Archiv für das Tag 'Tesche'

Rudnevs: Einmal Griechenland und zurück!

5. August 2015

Griechenland und kein Ende. Seit Monaten drehte sich die große europäische Politik um dieses Land. Die Dauergrinser Tsipras und Varoufakis waren fast minütlich im deutschen Fernsehen zu sehen – man hatte die Nase voll davon. Und nun kommt einer aus Griechenland – und grinst nicht. Das ist Artjoms Rudnevs. Der HSV-Stürmer, fast hätte ich HSV-Torjäger geschrieben, hatte sich einen Tag – gemeinsam mit seiner Frau – in Griechenland umgesehen, weil der Spitzenverein PAOK Saloniki gerufen hatte. Eigentlich hatte der Lette gar nicht vor, zu wechseln, aber hinfliegen und ansehen, das kann man ja mal. Gesagt, getan. Den ganzen Beitrag lesen »

Auf der Suche nach dem neuen Herzstück

7. Juni 2015

Champions-League-Finale in Berlin. 75.000 im Stadion, halb Spanien und halb Italien vor den Fernsehgeräten. Es geht um den höchsten Titel in Europa. Am Ende gewinnt der Favorit, freut sich ekstatisch, und der gemeine Hamburger sitzt auf dem Sofa vor der Glotze und denkt sich nur: Regt Euch doch nicht so auf, seid doch nicht so nervös – es ist doch nur Champions League.

Ja, was ist das alles im Vergleich zum Drama in Karlsruhe. Zweifelsohne eine andere Fußballwelt. Den ganzen Beitrag lesen »

Bitte den Weg frei machen! Und: Noch keine Entscheidung bei Lasogga

9. Juni 2014

Und schon geht’s wieder los. Eine Woche Urlaub – und der war gefühlt nach anderthalb Tagen schon wieder vorbei. Vor allem, weil ich noch immer nicht abschalten kann. Diese Saison hat so viele kleine und vor allem auch größere Narben hinterlassen, dass die Pflege selbiger noch Wochen, Monate und schlimmstenfalls sogar noch Jahre dauern wird. Vor allem aber kam ich selbst auf Lanzarote nicht umhin, mir jeden Tag die verschiedenen Zeitungen und Online-Medien durchzulesen. Denn dafür ist die aktuelle Phase zu brisant. Gerade jetzt, unmittelbar nach der Wahl von 25. Mai sortiert sich der HSV neu. JETZT ist die Zeit, die für die nächsten Jahre (mit)entscheidend wird. Denn jetzt geht es darum, das Personal zu bestimmen, das diesen heruntergewirtschafteten HSV wieder in erfolgreichere, erfreulichere Gefilde führen muss.

Auch auf der Fanseite. Und es fiel mir wirklich gerade in diesem Beritt sehr schwer (und war nur durch Dieters Veto möglich), mich im Urlaub nicht in Blog-Form zu Wort zu melden, als ich las, dass die SC-Führung überlegt, sich aufzulösen.


 

Auflösen?? Bitte?? Wer ist denn der SC, wer darf etwas so weitreichendes entscheiden?

In den letzten Jahren bin ich von den führenden Supporters immer wieder dafür sensibilisiert worden, bei Pyro-Aktionen oder sonstigen Verfehlungen von HSV-Fans nicht pauschal vom SC zu sprechen. Es seien ja nur einige wenige und die seien sicher nicht stellvertretend für den gesamten Supporters Club. Und das habe ich genauso gesehen, das stimmte sicherlich auch. Warum aber die gleichen Leute heute meinen, sie seien stellvertretend für den SC und könnten anfangen, eine Schließung des SC zu diskutieren – das erschließt sich mir nicht, um es mal ganz, ganz lieb zu formulieren.

Nein. Der Supporters Club an sich ist eine gute Institution – er wurde in den letzten Jahren schlichtweg immer weiter an seinen Mitgliedern vorbei geführt. Bis er selbige verloren hatte. „Dieser SC ist eine Allegorie auf das gesamte Miteinander beim HSV, eine Allegorie auf das größte Dilemma des HSV“, formuliert es Axel Formeseyn, der sich zuletzt immer wieder darum bemüht hatte, zwischen den Fronten der „HSVPLusser“ und der aus etlichen Supporters bestehenden Opposition zu vermitteln. Das allerdings noch erfolglos, wie er selbst findet. „Ich kann verstehen, dass viele der Gründungsmitglieder des SC aus 1993 heute sagen, sie können und wollen den Supporters Club so nicht guten Gewissens führen. Sie wollen nicht nur noch Konsument sein. Und das will ich auch nicht. Aber ich will wieder mal einfach nur Fan sein. Ich will als Supporter nicht automatisch ein Fan-Politiker sein und würde mir sehr wünschen, dass der SC eine vernünftige Übergabe hinbekommt. Denn dieser Verein braucht eine gute Fan-Organisation mehr denn je. Auch, wenn es sicherlich nicht falsch sein muss, dem Kind einen neuen Namen zu geben.“

Zumal die Chancen definitiv nicht so schlecht stehen, wie es die niederschmetternde Wahl am 25. Mai auszusagen scheint. Gerade, weil mit Dietmar Beiersdorfer ein Vorstandsvorsitzender inthronisiert werden soll (und wird), der für beide Seiten unverdächtig ist. Schon bei seinem ersten Amtsantritt 2004 hatte sich der damalige Vorstand Sport immer wieder intensiv mit den Supporters (damals auch mit Formeseyn) ausgetauscht und ihren Wünschen im Vorstand zu Gehör verholfen. „Didi Beiersdorfer, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, interessiert sich für die Fans, für die Mitglieder des HSV. Er will eine gemeinsame Philosophie aller HSVer im Verein, auch in der Rechtsform einer AG, weil er ein gutes Gespür für die Bedürfnisse innerhalb des Klubs hat. Deshalb ist dieser Neustart seine – aber eben auch unsere Kardinalsaufgabe. Eine Vereinsphilosophie funktioniert nicht ohne Fans. Aber auch innerhalb der Fangruppierungen darf ich nicht so tun, als sei der so genannte inner circle entscheidend. Und das wurde in den letzten Jahren einfach zu oft falsch gemacht“, so Formeseyn.

Stimmt!

Und genau das ist es, was ich meinte, als ich HSVPlus als alternativlos bezeichnet hatte. Ich nenne es mal „Die Opposition“, weil nicht alle Gegner von HSVPlus Supporters waren und sind, aber gerade die Opposition hätte im Sommer 2013 die Zeichen der Zeit erkennen müssen. Damals stand Otto Rieckhoff auf und formulierte den Gedanken, dass sich alles ändern müsse – und erntete massiven Applaus. Gleiches im Januar mit dem ersten Wahlsieg für HSVPlus. Formeseyn fragte im Sommer 2013 übrigens sogar einen führenden Aufsichtsrat in einem persönlichen Brief, ob ein Rücktritt nicht sinnvoll sei, wenn er sich dem Wunsch der Mehrheit entgegenstellen wolle. Formeseyn wollte so zusätzlichen Schaden vom SC abzuwenden. Erfolglos. „Damals auf der MV war durch die Reaktion der anwesenden Mitglieder schon erkennbar, dass sich auch der SC verändern muss. Dass ein Konzept her musste, wie es besser wird. Und anstatt sich hinzustellen und zu schreien, dass sich mit Rieckhoff ausgerechnet derjenige meldete, der den Karren als Aufsichtsratsboss selbst in den Dreck gefahren habe, hätte man auf seine Leute zugehen müssen. Man hätte eingestehen müssen, dass man in zu vielen Bereichen an der eigenen Masse vorbeiagiert.“

Leider blieb Formeseyn hier erfolglos.

Und so ist Formeseyn plötzlich ein ganz wichtiger Faktor auf dem Erfolgsweg von HSVPlus geworden. Nicht, weil er bedingungslos hinter dem Konzept steht oder die Art der Neuen huldigen will. Im Gegenteil: „Die offensiven Ansagen von Herrn Gernandt lange vor seinem Amtsantritt bestätigen leider Kritiker.“ Nein, Formeseyn geht es um den HSV, wie er betont. Es sei wünschenswert, wenn sich alle Verantwortlichen eine Zeitlang verbal zurückhielten und stattdessen Taten sprechen lassen würden. Er äußert sich auch nur, weil er die Mitte zwischen zwei Radikalen suche und sich der SC weiter selbst bombardieren würde.

Denn weiterhin würde weniger mit eigenen Inhalten denn mit Kritik am gegnerischen Modell agiert. Anstatt das klare Votum der Mitglieder zu erkennen und zurückzutreten, schwangen sich Ertel und andere SC-Führende wie Christian Reichert sogar zu großen Reden auf. „Es wären niemals 75 Prozent im Januar geworden, wenn es vorher einige Rücktritte gegeben und das Signal ausgesendet worden wäre, dass man aufeinander zugehen wollen würde. Es fehlte das Zeichen, dass man seine Leute versteht. Dabei war der Sommer 2013 die perfekte Vorlage und die Supporters hatten alle Trümpfe in der Hand. Aber: Stattdessen wurde Misstrauen propagiert und weniger mit eigenen Inhalten geglänzt. Und: Bei 60000 von insgesamt 70000 Mitgliedern in den eigenen Reihen nicht einmal 25 Prozent für sich und seine Überzeugung gewinnen zu können ist ebenso armselig wie ein klares Zeichen, dass hier nicht HSVPlus gewählt, sondern Verantwortungsträger abgewählt wurden.“

Stimmt. Eigentlich könnte ich an dieser Stelle einen Punkt machen. Aber das kann es nicht sein. Denn dieser SC verfügt weiterhin über das Potenzial der Mitte. Vielleicht nicht bei den Biebersteins, Ertels und Reicherts. Vielleicht nicht in der SC-Führung. Aber dafür sollten andere nachrücken und das fortführen, was den SC so wichtig macht. Denn eines ist mal ganz klar: die Fans sind und bleiben das größte Kapital des HSV. Das wissen alle. Auch die Damen und Herren von HSVPlus…

Apropos Wissen, in dieser Hinsicht hat auch ein so erfolgreicher Geschäftsmann wie Karl Gernandt in den letzten Tagen und Wochen dazugelernt. Nachdem er im Zuge des Wahlkampfes den Namen Dietmar Beiersdorfer sehr offensiv angekündigt hatte, bekommt er jetzt die Reaktion der Russen zu spüren, die sich noch immer zieren, den Auflösungsvertrag final zu unterschreiben. Aktuell weilt Beiersdorfer in Russland, führt dort die Gespräche mit seinem Noch-Arbeitsgeber. Und die Tatsache, dass russische Medien die Aussagen Gernandts aufgegriffen haben und sie so interpretiert haben, dass eine Einigung zwischen dem HSV und dem neuen Aufsichtsrat bereits besteht, erleichtert es dem designierten neuen Vorstandsboss in St. Petersburg nicht unbedingt. Dennoch, nur um hier Missverständnissen vorzubeugen: Ich zweifle nicht daran, dass Beiersdorfer kommt. Ich glaube nur, man hätte es sich deutlich leichter machen können, wenn man etwas vorsichtiger bei der Wortwahl geblieben wäre.

Aber, und auch da bin ich mir sicher, Karl Gernandt wird diesen Fehler, der zu Teilen wohl auch bewusst gemacht wurde, weil er wahlkampffördernd war, nicht wiederholen. Und damit hat er vielen Aktuellen HSVern ganz offensichtlich und hör- sowie lesbar schon einiges voraus…

Den Blick voraus gerichtet, sollte am morgigen Dienstag eine Entscheidung in Sachen Pierre Michel Lasogga fallen. Darauf angesprochen, reagierte Sportchef Oliver Kreuzer verwundert. „Ich glaube nicht, dass der Dienstag alles entscheiden wird. Es ist vielmehr ein laufender Prozess. Ich bin ständig im Austausch mit Pierre und seiner Mutter“, so Kreuzer, der weiterhin Hoffnung hat, den Publikumsliebling in Hamburg zu halten. „Pierre kommt es nicht allein aufs Geld an, er schätzt Werte sehr hoch. Und auch wenn es sicherlich schwer wird für uns, gebe ich die Hoffnung nicht auf, solange er uns nicht absagt und woanders unterschrieben hat. Pierre weiß schon sehr genau, was er an Hamburg hat.“ Zudem hegt auch Kreuzer große Hoffnungen, dass auch Lasogga die Strukturreform als Argument für einen Verbleib ansieht. Lasogga sprach vergangene Woche mit Beiersdorfer, Kreuzer tauscht sich schon seit längerer Zeit mit seinem künftigen Vorgesetzten aus. Er informiert Beiersdorfer über alles, was in Sachen Kaderplanung passiert. „Wir kommen weiter“, widerspricht Kreuzer der Meldung, ihm sei ein Transferstopp auferlegt worden, obgleich es in Sachen Matthias Ostrzolek noch keine Annäherung mit dem FC Augsburg gibt.

Und ganz ehrlich, solange es den Austausch zwischen dem aktuellen Sportchef und seinen designierten Vorgesetzten gibt, habe ich kaum bis keine Bedenken. Denn sowas wie bei Stieber darf nicht mehr vorkommen. In doppelter Hinsicht. Zum einen muss die Kaderplanung, schon um massive Spannungen mit dem neuen Vorstand zu vermeiden, mit den neuen Verantwortungsträgern abgestimmt werden. Zum anderen darf aber der neue Verantwortliche – schon gar kein Aufsichtsrat – nicht anfangen, irgendeinen Kaderspieler schlechtzureden. Nie. Oder besser noch: nie mehr. Warum auch? Denn wie viel totes Kapital man riskiert, wenn man unter Vertrag stehende Spieler kleinredet, das hat der HSV in den letzten Jahren mit Rajkovic, Tesche, Kacar usw. schmerzlich erfahren…

Fazit: Es geht darum, die großen Chancen im Neuanfang zu sehen und gemeinsam zu nutzen. Wobei die Betonung auf gemeinsam liegt. Und das auf allen Ebenen. Und bitte, wer da nicht mitmachen kann oder will – der soll doch bitte endlich und einfach den Weg freimachen. Im Sinne des HSV.

Bis morgen.
Scholle

Das Mittelfeld – Saison-Rückblick Teil IV

2. Juni 2014

Das wird ja lustig! Ohne Stürmer hat Deutschland wahrscheinlich noch keine Weltmeisterschaft gespielt, aber öfter mal was Neues! Nach dem Kick gegen Kamerun habe ich meine ohnehin schon geringen Hoffnungen auf eine erfolgreiche deutsche WM noch einmal ganz gewaltig zurückgeschraubt. Im Grunde genommen schon so weit, dass ich mir sage: Deutschland spielt bei dieser WM in Brasilien genau jene Rolle, die der HSV in der abgelaufenen Bundesliga-Saison für sich in Anspruch genommen hat. Mir graust vor diesem Turnier – mit einem Miroslav Klose als Spitze, der es im Rücken, in den Waden, in den Knöcheln, in den Knie und bestimmt auch in der Brust hat – aber mit darf. Unfassbar, aber wahr. Wie und was soll das werden? Jede andere Mannschaft, die dort in Südamerika aufdribbelt, kommt mit einem Angriff, sogar Kamerun, das bestimmt keine Chance auf den WM-Titel haben wird, hat einen erstklassigen Sturm – und Deutschland hat nicht mal ein laues Lüftchen. Aber vielleicht wird Kevin Großkreutz ja doch noch ein weiteres Mal umfunktioniert, man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.

Gedacht habe ich gestern oft an Pierre-Michel Lasogga. Wie leicht wäre es für ihn gewesen, mit nach Brasilien zu fliegen – wenn er fit gewesen wäre. Dann wäre er wohl Deutschlands Sturm-Hoffnung gewesen. Ja, ja, ich weiß, hätte, wenn und aber.

Nach diesem Länderspiel in Mönchengladbach schrieb mir mein alter Freund und Wegbegleiter (in der Jugend) Rolf Höfert aus Bern in der Schweiz. Okay, den meisten wird der Name Höfert aus zweierlei Gründen nichts sagen: Erstens ist er ein „alter Sack“ wie ich, wir haben uns in derselben Altersklasse duelliert (er bei Paloma, ich bei BU) – und dann, das ist jetzt zweitens, wurde er Fußball-Profi beim FC St. Pauli und dort sogar Erstliga-Spieler und lange Jahre Kapitän. Wenn Höfert heute auf Heimatbesuch ist, dann ist er immer auch im Volkspark – um ein HSV-Spiel live zu sehen. Er ist „Matz-abber“ geworden, hat mit dem HSV im Abstiegskampf gelitten, weil er ja Hamburger ist. Und als Hamburg hält man es auch als St.-Pauli-Spieler gelegentlich mit dem HSV – er öfter als gelegentlich. Eben ein Vollblut-Fußballer.

Ja, und heute schrieb mir Rolf Höfert, ob Fußball-Deutschland da nicht einst einen großen Fehler begangen hat, als er Eric-Maxim Choupo-Moting, immerhin auch ein Hamburger (!), damals nach Kamerun ziehen ließ, statt ihn hier „einzudeutschen“. Um ehrlich zu sein, ist Choupo-Moting nur ein weiterer (ehemaliger) HSV-Spieler, bei dem ich mich – fast schon dramatisch – getäuscht habe. Niemals hätte ich geglaubt, dass der junge Mann aus Altona eines Tages neben dem großen Eto’o Seite an Seite für Kamerun stürmen würde – aber er stürmt. Und wie! Er wird immer besser, der „Choupo“, und ich sage Chapeau! Aber hallo.

Der Noch-Mainzer hat enorm dazugelernt, das muss man ihm schon attestieren. Und er ist zudem ein sehr guter Athlet geworden, muskulär und rank und schlank, aus der Entfernung würde ich sage: „Da stimmt alles.“ Weil er ja nicht nur Tore schießt, sondern auch dribbeln kann, und weil er Ideen hat im Spiel. So war er früher doch nicht, oder? Vielleicht musste er nach Mainz, vielleicht wäre sein Stern in Hamburg und beim HSV sonst niemals aufgegangen. Wer weiß es schon? Der Wechsel hat ihm auf jeden Fall nicht nur gut getan, er hat davon enorm profitiert.

Und während des Spiels am Sonntag habe ich mich daran erinnert, dass „Choupo“ ja kürzlich noch einen Besuch im ZDF-Sportstudio hinter sich zu bringen hatte. Damals habe ich mir während des Interviews ganz leise gedacht: „Man, man, ganz schön selbstbewusst geworden, der junge Mann.“ Der nun ja auch eine internationale Karriere starten wird. Und „schuld“ daran hat laut „Choupo“ der ehemalige Trainer der Mainzer, Thomas Tuchel. „Er hat mir beigebracht, wie ich zu laufen habe – und wie viel. Er hat mir erklärt, dass es nicht langt, nur vorne zu laufen, sondern dass ich auch nach hinten zu laufen habe“, hat Eric-Maxim gesagt und fügte hinzu: „Kein Stürmer mag es, viel zu laufen, schon gar nicht viel nach hinten zu laufen. Das ist Drecksarbeit, die habe ich schon immer nicht gemocht. Tuchel aber hat es mir im harten Training beigebracht, dass ich das ersten erlerne, und dass ich es zweitens auch machen kann. Das war durchaus nicht leicht, aber heute kann ich es, heute weiß ich es auch, dass es dazugehört, und deswegen mache ich es heute auch gerne.“ Und weil er das heute gerne macht, ist Eric-Maxim Choupo-Moting auch zu einem der besten Bundesliga-Stürmer geworden. In Hamburg, das behaupte ich mal ganz frech, hätte das nie geklappt, weil sich da, ich wiederhole mich ungern, aber es muss sein, seit Jahr und Tag kein HSV-Trainer für zuständig fühlt, aus Talenten auch tatsächlich große Fußballer zu formen. Entweder es klappt von allein, oder sie fallen beim HSV mit Pauken und Trompeten durch. Eiskalt. Ende und weg mit ihm . . . „Choupo“ musste diesen Weg gehen, aber heute kann er dem HSV einen gewissen Finger zeigen – alles richtig gemacht. Kompliment.

Ob, und damit komme ich noch einmal zu Rolf Höfert, Fußball-Deutschland jemals eine Chance hatte – oder bekommen hätte, aus „Choupo“ einen deutschen Nationalspieler zu machen, das vermag ich nicht zu sagen, ich könnte mir aber auch vorstellen, dass damals kein einziger deutscher Funktionär drauf gekommen wäre. So spielt das Leben – im Profi-Fußball.

Es ist ein hartes Geschäft, trotz aller Vorzüge, wie zum Beispiel ein Millionen-Gehalt. Das weiß wahrscheinlich beim HSV derzeit keiner besser als Rafael van Vaart. Es ging ja auch in Hamburg für ihn auf und ab. In der „Bild“ hat er heute ja nach seinem WM-Aus ein Interview gegeben und dabei – unter anderem – gesagt, dass er „richtig Bock“ auf den HSV hat, dass er bleiben wird. Da bin ich mal gespannt, ob er das auch einhalten wird. Wenn aber ja, da freue ich mich auch auf ihn, das muss ich schon gestehen, denn ich erwarte ja von der „neuen“ HSV-Mannschaft, dass sie endlich wieder einmal das macht, was den Fußball auszeichnet: „Laufen, laufen, sprinten, spielen, kämpfen, Zweikämpfe annehmen, laufen, laufen und sprinten. Und dabei stets versuchen, Tore zu schießen, um nach 90 Minuten, in denen man auch bis zuletzt laufen, laufen, laufen und sprinten konnte, als Sieger den Platz zu verlassen. Ich habe das Gefühl, dass daran im Moment tatsächlich gebastelt wird. Dass die HSV-Verantwortlichen Leute holen werden und wollen (oder umgekehrt), die tatsächlich laufen, laufen und laufen wollen. So in der Art, wie es Eric-Maxim Choupo-Moting zuvor als „Drecksarbeit“ tituliert oder abgestempelt hat. Danach sehen ich mich ja, um es ehrlich zu sagen, aber ich weiß, dass ich damit nicht allein bin. Und auch Trainer Mirko Slomka hat da wohl eine gewisse Sehnsucht, die er nun ausleben will. Hoffentlich. Womit ich beim Saison-Rückblick Teil drei bin, mit dem Mittelfeld des HSV. Mein ganz, ganz großes Sorgenkind, das gestehe ich, für mich hat dieser Mannschaftsteil fast total versagt, sodass ich ihm eine Einheitsnote von einer glatten Sechs geben möchte. Hier die Spieler, die sich im HSV-Mittelfeld versuchten:

 

Tolgay Arslan verkündete, es war überall zu lesen und zu hören, ausgerechnet vor dem Rückrunden-Auftakt gegen Schalke 04, dass er einen deutlich höheren Vertrag vom HSV erwarte, weil er immerhin ein gutes Jahr gespielt hatte, und da wollte er schon eine „gewisse Wertschätzung“ von Seiten des Clubs erfahren. Und dann ging dieser Schuss so dermaßen nach hinten los, mehr ging ja gar nicht. Wir hatten später mal bei „Matz-ab-live“ zwei ehemalige Profis zu Gast, die unabhängig voneinander erklärten, dass ein solcher Spieler früher, der seinen Mund zu unangebracht voll nimmt, eine schlechte Woche für sich gehabt hätte: „Für den hätte es einen echten Spießrutenlauf gegeben, der hätte schon sehr hoch springen müssen, um nicht so oft getroffen zu werden . . .“ Beim HSV geschah aber nichts. Weder Trainer Bert van Marwijk reagierte, noch der Verein. Tolgay Arslan spielte gegen Schalke natürlich 90 Minuten mit – der HSV verlor 0:3, der steile Absturz nahm seinen Lauf.
Zu Arslans Entschuldigung möchte ich anführen, dass er auf der Sechs nicht auf dem Posten gespielt hat, den er vom Typ her spielen müsste. Und wenn man einen Spieler, der eher die Veranlagung für die Zehn hätte, als für die Sechs, dann dort hinten einsetzt, dann müsste es eine ganz spezielle Ansprache des Trainers geben. Wenn es nötig ist, sogar täglich und vor jedem Spiel ganz eindringlich. Dann hätte es vielleicht etwas werden können – aber es wurde nichts. Das war die schlechteste Spielzeit, die Tolgay Arslan hier beim HSV absolviert hat, das war eine glatte Sechs. Hoffentlich kann ihn Mirko Slomka noch einmal aufbauen, denn Fußball spielen, das könnte der „schönste Fußballer“ der Bundesliga auf jeden Fall, er muss nur jede Mal ganz kräftig in den Hintern getreten werden. Sonst wird das nichts mehr, dann wäre Galatarasay wirklich der bessere Weg für ihn.

 

Milan Badelj startete einst riesig beim HSV, um dann stetig nachzulassen. Im Moment ist er auf seinem Tiefpunkt angelangt. Keine WM-Teilnahme für Kroatien, das ist sicherlich ein Schlag ist Kontor für ihn. Aber ich kann Nationaltrainer Niko Kovac durchaus verstehen, denn richtig fit war Badelj zuletzt nie, richtig trainiert wahrscheinlich auch nicht. Diesbezüglich hoffe ich ebenfalls auf die neue Saison, unter dem Motte „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“. Er könnte es doch. Obwohl ich ihn auch eher nicht – oder nicht unbedingt – auf der Sechs sehe, er ist doch auch ein Spieler-Typ, der mit dem Ball nach vorne etwas anfangen könnte. Jemandem mit Härte auf die Füße zu treten, das ist er in meinen Augen (die natürlich nicht maßgeblich sind) nicht – wird es wohl auch nicht mehr. Zuletzt, da muss man nicht drum herumreden, war das Spiel von ihm ebenfalls eine glatte Sechs. Zu langsam, zu unkonzentriert, zu lasch. Was ich nur und ausschließlich darauf zurückführe, dass beim HSV genau so trainiert wurde.

 

Tomas Rincon versuchte sich mal auf der Sechs, mal als – man höre und staune (!) – „Rechtsaußen“. Letzteres bei Mirko Slomka. Zu einer solchen höchst ungewöhnlichen Maßnahme gehört sehr, sehr viel Vorstellungskraft, mir ist sie in diesem Fall total abhanden gekommen. „Popeye“ ist einer, der einem Gegenspieler auf die Füße treten kann, der dazwischenhauen kann, der sich einen Gegenspieler ganz gehörig zur Brust nehmen kann – aber rechts draußen? Nein, nein, das kann es nicht sein. Für mich wäre Rincon eine Sechs gewesen, wenn man ihm die Sache schmackhaft gemacht hätte – und ihm auch das Vertrauen ausgesprochen hätte, so aber war es nie, Rincon hat Hamburg verlassen – und bekommt von mir noch eine glatte Sechs mit auf den Weg. Das war gar nichts, in dieser schlechten Verfassung haben wir den Südamerikaner zuvor nie erlebt – auch das führe auch auf das einzigartige Trainingspensum, was es vor der Slomka-Ära gegeben hat. Wahnsinn, das alles.

 

Als sich Petr Jiracek – aus Wolfsburg kommend – für Hamburg entschieden hatte, da gehörte ich nicht zu einer Gattung, die die Nase rümpfte. Ich war mit einer wahren Vorfreude ausgestattet, hatte der Tscheche doch gerade eine super EM gespielt. Seit dieser Zeit jedoch kommt nichts. Null. Das zog sich auch durch die gerade abgelaufene Saison. Im Mittelfeld war zwar nichts von „Jira“ zu sehen, aber „hinten links“, als Ersatz für Marcell Jansen, da blühte er ein wenig auf. Kommt da noch was, oder kommt da jetzt doch nichts mehr? Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es bei ihm vielleicht nicht nur das mangelhafte Training, sondern auch eine großartige Ansprache ist, die ihn doch noch auf die Füße stellen könnte. Herr Slomka, übernehmen Sie – auch diesen Fall! Damit Sie aus einer glatten Note sechs eine bessere machen – zum Wohle des HSV.

 

Ja, dann ein weiteres Sorgenkind, Rafael van der Vaart. In dieser Saison war nichts von ihm zu sehen. Zu viele andere Sachen, die ihn ablenkten, die dem Beruf schwer schadeten. Schade, schade. Es ist viel gesagt und viel geschrieben worden über den „kleinen Engel“, ich fasse mich kurz. Sollte es den einen oder anderen Fußballer geben, der den HSV doch noch anlaufen will und wird, dann könnte van der Vaart vielleicht doch wieder die Lust an seinem Job wiederfinden. Aber nur dann. Bleibt er allein mit seinem großen Können (und das hat er natürlich immer noch), dann bleibt er auch ein total hoffnungsloser Fall. Für Hamburg jedenfalls. Und kommt zudem Ruhe in sein Privatleben, und danach sieht es ja wohl aus, dann könnte dieser Punkt durchaus ein unterstützender sein. Hoffen wir es mal – für ihn, für uns, für den HSV. Für das vergangene Jahr kassiert van der Vaart von mir ein glatte Fünf.

 

Für Kummer sorgt auch Hakan Calhanoglu, allerdings erst während der Relegation. Abhauen, die Flatter machen – so sein Ansinnen, nachdem er seinen Vertrag im Februar bis 2018 verlängert hatte. Das klingt alles höchst unlogisch, und das ist es sicherlich auch – aber der Bursche ist ja noch viel zu jung. Er wird geleitet, von außen, und da hört er heute so und morgen so. Wäre er heute bereits 30 Jahre alt, würde ich ihn zerreißen, so aber habe ich nur Mitleid. Er wird natürlich den HSV verlassen, es geht ja nur um das liebe und schnöde Geld, aber dann, wenn er erst in Leverkusen ist, dann ist der ganze Mann gefragt. So gut nämlich, wie er denkt, ist er noch nicht. Messi und Ronaldo als Vorbilder haben, ist das eine, so zu spielen und sich so reinzuhängen, das andere. Es fliegt niemandem etwas über Nacht zu, dazu muss geackert, geackert, geackert und gearbeitet werden, Tag und Nacht. Und ob der gute „Hacki“ dazu bereit ist? Da habe ich doch ganz leichte Zweifel. Vielleicht reichen ihm ja auch schon diese ersten und vielen Millionen, sind ja auch schon mal was. Und Messi und Ronaldo? Sollen die doch glücklich bleiben, muss ja nicht jeder so werden. Für die gerade beendete Saison, seine letzte beim HSV, erhält Calhanoglu von mir die Note vier.

 

Ein großer Hoffnungsträger bleibt Kerem Demirbay im HSV für mich. Der Pechvogel war zu lange verletzt, er wird noch kommen, ich bin davon überzeugt und hoffe, mich hier nicht (auch) zu irren. Und dann hoffe ich zudem, wenn der gute Kerem seinen Weg geht, dass Leverkusen nicht auch in diesem Fall gleich wieder mit den ganz dicken Scheinen wedelt. Weil Demirbay viel zu lange verletzt war, bleibt er ohne Benotung.

 

Als Trainings-Weltmeister geht Robert Tesche in die HSV-Geschichte ein, weil es auf dem „kleinen Rasen nebenan“ immer bestens für ihn lief, um dann im Stadion kaum etwas auf die Reihe zu bringen. Zu lethargisch, der Herr Tesche, da fehlen Wallungen im Blut. Jetzt wird er es woanders versuchen müssen – hier gab es für ihn nur die Note sechs.

 

Wie Tesche gehörte auch Gojko Kacar zu den „Verbannten“ des HSV. Immer noch Horror und Wahnsinn zugleich, dass sich Trainer und Club einen solchen Luxus erlaubten, obwohl es stetig bergab ging. Kacar war zu Saisonbeginn zur Zweiten abgeschoben, dribbelte dort in einer solch schlimmen Verfassung auf, dass man von einem Freizeit-Fußballer sprechen konnte. Die vielen Pfunde hatte er dann schnell wieder runter, aber er blieb außen vor. Unglaublich, immer wieder unglaublich, denn eigentlich hätte es Kacar drauf gehabt. Als Innenverteidiger jedenfalls. Aber das wollte er ja nicht – im Hinblick auf die Nationalmannschaft. Doch die hat er deswegen auch nie wieder gesehen – schade um sein Talent, er hat es verschenkt. Note sechs.

 

Valmir Nafiu war dabei, aber nie wirklich mittendrin. Gewogen und für zu leicht befunden, da kam nie wirklich etwas. Note sechs. Und nun bin ich gespannt, wo er demnächst ganz groß herauskommen wird – in der Art wie Eric-Maxim Choupo-Moting? Irgendeiner beim HSV muss sich ja mal was mit dieser hoffnungsvollen Verpflichtung gedacht haben – oder waren es doch ganz andere Motive?

 

Quasim Bouy war die „Erfindung“ von Bert van Marwijk, er kam nach Hamburg und wusste bestimmt nie, was er hier sollte. Vielleicht das größte Missverständnis der HSV-Geschichte, die Note, die Bouy hier verdient hätte, die gibt es eigentlich nicht – deswegen nur Note sechs!

 

Ola John, auch ein Van-Marwijk-Jünger, zog zu Beginn des Jahres in seinem ersten Einsatz für den HSV, es war ein Testspiel (oder Ablösespiel für Thorsten Fink) gegen Basel, groß auf. Das ist ja ein Kracher – so dachte ich, so dachten wohl auch viele, und dann dieser unglaubliche Rohrkrepierer. Auch er unfassbar, auch er nie wirklich in Hamburg angekommen, auch er hätte eine Note verdient, die es so nicht gibt – deswegen bleibt nur eine glatte Sechs übrig. Und tschüs und weg.

 

So, das war das Mittelfeld. Alle anderen HSV-Spieler, die nun noch nicht „abgefrühstückt“ wurden, die erscheinen morgen beim Angriff.

 

PS: Gerade bekomme ich noch diese Mail:

Die HSV-Mitgliederversammlung hat uns bis heute 80.502 Videoabrufe beschert. Hinzu kommen 7.075 Videoabrufe auf Youtube.

 

Das ist eine Meldung von unserem “großen Regisseur” (es gibt auch einen “kleinen”) Axel Leonhard, der sich am 25. Mai 2014 selbst übertroffen hat, denn es gab nur von ihm, ohne Hilfe im Stadion, neun Filmchen von der Mitgliederversammlung. Und weil diese Nachricht so schön ist, stelle ich diese Videos noch einmal rein – kann ja sein, dass sie einer von Euch noch nicht kennt. Das wäre jammerschade.


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18.18 Uhr

Wieder Rote Zahlen – HSV schreibt zwei bis drei Millionen Euro Miese

1. Juni 2014

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Aktualisierte Meldungen ganz unten (DFB-Pokal, Lasogga, Doll)
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Mit unserer Serie über die Beurteilung einzelner Mannschaftsteile wollen wir heute mal einen Tag aussetzen. Dieter macht dann morgen weiter mit dem Mittelfeld. Genau eine Woche nach der geschichtsträchtigen Vereins-Versammlung in der Arena und eine Woche nach der faktischen AG-Gründung heute nun einige aktuelle Zwischenstände.

Karl Gernandt, der designierte Aufsichtsrats-Vorsitzende der Fußball AG, war ja offensiv vorgeprescht mit seiner Ankündigung, Dietmar Beiersdorfer zum neuen Vorstands-Vorsitzenden des HSV zu machen. „Daran lasse ich mich messen“, so Gernandt. Im Moment ist es noch nicht so weit. Carl Jarchow und Oliver Kreuzer führen sowieso noch die Geschäfte. Erste Transfers werden abgewickelt. Der alte Aufsichtsrat arbeitet diesbezüglich mit dem neuen zusammen, es kann ja nicht alles liegengelassen werden. Denn schon am 18. Juni beginnt die Vorbereitung auf die kommende Saison. Und Trainer Mirko Slomka hat sicherlich wenig Lust, erst ganz spät sein Team zusammen zu haben.

Wobei man sich schon ein bisschen wundert, woher der HSV plötzlich seine wirtschaftlichen Mittel hat. 1,2 Millionen Euro für Zoltan Stieber, zwei (gebotene) Millionen für Matthias Ostrzolek. Gar nicht mal wenig für den Pleite-Verein der Liga schlechthin. Natürlich wird sich auch noch einiges tun in Sachen Abgängen. Und mit Robert Tesche und Tomas Rincon sind ja auch schon zwei Spieler von der Pay-Roll verschwunden. Dennoch: wie schlecht es laufen kann auf dem Transfermarkt, hat die Transferperiode im vergangenen Sommer gezeigt. Aber ich will nicht unken, es soll ja alles besser werden.

Deshalb zurück zu Beiersdorfer. In der kommenden Woche, so ist es zu hören, sollen sich entscheidende Dinge tun. Beiersdorfer selbst bricht zu Gesprächen nach St. Petersburg auf, wo er mit den Entscheidungsträgern von Zenit über seine vorzeitige Freigabe verhandeln möchte. Gazprom, der russische Energie-Riese, sitzt mit am Tisch. Läuft alles glatt, diesen Zeitrahmen hat sich der neue Aufsichtsrat gesteckt, dann soll direkt nach Pfingsten die Entscheidung verkündet werden.

Karl Gernandt, designierter neuer Chef des AG-Aufsichtsrates, scheint bis dahin recht entspannt zu sein. Heute hat er sich die Entscheidung im Deutschen Springderby in Klein Flottbek vor Ort angeschaut. Morgen steigt er dann wieder voll ein am HSV-Verhandlungstisch. Mit dem aktuellen Aufsichtsrats-Vorsitzenden Jens Meier steht ein Gespräch an über die Übergabe der Geschäfte. Formal ist Meier mit seinen sieben Leuten an der Seite ja noch im Amt, bis die AG im Handelsregister eingetragen ist.

Entsprechende Unterlagen sind mittlerweile notariell beglaubigt. Sie liegen bei der Richterin des Registergerichts, also beim Amtsgericht in der Caffamacherreihe. Geht innerhalb von vier Wochen kein Einspruch ein gegen die Registrierung im Handelsregister, dann ist die HSV Fußball AG Ende Juni Tatsache.

Erst dann nimmt der neue Aufsichtsrat auch formell seine Arbeit auf und kann den neuen Vorstand bestimmen. Immer wieder gibt es diesbezüglich ja auch zweifelnde Stimmen. Hat sich Karl Gernandt schon zu weit nach vorn gewagt? Passt das überhaupt – Beiersdorfer mit Joachim Hilke als zweitem Mann?

Tatsächlich scheint es, sollte es so kommen, keine Liebesheirat zu werden – muss es aber auch nicht, wenn die Personalien am Ende im Sinn des HSV sind. Jedenfalls zeichnet es sich vorsichtig ab, so viel ist eine gute Woche vor der erhofften Bekanntgabe zu prognostizieren, dass die beiden die Favoriten auf die Vorstands-Ämter im neuen HSV sind. Aber diese Kuh ist noch nicht vom Eis.

Spannend zu sehen wird sein, wie es in der Ebene darunter aussehen wird. Sport-Direktor, Finanz-Direktor, Marketing-Direktor, Medien-Direktor – auch dieses Team sollte ja bis Ende Juni stehen, damit der Verein dann mit neuen Schwung und auch mit Sicherheit auf allen Schnittstellen in die Zukunft starten kann. Mal abgesehen davon, dass eine Aufwertung des Nachwuchsbereiches und ein verschärfter Blick auf die Arbeit in Ochsenzoll genauso dringend kommen muss, wie angekündigt wurde.

In der laufenden Woche kam ja auch noch die entscheidende Nachricht von der Deutschen Fußball Liga. Alle Vereine haben spätestens auf dem zweiten Bildungsweg die Lizenz für die kommende Saison erhalten. Dazu gehört auch der HSV, der nach dem ersten Anlauf noch Bedingungen zu erfüllen hatte. Weil dies ein Besorgnis erregender Vorgang war, der in der HSV-Vergangenheit kaum einmal vorkam, wurde viel spekuliert und weitreichend verhandelt. Von Fehlbeträgen zwischen zehn und 20 Millionen Euro war die Rede. Mit Klaus-Michael Kühne hatte sich ein Bürgschaft-Geber gefunden, der für zehn Millionen Euro gerade stehen wollte, sollte es eng werden. Weitere zwei Millionen Tilgungsaufschub hatte Kühne in Aussicht gestellt. Im Hintergrund hatte sich auch Jürgen Hunke bereit erklärt, zu bürgen – wenn auch nur für den Erstliga-Fall.

Am Ende musste der HSV keine der Bürgschaften in Anspruch nehmen – diese Informationen liegen uns mittlerweile vor. Demnach hatte die DFL für den Erstliga-Fall zunächst einen Fehlbetrag von 11,4 Millionen Euro beim HSV gesehen. Ein Großteil dieses Betrages führte zurück auf Worst-Case-Annahmen was das TV-Ranking angeht. Einige andere Bundesligisten hatten so oder ähnlich ebenfalls mit schlechten Planzahlen der DFL zu kämpfen, Werder Bremen hatte sogar offiziell Einspruch gegen den ungünstigen Lizenz-Vorbescheid eingelegt. Der HSV hat den Zahlen ebenfalls widersprochen, und damit inhaltlich Recht behalten.

Denn am Ende der Saison war der HSV mit Bundesliga-Platz 16 bei der DFL plötzlich nur noch mit 3,8 Millionen Euro „in der Kreide“. Diesen Betrag wies der Verein durch die Verlängerung des Ausrüster-Vertrages mit adidas, der ein Signing Fee von sechs Millionen Euro mit sich führte, nach. Das heißt: der HSV erhielt die Lizenz, ohne auf die Bürgschaft von Klaus-Michael Kühne angewiesen zu sein.

Was bedeutet das ganze nun für die Bilanz des Vereins in der abgelaufenen Saison? Drei Mal in Folge hatte der HSV tiefrote Zahlen geschrieben. Allein im TV-Ranking gingen dem Verein zuletzt sieben Millionen Euro flöten. Mit Platz 6 war kalkuliert worden, mit Platz 13 ging der HSV in dieser Rangliste aus der schlechtesten Saison der Geschichte heraus. Dagegen standen einige unerwartete Einnahmen, wie zum Beispiel das Viertelfinale im DFB-Pokal mit dem ausverkauften Haus gegen Bayern München. Über das Ergebnis des Spiels decken wir noch einmal den Mantel des Schweigens.

Aber auch andere Einnahmen kamen dazu, bzw. Minderausgaben. So „sparte“ sich der HSV ein halbes Jahr Gehalt für Maximilian Beister und einige Monate bei Slobodan Rajkovic. Beide fielen und fallen mit ihren Kreuzbandrissen aus. Die Berufsgenossenschaft übernahm das Gehalt.

Dagegen stehen nun wieder unerwartete Verpflichtungen wie die vielen und hohen Trainergehälter. Bert van Marwijk zum Beispiel ist bis heute nur freigestellt und hat im Prinzip Anspruch auf Gehalt beim HSV bis Juni 2015. An einer Auflösungsvereinbarung wird gearbeitet – dieser Faktor kann die Bilanz des noch laufenden wie des folgenden Geschäftsjahres beeinflussen.

Es gibt also noch einige Unbekannte, dennoch ist deutlich abzusehen, dass der Verein auch in dieser Saison mit Roten Zahlen abschließen wird. Dem Vernehmen nach liegt die Summe zwischen zwei und drei Millionen Euro. Nicht so schlimm wie in den Vorjahren, aber immer noch schlimm genug.

Der kroatische Nationaltrainer Niko Kovac hat heute seinen 23-Mann-Kader für die WM in Brasilien benannt. Dazu passt diese Meldung der dpa:

Mit den drei Bundesliga-Profis Mario Mandzukic vom deutschen Meister Bayern München sowie den Wolfsburgern Ivan Perisic und Ivica Olic nimmt Kroatien die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien in Angriff. Nach dem 2:1 (1:0) im Testspiel am Samstag in Osijek gegen Mali, in dem Perisic beide Treffer (15./64. Minute) erzielte, legte sich Nationaltrainer Niko Kovac auf seinen endgültigen 23er-Kader fest. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Ivo Ilicevic (Hamburger SV) sowie Niko Kranjcar und Ivan Strinic strich Kovac auch den zweiten HSV-Spieler Ivan Badelj (Muskelverletzung) aus seinen Überlegungen.

Bitter für Milan Badelj. Und die Liste der HSV-Profis an der Copacabana ist auf einen geschrumpft. Johann Djourou, der Schweizer Verteidiger. Eine traurige HSV-Bilanz am Ende einer traurigen Saison.

Heute Abend noch interessant: Die Auslosung im DFB-Pokal (18.50 Uhr in der ARD, Horst Hrubesch zieht die Lose) und das Test-Länderspiel Türkei (mit Hakan Calhanoglu) gegen den deutschen WM-Gruppengegner USA. Anpfiff in New Jersey 20 Uhr MEZ.

Für heute grüßt Euch Lars

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AKTUELLE MELDUNGEN:
1) Soeben hat Horst Hrubesch gezogen – der HSV tritt in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Zweitliga-Absteiger Energie Cottbus an. Die Spiele finden vom 15. bis 18. August statt.
2) Laut „Sky“ hat Stürmer Pierre Michel Lasogga dem HSV abgesagt. Demnach hätte der HSV zwar angekündigt, Lasogga ein Angebot zu unterbreiten, dies aber versäumt. Deswegen, so die Darstellung des Spielers, habe sich das Thema HSV für ihn erledigt.
3) Ein großer Glückwunsch geht nach Ungarn. Thomas Doll hat durch einen 2:0 gegen Paks FC mit seinem Verein Ferencvaros Budapest den neunten Sieg in Folge errungen und damit die Europa League erreicht. „Dolly“ wird in der ungarischen Hauptstadt seit Wochen gefeiert – für ihn ist das ein großartiger Erfolg!
4) Und ein weiterer Glückwunsch, diesmal zum Geburtstag, geht nach Berlin an unseren „Matz-ab-Rechtsanwalt“!

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Gerettet! HSV gewinnt 1:1 in Fürth – Wahnsinn!

18. Mai 2014

Es ist vollbracht. Der HSV ist gerettet, der HSV ist weiter erstklassig, der HSV ist weiterhin der Dino!!!!!!!! Sensationell, Wahnsinn, der Fußball-Gott war mit diesem grottenschlechten HSV im Bunde – der Papst wohl auch. Ein 1:1 im Relegations-Rückspiel sorgte für das riesige Aufatmen in Hamburg und Umgebung, es war gigantisch – und es wurde tatsächlich die erwartete große Zitterei. Mein Gott, welch ein Wahnsinn! Das Auswärtstor von Pierre-Michel Lasogga sorgt für ein Happy End, der HSV hat sich über die Ziellinie gerettet, er ist in den 30 Minuten nur noch über den Platz getaumelt und gekrochen und geschlichen. Aber es langte. Auch weil mit Jaroslav Drobny ein überragender Torwart zwischen den Hamburger Pfosten stand, an dem – bis auf ein Ball – alles abprallte. Drobny sei Dank, Lasogga auch – aber diejenigen, die diese Mannschaft zu verantworten haben, die sollten sich schämen, den Mund halten und sich still und heimlich verdrücken. Diese Spielzeit ist eine Schande für einen solchen Verein, die Verantwortlichen sollten trotz des Jubels zur Verantwortung gezogen werden. Nein, sie sollten nicht, sie müssen. Das verdient dieser verein ganz einfach. Denn so kann und darf es nicht weitergehen. Herzlichen Glückwunsch, HSV – dennoch!

Nur der HSV!


Schon nach 74 Sekunden der erste Schuss – Pierre-Michel Lasogga nahm eine „Kopfball-Vorlage“ des Fürthers Baba volley, aber der Ball stieg in den Himmel. Immerhin, diese Möglichkeit gleich zu Beginn gab die Richtung vor, in die es gehen sollte. Die 14. Minute ließ dann die Herzen aller HSV-Fans schneller schlagen: Lasogga zur Mitte, Marcell Jansen scheitert an Hesl, Nachschuss Hakan Calhanoglu aus 17 Metern, Pfosten, Nachschuss Tolgay Arslan – überweg. Da kochte die Seele im „Champs“, und im Volkspark war beim Public Viewing bestimmt die Hölle los.

Das steigerte sich nur Sekunden danach zum Orkan. Die Hamburger tanzten. 1:0. Nach einem Eckstoß von Rafael van der Vaart köpfte Lasogga den Ball aus sieben Metern ein, sein Bewacher Azemi war nicht mit in die Luft gestiegen – oder nur ungenügend. Der Ball sauste unhaltbar unter die Latte – ein Traumtor und ein Traum-Start für den HSV (15.).

Nach diesem Treffer besann sich der HSV etwas mehr auf die Defensivarbeit, stand besser, machte die Räume enger – als im Hinspiel. Und er hatte das Spiel bestens im Griff. In der 25. Minute wurde Arslan am Fürther Strafraum von Röcker gefoult, Freistoß. Den vergibt Calhanoglu viel zu lässig, da ist null Gefährlichkeit mehr im Spiel. Zehn Minuten später ein sehr schöner und schneller HSV-Angriff. Arslan zu Jansen, der legt halbrechts ab auf Lasogga, und der hämmert den Ball aus 15 Metern auf den Fürther Kasten – aber Hesl ist am Boden und wehrt ab.

Erst in der 40. Minute die erste gute Möglichkeit für den Zweitliga-Dritten, aber Azemis Schlenzer flog zum Glück für den HSV am langen Eck vorbei. Halbzeit. Und überall ein tiefes Durchatmen.

Das hätte es auch gegeben, wenn es in der 52. Minute 2:0 gestanden hätte. Freistoß von halbrechts von Calhanoglu, am langen Pfosten tauchte Lasogga auf und köpfte – aber der Teufelskerl Hesl im Fürther Tor hielt. Wahnsinn. Das hätte es sein müssen, dann wäre der Drops gelutscht gewesen. Aber plötzlich hieß es 1:1. Stieber schickt Fürstner in den HSV-Strafraum – Tor (59.). Keine Sechser da, Jiracek kommt zu spät, Mancienne wird überspielt – das große Zittern begann. Zumal der HSV längst seine Souveränität hatte eingebüßt. Da war nichts mehr zu erkennen, wer der Erst- und wer der Zweitliga-Club war. Fürth spielte plötzlich wie im Hinspiel, ein Angriff jagte den nächsten – Hamburg in Not. Weil wieder einmal die Kraft fehlte. Konditionell ist dieser HSV eine glatte Sechs, man muss es einmal beim Namen nennen dürfen. Eine glatte Sechs. Vielen Dank an die Herren Fink und van Marwijk, da waren schon Traumtänzer am Werk.

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny war ein Glück für den HSV, dass er nun zwischen die Pfosten musste. Der Tscheche redt zwar nicht mit der Presse, aber er hat ein riesiges HSV-Herz. Und er ist ein bärenstarker Torwart.

Dennis Diekmeier sehr engagiert, marschierte viel, hatte hinten kaum einmal Probleme – es sei denn, er wagte sich einmal zu weit nach vorne und musste dann sprinten, um das Loch zu schließen.

Johan Djourou war bis zu seiner Verletzung in der 27. Minute fehlerlos. Dann schied er bewusstlos aus – hoffentlich ist es nichts Schlimmes. Gute Besserung!

Heiko Westermann war in Sachen Kopfballarbeit eine Bank, wie gut, dass sich Mirko Slomka dann doch auf HW4 besonnen hatte – Heiko half dieser Mannschaft trotz einiger kleiner Fehler – und seines größten Patzers, denn in der 88. Minute haute er einen solchen Bock, das war unfassbar. Unglaublich, aber wahr – und es ging dennoch gut.

Petr Jiracek gefiel mir im Hinspiel besser, wenn es gefährlich vor dem HSV-Tor wurde, dann oft über seine linke Seite. Der Tscheche war der größte Schwachpunkt des HSV.

Tolgay Arslan fand überraschend den Weg zurück ins Team, bedankte sich dafür aber mit einer guten Vorstellung. Seinen ersten schweren Fehler beging er erst („) in der 39. Minute, das dauerte vorher nie so lange. Als Trainer wäre ich stets versucht, ihm in den Hintern zu treten, damit er aufwacht und seine lässige Art beiseite lässt, und das hat Slomka hoffentlich auch reichlich getan. Dann ist dieser Arslan nämlich doch zu gebrauchen . . . Allerdings sollte er sein Foulspiel, oft überflüssig, doch gelegentlich einschränken. Ging in der 64. Minute verletzt raus.

Milan Badelj begann spielstark und ideenreich, spielte den Ball sicher ab, eroberte ihn auch einige Male mit Auge – aber seine langsame Art im Spiel nach hinten fiel doch einige Male auf. Daran sollte er arbeiten, daran sollten die Trainer vielleicht auch mit ihm arbeiten. Es könnte helfen.

Hakan Calhanoglu fand in der Anfangsphase kaum ins Spiel, nach einer halben Stunde taute er auf. Seine Freistöße sind im Moment stark verbesserungsfähig.

Rafael van der Vaart lief wieder unermüdlich, hatte dabei aber spielerisch viele gute Szenen, brachte den Ball oft auf ganz engem Raum an den Mann. Einige Mal mehr aber hätten ihn seine Mitspieler schon suchen dürfen, einige Male wurde der Niederländer schon fast fahrlässig übersehen. Leider, leider. Ging in der 75. Minute ermattet raus.

Marcell Jansen ist natürlich nicht fit, kann nicht fit sein, aber er gab alles und machte ganz sicher das Beste aus seiner Situation – das war schon absolut okay so.

Pierre-Michel Lasogga ist unersetzlich – schon jetzt. Der Dampfhammer sorgt für Gefahr, schießt aus jeder Lage und stört den Gegner früh beim Spielaufbau – das ist schon sehenswert. Wenn Lasogga fit wäre – der Bundes-Jogi müsste ihn mit nach Brasilien nehmen. Weil Fußball-Deutschland keinen besseren Stoß-Stürmer hat.

Michael Mancienne (ab 31. Min. für Djourou) war sofort im Spiel, das ist schon frappierend, wie der einstieg „Aussortierte“ mittlerweile seinen Mann steht – auch als Ersatzspieler.

Tomas Rincon (ab 64. Min. für Arslan) mischte auf seine unorthodoxe Art tüchtig mit, aber spiel-taktische schmeißt er stets leichtfertig alle Einstellungen über den Weg. Er konnte es mal besser.

Robert Tesche (ab 75. Min. für van der Vaart) machte mit, sollte stabilisieren, und ein wenig machte er es dann auch.

So, wir sind am Ende. Mir bleibt jetzt nur noch, auf unsere gleich beginnende „Matz-ab-live“-Sendung hinzuweisen. Wir reden über das Spiel und über die Situation nach der Relegation – und vor der Mitgliederversammlung. „Scholle“ und ich begrüßen zu dieser Runde den ehemaligen HSV-Star Sergej Barbarez und das ehemalige Aufsichtsrats-Mitglied Frank „Macke“ Mackerodt. Wir würden uns natürlich freuen, wenn Ihr wieder dabei sein würdet.

19.07 Uhr

„Wir werden es schaffen!“ Wirklich?

16. Mai 2014

Strahlender Sonnenschein, lachende und johlende Fußballer, die sich beim Fußball-Tennis vergnügen. Dutzende Fans, die sich das Treiben angucken. Der Eiswagen fährt vor, Kinder rennen hin, um sich eine oder zwei Kugeln zu holen. So war der erste, flüchtige Eindruck heute morgen am Trainingsplatz des HSV. Bilder können täuschen.

 

In Wahrheit war die Stimmung gedrückt. Die Zuschauer hatten Runzeln auf der Stirn, und das lag nicht nur an der hereinkommenden Sonne. Das Gejohle der Spieler wirkte künstlich. Im Hintergrund schlenderten Trainer Mirko Slomka und Sportchef Oliver Kreuzer diskutierend an der Seitenlinie entlang. Nur 0:0 gegen Greuther Fürth. Hat sich was mit guter Ausgangsposition fürs Rückspiel. Aber vor allem: Der Gegner aus der Zweiten Liga war streckenweise besser als der HSV. Das torlose Unentschieden noch eher für den HSV glücklich.

 

Vielleicht war es nur ein Zufall, dass die Ewige Bundesligauhr in der Ecke des Stadions eine Stunde nach Abpfiff des Fürth-Spiels ausfiel. „Das wichtigste ist, dass diese Uhr niemals stehen bleibt“, hatte Ehrengast und Box-Weltmeister Wladimir Klitschko einige Minuten zuvor noch in einer VIP-Loge gesagt.

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Am Vormittag danach leuchteten die Ziffern wieder und der Sekundenzeiger tickte auch noch unaufhörlich – aber dieses „unaufhörlich“ könnte am Sonntag kurz vor 19 Uhr vorbei sein. „Jetzt ist es wirklich DAS Endspiel“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer. Ein Spiel, von dem alles abhängt.

 

Der HSV wäre nicht der HSV, wenn Spieler und Verantwortliche aus dem öden Spiel gegen Greuther Fürth nicht noch Positives ziehen würden. „Es war wichtig, dass wir zu Null gespielt haben“, sagte etwa Verteidiger Marcell Jansen. „Mal gucken, was uns jetzt in Fürth erwartet. Wir müssen auf jeden Fall unser Auswärtstor erzielen, um unsere Chance zu nutzen. Wir müssen das Finale voll angehen.“

 

Ja, logisch, das ist jetzt die Devise. Was kann man machen in den knapp 48 Stunden bis dahin? Die Zugriffsmöglichkeiten von außen sind jetzt beschränkt. Aus dieser Mannschaft wird niemand mehr berauschende Kombinationen herausquetschen können. Rafael van der Vaart und Pierre Michel Lasogga werden keinen spritzigeren Eindruck hinterlassen als beim 0:0 im Hinspiel. Aber zwei Dinge könnten sich doch verändern.

 

Zum Einen ist von Trainer und Sportchef ein klares taktisches Versäumnis erkannt worden. Der HSV hat viel zu große Räume gelassen zwischen Deckung, Mittelfeld und Offensive. Die vielgerühmte Kompaktheit hat Greuther Fürth gezeigt. Im Zweifel flog ein freier Ball immer einem Kleeblatt vor die Füße. Nicht, weil die Gäste mehr Glück hatten, sondern weil sie einfach besser standen, besser organisiert waren. Die Kompaktheit aus dem Bayern- und aus dem Mainz-Spiel – das sollte der HSV doch wohl in Fürth hinbekommen. Was heißt „sollte“, er muss es hinbekommen.

 

Wobei sich hier die Frage nach dem Einfluss von Mirko Slomka stellt. Genau genommen ist seine Bilanz der vergangenen Monate ebenso erschütternd wie die seiner Vorgänger Bert van Marwijk und Thorsten Fink. Deren Performance wurde als nicht gut genug bewertet. Slomka tritt in Hamburg ganz anders auf. Er ist eloquent, versteht zu vermitteln, worum es ihm in einem Fußballspiel geht, worauf es in der kritischen Lage des Vereins ankommt.

 

Aber unterm Strich stehen eben auch nur elf Punkte in 13 Bundesligaspielen und ein Relegations-Hinspiel, das gegen einen Zweitligisten glücklich Unentschieden endete. Nun gut, ich will hier keine Trainerdebatte anstrengen. Am Ende sind wir wieder bei dem Punkt, der auch all seine gescheiterten Vorgänger begleitet hat: Kriegt der jeweilige Trainer die Mannschaft nicht in den Griff, oder ist der Hebel nicht an einer ganz anderen Stelle anzusetzen?

 

Inhaltlich ist es von diesem Gedanken nur ein kleiner Sprung bis hin zur Mitgliederversammlung am 25. Mai. Aber das sparen wir uns jetzt mal an dieser Stelle. Es wird nächste Woche hoch hergehen, so viel steht fest. Montag und Dienstag werden sich verschiedene Personen und Gruppen beim HSV äußern und ihre Bedenken, Vorstellungen, Vorschläge in die Öffentlichkeit bringen. Das ist auch gut so, denn es sind ja dann auch nur ein paar Tage bis zur finalen Entscheidung über HSV-Plus. Gestern hat Thorsten Runge von den HSV-Senioren im Stadion ein zwölfseitiges Papier verteilt mit Anmerkungen zu seinen Änderungs-Vorschlägen, die in der Versammlung zur Abstimmung stehen. Alles hochinteressant, aber auch dies möchte ich gern verschieben in die nächste Woche.

 

Dann wird der Verein ja auch seine endgültigen Lizensierungsunterlagen an die DFL schicken. Vereins-Chef Carl Jarchow war deswegen schon in Frankfurt, er hat vorgefühlt, wie die DFL zur Bürgschaft von Klaus-Michael Kühne, zur Bereitschaft der Banken auf Tilgungsaufschub steht. Hier gebe es positive Signale, so dass es dabei bleibt: Die Lizenz sollte der HSV erhalten, unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit.

 

Der zweite Aspekt, an dem der HSV anknüpfen will fürs Rückspiel, ist der mentale Faktor. Dass die Hamburger Spieler in dieser Hinsicht alles andere als stabil waren in dieser Saison, diese Erkenntnis gleicht dem Tragen der berühmten Eulen nach Athen. Und doch muss dieses 0:0 nichts Schlechtes für den HSV bedeuten. Der Gegner weiß, dass ein einziges Gegentor fatale Folgen haben kann. Natürlich ist es ein ziemlich kläglicher Hinweis von Trainer Slomka, sein Team sei auswärts immer in der Lage gewesen, einen Treffer zu erzielen. Bei der desolaten Bilanz auf fremdem Platz verbietet sich solch eine Anmerkung eigentlich. Und doch muss der Verlauf des Rückspiels nicht viel mit dem Charakter des Hinspiels zu tun haben.

 

Fürths Verteidiger Mergim Mavraj hat die Haltung seines Team jedenfalls deutlich aktzentuiert: „Wir haben Blut geleckt!” Das kann man sich wohl vorstellen. Und Trainer Frank Kramer ergänzte, dass die Mannschaft auch stolz auf ihre Leistung sein könne. Aber, so Kramer: „Stolz kann auch schnell zum Stolperstein werden.” Und hier sind wir an dem Punkt, an dem der HSV ansetzen muss. Hat nicht Fürth plötzlich etwas zu verlieren mit dem vermeintlich guten Hinspiel-Ergebnis? Werden sie nicht etwas mehr aufmachen? Und können sie überhaupt solch eine gute Leistung wie in Hamburg, die es ganz sicher war, wiederholen? Oder kommt endlich, endlich, endlich der Faktor zum Tragen, dass die Erfahrung und die Klasse auf Hamburger Seite sind. Bei Abpfiff des Hinspiels standen im HSV-Team sage und schreibe acht A-Nationalspieler, darunter vier mögliche WM-Teilnehmer.

 

„Es wird ein Spiel sein, in dem beide Mannschaften darauf bedacht sein werden, kein Gegentor zu bekommen. Wenn wir ein Tor schießen, braucht Fürth schon zwei. Der Ausgang und die Entwicklung des Spiels ist offen. Mit dem 0:0 aus dem Hinspiel lässt sich auch gut nach Fürth fahren.“ Apropos fahren: Die Mannschaft wird nach dem geheimen Abschlusstraining morgen per Charter nach Fürth reisen – und sich direkt nach dem Spiel auf den Weg zurück nach Hamburg machen.

 

Noch einmal zurück zum heutigen Trainingstag. Die Spieler haben gestern schon weitgehend ihre Aussagen zur Partie und zur Lage fürs Rückspiel getroffen. Wegen zahlreicher Medienanfragen hat sich Sportchef Kreuzer noch einmal vor die Presse gestellt. „Wir müssen einfach heiß sein. Es gibt keinen Morgen danach. Es ist ein Finalspiel, wie ein Champions-League-Finale. Es gibt kein Rückspiel mehr, auch kein Bundesligaspiel, wo man in der Folgewoche etwas gutmachen kann. Fürth muss gegen uns gewinnen. Wir haben etwas dagegen. Dementsprechend treten wir in Fürth auf, und wir schaffen das auch.“

 

Knapp 2000 Fans aus Hamburg werden live vor Ort sein in der Trolli Arena. Unter ihnen ist erneut Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, der ja nicht unbedingt als großer Fußball-Fan bekannt war. Dass er nun aber bei fast jedem Spiel des HSV dabei ist, zeigt die Bedeutung, die dem Verein auch im Rathaus zugesprochen wird.

 

Torwart Rene Adler wird dem HSV aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zur Verfügung stehen. Seine Rückenbeschwerden haben auch heute kein Training zugelassen. Allerdings war sein Stellvertreter Jaroslav Drobny auch so sicher, dass hier keine Sorgen herrschen. Spätestens vor der Viererabwehrkette, die ja noch einigermaßen stabil war, beginnt aber schon die Problemzone. Milan Badelj, wieder einmal viel zu schwankend. Tomas Rincon auf Kriegsfuß mit dem Ball. Robert Tesche zu passiv. Gerade in der Zone des Platzes also, wo man ein Übergewicht haben muss, ist der HSV viel zu schwach besetzt. Im Übrigen schaffen es die drei Genannten auch überhaupt nicht, die oben angesprochene Kompaktheit herzustellen, selbst wenn dieser Mangel während des Spiels schon erkannt wird. Der einzige, der eigentlich beim Hinspiel aufmunterte und ermahnte, war Jaroslav Drobny.

 

Aber wie kann das auch alles funktionieren? Diejenigen, die Klasse versprechen, haben selbst zu viele Probleme und/oder kommen aus Verletzungen. Das betrifft Pierre-Michel Lasogga, der gegen Fürth Klassen schwächer war als in Mainz. Das betrifft Rafael van der Vaart, der zwar ein hohes Laufpensum hat, aber gar nicht mehr ins Tempo und damit in die Situation kommt, frei aufs Tor zu schießen.

 

Tolgay Arslan könnte jedenfalls wieder ins Team zurück kehren. Bei Ivo Ilicevic stehen die Chancen schlecht. Ebenso bei Jacques Zoua – aber diese verzweifelte Personalie traue ich mich kaum noch zu erwähnen. Offen ist der Einsatz von Heiko Westermann. Zu viele Fehler in den Vorwochen hatte Trainer Slomka schon als einen Grund für seine Nicht-Berücksichtigung im Hinspiel genannt. Außerdem ist HW4 seit Wochen gesundheitlich angeschlagen, spielte teilweise unter Antibiotika-Einsatz, was auf Dauer nicht eben förderlichfür Gesundheit und Leistung ist.

 

Nun denn, Sonntagabend wissen wir, wohin der Hase läuft. Wer zum Public Viewing ins HSV-Stadion möchte, kann ab 16 Uhr hereinkommen. Vor der Nordtribüne wird dann gemeinsam geguckt.

 

Viel Glück, HSV, wünscht Lars

Nur 0:0 – jetzt wird es ganz, ganz eng!

15. Mai 2014

Das hatten sich alle Hamburger anders erwünscht und erhofft, denn das erste Relegationsspiel gegen den Zweitliga-Dritten, die Spielvereinigung Greuther Fürth, endete nur 0:0. Es darf gezittert werden, aber ganz, ganz kräftig. Diese HSV-Mannschaft erspart ihrem Anhang nichts, aber auch wirklich nichts. Weil sie nicht in der Lage ist, 90 Minuten Tempo-Fußball zu spielen. Im Prinzip boten die Franken den besseren Fußball und hatten ganz sicher auch die besseren Chancen. Vor 56 479 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Stadion war der HSV lange weit von einer Form entfernt, die für einen glücklichen Ausgang dieser Entscheidungsspiele sorgen könnte. Erst in der Schlussphase gab es zwei gute oder auch große Tormöglichkeiten, als erst Pierre-Michel Lasogga aus halbrechter Position an Fürths Torwart Hesl scheiterte, und als in der Nachspielzeit Rafael van der Vaart einen Ball am Fünfmeterraum nicht unter Kontrolle bekam – was aber auch schwer war. „Niemals, Zweite Liga, niemals, niemals“, sangen die HSV-Fans nach dem Schlusspfiff, und sie forderten lautstark: „Auswärtssieg, Auswärtssieg, Auswärtssieg.“ Die Hoffnung bleibt, nach diesem unbefriedigenden Unentschieden, aber der HSV müsste und sollte sich schon gewaltig steigern, wenn die Liga eins gehalten werden soll. Es würde in Fürth ja auch schon ein 1:1 reichen . . . Bitte, bitte, lieber Fußballgott!

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Weltklasse! Die Stimmung vor und während des Spiels war erstligareif, das muss festgehalten werden. Kompliment den HSV-Fans, sie waren wohl noch nie so laut wie diesmal. Schreien bis der Kehlkopf kreist – so wie es Lotto King Karl vor einer Woche erhofft und erwünscht hatte. Und dazu gab es Schals, Schals, Schals zu sehen – wunderbar. Davon hätte sich die Mannschaft eigentlich mitreißen lassen müssen, aber in Halbzeit eins war das leider nicht der Fall. Hatte die Truppe von Mirko Slomka aus den vorangegangenen Auftritten (Bayern, Mainz) gelernt? In diesen Spielen hatte sie sich schon im ersten Durchgang zu groß verausgabt, diesmal begannen sie alle verhaltener, fast ein wenig verschlafen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt . . . Auch in der Relegation.

Der HSV musste kurzfristig auf Rene Adler verzichten, der plötzlich „Rücken“ hatte. Zudem fehlte Heiko Westermann, der nur auf der Bank saß. Diese beiden Personalien begünstigten nicht gerade die Ausgangsposition für den HSV.

Vor dem Spiel hatte ich Wolfgang Hesl getroffen – „unseren“ Torwart, jetzt Kapitän der Fürther. Er: „Wie geht es dir?“ Ich: „Gut.“ Er: „Noch . . .“

Ja, und genau so traten die Franken dann auch auf. Frech, unbekümmert, couragiert, willig, engagiert – toll. So spielt eine Mannschaft, die nach oben will. Das war erste Sahne. Läuferisch eine Augenweide, die Fürther griffen den HSV schon an dessen Strafraum an, die liefen, liefen, liefen. Nein, sie liefen nicht nur, sie sprinteten. Sie rasten über den Rasen, als sei das nichts. In einem höllischen Tempo. Da wirkten die HSV-Spieler wie alte Herren. Schon nach 20 Minuten – oder erst – gab es die ersten langen Gesichter im Hamburger Lager. Aber mal im Ernst, wer hätte es anders erwartet?

Der HSV spielt seinen Stiefel so, wie er ihn immer gespielt hat. Da ist nicht mehr, als diese Mannschaft auch heute wieder gezeigt hat. Woher soll plötzlich etwas kommen? Dann hätte sich diese Mannschaft doch die gesamte Saison über nur versteckt. Hat sie aber nicht. Sie spielte so, wie sie als schlechtestes Bundesliga-Team immer gespielt hat. Und offenbarte dabei einmal mehr, wie schlecht es trainiert ist. Das ist Fakt! Diese Mannschaft ist und war nicht in der Lage, gegen eine läuferisch starke Mannschaft mitzuhalten. Das klingt nach Offenbarungseid, ist es wahrscheinlich auch, aber es ist Tatsache. Auch wenn jetzt vielleicht viele weinen werden, aber man muss dieser Tatsache ins Auge schauen. Die hohen Herren des HSV haben es während der gesamten Saison getan – und nichts geändert. Auch Tatsache. So wie die Spieler nicht in der Lage sind, sich zu wehren, so waren die verantwortlichen nicht in der Lage, für Professionalität während dieser Saison zu sorgen. Sie ließen alles still vor sich hinplätschern. Wahnsinn.

Abgesehen von drei Fernschüssen hatte der HSV in Halbzeit eins nichts, aber auch nichts vorzuweisen. Null. Flanken oder Standards (auch Einwürfe) flogen stets hoch in den Fürther Strafraum, und da standen in der Viererkette alles Männer, die um die zwei Meter groß sind. Da muss sich keiner fragen, wo die Gefahr der HSV-Offensive blieb, sie war bei diesen Verhältnissen chancenlos. Fürth dagegen hatten in Person von Azemi zweimal das 0:1 auf dem Fuß, zweimal klärte Jaroslav Drobny ebenfalls per Fuß (26. und 45.). Auf dem Gang in die Halbzeit gab es lebhafte Diskussionen schon oder noch auf dem Rasen – beim HSV. Drobny redete mit Händen und Füßen auf Michael Mancienne ein, Petr Jiracek tat es ebenso auf Pierre-Michel Lasogga, der nur dadurch aufgefallen war, dass er aus jeder Lage ballern wollte. Dabei aber immer übersah, dass ein Greuther noch vor ihm stand. Das war wie mit dem Kopf durch die Wand – und weg war der Ball. Einmal stand Rafael van der Vaart (in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit) kopfschüttelnd und leicht verzweifelt neben Lasogga, als der wieder einmal losgeballert hatte . . .

Zu Beginn des zweiten Durchgangs, es ging jetzt gegen den Norden, wirkte der HSV wacher und entschlossener. Die Chancen aber hatte der Zweitliga-Club. Nach einer Ecke köpfte Gießelmann aus fünf Metern vorbei (51.), und zwei Minuten später rutschte Djurdjic nur um Zentimeter (und allein vor Drobny) am Ball vorbei. Da musste man schon tief Luft holen – als Hamburger. Fürth ließ nicht locker, kam wieder ins Spiel zurück. Und ganz, ganz ehrlich: Wer war hier eigentlich der Zweitliga-Vertreter, und wer der Dino?

„Zweite Liga, Hamburg ist dabei“, skandierten die Fürther Anhänger in einer der wenigen Ruhepausen, aber die HSV-Fans konterten stimmgewaltig: „Immer Erste Liga, HSV . . .“ Und fast hätte es sogar ein HSV-Tor gegeben, doch der Kopfballtreffer von Lasogga (nach van der Vaarts Freistoß) zählte nicht, denn der HSV-Torjäger stand im Abseits (67.). Leider.

Die Einzelkritik:

Jaroslav Drobny der Mann brannte von der ersten Sekunde an, er hätte die Welt am liebsten selbst aus den Angeln gerissen – aber er musste ja nur die Bälle halten. Und das tat er ausgezeichnet.

Dennis Diekmeier kam erst in der zweiten Halbzeit auf Touren, dann aber okay. Zuerst sehr verhalten.

Michael Mancienne versuchte es mit Härte (hätte gleich einmal Gelb sehen können), aber damit schaffte er es nicht. Immerhin ließ er in der Mitte selten etwas zu, was nicht ganz so leicht war, denn Fürth brachte Stürmer mit, die beweglich sind.

Johan Djourou erledigte seinen Defensiv-Part zufriedenstellend und souverän.

Petr Jiracek hatte seine linke Seite fast immer gut im Griff, gerade so, als würde er dort hinten schon immer spielen. Das verdient auch mal ein Kompliment, denn er ist dort ja der Ersatz des Ersatzmannes.

Robert Tesche blieb blass, er war zuletzt schon wesentlich besser.

Milan Badelj war der schwächste Mann des Erstliga-Clubs.

Tomas Rincon wirkte streckenweise leicht überfordert, aber er war auf jeden Fall immer engagiert und bemüht.

Hakan Calhanoglu war in Halbzeit eins (und auf links draußen) kaum zu sehen, später wurde es etwas besser, aber immer noch nicht gut. Aber auch solche Spiele muss man einem so jungen Mann einfach mal zugestehen. Symptomatisch die 35. Minute: Calhanoglu sprintete lange – und erfolglos – über den Rasen, dann stand er am Fürther Strafraum und pustete einige Sekunden mächtig durch. Solche Sprints aber, wie in diesem Fall von Calhanoglu, zeigten die Fürther reihenweise – und über 90 Minuten!

Rafael van der Vaart hielt sich sehr lange zurück, dann zeigte er ab und an sein Können – aber insgesamt viel zu wenig.

Pierre-Michel Lasogga wollte, aber ihm gelang (bis auf ein Abseitstor, das eines war!) kaum etwas. Ließ sich vor allem in Halbzeit zwei auch viel zu weit nach hinten fallen. Nach dieser Verletzungsgeschichte kein Wunder, das ist völlig normal. Wirkte nach 75 Minuten auch ausgelaugt und platt.

Marcell Jansen (ab 60. Min. für Tesche) sollte im linken offensiven Mittelfeld für Akzente setzen, aber das gelang nur zweimal, dann schien er wieder ein wenig verletzt.

Aber: Noch ist nichts verloren, warum soll dem HSV in Fürth am Sonntag nicht doch endlich mal der erste Auswärtssieg des Jahres 2014 gelingen? Ich habe noch Hoffnung. Trotz der Tatsache, dass der Zweitliga-Club wie ein Erstliga-Club gespielt hat, und der HSV wie ein Zweitliga-Vertreter. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

So, mir bleibt jetzt nur noch, auf unsere gleich beginnende „Matz-ab-live“-Sendung hinzuweisen. Wir reden über das Spiel und über die Situation in der Relegation. „Scholle“ und ich begrüßen zu dieser Runde unseren „Matz-abber“ „Eiche“ und dazu den großen HSV-Fan Frederik Braun, den alle deswegen kennen, weil er der Chef vom weltberühmten Miniatur-Wunderland ist. Wir würden uns natürlich freuen, wenn Ihr wieder dabei sein würdet.

22.31 Uhr

Unfassbar: 2:3 verloren – aber vorerst gerettet!

10. Mai 2014

Der Gau ist vorerst verhindert worden. Und genau so, wie es die meisten erwartet haben: Der HSV verliert 2:3 in Mainz, die Nürnberger verlieren auf Schalke 1:4, und die Braunschweiger verlieren in Sinsheim gegen Hoffenheim 1:3. Damit ist der HSV erst einmal gerettet – und geht am Donnerstag (20.30 Uhr in Hamburg) und am Sonntag in die Relegationsspiele gegen den Zweitliga-Dritten. Es darf durchgeatmet werden, aber ganz sicher nicht gejubelt oder gefeiert, denn eines steht fest: Dieser HSV 2014 ist die schlechteste HSV-Mannschaft aller Zeiten. Und nur viel, viel Glück hat dazu geführt, dass eine Mannschaft mit nur 27 Punkten und insgesamt 21 Niederlagen erst einmal die Klasse hält. Aber noch darf sich kein einziger Hamburger auf der sicheren Seite wähnen, denn auch gegen einen Zweitliga-Verein wird dieser HSV ganz sicher seiner Schwierigkeiten bekommen – der Pokal lässt grüßen. Ganz Hamburg wird noch einmal und auch zweimal alles geben müssen, um diesen Zitter-Club ganz oben zu halten. Daumen drücken – und mithelfen, mehr geht im Moment nicht. Und dazu dem Fußball-Gott danken, dass er in diesen Wochen mit einem HSV-Trikot ins Bett geht . . .


Von der ersten Minute an zeigten alle HSV-Spieler, dass sie es jetzt endlich begriffen haben. Das war Einsatz bis an die Grenzen, das war Kampf, Biss und der unbändige Wille, sich gegen den Abstieg zu wehren. So muss es gemacht werden, so geht Abstiegskampf. Mainz 05 hatte in der ersten Halbzeit eine einzige Chance, und die war so typisch für den Saisonverlauf des HSV: Eigentlich war gar nichts los, trotz der Rechtsflanke der Mainzer, die in den HSV-Strafraum segelte, und dennoch wurde „etwas“ daraus gemacht. Von zwei Hamburger-Nicht-WM-Fahrer. Wobei Torwart Rene Adler an diesem 73. Gegentor, das sich der HSV in dieser Szene eingefangen hat, total schuldlos war. Heiko Westermann hatte übersehen, dass hinter ihm der Mainzer Soto lauerte. Als der HSV-Innenverteidiger die Kugel aus sechs Metern mit der Brust zu Adler zurücklegen wollte, das heißt, er tat es sogar, spritzte Soto dazwischen und schoss den Ball ins Hamburger Tor. Mainz hat keine Chance, aber macht den Treffer – der ganz normale Hamburger Wahnsinn. Draußen, als Trainer, muss man doch durchdrehen, bei so viel Unfähigkeit, bei so viel Dilettantismus. Statt den Ball mit der Brust zu stoppen, hätte Westermann zur Ecke köpfen müssen – aber das war, wie schon geschrieben, typisch. Für Westermanns Auf-und-ab-Saison, und für den HSV (7.). Und nun?

Der HSV ließ sich diesmal nicht entmutigen. Alle, aber auch wirklich alle, machten so weiter, als wäre nichts geschehen. Und sie wurden für diese Einstellung belohnt. Robert Tesche flankte von links mit seinem schwächeren linken Fuß zur Mitte, Rafael van der Vaart, der eine überragende erste Halbzeit gespielt hat, schoss aus 15 Metern mit seinem schwächeren rechten Fuß, es war eher kein Schuss, sondern ein Schlenzer, aber ganz offenbar stand Pierre-Michel Lasogga genau in der Schusslinie, sodass der Mainzer Keeper Karius, den Ball nur abklatschen konnte. Und dann zeigte Lasogga, warum er der Retter des HSV werden wird, der bullige Torjäger köpfte den Ball ins Netz – sein 13. Saisontor. Endlich mal wieder ein Stürmer-Tor, endlich einmal wieder ein Hoffnungsschimmer. Zumal auf den anderen Plätze für de HSV gespielt wurde. Schalke führte gegen Nürnberg, Brauschweig lag in Sinsheim gegen Hoffenheim 0:1 zurück.

Ob es sich bis auf den Rasen herumgesprochen hatte? Der HSV jedenfalls schien beflügelt, spielte wahrscheinlich sein bestes Auswärtsspiel des Jahres, vielleicht sogar der gesamten Saison. Tesche köpfte nach einer Rechtsflanke von Dennis Diekmeier drüber (22.), Soto rettete nach einem Van-der-Vaart-Eckstoß am langen Pfosten auf der Torlinie (24.), einen Van-der-Vaart-Kopfball hielt Karius (25.), und zwei Minuten später die vielleicht größte HSV-Chance: Freistoß van der Vaart von rechts, am langen Pfosten preschte Michael Mancienne in den Ball, touchierte ihn aber nur noch, sodass Karius aus vier Metern doch noch abwehren konnte – nur Eckstoß. Immerhin: so viele Tormöglichkeiten in einer Halbzeit hatte der HSV seit „Jahren“ nicht mehr. Ein sehr gutes Zeichen.

Was wunderschön zu sehen und zu hören war: Die HSV-Fans, die es sich natürlich wieder einmal nicht nehmen ließen, mit (schwarzer) Pyro-Technik zu glänzen (gut gemacht, wird dem Verein wahrscheinlich runde 40.000 Euro kosten – aber der hat es ja auch), machten aus diesem so wichtigen Auswärtsspiel ein Heimspiel. Sie hatten eindeutig in Sachen Stimmung und Lärm alles im Griff – und zwar bestens. Kompliment. Dickes Kompliment dafür – für die andere Geschichte natürlich nicht. Aber in der versagt natürlich auch der HSV in der Club-Führung! Und zwar hundertprozentig!

Nach der Pause legte Mainz zu. Hat der HSV, wie zuletzt gegen die Bayern, wieder zu viel Kraft in Halbzeit eins gelassen? Diesmal offenbar nicht so ganz, denn nach spätestens 15 Minuten hatten sie das Spiel wieder besser im Griff – es ging hin und her, das war ein echt sehr, sehr ansehnliches Erstliga-Spiel. Schade, dass sich der HSV zu einer solchen guten Leistung erst am letzten Spieltag durchringen konnte . . . Aber immerhin.

„Niemals Zweite Liga“, sangen die HSV-Anhänger voller Inbrunst, weil Hoffenheim und Schalke jeweils 2:0 gegen Braunschweig und Nürnberg führten – was sollte da passieren? Noch das 1:2, das erneute Führungstor für Mainz. Tomas Rincon wollte keine fünfte Gelbe Karte riskieren, ließ sich hinten rechts von Koo ausspielen, Querpass auf Malli, und der schießt humorlos aus 14 Metern ins Hamburger Tor, unhaltbar für Adler (65.). Doch noch einmal Spannung? Der Anhang im Stadion wähnte sich auf der sicheren Seite – und feierte schon mal die Relegation ein wenig vor. Man gönnt sich ja sonst nichts. Zumal Hoffenheim in der 70. Minute schon mal 3:0 gegen die Braunschweiger vorne lagen. Auf Wiedersehen, Eintracht, ihr habt trotz allem eine großartige Saison gespielt – viel, viel besser, als es alle Experten und Fans erwartet hatten.

Schade an diesem 1:2 war, dass 120 Sekunden zuvor Hakan Calhanoglu nach einer Zuckerflanke von Diekmeier das 2:1 für den HSV auf dem Kopf hatte, aber der Ball strich aus zehn Metern knapp am Pfosten vorbei ins Aus.

Besser machte es auf der Gegenseite Okasaki, der zuerst Mancienne und dann Petr Jiracek stehen ließ – und eiskalt vollendete. Ein Klasse-Tor, muss man neidlos anerkennen (82.). Aber dem HSV und seinem Anhang konnte es egal sein. Den Schlusspunkt setzt Ivo Ilicevic: Jiracek-Flanke von links, Ilicevic stoppt den Ball mit der Hand – und schießt ein, 2:3 (84.). Ein schöner Schlusspunkt, der nicht mehr half.

Relegation, wir kommen. Eine Premiere für den HSV, aber vielleicht muss er da ja tatsächlich einmal durch, um aufzuwachen.

Aber ob sie auch wirklich alle aufwachen werden? Da fehlt mir doch ein wenig der Glaube.

Die Einzelkritik:

Rene Adler bis auf eine Unsicherheit in Halbzeit eins in guter Form.

Dennis Diekmeier spielte hinten und vorne gut, war agil, gab wieder (wie zuletzt gegen Bayern) alles, das war eine runde Sache.


Michael Mancienne
knüpfte an seine zuletzt gezeigten guten Vorstellungen an – ein „Aussortierter“ wird zur Stütze des HSV, das sollte man mal den Vorgängern von Mirko Slomka unter die Nasen reiben.

Heiko Westermann begann mit einem verheerenden Fehler, der darf in einem solchen Spiel nicht passieren – danach fing er sich und zeichnete sich durch seinen Kampfgeist aus.

Petr Jiracek zeigte hinten links seine beste Saisonleistung, das war sehr gut – und ein Lichtblick.

Robert Tesche spielte so, als sei er nie ein Aussortierter gewesen – das war bärenstark.

Milan Badelj hatte viel Licht und Schatten in seinem Spiel, mit mehr Schatten allerdings, insgesamt wirkte er wieder einmal ein wenig zu langsam – Folge seiner Verletzungspause?

Tomas Rincon zerriss sich vor Engagement, das waren 1000 Prozent! Beim 1:2 aber sah er schlecht aus – weil er die fünfte Gelbe vermeiden wollte.

Hakan Calhanoglu spielte eine sehr gute erste Halbzeit, dann baute er ein wenig ab. Insgesamt aber gut unterwegs.

Rafael van der Vaart zeigte sein bestes Spiel in diesem Jahr, war in Halbzeit eins vielleicht der beste Mann auf dem Platz, dann baute er zusehends ab – ein ganz normale Sache.

Pierre-Michel Lasogga hielt bis zur 67. Minute durch, hoffentlich unverletzt, er schoss ein ganz, ganz wichtiges Tor – Auftrag zu 100 Prozent erfüllt. Vielen Dank dafür! Ganz herzlichen Dank dafür. Denn dieses Tor macht Mut.

Ivo Ilicevic (ab 67. Min. für Lasogga) machte mit und schoss sogar noch ein (glückliches Hand-)Tor – vielleicht gewinnt er damit an Selbstvertrauen, er könnte es gebrauchen.

Tolgay Arslan (ab 74. Min. für Tesche) durfte mitmachen und sich zeigen.


Marcell Jansen
(ab 83. Min. für van der Vaart) durfte sich dem Bundestrainer noch für sieben Minuten zeigen – und kämpfte wacker mit.

So, mir bleibt jetzt nur noch, auf unsere gleich beginnende „Matz-ab-live“-Sendung hinzuweisen. Wir reden über das Spiel in Mainz, über die Situation am Ende der Erstliga-Tabelle, und über die Relegation ganz speziell. „Scholle“ und ich begrüßen zu dieser Runde die ehemaligen HSV-Spieler Jürgen Stars und Stefan Schnoor – und wir würden uns natürlich freuen, wenn Ihr wieder dabei sein würdet. Übrigens hat die Sendung nach dem Bayern-Spiel in Eurem Kreise unglaublich großen Anteil gefunden, es gab viel Applaus für alle Beteiligten – und unsere beiden Gäste, die Journalisten-Kollegen Jan-Christian Müller (Frankfurter Rundschau) sowie Oliver Wurm (freier Journalist) haben viel Lob erhalten; sogar viele persönliche Zuschriften erhalten. Das freut uns natürlich sehr. Vielen Dank.

17.30 Uhr

Nachtrag um 20:27 Uhr auf die Frage von Rotkäppchen: Pierre-Michel Lasogga soll nur vorsichtshalber ausgewechselt worden sein, er hat sich nicht verletzt und wird damit der große Hoffnungsträger für die Relegationsspiele sein. Und natürlich auch für Mirko Slomka. Der Trainer hat in der ARD gesagt, dass Lasogga das Spiel gut überstanden hat und ihm das Tor Selbstvertrauen geben dürfte. Auf die Frage des Reporters was Sloma Hoffnung macht, dass die Relegation positiv für den HSV ausgehen wird: “Genau das, was ich eben gesagt habe.”

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