Archiv für das Tag 'Tesche'

Unfassbar: 2:3 verloren – aber vorerst gerettet!

10. Mai 2014

Der Gau ist vorerst verhindert worden. Und genau so, wie es die meisten erwartet haben: Der HSV verliert 2:3 in Mainz, die Nürnberger verlieren auf Schalke 1:4, und die Braunschweiger verlieren in Sinsheim gegen Hoffenheim 1:3. Damit ist der HSV erst einmal gerettet – und geht am Donnerstag (20.30 Uhr in Hamburg) und am Sonntag in die Relegationsspiele gegen den Zweitliga-Dritten. Es darf durchgeatmet werden, aber ganz sicher nicht gejubelt oder gefeiert, denn eines steht fest: Dieser HSV 2014 ist die schlechteste HSV-Mannschaft aller Zeiten. Und nur viel, viel Glück hat dazu geführt, dass eine Mannschaft mit nur 27 Punkten und insgesamt 21 Niederlagen erst einmal die Klasse hält. Aber noch darf sich kein einziger Hamburger auf der sicheren Seite wähnen, denn auch gegen einen Zweitliga-Verein wird dieser HSV ganz sicher seiner Schwierigkeiten bekommen – der Pokal lässt grüßen. Ganz Hamburg wird noch einmal und auch zweimal alles geben müssen, um diesen Zitter-Club ganz oben zu halten. Daumen drücken – und mithelfen, mehr geht im Moment nicht. Und dazu dem Fußball-Gott danken, dass er in diesen Wochen mit einem HSV-Trikot ins Bett geht . . .


Von der ersten Minute an zeigten alle HSV-Spieler, dass sie es jetzt endlich begriffen haben. Das war Einsatz bis an die Grenzen, das war Kampf, Biss und der unbändige Wille, sich gegen den Abstieg zu wehren. So muss es gemacht werden, so geht Abstiegskampf. Mainz 05 hatte in der ersten Halbzeit eine einzige Chance, und die war so typisch für den Saisonverlauf des HSV: Eigentlich war gar nichts los, trotz der Rechtsflanke der Mainzer, die in den HSV-Strafraum segelte, und dennoch wurde „etwas“ daraus gemacht. Von zwei Hamburger-Nicht-WM-Fahrer. Wobei Torwart Rene Adler an diesem 73. Gegentor, das sich der HSV in dieser Szene eingefangen hat, total schuldlos war. Heiko Westermann hatte übersehen, dass hinter ihm der Mainzer Soto lauerte. Als der HSV-Innenverteidiger die Kugel aus sechs Metern mit der Brust zu Adler zurücklegen wollte, das heißt, er tat es sogar, spritzte Soto dazwischen und schoss den Ball ins Hamburger Tor. Mainz hat keine Chance, aber macht den Treffer – der ganz normale Hamburger Wahnsinn. Draußen, als Trainer, muss man doch durchdrehen, bei so viel Unfähigkeit, bei so viel Dilettantismus. Statt den Ball mit der Brust zu stoppen, hätte Westermann zur Ecke köpfen müssen – aber das war, wie schon geschrieben, typisch. Für Westermanns Auf-und-ab-Saison, und für den HSV (7.). Und nun?

Der HSV ließ sich diesmal nicht entmutigen. Alle, aber auch wirklich alle, machten so weiter, als wäre nichts geschehen. Und sie wurden für diese Einstellung belohnt. Robert Tesche flankte von links mit seinem schwächeren linken Fuß zur Mitte, Rafael van der Vaart, der eine überragende erste Halbzeit gespielt hat, schoss aus 15 Metern mit seinem schwächeren rechten Fuß, es war eher kein Schuss, sondern ein Schlenzer, aber ganz offenbar stand Pierre-Michel Lasogga genau in der Schusslinie, sodass der Mainzer Keeper Karius, den Ball nur abklatschen konnte. Und dann zeigte Lasogga, warum er der Retter des HSV werden wird, der bullige Torjäger köpfte den Ball ins Netz – sein 13. Saisontor. Endlich mal wieder ein Stürmer-Tor, endlich einmal wieder ein Hoffnungsschimmer. Zumal auf den anderen Plätze für de HSV gespielt wurde. Schalke führte gegen Nürnberg, Brauschweig lag in Sinsheim gegen Hoffenheim 0:1 zurück.

Ob es sich bis auf den Rasen herumgesprochen hatte? Der HSV jedenfalls schien beflügelt, spielte wahrscheinlich sein bestes Auswärtsspiel des Jahres, vielleicht sogar der gesamten Saison. Tesche köpfte nach einer Rechtsflanke von Dennis Diekmeier drüber (22.), Soto rettete nach einem Van-der-Vaart-Eckstoß am langen Pfosten auf der Torlinie (24.), einen Van-der-Vaart-Kopfball hielt Karius (25.), und zwei Minuten später die vielleicht größte HSV-Chance: Freistoß van der Vaart von rechts, am langen Pfosten preschte Michael Mancienne in den Ball, touchierte ihn aber nur noch, sodass Karius aus vier Metern doch noch abwehren konnte – nur Eckstoß. Immerhin: so viele Tormöglichkeiten in einer Halbzeit hatte der HSV seit „Jahren“ nicht mehr. Ein sehr gutes Zeichen.

Was wunderschön zu sehen und zu hören war: Die HSV-Fans, die es sich natürlich wieder einmal nicht nehmen ließen, mit (schwarzer) Pyro-Technik zu glänzen (gut gemacht, wird dem Verein wahrscheinlich runde 40.000 Euro kosten – aber der hat es ja auch), machten aus diesem so wichtigen Auswärtsspiel ein Heimspiel. Sie hatten eindeutig in Sachen Stimmung und Lärm alles im Griff – und zwar bestens. Kompliment. Dickes Kompliment dafür – für die andere Geschichte natürlich nicht. Aber in der versagt natürlich auch der HSV in der Club-Führung! Und zwar hundertprozentig!

Nach der Pause legte Mainz zu. Hat der HSV, wie zuletzt gegen die Bayern, wieder zu viel Kraft in Halbzeit eins gelassen? Diesmal offenbar nicht so ganz, denn nach spätestens 15 Minuten hatten sie das Spiel wieder besser im Griff – es ging hin und her, das war ein echt sehr, sehr ansehnliches Erstliga-Spiel. Schade, dass sich der HSV zu einer solchen guten Leistung erst am letzten Spieltag durchringen konnte . . . Aber immerhin.

„Niemals Zweite Liga“, sangen die HSV-Anhänger voller Inbrunst, weil Hoffenheim und Schalke jeweils 2:0 gegen Braunschweig und Nürnberg führten – was sollte da passieren? Noch das 1:2, das erneute Führungstor für Mainz. Tomas Rincon wollte keine fünfte Gelbe Karte riskieren, ließ sich hinten rechts von Koo ausspielen, Querpass auf Malli, und der schießt humorlos aus 14 Metern ins Hamburger Tor, unhaltbar für Adler (65.). Doch noch einmal Spannung? Der Anhang im Stadion wähnte sich auf der sicheren Seite – und feierte schon mal die Relegation ein wenig vor. Man gönnt sich ja sonst nichts. Zumal Hoffenheim in der 70. Minute schon mal 3:0 gegen die Braunschweiger vorne lagen. Auf Wiedersehen, Eintracht, ihr habt trotz allem eine großartige Saison gespielt – viel, viel besser, als es alle Experten und Fans erwartet hatten.

Schade an diesem 1:2 war, dass 120 Sekunden zuvor Hakan Calhanoglu nach einer Zuckerflanke von Diekmeier das 2:1 für den HSV auf dem Kopf hatte, aber der Ball strich aus zehn Metern knapp am Pfosten vorbei ins Aus.

Besser machte es auf der Gegenseite Okasaki, der zuerst Mancienne und dann Petr Jiracek stehen ließ – und eiskalt vollendete. Ein Klasse-Tor, muss man neidlos anerkennen (82.). Aber dem HSV und seinem Anhang konnte es egal sein. Den Schlusspunkt setzt Ivo Ilicevic: Jiracek-Flanke von links, Ilicevic stoppt den Ball mit der Hand – und schießt ein, 2:3 (84.). Ein schöner Schlusspunkt, der nicht mehr half.

Relegation, wir kommen. Eine Premiere für den HSV, aber vielleicht muss er da ja tatsächlich einmal durch, um aufzuwachen.

Aber ob sie auch wirklich alle aufwachen werden? Da fehlt mir doch ein wenig der Glaube.

Die Einzelkritik:

Rene Adler bis auf eine Unsicherheit in Halbzeit eins in guter Form.

Dennis Diekmeier spielte hinten und vorne gut, war agil, gab wieder (wie zuletzt gegen Bayern) alles, das war eine runde Sache.


Michael Mancienne
knüpfte an seine zuletzt gezeigten guten Vorstellungen an – ein „Aussortierter“ wird zur Stütze des HSV, das sollte man mal den Vorgängern von Mirko Slomka unter die Nasen reiben.

Heiko Westermann begann mit einem verheerenden Fehler, der darf in einem solchen Spiel nicht passieren – danach fing er sich und zeichnete sich durch seinen Kampfgeist aus.

Petr Jiracek zeigte hinten links seine beste Saisonleistung, das war sehr gut – und ein Lichtblick.

Robert Tesche spielte so, als sei er nie ein Aussortierter gewesen – das war bärenstark.

Milan Badelj hatte viel Licht und Schatten in seinem Spiel, mit mehr Schatten allerdings, insgesamt wirkte er wieder einmal ein wenig zu langsam – Folge seiner Verletzungspause?

Tomas Rincon zerriss sich vor Engagement, das waren 1000 Prozent! Beim 1:2 aber sah er schlecht aus – weil er die fünfte Gelbe vermeiden wollte.

Hakan Calhanoglu spielte eine sehr gute erste Halbzeit, dann baute er ein wenig ab. Insgesamt aber gut unterwegs.

Rafael van der Vaart zeigte sein bestes Spiel in diesem Jahr, war in Halbzeit eins vielleicht der beste Mann auf dem Platz, dann baute er zusehends ab – ein ganz normale Sache.

Pierre-Michel Lasogga hielt bis zur 67. Minute durch, hoffentlich unverletzt, er schoss ein ganz, ganz wichtiges Tor – Auftrag zu 100 Prozent erfüllt. Vielen Dank dafür! Ganz herzlichen Dank dafür. Denn dieses Tor macht Mut.

Ivo Ilicevic (ab 67. Min. für Lasogga) machte mit und schoss sogar noch ein (glückliches Hand-)Tor – vielleicht gewinnt er damit an Selbstvertrauen, er könnte es gebrauchen.

Tolgay Arslan (ab 74. Min. für Tesche) durfte mitmachen und sich zeigen.


Marcell Jansen
(ab 83. Min. für van der Vaart) durfte sich dem Bundestrainer noch für sieben Minuten zeigen – und kämpfte wacker mit.

So, mir bleibt jetzt nur noch, auf unsere gleich beginnende „Matz-ab-live“-Sendung hinzuweisen. Wir reden über das Spiel in Mainz, über die Situation am Ende der Erstliga-Tabelle, und über die Relegation ganz speziell. „Scholle“ und ich begrüßen zu dieser Runde die ehemaligen HSV-Spieler Jürgen Stars und Stefan Schnoor – und wir würden uns natürlich freuen, wenn Ihr wieder dabei sein würdet. Übrigens hat die Sendung nach dem Bayern-Spiel in Eurem Kreise unglaublich großen Anteil gefunden, es gab viel Applaus für alle Beteiligten – und unsere beiden Gäste, die Journalisten-Kollegen Jan-Christian Müller (Frankfurter Rundschau) sowie Oliver Wurm (freier Journalist) haben viel Lob erhalten; sogar viele persönliche Zuschriften erhalten. Das freut uns natürlich sehr. Vielen Dank.

17.30 Uhr

Nachtrag um 20:27 Uhr auf die Frage von Rotkäppchen: Pierre-Michel Lasogga soll nur vorsichtshalber ausgewechselt worden sein, er hat sich nicht verletzt und wird damit der große Hoffnungsträger für die Relegationsspiele sein. Und natürlich auch für Mirko Slomka. Der Trainer hat in der ARD gesagt, dass Lasogga das Spiel gut überstanden hat und ihm das Tor Selbstvertrauen geben dürfte. Auf die Frage des Reporters was Sloma Hoffnung macht, dass die Relegation positiv für den HSV ausgehen wird: “Genau das, was ich eben gesagt habe.”

Lasogga mahnt: Wir würden den Fans ein Stück Herz rausreißen

9. Mai 2014

Es war nicht anders zu erwarten. Nach etlichen Vereinen aus der Bundesliga und dem europäischen Ausland hat jetzt auch der große FC Bayern München sein Interesse an HSV-Juwel Hakan Calhanoglu bekundet. Und das überrascht nicht. Es ehr den Spieler indes. „Ich fühle mich geehrt“, sagt der Umworbene selbst, „eine Anfrage vom FC Bayern macht mich stolz.“ Verständlicherweise.

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

Allerdings ist der Moment denkbar ungünstig, so unmittelbar vor dem alles entscheidenden letzten Spieltag. Obgleich Calhanoglu versucht, zu entwarnen: „Das motiviert mich eher noch mehr. Und das Wichtigste ist jetzt erst einmal der Klassenerhalt“, sagt Calhanoglu, der zuletzt noch davon gesprochen hatte, trotz der Angebote auch im Falle eines Abstieges beim HSV bleiben zu wollen. Und das klang heute definitiv abgeschwächter: „Erst wollen wir die Klasse sichern. Und danach werde ich in Ruhe überlegen, was ich mache.“ Und so ungern ich das auch höre – Calhanoglu ist und bleibt zumindest ein ehrlicher Kerl. Okay, das muss natürlich auch noch nichts heißen. Aber es sollte zumindest alle Beteiligten hellhörig machen. Denn neben großem Geld bietet der FC Bayern eine der weltbesten Mannschaften und somit sportlich beste Perspektiven.


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Halten kann der HSV seinen hoffnungsvollsten Nachwuchsstar eh nicht. Zumindest nicht mit Bordmitteln. Trotz Vertrages bis 2018 ist Calhanoglu nicht zu halten. Zum einen nicht, wenn es in die Zweite Liga geht. Zum anderen nicht, wenn Bayern eine Offerte vorlegt. „Wir haben nicht vor, Hakan abzugeben“, hatte mir Sportchef Oliver Kreuzer am Dienstag gesagt und es als „Ziel“ bezeichnet, Calhanoglu klassenunabhängig beim HSV halten zu wollen. Um den Deutsch-Türken herum soll das neue HSV-Team aufgebaut werden. „Er ist ein Identifikationsfaktor für die Fans und er hat das Zeug, ein Großer zu werden“, so Kreuzer, „das sind Zutaten, wie man sie nur höchstselten findet.“ Wie man Calhanoglu in der Zweiten Liga halten wolle wollte ich wissen. Und Kreuzer betonte, wie wohl sich Hakan beim HSV fühle und dass man notfalls um ihn herum spart – Hauptsache Calhanoglu bleibt. Dass er gegen ein Angebot der Bayern nur vorübergehend anstänkern kann, weiß allerdings auch Kreuzer.

Noch jedoch, zum großen Glück des HSV, ist Calhanoglu Hamburger und der HSV noch lange nicht abgestiegen. Im Gegenteil, im Spiel in Mainz haben es Trainer Mirko Slomka und sein Team selbst in der Hand, die Relegation zu sichern. Dafür wurde auch heute wieder geübt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und nicht ganz 50 Minuten lang. Oder besser: kurz. „Wir müssen in dieser Saisonphase keine Grundlagenausdauer trainieren“, sagt Slomka, der in Mainz wieder auf Johan Djourou, Marcell Jansen, Dennis Diekmeier und – Pierre-Michel Lasogga zurückgreifen kann. Beste Voraussetzungen also. Im Training heute agierte zudem Robert Tesche neben Milan Badelj auf der Doppelsechs. Nach der Lobeshymne am Dienstag scheint der einst Aussortierte damit morgen in Mainz erneut zur Startelf zu gehören.

„Im Moment geht es meinem Oberschenkel sehr gut und ich habe keinerlei Beschwerden“, sagt Lasogga gegenüber „Sky“. „Es läuft alles sehr gut und wir wissen alle um die Brisanz des Spiels. Wir wollen nichts dem Zufall überlasen und in Mainz gewinnen“, so der Angreifer, dessen Zukunft weiter offen ist, wie Kreuzer bestätigte. Und Lasogga macht Werbung in eigener Sache. Der Angreifer macht keinen Bogen um ehrliche Worte und scheint top motiviert: „Der Abstiegskampf geht mir sehr nah. Sowas will kein Fußballer erleben. Da hängt deutlich mehr dran. Da geht es um viele, viele Arbeitsplätze und um Fans, denen ein Teil ihres Herzens rausgerissen würde. Ich glaube, diesen Moment will keiner von uns erleben.“

Stimmt. Und eigentlich wollte ich an dieser Stelle mit diesem schönen Schlusssatz den Blog mit der möglichen Startelf beenden. Dann wäre ich endlich diese Bundesligasaison los. Denn ganz ehrlich gesagt, ich bin es Leid, immer dasselbe zu schreiben, weil ich immer dasselbe höre. Deshalb war ich auch so froh, die kämpferischen Worte endlich von jemandem zu hören, dem ich sie eins zu eins abnehme und der sie auch umsetzen wird. Aber dann bekam ich eine Abschrift des Redebeitrages von Dirk Mansen vom vergangenen Sonnabend…

Und nach Axel Formeseyns Auftritt bei der Mitgliederversammlung im Januar und dem Matz-ab-Auftritt war ich das zweite Mal sehr positiv überrascht. Denn Mansen spricht das an, was ich hoffe: Einigkeit als Grundlage für die Gesundung des HSV. Es herrschten Zerstrittenheit, völlig unterschiedliche Positionen, die unvereinbar scheinen, Gegenseitige Diffamierungen und Anfeindungen seien an der Tagesordnung und zum Teil erlebe man sogar verbale persönliche und auch körperliche Angriffe. „In solchen Zeiten war eigentlich immer der SC die Basis für eine neue Zukunft, dafür da und in der Lage einen Ruck auszulösen, der den Verein nach vorne brachte und oft die ganze Stadt erfasste. Dies ist heute nicht mehr so. Der Supporters Club hat meiner Meinung nach in den letzten Jahren einige schwere Versäumnisse aufzuweisen. Und vor allem – er ist sogar zum Feindbild eines Großteils seiner eigenen Mitglieder mutiert.“

Die Mitgliederwelle der letzten Jahre hätte dazu geführt, dass Mitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet eingetreten seien und sich die Meinungsvielfalt eingestellt hat. Mansen: „Im Gegensatz zu den ersten Jahren seines Bestehens sind die gemeinsamen, homogenen Ziele der Gründer in den Hintergrund getreten. Und das obwohl sie auch heute noch einigen könnten.“

Und dann kam der teil, den ich ihm ganz hoch anrechne. „Die Mitglieder haben nun im Januar ein recht eindeutiges Votum erteilt, eine absolute Mehrheit hat sich für die Beauftragung des Vorstands zur Vorbereitung der Ausgliederung entschlossen, eine überwältigende (aber eben nicht absolute) Mehrheit gab ein Votum zur Fernwahl, zur Beteiligung auch von außerhalb, ab. Wir stehen also momentan nicht nur vor der Wahl am 25.5. über die Zukunft des HSV zu entscheiden, sondern auch vor der Wahl uns über unsere eigene Zukunft als eigentlich vorbildhafte und meiner Meinung nach dringend nötige Fanorganisation zu entscheiden – und das unabhängig von der Ligazugehörigkeit.“

Und das stimmt.

Wie fast alles, was Mansen sagte. Und um den Leuten, egal ob HSVPlus-Befürworter oder –gegner ihren Spaß am HSV nicht zu verderben, ruft Mansen, der seit 18 Jahren kein Amt mehr bei den Supporters ausgeübt hat, zur Einigung auf: „Der SC lebt durch alle seine Mitglieder und alle sind aufgerufen mitzuhelfen! Voraussetzung hierfür ist für mich die Rückbesinnung auf alte Werte und ein Neustart des Supporters Clubs im Sinne der Fans, des HSV, seiner Mitglieder und seiner Angestellten.“

Und am Ende wird Mansen noch etwas deutlicher. Er richtet sich direkt an die Abteilungsleitung: „Ihr seid als AL einmal angetreten eure Werte zu vertreten, aber ihr habt auch die Aufgabe eure Mitglieder zu vertreten… Jetzt ist dies wichtiger als je zuvor. Jetzt im Falle einer Ausgliederung alles hinzuschmeißen oder zu sagen ist nicht meins – das funktioniert nicht. Und auch im Falle dass dies am 25.5. nicht passiert, so muss ebenfalls dringend ein Neustart des SC erfolgen. Der Karren SC steckt, gelinde gesagt, ganz tief im Dreck und ich weiß nicht ob im Moment der Wille da ist ihn wieder herauszuholen. Benutzt diese Fanorganisation nicht als Mittel zum Zweck und opfert sie für diese Werte – auch wenn diese noch so vorbildhaft sein mögen.“

Wie das erfolgen soll, hat der Herr über das HSV-Museum auch parat: „Als Abteilungsleitung den Weg frei machen, oder zumindest die Ankündigung hiervon im Falle der Ausgliederung ist die eine Option…. Um dann mit neuem Grundlagenpapier und hoffentlich neuer Stärke wieder für alle da zu sein
Auf Auswärtsfahrten, auf Veranstaltungen, bei Heimspielen, an der Fanbotschaft, in der Fanbetreuung Und nicht mehr als Feindbild. Der SC hat jetzt zum zweiten Mal die Chance dem HSV wieder zusätzliche Stärke zu verleihen – nutzen wir die!“

Chapeau, Herr Mansen!

In diesem Sinne, jetzt beende ich den Blog tatsächlich – und erneut mit einem Statement, dem ich zweifelsfrei mich anschließen kann. Also, morgen noch mal unbedingte Geschlossenheit demonstrieren. Auf dem Platz 90 Minuten wie zuletzt in der ersten Halbzeit gegen Bayern – das Gegentor ausgenommen und mindestens einen eigenen Treffer dazuaddiert. Aber auch wieder neben dem Platz. Dann anschließend zusammen die Relegation wuppen und dem Neustart die einzig reelle Chance geben, indem HSVPlus am 25. Mai durchgewinkt wird. Das wäre letztlich das Happy-End einer unfassbar grauenhaften Saison – auf und neben dem Platz. Und es wäre zu schön, plötzlich an dieser Stelle mal wieder über positive Entwicklungen berichten zu können…

Bis morgen nach dem Spiel. Dann unterhalten wir uns hoffentlich über den erreichten Relegationsplatz mit den beiden Ex-HSV-Profis Stefan Schnoor und Jürgen Stars.

Scholle

P.S.: Einzig offen Frage für morgen scheint zu sein, wer die linke Außenbahn besetzt. Zuletzt war es Jiracek. Allerdings ist Jansen wieder gesund und drängt in die Astartelf. Möglich ist zudem, dass der wieder genesene Djourou neben Mancienne (den würde ich partout nicht rausnehmen!) aufläuft und Westermann (den wird Slomka partout nicht rausnehmen) auf die linke Abwehrseite rückt. Ich glaube, dass Slomka so spielen lassen wird: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Tesche – Calhanoglu, van der Vaart, Ilicevic – Lasogga.

Vorstand und Fans – ein Fall für die Couch

7. Mai 2014

So schwer es uns das Arbeiten auch machen mag – ich begrüße es. „Wir wollen die Spieler etwas rausnehmen“, sagte uns Mediendirektor Jörn Wolf heute. Soll heißen: Kein Interview heute, wohl auch nicht morgen, und ebenso wenig übermorgen. Alle sollen sich ausschließlich auf das Spiel am Sonnabend in Mainz konzentrieren. Und das ist in meinen Augen bitter nötig, um den schlimmsten Unfall der Vereinsgeschichte vom Totalschaden in einen Fall für die Werkstatt zu machen.

Ein Fall für den Psychiater ist jetzt schon das Verhältnis der „Chosen few“ zum HSV. Die Vorkommnisse rund um das Spiel gegen die Bayern scheinen einen immer tiefer werdenden Graben zwischen eben jene Fangruppierung und den HSV-Vorstand zu ziehen, der sich harte Vorwürfe in einem offenen Brief (http://cfhh.net/?p=4508) der „CFHH“ erwehren muss. Darin wird der Polizeieinsatz zum einen inhaltlich als unrecht dargestellt, zum anderen wird dem Vorstand vorgeworfen, den Polizeieinsatz nicht nur gebilligt, sondern ihm sogar im Vorfeld zugestimmt zu haben. Und egal wie das Ganze ausgeht, es wird zwei Verlierer haben – vor allem den HSV. Und das in einer Situation, in der die Mannschaft mehr Unterstützung denn je braucht. Nun denn, heute habe ich gehört, dass in Mainz mit neuen Pyrostrafen als Demonstration gegen den vergangenen Sonnabend gerechnet werden muss. Und das wäre ebenso albern, wie es traurig ist zu sehen, dass sich Verein und Teile der Fans gerade jetzt anfeinden. Und das alles wegen zweier alberner Plakate, die so unnütz sind wie der drohende Abstieg…

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Schön zu hören ist dagegen, dass Tolgay Arslan im Oktober Vater eines Jungen werden wird – und, dass Tomas Rincon in der Nacht zum Dienstag Vater geworden ist. Dass er dennoch beim Training um zehn Uhr aufdribbelte – nur logisch bei der Einstellung des Venezolaners. „Ich bin mächtig stolz, Vater zu sein“, so Rincon, „aber ich habe hier eine Aufgabe, die keine Pause erlaubt.“ Klingt gut!

Allerdings glaube ich, dass Rincon am Sonnabend in Mainz durchaus einer der ersten Kandidaten ist, aus dem Team zu rotieren, sofern Pierre-Michel Lasogga auflaufen kann. Dann dürfte Rafael van der Vaart hinter dem Toptorjäger auflaufen, während sich Hakan Calhanoglu und Ivo Ilicevic die Außen und Milan Badelj zusammen mit Robert Tesche die Doppelsechs teilen. Wie heute im Training, wo Slomka Wert auf schnelles Umschaltspiel legte. Kontern war angesagt und es sah teilweise sogar richtig gut aus. Lasogga traf, Ilicevic traf, und auch Calhanoglu traf.

Und das alles unter den Augen von Sportchef Oliver Kreuzer, der derzeit wohl die meisten und die größten Probleme hat. Denn abgesehen von seiner noch immer nicht geklärten Zukunft im Falle einer Wahl von HSVPlus, ist der Sportchef zum Nichtstun verdammt. Ok, nicht wenige werden das jetzt als gute Nachricht verhöhnen. Aber einmal länger darüber nachgedacht, muss man sich große Sorgen machen. „Es sind nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sportliche Gründe, die uns in eine Art Schwebzustand versetzt haben. Wir können keine Verträge verlängern, für die neue Saison keine neuen Spieler verpflichten – und wir verkaufen niemanden.“ Zumindest noch nicht.

Denn klar ist, dass der HSV auch für die neue Saison wieder sparen muss. 42 Millionen Euro kostet die Mannschaft an Gehältern, 37 Millionen darf sie laut Budgetplan 2014/2015 kosten. Sollte es sogar …. Nein, dass eine Zweitligamannschaft sogar nur 25 Millionen Euro kosten dürfte, erwähne ich nicht, weil es nicht tatsächlich wird. Aber klar ist, dass wir auch für die neue Saison bislang – egal in welcher Liga – maximal eine Kompromisself erwarten müssen. Denn die guten Spieler unterschrieben jetzt schon ihre Verträge, etliche Kandidaten des HSV haben bereits abgesagt, weil sie nicht länger warten konnten. Was dem HSV bleiben wird sind die Spieler, die entweder nicht sonderlich begehrt sind – oder zu teuer. „Der Markt im Juni ist sicherlich nicht die optimale Grundlage. Aber das haben wir uns sportlich selbst verdorben“, sagt Kreuzer, der weiter fest davon ausgeht, dass der HSV bis zum 22. Mai alle Auflagen der DFL zur Lizenzierung erfüllt haben wird.

Anders als zuletzt behauptet, muss der HSV für die Lizenzierung keinen Transferüberschuss von zehn Millionen für die Erste (und 20 für die Zweite) Liga nachweisen. Vielmehr sind diese Zahlen interne Vorgaben, die sich der HSV selbst auferlegt hat. Soll heißen: Um neue Spieler zu holen, müssen erst mehr als zehn Millionen Euro eingenommen werden. Eine Crux, will man im neuen Jahr nicht gleich wieder von Beginn an Angst um die Klasse haben müssen.

Zumal allem möglichen Misserfolg schon jetzt Alibis mit auf den Weg gegeben werden. Oder will man ernsthaft den – falls HSVPlus dann durchkommt – neuen HSV-Vorstand an der nächsten Mannschaft messen, wenn bis jetzt nicht nur für Liga eins und zwei parallel sondern zudem auch für einen HSV mit und einen HSV ohne Kühne-Millionen geplant werden muss. Nein, es sind bislang schlichtweg unüberwindbar viele Konjunktive im Spiel. Und ich sehe zwar den Ansatz, vieles neu zu gestalten als alternativlos an. Aber auf dem Weg dahin hat der HSV schon viel Zeit verloren…

Was ich mich frage: Hat HSVPlus schon zwei Pläne? Einen für Liga eins und einen für Liga zwei? Wer plant dann den HSV-Kader der kommenden Saison? Will Herr Kühne wirklich nichts machen, wenn HSVPlus nicht durchkommt? Aber vor allem: Was sollen die avisierten 25 Millionen Euro bewirken? Zumal ich mir nur schwer vorstellen kann, dass der 76-Jährige HSV-Mäzen einen langzeitlichen Aufbau plant. Ich glaube, dass Herr Kühne schnellere Erfolge haben und selbige konservieren will. Und dafür muss deutlich mehr neu angepackt werden, als mit 25 Millionen Euro möglich ist. Denn die reichen gerade mal für die Lizenz, Campus-Rückzahlungen und mögliche Abfindungen für Vorstände mit weiterlaufenden Verträgen…

Aber auch ich weiche ab. Daher beende ich den Blog lieber. Ach ja, und Morgen wird um 15 Uhr an der Arena trainiert. Dann wird es wieder sportlich. Hoffe ich.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Endlich wieder Fußball. Und nix sonst.

6. Mai 2014

Endlich. Nur Fußball. Daher für alle, die es genauso satt haben wie ich, die Vereinspolitik selbst in kritischsten Phasen voranzustellen: Dieser Blog erhält erst im Anhang Vereinspolitik. Und ansonsten einen ganzen Tag lang mal wieder nur Fußball. Und dann auch noch mit der einen oder anderen guten Nachricht. Denn immerhin konnte Johan Djourou heute wieder voll mittrainieren und soll auch am Sonnabend in Mainz beim Abstiegsendspiel Nr. 34 dabei sein. Ebenso wie Dennis Diekmeier. „Dennis hatte sich schon vergangenen Donnerstag leicht gezerrt und wir haben ihn mit nur einem Tag hinbekommen. Daher werden wir das jetzt auch schaffen“, so Slomka, der sogar darauf hofft, seinen Rechtsverteidiger bereits am Mittwoch wieder im Mannschaftstraining begrüßen zu können.

Dann wird auch Pierre Michel Lasogga wieder dabei sein. Der wahrscheinlich größte Hoffnungsträger des HSV trainierte in den vergangenen Tagen individuell mit Rehatrainer Markus Günther und konnte dabei Fortschritte verzeichnen. Heute trainierte er nun mit der Mannschaft und absolvierte das Programm bis zur abschließenden Torschussübung komplett schmerzfrei mit. „Im Spiel war er der neutrale Mann, damit er noch weitgehend ohne Zweikämpfe mitmacht. Aber das werden wir steigern“, so Slomka, dem die Freude über das Comeback seines Toptorjägers ins Gesicht geschrieben steht. „Es lief alles problemlos und wir haben jetzt die Aufgabe, ihn langsam zu steigern, damit er am Sonnabend topfit ist.“ Soll heißen: Ebenso wie Djourou plant Slomka nach aktuellem Stand auch mit Lasogga in der Startelf. „Wir hoffen auf beide. Beide haben viele gute Spiele für uns gemacht, sind wichtig für die Mannschaft.“

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Allerdings betonte Slomka auch, dass er nichts riskieren werde. In weiser Voraussicht auf das (hoffentlich!!) bevorstehende Relegationsduell am 15 und am 18. Mai. Einen möglichen Gegner hat Slomka bereits gesehen: Greuther Fürth. Beim 6:0 der Fürther in Cottbus war Slomka (ebenso wie Braunschweigs Lieberknecht) Tribünengast – und begeistert: „Fürth war beeindruckend. Obgleich Cottbus es dem Gegner am Ende sicher leicht gemacht hat“, so Slomka, der auch Paderborns Qualitäten noch mal hervorhob. „Egal gegen wen wir am Ende spielen sollten, es wird sicher schwierig.“

Vor allem am Sonnabend in Mainz. „Wir sind gewarnt. Wir wissen um die Heimstärke der Mainzer“, sagt Slomka, der dennoch bemüht ist, die eigenen Stärken vorneanzustellen – ohne dabei die Niederlage gegen die Bayern schönreden zu wollen. „Es war eine große Erleichterung zu spüren ob der anderen Ergebnisse. Und die Fans haben erneut Gespür für die Lage bewiesen. Sie haben gemerkt, dass die Mannschaft alles versucht hat, alles gegeben hat und sich nur nicht selbst belohnt hat. Jetzt wird es für uns genau darum gehen. Und darum, die ersten 45 Minuten gegen die Bayern 90 Minuten lang in Mainz abzurufen.“

Stimmt. Nur wie?

Slomka setzt wie in der Vorwoche auf die Kraft aus der Ruhe. Konditionstraining und harte Läufe gibt es nicht mehr. „Wir üben gruppentaktisch, machen nicht mehr zu viel. Wir befinden uns auf der Zielgeraden der Saison, da muss ich die Prioritäten nicht mehr auf den Ausdauerbereich setzen“, sagt Slomka, der selbst als Vorbild dienen will. „Ich kenne den Druck in allen beiden Richtungen. Einmal haben wir am 33. Spieltag mit Schalke beim 0:2 gegen Dortmund die Meisterschaft verspielt, und mussten danach am letzten Spieltag unbedingt gewinnen, um Werder nicht noch an uns vorbeiziehen zu lassen. Und mit Hannover habe ich am letzten Spieltag in Bochum um den Klassenerhalt gespielt – gegen einen direkten Konkurrenten. Das war auch hop oder top“, so Slomka, der ausführt: „Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich als Trainer Ruhe vorleben muss. Ich muss das den Spielern vermitteln. Weil wenn wir das nicht machen, wer dann…?“ Stimmt, denn aus der Mannschaft heraus wird es keine Vorgaben geben. Von wem auch?

Das Interview im Video:

Spannend dürfte der eh schon spannungsgeladene Sonnabend auch in Sachen Startelf werden. Spielen Lasogga und Djourou tatsächlich von Beginn an? Und wenn ja, wer muss für Djourou weichen? Denn klar ist, sollte Jansen (Slomka: „Ich glaube, er braucht noch ein, zwei Tage“) spielen können, hat Slomka Diekmeier für rechts sowie Mancienne, Djourou, Westermann für die zwei Innenverteidigerposition sowie die Auswahl zwischen Jiracek, Jansen und Westermann für die linke Abwehrseite.

Und er hat auf der Sechs Optionen. Auf der Doppelsechs besser gesagt. Milan Badelj ist bei Slomka gesetzt, daneben agierte zumeist Tolgay Arslan, der seine Gelbsperre abgesessen hat und mit seinem Einsatz rechnet. Das allerdings macht auch Robert Tesche, der gegen Bayern nicht nur Slomka überzeugen konnte. „Ich war sehr positiv überrascht“, lobt Slomka den unter Fink und van Marwijk noch aussortierten Mittelfeldspieler, „ich hatte nicht gedacht, dass Robert diese Konstanz auch über die gesamten 90 Minuten bringt. Aber das hat er sehr gut gemacht.“ Schon deshalb – und, weil Slomka Tesche für den torgefährlichsten Sechser hält – ist der „Begnadigte“ plötzlich eine ernsthafte Option auf die Startelf im alles entscheidenden Saisonspiel. „Ich kann und will mich noch nicht festlegen“, antwortet Slomka auf die Frage nach seinem Favoriten, „zumal ich nicht mal weiß, ob wir wieder mit einer Doppelsechs spielen.“

Klar aber scheint, dass Slomka in Mainz erneut auf die Bayern-Strategie setzt. Wie schon gesagt, soll die erste Halbzeit des Bayern-Spiels auf zwei Hälften ausgedehnt werden. Und dort hat man offensiv verteidigt. „Ich werde der Mannschaft noch mal zeigen, warum das so gut funktioniert hat“, sagt Slomka, der im selben Atemzug betont, auch die Fehler („Das Tor nach der Ecke ist unglaublich – sowas darf nicht vorkommen“) aufzeigen zu wollen. „Letztlich aber werden wir die gute, kämpferische Stimmung mitnehmen und die positiven Aspekte in den Vordergrund rücken.. Denn die Mannschaft hat einen starken Charakter gezeigt.“ Und das gebe ihm , der „unablässig“ an diese Mannschaft glaubt, ein gutes Gefühl.

Mir auch. Erst einmal. Denn bei allen Mängeln dieser Mannschaft kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es irgendeinen Fußballer auf diesem Planeten gibt, der in dem Spiel am Sonnabend nicht schon von außen angesteckt und voller Adrenalin ist. Nicht einmal… Nein, das lasse ich. Es ist noch nicht die Zeit für die große Analyse. Ebenso wenig wie hier und heute, morgen, Donnerstag sowie am Freitag und sogar Sonnabend bis Spielende Platz sein darf für eine Strukturdebatte, werte Herren.

Daher belasse ich es auch dabei, das (noch) Nebensächliche ins P.S. zu stellen.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

P.S.: Die Tatsache, dass sich Vereinsvertreter und/oder welche, die es werden wollen, wenige Tage vor dem wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte in den Vordergrund spielen ist schon schlimm genug. Für mich ist es sogar Grund genug, sie gar nicht zu beachten. Daher – das habe ich mir gerade jetzt und ganz kurzfristig anders überlegt – ignoriere ich sie an dieser Stelle dann doch… Euch allen einen Schönen Abend!!

1:4 – aber die Relegation ist drin!

3. Mai 2014

Der HSV verliert 1:4 gegen den FC Bayern – aber die Konkurrenz spielt wieder für den HSV! Unfassbar. Die Hoffnung stirbt zuletzt, der HSV kann die Relegation schaffen. Was für ein Jubel, als in der Arena die Ergebnisse des 33. Spieltages vorgelesen wurden. Hannovers Ersatz-Mannschaft gewinnt 2:0 beim 1: FC Nürnberg, und der FC Augsburg schafft dank Bobadilla in der 94. Minute den 1:0-Sieg in Braunschweig. Das kann ja alles nicht wahr sein, das ist ja wie ein Märchen! Es bleibt somit alles beim Alten auf den letzten drei Plätzen – unglaublich, unfassbar, sensationell – herrlich!!! Der HSV darf noch von der Ersten Liga träumen, es riecht nach Relegation. So gab es nach einer 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern doch noch viele zufriedene Gesichter, die sich auf den Heimweg machten. Es ist noch nicht alles verloren – obwohl man mit nur 27 Punkten eigentlich nicht in der Ersten Bundesliga überlegen kann. Aber wenn es ein Wunder gibt, dann muss es ein Wunder für Hamburg und den HSV sein!
Nur, aber auch wirklich nur der HSV!


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Die Stimmung vor dem Anpfiff war schon super. Nein, großartig, sensationell. „Schreien bis der Kehlkopf kreist“, hatte Lotto King Karl im Abendblatt gefordert, und die Fans hielten sich dran. Vielleicht auch deshalb, weil sie von den Bayern gefordert wurden. Im Münchner Block wurde ein Plakat in HSV-blau präsentiert – in Anlehnung an die HSV-Uhr im Nord-Westen: „Noch in der ersten Bundesliga: 7 Tage, 1 Stunde.“ Der HSV-Konter ließ nicht lange auf sich warten – ein weißes Plakat: „In HH ticken die Uhren eh anders.“ Mag sein. In der Anfangsphase überraschte der HSV mit einer äußerst engagierten Leistung. Warum, diese Frage stellte ich mir schon, warum nicht immer so? Warum gegen die Bayern? Warum erst am vorletzten Spieltag?

Der HSV, der kurzfristig auf Marcell Jansen hatte verzichten müssen (die alte Knöchel-Geschichte hatte sich entzündet), rannte wie um sein Leben. Da war Leben zu sehen, da war Biss zu erkennen, da war auch endlich einmal so etwas wie Teamgeist zu sehen. Da lief einer für den anderen. Und ein gutes Zeichen war schon nach wenigen Minuten, dass sich Hakan Calhanoglu und Milan Badelj nach einer kleinen Unstimmigkeit angifteten. So kommt dann doch noch mehr Leben in die Bude . . . Und dazu setzte Rafael van der Vaart noch ein Zeichen: Der HSV-Kapitän trat Nationalspieler Kroos von hinten auf die Socken – Freistoß, aber kein Gelb. Und ein Achtungszeichen, dass der HSV nichts zu verschenken hat.

So oft hatte der HSV in jüngster Zeit ein frühes Gegentor gefangen, diesmal hieß es nach zehn Minuten noch 0:0. Und nach 13 Minuten hatte der HSV sogar die Chance zur Führung: Ivo Ilicevic nahm sich im Bayern-Strafraum rund eine „Viertelstunde“ Zeit, den Ball mit links auf das Gehäuse von Nationalkeeper Neuer zu dreschen – und dann ein so kümmerlicher Schuss. Wahnsinn! Mit links trümmerte die HSV-Spitze den Ball in Richtung Güterbahnhof Wandsbek. Da kann man auf der Tribüne nur zusammenbrechen. Eine runde „Viertelstunde“ Zeit, und dann ein solcher Abschluss, unbegreiflich. Aber wahr.

Auch nach 20 Minuten noch 0:0 – und Bayern schwach. Wenn ich so an das Pokal-Finale in 14 Tagen denke – oh, oh, das kann ein Dortmunder Feiertag werden . . . Und auch nach 30 Minuten hieß es 0:0. Aber nach 31 Minuten und 55 Sekunden nicht mehr. Doppelpass Robben und Götze, und der frühere Dortmunder schoss unter Rene Adler den Ball zum 0:1 in das Tornetz der Hamburger. Bitter. Ein Doppelpass am Fünfmeterraum des HSV, und das alles ungehindert, obwohl der Strafraum an sich voller Spieler war. Ja, so kann es gehen. Fast sogar noch das 2:0, als ein Kopfball von Schweinsteiger knapp am langen Eck des HSV-Tores vorbeisegelte (40.). Auf der Gegenseite die beste HSV-Tormöglichkeit: Robert Tesche spielte Rafael van der Vaart an, der schoss aus zwölf Metern aus der Drehung – aber auf Neuer. Der Torwart boxte den Ball über die Torlatte zur Ecke (42.). Und dann noch einmal Ilicevic. Diesmal versuchte er sich mit einem 15-Meter-Schlenzer aus halblinker Position, aber der Ball verfehlte deutlich sein Ziel (43.). Halbzeit. Und in die wurde der HSV mit viel, viel Beifall verabschiedet.

Während der Pause dann Jagdszenen im Volkspark. Polizei zog vor der Nordtribüne und im Nord-Westen auf. Angeblich sollen provokante Plakate die Ursache dafür gewesen sein. Es flogen Stöcke und Getränke auf die Uniformierten, zudem hatten sich die wie wild protestierenden HSV-Fans schnell ihre Fanschals ins Gesicht gezogen. Sicher ist sicher. Zum Glück beruhigte sich die bedrohliche Lage noch rechtzeitig – bis zum Wiederanpfiff jedenfalls. Was nach dem Schlusspfiff dann noch abgehen würde . . . Mal abwarten.

In der Halbzeitpause waren sich die Experten einig: Der HSV hatte ein Klasse-Spiel hingelegt, aber das Tempo war wohl zu hoch, um es bis zur 90. Minute zu halten. Der HSV wird wohl kräftemäßig noch einbrechen. Auch mal abwarten.

Aber das 0:2 fiel relativ früh. Eckstoß von Bayern, Robben von rechts. Der Niederländer entdeckt den völlig freistehenden Götze 13 Meter vor dem HSV-Tor. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Eckstoß für Bayern, und ein Münchner steht im völlig übervölkerten HSV-Strafraum mutterseelenallein. Allein. Das kann doch nicht wahr sein! Wer hat da alles gepennt? Unfassbar, welche amateurhafte Fehler sich der HSV immer und immer wieder erlaubt. Da kann man nicht gegenanspielen. Nein, das geht nicht. Und Götze schießt. Keineswegs hart, aber an allen hinter ihm noch stehenden Hamburger, und das waren immerhin acht (!), in Worten ACHT, vorbei ins Tor. Beschämend. Und das spielte sich in der 55. Minute ab. Die Vorentscheidung. Natürlich. Denn der HSV spielte ja ohne Stürmer. Wer soll da ein Tor schießen? Bei Bayern saßen noch Pizarro und Mandzukic draußen. Ein Königreich für einen Stürmer . . .

Bewundernswert allerdings, wie sehr sich der HSV weiterhin wehrte, wie sehr auch die HSV-Fans mitgingen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Im (erweiterten) Bayern-Block im Süden hallte es: „Zweite Liga, Hamburg ist dabei.“ Pfiffe der HSV-Fans und dazu der Hinweis vom Stadionsprecher: „Liebe Münchner Gäste, haben Sie bitte dafür Verständnis, dass Sie nach Spielschluss noch etwas länger in Ihrem Block bleiben müssen, wir bitten um Verständnis.“ Das bejubelten wiederum die Hamburger. Und dieser Jubel steigerte sich noch in der 72. Minute, denn da traf Hakan Calhanoglu, wer sonst, aus 20 Metern flach ins rechte Eck zum 1:3. Hoffnung? Nein. Der vor Sekunden eingewechselte Pizarro, der HSV-„Killer“ schlechthin, kreuzte allein vor Adler auf, schoss den HSV-Keeper an – Gefahr gebannt? Mitnichten. Der Ball stieg hoch in die Luft, Adler hätte hochsteigen müssen und fausten – aber er machte nichts. Pizarro machte etwas, nämlich einen wunderbaren Fallrückzieher – 1:4 (75.). So spielt man mit Studenten . . .

Es folgte ein Spiel auf ein Tor, auf das Hamburger. Mit teilweise sehenswerten Spielzügen und Hacke, Spitze, eins, zwei, drei.

Ein Höhepunkt sollte aber noch folgen: Kerem Demirbay ging im Bayern-Strafraum zu Boden, es folgte ein Gerangel mit Boateng. Beide Streithähne standen Kopf an Kopf, Stirn an Stirn, zum Schluss gab es eine Ohrfeige des Ex-Hamburgers an den HSV-Spieler. Rote Karte für Boateng, Gelb für Demirbay (86.). Ein unrühmliches Ende.

Die Einzelkritik:

Rene Adler naja, das Gelbe vom Ei war es wieder einmal nicht. Irgendwie ist er von der Rolle, was sich besonders beim 1:4 von Pizarro zeigte – da muss er einfach nur mit hochgehen.

Dennis Diekmeier war der einzige, der im Tempo mit den Bayern mithalten konnte. Ansonsten aber fiel er nicht groß auf, wurde verletzt ausgewechselt

Michael Mancienne war am 0:1 nicht unschuldig, ansonsten aber noch der beste Hamburger – wenn man von einem „besten Mann“ überhaupt sprechen kann.

Heiko Westermann zeigte sich willig und engagiert – wie immer. Ging verletzt raus und erhielt viel Beifall – auch aus dem Norden.

Petr Jiracek ist nun einmal kein Linksverteidiger. Er wollte, aber er konnte nicht so recht.

Milan Badelj war schwach.

Tomas Rincon ist noch immer weit von einer Erstliga-Form entfernt.

Robert Tesche spielte mit, mehr nicht. Aber er spielte immerhin so mit, wie es andere zuvor in den Spielen nicht taten.

Rafael van der Vaart gab alles, hängte sich voll rein, grätschte, lief und lief, und fightete – bis er nicht mehr konnte. Aber er wollte seinen markigen Worten eben eine gute Einstellung folgen lassen, das ist gelungen – auch wenn es bei seiner Auswechslung vereinzelt Pfiffe gab.

Hakan Calhanoglu und sonst keiner. Er schießt, und er trifft, das kann keiner wie er. Leider, leider. Ihn werden wir wohl in der nächsten Saison nicht mehr im Volkspark aufdribbeln sehen, einen solchen Mann kann sich der HSV nicht mehr erlauben. Weil es auch fiel Geld für ihn geben wird.

Ivo Ilicevic istb kein Stürmer, kann auch nicht mehr schießen – er hat es einst gekonnt, aber in Hamburg alles verlernt. Grausam. Auch wenn er wollte und kämpfte und Leben zeigte. An Ende steht unter dem Strich eine glatte Null.

Ola John (ab 59. Min. für Diekmeier) sollte sich zeigen – mehr tat er auch nicht. Unterstrich einmal mehr, wie bitter und total überflüssig die beiden Winter-Transfers des HSV waren.

Kerem Demirbay (ab 67. Min. für van der Vaart) holte nur noch eine Rote Karte für Boateng heraus – mehr war da nicht.

Jonathan Tah (ab 76. Min. für Westermann) kam erstmalig seit Wochen wieder zum Zuge – für einige Minuten.

Um schnell noch auf den Vormittag zu kommen: In der Uni wurde der Delegierte der Supporters für den Aufsichtsrat gewählt. Es waren 172 Mitglieder gekommen, für den „Matz-abber“ Sven Kröger gab es 49 Stimmen, für Sven Winkelmann gab es 123 Stimmen. Und Ende. Obwohl Sven Kröger – frei nach Uli Hoeneß – sagte: „Der Weg ist hier noch nicht zu Ende.“

So, dann möchte ich noch auf unsere Sendung „Matz ab live“ hinweisen, die gleich beginnen wird. Unsere heutigen Gäste sind zwei Journalisten, die sich schon oft an Diskussionen beim Doppelpass und auf Sky beteiligt haben, es sind, von der Frankfurter Rundschau, Jan-Christian Müller, und dazu der freie Journalist Oliver Wurm. Wäre toll, wenn Ihr zusehen könntet, „Scholle“ und ich würden uns freuen.

17.35 Uhr

Keine Gnade – Bayern kommt mit der besten Elf

2. Mai 2014

Der größere Wille schlägt am Ende fast immer das Talent – zumal, wenn das Talent zu wenig Willen hat. So gesagt von Franz Beckenbauer, der einzig gültigen Instanz im deutschen Profifußball – neben dem lieben (Fußball-)Gott. Was aber passiert, wenn eine Mannschaft zu wenig Talent und zu wenig Willen hat? Antwort: Sie steigt ab. Und deshalb wundert es eigentlich auch niemanden mehr, dass der HSV da unten steht. Zumindest unter den Experten und hier im Blog nicht mehr. Und es liegt eine Trainingswoche hinter uns, die von der Intensität her nichts darauf schließen lässt, dass sich auch nur das Geringste bessern wird…
Die Sendung beginnt um 18:00 Uhr.

Dennoch, es ist noch nichts verloren. Nicht einmal die (nur noch theoretische) Chance auf den direkten Klassenerhalt. Aber dafür benötigt der HSV ein Wunder, wie Trainer Mirko Slomka einen Sieg gegen dien schier übermächtigen Bayern bezeichnete. Allerdings ist dieses Wunder längst nicht so ein Wunder wie viele denken. Denn Augsburg konnte diese Bayern nach einer Rotationswelle schlagen, Dortmund ebenso. Und sogar die talenttechnisch meiner Meinung nach limitiertesten Bundesligakicker von Eintracht Braunschweig konnten zumindest 75 Minuten ein 0:0 halten – warum also sollte das für den HSV nicht möglich sein, über 90 Minuten natürlich… „Ist es doch“, sagt Rafael van der Vaart, der sich nach überstandener Verletzung zurückmeldete und gegen Bayern in der Startelf stehen soll. „Wir müssen aber kämpfen, als ginge es um unser Leben.“

Für Abendblatt-Blogs


Und die Einstimmung darauf sieht gar nicht danach aus. Nach weniger 45 Minuten war heute das Training vorbei. Eine kurze Warmmachphase, eine Passübung und ein Abschlussspiel sollen die Spieler in letzter Instanz auf den Kick gegen den Rekordmeister vorbereiten. Nicht mit dabei war Dennis Diekmeier, der am Donnerstag leichte Probleme hatte und dafür heute pausierte. Der Rechtsverteidiger absolvierte ein Laufprogramm und soll am Sonnabend fit sein. Verpasst hat er eh nichts.

„Für den HSV geht es um alles oder nichts“, hat Bayern-Trainer Pep Guardiola heute gesagt und dem HSV im selben Atemzug sämtliche Hoffnungen genommen, morgen mit einer vergleichbaren Mannschaft anzutreten wie gegen Augsburg. Guardiola nimmt alle Topstars mit nach Hamburg, ließ nur die Verletzten Badstuber und Thiago zu Hause. Offen erscheint eigentlich nur, ob Pizarro, der gegen Bremen vor einer Woche ein überragendes Spiel machte, von Beginn an aufläuft. „Wir wollen die letzten beiden Spiele nutzen, um wieder in den Rhythmus für das Pokalfinale zu kommen“, so Guardiola. Rücksicht auf den HSV ist dabei ausgeschlossen.

Leider. Denn der HSV hat es nach meiner Meinung trotz des faktischen Gegenteils nicht mehr selbst in der Hand, für sein Glück zu sorgen. Diese Mannschaft ist nicht in der Lage, sich selbst aus dem Schlamassel zu befreien. Dafür muss morgen auf schwächelnde Bayern und zeitgleich auf schwache Braunschweiger und Nürnberger gehofft werden. Aber auch das ist alles nicht ausgeschlossen, da alle drei so ihre Probleme haben. In Nürnberg beispielsweise hadern einige Spieler mit dem jüngst vorgenommenen Trainerwechsel. Daher: Ich glaube weiter an unsere Restchance. Und ich bete, dass Sergej Barbarez mit seiner Aussage Recht behält: „Der HSV steigt nicht ab. Ich kann zwar nicht begründen, warum sie es schaffen, aber sie schaffen es irgendwie.“

Hoffentlich.

Was noch offen ist, ist die Startelf. Im Abschlusstraining war nicht viel zu erkennen. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass entweder Ilicevic in die Spitze rückt, oder Slomka doch eher auf Kopfballstärke im Zentrum setzt und dort überraschend Robert Tesche aufbietet. Daher auch folgende drei in meinen Augen denkbare Varianten als mögliche Startaufstellungen (in absteigender Wahrscheinlichkeit):

1. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Tesche – Rincon, van der Vaart, Calhanoglu – Ilicevic
2. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Ilicevic, van der Vaart, Calhanoglu – Tesche.
3. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Calhanoglu, van der Vaart, Jiracek – Ilicevic.

Oder spielt (sehr, sehr, sehr, sehr extrem) überraschend (und unverdient) Ola John auf rechts von Beginn an? Nominell wäre er für die rechte Außenbahn ein Eins-zu-Eins-Ersatz. Dass der Niederländer schlichtweg noch immer keinen Bezug zur Mannschaft, zum Verein und vor allem nicht zur Lage des Klubs gefunden hat – vielleicht es egal. Vielleicht könnte ein Kick gegen den noch amtierenden Champions-League-Sieger ja mal Anreiz genug sein, trotzdem Vollgas zu geben. Und wenn’s auch nur diese 90 Minuten sind. Wobei, wenn ich schon bei Außenseiterchancen bin, dann muss hier auch Kerem Demirbay erwähnt werden, der es im Vergleich zum eben Genannten vom Engagement im Training ehr absolut verdient hätte. Denn der Linksfuß ist einer der wenigen, der noch heiß ist wie am ersten Spieltag. Zumal er ewig verletzt war, sagt er: „Ich will alles geben, um dieser Mannschaft zu helfen. Ich habe so lange zuschauen müssen, jetzt kann ich’s kaum erwarten. Aber letztlich geht es hier jetzt ganz sicher nicht um mich – es geht um das große Ganze.“ Stimmt.

Und damit ist wirklich alles gesagt. Jetzt heißt es: Hoffen, hoffen und noch mal hoffen. Auf einen Punkt – oder gar auf eine Sensation. Drücken wir alle zusammen alle vorhandenen Daumen, dass die Mannschaft noch einmal über sich hinauswächst.

Scholle

Wichtig is nur auf’m Platz – Zoua fällt aus

1. Mai 2014

Gemessen an den Fans bleibt der HSV erstklassig. Das ist kein Geheimnis. Aber dass auch heute wieder ein Fanmarsch zum Stadion so zahlreich angenommen wurde, das ist schon beachtlich. Allein ob die erhoffte Wirkung bei allen Spielern ankommt, wird sich erst noch zeigen. „Wir müssen spielen, als ginge es um unser Leben“, hatte Rafael van der Vaart kämpferisch vorgegeben. Dass er nach der 61 Minuten kurzen, heutigen Einheit um exakt 11.21 Uhr schon in sein Auto stieg, während viele andere Spieler noch nicht einmal in der Kabine angekommen waren, okay. Wenn er am Sonnabend das zeigt, was er propagiert, soll es mir recht sein. Aber tatsächlich nur dann. Vielleicht hatte van der Vaart ja auch nur einen wichtigen Termin. Wer weiß es schon…

Für Abendblatt-Blogs


Das von Fangesängen begleitete Training zuvor war zwar kurz, aber es war im Abschlussspiel mehr Stimmung drin als gestern, was sehr relativ ist und allein noch nicht viel aussagt. Und mit Stimmung meine ich kein Jubeln, kein Lachen, Pöbeln oder sinnloses Umgeholze, sondern einen in Zweikämpfen und Laufwegen dokumentierten Siegeswillen beim Abschlussspiel. Dabei wirkte van der Vaart besser als gestern. „Ich bin gut drauf“, ließ der Niederländer beim Autogramm-Marathon nach dem Training einen jungen, fragenden Fan wissen und tätschelte ihm über den Kopf. Der kleine Junge war glücklich, die umstehenden Fans auch.

Ebenso wie Trainer Mirko Slomka. „Rafa hat sich in den letzten Tagen richtig gut reingekämpft und ist bereit für den Endspurt“, so Slomka, der sich zudem über die Rückkehr des zuletzt grippig pausierenden Heiko Westermann freute. „Heiko konnte heute ohne Probleme mitmachen und wird spielen können.“ Anders als Lasse Sobiech, der sich am Mittwoch bereits am Sprunggelenk verletzt hatte und – Jacques Zoua. Der letzte nominelle Stürmer im Kader hat Muskelprobleme und musste das Training nach gerade einmal 15 Minuten heute abbrechen. Sein Einsatz gegen Bayern ist eher unwahrscheinlich. Und das zwingt Slomka zum Umplanen. Bislang hatte er die wuchtige Erscheinung Zouas noch als Argument genommen, weshalb der Kameruner als einzige Spitze aufläuft. „Das geht jetzt nicht mehr“, so Slomka, „das ist natürlich ein taktischer Einschnitt.“ Zumal der andere Stürmer, Pierre Michel Lasogga zwar auf einem guten Weg ist, aber frühestens gegen Mainz auflaufen kann.

Daher wird Slomka mit einer so genannten „falschen Neun“ spielen müssen. Als ersten Kandidaten konnte man heute im Training Ivo Ilicevic ausmachen. Und da Mattia Maggio in seinem ersten Spiel von Beginn an mit gerade 14 Ballkontakten nicht überzeigen konnte, spricht vieles dafür, dass der Kroate zusammen mit Calhanoglu und van der Vaart den Offensivbereich bildet – oder doch Tesche? Im Training heute ließ Slomka Tesche als zweite Sechs neben Badelj spielen. Das würde angesichts der Gelbsperre Arslans durchaus Sinn machen. So wäre Slomka sehr flexibel. Denn eines ist klar: Gegen die Bayern darf der HSV nicht ins offene Messer laufen. Vielmehr gilt es, das Torverhältnis (Nürnberg und Braunschweig haben minus 28, der HSV minus 20) als Bonus nicht zu gefährden. Bei Punktgleichheit könnte gerade das zum großen Plus für den HSV werden. „Ich glaube, dass wir defensiv die Qualität haben, um wenig Gegentore zuzulassen“, umgeht Slomka eine direkte Antwort auf seine geplante Taktik.

Dafür wird Slomka nicht müde, die Bedeutung der Laufbereitschaft und des Willens zu betonen. „Real hat uns das vorgemacht, war körperlich sehr präsent und sehr laufstark. Das sollte unser Vorbild sein – obgleich mir klar ist, dass wir Real nicht in Gänze kopieren können.“ Stimmt, dafür fehlt die Qualität und das Tempo in der Offensive. Aber es klingt zumindest so, als dass der HSV gegen Bayern zunächst das macht, was ich schon gegen Hannover, Wolfsburg und Augsburg erwartet hatte: defensiv kompakt stehen. „Wir müssen einen Powerfußball spielen, der uns am nächsten Tag muskuläre Probleme beschert. Dann wissen wir, dass wir genug getan haben. Wir müssen den Auftrag der Fans, den sie uns mit dieser tollen Aktion mitgegeben haben, aufnehmen und versuchen, hier vielleicht noch einmal so ein Feeling wie gegen Dortmund aufkommen zu lassen. Also 90 Minuten frenetische Unterstützung und Powerfußball.“ Oh ja, es wäre zu schön. Und wenn Slomka seine Jungs in den Einheiten unter der Woche etwas ausspannen lassen wollte, damit sie alle Kraft in dieses hoffentlich nur vorletzte Saisonheimspiel legen können – auch das soll mir recht sein. Dann werde ich als Allererster hier oder in der Live-Sendung meine Kritik am laschen Training zurücknehmen und mich beim Trainer dafür entschuldigen. Aber tatsächlich nur dann.

Denn schöne Worte mag ich nicht mehr hören. Ich mag eigentlich gar nichts mehr hören, weil alles gesagt ist und die Tabellensituation überhaupt keine Interpretationen mehr zulässt. Slomka wirkte diese Woche ebenfalls mitgenommen, ihn hatten die Auftritte zuletzt ganz sicher auch zu denken gegeben. „Wir haben in den letzten drei Spielen jeweils früh einen Rückstand kassiert. Insgesamt ist uns das in dieser Saison so oft passiert, dass es bezeichnend ist.“ Auch deshalb betonte er heute noch mal, dass die Spiele der Konkurrenz immer mehr an Bedeutung gewinnen. Ob die Zwischenstände angezeigt werden am Sonnabend? Eher nicht. Es sei denn, sie dienen der Motivation der eigenen Mannschaft, sagt Slomka. „Ich will mich komplett auf unser Spiel konzentrieren und habe Profis genug drumherum, die entscheiden können, was angezeigt wird und was nicht.“

Einen Profi hatte Slomka zuletzt hinzugeholt: Bio-Energetiker Joseph Kuhnert. „Die Mannschaft hat ihn stark aufgenommen. Letzte und diese Woche war bei ihm richtig was los“, freut sich Slomka über seine Idee. Kuhnert soll in Gesprächen und dank verschiedener Methoden wie Kristallen für positive Energie sorgen. Es hat ein positives Energiefeld gebracht“, so Slomka, „aber ob das auch Punkte bringt, weiß ich nicht.“

Ich auch nicht.

Dafür weiß ich, dass morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert wird. Zudem hat HSVPlus-Initiator Otto Rieckhoff am Freitag einen Auftritt in Trittau – zusammen mit Holger Hieronymus, der weiterhin betont, im Falle einer Dreiviertelmehrheit von HSVPlus am 25. Mai kein Amt bekleiden zu wollen. Allerdings gehe ich noch immer davon aus, dass er die erste Alternative Riekchoffs ist, sofern weiterhin kein erster Mann für den Vorsitz der AG gefunden wird. Am Sonnabend ist dann von elf bis 11.30 Uhr die Nachwahl des Delegierten der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporter Club in der Universität Hamburg, ESA Hörsaal A, Edmund-Siemers-Allee 123, 20146 Hamburg. Beginn der Abteilungsversammlung ist um 10.30 Uhr, Einlass ab 9.45 Uhr.

Ach ja, und wo wir schon dabei sind. Ziuletzt gesiterte herum, dass der HSV bis zum 28. Mai zehn Millionen Euro Erlös nachweisen muss, um die Lizenz zu erhalten. Im Falle eines Abstieges wären es sogar 20 Millionen. Da wird dann damit spekuliert, dass der HSV im Falle eines Scheiterns von HSVPlus keine Lizenz erhält und in die vierte Liga absteigt. Und klar, das ist nicht komplett auszuschließen, obgleich Klubboss Jarchow versprach, dass man alle Auflagen pünktlich erfüllen werde. Aber bis zum Lizenzentzug ist es noch ein weiter Weg, siehe Dortmund einst. Was ich damit sagen will: Es gibt tatsächlich viele gute Gründe für HSVPlus – aber den Lizenzentzug ausschließlich dadurch abwenden zu können, das ist sicher keiner davon…

Und ganz ehrlich: Egal mit welcher Struktur, ich tippe mal, dass der inzwischen 76 Jahre junge Herr Kühne den Aufschwung HSV nicht auf zehn Jahre angelegt hat, sondern möglichst bald noch mal großen Fußball bei “seinem Verein” sehen will. Vielleicht ja schon am Sonnabend. Denn am wichtigsten ist und bleibt auf’m Platz, wie man so schön sagt. Also: lassen wir uns bitte nicht ablenken. Und Punkt.

Oder doch drei? „Das wäre eine Sensation“, so Slomka, der auch seinen kriselnden Keeper Rene Adler (mit acht gravierenden, folgeschweren Patzern führt Adler die Liste der Torwartpatzer an) heute noch mal hervorhob. „Wir werden am Sonnabend einen Rene Adler in überragender Form brauchen.“ Stimmt. Aber dazu noch mindestens zehn andere mit einer Einstellung, wie sie in dieser Saison leider eher Ausnahme denn die Regel war.

Bis morgen.
Scholle

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