei wäre, dass mit ihm, mit Mathijsen, sowie rechts mit Diekmeier und links mit Aogo die Spieleröffnung zum Problem werden könnte.

Probleme gab es auch zwischen Frank Rost und Dennis Aogo, der seinem Torwart im Abendblatt-Interview vergangene Vorwürfe ob dessen Wutrede im Anschluss ans 0:6 in München gemacht hatte. Uns hatte Aogo am Mittwoch gesagt, die Sache sei ausgeräumt. Ein Telefonat zwischen ihm und Rost hätte gereicht. Daran hatte Dieter bereits gestern seine Zweifel angedeutet.

Und er lag damit absolut richtig.

Denn die Sache ist – zumindest zwischen den beiden – alles andere als ausgeräumt. Gestern, am Mittwoch, musste sich Aogo bereits intern vor versammelter Mannschaft von Oenning anhören, dass er zu weit gegangen sei. Der Trainer kritisierte die öffentliche Kritik Aogos an seinem Mitspieler. Zumal sich die Mannschaft unmittelbar vor der Länderspielpause darauf eingeschworen hatte, auf Äußerungen über Verein und Mitspieler wenigstens die letzten sieben Spiele bis Saisonende komplett zu verzichten. Das wiederum hielt nur wenige Tage und brachte Oenning in Rage. Aber anstatt sich einmal öffentlich bei Rost zu entschuldigen, setzte Aogo selbst der Diskussion ein Ende. Ein Ende, das wohl eher keins ist.

Ein Ende mache dafür ich jetzt. Mit der Nachricht, dass sich Piotr Trochowski und der FC Sevilla über einen Wechsel geeinigt haben und dies im Laufe der kommenden Woche verkünden wollen, verkünde ich das Ende des heutigen Blogs mit dem Hinweis, dass morgen um 13.30 Uhr an der Imtech-Arena trainiert wird. Und in der Hoffnung, dass die Differenzen zwischen Aogo und Rost zwischen diesen beiden Spielern bleiben und keine Auswirkungen auf die Mannschaft haben. Alt genug sind die beiden ja. Und beide wissen auch, dass es nur noch um das Ganze gehen darf. Aber warum sollte ich mich sorgen? Orakel Petric hat gesagt, die Stimmung sei gut. Ergo: sieben Wochen Ar…backen zusammenkneifen und gemeinsam da durch. Für sich, für den HSV, für die Fans – und vor allem für den letzten Funken Hoffnung auf die Europa League.

In diesem Sinne,

LG,

Scholle

19.10 Uhr

Jarolim bricht Lanze(n) für van Nistelrooy

26. Januar 2011

Ich erinnere mich noch ziemlich genau an den 31. August 2010. Da saß ich zuerst bei schönstem Sommerwetter auf der Tribüne des Hoheluftstadions und sah mir den netten Kick des HSV gegen Oberligameister SC Victoria an. Ein faires Spiel, das der HSV am Ende mit 5:1 gewann. Alle waren zufrieden. Lediglich Mladen Petric hatte damals Probleme, weil ihm der Verein aus verschiedenen Gründen die Freigabe für den VfB Stuttgart verweigerte, mit dem er sich schon auf einen Vierjahresvertrag geeinigt hatte. Für ihn eine ähnliche Situation, wie heute bei Ruud van Nistelrooy. „Man merkt ihm schon an, dass er traurig ist“, sagt Petric über seinen Sturmkollegen. Allerdings will sich der Kroate ansonsten nicht weiter zu van Nistelrooy äußern.

Dafür aber David Jarolim. Der Tscheche, der am Sonnabend in Nürnberg bei seinem Ex-Klub voraussichtlich wieder neben Zé Roberto beginnen wird, bricht eine Lanze für van Nistelrooy. Oder sind es sogar zwei, drei? „Wahrscheinlich hat ihn Real Madrids Trainer José Mourinho persönlich angerufen – das nimmt jeder Spieler anders wahr, ich habe dafür Verständnis.“ Jarolim sieht in der Angelegenheit kein Problem. Der Mittelfeldspieler glaubt nicht daran, dass sich van Nistelrooy ob seiner Verärgerung hängenlässt. „So ist der nicht. Der war von der ersten Sekunde an hier absolut Profi. Ruud hat von Beginn an bis heute immer alles gegeben.“ Bestes Beispiel dafür sei das Schalke-Spiel gewesen. „Da war er fast schon auf dem Heimweg und macht am nächsten Tag das entscheidende Tor gegen Schalke. Nein, bei Ruud ist das sicher eine ganz besondere Situation. Aber er ist ein Typ komplett ohne Starallüren, er ist ein Familienmensch und verhält sich bei uns immer tadellos. Er wird uns in der Rückrunde weiterhelfen.“

Dabei hatte van Nistelrooy heute in einem Interview mit der spanischen Zeitung „Marca“ keinen Hehl daraus gemacht, dass er enttäuscht über die Entscheidung des HSV war. Der geplatzte Deal zu seinem Ex-Verein, bei dem er von Sommer 2006 bis Januar 2010 unter Vertrag stand, sei „ein großes Ärgernis. Gegen die Fans, meine Mitspieler oder den Trainer kann ich nichts sagen. Es war der Verein, der die Entscheidung getroffen hat. Ich habe den HSV inständig darum gebeten, es mir zu erlauben, meinen Traum zu erfüllen. Aber nun bleibe ich in Hamburg, auch wenn mein Herz für Madrid schlägt.“ Worte, die nicht unbedingt den Gedanken aufdrängen, dass van Nistelrooy darauf brennt, sich für den HSV aufzuopfern.

„Solche Sätze fallen schon mal, wenn man so emotional ist wie Ruud im Moment. Aber die zählen oft nur zwei Tage.“ Aber dennoch können solche Stimmungslagen – gerade von den Führungsspielern – innerhalb einer Mannschaft das Klima verschlechtern. Ob er als Führungsspieler das Gespräch mit van Nistelrooy suchen werde? Jarolim lacht und verneint: „Das brauche ich nicht, so ist Ruud nicht. Ich glaube sogar, dass er jetzt befreiter ist als vorher. Vielleicht nicht hundertprozentig zufrieden, aber er wird es akzeptieren und wieder alles geben. Er ist wieder voll auf den HSV fokussiert.“ Jarolim betont, dass sich van Nistelrooy innerhalb der Mannschaft und bei ihm einen besonderen Status erarbeitet hat: „Das wäre bei einem Spieler, der schon seit Jahren hier ist eine andere Nummer – dem würde ich wahrscheinlich eine aufs Maul hauen. Aber hier mache ich mir keine Sorgen. Im Gegenteil.“

Dennoch scheint eine wichtige Nachricht in der Causa van Nistelrooy/Real Madrid bei den Spielern angekommen zu sein. „Es ging hier nicht um einzelne Parteien“, sagt Jarolim, „es ging für Ruud nicht gegen den HSV oder umgekehrt. Ich glaube, der Verein hat gesehen, dass Ruud fit ist und uns weiterhelfen kann. Und er hat mit der Entscheidung ein Zeichen gesetzt, dass es so nicht geht, wenn man einen Vertrag hat.“ Und das sei auch gut so.

Stimmt. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Außer, dass Ruud heute im Training engagiert dabei war. Zwar konnte er sich beim 1:1 im kurzen Abschlussspiel nach einer Laufeinheit nicht als Torschütze eintragen (Für A traf Pitroipa – Guerrero traf für die Reservisten), aber er gefiel durch Einsatz. Ebenso wie Mladen Petric, der im Reservistenteam zu den Besseren zählte.

Apropos, nur, weil es heute auffiel: zuletzt hatte ich immer wieder geschrieben, dass der HSV auch von der Bank aus mit mehr Qualität als in der Hinrunde aufwarten kann. Und wenn Ihr Euch das heutige B-Team anseht, werdent Ihr mir wahrscheinlich Recht geben: Drobny – Benjamin, Mathijsen, Stepanek (Besic fehlte), Jansen – Tesche, Trochowski – Choupo-Moting, Guerrero, Torun – Petric. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese B-Elf auch im Bundesliga-Alltag eine gewichtige Rolle spielen könnte.

Aber egal, zurück zur Realität. Und da fehlte heute nur noch Guy Demel. Der Ivorer, der in den letzten Tagen an Grippe gelitten hatte, absolvierte heute eine Sondereinheit im Kraftraum und soll morgen voraussichtlich wieder ins Training einsteigen. Dafür war Pitroipa wieder dabei und rückte auf die Position im rechten Mittelfeld. David Jarolim ersetzte derweil wie erwartet Piotr Trochowski auf der zweiten Sechs neben Zé Roberto. Am auffälligsten aber – neben der wie gewohnt perfekten Schusshaltung Trochowskis (das musste sein 😉 – agierten ausgerechnet die beiden Akteure, bei denen noch über einen kurzfristigen Verkauf sinniert wird: Choupo-Moting (1. FC Köln ist interessiert) und Torun (der VfB Stuttgart hat Interesse). Der Erstgenannte erhielt von Trainer Armin Veh inzwischen grünes Licht für einen Wechsel, während Torun bleiben soll. Allerdings gab es heute keine neuen Angebote.

Dafür mal wieder neue, unnötige Baustellen. Diesmal weder von mir erfunden noch vom Aufsichtsrat produziert, diesmal meldete sich Klaus-Michael Kühne zu Wort. Und das sehr kritisch. „Gerade von der sportlichen Seite war das Management nicht so, wie sich das gehört für einen Spitzenverein“, sagte der Logistik-Unternehmer im Hörfunksender NDR 90,3. Der HSV müsse sein Image verbessern, „um wieder attraktiv für Top-Spieler zu werden“. Und Kühne ging sogar noch weiter. Der 73-Jährige kritisierte öffentlich die vielen Verletzten und hatte per Ferndiagnose auch schon die Lösung parat, die zahlreiche studierte Mediziner und Sportwissenschaftler in Hamburg nicht ergründen konnten. Die Schuld läge „in der ärztlichen Betreuung und in den Trainingsmethoden“.
Aha. Na dann. Hätte Kühne das mal in der Hinrunde schon verraten…
Zudem kritisierte der Investor, der HSV hätte sich beim Thema Rafael van der Vaart weiter strecken müssen. Kühne träumt, wie er sagt, nach wie vor von einer Rückkehr des Mittelfeldstars. Dem HSV fehle ein Regisseur, so Kühne.
Kühne mag ja Recht haben. Und auch ich würde mich freuen, wenn Rafael wieder beim HSV aufzieht. Aber die Frage, die sich mir stellt: Warum kauft Kühne van der Vaart nicht für den HSV? Er selbst wiederholte auch heute wieder, dass es ihm bei der 12,5-Millionen-Investition nicht darum ging, Geld zurückzubekommen. Im Gegenteil, er selbst rechnet nach eigener Aussage nicht mal mehr damit. Und schon im Sommer hatte der selbsternannte HSV-Fan immer wieder von einer Rückholaktion des Niederländers gesprochen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich irgendjemand beim HSV dagegen wehren würde, wenn van der Vaart fremdfinanziert Tore für den HSV schießen würde.
Obwohl, das muss hier noch mal erwähnt werden, Bruno Labbadia 2009 davon sprach, van der Vaart würde nicht in sein System passen. Der Spieler selbst nahm es damals mit Verwunderung zur Kenntnis. Er soll sogar enttäuscht und beleidigt gewesen sein. Und ein Jahr später, im vergangenen Sommer, erinnerte sich der Niederländer daran. Allerdings, um hier mal den HSV in Schutz zu nehmen, die Hamburger hatten nie wirklich eine Chance. Sie hatten vorsichtig bei Rafael vorgefühlt und erfahren, dass sie ob des verpassten internationalen Wettbewerbes trotz der emotionalen Verbundenheit van der Vaarts nicht erste Wahl seien.
Das Zeitfenster für den HSV für mögliche Verhandlungen soll sich eh auf ganz wenige Tage beschränkt haben. Schließlich hatte sich bereits der FC Liverpool gemeldet. Neben einem opulenten Gehalt gab es dort internationalen Fußball 2010/2011. Dass es am Ende doch Tottenham wurde lag an Real Madrid. Die hatten sich mit den gebotenen 18 Millionen Euro Ablösesumme der Liverpooler nicht anfreunden können. Als es dann kurz vor Toresschluss plötzlich den Rückzug des FC gab und sich Tottenham meldete, waren den Madrilenen die dann gebotenen zehn Millionen Euro lieber als nichts zu bekommen. Das Ganze spielte sich übrigens tatsächlich am allerletzten Tag der Transferperiode ab, womit sich der Kreis des heutigen Blogs schließt. Denn der war am 31. August 2010, als der HSV 5:1 gegen Victoria gewann. Und Mladen Petric meckerte.
Aber das ist Schnee von gestern. Heute steht Petric laut Veh vor der besten Rückrunde seiner Karriere. Der Spieler selbst ist wieder glücklich beim HSV und die Mannschaft gewinnt. Auf und neben dem Platz.

In diesem Sinne: hoffen wir, dass die Mannschaft ihre Form konserviert – und sich das Umfeld dem Niveau endlich anpasst.

19.40 Uhr

P.S.: Achtung, bitte vormerken! Am 18. März ist es wieder soweit. Ab 19 Uhr feiern wir in der Raute das nächste “Matz-Ab“-Treffen. Je mehr Blogger kommen, desto schöner! Der Gastgeber Dieter und ich freuen uns auf Euch!

Der Konkurrenzkampf hinterlässt Spuren

25. Januar 2011

Endlich rückt das Sportliche wieder in den Fokus. Es zählt nur noch die Partie in Nürnberg. Dafür suchte Trainer Armin Veh vor dem Training am Vormittag noch einmal das Gespräch mit Ruud van Nistelrooy, um sich nach seinem Befinden zu erkunden, nachdem der HSV das Thema Real Madrid und den Wechsel seines Topstürmers endgültig für erledigt erklärt hatte. Sehr zum Ärger des Niederländers, dem nachgesagt wird, er hätte sogar einen Teil der Ablösesumme selbst zahlen wollen, nur um sich den Wunsch Madrid zu erfüllen. Dennoch ist sich Veh auch nach dem Gespräch sicher, dass Ruud seine Leistung uneingeschränkt bringen wird. Der HSV-Coach sieht das finale Nein des HSV zu einem Transfer sogar als eine Art Befreiung für seinen Angreifer an und meint, der Torjäger kann mit der Gewissheit hier bleiben zu müssen jetzt sogar besser leben als weiterhin im Unklaren zu sein. Wer allerdings das heutige Vormittagstraining gesehen hat, der könnte anderer Meinung sein: Van Nistelrooy traf teilweise das leere Tor nicht und scheiterte mehrfach an Drobny. Zudem ließ er sich zu einer harten Grätsche gegen Torun hinreißen, mit dem er ja in der Kabine schon mal aneinander geriet. Purer Frust!

War van Nistelrooy einfach nur unkonzentriert? Oder doch unmotiviert? Oder hat er einfach nur einen schlechten Tag gehabt?

Ich hoffe, dass der Auftritt heute Morgen wirklich seiner Enttäuschung geschuldet war. Ähnlich wie seine Trainingsleistung vor knapp zwei Wochen, als er erstmals vom Real-Angebot und der Absage des HSV gehört hatte. Damals legte Ruud eine Einheit hin, die lebloser kaum sein konnte.

Ich glaube allerdings nicht, dass ihm das gegen Nürnberg auch noch anzumerken sein wird. Dafür ist van Nistelrooy zu sehr Profi. Vielleicht läuft es ja sogar ähnlich wie vor zwei Wochen, als er auswärts gegen Schalke das Siegtor beisteuerte. Fehlende Wertschätzung beim HSV wird Ruud jedenfalls nie vorhalten können. Immerhin betonte Veh noch mal, dass bei ihm zwar jeder Spieler seine Chance bekäme, aber ein fitter Ruud van Nistelrooy immer gesetzt sei. Trotz allem ließ van Nistelrooys Berater Rodger Linse durchblicken, dass sein Schützling den Vertrag im Sommer nicht verlängern wird. Schön zu sehen: Trotz allen Frusts, beim Trainingsturnier am Nachmittag war van Nistelrooy dann wieder der alte Ruud – und er eröffnete den Torreigen. Auch sonst ging es im Training heute richtig gut zur Sache: Gojko Kacar und Eljero Elia wirkten hochmotiviert, versuchten viel – und bekamen beide ordentlich auf die Socken. Beide konnten aber nach kurzer Schmerzpause weitermachen.

Wieder mitmachen konnte Joris Mathijsen. Und der Niederländer meckerte und dirigierte schon wieder, als sei er nie weggewesen. Lauter war eigentlich nur Frank Rost, der den wieder genesenen Marcell Jansen lautstark anpackte. Dieser hatte zuvor seine Mitspieler kristisiert, nachdem sie erneut leichtfertige Fehlpässe fabriziert hatten. Allerdings hatte Jansen seine Rechnung ohne Rost gemacht. Von dem bekam Jansen zu hören, er sollte mal ganz ruhig sein, wo er doch nur drei Mal im Monat auf dem Trainingsplatz stehe. „Komm doch her mit deiner lauten Klappe“, entgegnete Jansen. Der Disput ging erst über den halben Platz, ehe sich Jansen im Sprinttempo in Richtung Rost begab und mit einer angedeuteten Kopfbewegung auf Rost zulief – Veh unterbrach das Spielchen und schickte die gesamte Mannschaft eine Runde um den Platz zum Abkühlen.

Was erst sehr heftig aussah, versuchten sowohl Veh als auch Jansen nach dem Training zu relativieren: „Ist doch gut, wenn mal n bisschen Spannung aufkommt“, sagte der Linksfuß. Und Recht hat er: Lieber kurzzeitig voller Adrenalin, als leblos auf dem Platz wie so einige Male bei der ganzen Mannschaft in der Hinrunde gesehen. Ein Indiz für einen funktionierenden Konkurrenzkampf ist auch, dass es im Training auch mal etwas rauer zur Sache geht. Körperlich wie verbal.

Der HSV ist sportlich weiter auf Kurs. Bestes Beispiel dafür war Marcell Jansen, der anstatt sich in Wortgefechten zu ergeben, die beste Antwort gab und seinem Keeper beim Spielchen dafür einige einschenkte. Sehr zum Ärger von Rost, den nicht nur das zur Weißglut trieb. Beim Sechs-gegen-Sechs haderte der Torwart immer wieder mit den Abwehrspielern seines jeweiligen Teams, bis ihm der Kragen platzte „Sag mal bist du besoffen?“, giftete er in Richtung eines Abwehrspielers (Kacar oder Stepanek? War nicht zuzuordnen…) – woraufhin der Trainer die Einheit mit den Worten „Gut trainiert, Jungs“, endgültig beschloss.

Nicht dabei war heute Demel. Der Ivorer musste die Einheit wegen einer Grippe ausfallen lassen, soll aber für das Spiel gegen Nürnberg zur Verfügung stehen. Ebenfalls nicht dabei war Pitroipa, der sich noch mit seiner Oberschenkelverletzung aus dem Frankfurt-Spiel herumplagt. Auch er soll am Sonnabend wieder zur Verfügung stehen. Und während Demel trotz des vernünftigen Auftritts von seinem Vertreter Tomas Rincon am vergangenen Freitag als gesetzt gilt, deutete Veh an, auf Pitroipas Position mehrere Alternativen zu haben. So wie sich der HSV-Trainer heute anhörte, könnte die Mannschaft in Nürnberg ein leicht verändertes Gesicht bekommen: immerhin scharrt niemand geringeres als Mladen Petric mit den Hufen.

Und Veh würde den Kroaten nach dessen starken 45-Minuten-Auftritt gegen Frankfurt nur zu gern unterbringen. Und sollte Pitroipa auch morgen nicht voll trainieren können, könnte ich mir vorstellen, dass der Trainer Petric in der Spitze neben van Nistelrooy aufstellt und Ben-Hatira auf die rechte Seite rückt. Wie zuletzt gegen Frankfurt in Hälfte zwei. Denn Veh betonte heute noch mal, dass die beiden für ihn als Doppelspitze durchaus funktionieren können. „Bis Oktober habe ich gebraucht, um Mladen klarzumachen, dass er mehr Laufarbeit leisten muss, aber jetzt hat er es verinnerlicht. Wenn wir schnelle Außenspieler haben, ist das ein Topduo.“ Bis auf die vermutete Rückkehr von Jarolim als zweiten Sechser neben Zé Roberto wird sich der Rest der Startelf wohl nicht verändern, denn sowohl Mathijsen als auch Guerrero und Benjamin kommen aufgrund ihres verletzungsbedingten Rückstandes lediglich für die Bank in Betracht – und auch das sei nach Aussage des Trainers noch lange nicht gewiss.

Die Konkurrenzsituation verschärft sich also wieder, was dem Team im Endeffekt eigentlich nur gut tun kann. Zumindest scheint das bislang der Fall zu sein. Eine Gefahr sieht Veh allein in der überbesetzten Offensive, weshalb er jetzt offiziell grünes Licht für einen Wechsel eines Angreifers in der Winterpause gegeben hat. In Frage kommen dafür nur Tunay Torun und Eric Maxim Choupo-Moting. Und wenn man mitbekommt, wie positiv sich Veh auch heute wieder über den jungen Türken geäußert hat („Ich habe nie geglaubt, dass er so stark ist“), dürfte es wohl den Kameruner treffen. Bei dem jungen Angreifer könnte der HSV eine Option auf Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrages ziehen, müsste allerdings im selben Moment auch das Gehalt anheben. Und dem Vernehmen nach will die Klubführung das nicht. Soll heißen: Entweder ein neuer Interessent gibt ein passendes Angebot für Choupo ab oder der 1. FC Köln bessert sein angemeldetes Interesse an dem 21-Jährigen nach. Klar ist: In beiden Fällen würde der HSV seinen jungen Angreifer ziehen lassen, während Veh im Fall Tesche sein Veto eingelegt hat. Hannover 96 wollte den defensiven Mittefeldspieler verpflichten, doch der Trainer will ihn als defensive Alternative unbedingt behalten. Zumal Veh defensiv noch immer Nachbesserungsbedarf sieht. Veh wollte eigentlich noch eine weitere Defensivkraft für seinen Kader haben, doch der Verein hat seinem Coach jetzt mitgeteilt, keinen Spieler mehr im Winter verpflichten zu wollen/können.

Glücklich scheint der Coach darüber nicht, aber er nimmt die Entscheidung hin. „Wenn niemand auf dem Markt ist, können wir eben auch keinen holen.“ Allerdings birgt das Szenario eine Gefahr. Kacar ist sicherlich zu loben, allerdings hat der Serbe auf der Position des Innenverteidigers gerade mal zweieinhalb Spiele gemacht – gegen Amsterdam mäßig, gegen Schalke stark und gegen Frankfurt nicht zu bewerten. Ihn jetzt schon als 1-A-Alternative zu kategorisieren, halte ich für verfrüht. Allerdings kehr mit Mathijsen „Mr. Zuverlässig“ zurück, weshalb ich die größte Baustelle weiterhin hinten rechts sehe: Demel muss bei diesem Kader ja fast schon jedes Spiel machen. Und er spielt das mal recht, mal schlecht. Rincon (obgleich zuletzt sehr ordentlich) und Tesche haben immer wieder bewiesen, dass das nicht ihre Position ist. Und mit Benjamin ist leider nicht verlässlich zu planen, da er immer wieder verletzt ist. Eben leider genau so wenig wie mit Dennis Diekmeier, der verletzungsbedingt weiterhin auf sein Debüt beim HSV warten muss.

Der HSV hat auch heute wieder zwei Mal trainiert, wie schon häufiger in der Rückrunde. Und das scheint sich auszuzahlen: Beim Blick auf die Datenbanken wird ersichtlich, dass die Mannschaft im Schnitt einen Kilometer mehr läuft als noch in der Hinrunde. Einen wesentlichen Teil dazu beigetragen hat mit Sicherheit der von den Spielern für seine harten Konditionseinheiten „gehasste“ wie gelobte Fitnesstrainer Günter Kern. Aber auch die neue Konkurrenzsituation scheint den Spielern Beine zu machen. Keiner darf sich seiner zu sicher sein, hinter jedem Spieler scharrt ein Konkurrent mit den Hufen. Ergo: Nie war man in dieser Saison nach einer schwachen Leistung schneller wieder auf der Bank als jetzt…..

Die besten Werte hat übrigens – das wird die wenigsten überraschen, die die letzten Spiele live gesehen haben – Änis Ben-Hatira. Der Junge reißt nicht nur die meisten Kilometer ab sondern macht auch die meisten Sprints. Der Deutsch-Tunesier sprach heute auch kurz mit uns und wirkte dabei trotz der letzten guten Auftritte sehr überlegt und zurückhaltend. Er habe erst zwei Spiele gemacht, das sei alles. Und zur Not würde er auch 50 Kilometer pro Spiel laufen, um der Mannschaft zu helfen. Allerdings gingen die Unruhen in Tunesien nicht spurlos an ihm vorbei, da bis auf seine Eltern und seine Geschwister seine gesamte Familie noch in dem Land leben würden. „Das habe ich immer im Hinterkopf“.

Dennoch, Änis ist und bleibt für mich – zusammen mit Kacar – die positivste Überraschung der Rückrunde. Der Junge galt 2007 als das größte Talent Deutschlands (damals sogar vor Mesut Özil), startete beim HSV allerdings schwach und galt schnell als gescheitert. Damals für meine Begriffe sogar zu schnell. Als er dann auch in Duisburg bitter scheiterte, dachte ich, das würde nichts mehr. Und ganz ehrlich, das machte mich damals traurig, weil ich Änis als 18-Jährigen gesehen hatte und mir damals sicher war, dass dieser Junge einmal ganz groß beim HSV rauskommen würde. Leider fehlte ihm damals die mentale Reife, die er jetzt endlich hat. Er hatte ein Problem, das heute auch Choupo-Moting nachgesagt wird. Und ganz ehrlich: ich hätte nichts dagegen, wenn Choupo in zwei, drei Jahren wieder zum HSV zurückkehrt und ähnlich aufdreht.

In diesem Sinne: Bis morgen.

19.15 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.