Archiv für das Tag 'Töre'

Fleiß zahlt sich aus – kommt Drmic im Winter?

11. November 2014

Warum werden die Fußballer beim HSV schwächer? „Schlechter Fußball steckt an“ titelte eine Tageszeitung und meinte damit den HSV. Und ich hätte den Autor gern gefragt, ob das eben auch fürs Schreiben gilt. Denn Fakt ist, dass der HSV einige Jahre lang – daher stammt ja auch erst der Name „Dukaten-Didi“ große Talente beim HSV hatte und sie an europäische Spitzenklubs weitergegeben hat. Leider zu viele, wie sich irgendwann bei ausbleibendem Erfolg herausstellt. Und genau hier begann die Phase, die der oben genannte Autor meint. Und letztlich ist die Antwort ebenso komplex wie erklärbar:

Es waren die handelnden Personen, die das Umfeld verschlechtert haben. Zum Teil, weil sie schwache Spieler eingekauft haben, zum anderen, weil sie das sportliche Umfeld für die Mannschaft verschlechterten. Aber klar ist: Schlechter Fußball ist nicht ansteckend – er wird produziert. Und vor allem: Er ist vermeidbar.

Was ich damit meine, ist, schlechte Fußballer finden sich sehr wenige in Deutschlands Oberhaus. Ich behaupte, dass selbst „Hose 21“ beim Aufsteiger Paderborn ein von Haus aus richtig guter Kicker ist und von einem sehr guten Trainer zum richtig guten Bundesligaspieler ausgebildet werden kann. Die wirklich „schlechten“ Fußballer schaffen es gar nicht erst bis ins Oberhaus – es sei denn, irgendein Sportchef hat aberwitzige Ideen und/oder eine schlechte Scouting-Abteilung mit zu viel Entscheidungsgewicht. Letztlich aber ist jeder Verein dafür verantwortlich, wie gut seine Spieler sind, bleiben oder eben werden. Und hier hat der HSV in den letzten Jahren nachweisloch mehr falsch gemacht, als er es sich eigentlich erlauben konnte. Das hat das letzte Jahr gezeigt – und auch jetzt haben die Verantwortlichen noch daran zu knabbern.

Für Abendblatt-Blogs


Seit 2010 hat der HSV keinen Spieler mehr ausgebildet, der noch in den eigenen Reihen spielt. Gestandene Spieler wie van der Vaart, Jiracek, Westermann, Adler und Drobny, die noch da sind, mal ausgenommen. In Hamburg groß gemachte Talente wie Guerrero, Boateng, Son und Calhanoglu mussten oder wollten weg. Ebenso wie die hier perspektivlosen Talente Ben-Hatira, Choupo-Moting und Töre, die gehen sollten oder sich gegen den HSV entschieden. Und das ganz sicher nicht immer nur wegen besser dotierter Verträge…

Ich weiß, dass (jaja, leider auch vom Abendblatt) schon die ersten Benotungen der Neueinkäufe getätigt wurden. Allerdings halte ich das angesichts der Vorgaben vor dieser Saison für unzulässig. Denn klar war, dass der HSV zum Vorjahr viel verändern musste. Und das ohne irgendeinen Cent in der Tasche. Erst nachdem sich die HSV-Bosse und Kühne am Thema „Calhanoglu-weg-und-von-den Einnahmen-Lasogga-kaufen“ gerieben hatten und der Türke gen Bayer verkauft wurde, um Lasogga zu finanzieren, kam der deutlich vorher erhoffte Geldfluss des HSV-Fans und strategischen Partners Klaus Michael Kühne. Daran anschließend wurden noch Nicolai Müller, Valon Behrami, Lewis Holtby und Matthias Ostrzolek verpflichtet. Vier Spieler mit großem Potenzial und teilweise bereits gezeigt guten Leistungen. Allerdings gibt es hierbei den Haken, dass sie allesamt in ein nicht gut funktionierendes Team kommen, das sie funktionieren lassen sollen. Das darf man sicher auch erwarten und sie am Ende daran messen. Aber schlechter als vorher sind sie als Spieler bei HSV nicht geworden. Im Gegenteil: Alle vier heben das Niveau beim HSV deutlich an, obgleich sie alle bis auf Behrami noch nicht annähernd in Topform sind.

Allerdings wurde auch dieses Jahr von der Führung ein eklatanter Fehler gemacht, als man sich dazu entschloss, Mirko Slomka die gesamte Vorbereitung machen zu lassen und ihn dennoch nach nur drei Bundesligaspielen absetzte. Slomka hatte die körperliche Basis erarbeitet und die taktischen Vorgaben eingebläut. Mit seinem Nachfolger Josef „Joe“ Zinnbauer wurde dann ein neuer installiert, der der Mannschaft nicht nur neues Leben einhauchte – sondern auch neue Vorgaben aufdrückte. Damit will ich mitnichten Zinnbauers Weg kritisieren, dennoch musste sich die Mannschaft sich neu orientieren. Wohl bemerkt die „neue“ Mannschaft, die sich gerade einzuspielen versucht hatte. „Wir werden Zeit brauchen, um unseren Weg gänzlich zu finden“, sagte Zinnbauer bei Amtsantritt – und ich habe sie. Weil ich überzeugt davon bin, dass ein konsequent durchgezogener, guter Weg immer noch tausendmal erfolgreicher ist, als fünf unterschiedliche richtig gute, wenn diese alle nur in Teilen gegangen werden. Konstanz ist das Zauberwort.

Und gerade das kann ich nicht zuerst von den Spielern und dann von der Führung verlangen, wie es der Autor leider macht. Ich weiß, dass es Leute gibt, die auch Beiersdorfers Einkaufspolitik vor dieser Saison bereits kritisieren. Aber auch hier halte ich mich klar zurück. Ich mache das nicht, weil ich es a) anders sehe und b) sicher bin, dass der Zeitpunkt für ein solch weitreichendes Resümee noch nicht gegeben ist. Und noch weniger stelle ich mich hin und behaupte, dass beim HSV alle Spieler schlechter werden als sie es vor ihrem Wechsel zum HSV waren. Aber das hatte ich oben bereits erwähnt…

Dennoch gibt der Autor einen ganz wesentlichen Anstoß – wenn auch ungewollt: Das Training muss noch spezifischer werden. Ich weiß, dass diese These Wasser ist auf Dieters Mühlen und dieser beim Lesen dieser Zeilen wieder Bluthochdruck bekommt – aber ich will dafür gar nicht zu weit in die Vergangenheit blicken. Für mich ist entscheidend, was jetzt passiert. Und da sollte der oben erwähnte (an sich tatsächlich sehr schön geschriebene) Artikel als Warnung dienen: Mach mehr als Deine Vorgänger, Joe! Trainiere die zweifellos zahlreich vorhandenen Talente (Holtby, Müller, Lasogga, Ostrzolek, Stieber, Götz, Jung, Steinmann, P. Müller etc.) mit Deinem großen Trainerteam individueller. Und wenn das bedeutet, dass es für einzelne Spieler und auch ganze Mannschaftsteile eine, zwei oder auch drei, vier Einheiten mehr pro Woche sind – dann ist das so. Das verkraftet eine Mannschaft, die nur einen Wettbewerb zu spielen hat, allemal. Zumal dann, wenn sie merkt, dass es hilft.

„Wir müssen mehr arbeiten, findiger sein als die anderen“, war die immer selbe Antwort, wenn man die Verantwortlichen auf den finanziellen Nachteil anderen Bundesligaklubs gegenüber ansprach. Und Fakt ist, das kann man heute sagen: Der HSV war das zuletzt nicht oft. Ob ein Darlehen wie das von Kühne nun als findig zu erachten ist, oder nicht, lasse ich mal dahingestellt. Im Ergebnis ist es mehr Geld – und das hilft zunächst. Dass allerdings gerade die Leute, die den Satz oben prägten und im nächsten Moment eine 17,5-Millionen-Anleihe binnen weniger Monate pulverisieren, ohne dafür Verstärkungen zu holen, ist fatal. Ebenso wie die Tatsache, dass der letzte Individualtrainer Ricardo Moniz war und der nur von 2008 bis 2010 beim HSV arbeitete. Wobei ich hier die Hoffnung habe, dass Dietmar Beiersdorfer, der damals noch Sportchef war, sich der Sinnhaftigkeit eines solchen Trainings erinnert und entweder den vorhandenen Trainerstab zu derartigen Einheiten animiert, wenn er sich derartig gute Individualtrainer aktuell nicht auch noch leisten kann.

Erkennbar ist für mich immer wieder, dass die Spieler nicht schlechter werden, sondern dass sie das Umfeld entscheidend prägt. Schlimmer noch: die wenigen Spieler, die hier wachsen (z.B.: Son, Calhanoglu), die (wollen unbedingt) wechseln.

Mit dem neuen Führungstrio Beiersdorfer/Peters/Knäbel ist da offensichtlich ein sehr guter, erster Schritt getan worden. Mit Zinnbauer ist zudem ein junger, hungriger Trainer am Werk, der von sich sagt, genau auf diese individuelle, sehr akribische Trainingslehre Wert zu legen. Ein junger Schweizer soll kommen, zudem ist der HSV angeblich an einem Leihgeschäft von Bayer Leverkusens Josip Drmic interessiert, wie die “SportBild” berichtet. Kurios: An beiden Spielern soll auch Werder Bremen interessiert sein.

Aber zurück zum aktuellen Kader: Selbst die Leihe von Jonathan Tah nach Düsseldorf erachte ich als sehr hilfreich, weil er sich dort super entwickelt und am Ende zurückkommt. Insofern besteht die Aussicht auf Besserung. Und trotz der berechtigten Kritik an den letzten vier, fünf Jahren, dürfen wir jetzt nicht wieder ungeduldig werden und unsere guten Zugänge schlechtreden, weil der erhoffte Erfolg aus größtenteils erklärbaren und glücklicherweise erkannten Gründen noch ausbleibt. Selbsterfüllende Prophezeiungen nennt man das, glaube ich. Und darauf habe ich keine Lust. Denn dann würde ich mich tatsächlich (als kleines Licht zwar nur in kleinen Teilen, aber dennoch) mitverantwortlich für die sportliche Verschlechterung fühlen…

Apropos: Auch wir wollen uns verbessern und hatten heute ein längeres Team-Meeting in der Redaktion. Dabei kamen viele technische Neuerungen auf den Tisch, einige neue Ideen in Sachen Layout, Themen und Bloggestaltung. Aber vor allem wollen wir die Frage stellen, was Ihr vermisst. Soll heißen: Wir wollen von Euch hören (lesen), was sich hier noch verbessern kann, soll und/oder muss. Beim letzten Matz-ab-Treffen hat sich gezeigt, dass die Gemeinschaft sehr wohl gemeinschaftlich daran interessiert ist, den Blog zu verbessern. Da kam auch die Frage auf, weshalb die Live-Sendungen nicht auf allen Androids abrufbar sind. Daher wäre eine Frage von uns schon mal: Mit welchen Androids (Marke) können die Live-Sendungen nicht gesehen werden? Hat noch wer nachhaltig Probleme, unsere Sendungen abzurufen? Daher wären wir allen, die uns hierbei hilfreiche Kritiken und Anregungen liefern können, sehr dankbar. Am besten würde das funktionieren, indem wir wieder einen „Schneeballpost“ (Post kopieren, mit seinem Eintrag versehen und reinstellen…) machen. Es könnte auf jeden Fall sehr hilfreich sein.

Danke! Und bis morgen. Da wird um 10 und um 15 Uhr auf dem Platz an der Imtech Arena trainiert. Bis dahin!

Scholle

Maxi läuft – und Bayer 04 ist nicht ernst zu nehmen

23. Juni 2014

Es ist ein gutes Zeichen, wenn sich auf einen Blogbeitrag wie dem gestrigen von Lars, so viele Leute melden. Mit unterschiedlichen Meinungen wohlgemerkt, aber in einem sind sich alle einig: Es geht um den Inhalt. Keine Polemik mehr, kein Opfer und kein Feind – einfach nur der HSV zählt. Dass es dabei Unterschiede unter uns allen gibt, wie wir uns den Weg optimal vorstellen – das stört keinen. Im Gegenteil: Wenn man sich aus allem das Beste herauszieht, sind solche Diskussionen sogar sehr förderlich und gesund. Womit ich mir den Übergang selbst schwer gemacht habe. Denn ich wollte kurz über den alten Aufsichtsrat berichten, der sich heute Abend ein letztes Mal zusammensetzt, bevor ab dem 1. Juli das neue AG-Gremium rund um den wohltuend ruhiger gewordenen Wortführer und Vorsitzenden Karl Gernandt eingreift.

Dann mit Dietmar Beiersdorfer als ersten Vorsitzenden. Einen verschnupften Vorstandsboss wohlgemerkt. Zum einen haben dem designierten HSV-Boss die offensiven Vorstöße Klaus Michael Kühnes und Calhanoglus Wechseläußerungen wenig bis gar nicht gefallen. Zum anderen ist er tatsächlich etwas heftiger erkältet, was seiner Arbeitswut aber keinen Abbruch tut. Im Gegenteil. Der einstige Sportchef, der den sportlichen Bereich in näherer Zukunft zunächst mit Kreuzer und Trainer Mirko Slomka gestalten wird, muss Spieler loswerden und Neue holen. In jeden Transfer ist er komplett involviert. Auch bei Pierre Michel Lasogga.

Und da haben die Hamburger vorgelegt. Im wahrsten Sinne. Hertha BSC hat ein Angebot aus Hamburg vorliegen, das eine Ablösesumme von rund sechs Millionen Euro inklusive Erfolgsprämien vorsieht. Angesichts des von Preetz formulierten Wunsches (mindestens zehn Millionen) ein albern wirkendes Angebot. Aber eben auch nicht mehr als eine Verhandlungsbasis. Letztlich sollten sich beide Seiten auf halbem Wege treffen und alles in allem rund acht Millionen Euro die Kontoseiten wechseln.

Wie die finanziert werden, ist noch fraglich. Dass es rein aus Eigenmitteln nicht funktionieren kann, ist ein offenes Geheimnis bei mehr als 100 Millionen Euro Schulden. Die Frage, die sich stellt, ist vielmehr: Inwieweit will Kühne mit finanziellen Mitteln helfen. Und: Inwieweit will der HSV das in Anspruch nehmen?

Klar ist auf jeden Fall, dass zwischen dem Willen zum absoluten Neuanfang und den Möglichkeiten dafür eine monströse Lücke klafft. Diese Desillusion musste auch Beiersdorfer unlängst erkennen. Einen kompletten Umbruch kann sich der HSV personell und dadurch auch finanziell nicht erlauben. Und er will es auch nicht. Deshalb stellte Beiersdorfer klar: Das Trainerteam bleibt bestehen, Kreuzer voraussichtlich (ein finales Gespräch soll noch folgen) im Amt, Hilke zweiter Mann hinter Beiersdorfer, Jarchow nominell Vorstandsmitglied – und Hakan Calhanoglu bleibt in Hamburg. Diese Marschroute gilt weiterhin, wobei Kühnes Drohung, er würde sich sofort zurückziehen, sobald Calhanoglu verkauft wird, nicht ausschlaggebend ist.

Ebenso wenig wie die Aussage von Bayer-Geschäftsführer Schade. Der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow habe ihm schriftlich mitgeteilt, dass sein Verein den 20 Jahre alten Mittelfeldspieler nicht gehen lassen will. Woraufhin Schade, dessen Name von Kommentar zu Kommentar immer mehr zum Programm wird, der Deutschen Presse Agentur (dpa) sagte: „Ich habe das akzeptiert. Der Mann hat ja einen Vertrag.“ Allerdings bleibe Bayer weiter interessiert: „Wenn sich die Umstände ändern sollten, können wir über das Thema noch einmal reden. Wir haben dem HSV ein Angebot gemacht. Wir wollen den Spieler, und der Spieler will zu uns.“

Schade.

Schade ist vor allem, dass selbst in diesem so respektvoll formulierten Statement nichts Wahres steckt – außer im letzten Satz. Dieses Geheuchel des Bayer-Geschäftsführers soll nur die Rolle des Bösewichtes von Bayer ablenken – was bei mir null funktioniert. Noch immer ist die Rolle des Werksklubs mit meinem einstigen Helden Rudi Völler höchst zweifelhaft und inzwischen auch von den Instanzen des DFB zu überprüfen. Dass man einem gerade 20-Jährigen mit einer Vervielfachung (250000 statt wie hier 80000 Im Monat) seiner HSV-Bezüge den Kopf verdreht, ist klar. Zumal dann, wenn der – überhaupt nicht böse gemeint – zweifellos eher naive, einfache Spieler einen Berater hat, der einem Gökhan Töre als damals knapp ebenfalls gerade erst 20-Jährigen empfahl, Russland sei er richtige Karriere-Schritt für ihn…

Nein, Calhanoglu ist massiv schlecht beraten und Bayer spielt eine dreckige Rolle, wie sie in der Bundesliga nur allzu üblich zu werden scheint.

Selbst der HSV ist im Fall Ostrzoelk nicht freizusprechen von jeglichem Vorwurf. Wobei sich die Situation zwischen den Vereinen nicht so zugespitzt hat, da Augsburg sich an sein Wort halten will, das dem Spieler im vergangenen Sommer gemacht wurde. Damals hieß es, bei einem passenden Angebot würde man den Linksverteidiger ziehen lassen. Und sollten die weit vorangeschrittenen Verhandlungen einen normalen Verlauf haben, dürfte Ostrzolek schon in der kommenden Woche beim HSV auf dem Platz stehen. Als Konkurrenz von Marcell Jansen, der mir am Sonnabend als Gast von “Matz ab live” imponiert hat. Während des Spiels haben wir uns (zusammen mit Lars und Tolgay) durchgehend über Fußball, die Nationalelf sowie den HSV unterhalten und dabei viele Ansichten von Marcell zu hören bekommen, die er nicht öffentlich macht, weil er es anmaßend findet. Leider.


Und noch leiderer (ich weiß, dass es das Wort nicht gibt…) konnte ich ihn nicht überreden, es doch zu machen, daher nur so viel: Marcell hat viele, viele Missstände im Verein und in der Mannschaft erkannt und sogar höchst interessante Lösungsansätze parat. Er beschäftigt sich mit dem HSV. Ebenso wie mit sich. Denn auch sich selbst hat er kritisch betrachtet und angekündigt, mehr machen zu müssen und machen zu wollen. Sollte sich diese Art der Auseinandersetzung mit der Krise beim HSV bis in die obersten Gremien durchsetzen – es wäre sensationell. Aber leider schon fast unglaublich. Fast so wie Schades Aussagen…

Viel Neues ist heute auch in Glücksburg im Trainingslager nicht passiert. Außer, dass Trainer Mirko Slomka seine Jungs nach dem Auftaktsieg gestern wieder hart rangenommen hat. Waren am Vormittag noch Spielformen mit im Programm, gab es am Nachmittag einen ordentlichen Kraft- und Ausdauerzirkel. „Dass wir es brauchen, haben wir in der vergangenen Saison ja gezeigt“, hatte Arslan am Sonnabend selbst zugegeben und dabei nicht besonders glücklich ausgesehen. Denn er weiß, dass es die vielleicht anstrengendste Vorbereitung seiner Karriere wird.

In diesem Sinne, sollte ich heute Abend noch etwas erfahren in Sachen Transferverhandlungen, melde ich mich natürlich noch mal. Ansonsten wünsche ich Euch einen so unaufgeregten Abend wie der Tag beim HSV war. Allerdings garniert mit vielen spannenden WM-Spielen. Und einer tollen Nachricht zum Schluss: Maxi Beister konnte heute das erste Mal seit seiner Kreuzband-Operation im Januar wieder draußen Joggen gehen. Ein weiterer, kleiner Schritt auf dem Weg zum Comeback.

In diesem Sinne: Maxi und Euch allen alles Gute. Bis morgen.
Scholle

Die Träume platzten auch woanders . . .

16. Juni 2013

Wer kommt, wer geht? Fragen, die die Fans bewegen. Jetzt und in jeder Sommer- oder Winter-Pause. So auch im vergangenen Jahr, als sich im Juni gleich zwölf HSV-Spieler aus Hamburg verabschiedeten. Die meisten von ihnen sicherlich mit dem Gedanken, dass sie vom HSV verkannt worden sind, und dass sie mit dem nächsten Verein das ganz große Los gezogen haben, um nun karrieremäßig durchzustarten. Träume, die allerdings nur bei den wenigsten Spielern, die es beim HSV versucht haben und letztlich für zu leicht befunden wurden, in Erfüllung gegangen sind. Wer erinnert sich noch an die Profis, an die Namen – zwölf an der Zahl?

Einer, der es geschafft hat, ist sicherlich Paolo Guerrero. Der Peruaner wechselte (viel zu billig und für weniger, als es mit den angeblich fünf Millionen angegeben wurde) zu Corinthians Sao Paulo und wurde Stammspieler. 27 Partien bestritt Guerrero für den brasilianischen Erstliga-Club und erzielte dabei zwölf Tore. Kleiner Wermutstropfen: Paolo wurde insgesamt in neun Spielen ausgewechselt.

Etwas mehr hatte sich wohl Mladen Petric versprochen, als er vom HSV zum FC Fulham wechselte. Der Kroate brachte es zwar auf 23 Erstliga-Partien in England, wurde dabei aber vom ehemaligen HSV-Trainer Marin Jol in 14 Partien ein – und in acht Begegnungen ausgewechselt. Insgesamt brachte es Petric dabei nur auf 883 Spielminuten, in denen er immerhin fünf Treffer erzielen konnte. Sein letztes Länderspiel bestritt Mladen Petric am 6. Februar gegen Südkorea, sein Vertrag lief am 30. Juni 2013 aus – und bislang gibt es noch keinen Anschlussvertrag und keinen neuen Arbeitgeber. Dass hatte sich der Torjäger ganz sicher auch etwas anders vorgestellt, als er vor einem Jahr seine Zelten in Hamburg abbrach.

Ebenfalls nicht ganz so gut ist es für David Jarolim gelaufen, der vom HSV keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatte und den es dann nach Frankreich zog. Zum Erstliga-Club FC Evian Thonon Gallard. Dort schaffte der Tscheche dann aber nur fünf Einsätze, dreimal wurde er dabei ausgewechselt. Aus persönlichen Gründen löste „Jaro“ dann im Herbst seinen Vertrag auf und schloss sich in Januar dem tschechischen Erstliga-Verein Mlada Boleslav an. Der 34-jährige Jarolim machte bis zum Sommer noch elf Spiele und steht zurzeit ohne neuen Verein da. Das alles ist sicherlich nicht ideal und auch nicht im Sinne des ehemaligen HSV-Kapitäns gelaufen, aber er besitzt mit dem HSV ja noch immer eine vertragliche Anschlussvereinbarung, und die könnte schon in diesem Sommer in Kraft treten: Jugendtrainer, Spieler bei der Regionalliga-Mannschaft? Vieles ist vorstellbar.

Ganz schlecht ist es sogar für Gökhan Töre gelaufen, der Deutsch-Türke galt bei vielen Experten als ein Jahrhunderttalent. Auch ich habe den „bulligen“ Dribbelkünstler weitaus höher eingeschätzt, und zudem habe ich bei seinem Wechsel zu Rubin Kazan gedacht, dass Töre nun die Russen aufmischen würde. Hat er vielleicht sogar, aber auf keinen Fall fußballerisch. Nur fünf Erstliga-Einsätze hatte er, dreimal ein- und einmal ausgewechselt, aber meistens war er gar nicht im Rubin-Kader für die Spiele. Töres Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2016, jetzt aber wurde er von den Russen an den türkischen Erstliga-Club Besiktas Istanbul ausgeliehen. Vorerst für ein Jahr.

Und wer erinnert sich noch an Muhamed Besic? Der Bosnier hatte während seiner Hamburger Zeit immer leicht den Verdacht, dass ihn sein Arbeitgeber HSV unterschätzt. Im Sommer 2012 zog es den 20-jährigen Abwehrspieler dann nach Ungarn, um in der Ersten Liga für Ferencvaros Budapest zu spielen. Kein schlechter Plan, denn Besic machte 22 Spiele und schaffte dabei nur einmal nicht die volle Spielzeit. Das ist doch mal eine ordentliche Ausbeute . . .

Romeo Castelen war der dauer-Pechvogel des HSV, auch er erhielt keinen neuen Vertrag mehr – gab aber nie auf. Er verhandelte mit Birmingham City, schloss sich dann aber dem russischen Club Volga Nizhniy Novogrod an, für den er aber nur zwei Spiele machte – zwei Einwechslungen, einmal 15 und einmal 25 Minuten. Dreimal stand Castelen noch im Kader, brachte es aber nicht zu einem Einsatz – jetzt ist er wieder einmal vereinslos.

In die Dritte Liga hatte es Daniel Nagy gezogen, und zwar zum VfL Osnabrück. 33 Spiele bestritt der Mittelfeldmann für den VfL, wurde dabei aber in gleich 20 Partien von Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz vorzeitig vom Platz geholt. Nagy brachte es auf lediglich drei Tore. Die Frage, die sich wohl nicht nur der Spieler stellt, ist die: Ist die Dritte Liga schon das Ende der Fahnenstange einer Karriere, die durchaus mal zu großen oder größeren Hoffnungen Anlass gab?

Ähnlich dürften die fußballerischen Träume von Sören Bertram gewesen sein, den es vom HSV zum VfL Bochum gezogen hat. Dann gab es ein böses Erwachen, denn der 22-jährige Bertram schaffte nur drei Zweitliga-Einsätze – und 13 Spiele in der Regionalliga-Mannschaft des VfL Bochum. Das kann doch eigentlich noch nicht alles gewesen sein, oder?

Eine immer noch im Raum stehende Frage ist für mich der bislang unerklärliche Winter-Wechsel von Tom Mickel zur Spielvereinigung Greuther Fürth. Warum? Von der Nummer drei (oder vier) des HSV zur Nummer drei beim Erstliga-Absteiger, das macht auch heute für mich nur relativ wenig Sinn. Mickel brachte es auf keinen Erstliga-Einsatz, stand aber in neun Regionalliga-Partie (in Bayern) zwischen den Pfosten der Kleeblätter. Die Frage, die sich daran anschließt: wie geht es weiter?

Dann gab es da noch den einst mit ganz großen Hoffnungen in Hamburg begrüßten Macauley Chrisantus, der einst als eines der größten Talente der Welt galt. Beim HSV konnte er diesen Ruf nie auch nur annähernd rechtfertigen, er wurde verschiedentlich ausgeliehen, spielte zuletzt für den FSV Frankfurt. Im Sommer 2012 zog es ihn in die Segunda Division nach Spanien, wo er für DU Las Palmas stürmt. 41 Spiele schaffte er, wurde dabei in zwölf Begegnungen ausgewechselt. Das sieht nicht mehr nach der ganz großen Karriere aus.

Zwei haben wir dann noch. Mikael Tavares schloss sich ebenfalls dem FC Fulham an, brachte es aber auf keinen einzigen Premier-League-Einsatz und ist nun schon seit dem Januar 2013 vereinslos. Und Miroslav Stepanek, ebenfalls ein Dauer-Pechvogel des HSV (Kreuzbandrisse), spielte in der abgelaufenen Saison für zwei Vereine. Erst für den FC Senica, dann mit Beginn des Jahres beim MSV Duisburg II. Der Traum von der großen Fußball-Karriere – geplatzt.

So, das waren die zwölf ehemaligen HSV-Spieler, die einst im Sommer 2012 auszogen, doch noch den ganz großen Wurf zu landen. Nur ganz, ganz wenige haben es geschafft. Ob das vielleicht auch dem einen oder anderen Verantwortlichen im HSV zu denken gibt? Schließlich waren die Spieler einst zum HSV geholt worden, um den Rothosen auf die Sprünge zu helfen . . . Da wurde wohl mit wenig Auge und mit viel Geld eingekauft – besser wäre es natürlich umgekehrt.

Für die neue Spielzeit (2013/14) galt ja der Nürnberger Timm Klose als Wunschkandidat des HSV in der Abwehr – aber daraus scheint nichts zu werden. Klose hat beim 1. FC Nürnberg das Angebot einer Vertragsverlängerung abgelehnt und strebt jetzt einen Wechsel zum VfL Wolfsburg an. „Nach langer Überlegung habe ich mich entschieden, dass, wenn die Möglichkeit besteht, ich die neue Herausforderung annehmen werde und vorzeitig zum VfL Wolfsburg wechseln möchte“, sagt der Schweizer. Vom HSV hat er nichts gesagt.

Und dann noch einmal zum Pokal-Gegner in Thüringen. Der Oberliga-Aufsteiger SV Schott Jena darf sich bei seiner DFB-Pokalpremiere auf eine geballte Ladung Bundesliga-Tradition freuen. Anfang August empfängt der SV Schott im heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld den HSV. „Auf 50 Jahre Erstliga-Erfahrung zu treffen, ist eine großartige Sache. Wir wollen das Stadion voll kriegen“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Jörg Triller. Das Team von Trainer Steffen Geisendorf hatte Ende Mai im Landespokalfinale überraschend den deutlich favorisierten Drittliga-Vertreter Rot-Weiß Erfurt mit 1:0 bezwungen und sich so erstmals in der Vereinsgeschichte für den DFB-Pokal qualifiziert. Am Sonnabend hatte der SV Schott das letzte Punktspiel dieser Saison mit 8:0 gegen Meuselwitz II gewonnen.

16.47 Uhr

“Jeder muss sein Duell gewinnen wollen!”

3. Mai 2013

„In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um zehn Uhr trainiert und es sollen alle Feldspieler bis auf Marcus Berg dabei sein können. Dieter wird ebenfalls dort sein und Euch an gewohnter Stelle berichten.“

So endete „Scholle“ gestern. Aber so schön, wie er es angedacht hat, wurde es dann doch nicht. Gleich zwei HSV-Profis fehlten heute beim „Kurkonzert“. Marcell Jansen hat sich nun noch eine Magen- und Darm-Grippe zugelegt, Ende offen. Ich meine damit, dass sein Einsatz am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg, im vorletzten Heimspiel der Saison, doch fraglich ist. Und zudem hat sich Michael Mancienne Oberschenkel-Probleme eingefangen, er setzte deswegen heute aus – und wir auch beim nicht-öffentlichen Abschlusstraining am Sonnabend fehlen – und damit auf gegen die „Wölfe“ am Sonntag. Ich lasse mir da keine Hintertür offen, Mancienne wird ausfallen – Ende. Für ihn kommt Slobodan Rajkovic in die Mannschaft, und wenn ich Trainer Thorsten Fink richtig interpretiere, dann hatte er das ohnehin so geplant. Weil der Coach einen rustikalen Abräumer braucht. Und das war Mancienne zuletzt nicht, der Engländer war eher genau das Gegenteil eines Abräumers. Wobei ich jedem User, der nun genau dieses Gegenteil suchen wird, selbst überlasse, wo er mit dieser Suche endet . . .

Thorsten Fink sagte in Sachen Innenverteidigung: „Ich hatte schon in dieser Woche überlegt, ob ich Slobo spielen lassen werde – von der Aggressivität her.“ Sollte Jansen auch nicht spielen können, so wäre Zhi Gin Lam sein Ersatzmann – und nicht Dennis Aogo. Der ehemalige Linksverteidiger der deutschen Nationalmannschaft wird so oder so (diesmal) Nur auf der Bank sitzen. Erklärung von Fink, warum er Aogo nicht als Linksverteidiger bringen wird: „Dennis hat es in seinem letzten Spiel als Linksverteidiger, das war das Spiel gegen die Bayern, nicht so angenommen – finde ich. Von der Ausstrahlung her.“

Das wird nicht die einzige Änderung sein, die Thorsten Fink vornehmen wird – gegenüber dem mageren 1:4-Auftritt in Gelsenkirchen. Petr Jiracek wird im rechten Mittelfeld auflaufen Heung Min Son links. Vorne wird Artjoms Rudnevs einzige Spitze sein, und auf der „Doppel-Sechs“ werden sich Tolgay Arslan und der wieder genesene Milan Badelj (trainierte heute ohne Pause und ohne Beschwerden mit) versuchen. Auf geht’s, Buam.
Jiracek soll deswegen rechts spielen, weil er sich so besser um Wolfsburgs Diego kümmern kann, denn der kommt vorzugsweise über links und zeiht dann zur Mitte – das könnte Jiracek als Linksfuß dann bestens „begleiten“.

Vom heutigen Training nur zwei Dinge. Beim abschließenden Schießen auf die „Hütte“ von (abwechselnd) Rene Adler und Sven Neuhaus schoss Rafael van der Vaart das schönste (Traum-)Tor – der Niederländer hob danach beide Arme gen Himmel und sucht mit seinen Augen dort oben jenen Herrn, der ihm bei diesem Schuss so trefflich half. Gleich am Anfang war aber die Szene, die mich am meisten begeistert hat: Beim Kreisspiel (fünf gegen zwei) wurden Jacopo Sala (er gleich zweimal) und Jaroslav Drobny getunnelt. Nach dem dritten Tunnel brachen alle Spieler in ein wahres Indianergeheul aus, alle lachten. Drobny (als „Geschädigter“) und Jeffrey Bruma hielt es nicht mehr auf den Beinen, beide kippten vor Freude aus den Latschen und wälzten sich vor Lachen auf dem Boden herum. Welch eine Szenerie! Und nicht auszudenken, wenn die Stimmung auch noch am Sonntag um 19.25 Uhr so herrlich ungezwungen und toll wäre. Jetzt sind alle Hamburger gefordert.

Von der Ausgangsposition her könnte es ein heißes Spiel geben. Ohnehin gibt es gegen Wolfsburg immer ein schwer und hart umkämpftes Match. Und oft genug haben die „Wölfe“ dem HSV schon (auch in Hamburg) ganz kräftig in die Suppe gespuckt. Ich sprach heute mit einem Mann, der beide Seiten schon erlebt hat, der sowohl in Hamburg als auch in Wolfsburg Publikumsliebling war (und ist): Roy Präger. Der frühere Wirbelwind wird nicht beim Spiel sein, er ist mit der Jugend-Fußballschule des VfL beschäftigt. Präger über seine Erwartungen für Sonntag: „Es wird sicher ein packendes Derby, wie immer, wenn der HSV und der VfL aufeinanderprallen. Die Voraussetzungen für ein intensives und spannendes Spiel sind gegeben, denn der HSV muss gewinnen, und der VfL, der in meinen Augen auch noch eine Minimal-Chance auf Europa hat, auch. Beide müssen Gas geben, und das kann und wird nur zum Wohle aller Fans sein. Auf einen Tipp möchte ich mich nicht festlegen, aber der VfL ist ja bekanntlich sehr auswärtsstark – es wird nicht leicht für den HSV.“

Das weiß auch Frank Arnesen. Der Sportchef: Wir stehen vor drei Finals, Wolfsburg ist das erste davon. Wir spielen zu Hause, wir müssen auch zeigen, dass wir zu Hause spielen – gegen Düsseldorf zuletzt ist es uns gelungen, denn wir haben gewonnen. Gegen den VfL müssen wir dieselbe Einstellung auf den Platz bringen, wie in der ersten halben Stunde gegen Düsseldorf.“ Der Däne war gestern Gast beim Training, war auch heute dabei und unterhielt sich lange Zeit mit Thorsten Fink. Über die Lage sagte Arnesen: „Zwei Tage vor einem Spiel ging es heute recht locker zu, es wurde viel gelacht – so muss es auch sein. Man muss entspannt sein, und ab Sonnabend wird sich dann konzentriert, dann kommt die Spannung bei den Spielern. Erst die Freude, und dann alle Energie für diese 90 Minuten. Ich will eine HSV-Mannschaft sehen, die diszipliniert spielt, die konzentriert spielt, und in der jeder Spieler seine Duelle gewinnen will. Jeder muss jedes Duell gewinnen wollen, das will ich sehen.“

Das HSV-Team wird am Sonntag nicht nur körperlich gefordert sein, sondern auch mental. Immerhin geht es um – wahrscheinlich – die letzte Chance, das Ticket nach Europa zu lösen. Es ist also auch eine Frage des Kopfes. Frank Arnesen ist davor nicht bange: „Die Mannschaft hat es im vergangenen Jahr, als es gegen den Abstieg ging, gezeigt, dass sie dass kann, dass sie damit umgehen kann. Sie ist damals damit sehr gut umgegangen, deswegen sehe ich diesbezüglich keinerlei Probleme.“ So sehen es wahrscheinlich auch die meisten HSV-Fans. Die lagen am vergangenen Wochenende, nach dem 1:4-Debakel auf Schalke, alle am Boden, die meisten davon sind auch erst am Mittwoch oder Donnerstag erst wieder aufgestanden – aber nun sind sie auch wieder da. Voll da. Sieg gegen Wolfsburg, davon waren heute so viele Trainingskiebitze überzeugt – restlos überzeugt.

Ist es nicht phänomenal, wie schnell die HSV-Fans doch vergessen können? Spätestens am Freitag ist alles wieder gut, dann ist selbst ie größte Wunde wieder verheilt – dann beginnt die Zeit der Träume. „HSV-Sieg“ – es gibt ja gar nichts anderes. Arnesen lacht: „Solche Einstellung ist auch genau die richtige, solche Einstellung muss es auch bei jedem unserer Spieler geben. Die müssen auch sagen, dass sie Wolfsburg weghauen, ganz klar – wir spielen zu Hause, wir haben noch etwas aufzuholen. Natürlich wissen wir, dass Wolfsburg die drittbeste Auswärtsmannschaft ist, dass der VfL jetzt schon lange nicht mehr verloren hat, aber wir müssen auf uns selbst gucken. Wir haben in dieser Saison schon gute Spiele zu Hause angeliefert, weitaus bessere als in der Spielzeit davor, und deswegen gilt es für uns nun, diese Reihe der guten Spiele fortzusetzen.“

Die hat es, um ein wenig Wasser in den Wein zu kippen, sicherlich gegeben. Aber es gab auch Spiele wie die gegen Fürth, Augsburg und Freiburg, die waren dann doch nicht ganz so geglückt. Daran sollten sich die HSV-Spieler dann doch besser nicht orientieren. Ich wollte wissen, ob auch Frank Arnesen vorher noch mit der Mannschaft sprechen wird, aber er sagt: „Ich spreche mit dem Trainer, der Trainer spricht mit der Mannschaft. Ich habe viel Vertrauen zu Thorsten Fink. Wir haben nach dem Schalke-Spiel gesprochen, das ist jetzt aber abgehakt, es geht weiter – und jetzt sind die Spieler wieder gefragt. Jeder weiß, um was es geht.“

Ein anderes Thema schwebt in diesen Tagen und Wochen stets über dem Sportchef: Spielerverkäufe. Erst muss verkauft werden, bevor eingekauft werden kann. Wie weit sind die Verkäufe gediehen? Arnesen: „Da ist noch nichts passiert. Das ist auch völlig normal, denn das Geschäft fängt im Juni an, nachdem die Saison beendet worden ist. Aber trotz allem rede ich jetzt schon viel, ich rede mit Beratern und auch mit Spielern, die zu uns kommen wollen. Aber meine Hauptaufgabe ist erst einmal die, zu verkaufen. Das wissen wir. Und wir wollen die Spieler behalten, die uns weiterbringen sollen.“ So war die Situation ja auch schon vor einem Jahr. Arnesen erinnert sich: „Damals musste ich auch verkaufen, um dann Rene Adler, Artjoms Rudnevs und Milan Badelj holen zu können, und ich habe verkauft. Gökhan Töre und Paolo Guerrero waren das. Im Winter aber war das sehr schwer denn jeder weiß, dass die Ein- und Verkäufe zu 90 Prozent im Sommer stattfinden.“

Immerhin wissen die Verantwortlichen des HSV, dass sie etwas tun müssen – bezüglich der kommenden Saison. Frank Arnesen: „Ich rede viel mit Thorsten Fink, wir sind uns einige darüber, dass wir Verstärkungen brauchen. Aber wir werden darüber erst offensiv werden, wenn die Saison beendet ist. Erst kommen die drei letzten Spiele, und wenn die absolviert worden sind, dann reden wir mit den Spielern. So oder so.“ Der HSV sucht, das ist ja schon durchgesickert, einen Innenverteidiger und einen großen Stürmer. Mindestens.

Spieler, die beim HSV bleiben – oder auch gehen müssen – die werden im Moment von Frank Arnesen bearbeitet. Jaroslav Drobny gehört dazu. Arnesen: „Ich bin ganz positiv, aber leicht wird es nicht. Denn Drobo, der gemeinsam mit seinem Berater mit mir ganz offen spricht, hat einige gute Angebote von Clubs, bei denen er als Nummer eins spielen könnte.“ Es geht auch um Dennis Diekmeier, der wohl bleiben dürfte, und es geht im Tomas Rincon, der noch ein Jahr Vertrag hätte. Beste Voraussetzung, um den HSV in diesem Sommer zu verlassen denn dann kassiert der Club noch Ablöse. Arnesen: „Tomas ist ein hervorragender Junge.“ Stimmt. Aber das zeigt er regelmäßig nur in seiner Nationalmannschaft, nicht so sehr beim HSV. Weil er so konstant ja auch selten einmal spielen durfte. Es geht auch um Sven Neuhaus. Das wurde ja zuletzt schon als fast perfekt gemeldet, und da ist es wohl auch. Es sollen nur noch Nuancen fehlen – und dann die beiden Unterschriften. Arnesen: „Es sieht in diesem Fall sehr gut aus, wir sind uns zu 99 Prozent einig.“

Klingt gut. Neuhaus ist ein Super-Typ, der bestens zum HSV passt. Und zu allen anderen „Patienten“: Gut Ding will Weile haben.

Zunächst aber geht es ja auch nur um die drei letzten Bundesliga-Spiele: Wolfsburg, Hoffenheim, Leverkusen. Und dann wird ein Schlussstrich gezogen und abgerechnet. Aber auch erst dann.

PS: Schnell mal wieder in eigener Sache. Wir sind am Sonntag unmittelbar nach dem Schlusspfiff wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung, unsere Gäste werden diesmal das HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel und der frühere HSV-Profi Tobias Homp sein – ich freue mich schon sehr auf die beiden Herren. Und ihr seid hoffentlich wieder bei und mit uns, es würde uns auf jeden Fall freudig stimmen. Ein schönes Wochenende für euch und eure Lieben.

PSPS: Das HSV-Abschlusstraining am Sonnabend ist nicht öffentlich.

17.53 Uhr

“Die Nummer eins im Norden sind wir!”

24. Januar 2013

„Artjoms Rudnevs hat keine Angst. Er springt positiv brutal in den Ball.“
Diese Aussage von HSV-Trainer Thorsten Fink, der über die Vorzüge seines lettischen Stürmers sprach, wurde von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zum Spruch des Tages gewählt.

Hoffentlich springt der gute „Rudi“ auch am Sonntag wieder „positiv brutal“ und zugleich erfolgreich in den Ball – und macht mindestens ein Tor. Vielleicht sogar das Siegtor!? Wäre nicht ganz unwichtig, denn es geht ja im Nordderby gegen den ewigen Rivalen von der Weser. Und darum, wer die Nummer eins im Norden wird und ist. Noch ist es, wenn man mal ganz relaxt auf die Tabelle blickt, der HSV. „Die Nummer eins im Norden sind wir!“ Auch wenn es noch natürlich sehr eng ist, aber das kann sich an diesem Wochenende ja schon ändern. In Hannover spielen sie gegen Wolfsburg unentschieden, und der HSV gewinnt – das wäre doch schon mal eine Hausnummer.

Die Voraussetzungen sind gut – für den HSV. Werder dürfte noch damit zu tun haben, die 0:5-Klatsche gegen Dortmund zu verdauen, und der HSV hat mit einer erstklassigen (oder auch nur guten) Leistung in der zweiten Halbzeit in Nürnberg bewiesen, dass er weiß, worum es geht. Und auch wie es geht. Da zudem bis auf Michael Mancienne personell aus dem Vollen geschöpft werden kann, stünde einem ersten Sieg des HSV über die Bremer kaum etwas im Wege. Und Thorsten Fink, der als Hamburger bislang drei Anläufe nahm, gegen Werder zu gewinnen, aber jedes Mal verlor, sehnt sich – ebenso wie Sportchef Frank Arnesen – nach einem HSV-Dreier gegen Werder.

„Ich will dieses Spiel am Sonntag auf jeden Fall gewinnen, weil ich endlich auch mal dieses Derby gewinnen möchte. Es geht ja auch darum, dass wir uns nach oben weiter festsetzen können, dass wir Bremen auf Distanz halten – und wir die ganze Region ist es auch wichtig, dass man dieses Heimspiel gewinnt. Und wir sind in letzter zeit ja sehr heimstark . . .“ Fink sagte weiter: „Wir haben zudem keine personellen Probleme, den Ausfall von Mancienne werden wir verkraften können, denn wir haben gute Leute dahinter.“ So wie Jeffrey Bruma, der in Nürnberg für Mancienne gekommen ist und seine Sache auch gut machte. Bruma gibt mir, vielleicht ja nicht nur mir, Rätsel in der Art auf, dass er eigentlich alle und auch allerbeste Voraussetzungen hätte, Stammspieler als Innenverteidiger des HSV zu sein. Bislang hat er das nicht geschafft, weil da in meinen Augen immer ein „kleiner Tick“ fehlte.

Und zwar in Sachen Engagement. Bruma versucht es immer auf die coole Art, zu cool für mich. Wenn er mehr Herz zeigen würde, wenn er deutlich mehr für die Mannschaft (und die Gemeinschaft) geben würde, dann wäre er aus der Mannschaft nicht zu verdrängen. Weil er eigentlich alles kann. Wenn ihm das (alles) einmal jemand unter vier Augen erzählen würde, damit er sich dann zu seinem Vorteil verändern würde, dann wäre der HSV (und auch Jeffrey Bruma) sicherlich einen großen Schritt weiter. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Bruma auf den Spuren von Gökhan Töre weilt. Auch in diesem deutsch-türkischen Fall droht ein großes Talent seine rosige Zukunft leichtfertig zu verschleudern. Aber vielleicht wacht Bruma ja auch genau jetzt, wo er eine erneute Chance der Bewährung erhält, endlich einmal auf – und zeigt alles, was er kann. Und lässt eben genau jene kleine Unkonzentriertheit weg, die er fast immer mal in einem Spiel gezeigt hat.

Thorsten Fink sagt, dass er in Richtung Sonntag keine große Veranlassung hat, die Mannschaft groß umzukrempeln. Das ist sicherlich auch richtig so. Eine Frage aber wird der Trainer noch zu beantworten haben: Tolgay Arslan oder Per Ciljan Skjelbred? Arslan wurde in Nürnberg, weil er gelb-rot-gefährdet war, in der 38 Minute vom Rasen genommen. Eine Vorsichtsmaßnahme. Skjelbred kam und machte seine Sache auf Anhieb nicht nur gut, sondern auch ein wenig besser als Arslan. Noch aber hat der Deutsch-Türke einen kleinen Bonus, einen (hauchdünnen?) Vorsprung gegenüber dem Norweger. Den hat sich Arslan durch gute und sehr gute Leistungen in der Hinrunde erarbeitet. Und es ehrt Fink, wenn er deshalb an dem Mittelfeld-Talent festhält. Noch. Ich glaube ja, dass Arslan gegen Werder von Beginn an spielen wird – doch der Druck wird nicht klein sein für ihn. Skjelbred wird auf der Bank sitzen und auch seinen Einsatz warten – ja, er wird brennen. Thorsten Fink zur Problematik Arslan/Skjelbred: „Per ist drauf und dran, in die Mannschaft zu kommen, aber ich überlege noch, ob ich das schon am Wochenende machen werde – weil Tolgay sich in der Hinrunde sicherlich einiges Gutes erspielt hat. Und wir brauchen ihn, gerade auch dann, wenn Rafael van der Vaart einmal ausfallen sollte. Ich schaue mal, will mich aber noch nicht festlegen“

Wobei Arslan natürlich auch ein wenig in der Zwickmühle steckt. Die beständig guten Leistungen, auf die der Coach jetzt verweist, die hat er – zur Überraschung vieler Experten (auch für mich!) – auf der „Sechs“ gezeigt. Da aber spielt längst Milan Badelj, sodass Arslan nun „rechtsdraußen“ sein Glück versuchen muss. Unglückliche Geschichte, denn ich denke mal, dass das nicht unbedingt sein Spiel ist. Auf der Sechs, obwohl ich ihm das in dieser Form nicht zugetraut hatte, hat er das Spiel des Gegners teilweise mit Auge, teilweise auch recht aggressiv zerstört. Arsan sah dabei das Spiel auf sich zukommen, eroberte den Ball und wusste zugleich bestens, wie er den Spielaufbau in die richtigen Bahnen lenken konnte. Genau das hat ihn zentral (auf der „Sechs“) ausgezeichnet. Rechtsdraußen aber ist ein anderes Spiel. Das konnte er zwar einst ganz gut, aber die „Sechs“ konnte er in dieser Saison am besten. Da hatte er seine beste Phase beim HSV. Nun bleibt aber abzuwarten, wie sich das alles für ihn weiter entwickeln wird. Skjelbred sitzt ihm im Nacken, Arslan könnten den Atem des Norwegers spüren – ob das bei dieser ohnehin nicht so ganz glücklichen Konstellation förderlich für ein gutes und selbstbewusstes Spiel ist? Ich habe da meine Zweifel.

Viel wird natürlich auch davon abhängen, ob der HSV es diesmal schaffen wird, von Beginn an Leben zu zeigen. „Wir haben in der zweiten Halbzeit zwar ordentlich gespielt, trotzdem müssen wir lernen, von Anfang an das zu machen, was wir in Nürnberg im zweiten Durchgang gemacht haben. Wenn wir das begreifen, mit Spaß und Freude, trotzdem aber auch aggressiv zu spielen, dann wird die Mannschaft noch das eine oder andere Spiel gewinnen – und am Sonntag erst einmal das wichtigste Spiel für uns“, sagte Thorsten Fink. Trotz der 0:5-Pleite gegen Dortmund wird dieses Spiel nicht leicht für den HSV. Fink: „Das weiß doch jeder. Das wird nicht einfacher durch dieses 0:5. Wir müssen dem Gegner zeigen, dass wir gut drauf sind. Sind wir am Anfang aber zaghaft, dann wird Werder Selbstvertrauen aufbauen können – und dann wird es schwer. Werder hat mit Thomas Schaaf einen sehr erfahrenen Trainer, er wird seine Mannschaft sicherlich heiß machen – wir müssen es schaffen, heißer als Werder zu sein.“

Noch nicht mit von der Partie am Sonntag wird wohl Petr Jiracek sein. Der Tscheche trainiert erst seit einer Woche mit der Mannschaft und wird sich auch weiterhin in Geduld üben müssen. Fink: „Er ist weiter an die Mannschaft herangerückt, aber er braucht auch noch Spielpraxis. Er war ja lange verletzt. Aber er wird in Zukunft sicherlich noch ein wertvoller Spieler für uns, nur hat er ja auch große Konkurrenz bei uns im Mittelfeld. Und wenn er jetzt schon dabei wäre, wäre das gegenüber den anderen Spielern auch ein bisschen ungerecht, denn die haben alle gut trainiert und befinden sich auch in einer bessere Verfassung. Jira muss noch einige Trainingseinheiten absolvieren, um wieder in den Kader zu rutschen.“

Schade eigentlich.

Nach dem Heimspiel gegen Werder wartet bekanntlich eine Woche später Eintracht Frankfurt (am 2. Februar) im Volkspark als Gegner. Und danach geht es für viele Spieler auf Länderspiel-Reisen. Bislang sind sieben HSV-Spieler in dieser Zeit zu ihren Nationalmannschaften gerufen worden: Heung-Min Son soll mit Südkorea am 6. Februar gegen Kroatien spielen, Jeffrey Bruma trifft mit der niederländischen U-21-Mannschaft auf Kroatien, Tomas Rincon absolviert mit Venezuela vom 3. bis zum 7. Februar einen Lehrgang in Spanien, Jaroslav Drobny und Petr Jiracek sind vom tschechischen Nationaltrainer zum Spiel gegen die Türkei (6. Februar) eingeladen worden, Christian Nörgaard spielt mit Dänemarks U 19 am 5. Februar gegen England, und der derzeit verletzte Jacopo Sala ist für Italiens U 21 gegen Deutschland (6. Februar) vorgesehen.

Und am 6. Februar wird die deutsche Nationalmannschaft zudem ein Freundschaftsländerspiel in Paris gegen Frankreich bestreiten, und da könnte dann Torhüter René Adler dabei sein. Apropos Adler. Ich traf heute am Gänsemarkt Andreas Köpke. Der deutsche Torwart-Bundestrainer besucht derzeit den Norden, besuchte in Hamburg Freunde (wird also kein Torwart-Trainer beim HSV – nein, ein Scherz!) und ist morgen bei seinen Eltern in Kiel zu Gast – und sieht sich am Sonntag HSV gegen Werder an. Auch sicherlich deshalb, um die Form von Adler zu überprüfen. Ich habe dem „Andy“ Köpke von Adler vorgeschwärmt („Bester Einkauf seit Jahrzehnten“) – hoffentlich zweigt es der HSV-Keeper dann auch am Sonntag. Aber da bin ich mir eigentlich absolut sicher, dass er das tun wird.

Auf dem Gang in die Redaktion habe ich noch kurz über Andreas Köpke nachgedacht. Wir kennen uns schon lange, lange. Als er noch das Tor von Holstein Kiel hütete. Da war es einst gute Sitte, dass die Holsteiner in Quickborn ihr Trainingslager aufschlugen – und denn gegen den Namensvetter Holstein ein Testspiel austrugen. Ich saß in der Hoffnung, dass sich mal ein Quickborner vor das Köpke-Tor verirrte, immer neben dem Kieler Tor – und hatte viel, viel Zeit, mit dem Keeper zu plaudern . . . Bei der Nationalmannschaft trafen wir uns dann später wieder. Erst als Torwart Nummer eins, dann als Trainer. Köpke ist klasse. Das nur mal am Rande. Und ich frage mich seit heute, was eigentlich aus Holstein Quickborn geworden ist. Man, mit dieser Super-Sportanlage, mit diesen engagierten Funktionären? Wie geht so etwas? Aber damit nun auch genug.

Noch einmal kurz zurück zum HSV. Auch Rafael van der Vaart hat in Hamburg noch nie gegen Werder (wie unangenehm!) gewinnen können. Er will das natürlich ändern, denn er sagt: „Wir sind im Moment besser, ich habe deshalb gute Hoffnungen, dass wir gewinnen werden.“

Das ist doch mal ein gutes Schlusswort!

PS: Morgen wird im Volkspark um 10 Uhr geübt.

19.12 Uhr

Fink, Teil 2: “Es war schon fast so weit, dass Arnesen oder ich gehen mussten…”

29. Dezember 2012

Morgen geht es wieder los. Um 15 Uhr bittet HSV-Trainer Thorsten Fink seine Spieler zur Vorbereitung auf die Rückrunde. Auch Petr Jiracek (Schambeim-OP) sowie Rafael van der Vaart sollen nach überstandenen Verletzungen wieder ins Training einsteigen. Ebenfalls die Spieler, denen der HSV einen Wechsel in der Winterpause nahe gelegt hat. Und davon sind noch einige da, nachdem bislang nur Tom Mickel (ablösefrei nach Greuther Fürth) abgegeben werden konnte. Fest steht inzwischen auch, dass David Jarolim dem HSV nicht als Führungsspieler für die U23 zur Verfügung stehen wird. Dass sich der Tscheche von Ex-Klubchef Bernd Hoffmann und Ex-Profi Stefan Schnoor helfen lässt – für mich nichts Besonderes. Deshalb gleich rein in Teil 2 von „Thorsten Fink über…“

…die Spieler, die ihre Verträge beim HSV „aussitzen“ wollen:
„Es steht mir nicht zu, über diese Spieler zu urteilen“, sagt Fink und fügt hinzu: „Wir haben Verträge mit den Spielern gemacht, die diese erfüllen können, wenn sie es wollen. Das ihr gutes Recht und die Pflicht des Vereins. Und bei mir haben alle Spieler die Möglichkeit, sich aufzudrängen. Allerdings haben wir mit allen Spielern sehr ehrliche Gespräche geführt und ihnen klar gemacht, dass sie sich dann auch über die Konsequenzen im Klaren sein müssen. Wir arbeiten hier offen und ehrlich und alle wissen, woran sie bei mir und uns als Verantwortliche sind. Denn so darf es keine Unzufriedenheit geben – weil sie es vorher wussten. Und letztlich entscheiden eh die Spieler, ob sie lieber spielen oder auf der Bank oder gar Tribüne sitzen wollen.

… seine größte Enttäuschung 2012:
Ich will da eigentlich nicht mehr auf Slobodan Rajkovic rumreiten. Boban und ich haben uns ausgesprochen und er ist wieder ein Teil des Teams wie alle anderen auch. Er kann sich mit guten Trainingsleistungen ebenso reinspielen wie alle anderen. Aber sein damaliges Interview war auch deshalb enttäuschend, weil ich den Spielern immer alle Freiheiten gebe. Fast genauso enttäuschend war für mich, wie Frank Arnesen hier einige Zeit lang beäugt wurde. Das habe ich mir anders vorgestellt. Immerhin will ich hier langfristig mit dem bestehenden Team zusammenarbeiten. Und dazu zählt ganz sicher auch Frank.

…die kritische Phase vor der Verpflichtung von Jiracek und van der Vaart:
Wir wurden hart kritisiert, und das wohl zurecht. Allerdings muss man hier in Hamburg lernen, dass wir erst einmal nur kleine Brötchen backen können. Hier lassen sich viele noch immer zu leicht von Momenten blenden. Sowohl wenn es ums Jubeln geht wie auch im negativen Fall. Das ist zwar überall so, das kenne ich ja auch noch aus meiner aktiven Zeit. Aber es ist hier schon extrem. Fakt ist, dass wir nach 2011/2012 auch dieses Jahr wieder einen Umbruch vollzogen haben und wichtige Spieler wie David Jarolim, Paolo Guerrero und Mladen Petric abgegeben haben, die allesamt als Leistungsträger galten. Wir sind noch nicht soweit, dass wir uns nur noch punktuell verbessern. Wir haben uns auch dieses Jahr nicht verstärkt sondern wieder etwas neu aufgebaut. Das Nachbessern und steigern kommt erst noch…

…die Systemumstellung:

Das System machen die Spieler, die ich als Trainer zur Verfügung habe. Und plötzlich musste ich mich fragen, wie ich zwei große Talente wie Son und Beister stärken kann. Ich musste mich fragen, wie ich das Problem im Sturm lösen und wie ich Dennis Aogo wieder einbauen kann. All das hat am Ende dazu geführt, dass wir umgestellt haben. Wir haben so mehr Ballsicherheit und sind zusätzlich über die Außen noch variabler. Positiv überrascht war ich davon, wie gut die Mannschaft all das umgesetzt hat, nachdem nach Jiracek auch noch van der Vaart ausgefallen war. Aber es zeigt mir auch, dass wir uns weiterentwickeln. Und darum geht es hier.

…Frank Arnesen:
Frank ist ein guter Kollege und ein absoluter Teamplayer. Ich hätte es auch zur größten Enttäuschung 2012 zählen können, dass die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wurde, war nicht korrekt. Besser gesagt, die Art und Weise, wie mit uns umgegangen wurde. Denn einige haben so getan, als wollten sie uns helfen. Dabei haben sie nur versucht, uns ein gestörtes Verhältnis anzudichten. Auch wenn man es den Flüsterern nicht glaubt, ein klitzekleiner Rest Zweifel bleibt. Diese Situation wurde schon sehr weit getrieben. Ich dachte schon, einer muss gehen. Aber genau deshalb haben Frank und ich uns immer ausgesprochen. Wir wussten eigentlich immer, wie es um uns bestellt war. Wir verstehen uns top – aber wir diskutieren trotzdem. Das interpretieren offensichtlich einige falsch, denn das gehört dazu und ist sogar förderlich. Zudem ist Frank keiner, der laut wird. Und er setzt sich durch. So wie im Fall Rene Adler, was ich ihm hoch anrechne. Bei aller Kritik an Frank muss am Ende doch das gewertet werden, was rauskommt. Und da sehe ich sehr talentierte, junge Chelsea-Spieler. Die sind alle gut. Und für Töre gab es doch letztlich noch viel Geld! Wen hat Frank denn sonst geholt, der nicht gut ist? Rafa? Milan? Petr? Allesamt super. Aber das reicht einigen nicht. Die suchen dann Artjoms Rudnevs aus und bemängeln dessen technische Fähigkeiten. Trotzdem hat dieser Spieler im Ergebnis sechs Tore erzielt. Was also will man gegen Franks Personalstrategie sagen? Ich hoffe nur, dass hier alle etwas gemäßigter reagieren und uns in Ruhe arbeiten lassen, auch wenn es mal etwas schwer fällt. Denn inzwischen haben wir hier einen Trainerstab und Vorstand, die eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig stützen. Hier braucht kein Spieler zu glauben, ein Trainerwechsel würde ihm Veränderungen bringen, nein. Wir haben hier eine gemeinsame Philosophie, die wir durchsetzen. Zusammen.

Klare Worte von Fink, die mich ahnen lassen, weshalb nahezu alle Spieler seine motivierende Art loben. Fink ist schon wieder auf Betriebstemperatur. „Ich brenne sogar auf den Beginn der Vorbereitung“, so Fink, der nach eigener Aussage keine Pause braucht, um Kraft zu tanken. „Für mich ist es nur wichtig, mal etwas Abstand zu den Leuten zu haben, mit denen ich täglich zusammenarbeite. Das garantiert, dass keine Abnutzung und/oder Gewöhnung uns lahmen lässt. Das ist wichtig. Denn so kommen wir zusammen und sprühen vor Energie.“

Wohin diese Energie führt, wollte Fink nicht abschließend prognostizieren. Dafür habe ich ihm noch ein paar Sätze in den Mund gelegt, die der Trainer mit Ernsthaftigkeit und auch mal der richtigen Portion Humor zu beantworten wusste. Aber lest selbst…

Am Saisonende werden wir…
…unsere Ziele erreicht haben.

Der HSV wird wieder Meister, wenn…

…man mich hier mal fünf Jahre am Stück arbeiten lässt (Fink lacht). Aber im Ernst, das steht in den Sternen, so etwa ist nicht kalkulierbar. Wir können nur zusehen, die Wahrscheinlichkeit eines Titels zu erhöhen, indem wir uns hier nicht vom Weg abbringen lassen. Dafür ist es besonders wichtig, dass die Entscheidungsträger die nötige Geduld mitbringen und alle den Blick für den eingeschlagenen Weg im Auge behalten. Egal, was gerade links oder rechts des Weges stört…

Hakan Calhanoglu wird bei uns…
…reifen und am Ende die Qualität haben, Rafael van der Vaart zu ersetzen. Hakan wird Zeit brauchen – und wir geben sie ihm. Denn er hat alle Voraussetzungen.

Für 2013 kann ich den Fans versprechen, dass sie…
…von mir nie irgendwelche Versprechung zu hören bekommen. Das ist nichts für mich. Ich mache lieber als nur darüber zu sprechen. Klar ist aber, dass sie 2013 häufiger Spiele sehen werden wie das gegen Schalke.

Tiki taka wird es beim HSV…
…niemals geben. Das ist dem FC Barcelona vorbehalten und innerhalb von ein, zwei Jahren nicht umzusetzen. Der Weg dahin ist sehr lang.

Lionel Messi würde beim HSV…
…sein fernbleiben zu Saisonbeginn wettmachen können, indem er herwechselt. Er würde auch sehr gut aufgehoben sein und unter meiner Führung aller Wahrscheinlichkeit nach (Fink lacht) einen Stammplatz haben.

Hamburg ist die Stadt…
…in der jeder mal gewohnt haben sollte. Ein Traum.

Ich werde 2013…
…versuchen, hier Trainer zu bleiben. Aber im Ernst: Ich werde mich aufreiben und in allen Bereichen Vollgas geben und den Verein mit allen mir verfügbaren Mitteln verteidigen. Ich brenne darauf, Fortschritte mit der Mannschaft zu machen und ich werde dafür alles geben. Sollte mich irgendjemand daran hindern wollen, wird es ungemütlich für ihn. Ich habe noch lange nicht genug, ganz im Gegenteil: Ich brenn’ wie ne Fackel…!

Ich auch. Auf den HSV und auf Fußball. Allerdings jetzt auch auf meinen Feierabend. In diesem Sinne, genießt das Wochenende. Morgen ist wieder Dieter dran, dann mit dem Trainingsauftakt. Davor stehen uns Rafael van der Vaart und Fink zur Verfügung.

Bis morgen,
Scholle

Jetzt fehlt nur noch van der Vaart

29. August 2012

Der HSV ist eben Herzensangelegenheit. Dem Klub geht es, sagen wir mal, nicht gerade rosig, der Klub hat sich fast schon ans Verlieren gewöhnt, aber die Fans klammern sich an jeden Strohhalm, der greifbar ist. Deshalb gab es an diesem Mittwoch einen großen „Bahnhof“ für zwei Neue: Milan Badelj und Petr Jiracek wurden wohlwollend von über 800 HSV-Anhängern empfangen und bei bestem Sommerwetter mit begleitetem Applaus auf dem Weg zum Training begleitet. Vor ein paar Tagen hatte mein Kollege Jürgen Schnitgerhans von der Bild geschrieben, dass die Herren des HSV „endlich aufwachen sollen“, und prompt wachten sie auf. Jetzt wird alles gut? Ich bin davon überzeugt, weil ja beim HSV noch ein Name in der Pipeline steckt: Rafael van der Vaart. Bei den Fans, die heute im Volkspark waren, war der Name des „kleinen Engels“ in aller Munde. Die meisten sind davon felsenfest überzeugt: „Raffa wird auch noch kommen . . .“ Abwarten.

Für Abendblatt-Blogs


Auf jeden Fall hatte die Online-Redaktion der Bild am heutigen Nachmittag für Verwirrung gesorgt, denn für ein paar Minuten war dort zu lesen, dass die Rückkehr des Niederländers zum HSV perfekt sei. Diese Nachricht wurde aber nur Minuten später ersatzlos aus dem Verkehr gezogen. Wussten die Kollegen schon mehr? Oder wurde da nur für den Fall der Fälle geprobt? Sei es wie es sei, bis Freitag wird es wohl spannend bleiben, dann schließt das Transferfenster des Sommers 2012. Ich denke ja, dass HSV-Sponsor (-Mäzen, -Gönner, – Investor) Klaus-Michael Kühne doch noch zuschlagen wird. Er wollte van der Vaart, er hat immer um ihn gekämpft, und er wird sich diese Chance nicht entgehen lassen, ihn persönlich nach Hamburg zu bringen. Sonst würde es doch wohl noch lange heißen: „Selbst die vielen Kühne-Millionen haben es nicht geschafft, Raffa wieder in den Volkspark zurück zu bringen . . .“

Und auch wenn es eine gewisse Disharmonie zwischen der HSV-Führung und Kühne gab – in diesem Fall werden die Herren an einem Strang ziehen. Denn, auch das schrieb der Kollege Schnitgerhans, es ist bereits fünf nach Zwölf, und das haben nun doch alle im HSV erkannt. Sie tun doch jetzt, wenn auch erst in letzter Sekunde, aber sie tun. Sie gehen sogar Risiko, und zwar kein ganz so kleines, vielleicht ist es sogar größer als jenes Risiko, das einst die (der) Vorgänger von Carl-Edgar Jarchow im Verborgenen eingingen – und dabei verloren. Uwe Seeler hat es bereist vor vielen Wochen gesagt: „Ein Abstieg käme den HSV teurer, als jetzt Risiko zu gehen.“ Diesem Aufruf (?) sind die Führungsherren nun gefolgt – und das lobe ich deshalb auch einmal ausdrücklich. Es hätte auch weiterhin tief und fest geschlafen werden können, aber nein, der HSV ist aufgewacht und versucht alles. Auch wenn es dem Klub (finanziell) sehr wehtun wird. Denn Geld, das wissen inzwischen alle, ist eigentlich keines mehr da. Deshalb noch einmal: Kompliment für diesen risikoreichen Weg (in Sachen Finanzen). Aber nur so war diese fast schon festgefahrene Situation noch zu retten – nur noch so. Und nun heißt es Daumendrücken, dass dieser Weg auch zum Erfolg führt. Das heißt, der Nicht-Abstieg des HSV ist nun hoffentlich am Ende dieser Saison beschlossene Sache. Andernfalls könnten diese Schüsse, die nun losgelassen worden sind, auch schnell nach hinten gehen . . . Was wir alle nicht hoffen wollen – natürlich nicht.

Dass sowohl Milan Badelj als auch Petr Jiracek Verstärkungen für den HSV sind, das steht für mich außer Frage. Diese beiden Spieler bedeuten „Soforthilfe“, sie werden schon am Sonnabend in Bremen mit von der Partie sein – obwohl das natürlich noch nicht gleichbedeutend mit einem Auswärtssieg sein muss (sein wird). Dazu gibt es dann doch noch immer die eine oder andere Baustelle mehr, die noch zu beackern sein wird. Vor allen Dingen die im Angriff. Denn nach wie vor frage ich mich, wen dann der Herr van der Vaart schicken soll? Da käme für mich in erster Linie Maximilian Beister in Frage, und dann Artjoms Rudnevs. Wobei ich glaube, dass die Stunden des Letten nun schon am Sonnabend im Weserstadion schlagen wird. Ob das letztlich ausreichend für, für eine ganze Saison, das vermag ich abschließend nicht zu beurteilen, aber ich habe da nach wie vor meine Zweifel. Doch zu Not könnte in Sachen Angriff ja noch im Winter nachgebessert werden – zur Not.

Erst einmal ist die Freude darüber, dass zwei aktuelle Nationalspieler neu zum HSV gekommen sind, groß. Milan Badelj (er spricht sich Badel aus – mit einem ganz kleine, verschluckten J am Ende – aber mehr Badel) ist 23 Jahre alt und hat gestern noch für Dinamo Zagreb (in und gegen Maribor) den Einzug in die Champions League klar gemacht. Und nun droht ihm der Abstiegskampf in der Bundesliga. Er sagt: „Das ist der Fußball.“ Und: „Ich hatte schon vorher beim HSV zugesagt, bevor wir mit Dinamo die Champions League erreicht hatten.“ Das ist Schicksal. Er freut sich aber schon auf das Derby, und er weiß: „Bremen – HSV ist wie HSV gegen St. Pauli. Ich weiß um die Bedeutung, ich habe die Bundesliga immer im Fernsehen verfolgt. In Kroatien wissen alle, dass der HSV ein großer Klub ist.“

Hoffentlich bleibt er das auch – aber Badelj, der in vier Jahren für Dinamo Zagreb 188 Spiele absolvierte, soll ja mithelfen, dass es so bleibt. Aber er sagt: „Es ist doch erst ein Spieltag vorbei, ich muss mir erst ein Bild machen, was möglich ist –aber ich will immer das Maximale erreichen, das ist klar.“ Informationen über den HSV und die Bundesliga hat er sich vom ehemaligen HSV-Spieler Josip Simunic und auch vom früheren HSV-Liebling Ivica Olic eingeholt, und natürlich von Landsmann Ivo Ilicevic. Badelj wird übrigens künftig die Nummer 14 tragen, die von David Jarolim. Und die einst Johan Cruyff weltberühmt gemacht hat. Der Kroate sagt: „Ich weiß, dass das eine berühmte Nummer ist, ich möchte damit auch großen Erfolg haben.“

Die Rückennummer 19 wird in Zukunft Petr Jiracek (26) auf dem Rücken tragen. Der vom VfL Wolfsburg gekommene Profi wirkt im ersten Moment ein wenig schüchtern und introvertiert – auf dem Platz, das hat die Europameisterschaft in diesem Jahr gezeigt, ist der langmähnige Mittelfeldspieler allerdings alles andere als zurückhaltend. Da ist der Dauerläufer ein großer Kämpfer, der mit Herz und Leidenschaft zur Sache geht – und zwar 90 Minuten.

Kurios: Bei der heutigen Vorstellung von Jiracek spielte ein „Schweiger“ eine oder die große Rolle: Jaroslav Drobny. Der Torwart war der Übersetzer, obwohl Petr Jiracek schon gut Deutsch versteht und auch schon sprechen kann. Sicher ist sicher. Drobny hat seit vielen, vielen Monaten nichts gesprochen, dass er es heute tat, ist ihm sehr hoch anzurechnen – Respekt. Und der Keeper verriet sogar, was er über seinen Landsmann (als Fußballer) denkt: „Ein guter Typ, ein Super-Typ, jeder weiß, er war unser bester Mann bei der EM, er genießt in der Nationalmannschaft einen sehr guten Ruf und genießt auch viel Respekt in Tschechien.“ Und Drobny verriet auch: „Petr weiß, dass die Fans jetzt viel von ihm erwarten, er wird auch alles geben und immer für den HSV kämpfen, doch die Leute sollen bedenken, dass er allein es auch nicht schaffen kann.“ Natürlich nicht. Aber die beiden Neuen werden den einen oder anderen Nebenmann (oder alle?) ganz sicher mitreißen – zum Wohle des Klubs. „Ich hoffe, dass wir so in jedem Spiel einen Schritt nach vorne machen werden“, sagt Jiracek. Wir hoffen mit ihm.

Und wo ich gerade bei Tschechen bin: David Jarolim hat nun (doch) beim FC Evian in Frankreich unterschrieben. Hat sich dann doch nur um einen Tag verschoben. Ich habe „Jaro“ im Namen aller „Matz-abber“ zu seinem neuen Arbeitgeber gratuliert – und er hat sich per SMS bedankt.

Dann war heute der Sportchef in aller Munde. Es wird in diesen Tagen viel über die Zukunft von Frank Arnesen spekuliert. Auch bei „Matz ab“. Viele fragen sich, warum der Däne so plötzlich im Blickpunkt steht – und längst nicht mehr unumstritten ist. Einige sprechen (und schreiben) sogar schon von Trennung und Abschied aus Hamburg, doch davon weiß ich erstens nichts, und zweitens habe ich zu einem solchen Gerücht auch keinerlei Nahrung erhalten. Ich gehe davon aus, dass Frank Arnesen noch lange beim und für den HSV arbeiten wird.

Warum er so in „Ungnade“ (wenn man das so sagen kann?) gefallen ist, liegt sicherlich auch darin begründet, dass der HSV in Sachen Verpflichtungen nicht so richtig „in die Pötte“ gekommen ist. Mal hieß es, es soll ein Zehner kommen, dann hieß es (von Arnesen), dass wenn es keinen Zehner gibt, es auch keiner geholt wird. Da spielte eine gewisse Ratlosigkeit mit hinein, die wiederum andere HSVer sprachlos machte. Und wenn Milan Badelj zum Beispiel für Kroatien spricht, dass der HSV in seiner Heimat immer noch ein großer Klub ist, dann denken vielleicht auch die Verantwortlichen daran, dass ein HSV vielleicht doch ein wenig offensiver an die Neuverpflichtungen herangehen könnte. Frank Arnesen wirkte aber oft auch ein wenig zu zögerlich und zauderhaft.

Was eventuell auch noch für ein wenig Verdruss sorgte ist die Tatsache, dass der Däne den HSV-Kader, dem von fast allen Experten in Deutschland ein schlechtes Zeugnis ausgestellt wurde (können die wirklich alle irren?), immer als absolut bundesligatauglich hinstellte und lobte. So nach dem Motto: „Der Veranstalter lobte die Veranstaltung.“ Vielleicht hatten die HSV-Führungsherren aber ja auch nur Angst, dass Arnesen diese Einschätzung tatsächlich so meinte, wie er sie stets nach außen verkündete. Und das hätte dann in der Tat bedeutet, dass da irgendetwas nicht so richtig stimmt und im Lot ist – beim HSV. Nämlich die Sache mit dem Anspruch und der Wirklichkeit.

Und dazu finde ich, um mich nicht zu drücken, dass Frank Arnesen tatsächlich mehr für sein glückliches Händchen wird tun müssen. Ich habe ihm im vergangene Jahr stets in Schutz genommen, als es um die Verpflichtungen der fünf Chelsea-Buben Rajkovic, Bruma, Mancienne, Sala und Töre ging. Der Grund für meinen Zuspruch: Es sollte jeder einmal für sich versuchen, „ohne“ Geld einzukaufen. Und Arnesen hatte so gut wie kein Geld in der Hand, musste aber etwas „anschleppen“. Dafür hat er aus der Not eine Tugend gemacht. Das war in meinen Augen gut. Dass er dann mit den „richtigen“ Einkäufen, mit Ivo Ilicevic und Per Ciljan Skjelbred, ein wenig (heftiger) daneben lag, das wird ihm heute ganz sicher angekreidet. Zumal mit Artjoms Rudnevs in diesem Jahr ja auch noch ein Spieler kam, auf den „ganz Hamburg“ immer noch wartet – dass er sich entwickelt. Und das sollte sich jeder (hier) einmal vor Augen halten: Jiracek und Badelj werden am Sonnabend wohl gleich zum Einsatz kommen, auf Rudnevs haben wir bislang vergeblich gewartet. Er wird nun wohl in Bremen kommen, das mag wohl sein, aber ich sage trotz allem: Soforthilfe sieht anders aus. Aber nun hoffen wir eben alle auf Sonnabend. Mit Rudnevs, Badelj, Jiracek und vielleicht sogar mit der „ewigen 23“. Ich hoffe und glaube daran.

Übrigens: Im Blog wird geschrieben, dass ich am Sonntag Gast im Doppelpass von „Sport 1“ bin, aber das kann ich nicht bestätigen – ich weiß von nichts.

PS: Morgen ist um 10 Uhr Training im Volkspark (sorry, nicht 19 Uhr, das war ein Tippfehler, danke für den Hinweis)

19.42 Uhr

Das darf einfach nicht der HSV-Anspruch sein…

22. August 2012

Es tut schon weh, Europa League zu sehen. Nicht weil der HSV nicht mitspielt – das geht vielen anderen Mannschaften auch so. Solche Zeiten kann man überstehen und sich neu aufstellen. Solche Zeiten bieten sogar ungeahnt große Chancen. Aber: es schmerzt, weil der Abstand des HSV zum großen europäischen Bühne so groß wie lange nicht mehr ist – und vor allem, weil er immer größer wird. Inzwischen ist sich der HSV nicht einmal mehr einig über den gemeinsamen Weg. Da sagt Frank Arnesen ganz offen, dass es Spieler gibt, die nur mit der Hilfe von Herrn Kühne zu finanzieren wären und dass darüber nachgedacht wird, der Kontakt zum Speditionsmilliardär da ist. Auf der anderen Seite widerspricht Klubboss Carl Jarchow seinem (immerhin auch) Vizepräsidenten und schließt eine Kooperation aktuell aus. Da sagt Arnesen, dass er keinen Spieler holen werde, nur um einen zu holen und Trainer Thorsten Fink sagt auf derselben Veranstaltung, dass auf jeden Fall noch ein kreativer Mittelfeldmann kommen werde. Es passt im Moment auf Führungsebene eben genau so viel zusammen, wie auf dem Platz.

Und dass das nicht viel ist, weiß inzwischen fast jeder. Auch hier im Blog, wo sich noch immer einige unerschütterliche Fans unfassbar über Dieter gestrigen Blog aufregen, haben die meisten Fans erkannt, dass Fantreue nicht nur blindes vertrauen in die Verantwortlichen bedeutet sondern auch, den Finger in die offene Wunde zu legen. Das äußert sich in den verschiedensten Formen – und zum Glück immer häufiger auch in konstruktiver Kritik. Denn das, was sich beim HSV derzeit abspielt, ist mit „fahrlässig“ noch beschönigt umschrieben. Oder glaubt hier irgendjemand, dass ein Frank Arnesen mit diesem Kader zufrieden ist? Glaubt jemand ernsthaft, dass Thorsten Fink keine Neuen mehr fordert? Beide wissen nur zu gut, dass es bei ausbleibendem Erfolg als allererstes um ihre Köpfe gehen wird. „Die Situation ist wie sie ist“, sagt Arnesen nur noch, „damit muss ich arbeiten.“

Klingt nach hundertprozentiger Überzeugung, meint Ihr nicht…?!?

Nein, liebe Blogger, was Dieter geschrieben hat, trifft es. Es herrscht momentan eine giftige Mixtur aus persönlichen Eitelkeiten, falscher Vorsicht bei Neueinkäufen und Ideenlosigkeit. „Wir holen keinen Zehner, nur um einen zu holen“, hat Arnesen heute wiederholt. Und das kann er nur deshalb gesagt haben weil er schon einen Namen parat hat. Denn alles andere käme seinem Scheitern gleich. Oder ist es zu verstehen, dass der Mann mit dem dicksten Notizblock Europas, wie der sympathische Däne vorgestellt wurde, es in den letzten Monaten (eigentlich seit Amtsantritt) nicht geschafft hat, eine passende Alternative aufzutreiben? „Wir haben das eingenommene Geld ungefähr wieder in Neue investiert“, sagte der Sportchef heute. Soll heißen, das Guerrero- und Töre-Geld sowie die eingesparten Gehaltsmillionen bei Petric stecken in Adler, Rudnevs, Scharner, Beister und Badelj. Geld für einen Zehner? „Im Moment müssen wir nach anderen Lösungen suchen“, so Arnesen ausweichend. Es ist einfach kein Euro mehr da, obwohl der Zehner die von allen immer und immer wieder beteuerte Priorität hatte. Bitter.

Heute wird wieder das Fass van der Vaart aufgemacht. Selbst Fink und Arnesen wollen einen Transfer des Niederländers nach Hamburg auf den letzten Metern der Transferfrist, die am kommenden Sonnabend endet, nicht ausschließen und wanden sich bei den Nachfragen. Arnesen sagte zwar, dass der Niederländer „im Moment kein Thema“ ist, allerdings feuerte er die Spekulationen noch an. Bei Tottenham wüsste man, dass Präsident Daniel Levy immer wieder Transfers in den letzten Sekunden der Transferfrist durchziehen würde. „Der braucht diesen Kick“, so Arnesen, der mit diesen Aussagen bei seinem eigenen Vorstandsboss keine Freudensprünge ausgelöst haben dürfte. Immerhin wäre van der Vaart nur mit sehr großzügiger Hilfe von Kühne finanzierbar…

Apropos Jarchow: Gestern wurde der Klubboss auf der NDR-Veranstaltung gefragt, warum er die von Euch gestellten Fragen nicht beantwortet hätte. Und bei aller Kritik – diesmal ist Herr Jarchow absolut schuldlos. Ich habe ihm die Fragen einmal leicht gefiltert zugeschickt – ihn dabei aber nicht erreicht. Deshalb, ganz klar: Mein Fehler! Als ich von Jarchow hörte, er hätte die Fragen nicht bekommen, hatte ich die Idee, die Fragen nicht schriftlich beantworten zu lassen, sondern vor der Kamera, da so sicherlich deutlich mehr Fragen beantwortet werden könnten. Das hatte ich leider vergessen, hier mitzuteilen, aber das machen wir jetzt. Dieter und ich sind dafür mit Jarchow für Mitte kommender Woche – weil wir das erste Spiel in der Bundesliga unbedingt abwarten wollten – verabredet. Wir werden dann eine Matz-Ab-Sendung drehen und möglichst viele Eurer Fragen von Carl Jarchow beantworten lassen. Dessen Zusage steht.

Sitzen wird am Wochenende Zhi Gin Lam. „Dennis wird den Vorzug erhalten“, ließ sich HSV-Trainer Thorsten Fink heute am Rande der Präsentation der neuen Panini-Bilder entlocken.

Einschub in eigener Sache: Kommt es nur mir so vor oder vermarktet der HSV wirklich alles, was es zu vermarkten gibt? Und wo bleibt dann das eingenommene Geld? Aber okay, es seien noch eine Menge finanzieller Altlasten abzuarbeiten, sagt Jarchow, der seinerseits optimistischer ist als manch anderer. Die Negativstimmung schon im Vorfeld einer Saison habe er so noch nie miterlebt, sagt Jarchow. Und damit mag er Recht haben. Auch damit, dass genau in dieser mehr als geringen Erwartungshaltung von außen eine große Chance liegt.

Aber mal im Ernst: geht es darum? Oder wäre es nicht für alle Beteiligten von Vorteil, eine Art Aufbruchstimmung mit neuen (meinetwegen auch alten) Hoffnungsträgern zu verbreiten? Ich befürchte, wir kommen irgendwann soweit, dass die HSVer sich im Recht sehen, wenn sie nur nicht absteigen. Und das ist ein Anspruch, der so unfassbar niedrig ist. Es ist ein Nicht-Anspruch, den die Nummer eins in einer der reichsten Städte Europas meiner Ansicht nach nicht haben darf.

Der Anspruch fürs Wochenende ist zumindest noch ein Sieg. Zum Glück. Und den plant Thorsten Fink mit einigen Umstellungen. Heung Min Son wird voraussichtlich erneut die Rolle des verletzten Tolgay Arslan bzw. des noch nicht gefundenen kreativen Mittelfeldspielers übernehmen. Diekmeier wie bereits erwähnt Lam ersetzen und Jacopo Sala dafür Maxi Beister auf rechts. Trotz seines Treffers gegen Karlsruhe kritisierte Fink heute seinen Rückkehrer. „Er muss defensiv noch mehr machen, dort dazulernen“, so Fink, der Sala die Rolle als rechter Mittelfeldmann zutraut und dem Italiener gutes Training attestierte. Zudem machte Fink heute Per Skjelbred Hoffnungen auf einen erneuten Startelfauftritt am Sonnabend gegen Nürnberg. „Er hat im Moment die Nase vorn“, so Fink.

Dieter hat den Status Quo sehr emotional, aber absolut passend beschrieben. Und auch seine Forderung, dass alle Beteiligten endlich aufwachen müssen, unterstütze ich zu 100 Prozent. Sie ist richtig. Und wichtig. Denn mit diesem Kader und der bislang unbegründeten Hoffnung auf Besserung in die Saison zu gehen, wäre fahrlässig. Das weiß Fink und macht intern Druck. Das weiß Arnesen, der nicht umsonst die Fässer Kühne und van der Vaart öffnete bzw. offen ließ und zudem den in großen Teilen sicherlich notwendigen aber in dieser Form auch gefährlichen Konsolidierungskurs öffentlich anprangerte („Wir dürfen uns nicht kaputtsparen“). Und das wissen inzwischen selbst die Spieler. Einige äußern sich hinter vorgehaltener Hand, andere übernehmen Verantwortung. Immerhin ging einer von ihnen inzwischen zu Arnesen und fragte offiziell nach, was personell noch geplant sei, weil er sich Sorgen macht.

In diesem Sinne, noch ist Zeit. Wenn auch nicht mehr viel. Aber immerhin noch etwas Zeit, um bisherige Mängel aufzuarbeiten.

Bis morgen,
Scholle

Arnesen: “Wir haben fantastisch gearbeitet.”

29. Juli 2012

Schon in der Ära vor Carl-Edgar Jarchow war – kurzfristig – einmal die Idee geboren worden: „Wir verpflichten nur noch Spieler, die unter 30 Jahre alt sind, und wir verpflichten vor allem nur noch charakterstarke Spieler.“ Ja, das war ein großes Vorhaben, aber nach dem Motto „Was stört mich mein Geschwätz von gestern“ wurden diese Vorhaben schon nach wenigen Wochen über den Haufen geschmissen. Nun aber, und zwar ohne große Worte, scheinen „charakterstarke“ Spieler wieder total „in“ zu sein beim HSV. Schon bei Artjoms Rudnevs schwärmte Sportchef Frank Arnesen: „Er hatte ganz plötzlich viele Angebote anderer Klubs, aber er hatte bei uns schon zugesagt, deswegen war es für ihn keine Frage, den anderen Angeboten zu widerstehen – er ist ein charakterstarker Spieler, er musste über andere Klubs gar nicht erst nachdenken.“ Ähnlich verhielt es sich zuletzt auch mit Milan Badelj. Plötzlich mischte Fenerbahce Istanbul mit, aber weil Badelj ein „charakterstarker“ Spieler ist, wie Arnesen weiß, war das Angebot der Türken keine Konkurrenz für den HSV. „Er hatte uns zugesagt, dabei blieb er – weil auch er charakterstark ist“, sagte Arnesen nicht ohne ein wenig Stolz in der Stimme. Für den (neuen) Teamgeist beim HSV können solche Spieler ganz sicher nur von Vorteil sein. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt.

Rudnevs zum Beispiel könnte ja, wenn er es nicht auf Anhieb in die Mannschaft schafft, eventuell sauer sein – und überreagieren. Könnte. Ist er aber charakterstark, dann ordnet er sich dem Wunsche des Trainers und auch des Erfolgs der Mannschaft unter – und macht gute Miene zum für ihn schlechten Spiel. Es könnte so sein, muss aber auch nicht. Vielfach wurde ja schon kritisiert, dass „Scholle“ und ich den Letten schon viel zu früh zu schlecht sehen. Mag sein, dass da etwas dran ist, aber ich gebe zu bedenken: Lobt man den neuen HSV-Stürmer – und er bringt es später nicht, dann heißt es doch auch (schon oft genug erlebt): „Ja, hinterher kann man so etwas immer leicht sagen, das hätte man aber auch gleich wissen und sehen können . . .“ Wie gesagt, oft genug hier schon gelesen.

Dabei will ich dem guten Artjoms Rudnevs ja gar nichts Böses. Ich wäre der glücklichste Mensch, wenn der aus Polen gekommene Torjäger hier knipst, knipst, knipst und knipst und die ganze Bundesliga aufmischt. Doch danach sieht es zurzeit eben noch nicht aus. Und da ich schon einige Spieler, auch Stürmer, beim HSV kommen und gehen gesehen habe, habe ich mir auch schon ein Urteil gemacht. Ich glaube eben, dass er es schwer haben wird. Und ich hoffe eben, dass ich später sagen kann, dass ich mich erstens geirrt habe, und dass ich mich mit dem HSV und seinem Sportchef freuen kann, einen solchen „Goldfisch“ an Land gezogen zu haben.

Wobei ich mal eines sagen möchte: Ich mache meinen Job nun über 30 Jahre, da hat man vielleicht schon einen Blick, wohin der Wagen rollt. Allerdings fällt mir jetzt spontan ein, dass ich mich mal ganz gravierend bei Oliver Bierhoff geirrt habe. Als der damals den HSV verließ, habe ich zu mir gesagt: „Den guten Oliver siehst du nie wieder . . .“ Und dann wurde er in Italien Torschützenkönig. So spielt das Leben (eines Journalisten) dann auch. Ich habe mich gewiss auch einige Male noch in HSV-Spielern geirrt, und deswegen will ich ja auch nicht behaupten, dass Rudnevs ein Fehleinkauf wird – wir wollen mal abwarten. Bislang ist er für mich aber noch nicht der Reißer, den der HSV dringend benötigt.

Ich habe Artjoms Rudnevs auch speziell bei seinem letzten Spiel beobachtet. Beim 6:0-Erfolg in Norderstedt kam er in der zweiten Halbzeit. Der Lette schoss ein Tor, als er einen Querpass von Heiko Westermann (?) nur noch aus wenigen Metern ins Tor lenken musste. Danach hatte er noch gute und beste Einschusschancen, traf aber nicht noch einmal:

52. Minute, Rudnevs allein vor dem Norderstedter Torwart, der Schuss des HSV-Stürmers aus sieben Metern fliegt links am Tor vorbei.
55. Minute, das Norderstedter Tor ist (fast) leer, der Keeper hatte gerade einen Schuss des HSV abgewehrt, der Ball kommt zu Rudnevs, Fallrückzieher aus acht Metern – der Ball fliegt über das leere Tor.
61. Minute, Rudnevs erneut allein vor dem Norderstedter Torwart, schießt aber aus 13 Meter mit links am langen Eck vorbei.
72. Minute, Tolgay Arslan schickt Rudnevs halbrechts steil, der Lette läuft im EN-Strafraum zum Ball, kann ihn aber nicht stoppen, die Kugel rutscht ihm unter dem Fuß durch nach rechts Richtung Eckfahne, Chance vertan, das Publikum stöhnt laut auf. Hätte Rudnevs den Ball gestoppt, wäre er erneut ganz allein vor dem Keeper aufgekreuzt.

Das waren nur einige Momentaufnahmen, sie müssen nicht unbedingt gegen Rudnves sprechen. Der Stürmer hat sich ganz gut bewegt, wirkte quirliger als sein „Vorgänger“ Marcus Berg (der bis zum Halbzeitpfiff stürmte), auch schneller, nicht aber unbedingt ballsicherer. Rudnevs sucht aber den direkten Weg zum Tor, während Berg, um mal bei dem vielleicht größten Rudnevs-Konkurrenten zu bleiben, zu oft den Weg zum Tor abbricht und den Ball auch dann noch vertändelt.

So, das waren meine Eindrücke vom Freitag. Überrascht bin ich immer nur, wenn ich lese und höre, dass man den guten Rudnevs noch lange nicht abschreiben darf – weil er ja erst einige Tage beim HSV sei. Das ist ja richtig, nur sagen es auch einige Leute, die Rudnevs noch nie live haben spielen oder trainieren sehen. Quasi Hellseher. Aber gut, auch die werden eines Tages sehen, ob sie mit ihren Einschätzungen richtig lagen. Wir bleiben dran an diesem Thema.

Kurz fällt mir, wo ich gerade bei HSV-Sturm bin, eine Szene aus Norderstedt ein, die einige Fans auf die Palme brachte. Marcus Berg lief allein auf das gegnerische Tor zu, drehte aber ab – Ball weg. Da schlug ein HSV-Fan vor Wut gegen die Tribünenwand und fluchte laut: „Lasst uns die Stürmer tauschen. Berg zu Norderstedt, und wir nehmen den Norderstedter Sa Borges Dju – dann gewinnen wir zweistellig.“ Weil der Oberliga-Stürmer in der ersten Halbzeit (gegen die HSV-Innenverteidigung Bruma/Nörgaard) wirklich ganz groß aufzog, dreimal allein vor Torwart Mickel stand (aber alles vergab).

Einige von euch haben ja auch gemeint, dass Artjoms Rudnevs auch deswegen noch nicht so erfolgreich beim HSV spielt, weil er nicht richtig eingesetzt wird. Der Zehner fehlt – vor allem Rudnevs, so hieß es. Dazu sei gesagt: Der Zehner kommt ja noch (nicht wenige behaupten inzwischen wieder, dass der HSV wieder oder immer noch an Rafael van der Vaart herumgräbt!), aber es gibt auch einen Spieler, der die „Zehn“ irgendwann (schon bald?) drauf haben könnte: Tolgay Arslan. Er hatte viele gute und sehr gute Szenen in Norderstedt, dribbelte sich einige Male schön an vier oder fünf Norderstedtern vorbei, um dann den Ball zu passen. Neben mir stand am Freitag Thomas Doll, der Dribbler vor dem Herrn. Er sagte mir einst, dass er von seinem Teamkollegen Andreas Thom gelernt habe. Der sagte einst zu Doll: „Wenn du einen Gegenspieler umdribbelt hast, dann darfst du nicht denken, dass due es schon geschafft hast. Dann musst du erst recht Gas geben, denn sonst kommt noch das lange Bein – und weg ist der Ball. Das sollte sich Tolgay Arslan mal zu Gemüte führen, denn auch in Norderstedt war es so: Arslan an einem Mann vorbei, dann ließ er es langsamer angehen – langes Bein des Norderstedters und schon war das Dribbling gestört oder unterbrochen.

Insgesamt aber, das möchte ich schon noch einmal herausheben, konnte jeder sehen, was Tolgay Arslan an den Füßen hat. Er kann im Grunde genommen schon unheimlich viel – und nun noch einen Tick schneller werden (im Laufen und Spielen), dann kann es auch noch mal mit der „Zehn“ (beim HSV) etwas werden.

Kleine Pause in meinem Bericht – weil ich froh bin, dass Medien-Direktor Jörn Wolf das jetzt nicht lesen kann (in der Wildnis von Schweden). Er hatte mich in Norderstedt kritisiert: „Du tust manchmal so, als wenn nur du die Fußball-Weisheiten mit Löffeln gefressen hast. Das was du weißt, das wissen ganz sicher auch unsere maßgeblichen Leute, mache dir keine Sorgen.“ Ja, ich weiß, manchmal klingen meine Vorschläge und Beiträge sicherlich ein wenig besserwisserisch oder altklug, aber das liegt mir im Grunde genommen fern. Ich möchte eigentlich nur aufzeigen, wie ich es sehe, wie ich es eventuell machen würde – machen lassen würde. Alles zum Wohle des HSV, nicht zu meinem eigenen. So, musste geschrieben werden, nun geht es weiter im Text.

Über Ivo Ilicevic habe ich bei uns gelesen, dass er in der vergangenen Saison oft verletzt gewesen ist, und dass er deswegen keine so großen Leistungen anbieten konnte. Auch das mag ja stimmen, aber ich gebe zu bedenken, dass der ehemalige Lauterer ja im EM-Aufgebot seines Landes stand. Er muss also auch mal so „fit“ gewesen sein, dass er bis dahin gekommen ist. Dass er dann verletzt passen musste (quasi auf die letzte Minute), das ist dann sicherlich seiner Verletzungsanfälligkeit geschuldet, deswegen bin ich mal gespannt, wie sich der Flügelflitzer so weiter entwickeln wird. Ich bin da weiterhin skeptisch, da bin ich ganz ehrlich.

Apropos entwickeln. Heung Min Son hat – wie es aussieht – beim Trainer zurzeit sehr gute Karten. Wie es heißt, ist der Koreaner auf der rechten Außenbahn zurzeit gesetzt. Vor Maximilian Beister, vor eventuell Ilicevic, vielleicht auch noch Jacopo Sala. Son scheint heute (im Juli/August 2012) reifer und erholter, er scheint es immer besser zu begreifen, dass die Fußball-Bundesliga, das Profi-Geschäft allgemein kein Kindergeburtstag ist. Wenn er diesen Weg weiterhin so zielstrebig beschreitet, dann kann er es vielleicht doch noch einmal bis zum Stammspieler schaffen. Dazu darf er aber nicht nachlassen, dazu muss er weiterhin eine gewisse Ernsthaftigkeit (die er jetzt zu haben scheint) an den Tag legen. Was aber nicht heißen soll, dass er den Spaß am Fußball (und an der Sache) in der Kabine lassen soll, wenn es auf den Rasen geht. Er ist ja auch ein lustiges Kerlchen und muss nur ein gesundes Mittelding finden.

Überrascht war ich in diesen Tagen (vor Schweden) von Robert Tesche. Von ihm heißt es ja, dass er den HSV bei einem passenden Angebot doch noch verlassen will. Legt er sich deswegen so besonders ins Zeug? Oder kämpft er vielmehr um seine (letzte?) Chance? Chancen genug hat er ja von den Trainern Michael Oenning und Thorsten Fink erhalten, keine Frage, genutzt aber hat er keine. Gegen Barcelona II und Eintracht Norderstedt war Tesche aber immer auf Achse, er wollte sich zeigen, er wollte mitspielen – das sah aus, als hätte er nun (endlich) den nötigen Biss. Und das auf ungewohnter Position, denn in Norderstedt (und nicht nur dort) spielte er fast so etwas wie zweite Spitze. Mal abwarten, wohin ihn der Weg noch führt – vielleicht ja sogar in die HSV-Mannschaft . . .

Daraus hat sich Gökhan Töre ja verabschiedet, und in Norderstedt bin ich einige Male darauf angesprochen worden, ob es richtig war, den Deutsch-Türken ziehen zu lassen? Ich glaube das ja! Töre hatte nach einer glänzenden Hinrunde, in der er oft (und völlig zu recht) gefeiert wurde, den Boden unter den Füßen verloren. Er war nie ein Mannschaftsspieler, aber er entwickelte sich in dieser Beziehung leider immer mehr zurück. Und es gab in meinen Augen niemanden in seinem Umfeld, der ihn von diesem Weg hätte abbringen können – und wollen. Schade eigentlich, denn der junge Mann hat es in den Füßen, er könnte mit einem klaren Kopf ein ganz Großer im Fußballgeschäft werden – aber da hatte der HSV ja auch schon einmal einen ähnlichen Fall, auf den er am zweiten Bundesliga-Spieltag treffen wird. Hoffentlich, da habe ich jetzt schon meine Befürchtungen, schießt Eljero Elia „seinen“ HSV in Bremen nicht ab. Hoffentlich.

Thomas Doll hatte Elia einmal in der vergangenen Saison mit Juventus Turin spielen sehen (in einem Freundschaftsspiel) und war beeindruckt von ihm. Und Doll sagt jetzt: „Ich bin überzeugt davon, dass Thomas Schaaf den Elia noch einmal zurück in die Spur bringen wird. Elia kann alles, und er wird wissen, dass Werder seine letzte Chance ist.“
Im letzteren Punkt aber hege ich große Zweifel. Wenn Elia das endlich begriffen haben sollte, dann wäre er ja tatsächlich doch noch erwachsen – und das über Nacht? Das geht doch nicht. Es sei denn, Schaaf hilft tatsächlich etwas nach . . .

So, dann hat Frank Arnesen noch kurz Stellung bezogen – in Sachen Verpflichtungen. Der Däne sagte: „Ich werde nicht nervös, im Gegenteil, ich bin sehr zufrieden. Mit Milan Badelj haben wir Zugang Nummer vier, das ist so gut wie sicher. Er freut sich sehr auf Hamburg, und das zeigt seine gute Einstellung, denn es gab für ihn die Möglichkeit, bei einem anderen Klub (Fenerbahce) sehr viel mehr Geld zu verdienen. Für Dinamo Zagreb geht es in der Champions-League-Qualifikation um Leben und Tod, denn nur in diesem Wettbewerb erzielen sie richtig hohe Einnahmen. Badelj muss gegen Sheriff Tiraspol spielen. Fliegen sie raus, dann ist es kein Problem, dann kommt er schnell zum HSV. Gehen sie weiter, dann müssen wir ein weiteres Mal darüber reden.“

Und dann könnte es noch später gehen, als jetzt gedacht (nach dem ersten Bundesliga-Spieltag). Das wäre bitter. Aber auch nicht zu ändern, denn der HSV muss sich den Gegebenheiten anpassen – den finanziellen. Über den Mittelfeldspieler sagte Frank Arnesen: „Badelj ist ein Sechser mit großen Qualitäten im Offensivspiel, dadurch sind wir einen großen Schritt weiter. Nun schauen wir uns nach einem Mittelfeld-Angreifer und einem Innenverteidiger um. Rajkovic werden wir verkaufen, das steht fest, und es gibt auch viele Vereine, die nach ihm gefragt haben. Aber noch ist nichts konkret.“

Generell befand der HSV-Sportchef noch: „Thorsten Fink und ich verfolgen einen Plan, durch die Verkäufe von Guerrero und Töre haben wir sehr gute Geschäfte gemacht, wir haben sie für viel Geld verkauft und fantastisch gearbeitet.“

Alles wird gut.

17.31 Uhr

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