Archiv für das Tag 'Töre'

Arnesen: “Wir haben fantastisch gearbeitet.”

29. Juli 2012

Schon in der Ära vor Carl-Edgar Jarchow war – kurzfristig – einmal die Idee geboren worden: „Wir verpflichten nur noch Spieler, die unter 30 Jahre alt sind, und wir verpflichten vor allem nur noch charakterstarke Spieler.“ Ja, das war ein großes Vorhaben, aber nach dem Motto „Was stört mich mein Geschwätz von gestern“ wurden diese Vorhaben schon nach wenigen Wochen über den Haufen geschmissen. Nun aber, und zwar ohne große Worte, scheinen „charakterstarke“ Spieler wieder total „in“ zu sein beim HSV. Schon bei Artjoms Rudnevs schwärmte Sportchef Frank Arnesen: „Er hatte ganz plötzlich viele Angebote anderer Klubs, aber er hatte bei uns schon zugesagt, deswegen war es für ihn keine Frage, den anderen Angeboten zu widerstehen – er ist ein charakterstarker Spieler, er musste über andere Klubs gar nicht erst nachdenken.“ Ähnlich verhielt es sich zuletzt auch mit Milan Badelj. Plötzlich mischte Fenerbahce Istanbul mit, aber weil Badelj ein „charakterstarker“ Spieler ist, wie Arnesen weiß, war das Angebot der Türken keine Konkurrenz für den HSV. „Er hatte uns zugesagt, dabei blieb er – weil auch er charakterstark ist“, sagte Arnesen nicht ohne ein wenig Stolz in der Stimme. Für den (neuen) Teamgeist beim HSV können solche Spieler ganz sicher nur von Vorteil sein. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt.

Rudnevs zum Beispiel könnte ja, wenn er es nicht auf Anhieb in die Mannschaft schafft, eventuell sauer sein – und überreagieren. Könnte. Ist er aber charakterstark, dann ordnet er sich dem Wunsche des Trainers und auch des Erfolgs der Mannschaft unter – und macht gute Miene zum für ihn schlechten Spiel. Es könnte so sein, muss aber auch nicht. Vielfach wurde ja schon kritisiert, dass „Scholle“ und ich den Letten schon viel zu früh zu schlecht sehen. Mag sein, dass da etwas dran ist, aber ich gebe zu bedenken: Lobt man den neuen HSV-Stürmer – und er bringt es später nicht, dann heißt es doch auch (schon oft genug erlebt): „Ja, hinterher kann man so etwas immer leicht sagen, das hätte man aber auch gleich wissen und sehen können . . .“ Wie gesagt, oft genug hier schon gelesen.

Dabei will ich dem guten Artjoms Rudnevs ja gar nichts Böses. Ich wäre der glücklichste Mensch, wenn der aus Polen gekommene Torjäger hier knipst, knipst, knipst und knipst und die ganze Bundesliga aufmischt. Doch danach sieht es zurzeit eben noch nicht aus. Und da ich schon einige Spieler, auch Stürmer, beim HSV kommen und gehen gesehen habe, habe ich mir auch schon ein Urteil gemacht. Ich glaube eben, dass er es schwer haben wird. Und ich hoffe eben, dass ich später sagen kann, dass ich mich erstens geirrt habe, und dass ich mich mit dem HSV und seinem Sportchef freuen kann, einen solchen „Goldfisch“ an Land gezogen zu haben.

Wobei ich mal eines sagen möchte: Ich mache meinen Job nun über 30 Jahre, da hat man vielleicht schon einen Blick, wohin der Wagen rollt. Allerdings fällt mir jetzt spontan ein, dass ich mich mal ganz gravierend bei Oliver Bierhoff geirrt habe. Als der damals den HSV verließ, habe ich zu mir gesagt: „Den guten Oliver siehst du nie wieder . . .“ Und dann wurde er in Italien Torschützenkönig. So spielt das Leben (eines Journalisten) dann auch. Ich habe mich gewiss auch einige Male noch in HSV-Spielern geirrt, und deswegen will ich ja auch nicht behaupten, dass Rudnevs ein Fehleinkauf wird – wir wollen mal abwarten. Bislang ist er für mich aber noch nicht der Reißer, den der HSV dringend benötigt.

Ich habe Artjoms Rudnevs auch speziell bei seinem letzten Spiel beobachtet. Beim 6:0-Erfolg in Norderstedt kam er in der zweiten Halbzeit. Der Lette schoss ein Tor, als er einen Querpass von Heiko Westermann (?) nur noch aus wenigen Metern ins Tor lenken musste. Danach hatte er noch gute und beste Einschusschancen, traf aber nicht noch einmal:

52. Minute, Rudnevs allein vor dem Norderstedter Torwart, der Schuss des HSV-Stürmers aus sieben Metern fliegt links am Tor vorbei.
55. Minute, das Norderstedter Tor ist (fast) leer, der Keeper hatte gerade einen Schuss des HSV abgewehrt, der Ball kommt zu Rudnevs, Fallrückzieher aus acht Metern – der Ball fliegt über das leere Tor.
61. Minute, Rudnevs erneut allein vor dem Norderstedter Torwart, schießt aber aus 13 Meter mit links am langen Eck vorbei.
72. Minute, Tolgay Arslan schickt Rudnevs halbrechts steil, der Lette läuft im EN-Strafraum zum Ball, kann ihn aber nicht stoppen, die Kugel rutscht ihm unter dem Fuß durch nach rechts Richtung Eckfahne, Chance vertan, das Publikum stöhnt laut auf. Hätte Rudnevs den Ball gestoppt, wäre er erneut ganz allein vor dem Keeper aufgekreuzt.

Das waren nur einige Momentaufnahmen, sie müssen nicht unbedingt gegen Rudnves sprechen. Der Stürmer hat sich ganz gut bewegt, wirkte quirliger als sein „Vorgänger“ Marcus Berg (der bis zum Halbzeitpfiff stürmte), auch schneller, nicht aber unbedingt ballsicherer. Rudnevs sucht aber den direkten Weg zum Tor, während Berg, um mal bei dem vielleicht größten Rudnevs-Konkurrenten zu bleiben, zu oft den Weg zum Tor abbricht und den Ball auch dann noch vertändelt.

So, das waren meine Eindrücke vom Freitag. Überrascht bin ich immer nur, wenn ich lese und höre, dass man den guten Rudnevs noch lange nicht abschreiben darf – weil er ja erst einige Tage beim HSV sei. Das ist ja richtig, nur sagen es auch einige Leute, die Rudnevs noch nie live haben spielen oder trainieren sehen. Quasi Hellseher. Aber gut, auch die werden eines Tages sehen, ob sie mit ihren Einschätzungen richtig lagen. Wir bleiben dran an diesem Thema.

Kurz fällt mir, wo ich gerade bei HSV-Sturm bin, eine Szene aus Norderstedt ein, die einige Fans auf die Palme brachte. Marcus Berg lief allein auf das gegnerische Tor zu, drehte aber ab – Ball weg. Da schlug ein HSV-Fan vor Wut gegen die Tribünenwand und fluchte laut: „Lasst uns die Stürmer tauschen. Berg zu Norderstedt, und wir nehmen den Norderstedter Sa Borges Dju – dann gewinnen wir zweistellig.“ Weil der Oberliga-Stürmer in der ersten Halbzeit (gegen die HSV-Innenverteidigung Bruma/Nörgaard) wirklich ganz groß aufzog, dreimal allein vor Torwart Mickel stand (aber alles vergab).

Einige von euch haben ja auch gemeint, dass Artjoms Rudnevs auch deswegen noch nicht so erfolgreich beim HSV spielt, weil er nicht richtig eingesetzt wird. Der Zehner fehlt – vor allem Rudnevs, so hieß es. Dazu sei gesagt: Der Zehner kommt ja noch (nicht wenige behaupten inzwischen wieder, dass der HSV wieder oder immer noch an Rafael van der Vaart herumgräbt!), aber es gibt auch einen Spieler, der die „Zehn“ irgendwann (schon bald?) drauf haben könnte: Tolgay Arslan. Er hatte viele gute und sehr gute Szenen in Norderstedt, dribbelte sich einige Male schön an vier oder fünf Norderstedtern vorbei, um dann den Ball zu passen. Neben mir stand am Freitag Thomas Doll, der Dribbler vor dem Herrn. Er sagte mir einst, dass er von seinem Teamkollegen Andreas Thom gelernt habe. Der sagte einst zu Doll: „Wenn du einen Gegenspieler umdribbelt hast, dann darfst du nicht denken, dass due es schon geschafft hast. Dann musst du erst recht Gas geben, denn sonst kommt noch das lange Bein – und weg ist der Ball. Das sollte sich Tolgay Arslan mal zu Gemüte führen, denn auch in Norderstedt war es so: Arslan an einem Mann vorbei, dann ließ er es langsamer angehen – langes Bein des Norderstedters und schon war das Dribbling gestört oder unterbrochen.

Insgesamt aber, das möchte ich schon noch einmal herausheben, konnte jeder sehen, was Tolgay Arslan an den Füßen hat. Er kann im Grunde genommen schon unheimlich viel – und nun noch einen Tick schneller werden (im Laufen und Spielen), dann kann es auch noch mal mit der „Zehn“ (beim HSV) etwas werden.

Kleine Pause in meinem Bericht – weil ich froh bin, dass Medien-Direktor Jörn Wolf das jetzt nicht lesen kann (in der Wildnis von Schweden). Er hatte mich in Norderstedt kritisiert: „Du tust manchmal so, als wenn nur du die Fußball-Weisheiten mit Löffeln gefressen hast. Das was du weißt, das wissen ganz sicher auch unsere maßgeblichen Leute, mache dir keine Sorgen.“ Ja, ich weiß, manchmal klingen meine Vorschläge und Beiträge sicherlich ein wenig besserwisserisch oder altklug, aber das liegt mir im Grunde genommen fern. Ich möchte eigentlich nur aufzeigen, wie ich es sehe, wie ich es eventuell machen würde – machen lassen würde. Alles zum Wohle des HSV, nicht zu meinem eigenen. So, musste geschrieben werden, nun geht es weiter im Text.

Über Ivo Ilicevic habe ich bei uns gelesen, dass er in der vergangenen Saison oft verletzt gewesen ist, und dass er deswegen keine so großen Leistungen anbieten konnte. Auch das mag ja stimmen, aber ich gebe zu bedenken, dass der ehemalige Lauterer ja im EM-Aufgebot seines Landes stand. Er muss also auch mal so „fit“ gewesen sein, dass er bis dahin gekommen ist. Dass er dann verletzt passen musste (quasi auf die letzte Minute), das ist dann sicherlich seiner Verletzungsanfälligkeit geschuldet, deswegen bin ich mal gespannt, wie sich der Flügelflitzer so weiter entwickeln wird. Ich bin da weiterhin skeptisch, da bin ich ganz ehrlich.

Apropos entwickeln. Heung Min Son hat – wie es aussieht – beim Trainer zurzeit sehr gute Karten. Wie es heißt, ist der Koreaner auf der rechten Außenbahn zurzeit gesetzt. Vor Maximilian Beister, vor eventuell Ilicevic, vielleicht auch noch Jacopo Sala. Son scheint heute (im Juli/August 2012) reifer und erholter, er scheint es immer besser zu begreifen, dass die Fußball-Bundesliga, das Profi-Geschäft allgemein kein Kindergeburtstag ist. Wenn er diesen Weg weiterhin so zielstrebig beschreitet, dann kann er es vielleicht doch noch einmal bis zum Stammspieler schaffen. Dazu darf er aber nicht nachlassen, dazu muss er weiterhin eine gewisse Ernsthaftigkeit (die er jetzt zu haben scheint) an den Tag legen. Was aber nicht heißen soll, dass er den Spaß am Fußball (und an der Sache) in der Kabine lassen soll, wenn es auf den Rasen geht. Er ist ja auch ein lustiges Kerlchen und muss nur ein gesundes Mittelding finden.

Überrascht war ich in diesen Tagen (vor Schweden) von Robert Tesche. Von ihm heißt es ja, dass er den HSV bei einem passenden Angebot doch noch verlassen will. Legt er sich deswegen so besonders ins Zeug? Oder kämpft er vielmehr um seine (letzte?) Chance? Chancen genug hat er ja von den Trainern Michael Oenning und Thorsten Fink erhalten, keine Frage, genutzt aber hat er keine. Gegen Barcelona II und Eintracht Norderstedt war Tesche aber immer auf Achse, er wollte sich zeigen, er wollte mitspielen – das sah aus, als hätte er nun (endlich) den nötigen Biss. Und das auf ungewohnter Position, denn in Norderstedt (und nicht nur dort) spielte er fast so etwas wie zweite Spitze. Mal abwarten, wohin ihn der Weg noch führt – vielleicht ja sogar in die HSV-Mannschaft . . .

Daraus hat sich Gökhan Töre ja verabschiedet, und in Norderstedt bin ich einige Male darauf angesprochen worden, ob es richtig war, den Deutsch-Türken ziehen zu lassen? Ich glaube das ja! Töre hatte nach einer glänzenden Hinrunde, in der er oft (und völlig zu recht) gefeiert wurde, den Boden unter den Füßen verloren. Er war nie ein Mannschaftsspieler, aber er entwickelte sich in dieser Beziehung leider immer mehr zurück. Und es gab in meinen Augen niemanden in seinem Umfeld, der ihn von diesem Weg hätte abbringen können – und wollen. Schade eigentlich, denn der junge Mann hat es in den Füßen, er könnte mit einem klaren Kopf ein ganz Großer im Fußballgeschäft werden – aber da hatte der HSV ja auch schon einmal einen ähnlichen Fall, auf den er am zweiten Bundesliga-Spieltag treffen wird. Hoffentlich, da habe ich jetzt schon meine Befürchtungen, schießt Eljero Elia „seinen“ HSV in Bremen nicht ab. Hoffentlich.

Thomas Doll hatte Elia einmal in der vergangenen Saison mit Juventus Turin spielen sehen (in einem Freundschaftsspiel) und war beeindruckt von ihm. Und Doll sagt jetzt: „Ich bin überzeugt davon, dass Thomas Schaaf den Elia noch einmal zurück in die Spur bringen wird. Elia kann alles, und er wird wissen, dass Werder seine letzte Chance ist.“
Im letzteren Punkt aber hege ich große Zweifel. Wenn Elia das endlich begriffen haben sollte, dann wäre er ja tatsächlich doch noch erwachsen – und das über Nacht? Das geht doch nicht. Es sei denn, Schaaf hilft tatsächlich etwas nach . . .

So, dann hat Frank Arnesen noch kurz Stellung bezogen – in Sachen Verpflichtungen. Der Däne sagte: „Ich werde nicht nervös, im Gegenteil, ich bin sehr zufrieden. Mit Milan Badelj haben wir Zugang Nummer vier, das ist so gut wie sicher. Er freut sich sehr auf Hamburg, und das zeigt seine gute Einstellung, denn es gab für ihn die Möglichkeit, bei einem anderen Klub (Fenerbahce) sehr viel mehr Geld zu verdienen. Für Dinamo Zagreb geht es in der Champions-League-Qualifikation um Leben und Tod, denn nur in diesem Wettbewerb erzielen sie richtig hohe Einnahmen. Badelj muss gegen Sheriff Tiraspol spielen. Fliegen sie raus, dann ist es kein Problem, dann kommt er schnell zum HSV. Gehen sie weiter, dann müssen wir ein weiteres Mal darüber reden.“

Und dann könnte es noch später gehen, als jetzt gedacht (nach dem ersten Bundesliga-Spieltag). Das wäre bitter. Aber auch nicht zu ändern, denn der HSV muss sich den Gegebenheiten anpassen – den finanziellen. Über den Mittelfeldspieler sagte Frank Arnesen: „Badelj ist ein Sechser mit großen Qualitäten im Offensivspiel, dadurch sind wir einen großen Schritt weiter. Nun schauen wir uns nach einem Mittelfeld-Angreifer und einem Innenverteidiger um. Rajkovic werden wir verkaufen, das steht fest, und es gibt auch viele Vereine, die nach ihm gefragt haben. Aber noch ist nichts konkret.“

Generell befand der HSV-Sportchef noch: „Thorsten Fink und ich verfolgen einen Plan, durch die Verkäufe von Guerrero und Töre haben wir sehr gute Geschäfte gemacht, wir haben sie für viel Geld verkauft und fantastisch gearbeitet.“

Alles wird gut.

17.31 Uhr

Arnesen einigt sich mit Zagreb auf Badelj-Transfer

26. Juli 2012

Hitzefrei. Das hätte was. Hab ich mir jedenfalls für mich so gedacht. Dass dem mitnichten so würde – war klar. Und auch Trainer Thorsten Fink schien sein Pensum am heutigen Trainingstag den Temperaturen nicht wirklich anpassen zu wollen. Im Gegenteil: Mit hartem Zirkeltraining schien er den einen oder anderen Profi (Beister, Skjelbred) schon am Vormittag in die Knie zu zwingen. Ein Härtetest – zumal der Survival-Trip nach Schweden unmittelbar bevorsteht. Eine Reise, die der Mannschaft hoffentlich das lehrt, was sie in der Saison brauchen wird: Willen.

Wobei Fink den bei seiner Mannschaft erkannt hat. Immer wieder betont der Trainer, dass die Mannschaft charakterlich wachse und während der bisherigen Vorbereitung – insbesondere beim Peace Cup in Südkorea – den absoluten Willen zu Siegen gezeigt hat. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, wird der HSV-Trainer nicht müde zu wiederholen – und heute hatte er tatsächlich mal richtig Grund zur Freude. Denn mit Milan Badelj und dessen Klub Dinamo Zagreb ist Einigkeit erzielt worden. Der 23-Jährige, der gestern durch ein eher glückliches 3:2 in die nächste Champions-League-Quali-Runde eingezogen ist, unterschreibt demnach in den nächsten tagen einen Dreijahresvertrag beim HSV. Der Haken dabei: Badelj soll für Zagreb noch die weiteren Quali-Spiele spielen. „Wir sind uns grundsätzlich einig, dass Badelj spätestens zum 30. August zu uns wechselt“, ließ HSV-Mediendirektor Jörn Wolf vom Sportchef Frank Arnesen ausrichten, der heute erst um 12 Uhr aus Zagreb zurückgekehrt war. Am Dienstag hatte sich der Däne in Zagreb mit den Verantwortlichen getroffen, nachdem Fenerbahce Istanbul dem Vernehmen nach Badelj ein besseres Angebot als der HSV unterbreitet haben sollte. Arnesen verhandelte – offenkundig erfolgreich – und sah sich am Abend noch Badelj live im Quali-Spiel gegen den bulgarischen Klub Ludogretz Razgad an, in dem sich Zagreb nur knapp mit 3:2 einer Blamage entziehen konnte.

Dennoch, Badelj spielte gut. Im Internet war das Spiel live zu sehen und auch heute noch könnt Ihr Euch die entscheidenden Szenen ansehen – an den Badelj allerdings nicht beteiligt war. Dennoch agierte der Kapitän auch als solcher und übernahm bei den Kroaten im Mittelfeld das Kommando. Ohne selbst zu hohes Tempo zu besitzen, agierte Badelj als Taktgeber. „Ich werde erst etwas über ihn sagen, wenn der Vertrag unterschrieben ist“, ließ sich Fink heute kein eigenes Statement zum ersten Mittelfeldzugang entlocken.

Und obwohl der HSV weiter alles daran setzt, seinen Neuen möglichst bald in Hamburg präsentieren und vor allem in die Mannschaft einbauen zu können, scheint es schwierig zu werden. Trotz der stolzen Summe von nunmehr 4,5 Millionen Euro Ablösesumme muss der HSV warten, hat sein Glück nicht selbst in der Hand. „Hab Geduld, wir arbeiten alle emsig an unserer Zukunft und haben einen Plan“, hatte Fink mir gestern gesagt und er fügte heute hinzu: „Wir machen das Richtige. Und wenn es erst etwas später etwas wird, dann ist das so. Aber uns ist der Charakter sehr wichtig, wir wollen eben keine Söldner. Deswegen dauert es etwas länger.“

Nur, wie lange hat dieser HSV noch Zeit? Am 19. August steigt der Pokalfight beim Drittligisten Karlsruher SC. Das sind noch 24 Tage. Eine Woche später ist Bundesligaauftakt – und bis dahin dürfte Fink Probleme bekommen, seine Mannschaft mit Badelj und all den Neuen, die dann noch kommen sollen (meiner Meinung nach müssen!) einzuspielen. Oder soll der jetzige Stamm die von allen Trainern und Spielern als so besonders wichtig titulierte Startphase meistern?

Hoffentlich nicht.

Denn bislang hat die Mannschaft, und das ist kein Schwarzmalen sondern ein bedachter Hinweis, an Qualität eingebüßt. Das ist so. Und das wissen auch beim HSV alle. Dass ein Töre für rund sechs Millionen Euro verkauft wurde ist okay, wenn man bedenkt, dass der Deutsch-Türke bis zum Schluss Probleme hatte, sich zu integrieren – zumindest sportlich. Dass heute Macauley Chrisantus zum Medizincheck nach Las Palmas geflogen ist, ist bei rund 50000 Euro Ablösesumme vielleicht eher eine Randnotiz. Der Verkauf von Paolo Guerrero indes nicht. Rund fünf Millionen Euro kassierte der HSV. Die 50 Prozent Verkaufsbeteiligung von Chelsea an Töre einberechnet, kassierte der HSV somit rund acht Millionen Euro. Und ziemlich genau diese Summe verschlingen die Transfers von Artjoms Rudnevs und Milan Badelj. Und auch wenn ich der HSV-Führung recht gebe, dass sowohl Töre als auch Guerrero nicht zwingend einfach zu führende Spieler waren – ob der HSV dadurch stärker geworden sind, mag ich noch nicht abschließend zu beurteilen. Finanziell bleibt allerdings kaum noch etwas übrig, da auch das 3,5-Millionengehalt Guerreros auf Rudnevs und Badelj aufgeteilt wurde. Die 220000 Euro Jahresgage Töres fällt da eher weniger ins Gewicht.

Dennoch plant der HSV noch einen guten Zehner zu holen. Nachdem ich heute erneut einen Anruf bekommen habe, in dem mir mitgeteilt wurde, dass Michael Ballack in der Stadt ist, muss ich eines klarstellen: Michael Ballack hatte vor einigen Jahren tatsächlich engeren Kontakt zum HSV, wechselte damals aber zu Bayer Leverkusen. Und das, obwohl er damals wie heute eine Wohnung in der Hafencity besaß. Insofern, das lassen auch die Auskünfte des HSV vermuten, ist Ballack nicht die Lösung auf der Zehn.

Aber wer weiß. Auch Raffael, der für zehn Millionen Euro (plus eine Erfolgsprämie bis zu vier Millionen!!!) nach Kiew wechselt, wurde zunächst ausgeschlossen und war dann wieder Thema.

Allerdings glaube ich nicht an die Lösung mit einem Spieler, dem von vielen Seiten nur noch bedingte Bundesligatauglichkeit attestiert wird. Ich bin hier in der Formulierung bewusst vorsichtig, weil ich Ballacks Fitnessstand nicht beurteilen kann – aber wirklich positive Stimmen sind zu der Personalie nicht zu vernehmen.

Dennoch bleibt es für mich die Personalie schlechthin: die Zehn. Denn selten beim HSV habe ich eine Vorbereitung miterlebt, in der sich so viel Hoffnung auf eine neue Personalie stützte. Und ehrlich gesagt, macht mich das sehr, sehr skeptisch. Denn was soll ein einzelner Spieler leisten, um den großen Erwartungen gerecht werden zu können. Einen Platz in den Top-Ten geben die Verantwortlichen intern als Ziel aus. Allerdings, und da wiederum bin ich mir sicher, reicht dafür nicht Badelj und ein Zehner – dafür muss der HSV insbesondere in der Innenverteidigung und im Sturmzentrum zulegen.

Wenn das mit Bordmitteln gelingt – okay. Aber danach sieht es momentan eher nicht aus. Leider nicht.

Gute Nachrichten kommen dagegen von Tomas Rincon, dessen Schienbeinverletzung nicht operiert werden muss. Der Venezolaner soll konservativ behandelt werden und muss so „nur“ noch gut sechs Wochen pausieren. Und im Gegensatz zu Zhi Gin Lam (Fink: „Er soll sich hier optimal vorbereiten und auskurieren, damit er möglichst bald wieder angreift“) reist Rincon sogar mit in die schwedische Wildnis.

Allerdings stehen noch zwei wichtige Einheiten bevor. Die erste steigt morgen um zehn Uhr an der Imtech-Arena, die zweite am Abend um 18.30 Uhr im Edmund-Plambeck-Stadion in Norderstedt beim Test gegen die dort beheimatete Eintracht. „Ich werde abends jeden eine Halbzeit spielen lassen“, so Fink.

In diesem Sinne, bis morgen. Vielleicht ja schon mit dem neuen Zehner? Es wäre zu schön…

Scholle

Mein Gott, was gibt es noch alles zu tun!

25. Juli 2012

HSV-Trainer Fink will neue Leute, klar. Wer will die nicht? Die Fans fordern neue Leute, und auch Torwart Rene Adler gab am Dienstag zu verstehen, dass der HSV noch Verstärkungen braucht. Der neue Keeper übernimmt nicht nur während des Spiels Verantwortung, sondern auch außerhalb des Spielfeldes. Adler wird dem HSV ganz sicher sehr gut tun, keine Frage. Und er sagt: „Es ist bestimmt nicht Aufgabe der Spieler, aber wir brauchen noch Leute. Einen Mittelfeldspieler und vielleicht einen Innenverteidiger. Am besten einen Haudegen mit Bundesliga-Erfahrung.“

Ja, das sehe ich ebenso. Obwohl ich speziell darauf erst gegen Ende des Beitrags eingehen möchte. Nur so viel: Adler spricht von Erfahrung, von Haudegen. Und nach dem Vorfall um Slobodan Rajkovic (Faustkampf mit Heung Min Son sowie das Abendblatt-Interview) spricht Trainer Fink von einer neuen Situation, die noch einen neuen Innenverteidiger erfordert. Wir erinnern uns vielleicht noch alle: Vor diesem Rajkovic-Son-Boxkampf wollte der HSV noch einen Zehner und einen Achter, von einem Innenverteidiger war nie die Rede. Aber nun.

Dabei wäre eine andere Lösung für mich viel naheliegender. Auch auf die Gefahr hin, dass es hier wieder einen Sturm der Entrüstung geben sollte, ich schreibe es trotzdem. Denn die schweigende Mehrheit wird auf meiner Seite sein, das weiß ich ganz genau: Holt David Jarolim aus seinem Urlaub zurück, der Tschehche hat noch keinen neuen Verein (soviel ich weiß), und er könnte den Serchser geben – und Heiko Westermann den einen gesuchten Innenverteidiger. Dem HSV wäre damit gedient. Zumal ja auch noch Tomas Rincon ausfallen wird – wie lange, das weiß noch niemand. Und so wie „Jaro“ bei seinem Abschied gefeiert wurde, so weiß der HSV auch auf jeden Fall, dass er einen verdienstvollen Haudegen wieder im Kampf gegen den Abstieg einsetzen kann – und jederzeit zur Verfügung hat.
Da müssen eben nur einige Herren mal über ihre Schatten springen . . .

Auch diejenigen, die nun wieder „Matz ab“ (und mich) zum Teufel wünschen. Ich sage allen, auch meinen (und „Jaros“) Feinden: es kann mit einer solchen Lösung nicht schlechter werden. Und der HSV könnte noch etwas für ganz vorne tun, aber auch dazu noch später.

Erst einmal noch zum Dienstag und zum FC Barcelona. Thorsten Fink war richtig angefressen nach der 1:2-Niederlage. Ganz nüchtern aber stellte er fest: „Wir wollen nicht nach Ausreden suchen, doch bei drei Spielen in drei Tagen und sieben Stunden Zeitunterschied fehlte meiner Mannschaft die Frische. Das ist ganz normal nach einer solchen langen Reise. Und wir sind sehr enttäuscht, dass Messi nicht kam. Barcelona hat trotzdem eine gute Mannschaft, die können alle Fußball spielen, das hat man gesehen. Und alle beherrschen das System. Ich denke aber mal, dass die Fans das Beste aus diesem Spiel gemacht haben“, sagte der HSV-Trainer nach dem Spiel gegen die katalanische Nachwuchself.

Erst am Abend zuvor waren die Hanseaten vom gewonnenen Peace Cup in Südkorea zurückgekehrt und wirkten alles andere als ausgeschlafen. Und die ARD übertrug live! Die Sendeanstalt erreichte mit der Übertragung im Vorabendprogramm 1,27 Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von 8,3 Prozent – und ist richtig schön sauer, denn: Es dürfte einzigartig in der ARD-Geschichte sein, dass ein solcher Kick gezeigt wurde. Eine zweite oder sogar dritte Vertretung des FC Barcelona „hüpft“ da im Volkspark über den Rasen – da dürfte es noch ein tüchtiges Säbelrasseln geben, beim Ersten.

Mit dem Ausfall von Superstar Lionel Messi spart der HSV 400 000 Euro und will mit einem Fanfest im September die enttäuschten Anhänger entschädigen. Zudem prüft der Klub den Vertrag mit dem Champions-League-Sieger von 2011, ob tatsächlich noch 800 000 Euro für den Eintagestrip überwiesen werden müssen. Eigentlich war und ist es ja ein Unding, dieser Tagesausflug des FC Barcelona nach Hamburg. So steril wie diesmal war es wohl noch nie. Dass der Zuckerjung Messi in Zuckerwatte gepackt wird, das war zwar irgendwie zu erwarten (solche Stimmen waren heute doch überall zu hören, oder?), aber das da eine solche Truppe aufläuft, das ist schon ein Stück aus dem Tollhaus.

Wenn das die Zukunft des großen europäischen Fußballs ist, dann gute Nacht. Das ist – sorry, aber es muss so krass gesagt werden – die reinste Verarschung, in der Tat. Da schicken die Katalanen während der Europameisterschaft extra ein vielköpfiges Organisationsteam in den Volkspark, damit alles bis ins letzte und kleinste Detail geklärt ist: Was in der Kabine zu sein hat, der Wachdienst im und vor dem Hotel, was es zu trinken geben muss, wie lang der Rasen in Zentimetern nur sein darf, und, und, und. Und dann kommt da eine solche Vertretung. Und diese wird dann so abgeschirmt, als käme da ein ganz, ganz großer Pop-Star nach Hamburg. Nur ja keine Berührung mit dem Volk: Raus aus dem Flieger, rein ins Hotel, raus aus dem Hotel, rein in den Bus, ab in den Volkspark, rauf auf den Rasen, spielen, gewinnen, rein in den Bus – und weg! Alles kurz und schmerzlos und ohne eine Spur zu hinterlassen.

Das ist das Hinterletzte! Und so wird der internationale Freundschaftsspiel-Fußball nicht nur mit Füßen getreten, sondern auch zu Tode getrampelt!

Immerhin: Der HSV dürfte gelernt haben. Eine solche Geburtstagsfeier mit einem solchen höchst neutralen und unnahbaren Gast wird es wohl nie wieder geben.
Hoffentlich.

Zurück zum Dienstag: Thorsten Fink nahm seine Profis nach dem Spiel aber in Schutz und verteidigte die bisher zurückhaltende Einkaufspolitik. Zufrieden war er mit dem Gezeigten trotz allem nicht. Der 44-Jährige machte unmissverständlich klar, dass er mindestens noch einen Spielmacher, einen dahinter für das Mittelfeld und eigentlich auch einen Innenverteidiger haben will: „Das ist ja aber auch alles bekannt. Jetzt müssen wir nur sehen, welche Mittel vorhanden sind und dann Entscheidungen treffen.“ Zum Stand der Vorbereitung des HSV sagte der Coach: „Wir haben in Südkorea drei gute Spiele gemacht. Und das vom Vorstand ausgegebene Ziel, das Turnier dort zu gewinnen, haben wir auch erreicht . . .“

Zu den noch vorhandenen Mitteln kommen nun auch noch die Millionen, die es aus dem heutigen Verkauf des kräftigen Dribbelkünstlers Gökhan Töre gibt. Der Deutsch-Türke wird, wie erwartet. für etwa sechs Millionen Euro (die Hälfte bekommt Chelsea) zu Rubin Kazan wechseln. Dazu gibt es 1,23 Millionen Euro vom Peace Cup, plus die Einnahmen aus dem Barca-Spiel – es müsste also etwas möglich sein. Obwohl es schwer werden dürfte. Nun droht sogar der Transfer des Kroaten Milan Badelj von Dynamo Zagreb in letzter Minute zu scheitern, weil plötzlich Fenerbahce Istanbul mehr als 3,5 Millionen Euro bietet . . . Sportchef Frank Arnesen hält (und hielt) sich am Mittwoch in Zagreb auf, um noch zu retten, was noch zu retten ist.

„Wir lassen uns nicht reinreden, die Transferperiode dauert noch lange“, verteidigte Fink die verhaltene Vereinspolitik. Das mag ja auch alles stimmen, aber später, im Laufe der Saison, könnte das auch schnell wieder als Ausrede herhalten (müssen): „Wir sind nur deshalb so schlecht gestartet, weil wir die vielen neuen Spieler erst einen Tag vor Saisonbeginn verpflichtet haben. So konnte sich keine Einheit einspielen, darauf müssen wir nun in den nächsten Wochen stark hoffen . . .“

Jawoll, meine Herren, das haben wir in den letzten Jahren zu oft hören müssen. Und ich kann die Fans verstehen, denen diese Ausreden so ganz langsam zum Hals heraus hängen. Mir jedenfalls geht es so.

Aber vielleicht hilft ja auch der „Elch-Test“ ein wenig – der in Schweden. Um die Mannschaft noch enger zusammenrücken zu lassen, fährt der HSV am Sonnabend erstmals in ein Überlebenscamp in den Norden Europas. Auf Nehbergs Spuren. „Wir brauchen auch einmal eine körperliche Pause“, sagt Thorsten Fink, der seine Schützlinge in der Natur mit ganz anderen Gefahren als üblich konfrontieren wird. Zum Teambuilding gehöre, dass einzelne Mannschaftsteile enger zusammenrücken. So wird sich die Abwehrreihe um den Proviant kümmern, die anderen um die Zelte, die andere und die Kajaks. Fink: „Das wird sicherlich eine wertvolle Erfahrung für alle. Die neuen Spieler werden noch mehr integriert, wir müssen dort an unsere Grenzen gehen.“

Um dann später in der Bundesliga in jedem Spiel an die Grenzen gehen zu können. Denn eines steht für mich fest: der HSV wird eine ähnlich schwere Saison haben, wie zuletzt 2011/12. Und wer glaubt, dass es mit einem Achter, einem Zehner und einem Innenverteidiger getan ist, der ist in meinen Augen ein großer Träumer, denn: Der HSV benötigt mindestens noch einen Stürmer. Ich hätte, um mal ein Beispiel zu geben, sogar einen Mann wie Sandro Wagner geholt, der nun bei Werder ausgemustert wurde und dann zu Hertha BSC ging. Ein solcher Mann wäre schon wertvoll für den HSV gewesen. Wer aber diese (jetzige) Sturm-Schwäche nicht erkennt, obwohl sie gegen Barcelona deutlich zu sehen war, oder wer sie ganz einfach nicht sehen will, der muss sich dann eben in der Saison davon negativ überraschen lassen. Aber dann könnte das Kind schon längst in den Brunnen gefallen sein.

Und wer gedacht hatte, dass der HSV (Frank Arnesen) mit Artjoms Rudnevs einen neuen Edin Dzeko (nur als Beispiel – weil den einst Felix Magath aus dem Untergrund hervorzauberte) entdeckt hätte, der konnte sich davon am Dienstag mal selbst ein erstes richtiges Bild davon machen. Da kommt kein neuer Dzeko. Da kam ein neuer Mann, der noch viel, viel zu lernen hat. Und ich denke immer daran zurück, dass mir gegen Saisonende, als der HSV noch einmal mit Lech Posen „nachverhandeln“ musste, drei Polen, die beim HSV spielen, sagten: „Der gute Rudnevs ist keine 3,2 Millionen Euro wert, der ist 3,2 Millionen Zloty wert – wenn es hoch kommt.“ Aber mal abwarten. Immerhin war Rudnevs weitaus billiger, geradezu ein Schnäppchen, gegenüber Marcus Berg. Und der ist ja nun der große Hoffnungsträger im HSV-Angriff.

Apropos: Wie es zurzeit um den HSV bestellt ist, hat auch in Ansätzen dieses Spiel gegen Barcelona gezeigt. Was wäre wohl gewesen, wenn der HSV auf den „echten“ FC Barcelona getroffen wäre, also einen FC Barcelona tatsächlich mit allen Stars? Das wäre wohl eine absolute Vernichtung gewesen – oder geworden. So aber war es so, dass die Spanier insgesamt neun Spieler ein- und auswechselten. Doch selbst die C-Elf, die in der zweiten Hälfte sogar phasenweise in Unterzahl spielte, da Vilanova zunächst niemanden mehr auf der Bank hatte, um den verletzten Marc Muniesa zu ersetzen, konnte mit dem HSV mithalten. Das sollte allen, die es gut mit dem HSV meinen, stark zu denken geben. Trotz des Südkorea-Fluges, trotz der Zeitzonen, trotz der drei Spiele in Asien, trotz der Tatsache, dass die Bundesliga erst in vier Wochen starten wird.

Mein Gott, was gibt es beim HSV noch alles zu tun!

PS: Mir tun natürlich auch die vielen Fans des HSV Leid, die auf die Mogelpackung FC Barcelona hereingefallen sind. Viel Geld für nix. Und dazu dann noch die erhöhten Getränke-Preise – ein Top-Zuschlag für den FC Barcelona. Prost!

Was ein HSV-Fan an diesem Tag so alles erlebt hat, schilderte uns heute ein Mann – per Mail – sehr eindrucksvoll. Vielleicht erkennt sich der eine oder andere HSV-Anhänger ja wieder:

“Guten Tag,

kurz aber dennoch zusammenfassend möchte ich Ihnen den Bericht meines gestrigen Tages zur Kenntnis geben:

Um 16.35 startete ich mit dem Auto von der Hudtwalckerstraße Richtung Volksparkstadion. Gelangweilte Polizisten sperrten Straßen ab, saßen rauchend in ihren Peterwagen und kümmerten sich um alles, nur nicht um den Verkehr. So saß ich 90 Minuten später auf meinem Platz für 32 Euro. Neben mir mein seit Mittag total frustrierter Sohn, der ins Stadion wollte, um Lionel Messi zu sehen.

Die Sitze, Block 18C, Reihe 5, Sitz 17 und 16 waren derart dreckig, dass man sich nicht wirklich setzen mochte. Eine Mischung aus Ketchup, Senf, frischer Zigarettenasche und eine gräuliche Schicht aus nicht mehr wirklich Definierbarem. Lecker! 32 Euro!!!

Sieben Minuten vor Halbzeit machte ich mich auf den Weg, um zwei Bratwürste für mich und meinen Sohn zu organisieren. Die Mannschaft des HSV mühte sich auf dem Feld redlich, lag dennoch 1:2 zurück. Vor mir standen ca. 17 weitere Stadionbesucher, die den gleichen Gedanken hatten wie ich. Der Herr mit den Bratwürsten an der Kasse mühte sich, ähnlich redlich wie die Hamburger Mannschaft, immer wieder aufs Neue drei Euro plus drei Euro, oder drei Euro plus drei Euro plus drei Euro zusammen zu rechnen, was ihm dann auch bei jedem Kunden in der Schlange nach etwa zwei Minuten gelang. So war ich rechtzeitig zehn Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit wieder auf meinem Platz.

Über den Toilettenbesuch mit meinem Sohn möchte ich an dieser Stelle lieber schweigen . . .

Der Trainer des HSV meinte zur Halbzeit wohl etwas tun zu müssen und schickte, von mir zunächst unbemerkt in der Halbzeit auch die zweite Mannschaft auf den Platz. Barcelona spielte nunmehr mit der dritten Mannschaft. 57.000 Zuschauer machten begeistert die La-ola-Welle. Toll!!! Ich fragte mich, ob mein Fußballverstand mich im Stich gelassen hatte und beobachtete ob dieser Begeisterung das Spiel nun noch genauer und entdeckte 22 Männer auf einem Fußballplatz die rumstanden. Für 32, bzw 64 Euro plus 6 Euro für die beiden Bratwürste nicht schlecht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für die Saison 2012/ 2013 viel Glück und gratuliere zum 125. Geburtstag!

In freudiger Erwartung Ihrer Stellungnahme,

mit freundlichen Grüßen,
Henning B.”

PSPS: Dieser HSV-Fan schrieb nicht mir, sondern ans Hamburger Abendblatt, und, das gebe ich zu, er ist mir bekannt, weil er ein Kollege von uns (Journalisten) ist.

Und, nicht um euch zu quälen, sondern weil es in der Tat so schön war, hier noch einmal die Barcelona-Unterhaltung (vor dem 1:2) mit den HSV-Altmeistern Horst Schnoor und Klaus Neisner.

PSPSPS: Training im Volkspark ist am Donnerstag um 10 und um 15 Uhr.

16.55 Uhr

Eine schön verkorkste Geburtstagsfeier

24. Juli 2012

„Ohne Messi habt ihr keine Chance!“ Skandierte der Norden der Arena beim Anpfiff.
Galgenhumor ist doch auch etwas Schönes.

Bevor ich zur völlig verrückten und verkorksten und verfrühten Geburtstagsfeier des HSV komme, hier einmal das Wichtigste:

Der HSV-Presseservice gab vor dem Spiel bekannt:

Rückgaberecht für Ticketinhaber des Barcelona-Spiels

Der HSV bietet seinen Zuschauern die Möglichkeit an, die im Vorfeld des Jubiläumsspiels gegen den FC Barcelona erworbenen Tickets zurückzugeben. Grund dafür ist der verletzungsbedingte Ausfall des argentinischen Superstars Lionel Messi auf Seiten des FC Barcelona.
Messi hatte sich im gestrigen Abschlusstraining eine Zerrung der rechten Wade zugezogen und konnte seine Mannschaft nicht nach Hamburg begleiten.

Marketing-Vorstand Joachim Hilke: „Wir sind alle sehr enttäuscht darüber. Wir hatten uns auf den FC Barcelona mit Lionel Messi gefreut. Aus Gründen der Kulanz möchten wir den Zuschauern ohne Anerkennung einer Rechtspflicht ein Rückgaberecht einräumen. Wir freuen uns trotzdem auf unser Jubiläumsspiel und einen tollen Fußballabend in der Imtech Arena.”

Achtung: Es wird an der Imtech Arena keine Barauszahlung bei einer Rückgabe von Tickets geben. Nicht vom Ticketeinlasssystem entwertete Karten können nur postalisch per Einschreiben an das HSV-Ticketing zurück geschickt werden.

Ja, diese Feierlichkeiten sind dem HSV ja gründlich vermiest worden. Als die Spanier um 17.36 Uhr auf den Rasen liefen. Gab es ein wütendes Pfeifkonzert der HSV-Fans. Der große FC Barcelona trat ohne seine Weltstars an. Es fehlten so Klasse-Leute wie Valdes, Pique, Abidal, Jordi Alba, Fabregas, Xavi, Iniesta, Thiago, Mascherano, Pedro und die Langzeitverletzten Puyol sowie Villa. Aber besonders Messi fehlte natürlich, denn das Motto der meisten Hamburger hieß doch: Einmal Messi live erleben! Der HSV durfte von der 1,2-Millionen-Gage, die der FCB für diesen Auftritt kassieren sollte, 400 000 Euro einbehalten, aber Klub-Chef Carl-Edgar Jarchow sprach enttäuscht für alle Fans: „Wir wollten nicht das Geld, wir wollten Messi sehen . . .“

So ist es. Aber bei der Pressekonferenz vor dem Spiel erklärte FCB-Trainer Tito Vilanova: „Ich kann die Enttäuschung der Fans sehr gut verstehen. Es tut mir und uns auch Leid, dass Messi fehlt, und es tut auch Messi selbst weh, weil er ein Typ ist, der immer spielen will. Das Risiko war uns aber zu groß, er hatte sich am Vorabend an der Wade verletzt, und es bestand die Gefahr, dass sich diese Verletzung in Haburg noch verschlimmern würde.“ Dann sagte der Coach auch noch: „Messi stand heute um acht Uhr am Stadion, er wollte mit nach Hamburg fliegen, aber wir mussten ihn bremsen, wir wollten, wie gesagt, nichts riskieren.“ Es bestand bei diesen Worten der Verdacht, dass der Trainer auch noch in Tränen ausbrechen würde, aber er hatte sich dann doch noch bestens im Griff. Denn ich glaube auch, dass für diese Krokodilstränen gar keine Taschentücher vorhanden gewesen wären . . . In der Redaktion häuften sich indes die Beschwerde-Anrufe. Musik-Manager Jo Geistler wetterte ohne Pause und ohne Komma: „Das kann mir doch niemand erzählen, wir werden doch für dumm verkauft, wir werden hier doch nach allen Regeln der Kunst verarscht. Voll verarscht. Man, bin ich sauer und wütend . . .“ Der gute Jo war ja mit seinem Ärger nicht allein.

Leider hatte der HSV nur eine Vertragsklausel für Messi einbauen lassen. Wenn dazu noch die anderen Stars gehört hätten, dann hätte der FC Barcelona noch Geld mitbringen müssen, um in Hamburg spielen zu dürfen. Für das Image des Welt-Klubs war dieser Auftritt natürlich eine Katastrophe, aber es wird die Katalanen nicht groß jucken. Abhaken und vergessen. Immerhin war das Stadion fast bis auf den letzten Platz besetzt, vom Rücktrittsrecht hatten offenbar nicht viele Fans etwas wissen wollen – oder sie haben es ganz einfach vorher nicht gewusst. Pech. Die, die so denken, die haben eines für sich: „Ich war damals dabei, als Messi fast einmal in Hamburg aufgezogen hätte . . .“ Und wenn der HSV will – es gibt bis zum 29. September ja noch etwas Luft. Wie wäre es, wenn dann Barcelona III hier noch einmal ganz groß aufspielen würde? Obwohl, die spielte wohl schon in Halbzeit zwei.
Aber von vorherein gegen die dritte Garnitur, das wäre dann doch mal die etwas andere Geburtstagsfeier.

Zum Spiel. Es war ja irgendwie zu befürchten, dass selbst die B-Vertretung des FC Barcelona noch zu stark für den sich in der Aufbauphase befindlichen HSV sein würde. Apropos Aufbauphase – in der befindet sich Barca natürlich noch viel mehr, aber das steht (natürlich?) auf einem ganz anderen Blatt, spielt der Klub doch in einer ganz anderen Liga . . . Der HSV hat noch über vier Wochen Zeit, sich zu entwickeln – und die eigentliche Geburtstags-Party kommt ja auch erst am 29. September – wenn das Heimspiel gegen Hannover 96 ansteht.

Der HSV begann in den ersten 45 Minuten mit:
Adler, Diekmeier, Bruma, Mancienne, Aogo; Westermann, Skjelbred; Son, Arslan, Jansen; Berg.
In der zweiten Halbzeit spielten: Adler, Besic, Bruma (76. Nörgaard), Mancienne (88. Chrisantus), Jansen; Sala, Tesche; Beister, Steinmann, Ilicevic; Rudnevs.

Bemerkenswert: Es gab viel Beifall zur Pause – trotz des 1:2-Rückstandes für den HSV. Das konnte sich hören lassen, es klang auch irgendwie versöhnlich. Ein gutes Zeichen auf jeden Fall. In Halbzeit zwei gab es dann sogar die Welle – la Ola. Weil das Spiel langweiliger wurde? Weil die Spanier viel Tiki-Taka spielten? Egal, die Stimmung wurde dann – Ergebnis hin, Ergebnis her – prächtig.

Barcelona ging in der fünften Minute in Führung. Nach einem Eckstoß von links flog der Ball durch den Fünfmeterraum, der verdutzte Dennis Aogo war völlig überrascht, und er war wohl auch bemüht, einen weiteren Eckstoß zu verhindern. Er ließ den Ball passieren – es es war passiert. Dani Alves drosch den Ball unhaltbar für HSV-Torwart Rene Adler unter die Torlatte.

Den Ausgleich in der 20. Minute leitete dann Tolgay Arslan ein. Querpass zu Marcus Berg, der zögerte zuerst, traf dann mit der Pike noch die Latte, und dann war Arslan zur Stelle – 1:1. Zu diesem Zeitpunkt nicht mal unverdient, denn der HSV wehrte sich, er wehrte sich eben so gut er konnte. Und dafür war dieser Ausgleich auch okay. Den erneuten Rückstand leitete dann aber auch Arslan ein. Er verlor den Ball an der Mittellinie, weil er zu langsam schaltete – und seine Kollegen fast alle in der Vorwärtsbewegung waren. Afellay schoss, Adler hielt, musste den Ball aber prallen lassen, Deulofeu staubte ab – 1:2 in der 37. Minute.

Eine Einzelkritik möchte ich mir und euch ersparen. In Halbzeit eins gefielen mir Heiko Westermann (viel Beifall für viele gelungene Rettungseinsätze), Michael Mancienne und gelegentlich Marcell Jansen und Heung Min Son. Insgesamt aber hatte ich das Gefühl, dass der HSV der zweiten Halbzeit besser war, aber das lag wahrscheinlich auch mehr daran, dass der FC Barcelona mit Leuten aus der dritten Reihe spielte . . . Gefallen aber hat mir die Laufbereitschaft von Matti Steinmann und Robert Tesche! Und Jansen kam hinten links auch ganz passabel zurecht. Und über 90 Minuten überzeugte mich auch (natürlich) Rene Adler.

Dann noch drei Personalien:

Gökhan Töre weilte heute in München: medizinische Untersuchung. Geht die glatt, wovon auszugehen ist, dann wechselt der Deutsch-Türke morgen wohl zu Rubin Kazan. Der HSV ist sich mit dem Klub einig, Töre auch – es läuft wohl doch auf etwas mehr als fünf Millionen Euro hinaus. Gelegentlich wird sogar von sieben Millionen gemunkelt, ich halte das aber für übertrieben. Egal, Töre ist weg.

Um den Fast-Zugang Milan Badelj gibt es nun aber doch Ärger. Eigentlich sollte der Mittelfeldmann aus Zagreb ja schon lange beim HSV unterschrieben haben, aber nun mischt plötzlich auch Fenerbahce Istanbul mit. Und wahrscheinlich haben die Türken wohl doch den etwas kräftiger gefüllten Geldbeutel . . . Mal abwarten, wie sich diese Personalie entwickelt, aber zweiter Sieger war der HSV in diesem Fast-Sommer ja auch schon häufiger mal.

Und dann noch zu Artjoms Rudnevs. Wenn der Schwede Marcus Berg in der Anfangsformation stürmt, dann ist damit wohl schon viel gesagt. Trainer Thorsten Fink räumt dem Letten ja noch einige Zeit zur Eingewöhnung ein, aber besser wäre es vielleicht, wenn das jetzt schon mal klappen würde. Okay, es ist kein Wunschkonzert, aber um die Offensive des HSV mache ich mir zurzeit doch (noch oder schon) einige Sorgen. Und ob Rudnevs noch kommt? Bemüht ist er, das scheint klar, aber ob dieses Bemühe auch reichen wird? Großes Fragezeichen!

Übrigens: Es blieb beim 2:1-Sieg für Barcelona, egal welche Vertretung es auch immer war.

PS: Mittwoch ist kein HSV-Training angesetzt.

19.53 Uhr

Und weil es so schön war, hier noch einmal die Barcelona-Unterhaltung (vor dem 1:2) mit den HSV-Altmeistern Horst Schnoor und Klaus Neisner.

Der HSV gewinnt – vor allem alte/neue Erkenntnisse ***ergänzt mit Raffael-Interesse***

22. Juli 2012

Der HSV hat gewonnen. Den Peace-Cup mit 1:0 gegen Gastgeber Suwon, insgesamt eine Million Dollar Preisgeld und die Erkenntnis, dass es bis zur Konkurrenzfähigkeit in der Bundesliga noch ein weiter Weg ist. Bis zur Fink’schen Prognose, dass man um Platz sechs bis acht spielen werde, scheint es ein noch zu langer Weg zu sein.

Denn trotz des Turniersieges muss festgehalten werden, dass dieser HSV nur bedingt funktioniert. Wie auch? Nach den Abgängen von Petric und Guerrero im Angriff sowie Jarolim im Mittelfeld ist diese Mannschaft ob fehlender Neuer in meinen Augen qualitativ schwächer als zuvor einzuschätzen. Und der Versuch mit Westermann auf der Sechs schlägt leider weiter fehl. Obleich der Kapitän vom Einsatz und Willen her vorbildlich arbeitet und auf diesem Feld seine große Qualität einbringt, als zentrale Figur im Aufbauspiel ist er nicht geeignet. Dazu kommt, dass die Offensive weiter hakt. Artjoms Rudnevs war bemüht, lief viel – und fast immer ins Leere. Der Lette ist innerhalb des HSV-Spiels noch immer wie ein Fremdkörper, wobei böse Zungen auch behaupten könnten, das sei auch der Ball für den Linksfuß. Denn so oft wie Rudnevs der Ball verspringt, kann man das gar nicht mit „Gewöhnungsphase“ erklären. Vielmehr muss man ihn als das absolute Gegenteil vom technisch versierten Paolo Guerrero, der eigentlich immer (auch in der Luft mit langen Bällen) anspielbar war, bezeichnen – was das bedeutet, vermag jeder selbst zu beurteilen. Für mich ist der logische Schluss aus allem zusammen, dass der HSV weiter niemanden hat, der das Spiel lenkt. Der HSV spielt ideenlos und verliert so schon oft früh im Aufbauspiel die Bälle.

Aber okay, noch ist es ein Monat bis zum ersten Pflichtspiel, vielleicht dreht sich das Blatt ja auf der einen oder anderen Position um 180 Grad. So wie bei Berg. Der Schwede, gegen Groningen noch einer der Ausfälle, stand heute goldrichtig, als Jansens Schuss vom Torhüter der Südkoreaner nur nach vorn abgewehrt werden konnte. Von Bergs Brust sprang der Ball zum 1:0-Siegtreffer ins Tor und sicherte dem HSV nach den 500000 Dollar Antrittsgage, den 500000 Dollar für den Groningen-Sieg nun auch noch die 500000 Dollar Turniersiegprämie. Umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro hat der HSV somit mit der einen Woche Südkorea verdient – zuzüglich der hoffentlich noch kommenden neuen Sponsorenverträge aus Fernost.

Ebenfalls positiv ist die Entwicklung von Michael Mancienne und Jeffrey Bruma als Innenverteidigerduo zu bewerten, auch wenn man hierbei Mancienne noch hervorheben muss. Denn der Engländer ist momentan der konstanteste (Abwehr-)Spieler des HSV. Mancienne holt das Maximum aus seinen Möglichkeiten heraus und dürfte momentan der gesetzteste Innenverteidiger sein.

Und auch wenn Trainer Thorsten Fink weiterhin auf eine Wende im Fall David Abraham hofft, zudem der Transfer von Mittelfeldmann Milan Badelj von Dinamo Zagrebs Präsidenten bestätigt worden sein soll – er muss davon ausgehen, dass er mit den aktuellen Spielern in die Saison startet. Und das bedeutet, dass er im Zentrum den zweiten Sechser neben Westermann – Sala spielte es gegen Suwon eher unglücklich, hatte viele Ballverluste und verlorene Zweikämpfe – noch suchen muss. Tomas Rincon fällt aus, Robert Tesche soll verkauft werden und Per Skjelbred hat Ansätze gezeigt – aber beim Trainer einen eher schweren Stand. Da ansonsten noch kein Neuer verpflichtet ist, hat Fink hier noch immer eine riesengroße Baustelle.

Denn trotz der Bestätigung aus Zagreb ist dort noch klarer gesagt worden, das Badelj die Champions-League-Qualifikation für Zagreb bis zum Schluss spielen wird und dem HSV so erst Mitte August zur Verfügung stünde. Zudem muss das finanzielle Paket des Kroaten erst noch vom Aufsichtsrat abgesegnet werden.

Nein, es hakt noch an allen Ecken und Kanten. Sportlich, personell und in Sachen Stimmung. Slobodan Rajkovic hatte gesagt, dass die Stimmung alles andere als gut sei. Zieht man von dieser Pauschalaussage einige Prozente Übermotivation (weil tief frustriert) ab, bleibt ein Rest. Vielleicht nur ein kleiner, aber dieser ist gefährlich. Zumal es intern immer wieder auch zwischen Fink und Sportchef Frank Arnesen knatscht. Der Trainer nennt seinem Sportchef Namen, die dieser immer wieder ablehnt. „Natürlich sind wir oftmals auch unterschiedlicher Meinungen, aber letztlich funktioniert es“, hatte Fink zuletzt beschwichtigend erklärt. Und ich hoffe, den Zusatz hat er nicht nur gesagt, um alle zu beruhigen.

Letztlich wird es von den Zugängen abhängen, ob sich am Ende alle lieb haben. So wie die 1,2 Millionen Euro aus dem beschwerlichen Südkoreatrip eine erfolgreiche Woche gemacht haben. Genau genommen ist es sogar die erfolgreichste Trainingslagerwoche aller Zeiten. Zumindest finanziell.

In diesem Sinne, morgen kehrt die Mannschaft zurück, Dienstag kommt Barcelona. Mit Messi. Freuen wir uns darauf.

Scholle

HSV: Adler – Diekmeier, Bruma, Mancienne, Aogo – Westermann, Sala (90.Steinmann) – Beister (72.Jansen), Tesche (72.Arslan), Ilicevic (46.Son) – Rudnevs (72.Berg). Tor: Berg (80.).

P.S.: Anlässlich des Jubiläumsspiels gegen Barcelona senden wir (Dieter ist aus dem Urlaub zurück!) am Montag gegen elf Uhr eine Live-Sendung “Matz ab” mit den Altstars des HSV, Klaus Neisner und Horst Schnoor, die sich an die legendären Spiele gegen Barca in den Sechzigern erinnern.

P.P.S.: Sobald die Mannschaft gelandet ist, sollen bei Gökhan Töre die letzten Details bezüglich seines Wechsels zu Rubin Kazan geklärt werden. Angeblich sind sich alle Parteien weitgehend einig. Der HSV soll demnach etwas mehr als fünf Millionen Euro Ablösesumme für den Deutsch-Türken kassieren.

P.P.P.S.: Der HSV, das habe ich vorhin verschwiegen, weil ich es nicht glauben konnte/kann, ist nun doch wieder an Hertha-Spielmacher Raffael interessiert. Das erzählte mir vorhin mein Kollege Kai Schiller aus Südkorea – und so berichtet es zumindest die Bild. Obgleich es die HSV-Verantwortlichen noch dementieren. So, wie es Frank Arnesen vor Wochen schon tat. Damals schloss er die Personalie Raffael sogar aus…

Die Wohlfühlzone ist Arnesens großes Problem

21. Juli 2012

Heute wird gestückelt. Warum? Weil es noch nicht viel Neues gibt. Die Mannschaft ist in Südkorea und hat einen freien Nachmittag, nachdem am Vormittag nur ganz locker trainiert wurde. Zhi Gin Lam konnte noch nicht mitmachen. Bei dem Youngster besteht weiterhin der verdacht auf Muskelfaserriss. „Wir hoffen aber, dass es nur eine Muskelverhärtung ist“, sagt Trainer Thorsten Fink, der Lam am Dienstag nach der Rückkehr zur Kernspintomographie schicken will. Zudem entschuldigte sich Frank Arnesen für heute, weil er zu viele Termine hat. Und das ist natürlich auch völlig okay.

Daher bleibt mir heute nur, auf Infos über den Tag verteilt zu warten, mit denen ich dann diesen Blog immer wieder aktualisiere. Denn bei Gökhan Töre soll in diesen Stunden ein offizielles und zum zweiten Mal verbessertes Ablöseangebot von Rubin Kazan kommen. Die Russen, die dieses Jahr mit aller Macht Meister werden wollen, haben sich mit Töre und dessen Berater bereits weitgehend einigen können. Es fehlt nur noch der HSV, der die bisher maximal gebotenen vier Millionen Euro abgelehnt hat.

Zudem soll sich Robert Tesche nun doch dazu entschlossen haben, den HSV bei einem passenden Angebot zu verlassen. Wahrscheinlich, weil sich der Mittelfeldmann in Südkorea noch mal mit Trainer Thorsten Fink unterhalten hat. Welcher Verein an ihm interessiert ist, kann ich aktuell noch nicht sagen. Aber hier dürfte in den nächsten Tagen etwas passieren.

Eben so wie bei Slobodan Rajkovic, der ab Dienstag beim HSV isoliert trainieren soll. Dem Abwehrmann, der am Wochenende nach England reisen wollte, sollen zwei Angebote aus der Premier League sowie von Dynamo Kiew vorliegen.

Und Macauley Chrisantus, der das Angebot von Sturm Graz abgelehnt hat, soll nach eigener Aussage Angebote aus Deutschland vorliegen haben. „Es gibt Interesse aus der ersten und der zweiten Liga“, sagt Chrisantus, „aber ich habe mich noch nicht entschieden.“ Wobei klar scheint, dass es Cottbus nicht mehr wird, nachdem der erfolglose ehemalige Jugendstar dort ein zu hohes Gehalt aufgerufen haben soll. Ob er für einen neuen Klub auf Geld verzichten würde? „Das kommt darauf an“, sagt Chrisantus, „welcher Klub kommt. Aber natürlich ist die sportliche Perspektive am wichtigsten.“

Wobei sich hier nur ein Kreis schließt. Denn sowohl Tesche als auch Rajkovic und Chrisantus sind Spieler, die beim HSV mehr verdienen, als sie es aktuell von anderen Klubs geboten bekommen. Und obwohl allen Dreien durch Worte und Taten von Fink und Sportchef Arnesen mehr als deutlich gemacht wurde, dass sie gehen dürften, bleiben sie. „Den Vertrag aussitzen“ nennt man das größte Problem des Frank Arnesen, der für seine Wunschspieler Milan Badelj und Rasmus Elm jeden Cent einsparen muss, der einzusparen ist. Obgleich innerhalb des Vorstandes weiterhin die Hoffnung auf eine Fortführung der Zusammenarbeit mit Klaus Michael Kühne besteht.

Apropos Kühne. Der Speditionsmilliardär mit dickem Hals und einem dreiwöchigen Urlaub vor der Brust, dürfte sich freuen, ob der Zeilen, die nun folgen. Denn, das wurde mir aus verlässlicher Quelle zugetragen, Tottenhams Trainer Andre Villas Boas ist entgegen erster Behauptungen sehr wohl gewillt, Rafael van der Vaart abzugeben. Auf der Suche nach Ersatz soll der Portugiese bereits fündig sein. In der Premier League ist das bereits seit einigen Tagen bekannt – und auch der HSV soll informiert sein. Dennoch, und diese Zeilen dürften Kühne weniger freuen, die ehemalige 23 des HSV ist seinerseits wohl nicht gewillt, zum HSV zu wechseln. Die Perspektive…

Aber gut, die soll sich ja noch gravierend verändern, wie Carl Jarchow gerade vor ein paar Tagen in Seoul angekündigt hatte. Ein Innenverteidiger, Milan Badelj und noch ein Mittelfeldmann sollen kommen. Werden es drei Hochkaräter – aber okay, lassen wir das und warten ab.

So, wie ich es heute machen werde. Ich melde mich, sofern noch etwas passiert. Aber auch nur dann. Versprochen!

Bis später!
Scholle

Finks erster echter Test – Peace Cup soll die Kassen füllen

19. Juli 2012

Frank Arnesen will nicht. Der Däne, der eigentlich in meiner Anwesenheit noch nie sauer auf irgendwas reagiert hat, ist nicht erreichbar. Zumindest nicht für mich, dachte ich und mir kam sofort der Verdacht, dass der Sportchef sauer über das Rajkovic-Interview war. „Dann ist das so“, dachte ich mir, nachdem Arnesen auch auf meine SMSe nicht geantwortet hatte. Allerdings bin ich kein Einzelfall. Auch meine Kollegen kommen derzeit nicht zum HSV-Sportchef durch. „Der ist im Moment mit dem Telefon verwachsen“, klärte mich ein Geschäftsstellen-Mitarbeiter auf. Und das klingt für mich sehr gut. Für neue Spieler verzichte ich gern auf die Antworten des Sportchefs. Sehr, sehr gern sogar..

Erschwerend hinzu kommt, dass sich die Transferverhandlungen mit Rubin Kazan immer weiter ziehen. Während es bei dem Kroaten Milan Badelj nur noch um Kleinigkeiten bei der Vertragsabwicklung geht, ist sich Arnesen mit den Russen noch lange nicht über die Ablösesumme für Gökhan Töre einig. Die Russen bieten vier Millionen, der HSV will mindestens fünf Millionen (50 Prozent davon gehen an Chelsea) für den Linksfuß haben. „Klar ist, dass wir keine Not haben, Töre abzugeben“, hatte Arnesen gesagt.

Allerdings sind leichte Zweifel an dieser Aussage angebracht. Denn der HSV braucht jeden Euro. Sportchef und Trainer Thorsten Fink hoffen auf 1,5 Millionen Euro durch den Peace Cup. „Wir sind keine zehn Stunden geflogen, um nur so mitzuspielen“, kündigte Trainer Thorsten Fink einen engagierten Auftritt gegen den niederländischen Vertreter FC Groningen an, „wir wollen das Turnier gewinnen.“

Und das könnte den immer mühsamer werdenden Südkoreatrip versüßen. Am morgigen Freitag geht es gegen den FC Groningen. Gewinnt der HSV den Turnierauftakt sowie das Finalspiel am Sonntag, wäre es sogar die erfolgreichste HSV-Vorbereitung aller Zeiten. Zumindest wirtschaftlich. Denn sowohl der Sieg gegen die Niederländer als auch ein Finalerfolg (Gegner wäre überraschend das südkoreanische Team vom FC Seongnam, das den FC Sunderland mit 1:0 bezwang) würden jeweils 500000 Dollar in die leeren Klubkassen spülen. Zuzüglich der Antrittsprämie von 500000 Dollar könnten sich Klubboss Carl Jarchow und vor allem Frank Arnesen über 1,5 Millionen Dollar zusätzlich freuen. Zumal alle anderen Kosten (Reise, Kost und Logis) vom Veranstalter des „Peace Cup“s getragen werden.

Es wäre nach dem Ärger der letzten Tage ein kleiner Lichtblick einer anstrengenden Reise. Denn die Südkoreaner sind sehr genau und während die Vorstände Jarchow und Joachim Hilke samt Nicholas MacGowan fast ununterbrochen auf Sponsoren-Akquise sind, hat es die Mannschaft nicht leicht mit den überaus genauen Südkoreanern. Denn die bestehen auf die Einhaltung der vorher geschlossenen Verträge. Spontan ist da niemand. Auch die größten Mühen und ein Unterhändler schaffte es nicht, den Platzwart des fünf Minuten vom Hotel entfernten Trainingsplatzes davon zu überzeugen, dass der HSV eine zweite Einheit auf dem Patz absolvieren müsste. Im Gegenteil: Für die zweite Einheit des Tages mussten Fink und Co. erneut ins 45 Minuten entfernte Hwaseong ausweichen, was nicht gerade für Begeisterung sorgte. Selbst Finks Wunsch nach einem zusätzlichen Tor auf dem Trainingsplatz war zunächst nicht zu erfüllen, da auch das nicht im Vertrag stehen würde.

So hieß es zumindest, ehe man dem HSV nach mehreren Verhandlungsrunden dann doch behilflich wurde. Den Wunsch, das Nachmittagstraining etwas früher als geplant beginnen zu lassen, ließen die Organisatoren aber nicht mehr mit sich verhandeln. Die Anlage sei für eine bestimmte Uhrzeit gebucht, so stehe es im Vertrag. Umstände, die bei der Mannschaft und dem Trainerteam auf wenig Gegenliebe stoßen. „Die Bedingungen hier sind natürlich nicht so gut wie im Trainingslager im Zillertal“, sagte Torhüter René Adler, „das alles ist nicht optimal. Aber es bringt ja nichts, darüber zu heulen.“ Das stimmt. Dennoch werden sich alle Beteiligten am Ende die Frage stellen müssen, ob diese Form Trainingslager noch seinen Zweck erfüllt.

Egal wie, am Ende wird in Euro um- und abgerechnet. Neben den Spielern, die beim Turnier ordentlich Geld einspielen sollen, sind dafür in erster Linie die Vorstände Carl Jarchow und insbesondere Joachim Hilke mit seiner rechten Hand Nicholas MacGowan verantwortlich. Aktuell besuchte Jarchow die Reederei Hanjin Shipping in der koreanischen Hafenstadt Busan. Der HSV-Vorstand hat berechtigte Hoffnungen, von Handjins Plänen zu profitieren, sich stärker im Hamburger Hafen zu engagieren. Aus diesem Grund war im vergangenen Monat auch Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch in Busan zu Gesprächen. Sollten Hamburg und Handjin ins Geschäft kommen, scheint die Reederei nicht abgeneigt, sich als Sponsor über den HSV zu vermarkten. „Es geht aber nicht nur darum, neue Sponsoren zu finden, sondern auch darum, alte zu pflegen“, sagt Hilke, der zu Anfang der Woche bei den HSV-Partnern Kumho Tyres (Reifenhersteller) und Hanwha (Solarenergie) vorsprach. Die beiden koreanischen Sponsoren zahlen noch bis 2013 zusammen 1,5 Millionen Euro.

Letztlich wird aber die finanzielle Effizienz der Reise darüber bestimmen, ob sie als Erfolg oder Misserfolg zu werten ist. Wobei, das Thema hatten wir in den letzten Tagen immer wieder, jeder eingespielte/akquirierte Euro zwingend in Verstärkungen gesteckt werden sollte. „Ich hoffe, dass von einer möglichen Siegprämie zumindest ein Teil wieder in die Mannschaft investiert werden würde“, sagt Torhüter René Adler, der um den finanziellen Anreiz des Turniers weiß – und über Milan Badelj sprach, als sei der schon da. „Ich bin sicher, dass er gut zu uns passen wird“, sagt der Keeper über den Kroaten, der am Mittwoch in der Champions-League-Quali beim 1:1 gegen Bulgariens Meister Ludogrec Razgrad wahrscheinlich sein letztes Spiel für seinen bisherigen Verein Dinamo Zagreb absolvierte. Spätestens in der kommenden Woche soll der 23-jährige Mittelfeldmann, den Arnesen vor einigen Jahren auch zum FC Chelsea holen wollte, einen Vertrag bis 2015 beim HSV unterschreiben. Darauf einigte sich Frank Arnesen mit Badelj-Berater Dejan Joksimovic, mit dem er befreundet ist.

Es wäre ein kleiner, wichtiger Schritt in die richtige Richtung. So sieht es auch mein Freund und Spielerscout, der mir schrieb: „Badelj ist ein guter Kicker, technisch fein, klarer 8ter bzw. zweiter 6er, ihm fehlt ein bisschen das Tempo, muss seine Torquote erhöhen, noch 20 – 30 Prozent Luft nach oben….“ Klingt doch gut. Obgleich dann noch immer ein Zehner fehlt. Zudem hoffe ich, dass Artjoms Rudnevs durchstartet. Denn ansonsten bräuchte der HSV auch ganz vorn noch Verstärkung. Aber dazu werde ich hoffentlich bald auch wieder Frank Arnesen sprechen.

In diesem Sinne, am Textende habe ich noch einen kleinen Hinweis auf eine groß angelegte Aktion der Chosen few. Eine gute Idee, wie ich finde! Bis morgen!

Scholle

TIPP:
Die „Chosen few“ planen zum Jubiläumsspiel eine besondere Choreographie und benötigen dafür die Hilfe der HSV-Fans. Aber schaut selbst: http://www.hsv.de/index.php?id=8692

Rajkovic sorgt für Wirbel – aber der HSV verpasst eine Chance

18. Juli 2012

Ich habe kurz überlegt, ob ich heute noch einen Blog reinstelle. Und so gern ich nach dieser langen (oder kurzen – wie man es sieht) Nacht einfach Mittagsschlaf gehalten und die Füße hoch gelegt hätte, es geht einfach nicht. Natürlich nicht. Denn die causa Rajkovic sorgt für Wirbel. Angesichts der mehr als deutlichen Aussagen des Innenverteidigers ist das wenig bis gar nicht überraschend. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Diskussion zumindest hier im Blog zu einem (glücklicherweise immer kleiner werdenden) Teil noch in die falsche Richtung geht. Denn es geht bei den Aussagen Rajkovics ganz sicher nicht um die Frage, ob man so ein Interview hier reinstellen darf oder nicht.

DAS geht leider am Ziel vorbei. Zumal von denen, die mich vor ein paar Tagen noch fragten, warum ich Vorstandsboss Carl Jarchow nicht ausreichend unbequemen Fragen gestellt habe. Mal ehrlich, hätte ich Rajkovic sagen sollen, dass er seine Gedanken für sich behält und sie nicht äußern darf? Abgesehen davon, dass sich ein erwachsener Mann wie Rajkovic („Ich habe nichts gesagt, was ich dem Trainer so nicht schon persönlich gesagt habe“) so was niemals verbieten lassen würde – mit welchem Recht bitteschön? Bin ich sein Vater oder sonst jemand, der ihn maßregeln darf? Mit Sicherheit nicht. Und das gilt sicher für uns alle.

Also käme es mir auch nie in den Sinn, mich derart wichtig zu machen und anmaßend zu werden. Stattdessen habe ich offen und mehrfach mit ihm über die Tragweite seiner Aussagen gesprochen. Ich habe ihm erklärt, welche Wirkung das medial haben würde – für ihn, fpür die Mannschaft und en Verein.

Und weil es immer wieder gefragt wird: Dieter und ich sind nicht dafür verantwortlich, beim HSV für Ruhe oder für Ärger zu sorgen. Dieter und ich sind dafür da, Euch möglichst detailliert Einblicke in die Geschehnisse in und rund um den HSV zu geben. Diese garnieren wir mit persönlichen Eindrücken und Meinungen. Wir sind – und diesen Satz habe ich wahrscheinlich so oft wie keinen zweiten hier geschrieben – hier nicht als Fans unterwegs, sondern als Berichterstatter. Und dazu zählen neben den schönen Toren, Siegen und Toptransfers eben auch die Dinge, die nicht gut und vielleicht auch mal richtig unbequem sind. Denn: am wenigsten wäre uns allen gedient, wenn Kritik rund um den HSV konsequent ausgeblendet würde…

Das nur als Erklärung für die, die gefragt haben.

Dass meine Blogs nicht allen gefallen, weiß ich. Das ist völlig normal, und für mich ist das auch völlig okay. Ich nehme Kritik an, sofern sie sachlich vorgetragen ist, kann sie nur helfen. Denn: Jeder hat das Recht seine Meinung zu äußern. Und das gilt für Euch – ebenso wie für Rajkovic.

Aber genug von uns, wichtig ist und bleibt der HSV. Und der hat ein Problem. Das ist zumindest die Lehre, die ich aus dem Interview ziehe. Denn ich hatte sehr wohl das Gefühl, dass mir ein Spieler gegenüber sitzt, der sicherlich tief enttäuscht und sogar gekränkt war. Immerhin hatte er gerade auf diskutable Art zu verstehen bekommen, dass er nicht mehr erwünscht ist. Ganz klar. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass Rajkovic etwas dazu dichtete. Er schilderte alles so, wie er es für sich empfunden hat. Ob das immer der Wirklichkeit entspricht – ich vermag es nicht abschließend beurteilen. Zumal ich noch keine Reaktion von Trainer Thorsten Fink bekommen habe. Im Gegenteil: Der HSV-Coach lehnte jeden Kommentar zum Thema Rajkovic ab und erklärte nur kurz: „Dazu äußere ich mich nicht. Ich konzentriere mich auf die Arbeit mit den Spielern, damit alle fit sind für die Saison.“ Zu Rajkovics Vorwürfen schwieg Fink. Er sagte nur: „Ansonsten ist die Stimmung in der Mannschaft gut.“

Allerdings muss ich an diesem Punkt einhaken. Auch wenn ich nur ein kleiner (nicht kurzer) Amateurfußballer war, Teamgeist ist eigentlich überall gleich. Dass der im Profitum bei all den Ich-AGs immer weniger ausgeprägt ist – okay. Hier retten sich viele Mannschaften dann über ihre individuelle Qualität. Aber wenn die nicht ausreicht, und das war in der vergangenen Saison beim HSV nachweislich der Fall, dann ist er extrem wichtig. Und beim HSV scheint es genau hier noch eine Menge Nachholbedarf zu geben. Das sagt Rajkovic – aber das ist allen eigentlich schon seit Monaten und Jahren bekannt. Immer wieder haben die verantwortlichen Trainer eine fehlende Hierarchie bemängelt. Auch Fink. Und obgleich er es ganz sicher nicht beabsichtigte, als er Rajkovic suspendierte, er lieferte der Mannschaft den Steilpass und die Möglichkeit, um endlich in sich zu wachsen. Glaube ich. Denn meiner Meinung nach hätte die Mannschaft in Person des Kapitäns oder auch des Mannschaftsrates schlichtend eingreifen können. Sie hätte es zumindest versuchen müssen, immerhin betrifft der Vorfall sie direkt. Ob das intern oder öffentlich passiert, ist mir dabei ziemlich egal.

Die Mannschaft hätte sich hinter ihren Spieler stellen können und beim Trainer um Amnestie bitten können. Oder sie hätte sagen können, dass sie geschlossen zum Rauswurf ihres Kollegen steht, wenn sie Rajkovic als Störfaktor wahrgenommen hätte. Es wäre ihr gutes Recht gewesen – aber vor allem hätte sie reagiert und damit endlich mal gezeigt, dass sie ein Eigenleben hat, dass sie eine eigene Meinung hat und dass sie zusammenhält. Gerade in derartigen Extremsituationen wachsen Banden.

Verpasst.

Anstatt Stellung zu beziehen, lässt sich die Mannschaft mal wieder von oben alles vorkauen und nickt es wortlos ab. Wobei – bitte nicht falsch verstehen – ich fordere hier keine Revolte. Ganz im Gegenteil: Ich hoffe, dass die Mannschaft endlich nachhaltigen Zusammenhalt entwickelt. Denn in dieser Form scheint mir das kein gesundes Miteinander zu sein.

Gleiches gilt übrigens für die sportliche Leitung. Vor einigen Wochen hatte ich an dieser Stelle geschrieben, dass sich Fink und Arnesen in Sachen Transferpolitik offenbar nicht wirklich einig sind. Und jetzt das. Da sitzen Fink und Jarchow mit Rajkovic zusammen und suspendieren ihn, ohne das mit dem Sportchef abzustimmen, der eigentlich als höchste Instanz im sportlichen Bereich zu sehen ist. Ein Vorgang, der in der Hoffmann-Ära für hellste Aufregung gesorgt hätte. Und daher ist es auch kein Wunder, dass Arnesen versuchte, das Unmögliche möglich zu machen, als er sagte, er würde den Fall Rajkovic noch mal ausführlich mit dem Trainer besprechen, bevor es dort ein endgültiges Urteil geben wird.

Nein, so gut Milan Badelj (noch ist kein Vollzug gemeldet) auch zum HSV passen soll, im Moment macht sich der HSV intern Baustellen auf, die es utopisch machen, externe Baustellen optimal zu bearbeiten. Und das bereitet mir Sorgen. Denn dieser HSV ist in meinen Augen nominell nicht besser als in der Vorsaison, als man mit viel Mühe und einer Portion Glück die Klasse hielt. Dass Trainer Fink sich hinstellt und offen von einem Platz sechs bis acht spricht, hat mich dabei ein wenig verwirrt. Allerdings ließ es mich zunächst hoffen, dass er mehr weiß und in den nächsten Tagen Spieler dazustoßen, die ein solches Ziel realistisch erscheinen lassen.

Das hätte was. Denn ganz ehrlich, so langsam wird es mal wieder Zeit, dass der HSV positive Schlagzeilen macht. Bis zum 31. August bleibt den Verantwortlichen noch Zeit, hier einiges zu verändern. Hoffen wir darauf.

Zum Personal: Heute ist in Sachen Töre bislang noch nichts passiert. Dennoch hofft Arnesen, der seine Reise nach Südkorea inzwischen storniert hat, weiter darauf, den Linksfuß möglichst schnell abgeben zu können, um so Gelder für Wunschspieler Milan Badelj (Dinamo Zagreb) frei zu bekommen. Denn bei Slobodan Rajkovic darf der Däne („Es ist nicht zu tolerieren, dass Slobodan fünf Tage nach eigenem krassen Fehlverhalten unabgestimmt mit dem Verein solche Aussagen macht.“) wohl nicht mehr auf hohe Einnahmen hoffen. Auch wenn der HSV dem suspendierten neben Einzeltraining auch eine Geldstrafe im hohen fünfstelligen Bereich aufdrückte.

Wobei, es gibt auch erfreulichere Themen. Zum Beispiel die bevorstehende Kooperation und den Spatenstich für die Asia Football-Academy in Suwon, die bis 2014 für rund 20 Millionen Euro fertiggestellt werden soll und von Heung Min Sons Vater geleitet wird. Zudem gewann der HSV seinen ersten Test in Südkorea gegen die zweite Mannschaft vom FC Suwon mit 6:0 (3:0). Mit Cotrainer Frank „Funny“ Heinemann als Schiedsrichter, da das eigentlich vorgesehene Gespann mit Verspätung eintraf. Trainer Thorsten Fink war zufrieden: „Das war ein guter Auftakt“, so der Coach.

Statistik:
HSV Halbzeit 1: Mickel – Lam, Bruma, Mancienne, Aogo – Westermann, Skjelbred – Beister, Tesche
Ilicevic – Rudnevs.
Halbzeit 2: Mickel – Diekmeier, Besic, Steinmann, Jansen – Norgaard, Sala –Töre, Arslan, Son – Berg. Tore: 1:0 Rudnevs (21.), 2:0 Iicevic (35.), 3:0 Tesche (45.), 4:0 Arslan (87.), 5:0, 6:0 Son (89., 90.).

In diesem Sinne, bis morgen! Ich bin müde.

Scholle

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »