Archiv für das Tag 'Teuber'

Mit Raute – und Arslan auf der Sechs

5. April 2013

So, nun ist es nicht mehr lange hin, bis zum Anstoß der Partie gegen den SC Freiburg. Es wird spannend, es wird dramatisch – denn es steht für beide Mannschaften viel auf dem Spiel. Ich denke ja, dass es für den HSV um viel mehr geht, als nur um drei Punkte. Es geht darum, endlich wieder einmal in einem Heimspiel das beste, das vielleicht auch wahre Gesicht des HSV zu zeigen. Bitter nur, dass jetzt ausgerechnet die unbequemen Männer aus dem Breisgau kommen, mit diesem erst recht unangenehmen Trainer am Spielfeldrand. Der SC Freiburg, das ist vielleicht für jene unerschütterlichen Hamburger Optimisten interessant, hat seine letzten beiden Bundesliga-Spiele gegen den HSV im Volkspark (!) gewonnen. Einmal 2:0, einmal 3:1. Das schreibe ich nur, weil ich allein heute schon drei Männer getroffen habe, die mit etwas von „es wird schwer, aber der HSV wird 1:0 gewinnen“ erzählten. Auch ein 2:0 und ein 2:1 war dabei. Der HSV (und sein Anhang) sollte also gewarnt sein.

Wobei ich mich schon wundern muss, dass nur ein paar Tage nach dem 2:9-Desaster von München die Optimisten wieder wie die Pilze aus dem Boden schießen. Mein Kollege Florian Rebien (Mopo) hat mir verraten, dass der HSV nach all seinen großen und auch riesigen Klatschen nie das darauf folgende Bundesliga-Spiel gewonnen hat. Wenn ich das noch richtig erinnere, dann gab es danach sogar nur Niederlagen. Deshalb gilt es natürlich auch, gegen eine solche Statistik anzuspielen. Obwohl gerade das wohl das geringste Übel ist, mit dem die heutige HSV-Mannschaft zu kämpfen hat. Immerhin ist der HSV ja aber auch noch die Nummer eins im hohen Norden, und auch in dieser Beziehung steht einiges auf dem Spiel. Auch oder vor allem in der (Ab-)Rechnung mit Freiburg, denn die „Streicher“ haben in dieser Saison in Hannover, in Bremen und in Wolfsburg gewonnen. Siegen sie auch in Hamburg, dann sind sie die wahre Eins im Norden . . . Kleiner Scherz.

Nachdem ich in dieser Woche schon früh angefangen habe, über eine Aufstellung zu spekulieren, muss ich nun alles – oder auf jeden Fall einiges – zurücknehmen. Im Moment (16.20 Uhr) trainiert die Mannschaft neben der Arena, es wird auch ein Spielchen gemacht, doch Trainer Thorsten Fink hat die Mannschaft bunt durcheinander gewürfelt. Daran lässt sich nichts ablesen. Ich denke aber, dass für diesen Sonnabend folgende Aufstellung im Kopf des Trainers steckt:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Arslan; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Son, Rudnevs.

Also wieder eine Änderung im System. Fink versucht es mit der Raute und lässt sowohl Tomas Rincon als auch Milan Badelj draußen – er bringt Tolgay Arslan, der in der Hinserie auf der Sechs voll überzeugt hat. Allerdings hat Arslan auf dieser Postion, so weit ich mich erinnern kann, noch nie allein gespielt. Man darf also gespannt sein. Etwas bedauerlich finde ich es, dass mein Versuch (oder war es doch eher ein Wunsch?) mit Petr Jiracek in der Startformation nicht aufgegangen ist. Schade, schade, ich hätte mir den Tschechen schon mal ganz gerne gegönnt, denn ihn haben wir alle ja noch nicht so richtig und wirklich gesehen. Ich habe den „Jira“ aber immer noch vor Augen, wie er bei der Europameisterschaft im Team der Tschechen alles und jeden in Grund und Boden gelaufen hat. Das müsste er doch auch (eigentlich) in Hamburg schaffen könne, oder? Vielleicht allerdings erst in der nächsten Saison . . . Was ich schon bedauerlich finden würde.

Aber gut, das ist, wie ein früherer bekannter Hamburger Nationalspieler einst immer gesagt hat, allein Sache des Bundestrainers. In diesem Falle des Vereins-Trainers, nämlich Thorsten Fink. Und der hat ja gestern sehr energisch gesagt, dass er das macht, was er für richtig hält – und nicht das, was andere von außen ihm einreden wollen. Gut so.

Andere (von außen) hätten ja wohl auch erwartet, dass der Coach seine Versager von München in dieser Woche so richtig schön und nach allen Regeln der Kunst „lang machen“ würde. Aber denkste. Fink ließ sogar weniger als sonst trainieren. Waren die Einheiten vorher meistens und mindestens 90 Minuten lang, so ging es diesmal höchstens 75 Minuten – oder auch nur eine Stunde. Marcell Jansen, darauf angesprochen, hat dazu gesagt: „Die Einheiten mögen kürzer als sonst gewesen sein, aber dafür waren sie intensiver.“

Nun gut, das kann man so sehen.

Um es gleich und auch noch einmal zu sagen: Thorsten Fink bleibt mein HSV-Trainer, soll HSV-Trainer bleiben – auch deshalb, weil ich endlich Kontinuität (so wie die Club-Führung) möchte. Fehler haben sämtliche Vorgänger von ihm auch reichlich gemacht, Fehler macht auch Fink reichlich – aber wer macht keine Fehler? Und die vielen Kritiker, die jetzt auf der Bildfläche erscheinen, die haben ja auch nichts zu kritisieren gehabt, als der HSV kürzlich schon mal auf einem Europa-Legaue-Platz rangierte. Und dorthin wurde die HSV-Mannschaft ja auch „nur“ von Thorsten Fink geführt. Und wer sagt denn, dass es der 14. Trainer in elf Jahren besser machen würde? Das haben wir doch alles in den vergangenen Jahren immer wieder geglaubt. Wenn ich nur allein daran erinnern darf, wie viele treue HSV-Fans mir damals, als Armin Veh entlassen worden war, Michael Oenning ans Herz gelegt hatten. Motto: „Das ist ein junger Mann wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, der wird den HSV wieder zu neuem Leben erwecken . . .“ Und? Was war? Kann sich jemand daran erinnern? Nicht nur daran, wie es gelaufen ist, sondern daran, einen solchen Vorschlag gemacht zu haben?

Nein, es ist schon ein schlimmes Geschäft (geworden), diese Fußball-Bundesliga, und schön daran ist doch, dass kaum etwas planbar ist. Das können nur die Bayern, sie sind die Ausnahme.

Noch einmal kurz zum heutigen Abschlusstraining, das recht lebhaft war (von der Lautstärke her). Die Einheit dauerte (bis ekelhaft kaltem Wind) 60 Minuten, danach blieben Rene Adler und Sven Neuhaus noch mit Torwarttrainer Ronny Teuber auf dem Acker (nicht böse gemeint – an die HSV-Gärtner!), um Flanken zu üben. Was mir gefiel: Hielt Adler einen Kopfball oder Schuss von Neuhaus, so klatschten sie sich miteinander ab. Ein tolles Verhältnis und (Fast-)Konkurrenten. Am Rande des Platzes unterhielten sich Co-Trainer Frank Heinemann und Tolgay Arslan, auch Marcell Jansen stand dabei. Ob es da um die Raumaufteilung oder generell die Spielauffassung eines „Sechsers“ ging? Es blieb mir verborgen. Und auf der anderen Seite des Platzes übte Heung Min Son immer wieder seine gefährlichen Linksschüsse – Borussia Dortmund weiß ein Lied davon zu singen.

Heil sind heute alle geblieben, Thorsten Fink nimmt folgende Herren mit in den Kader (für das Freiburg-Spiel): Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Petr Jiracek, Milan Badelj, Tomas Rincon und Gojko Kacar. Gegenüber dem Spiel in München fehlen Jacopo Sala und Valmir Nafiu.

Ich wünsche dem HSV und allen seinen Anhängern einen erfolgreichen und erfreulichen Sonnabend – und insgesamt ein wunderschönes Wochenende. Vielleicht sogar mit Frühlingsgefühlen . . .

PS: Als der Freiburger Max Kruse, der einst bei Vier- und Marschlande kickte, noch bei einem Hamburger Nachbar kickte, da machte mich ein (in meinen Augen) großer HSVer schon darauf aufmerksam, dass der HSV doch bitte diesen sehr guten Spieler zu sich holen möge. Wäre ja eine Möglichkeit gewesen, nach dem Motto: „Warum in die Ferne schweifen, wenn der Gute ist so nah . . ?“ Das aber hat leider nicht geklappt. Kruse, früher als Knabe und Jugendlicher oft Zuschauer beim HSV, ging nach Freiburg – und wechselt nun im Sommer weiter nach Mönchengladbach. Dieser (in meinen Augen) große HSVer hat mir nun wieder geschrieben – eine sms. Da machte er darauf aufmerksam, dass am Millerntor wieder ein durchaus interessanter Mann spielt. Ein Stürmer diesmal. Und einer, der nur ausgeliehen ist (von Borussia Dortmund). Und ich wurde gefragt, ob der HSV wenigstens diesmal wach ist – interessiert ist, dran ist? Ich aber kann das nicht sagen. Ich weiß nicht, ob die Herren des HSV einen Daniel Ginczek für fähig halten, für den HSV Tore in der Ersten Bundesliga zu erzielen. Meine Vermutung allerdings ist nein. Ich glaube nicht, dass da der HSV schon mal drüber nachgedacht hat. Aber das ist, wie geschrieben, nur eine Vermutung. Der HSV wird dazu nichts sagen. Wie heißt es dann, wenn man danach fragt, immer so schön: „Über Spieler, die nicht bei uns unter Vertrag sind, reden wir grundsätzlich nicht.“ Ich jetzt in diesem speziellen Fall auch nicht mehr.

Und Freiburg ist mir ja auch allemal wichtiger.

PSPS: Am 12. April findet in der Raute/Museum eine Lesung mit dem bekannten und beliebten TV-Moderator Gerhard Delling (ARD) statt: „50 Jahre Bundesliga – wie ich sie erlebte.“ Der Abend beginnt um 18.30 Uhr, Einlass ist eine Stunde vorher – Karten kosten zehn Euro und sind im Museum und über die HSV-Shops erhältlich. Und wenn ich dafür einmal kurz Reklame machen darf: Es wird sich lohnen, dabei zu sein, denn Gerhard Delling hat erstens viel zu erzählen, und zweitens ist er ein äußerst humorvoller Mensch – das wird sicherlich ein toller Abend.

Und dann gibt es heute eine Post aus Indonesien. Von HSV-Fan Michael, der dort lebt. Diese Mail möchte ich gerne veröffentlichen, denn sie spiegelt das wider, was in diesen Zeiten viele HSV-Fans er- und durchleben müssen.
Und dem Michael auf diesem Wege vielen Dank. Sollte eine/einer von euch ihm schreiben wollen, so würde ich bei ihm anfragen, ob ich seine Adresse dann an den einen oder anderen Interessenten weitergeben darf.

Lieber Dieter,

eine absolute Premiere für mich. Noch nie habe ich einen Leserbrief geschrieben, aber irgendwie muss man mit Geschehenem ja fertig werden und daher richte ich mich an Sie mit einem Appell an alle HSV-Fans.

Bitte entschuldigen Sie, wenn ich dazu etwas weiter aushole. Ich bin 42 Jahre alt, zweifacher Familienvater und lebe seit über 12 Jahren in Indonesien. Da ich Lehrer bin und immer nur in den Sommerferien nach Deutschland kann, ist es lange her, dass ich das letzte Mal im Stadion war (beim 4:4 gegen Juve nebenbei bemerkt, kurz danach zog ich um). Allerdings kann ich die Spiele, die ich in den letzten 12 Jahren nicht in irgend einer Form live erlebt habe, noch an einer Hand abzählen. Anfangs auf dem Weltempfänger, dann im Liveticker, später im Internetradio, heute im Livestream oder über einen malayischen Satelit im Fernsehen. Ich bin selbst für den Mopo-Liveticker zum Testspiel gegen Altona 93 mitten in der Nacht aufgestanden…

Aber so einen Abend wie letzten Sonnabend habe ich in 35 Jahren HSV-Fan noch nicht erlebt (nicht mal bei den bitteren Niederlagen gegen Werder 2009!). Ich saß in einer deutschen Bar in der Innenstadt. Bei Anstoß waren noch gut 20 Leute da, 2 Bayern-Fans, ca. 10 Hamburger, der Rest neutral. Kurz vor Schluss saßen die Bayern-Fans mehr betrunken als freudentrunken am Tresen und diskutierten bereits über alles mögliche, nur nicht das Spiel. Der Rest war da schon lange auf dem Heimweg. Ich saß alleine vor der Großbildleinwand und habe bis zum Schlusspfiff ausgeharrt. Gerne würde ich jetzt sagen “aus Treue zum Verein” oder “weil man sein Team auch in schweren Stunden nicht im Stich lässt” (ich bin auch im Stadion noch nie frühzeitig gegangen, egal wie es stand!), aber diesmal war es wohl eher, weil ich wie versteinert da saß und den Hintern nicht hochbekommen hätte, selbst wenn ich es wollte. Enttäuschung, Wut, Unverständnis, es nicht fassen können… alle Gefühle auf einmal!

Ich habe die ganze Woche überlegt, was ich beim Spiel gegen Freiburg machen werde. Ich hatte mir Montag geschworen, dass ich erst wieder einen HSV-Spiel sehen werde, wenn sich die Jungs die Aufmerksamkeit, die man ihnen schenkt, auch verdienen. Nun ist Freitag und ich habe realisiert, dass dies Unsinn ist. Es geht ja weiter, muss weiter gehen! Ich werde auch am Samstag vor dem Fernseher oder Computer sitzen und das Spiel verfolgen – wie die letzten 35 Jahre. Wir können ja nicht den Betrieb einstellen, weder die Spieler noch die Fans. Vielleicht werde ich die nächsten Wochen nicht vor Freude aufspringen, sollte der HSV ein Tor schießen, dazu sitzt der Stachel der Enttäuschung zu tief, aber ich werde da sein. Es gibt ja doch keine Alternative, Hamburg wird immer meine Stadt bleiben, der HSV immer mein Verein.
Ich erwarte auch nicht viel am Samstag und in den letzten Spielen. Keine glanzvollen Siege, keinen Europa-League-Platz oder sonstiges. Und wenn wir am Sonnabend 2:4 gegen Freiburg verlieren, kann ich damit leben. Aber ich wünsche mir eine Mannschaft zu sehen, die sich den A… aufreißt, kämpft und alles gibt! Mit allem anderen kann ich leben – wenn sie sich nur nicht noch einmal willenlos in ihr Schicksal ergeben!

Ich hoffe, es werden Sonnabend wieder 50.000 den Weg in den Volkspark einschlagen und unsere Mannschaft unterstützen! Jeder der Kinder hat wird mir vielleicht zustimmen – hat man nicht sein Kind immer dann am liebsten, wenn es eigentlich gerade einen Arschvoll verdient hätte? Und gerade die etwas eigenwilligen, schwierigen Kinder brauchen uns oft am meisten. Ist vielleicht beim HSV nicht anders…

In diesem Sinne auf ein Neues am Sonnabend.

Schwarz-weiß-blaue Grüße aus Jakarta,
Michael aus Indonesia

PSPSPS: Morgen wird um 18.30 Uhr im Volkspark gegen Freiburg gespielt, danach folgt die Internet-Übertragung von “Matz ab live” mit den Gästen Ernst-Otto Rieckhoff (ehemals Aufsichtsrats-Boss) und Carsten Kober, ehemaliger HSV-Bundesliga-Spieler (und “Matz-abber”). Wäre super, wenn ihr uns einschalten würdet – die vergangene 2:9-Sendung mit Sven Neuhaus und Andreas Fischer bescherte uns einen neuen fünfstelligen Einschaltrekord. Vielen Dank dafür!

17.49 Uhr

Westermann wird wohl spielen können

9. März 2013

Thorsten Fink ging zu Boden, verlor die Mütze vom Kopf – aber die Flanke brachte er noch zur Mitte. Aber nicht vor das Tor, sondern hinter den von Jaroslav Drobny gehüteten Kasten. Und schon lief der Gegenzug – der zum Tor führte. Heung Min Son war es, der das 5:4 markierte, das Siegtor für „Grün“. So geschehen heute beim Abschlussspielchen. Die letzte Szene der Partie, dann ging es in Richtung Kabine. Und da keine Zuschauer dabei waren, erlaubte ich mir einen Scherz. Neben mir standen die Kollegen von Bild und der Mopo (und „Papa“ Son im Hintergrund), und ich rief dem Trainer zu: „Der Fehler begann hier vorne rechts . . .“ Und da Fink ja Humor hat, blickte er zurück und hob den Daumen. Das sollte wohl Zustimmung signalisieren. Ein, zwei Minuten später, als der Coach in Richtung Kabine ging, sagte er dann: „Nicht dass es heißt, dass ein Fehlpass von Fink zur Niederlage geführt hat . . .“ Nein, Trainer, niemals. Und überhaupt, es war ja nur ein Scherz, dass der Fehler vorne rechts begonnen hatte. Wirklich nur ein Scherz.

Den man zum Glück ja mit Thorsten Fink machen darf. Da gab es schon andere HSV-Trainer, denen man mit einem solchen Zuruf nicht kommen durfte. Bei Willi Reimann zum Beispiel bin ich gleich zweimal vom Platz geflogen. Ernsthaft. Einmal deshalb, weil ich einen Ball zurückgeschossen hatte – genau in die Torschussübungen hinein. Das war natürlich auch ein Fauxpas. Und dann auch, weil wir (Journalisten) einmal zu laut lachte, als Stefan Schnoor von links flanken sollte, aber auch der 38. Versuch nicht in die Luft steigen wollte. Der Ball natürlich. Ich habe wohl am lautesten gelacht, ich musste deshalb gehen. Irgendwie auch verständlich, dieses Lachen war ja auch eher kontraproduktiv . . .

Und bei Thorsten Fink konnte ich deshalb nicht „fliegen“, weil er, wie geschrieben, erstens Humor hat, und weil ich zweitens außerhalb der Platzanlage stand. Übrigens, wer es noch nicht weiß: Der grüne Sichtschutz ist wieder verschwunden. Ob das aber auf Dauer gilt, wage ich zu bezweifeln, wie ich erfuhr, wird an einem neuen „gebastelt“. Der soll dann mit Werbung (Adidas) versehen werden. Schaun mer mal. Gegen den alten Sichtschutz hatten diverse Fans ja auch schon einige „Attentate“ verübt – das Grün war verbrannt worden und hatte wohl auch schon zu viele Löcher.

So, zurück zum Abschlusstraining. Die wichtigste Nachricht zuerst: Heiko Westermann hat bis zum Ende durchgehalten. Der Kapitän war lange vor den Kollegen mit Reha-Trainer Markus Günther auf dem Platz, um sich richtig warm zu machen. In der rechten Waden schmerzt ja nach wie vor ein Bluterguss. Westermann machte aber alles tapfer mit, obwohl er später zugab: „Schmerzfrei bin ich noch nicht. Aber ich habe heute auch keine Schmerztablette genommen . . .“ Diese Option hätte er ja morgen noch, wenn um 17.30 Uhr die Partie beim VfB Stuttgart angestoßen wird. Ich gehe mal davon aus, dass der Innenverteidiger dabei sein kann, er hat heute mit links und rechts geschossen – den weitesten Schuss allerdings mit links: Nach einem Gegentor drosch Westermann den Ball aus Wut und laut fluchend über den Zaun – so um 30, 40 Meter in die Botanik.

Während ich nun sage, dass ich Westermann morgen spielen sehe, bleibt Thorsten Fink noch skeptisch: „Das war ja heute kein hartes Training, man muss mal abwarten, wie sich die Beschwerden bis morgen entwickeln. Eines ist klar: Heiko wird nicht spielen, wenn er nicht bei 100 Prozent ist. 70 oder 80 Prozent sind zu wenig, dieses Risiko gehe ich nicht ein.“ Verständlich. Auch wenn Thorsten Fink den Kapitän natürlich viel lieber an Bord hätte. Ich auch, denn die Mannschaft dürfte seinen Verlust nicht so mir nichts dir nichts verkraften. Auch wenn das einige HSV-Fans (?) anders sehen – was mir immer total weh tut, das muss ich schon zugeben. Und auch heute, die diesem ja eigentlich belanglosen Trainingsspielchen, war Heiko Westermann hundertprozentig bei der Sache, er wollte dieses „Ding“ nicht verlieren. Hat er letztlich auch nicht, denn seine „Grünen“ gewannen ja 5:4 – trotz eines Eigentores von Slobodan Rajkovic.

Kurz noch einen ganz anderen Abstecher in Sachen Innenverteidiger: Bevor die Bundesliga begann, sah ich im FA-Cup die Viertelfinal-Partie Everton gegen Wigan. Der krasse Außenseiter Wigan gewann fast sensationell 3:0 – mit dem „HSVer“ Paul Scharner. Der Österreicher trug die Rückennummer 33, spielte mit Handschuhen – und bot eine gute Leistung. So jedenfalls hat er beim HSV in seinen Einsätzen nicht gespielt, aber er saß ja auch meistens nur auf der Tribüne. Entweder verletzt oder gesperrt.

Zurück in den Volkspark: Aus den Aufstellungen war allerdings nicht erkennbar, wie Fink morgen im Ländle spielen lassen will. Bei „Grün“ stand Drobny im Tor, davor spielten Dennis Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Petr Jiracek, Tomas Rincon, Maximilian Beister, Son und Co-Trainer Heinemann. Das erste Tor für diese Formation erzielte übrigens Diekmeier. Ein gutes Omen? Oh, da hätte ich noch etwas, das passt zu diesem Thema: Es schneite ja unaufhörlich, aber von den drei Trainingsplätzen waren zwei grün – dank der Rasenheizung. Da es aber dunkel war, wurde das Flutlicht eingeschaltet. Und bitterkalt war es. Richtig schön kalt – durch den Ostwind. So kalt, dass Dennis Aogo eine lange Trainingshose trug. Meistens, zu 98 Prozent, würde ich mal sagen, versucht sich Aogo mit kurzer Hose, aber heute nicht. Und beim Gang in die Kabine sprach ich ihn darauf an. Und seine Antwort: „Vor dem Werder-Spiel Ende Januar trug ich auch lang, und dann habe ich mein erstes Bundesliga-Tor für den HSV erzielt . . .“ Dann lief er die Treppen hoch und schrie seine Hoffnung und auch seine Entschlossenheit in Richtung menschenleeres Stadion: „Und morgen mache ich mein zweites . . .“
Ich hätte nichts dagegen. Wirklich nicht – hau rein, Dennis!
Gilt auch für Diekmeier.
Obwohl ich auch, und zwar schon seit Tagen, ein sehr gutes Tor-Gefühl bei (und für) Rafael van der Vaart habe. Warum auch immer, aber ich glaube, dass er morgen treffen wird.

Überrascht war ich, wie Jaroslav Drobny trainierte. Nämlich ohne jede Einschränkung. Er schoss gelegentlich (gemeinsam mit Torwart-Trainer Ronny Teuber) auf das Tor von Rene Adler, und da ist irgendwie dann doch ein medizinisches Wunder. Drobny soll doch etwas in der Wade gerissen sein . . . Komisch. Diese dubiose Verletzung. Auf jeden Fall trainierte der Tscheche ohne jegliches Anzeichen von einem Schmerz.

Bleibt nur die Frage, wie der HSV morgen in Stuttgart spielen wird? Ich tippe mal auf folgende Mannschaft:

Adler; Diekmeier, Westermann, Rajokovic, Jansen; Rincon, Badelj; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Rudnevs. Letzterer machte auch mich auch heute nicht den Eindruck, als würde er sich zurzeit in Bestform befinden, aber das kann er ja morgen doch etwas korrigieren. Der „gute Rudi“ hatte auf jeden Fall heute noch eine Schrecksekunde zu überstehen, denn er wurde von Co-Trainer Heinemann von den Beinen geholt. Das tat weh. Aber als Heinemann den Schopf des Letten tätschelte, da ging es nach einem kurzen Humpeln dann doch weiter.

Offen sind bis zum Anpfiff noch zwei Personalien beim HSV:
Wer ist der zweite Innenverteidiger neben Westermann? Ich tendiere zu Rajkovic, der heute ja auch in der zusammengewürfelten Mannschaft neben dem Kapitän verteidigte. Und so wirklich für einen Einsatz aufgedrängt hat sich Jeffrey Bruma heute auch wieder nicht, obwohl er keinen großen Fehler beging. Ich bin aber immer noch und immer wieder davon überzeugt, dass Bruma mehr könnte – bei etwas mehr Engagement. Aber jeder so, wie er es will . . .

Und dann die Sache mit dem Angriff. Nur Rudnevs – und dahinter der lauernde Rafael van der Vaart? Ich denke, dass es so kommen wird, aber Fink ließ sich das noch offen. Der Trainer hat noch eine Alternative im Kopf: Auf der Sechs nur Tomas Rincon, Milan Badelj nur Ersatz – und vorne das bewährte Duo Rudnevs/Son. Denn Fink sagte: „Son hat heute sehr gut trainiert.“ Stimmt. Er wirkte im Schnee quirlig, schnell – und treffsicher. Aber er könnte eventuell ja auch noch als Joker kommen. Und wo ich gerade bei Lob bin: Gojko Kacar hat mir auch heute wieder gefallen. Er ist ja aber auch im Kader. Wenn auch nicht mit so großen Einsatzchancen, da müsste schon sehr viel passieren.

Noch einmal zurück zum (fehlenden) Sichtschutz. Wir diskutierten darüber heute auch mit HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf. Erschlug in jene Kerbe, in die auch in der Woche schon Werder-Trainer Thomas Schaaf geschlagen hatte: „Man kann ja nichts unbeobachtet machen. Keine Standards trainieren, keine Aufstellung verheimlichen. Immer sind die Fans und die Journalisten dabei. Ich kann alle Trainer verstehen, wenn sie sich darüber beklagen . . .“ Ich auch irgendwie. Aber wie soll das Problem gelöst werden?

Die Nationalmannschaft trainiert ja schon seit Jahren (gelegentlich) unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber dieser Trend hat sich in der Bundesliga noch nicht so richtig durchgesetzt. Obwohl der DFB, wenn er etwas vorgibt oder vorlebt, ansonsten immer „erhört“ wird. Ich denke, dass sich in der neuen Saison etwas beim FC Bayern tun wird, denn dort hat der neue Trainer Pep Guardiola schon angekündigt, dass er das öffentliche Training nicht so sonderlich liebt. Und auch die Einzelgespräche mit Journalisten, aber das ist noch ein anderes Thema. In England wird schon lange ohne Fans trainiert, und in Italien – so glaube ich – auch. Ich war einst, 1990, nach dem Wechsel von Thomas Doll vom HSV zu Lazio Rom, beim Training der Römer (damals unter dem großen Dino Zoff), hätte aber nie Zutritt zum Trainingsgelände erhalten, wenn ich mich nicht vorher für das Training (!) hätte akkreditieren lassen. Ich kam dann rauf auf das Lazio-Gelände, aber durfte nur von einem ganz kleinen Haus (mit nur zwei kleinen Fenstern) aus zusehen – mit den italienischen Kollegen. Und von diesem Haus war dann auch nicht alles zu sehen. Wenn Zoff wollte, trainierte er „um die Ecke“ – und wir machten Nase.
Ich glaube ja, dass das demnächst auch in Deutschland so sein wird. Ich will da nichts beschreien, aber der Trend geht zum Ausschluss. Von allen. Deswegen mein Rat an alle Fans (und die Kollegen): genießt noch diese paradiesischen Zustände, sie werden bald der Vergangenheit angehören.

Aber zunächst mal ist Bundesliga-Alltag. Und beim Spiel in Stuttgart können alle dabei sein, die wollen, die Partie ist noch nicht ausverkauft.

Und wer nicht ins Stadion geht (gehen kann), der wird eventuell vor dem Fernseher sitzen. Und hinterher vor dem Computer – wenn „Matz ab live“ erstmalig aus unserer „neuen Heimat“, dem Block House Eidelstedt, gesendet wird. „Scholle“ und ich haben dann Hamburg seine Perle zu Gast, nämlich Lotto King Karl, und das ehemalige Aufsichtsratsmitglied Frank „Macke“ Mackerodt. Ich freue mich darauf – und freue mich auch, wenn ihr wieder zusehen werdet. Wobei ich gerade in der nun abgelaufenen Woche drei HSV-Fans aus dem Süden der Republik getroffen habe, die uns für das „Matz ab live“ sehr gelobt haben. Danke dafür. Ich kann mich erinnern, als wir im August 2009 mit „Matz ab“ starteten, dass viele HSV-Fans darum baten, eine HSV-Talkrunde einzuführen. Weil beim „Doppelpass“ von Sport 1 ja meistens und zu viel über den FC Bayern gesprochen wird. Nun haben wir diese Runde – sogar nach jedem Spiel, und deswegen würden wir uns freuen, wenn dieses „Ding“ immer mehr Beachtung finden würde.

Ein schönes Wochenende für euch – und ein erfolgreiches Wochenende für den HSV. Wobei die Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso heute schon gespielt und wieder einmal verspielt hat. 1:3-Heimniederlage gegen Cloppenburg. Das ist schon tragisch. Der HSV II steht nun sogar auf einem direkten Abstiegsplatz, weil der SC Victoria gegen Neumünster gewonnen hat. In Neumünster hatte zuletzt der HSV II verloren . . .
Aber wäre es wirklich so dramatisch, wenn die Zweite des HSV absteigen würde? Ich kann das nicht wirklich sehen. Aber vielleicht habt ihr da ja die besseren Argumente.

17.31 Uhr

Die entscheidende Phase kommt jetzt

7. März 2013

Gestern stand Herr B. plötzlich vor mir. Ich war beim Einkaufen im Supermarkt, das sagte der Herr B. geradeaus: „Herr Matz, können die beim HSV nicht mal auf den Heiko Westermann verzichten? Ich kann diese vielen Fehlpässe nicht mehr sehen . . .“ Darauf habe ich dem Herrn B. geantwortet: „Wer viel arbeitet, der macht gelegentlich auch Fehler. Und Heiko Westermann arbeitet immer viel. Er ist ein Vorbild. Und er war auch im Spiel gegen Fürth einer der besten Hamburger – trotz einiger Fehlpässe. Sie, Herr B., werden es merken, wenn Heiko Westermann mal fehlen sollte, denn er ist noch einer, der die Kollegen mitreißen will. Und einer, der mit bestem Beispiel vorangeht.“

Am Sonntag nun könnte es passieren, dass Herr B. mal ein HSV-Spiel erlebt, ohne dass der Kapitän an Bord ist. Der Innenverteidiger ist an der rechten Wade verletzt und musste heute das Training etwas früher beenden. Als ich ihn fragte, ob das eine Vorsichtsmaßnahme sein, antwortete er etwas knurrig: „Das weiß ich nicht.“ Darauf war ich nicht gefasst, ich glaubte mich verhört zu haben, fragte erneut. Und der Nationalspieler antwortete erneut: „Das weiß ich nicht.“ Ich: „Wieso das?“ Er: „Weil ich das seit dem Spiel vom Sonnabend habe, und weil ich Schmerzen habe.“ Oh, oh, das hörte sich gar nicht gut an. Und auch Trainer Thorsten Fink sagt: „Heiko hat Probleme, sein Einsatz ist in der Tat sehr, sehr fraglich. Er hat im Spiel gegen Fürth einen Schlag auf die Wade bekommen, und der Bluterguss drückt auf den Nerv. Die Verletzung wird noch einmal untersucht.“ Fink weiter: „Heiko wird am Freitag nur ein lockeres Training absolvieren und dann am Sonnabend versuchen, das Abschlusstraining voll mit zu machen. Wenn das nicht der Fall sein sollte, dann reichte es für Sonntag dann nicht.“

Sollte der 29 Jahre alte Abwehrchef erstmals in dieser Saison ausfallen, stünden Slobodan Rajkovic und Jeffrey Bruma als Innenverteidiger bereit. Die Partie in Stuttgart beginnt am Sonntag um 17.30 Uhr.

Sollte Westermann tatsächlich ausfallen, wäre das in meinen Augen eine ganz entscheidende Schwächung. Zumal er bis zu seinem heutigen Ausscheiden im Training eine gute Leistung geboten hatte. Nebenbei schoss er – gegen Sven Neuhaus – zwei herrliche Tore, eines mit rechts, eines mit links. Generell zum Training: Auf der „Gegenseite“ stand Rene Adler im Tor – und am Rande trainierte Jaroslav Drobny mit seinem Coach Ronny Teuber.

Zum Spiel in Stuttgart. Nach zwei Spielen ohne Sieg ist der HSV gefordert. „Gegen den VfB
wollen wir einen Schritt nach vorn machen“, sagte Linksverteidiger Marcell Jansen. „Die entscheidende Phase kommt jetzt, mit Stuttgart geht’s nun los.“ Auswärts gab es zuletzt in Hannover das 1:5, doch Thorsten Fink hat von der Reise ins Ländle ganz andere Vorstellungen: „Wir wollen mal zu null spielen, die Null muss hinten stehen, darauf müssen wir wieder mehr Wert legen. Denn ein Tor schießen wir immer.“ Der Trainer über den Gegner, der in dieser Saison eine Dreifachbelastung mit DFB-Pokal und Europa League zu meistern hat: „Stuttgart ist eine hervorragende Mannschaft: konterstark, torgefährlich, wir dürfen uns keine unnützen Ballverluste erlauben – und wir müssen ihre Konter früh unterbinden. Zudem hat der VfB einen Trainer, der taktisch hervorragend arbeitet.“ Fink sagt aber auch: „Wir müssen den VfB natürlich unter Druck setzen, wir wollen dort gewinnen – wir können ja jetzt nicht sagen, dass wir dort nur einen Punkt holen wollen. Dazu ist unsere Mannschaft zwischendurch ja sehr, sehr stark.“

Zur Mannschaftsaufstellung wollte Thorsten Fink sich noch nichts entlocken lassen, es stehen ja auch noch zwei Trainingseinheiten bevor, in denen ja noch viel passieren könnte. Ich rechne trotz allem damit, dass Tomas Rincon auf der Sechs zum Einsatz kommen wird – und vielleicht gibt es dann ja sogar eine Doppel-Sechs – mit Petr Jiracek? Mal abwarten. Auch vorne dürfte es spannend werden. Heung Min Son und Artjoms Rudnevs? Oder Rudnevs mit Maximilian Beister? Oder dann nur eine Spitze? Wie zu Saisonbeginn. Ich tippe, auch wenn es dann einen Härtefall geben wird (nach seinem Tor gegen Fürth), dass es „Rudi“ Rudnevs ganz vorne beginnen wird, rechts dann erneut Son – und Beister zunächst auf der Bank. Heute war im Training davon aber noch nichts erkennbar.

Etwas spritziger als zuletzt habe ich Rafael van der Vaart gesehen. Heute, im Training. Er lief viel, hatte ganz offenbar viel Lust und Spaß am Spiel. Was eventuell darauf zurückzuführen ist, dass die „ewige 23“ wieder in den erweiterten Kreis der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft zurückgekehrt ist. Das Team des Vizeweltmeisters trifft in der WM-Qualifikation am 22. März auf Estland und am 26. März auf Rumänien. Zuletzt hatte Bondscoach Louis van Gaal den 30 Jahre alten HSV-Profi mehrfach nicht berücksichtigt. Der endgültige Kader wird am 15. März bekanntgegeben.

Ganz nebenbei: Für ihre Nationalmannschaft sollen auch Petr Jiracek und Jaroslav Drobny spielen. Der tschechische Fußballverband forderte das HSV-Duo für die WM-Qualifikationspartien gegen Dänemark (22. März) und Armenien (26. März) an – vorläufig.

In einem Interview mit dem NDR hat van der Vaart übrigens über seinen Traum von Platz sechs gesprochen, wie das Fernsehen heute bekannt gab:

Rafael van der Vaart sieht den HSV derzeit insgesamt auf einem guten Weg. „In meinem ersten Monat hier waren wir froh, wenn wir überhaupt ein Spiel gewonnen haben. Jetzt können wir schon davon sprechen, dass wir vielleicht in die Europa League kommen“, sagte der Niederländer dem NDR Sportclub. Der 30-Jährige hofft, dass den Hanseaten der Sprung ins internationale Geschäft gelingt: „Hoffentlich stehen wir am Ende auf Platz sechs, aber es ist noch ein langer Weg. Aber wenn das passieren sollte, ist das natürlich ein Riesenerfolg.“
Van der Vaart hat fehlende Konstanz als Hauptgrund für die wechselhaften Ergebnisse der Hamburger ausgemacht: „Wir haben einfach keine Mannschaft, die zuhause 5:0 oder 6:0 gegen Fürth gewinnt. Wir sind nicht Bayern oder Dortmund. Bei uns muss alles stimmen, um unsere Spiele zu gewinnen“, meinte der HSV-Regisseur: „Gegen Fürth und in Hannover war das nicht so. Aber wir haben gesehen, wenn wir gut drauf sind und Selbstvertrauen haben, dann können wir auch in Dortmund gewinnen.“

Er selbst fühle sich wieder besser, sei viel besser in Form, so van der Vaart, dessen Eheprobleme wochenlang die Schlagzeilen des Boulevard beherrscht hatten: „Die letzten Wochen waren natürlich schwer. Jeder, der Beziehungsprobleme hat, weiß, dass das nicht einfach ist. Dass man das auch mitnimmt auf den Platz. Aber ich habe so viele Freunde, die mir helfen, und ich habe noch immer Superkontakt, deswegen habe ich wieder mehr Ruhe und kann meine Leistung bringen.“

Dass seine privaten Probleme in der Öffentlichkeit diskutiert worden seien, sei „das Schlimmste“, bekannte van der Vaart: „Das will man nicht, wenn man einen kleinen Sohn hat, der in die Schule muss. Aber das ist eben so, wenn beide prominent sind.“ Der HSV-Star ist froh, dass sich der Medienrummel um ihn und Ehefrau Sylvie ein wenig gelegt hat: „Ich bin froh, dass ich jetzt wieder auf die Straße kann, ohne verfolgt zu werden. Ich bin nicht so in dieser Welt, ich liebe das auch nicht. Ich will auf dem Fußballplatz stehen. Dann bin ich am glücklichsten.“

Das Gespräch mit Rafael van der Vaart findet ihr in Kürze auf NDR.de/sport.
Ein halbstündiges Porträt über Rafael van der Vaart ist am Sonntagabend ab 23.35 Uhr im NDR-Fernsehen zu sehen.

So, dann gab es ja auch am Mittwoch noch ein Treffen zwischen Aufsichtsrat und Vorstand. Es wurde die schwierige finanzielle Lage erörtert. Es gibt zu diesem Thema aber nichts Neues. Es wird – trotz aller Spar-Versuche und – Bemühungen der HSV-Führung – ein zweistelliges Minus in Millionenhöhe geben. So ist das, da beißt die Maus keinen Faden ab. Das aber war bekannt, es wäre ein Wunder gewesen, wenn es anders gekommen wäre. Nach den Verpflichtungen von van der Vaart und Jiracek aber war dieses große Minus nicht mehr zu ändern. Dazu gab AR-Boss Manfred Ertel heute schriftlich (u. a.) bekannt: „Aufsichtsrat und Vorstand sind sich einig darüber, dass ein zeitnahes wirtschaftliches Konsolidierungsprogramm höchste Priorität hat. Oberste Prämisse sei dabei eine sportliche Nachhaltigkeit zu garantieren – und nicht die Substanz der Mannschaft entscheidend zu schwächen. Es sollen nicht die gleichen Fehler wie in der Vergangenheit gemacht werden.“ Und: „Der Aufsichtsrat drängt darauf, ein umfassendes Konzept für Sparmaßnahmen, strukturelle Veränderungen und Einnahme-Verbesserungen vorgelegt zu bekommen.“

Wobei ich besonders, das gebe ich zu, nicht bei den Sparmaßnahmen aufhorchte, sondern bei den „strukturellen Veränderungen“. Da bin ich aber mal gespannt . . .

So, morgen (Freitag) wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

PS: Am Sonntag gibt es “Matz ab live” erstmalig aus dem Hause unseres Sponsors, also aus dem “Block House” in Eidelstedt. Zu Gast sein werden dann bei “Scholle” und mir Hamburgs Kultsänger “Lotto King Karl” und das ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Mitglied Frank Mackerodt. Darauf freue ich mich schon sehr. Und wenn es dann noch einen Auswärtssieg geben sollte . . .

Gute Nacht – und träumt schön.

18.33 Uhr

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