Archiv für das Tag 'Torun'

Platzt der Deal mit Gregoritsch?

2. Juli 2015

Neue Spieler beim HSV – ohne die geht es nicht. Diesen Hilferuf hat HSV-Trainer Bruno Labbadia (wenn auch nicht wörtlich) gestern auf der ersten Pressekonferenz der Saisonvorbereitung ausgesandt. Bis auf den Japaner Gotoku Sakai ist noch nichts passiert, und nun droht auch der Deal mit Michael Gregoritsch zu platzen. Der Ex-St. Paulianer galt in den vergangenen Wochen als Top-Kandidat für den HSV. Aber: Eine Einigung ist trotz nächtelanger Verhandlungen zwischen dem VfL Bochum, der TSG Hoffenheim sowie HSV-Direktor Peter Knäbel schwierig. Den ganzen Beitrag lesen »

Fink ist glücklich – das verlorene Talent auch…

22. Oktober 2013

Oha, was habe ich da wieder Partei ergriffen. Ohne es zu merken auch noch. Mit der Behauptung, dass Sportchef Oliver Kreuzer Glücksgriffe gelungen sind, habe ich eine Opposition gegen mich aufgebracht. Daher möchte ich mich hier entschuldigen. Denn die von mir gemeinten Verpflichtungen von Pierre Michel Lasogga und dem neuen Trainer Bert van Marwijk sind natürlich keine Glücksgriffe – sondern Sofortverstärkungen. Und von Arnesen. Zumindest eingeleitet. Immerhin haben die bestimmt irgendwann mal miteinander telefoniert. Vor ein paar Jahren – was letztlich und logischerweise in der aktuellen Verpflichtung für den HSV münden MUSSTE.

Was für ein Quatsch. Was für eine unsinnige Diskussion…

Deshalb kürze ich selbige hier ab und starte einen neuen Versuch, den heutigen Blog zu starten, denn:

20 Grad, viel Sonnenschein – heute ist ein schöner Tag! Für die HSV-Profis zumindest, die heute allesamt frei haben. Mit ihnen selbstredend auch die jungen Talente, um die sich mein gestriger Blog größtenteils drehte. Und ich bleibe auch dabei, dass dieser HSV mit Tah, Calhanoglu, Arslan, Beister und Lasogga fünf richtig gute junge Leute hat, auf die man aufbauen sollte. Wer auch immer sie verpflichtet oder deren Verträge verlängert hat, der HSV hat diese Spieler unter Vertrag und entsprechend auch mal wieder eine echte Perspektive. Mit etwas Glück und Ruhe kann der HSV endlich seinen schlechten Ruf in Sachen Nachwuchsarbeit wieder etwas aufpolieren. Auch der höchst bedauerliche Abgang von Lewin Öztunali kann in Teilen positiv gewertet werden – immerhin wurde er beim HSV ausgebildet. Nur nicht gehalten. Ebenso wie einer, der mir in fast allen Auflistungen bei ehemaligen HSV-Internatsspielern fehlte: Shkodran Mustafi. „Ich habe mich schon daran gewöhnt, in den Auflistungen nicht mehr aufzutauchen“, sagt Shkodran, „und das ist auch nicht schlimm.“

Warum auch? Immerhin hat der defensive Mittelfeldspieler seinen Weg gemacht, spielt aktuell nicht nur in der U21-Nationalmannschaft unter Horst Hrubesch sondern auch in der Serie A bei Sampdoria Genua. Allen, die den jungen Mann nicht kennen, möchte ich ihn kurz vorstellen: Der Sohn albanischer Eltern wuchs in Bebra auf, spielte dort für den 1. FV Bebra und den SV Rotenburg. „Damals war ich noch Stürmer. Bis ich zum HSV kam. Dort wurde ich zum Defensivspieler umfunktioniert.“ Das wiederum war 2006. Bei einem Hallenturnier mit Rotenburg waren gleich mehrere Bundesligisten an ihm interessiert – und der HSV machte das Rennen. „Der Sportchef Dietmar Beiersdorfer und seine Scouts haben sich damals sehr bemüht“, erinnert sich Shkodran. So sehr, dass der damals gerade erst 14-Jährige allein aus Rotenburg nach Hamburg ins Internat zog. „Ich war immer sehr selbstständig, wurde dort aber gut betreut. Die Schule hat nicht mehr gelitten, als sie musste“, so Mustafi mit einem herzhaften Lachen. Dennoch reichte es beim HSV zwar zu allen U-Nationalmannschaften, nicht aber zum Sprung ins Profiteam, obgleich er unter Martin Jol ein paar Profi-Einheiten mittrainieren durfte.
Zur Saison 2009/10 wurde er vom FC Everton für drei Jahre verpflichtet, nachdem auch Newcastle United, Manchester City und Borussia Dortmund Interesse gezeigt. Wieder von den Eltern getrennt in Everton gab er am 17. Dezember 2009 als 17-Jähriger (!) sein Pflichtspieldebüt in der Profimannschaft, als er im letzten Gruppenspiel der Euro-League beim 0:1 gegen BATE Baryssau in der 75. Minute eingewechselt wurde. Everton war zu diesem Zeitpunkt bereits für die nächste Runde qualifiziert, und Trainer David Moyes hatte für das Spiel insgesamt acht Nachwuchsspieler der Jahrgänge 1990 bis 1993 in den Profikader berufen. Anfang 2012 wechselte Mustafi ablösefrei zum damaligen italienischen Serie B-Klub Sampdoria Genua, da er sich in England nicht durchsetzen konnte. Am letzten Spieltag der Saison 2011/12 kam Mustafi zu seinem ersten Einsatz für Genua, als er im Auswärtsspiel gegen AS Varese 1910 (1:3) in der Startelf stand. Zum Saisonende stieg er mit Sampdoria in die Serie A auf.

Klingt ehrlich gesagt nicht nach einem, der den Durchbruch hinter sich hat?

Stimmt auch. Allerdings ist Mustafi gerade fleißig dabei, sich zum Stammspieler in Genua zu entwickeln. „Es läuft für mich richtig gut“, so der 21-Jährige, der vor Genua Angebote aus Braunschweig, Nürnberg und von Hertha BSC hatte. Warum es beim HSV seinerzeit nicht geklappt hat? „Wir sind uns schlichtweg nicht einig geworden. Jens Todt war damals unter Sportchef Dietmar Beiersdorfer Nachwuchschef, Cardoso Trainer der U23. Und die haben mir gesagt, dass alle Spieler, die bleiben sollen, den gleichen Vertrag unterschreiben müssen. Und das wollte ich nicht. Aber meine Wünsche konnte der HSV nicht berücksichtigen, wie mir mitgeteilt worden war.“ Was er sich gewünscht hätte? „Es ging um vieles, auch um Perspektive. Vor allem ging es mir um Vertrauen, um Verhandlungsführung. Und das kam nicht rüber. Leider. Obwohl ich letztlich sagen muss, dass es das gute Recht des HSV war, mich nicht zu verlängern.“

Böse ist Mustafi in Hamburg niemandem, im Gegenteil. Aber er trauert der Zeit etwas nach. „Der HSV hatte immer eine ganze Reihe toller Nachwuchsspieler, die leider zu leicht den Verein verlassen haben. Wenn ich dann immer diese Diskussionen höre, der HSV hätte nie jemanden nach oben gebracht, finde ich das schade. Denn es sind ja viele Talente – Sam, Ben-Hatira, Arslan, Beister, Choupo-Moting und auch Torun – in der Bundesliga gelandet und spielen einen guten Ball. Ich glaube, dass allesamt dem HSV gut hätten helfen können.“ Er auch? „Das weiß ich nicht. Ich will ja nicht vermessen sein, das müssen andere beurteilen. Aber ich freue mich, dass der HSV mit Jonathan Tah einem so jungen Spieler das Vertrauen schenkt. Denn das bekommt der Verein doppelt und dreifach zurück. Von Tah – und weil es gut für den Ruf der Nachwuchsabteilung ist…“

Stimmt. Punkt. An einem Beispiel schnell erzählt, warum der HSV nicht den Ruf genießt, für große Talente das Sprungbrett zu sein. „Das kann sich doch schnell ändern, wenn der HSV so weitermacht“, sagt – Thorsten Fink. Den ehemaligen HSV-Trainer habe ich heute in München erreicht, wo er sich vermehrt um den Bau seines neuen Hauses und vor allem um die Familie kümmert. „Als Trainer ist man privilegiert, sein Hobby zum Beruf zu machen“, so Fink, „aber die Familie muss leiden. Aber jeder Trainer wird einmal entlassen und sollte diese Zeit dann zwingend für die Familie nutzen. Ich mache das auf jeden Fall.“

Fink klingt gut. Er hat das Aus beim HSV verkraftet. „Ich war zwar noch voller Elan, aber es war halt so. Ich habe meine Ziele beim HSV erreicht und einen tollen Klub trainiert. Diese Mannschaft ist mir ans Herz gewachsen. Das sage ich gern und laut. Alles andere diskutiere ich gar nicht.“

Fink ist tatsächlich nicht sauer. Er hat auch verkraftet, von vereinzelten Führungsspielern nicht mehr die Rückendeckung erfahren zu haben, die er in der schwierigen Endphase beim HSV benötigte. „Es hat am Ende mit dem einen oder anderen nicht mehr so gepasst – das ist manchmal so in großen Gruppen. Trotzdem freue ich mich, diese Mannschaft spielen zu sehen. Wie Arslan aufspielt, wie sich Tah entwickelt – das ist toll. Und bei beiden war ich mir sicher, dass sie es schaffen. Deshalb habe ich Tah ja hochgeholt und Tolgay immer wieder eingesetzt.“

Fink sieht in der aktuellen Entwicklung des HSV viel eigene Arbeit stecken – ohne dem neuen Trainer etwas absprechen zu wollen. „Warum auch? Bert van Marwijk ist ein guter Trainer. Er hat die Probleme erkannt und arbeitet daran. Wenn er die Abwehrarbeit stabilisieren kann, kann das richtig gut werden. Ich wünsche es dem Verein auf jeden Fall.“

Klingt doch versöhnlich. Fink verschließt sich jeglichem Nachtreten. Es wäre halt nicht seine Art. Und genau so möchte ich den heutigen Blog schließen. Friedlich.

Bis morgen! Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

Kreuzer: „Unser Nachwuchs ist nicht so schlecht wie sein Image!“

13. Oktober 2013

Ein freies Wochenende für die Profis, diesmal zwei ganz legale und unumstrittene freie Tage – Erholung pur beim HSV, auch wenn neun Nationalspieler mit ihren Teams rund um den Erdball unterwegs sind. Richtig viele von ihnen haben am Freitag ja nicht gespielt. Nur Rafael van der Vaart (8:1 gegen Ungarn) für die Niederlande und Marcell Jansen standen 90 Minuten auf dem Rasen. Dazu kamen sechs Minuten für Petr Jiracek beim 4:1 der Tschechen auf Malta. Alle anderen, Westermann, Adler, Drobny, Djourou (mit der Schweiz für die WM qualifiziert) und Calhanoglu saßen draußen. Jacques Zoua spielt erst heute Abend mit Kamerun gegen Tunesien. Aber auch in Ordnung: so können sich nicht viele verletzen und geht am Dienstag bei der nächsten WM-Quali-Runde alles gut, kann Bert van Marwijk mit voller Mannschaft aufs Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart am kommenden Wochenende gucken.

Ich hatte mich eigentlich gefreut auf die U 23 des HSV und das Spiel gegen Oldenburg, das dann ja wegen des kurzen aber heftigen Regens ausgefallen ist (dadurch ist das Team auf einen Abstiegsplatz zurück gefallen). Schon vorher hatte ich mich telefonisch mit Oliver Kreuzer verabredet, um mit ihm einmal einen Bereich zu durchleuchten, für den er bislang noch keine Zeit hatte, seit er beim HSV unter Vertrag ist: den Nachwuchs.

„Ich habe wirklich noch keine Gelegenheit gefunden, mir ein Spiel der U 19 oder U 17 anzugucken“, sagte Kreuzer. „Es war einfach zu viel los in den ersten Monaten. Die Transferphase, dann der Trainerwechsel. Aber jetzt hoffe ich, mich mehr in diesen Bereich einzuarbeiten.“ Generell hat Oliver Kreuzer ganz klare Vorstellungen, wie er die Talentschmiede des Vereins gestalten möchte. Und auch seine Einschätzungen zum Status quo sind sehr interessant. „Der HSV-Nachwuchsbereich hat ein schlechtes Image. Das habe ich schon mitbekommen“, so Kreuzer. „Aber in den vergangenen Jahren wurde hier längst nicht so schlecht gearbeitet, wie es immer heißt. Es sind viele Spieler aus dem Nachwuchs des HSV hervor gegangen, die den Weg in den Profifußball gefunden haben. Wenn dies nicht in Hamburg geklappt hat, liegt es nicht an den Verantwortlichen beim Nachwuchs, sondern an den Verantwortlichen für den Profibereich. Die jungen Spieler, die gegangen sind, sind nicht aus Unzufriedenheit mit dem Nachwuchsbereich des HSV gegangen.“

Klare Ansage von Kreuzer, die den Fakten zunächst standhält. Beim Durchforsten der Bundesliga und der Zweiten Liga bin ich auf Anhieb auf 17 Spieler gestoßen, die einmal in Ochsenzoll die Raute getragen haben. Sidney Sam, Heung Min Son, Levin Öztunali (alle Bayer Leverkusen), Eric-Maxim Choupo-Moting, Dani Schahin (beide Mainz 05), Tunay Torun (VfB Stuttgart), Änis Ben-Hatira (Hertha BSC), Alexander Meier (Eintracht Frankfurt), Raphael Wolf (Werder Bremen), Ken Reichel (Eintracht Braunschweig), Wofgang Hesl, Tom Mickel (beide SpVgg Greuther Fürth), Rouwen Hennings (Karlsruher SC). Dazu kommen die vier beim HSV, also Tolgay Arslan, Maximilian Beister, Zhi Gin Lam und Jonathan Tah. Darüber hinaus gibt es einige, die in der U 23 des HSV waren, als sie irgendwo anders dem Jugendbereich entstiegen sind. Karim Guede (SC Freiburg), Deniz Dogan (Braunschweig), Rene Klingbeil (Erzgebirge Aue) oder Charles Takyi (Energie Cottbus) gehören dazu. Im Einzelfall kann man sich unterhalten, wie groß der Einfluss der HSV-Coaches auf die Entwicklung dieses oder jenes Spieler war, ob nicht zum Beispiel ein Arslan sein Rüstzeug viel eher in Dortmund erhalten hat – am Ende bleibt doch aber eine beachtliche Liste.

„Es ist einfach, die HSV-Nachwuchsarbeit pauschal in einen Topf zu schmeißen und abzuqualifizieren. Einer sagt, hier herrscht Chaos, der nächste transportiert es weiter – so entsteht auch ein Bild, und zwar ein zu negatives“, meint Kreuzer. Man könnte auch sagen, dass aus dem Vereins-Nachwuchs angesichts ziemlich chaotischer Rahmenbedingungen noch eine überraschend hohe Anzahl von Spielern nach oben gekommen ist. Mit Stefan Böger, Stephan Hildebrandt, Jens Todt, Paul Meier, Bastian Reinhardt und zuletzt Michael Schröder waren eine Unzahl Nachwuchsleiter am Ruder, das ist das Kernproblem. „Hier muss Kontinuität rein“, weiß Oliver Kreuzer. „Jeder Chef setzt andere Prioritäten und hat unterschiedliche Ideen.“ Aktuell sieht er das Duo Schröder und Dieter Gudel jedenfalls auf einem guten Weg.

Beim Blick auf die jüngere Vergangenheit, die unter Sportchef Frank Arnesen, fällt Kreuzer ein zwar vorsichtiges, aber doch deutlich negatives Urteil, ohne nachkarten zu wollen. „Ich stecke da nicht zu einhundert Prozent im Detail, war ja auch nicht dabei in der letzten Saison. Aber es scheint mir zu viel Unruhe gewesen zu sein, weil viele Trainer mit ihren Verträgen lange in der Schwebe hingen. Das geht natürlich nicht.“ Ganz konkret ärgert sich Oliver Kreuzer, dass Levin Öztunali nicht in Hamburg gehalten wurde. „Ich glaube nicht, dass dem HSV viele Topspieler aus den eigenen Reihen durch die Lappen gegangen sind. Nach dem, was ich gehört habe, bildet Öztunali da eine Ausnahme. Ihn hätte man wohl halten können und auch müssen.“ Im Streit, auch mit dessen Großvater Uwe Seeler, ist Öztunali bekanntlich zu Bayer Leverkusen gegangen und hat dort im Alter von 17 Jahren auch schon einige Bundesliga-Einsätze hinter sich. Kreuzer: „Keine Ahnung, wer da genau welche Rolle gespielt hat. Aber wenn man verschiedene Leute nicht verärgert hätte, wäre es machbar gewesen, Öztunali zu halten.“

Das ist dem HSV und Frank Arnesen bei Jonathan Tah gelungen. „Er ist natürlich ein Glücksgriff“, freut sich Kreuzer. „Ein guter Junge, der zeigt, dass in unserer Nachwuchsarbeit auch eine Menge richtig läuft.“ Ohnehin, so der Sportchef, zeigten auch aktuelle Ergebnisse, dass einem für die Zukunft nicht bange sein müsse. „Unsere U 18, U 17 und U16 stehen in ihren Ligen top da. In der U 17 haben wir zum Beispiel sechs Nationalspieler. Aber darüber berichtet natürlich keiner…“ Stattdessen stehen die älteren Jahrgänge im Vordergrund. Die U 19 von Otto Addo und auch die U 23 von Rodolfo Cardoso krebsen am Tabellenende herum. „Im Mittelpunkt steht der Ausbildungsaspekt“, hält Kreuzer dagegen. „Es kann immer mal wieder Jahrgänge geben, in denen es nicht so gut aussieht. Außerdem sind in unserer U 19 viele jüngere Spieler, das erschwert gute Ergebnisse.“

Was die Zukunft von Rodolfo Cardoso angeht, sieht Kreuzer die Zeit der Entscheidung noch nicht gekommen. Im Moment ackert der Argentinier in Köln an seiner Fußball-Lehrer-Lizenz (bzw. gerade in Hamburg im Praktikum unter Bert van Marwijk), danach werde man weitersehen, so Oliver Kreuzer.

Auf dem ersten Treffen mit allen HSV-Scouts vor einigen Wochen hat Kreuzer seine Philosophie dargestellt. „Ich habe gesagt, dass wir versuchen müssen, die Jungs in den ‚goldenen Jahren’ zu uns zu bekommen. Also Spieler zwischen 12 und 14, ab diesem Alter können wir sie hervorragend ausbilden.“ Im Vordergrund, auch das hat Kreuzer den Scouts mitgeteilt, steht dabei der Hamburger und der norddeutsche Raum. „Es muss unser Anspruch sein, hier führend tätig zu werden.“ Außerdem sollen HSV-Trainingslager in Süddeutschland durchgeführt werden, um sich auch dort zu positionieren.

Eine zentrale Rolle soll in Zukunft der HSV Campus spielen. Das neue Nachwuchszentrum neben dem Stadion im Volkspark soll 2015 in Betrieb gehen. „Dann entsteht eine viel größere Nähe zwischen Profis und Nachwuchs. Der Sportchef oder auch der Trainer können viel einfacher mal bei der Jugend zugucken, die Wege sind kürzer. Davon verspreche ich mir sehr viel“, sagt Oliver Kreuzer. Kommen die Baugenehmigungen demnächst, dann soll im Februar 2014 der Spatenstich für dieses Projekt erfolgen.

Soweit also Oliver Kreuzer, dessen Aussagen durchaus als Gegenpunkt zu Thomas von Heesen verstanden werden können, den ich hier vorgestern zitiert habe. Ich bin gespannt, wie Ihr Kreuzers Einschätzungen und Vorstellungen beurteilt. Vieles ist noch Theorie, klar, kann es zu diesem Zeitpunkt aber auch nur sein. Da kann man ihm nur viel Glück bei der Umsetzung wünschen.

Vorgestern hat die HSV-Führung auf der eigenen Homepage eine Erklärung abgegeben. Vielleicht haben einige von Euch das schon gelesen – falls nicht, hier ist sie:

Gemeinsame Erklärung zur Strukturdebatte

Aufsichtsrat und Vorstand des HSV erklären gemeinsam, dass sie in ihrer Eigenschaft als Organe des Vereins keinerlei Stellungnahmen zu derzeit diskutierten Modellen für eine Strukturänderung des HSV abgeben werden. Beide Gremien sind sich einig darüber, dass die Entscheidung hierüber ausschließlich beim obersten Organ des Vereins, der Mitgliederversammlung, liegt.
Der Vorstand wird sich im Rahmen seiner operativen Verantwortung grundsätzlich intern mit fachlichen Fragen aller angedachten Modelle zur Strukturänderung beschäftigen, um so bestmöglich auf Fragen der Mitglieder auf der Mitgliederversammlung im kommenden Januar vorbereitet zu sein.

Sollte in der Vergangenheit durch persönliche Äußerungen einzelner Vorstandsmitglieder der Eindruck entstanden sein, der Vorstand habe sich bereits für oder gegen ein Modell oder eine Struktur ausgesprochen, so ist dies falsch.

Als ich diese Sätze gelesen habe, habe ich mich doch stark gewundert. Manfred Ertel, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, hat lange Interviews zu diesem Thema gegeben. Sein Kollege Jürgen Hunke hat vor zehn Tagen ein eigenes, neues Strukturmodell zum Besten gegeben. Und auch Carl Jarchow, der Vereins-Boss, hat klar Stellung bezogen. Alle anderen dürfen das jetzt nicht mehr? Oder bedeutet der Einschub am Anfang („… in ihrer Eigenschaft als Organe…“), dass sich doch alle äußern dürfen, aber nur mit einer Privat-Meinung, nicht aber stellvertretend für Aufsichtsrat oder Vorstand? Hat irgendwer je bestritten, dass am Ende die Mitglieder entscheiden werden?

Ich denke, dass viele der Amtsinhaber durch ihre ganz spezielle Kenntnis und Sichtweise des Vereins die Debatte über eine mögliche Reform beleben könnten. Es geht doch bitteschön nicht um einzelne Personen, sondern um eine grundsätzliche Ausrichtung des Vereins. Da müssen die Experten von innen doch nicht zwingend den Experten von außen das Feld überlassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ausreicht, alles erst am 19. Januar 2014 auf der Mitgliederversammlung zu besprechen. Dafür ist das Thema, sind die Modelle, doch zu vielschichtig. Und überhaupt: was soll das, das eigene Schweigen anzukündigen? Keiner wird gezwungen, sich zu äußern – das war bislang nicht so und wäre bis zum Januar nicht anders. Wie auch immer, bis dato – entschuldigung, dieser Seitenhieb muss sein – sind noch alle Ankündigungen des Aufsichtsrates, dass Ruhe einkehre und nicht mehr vielstimmig nach außen kommuniziert werde, gescheitert.

Morgen kommt wieder Leben auf den Trainingsplatz neben dem Stadion. Um 15 Uhr geht’s los, wahrscheinlich wieder mit Kerem Demirbay, der seinen Muskelfaserriss überstanden hat. Scholle ist auch dabei. Dann beginnt die Stuttgart-Woche. Zur sportlichen Situation des HSV nach dem 5:0 in Nürnberg hat sich Uwe Seeler auf der Frankfurter Buchmesse geäußert: „Siege geben ja Selbstvertrauen. Nur: Man darf das nicht überbewerten, man muss es so nehmen wie es ist und jetzt nachlegen gegen Stuttgart. Ich hoffe sehnlichst, dass da jetzt wieder ein bisschen mehr Ruhe einkehrt und der neue Trainer Bert van Marwijk den Verein wieder ins ruhige Wasser bringt. Der neue Trainer hat eine klare Vorstellung, die er durchsetzen muss. Er hat ja viel Erfahrung.“ Ein besonderes Lob von Uns Uwe erhielt Hattrick-Schütze Pierre Michel Lasogga. „Der ist ein Bombentyp“, sagte Seeler.

Einen schönen Restsonntag wünscht
Lars

Hrubesch und Jahn: In der HSV-Nachwuchsarbeit fehlt es an Ehrlichkeit und Kompetenz

22. März 2013

Nichts. Kein Spieler, kein Funktionär, kein Training – beim HSV passiert aktuell nichts. 15 Akteure schnüren ihre Fußballschuhe für ihr jeweiliges Land – der Rest macht frei. Michael Schröder nicht. Der muss arbeiten. Und das nicht zu knapp. Der neue Nachwuchsleiter tritt ein hartes Erbe an. Und dafür bedarf es eigentlich Tage, die 25 Stunden haben. Und er braucht Hilfe von außen, von Leuten, die in diesem Bereich lange arbeiten und die Hamburg kennen. So einer wäre Horst Hrubesch. Das HSV-Idol der Achtzigerjahre war am Montag zu Gast in Hamburg. Einige Blogger waren beim Oddset-Talk mit dem Hamburger Fußballverband und Dieter Matz auch dabei. Und die meisten haben sich immer wieder gefragt: Warum hat er HSV nie versucht, Horst Hrubesch zum HSV zu lotsen? Zumindest habe ich mir und den HSV-Verantwortlichen genau diese Frage schon des Öfteren gestellt.

Immerhin verfügt Hrubesch, der von 1978 bis 1983 beim HSV spielte und Torschützenkönig („Banane Manni – ich Kopf – Tor“) der Saison 1981/1982 wurde, arbeitet mit einer Unterbrechung seit 1998 für den Juniorenbereich des DFB. Die kurze Ära als Co-Trainer von Erich Ribbeck bei der EM 2000 lasse ich mal unerwähnt… Egal wie, auf jeden Fall aber ist Hrubesch seit nunmehr fast 15 Jahren als Angestellter des DFB für den bundesdeutschen Nachwuchs zuständig. Hrubesch war dabei, als der DFB zusammen mit der DFL 2000 das neue Jugendkonzept (Verpflichtung der Bundesligisten zur Errichtung von Leistungszentren sowie Gründung der bundesweiten DFB-Stützpunkte) verabschiedete. Und er ist beim HSV noch immer sehr nah. Obgleich es ihm nicht leicht gemacht wird.

Was im ersten Moment parteiisch aufgeschrieben wirkt, ist tatsächlich meine Überzeugung. Und die habe ich in nunmehr dutzenden Gesprächen mit den verschiedenen Verantwortlichen, von dem viel zu früh verstorbenen Werner Hackmann, Holger Hieronymus, über Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer bis zum heutigen Klubboss Carl Jarchow samt Frank Arnesen gewonnen. Alle wie sie da waren und noch immer sind, haben die Sinnhaftigkeit erkannt, mit ehemaligen Größen den Nachwuchsbereich qualitativ anzuheben. Nur erkennbar gemacht hat bislang keiner was. Oder besser: es wurde zu wenig gemacht. Horst Hrubesch beispielsweise wurde nur einmal um Rat gebeten. „Dietmar Beiersdorfer hat mich mal gefragt, ob ich dem HSV helfen würde. Ich habe natürlich ja gesagt und wir haben gesprochen.“ Allerdings genau einmal. Ansonsten gab es nur losen Kontakt. Ausgenommen diesen einen Anruf von Hoffmann vor den Halbfinals in der Europa League, über den Hrubesch heute lieber nicht mehr sprechen will…

Nein, als Übergangslösung ist Hrubesch nicht zu haben. Im Gegenteil. Das einstige Kopfballungeheuer setzt auf Konstanz, hofft genau darauf auch bei seinem HSV. „Es ist nicht wichtig, ob ich da bin oder jemand anders“, sagt Hrubesch, „es zählt nur, dass der Verein eine einheitliche Philosophie vertritt. So, wie es am Anfang der Saison 2011/2012 wirkte. Von Oenning bis hin zu Fink setzte der Verein auf junge Trainer und junge Spieler.“ Ein Umstand, der ebenso aus der Not heraus geboren war, wie er Hrubesch gefiel. „Es wirkte einheitlich und klar. Aber diesen Weg muss man klarer gehen, der muss deutlicher erkennbar werden.“ Rafael van der Vaart, Milan Badelj und Petr Jiracek passten da nicht sofort ins Bild, das sich weiter verziehen könnte. Hrubesch: „Jetzt muss der HSV zu Bayern und hat danach auch noch einige unangenehme Aufgaben vor sich. Welchen Weg geht der HSV, wenn er sich nicht international qualifiziert?“

Horst Hrubesch macht sich Sorgen. Das bundesweit kolportierte Bild vom HSV („Ich beurteile das natürlich nur als Außenstehender“) gefällt ihm nicht. Gerade das Thema Nachwuchsarbeit, sein Steckenpferd, bereitet ihm Kopfzerbrechen. „Ich frage mich oft: Was passt da überhaupt?“ Insbesondere der Fall Levin Öztunali habe ihn wieder aus allen Wolken gerissen. „Dass der Junge ein richtig Guter ist, war lange vorher bekannt. Trotzdem hat sich der HSV erst spät bemüht. Dass der Spieler dann aber, wo sein Vertrag am Saisonende ausläuft, für einen anderen Club entscheidet, halte ich für völlig legitim. Nicht aber, ihn fortan vom Spielbetrieb auszuschließen. Da verstehe ich Uwe, dass er sauer wird. Mit dieser Art habe ich auch ein Problem. Welches Elternteil vertraut diesem Verein – bei der heutzutage so großen Konkurrenz – denn seinen Jungen an, wenn so etwas passiert? Da herrscht einfach kein Vertrauen. Da fehlt mir Ehrlichkeit.“

Die Vertrauensbasis zerstört ist auch zwischen dem HSV und dem Hamburger Fußballverband. Vor knapp zwei Jahren hatte sich der HSV von der Abstellung seiner Spieler für das Verbandstraining losgesagt – und war damit auf Konfrontationskurs mit Verbandstrainer Uwe Jahn gegangen. „Ich habe viel unternommen, Gespräche gesucht und geführt – alles erfolglos. Jetzt führe ich keine Gespräche mehr, sofern der HSV kein Interesse daran annonciert.“ Einzig mit einigen Trainern aus dem HSV-Nachwuchsbereich habe sich das Verhältnis normalisiert, dort würden Spieler das Verbandstraining besuchen dürfen. „Aber ansonsten verhält sich der HSV äußerst ungeschickt“, so Jahn, der vor allem mangelnde Kompetenz beim HSV ausgemacht hat. „Mir fehlt bei den handelnden Personen die Kompetenz und vor allem die Kenntnis, bei den Jugendlichen Prognosen zu stellen.“ Umso bitterer sei es, dass sich der HSV durch sein Abkanzeln auch die Hilfe der Verbandstrainer nimmt. „Die Ausbildung ist lückenhaft. Mentale Ausbildung kaum gegeben“, kritisiert Jahn Dinge, die inzwischen allseits bekannt sind. Dabei sieht sich der HSV doch korrekterweise als Wirtschaftsunternehmen. Er handelt nur nicht danach. Denn in jedem größeren Unternehmen würde eine Analyse der Schwachstellen vorgenommen und dort investiert, wo die Prognose am besten ist.“ Insofern wundere es ihn nicht, dass der HSV seinen Nachwuchsetat weiter zusammenkürzt. „Und das in einer finanziell derart angespannten Phase, wo der HSV quasi verpflichtet ist, insbesondere diesen Bereich zu stärken.“

Von Außenstehenden ist tatsächlich nur sehr wenig Gutes zu hören über den HSV-Nachwuchs. Und auch ehemalige Mitarbeiter sprechen von eher wachsenden Problemen. Die Hoffnung, dass Michael Schröder diesen Problemberg beheben kann, ist bei vielen nur gering. Und das weniger, weil man es dem Ex-Profi nicht zutraut. Jahn: „Nein, beim HSV fehlt eine klare Philosophie, die vom Präsidenten oder in diesem Fall vom Vorstandsvorsitzenden mitgeteilt und ausgegeben wird. Und vor allem muss der Club zu dieser Philosophie stehen. Und das ist nicht der Fall. Wie sonst ist es zu erklären, dass seit Jahren aus Hamburg kaum mehr was kommt? Aktuell haben wir noch Jonathan Tah in der U17, der beim HSV spielt. Anschließend wird es in den Nationalmannschaften aber schon sehr dünn.“ Dass dies zu Zeiten Beiersdorfer/Hoffmann anders war, will Hrubesch nicht gelten lassen. „Damals hat man sich die Talente aus Berlin geholt, eingekauft. Aber ausgebildet wurden die nie in Hamburg. Der HSV hat es nicht geschafft, Spieler wie Sam, Beister, Ben-Hatira, Torun und Schahin auszubilden. Das mussten sich die Spieler alle woanders holen.“ Wenn er eine Frage frei hätte, was er die HSV-Verantwortlichen fragen würde: „Ganz einfach, ich würde fragen, was der HSV vorhat und wie er das erreichen will…“

Eigentlich wollte ich heute Michael Schröder zu all diesen Punkten befragen. Immerhin hat er eine faire Chance absolut verdient. Und wer weiß, vielleicht hat der sympathische Ex-HSV-Profi ja genau diese Baustellen auf dem Zettel und sucht nach Lösungen. Zuzutrauen ist es ihm allemal. Leider konnte ich ihn nicht erreichen. Aber das werde ich nachholen. Ganz klar. Zum einen, um die Berichterstattung zu einem derart wichtigen Thema wie der Nachwuchsarbeit nicht einseitig werden zu lassen. Zum anderen aber, weil ich die Hoffnung (so naiv das sein mag) einfach nicht aufgeben will, dass die seit etlichen Jahren bekannten Probleme irgendwann auch beim HSV angegangen werden. Ob mit oder ohne Hrubesch, das ist mir dabei fast egal. Es geht um die Sache. Ich habe es nur satt, dass alle immer alle Probleme erkennen – aber niemand etwas dagegen unternimmt. Der HSV muss endlich einen starken Mann in den Vorstand holen, der die Nachwuchsarbeit zur Chefsache erklärt und der die Nachwuchsphilosophie vorgibt und vorlebt. Einen, der den Weg konsequent durchsetzt und dabei die nötige Zeit und vor allem die nötige Rückendeckung im Vorstand hat. Es wäre ein Anfang – auch, wenn das nur der erste Schritt von vielen wäre…

So, damit schließe ich den ‚Dreiteiler Nachwuchsarbeit’ und übergebe an Dieter, der morgen wieder für Euch da ist. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende und hoffe, dass wir in den Spielen der deutschen Nationalmannschaft gezeigt bekommen, wie schön es aussehen kann, wenn Talente optimal gefördert werden…

In diesem Sinne, schönes Wochenende,
Scholle

Messi ist wieder fit – Uwe Seeler sorgt sich

30. Juli 2012

Messi hat es wieder getan. Er hat gespielt. Tatsächlich. Das Hämatom ist überstanden, das Hämatom ist kein Thema mehr, das Hämatom war offenbar nur für Hamburg und den HSV ein kurzes Thema. Hier der Beweis einer „Wunderheilung“:

„Weltfußballer Lionel Messi hat sich nach einer verletzungsbedingten Pause eindrucksvoll zurückgemeldet. Der 25-Jährige steuerte ein Dreierpack (34./37./45.) zum 8:0-Kantersieg des FC Barcelona gegen den marokkanischen Klub Raja Casablanca bei. Wegen einer Wadenprellung hatte Barca-Coach Tito Vilanova am Dienstag gegen den Hamburger SV (2:1) auf Messi verzichtet.“

Was hat Casablanca, was Hamburg nicht hat? Auf jeden Fall viel Pech für den HSV und für die HSV-Fans. Kurios, dass nur Tage nach der HSV-Pleite auch Hertha BSC von Italienern vorgeführt wurde – denn Juventus Turin schickte zur Hertha-Feier ebenfalls nur sein B-Team in die deutsche Hauptstadt. Ich bin gespannt, wie lange sich die Vereine, die so an der Nase herumgeführt werden, sich das noch gefallen lassen.

Ja, ich gebe zu, der Stachel „FC Barcelona II“ sitzt bei mir immer noch tief. Weil ich auch einige Enttäuschte in meinem Bekannten- und Freundes-Kreis habe, die ebenfalls immer noch sauer sind. Und davon muss es ja in der Stadt ja noch so viele Fans geben, die nach wie vor enttäuscht sind. Ich sprach in diesen Tagen mit Dieter Roth, zweiter Vorsitzender des TSV Wandsetal. Von der Liga hatten sich gleich einige Spieler eine Karte für HSV gegen Barcelona gekauft – weil sie einmal in ihrem Leben Messi live sehen wollten. Einmal. Und dafür verzichteten sie dann auch alle auf ein Testspiel des TSV gegen Börnsen. Die Quittung kam prompt, beim Oddset-Pokalspiel griff TSV-Trainer Mike Breitmeier auf andere Spieler zurück, die „Messis“ blieben außen vor. So kann es dann auch mal gehen . . . Immerhin können alle behaupten: „Ich habe das Spiel gesehen, in dem Messi fast mitgespielt hätte.“

So, anderes Thema, der HSV ist im schwedischen Urwald, kämpft ums Überleben. Bis morgen geht das noch sah, am Abend kehrt die Truppe (hoffentlich vollzählig) zurück. Und weil die Mannschaft unerreichbar ist, habe ich heute mal in meiner Post „gewühlt“. Ich möchte euch heute eines jener Schreiben zugänglich machen, die mich jeden Tag privat erreichen:

„Sehr geehrter Herr Matz!

Mein Name ist Ralf H., ich lebe in Essen und bin HSV-Mitglied!

Schreiben ist ihr Beruf, deshalb müssen sie jeden Tag etwas schreiben. In der nun langsam ablaufenden Sommerpause fällt mir auf, dass sie sich für eine Verpflichtung von R.v der Vaart erwärmen könnten.-Was soll der HSV mit einem Spieler, der den Verein schon mal stehen gelassen hat und der offensichtlich nicht will, oder nur, wenn sein Gehalt den Mangel seiner Begeisterung für den HSV ausgleichen würde! – ?

Im heutigen Blog ist eine hintergründige Stimmung gegen F. Arnesen zu spüren. Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen? Allein, dass er Guerrero losgeschlagen hat, ist eine Erlösung für den HSV. Ein Spieler, der dem Verein, speziell durch seine Tätlichkeit in der letzte Saison schwer geschadet hat, diesbezüglich veharmlosende Äusserungen von sich gegeben hat, der 4,5 Millionen p.A. verschlungen hat…

Ihre vorauseilende Kritik an Rudnevs? In ihrem Artikel steht mit anderen Worten: Der trifft das Tor nicht! Haben sie sich mal den Werdegang der Herren Blasykowsky, Pisczek und Lewandowsky beim BVB zu Gemüte geführt? Nein? Schade! An einem polnischen Torschützenkönig schon im Vorfeld herumzumäkeln…?

Ich lese ihre Blogs sehr gern, aber im Unproduktiven herumzuorakeln, fänd ich nur gut, wenn ich so ein bisschen Stimmung gegen den Verein machen wollte!

Herzliche Grüße aus Essen! Ralf H.“

Lieber Herr H.,

vielen Dank für Ihre kritischen Zeilen. Ich bin auch HSV-Mitglied. Glauben Sie mir bitte, es gibt bei „Matz ab“ viele, viele User, die das genau andersherum sehen. Sie haben Ihre Meinung, und zwar hundertprozentig („So muss es sein, so ist es – ich weiß das ganz genau!“), andere User haben aber genau die gegenteilige Meinung davon. Und sind auch hundertprozentig davon überzeugt, dass sie richtig liegen – und zwar hundertprozentig. Das ist doch mein täglich Brot.

Wenn ich hier zum Beispiel schreibe:
„Der HSV ist der beste Klub der Welt, er hat in der vergangenen Saison nur ein bisschen Pech gehabt, sonst wäre er noch in die Europa League gekommen . . .“ Dann schreien 500 „Matz-abber“ vor Freude auf und feiern mich, und die anderen 500 wünschen mich zum Teufel und vernichten mich.

Nehmen Sie mal allein „Ihren Fall van der Vaart“. Tausende würden den „Raffa“ gerne wieder beim HSV sehen – als Spieler. Sie nicht – das ist Ihre Meinung. Andere wollen van der Vaart auch nicht, aber natürlich gibt es auch hier wieder Hälfte-Hälfte. Und wenn Sie mir unterstellen, dass ich ihn gerne hier haben wollte, so ist das auch nur eine Unterstellung von Ihnen. Wissen Sie ganz genau, was und wen ich will? Ich bin da nämlich völlig neutral. Käme van der Vaart, dann hätte der HSV auf jeden Fall einen „Zehner“ der es kann – es könnte. Kommt er nicht zurück, dann ist auch gut. Dann holt der HSV eben einen anderen „Zehner“, wo ist das Problem? Ich kann es doch ohnehin nicht beeinflussen. Oder glauben Sie, dass F. Arnesen mich erhören würde, wenn ich van der Vaart zurück haben wollte?

Und wenn Sie hier eine Stimmung gegen F. Arnesen spüren, dann kann ich nichts dafür. Sie spüren etwas, was ich nicht so spüren kann. Dass man als Journalist einige Dinge hinterfragt, ist doch logisch. Wo ist der HSV im Sommer 2012 noch gelandet? Wenn ich nicht irre, auf Rang 15. Die schlechteste Platzierung der HSV-Bundesliga-Geschichte. Wenn man da nicht gewisse Dinge durchleuchtet, wann denn dann? So darf es doch wohl nicht weitergehen.

Und zu Rudnevs habe ich zuletzt alles geschrieben. Wenn Sie lesen, dass dort mit anderen Worten „trifft das Tor nicht“, dann ist es wohl so. Wenn ich seine Chancen gegen Norderstedt aufzähle, kann ich die ja nicht nachträglich in Tore ummünzen. Schießt er daneben, dann ist der Ball im Aus. Dann war es offenbar kein Tor. Darf ich das nicht mal aufzählen? Zumal dann, wenn mir vorgehalten wird, ich würde ihn schon jetzt, ohne Bundesliga-Spiel, vernichten. Vorbei ist vorbei, so ist es nun einmal. Oder soll ich es das nächste Mal weglassen? Warten Sie es nun mal ab, wie sich Rudnevs entwickelt – und ich warte auch ab. Dann werden wir bei passender Gelegenheit ein Resümee ziehen. Okay?

Die Frage allerdings, was Sie bislang schon an fußballerischen Dingen von Rudnevs gesehen haben, was Sie kennen oder wissen – die hätte ich schon gerne mal gestellt. Aber gut, manchmal klappt das ja auch vom Sofa aus, auch das gibt es ja zigfach . . .

Und noch zu einem anderen interessanten Thema. Sie, Herr H., schreiben oben:

„Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen?“

Meine Antwort: Tausende. Die wollen alle diesen Job . . .

Und ganz ehrlich: Fragen Sie doch auch einmal, wie viele Vorstands-Vorsitzende den Job von Carl-Edgar Jarchow haben wollen?
Tausende! Wollten den mal haben . . . Jetzt aber, wo der HSV nicht mehr im Geld zu schwimmen scheint, nicht mehr ganz so viele.
Und? Was können Sie hier nicht jeden Tag an Meinungen der User lesen? Allgemeiner Tenor: „Raus mit Jarchow!“ Was für ein Blödsinn! Das ist meine Meinung zu diesem Thema.
Andere wissen es aber viel besser als ich. In der Anonymität des Internets weiß ohnehin jeder mehr und viel – und alle können es selbstverständlich noch viel besser. So ist das nun mal.

Sie können aber ganz sicher sein: Sollte F. Arnesen eines Tages den HSV verlassen (verlassen müssen, sollen, freiwillig gehen), so wird der HSV nicht untergehen, denn dieser Aufsichtsrat wird dann mit Sicherheit eines fernen Tages noch einen neuen Sportchef finden. Mir zum Beispiel würden da schon sofort einige Namen einfallen, will aber gar nicht, dass darüber spekuliert wird – denn F. Arnesen bleibt ja. Ende und aus die Maus.

Anderes Thema:
Von „we are family” kam ein interessanter Beitrag, auf den ich kurz einmal eingehen möchte:

„Schon gestern stand auf der Homepage von UD Las Palmas “….. a costa cero”. Auch auf transfermarkt.de steht “ablösefrei”. Wenn das stimmt, spart der HSV lediglich das Gehalt eines 21-jährigen, der seinen Profivertrag im
Sommer 2008 bekam. Da wird er wohl eher im unteren Viertel der gezahlten Spielergehälter liegen.

Ich kann das nicht nachvollziehen. Chrisantus hatte noch Vertrag bis 2013. Man hätte ihn doch das erste Mal beim HSV eine komplette Vorbereitung machen lassen können. Die U23 soll möglichst aufsteigen und hat mit Bertul
Kocabas den Topscorer an einen türkischen Erstligisten abgegeben. Kelbel ist zur Zeit noch verletzt.

Warum lässt man ihn nicht wenigstens die Hinrunde in der U23 spielen und teilweise bei den Profis mitrainieren, um sich wirklich mal ein Bild vom ehemaligen “Jahrhunderttalent” zu machen?

Ablösefrei hätte man ihn auch im Winter oder im nächsten Sommer abgeben können. Beim KSC und beim FSV Frankfurt hat er immerhin jeweils 8 Tore in der Saison erzielt, obwohl er in 2 Saisons nur auf 25 Spiele über die volle Distanz kam und beide Teams gegen den Abstieg spielten – bei beiden Teams damit sicherlich auch die notwendige Qualität der Mitspieler fehlte. Der Kerl wird im August gerade mal 22 Jahre alt! Da wechselte ein Huntelaar gerade aus der 2. holländischen Liga in die Ehredivisie.

Wann bekommt beim HSV ein junger Spieler wirklich mal das Vertrauen und wird beim HSV weiterentwickelt und nicht in Mainz, Leverkusen, Rennes oder auf den Kanaren?“

Gute Frage. Auf dieses HSV-Talent (oder sogar Talente!) warte ich auch seit Jahrzehnten. Da läuft schon lange, lange ganz sicher sehr viel falsch. Beim FC Bayern spielen in einem Champions-League-Halbfinale (!) neun Spieler mit, die aus der eigenen FCB-Jugend kommen, und beim HSV kann man die Leute, die es gelegentlich mal bis zum Profi-Training bringen, an einer Hand abzählen. Ich bewundere die Geduld, die anscheinend keine Grenzen kennt, aller Beteiligten! Eigentlich kann es doch gar nicht angehen, dass da immer auf die falschen Pferde gesetzt wird, aber offenbar ist es doch so. Oder? Diejenigen Talente, die es beim HSV nicht geschafft haben, kommen doch auch bei anderen Vereinen nicht so zum Zuge, wie sie sich das erhofft haben. Die eine oder andere Ausnahme soll es geben, aber zum Beispiel Änis Ben-Hatira oder Tunay Torun. Haben sie die Rolle in Berlin gespielt, die sie für sich schon beim HSV sahen? Ich wünschte mir schon mal solche Talente wie die der Bayern mit beispielsweise Philipp Lahm, Holger Badstuber, David Alaba und Thomas Müller. Talente solchen Kalibers gibt es beim HSV schon seit Jahr und Tag nicht. Leider, leider.

Allerdings denke ich ja auch, dass sich ein HSV-Coach sehr wohl damit schmücken würde, endlich mal wieder einen jungen Spieler ganz nach oben gebracht zu haben (wie Felix Magath mit Hasan Salihamidzic). Es gab etliche Trainer, die auf dem Wege waren, jemandem zu vertrauen, dann aber den Versuch doch noch abbrechen mussten, weil es eben doch nicht für ganz oben reichte. Zum Beispiel Muhamed Besic, Ben-Hatira, Eric-Maxim Choupo-Moting, Vadis Odjidja-Ofoe (heute belgischer Nationalspieler) , Benny Feilhaber, Andreas Laas. Oder früher auch Mustafa Kucukovic, Stephan Kling und Alex Meier (St. Pauli), heute schon lange Stammspieler bei Eintracht Frankfurt.

Und speziell zu Macauley Chrisantus. Der hat in meinen Augen Chancen genug erhalten. Und wenn er es tatsächlich könnte, dann hätte er es doch mal beim KSC oder beim FSV Frankfurt gezeigt – wie zum Beispiel Maximilian Beister in Düsseldorf. Deswegen ist es gut, dass Chrisantus nun gehen durfte – egal ob mit oder ohne Ablöse. In der jetzigen schwierigen finanziellen Phase des HSV zählt jeder Cent, der eingespart wird – auch der des Chrisantus-Gehalts. Wobei ich nicht verschweigen möchte, dass Chrisantus in diesem Sommer teilweise ganz beachtlich trainiert hat. Er wollte wohl noch einmal, aber er hatte eventuell vergessen, dass er dazu schon zu oft die Gelegenheit gehabt hatte. Irgendwann ist dann eben mal Schicht im Schacht.

Eine andere Frage aber ist in Sachen Stürmern: auf wen will der HSV denn vorne setzen? Das sehe ich im Moment mehr Quantität als Qualität. Und da hätte Chrisantus dann doch eventuell doch mitmischen können. Ich halte es ja immer noch für sehr, sehr gefährlich, dass der HSV nur noch über einen „Zehner“ und einen Innenverteidiger spricht. Mir kommt das Wort Stürmer da überhaupt noch nicht vor. Ob die Verantwortlichen tatsächlich wissen, dass sie da vorne kaum etwas haben? Ich habe meine Zweifel. Aber, und das sage ich gern noch einmal, ich bin ja auch nicht der Trainer und der Sportchef des HSV.

Auch Uwe Seeer ist weder Trainer noch Sportchef des HSV, dennoch hat er viel zu „seinem“ HSV zu sagen. „Uns Matz-ab-Scholle“ war heute am Millerntor, wo „uns Uwe“ einen neuen Werbe-Spot für die PSD-Bank drehte. Zusammen mit den St.-Pauli-Profis Fabian Boll und Florian Kringe. Seeler lobte den Zweitliga-Klub: „Der FC St. Pauli leistet gute Arbeit. Ich hoffe, dass sie ihrer letzten guten Saison eine noch bessere folgen lassen und aufsteigen.“

Um den HSV, um „seinen“ HSV, macht sich Uwe Seeler dagegen schon (und immer wieder) einige Sorgen. Der Ehrenspielführer, bekannt dafür, dass er früher stets den direkten Weg zum Tor suchte, und auch dafür, dass er stets geradlinige Antworten gibt, sagt: „Meine Frau hat letztes Jahr miterlebt, wie mich das Zittern um den HSV verändert hat. Ich hätte richtig abgebaut, sagt sie. Und ganz ehrlich: es wird nicht besser. Ich bin noch nicht zufrieden. Ich hatte gehofft, dass der HSV in der jetzigen Phase schon weiter wäre. Noch muss bei unserem HSV sehr viel passieren.“

Fast alles muss sich ändern – hatte Uwe Seeler unmittelbar nach der verkorksten letzten Saison gesagt. Jetzt spricht er aus, wo er noch Defizite sieht: „Wir brauchen noch mindestens zwei neue Spieler, das ist das Minimum. Im Mittelfeld und in der Abwehr, in der Innenverteidigung. Die brauchen wir, um wenigstens ein wenig Sicherheit zu haben und nicht gegen den Abstieg zu spielen. Hinten müssen wir besser werden. Wir dürfen nicht mehr so viele Tore kassieren. Und ich behaupte sogar, wir bräuchten auch für vorn noch einen richtigen Brecher.“

Ach, lieber Herr Seeler, sie laufen bei mir ja offene Tore ein. Wie sehr wir einen solchen Spieler brauchen, wie sehr! Einen Innenverteidiger hätten wir ja mit Heiko Westermann, aber einen richtigen Brecher? Seeler über den Stürmer-Zugang aus Lettland: „Rudnevs spielt nun in einer neuen, härteren Liga. Das wird hart für ihn und wir sollten ihm Zeit geben.“ Generell befindet Hamburgs größter Fußballer aller Zeiten zur Lage des HSV: „Es reicht nicht, zu hoffen, dass wieder zwei, drei Mannschaften schlechter sind. Das Risiko ist zu groß. Jetzt müssen alle mal in die Socken kommen. Und auch wenn ich weiß, dass es unser Sportchef Frank Arnesen weiß: Je länger die Transferperiode schon andauert, desto schwieriger wird es, die Guten zu bekommen.“ Wobei Uwe Seeler auch noch mit Wehmut an einen Abgang des HSV zurückdenkt: „Ich hätte David Jarolim nicht gehen lassen, denn er war einer, der immer voranging. So einer fehlt uns jetzt noch.“

Als Druck von außen möchte Seeler seine Aussagen nicht verstanden wissen. Im Gegenteil, er sei stets ein Optimist. Dennoch hat er einen Wunsch an die HSV-Verantwortlichen: „Ich wünsche mir nur, dass alle die Situation ausreichend ernst nehmen. Und ich habe das Spiel gegen Barcelona gesehen. Bei allem was man entschuldigen kann, es gab doch noch viele Dinge, die letztes Jahr schon falsch gelaufen sind und die noch immer nicht behoben sind.“

Aber, damit ich auch das noch einmal schreiben kann: Der HSV arbeitet ja jetzt noch ganz intensiv daran, die Lage zu verbessern. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Es soll ja noch alles gut werden, und ich glaube auch fest daran, dass alles noch gut wird, dass es noch jene Verstärkungen gibt, die den HSV wieder stärker werden lassen. Noch ist ja Zeit. Keine Panik.

Und das Überlebens-Camp in Schweden wird den HSV ja auch ganz sicher schon etwas stärker werden lassen – von wegen Teamgeist.

18.11 Uhr

Analyse Teil vier: Die Defizite des HSV-Sturms

19. Mai 2011

So ist das ja im Leben: einer geht, ein anderer kommt. Oder: einige gehen, andere kommen. Das passiert beim HSV auch dieser Tage. Es werden noch einige gehen müssen, die jetzt noch nicht dran denken. Lasst Euch überraschen. Und es kommt ein Neuer, den keiner auf dem Zettel hatte: Frank Heinemann. Als ich am Mittwoch um kurz vor 20 Uhr den Namen des neuen Co-Trainers erfahren wollte, wusste man beim HSV noch von nichts. Und dann steht es plötzlich in der Bild. Kompliment den Kollegen, sie sind doch immer auf Ballhöhe – auch dann, wenn sie beim HSV noch von nichts wissen.

Zu Heinemann habe ich schon seit Jahrzehnten meine persönliche Einstellung gehabt. Ohne zu wissen, dass er eines Tages einmal beim HSV (als Co-Trainer) landen würde. Jedes Mal, wenn es gegen den VfL Bochum ging, und das ist jetzt absolut die Wahrheit, jedes Mal habe ich Heinemann schon vorher verflucht. Der Grund: Ich hatte das Gefühl, dass dieser kleine Kämpfer, Grätscher, Hacker, Treter und Dauerläufer immer vor Spielen gegen den HSV einen Eier Kälberblut getrunken hatte, um wie gedopt aufzulaufen. Jedes Mal, wenn Heinemann gegen den HSV gespielt hat, hat der „das Spiel seines Lebens“ gemacht. Ich weiß, ich weiß, das kann man nur einmal machen, aber bei Heinemann gab es von HSV-Spiel zu HSV-Spiel immer eine Steigerung. Es war unfassbar. Der gute Mann hat nie ein Länderspiel bestritten, aber gegen den HSV präsentierte er sich immer in Länderspiel-Form. Wenn er hier seinen Dienst antritt, dann werde ich ihn sicher fragen, wieso das so war. Heinemann, der 195 Erstliga-Spiele für den VfL bestritt, war als Spieler ein „Giftnickel“, eine Klette, die sich nicht abschütteln ließ, er gab nie auf, er gab immer 100 Prozent. Ein Vorbild für sein Team, das ja als Graue Maus der Liga bekannt war. Ich hoffe, dass er so auch FÜR den HSV zur Sache gehen wird – und ich gehe auch fest davon aus.

So, weitere Namen werden folgen. Auf der einen Seite (die gehen müssen), wie auf der anderen Seite. Das werdet Ihr schon morgen sehen. Ich aber komme in dieser Woche noch einmal zu jenen Jungs, die das Vergnügen hatten, in der vergangenen Saison die Raute auf der Brust zu tragen. Es geht in der Saisonanalyse diesmal um die Stürmer. Es geht um den Angriff, von dem ich ja schon seit Jahren glaube, dass er falsch zusammengestellt worden ist. Thomas Doll, das hatte ich vor Wochen schon einmal geschrieben, hatte das erkannt, als er Trainer des HSV wurde – er trennte sich von Bernardo Romeo. Und „alle Welt“ schrie und stöhnte damals auf: „Wie kann man nur . . .“ Doll aber wollte auf schnelle Stürmer setzen, die nicht nur am Fünfmeterraum des Gegners stehen und bedient werden wollen, sondern mit denen der HSV auch kontern kann.

Das Vorhaben war da, die Gedanken waren gut, aber es wurde leider nicht zur Zufriedenheit umgesetzt. Jedenfalls nicht zu meiner. Ich glaube ja, dass der HSV schon seit Jahren keinen Stürmer hat, der von den Kollegen auch gelegentlich mal steil geschickt werden kann – um kontern zu können. Gibt es nicht! Natürlich, auf den Außen gab es pfeilschnelle Leute, wie Jonathan Pitroipa und auch Eljero Elia, aber solche Angreifer-Typen haben auch in der Mitte gefehlt. Und sie fehlen bis heute in der Mitte. Der HSV ist einfach nicht in der Lage, ein Konter-Spiel aufzuziehen, denn es fehlen die Leute dafür. Und deshalb hoffe ich vor allem auf Frank Arnesen, dass er diese Problematik ähnlich sieht, er sie erkannt hat – und nun endlich etwas tut, um diesen Missstand abzustellen. Wenn ich höre, dass der Vorstandsvorsitzende Carl Edgar Jarchow sagt, dass hinten und im Mittelfeld etwas getan werden muss, dann sträuben sich mir die Nackenhaare. Das ist doch nur die halbe Wahrheit. Der HSV braucht dringend einen Stürmer, der in der Mitte spielt und blitzschnell ist. Einer, der weder sich noch den Gegner schont, der dorthin geht, wo es weh tut, der einst wie Uwe Seeler abgeht – und wie Schmitzens Katze.

Nun bin ich kein Fantast, ich weiß, dass solche Stürmer nicht auf dem Baum sitzen und gepflückt werden wollen. Solche Angreifer sind höchst selten, und sie kosten in der Regel viel Geld. Es sei denn, man hat ein solches Juwel schon in der Jugend – und kann es fördern, bis es „voll da“ ist. In meinen Augen hatte der HSV einen solchen jungen Mann, im Grunde hat er ihn noch immer, aber er ist (leider) noch bis zum Sommer 2012 an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen: Maximilian Beister. Okay, okay, er hatte hier schon seine Chancen, aber ich glaube ganz einfach, er hatte zu jener Zeit noch viel zu wenige. Wenn ich so an Marcus Berg denke, der hatte deutlich mehr davon gehabt und bekommen. Weil er für viel Geld (viele Millionen) gekommen, besser geholt worden, war? Beister war damals (vor ein, zwei Jahren) ein Rohdiamant, ihn hätte man beim HSV schleifen müssen, aber man hat es nicht (genügend und mit mehr Ausdauer) getan. Leider. Meine Hoffnung aber ist die, dass es dafür noch nicht ganz zu spät ist – man wird sehen.

Dafür wurden beim HSV andere Spieler gefördert, die in meinen Augen weniger Talent hatten. Aber auch das hat ja schon Tradition . . .

Mögen die neuen Leute, die jetzt bereits beim HSV angefangen haben, und auch die Leute, die noch kommen werden, weitaus glücklichere Händchen haben, als das in der Vergangenheit der Fall war.

Wobei ich beim Angriff der vergangenen Saison bin. Bei jenen Stürmern, die den HSV auf Tabellenplatz acht (man muss es sich immer mal wieder vor Augen führen – weil es unglaublich ist) enden ließen. Los geht es; aber ich muss schell noch einmal loswerden, dass wir die folgenden Daten (und auch alle Daten der hier bereits genannten HSV-Spieler) von der Firma Castrol bekommen haben – vielen Dank dafür:

Eric-Maxim Choupo-Moting
wurde von keinem Gegenspieler jemals so kaltgestellt, wie in dieser Spielzeit von einem gewissen Fax. Fridolin Fax war es, so glaube ich. Das Faxgerät verhinderte, dass der Nationalstürmer des Kameruns im Winter zum 1. FC Köln wechselte – und das war mehr als jammerschade. Ich hätte es gerne schon einmal eine Halbsaison betrachtet, ob sich der talentierte Angreifer bei den Geißböcken durchgesetzt hätte. Ich glaube es nämlich nicht. Jetzt werden wir alle (und auch ich) auf die nächste Spielzeit warten müssen, denn dann stürmt „Choupo“ bekanntlich für Mainz. Ob er oft stürmt? Meine Zweifel bleiben bestehen. Ich glaube nicht daran. Ich glaube, dass ihn der Herr Papa (als Berater) stets besser gesehen hat, als der Filius tatsächlich war. Ich kann mich irren, aber ich habe mich in über 30 Jahren HSV selten einmal gravierend geirrt. Ein Beispiel gibt es aber, denn im „Fall“ Oliver Bierhoff lag ich damals krass daneben. Ich würde es Eric-Maxim Choupo-Moting ja gönnen, aber wie gesagt, ich glaube nicht daran. Mainz müsste in meinen Augen schon absteigen, wenn „Choupo“ dort einmal zum Stamm-Stürmer werden sollte.

Eric-Maxim Choupo-Moting in Zahlen:
Einsätze: 10
Gespielte Minuten: 377
Tore: 2
Minuten/Tor: 189
Schüsse auf das Tor: 4
Schüsse neben das Tor: 3
Schussgenauigkeit in Prozent: 57
Chancenverwertung in Prozent: 29

Eljero Elia
ist vielen Hamburgern, und auch mir, ein großes Rätsel. Bei der niederländischen Nationalmannschaft blüht er in der Regel auf, beim HSV sucht er weiterhin seine Bestform. Das war auch in dieser Saison so. Und eventuell bleibt es auch so, wenn nicht der HSV eingreift. Elia ist ein sicher begnadeter Fußballer, der aber auch eine andere Art der „Betreuung“ für sich beansprucht. Beim HSV werden alle Spieler, so meine Beobachtungen (seit Jahren), gleich behandelt. Da wird kaum (oder gar nicht) Rücksicht darauf genommen, dass es verschiedene Menschen mit verschiedenen Charakteren gibt. Elia würde sicher bei einer anderen Ansprache, einer individuelleren Führung besser kicken können. Oftmals hat er sich darüber beklagt, dass ihm von Seiten des Vereins zu wenig Respekt entgegen gebracht worden ist. Eine Art des Hilferufs. Man kann dazu stehen wie man will, aber Elia erfordert und beansprucht damit indirekt eine besondere Behandlung – und die muss man ihm geben. Ganz einfach. Oder man muss ihn verkaufen. Gibt es Trainer und auch Offizielle, die sich nicht zu schade sind, dem Niederländer „Zuckerklümpchen in den Hintern zu pusten“, dann wird der Wirbelwind sicher aufblühen. Ich bin davon überzeugt. Aber ich bin auch davon überzeugt, dass sich eher keiner beim HSV erbarmen wird, dem besonderen Menschen Elia auf besondere Art zu begegnen. Schade eigentlich.

Eljero Elia in Zahlen:
Einsätze: 24
Gespielte Minuten: 1645
Tore: 2
Minuten/Tor: 823
Schüsse auf das Tor: 9
Schüsse neben das Tor: 13
Schussgenauigkeit in Prozent: 41
Chancenverwertung in Prozent: 9

Paolo Guerrero
wird immer ein Fußballer sein, an dem sich die Geister scheiden. Ich habe lange zu dem Peruaner gestanden, weil ich von seinen fußballerischen Qualitäten überzeugt war – und es noch immer bin. Aber Fußball ist die eine Seite der Medaille, der Kopf die andere. Paolo Guerrero kann mental nicht über seinen Schatten springen, und ich glaube allmählich, dass er das auch nicht mehr lernen wird. Oder besser, dass er nicht mehr in sich gehen wird, um sein bisheriges Profi-Leben zu überdenken – und dann gegebenenfalls etwas zu ändern. In seinem Falle spielt auch der Berater eine gewisse Rolle, denn ich erwarte von solchen Leuten, dass sie sich auch in die fußballerische Betreuung ihrer Klienten einmischen – aber da kommt ganz offenbar nichts. Null! Wir alle haben es in dieser Saison erlebt. Der HSV gibt Paolo Guerrero noch einmal eine (weitere) Chance, der Peruaner könnte endlich befreit aufspielen – aber auch da kam nichts. Null. Und ich habe die Befürchtung, dass es auch so bleiben wird. Note fünf für ihn für die vergangene Saison.

Paolo Guerrero in Zahlen:
Einsätze: 25
Gespielte Minuten: 1564
Tore: 4
Minuten/Tor: 391
Schüsse auf das Tor: 10
Schüsse neben das Tor: 19
Schussgenauigkeit in Prozent: 34
Chancenverwertung in Prozent: 14

Mladen Petric
ist der beste „Knipser“ des HSV. Ob er es auch bleiben wird? Ein großes Fragezeichen von mir. Der Kroate ist in England im Gespräch, und ich weiß nicht, was besser ist – für ihn, und für den HSV. Petric könnte auf der Insel sicher in einer besseren Mannschaft spielen, und der HSV könnte einmal probieren, wie es ohne ihn geht. Wie gesagt, ich weiß es nicht, was besser ist. Bleibt Mladen Petric einmal ohne Treffer, dann sind viele Fans auch schnell gegen ihn aufgebracht. Das Argument, das dann oft zu hören ist: „Petric bewegt sich zu wenig, er steht oft nur herum und warte darauf, dass man ihm den Ball in die Schuhe spielt.“ Das hat gewiss schon jeder einmal gehört. Ich glaube aber, dass Petric dann noch wertvoller sein könnte, wenn er in der Offensive Leute um sich herum hat, die ihn mitreißen, die ihn einbinden, die ihn bedienen – die ihn auch als Torjäger, als „Knipser“ anerkenn und auf eine gewisse Art auch hofieren. Ruud van Nistelrooy war das nicht, denn der ist (oder war?) selbst ein Weltstar. Deswegen ist zu hoffen, dass der HSV (im Falle des Verbleibens von Petric in Hamburg) eine Mann an die Seite des Kroaten setzt, der mit ihm spielen will, der ihn als Nummer eins anerkennt, der zu ihm hoch schaut, der auch weiß, dass es nur gemeinsam geht. Daran hat es in dieser abgelaufenen Saison gemangelt, sonst hätte es mehr HSV-Tore gegeben, sonst hätte auch Petric weit mehr Treffer auf seinem Konto gehabt – als nur elf.

Mladen Petric in Zahlen:
Einsätze: 22
Gespielte Minuten: 1730
Tore: 11
Minuten/Tor: 157
Schüsse auf das Tor: 24
Schüsse neben das Tor: 29
Schussgenauigkeit in Prozent: 45
Chancenverwertung in Prozent: 21

Heung Min Son
war die Entdeckung der ersten Wochen der Saison 2010/11. Was spielet der kleine Koreaner für einen großartigen Fußball! Das war eine Wucht in Tüten. Alle, nein, fast alle waren restlos begeistert. Da kam ein neuer Stern am HSV-Himmel auf. Doch das Glück des kleinen Talentes hielt nicht lange. Eine Verletzung zu Beginn, ein kleiner Hänger im Herbst, ein Berufung in die Nationalmannschaft, die Teilnahme am Asien-Cup, die Tatsache, dass er keine Rückrunden-Vorbereitung hatte – das alles sorgte für einen kleinen (oder doch schon größeren?) Absturz des Zieh-Sohnes von Ruud van Nistelrooy. Es bleibt nur die Hoffnung, dass es in der kommenden Saison wieder besser laufen wird. Aber ich habe auch bei ihm kleinere Zweifel. Hoffentlich hat der kleine Son nicht schon jetzt sein ganzes Pulver verschossen. Er wird zulegen müssen, in Sachen Fitness, mentaler Stärke und Engagement. Immer nur lächeln hilft auch in seinem Fall nicht weiter.

Heung Min Son in Zahlen:
Einsätze: 13
Gespielte Minuten: 719
Tore: 3
Minuten/Tor: 240
Schüsse auf das Tor: 7
Schüsse neben das Tor: 7
Schussgenauigkeit in Prozent: 50
Chancenverwertung in Prozent: 21

Tunay Torun
wird nun Berliner. Und wir alle werden sehen, ob ihn der Wechsel zur Hertha beflügeln wird. Ich glaube nicht, aber das ist nur meine unmaßgebliche Meinung. Torun, inzwischen türkischer A-Nationalspieler, trat in der abgelaufenen Saison auf der Stelle, vielleicht entwickelte er sich auch zurück. Natürlich hatte er eine schwere Knieverletzung, natürlich kam er erst spät in Fahrt, aber er wird aufpassen müssen, dass er stets und ständig alles gibt, um sich für die Stamm-Elf zu empfehlen. Ich weiß nicht, ob er ein Spieler ist, der sich auch schon damit zufrieden gibt, es in einen Profi-Kader geschafft zu haben. Die Tatsache, dass er deswegen, weil er zu wenige Einsätze beim HSV hatte, zur Hertha wechselt, spricht eigentlich gegen diese These, aber ich weiß auch nicht, ob Tunay Torun immer alles dafür gegeben hat. Um sich durch Leistung sportlich aufzudrängen. Dazu muss mehr kommen – von ihm, und das habe ich im Training während dieser Saison nicht so oft von ihm gesehen. Er blieb beim HSV nur ein Mitläufer, soll ihm das nicht auch in Berlin passieren, so muss er lernen, stets und ständig an seine Grenzen zu gehen. Nur so könnte es klappen. In Hamburg hat es nicht so geklappt.

Tunay Torun in Zahlen:
Einsätze: 5
Gespielte Minuten: 252
Tore: 0
Minuten/Tor: –
Schüsse auf das Tor: 2
Schüsse neben das Tor: 3
Schussgenauigkeit in Prozent: 40
Chancenverwertung in Prozent: –

Ruud van Nistelrooy
war für mich DER Star dieser Mannschaft. Er hat sich in Hamburg wieder herangekämpft, obwohl er eigentlich schon weg war. Er hat hier nie den Star heraushängen lassen, sondern war ein Bestandteil dieser Gruppe – für mich war und ist er ein Fußball-Gentleman. Dafür gebührt ihm Dank, dafür lobe ich ihn ausdrücklich. Der Mann hat sich eingeordnet, und er hat in seinen Analysen zum HSV und zum Fußball stets vernünftige und großartige Sachen von sich gegeben. Seine Einstellung zu seinem Job (beim HSV) war und ist (wohl) hervorragend! In Hamburg war es das bis zu jenem Tag, als ihn Real Madrid wieder in Madrid sehen und haben wollte. Von nun an ging’s bergab. Da war die Saison für ihn gelaufen, da hatte der HSV (und sein Anhang) keinerlei Freude mehr an ihm, da war kaum noch zu spüren, dass „RvN“ ein HSVer ist. Schade, schade, er hätte hier ein besseres Ende verdient gehabt, aber ich freue mich trotz allem immer noch darüber, dass er hier in Hamburg gespielt hat – das war ein Hauch von Weltklasse. Auch wenn man davon nur 2010 etwas spüren konnte. Leider.

Ruud van Nistelrooy in Zahlen:
Einsätze: 25
Gespielte Minuten: 1785
Tore: 7
Minuten/Tor: 255
Schüsse auf das Tor: 28
Schüsse neben das Tor: 28
Schussgenauigkeit in Prozent: 50
Chancenverwertung in Prozent: 13

So, das war der Angriff des HSV. Es folgt demnächst noch die Analyse der Trainer und Funktionäre. Und hoffentlich folgen dann auch schon bald weitere Neuzugänge – nicht nur die Namen von Co-Trainern.

17.28 Uhr

Heute wären wohl alle Mütter stolz

8. Mai 2011

Muttertag. Der Tag, an dem Kinder und Ehemänner ihre Mütter, Ehefrauen und Omas beglücken. Und ich bin mir sicher, dass viele, um nicht zu sagen alle Mütter der HSV-Spieler stolz auf ihre Kinder wären, wenn sie das gestrige Spiel als Maßstab bewerten sollten. Denn da hat der HSV mit der wohl jüngsten Mannschaft dieser Saison bei niemand geringerem als dem Tabellenzweiten, der sehr wohl noch was zu verlieren hatte, nicht nur gut mitgehalten, sondern sogar mehr als ein Remis verdient gehabt. „Wir haben einen Schritt nach vorn gemacht – weil wir mit einer jungen Mannschaft und ohne Stars gezeigt haben, dass wir ein gutes Team sein können“, bilanzierte Gojko Kacar und erhielt Unterstützung seines Kompagnons in der Innenverteidigung: „Wir sind als Team aufgetreten, das sollte für die Zukunft Hoffnung machen. Ich bin total erleichtert – weil man gesehen hat, dass wir doch noch was können“, freute sich Torschütze und HSV-Kapitän Heiko Westermann. Selbst Interims-Klubboss Carl Edgar Jarchow war begeistert: „Das war endlich mal wieder Fußball, was wir geboten haben. Leider haben wir uns um den totalen Erfolg gebracht. Aber wir haben den Leuten etwas geboten – und darum geht es. Endlich hatte die Mannschaft wieder Biss. Eigentlich ja etwas Grundnormales. Aber eben nur eigentlich. In dieser Saison, bei dieser Mannschaft ist das dann doch schon ein Fortschritt.

Und darauf dürfen alle stolz sein. Selbst Jonathan Pitroipa, der gestern Chancen vergab, die wahrscheinlich selbst Benno reingemacht hätte. Mit verbundenen Augen wohlgemerkt ;-). Aber gut. Pitroipa hat sie eben nicht gemacht. Nicht mal aus zwei Metern freistehend nach einer flachen Hereingabe. Dabei hatte der Burkinabe seine Mission bis dahin erfüllt und mit einer Menge Tempo frischen Wind in das bis dahin von Heung Min Son und Paolo Guerrero mau geführte Angriffsspiel gebracht. Und hätte er nur eine seiner Chancen genutzt – er wäre der Gewinner einer eh schon ordentlichen Mannschaftsleistung gewesen.

Und obwohl auch seine Mutter selbstverständlich allen Grund hat, stolz auf seine Karriere zu sein, tat Pit heute gut daran, sich im Windschatten David Jarolims davonzustehlen. Denn während sich der Tscheche den Fragen stellte, nutzte Pitroipa die Gunst der Minute und seine Schnelligkeit, um sich schnell ins ebenfalls schnelle Sport-Coupé zu setzen und gen Heimat abzudüsen. Er wusste schon, welche Fragen er gestellt bekommen hätte…

Aber auch so wird er sich mit seinen Fehlschüssen beschäftigen müssen, die ihn bis auf wenige Ausnahmen durch seine gesamte Karriere begleiten. Das deutete Michael Oenning schon vorher an, als er immer wieder betonte, „dass sich Pit an seiner Effektivität messen lassen muss. Er muss sich daran messen lassen, ob er alles das zeigt, was man von ihm erwarten darf“. Worte, die sogar eine Trennung von Pitroipa und dem HSV nach sich ziehen könnten. Zumindest wird intern laut darüber nachgedacht.

Das wiederum fände ich sehr schade. Ebenso wie bei Eljero Elia, der gegen Leverkusen defensiv ackerte wie selten und sich auch offensiv immer wieder versuchte, sehe ich bei Pit eine Portion Extra-Qualität. Allein seine Schnelligkeit macht ihn zum dauerhaften Störfaktor in den gegnerischen Abwehrreihen. Er ist einer der Einwechselspieler, der das Spiel in seiner Art verändert. Kaum ein Stürmer ist besser für Konter geeignet – wäre da nicht der oben bereits erwähnte schwache Abschluss…

Gar nicht verstehen würde ich den Abgang von Änis Ben-Hatira, der nach seiner Einwechslung gestern auffällig, wenn auch glücklos agierte. Der Deutsch-Tunesier soll ein Angebot von Hertha BSC Berlin vorliegen haben. Von dem Klub, zu dem auch schon Tunay Torun nach dieser Saison wechselt. Wobei meine Verwunderung zwei gleichgroße Bausteine hätte: zum einen die Perspektive, zum anderen den Moment. Denn wann hatte Änis, wann hatten junge Spieler mehr Chancen beim HSV als in der kommenden Saison, die sich gerade durch Spieler wie sie auszeichnen soll? Sollte hier der HSV ein vernünftiges Vertragsangebot machen, dürfte Änis eigentlich nicht mehr lange überlegen.

Und dennoch macht er es. Weil seine Familie in Berlin lebt. Trotz Vertrages bis 2012. Und obwohl sich der HSV bereits seit Monaten in Gesprächen mit dem Talent befindet, hat er es der noch nicht geschafft, den Vertrag zu verlängern.

Die Frage ist, warum nicht??

Hörte man bei Torun etwas von überdimensionalen Forderungen jenseits der Millionengrenze, sollen die Gespräche mit Ben-Hatira seitens des Vereins zuletzt nicht mehr forciert worden sein, was Änis enttäuscht haben soll. Dazu der Ärger nach dem verweigerten Handschlag am vergangenen Wochenende und Berlins final gemachter Aufstieg in die erste Bundesliga – und der HSV hat eine Baustelle, die schon lange hätte geschlossen sein können.

Womit ich Änis nicht aus der Pflicht nehmen möchte. Er hat dem HSV viel zu verdanken, hier ist der nach dem Desaster beim MSV Duisburg bereits abgeschriebene 23-Jährige noch mal zum Bundesligaprofi geformt worden. Hier wurde ihm das Vertrauen entgegengebracht, was so junge Leute brauchen. Und hier wird mit ihm geplant. Beste Voraussetzungen also. Sollte man meinen. Aber okay, noch ist nichts entschieden.

Schuld daran könnte aber auch der neue Sparkurs des HSV sein. Denn auch wenn sich hier einige noch immer gegen Fakten wehren, der HSV hat sich wirtschaftlich in den letzten Jahren nicht optimal verhalten. „Der Vorstand hat zu hoch gepokert“, umschreibt Jarchow diplomatisch, dass der HSV mehr Geld ausgegeben als eingenommen hat. Diese Saison wurden rund 350000 Euro plus erwirtschaftet, allerdings allein 2009/2010 satte 21 Millionen Euro mehr in neue Spieler gesteckt, als durch abgegebene eingenommen.

Deshalb der Sparkurs, der durch einen Umbruch mit jungen, günstigeren Talenten vollzogen werden soll. Und das bekommen jetzt teure Spieler wie Ruud van Nistelrooy, Mladen Petric und Zé Roberto in ihren Vertragsgesprächen zu spüren. Ebenso wie Paolo Guerrero, der vor der vergangenen Saison einen mit rund vier Millionen Euro Jahresgage viel zu hohen Vertrag unterschrieb.

Auch der Peruaner gilt als Verkaufs-Potenzial. Sollte sich ein Interessent mit einem akzeptablen Kaufangebot melden, würde der HSV den Angreifer ziehen lassen. Und obwohl ich persönlich davon überzeugt bin, dass ein gesunder Guerrero immer eine Verstärkung ist, könnte ich einen solchen Verkauf logisch nachvollziehen. Ganz im Gegensatz zu Ben-Hatira und Torun.

In diesem Sinne, hoffen wir, dass sich der HSV für die kommende Spielzeit besser rüstet als zuletzt. Immerhin haben wir nach einem für die die Geschicke der letzten Saison erst zu spät eingesetzten Sportchef Bastian Reinhardt heuer mit Frank Arnesen einen neuen Sportchef, der zwar nicht körperlich anwesend, dafür aber hinter den Kulissen dem Vernehmen nach sehr fleißig sein soll. Ergo: abwarten.

Und das ist wahrscheinlich nur die erste von vielen Geduldsproben.

Scholle
18.05 Uhr

P.S.: Dennis Diekmeier zog sich eine leichte Prellung in der Wade zu und soll am Mittwoch spätestens wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Der gesunde Teil der Mannschaft nimmt dagegen am Dienstag um 10 Uhr das Training auf.

Wiedergutmachung statt “Goldener Ananas”

28. April 2011

Gas geben! Spricht man in diesen Tagen mit einem HSV-Spieler, so kommt dabei garantiert zu irgendeinem Zeitpunkt: „Wir müssen Gas geben!“ Jetzt. Natürlich weiß jeder Profi, dass das ein bisschen spät kommt, aber es ist damit wohl auch eher gemeint, dass die letzten drei Spiele der Saison nicht abgeschenkt werden (sollen). Lippenbekenntnisse haben wir in den letzten Tagen, Wochen, Monaten und auch Jahren ja oft genug gehört, aber inzwischen glaube ich ja, dass sich einige Spieler tatsächlich noch reinhängen werden, denn: es geht doch auch um ihre Zukunft. Jeder möchte doch weiter Erste Liga spielen, entweder für den HSV, oder auch woanders. Und damit das auch klappt, muss Mann Gas geben – ganz klar. Ich hoffe in Eurem Interesse, dass das am Sonnabend, wenn der Freiburg-Kick um 15.30 Uhr angepfiffen wird, auch alle, die auf dem Rasen stehen, begriffen haben. Michael Oenning wird es auf jedem Fall allen verklickert haben, und dann muss er darauf hoffen, dass seine Worte auch angekommen sind.

Es geht auch um Wiedergutmachung! Und nicht um die “Goldene Ananas”.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch in Hamburg. Oenning hat heute noch einmal verkündet, dass er ein „gutes Vier-Augen-Gespräch mit Paolo Guerrero“ gehabt hat. Und dass der Trainer nun glaubt, dass der Peruaner begriffen hat, worauf es nun ankommt. Hoffentlich. Guererro sagt auf jeden Fall: „Mein Deutsch ist nicht so perfekt, dass ich alles verstehe was er mir sagt. Aber diese Sachen habe ich verstanden. Er möchte von mir, dass ich Gas gebe, dass ich gut spiele, dass ich für die Mannschaft spiele – das habe ich kapiert.“ Hoffentlich.

Denn Paolo Guerrero ist nun gefragt. Mladen Petric fällt aus, Ruud van Nistelrooy fällt aus – der Peruaner ist nun die Nummer eins im HSV-Sturm Guerrero ist der Hoffnungsträger. Er ist gegen den SC Freiburg gesetzt, an seiner Seite wird wahrscheinlich der Koreaner Heung Min Son stehen. Vor Wochen habe ich gesagt, dass der junge Mann ein wenig „durchhängt“, aber nun glaube ich, dass er wieder an seine früheren Leistungen anknüpfen kann – er wirkt auf mich im Training wieder spritzig, willig und unternehmungslustig. Bin nur gespannt, ob er das auch am Sonnabend von 15.30 Uhr an dem Hamburger Publikum vermitteln kann. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, auch bei mir.

Zumal es ja um einen jungen, hoffnungsvollen Stürmer geht. Von dieser Sorte verliert der HSV nun ein Talent: Tunay Torun. Ob es schade ist, dass er zu Hertha BSC wechselt, das werden wir in der nächsten Saison gehen, bei Markus Babbel ist er sicher in guten Händen. Beim HSV aber hätte Torun sicherlich keinen Stammplatz bekommen, und deswegen ist der Wechsel nach Berlin sicher sinnvoll. Wobei Tunay Torun noch einmal Wert darauf legt, dass er in Hamburg niemals einen „Stammplatz gefordert“ hat – er wollte nur mehr Einsätze. Nun hat er es selbst im Fuß, seine Karriere nach vorne zu schießen. Abwarten.

Paolo Guerrero will und wird dagegen beim HSV bleiben. Das ist sicher. Sagt er. Ein kürzlich geführtes Radio-Interview in Peru wurde falsch übersetzt. Und dass das tatsächlich so ist, das kann Paolo sogar beweisen, denn er hat sich inzwischen eine CD als Mitschnitt von diesem Gespräch besorgt. Sicher ist sicher. Nun könnte sich jeder (vom HSV) der es hören will, selbst zu Gemüte führen, was tatsächlich gesprochen wurde. Paolo will nicht weg. Er will hier noch mindestens zwei Jahre bleiben (sein Vertrag läuft allerdings noch ein Jahr länger . .. . ), er will Führungsspieler werden – und dem HSV helfen: „Ich fühle mich wohl beim HSV und in Hamburg. Die Presse hatte damals mit meinem Abschied spekuliert, aber das war falsch. Ich bleibe.“

Gas gebe. Paolo will es am Sonnabend. Obwohl er weiß, dass das zuletzt nicht immer geklappt hat. Bei ihm war das so, auch bei der Mannschaft war das so. Und warum, lieber Paolo, warum soll es diesmal, wo es nur noch um die „goldene Ananas“ geht, klappen? Ausgerechnet gegen Freiburg, in diesem bedeutungslosen Spiel? „Weil ich immer Optimist bin“, sagt Guerrero und fährt fort: „Jedes Spiel ist anders. Wir spielen zu Hause, wir müssen und werden für unsere Fans spielen, ein gutes Spiel machen, ein gutes Ergebnis erzielen, gewinnen. Das ist sehr wichtig. Natürlich bin auch ich enttäuscht, dass wir wieder nicht international spielen, aber in erster Linie müssen wir uns nun auf Freiburg konzentrieren – da zählen nur die drei Punkte.“

Er will auch beweisen, dass er mit Son im Sturm harmonieren kann: „Ich spiele gerne mit Leuten zusammen, die fußballerisch gut sind – und er ist ein guter Fußballer. Ich freue mich darauf, Son ist ein guter Stürmer, ein guter Techniker – es wird kein Problem geben.“

Dafür gibt es andere Probleme. Die der personellen Art.
Gojko Kacar und Piotr Trochowski, zuletzt leicht angeschlagen und aus dem Training genommen, haben heute wieder mittrainiert. Ebenso Joris Mathijsen. Ob der Niederländer allerdings schon wieder mitspielen kann, ist fraglich, er hatte zuletzt ja eine Tage pausiert. Nicht mit dem Team trainiert hat Marcell Jansen, der gemeinsam mit Maxim Choupo-Moting eine Sonder-Einheit mit Reha-Coach Markus Günther absolvierte.

So, nun noch zwei kleine Dinge, die nichts mit Mannschaft, Trainer, Verträgen und Verletzungen zu tun haben.

Folgende Mail hat mich erreicht:

„Moin Dieter Matz,

wir von der Initiative „Pro HSV“ laden diesen Sonnabend vor dem Heimspiel gegen Freiburg zu einem öffentlichen Treffen zum Kennenlernen und zum Austausch ein:

Liebe Freunde, liebe HSVer,

wir möchten euch gerne zu einem ersten öffentliches Treffen mit der Initiative „Pro HSV“ zum gegenseitigen Kennenlernen und zum Austausch einladen.
Wir treffen uns am 30. April vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg im Volkspark, genauer gesagt im „Bauernhaus“, Nansenstraße 82, 22525 Hamburg.

Starten wird das Treffen um 12:30 Uhr, wir hoffen auf zahlreiche Teilnehmer und freuen uns darauf, euch dort begrüßen zu dürfen.“

Und dann startet der HSV an diesem Wochenende eine ganz besondere Aktion:

Gemeinsam zum HSV – das ist kostensparend für die Fans und gleichzeitig schont es die Umwelt. Dafür hat der HSV auf der Vereinshomepage (www.hsv.de) zwei Pendlerportale eingerichtet. Entweder können sich HSV-Fans für eine gemeinsame Anreise im Pkw abstimmen, oder eine Gruppentour über das Bus-Portal planen.

Durch die gemeinsame Anreise kann somit künftig nicht nur Geld, sondern auch CO-2 eingespart werden. Dieses Angebot ist eine von vielen Maßnahmen, die der HSV gemeinsam mit dem Partner Entega zum Klima. Und Umweltschutz durchführt. Alle weiteren Informationen zu den Pendlerportalen gibt es online auf hsv.de unter der Rubrik „Fans“ oder direkt unter „www.hsv.de/pendlerportale“.

Zudem wird zum HSV-Spiel gegen Freiburg dazu aufgerufen, klimafreundlich mit dem Fahrrad bis an die Arena zu kommen. Wer zuerst kommt, der wird auch belohnt. Auf die ersten 300 Fahrradfahrer wartet am Fahrradparkplatz vor der Ost-Tribüne der Entega-Fahrradcheck. Mechaniker führen dort von 13 Uhr an kostenlose Kontrollen durch, überprüfen die Sicherheit der Fahrräder.
Übrigens: HSV-Boss Carl Edgar Jarchow will am Sonnabend auch mit dem Fahrrad anreisen. Ein Hauch von Tour de France liegt über dem Volkspark . . .

PS: Ich verabschiede mich an dieser Stelle für cirka zwei Wochen von „Matz ab“, ich nehme einige Tage Urlaub. In dieser Zeit wird – Ihr kennt es schon – Marcus „Scholle“ Scholz Euer Matz-ab-Chef sein.

18,12 Uhr

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