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1:3 – der HSV ist nun schon Vorletzter!

30. März 2014

Es geht immer mehr dem Ende entgegen. Machen wir uns nichts vor, der taumelnde HSV blickt seinem ersten Bundesliga-Abstieg tapfer in die Augen. In Mönchengladbach spielte die Dino-Truppe zwar lange Zeit gut mit, war auch gleichwertig, aber am Ende setzte sich die Borussia mit 3:1 durch. So spielt ein Absteiger, das muss man aus Hamburger Sicht schon sagen, denn auch wenn man lange mithalten konnte, so war zum Schluss die Kraft nicht mehr da, um diesem Spiel noch eine Wende zu geben. Am Freitag steht nun das Heimspiel gegen Bayer Leverkusen auf dem Programm, die nächste Chance, um doch noch dem Tod von der Schippe zu springen. Von jenen fünf Siegen aber, die vor Wochen noch Sportchef Oliver Kreuzer noch laut geträumt hatte, ist weit und breit nichts – mehr – zu sehen. Es ist inzwischen schon hoch dramatisch, aber wie will sich diese HSV-Mannschaft, die nun auf dem 17. Paltz steht, denn noch retten? Zumal Torjäger Pierre-Michel Lasogga wieder muskuläre Probleme hat, er musste zur Pause in Gladbach schon ausgewechselt werden. Es wird jetzt ganz, ganz tragisch – der letzte Dino droht zu sterben.


Der HSV nahm an diesem Spiel vom Anstoß an teil. Das war (für mich) nicht so selbstverständlich, denn die Sommerzeit hätte ja auch für gewisse „Rhythmusstörungen“ sorgen können, aber nichts da, alle waren sie hellwach. Und nach zittrigen 120 Sekunden waren sie auch alle im Bilde, denn der HSV spielte gut mit. Anders als der Sky-Reporter hatte ich das Gefühl, dass der HSV von der dritten Minute an alles ganz gut im Griff, von Mönchengladbach kam das nicht so sehr viel. Torchancen blieben zunächst auf beiden Seiten Mangelware, erst nach dem Führungstor wurde es in dieser Beziehung lebhafter.

Das 1:0 fiel diesmal – fast möchte ich ausnahmsweise schreiben – für den HSV. Nach einem großartigen Freistoß von Hakan Calhanoglu (aus halblinker Position) köpfte Jacques Zoua den Ball aus vier Metern ins Gladbacher Tor (28.). Ausgerechnet Zoua. Dem hatte wohl keiner ein Tor zugetraut, und schon gar nicht ein solches. Er setzte sich im Luftkampf mit dem Österreicher Stranzl durch. Und gefreut habe ich mich auch für Calhanoglu, dass er einen solchen Freistoß vor die Hütte der Borussen zaubert – denn zuvor hatte der gute Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer „vergessen“, dem Gladbacher Flügelflitzer Herrmann für das Foul an „Calle“ eine Gelbe Karte zu geben. Dann war die Rache des kleinen Hamburgers eben das Führungstor.

Und fast hätte es sogar 2:0 für den HSV gestanden, denn ein Kopfball aus zwölf Metern von Rafael van der Vaart verfehlte nur um Zentimeter das Borussen-Gehäuse. Torwart ter Stegen stand wie versteinert und hatte schon „aufgegeben“, aber das Glück war auf seiner Seite (33.).

Das nächste Tor fiel dann aber doch – auf der Gegenseite. Nach einem Eckstoß köpfte Dominguez den Ball Richtung HSV-Tor, Michael Mancienne war mit dem Gladbacher Innenverteidiger in die Luft gestiegen, hatte dabei auch seine Arme mit in die Luft gehoben – und der Ball prallte gegen den rechten Arm des HSV-Abwehrspielers. Elfmeter. Kann man wohl geben, aber hier bei uns, im „Champs“ in Schnelsen, fragten einige in die Runde: „Muss man den geben?“ Es gab in dieser Diskussion keinen Sieger . . . Es stand Sekunden später 1:1, weil Rene Adler den Schuss von Daems zwar zunächst abwehren konnte, im Nachschuss aber lag der Ball dann im Hamburger Netz (36.).

Drei Minuten vor dem Seitenwechsel lief dann der Borusse Arango allein auf Adler zu, das zweite Gladbacher Tor schien fällig, aber der HSV-Keeper meisterte diese Eins-gegen-eins-Situation bravourös mit einer Fußabwehr. Glück für den HSV, aber ein Torwart gehört eben dazu. Dass, wie der Sky-Reporter ausgemacht hatte, Mancienne der Schuldige an dieser Möglichkeit gewesen sein wollte, konnte ich nicht sehen, ich hatte Johan Djourou in Verdacht, der die Abseitsstellung von Arango aufgehoben hatte.

Und dann der Schock zur zweiten Halbzeit. Pierre-Michel Lasogga kam nicht wieder mit auf den Rasen. Welch ein Pech. Gerade weil wir von unserem Torjäger im ersten Durchgang nichts gesehen hatte, war er für die zweite Halbzeit meine große Hoffnung. Vergeblich. Für ihn kam Winter-Zugang Ola John, er kam dann über rechts, Zoua rückte ins Sturmzentrum. Und nachdem die Gladbacher die ersten Minuten bestimmten, kam dann der HSV doch besser ins Spiel, das fortan total ausgeglichen verlief.

Die entscheidenden Tore aber erzielte dann aber doch die Heimmannschaft. Nachdem der HSV zuvor die große Möglichkeit zum erneuten Führungstreffer gehabt hatte. Zoua dribbelte und dribbelte an der MG-Strafraumgrenze, dann lief sich van der Vaart frei – und wurde von Zoua übersehen. Glatt übersehen. Unfassbar. Das wäre das 2:1 gewesen, ganz bestimmt, aber so wurde diese Szene „verdaddelt“. Clahanoglu schoss zwar noch, aber am langen Eck vorbei (70.).

Besser lief es dann für die Borussia. Kruse, der Hamburger, steckte den Ball durch zu Raffael, und der umkurvte Adler und schob ein (75.). Grausam. Und drei Minuten später sogar 1:3 aus HSV-Sicht: Eckstoß Herrmann, hinter dem Rücken von Mancienne schlich sich Dominguez frei, und der auf der Linie stehende John war machtlos. Das bittere Ende des HSV – es geht weiter nach unten.

Ob das 2:3 noch etwas gebracht hätte? Petr Jiracek gab zur Mitte, aus elf Metern vergab van der Vaart kläglich – den Ball suchen sie morgen noch (84.). Sekunden später hatte Zoua, der frei vor dem Tor stand, auch den Anschlusstreffer auf dem Fuss, aber er scheiterte mit seinem Schuss – es gab nur Eckstoß. Ende.

Die Einzelkritik:

Rene Adler war die Zuverlässigkeit in Person, war ein ruhiger und souveräner Rückhalt – leider nur Pech beim Elfmeter, den er erst hielt und im Nachschuss dann machtlos war. Hielt großartig gegen Arango und in der Schussphase gegen Raffael (73.). Note zwei.

Dennis Diekmeier solide, über seine Seite kam kaum etwas Gefährliches zustande, nach vorne hätte er für mein Empfinden etwas mehr machen können.

Johan Djourou sehr aufmerksam, dazu kopfballstark, beim 1:1 aber mental nicht auf der Höhe, weil er das Abseits aufhob. Note drei.

Michael Mancienne setzte die Reihe seiner guten Spiele zunächst fort – aber nach dem Hand-Elfmeter wirkte er irgendwie verunsichert – und auch nicht mehr so sattelfest wie zuvor.

Heiko Westermann war gut, gestattete dem „kleinen“ Herrmann wenig.

Tolgay Arslan lief viel, war fleißig, aber er ist zu unterschiedlich in seinen Leistungen, einer guten oder starken Szene folgt zu oft eine weniger gelungene.

Tomas Rincon kämpfte tapfer, aber mehr auch nicht.

Jacques Zoua spielte diesmal gut und auch sehr gut mit, leider vergaß er beim Stande von 1:1 einmal van der Vaart anzuspielen, sonst hätte es wohl 2:1 für den HSV gestanden – und ob es dann noch eine Niederlage gegeben hätte?

Rafael van der Vaat ging weite Wege, grätschte sogar dreimal, aber dem Spiel, diesem Spiel einen Stempel aufzudrücken, das gelang ihm wieder nicht. Ich wiederhole mich aber gerne, es muss nicht nur und allein an ihm liegen, sondern auch an seinem Umfeld (auf dem Rasen).

Hakan Calhanoglu war der Beste in einer immer mehr abbauenden HSV-Mannschaft.

Pierre-Michel Lasogga fand in Mönchengladbach nicht statt, er muss wohl früh angeschlagen gewesen sein. Und nun droht er wieder auszufallen. Bitter, bitter.

Ola John (ab 46. Min. für Lasogga) ließ ein, zwei Mal sein Können durchblicken, aber das ist natürlich viel zu wenig.

Petr Jiracek (ab 83. Min. für Arslan) brachte noch einmal Schwung, legte zweimal noch sehr gut vor – schade. Er ist ein Mann für die nächsten Woche, so scheint es mir.

Robert Tesche (ab 83. Min. für Diemeier) spielte noch mit, aber so richtig reißen konnte er natürlich nichts mehr.

Schlusswort von Mirko Slomka: “Wir haben bis zur 75. Minute ein gutes Spiel geliefert, das Spiel stand bis zu diesem Zeitpunkt auf der Kippe – in beide Richtungen. Aber wir stehen mit null Punkten da und das ist sehr bitter. Jetzt gilt es, die Mannschaft wieder aufzurichten, die Niedergeschlagenheit ist jetzt natürlich da.”

Und dann zum Schluss noch ein Hinweis: Es gibt heute wieder ein „Matz ab live“, wir sind gleich auf Sendung, unsere Gäste sind heute das „doppelte Lottchen“, wir haben zweimal Christian und Christian an Bord: Einmal den früheren Nationalspieler und HSV-Profi Rahn, dazu unseren ersten Matz-ab-Mitarbeiter, und das ist „Pletzi“ Pletz. Wir freuen uns auf Euch.

17.35 Uhr

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