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Maxi läuft – und Bayer 04 ist nicht ernst zu nehmen

23. Juni 2014

Es ist ein gutes Zeichen, wenn sich auf einen Blogbeitrag wie dem gestrigen von Lars, so viele Leute melden. Mit unterschiedlichen Meinungen wohlgemerkt, aber in einem sind sich alle einig: Es geht um den Inhalt. Keine Polemik mehr, kein Opfer und kein Feind – einfach nur der HSV zählt. Dass es dabei Unterschiede unter uns allen gibt, wie wir uns den Weg optimal vorstellen – das stört keinen. Im Gegenteil: Wenn man sich aus allem das Beste herauszieht, sind solche Diskussionen sogar sehr förderlich und gesund. Womit ich mir den Übergang selbst schwer gemacht habe. Denn ich wollte kurz über den alten Aufsichtsrat berichten, der sich heute Abend ein letztes Mal zusammensetzt, bevor ab dem 1. Juli das neue AG-Gremium rund um den wohltuend ruhiger gewordenen Wortführer und Vorsitzenden Karl Gernandt eingreift.

Dann mit Dietmar Beiersdorfer als ersten Vorsitzenden. Einen verschnupften Vorstandsboss wohlgemerkt. Zum einen haben dem designierten HSV-Boss die offensiven Vorstöße Klaus Michael Kühnes und Calhanoglus Wechseläußerungen wenig bis gar nicht gefallen. Zum anderen ist er tatsächlich etwas heftiger erkältet, was seiner Arbeitswut aber keinen Abbruch tut. Im Gegenteil. Der einstige Sportchef, der den sportlichen Bereich in näherer Zukunft zunächst mit Kreuzer und Trainer Mirko Slomka gestalten wird, muss Spieler loswerden und Neue holen. In jeden Transfer ist er komplett involviert. Auch bei Pierre Michel Lasogga.

Und da haben die Hamburger vorgelegt. Im wahrsten Sinne. Hertha BSC hat ein Angebot aus Hamburg vorliegen, das eine Ablösesumme von rund sechs Millionen Euro inklusive Erfolgsprämien vorsieht. Angesichts des von Preetz formulierten Wunsches (mindestens zehn Millionen) ein albern wirkendes Angebot. Aber eben auch nicht mehr als eine Verhandlungsbasis. Letztlich sollten sich beide Seiten auf halbem Wege treffen und alles in allem rund acht Millionen Euro die Kontoseiten wechseln.

Wie die finanziert werden, ist noch fraglich. Dass es rein aus Eigenmitteln nicht funktionieren kann, ist ein offenes Geheimnis bei mehr als 100 Millionen Euro Schulden. Die Frage, die sich stellt, ist vielmehr: Inwieweit will Kühne mit finanziellen Mitteln helfen. Und: Inwieweit will der HSV das in Anspruch nehmen?

Klar ist auf jeden Fall, dass zwischen dem Willen zum absoluten Neuanfang und den Möglichkeiten dafür eine monströse Lücke klafft. Diese Desillusion musste auch Beiersdorfer unlängst erkennen. Einen kompletten Umbruch kann sich der HSV personell und dadurch auch finanziell nicht erlauben. Und er will es auch nicht. Deshalb stellte Beiersdorfer klar: Das Trainerteam bleibt bestehen, Kreuzer voraussichtlich (ein finales Gespräch soll noch folgen) im Amt, Hilke zweiter Mann hinter Beiersdorfer, Jarchow nominell Vorstandsmitglied – und Hakan Calhanoglu bleibt in Hamburg. Diese Marschroute gilt weiterhin, wobei Kühnes Drohung, er würde sich sofort zurückziehen, sobald Calhanoglu verkauft wird, nicht ausschlaggebend ist.

Ebenso wenig wie die Aussage von Bayer-Geschäftsführer Schade. Der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow habe ihm schriftlich mitgeteilt, dass sein Verein den 20 Jahre alten Mittelfeldspieler nicht gehen lassen will. Woraufhin Schade, dessen Name von Kommentar zu Kommentar immer mehr zum Programm wird, der Deutschen Presse Agentur (dpa) sagte: „Ich habe das akzeptiert. Der Mann hat ja einen Vertrag.“ Allerdings bleibe Bayer weiter interessiert: „Wenn sich die Umstände ändern sollten, können wir über das Thema noch einmal reden. Wir haben dem HSV ein Angebot gemacht. Wir wollen den Spieler, und der Spieler will zu uns.“

Schade.

Schade ist vor allem, dass selbst in diesem so respektvoll formulierten Statement nichts Wahres steckt – außer im letzten Satz. Dieses Geheuchel des Bayer-Geschäftsführers soll nur die Rolle des Bösewichtes von Bayer ablenken – was bei mir null funktioniert. Noch immer ist die Rolle des Werksklubs mit meinem einstigen Helden Rudi Völler höchst zweifelhaft und inzwischen auch von den Instanzen des DFB zu überprüfen. Dass man einem gerade 20-Jährigen mit einer Vervielfachung (250000 statt wie hier 80000 Im Monat) seiner HSV-Bezüge den Kopf verdreht, ist klar. Zumal dann, wenn der – überhaupt nicht böse gemeint – zweifellos eher naive, einfache Spieler einen Berater hat, der einem Gökhan Töre als damals knapp ebenfalls gerade erst 20-Jährigen empfahl, Russland sei er richtige Karriere-Schritt für ihn…

Nein, Calhanoglu ist massiv schlecht beraten und Bayer spielt eine dreckige Rolle, wie sie in der Bundesliga nur allzu üblich zu werden scheint.

Selbst der HSV ist im Fall Ostrzoelk nicht freizusprechen von jeglichem Vorwurf. Wobei sich die Situation zwischen den Vereinen nicht so zugespitzt hat, da Augsburg sich an sein Wort halten will, das dem Spieler im vergangenen Sommer gemacht wurde. Damals hieß es, bei einem passenden Angebot würde man den Linksverteidiger ziehen lassen. Und sollten die weit vorangeschrittenen Verhandlungen einen normalen Verlauf haben, dürfte Ostrzolek schon in der kommenden Woche beim HSV auf dem Platz stehen. Als Konkurrenz von Marcell Jansen, der mir am Sonnabend als Gast von “Matz ab live” imponiert hat. Während des Spiels haben wir uns (zusammen mit Lars und Tolgay) durchgehend über Fußball, die Nationalelf sowie den HSV unterhalten und dabei viele Ansichten von Marcell zu hören bekommen, die er nicht öffentlich macht, weil er es anmaßend findet. Leider.


Und noch leiderer (ich weiß, dass es das Wort nicht gibt…) konnte ich ihn nicht überreden, es doch zu machen, daher nur so viel: Marcell hat viele, viele Missstände im Verein und in der Mannschaft erkannt und sogar höchst interessante Lösungsansätze parat. Er beschäftigt sich mit dem HSV. Ebenso wie mit sich. Denn auch sich selbst hat er kritisch betrachtet und angekündigt, mehr machen zu müssen und machen zu wollen. Sollte sich diese Art der Auseinandersetzung mit der Krise beim HSV bis in die obersten Gremien durchsetzen – es wäre sensationell. Aber leider schon fast unglaublich. Fast so wie Schades Aussagen…

Viel Neues ist heute auch in Glücksburg im Trainingslager nicht passiert. Außer, dass Trainer Mirko Slomka seine Jungs nach dem Auftaktsieg gestern wieder hart rangenommen hat. Waren am Vormittag noch Spielformen mit im Programm, gab es am Nachmittag einen ordentlichen Kraft- und Ausdauerzirkel. „Dass wir es brauchen, haben wir in der vergangenen Saison ja gezeigt“, hatte Arslan am Sonnabend selbst zugegeben und dabei nicht besonders glücklich ausgesehen. Denn er weiß, dass es die vielleicht anstrengendste Vorbereitung seiner Karriere wird.

In diesem Sinne, sollte ich heute Abend noch etwas erfahren in Sachen Transferverhandlungen, melde ich mich natürlich noch mal. Ansonsten wünsche ich Euch einen so unaufgeregten Abend wie der Tag beim HSV war. Allerdings garniert mit vielen spannenden WM-Spielen. Und einer tollen Nachricht zum Schluss: Maxi Beister konnte heute das erste Mal seit seiner Kreuzband-Operation im Januar wieder draußen Joggen gehen. Ein weiterer, kleiner Schritt auf dem Weg zum Comeback.

In diesem Sinne: Maxi und Euch allen alles Gute. Bis morgen.
Scholle

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