Archiv für das Tag 'Tesche'

Lasogga mahnt: Wir würden den Fans ein Stück Herz rausreißen

9. Mai 2014

Es war nicht anders zu erwarten. Nach etlichen Vereinen aus der Bundesliga und dem europäischen Ausland hat jetzt auch der große FC Bayern München sein Interesse an HSV-Juwel Hakan Calhanoglu bekundet. Und das überrascht nicht. Es ehr den Spieler indes. „Ich fühle mich geehrt“, sagt der Umworbene selbst, „eine Anfrage vom FC Bayern macht mich stolz.“ Verständlicherweise.

Die Sendung beginnt um 17:30 Uhr.

Allerdings ist der Moment denkbar ungünstig, so unmittelbar vor dem alles entscheidenden letzten Spieltag. Obgleich Calhanoglu versucht, zu entwarnen: „Das motiviert mich eher noch mehr. Und das Wichtigste ist jetzt erst einmal der Klassenerhalt“, sagt Calhanoglu, der zuletzt noch davon gesprochen hatte, trotz der Angebote auch im Falle eines Abstieges beim HSV bleiben zu wollen. Und das klang heute definitiv abgeschwächter: „Erst wollen wir die Klasse sichern. Und danach werde ich in Ruhe überlegen, was ich mache.“ Und so ungern ich das auch höre – Calhanoglu ist und bleibt zumindest ein ehrlicher Kerl. Okay, das muss natürlich auch noch nichts heißen. Aber es sollte zumindest alle Beteiligten hellhörig machen. Denn neben großem Geld bietet der FC Bayern eine der weltbesten Mannschaften und somit sportlich beste Perspektiven.


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Halten kann der HSV seinen hoffnungsvollsten Nachwuchsstar eh nicht. Zumindest nicht mit Bordmitteln. Trotz Vertrages bis 2018 ist Calhanoglu nicht zu halten. Zum einen nicht, wenn es in die Zweite Liga geht. Zum anderen nicht, wenn Bayern eine Offerte vorlegt. „Wir haben nicht vor, Hakan abzugeben“, hatte mir Sportchef Oliver Kreuzer am Dienstag gesagt und es als „Ziel“ bezeichnet, Calhanoglu klassenunabhängig beim HSV halten zu wollen. Um den Deutsch-Türken herum soll das neue HSV-Team aufgebaut werden. „Er ist ein Identifikationsfaktor für die Fans und er hat das Zeug, ein Großer zu werden“, so Kreuzer, „das sind Zutaten, wie man sie nur höchstselten findet.“ Wie man Calhanoglu in der Zweiten Liga halten wolle wollte ich wissen. Und Kreuzer betonte, wie wohl sich Hakan beim HSV fühle und dass man notfalls um ihn herum spart – Hauptsache Calhanoglu bleibt. Dass er gegen ein Angebot der Bayern nur vorübergehend anstänkern kann, weiß allerdings auch Kreuzer.

Noch jedoch, zum großen Glück des HSV, ist Calhanoglu Hamburger und der HSV noch lange nicht abgestiegen. Im Gegenteil, im Spiel in Mainz haben es Trainer Mirko Slomka und sein Team selbst in der Hand, die Relegation zu sichern. Dafür wurde auch heute wieder geübt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und nicht ganz 50 Minuten lang. Oder besser: kurz. „Wir müssen in dieser Saisonphase keine Grundlagenausdauer trainieren“, sagt Slomka, der in Mainz wieder auf Johan Djourou, Marcell Jansen, Dennis Diekmeier und – Pierre-Michel Lasogga zurückgreifen kann. Beste Voraussetzungen also. Im Training heute agierte zudem Robert Tesche neben Milan Badelj auf der Doppelsechs. Nach der Lobeshymne am Dienstag scheint der einst Aussortierte damit morgen in Mainz erneut zur Startelf zu gehören.

„Im Moment geht es meinem Oberschenkel sehr gut und ich habe keinerlei Beschwerden“, sagt Lasogga gegenüber „Sky“. „Es läuft alles sehr gut und wir wissen alle um die Brisanz des Spiels. Wir wollen nichts dem Zufall überlasen und in Mainz gewinnen“, so der Angreifer, dessen Zukunft weiter offen ist, wie Kreuzer bestätigte. Und Lasogga macht Werbung in eigener Sache. Der Angreifer macht keinen Bogen um ehrliche Worte und scheint top motiviert: „Der Abstiegskampf geht mir sehr nah. Sowas will kein Fußballer erleben. Da hängt deutlich mehr dran. Da geht es um viele, viele Arbeitsplätze und um Fans, denen ein Teil ihres Herzens rausgerissen würde. Ich glaube, diesen Moment will keiner von uns erleben.“

Stimmt. Und eigentlich wollte ich an dieser Stelle mit diesem schönen Schlusssatz den Blog mit der möglichen Startelf beenden. Dann wäre ich endlich diese Bundesligasaison los. Denn ganz ehrlich gesagt, ich bin es Leid, immer dasselbe zu schreiben, weil ich immer dasselbe höre. Deshalb war ich auch so froh, die kämpferischen Worte endlich von jemandem zu hören, dem ich sie eins zu eins abnehme und der sie auch umsetzen wird. Aber dann bekam ich eine Abschrift des Redebeitrages von Dirk Mansen vom vergangenen Sonnabend…

Und nach Axel Formeseyns Auftritt bei der Mitgliederversammlung im Januar und dem Matz-ab-Auftritt war ich das zweite Mal sehr positiv überrascht. Denn Mansen spricht das an, was ich hoffe: Einigkeit als Grundlage für die Gesundung des HSV. Es herrschten Zerstrittenheit, völlig unterschiedliche Positionen, die unvereinbar scheinen, Gegenseitige Diffamierungen und Anfeindungen seien an der Tagesordnung und zum Teil erlebe man sogar verbale persönliche und auch körperliche Angriffe. „In solchen Zeiten war eigentlich immer der SC die Basis für eine neue Zukunft, dafür da und in der Lage einen Ruck auszulösen, der den Verein nach vorne brachte und oft die ganze Stadt erfasste. Dies ist heute nicht mehr so. Der Supporters Club hat meiner Meinung nach in den letzten Jahren einige schwere Versäumnisse aufzuweisen. Und vor allem – er ist sogar zum Feindbild eines Großteils seiner eigenen Mitglieder mutiert.“

Die Mitgliederwelle der letzten Jahre hätte dazu geführt, dass Mitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet eingetreten seien und sich die Meinungsvielfalt eingestellt hat. Mansen: „Im Gegensatz zu den ersten Jahren seines Bestehens sind die gemeinsamen, homogenen Ziele der Gründer in den Hintergrund getreten. Und das obwohl sie auch heute noch einigen könnten.“

Und dann kam der teil, den ich ihm ganz hoch anrechne. „Die Mitglieder haben nun im Januar ein recht eindeutiges Votum erteilt, eine absolute Mehrheit hat sich für die Beauftragung des Vorstands zur Vorbereitung der Ausgliederung entschlossen, eine überwältigende (aber eben nicht absolute) Mehrheit gab ein Votum zur Fernwahl, zur Beteiligung auch von außerhalb, ab. Wir stehen also momentan nicht nur vor der Wahl am 25.5. über die Zukunft des HSV zu entscheiden, sondern auch vor der Wahl uns über unsere eigene Zukunft als eigentlich vorbildhafte und meiner Meinung nach dringend nötige Fanorganisation zu entscheiden – und das unabhängig von der Ligazugehörigkeit.“

Und das stimmt.

Wie fast alles, was Mansen sagte. Und um den Leuten, egal ob HSVPlus-Befürworter oder –gegner ihren Spaß am HSV nicht zu verderben, ruft Mansen, der seit 18 Jahren kein Amt mehr bei den Supporters ausgeübt hat, zur Einigung auf: „Der SC lebt durch alle seine Mitglieder und alle sind aufgerufen mitzuhelfen! Voraussetzung hierfür ist für mich die Rückbesinnung auf alte Werte und ein Neustart des Supporters Clubs im Sinne der Fans, des HSV, seiner Mitglieder und seiner Angestellten.“

Und am Ende wird Mansen noch etwas deutlicher. Er richtet sich direkt an die Abteilungsleitung: „Ihr seid als AL einmal angetreten eure Werte zu vertreten, aber ihr habt auch die Aufgabe eure Mitglieder zu vertreten… Jetzt ist dies wichtiger als je zuvor. Jetzt im Falle einer Ausgliederung alles hinzuschmeißen oder zu sagen ist nicht meins – das funktioniert nicht. Und auch im Falle dass dies am 25.5. nicht passiert, so muss ebenfalls dringend ein Neustart des SC erfolgen. Der Karren SC steckt, gelinde gesagt, ganz tief im Dreck und ich weiß nicht ob im Moment der Wille da ist ihn wieder herauszuholen. Benutzt diese Fanorganisation nicht als Mittel zum Zweck und opfert sie für diese Werte – auch wenn diese noch so vorbildhaft sein mögen.“

Wie das erfolgen soll, hat der Herr über das HSV-Museum auch parat: „Als Abteilungsleitung den Weg frei machen, oder zumindest die Ankündigung hiervon im Falle der Ausgliederung ist die eine Option…. Um dann mit neuem Grundlagenpapier und hoffentlich neuer Stärke wieder für alle da zu sein
Auf Auswärtsfahrten, auf Veranstaltungen, bei Heimspielen, an der Fanbotschaft, in der Fanbetreuung Und nicht mehr als Feindbild. Der SC hat jetzt zum zweiten Mal die Chance dem HSV wieder zusätzliche Stärke zu verleihen – nutzen wir die!“

Chapeau, Herr Mansen!

In diesem Sinne, jetzt beende ich den Blog tatsächlich – und erneut mit einem Statement, dem ich zweifelsfrei mich anschließen kann. Also, morgen noch mal unbedingte Geschlossenheit demonstrieren. Auf dem Platz 90 Minuten wie zuletzt in der ersten Halbzeit gegen Bayern – das Gegentor ausgenommen und mindestens einen eigenen Treffer dazuaddiert. Aber auch wieder neben dem Platz. Dann anschließend zusammen die Relegation wuppen und dem Neustart die einzig reelle Chance geben, indem HSVPlus am 25. Mai durchgewinkt wird. Das wäre letztlich das Happy-End einer unfassbar grauenhaften Saison – auf und neben dem Platz. Und es wäre zu schön, plötzlich an dieser Stelle mal wieder über positive Entwicklungen berichten zu können…

Bis morgen nach dem Spiel. Dann unterhalten wir uns hoffentlich über den erreichten Relegationsplatz mit den beiden Ex-HSV-Profis Stefan Schnoor und Jürgen Stars.

Scholle

P.S.: Einzig offen Frage für morgen scheint zu sein, wer die linke Außenbahn besetzt. Zuletzt war es Jiracek. Allerdings ist Jansen wieder gesund und drängt in die Astartelf. Möglich ist zudem, dass der wieder genesene Djourou neben Mancienne (den würde ich partout nicht rausnehmen!) aufläuft und Westermann (den wird Slomka partout nicht rausnehmen) auf die linke Abwehrseite rückt. Ich glaube, dass Slomka so spielen lassen wird: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Tesche – Calhanoglu, van der Vaart, Ilicevic – Lasogga.

Vorstand und Fans – ein Fall für die Couch

7. Mai 2014

So schwer es uns das Arbeiten auch machen mag – ich begrüße es. „Wir wollen die Spieler etwas rausnehmen“, sagte uns Mediendirektor Jörn Wolf heute. Soll heißen: Kein Interview heute, wohl auch nicht morgen, und ebenso wenig übermorgen. Alle sollen sich ausschließlich auf das Spiel am Sonnabend in Mainz konzentrieren. Und das ist in meinen Augen bitter nötig, um den schlimmsten Unfall der Vereinsgeschichte vom Totalschaden in einen Fall für die Werkstatt zu machen.

Ein Fall für den Psychiater ist jetzt schon das Verhältnis der „Chosen few“ zum HSV. Die Vorkommnisse rund um das Spiel gegen die Bayern scheinen einen immer tiefer werdenden Graben zwischen eben jene Fangruppierung und den HSV-Vorstand zu ziehen, der sich harte Vorwürfe in einem offenen Brief (http://cfhh.net/?p=4508) der „CFHH“ erwehren muss. Darin wird der Polizeieinsatz zum einen inhaltlich als unrecht dargestellt, zum anderen wird dem Vorstand vorgeworfen, den Polizeieinsatz nicht nur gebilligt, sondern ihm sogar im Vorfeld zugestimmt zu haben. Und egal wie das Ganze ausgeht, es wird zwei Verlierer haben – vor allem den HSV. Und das in einer Situation, in der die Mannschaft mehr Unterstützung denn je braucht. Nun denn, heute habe ich gehört, dass in Mainz mit neuen Pyrostrafen als Demonstration gegen den vergangenen Sonnabend gerechnet werden muss. Und das wäre ebenso albern, wie es traurig ist zu sehen, dass sich Verein und Teile der Fans gerade jetzt anfeinden. Und das alles wegen zweier alberner Plakate, die so unnütz sind wie der drohende Abstieg…

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Schön zu hören ist dagegen, dass Tolgay Arslan im Oktober Vater eines Jungen werden wird – und, dass Tomas Rincon in der Nacht zum Dienstag Vater geworden ist. Dass er dennoch beim Training um zehn Uhr aufdribbelte – nur logisch bei der Einstellung des Venezolaners. „Ich bin mächtig stolz, Vater zu sein“, so Rincon, „aber ich habe hier eine Aufgabe, die keine Pause erlaubt.“ Klingt gut!

Allerdings glaube ich, dass Rincon am Sonnabend in Mainz durchaus einer der ersten Kandidaten ist, aus dem Team zu rotieren, sofern Pierre-Michel Lasogga auflaufen kann. Dann dürfte Rafael van der Vaart hinter dem Toptorjäger auflaufen, während sich Hakan Calhanoglu und Ivo Ilicevic die Außen und Milan Badelj zusammen mit Robert Tesche die Doppelsechs teilen. Wie heute im Training, wo Slomka Wert auf schnelles Umschaltspiel legte. Kontern war angesagt und es sah teilweise sogar richtig gut aus. Lasogga traf, Ilicevic traf, und auch Calhanoglu traf.

Und das alles unter den Augen von Sportchef Oliver Kreuzer, der derzeit wohl die meisten und die größten Probleme hat. Denn abgesehen von seiner noch immer nicht geklärten Zukunft im Falle einer Wahl von HSVPlus, ist der Sportchef zum Nichtstun verdammt. Ok, nicht wenige werden das jetzt als gute Nachricht verhöhnen. Aber einmal länger darüber nachgedacht, muss man sich große Sorgen machen. „Es sind nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sportliche Gründe, die uns in eine Art Schwebzustand versetzt haben. Wir können keine Verträge verlängern, für die neue Saison keine neuen Spieler verpflichten – und wir verkaufen niemanden.“ Zumindest noch nicht.

Denn klar ist, dass der HSV auch für die neue Saison wieder sparen muss. 42 Millionen Euro kostet die Mannschaft an Gehältern, 37 Millionen darf sie laut Budgetplan 2014/2015 kosten. Sollte es sogar …. Nein, dass eine Zweitligamannschaft sogar nur 25 Millionen Euro kosten dürfte, erwähne ich nicht, weil es nicht tatsächlich wird. Aber klar ist, dass wir auch für die neue Saison bislang – egal in welcher Liga – maximal eine Kompromisself erwarten müssen. Denn die guten Spieler unterschrieben jetzt schon ihre Verträge, etliche Kandidaten des HSV haben bereits abgesagt, weil sie nicht länger warten konnten. Was dem HSV bleiben wird sind die Spieler, die entweder nicht sonderlich begehrt sind – oder zu teuer. „Der Markt im Juni ist sicherlich nicht die optimale Grundlage. Aber das haben wir uns sportlich selbst verdorben“, sagt Kreuzer, der weiter fest davon ausgeht, dass der HSV bis zum 22. Mai alle Auflagen der DFL zur Lizenzierung erfüllt haben wird.

Anders als zuletzt behauptet, muss der HSV für die Lizenzierung keinen Transferüberschuss von zehn Millionen für die Erste (und 20 für die Zweite) Liga nachweisen. Vielmehr sind diese Zahlen interne Vorgaben, die sich der HSV selbst auferlegt hat. Soll heißen: Um neue Spieler zu holen, müssen erst mehr als zehn Millionen Euro eingenommen werden. Eine Crux, will man im neuen Jahr nicht gleich wieder von Beginn an Angst um die Klasse haben müssen.

Zumal allem möglichen Misserfolg schon jetzt Alibis mit auf den Weg gegeben werden. Oder will man ernsthaft den – falls HSVPlus dann durchkommt – neuen HSV-Vorstand an der nächsten Mannschaft messen, wenn bis jetzt nicht nur für Liga eins und zwei parallel sondern zudem auch für einen HSV mit und einen HSV ohne Kühne-Millionen geplant werden muss. Nein, es sind bislang schlichtweg unüberwindbar viele Konjunktive im Spiel. Und ich sehe zwar den Ansatz, vieles neu zu gestalten als alternativlos an. Aber auf dem Weg dahin hat der HSV schon viel Zeit verloren…

Was ich mich frage: Hat HSVPlus schon zwei Pläne? Einen für Liga eins und einen für Liga zwei? Wer plant dann den HSV-Kader der kommenden Saison? Will Herr Kühne wirklich nichts machen, wenn HSVPlus nicht durchkommt? Aber vor allem: Was sollen die avisierten 25 Millionen Euro bewirken? Zumal ich mir nur schwer vorstellen kann, dass der 76-Jährige HSV-Mäzen einen langzeitlichen Aufbau plant. Ich glaube, dass Herr Kühne schnellere Erfolge haben und selbige konservieren will. Und dafür muss deutlich mehr neu angepackt werden, als mit 25 Millionen Euro möglich ist. Denn die reichen gerade mal für die Lizenz, Campus-Rückzahlungen und mögliche Abfindungen für Vorstände mit weiterlaufenden Verträgen…

Aber auch ich weiche ab. Daher beende ich den Blog lieber. Ach ja, und Morgen wird um 15 Uhr an der Arena trainiert. Dann wird es wieder sportlich. Hoffe ich.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Endlich wieder Fußball. Und nix sonst.

6. Mai 2014

Endlich. Nur Fußball. Daher für alle, die es genauso satt haben wie ich, die Vereinspolitik selbst in kritischsten Phasen voranzustellen: Dieser Blog erhält erst im Anhang Vereinspolitik. Und ansonsten einen ganzen Tag lang mal wieder nur Fußball. Und dann auch noch mit der einen oder anderen guten Nachricht. Denn immerhin konnte Johan Djourou heute wieder voll mittrainieren und soll auch am Sonnabend in Mainz beim Abstiegsendspiel Nr. 34 dabei sein. Ebenso wie Dennis Diekmeier. „Dennis hatte sich schon vergangenen Donnerstag leicht gezerrt und wir haben ihn mit nur einem Tag hinbekommen. Daher werden wir das jetzt auch schaffen“, so Slomka, der sogar darauf hofft, seinen Rechtsverteidiger bereits am Mittwoch wieder im Mannschaftstraining begrüßen zu können.

Dann wird auch Pierre Michel Lasogga wieder dabei sein. Der wahrscheinlich größte Hoffnungsträger des HSV trainierte in den vergangenen Tagen individuell mit Rehatrainer Markus Günther und konnte dabei Fortschritte verzeichnen. Heute trainierte er nun mit der Mannschaft und absolvierte das Programm bis zur abschließenden Torschussübung komplett schmerzfrei mit. „Im Spiel war er der neutrale Mann, damit er noch weitgehend ohne Zweikämpfe mitmacht. Aber das werden wir steigern“, so Slomka, dem die Freude über das Comeback seines Toptorjägers ins Gesicht geschrieben steht. „Es lief alles problemlos und wir haben jetzt die Aufgabe, ihn langsam zu steigern, damit er am Sonnabend topfit ist.“ Soll heißen: Ebenso wie Djourou plant Slomka nach aktuellem Stand auch mit Lasogga in der Startelf. „Wir hoffen auf beide. Beide haben viele gute Spiele für uns gemacht, sind wichtig für die Mannschaft.“

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Allerdings betonte Slomka auch, dass er nichts riskieren werde. In weiser Voraussicht auf das (hoffentlich!!) bevorstehende Relegationsduell am 15 und am 18. Mai. Einen möglichen Gegner hat Slomka bereits gesehen: Greuther Fürth. Beim 6:0 der Fürther in Cottbus war Slomka (ebenso wie Braunschweigs Lieberknecht) Tribünengast – und begeistert: „Fürth war beeindruckend. Obgleich Cottbus es dem Gegner am Ende sicher leicht gemacht hat“, so Slomka, der auch Paderborns Qualitäten noch mal hervorhob. „Egal gegen wen wir am Ende spielen sollten, es wird sicher schwierig.“

Vor allem am Sonnabend in Mainz. „Wir sind gewarnt. Wir wissen um die Heimstärke der Mainzer“, sagt Slomka, der dennoch bemüht ist, die eigenen Stärken vorneanzustellen – ohne dabei die Niederlage gegen die Bayern schönreden zu wollen. „Es war eine große Erleichterung zu spüren ob der anderen Ergebnisse. Und die Fans haben erneut Gespür für die Lage bewiesen. Sie haben gemerkt, dass die Mannschaft alles versucht hat, alles gegeben hat und sich nur nicht selbst belohnt hat. Jetzt wird es für uns genau darum gehen. Und darum, die ersten 45 Minuten gegen die Bayern 90 Minuten lang in Mainz abzurufen.“

Stimmt. Nur wie?

Slomka setzt wie in der Vorwoche auf die Kraft aus der Ruhe. Konditionstraining und harte Läufe gibt es nicht mehr. „Wir üben gruppentaktisch, machen nicht mehr zu viel. Wir befinden uns auf der Zielgeraden der Saison, da muss ich die Prioritäten nicht mehr auf den Ausdauerbereich setzen“, sagt Slomka, der selbst als Vorbild dienen will. „Ich kenne den Druck in allen beiden Richtungen. Einmal haben wir am 33. Spieltag mit Schalke beim 0:2 gegen Dortmund die Meisterschaft verspielt, und mussten danach am letzten Spieltag unbedingt gewinnen, um Werder nicht noch an uns vorbeiziehen zu lassen. Und mit Hannover habe ich am letzten Spieltag in Bochum um den Klassenerhalt gespielt – gegen einen direkten Konkurrenten. Das war auch hop oder top“, so Slomka, der ausführt: „Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich als Trainer Ruhe vorleben muss. Ich muss das den Spielern vermitteln. Weil wenn wir das nicht machen, wer dann…?“ Stimmt, denn aus der Mannschaft heraus wird es keine Vorgaben geben. Von wem auch?

Das Interview im Video:

Spannend dürfte der eh schon spannungsgeladene Sonnabend auch in Sachen Startelf werden. Spielen Lasogga und Djourou tatsächlich von Beginn an? Und wenn ja, wer muss für Djourou weichen? Denn klar ist, sollte Jansen (Slomka: „Ich glaube, er braucht noch ein, zwei Tage“) spielen können, hat Slomka Diekmeier für rechts sowie Mancienne, Djourou, Westermann für die zwei Innenverteidigerposition sowie die Auswahl zwischen Jiracek, Jansen und Westermann für die linke Abwehrseite.

Und er hat auf der Sechs Optionen. Auf der Doppelsechs besser gesagt. Milan Badelj ist bei Slomka gesetzt, daneben agierte zumeist Tolgay Arslan, der seine Gelbsperre abgesessen hat und mit seinem Einsatz rechnet. Das allerdings macht auch Robert Tesche, der gegen Bayern nicht nur Slomka überzeugen konnte. „Ich war sehr positiv überrascht“, lobt Slomka den unter Fink und van Marwijk noch aussortierten Mittelfeldspieler, „ich hatte nicht gedacht, dass Robert diese Konstanz auch über die gesamten 90 Minuten bringt. Aber das hat er sehr gut gemacht.“ Schon deshalb – und, weil Slomka Tesche für den torgefährlichsten Sechser hält – ist der „Begnadigte“ plötzlich eine ernsthafte Option auf die Startelf im alles entscheidenden Saisonspiel. „Ich kann und will mich noch nicht festlegen“, antwortet Slomka auf die Frage nach seinem Favoriten, „zumal ich nicht mal weiß, ob wir wieder mit einer Doppelsechs spielen.“

Klar aber scheint, dass Slomka in Mainz erneut auf die Bayern-Strategie setzt. Wie schon gesagt, soll die erste Halbzeit des Bayern-Spiels auf zwei Hälften ausgedehnt werden. Und dort hat man offensiv verteidigt. „Ich werde der Mannschaft noch mal zeigen, warum das so gut funktioniert hat“, sagt Slomka, der im selben Atemzug betont, auch die Fehler („Das Tor nach der Ecke ist unglaublich – sowas darf nicht vorkommen“) aufzeigen zu wollen. „Letztlich aber werden wir die gute, kämpferische Stimmung mitnehmen und die positiven Aspekte in den Vordergrund rücken.. Denn die Mannschaft hat einen starken Charakter gezeigt.“ Und das gebe ihm , der „unablässig“ an diese Mannschaft glaubt, ein gutes Gefühl.

Mir auch. Erst einmal. Denn bei allen Mängeln dieser Mannschaft kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es irgendeinen Fußballer auf diesem Planeten gibt, der in dem Spiel am Sonnabend nicht schon von außen angesteckt und voller Adrenalin ist. Nicht einmal… Nein, das lasse ich. Es ist noch nicht die Zeit für die große Analyse. Ebenso wenig wie hier und heute, morgen, Donnerstag sowie am Freitag und sogar Sonnabend bis Spielende Platz sein darf für eine Strukturdebatte, werte Herren.

Daher belasse ich es auch dabei, das (noch) Nebensächliche ins P.S. zu stellen.

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird wieder um zehn Uhr an der Arena trainiert.

Scholle

P.S.: Die Tatsache, dass sich Vereinsvertreter und/oder welche, die es werden wollen, wenige Tage vor dem wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte in den Vordergrund spielen ist schon schlimm genug. Für mich ist es sogar Grund genug, sie gar nicht zu beachten. Daher – das habe ich mir gerade jetzt und ganz kurzfristig anders überlegt – ignoriere ich sie an dieser Stelle dann doch… Euch allen einen Schönen Abend!!

1:4 – aber die Relegation ist drin!

3. Mai 2014

Der HSV verliert 1:4 gegen den FC Bayern – aber die Konkurrenz spielt wieder für den HSV! Unfassbar. Die Hoffnung stirbt zuletzt, der HSV kann die Relegation schaffen. Was für ein Jubel, als in der Arena die Ergebnisse des 33. Spieltages vorgelesen wurden. Hannovers Ersatz-Mannschaft gewinnt 2:0 beim 1: FC Nürnberg, und der FC Augsburg schafft dank Bobadilla in der 94. Minute den 1:0-Sieg in Braunschweig. Das kann ja alles nicht wahr sein, das ist ja wie ein Märchen! Es bleibt somit alles beim Alten auf den letzten drei Plätzen – unglaublich, unfassbar, sensationell – herrlich!!! Der HSV darf noch von der Ersten Liga träumen, es riecht nach Relegation. So gab es nach einer 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern doch noch viele zufriedene Gesichter, die sich auf den Heimweg machten. Es ist noch nicht alles verloren – obwohl man mit nur 27 Punkten eigentlich nicht in der Ersten Bundesliga überlegen kann. Aber wenn es ein Wunder gibt, dann muss es ein Wunder für Hamburg und den HSV sein!
Nur, aber auch wirklich nur der HSV!


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Die Stimmung vor dem Anpfiff war schon super. Nein, großartig, sensationell. „Schreien bis der Kehlkopf kreist“, hatte Lotto King Karl im Abendblatt gefordert, und die Fans hielten sich dran. Vielleicht auch deshalb, weil sie von den Bayern gefordert wurden. Im Münchner Block wurde ein Plakat in HSV-blau präsentiert – in Anlehnung an die HSV-Uhr im Nord-Westen: „Noch in der ersten Bundesliga: 7 Tage, 1 Stunde.“ Der HSV-Konter ließ nicht lange auf sich warten – ein weißes Plakat: „In HH ticken die Uhren eh anders.“ Mag sein. In der Anfangsphase überraschte der HSV mit einer äußerst engagierten Leistung. Warum, diese Frage stellte ich mir schon, warum nicht immer so? Warum gegen die Bayern? Warum erst am vorletzten Spieltag?

Der HSV, der kurzfristig auf Marcell Jansen hatte verzichten müssen (die alte Knöchel-Geschichte hatte sich entzündet), rannte wie um sein Leben. Da war Leben zu sehen, da war Biss zu erkennen, da war auch endlich einmal so etwas wie Teamgeist zu sehen. Da lief einer für den anderen. Und ein gutes Zeichen war schon nach wenigen Minuten, dass sich Hakan Calhanoglu und Milan Badelj nach einer kleinen Unstimmigkeit angifteten. So kommt dann doch noch mehr Leben in die Bude . . . Und dazu setzte Rafael van der Vaart noch ein Zeichen: Der HSV-Kapitän trat Nationalspieler Kroos von hinten auf die Socken – Freistoß, aber kein Gelb. Und ein Achtungszeichen, dass der HSV nichts zu verschenken hat.

So oft hatte der HSV in jüngster Zeit ein frühes Gegentor gefangen, diesmal hieß es nach zehn Minuten noch 0:0. Und nach 13 Minuten hatte der HSV sogar die Chance zur Führung: Ivo Ilicevic nahm sich im Bayern-Strafraum rund eine „Viertelstunde“ Zeit, den Ball mit links auf das Gehäuse von Nationalkeeper Neuer zu dreschen – und dann ein so kümmerlicher Schuss. Wahnsinn! Mit links trümmerte die HSV-Spitze den Ball in Richtung Güterbahnhof Wandsbek. Da kann man auf der Tribüne nur zusammenbrechen. Eine runde „Viertelstunde“ Zeit, und dann ein solcher Abschluss, unbegreiflich. Aber wahr.

Auch nach 20 Minuten noch 0:0 – und Bayern schwach. Wenn ich so an das Pokal-Finale in 14 Tagen denke – oh, oh, das kann ein Dortmunder Feiertag werden . . . Und auch nach 30 Minuten hieß es 0:0. Aber nach 31 Minuten und 55 Sekunden nicht mehr. Doppelpass Robben und Götze, und der frühere Dortmunder schoss unter Rene Adler den Ball zum 0:1 in das Tornetz der Hamburger. Bitter. Ein Doppelpass am Fünfmeterraum des HSV, und das alles ungehindert, obwohl der Strafraum an sich voller Spieler war. Ja, so kann es gehen. Fast sogar noch das 2:0, als ein Kopfball von Schweinsteiger knapp am langen Eck des HSV-Tores vorbeisegelte (40.). Auf der Gegenseite die beste HSV-Tormöglichkeit: Robert Tesche spielte Rafael van der Vaart an, der schoss aus zwölf Metern aus der Drehung – aber auf Neuer. Der Torwart boxte den Ball über die Torlatte zur Ecke (42.). Und dann noch einmal Ilicevic. Diesmal versuchte er sich mit einem 15-Meter-Schlenzer aus halblinker Position, aber der Ball verfehlte deutlich sein Ziel (43.). Halbzeit. Und in die wurde der HSV mit viel, viel Beifall verabschiedet.

Während der Pause dann Jagdszenen im Volkspark. Polizei zog vor der Nordtribüne und im Nord-Westen auf. Angeblich sollen provokante Plakate die Ursache dafür gewesen sein. Es flogen Stöcke und Getränke auf die Uniformierten, zudem hatten sich die wie wild protestierenden HSV-Fans schnell ihre Fanschals ins Gesicht gezogen. Sicher ist sicher. Zum Glück beruhigte sich die bedrohliche Lage noch rechtzeitig – bis zum Wiederanpfiff jedenfalls. Was nach dem Schlusspfiff dann noch abgehen würde . . . Mal abwarten.

In der Halbzeitpause waren sich die Experten einig: Der HSV hatte ein Klasse-Spiel hingelegt, aber das Tempo war wohl zu hoch, um es bis zur 90. Minute zu halten. Der HSV wird wohl kräftemäßig noch einbrechen. Auch mal abwarten.

Aber das 0:2 fiel relativ früh. Eckstoß von Bayern, Robben von rechts. Der Niederländer entdeckt den völlig freistehenden Götze 13 Meter vor dem HSV-Tor. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Eckstoß für Bayern, und ein Münchner steht im völlig übervölkerten HSV-Strafraum mutterseelenallein. Allein. Das kann doch nicht wahr sein! Wer hat da alles gepennt? Unfassbar, welche amateurhafte Fehler sich der HSV immer und immer wieder erlaubt. Da kann man nicht gegenanspielen. Nein, das geht nicht. Und Götze schießt. Keineswegs hart, aber an allen hinter ihm noch stehenden Hamburger, und das waren immerhin acht (!), in Worten ACHT, vorbei ins Tor. Beschämend. Und das spielte sich in der 55. Minute ab. Die Vorentscheidung. Natürlich. Denn der HSV spielte ja ohne Stürmer. Wer soll da ein Tor schießen? Bei Bayern saßen noch Pizarro und Mandzukic draußen. Ein Königreich für einen Stürmer . . .

Bewundernswert allerdings, wie sehr sich der HSV weiterhin wehrte, wie sehr auch die HSV-Fans mitgingen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Im (erweiterten) Bayern-Block im Süden hallte es: „Zweite Liga, Hamburg ist dabei.“ Pfiffe der HSV-Fans und dazu der Hinweis vom Stadionsprecher: „Liebe Münchner Gäste, haben Sie bitte dafür Verständnis, dass Sie nach Spielschluss noch etwas länger in Ihrem Block bleiben müssen, wir bitten um Verständnis.“ Das bejubelten wiederum die Hamburger. Und dieser Jubel steigerte sich noch in der 72. Minute, denn da traf Hakan Calhanoglu, wer sonst, aus 20 Metern flach ins rechte Eck zum 1:3. Hoffnung? Nein. Der vor Sekunden eingewechselte Pizarro, der HSV-„Killer“ schlechthin, kreuzte allein vor Adler auf, schoss den HSV-Keeper an – Gefahr gebannt? Mitnichten. Der Ball stieg hoch in die Luft, Adler hätte hochsteigen müssen und fausten – aber er machte nichts. Pizarro machte etwas, nämlich einen wunderbaren Fallrückzieher – 1:4 (75.). So spielt man mit Studenten . . .

Es folgte ein Spiel auf ein Tor, auf das Hamburger. Mit teilweise sehenswerten Spielzügen und Hacke, Spitze, eins, zwei, drei.

Ein Höhepunkt sollte aber noch folgen: Kerem Demirbay ging im Bayern-Strafraum zu Boden, es folgte ein Gerangel mit Boateng. Beide Streithähne standen Kopf an Kopf, Stirn an Stirn, zum Schluss gab es eine Ohrfeige des Ex-Hamburgers an den HSV-Spieler. Rote Karte für Boateng, Gelb für Demirbay (86.). Ein unrühmliches Ende.

Die Einzelkritik:

Rene Adler naja, das Gelbe vom Ei war es wieder einmal nicht. Irgendwie ist er von der Rolle, was sich besonders beim 1:4 von Pizarro zeigte – da muss er einfach nur mit hochgehen.

Dennis Diekmeier war der einzige, der im Tempo mit den Bayern mithalten konnte. Ansonsten aber fiel er nicht groß auf, wurde verletzt ausgewechselt

Michael Mancienne war am 0:1 nicht unschuldig, ansonsten aber noch der beste Hamburger – wenn man von einem „besten Mann“ überhaupt sprechen kann.

Heiko Westermann zeigte sich willig und engagiert – wie immer. Ging verletzt raus und erhielt viel Beifall – auch aus dem Norden.

Petr Jiracek ist nun einmal kein Linksverteidiger. Er wollte, aber er konnte nicht so recht.

Milan Badelj war schwach.

Tomas Rincon ist noch immer weit von einer Erstliga-Form entfernt.

Robert Tesche spielte mit, mehr nicht. Aber er spielte immerhin so mit, wie es andere zuvor in den Spielen nicht taten.

Rafael van der Vaart gab alles, hängte sich voll rein, grätschte, lief und lief, und fightete – bis er nicht mehr konnte. Aber er wollte seinen markigen Worten eben eine gute Einstellung folgen lassen, das ist gelungen – auch wenn es bei seiner Auswechslung vereinzelt Pfiffe gab.

Hakan Calhanoglu und sonst keiner. Er schießt, und er trifft, das kann keiner wie er. Leider, leider. Ihn werden wir wohl in der nächsten Saison nicht mehr im Volkspark aufdribbeln sehen, einen solchen Mann kann sich der HSV nicht mehr erlauben. Weil es auch fiel Geld für ihn geben wird.

Ivo Ilicevic istb kein Stürmer, kann auch nicht mehr schießen – er hat es einst gekonnt, aber in Hamburg alles verlernt. Grausam. Auch wenn er wollte und kämpfte und Leben zeigte. An Ende steht unter dem Strich eine glatte Null.

Ola John (ab 59. Min. für Diekmeier) sollte sich zeigen – mehr tat er auch nicht. Unterstrich einmal mehr, wie bitter und total überflüssig die beiden Winter-Transfers des HSV waren.

Kerem Demirbay (ab 67. Min. für van der Vaart) holte nur noch eine Rote Karte für Boateng heraus – mehr war da nicht.

Jonathan Tah (ab 76. Min. für Westermann) kam erstmalig seit Wochen wieder zum Zuge – für einige Minuten.

Um schnell noch auf den Vormittag zu kommen: In der Uni wurde der Delegierte der Supporters für den Aufsichtsrat gewählt. Es waren 172 Mitglieder gekommen, für den „Matz-abber“ Sven Kröger gab es 49 Stimmen, für Sven Winkelmann gab es 123 Stimmen. Und Ende. Obwohl Sven Kröger – frei nach Uli Hoeneß – sagte: „Der Weg ist hier noch nicht zu Ende.“

So, dann möchte ich noch auf unsere Sendung „Matz ab live“ hinweisen, die gleich beginnen wird. Unsere heutigen Gäste sind zwei Journalisten, die sich schon oft an Diskussionen beim Doppelpass und auf Sky beteiligt haben, es sind, von der Frankfurter Rundschau, Jan-Christian Müller, und dazu der freie Journalist Oliver Wurm. Wäre toll, wenn Ihr zusehen könntet, „Scholle“ und ich würden uns freuen.

17.35 Uhr

Keine Gnade – Bayern kommt mit der besten Elf

2. Mai 2014

Der größere Wille schlägt am Ende fast immer das Talent – zumal, wenn das Talent zu wenig Willen hat. So gesagt von Franz Beckenbauer, der einzig gültigen Instanz im deutschen Profifußball – neben dem lieben (Fußball-)Gott. Was aber passiert, wenn eine Mannschaft zu wenig Talent und zu wenig Willen hat? Antwort: Sie steigt ab. Und deshalb wundert es eigentlich auch niemanden mehr, dass der HSV da unten steht. Zumindest unter den Experten und hier im Blog nicht mehr. Und es liegt eine Trainingswoche hinter uns, die von der Intensität her nichts darauf schließen lässt, dass sich auch nur das Geringste bessern wird…
Die Sendung beginnt um 18:00 Uhr.

Dennoch, es ist noch nichts verloren. Nicht einmal die (nur noch theoretische) Chance auf den direkten Klassenerhalt. Aber dafür benötigt der HSV ein Wunder, wie Trainer Mirko Slomka einen Sieg gegen dien schier übermächtigen Bayern bezeichnete. Allerdings ist dieses Wunder längst nicht so ein Wunder wie viele denken. Denn Augsburg konnte diese Bayern nach einer Rotationswelle schlagen, Dortmund ebenso. Und sogar die talenttechnisch meiner Meinung nach limitiertesten Bundesligakicker von Eintracht Braunschweig konnten zumindest 75 Minuten ein 0:0 halten – warum also sollte das für den HSV nicht möglich sein, über 90 Minuten natürlich… „Ist es doch“, sagt Rafael van der Vaart, der sich nach überstandener Verletzung zurückmeldete und gegen Bayern in der Startelf stehen soll. „Wir müssen aber kämpfen, als ginge es um unser Leben.“

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Und die Einstimmung darauf sieht gar nicht danach aus. Nach weniger 45 Minuten war heute das Training vorbei. Eine kurze Warmmachphase, eine Passübung und ein Abschlussspiel sollen die Spieler in letzter Instanz auf den Kick gegen den Rekordmeister vorbereiten. Nicht mit dabei war Dennis Diekmeier, der am Donnerstag leichte Probleme hatte und dafür heute pausierte. Der Rechtsverteidiger absolvierte ein Laufprogramm und soll am Sonnabend fit sein. Verpasst hat er eh nichts.

„Für den HSV geht es um alles oder nichts“, hat Bayern-Trainer Pep Guardiola heute gesagt und dem HSV im selben Atemzug sämtliche Hoffnungen genommen, morgen mit einer vergleichbaren Mannschaft anzutreten wie gegen Augsburg. Guardiola nimmt alle Topstars mit nach Hamburg, ließ nur die Verletzten Badstuber und Thiago zu Hause. Offen erscheint eigentlich nur, ob Pizarro, der gegen Bremen vor einer Woche ein überragendes Spiel machte, von Beginn an aufläuft. „Wir wollen die letzten beiden Spiele nutzen, um wieder in den Rhythmus für das Pokalfinale zu kommen“, so Guardiola. Rücksicht auf den HSV ist dabei ausgeschlossen.

Leider. Denn der HSV hat es nach meiner Meinung trotz des faktischen Gegenteils nicht mehr selbst in der Hand, für sein Glück zu sorgen. Diese Mannschaft ist nicht in der Lage, sich selbst aus dem Schlamassel zu befreien. Dafür muss morgen auf schwächelnde Bayern und zeitgleich auf schwache Braunschweiger und Nürnberger gehofft werden. Aber auch das ist alles nicht ausgeschlossen, da alle drei so ihre Probleme haben. In Nürnberg beispielsweise hadern einige Spieler mit dem jüngst vorgenommenen Trainerwechsel. Daher: Ich glaube weiter an unsere Restchance. Und ich bete, dass Sergej Barbarez mit seiner Aussage Recht behält: „Der HSV steigt nicht ab. Ich kann zwar nicht begründen, warum sie es schaffen, aber sie schaffen es irgendwie.“

Hoffentlich.

Was noch offen ist, ist die Startelf. Im Abschlusstraining war nicht viel zu erkennen. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass entweder Ilicevic in die Spitze rückt, oder Slomka doch eher auf Kopfballstärke im Zentrum setzt und dort überraschend Robert Tesche aufbietet. Daher auch folgende drei in meinen Augen denkbare Varianten als mögliche Startaufstellungen (in absteigender Wahrscheinlichkeit):

1. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Tesche – Rincon, van der Vaart, Calhanoglu – Ilicevic
2. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Ilicevic, van der Vaart, Calhanoglu – Tesche.
3. Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Rincon – Calhanoglu, van der Vaart, Jiracek – Ilicevic.

Oder spielt (sehr, sehr, sehr, sehr extrem) überraschend (und unverdient) Ola John auf rechts von Beginn an? Nominell wäre er für die rechte Außenbahn ein Eins-zu-Eins-Ersatz. Dass der Niederländer schlichtweg noch immer keinen Bezug zur Mannschaft, zum Verein und vor allem nicht zur Lage des Klubs gefunden hat – vielleicht es egal. Vielleicht könnte ein Kick gegen den noch amtierenden Champions-League-Sieger ja mal Anreiz genug sein, trotzdem Vollgas zu geben. Und wenn’s auch nur diese 90 Minuten sind. Wobei, wenn ich schon bei Außenseiterchancen bin, dann muss hier auch Kerem Demirbay erwähnt werden, der es im Vergleich zum eben Genannten vom Engagement im Training ehr absolut verdient hätte. Denn der Linksfuß ist einer der wenigen, der noch heiß ist wie am ersten Spieltag. Zumal er ewig verletzt war, sagt er: „Ich will alles geben, um dieser Mannschaft zu helfen. Ich habe so lange zuschauen müssen, jetzt kann ich’s kaum erwarten. Aber letztlich geht es hier jetzt ganz sicher nicht um mich – es geht um das große Ganze.“ Stimmt.

Und damit ist wirklich alles gesagt. Jetzt heißt es: Hoffen, hoffen und noch mal hoffen. Auf einen Punkt – oder gar auf eine Sensation. Drücken wir alle zusammen alle vorhandenen Daumen, dass die Mannschaft noch einmal über sich hinauswächst.

Scholle

Wichtig is nur auf’m Platz – Zoua fällt aus

1. Mai 2014

Gemessen an den Fans bleibt der HSV erstklassig. Das ist kein Geheimnis. Aber dass auch heute wieder ein Fanmarsch zum Stadion so zahlreich angenommen wurde, das ist schon beachtlich. Allein ob die erhoffte Wirkung bei allen Spielern ankommt, wird sich erst noch zeigen. „Wir müssen spielen, als ginge es um unser Leben“, hatte Rafael van der Vaart kämpferisch vorgegeben. Dass er nach der 61 Minuten kurzen, heutigen Einheit um exakt 11.21 Uhr schon in sein Auto stieg, während viele andere Spieler noch nicht einmal in der Kabine angekommen waren, okay. Wenn er am Sonnabend das zeigt, was er propagiert, soll es mir recht sein. Aber tatsächlich nur dann. Vielleicht hatte van der Vaart ja auch nur einen wichtigen Termin. Wer weiß es schon…

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Das von Fangesängen begleitete Training zuvor war zwar kurz, aber es war im Abschlussspiel mehr Stimmung drin als gestern, was sehr relativ ist und allein noch nicht viel aussagt. Und mit Stimmung meine ich kein Jubeln, kein Lachen, Pöbeln oder sinnloses Umgeholze, sondern einen in Zweikämpfen und Laufwegen dokumentierten Siegeswillen beim Abschlussspiel. Dabei wirkte van der Vaart besser als gestern. „Ich bin gut drauf“, ließ der Niederländer beim Autogramm-Marathon nach dem Training einen jungen, fragenden Fan wissen und tätschelte ihm über den Kopf. Der kleine Junge war glücklich, die umstehenden Fans auch.

Ebenso wie Trainer Mirko Slomka. „Rafa hat sich in den letzten Tagen richtig gut reingekämpft und ist bereit für den Endspurt“, so Slomka, der sich zudem über die Rückkehr des zuletzt grippig pausierenden Heiko Westermann freute. „Heiko konnte heute ohne Probleme mitmachen und wird spielen können.“ Anders als Lasse Sobiech, der sich am Mittwoch bereits am Sprunggelenk verletzt hatte und – Jacques Zoua. Der letzte nominelle Stürmer im Kader hat Muskelprobleme und musste das Training nach gerade einmal 15 Minuten heute abbrechen. Sein Einsatz gegen Bayern ist eher unwahrscheinlich. Und das zwingt Slomka zum Umplanen. Bislang hatte er die wuchtige Erscheinung Zouas noch als Argument genommen, weshalb der Kameruner als einzige Spitze aufläuft. „Das geht jetzt nicht mehr“, so Slomka, „das ist natürlich ein taktischer Einschnitt.“ Zumal der andere Stürmer, Pierre Michel Lasogga zwar auf einem guten Weg ist, aber frühestens gegen Mainz auflaufen kann.

Daher wird Slomka mit einer so genannten „falschen Neun“ spielen müssen. Als ersten Kandidaten konnte man heute im Training Ivo Ilicevic ausmachen. Und da Mattia Maggio in seinem ersten Spiel von Beginn an mit gerade 14 Ballkontakten nicht überzeigen konnte, spricht vieles dafür, dass der Kroate zusammen mit Calhanoglu und van der Vaart den Offensivbereich bildet – oder doch Tesche? Im Training heute ließ Slomka Tesche als zweite Sechs neben Badelj spielen. Das würde angesichts der Gelbsperre Arslans durchaus Sinn machen. So wäre Slomka sehr flexibel. Denn eines ist klar: Gegen die Bayern darf der HSV nicht ins offene Messer laufen. Vielmehr gilt es, das Torverhältnis (Nürnberg und Braunschweig haben minus 28, der HSV minus 20) als Bonus nicht zu gefährden. Bei Punktgleichheit könnte gerade das zum großen Plus für den HSV werden. „Ich glaube, dass wir defensiv die Qualität haben, um wenig Gegentore zuzulassen“, umgeht Slomka eine direkte Antwort auf seine geplante Taktik.

Dafür wird Slomka nicht müde, die Bedeutung der Laufbereitschaft und des Willens zu betonen. „Real hat uns das vorgemacht, war körperlich sehr präsent und sehr laufstark. Das sollte unser Vorbild sein – obgleich mir klar ist, dass wir Real nicht in Gänze kopieren können.“ Stimmt, dafür fehlt die Qualität und das Tempo in der Offensive. Aber es klingt zumindest so, als dass der HSV gegen Bayern zunächst das macht, was ich schon gegen Hannover, Wolfsburg und Augsburg erwartet hatte: defensiv kompakt stehen. „Wir müssen einen Powerfußball spielen, der uns am nächsten Tag muskuläre Probleme beschert. Dann wissen wir, dass wir genug getan haben. Wir müssen den Auftrag der Fans, den sie uns mit dieser tollen Aktion mitgegeben haben, aufnehmen und versuchen, hier vielleicht noch einmal so ein Feeling wie gegen Dortmund aufkommen zu lassen. Also 90 Minuten frenetische Unterstützung und Powerfußball.“ Oh ja, es wäre zu schön. Und wenn Slomka seine Jungs in den Einheiten unter der Woche etwas ausspannen lassen wollte, damit sie alle Kraft in dieses hoffentlich nur vorletzte Saisonheimspiel legen können – auch das soll mir recht sein. Dann werde ich als Allererster hier oder in der Live-Sendung meine Kritik am laschen Training zurücknehmen und mich beim Trainer dafür entschuldigen. Aber tatsächlich nur dann.

Denn schöne Worte mag ich nicht mehr hören. Ich mag eigentlich gar nichts mehr hören, weil alles gesagt ist und die Tabellensituation überhaupt keine Interpretationen mehr zulässt. Slomka wirkte diese Woche ebenfalls mitgenommen, ihn hatten die Auftritte zuletzt ganz sicher auch zu denken gegeben. „Wir haben in den letzten drei Spielen jeweils früh einen Rückstand kassiert. Insgesamt ist uns das in dieser Saison so oft passiert, dass es bezeichnend ist.“ Auch deshalb betonte er heute noch mal, dass die Spiele der Konkurrenz immer mehr an Bedeutung gewinnen. Ob die Zwischenstände angezeigt werden am Sonnabend? Eher nicht. Es sei denn, sie dienen der Motivation der eigenen Mannschaft, sagt Slomka. „Ich will mich komplett auf unser Spiel konzentrieren und habe Profis genug drumherum, die entscheiden können, was angezeigt wird und was nicht.“

Einen Profi hatte Slomka zuletzt hinzugeholt: Bio-Energetiker Joseph Kuhnert. „Die Mannschaft hat ihn stark aufgenommen. Letzte und diese Woche war bei ihm richtig was los“, freut sich Slomka über seine Idee. Kuhnert soll in Gesprächen und dank verschiedener Methoden wie Kristallen für positive Energie sorgen. Es hat ein positives Energiefeld gebracht“, so Slomka, „aber ob das auch Punkte bringt, weiß ich nicht.“

Ich auch nicht.

Dafür weiß ich, dass morgen unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert wird. Zudem hat HSVPlus-Initiator Otto Rieckhoff am Freitag einen Auftritt in Trittau – zusammen mit Holger Hieronymus, der weiterhin betont, im Falle einer Dreiviertelmehrheit von HSVPlus am 25. Mai kein Amt bekleiden zu wollen. Allerdings gehe ich noch immer davon aus, dass er die erste Alternative Riekchoffs ist, sofern weiterhin kein erster Mann für den Vorsitz der AG gefunden wird. Am Sonnabend ist dann von elf bis 11.30 Uhr die Nachwahl des Delegierten der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporter Club in der Universität Hamburg, ESA Hörsaal A, Edmund-Siemers-Allee 123, 20146 Hamburg. Beginn der Abteilungsversammlung ist um 10.30 Uhr, Einlass ab 9.45 Uhr.

Ach ja, und wo wir schon dabei sind. Ziuletzt gesiterte herum, dass der HSV bis zum 28. Mai zehn Millionen Euro Erlös nachweisen muss, um die Lizenz zu erhalten. Im Falle eines Abstieges wären es sogar 20 Millionen. Da wird dann damit spekuliert, dass der HSV im Falle eines Scheiterns von HSVPlus keine Lizenz erhält und in die vierte Liga absteigt. Und klar, das ist nicht komplett auszuschließen, obgleich Klubboss Jarchow versprach, dass man alle Auflagen pünktlich erfüllen werde. Aber bis zum Lizenzentzug ist es noch ein weiter Weg, siehe Dortmund einst. Was ich damit sagen will: Es gibt tatsächlich viele gute Gründe für HSVPlus – aber den Lizenzentzug ausschließlich dadurch abwenden zu können, das ist sicher keiner davon…

Und ganz ehrlich: Egal mit welcher Struktur, ich tippe mal, dass der inzwischen 76 Jahre junge Herr Kühne den Aufschwung HSV nicht auf zehn Jahre angelegt hat, sondern möglichst bald noch mal großen Fußball bei “seinem Verein” sehen will. Vielleicht ja schon am Sonnabend. Denn am wichtigsten ist und bleibt auf’m Platz, wie man so schön sagt. Also: lassen wir uns bitte nicht ablenken. Und Punkt.

Oder doch drei? „Das wäre eine Sensation“, so Slomka, der auch seinen kriselnden Keeper Rene Adler (mit acht gravierenden, folgeschweren Patzern führt Adler die Liste der Torwartpatzer an) heute noch mal hervorhob. „Wir werden am Sonnabend einen Rene Adler in überragender Form brauchen.“ Stimmt. Aber dazu noch mindestens zehn andere mit einer Einstellung, wie sie in dieser Saison leider eher Ausnahme denn die Regel war.

Bis morgen.
Scholle

Jarchow wiederholt: „Wir kriegen die Lizenz.“

25. April 2014

Es sei kein Krisentreffen heute morgen gewesen zwischen dem HSV-Vorsitzenden Carl Jarchow und dem Chef des Aufsichtsrates, Jens Meier. Er, Jarchow, sei auch nicht zum Rapport bestellt worden, sondern es habe sich um ein regelmäßiges Treffen gehandelt, auf dem natürlich auch – der aktuellen Lage geschuldet – über die Lizenz-Probleme des Vereins gesprochen wurde. Das sagte Carl Jarchow heute nach diesem Treffen, das Scholle gestern angeschnitten hatte.

„Wir werden die Lizenz erhalten“, verdeutlichte Jarchow vorhin noch einmal. Aus seiner Sicht habe die DFL die Auslegungen der eingereichten Unterlagen verschärft, insbesondere was die Prognose im Ranking der TV-Tabelle angeht. Da fehlen dem HSV einige Millionen. Weil erst am Ende der Saison genau klar sein wird, an welcher Stelle der Verein steht und wieviel Geld er demnach erhält, werden ergänzende Unterlagen vom HSV auch erst bis Mitte Mai bei der DFL eingereicht.

Auch Werder Bremen hat mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen und ja sogar offiziell Protest bei der Liga eingereicht gegen den Erstbescheid der „Lizenz mit Bedingungen“.

In jedem Fall ist hier im Moment kein offenbar neuer Brandherd in den Führungsgremien des HSV entstanden. Am Ende hat sich dann auch der Aufsichtsrat mit den Informationen zufrieden gegeben. Die Schlagworte “Misstrauen” und “unzureichende Aufklärung des Aufsichtsrates durch den Vorstand” sind nicht gefallen. Das Thema ist verschoben worden auf die Zeit nach der Saison – und das ist für die ruhige Vorbereitung der Mannschaft auf den immens wichtigen Kick am Sonntag in Augsburg enorm wichtig.

Was das Training der Mannschaft heute anging, hat Coach Mirko Slomka die Gardinen zuziehen lassen. Das nicht-öffentliche Training wurde vom Übungsplatz außerhalb der Arena ins Stadion verlegt. Zu sehen war dort nichts, nur zu hören – es ging demzufolge hart zur Sache im Trainingsspielchen. Anschließend hat sich der Tross auf den Weg in den Süden gemacht.

21 Profis hat Mirko Slomka mit dabei. Unter ihnen drei Torhüter. Sven Neuhaus wird aller Voraussicht nach am Sonntag in Augsburg nicht zum Kader gehören, dazu kommen zwei Feldspieler, die noch gestrichen werden. Weitere Verletzte gibt es jedenfalls nicht zu beklagen. Einzig Heiko Westermann hat einen Schnupfen, das sollte aber kein Problem werden für das Spiel.

Nach dem 1:3 gegen den VfL Wolfsburg hat Westermann ordentlich Kritik einstecken müssen, vor allem in verschiedenen Talk-Sendungen im Fernsehen. Ihm wurden irgendwie alle drei Gegentore angelastet. Dazu mal zur Klarstellung und bei genauer Analyse der einzelnen Szenen:

  • Beim 0:1 spielt Luis Gustavo den tödlichen Pass durch die HSV-Deckung auf den Torschützen Perisic. Dieser war allerdings im Blickfeld von Außenverteidiger Diekmeier, nicht von Westermann. Im Übrigen: Wäre Rene Adler länger im Tor geblieben, hätten beide HSV-Verteidiger den Wolfsburger Angreifer noch vor dem Strafraum eingeholt. Alles Westermanns Schuld? Nein.
  • Beim 0:2 war auf der rechten Verteidiger-Position Gleichzahl. Zwei Wolfsburger (Olic, de Bruyne) gegen zwei Hamburger (Diekmeier, Tesche). Den entscheidenden Fehler begeht Tesche, der sich von de Bruyne löst und auf Olic zustürmt. Aus diesem Grund kann der Kroate den Ball durchstechen zu de Bruyne, der anschließend mit dem Ball auf Westermann, die Absicherung dahinter, zumarschiert. Zu zaghaft sei Westermann gegen de Bruyne zu Werke gegangen – so die Kritik. Aber Fußballer lernen bereits in jungen Jahren, dass es wenig Sinn macht, auf einen Spieler zuzustürmen, der mit dem Ball auf dem Weg nach vorn ist. Ein kurzer Haken, und der Verteidiger hat keine Chance mehr. Insofern musste Westermann etwas abwarten, er hatte nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, de Bruyne nutzte das. Entscheidend war vorab der Fehler von Tesche.
  • Das dritte Gegentor nach der Ecke und dem gewonnenen Kopfball von Naldo sah wieder Westermann im Blickpunkt. Olic kam nämlich eine Fußspitze eher an den Ball als Westermann und beförderte die Kugel zum 0:3 ins Netz. Es war kein klassischer Fehler des HSV-Verteidigers, auch kein Stellungsfehler – ihm fehlte es hier an Handlungsschnelligkeit gegenüber Ivica Olic.

Soweit zur Vergangenheit, nun wieder zur Zukunft. In Augsburg wird Pierre Michel Lasogga als Unterstützung zur Mannschaft stoßen. Bei ihm, ebenso wie bei Rafael van der Vaart, gibt es eine Resthoffnung, dass sie in der kommenden Woche beim Heimspiel gegen die Bayern wieder mit von der Partie sein können.

Was den Gegner FC Augsburg angeht, hier eine kurze Mitteilung vom Tage:

Fußball-Bundesligist FC Augsburg muss für die Begegnung mit dem Hamburger SV auf Angreifer Arkadiusz Milik verzichten. Der Pole erlitt im Training eine Knieverletzung. Im Duell gegen die abstiegsbedrohten Hanseaten können die Augsburger mit einem Sieg ihre Chance im Kampf um einen Platz im internationalen Geschäft erhöhen. «Wenn man hört, dass Hamburg von Existenzkampf spricht, weiß man, was auf uns zukommt», warnte Trainer Markus Weinzierl am Freitag. «Wir spielen zu Hause und wollen die drei Punkte behalten.» Für die Schwaben ist das Spiel am Sonntag (15.30 Uhr) das 100. in der Bundesliga. «Der Verein hat eine tolle Entwicklung hinter sich.»

 

Gestern war eine interessante Veranstaltung in der imtech Arena. Dr. Reinhard K. Sprenger, einer der renommiertesten deutschen Management-Berater, hat dort einen Vortrag vor Führungskräften gehalten. Es ging um Motivation von Mitarbeitern, um Personalauswahl, um alles also, was leitende Wirtschaftsleute beachten müssen, damit ihr Unternehmen funktioniert. Ich hatte am Rande der Veranstaltung die Gelegenheit, mit Sprenger (er hat auch ein Buch über Fußball-Management veröffentlicht: „Gut aufgestellt- Fußballstrategien für Manager“) über den HSV zu sprechen.

 

Herr Dr. Sprenger, wir sind hier im VIP-Raum beim HSV. Ist Ihnen bei der Anfahrt mal durch den Kopf gegangen, dass sie Ihren Vortrag beim Scherbenhaufen der Bundesliga halten?

Ich bin im Bewusstsein hergekommen, dass die 50 Jahre nicht zu 51 werden könnten. Das ist eine traurige und tragische Sache, wenngleich sie von außen gesehen nicht besonders überraschend kommt. Die Entwicklung beim HSV hat sich über viele Monate, wenn nicht Jahre angedeutet. Und wenn dann noch gutgemeinte Fehlentscheidungen dazukommen, dass wirtschaftliche Macht meint, sich Spieler kaufen zu müssen und auf diese Art und Weise entscheidende Leute aus der Verantwortung geholt werden – das halte ich für problematisch.

Sie sprechen auf Klaus-Michael Kühne an?

Ja, ich spreche auf Herrn Kühne an, der van der Vaart geholt hat. Diese von außen kommende Segnungshaltung war sicherlich gut gemeint, hat damit aber die Selbstverantwortung der Beteiligten ausgehöhlt.

Wenn es Misserfolge gibt in der Bundesliga, wird zunächst auf die Spieler geschimpft. Sie setzen vermutlich woanders an….

Man sagt ja sehr gerne, der Fisch stinkt zuerst am Kopf. Wenn man weiterdenkt, kann man sagen: Vor dem Kopf stinkt noch der Teich. Dieser Teich ist der gesamte institutionelle Rahmen, der Ruhe, Entspannung, langfristige Planung und Stabilität gibt. Und wenn es da vom Rahmen her schwierig ist, kann man  nicht erwarten, dass die Menschen sich so entfalten, wie sie sich entfalten könnten.

Was sind die Kernprobleme beim HSV, die nicht angepackt werden?

Ich habe in meinem Buch „Gut aufgestellt“ insgesamt auf den Fußball geguckt, nicht speziell auf den HSV. Entscheidender Punkt war für mich, dass etwas wie Stolz, in einer Mannschaft mit Tradition zu arbeiten, einen großen Wert darstellt. Wenn man den zerstört hat, und die Stolzbrücke zum eigenen Verein fehlt, dann schwächt man die Wurzel. Alles, was vom Ziel gezogen ist, funktioniert nicht. Was aus der Wurzel wächst, hat Kraft – diese Wurzel darf man nicht anfassen.

Kann man ohne Stolz bestehen im Abstiegskampf?

Dann setzt man auf Glück, auf Zufallsglück. Ich glaube, man ist nicht gut beraten, sich ausschließlich darauf zu verlassen.

Die Bundesliga geht noch drei Spiele in dieser Saison. Können die handelnden Personen beim HSV noch von oben eingreifen?

Naja, wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren. Insofern gibt es zum Kampf und Einsatz keine Alternative. Selbst wenn die Dinge auf dem Papier schwierig aussehen. Ernst Happel hat einmal in seinem Testament geschrieben: Jede Mannschaft ist zu irgendeinem Zeitpunkt zu schlagen. Was es dazu braucht, sind Entschiedenheit, Spaß und kein Respekt vor großen Namen. Ich glaube, dass kann der HSV in den letzten drei Spielen gut gebrauchen.

Oliver Kreuzer hat einen flammenden Appell gehalten an die Spieler. Ist das ein probates Mittel?

In einer solchen Situation muss man alles machen, was menschenmöglich ist. Ob das funktioniert, da habe ich meine Zweifel. Man kann nicht, um es einmal böse zu formulieren, eine Söldnertruppe zusammen stellen, und dann Ehre und lokale Verbundenheit erwarten. Das sind romantisierende Vorstellungen. Aber wenn man an den Einzelnen appelliert und sagt: du tust für dich dein bestes, wenn du immer dein bestes gibst, kann das so verkehrt nicht sein.

Ganz Hamburg hofft auf den Klassenerhalt in der Bundesliga. Was muss der HSV machen, um anschließend nicht wieder in ähnliche Probleme zu kommen?

Das würde meine Kompetenz überdehnen. Was ich sagen kann: Sollte der HSV absteigen, sollte er nicht so weitermachen wie bisher, sondern sich in höherem Maße selbst erfinden. Nicht diese berühmten „Quick Fixes“ versuchen, also die schnellen Lösungen, sondern langfristig planen. Das bedeutet, auch einen Trainer zu engagieren, der nicht schon nach neun Monaten Erfolglosigkeit ausgewechselt wird.

 

Vielen Dank in diesem Zusammenhang an den Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft, der mir bei dem Termin geholfen hat.

Morgen trainiert die Mannschaft in Augsburg. Wer bis dahin nicht genug kriegen kann vom HSV, sollte heute um 19 Uhr an die Hoheluft gehen. Der SC Victoria empängt die U 23 des HSV im Regionalliga-Lokalderby.

Ich verabschiede mich für diese Woche. Auf das die HSV-Stimmung am Sonntagabend so sein wird wie das Wetter heute!

Lars

 

2:1 – Westermanns Schuss ins Glück!

4. April 2014

Der HSV ist wieder im Geschäft, der HSV ist wieder da, der HSV kann wieder hoffen. War das ein Spiel, ein Match, eine Schlacht! Von diesen 90 Minuten wird man noch lange, lange sprechen. Bayer Leverkusen wurde mit 2:1 aus dem Volkspark gekämpft, das war eine hervorragende Leistung des HSV, der diesen Sieg allerdings teuer bezahlen muss, denn Milan Badelj, Rafael van der Vaart und Jacques Zoua verletzten sich, mussten ausgewechselt werden – es sah nicht gut aus. Das aber, was der HSV heute auf den Rasen „zauberte“, wie er sich aufrieb, wie er alles gab, wie er bis zur völligen Erschöpfung kämpfte, das war klasse und konnte sich sehenlassen. Genau so geht Abstiegskampf, genau so muss Abstiegskampf bewältigt werden, so muss Abstiegskampf angegangen werden – „niemals Zweite Liga“. Kein Hamburger Zuschauer verließ nach Schlusspfiff das Stadion, die Fans standen auf ihren Plätzen und applaudierten ihren Helden für diese Klasse-Leistung. Weiter so. Jetzt mit einem Auswärtssieg in Hannover. Nur der HSV! Es darf geträumt werden.

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Die Spiele werden immer weniger, die Punkte nicht mehr – vor dem Spiel gingen die meisten HSV-Fans schon ein wenig (oder ein wenig mehr) zittrig in die Arena. Wie schon seit Wochen hieß das Motto: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Es musste endlich einmal wieder ein Dreier her. Und das schien gegen dieses Leverkusen, das in den vergangenen Monaten nicht gerade geglänzt hat, durchaus möglich. Doch so schwach, wie ich die Werks-Elf erwartet hatte, war sie dann doch nicht. Gegen Braunschweig zuletzt war das Bayer-Team deutlich schwächer, aber hier in Hamburg brannte es plötzlich wieder – warum auch immer. Vor dem Anpfiff aber erlebte Heung Min Son, der „verlorene Sohn“, sein „blaues Wunder“, denn er wurde gnadenlos ausgepfiffen. Vorher – und dann im Spiel bei jeder Ballberührung. So unbarmherzig kann Profi-Fußball sein, die pfeifenden HSV-Fans haben dem Südkoreaner einst auf die Schultern geklopft und ihm nach Toren zugejubelt . . .

Diesmal wurde gleich zu Beginn ein Tor des HSV bejubelt. Ein traumhafter Treffer, über die halbrechte Seite vorgetragen. Hakan Calhanoglu trieb den Ball nach vorne, spielte die Kugel auf Rafael van der Vaart, der am Strafraumeck lauerte, der Niederländer ließ den Ball nur kurz abtropfen – und „Calle“ schoss. Wie ein Strich sauste der Ball aus 22 Metern in die lange Ecke des Bayer-Gehäuses, ein echter „Hammer“, ein typischer Calhanoglu – der Mann kann schießen, es ist ein Traum! Bereits sein neuntes Saisontor. Und dieser Hakan Calhanoglu ist ein „Einkauf“ des ehemaligen Sportchefs Frank Arnesen, und dieser großartige Einkauf wurde mit einer Verlängerung (von und mit HSV-Sportchef Oliver Kreuzer) schon beizeiten in Hamburg festgebunden und gehalten. Sollte mal erwähnt werden, in diesen schwierigen Tagen.

Nach dem 1:0 kam Leverkusen erst auf Touren. 120 Sekunden nach dem Tor musste Rene Adler sein ganzes Können unter Beweis stellen – und er stellte. Indem er einen mächtigen 20-Meter-Schuss von Kießling großartig parierte. Eckstoß. Und dieser hätte fast schon zum Ausgleich geführt, doch zum Glück stand Rafael van der Vaart am langen Pfosten und klärte gegen den einschussbereiten Rolfes. Bitter kurz darauf die Aktion von Son, der aus 20 Metern frei zum Schuss kam, es drohte noch einmal das 1:1 – aber der ehemalige Hamburger verzog die Kugel, der Schuss endete im Seitenaus (17.)!

Bayer kam, Bayer drückte – aber zwischendurch hatte sogar der HSV die Möglichkeit zum 2:0. Nach einem Eckstoß versuchte sich Michael Mancienne mit einem Fallrückzieher aus sieben Metern, doch der Ball strich knapp am Tor vorbei. Die Fans rauften sich die Haare, das war Pech (20.). Dann aber wieder Leverkusen. Flanke Rolfes, Kopfball Kießling aus sechs Metern – auch das hätte ein Tor sein dürfen, aber der Ball strich um Zentimeter am langen Pfosten vorbei (22.). Es ging hin und her, Leverkusen schien den einen kleinen Tick stärker als der HSV zu sein, aber die Hamburger standen gut und verteidigten mit Glück und Geschick. Besonders die Innenverteidigung mit Johan Djourou und Michael Mancienne (Super-Kopfballspieler!) stand eisern und ließen selten etwas Gefährliches zu. Pech für den HSV, dass sich Milan Badelj bei einem Fernschuss verletzte – offenbar eine Zerrung im Oberschenkel. Er musste vom Platz, für ihn kam Tomas Rincon (34.), der sofort auf Betriebstemperatur war. Das war ein Spiel für „Popeye“, er ging keinen Zweikampf aus dem Wege, er hielt seinen rechten Fuß überall mit hinein.

Nach 35 Minuten glänzte erneut Rene Adler, der einen Son-Kopfball aus fünf Metern super meisterte – eine Super-Parade. Und dann kam gegen Ende des ersten Durchgangs wieder der HSV. In der Nachspielzeit schoss van der Vaart aus 20 Metern, Leno ließ den eigentlich harmlosen Schuss aus den Händen gleiten, doch Petr Jiracek fehlten zehn Millimeter, um die Kugel ins Netz zu drücken – man, man, war das Pech. Halbzeit.

Und im zweiten Durchgang zunächst auch der HSV. Calhanoglu zog aus 20 Metern ab, ein großartiger Schuss – aber Leno ebenso toll, der Bayer-Keeper lenkt die Kugel zur Ecke (54.). 60 Sekunden später eine ganz heikle Szene: Erst geht Jiracek in Abseitsstellung zum Kopfball, der hinter ihm stehende Jacques Zoua bemächtigt sich des Balles (auch mit der Hand?) – und wird vor einem Schussversuch umgeschubst. Elfmeter? Der HSV protestiert wild, aber Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) bleibt ruhig und lässt weiterspielen. War wohl salomonisch . . .

Und was war dann das 1:1? Leverkusens Nachwuchsspieler Brandt riskierte einen Verzweiflungsschuss aus 22 Metern – ein harmloses „Ding“. Adler aber machte was draus, er ließ den Ball durch die Hosenträger ins Netz flutschen. Wahnsinn. Welch ein Wahnsinn. Das kann doch kein Mensch fassen. Da hält der Keeper vorher Super-Schüsse, und dann ein solches Ding. Dann fängt er sich ein solches Katastrophen-Ding. Das kann doch alles nicht wahr sein. Warum kann dieser HSV nicht einmal nur 90 Minuten Glück haben? Vor mir rief mir ein HSV-Fan zu: „Gegen so etwas kann man nicht anspielen, so steigt man ab . . .“ Bitter.

Und dann auch das noch: Rafael van der Vaart musste raus. Der Niederländer hatte sich schon unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff an den linken Oberschenkel gegriffen, jetzt ging es nicht mehr, Humpelnd verließ der Kapitän den Rasen (67.) – für ihn kam Robert Tesche. Kurz darauf war auch für Zoua das Ende gekommen, er musste – wohl ebenfalls gezerrt – vom Platz, für ihn kam mit der Nummer 33 der junge Mattia Maggio (77.). Es geht immer mehr dem letzten Aufgebot zu, aber es war Dampf und Kampf und Leidenschaft drin. Kurz vor dieser Einwechslung hatte der Schiedsrichter noch einen Elfmeter „übersehen“, als Mancienne Son von den Beinen gehot hatte – das war großes Glück. Das 1:1 hatte weiterhin Bestand, aber Leverkusen war eindeutig Herr im Hause.

Das Tor aber fiel auf der anderen Seite. Endlich einmal. Und zwar bilderbuchartig. In der 84. Minute flankte Dennis Diekmeier von rechts, und am Elfmeterpunkt (was hatte er dort eigentlich zu suchen?) nahm Heiko Westermann den Ball volley. Aus elf Metern sauste die Kugel unhaltbar ins Netz – ein Tor des Monats. Das Stadion stand Kopf. Das war eine einmalige Stimmung, das war weltmeisterlich – traumhaft. Mannschaft und Fans waren ein Einheit: „Super Hamburg – ole!“ Die meisten Spieler krochen nur noch auf dem Zahnfleisch über den Rasen – und dann noch vier Minuten Nachspielzeit! Um Gottes Willen. Nach zwei Minuten rettet Adler riesig gegen Can, alles wieder gut gemacht! Das war eigentlich das 2:2. Unfassbar. Dieses Spiel, die Parade, diese Spannung, diese Dramatik – Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn! Dann der Schlusspfiff! Herrlich, dieser Sieg – es gibt Hoffnung.

Die Einzelkritik kommt heute von „Scholle“:

Adler: Rettete in der ersten Hälfte mehrfach großartig. Und dann patzte er in der 58. Minute. Unfassbar!! Aber noch unglaublicher als der Bock war, wie er sich anschließend wieder rausarbeitete und am Ende sogar den Sieg wieder rettete!

Diekmeier: Lauf, Forest, lauf!!! Jedesmal, wenn der HSV einen Konter fährt, muss er über rechts abgehen. Und das macht er auch – leider noch nicht effizient genug.

Djourou: In seinem 21. Spiel für den HSV bot er, was er zuletzt immer bot: Zweikampfstärke. Fußballerisch ist das nicht weit her bei ihm – aber er erfüllt so seine Aufgabe. Früher hieß es immer vom Trainer: „Johan, hol Dir den Ball und spiel ihn zum Mittelfeldspieler.“ Genauso macht er es. Gut.

Mancienne: der Herr der Lüfte. Der Mann des kompromisslosen Zweikampfes. Der Engländer bietet konstant den Kampf, den es in der aktuellen Situation bedarf. Und heute war er wieder richtig gut. Ob das am Ende reicht, um sich beim HSV langfristig zu etablieren, lasse ich dahingestellt. Aber das ist in den letzten Spielen dieser Saison auch absolut zweitrangig.

Westermann: Über die linke Seite brannte nichts an – aber es ging auch zu wenig nach vorn. Und dann DAS!!! WAS FÜR EIN HAMMER!! Und vor allem, wie wichtig!!! Für ihn ganz sicher – aber noch mehr für den HSV!

Arslan: Der Deutsch-Türke hält den Rhythmus: Gutes Spiel, schwaches Spiel, gutes Spiel, schwaches Spiel. Ich kann nur hoffen, dass er diese Reihenfolge in Hannover unterbricht und wieder ein gutes Spiel abliefert. Heute jedenfalls war er stark.

Badelj (bis 32.): Anspielbar, zweikampfstark, abschlussschwach – und dann leider verletzt raus. Bleibt nur zu hoffen, dass der Kroate nicht zu lange ausfällt.

Rincon (ab 32.): Er biss sich rein und arbeitete seine Gegner weg – aber ihm fehlt es an Ideen, wenn er mal am Ball ist.

Calhanoglu: Wo stünde der HSV ohne ihn? Der Deutsch-Türke traf nach schicker Kombination mit seinem kongenial(werdend)en Partner van der Vaart und war auch ansonsten – wie so oft ohne Lasogga – der torgefährlichste Hamburger. Er kämpfte bis zur Erschöpfung.

Van der Vaart (bis 67.): Ganz starke erste Halbzeit – dann ging er angeschlagen in die zweite Hälfte und konnte nichts mehr bewegen, bis er ausgewechselt wurde. Trotzdem: Zwei solche Halbzeiten wie heute in der ersten – dann ist alles wieder ok.

Tesche (ab 67.): Er fand nicht richtig ins Spiel.

Jiracek: Der unauffälligste HSVer. Er verlor eine Vielzahl Zweikämpfe. Aber wisst Ihr was? SCHEIßEGAL!!!!

Zoua (bis 77.): Der Kameruner ackerte wie immer hervorragend, er holte einen Elfer raus – der fälschlich nicht gegeben wurde. Kurzum: Das war wieder gut. Seine Leistungssteigerung in den letzten Saisonspielen kann am Ende ein nicht unwesentlicher Faktor auf dem Weg zum Klassenerhalt gewesen sein. Wer hätte das gedacht…?

Maggio (ab 77.): Erstes Bundesligaspiel – erster Sieg. Herzlich Willkommen, Mattia!

Und dann zum Schluss noch ein Hinweis: Es gibt heute trotz des fortgeschrittenen Tages wieder ein „Matz ab live“, wir sind gleich auf Sendung, unsere Gäste sind heute Rodolfo Cardoso und Soner Uysal. Wir freuen uns auf Euch.

22.35 Uhr

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