Archiv für das Tag 'Töre'

“Jeder muss sein Duell gewinnen wollen!”

3. Mai 2013

„In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um zehn Uhr trainiert und es sollen alle Feldspieler bis auf Marcus Berg dabei sein können. Dieter wird ebenfalls dort sein und Euch an gewohnter Stelle berichten.“

So endete „Scholle“ gestern. Aber so schön, wie er es angedacht hat, wurde es dann doch nicht. Gleich zwei HSV-Profis fehlten heute beim „Kurkonzert“. Marcell Jansen hat sich nun noch eine Magen- und Darm-Grippe zugelegt, Ende offen. Ich meine damit, dass sein Einsatz am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg, im vorletzten Heimspiel der Saison, doch fraglich ist. Und zudem hat sich Michael Mancienne Oberschenkel-Probleme eingefangen, er setzte deswegen heute aus – und wir auch beim nicht-öffentlichen Abschlusstraining am Sonnabend fehlen – und damit auf gegen die „Wölfe“ am Sonntag. Ich lasse mir da keine Hintertür offen, Mancienne wird ausfallen – Ende. Für ihn kommt Slobodan Rajkovic in die Mannschaft, und wenn ich Trainer Thorsten Fink richtig interpretiere, dann hatte er das ohnehin so geplant. Weil der Coach einen rustikalen Abräumer braucht. Und das war Mancienne zuletzt nicht, der Engländer war eher genau das Gegenteil eines Abräumers. Wobei ich jedem User, der nun genau dieses Gegenteil suchen wird, selbst überlasse, wo er mit dieser Suche endet . . .

Thorsten Fink sagte in Sachen Innenverteidigung: „Ich hatte schon in dieser Woche überlegt, ob ich Slobo spielen lassen werde – von der Aggressivität her.“ Sollte Jansen auch nicht spielen können, so wäre Zhi Gin Lam sein Ersatzmann – und nicht Dennis Aogo. Der ehemalige Linksverteidiger der deutschen Nationalmannschaft wird so oder so (diesmal) Nur auf der Bank sitzen. Erklärung von Fink, warum er Aogo nicht als Linksverteidiger bringen wird: „Dennis hat es in seinem letzten Spiel als Linksverteidiger, das war das Spiel gegen die Bayern, nicht so angenommen – finde ich. Von der Ausstrahlung her.“

Das wird nicht die einzige Änderung sein, die Thorsten Fink vornehmen wird – gegenüber dem mageren 1:4-Auftritt in Gelsenkirchen. Petr Jiracek wird im rechten Mittelfeld auflaufen Heung Min Son links. Vorne wird Artjoms Rudnevs einzige Spitze sein, und auf der „Doppel-Sechs“ werden sich Tolgay Arslan und der wieder genesene Milan Badelj (trainierte heute ohne Pause und ohne Beschwerden mit) versuchen. Auf geht’s, Buam.
Jiracek soll deswegen rechts spielen, weil er sich so besser um Wolfsburgs Diego kümmern kann, denn der kommt vorzugsweise über links und zeiht dann zur Mitte – das könnte Jiracek als Linksfuß dann bestens „begleiten“.

Vom heutigen Training nur zwei Dinge. Beim abschließenden Schießen auf die „Hütte“ von (abwechselnd) Rene Adler und Sven Neuhaus schoss Rafael van der Vaart das schönste (Traum-)Tor – der Niederländer hob danach beide Arme gen Himmel und sucht mit seinen Augen dort oben jenen Herrn, der ihm bei diesem Schuss so trefflich half. Gleich am Anfang war aber die Szene, die mich am meisten begeistert hat: Beim Kreisspiel (fünf gegen zwei) wurden Jacopo Sala (er gleich zweimal) und Jaroslav Drobny getunnelt. Nach dem dritten Tunnel brachen alle Spieler in ein wahres Indianergeheul aus, alle lachten. Drobny (als „Geschädigter“) und Jeffrey Bruma hielt es nicht mehr auf den Beinen, beide kippten vor Freude aus den Latschen und wälzten sich vor Lachen auf dem Boden herum. Welch eine Szenerie! Und nicht auszudenken, wenn die Stimmung auch noch am Sonntag um 19.25 Uhr so herrlich ungezwungen und toll wäre. Jetzt sind alle Hamburger gefordert.

Von der Ausgangsposition her könnte es ein heißes Spiel geben. Ohnehin gibt es gegen Wolfsburg immer ein schwer und hart umkämpftes Match. Und oft genug haben die „Wölfe“ dem HSV schon (auch in Hamburg) ganz kräftig in die Suppe gespuckt. Ich sprach heute mit einem Mann, der beide Seiten schon erlebt hat, der sowohl in Hamburg als auch in Wolfsburg Publikumsliebling war (und ist): Roy Präger. Der frühere Wirbelwind wird nicht beim Spiel sein, er ist mit der Jugend-Fußballschule des VfL beschäftigt. Präger über seine Erwartungen für Sonntag: „Es wird sicher ein packendes Derby, wie immer, wenn der HSV und der VfL aufeinanderprallen. Die Voraussetzungen für ein intensives und spannendes Spiel sind gegeben, denn der HSV muss gewinnen, und der VfL, der in meinen Augen auch noch eine Minimal-Chance auf Europa hat, auch. Beide müssen Gas geben, und das kann und wird nur zum Wohle aller Fans sein. Auf einen Tipp möchte ich mich nicht festlegen, aber der VfL ist ja bekanntlich sehr auswärtsstark – es wird nicht leicht für den HSV.“

Das weiß auch Frank Arnesen. Der Sportchef: Wir stehen vor drei Finals, Wolfsburg ist das erste davon. Wir spielen zu Hause, wir müssen auch zeigen, dass wir zu Hause spielen – gegen Düsseldorf zuletzt ist es uns gelungen, denn wir haben gewonnen. Gegen den VfL müssen wir dieselbe Einstellung auf den Platz bringen, wie in der ersten halben Stunde gegen Düsseldorf.“ Der Däne war gestern Gast beim Training, war auch heute dabei und unterhielt sich lange Zeit mit Thorsten Fink. Über die Lage sagte Arnesen: „Zwei Tage vor einem Spiel ging es heute recht locker zu, es wurde viel gelacht – so muss es auch sein. Man muss entspannt sein, und ab Sonnabend wird sich dann konzentriert, dann kommt die Spannung bei den Spielern. Erst die Freude, und dann alle Energie für diese 90 Minuten. Ich will eine HSV-Mannschaft sehen, die diszipliniert spielt, die konzentriert spielt, und in der jeder Spieler seine Duelle gewinnen will. Jeder muss jedes Duell gewinnen wollen, das will ich sehen.“

Das HSV-Team wird am Sonntag nicht nur körperlich gefordert sein, sondern auch mental. Immerhin geht es um – wahrscheinlich – die letzte Chance, das Ticket nach Europa zu lösen. Es ist also auch eine Frage des Kopfes. Frank Arnesen ist davor nicht bange: „Die Mannschaft hat es im vergangenen Jahr, als es gegen den Abstieg ging, gezeigt, dass sie dass kann, dass sie damit umgehen kann. Sie ist damals damit sehr gut umgegangen, deswegen sehe ich diesbezüglich keinerlei Probleme.“ So sehen es wahrscheinlich auch die meisten HSV-Fans. Die lagen am vergangenen Wochenende, nach dem 1:4-Debakel auf Schalke, alle am Boden, die meisten davon sind auch erst am Mittwoch oder Donnerstag erst wieder aufgestanden – aber nun sind sie auch wieder da. Voll da. Sieg gegen Wolfsburg, davon waren heute so viele Trainingskiebitze überzeugt – restlos überzeugt.

Ist es nicht phänomenal, wie schnell die HSV-Fans doch vergessen können? Spätestens am Freitag ist alles wieder gut, dann ist selbst ie größte Wunde wieder verheilt – dann beginnt die Zeit der Träume. „HSV-Sieg“ – es gibt ja gar nichts anderes. Arnesen lacht: „Solche Einstellung ist auch genau die richtige, solche Einstellung muss es auch bei jedem unserer Spieler geben. Die müssen auch sagen, dass sie Wolfsburg weghauen, ganz klar – wir spielen zu Hause, wir haben noch etwas aufzuholen. Natürlich wissen wir, dass Wolfsburg die drittbeste Auswärtsmannschaft ist, dass der VfL jetzt schon lange nicht mehr verloren hat, aber wir müssen auf uns selbst gucken. Wir haben in dieser Saison schon gute Spiele zu Hause angeliefert, weitaus bessere als in der Spielzeit davor, und deswegen gilt es für uns nun, diese Reihe der guten Spiele fortzusetzen.“

Die hat es, um ein wenig Wasser in den Wein zu kippen, sicherlich gegeben. Aber es gab auch Spiele wie die gegen Fürth, Augsburg und Freiburg, die waren dann doch nicht ganz so geglückt. Daran sollten sich die HSV-Spieler dann doch besser nicht orientieren. Ich wollte wissen, ob auch Frank Arnesen vorher noch mit der Mannschaft sprechen wird, aber er sagt: „Ich spreche mit dem Trainer, der Trainer spricht mit der Mannschaft. Ich habe viel Vertrauen zu Thorsten Fink. Wir haben nach dem Schalke-Spiel gesprochen, das ist jetzt aber abgehakt, es geht weiter – und jetzt sind die Spieler wieder gefragt. Jeder weiß, um was es geht.“

Ein anderes Thema schwebt in diesen Tagen und Wochen stets über dem Sportchef: Spielerverkäufe. Erst muss verkauft werden, bevor eingekauft werden kann. Wie weit sind die Verkäufe gediehen? Arnesen: „Da ist noch nichts passiert. Das ist auch völlig normal, denn das Geschäft fängt im Juni an, nachdem die Saison beendet worden ist. Aber trotz allem rede ich jetzt schon viel, ich rede mit Beratern und auch mit Spielern, die zu uns kommen wollen. Aber meine Hauptaufgabe ist erst einmal die, zu verkaufen. Das wissen wir. Und wir wollen die Spieler behalten, die uns weiterbringen sollen.“ So war die Situation ja auch schon vor einem Jahr. Arnesen erinnert sich: „Damals musste ich auch verkaufen, um dann Rene Adler, Artjoms Rudnevs und Milan Badelj holen zu können, und ich habe verkauft. Gökhan Töre und Paolo Guerrero waren das. Im Winter aber war das sehr schwer denn jeder weiß, dass die Ein- und Verkäufe zu 90 Prozent im Sommer stattfinden.“

Immerhin wissen die Verantwortlichen des HSV, dass sie etwas tun müssen – bezüglich der kommenden Saison. Frank Arnesen: „Ich rede viel mit Thorsten Fink, wir sind uns einige darüber, dass wir Verstärkungen brauchen. Aber wir werden darüber erst offensiv werden, wenn die Saison beendet ist. Erst kommen die drei letzten Spiele, und wenn die absolviert worden sind, dann reden wir mit den Spielern. So oder so.“ Der HSV sucht, das ist ja schon durchgesickert, einen Innenverteidiger und einen großen Stürmer. Mindestens.

Spieler, die beim HSV bleiben – oder auch gehen müssen – die werden im Moment von Frank Arnesen bearbeitet. Jaroslav Drobny gehört dazu. Arnesen: „Ich bin ganz positiv, aber leicht wird es nicht. Denn Drobo, der gemeinsam mit seinem Berater mit mir ganz offen spricht, hat einige gute Angebote von Clubs, bei denen er als Nummer eins spielen könnte.“ Es geht auch um Dennis Diekmeier, der wohl bleiben dürfte, und es geht im Tomas Rincon, der noch ein Jahr Vertrag hätte. Beste Voraussetzung, um den HSV in diesem Sommer zu verlassen denn dann kassiert der Club noch Ablöse. Arnesen: „Tomas ist ein hervorragender Junge.“ Stimmt. Aber das zeigt er regelmäßig nur in seiner Nationalmannschaft, nicht so sehr beim HSV. Weil er so konstant ja auch selten einmal spielen durfte. Es geht auch um Sven Neuhaus. Das wurde ja zuletzt schon als fast perfekt gemeldet, und da ist es wohl auch. Es sollen nur noch Nuancen fehlen – und dann die beiden Unterschriften. Arnesen: „Es sieht in diesem Fall sehr gut aus, wir sind uns zu 99 Prozent einig.“

Klingt gut. Neuhaus ist ein Super-Typ, der bestens zum HSV passt. Und zu allen anderen „Patienten“: Gut Ding will Weile haben.

Zunächst aber geht es ja auch nur um die drei letzten Bundesliga-Spiele: Wolfsburg, Hoffenheim, Leverkusen. Und dann wird ein Schlussstrich gezogen und abgerechnet. Aber auch erst dann.

PS: Schnell mal wieder in eigener Sache. Wir sind am Sonntag unmittelbar nach dem Schlusspfiff wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung, unsere Gäste werden diesmal das HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel und der frühere HSV-Profi Tobias Homp sein – ich freue mich schon sehr auf die beiden Herren. Und ihr seid hoffentlich wieder bei und mit uns, es würde uns auf jeden Fall freudig stimmen. Ein schönes Wochenende für euch und eure Lieben.

PSPS: Das HSV-Abschlusstraining am Sonnabend ist nicht öffentlich.

17.53 Uhr

“Die Nummer eins im Norden sind wir!”

24. Januar 2013

„Artjoms Rudnevs hat keine Angst. Er springt positiv brutal in den Ball.“
Diese Aussage von HSV-Trainer Thorsten Fink, der über die Vorzüge seines lettischen Stürmers sprach, wurde von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zum Spruch des Tages gewählt.

Hoffentlich springt der gute „Rudi“ auch am Sonntag wieder „positiv brutal“ und zugleich erfolgreich in den Ball – und macht mindestens ein Tor. Vielleicht sogar das Siegtor!? Wäre nicht ganz unwichtig, denn es geht ja im Nordderby gegen den ewigen Rivalen von der Weser. Und darum, wer die Nummer eins im Norden wird und ist. Noch ist es, wenn man mal ganz relaxt auf die Tabelle blickt, der HSV. „Die Nummer eins im Norden sind wir!“ Auch wenn es noch natürlich sehr eng ist, aber das kann sich an diesem Wochenende ja schon ändern. In Hannover spielen sie gegen Wolfsburg unentschieden, und der HSV gewinnt – das wäre doch schon mal eine Hausnummer.

Die Voraussetzungen sind gut – für den HSV. Werder dürfte noch damit zu tun haben, die 0:5-Klatsche gegen Dortmund zu verdauen, und der HSV hat mit einer erstklassigen (oder auch nur guten) Leistung in der zweiten Halbzeit in Nürnberg bewiesen, dass er weiß, worum es geht. Und auch wie es geht. Da zudem bis auf Michael Mancienne personell aus dem Vollen geschöpft werden kann, stünde einem ersten Sieg des HSV über die Bremer kaum etwas im Wege. Und Thorsten Fink, der als Hamburger bislang drei Anläufe nahm, gegen Werder zu gewinnen, aber jedes Mal verlor, sehnt sich – ebenso wie Sportchef Frank Arnesen – nach einem HSV-Dreier gegen Werder.

„Ich will dieses Spiel am Sonntag auf jeden Fall gewinnen, weil ich endlich auch mal dieses Derby gewinnen möchte. Es geht ja auch darum, dass wir uns nach oben weiter festsetzen können, dass wir Bremen auf Distanz halten – und wir die ganze Region ist es auch wichtig, dass man dieses Heimspiel gewinnt. Und wir sind in letzter zeit ja sehr heimstark . . .“ Fink sagte weiter: „Wir haben zudem keine personellen Probleme, den Ausfall von Mancienne werden wir verkraften können, denn wir haben gute Leute dahinter.“ So wie Jeffrey Bruma, der in Nürnberg für Mancienne gekommen ist und seine Sache auch gut machte. Bruma gibt mir, vielleicht ja nicht nur mir, Rätsel in der Art auf, dass er eigentlich alle und auch allerbeste Voraussetzungen hätte, Stammspieler als Innenverteidiger des HSV zu sein. Bislang hat er das nicht geschafft, weil da in meinen Augen immer ein „kleiner Tick“ fehlte.

Und zwar in Sachen Engagement. Bruma versucht es immer auf die coole Art, zu cool für mich. Wenn er mehr Herz zeigen würde, wenn er deutlich mehr für die Mannschaft (und die Gemeinschaft) geben würde, dann wäre er aus der Mannschaft nicht zu verdrängen. Weil er eigentlich alles kann. Wenn ihm das (alles) einmal jemand unter vier Augen erzählen würde, damit er sich dann zu seinem Vorteil verändern würde, dann wäre der HSV (und auch Jeffrey Bruma) sicherlich einen großen Schritt weiter. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Bruma auf den Spuren von Gökhan Töre weilt. Auch in diesem deutsch-türkischen Fall droht ein großes Talent seine rosige Zukunft leichtfertig zu verschleudern. Aber vielleicht wacht Bruma ja auch genau jetzt, wo er eine erneute Chance der Bewährung erhält, endlich einmal auf – und zeigt alles, was er kann. Und lässt eben genau jene kleine Unkonzentriertheit weg, die er fast immer mal in einem Spiel gezeigt hat.

Thorsten Fink sagt, dass er in Richtung Sonntag keine große Veranlassung hat, die Mannschaft groß umzukrempeln. Das ist sicherlich auch richtig so. Eine Frage aber wird der Trainer noch zu beantworten haben: Tolgay Arslan oder Per Ciljan Skjelbred? Arslan wurde in Nürnberg, weil er gelb-rot-gefährdet war, in der 38 Minute vom Rasen genommen. Eine Vorsichtsmaßnahme. Skjelbred kam und machte seine Sache auf Anhieb nicht nur gut, sondern auch ein wenig besser als Arslan. Noch aber hat der Deutsch-Türke einen kleinen Bonus, einen (hauchdünnen?) Vorsprung gegenüber dem Norweger. Den hat sich Arslan durch gute und sehr gute Leistungen in der Hinrunde erarbeitet. Und es ehrt Fink, wenn er deshalb an dem Mittelfeld-Talent festhält. Noch. Ich glaube ja, dass Arslan gegen Werder von Beginn an spielen wird – doch der Druck wird nicht klein sein für ihn. Skjelbred wird auf der Bank sitzen und auch seinen Einsatz warten – ja, er wird brennen. Thorsten Fink zur Problematik Arslan/Skjelbred: „Per ist drauf und dran, in die Mannschaft zu kommen, aber ich überlege noch, ob ich das schon am Wochenende machen werde – weil Tolgay sich in der Hinrunde sicherlich einiges Gutes erspielt hat. Und wir brauchen ihn, gerade auch dann, wenn Rafael van der Vaart einmal ausfallen sollte. Ich schaue mal, will mich aber noch nicht festlegen“

Wobei Arslan natürlich auch ein wenig in der Zwickmühle steckt. Die beständig guten Leistungen, auf die der Coach jetzt verweist, die hat er – zur Überraschung vieler Experten (auch für mich!) – auf der „Sechs“ gezeigt. Da aber spielt längst Milan Badelj, sodass Arslan nun „rechtsdraußen“ sein Glück versuchen muss. Unglückliche Geschichte, denn ich denke mal, dass das nicht unbedingt sein Spiel ist. Auf der Sechs, obwohl ich ihm das in dieser Form nicht zugetraut hatte, hat er das Spiel des Gegners teilweise mit Auge, teilweise auch recht aggressiv zerstört. Arsan sah dabei das Spiel auf sich zukommen, eroberte den Ball und wusste zugleich bestens, wie er den Spielaufbau in die richtigen Bahnen lenken konnte. Genau das hat ihn zentral (auf der „Sechs“) ausgezeichnet. Rechtsdraußen aber ist ein anderes Spiel. Das konnte er zwar einst ganz gut, aber die „Sechs“ konnte er in dieser Saison am besten. Da hatte er seine beste Phase beim HSV. Nun bleibt aber abzuwarten, wie sich das alles für ihn weiter entwickeln wird. Skjelbred sitzt ihm im Nacken, Arslan könnten den Atem des Norwegers spüren – ob das bei dieser ohnehin nicht so ganz glücklichen Konstellation förderlich für ein gutes und selbstbewusstes Spiel ist? Ich habe da meine Zweifel.

Viel wird natürlich auch davon abhängen, ob der HSV es diesmal schaffen wird, von Beginn an Leben zu zeigen. „Wir haben in der zweiten Halbzeit zwar ordentlich gespielt, trotzdem müssen wir lernen, von Anfang an das zu machen, was wir in Nürnberg im zweiten Durchgang gemacht haben. Wenn wir das begreifen, mit Spaß und Freude, trotzdem aber auch aggressiv zu spielen, dann wird die Mannschaft noch das eine oder andere Spiel gewinnen – und am Sonntag erst einmal das wichtigste Spiel für uns“, sagte Thorsten Fink. Trotz der 0:5-Pleite gegen Dortmund wird dieses Spiel nicht leicht für den HSV. Fink: „Das weiß doch jeder. Das wird nicht einfacher durch dieses 0:5. Wir müssen dem Gegner zeigen, dass wir gut drauf sind. Sind wir am Anfang aber zaghaft, dann wird Werder Selbstvertrauen aufbauen können – und dann wird es schwer. Werder hat mit Thomas Schaaf einen sehr erfahrenen Trainer, er wird seine Mannschaft sicherlich heiß machen – wir müssen es schaffen, heißer als Werder zu sein.“

Noch nicht mit von der Partie am Sonntag wird wohl Petr Jiracek sein. Der Tscheche trainiert erst seit einer Woche mit der Mannschaft und wird sich auch weiterhin in Geduld üben müssen. Fink: „Er ist weiter an die Mannschaft herangerückt, aber er braucht auch noch Spielpraxis. Er war ja lange verletzt. Aber er wird in Zukunft sicherlich noch ein wertvoller Spieler für uns, nur hat er ja auch große Konkurrenz bei uns im Mittelfeld. Und wenn er jetzt schon dabei wäre, wäre das gegenüber den anderen Spielern auch ein bisschen ungerecht, denn die haben alle gut trainiert und befinden sich auch in einer bessere Verfassung. Jira muss noch einige Trainingseinheiten absolvieren, um wieder in den Kader zu rutschen.“

Schade eigentlich.

Nach dem Heimspiel gegen Werder wartet bekanntlich eine Woche später Eintracht Frankfurt (am 2. Februar) im Volkspark als Gegner. Und danach geht es für viele Spieler auf Länderspiel-Reisen. Bislang sind sieben HSV-Spieler in dieser Zeit zu ihren Nationalmannschaften gerufen worden: Heung-Min Son soll mit Südkorea am 6. Februar gegen Kroatien spielen, Jeffrey Bruma trifft mit der niederländischen U-21-Mannschaft auf Kroatien, Tomas Rincon absolviert mit Venezuela vom 3. bis zum 7. Februar einen Lehrgang in Spanien, Jaroslav Drobny und Petr Jiracek sind vom tschechischen Nationaltrainer zum Spiel gegen die Türkei (6. Februar) eingeladen worden, Christian Nörgaard spielt mit Dänemarks U 19 am 5. Februar gegen England, und der derzeit verletzte Jacopo Sala ist für Italiens U 21 gegen Deutschland (6. Februar) vorgesehen.

Und am 6. Februar wird die deutsche Nationalmannschaft zudem ein Freundschaftsländerspiel in Paris gegen Frankreich bestreiten, und da könnte dann Torhüter René Adler dabei sein. Apropos Adler. Ich traf heute am Gänsemarkt Andreas Köpke. Der deutsche Torwart-Bundestrainer besucht derzeit den Norden, besuchte in Hamburg Freunde (wird also kein Torwart-Trainer beim HSV – nein, ein Scherz!) und ist morgen bei seinen Eltern in Kiel zu Gast – und sieht sich am Sonntag HSV gegen Werder an. Auch sicherlich deshalb, um die Form von Adler zu überprüfen. Ich habe dem „Andy“ Köpke von Adler vorgeschwärmt („Bester Einkauf seit Jahrzehnten“) – hoffentlich zweigt es der HSV-Keeper dann auch am Sonntag. Aber da bin ich mir eigentlich absolut sicher, dass er das tun wird.

Auf dem Gang in die Redaktion habe ich noch kurz über Andreas Köpke nachgedacht. Wir kennen uns schon lange, lange. Als er noch das Tor von Holstein Kiel hütete. Da war es einst gute Sitte, dass die Holsteiner in Quickborn ihr Trainingslager aufschlugen – und denn gegen den Namensvetter Holstein ein Testspiel austrugen. Ich saß in der Hoffnung, dass sich mal ein Quickborner vor das Köpke-Tor verirrte, immer neben dem Kieler Tor – und hatte viel, viel Zeit, mit dem Keeper zu plaudern . . . Bei der Nationalmannschaft trafen wir uns dann später wieder. Erst als Torwart Nummer eins, dann als Trainer. Köpke ist klasse. Das nur mal am Rande. Und ich frage mich seit heute, was eigentlich aus Holstein Quickborn geworden ist. Man, mit dieser Super-Sportanlage, mit diesen engagierten Funktionären? Wie geht so etwas? Aber damit nun auch genug.

Noch einmal kurz zurück zum HSV. Auch Rafael van der Vaart hat in Hamburg noch nie gegen Werder (wie unangenehm!) gewinnen können. Er will das natürlich ändern, denn er sagt: „Wir sind im Moment besser, ich habe deshalb gute Hoffnungen, dass wir gewinnen werden.“

Das ist doch mal ein gutes Schlusswort!

PS: Morgen wird im Volkspark um 10 Uhr geübt.

19.12 Uhr

Fink, Teil 2: “Es war schon fast so weit, dass Arnesen oder ich gehen mussten…”

29. Dezember 2012

Morgen geht es wieder los. Um 15 Uhr bittet HSV-Trainer Thorsten Fink seine Spieler zur Vorbereitung auf die Rückrunde. Auch Petr Jiracek (Schambeim-OP) sowie Rafael van der Vaart sollen nach überstandenen Verletzungen wieder ins Training einsteigen. Ebenfalls die Spieler, denen der HSV einen Wechsel in der Winterpause nahe gelegt hat. Und davon sind noch einige da, nachdem bislang nur Tom Mickel (ablösefrei nach Greuther Fürth) abgegeben werden konnte. Fest steht inzwischen auch, dass David Jarolim dem HSV nicht als Führungsspieler für die U23 zur Verfügung stehen wird. Dass sich der Tscheche von Ex-Klubchef Bernd Hoffmann und Ex-Profi Stefan Schnoor helfen lässt – für mich nichts Besonderes. Deshalb gleich rein in Teil 2 von „Thorsten Fink über…“

…die Spieler, die ihre Verträge beim HSV „aussitzen“ wollen:
„Es steht mir nicht zu, über diese Spieler zu urteilen“, sagt Fink und fügt hinzu: „Wir haben Verträge mit den Spielern gemacht, die diese erfüllen können, wenn sie es wollen. Das ihr gutes Recht und die Pflicht des Vereins. Und bei mir haben alle Spieler die Möglichkeit, sich aufzudrängen. Allerdings haben wir mit allen Spielern sehr ehrliche Gespräche geführt und ihnen klar gemacht, dass sie sich dann auch über die Konsequenzen im Klaren sein müssen. Wir arbeiten hier offen und ehrlich und alle wissen, woran sie bei mir und uns als Verantwortliche sind. Denn so darf es keine Unzufriedenheit geben – weil sie es vorher wussten. Und letztlich entscheiden eh die Spieler, ob sie lieber spielen oder auf der Bank oder gar Tribüne sitzen wollen.

… seine größte Enttäuschung 2012:
Ich will da eigentlich nicht mehr auf Slobodan Rajkovic rumreiten. Boban und ich haben uns ausgesprochen und er ist wieder ein Teil des Teams wie alle anderen auch. Er kann sich mit guten Trainingsleistungen ebenso reinspielen wie alle anderen. Aber sein damaliges Interview war auch deshalb enttäuschend, weil ich den Spielern immer alle Freiheiten gebe. Fast genauso enttäuschend war für mich, wie Frank Arnesen hier einige Zeit lang beäugt wurde. Das habe ich mir anders vorgestellt. Immerhin will ich hier langfristig mit dem bestehenden Team zusammenarbeiten. Und dazu zählt ganz sicher auch Frank.

…die kritische Phase vor der Verpflichtung von Jiracek und van der Vaart:
Wir wurden hart kritisiert, und das wohl zurecht. Allerdings muss man hier in Hamburg lernen, dass wir erst einmal nur kleine Brötchen backen können. Hier lassen sich viele noch immer zu leicht von Momenten blenden. Sowohl wenn es ums Jubeln geht wie auch im negativen Fall. Das ist zwar überall so, das kenne ich ja auch noch aus meiner aktiven Zeit. Aber es ist hier schon extrem. Fakt ist, dass wir nach 2011/2012 auch dieses Jahr wieder einen Umbruch vollzogen haben und wichtige Spieler wie David Jarolim, Paolo Guerrero und Mladen Petric abgegeben haben, die allesamt als Leistungsträger galten. Wir sind noch nicht soweit, dass wir uns nur noch punktuell verbessern. Wir haben uns auch dieses Jahr nicht verstärkt sondern wieder etwas neu aufgebaut. Das Nachbessern und steigern kommt erst noch…

…die Systemumstellung:

Das System machen die Spieler, die ich als Trainer zur Verfügung habe. Und plötzlich musste ich mich fragen, wie ich zwei große Talente wie Son und Beister stärken kann. Ich musste mich fragen, wie ich das Problem im Sturm lösen und wie ich Dennis Aogo wieder einbauen kann. All das hat am Ende dazu geführt, dass wir umgestellt haben. Wir haben so mehr Ballsicherheit und sind zusätzlich über die Außen noch variabler. Positiv überrascht war ich davon, wie gut die Mannschaft all das umgesetzt hat, nachdem nach Jiracek auch noch van der Vaart ausgefallen war. Aber es zeigt mir auch, dass wir uns weiterentwickeln. Und darum geht es hier.

…Frank Arnesen:
Frank ist ein guter Kollege und ein absoluter Teamplayer. Ich hätte es auch zur größten Enttäuschung 2012 zählen können, dass die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wurde, war nicht korrekt. Besser gesagt, die Art und Weise, wie mit uns umgegangen wurde. Denn einige haben so getan, als wollten sie uns helfen. Dabei haben sie nur versucht, uns ein gestörtes Verhältnis anzudichten. Auch wenn man es den Flüsterern nicht glaubt, ein klitzekleiner Rest Zweifel bleibt. Diese Situation wurde schon sehr weit getrieben. Ich dachte schon, einer muss gehen. Aber genau deshalb haben Frank und ich uns immer ausgesprochen. Wir wussten eigentlich immer, wie es um uns bestellt war. Wir verstehen uns top – aber wir diskutieren trotzdem. Das interpretieren offensichtlich einige falsch, denn das gehört dazu und ist sogar förderlich. Zudem ist Frank keiner, der laut wird. Und er setzt sich durch. So wie im Fall Rene Adler, was ich ihm hoch anrechne. Bei aller Kritik an Frank muss am Ende doch das gewertet werden, was rauskommt. Und da sehe ich sehr talentierte, junge Chelsea-Spieler. Die sind alle gut. Und für Töre gab es doch letztlich noch viel Geld! Wen hat Frank denn sonst geholt, der nicht gut ist? Rafa? Milan? Petr? Allesamt super. Aber das reicht einigen nicht. Die suchen dann Artjoms Rudnevs aus und bemängeln dessen technische Fähigkeiten. Trotzdem hat dieser Spieler im Ergebnis sechs Tore erzielt. Was also will man gegen Franks Personalstrategie sagen? Ich hoffe nur, dass hier alle etwas gemäßigter reagieren und uns in Ruhe arbeiten lassen, auch wenn es mal etwas schwer fällt. Denn inzwischen haben wir hier einen Trainerstab und Vorstand, die eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig stützen. Hier braucht kein Spieler zu glauben, ein Trainerwechsel würde ihm Veränderungen bringen, nein. Wir haben hier eine gemeinsame Philosophie, die wir durchsetzen. Zusammen.

Klare Worte von Fink, die mich ahnen lassen, weshalb nahezu alle Spieler seine motivierende Art loben. Fink ist schon wieder auf Betriebstemperatur. „Ich brenne sogar auf den Beginn der Vorbereitung“, so Fink, der nach eigener Aussage keine Pause braucht, um Kraft zu tanken. „Für mich ist es nur wichtig, mal etwas Abstand zu den Leuten zu haben, mit denen ich täglich zusammenarbeite. Das garantiert, dass keine Abnutzung und/oder Gewöhnung uns lahmen lässt. Das ist wichtig. Denn so kommen wir zusammen und sprühen vor Energie.“

Wohin diese Energie führt, wollte Fink nicht abschließend prognostizieren. Dafür habe ich ihm noch ein paar Sätze in den Mund gelegt, die der Trainer mit Ernsthaftigkeit und auch mal der richtigen Portion Humor zu beantworten wusste. Aber lest selbst…

Am Saisonende werden wir…
…unsere Ziele erreicht haben.

Der HSV wird wieder Meister, wenn…

…man mich hier mal fünf Jahre am Stück arbeiten lässt (Fink lacht). Aber im Ernst, das steht in den Sternen, so etwa ist nicht kalkulierbar. Wir können nur zusehen, die Wahrscheinlichkeit eines Titels zu erhöhen, indem wir uns hier nicht vom Weg abbringen lassen. Dafür ist es besonders wichtig, dass die Entscheidungsträger die nötige Geduld mitbringen und alle den Blick für den eingeschlagenen Weg im Auge behalten. Egal, was gerade links oder rechts des Weges stört…

Hakan Calhanoglu wird bei uns…
…reifen und am Ende die Qualität haben, Rafael van der Vaart zu ersetzen. Hakan wird Zeit brauchen – und wir geben sie ihm. Denn er hat alle Voraussetzungen.

Für 2013 kann ich den Fans versprechen, dass sie…
…von mir nie irgendwelche Versprechung zu hören bekommen. Das ist nichts für mich. Ich mache lieber als nur darüber zu sprechen. Klar ist aber, dass sie 2013 häufiger Spiele sehen werden wie das gegen Schalke.

Tiki taka wird es beim HSV…
…niemals geben. Das ist dem FC Barcelona vorbehalten und innerhalb von ein, zwei Jahren nicht umzusetzen. Der Weg dahin ist sehr lang.

Lionel Messi würde beim HSV…
…sein fernbleiben zu Saisonbeginn wettmachen können, indem er herwechselt. Er würde auch sehr gut aufgehoben sein und unter meiner Führung aller Wahrscheinlichkeit nach (Fink lacht) einen Stammplatz haben.

Hamburg ist die Stadt…
…in der jeder mal gewohnt haben sollte. Ein Traum.

Ich werde 2013…
…versuchen, hier Trainer zu bleiben. Aber im Ernst: Ich werde mich aufreiben und in allen Bereichen Vollgas geben und den Verein mit allen mir verfügbaren Mitteln verteidigen. Ich brenne darauf, Fortschritte mit der Mannschaft zu machen und ich werde dafür alles geben. Sollte mich irgendjemand daran hindern wollen, wird es ungemütlich für ihn. Ich habe noch lange nicht genug, ganz im Gegenteil: Ich brenn’ wie ne Fackel…!

Ich auch. Auf den HSV und auf Fußball. Allerdings jetzt auch auf meinen Feierabend. In diesem Sinne, genießt das Wochenende. Morgen ist wieder Dieter dran, dann mit dem Trainingsauftakt. Davor stehen uns Rafael van der Vaart und Fink zur Verfügung.

Bis morgen,
Scholle

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