Archiv für das Tag 'Teuber'

Der HSV wagt den ganz großen Schnitt!

16. September 2014

Der HSV hat den totalen Umbruch gewagt. Ein mutiger Schritt, aber auch ein sinnvoller Schachzug, jetzt ist wirklich alles neu, was im seit Jahren schwächelnden Profi-Bereich zu erneuern war. Nach Chef-Coach Mirko Slomka mussten heute auch seine Assistenten ihre Koffer packen, das sind Nestor El Maestro, Zlatan Bajramovic, Fitness-Coach Nikola Vidovic und Torwarttrainer Ronny Teuber. Bei Bajramovic besteht noch die Möglichkeit, dass er wieder in den Nachwuchsbereich des HSV, aus dem er kam, zurückgehen wird. Das ist sicherlich der größte Schnitt, den der HSV gemacht hat, aber jetzt sind (fast) alle Posten in diesem neuen HSV tatsächlich neu besetzt, sodass nun tatsächlich von einem Neubeginn zu sprechen ist.

 


 

Um das gleich vorweg zu sagen: Ich finde diesen Schritt nicht nur mutig, wie eingangs schon geschrieben, sondern großartig. Was und wen hat der HSV nicht schon alles an Trainern hierher geholt? Es waren namhafte Männer dabei, sogar einen Vizeweltmeister hatten wir hier – nur gebracht haben sie alle nicht das, was sich die Verantwortlichen von ihnen erhofft hatten. Und mit ihnen hatten auch die vielen, vielen HSV-Fans gehofft, dass es nun irgendwann einmal wieder kontinuierlich bergauf gehen würde, das Gegenteil war der Fall.

 

Jetzt hat der HSV einen relativ unbekannten Mann geholt, und bewegt sich damit auf den Spuren des SC Freiburg, des FC Augsburg, der TSG Hoffenheim und Hannover 96, denn die Herren Tuchel, Weinzierl, Gisdol oder auch Torkut kamen damals, als sie Cheftrainer ihrer Clubs wurden, für die meisten Experten und Fans überraschend zu ihren Jobs. Diese Trainer aber hatten im jeweiligen Nachwuchsbereich schon aufhorchen lassen, indem sie gute Leistungen und Erfolge vorzuweisen hatten. Auf dieser Linie liegt nun auch der 44-jährige Josef „Joe“ Zinnbauer, der die U23 des HSV zu neuem Leben erweckt hat. Acht Spiele in der Regionalliga, acht Siege – das ist sensationell. Und alle Welt schwärmt von Joe Zinnbauer.

 

Sicherlich ist es ein wenig kurios, dass dieser Zinnbauer noch vom ehemaligen Sportchef Oliver Kreuzer aus Karlsruhe geholt worden ist, aber solche Geschichten schreibt eben der Fußball, und ganz besonders der Hamburger Fußball, der des HSV. Für mich ist das aber kein Grund, an Zinnbauer zu zweifeln oder zu mäkeln – der Mann kann es in meinen Augen, und er wird es hier beweisen. Egal, ob nun das erste Spiel, am Sonnabend gegen den FC Bayern, in die Hose gehen sollte. Der HSV geht einen Weg, der so noch nur vor einigen Jahren mal beschritten worden ist (Gerd-Volker Schock, Benno Möhlmann, Felix Magath), der aber absolut vernünftig ist. Zumal der Club kaum über die Finanzen verfügt, Mirko Slomka und einen anderen Chef-Coach über Jahre zu bezahlen. Slomkas Vertrag läuft noch bis Sommer 2016, muss also noch irgendwie weiter bezahlt werden, und diese Summe wird sicher in den siebenstelligen Bereich steigen. Der Vertrag von Zinnbauer läuft erst einmal unbefristet weiter, er wird sicherlich finanziell etwas angehoben – und bei Erfolg sicherlich auch dann befristet werden. Aber alles zu seiner Zeit.

 

Kurios ist an diesem Neuaufbau des HSV, dass mit Patrick Rahmen ein Mann an Zinnbauers Seite (als Co-Trainer) kommen wird, der seinerzeit noch von Thorasten Fink an die Elbe geholt worden war. Rahmen war erst kürzlich als Chef-Trainer des Nachwuchsbereiches des HSV eingestellt worden – und dieses Amt behält er – quasi nebenbei – auch weiterhin inne. Neuer Fitness-Coach wird Carsten Schünemann, neuer Torwarttrainer wird der frühere HSV-Keeper Stefan Wächter. Neuer Chef-Trainer der U23 wird der bisherige Coach der U16, Daniel Petrowsky, an seiner Seite bleibt Soner Uysal der Co-Trainer.

 

Was aus Thomas Westphal wird, den Mirko Slomka in diesem Sommer aus Hannover zum HSV (als Mannschafts-Betreuer) geholt hat, ist noch unklar. Wie schön, dass Joe Zinnbauer nicht auch noch zehn Mann oder mehr im Schlepptau hat – es würde wieder kosten und kosten und kosten. So gesehen ist Zinnbauer wirklich eine Billig-Lösung, aber das ist wahrlich nicht böse gemeint – der Mann könnte (und wird in meinen Augen) ein Glückgriff für den HSV werden. Auch wenn er am Sonnabend natürlich gleich vor einer ganz schwierigen Aufgabe stehen wird. Und dann am Mittwoch später noch einmal, mit der Auswärtspartie in Mönchengladbach.

 

Für Abendblatt-Blogs


 

Wer sich von Euch noch kein Bild von Joe Zinnbauer machen kann, aber gerne etwas mehr von ihm erfahren oder sehen möchte, der kann das bei „Matz ab live“ – wir hatten ihn am 18. August in der Sendung – nach dem Pokalspiel in Cottbus. Es ist sehenswert, ganz sicher, das haben mir damals gleich mehrere Matz-abber bestätigt. Morgen, am Mittwoch, wird Zinnbauer sein erstes Training bei den HSV-Profis leiten. Ganz sicher unter großer Beobachter der HSV-Fans.

 

Und wer ganz genau informiert sein will, was sich heute im Volkspark getan hat, wie sich das alles entwickelt hat – der sollte sich hier und jetzt auch die Pressekonferenz mit Club-Chef Dietmar Beiersdorfer ansehen. Es lohnt sich. Viel Spaß damit – und einen schönen Feierabend.
Und: Nur der HSV!

 

18.25 Uhr

 
Spät in der Nacht, von den Moderatoren geschickt, möchte ich einmal einen Beitrag von “Sfegthzt” veröffentlichen, heute geschrieben. Und dickes Kompliment von mir – selten mal etwas Besseres gelesen. Treffer! Das hier trifft den Nagel genau auf die Birne. Vielen Dank dafür:

Also manchmal ist es echt zum Kotzen hier.
Ist mir vollkommen egal ob ich jetzt gesperrt werde, aber was hier für Dummpfeifen ihren Blödsinn absondern ist Wahnsinn.
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Warum muss jeder neue Spieler, jeder Neue Trainer absolut jeder der irgendwas beim HSV macht immer gleich kaputtgeschrieben werden?
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Alle wollten Slomka raus haben. Jetzt ist er weg. Alle wollten Tuchel. Tuchel aber nicht.
Jetzt bringt der HSV einen jungen Konzepttrainer mit sehr großem Potenzial zur 1. Mannschaft und plötzlich ist er der größte Stümper aller Zeiten,
kann nicht, wird von Spielern ausgelacht etc. Sag mal tickt ihr noch richtig?
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Hannover, Freiburg, Mainz (2mal), Hoffenheim und was weiß ich noch wer haben doch vorgemacht wie Klasse so etwas funktionieren kann.
Aber nein die HSV Fans sind zu gut und kompetent für einen Regionalligatrainer oder was?
Die dümmsten Fans der Liga sind wir. Ohne Spass.
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Was spricht dagegen Zinnbauer die faire Chance zu geben, die er verdient?
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Notfalls kann man später nochmal reagieren wenn es überhaupt nicht funktioniert (was sicher nicht passiert) und dann vielleicht einen Kandidaten holen
der den hochwohlgeborenen HSV Fans besser gefällt. Vielleicht eine Mutation aus Tuchel, Klopp, Heynckes, Happel und Jesus persönlich. Aber der würde
sicherlich auch gleich wieder ans Kreuz genagelt.
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Und falls die Spieler den Trainer nicht ernst nehmen sollten, dann gehören die Spieler fristlos entlassen und auf Schadensersatz wegen
Arbeitsverweigerung verklagt. Nichts anderes. Das sollen Profis sein und keine Kindergartentruppe aus Hollywood

Gute Nacht. Oder für den Mittwoch: Guten Morgen!

Rückendeckung für Slomka, Gerüchte um Adler

15. Juni 2014

Haupt-Diskussions-Thema um den HSV waren in den vergangenen Tagen die irritierenden Aussagen des neuen Aufsichtsrats-Vorsitzenden Karl Gernandt. Insbesondere sein mehrdeutiger Kommentar zu Trainer Mirko Slomka haben über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Die Meldungen, man würde sich in der Spitze der Fußball AG bereits mit einem Nachfolger Thomas Tuchel beschäftigen, schaukelten sich in gewisser Weise hoch.

 

Wie Scholle hier bereits gestern geschrieben hat, ist ein kurzfristiger Trainerwechsel beim HSV allerdings kein Thema. Wie ich erfahren habe, soll sich Karl Gernandt selbst sogar erschreckt haben, als er die öffentlichen Interpretationen seiner Aussagen gelesen hat. Seither gab es von Gernandt ja auch keinen Kommentar mehr. Das kann man wohl als Zeichen werten, dass er sich eine etwas größere Zurückhaltung auferlegt hat. Wobei meiner Ansicht gerade jetzt mal ein klares Wort nach der Devise: „Slomka steht nicht zur Debatte!“ angebracht wäre.

 

Denn wenn der Coach des HSV am Mittwoch das erste Training in Hamburg leitet, ist doch schon klar, welche Fragen zunächst auf ihn einprasseln. Rechnen Sie damit, lange HSV-Trainer zu bleiben? Fühlen sie sich nicht in ihrer Position geschwächt? Wie beurteilen sie diese Aussage Gernandts mitten in der Sommerpause? Und so weiter. Hätte man sich sparen können.

 

Natürlich steht es nicht in Stein gemeißelt, dass Mirko Slomka bis 2016 – so lange läuft sein Vertrag beim HSV – Trainer in Hamburg bleiben wird. Theoretisch könnten Dietmar Beiersdorfer und Karl Gernandt ihn sogar nicht für die Optimal-Besetzung halten. Es war ja nun auch nicht alles Gold, seit Slomka das Zepter übernommen hat. Aber mit großer Sicherheit müssen doch erst einmal andere Pflöcke eingehauen werden, anstatt nun eine Trainerdebatte anzuzetteln. Sie bleibt übrigens angezettelt und noch nicht begraben, so lange nicht endlich ein klares Wort von oben das Gegenteil besagt.

 

Oliver Kreuzer hat sich übrigens mittlerweile zur Casa Slomka geäußert. Natürlich stärkt er den Trainer: „Ich habe vernommen, dass der Name Slomka gefallen ist. Mirko ist seit vier Monaten hier, er hat einen hervorragenden Job gemacht. Das Ziel war der Klassenerhalt. Das haben wir über die Relegation geschafft. Wir hatten in dieser Zeit unglaubliche Verletzungssorgen. Dass wir es dann doch geschafft haben, ist auch Mirkos großer Verdienst. Für mich gibt es an Mirko Slomka keine Zweifel.“

 

Weil nun aber Karl Gernandt und Dietmar Beiersdorfer (noch) schweigen, und auch der designierte zweite Mann Joachim Hilke mit Interviews abwartet, habe ich noch einmal mit den aktuellen Amtsinhabern gesprochen. Dazu gehört auch Hilke, klar, aber ich meine in erster Linie Carl Jarchow. Er ist jetzt schon (mit Hilke) im Vorstand der AG, die dann ja ab 1. Juli das Machtzentrum des HSV sein wird. Dietmar Beiersdorfer kommt als Vorstands-Vorsitzender hinzu, so dass der neue Aufsichtsrat Jarchow abberufen müsste, damit die gewünschte Zweier-Konstellation Jarchow/Hilke entsteht.

 

Carl Jarchow also führt die Geschäfte weiter, und dass er alles andere als begeistert ist über Karl Gernandt, das liegt auf der Hand. Hier schränke ich ein: dies ist mein Eindruck, denn Jarchow sagt es nicht direkt. Jedenfalls spricht er, wie es seine Art ist, nicht mit dem Keule, sondern mit dem Florett. „Jeder kann sich selbst nur ein bisschen zurücknehmen und versuchen, etwas weniger für solche Schlagzeilen zu sorgen. Bei einem Gebilde wie dem HSV ist es jedoch schwierig, das ganz auszuschließen. Man wird es nicht ganz verhindern können.“

 

Soweit Carl Jarchow zu diesem Thema. Da Jarchow zusammen mit Oliver Kreuzer (und in Absprache mit Beiersdorfer) aktuell noch die Transfer-Hoheit besitzt, ist es von entscheidender Bedeutung, Informationen über die tatsächliche Größenordnung eines Einstiegs von Klaus-Michael Kühne zu erhalten. Diese Informationen liegen Jarchow derzeit nicht vor. Ob er sie überhaupt erhält, ist eine zweite Frage. Jedenfalls muss klar sein, was der HSV investieren kann in den kommenden Monaten bis zum Ende der Transferfrist am 31. August. „Das ist ganz grundlegend wichtig. Vor allem ist wichtig, dass wir uns mit Dietmar Beiersdorfer abstimmen – das gilt insbesondere für Oliver Kreuzer. Dieser Austausch geschieht sehr konstruktiv. Welche finanziellen Möglichkeiten die AG haben wird, wissen wir im Detail noch nicht“, erläutert Jarchow.

 

Ein Wort noch zu Jarchow persönlicher Zukunft. Er ist ja bis Mitte 2015 beim HSV unter Vertrag. Sollte er aus dem AG-Vorstand abberufen werden, dann bleibt er Vorsitzender des HSV e.V. und erhält damit automatisch einen Sitz im Aufsichtsrat der Fußball AG. Soweit ist der Rahmen gesteckt – für seinen Kollegen Oliver Kreuzer gilt das nicht. Jarchow ergreift allerdings Partei für Kreuzer, dem er auch in HSV AG eine Rolle zutraut. „Ich würde es ihm wünschen, weil ich finde, dass er ein sehr schweres erstes Jahr in Hamburg hatte. Er hatte auch einen sehr schweren Start, nachdem er erst spät hinzugestoßen ist und wenige Möglichkeiten besaß, Dinge zu beeinflussen. Er hat jetzt die gesamte Zeit den Übergang gut mitgetragen, arbeitet konstruktiv und ohne übertriebenen Egoismus. Ich würde mir wünschen, dass er weitermachen kann, aber das ist nicht meine Entscheidung.“

 

Und um noch einmal abschließend auf Mirko Slomka einzugehen: wenn es am Montag zum Gipfeltreffen der Bosse mit Mirko Slomka kommt, dann wird es wohl kaum über eine mögliche vorzeitige Demission des Coaches gehen. Vielmehr muss ja auch mal mit allen Beteiligten die gesamte Vorbereitungsphase durchgesprochen und -geplant werden.

 

Heißes Transfergerücht heute: Rene Adler soll für drei Millionen Euro nach Sunderland gehen. Hier die Meldung des englischen „Mirror“:

Der Boss des FC Sunderland, Gus Poyet, will die Nummer eins des HSV, Rene Adler, holen – das ist der Keeper, der kurz vor der WM aus dem deutschen Kader gestrichen wurde. Poyet ist bereit, zweieinhalb Millionen Pfund in den erfahrenen Schlussmann zu investieren, der seinem Verein geholfen hat, in der Relegation die Bundesliga zu halten. Adler sollte vergangene Woche zu Verhandlungen nach England kommen, das hat allerdings wegen Knieproblemen nicht geklappt. Diese Verletzung soll in Kürze auskuriert sein.

 

Abgesehen davon, dass einige Ungenauigkeiten in der Meldung sind (Adler hat Rücken- und keine Kniebeschwerden; außerdem hat er in der Relegation gar nicht gespielt) ist dies ein weiteres Kapitel im anscheinend nicht enden wollenden Trennungs-Gerüchte-Spiel um den Torwart, der vor zwei Jahren aus Leverkusen nach Hamburg kam.

 

Eine aktuelle Einschätzung von Oliver Kreuzer habe ich heute nicht bekommen. Vorgestern habe ich mit Kreuzer allerdings sehr ausführlich über Adler gesprochen, insbesondere über dessen Bandscheibenvorfall. Kreuzer sagte: „Wir haben ein Feedback unseres Mannschaftsarztes, dass es mit seinem Rücken nicht so gut aussieht. Wir haben einige Male versucht, Rene am Telefon zu erreichen, das hat bislang leider nicht funktioniert. Natürlich erwarten wir schnell eine Antwort, um zu wissen, ob er am Mittwoch überhaupt das Mannschaftstraining aufnehmen kann.“ Wie gesagt – das war vorgestern. Seither hat es sicherlich weitere Kontaktversuche gegeben, wobei es schon bemerkenswert ist, dass ein Profi, der offenkundig eine schwerere Verletzung hat, am Telefon nicht erwischt werden kann – Urlaub hin oder her.

 

Zu der Personalie Adler passt die Information, dass die Hamburger offenbar kurz vor der Verpflichtung eines weiteren Schlussmanns sind. Er heißt Johannes Kreidl, ist 18 Jahre alt, und beim FC Wacker Innsbruck unter Vertrag. Er steht in der österreichischen U-18-Nationalmannschaft. Der junge Kreidl war vor einigen Wochen bereits zum Test bei Torwart-Trainer Ronny Teuber in Hamburg. Österreichische Zeitungen melden nun, dass der Wechsel kurz bevor steht. Ein Ersatz für Adler würde Kreidl sicher nicht werden. Aber generell versucht sich der HSV verstärkt, auf dieser Position zu wappnen. Mit Alexander Brunst-Zöllner (18) steht ja bereits ein weiterer junger Nachwuchs-Keeper im Profi-Kader des HSV.

 

In Sachen Pierre Michel Lasogga gibt es auch heute keine neuen Wasserstandsmeldungen. Sollte sich etwas tun, halten wir Euch auf dem Laufenden. Es gab heute wieder Gespräche, so viel ist bekannt, aber warten wir nun mal ab, wohin sich die Waage endgültig neigt. Noch, so scheint es, ist der HSV nicht aus dem Rennen.

 

Am Montagabend um 18 Uhr beginnt die WM auch für Deutschland mit der ersten Partie gegen Portugal. Wir wollen Euch auch die Weltmeisterschaft über mit unseren Matz-ab-Live-Sendungen unterhalten und melden uns deswegen nach Abpfiff der Partie mit unserer Gesprächsrunde. Gast ist unter anderem HSV-Profi Dennis Diekmeier.

 

Schönen WM-Abend wünscht Lars (und Johan Djourou wünsche ich, dass er nicht noch einmal in der Verlosung ist bei einem Schweizer Gegentor wie eben beim 0:1 gegen Ecuador…)

 

P.S.: Und dann möchte ich noch einmal hinweisen auf Dieters Nachricht vorhin, die Ihr jetzt unter den älteren Blog-Einträgen findet!

Jansen übernimmt die Binde von van der Vaart

21. November 2013

Auf den ersten Blick ist es vielleicht nur eine symbolische Geste. Marcell Jansen wird am Sonntag gegen Hannover 96 und auch in den Wochen danach – solange Rafael van der Vaart verletzt fehlt – die Kapitänsbinde des HSV tragen. „Mein Gefühl hat mir das gesagt“, erklärte Trainer Bert van Marwijk. „Ich brauche einen neuen Kapitän und habe kurz mit Marcell gesprochen. Dann war das auch gleich klar. Er ist erfahren, Nationalspieler und gut in Form. Das reicht eigentlich schon.“

Marcell Jansen also, 28 Jahre alt, zuletzt im Aufwind auch bei Bundestrainer Joachim Löw, ersetzt van der Vaart. Der Linksfuß ist seit 2008 beim HSV und somit der Dienstälteste im Team. Die Nominierung – auch Rene Adler hätte zur Verfügung gestanden – ist durchaus ein Zeichen seiner Wertschätzung, die sich Jansen seriös erarbeitet hat. Wie lange er Kapitän sein wird, ist nach wie vor offen. Bert van Marwijk hat heute in die gleiche Kerbe geschlagen wie Sportchef Oliver Kreuzer gestern. Die zunächst genannten vier Wochen Pause für van der Vaart sollen es bitteschön nicht sein. „Ich glaube nicht, dass es so lange dauert. Vielleicht sage ich das auch nur, weil ich mich über diese Verletzung ärgere. Aber ich habe mit Rafa gesprochen und mir den Fuß auch angesehen. Wie auch immer: ich kann es nicht ändern.“ Alles in allem, so der Trainer, sei es aber unglaublich schade, dass van der Vaart nun fehlt.

Beim Training heute fehlte außer van der Vaart nur einer, der am Sonntag gegen Hannover 96 zum Stamm gehören sollte: Heiko Westermann. Der hat nach seiner kleinen Verletzung aus dem Länderspiel (Schlag aufs Knie) noch einmal pausiert. „Wenn er am Freitag wieder trainiert, gehe ich davon aus, dass er am Sonntag spielen kann“, erklärte van Marwijk. Und so ruckelt sich die HSV-Mannschaft für das Nordderby langsam zurecht.

Worauf der Trainer großen Wert legt, war heute beim Training zu erkennen. Bei Winter-Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gab es eine saftige Einheit von 1 ¾ Stunden Länge. 18 Feldspieler waren dabei, dazu die drei Torhüter. Weil mit Westermann ein Außenverteidiger fehlte, hat der Trainer Ashton Götz aus der U 23 dabei gehabt. Ob er eine Alternative für den Kader am Sonntag ist, ist allerdings offen.

Im Mittelpunkt des Trainings: Immer wieder Pass-Spiel und immer wieder aggressive Verteidigung. Nach dem Aufwärmen standen wie immer unter dem 61-Jährigen van Marwijk schnelle Pass- und Laufstafetten auf dem Übungsplan. Auffällig: Jeder Spieler, der einen Pass bekommen wollte, musste sich lautstark melden. Es war ein einziges Gerufe und Geschreie – jeder sollte den Ball fordern. Das sah schon sehr flott und forsch aus.

Anschließend ging es an die Spielformen. Abwechselnd mussten zwei Viererketten gegnerische Angriffe stoppen. Kette Nummer eins bestand aus Mancienne, Rincon, Sobiech und Jansen. Kette Nummer zwei bildeten die Herren Götz, Tah, Djourou und Kacar. Vor allem die Außenverteidiger hatten viel Laufarbeit zu verrichten, denn es griffen jeweils fünf Stürmer an. Sturm-Team 1: Tesche, Jiracek, Arslan, Zoua, Rudnevs. Sturm-Team 2: Calhanoglu, Badelj, Ilicevic, Lasogga, Beister.

Es war nicht einfach für die Stürmer, sich durchzuspielen. Immer wieder wurden sie abgefangen, wenn die Pässe in die Schnittstellen nicht schnell und präzise genug kamen. Einzig Pierre Michel Lasogga konnte hier treffen. Rudnevs hatte einige gefährliche Szenen, im Abschluss aber war er teilweise erstaunlich ungeschickt. Doch das sollte sich im Verlauf des Trainings noch ändern.

Van Marwijk erweiterte die Übung anschließend. Nun spielten sechs gegen sechs. Hier standen die defensiven Mittelfeldspieler im Vordergrund und es zeichnete sich – wie erwartet – ab, dass Milan Badelj und Tomas Rincon erste Wahl sein werden gegen Hannover 96. Dass er selbst viel vor hat, erläuterte der Venezolaner Rincon schon vorher auf der Pressekonferenz. „Ich will richtig Gas geben. Wir wollen dem Gegner zeigen, dass hier bei uns im Stadion nichts zu holen ist. Wir wollen die drei Punkte unbedingt.“

Im Hinterkopf schwirrt bei Rincon immer noch das bisher letzte Aufeinandertreffen mit den Niedersachsen herum. Im Februar ging der HSV in Hannover mit 1:5 unter. „Dieses Spiel kann man nicht einfach so vergessen. Wir wollen jetzt zeigen, dass wir wieder eine starke Mannschaft haben“, so Rincon. Für ihn ist es das erste Spiel seit dem Kieferbruch, den er sich in der Partie gegen Werder Bremen (0:2) zugezogen hatte.

„Ich bin richtig froh, wieder dabei zu sein. Wir haben die letzten zwei Spiele verloren, deswegen müssen wir nun umso dringender gewinnen. Um meine Verletzung mache ich mir keine Gedanken. Meine Spielweise werde ich jedenfalls nicht verändern“, versprach der stets kampfstarke Abräumer.
Zurück zum Training. Nach dem Sechs-gegen-sechs-Spiel wurde auf zehn gegen zehn erhöht. Neuhaus, Ilicevic, Jiracek, Sobiech, Jansen, Mancienne, Arslan, Lasogga, Calhanoglu und Tesche trafen auf Adler, Rudnevs, Tah, Beister, Badelj, Djourou, Kacar, Götz, Zoua und Rincon. Die zweite Mannschaft gewann mit 2:1 durch Treffer von Rudnevs (jetzt viel besser als bei der ersten Übung) und Beister. Das Gegentor schoss Tesche. Das Spiel war deswegen witzig, weil beide Mannschaften unter bestimmten Bedingungen auf beide Tore schießen konnten. Handlungsschnelligkeit und Auffassungsgabe waren gefragt. Und: das ganze förderte die gesamte Trainingseinheit über das Kurzpass-Spiel. Lange Bälle waren tabu.

Der Vollständigkeit halber: Jarsolav Drobny hat unterdessen mit Torwart-Trainer Ronny Teuber Einzeltraining durchgeführt. Zum Abschluss wurden kleine Törchen auf einem halben Platz aufgebaut, durch das die Teams den Ball möglichst oft schießen mussten. Auch hier ging es zur Sache. Mancienne, Calhanoglu und andere gingen nach Zusammenstößen zu Boden, etwas Schlimmeres ist nicht passiert. Positiv außerdem, dass der Schweizer Johan Djourou die komplette Einheit ohne Probleme mitmachen konnte. Er dürfte Sonntag neben Jonathan Tah in die Innenverteidigung des HSV zurückkehren. Also: es ging zur Sache beim Training.

Das muss es dann am Sonntag auch gegen die 96er, darauf wies Bert van Marwijk überdeutlich hin. „Es gibt noch keine Mannschaft in der Bundesliga, wo wir sagen können, dass es einfach wird“, so der Trainer. „Hannover hat auch eine schwierige Zeit, aber das macht es für uns auch nicht leichter. Wir haben die Analyse von Hannover schon hinter uns. Die sind sehr gut organisiert.“ Natürlich wollte van Marwijk nicht abschließend verraten, wer die Lücke von Rafael van der Vaart schließen soll. „Andere Spieler müssen es machen“, antwortete der lapidar auf eine entsprechende Frage. Klar, dass Hakan Calhanoglu erster Anwärter auf die van-der-Vaart-Vertretung hinter der einzigen Spitze Lasogga ist.

Nächste Frage, die mit van der Vaart zu tun hat: Wer schießt in seiner Abwesenheit eigentlich die Elfmeter? „Wichtig ist das Gefühl während eines Spiels. Es gibt ein paar Spieler, die es gut machen könnten. Am besten entscheiden die Spieler auf dem Platz selbst, wer sich gut fühlt.“

Großen Raum in der Presserunde nahm heute das Thema Verletzungen ein. Van der Vaart beim HSV, die halbe Dortmunder Verteidigung mit Hummels und Schmelzer, Bayerns Ribery und andere fallen am kommenden Wochenende nach Verletzungen aus, die sie bei ihren Nationalteams erlitten haben. „Die Spieler sind überlastet“, beschwert sich Bert van Marwijk. „Das Geld ist so wichtig im Moment, dass darauf in diesem Geschäft niemand Rücksicht nimmt.“ Als er Bondscoach war in der niederländischen Nationalmannschaft, hatte er mehrfach die Idee, die Nationalspieler nur zum Training zusammenzurufen. „Das ist besser für die Entwicklung der Mannschaft und das Risiko, sich zu verletzen, nimmt ab.“ Irgendwann, so van Marwijk, komme der Moment, an dem man Veränderungen herbei führen müsse. „Es ist schade, aber ich kann es nicht ändern.“

Das Spiel gegen Hannover ist für die Hamburger nun jedenfalls enorm wichtig. Nach zwei Niederlagen in Folge müssen Punkte her, um die Qualität des HSV auch in der Tabelle zu untermauern. Bert van Marwijk hat für die Qualität übrigens einen eigenen Parameter. „Ich gucke auch auf die Tordifferenz. Wir haben minus drei, das ist eigentlich zu gut für eine Mannschaft auf Platz 14. Aber natürlich habe ich lieber Punkte…“

Kleines Tuschelthema heute war eine Meldung aus dem „kicker“, wonach Artjoms Rudnevs nun ausgerechnet auf dem Wunschzettel von Hannover 96 stehen soll. Dort ist Ya Konan verletzt (evtl. Rückkehr in die Startelf gegen den HSV), Schlaudraff ist nicht gerade in Topform und der Vertrag von Diouf läuft am Saisonende aus. Warum also nicht Rudnevs holen? „Ich kann die Meldung nicht bestätigen.“ So nahm der Hannoveraner Sportdirektor Dirk Dufner Dampf aus dem Gerücht. Abwarten – Rudnevs wird sicher noch bei manchem Verein gespielt, so lange er in Hamburg zweite Wahl ist.

Sonntag um halb vier gilt es im Volkspark. Anschließend möchte ich Euch „Matz ab live“ ans Herz legen. Dieter wird dann gemeinsam mit Scholle moderieren, und diesmal haben Holger Hieronymus und Ditmar Jakobs als Gäste zugesagt, die ihr Struktur-Modell „HSV-PLUS“ erläutern wollen. Abgesehen davon, dass die beiden Ex-Nationalspieler ganz sicher das Nordderby aufs Allerfeinste erklären werden.

Apropos „HSV-PLUS“: Nachdem wir in der vergangenen Woche in einem langen Interview die Position des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Manfred Ertel wiedergegeben haben, steht morgen ein großes Interview mit Otto Rieckhoff auf dem Plan, auf das ich jetzt schon gespannt bin.

Das Training morgen findet ohne Öffentlichkeit am Volkspark statt.
Ich wünsche Euch einen eisfreien Abend. Bis morgen
Lars

Adler will fliegen – schon in Jena

31. Juli 2013

Viel los war heute wahrlich nicht. Neben zwei Zuschauern, einem Jogger, einem Fahrradfahrer und einer Gruppe Behinderter saßen da noch drei Kollegen und ich. Zwei Fotografen dokumentierten die verwaiste Fußballlandschaft an diesem herrlichen Mittwochnachmittag abseits der Imtech-Arena. Obwohl, da waren natürlich noch die beiden Hauptakteure auf dem großen Trainingsplatz: Torwarttrainer Ronny Teuber und das größte Fragezeichen im HSV-Kader, Rene Adler. Spielt er am Sonntag schon in Jena mit? Oder pausiert er weiterhin und es wird sogar eng bis zum Saisonauftakt am 11. August beim FC Schalke? „Ich habe Schmerzen“, sagt Adler heute nach rund 80 Minuten Einzeltraining. Allerdings relativeierte Adler seine Aussage sofort wieder: „Schmerzen, wie sie nach so anstrengenden Einzeltrainings normal sind. Diese Einheiten sind deutlicu intensiver als normales Mannschaftstraining.“

Kein Zweifel, Adler, der am Dienstag im Sky-Interview klar formulierte, dass man in dieser Saison mehr von der Mannschaft verlangt als in der abgelaufenen Saison, ist heiß. Sehr heiß sogar. „Aber nicht so heiß, dass ich übermotiviert wieder einsteige und dann ausfalle“, verspricht er. Stattdessen warte er jeden Tag ab, wie sich die anstrengenden Einheiten auf seinen Körper auswirken. „Erst, wenn es keinen Zweifel mehr gibt, steige ich wieder voll ein.“ Und das am liebsten mit einem „Tunneler“ bei seinem Kollegen Dennis Diekmeier. „Ich freue mich auf den ersten Kreis, den ich wieder mitspiele und auf den ersten Ball, den ich Dennis durch die Beine schiebe. Das könnt ihr gern so aufschreiben.“

Adler wirkt locker. Motiviert und fokussiert. Er weiß, dass die nächsten Tage für ihn ganz wichtig sind, dass er eine Saison vor sich hat, in der vieles funktionieren muss. Immerhin steht neben dem großen Ziel Europapokal mit dem HSV auch eine WM vor der Tür. „Wir haben viele Nationalspieler aus vielen Nationen, die dahin wollen. Und wir alle wissen, dass wir dafür Erfolg als Mannschaft brauchen. Haben wir den, ist das auch für den Einzelnen klar von Vorteil.“ Eine Gleichung, die ich andersrum aufgezäumt hätte (bessere Leistung als Mannschaft – mehr Erfolg – bessere Bewertungen von außen – bessere Chancen, für die jeweilige Nationalelf berufen zu werden) – aber egal. Geht auch so. Denn, und da bin ich mir mit Adler zu 100 Prozent einig: „Am Ende geht alles nur über die Mannschaft!“

Und die Stimmung ist gut. Im Training wechseln sich rassige Zweikämpfe und umkämpfte Spiele mit entspannten Pausen ab. Es wirkt sehr ehrgeizig – und zumeist harmonisch. „Das ist es auch“, sagt Adler und bezieht insbesondere auch die Spieler mit ein, die weiterhin verkauft werden sollen. „Es gibt da keine Stinkstiefel, alle verhalten sich wie Profis. Obwohl es eine alles andere als leichte Situation für sie ist, lässt sich keiner hängen.“

Zudem ist die Stimmung insgesamt besser als in der abgelaufenen Saison. „Da war es auch gut, aber diesmal haben wir klare Ziele für uns“, sagt Adler. „Ohne da irgendeinen falschen Druck zu machen, haben wir intern das klare Ziel ausgegeben, nach Europa zu kommen. Das ist sicherlich nur ein Ziel und kein Versprechen. Aber wir können versprechen, dass wir immer 100 Prozent geben – und mehr. Wenn wir so kämpfen wie im letzten Spiel gegen Leverkusen, dann springt der Funke über aufs Publikum und umgekehrt. Das in der Mehrzahl der Spiele und dazu unsere spielerische Klasse, die wir jetzt haben – dann können wir nur nach Europa fahren.“

Oha. Sehr optimistisch. Und mutig. Aber das ist Adler. Auch, was seine persönliche Prognose anbelangt. Denn obwohl Trainer Thorsten Fin am Dienstag unmissverständlich sagte, Adler bräuchte mindestens ein Spiel, bevor er ihn zum Bundesligaauftakt gegen Schalke in den Kasten stellt, sieht Adler das etwas anders. Ob er auch ohne ein Spiel vorweg quasi per Kaltstart in die Bundesliga gehen könnte? „Klar, das hab ich schon häufiger machen müssen. Ich habe keine Angst davor.“ Dennoch setzt Adler darauf, vor dem Spiel in Gelsenkirchen Matchpraxis zu sammeln. „Es wäre nicht schlecht, schon am Wochenende zu spielen und wieder das Gefühl für das Spiel zu gewinnen.“ Nicht, dass er das unbedingt bräuchte, dafür hätte er in seinem Leben schon genug Bälle gehalten. Nein, dass er es kann weiß er. Aber allein fürs Selbstvertrauen sei das wichtig. „Es reicht manchmal schon aus, dass man plötzlich bemerkt, wie zuvor schmerzhafte Bewegungen wieder reibungslos gehen.“ Wie heute im Training? „Ungefähr so“, lacht Adler, der einst in Leverkusen mehr oder weniger per Kaltstart seine Bundesliga-Premiere feierte, als er den rotgesperrten Jörg Butt vertreten musste.

Apropos Bayer Leverkusen: Bei dem Werksklub startet Levin Öztunali gerade durch. Und ich befürchte, dass alle Kritiker der letzten Monate Recht behalten werden und sich der HSV in kürzerer zeit mächtig in den Allerwertesten beißen wird. Weil für einen Verbleib des allseits anerkannt größten Talentes innerhalb des Klubs schlichtweg nicht genug getan wurde. Dabei hätte ein Jahresgehalt von Kacar locker gereicht, um Öztunali für die nächsten Jahre zu binden und zu fördern. Und dieses Versäumnis heben auch die Transfers wie Nörgaard etc. nicht auf. Nicht einmal der Verbleib von Tah. Aber das nur am Rande.

Mehr gab es heute nicht. Außer die Ansage von Marcell Jansen, dass er am Feitag wieder ins Training einsteigen wolle. Das wiederum würde Fink nicht richen, um den Linksfuß gegen Jena aufzustellen. “Wenn Marcell nicht vor Freitag trainieren kan, beginnt Dennis Aogo hinten links.” Wie heute in Dresden. Aber davon gibt es nachher noch mehr zu lesen…

Für mich soll es das erst einmal gewesen sein. Nachher, im Anschluss an den Benefizkick von Rafael van der Vaart und Co. in Dresden, meldet sich Dieter mit einem kleinen Update bei Euch. Ich wünsche Euch bis dahin einen schönen Abend und freue mich auf morgen!

Scholle

“Zoua hat die Bundesligatauglichkeit – absolut”

18. Juni 2013

Die Strukturveränderung wird vorangetrieben – hier wie da. Hier der eine, da der andere. Und da hinten noch ein paar Vereinzelte mehr. Letztlich aber entscheiden im Januar natürlich die Mitglieder, ob und vor allem in welcher Form der HSV künftig die Profigeschäfte vorantreibt. Und so wie Dieter es ja auch schon geschrieben hatte, gibt es momentan einen hohen Motivationsgrad bei altgedienten HSVern, sich an dieser Reform zu beteiligen. Manchmal macht es zwar den Anschein, als wolle jeder einzelne der Erste sein, um als DER Reformierer in die Vereinschronik einzugehen. Allerdings ist mir das letztlich egal, solange der HSV sich zu einer Veränderung der veralteten Vereinsstruktur durchringt. Fähig sind die Leute, ob wie einst Bernd Hoffmann oder wie heute Jürgen Hunke, Ernst-Otto Rieckhoff, Dr. Klein und wer auch sonst noch momentan mitmischt, alle. Und die Mitglieder werden es zu entscheiden wissen. Hoffentlich.

Entschieden hat sich noch nichts Weiteres in Sachen Kaderplanung. Weder bei den Abzugebenden (Kacar, und zwei aus Rajkovic, Scharner, Mancienne) noch bei möglichen Neuen. Der erste richtig Neue ist noch immer nicht da. Sportchef Oliver Kreuzer sowie die Youngster Hakan Calhanoglu und Kerem Demirbay mal ausgenommen.

Allerdings warten Kreuzer und Trainer Thorsten Fink inzwischen täglich auf den ersten Coup. Namen sind bereits genug im Spiel. Diesmal nicht von Frank Arnesens Ex-Klub FC Chelsea sondern von Finks und Kreuzers ehemaligem Arbeitgeber FC Basel. Der Innenverteidiger Aleksandar Dragovic und der Linksverteidiger Joo-Ho Park sollen interessant sein. Heißt es. Allerdings wird Park vom HSV ebenso wie vom FC Basel dementiert. Und Dragovic ist mit einer realistischen Ablösesumme von rund 8 Millionen Euro schlichtweg außer Reichweite des HSV. Einziger realistischer Kandidat bei den Schweizern ist weiterhin Jaques Zoua.

Und der 21-jährige Angreifer ist sich mit dem FC Basel über einen Vereinswechsel ebenso wie mit dem HSV weitgehend einig. Einzig die beiden Clubs haben noch letzte Details zu klären. „Die Gespräche laufen, und das sehr gut“, sagt Basels Sportdirektor Georg Heitz, der im Gegensatz zum ersten Werben des HSV um Granit Xhaka im vergangenen Winter dieses Mal nicht sauer ist auf seinen ehemaligen Cheftrainer Thorsten Fink. „Nein, diesmal ist alles hochkorrekt gelaufen“, so Heitz, „der Thorsten hatte sich schon vor einigen Wochen bei uns gemeldet und nach Zoua erkundigt. Seither haben wir intensiven Kontakt, auch jetzt zu Oliver Kreuzer.“

Dass Fink bei der Spielersuche immer wieder auch bei seinem Ex-Klub landet, dem er einst bei seinem vorzeitigen Wechsel nach Hamburg versprach, nicht in dessen Kader zu wildern, stört Heitz nicht. Nicht mehr. „Das muss man relativieren. Es ist ja nicht immer so, dass es hinter dem Rücken passiert. Im Gegenteil, diesmal war alles korrekt. Und letztlich versucht jeder für seine Mannschaft nur das Beste. Fink für den HSV, wir für den FC. Da darf man nicht sensibel sein.“

Stimmt. Aber ein Geschmäckle bleibt dann doch immer. Das ist bei Amateurtrainern, die gehen und plötzlich Ihre alten Spieler mitziehen, nicht anders als in der Bundesliga. Jeder ist sich selbst eben der Nächste. Und das gilt auch jetzt bei Zoua. Obwohl Zoua bei den Schweizern keine Chance hatte, soll er für den HSV gut genug sein. Klingt für mich zunächst komisch. Es ist eben jene Ausgangssituation, wie sie mir noch bestens bekannt ist von den Chelsea-Spielern, die Arnesen einst holte. Aber, und das ist der entscheidende Unterschied, ich bin mir sicher, dass sowohl Kreuzer als auch Fink absolut mit den Anforderungen eines Bundesligaspielers vertraut sind. Das war bei Arnesen („Ich habe die Qualität der Bundesliga am Anfang unterschätzt“) damals noch anders.

Warum Zoua sich in Basel nicht durchsetzen konnte und ob er dann wirklich gut genug ist für die Bundesliga? „Zoua ist ein Nationalspieler, der den berechtigten Anspruch hat, Stammspieler zu sein. Bei uns hatte er aber seit der Winterpause mit Raul Bobadilla und Kapitän Marco Streller gleich zwei Größen vor sich für nur eine Position. Und in der Schweiz haben wir das Problem der Ausländerregel. Es dürfen bei uns nicht mehr als fünf Ausländer zugleich auf dem, Platz stehen. Und leider haben wir in der Abwehr schon einige unverzichtbare ausländische Mitspieler.“ Stichwort Park und Dragovic… „Genau. Deshalb verstehe ich den Spieler, wenn er wechseln will“, sagt Basels Sportdirektor Georg Heitz. Und was ist mit der Bundesliga-Tauglichkeit? Für Heitz keine Frage. „Die hat er. Absolut“, sagt der gelernte Journalist. Aber was soll er auch sonst sagen, wenn er den Kameruner nicht zum Ladenhüter machen will?

Klar ist, dass der Deal in den nächsten Tagen über die Bühne gehen soll. Einen direkten Zusammenhang zum möglichen Transfer von Roque Santa Cruz besteht dem Vernehmen nach nicht. Hier werden die Chancen auf eine Verpflichtung mit 50:50 beziffert. Und ich selbst kann mich noch nicht dazu durchringen, mich für einen Wechsel des Paraguayers komplett zu begeistern. Irgendwas sträubt sich in mir. Ich halte Santa Cruz für technisch hervorragend, für einen Torjäger mit eingebauter Acht- bis Zwölf-Toregarantie in der Bundesliga. Und ich halte ihn für fußballerisch besser als alles, was der HSV in der abgelaufenen Saison vorne reingestellt hat. Aber wenn ich höre, dass der im August 32 Jahre alt werdende Angreifer rund vier Millionen Euro verdienen und mindestens so viel Ablösesumme (Handgeld für ihn und seinen Berater kommt noch obendrauf) kosten soll – ich würde zumindest noch ein zweites, drittes und auch viertes und fünftes Mal ganz genau schauen, ob ich für das Geld nicht einen Stürmer mit der gleichen Qualität aber dafür mit sechs bis zehn Lenzen weniger auf der Uhr finden kann. Zumindest aber gilt es als wahrscheinlich, dass die HSV-Verantwortlichen abwarten, was der Königstransfer kostet, um zu sehen, was letztlich für Zoua oder eben ein anderes Offensivtalent übrigbleibt.

Das soll heute jedoch noch nicht geklärt werden, dafür aber in den nächsten Tagen. Auf jeden Fall aber bis zum Trainingsauftakt am 1. Juli. Bis dahin wird auch die Zukunft von Chefscout Lee Congerton geklärt sein. Der Attaché vom suspendierten Sportchef Frank Arnesen ist dem Vernehmen nach schon jetzt weitgehend aus den Kaderplanungen genommen worden und soll demnächst sein Engagement komplett aufgeben, geht es nach Kreuzer. Das allerdings gegen eine noch zu verhandelnde Abfindung, die bei rund 600000 Euro Jahressalär nicht unerheblich sein dürfte. Geklärt ist indes, dass Ronny Teuber weiter den Torwarttrainer macht.

Der ehemalige DFB-Torwarttrainer hatte lange warten müssen. Erst vor dem letzten Saisonspiel hatte ihn Frank Arnesen angesprochen, in zwei Wochen liefe der Vertrag aus. „Ich weiß nicht, warum das so lange gedauert hatte“, sagt Teuber, der sich gerade im Urlaub aufhält. „Aber das ist jetzt auch egal. Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit dem neuen Sportchef Oliver Kreuzer und bin mir sicher, dass wir die letzten Kleinigkeiten nach meiner Rückkehr in der kommenden Woche klären.“ Teuber gilt als einer der besten Torwarttrainer Deutschlands. Zuletzt hatten Jaroslav Drobny und vor allem Rene Adler den Verbleib Teubers gefordert.

Apropos Torhüter: Zum Abschluss des Blogs eine kleine Exkursion zum Handball. Dort wird morgen um 14 Uhr Ex-HSV-Keeper Frank Rost als neuer Geschäftsführer vorgestellt. Von mir aus herzlichen Glückwunsch an Rost und den HSV Handball. Ich bin mir sicher, dass Rost dort einige Veränderungen herbeiführen wird. Ich bin gespannt…

So und bevor ich den Blog beende noch eine kleine Info am Rande. Wie mir Herr Heitz nebenbei mitteilte, absolviert der HSV am 18. Januar in der Imtech-Arena ein Freundschaftsspiel gegen den FC Basel. Das Spiel und deren Einnahmen sind Bestandteil des einstigen Wechsels von Fink zum HSV.

In diesem Sinne, genießt die Sonne.

Bis morgen.
Scholle

P.S.: Dem Vernehmen nach sollen Jacpo Sala (Fink hält viel von dem Allrounder) und Tomas Rincon nun doch gehalten werden, was mich für Rincon sehr freut.

Der HSV vor einem “heißen” Wochenende

31. Mai 2013

Es geht um die Situation allgemein. Und um die Verlängerung von Vermarkter Sportfive ganz speziell. Darüber steht auf Abendblatt.de ein ganz besonderer Artikel. Der die Tatsache in den Mittelpunkt rückt, dass die HSV-Mtglieder zu diesem deal (Sportfive) befragt werden sollen. Frank Mackerodt, das ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Mitglied und früherer Kapitän der Volleyball-Nationalmannschaft, hat sich zu diesem Thema kurz einmal freigesprochen:

. . . Dieses Vorgehen sorgt besonders bei einem Mann für Kopfschütteln: Ex-Aufsichtsrat Frank Mackerodt. Auf Facebook lässt der 50-Jährige so richtig Dampf ab und schießt gegen seine Nachfolger in dem Gremium: „Da kann man einfach nun noch den Kopf schütteln: Der AR will die Hauptversammlung um ihre Meinung zu einem neuen Sportfive-Deal befragen. Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es gar keine andere Möglichkeit, als den Vertrag zu verlängern! Warum also die Nachfrage bei der Hauptversammlung?”, schreibt Mackerodt.

Und einmal in Fahrt schreibt er weiter: „Die Herren sollten erst mal klären, wer überhaupt den HSV überhaupt in diese Situation gebracht hat, diesen Vertrag verlängern zu müssen? Das ist leider alles so durchsichtig und armselig! Vielleicht sollte der AR zukünftig auch bei allen Spielerverträgen die Meinung der Hauptversammlung einholen! Noch weitergedacht, sollten doch auch alle Mitglieder die Verträge dann gleich mit unterschreiben!“

Mackerodts Sorge: „Leider wird unter diesen Umständen dieser wunderbare Verein in den Abgrund gewirtschaftet. Gerade von den Herren, die uns immer unter Zeit unter Udo Bandow für alles und jedes kritisiert haben. Unter anderem über den Sportfive-Deal, Umgang mit Investoren etc. Und jetzt machen sie alles mit . . .“

Neuer Sprengstoff für das ohnehin prall gefüllte Pulverfass HSV. Denn diese Äußerungen werden sicherlich Reaktionen hervorrufen.

Aber nicht nur diese Äußerungen, das ist klar. Es wird am Sonntag wohl noch ganz andere Reaktion geben. Ich bin auf diese Mitgliederversammlung (Sonntag, 11 Uhr, Arena im Volkspark) sehr gespannt, weil ich weiß, dass sich einige Herren schon mal besonders „präpariert“ haben. Pulverfass ist vielleicht schon das richtige Wort . . .

Wobei ich Frank Mackerodt, den ich über die Maßen schätze (weil er in hundertprozentiger HSVer ist!), natürlich recht geben muss. In allen Punkten. Über diese Punkte wird ganz sicher noch zu reden sein. Und die Mitgliedschaft des HSV wird feststellen, wie schnell aus einem Menschen mit festen Prinzipien ein schillernder Wendehals werden kann . . . Und das ist auch sicher: nicht nur EIN Mensch, sondern mehrere. Mehrere Wendehälse. Schillernde.

Bei der Gelegenheit: Sorry, lieber Frank, dass ich Dich in der heutigen Aufzählung der großen HSV-Größen (Hamburger Abendblatt Seite zwei) vergessen habe aufzuzählen – das ist leider ein unverzeihlicher Fauxpas von mir. Du gehörtest natürlich und selbstverständlich dazu. Und deswegen finde ich es schon mal überragend, dass Du in dieser Form „Gas gegeben“ hast – ohne dazu (von mir) „aufgefordert“ worden zu sein. Großartig. Von diesen HSV-Größen müssten sich viele, viele mehr einmischen, erst einzeln, dann aber auch noch einmal gemeinsam. Und mit Vehemenz.

Der HSV steht ja vor einem „heiße“ Wochenende. Erst der Sonnabend in Berlin. Dort wird Oliver Kreuzer als neuer HSV-Sportchef verpflichtet. Davon gehe ich hundertprozentig aus, denn alles andere kann sich der Club und kann sich der Aufsichtsrat gar nicht leisten. Soll Kreuzer jetzt – aus welchen Gründen auch immer – doch noch abspringen (müssen), dann wäre der HSV tatsächlich die größte Lachpille der Liga, dann würde er auch aus den letzten Zipfeln dieser Republik Hohn und Spott ernten. Gespannt bin ich nur darauf, ob es hinterher verkündet wird, auf welche Ablösesumme es denn letztlich hinausgelaufen ist. Wenn es diese Zahlen dann tatsächlich in der Öffentlichkeit gibt.

Gratulieren möchte ich dem HSV zur Vertragsverlängerung von Jaroslav Drobny. Dass der Tscheche nun doch kein Herthaner wird, sondern in Hamburg bleibt, das halte ich für sehr wichtig. Obwohl ich sehr wohl weiß, dass Drobny natürlich viel und gut verdient. Das ist erstens berechtigt, und zweitens hat Qualität eben seinen Preis. Der HSV geht dabei auf Nummer sicher – und das ist nur zu befürworten. Die Position des Torhüters ist viel zu wichtig. Und ich habe, das gebe ich zu, noch keinen HSV-Nachwuchstorwart gesehen, der dann in die Bresche springen könnte, wenn Rene Adler einmal ausfallen sollte. Das mag ja noch kommen, aber im Moment gibt es einen solchen Nachwuchsmann noch nicht. Es sei denn, die Torwarttrainer Ronny Teuber und Richard Golz sehen das anders – sie sind dafür ja auch vorgesehen und aufgrund ihrer Erfahrung auch viel prädestinierter als ich.
Bei der Gelegenheit: Ein Tom Mickel, der im Winter vom HSV zur Spielvereinigung Greuther Fürth gewechselt und dort total in der Versenkung verschwunden ist, der hätte dem HSV jetzt bestimmt gut zu Gesicht gestanden. Und was aus einem „gereiften“ Ersatztorwart werden kann, das hat ja Wolfgang Hesl in Fürth gezeigt – Stammtorwart. Bei einem Absteiger, aber immerhin.

Ansonsten Mails, Briefe, Anrufe und auch so manche sms. Die Fans und Mitglieder des HSV sind besorgt. Und weil es ja immer wieder gerne mal genommen (und gelesen) wird, möchte ich eine Mail veröffentlichen, die mich dieser Tage erreicht hat. Immer wieder gern genommen? Natürlich weiß ich schon, dass es einigen „Matz-abbern“ ein Dorn im Auge ist, wenn ich so etwas – wie nun folgend – veröffentliche, aber niemand ist vollkommen. Ich erst recht nicht. Ich weiß aber sehr wohl, dass es auch User gibt, die sich über eine solche Veröffentlichung freuen, weil sie sonst keine Kommentar bei „Matz ab“ lesen. Also – mehr Toleranz auf beiden Seiten.
Los geht es:

Lieber Dieter, lieber Scholle,

vorab bedanke ich mich für euren Blog der für alle Menschen mit der
Raute im Herzen eine tolle Plattform und Informationsquelle ist. Die
Liebe zum HSV springt einem wirklich aus jeder Zeile entgegen.
Für mich ist es das erste Mal überhaupt, dass ich mich zu meinem
Verein schriftlich äußere. Der Grund: ich muss meine Sorgen mal
loswerden.

Nach 41 Jahren, in denen der HSV immer Bestandteil meines Lebens war,
ist nun mein letztes Fünkchen Hoffnung erloschen, dass unser Verein
in absehbarer Zeit wieder “die Kurve” kriegt. Die aktuellen
Ereignisse zeigen überdeutlich, dass es einen gravierenden Fehler im
(Vereins)System gibt, der ein Anknüpfen an die sehr alten Erfolge
heute und in Zukunft unmöglich macht. Die jüngsten Aussagen von
Wolfgang Klein und Felix Magath bestätigen mich m. E. in meiner
Einschätzung.

Tatenlos müssen wir mit ansehen wie der “Elfer-Rat” in wechselnder
Besetzung den Verein immer wieder an die Wand fährt. Nirgendwo auf
der Welt könnte ein mit elf Hobby-Experten besetzter Aufsichtsrat ein
Unternehmen oder Projekt professionell und erfolgreich führen. Nur in
Hamburg wird das immer wieder versucht. Strukturreformen initiiert
durch den Aufsichtsrat? Gott bewahre, da könnten einige Herrschaften
ja an Einfluss und damit an Strahlkraft verlieren. Und das die
Mitglieder keine Reform einfordern wird für mich auf ewig ein Rätsel
bleiben.

Das Leiden steigert der Aufsichtsrat dann noch durch verbale
Ballverluste (siehe Causa Ertel) oder mit eklatanten Abwehrfehlern
sprich dem Ausplaudern von Interna. Es ist doch nur eine Frage der
Zeit, wann wieder der Trainer gehen muss und danach dann der
Sportchef. Wahrscheinlich verkündet von einem Vorstandsvorsitzenden
Jarchow, der sich – außer durch monotone Spar-Appelle und
Dauer-Leichenbittermiene- noch in keinster Weise profiliert hat, aber
vom Aufsichtsrat seltsamerweise auch nicht hinterfragt wird.

Ich bin bestimmt kein negativer Mensch, sonst hätte ich mich nicht
– nach 12 Jahren Axel Springer – mit fast 50 Jahren noch einmal
selbstständig gemacht. Aber der HSV zeigt leider nur Kontinuität bei
den Managementfehlern und das geht zu Lasten meiner Lebensqualität.
Daher wird es für meine Familie und mich zur neuen Saison keinen
Stadionbesuch und kein TV-Bundesliga-Abo mehr geben.

Lieber Dieter, lieber Scholle, macht so positiv weiter, ich bin dann
mal weg.

Beste Grüße, Thorsten

Und dann noch eine kurze „Wasserstandsmeldung“. Für alle, die jetzt noch auf ihre Dauerkarte verzichten möchten – und hinterher vielleicht dann doch traurig sind, dass sie bei Saisonstart „weg“ ist:

Noch bis zum morgigen Sonnabend läuft der Dauerkartenvorverkauf für Inhaber einer Saisonkarte der vergangenen Spielzeit. Bislang haben bereits 25 000 Fans von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht. Vom 11. bis zum 17. Juni läuft der Dauerkartenvorverkauf für HSV-Mitglieder, ehe am 18. Juni der freie Verkauf beginnt.
Wer seinen Dauerkartenplatz der letzten Saison auch in der kommenden Spielzeit besetzen möchte, der kann ihn sich jetzt im Online-Ticketshop auf www.hsv.de, unter der Telefonnummer 040 4155-1887 oder direkt im HSV-Service-Center buchen.

17.08 Uhr

Mit Raute – und Arslan auf der Sechs

5. April 2013

So, nun ist es nicht mehr lange hin, bis zum Anstoß der Partie gegen den SC Freiburg. Es wird spannend, es wird dramatisch – denn es steht für beide Mannschaften viel auf dem Spiel. Ich denke ja, dass es für den HSV um viel mehr geht, als nur um drei Punkte. Es geht darum, endlich wieder einmal in einem Heimspiel das beste, das vielleicht auch wahre Gesicht des HSV zu zeigen. Bitter nur, dass jetzt ausgerechnet die unbequemen Männer aus dem Breisgau kommen, mit diesem erst recht unangenehmen Trainer am Spielfeldrand. Der SC Freiburg, das ist vielleicht für jene unerschütterlichen Hamburger Optimisten interessant, hat seine letzten beiden Bundesliga-Spiele gegen den HSV im Volkspark (!) gewonnen. Einmal 2:0, einmal 3:1. Das schreibe ich nur, weil ich allein heute schon drei Männer getroffen habe, die mit etwas von „es wird schwer, aber der HSV wird 1:0 gewinnen“ erzählten. Auch ein 2:0 und ein 2:1 war dabei. Der HSV (und sein Anhang) sollte also gewarnt sein.

Wobei ich mich schon wundern muss, dass nur ein paar Tage nach dem 2:9-Desaster von München die Optimisten wieder wie die Pilze aus dem Boden schießen. Mein Kollege Florian Rebien (Mopo) hat mir verraten, dass der HSV nach all seinen großen und auch riesigen Klatschen nie das darauf folgende Bundesliga-Spiel gewonnen hat. Wenn ich das noch richtig erinnere, dann gab es danach sogar nur Niederlagen. Deshalb gilt es natürlich auch, gegen eine solche Statistik anzuspielen. Obwohl gerade das wohl das geringste Übel ist, mit dem die heutige HSV-Mannschaft zu kämpfen hat. Immerhin ist der HSV ja aber auch noch die Nummer eins im hohen Norden, und auch in dieser Beziehung steht einiges auf dem Spiel. Auch oder vor allem in der (Ab-)Rechnung mit Freiburg, denn die „Streicher“ haben in dieser Saison in Hannover, in Bremen und in Wolfsburg gewonnen. Siegen sie auch in Hamburg, dann sind sie die wahre Eins im Norden . . . Kleiner Scherz.

Nachdem ich in dieser Woche schon früh angefangen habe, über eine Aufstellung zu spekulieren, muss ich nun alles – oder auf jeden Fall einiges – zurücknehmen. Im Moment (16.20 Uhr) trainiert die Mannschaft neben der Arena, es wird auch ein Spielchen gemacht, doch Trainer Thorsten Fink hat die Mannschaft bunt durcheinander gewürfelt. Daran lässt sich nichts ablesen. Ich denke aber, dass für diesen Sonnabend folgende Aufstellung im Kopf des Trainers steckt:

Adler; Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen; Arslan; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Son, Rudnevs.

Also wieder eine Änderung im System. Fink versucht es mit der Raute und lässt sowohl Tomas Rincon als auch Milan Badelj draußen – er bringt Tolgay Arslan, der in der Hinserie auf der Sechs voll überzeugt hat. Allerdings hat Arslan auf dieser Postion, so weit ich mich erinnern kann, noch nie allein gespielt. Man darf also gespannt sein. Etwas bedauerlich finde ich es, dass mein Versuch (oder war es doch eher ein Wunsch?) mit Petr Jiracek in der Startformation nicht aufgegangen ist. Schade, schade, ich hätte mir den Tschechen schon mal ganz gerne gegönnt, denn ihn haben wir alle ja noch nicht so richtig und wirklich gesehen. Ich habe den „Jira“ aber immer noch vor Augen, wie er bei der Europameisterschaft im Team der Tschechen alles und jeden in Grund und Boden gelaufen hat. Das müsste er doch auch (eigentlich) in Hamburg schaffen könne, oder? Vielleicht allerdings erst in der nächsten Saison . . . Was ich schon bedauerlich finden würde.

Aber gut, das ist, wie ein früherer bekannter Hamburger Nationalspieler einst immer gesagt hat, allein Sache des Bundestrainers. In diesem Falle des Vereins-Trainers, nämlich Thorsten Fink. Und der hat ja gestern sehr energisch gesagt, dass er das macht, was er für richtig hält – und nicht das, was andere von außen ihm einreden wollen. Gut so.

Andere (von außen) hätten ja wohl auch erwartet, dass der Coach seine Versager von München in dieser Woche so richtig schön und nach allen Regeln der Kunst „lang machen“ würde. Aber denkste. Fink ließ sogar weniger als sonst trainieren. Waren die Einheiten vorher meistens und mindestens 90 Minuten lang, so ging es diesmal höchstens 75 Minuten – oder auch nur eine Stunde. Marcell Jansen, darauf angesprochen, hat dazu gesagt: „Die Einheiten mögen kürzer als sonst gewesen sein, aber dafür waren sie intensiver.“

Nun gut, das kann man so sehen.

Um es gleich und auch noch einmal zu sagen: Thorsten Fink bleibt mein HSV-Trainer, soll HSV-Trainer bleiben – auch deshalb, weil ich endlich Kontinuität (so wie die Club-Führung) möchte. Fehler haben sämtliche Vorgänger von ihm auch reichlich gemacht, Fehler macht auch Fink reichlich – aber wer macht keine Fehler? Und die vielen Kritiker, die jetzt auf der Bildfläche erscheinen, die haben ja auch nichts zu kritisieren gehabt, als der HSV kürzlich schon mal auf einem Europa-Legaue-Platz rangierte. Und dorthin wurde die HSV-Mannschaft ja auch „nur“ von Thorsten Fink geführt. Und wer sagt denn, dass es der 14. Trainer in elf Jahren besser machen würde? Das haben wir doch alles in den vergangenen Jahren immer wieder geglaubt. Wenn ich nur allein daran erinnern darf, wie viele treue HSV-Fans mir damals, als Armin Veh entlassen worden war, Michael Oenning ans Herz gelegt hatten. Motto: „Das ist ein junger Mann wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, der wird den HSV wieder zu neuem Leben erwecken . . .“ Und? Was war? Kann sich jemand daran erinnern? Nicht nur daran, wie es gelaufen ist, sondern daran, einen solchen Vorschlag gemacht zu haben?

Nein, es ist schon ein schlimmes Geschäft (geworden), diese Fußball-Bundesliga, und schön daran ist doch, dass kaum etwas planbar ist. Das können nur die Bayern, sie sind die Ausnahme.

Noch einmal kurz zum heutigen Abschlusstraining, das recht lebhaft war (von der Lautstärke her). Die Einheit dauerte (bis ekelhaft kaltem Wind) 60 Minuten, danach blieben Rene Adler und Sven Neuhaus noch mit Torwarttrainer Ronny Teuber auf dem Acker (nicht böse gemeint – an die HSV-Gärtner!), um Flanken zu üben. Was mir gefiel: Hielt Adler einen Kopfball oder Schuss von Neuhaus, so klatschten sie sich miteinander ab. Ein tolles Verhältnis und (Fast-)Konkurrenten. Am Rande des Platzes unterhielten sich Co-Trainer Frank Heinemann und Tolgay Arslan, auch Marcell Jansen stand dabei. Ob es da um die Raumaufteilung oder generell die Spielauffassung eines „Sechsers“ ging? Es blieb mir verborgen. Und auf der anderen Seite des Platzes übte Heung Min Son immer wieder seine gefährlichen Linksschüsse – Borussia Dortmund weiß ein Lied davon zu singen.

Heil sind heute alle geblieben, Thorsten Fink nimmt folgende Herren mit in den Kader (für das Freiburg-Spiel): Jaroslav Drobny, Jeffrey Bruma, Slobodan Rajkovic, Petr Jiracek, Milan Badelj, Tomas Rincon und Gojko Kacar. Gegenüber dem Spiel in München fehlen Jacopo Sala und Valmir Nafiu.

Ich wünsche dem HSV und allen seinen Anhängern einen erfolgreichen und erfreulichen Sonnabend – und insgesamt ein wunderschönes Wochenende. Vielleicht sogar mit Frühlingsgefühlen . . .

PS: Als der Freiburger Max Kruse, der einst bei Vier- und Marschlande kickte, noch bei einem Hamburger Nachbar kickte, da machte mich ein (in meinen Augen) großer HSVer schon darauf aufmerksam, dass der HSV doch bitte diesen sehr guten Spieler zu sich holen möge. Wäre ja eine Möglichkeit gewesen, nach dem Motto: „Warum in die Ferne schweifen, wenn der Gute ist so nah . . ?“ Das aber hat leider nicht geklappt. Kruse, früher als Knabe und Jugendlicher oft Zuschauer beim HSV, ging nach Freiburg – und wechselt nun im Sommer weiter nach Mönchengladbach. Dieser (in meinen Augen) große HSVer hat mir nun wieder geschrieben – eine sms. Da machte er darauf aufmerksam, dass am Millerntor wieder ein durchaus interessanter Mann spielt. Ein Stürmer diesmal. Und einer, der nur ausgeliehen ist (von Borussia Dortmund). Und ich wurde gefragt, ob der HSV wenigstens diesmal wach ist – interessiert ist, dran ist? Ich aber kann das nicht sagen. Ich weiß nicht, ob die Herren des HSV einen Daniel Ginczek für fähig halten, für den HSV Tore in der Ersten Bundesliga zu erzielen. Meine Vermutung allerdings ist nein. Ich glaube nicht, dass da der HSV schon mal drüber nachgedacht hat. Aber das ist, wie geschrieben, nur eine Vermutung. Der HSV wird dazu nichts sagen. Wie heißt es dann, wenn man danach fragt, immer so schön: „Über Spieler, die nicht bei uns unter Vertrag sind, reden wir grundsätzlich nicht.“ Ich jetzt in diesem speziellen Fall auch nicht mehr.

Und Freiburg ist mir ja auch allemal wichtiger.

PSPS: Am 12. April findet in der Raute/Museum eine Lesung mit dem bekannten und beliebten TV-Moderator Gerhard Delling (ARD) statt: „50 Jahre Bundesliga – wie ich sie erlebte.“ Der Abend beginnt um 18.30 Uhr, Einlass ist eine Stunde vorher – Karten kosten zehn Euro und sind im Museum und über die HSV-Shops erhältlich. Und wenn ich dafür einmal kurz Reklame machen darf: Es wird sich lohnen, dabei zu sein, denn Gerhard Delling hat erstens viel zu erzählen, und zweitens ist er ein äußerst humorvoller Mensch – das wird sicherlich ein toller Abend.

Und dann gibt es heute eine Post aus Indonesien. Von HSV-Fan Michael, der dort lebt. Diese Mail möchte ich gerne veröffentlichen, denn sie spiegelt das wider, was in diesen Zeiten viele HSV-Fans er- und durchleben müssen.
Und dem Michael auf diesem Wege vielen Dank. Sollte eine/einer von euch ihm schreiben wollen, so würde ich bei ihm anfragen, ob ich seine Adresse dann an den einen oder anderen Interessenten weitergeben darf.

Lieber Dieter,

eine absolute Premiere für mich. Noch nie habe ich einen Leserbrief geschrieben, aber irgendwie muss man mit Geschehenem ja fertig werden und daher richte ich mich an Sie mit einem Appell an alle HSV-Fans.

Bitte entschuldigen Sie, wenn ich dazu etwas weiter aushole. Ich bin 42 Jahre alt, zweifacher Familienvater und lebe seit über 12 Jahren in Indonesien. Da ich Lehrer bin und immer nur in den Sommerferien nach Deutschland kann, ist es lange her, dass ich das letzte Mal im Stadion war (beim 4:4 gegen Juve nebenbei bemerkt, kurz danach zog ich um). Allerdings kann ich die Spiele, die ich in den letzten 12 Jahren nicht in irgend einer Form live erlebt habe, noch an einer Hand abzählen. Anfangs auf dem Weltempfänger, dann im Liveticker, später im Internetradio, heute im Livestream oder über einen malayischen Satelit im Fernsehen. Ich bin selbst für den Mopo-Liveticker zum Testspiel gegen Altona 93 mitten in der Nacht aufgestanden…

Aber so einen Abend wie letzten Sonnabend habe ich in 35 Jahren HSV-Fan noch nicht erlebt (nicht mal bei den bitteren Niederlagen gegen Werder 2009!). Ich saß in einer deutschen Bar in der Innenstadt. Bei Anstoß waren noch gut 20 Leute da, 2 Bayern-Fans, ca. 10 Hamburger, der Rest neutral. Kurz vor Schluss saßen die Bayern-Fans mehr betrunken als freudentrunken am Tresen und diskutierten bereits über alles mögliche, nur nicht das Spiel. Der Rest war da schon lange auf dem Heimweg. Ich saß alleine vor der Großbildleinwand und habe bis zum Schlusspfiff ausgeharrt. Gerne würde ich jetzt sagen “aus Treue zum Verein” oder “weil man sein Team auch in schweren Stunden nicht im Stich lässt” (ich bin auch im Stadion noch nie frühzeitig gegangen, egal wie es stand!), aber diesmal war es wohl eher, weil ich wie versteinert da saß und den Hintern nicht hochbekommen hätte, selbst wenn ich es wollte. Enttäuschung, Wut, Unverständnis, es nicht fassen können… alle Gefühle auf einmal!

Ich habe die ganze Woche überlegt, was ich beim Spiel gegen Freiburg machen werde. Ich hatte mir Montag geschworen, dass ich erst wieder einen HSV-Spiel sehen werde, wenn sich die Jungs die Aufmerksamkeit, die man ihnen schenkt, auch verdienen. Nun ist Freitag und ich habe realisiert, dass dies Unsinn ist. Es geht ja weiter, muss weiter gehen! Ich werde auch am Samstag vor dem Fernseher oder Computer sitzen und das Spiel verfolgen – wie die letzten 35 Jahre. Wir können ja nicht den Betrieb einstellen, weder die Spieler noch die Fans. Vielleicht werde ich die nächsten Wochen nicht vor Freude aufspringen, sollte der HSV ein Tor schießen, dazu sitzt der Stachel der Enttäuschung zu tief, aber ich werde da sein. Es gibt ja doch keine Alternative, Hamburg wird immer meine Stadt bleiben, der HSV immer mein Verein.
Ich erwarte auch nicht viel am Samstag und in den letzten Spielen. Keine glanzvollen Siege, keinen Europa-League-Platz oder sonstiges. Und wenn wir am Sonnabend 2:4 gegen Freiburg verlieren, kann ich damit leben. Aber ich wünsche mir eine Mannschaft zu sehen, die sich den A… aufreißt, kämpft und alles gibt! Mit allem anderen kann ich leben – wenn sie sich nur nicht noch einmal willenlos in ihr Schicksal ergeben!

Ich hoffe, es werden Sonnabend wieder 50.000 den Weg in den Volkspark einschlagen und unsere Mannschaft unterstützen! Jeder der Kinder hat wird mir vielleicht zustimmen – hat man nicht sein Kind immer dann am liebsten, wenn es eigentlich gerade einen Arschvoll verdient hätte? Und gerade die etwas eigenwilligen, schwierigen Kinder brauchen uns oft am meisten. Ist vielleicht beim HSV nicht anders…

In diesem Sinne auf ein Neues am Sonnabend.

Schwarz-weiß-blaue Grüße aus Jakarta,
Michael aus Indonesia

PSPSPS: Morgen wird um 18.30 Uhr im Volkspark gegen Freiburg gespielt, danach folgt die Internet-Übertragung von “Matz ab live” mit den Gästen Ernst-Otto Rieckhoff (ehemals Aufsichtsrats-Boss) und Carsten Kober, ehemaliger HSV-Bundesliga-Spieler (und “Matz-abber”). Wäre super, wenn ihr uns einschalten würdet – die vergangene 2:9-Sendung mit Sven Neuhaus und Andreas Fischer bescherte uns einen neuen fünfstelligen Einschaltrekord. Vielen Dank dafür!

17.49 Uhr

Westermann wird wohl spielen können

9. März 2013

Thorsten Fink ging zu Boden, verlor die Mütze vom Kopf – aber die Flanke brachte er noch zur Mitte. Aber nicht vor das Tor, sondern hinter den von Jaroslav Drobny gehüteten Kasten. Und schon lief der Gegenzug – der zum Tor führte. Heung Min Son war es, der das 5:4 markierte, das Siegtor für „Grün“. So geschehen heute beim Abschlussspielchen. Die letzte Szene der Partie, dann ging es in Richtung Kabine. Und da keine Zuschauer dabei waren, erlaubte ich mir einen Scherz. Neben mir standen die Kollegen von Bild und der Mopo (und „Papa“ Son im Hintergrund), und ich rief dem Trainer zu: „Der Fehler begann hier vorne rechts . . .“ Und da Fink ja Humor hat, blickte er zurück und hob den Daumen. Das sollte wohl Zustimmung signalisieren. Ein, zwei Minuten später, als der Coach in Richtung Kabine ging, sagte er dann: „Nicht dass es heißt, dass ein Fehlpass von Fink zur Niederlage geführt hat . . .“ Nein, Trainer, niemals. Und überhaupt, es war ja nur ein Scherz, dass der Fehler vorne rechts begonnen hatte. Wirklich nur ein Scherz.

Den man zum Glück ja mit Thorsten Fink machen darf. Da gab es schon andere HSV-Trainer, denen man mit einem solchen Zuruf nicht kommen durfte. Bei Willi Reimann zum Beispiel bin ich gleich zweimal vom Platz geflogen. Ernsthaft. Einmal deshalb, weil ich einen Ball zurückgeschossen hatte – genau in die Torschussübungen hinein. Das war natürlich auch ein Fauxpas. Und dann auch, weil wir (Journalisten) einmal zu laut lachte, als Stefan Schnoor von links flanken sollte, aber auch der 38. Versuch nicht in die Luft steigen wollte. Der Ball natürlich. Ich habe wohl am lautesten gelacht, ich musste deshalb gehen. Irgendwie auch verständlich, dieses Lachen war ja auch eher kontraproduktiv . . .

Und bei Thorsten Fink konnte ich deshalb nicht „fliegen“, weil er, wie geschrieben, erstens Humor hat, und weil ich zweitens außerhalb der Platzanlage stand. Übrigens, wer es noch nicht weiß: Der grüne Sichtschutz ist wieder verschwunden. Ob das aber auf Dauer gilt, wage ich zu bezweifeln, wie ich erfuhr, wird an einem neuen „gebastelt“. Der soll dann mit Werbung (Adidas) versehen werden. Schaun mer mal. Gegen den alten Sichtschutz hatten diverse Fans ja auch schon einige „Attentate“ verübt – das Grün war verbrannt worden und hatte wohl auch schon zu viele Löcher.

So, zurück zum Abschlusstraining. Die wichtigste Nachricht zuerst: Heiko Westermann hat bis zum Ende durchgehalten. Der Kapitän war lange vor den Kollegen mit Reha-Trainer Markus Günther auf dem Platz, um sich richtig warm zu machen. In der rechten Waden schmerzt ja nach wie vor ein Bluterguss. Westermann machte aber alles tapfer mit, obwohl er später zugab: „Schmerzfrei bin ich noch nicht. Aber ich habe heute auch keine Schmerztablette genommen . . .“ Diese Option hätte er ja morgen noch, wenn um 17.30 Uhr die Partie beim VfB Stuttgart angestoßen wird. Ich gehe mal davon aus, dass der Innenverteidiger dabei sein kann, er hat heute mit links und rechts geschossen – den weitesten Schuss allerdings mit links: Nach einem Gegentor drosch Westermann den Ball aus Wut und laut fluchend über den Zaun – so um 30, 40 Meter in die Botanik.

Während ich nun sage, dass ich Westermann morgen spielen sehe, bleibt Thorsten Fink noch skeptisch: „Das war ja heute kein hartes Training, man muss mal abwarten, wie sich die Beschwerden bis morgen entwickeln. Eines ist klar: Heiko wird nicht spielen, wenn er nicht bei 100 Prozent ist. 70 oder 80 Prozent sind zu wenig, dieses Risiko gehe ich nicht ein.“ Verständlich. Auch wenn Thorsten Fink den Kapitän natürlich viel lieber an Bord hätte. Ich auch, denn die Mannschaft dürfte seinen Verlust nicht so mir nichts dir nichts verkraften. Auch wenn das einige HSV-Fans (?) anders sehen – was mir immer total weh tut, das muss ich schon zugeben. Und auch heute, die diesem ja eigentlich belanglosen Trainingsspielchen, war Heiko Westermann hundertprozentig bei der Sache, er wollte dieses „Ding“ nicht verlieren. Hat er letztlich auch nicht, denn seine „Grünen“ gewannen ja 5:4 – trotz eines Eigentores von Slobodan Rajkovic.

Kurz noch einen ganz anderen Abstecher in Sachen Innenverteidiger: Bevor die Bundesliga begann, sah ich im FA-Cup die Viertelfinal-Partie Everton gegen Wigan. Der krasse Außenseiter Wigan gewann fast sensationell 3:0 – mit dem „HSVer“ Paul Scharner. Der Österreicher trug die Rückennummer 33, spielte mit Handschuhen – und bot eine gute Leistung. So jedenfalls hat er beim HSV in seinen Einsätzen nicht gespielt, aber er saß ja auch meistens nur auf der Tribüne. Entweder verletzt oder gesperrt.

Zurück in den Volkspark: Aus den Aufstellungen war allerdings nicht erkennbar, wie Fink morgen im Ländle spielen lassen will. Bei „Grün“ stand Drobny im Tor, davor spielten Dennis Diekmeier, Westermann, Rajkovic, Petr Jiracek, Tomas Rincon, Maximilian Beister, Son und Co-Trainer Heinemann. Das erste Tor für diese Formation erzielte übrigens Diekmeier. Ein gutes Omen? Oh, da hätte ich noch etwas, das passt zu diesem Thema: Es schneite ja unaufhörlich, aber von den drei Trainingsplätzen waren zwei grün – dank der Rasenheizung. Da es aber dunkel war, wurde das Flutlicht eingeschaltet. Und bitterkalt war es. Richtig schön kalt – durch den Ostwind. So kalt, dass Dennis Aogo eine lange Trainingshose trug. Meistens, zu 98 Prozent, würde ich mal sagen, versucht sich Aogo mit kurzer Hose, aber heute nicht. Und beim Gang in die Kabine sprach ich ihn darauf an. Und seine Antwort: „Vor dem Werder-Spiel Ende Januar trug ich auch lang, und dann habe ich mein erstes Bundesliga-Tor für den HSV erzielt . . .“ Dann lief er die Treppen hoch und schrie seine Hoffnung und auch seine Entschlossenheit in Richtung menschenleeres Stadion: „Und morgen mache ich mein zweites . . .“
Ich hätte nichts dagegen. Wirklich nicht – hau rein, Dennis!
Gilt auch für Diekmeier.
Obwohl ich auch, und zwar schon seit Tagen, ein sehr gutes Tor-Gefühl bei (und für) Rafael van der Vaart habe. Warum auch immer, aber ich glaube, dass er morgen treffen wird.

Überrascht war ich, wie Jaroslav Drobny trainierte. Nämlich ohne jede Einschränkung. Er schoss gelegentlich (gemeinsam mit Torwart-Trainer Ronny Teuber) auf das Tor von Rene Adler, und da ist irgendwie dann doch ein medizinisches Wunder. Drobny soll doch etwas in der Wade gerissen sein . . . Komisch. Diese dubiose Verletzung. Auf jeden Fall trainierte der Tscheche ohne jegliches Anzeichen von einem Schmerz.

Bleibt nur die Frage, wie der HSV morgen in Stuttgart spielen wird? Ich tippe mal auf folgende Mannschaft:

Adler; Diekmeier, Westermann, Rajokovic, Jansen; Rincon, Badelj; Skjelbred, Aogo; van der Vaart; Rudnevs. Letzterer machte auch mich auch heute nicht den Eindruck, als würde er sich zurzeit in Bestform befinden, aber das kann er ja morgen doch etwas korrigieren. Der „gute Rudi“ hatte auf jeden Fall heute noch eine Schrecksekunde zu überstehen, denn er wurde von Co-Trainer Heinemann von den Beinen geholt. Das tat weh. Aber als Heinemann den Schopf des Letten tätschelte, da ging es nach einem kurzen Humpeln dann doch weiter.

Offen sind bis zum Anpfiff noch zwei Personalien beim HSV:
Wer ist der zweite Innenverteidiger neben Westermann? Ich tendiere zu Rajkovic, der heute ja auch in der zusammengewürfelten Mannschaft neben dem Kapitän verteidigte. Und so wirklich für einen Einsatz aufgedrängt hat sich Jeffrey Bruma heute auch wieder nicht, obwohl er keinen großen Fehler beging. Ich bin aber immer noch und immer wieder davon überzeugt, dass Bruma mehr könnte – bei etwas mehr Engagement. Aber jeder so, wie er es will . . .

Und dann die Sache mit dem Angriff. Nur Rudnevs – und dahinter der lauernde Rafael van der Vaart? Ich denke, dass es so kommen wird, aber Fink ließ sich das noch offen. Der Trainer hat noch eine Alternative im Kopf: Auf der Sechs nur Tomas Rincon, Milan Badelj nur Ersatz – und vorne das bewährte Duo Rudnevs/Son. Denn Fink sagte: „Son hat heute sehr gut trainiert.“ Stimmt. Er wirkte im Schnee quirlig, schnell – und treffsicher. Aber er könnte eventuell ja auch noch als Joker kommen. Und wo ich gerade bei Lob bin: Gojko Kacar hat mir auch heute wieder gefallen. Er ist ja aber auch im Kader. Wenn auch nicht mit so großen Einsatzchancen, da müsste schon sehr viel passieren.

Noch einmal zurück zum (fehlenden) Sichtschutz. Wir diskutierten darüber heute auch mit HSV-Medien-Direktor Jörn Wolf. Erschlug in jene Kerbe, in die auch in der Woche schon Werder-Trainer Thomas Schaaf geschlagen hatte: „Man kann ja nichts unbeobachtet machen. Keine Standards trainieren, keine Aufstellung verheimlichen. Immer sind die Fans und die Journalisten dabei. Ich kann alle Trainer verstehen, wenn sie sich darüber beklagen . . .“ Ich auch irgendwie. Aber wie soll das Problem gelöst werden?

Die Nationalmannschaft trainiert ja schon seit Jahren (gelegentlich) unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber dieser Trend hat sich in der Bundesliga noch nicht so richtig durchgesetzt. Obwohl der DFB, wenn er etwas vorgibt oder vorlebt, ansonsten immer „erhört“ wird. Ich denke, dass sich in der neuen Saison etwas beim FC Bayern tun wird, denn dort hat der neue Trainer Pep Guardiola schon angekündigt, dass er das öffentliche Training nicht so sonderlich liebt. Und auch die Einzelgespräche mit Journalisten, aber das ist noch ein anderes Thema. In England wird schon lange ohne Fans trainiert, und in Italien – so glaube ich – auch. Ich war einst, 1990, nach dem Wechsel von Thomas Doll vom HSV zu Lazio Rom, beim Training der Römer (damals unter dem großen Dino Zoff), hätte aber nie Zutritt zum Trainingsgelände erhalten, wenn ich mich nicht vorher für das Training (!) hätte akkreditieren lassen. Ich kam dann rauf auf das Lazio-Gelände, aber durfte nur von einem ganz kleinen Haus (mit nur zwei kleinen Fenstern) aus zusehen – mit den italienischen Kollegen. Und von diesem Haus war dann auch nicht alles zu sehen. Wenn Zoff wollte, trainierte er „um die Ecke“ – und wir machten Nase.
Ich glaube ja, dass das demnächst auch in Deutschland so sein wird. Ich will da nichts beschreien, aber der Trend geht zum Ausschluss. Von allen. Deswegen mein Rat an alle Fans (und die Kollegen): genießt noch diese paradiesischen Zustände, sie werden bald der Vergangenheit angehören.

Aber zunächst mal ist Bundesliga-Alltag. Und beim Spiel in Stuttgart können alle dabei sein, die wollen, die Partie ist noch nicht ausverkauft.

Und wer nicht ins Stadion geht (gehen kann), der wird eventuell vor dem Fernseher sitzen. Und hinterher vor dem Computer – wenn „Matz ab live“ erstmalig aus unserer „neuen Heimat“, dem Block House Eidelstedt, gesendet wird. „Scholle“ und ich haben dann Hamburg seine Perle zu Gast, nämlich Lotto King Karl, und das ehemalige Aufsichtsratsmitglied Frank „Macke“ Mackerodt. Ich freue mich darauf – und freue mich auch, wenn ihr wieder zusehen werdet. Wobei ich gerade in der nun abgelaufenen Woche drei HSV-Fans aus dem Süden der Republik getroffen habe, die uns für das „Matz ab live“ sehr gelobt haben. Danke dafür. Ich kann mich erinnern, als wir im August 2009 mit „Matz ab“ starteten, dass viele HSV-Fans darum baten, eine HSV-Talkrunde einzuführen. Weil beim „Doppelpass“ von Sport 1 ja meistens und zu viel über den FC Bayern gesprochen wird. Nun haben wir diese Runde – sogar nach jedem Spiel, und deswegen würden wir uns freuen, wenn dieses „Ding“ immer mehr Beachtung finden würde.

Ein schönes Wochenende für euch – und ein erfolgreiches Wochenende für den HSV. Wobei die Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso heute schon gespielt und wieder einmal verspielt hat. 1:3-Heimniederlage gegen Cloppenburg. Das ist schon tragisch. Der HSV II steht nun sogar auf einem direkten Abstiegsplatz, weil der SC Victoria gegen Neumünster gewonnen hat. In Neumünster hatte zuletzt der HSV II verloren . . .
Aber wäre es wirklich so dramatisch, wenn die Zweite des HSV absteigen würde? Ich kann das nicht wirklich sehen. Aber vielleicht habt ihr da ja die besseren Argumente.

17.31 Uhr

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