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“Wie geht es nun weiter?”

28. Dezember 2013

Winterpause. Fast alle sind im Urlaub, bereiten sich mental auf die Rückrunde vor. Mit nur 16 Punkten aus 17 Spielen hat der HSV mit Beginn des neuen Jahres eine Menge zu erledigen, es fehlt an allen Ecken und Enden, nichts ist bei den „Rothosen“ so in Ordnung, dass sich bequem zurückgelegt werden kann. Im Gegenteil, bei allen, bei wirklich allen müssten täglich die Alarmglocken schrillen. Und jeder müsste sich quasi rund um die Uhr die Frage stellen: „Wie kommen wir aus diesem Dilemma so schnell wie möglich wieder heraus?“ Ja, wie? Was ist zu tun? Laufen mir in diesen Tagen HSV-Fans über den Weg, dann werde auch ich immer wieder gefragt: „Wie geht es nun weiter?“ Ich bin leider auch kein Hellseher. Ich weiß nur, wenn hier nicht vom 3. Januar an eine ganz andere Gangart eingeschlagen wird, dann kann das alles doch noch ganz böse enden – denn die (Abstiegs-)Konkurrenz schläft nicht, diese Vereine haben sich schon lange mit ihrer prekären Situation auseinandergesetzt, haben die Lage erkannt und angenommen – und kämpfen dagegen mit allen Mitteln an. Und zwar miteinander.

Spreche ich mit den HSV-Anhängern über die Hinrunde, so komme ich auch immer wieder auf das Freiburg-Spiel. Da warf sich der SCF-Torwart Baumann ja gleich drei Dinger (beim 3:0-Sieg des HSV) selbst rein. Wenn diese drei Punkte nicht auf das HSV-Konto gewandert wären, was wäre dann wohl hier los? Man mag ja gar nicht daran denken . . .

Die letzte Rettung scheint für Fans des HSV einen Namen zu haben: Einkäufe. Der Club muss bessere Spieler kaufen, so wird oft gefordert. Die Antwort, die ich darauf gebe, ist immer dieselbe: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Und die Antworten, die Trainer Bert van Marwijk und Sportchef Oliver Kreuzer immer wieder auf die Frage nach neuen Spieler-Einkäufen unisono gaben, war die: „Es gibt kein Geld, um neue Spieler zu kaufen.“ Obwohl das noch immer nicht alle verinnerlicht haben. Die wollen ja nichts von „einem stets klammen HSV“ wissen, die glauben immer noch an einen finanziell total gesunden HSV. Dass im vergangenen Sommer noch millionenschwere Spieler-Einkäufe getätigt wurden, das werten sie als untrügliches Zeichen dafür, dass es immer noch viel Geld im HSV gibt. Dass es aber immer Schulden oder ein immer größer werdendes Minus gibt, auch durch diese Verpflichtungen, das sehen sie nicht. Zum Ende meines Beitrags komme ich, weil ich dazu aufgefordert wurde, noch einmal auf dieses leidige Thema zu sprechen. Dass nur deswegen mit dem Vermarkter, von dem sich der Verein (HSV) eigentlich schon seit Jahren trennen wollte (ist alles nachzulesen), noch einmal verlängert wurde (das gab Millionen, die den Verein gerade noch vor einem totalen Finanz-Chaos bewahrten), das betrachten diese Finanz-Experten als völlig normal. Es ist so wie es ist . . .
Wie gesagt, am Ende kommt dieses Thema noch einmal hoch.

Zunächst aber noch einmal zu jenen Neuverpflichtungen, die nun helfen sollen – oder könnten. Das ist ein Trugschluss. Erstens wegen der fehlenden Geldmittel, zweitens wegen fehlender Angebote. Welcher Verein trennt sich jetzt von Spielern, die so gut sind, dass sie dem HSV eine Soforthilfe wären? Und selbst wenn so gute Spieler auf dem Markt wären – zu welchem Preis? Die wären (für den HSV) kaum bezahlbar. Und, wie geschrieben, sie müssten keine Ergänzungsspieler sein, sondern Profis, die dem Club sofort helfen. Von dieser Sorte aber laufen in Europa, nein, in der ganzen Welt herzlich wenige herum. Im Sommer ist das anders, aber im Winter sind solche (auch von der Konkurrenz) begehrten Exemplare wahre Raritäten.

Ich habe einmal nachgesehen, was es in diesem Jahrtausend an Winter-Transfers des HSV gegeben hat – also Einkäufe. Die Zahl derer ist, bis auf eine Saison, begrenzt. Das hat mich überrascht. So viele „Nachkäufe“ hat es gar nicht gegeben.

In der Spielzeit 2000/01 kamen in der laufenden Saison Erik Meijer, Tomas Ujfalusi und Jochen Kientz. Spieler, die nicht die ganz großen „Kracher“ waren, die aber immerhin mitgespielt haben – und zwar nicht schlecht. Wobei Ujfalusi für mich ein sehr, sehr guter Einkauf war, der Tscheche war ganz sicher überdurchschnittlich und eine sehr gute Stütze der HSV-Mannschaft.

Dann ging es weiter:

 

 

Saison 01/02: Am 1. Dezember kam Raphael Wicky, aber das blieb nicht die einzige Winter-Verpflichtung, denn es kam auch noch Bernardo Romeo (vielen Dank, Devildino!). Der HSV belegte am Ende Rang elf.

 

 

Saison 02/03: Im Winter kam Stürmer Naohiro Takahara, der es noch auf 16 Einsätze brachte, dabei aber nur drei Tore erzielte. Keine ganz so starke Bilanz. Der HSV belegte Platz vier.

 

 

Saison 03/04: Im Winter kamen Torwart Tom Starke und das Stuttgarter Talent Vjatscheslaw Hleb, beide Spieler spielten aber keine Rolle für den HSV, der am Ende Rang acht belegte.

 

 

Saison 04/05: Im Winter wurde Piotr Trochowski vom FC Bayern geholt, der Mittelfeldspieler wurde in Hamburg Nationalspieler. Der HSV belegte zum Schluss wieder Platz acht.

 

 

Saison 05/06: Im Winter gab es zwei Verpflichtungen. Eine lohnende, denn das war Nigel de Jong, und eine, die völlig daneben ging: Ailton. Der dicke Brasilianer war ein völliger Flop, aber der HSV schaffte seine beste Platzierung in diesem Jahrtausend, und zwar unter Trainer Thomas Doll: Platz drei.

 

 

Saison 06/07: Im Winter gab es drei Not-Einkäufe. Frank Rost ist bis heute der beste Winter-Einkauf des HSV aller Zeiten, denn der Torwart rettete dem HSV die Erste Bundesliga. Zudem war Ivica Olic eine überragende Verpflichtung, der Dauerläufer wurde – wie Rost – zu einer riesigen Stütze des HSV. Der „dritte Mann“ in diesem Bunde, Mathias Abel, spielte dagegen keine Rolle. Der HSV wurde am Saisonende noch (unter der Regie von Retter Huub Stevens) Tabellensiebter.

 

 

Saison 07/08: Im Winter wurden Vadis Odjidja Ofoe und Anton Putsila (in Hamburg fälschlich Putsilo genannt) unter Vertrag genommen, beide Spieler kamen über eine Mitläufer-Rolle nicht hinaus – der HSV belegte Rang vier.

 

 

Saison 08/09: Diese Spielzeit geht „in die Geschichte“ ein, weil es im Winter (unter dem Team Martin Jol/Dietmar Beiersdorfer) gleich sechs neue Leute gab – und nur einer davon mit einer großen Nachhaltigkeit aufwarten konnte: Tomas Rincon. Der Venezolaner ist bis heute dabei, alle anderen aber suchten – mehr oder weniger – schnell wieder das Weite. Oder mussten das Weite suchen: Albert Streit, Michael Gravgaard, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng (heute bei Hertha BSC fast ein Stammspieler) und Ersatztorwart Khalid Sinouh (wer hat ihn eigentlich noch drauf?). Der HSV wurde in dieser Spielzeit Tabellenfünfter.

 

 

Saison 09/10: In diesem Winter gab es nur eine Verpflichtung, aber die hatte es auch in sich: Ruud van Nistelrooy. Marketing-technisch ein „Kracher“, sportlich nicht. Tabellenrang sieben gab es dann für den HSV.

 

 

Saison 10/11: Der HSV endete auf Rang acht, im Winter hatte es keine „Nachkäufe“ gegeben.

 

 

Saison 11/12: Der HSV hielt mit Mühe und Not die Klasse, Platz 15 war es zum Schluss – ohne Verstärkungen im Winter.

 

 

Saison 12/13: Auch in diesem Winter keine einzige Verstärkung, am Ende gab es Rang sieben für den HSV. Der wohl eingesehen hatte, dass Winter-Verpflichtungen nicht so wirklich sinnvoll sind.

 

 

Seit 13 Jahren waren im Prinzip von insgesamt 23 Einkäufen nur Rost, Olic, Trochowski, Romeo, Wicky, de Jong und Rincon wertvolle Ergänzungen – weil Soforthilfen. Nicht wirklich lohnende Geschäfte für den HSV, eher war das Gegenteil der Fall, weil zu viel Geld für viel zu wenig (einfach nur) verplempert wurde.
Daraus ist allerdings zu schließen, dass sich auch in diesem Winter der HSV nur auf sicher verlassen sollte. Einfach mal die Ärmel aufkrempeln und zur Sache gehen. Das hätte schon was . . .

Nun noch ein ganz interessanter Brief, der mich nach den Festtagen erreichte. Vielen Dank dafür, auch wenn er, das habe ich natürlich durchaus registriert, kritisch mit mir, „Matz ab“ und dem Sport-Journalismus umgeht. Ich werde dazu am Ende dieser Mail noch einmal Stellung beziehen, jetzt erst einmal die Zuschrift:

„Moin Herr Matz,

erstmal hoffe ich, dass Sie, zusammen mit Ihrer Familie, schöne und erholsame Weihnachten verbracht haben. Und wünsche Ihnen hiermit auch gleich einen guten Rutsch ins neue Jahr! Soweit, so gut. Nun gehts wieder zu unserem geliebten HSV und den, ich nenne es mal, Aufgaben, eigentlich sogar Pflichten, eines Journalisten. Seit mehr als einer Woche ist es nun auch offiziell: dem HSV geht es nicht nur sportlich, sondern auch finanziell sehr schlecht. Noch schlechter, als einige erwartet haben. Die vor kurzem veröffentlichte Bilanz lässt das nur zu gut erkennen. Nun meine Frage: Liegt es an der noch relativ knappen Zeit, dass eben über diese aktuelle (und zugleich schrecklich anzuschauende) Geschäftsbilanz der Saison 2012/2013 nur sehr oberflächlich berichtet worden ist, oder war das in der Tat schon alles, was wir dazu erwarten durften? Allgemein vermisse ich bei Ihnen und Ihren Kollegen vom Abendblatt eine detaillierte und tiefgreifende Analyse zu den aktuellen HSV-Verhältnissen. Insbesondere den Finanzen. Vieles ist so schwammig, so oberflächlich. Aber ist es nicht genau die Aufgabe eines Journalisten, eklatante Missstände klar und deutlich anzuprangern? Zum Beispiel so wie Ihre Kollegin Britta Kerhahn das vor einigen Tagen getan hat? Wobei Sie nicht mal außergewöhnliches geleistet hat, sie hat einfach nur das getan, was ein/eine Journalist/Journalistin tun muss. Nämlich Missstände aufdecken. Klar und deutlich. Darf man das zukünftig (vermehrt) auch von Ihnen und Ihren Abendblatt-Kollegen erwarten? So eine schöne, tiefgreifende Analyse der Finanzen des HSV, der aktuellen Bilanz 2012/2013? Wo z.B. ist das Geld der Fananleihe plötzlich hin?

. . .

Sehr viele HSV-Fans würden es Ihnen danken und sich mit Sicherheit sehr darüber freuen, solche detaillierte Analysen zukünftig in Ihrem, ansonsten durchaus interessanten HSV-Blog, zu lesen zu bekommen. Gerne aber auch beim Abendblatt direkt. Trauen Sie sich und lassen Sie zu diversen Themen mal “echte” Experten an die Tasten! Das würde dem Blog meiner Meinung nach sehr gut tun. PRO Gastbeiträge bzw. Expertenmeinungen.

Viele Grüße, Marcel“

 

 

Eine „schöne und tiefgreifende Analyse“ erwartet der User „Marcel“. Dazu muss ich einmal sagen, dass es solche „schönen, tiefgreifenden Analysen“ hier früher durchaus zu solchen Zahlen gegeben hat. Nur was war die Folge? Die Experten, und es gab hier tatsächlich solche Experten, die mit Zahlen im täglichen Alltag, also im Berufsleben, umzugehen hatten, diese Experten haben uns Punkt für Punkt widerlegt. Es wäre ja alles nur dummes Zeug, alles Blödsinn, es ist ohnehin alles ganz anders. Wir wurden als völlig „ahnungslos“ und als „Blinde“ hingestellt. Das ging nicht nur wochenlang, sondern monatelang und jahrelang so. Diese Herren (und auch Damen, muss ich leider sagen) wussten alles besser. Die glaubten unsere „schönen, tiefgreifenden Analysen“ nicht nur nicht, sie rechneten uns genau das Gegenteil von dem vor, was wir in unseren „schönen, tiefgreifenden Analysen“ errechnet und recherchiert hatten.

Davon, lieber „Marcel“, habe ich persönlich längst die Nase gestrichen voll. Sprechen diese Zahlen und Tatsachen, die jetzt auf dem Tisch liegen, nicht für sich? Ist das alles nicht alarmierend genug? Und bei diesem ganzen Dilemma in diesem HSV ist doch heute noch immer so, dass hier Leute glorifiziert werden, die für den finanziellen Absturz des HSV verantwortlich sind. Die Jungs, die dafür Verantwortung tragen, dass es mit diesem Club steil bergab ging, werden jetzt aber immer noch von Leuten glorifiziert, die zwar bei den HSV-Spielen auf der Tribüne dabei sind, sogar gelegentlich beim Training – die aber allein dadurch alles wissen (wollen) und die sich so den absoluten Durchblick verschafft haben. Woher dieser Durchblick dann aber auch immer kommen mag, ich habe diese Leute nie innerhalb des HSV mitarbeiten gesehen, geschweige dass sie sich HSV-intern erkundigt oder auch nur schlau gemacht haben, wie und warum alles so läuft – oder gelaufen ist?
Da wird munter drauf gemutmaßt und dann einfach rausgehauen, was ihrer Meinung nach einfach mal herausgehauen werden muss.

Vielleicht kommt eines Tages doch noch ein Mensch (des HSV), der einmal schonungslos auspackt und die Dinge offen beim Namen nennt. Das ist leider nie geschehen – aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch meine. Wenn eines Tages die eine oder andere Führungsperson des HSV so in die Enge getrieben worden ist, dass ihr gar nichts anderes übrig bleibt, als „auszupacken“, dann werden wir allen vielleicht doch noch einmal die ganze Wahrheit erfahren. Ich wünsche es mir.

Vieles ist „so schwammig, so oberflächlich“ – schreibt „Marcel“. In seinem vorherigen Beitrag hat „Scholle“ noch einmal – allerdings gar nicht so schwammig und oberflächlich – geschrieben, wie es um die Finanzen des HSV bestellt ist. Auch die Problematik mit dem Vermarkter, der noch einmal verpflichtet werden musste, weil sonst die schon so negativen Zahlen noch viel dramatischer gewesen wären.
Was ist daran „schwammig und oberflächlich“? Diese Bilanz wurde von allen Medien angeprangert. Das ist Tatsache. Und nun sind die HSV-Mitglieder gefordert, darauf zu reagieren. Wo es doch innerhalb des HSV noch immer (und ganz sicher) viele, viele Leute (Mitglieder) gibt, die die Zahlen ohnehin nicht als so dramatisch ansehen, als dass darauf reagiert werden müsste. Oder die diese Negativ-Zahlen einfach als “dummes Zeug” abtun.

Kurios in diesem Zusammenhang ist ja auch, dass es nun im Aufsichtsrat Personen gibt, die eine solche Kontrolle (des Vorstands) immer von ihren Vorgängern nicht nur erwartet, sondern auch stets und ständig mit Nachdruck, Vehemenz und auch mit vielen bösen Worten (oft hinter der vorgehaltene Hand) gefordert hatten, die heute aber selbst alles nur abnicken und mittragen.
Alles halb so wild? Genau, alles nur halb so wild!
Offenbar wollen es im HSV viele so „schwammig und oberflächlich“.

Allen aber, denen die Tatsache, dass die negativen HSV-Zahlen nur durch eine eigentlich nie gewollte Verschönungskur (mit dem Vermarkter) „gerettet“ wurden, zu denken gibt, die sollten sich endlich wehren. Am 19. Januar können die Weichen für eine bessere Zukunft des HSV gestellt werden, diejenigen, die dabei mithelfen wollen, die müssen dann nur Flagge zeigen, ins CCH kommen und wählen. So einfach wäre das.
In diesem Zusammenhang stelle ich mir übrigens schon seit geraumer Zeit zwei nicht ganz unwichtige Fragen:

Wieso engagieren sich eigentlich so viele ehemalige HSV-Profis für diese neuen HSV-Strukturen – wieso? Ich kenne bislang keinen „Ehemaligen“ (Spieler) des HSV, der dagegen ist.
Und warum sind so viele Leute, die nie an den Außenlinien auf- und abgelaufen sind, um dann eine halbhohe Flanke zur Mitte zu schlagen, so sehr dagegen? Weil diese Leute ganz einfach viel mehr Ahnung vom Profi-Fußball haben?

Ihr solltet vielleicht einmal darüber nachdenken.

Und nicht vergessen:
Ich bin für ein friedliches Miteinander.

17.57 Uhr

Was “Calli” Calmund vom neuen HSV hält . . .

23. Juni 2013

Das kann ja heiter werden . . . Der dicke „Calli“, früher Manager von Bayer Leverkusen und auf den Namen Reiner Calmund hörend, hat in der Bild am Sonntag schon mal die Bundesliga 2013/14 durchgetippt. Und siehe da, bei „Calli“ steht der HSV ganz hoch im Kurs. Immerhin zwölf satte Punkte traut er den Hanseaten in der Hinrunde dann doch zu, davon sind zwei Spiele gewonnen und sechs Mal gibt es eine Punkteteilung. Das sieht dann wie folgt aus: Gegen Hoffenheim gibt es ein 1:1, gegen Werder 1:1, gegen Nürnberg 1:1, gegen Stuttgart 0:0, gegen Mönchengladbach 1:1 und gegen Mainz schießt der HSV dann sogar mal zwei Tore, Endstand 2:2. Die HSV-Siege fallen dazu auch ein wenig dürftig aus: 1:0 gegen Eintracht Braunschweig und 1:0 gegen den FC Augsburg. Mein Trost: Es muss ja nicht so kommen . . . Und wenn doch, dann gibt es wenigstens mal eine recht turbulente Mitgliederversammlung im Januar. Das hätte ja auch etwas.

Ansonsten: Bei Hertha BSC trainieren sie schon wieder, die Eintracht ist in Braunschweig schon wieder auf dem Rasen zugange, die Bayern werden am Mittwoch beginnen – und der HSV am Montag (am 1. Juli), also morgen in einer Woche. Gut Ding will Weile haben – fällt mir dazu ein. Aber bis zum Trainingsauftakt wird die Zeit sicherlich noch genutzt, um ein, zwei oder auch drei Neuzugänge unter Vertrag zu nehmen. An diesem Wochenende ist in dieser Hinsicht nichts passiert.

Was nicht heißen soll, dass sich beim HSV auf die faule Haut gelegt worden ist – von Freitag bis Sonntag. Das ist ganz gewiss nicht der Fall, aber es braucht eben alles seine Zeit. Und auch in Sachen „Struktur-Veränderungen“ kann ich versichern, dass da nichts eingeschlafen ist – im Gegenteil. Ernst-Otto Rieckhoff gibt richtig Gas und führt beinahe täglich Gespräche, um diese ganz entscheidende Sache professionell vorzubereiten und auf die Beine zu stellen. Er, Rieckhoff, bleibt am Ball, und ich werde auf Ballhöhe bleiben. Und bin davon weiterhin restlos überzeugt, dass alles gut wird.

So, und dann möchte ich hier heute ganz gerne mal über Fußball schreiben, weil mir zuletzt zu viele Dinge hier hinein gerutscht sind, die hier eigentlich nichts zu suchen haben. Mir geht, nachdem ich nun Spiele der U-20-Weltmeisterschaft gesehen habe und heute auch das A-Jugend-Finale zwischen Hansa Rostock und dem VfL Wolfsburg (1:3 n. Verl.) eine Passage des Golz-Interviews der Vorwoche nicht aus dem Sinn. Da wird Richard Golz auf den HSV-Nachwuchs angesprochen und er sagt: „Mein Lieblingsthema in den vergangenen fünf Jahren war Mentalität. Wir trainieren alles Mögliche, bieten Individualtraining an. Aber das, was am Wichtigsten ist, trainieren wir fast am Wenigsten: den Kopf. Wenn du besser sein willst auf die anderen, musst du viel mehr Wert auf Mentalität legen. Da ist noch viel rauszuholen.“ Mein Kollege Alexander Laux und ich entgegneten: „Der HSV hatte doch einen Psychologen angestellt . . .“ Golz antwortete: „Einstellen alleine reicht nicht, man muss ihn auch einbinden und ihm die Chance zur Mitarbeit geben. Sein Vertrag wurde ja jetzt auch nicht verlängert.“

Dazu möchte ich zweierlei Dinge anmerken. Erstens ist es sicherlich richtig, dass auf diesem Gebiet noch „viel rauszuholen“ ist, dass dieses Thema aber von den meisten Trainern heute immer noch unterschätzt wird. Und weil das so ist, ist es zweitens so, dass die Vereine zwar gelegentlich einen Psychologen einstellen, aber die jeweiligen Trainer verzichten so gut wie immer auf eine erfüllende Zusammenarbeit. Weil sie sich, das habe ich so oft gehört, „nicht von einem Außenstehenden in die Mannschaft reinreden“ lassen wollen, und weil sie glauben, dass sie selbst Psychologe genug sind, um solche Fälle auf eigene Faust (und eigenem Muster) lösen zu können. Und irgendwie war es früher, als diese Trainer noch als Spieler „unterwegs“ waren, ja auch so, dass die „psychologische Arbeit“ von jedem Trainer „mitgemacht“ wurde.

Wobei ich festgestellt habe, dass die Trainer früher – egal in welcher Spielklasse auch immer – viel mehr mit „ihren Jungs“ gesprochen haben, dass sie sich viel mehr um die Sorgen, Nöte, Form und die Einstellung ihre Spieler gekümmert haben. Mein Eindruck ist der, dass damals (oder vor einiger Zeit) die Trainer viel häufiger auch „Hobby-Psychologen“ waren. Heute ist ein jeder, ob nun Spieler oder Trainer, in erster Linie erst einmal ein Profi, und dieser hat erstens ganz professionell zu tun (und zu lassen), was vom Verein (Trainer) vorgegeben wird. Und zweitens steht man als Profi ohnehin über den Dingen und weiß genau, wie der Hase zu laufen hat. Da gehört es längst nicht mehr zum Alltag, dass eigene Schwächen gebeichtet werden, dass über Schwächen oder Sorgen gesprochen wird. Schon gar nicht mit dem Vorgesetzten.

Dabei gab es auch beim HSV schon Profis, die psychologische Hilfe, die vom Verein angeboten wurde, in Anspruch genommen haben. Die Trainer wussten davon und billigten es (wenn auch die meisten höchst ungern), und dazu geschahen solche Gespräche immer auch absolut anonym. Dass es den Spielern etwas gebracht hätte, das wüsste ich allerdings nicht. Und deswegen denke ich auch, dass da noch sehr viel an der Einsicht vor allen Dingen der Trainer getan werden muss, dass da noch viele Barrieren (und auch Berührungsängste) abgebaut werden müssen, um eine wirklich professionelle psychologische Zusammenarbeit zu ermöglichen. Die dann kein Alibi (mehr) ist, sondern auch tatsächlich eine Hilfe für den Spieler, die Mannschaft und somit auch für den Verein. Ich denke aber genau wie Richard Golz, dass auf diesem vom Profi-Fußball (in Hamburg?) bislang recht stiefmütterlich behandelten Gebiet noch viel mehr rauszuholen wäre. Man muss es nur wollen. Und wohl in erster Linie auch erkennen, dass da noch viele möglich ist.

So, und dann habe ich mir mal Gedanken um die Spieler gemacht, die jetzt (und demnächst) von Oliver Kreuzer verpflichtet werden – und somit als Soforthilfe für den HSV einzustufen sind. Wie jedes Jahr dominiert bei jedem (HSV-)Einkauf die Hoffnung. Und wie oft wurden wir alle enttäuscht, maßlos enttäuscht mitunter. Und ich habe mir mal eine Liste gebastelt, die ihr dann ja mal mit euren HSV-Enttäuschungen vergleichen könntet. Wo liegen wir auf einer Linie, wo setzt ihr andere Prioritäten – wen habt ihr noch zusätzlich auf dem Zettel. Wobei ich in drei Kategorien unterscheiden möchte:

Total-Flops, Enttäuschungen und Missverständnisse.

Letztere „Abteilung“ möchte ich gleich zu Beginn anführen, denn da habe ich im Grunde nur drei Namen anzubieten:

Marek Saganowski (kam 1996 von Feyenoord Rotterdam), brachte es nur auf drei Bundesliga-Spiele für den HSV und verschwand nach Polen. Später wurde er nicht nur Nationalspieler seines Landes, sondern auch Kapitän der Nationalmannschaft. Zweiter Name in dieser Kategorie ist Reto Ziegler, 2005 von Tottenham Hotspur gekommen, schaffte acht Bundesliga-Einsätze, ging zu Wigan Athletic und später zu Sampdoria Genua, Juventus Turin und spielt jetzt für Fenerbahce Istanbul. Für die Schweiz bring er es bislang auf 32 Länderspiele. Und noch ein Name fällt mir dazu ein: Vadis Odjidja-Ofoe, vom RSC Anderlecht gekommen, zwei Bundesliga-Einsätze – und weg. Der Mittelfeldspieler wurde in Belgien noch Nationalspieler und spielt heute beim FC Brügge.

Dann komme ich zu meinen Total-Flops. Der größte Flop steht an erster Stelle, der zweite auf zwei – usw. Meine Top-Ten:

1.) Ailton. Der „Kugelblitz“ kam 2006 von Besiktas Istanbul und führte sich auf wie eine Diva. Dabei war er nur (trainigs-)faul, dick und unantastbar, er war nur im Kassieren eine Eins. Deswegen eine glatte Sechs für den Klops, der dem HSV Millionen gekostet hat – auch wegen des Fehlschusses gegen Werder Bremen.

2.) Martin Dahlin. Der Schwede kam 1998 von den Blackburn Rovers und alle in Hamburg hatten sofort den Verdacht: „Das ist nur der untalentierte Zwillingsbruder des ehemaligen Mönchengladbachers Martin Dahlin.“ Er lief und trabte nur wie ein Freizeit-Fußballer über den Platz.

3.) Mladen Pralija. Ersetzte 1987 den geschassten Uli Stein – er sollte ihn ersetzen. Erwies sich als absolut untauglich für die Bundesliga, und die erste Amtshandlung des neuen HSV-Trainers Willi Reimann war die: Pralija wurde vor die Tür gesetzt. Und womit? Mit recht.

4.) Juan Pablo Sorin. Der Weltmeister aus Argentinien. Welch ein klangvoller Name, und welch eine jämmerliche Attrappe steckte dahinter! Kam als Dauerverletzter und blieb eigentlich immer ein Dauerverletzter. Ganz erbärmlich, dieser Transfer – gewiss keine Ruhmestat des HSV.

5.) Albert Streit. Der Rumäne kam 2009 auf Leihbasis vom FC Schalke 04 und brachte es für den HSV auf zehn Bundesliga und zwei Regionalliga-Einsätze. Der gute Mann hätte als Fußballer eigentlich alles gehabt – nur der Kopf machte nicht mit. Kam als Außenseiter und blieb ein absoluter Außenseiter, der gar nicht wollte.

6.) Niclas Kindvall. Der Schwede wurde 1994 per Video verpflichtet. Auf diesem Videoband waren alle Liga-Tore von Kinvall zu sehen und zu bewundern – und das taten die Herren des HSV dann auch: gekauft der Mann. Eher das „Männlein“. Brachte hier kein Bein auf den Boden und blieb ein bemitleidenswerter Mitläufer.

7.) Mark McGhee. Wurde 1984 von Günter Netzer verpflichtet, und als der HSV-Manager zum Flughafen fuhr (um McGhee in Empfang zu nehmen), soll er sich gewundert haben. Ein Gerücht besagte danach, dass Netzer eigentlich einen ganz anderen Schotten verpflichten wollte – und genau das wäre auch besser gewesen. McGhee tänzelte durch die Strafräume der Bundesliga, sorgte eher für Lacher denn für Schrecken beim Gegner.

8.) Vanja Grubac. Wurde 1998 von Frank Pagelsdorf als Torjäger zum HSV geholt – und entpuppte sich als Niete. Elf Spiele, zwei Tore in fast drei Jahren – das ist dann doch eher keine Bilanz.

9.) Alexander Curtianu. Wurde 1998 aus St. Petersburg geholt, nachdem er der deutschen Nationalmannschaft in Moldawien kurz zuvor Knoten in die Beine gespielt hatte. Nach diesem begeisternden Auftritt in Chisinau hätte, das muss ich zugeben, Curtiano auch verpflichtet, aber es muss das Spiel seines Lebens gewesen sein – nie wieder erreichte er auch nur annähernd eine solche Form.

10.) Martin Zafirov. Ein Bundesliga-Einsatz. Eingewechselt am 6. August 1997 beim Spiel in Wolfsburg, der Bulgare kam nach der Halbzeit für Markus Schopp und flog in der 87. Minute, nachdem er bis dahin nichts, aber auch wirklich nichts gezeigt hatte, mit Rot vom Platz. Kurios: Zafirov wurde von Trainer Pagelsdorf geholt, obwohl genau dieser Zafirov ein Jahr zuvor noch bei einem Probetraining der Zweiten Mannschaft des HSV (Trainer Gerd-Volker Schock) durchgefallen war! Es eben alles Ansichtssache. Nach dem Auftritt in Wolfsburg war für Zafirov Abpfiff, er spielte nie wieder für den HSV.

So, dass waren meine Voll-Flops, allerbeste Chancen auf Platz elf in dieser Liste hätten folgende Herren:

Andreas Mate (kam 1964), Elmar May (1966), Volker Danner (1973), Buca (1979), Wolfram Wuttke, Dieter Schatzschneider (beide 1983), Sergio Zarate (1994), Christian Claaßen (1995), Jakob Friis-Hansen (1996), Jens Dowe (1996), Pawel Wojtala (1996), Sascha Ilic (1997), Michael Molata (1997), Joe Simunic (1997), Rasoul Khatibi (1999), Jörg Albertz (kam 2001 aus Glasgow zurück), Kim Christensen (2001), Rene Schneider (2001), Michael Bauer (2002), Vyacheslav Hleb (2003), Almali da Silva Moreira, Jean Carlos Donde, Charles Takyi (alle 2004). Daniel Ziebig (2005), Danijel Ljuboja, Boubacar Sanogo (beide 2006), Khalid Sinouh, Alex Silva, Mickael Tavares, Marcel Ndjeng, Michael Gravgaard, Macauley Chrisantus (alle 2008), Marcus Berg (2009), Lennard Sowah (2010) sowie Paul Scharner, der 2012 kam, verletzt war, vom Platz flog – und sich ausleihen ließ. Nun kommt er wohl wieder – jeder hat eine zweite Chance verdient.

Wie gesagt, das sind meine „Favoriten“, sicher habe ich den einen oder anderen „Kandidaten“ vergessen – und ihr werdet vielleicht (oder ganz sicher) andere haben. Vielleicht teilt ihr sie dann ja mal mit.

PS: Könnte gut sein, das Jacques Zoua vom FC Basel morgen nach Hamburg reisen wird. Was sich daraus entwickelt? Mal abwarten.

17.59 Uhr

Die Träume platzten auch woanders . . .

16. Juni 2013

Wer kommt, wer geht? Fragen, die die Fans bewegen. Jetzt und in jeder Sommer- oder Winter-Pause. So auch im vergangenen Jahr, als sich im Juni gleich zwölf HSV-Spieler aus Hamburg verabschiedeten. Die meisten von ihnen sicherlich mit dem Gedanken, dass sie vom HSV verkannt worden sind, und dass sie mit dem nächsten Verein das ganz große Los gezogen haben, um nun karrieremäßig durchzustarten. Träume, die allerdings nur bei den wenigsten Spielern, die es beim HSV versucht haben und letztlich für zu leicht befunden wurden, in Erfüllung gegangen sind. Wer erinnert sich noch an die Profis, an die Namen – zwölf an der Zahl?

Einer, der es geschafft hat, ist sicherlich Paolo Guerrero. Der Peruaner wechselte (viel zu billig und für weniger, als es mit den angeblich fünf Millionen angegeben wurde) zu Corinthians Sao Paulo und wurde Stammspieler. 27 Partien bestritt Guerrero für den brasilianischen Erstliga-Club und erzielte dabei zwölf Tore. Kleiner Wermutstropfen: Paolo wurde insgesamt in neun Spielen ausgewechselt.

Etwas mehr hatte sich wohl Mladen Petric versprochen, als er vom HSV zum FC Fulham wechselte. Der Kroate brachte es zwar auf 23 Erstliga-Partien in England, wurde dabei aber vom ehemaligen HSV-Trainer Marin Jol in 14 Partien ein – und in acht Begegnungen ausgewechselt. Insgesamt brachte es Petric dabei nur auf 883 Spielminuten, in denen er immerhin fünf Treffer erzielen konnte. Sein letztes Länderspiel bestritt Mladen Petric am 6. Februar gegen Südkorea, sein Vertrag lief am 30. Juni 2013 aus – und bislang gibt es noch keinen Anschlussvertrag und keinen neuen Arbeitgeber. Dass hatte sich der Torjäger ganz sicher auch etwas anders vorgestellt, als er vor einem Jahr seine Zelten in Hamburg abbrach.

Ebenfalls nicht ganz so gut ist es für David Jarolim gelaufen, der vom HSV keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatte und den es dann nach Frankreich zog. Zum Erstliga-Club FC Evian Thonon Gallard. Dort schaffte der Tscheche dann aber nur fünf Einsätze, dreimal wurde er dabei ausgewechselt. Aus persönlichen Gründen löste „Jaro“ dann im Herbst seinen Vertrag auf und schloss sich in Januar dem tschechischen Erstliga-Verein Mlada Boleslav an. Der 34-jährige Jarolim machte bis zum Sommer noch elf Spiele und steht zurzeit ohne neuen Verein da. Das alles ist sicherlich nicht ideal und auch nicht im Sinne des ehemaligen HSV-Kapitäns gelaufen, aber er besitzt mit dem HSV ja noch immer eine vertragliche Anschlussvereinbarung, und die könnte schon in diesem Sommer in Kraft treten: Jugendtrainer, Spieler bei der Regionalliga-Mannschaft? Vieles ist vorstellbar.

Ganz schlecht ist es sogar für Gökhan Töre gelaufen, der Deutsch-Türke galt bei vielen Experten als ein Jahrhunderttalent. Auch ich habe den „bulligen“ Dribbelkünstler weitaus höher eingeschätzt, und zudem habe ich bei seinem Wechsel zu Rubin Kazan gedacht, dass Töre nun die Russen aufmischen würde. Hat er vielleicht sogar, aber auf keinen Fall fußballerisch. Nur fünf Erstliga-Einsätze hatte er, dreimal ein- und einmal ausgewechselt, aber meistens war er gar nicht im Rubin-Kader für die Spiele. Töres Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2016, jetzt aber wurde er von den Russen an den türkischen Erstliga-Club Besiktas Istanbul ausgeliehen. Vorerst für ein Jahr.

Und wer erinnert sich noch an Muhamed Besic? Der Bosnier hatte während seiner Hamburger Zeit immer leicht den Verdacht, dass ihn sein Arbeitgeber HSV unterschätzt. Im Sommer 2012 zog es den 20-jährigen Abwehrspieler dann nach Ungarn, um in der Ersten Liga für Ferencvaros Budapest zu spielen. Kein schlechter Plan, denn Besic machte 22 Spiele und schaffte dabei nur einmal nicht die volle Spielzeit. Das ist doch mal eine ordentliche Ausbeute . . .

Romeo Castelen war der dauer-Pechvogel des HSV, auch er erhielt keinen neuen Vertrag mehr – gab aber nie auf. Er verhandelte mit Birmingham City, schloss sich dann aber dem russischen Club Volga Nizhniy Novogrod an, für den er aber nur zwei Spiele machte – zwei Einwechslungen, einmal 15 und einmal 25 Minuten. Dreimal stand Castelen noch im Kader, brachte es aber nicht zu einem Einsatz – jetzt ist er wieder einmal vereinslos.

In die Dritte Liga hatte es Daniel Nagy gezogen, und zwar zum VfL Osnabrück. 33 Spiele bestritt der Mittelfeldmann für den VfL, wurde dabei aber in gleich 20 Partien von Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz vorzeitig vom Platz geholt. Nagy brachte es auf lediglich drei Tore. Die Frage, die sich wohl nicht nur der Spieler stellt, ist die: Ist die Dritte Liga schon das Ende der Fahnenstange einer Karriere, die durchaus mal zu großen oder größeren Hoffnungen Anlass gab?

Ähnlich dürften die fußballerischen Träume von Sören Bertram gewesen sein, den es vom HSV zum VfL Bochum gezogen hat. Dann gab es ein böses Erwachen, denn der 22-jährige Bertram schaffte nur drei Zweitliga-Einsätze – und 13 Spiele in der Regionalliga-Mannschaft des VfL Bochum. Das kann doch eigentlich noch nicht alles gewesen sein, oder?

Eine immer noch im Raum stehende Frage ist für mich der bislang unerklärliche Winter-Wechsel von Tom Mickel zur Spielvereinigung Greuther Fürth. Warum? Von der Nummer drei (oder vier) des HSV zur Nummer drei beim Erstliga-Absteiger, das macht auch heute für mich nur relativ wenig Sinn. Mickel brachte es auf keinen Erstliga-Einsatz, stand aber in neun Regionalliga-Partie (in Bayern) zwischen den Pfosten der Kleeblätter. Die Frage, die sich daran anschließt: wie geht es weiter?

Dann gab es da noch den einst mit ganz großen Hoffnungen in Hamburg begrüßten Macauley Chrisantus, der einst als eines der größten Talente der Welt galt. Beim HSV konnte er diesen Ruf nie auch nur annähernd rechtfertigen, er wurde verschiedentlich ausgeliehen, spielte zuletzt für den FSV Frankfurt. Im Sommer 2012 zog es ihn in die Segunda Division nach Spanien, wo er für DU Las Palmas stürmt. 41 Spiele schaffte er, wurde dabei in zwölf Begegnungen ausgewechselt. Das sieht nicht mehr nach der ganz großen Karriere aus.

Zwei haben wir dann noch. Mikael Tavares schloss sich ebenfalls dem FC Fulham an, brachte es aber auf keinen einzigen Premier-League-Einsatz und ist nun schon seit dem Januar 2013 vereinslos. Und Miroslav Stepanek, ebenfalls ein Dauer-Pechvogel des HSV (Kreuzbandrisse), spielte in der abgelaufenen Saison für zwei Vereine. Erst für den FC Senica, dann mit Beginn des Jahres beim MSV Duisburg II. Der Traum von der großen Fußball-Karriere – geplatzt.

So, das waren die zwölf ehemaligen HSV-Spieler, die einst im Sommer 2012 auszogen, doch noch den ganz großen Wurf zu landen. Nur ganz, ganz wenige haben es geschafft. Ob das vielleicht auch dem einen oder anderen Verantwortlichen im HSV zu denken gibt? Schließlich waren die Spieler einst zum HSV geholt worden, um den Rothosen auf die Sprünge zu helfen . . . Da wurde wohl mit wenig Auge und mit viel Geld eingekauft – besser wäre es natürlich umgekehrt.

Für die neue Spielzeit (2013/14) galt ja der Nürnberger Timm Klose als Wunschkandidat des HSV in der Abwehr – aber daraus scheint nichts zu werden. Klose hat beim 1. FC Nürnberg das Angebot einer Vertragsverlängerung abgelehnt und strebt jetzt einen Wechsel zum VfL Wolfsburg an. „Nach langer Überlegung habe ich mich entschieden, dass, wenn die Möglichkeit besteht, ich die neue Herausforderung annehmen werde und vorzeitig zum VfL Wolfsburg wechseln möchte“, sagt der Schweizer. Vom HSV hat er nichts gesagt.

Und dann noch einmal zum Pokal-Gegner in Thüringen. Der Oberliga-Aufsteiger SV Schott Jena darf sich bei seiner DFB-Pokalpremiere auf eine geballte Ladung Bundesliga-Tradition freuen. Anfang August empfängt der SV Schott im heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld den HSV. „Auf 50 Jahre Erstliga-Erfahrung zu treffen, ist eine großartige Sache. Wir wollen das Stadion voll kriegen“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Jörg Triller. Das Team von Trainer Steffen Geisendorf hatte Ende Mai im Landespokalfinale überraschend den deutlich favorisierten Drittliga-Vertreter Rot-Weiß Erfurt mit 1:0 bezwungen und sich so erstmals in der Vereinsgeschichte für den DFB-Pokal qualifiziert. Am Sonnabend hatte der SV Schott das letzte Punktspiel dieser Saison mit 8:0 gegen Meuselwitz II gewonnen.

16.47 Uhr

Der HSV sucht Verstärkung – dafür soll Demel gehen

15. August 2011

Heute war trainingsfrei: Ein Tag Ruhe nach einem Wochenende, dass allen Beteiligten inklusive uns hier im Blog zu denken gegeben hat. Und auch Ihr hattet darüber diskutiert, ob sich der HSV diesen freien Tag erlauben kann. Eine berechtigte Diskussion, wie ich finde. Aber auch eine, die definitiv beide Schlüsse zulässt. Denn die Erholung für die Spieler ist ebenso wichtig und notwendig, wie der HSV Nachholbedarf in Sachen Automatismen hat. Denn, ohne hetzerisch sein zu wollen, ich habe in dem Spiel der Aufsteiger vom FC Augsburg in Lautern wirklich mehr einstudierte Spielzüge und eine deutlich bessere Abstimmung gesehen als beim HSV gegen Hertha. Denn da war nicht mal das Auffälligste der Vorbereitung zu sehen: die Flankenläufe von Dennis Diekmeier. Statt immer wieder steil zu gehen und seine Schnelligkeit zu nutzen, beschränkte sich der Rechtsverteidiger wie sein Penadant auf links, Dennis Aogo, auf die Defensivarbeit. Und dadurch fehlte dem HSV eine Menge Offensivqualität.

Schon deshalb bin ich froh, dass jetzt noch etwas geht: der HSV ist weiter auf der Suche nach Verstärkung. „Der Transfermarkt ist noch 15 Tage geöffnet“, sagt jetzt Frank Arnesen und kündigt an, „da kann noch einiges passieren.“ Eine Aussage im Konjunktiv, die umgesetzt werden sollte. Und wird es auch. Wenn meine Informationen richtig sind, ist Arnesen weiter auf der Suche nach Verstärkungen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der HSV noch einen oder zwei Spieler abgeben kann. „Sollte das gelingen, haben wir eventuell die Möglichkeit, noch einen Neuen zu holen.“ Erste Streichkandidaten sind weiterhin die eh schon aussortierten Guy Demel und Mickael Tavares.

Zudem sollen noch ein, zwei Spieler verliehen werden. Hier gilt Sören Bertram als erster Kandidat, während ein Verleihgeschäft von Tolgay Arslan ausgeschlossen ist. Der Angreifer ist zwar immer noch verletzt, allerdings hat er Oenning in der Vorbereitung komplett überzeugt. „Tolgay hat gezeigt, dass er uns helfen kann“, so der Trainer. Ebenfalls ausgeschlossen scheint ein Verkauf von Änis Ben-Hatira, an dem zuletzt Hertha BSC interessiert gewesen sein soll. Ein Umstand, den Arnesen nicht bestätigen wollte. „Ich saß vor dem Spiel mit den Verantwortlichen aus Berlin zusammen und keiner hat irgendwas davon gesagt. Insofern gehe ich davon aus, dass es kein Interesse gibt“, so Arnesen, der zudem betonte, Ben-Hatira sowieso nicht abgeben zu wollen.

Stattdessen könnte es noch einen zentralen Mittelfeldspieler treffen. Denn genau für die Position sucht der HSV derzeit nach Verstärkung, nachdem die Mannschaft sowohl in der Vorbereitung als auch in den ersten Ligaspielen genau dort am schwächsten Präsentierte – ohne einen Lösungsansatz zu bieten. Allerdings stellt sich mir die Frage, wer dann gehen muss. Denn immerhin stehen mit Robert Tesche, Gojko Kacar, Tomas Rincon, David Jarolim und sogar noch Heiko Westermann gleich fünf Kandidaten zur Verfügung – Neuzugang er Skjelbred nicht mal mitgerechnet. Definitiv zu viele Kandidaten für gerade mal zwei Positionen…

Klar ist, dass man für den 32-jährigen Jarolim nicht mehr viel bekommen würde, Tesche gerade erst seinen Vertrag verlängert hat und Westermann zum Kapitän bestimmt wurde. Und Kacar gilt trotz seiner weiterhin stagnierenden schwachen Form als Eckpfeiler in Oennings Planungen. Bliebe – dem Ausschlussverfahren sei dank – wohl nur noch Tomas Rincon übrig. der altersmäßig für andere Klubs interessant sein dürfte und zuletzt bei der Copa America stark aufspielte. Zumal ich von dem Venezolaner weiß, dass seine Geduld in diesem Jahr deutlich limitierter ist als in den vergangenen Jahren. „Ich will einen Stammplatz und der Mannschaft helfen, wieder international zu spielen“, so Rincons klare Ankündigung. „Ich habe beim HSV sehr viel gelernt und es ist an der Zeit, über die Reservistenrolle hinaus zu kommen“, so Rincon, der sicherlich zu den „Abgabe-Kandidaten“ zählen dürfte, die dem HSV noch ein wenig finanziellen Spielraum ermöglichen könnten.

Nicht mehr dazu zählt Wolfgang Hesl, der zudem ablösefrei zu Dynamo Dresden gewechselt ist. Für den Keeper soll kostengünstig Ersatz geholt werden. „Wir werden noch einen dritten Torwart holen“, sagt Arnesen, und fügt hinzu, dass der Markt auf der Torwartposition derzeit sehr überschaubar sei. Zuletzt hatten Arnesen und Oenning immer wieder betont, noch einen jungen, deutschen Torhüter holen zu wollen. Den allerdings gibt der Markt derzeit nicht her. „Deshalb werden wir einen Torwart übergangsweise holen und eventuell im Winter noch mal aktiv“, so der HSV-Sportchef, der sich einem Internetportal zufolge auf einen Anruf aus Spanien freuen darf.

Laut des italienischen Portals „tuttomercatoweb” soll der spanische Spitzenklub FC Valencia bereit sein, zehn Millionen Euro Ablöse für den kroatischen Nationalspieler zu bezahlen. Eine italienische Quelle über einen kroatischen Spieler, der von einem deutschen verein nach Spanien wechseln soll – klingt doch seriös, oder?? Und dann noch die Summe von zehn Millionen Euro… Eine Summe, die ich für utopisch halte und von der beim HSV noch niemand etwas gehört haben will. Und ganz ehrlich: sollte der HSV auch nur die Hälfte für den Angreifer geboten bekommen, wäre ich schon überrascht. Zumal Petrics Vertrag am Saisonende ausläuft und der Kroate demnach im Juli 2012 ablösefrei gehen könnte. Zudem müsste der HSV dann wieder neben dem Mittelfeld auch im Angriff nachlegen – und gute Stürmer sind teuer.

Fakt ist, dass noch etwas passieren sollte. Das scheint ja auch hier im Blog die Meinung der Mehrheit zu sein. Und auch wenn ich persönlich nicht allzu viel von Internetabstimmungen halte, würde mich interessieren, wo Ihr den größten Bedarf seht. Vor allem auch: wen würdet Ihr holen? Ich bin gespannt, was so zusammenkommt.

In diesem Sinne, bis morgen! Training ist da um zehn und um 15 Uhr an der Arena.

Scholle (18.45 Uhr)

Und dann am Blogende leider noch eine sehr traurige Meldung:

    Ilija Eplinius ist am vergangenen Freitag im Alter von 70 Jahren verstorben.

    Der Amateurvorstandvorsitzende verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit in Hamburg. „Wir haben einen langjährigen und sehr engagierten Wegbegleiter verloren. Ilija Eplinius hat für den Sport im HSV gelebt und über viele Jahrzehnte die Geschicke des Amateursports entscheidend mitbestimmt. Seine herzliche Art und seine Kompetenz werden uns sehr fehlen. Ich möchte der ganzen Familie unsere große Anteilnahme aussprechen”, so HSV-Vorstandsmitglied Oliver Scheel via www.hsv.de.

    Ilija Eplinius arbeitete 30 Jahre neben seinem Beruf in der Hamburger Baubehörde als Abteilungsleiter im Handball und hatte maßgeblichen Anteil an der Umsetzung des „HSV Handball“. Im Jahr 2000 wurde Eplinius in den Amateurvorstand gewählt, in dem er 2003 den Vorsitz übernahm. Erst vor zwei Wochen musste er seine Aufgaben aus gesundheitlichen Gründen an seinen Stellvertreter Hartmut Stöpel übertragen.

    Unser tiefes Mitgefühl, und da spreche ich sicherlich auch im Name meines Blogvaters Dieter, gehört besonders seiner Frau und seinen zwei Töchtern.

Das Fan-Fest – wieder ein Highlight

15. Juli 2011

Die Ordner rund um das Trainingslager des HSV in Hippach sahen und sehen toll aus. Jeder trug und trägt eine richtige Weste, auf denen stand dann auch groß das Wort ORDNER. Nur so richtig viel geordnet haben diese Herren eigentlich nie. “Wenn du zu den Spielen willst? Dann einfach unter dem Absperrband durch – und los.” So rief es “JU aus Q” den “Matz-abbern” zu – und so geschah es dann auch. Aber: Eigentlich gab es ja auch nicht so viel zu ordnen, es blieb alles friedlich, alles im Rahmen. Und es deswegen will ich hier auch nur über einen Ordner schreiben, der mir etwas Sportliches zum HSV gesagt hat. Er kam während des Trainings zu mir und verriet: „Ich war vor einigen Tagen auch bei Bayer Leverkusen, die Mannschaft hat in Zell am Ziller logiert. Dort wurde aber weitaus weniger oder auch lascher trainiert. Lascher als der HSV auf jeden Fall.“ Tolles Kompliment. Und erst heute reiste ein Kollege von mir in Hippach an, weil er zuvor an mehreren Stellen in Österreich deutsche Bundesliga-Mannschaften im Trainingslager beobachtet hatte. Und auch er wartete mit einem schönen Kompliment in Richtung Hamburg auf: „Es ist ja unwahrscheinlich und toll, wie viele HSV-Fans mit ins Zillertal gekommen sind – bei Borussia Dortmund waren höchsten 200 mit nach Österreich gekommen.“ Und beim HSV waren es in dieser Woche über 700. Großartig! Einfach nur großartig!

Und viele, viele waren zum Fan-Fest gekommen. Das begann zwar nicht gerade optimal (erst fehlten die Eintrittskarten, dann begann es wieder mächtig zu regnen), aber es wurde dennoch ein voller, voller Erfolg. Ich gebe es zu, ich hatte befürchtet, dass es dort leicht „hektisch“ werden würde, aber es war alles wunderbar. Die Spieler haben sich super verhalten, sie gaben Autogramme und posierten unaufhörlich für Fotos – jeder Fan kam auf seine Kosten. Danke HSV! Das war wieder beste Werbung, diese Fan-Nähe ist unbezahlbar – ein echtes Highlight.

Das sahen auch die „Matz-abber“, die vorher noch ein Gruppenfoto mit „Hermann“ gemacht hatten. Die „Matz-abber“ saßen (fast) alle an einem Tisch, beste Laune hatten alle mitgebracht – und „Jäger-Glück“ hatten sie auch. Deshalb von mir ein ganz dickes Kompliment. „HSV-Wolle“ fing für die „Kolleginnen“ und „Kollegen“ einen ganz dicken Fisch ein: Frank Arnesen. Der Sportchef saß über eine halbe Stunde am Ma-Tisch und beantwortete brav alle Fragen. Und hinterließ dabei einen großartigen Eindruck – bei allen. Toll. Aber Arnesen war nur der Anfang. Mit dem Sportchef am Tisch saß auch noch Heiko Westermann – und ein wenig später saß, zur großen Freude von „Christian“ und allen anderen sogar Mladen Petric dort.
Noch einmal, Deerns und Jungs, ein dickes Kompliment, wie Ihr das hinbekommen habt! Und die Freude, die Ihr alle ausgestrahlt habt, hielt noch bis zum nächsten Tag an – wahrscheinlich sogar noch das ganze Wochenende und länger. Ich habe viel, viel gefilmt, im Laufe der Woche werdet Ihr von diesem Fest auch ein Video sehen – der erste Film aus dem Zillertal ist jetzt schon „der“ Renner. Also, Ihr könnt Euch darauf freuen. Ihr habt die Hauptrolle gespielt.

Ja, und nun ist die Woche (fast) schon wieder vorbei. Heute gibt es ja noch (20.15 Uhr, live bei Sport1) das Testspiel gegen Al-Ahli Doha, wiobei die Frage, ob das nun ein Zweitliga-Klub aus Katar ist, noch nicht restlos geklärt wurde. Ich befürchte fast, es lässt sich gar nicht klären, aber das müssen wir mal abwarten. Auf jeden Fall geht es gleich nach Schwaz, in dem kleinen (aber feinen) Stadion dort hat der HSV bereits vor einem Jahr ein Testspiel ausgetragen, das war eine Partie gegen 1860 München (1:1, wenn ich mich richtig erinnere – Tor: Mladen Petric).

Am Vormittag hat der HSV noch einmal trainiert. Das Programm: Sechs gegen zwei, dann ein kleines Spielchen, dann Flanken von rechts und von links. Und diesmal (!) konnte man wirklich Flanken dazu sagen, denn die Bälle kamen in der Regel hoch und wunderbar angeschnitten in die Mitte. Für mich war dabei (als Flankengeber) der Jüngste der Beste. Ashton Götz schlug eine „Brandbombe“ nach der anderen zur Mitte, der Junge hat es richtig gutes Füßchen. Der 17-Jährige sagt, alles ganz normal, vor dem Training nichts, er sagt während des Trainings nichts, und er sagt auch danach nichts – aber fußballerisch hat er (fast) alle überzeugt.

Aber keine Angst, auch Ashton Götz ist während dieser Zillertaler Woche in die Mannschaft „hineingekommen“, er war ein vollständiges Mitglied der HSV-Truppe. Es wird, so mein Empfinden, ohnehin niemand mehr ausgegrenzt – und das ist auch gut so. Auch dafür gibt es ein schönes Beispiel: Als die Mannschaft um 13 Uhr zum Essen im Sporthotel Stock ging, da schlenderten Heung Min Son und Ashton Götz gemeinsam dem Essensraum entgegen – der Südkoreaner, der in diesen Tagen auch prächtig „aufgetaut“ ist, hatte freundschaftlich den Arm auf die Schulter des HSV-Talentes gelegt. Solche kleinen Kleinigkeiten habe ich schon seit sehr, sehr lange Zeit nicht mehr beobachtet – einfach nur schön zu sehen.

Sehr schön zu wissen ist auch, dass der Norweger Ciljan Skjelbred nun schon bald HSV-Spieler wird. Der 24-jährige Mittelfeldspieler von Rosenborg Trondheim wird am 3. oder 4. August nach Hamburg kommen, und weil Rosenborg in diesem Monat neun oder zehn Pflichtspiele zu absolvieren hat, wird der Nationalspieler auch topfit sein – sofern er sich nicht noch verletzt. Was wir natürlich nicht hoffen wollen.

Sportchef Arnesen freut sich über diesen Transfer: „Rosenborg ist zufrieden, wir sind sehr zufrieden, Skjelbred ist ein sehr, sehr guter Spieler, es ist finanziell bestens für uns gelaufen, dass wir ihn schon jetzt nach Hamburg holen können.“ Kompliment auch an Sie, Herr Arnesen. Und wenn ich den „Matz-abbern“ glauben darf, die mit Ihnen (dem Sportchef) so nett und so lange plaudern durften, dann lesen Sie hier bei „Matz ab“ ja auch mit . . .

Arnesen über den Neu-Hamburger aus Norwegen: „Er ist eigentlich ein untypischer Norweger, denn er ist nicht nur physisch stark, sondern auch ein großartiger Techniker. Einer der besten Techniker in Norwegen. Er spielt auch ein bisschen mehr vorne, er ist sehr schnell mit dem Ball, kann die Kugel auf dem engstem Raum bestens behaupten. Er kann auch dribbeln, schlägt gute Pässe mit dem Außenrist, spielt intelligent Fußball. Und er hat einen sehr guten Charakter.“ Frank Arnesen kennt Skjelbred schon seit acht Jahren, wollte ihn einst auch schon zum PSV Eindhoven holen. Beachtlich, sehr beachtlich sogar: Der Nationalspieler ist erst 24 Jahre, hat aber für Rosenborg schon 234 Liga-Spiele absolviert. Das, obwohl er 2005 und 2006 eine schwerer Verletzung hatte. Arnesen: „Jetzt ist der beste Moment für ihn, eine neue Herausforderung im Ausland anzunehmen. Er ist ein sehr lernwilliger Spieler – er passt in diesem Moment sehr, sehr gut zum HSV.“

Und, Herr Arnesen, kommt darüber hinaus noch ein neuer Spieler zum HSV? Arnesen setzt ein Pokergesicht auf und sagt: „Das wird schwer. Finanziell. Ich kann ja alles wollen . . .“ Aber eben nicht alles bezahlen. Deswegen sagt Frank Arnesen auch zum jetzigen Personalstand seines Klubs: „Ich bin in diesem Moment wirklich nicht unzufrieden.“

Alex Silva war bis heute in den Mittagsstunden noch immer nicht durch mit der sporttauglichen Untersuchung für seinen neuen Klub Flamengo Rio de Janeiro – aber wir hoffen wohl alle darauf, dass da nichts mehr schiefgehen wird. Arnesen auch: „Ich hoffe, dass wirklich alles klappt. Aber er hat doch auch schon die ganze Saison ohne Verletzung durchgespielt . . .“

Mickael Tavares dagegen ist von seinem Probetraining beim FCO Dijon nach Hamburg zurückgekehrt, die Franzosen werden ihn (wohl) nicht verpflichten. Nichts Neues gibt es im „Fall“ Guy Demel, offiziell wird noch nicht mit einem anderen Klub verhandelt, inoffiziell ist wohl schon etwas Bewegung in diesen Wechsel gekommen, aber so richtig getan hat sich noch nichts. Abwarten, das wird schon. Demel und Tavares trainieren bekanntlich nur noch bei der U 23 und Rodolfo Cardoso. Bis auf Weiteres.

Nicht trainiert hat heute erneut Jeffrey Bruma, der wegen seiner Achillessehnen-Probleme wohl auch in der nächste Woche nicht spielen wird können. Viel Pech für den niederländischen Nationalspieler. Und auch für Tolgay Arslan. Die Verletzung aus dem Wolfsburg-Spiel entpuppte sich in Österreich als viel, viel hartnäckiger als gedacht, Arslan konnte nie mit der Mannschaft trainieren. Heute ist er etwas gelaufen, hatte aber enorm starke Schmerzen im linken Knöchel. Deswegen geht es auch noch mal zur Kernspintomographie, denn nicht ausgeschlossen ist jetzt, dass doch etwas kaputt ist. Es wurde zwar schon eine Tomographie gemacht, doch eventuell war dabei deswegen nichts zu erkennen, weil im Fuß einfach zu viel Flüssigkeit war. Auf jeden Fall aber ist dieses Trainingslager für Tolgay Arslan einfach nur denkbar schlecht gelaufen, denn er hat den Anschluss erst einmal verpasst.

Pech hatte heute auch Muhamed Besic, der bei der Kopfballduell-Übung mit Janek Sternberg zusammengeprallt war – mit den Beinen. Besic lang minutenlang am Boden, hatte großen Schmerzen im linken Knie. Dann ging es – leicht humpelnd – weiter, aber später, im Hotel, sah das schon weitaus ungefährlicher aus, da ging Besic schon wieder ganz normal. Glück für ihn.

Kurz noch ein Satz zu Gojko Kacar. Der Serbe sollte in der kommenden Woche ja eventuell in Hamburg operiert werden, weil Kalkablagerungen in seinem Knöchel schon seit Monaten Schmerzen bereiten, aber ein Eingriff steht jetzt doch wieder in Frage. Heute trainierte Kacar ohne Schmerzen, so dass erst einmal noch abgewartet wird, wie sich diese Schmerzen in den nächsten Stunden (oder Tagen) entwickeln.
Nett fand ich, das muss ich bei dieser Gelegenheit auch einmal loswerden, wie Gojko Kacar auf dem Fan-Fest begrüßt wurde. Da tanzten jene Fans um ihn herum, die noch am ersten Tag des Trainingslagers ob ihrer alkoholischen Genüsse ein wenig „aufgefallen“ waren. Diese “Herren” sangen übermütig und lustig zugleich: „Kacar, schenk’ mir ein Foto . . .“ Frei nach Mickie Krause.
Das war schön zu hören und schön zu sehen.
Es geht doch!

So, nun heißt es für mich, nach Schwaz zu fahren, ich melde mich von dort nach dem Spiel – mit einem kleinen Bericht.

17.26 Uhr

Arnesen: “Uns fehlt noch ein Kreativer”

22. Juni 2011

Dunkle Anzughose, hellblaues Hemd und ein fröhliches Lächeln auf dem Gesicht – Frank Arnesen sah heute mal wieder genau so aus, wie wirklich immer, wenn wir ihn zu Gesicht bekommen. Das Einzige, was fehlte, war sein Jackett mit den Flicken an den Ärmeln, wie mein Kollege Matthias Linnenbrügger (Linne, entschuldige!) völlig berechtigt anmerkte. Neu waren allerdings einige Dinge, die er uns heute offenbarte.

Zuerst ging es natürlich darum, inwieweit der HSV-Sportchef mit dem bisherigen Verlauf der Transfers zufrieden ist. Und er antwortete, er sei grundsätzlich zufrieden, da er bei seiner Vertragsunterschrift in Hamburg im Klaren darüber gewesen sei, dass viele Spieler gehen würden, demnach auch viele Neue geholt werden müssten und er damit vor einem Mammutwerk stünde. „Bislang sind acht Spieler gegangen und vier Neue geholt. Also: Wir wollen auf jeden Fall noch etwas machen.“

Muss der HSV auch. Das sieht auch Arnesen so. „Bislang haben wir junge Leute geholt. Drei davon sind gerade mal 19 Jahre alt. Sala und Töre brauchen sicherlich noch ein Jahr, um sich optimal zu entwickeln. Das müssen wir ihnen geben, mit ihnen Geduld haben. Insgesamt wird unser Kader deutlich jünger. Und ich denke, dass das gut so ist.“ Ob es auch schon gut genug ist, um Ziele zu formulieren? „Wir nehmen ein hohes Risiko – aber ich habe Vertrauen“, so Arnesen, der insbesondere auf Michael Oenning als Cheftrainer setzt: „Er hat in den letzten zehn Jahren bewiesen, dass er mit jungen Spielern arbeiten kann.“

Arnesen hat einen Plan. Das merkt man. Gestern hat er intensiv mit Eljero Elias Berater gesprochen und deutlich gemacht, dass der HSV den Niederländer nicht abgeben will und wird. „Ich hatte auch vor der Sommerpause mit Eljero selbst telefoniert und er hat mir gesagt, dass er zu 100 Prozent zum HSV steht. Er weiß, dass wir ihn nicht abgeben wollen.“

Und da auch Romeo Castelen vom Mannschaftsarzt als 100-prozentig fit erklärt wurde und einen neuen, leistungsbezogenen Einjahresvertrag bekommt, sieht sich Arnesen gewappnet. „Wir sind defensiv und auf den Außenbahnen gut aufgestellt. Wir suchen jetzt in erster Linie noch einen Kreativen, haben da einige Kandidaten.“ Sogar einen, der in die ganz enge Auswahl kommt. „Aber bevor ich hier einen Namen nenne, muss ich erst mit dem abgebenden Verein sprechen.“ Klar sei, dass der HSV künftig offensiver spielen, attraktiver spielen will. „Unser System wäre bei der Besetzung fast logisch ein 4-3-3-System“, so Arnesen, der dieses auch in der Jugend spielen lassen will. „Ich habe mit Paul Meier gesprochen und wir sind uns einig, ein 4-3-3-System mit einem Zehner spielen lassen zu wollen.“ Denn, und das ist Arnesens Hintergedanke, „jeder Flankenspieler kann auch im Mittelfeld spielen – aber nicht jeder Mittelfeldspieler kann auch die Außenbahn spielen“.

Und wo wir gerade bei der Jugend sind, hier gibt’s doch noch eine kleine Überraschung. Zuletzt galt der noch von Urs Siegenthaler inthronisierte Schweizer Paul Meier als Jugendchef als gescheitert. Jetzt aber die Wende: „Ich habe lange mit Paul gesprochen und gesehen, dass er einen sehr guten Plan hat“, sagt Arnesen, „wir werden uns das jetzt in den nächsten Monaten ansehen und dann noch mal unterhalten.“ Dafür soll Meier jetzt im Gegensatz zur bisherigen Zeit beim HSV auch sonnabends in Hamburg weilen, dafür sonn- und montags seine Familie in der Heimat besuchen können. „Das ist auch noch nicht ganz optimal, aber okay“, so Arnesen.

Was aus Bastian Reinhardt wird, der ja eigentlich gerade erst zum Jugendchef berufen wurde? Arnesen diplomatisch: „Basti wird sich um die technischen Dinge kümmern und die Schnittstelle zwischen U19 und U23 bilden.“ Denn Letztgenannte werden jetzt definitiv ab dem 1. August neben den Profis an der Imtech-Arena trainieren. „Basti kümmert sich um Verträge und die Koordination, Paul Meier ist für die sportliche Ausbildung von Spielern und Trainern verantwortlich“, erklärt Arnesen.

Nun denn, zurück zum Profibereich. Hier gibt es noch viele Baustellen. Eine davon wird oder wurde vielleicht sogar schon abgearbeitet: David Rozehnal wechselt zum OSC Lille und unterschreibt bei den Franzosen einen vertrag bis 2014. Glückwunsch dafür an David! Auch an den HSV? „Ja“, sagt Arnesen, „wir kriegen zwar nicht viel, aber es ist okay. Und wir brauchen jeden Cent. Deshalb sind wir zufrieden.“

Und auch bei Alex Silva hofft Arnesen auf baldigen Geldsegen. „Ich habe mich am Dienstag mit seinem Berater getroffen und es gibt drei Interessenten in Brasilien“, erklärt Arnesen, „und er will gern in Brasilien bleiben.“ Zwar liegt Silvas aktueller Klub Sao Paulo im Clinch mit dem Innenverteidiger und hat von einem Kauf inzwischen Abstand genommen, dennoch ist ein Verkauf des Defensivmannes nach Brasilien nicht unwahrscheinlich. Im Gegenteil: „Priorität hat weiterhin ein Verkauf“, so Arnesen, der damit allerdings auch einen weiteren Verleih nicht ausschließt. Geklärt sein muss das allerdings bis zum 15. Juli (obwohl Silva bis zum 31. Juli einen Vertrag bei Sao Paulo hat), weil dann in Brasilien die Transferperiode endet.

Eine weitere Baustelle ist Guy Demel, für den es jetzt drei Angebote aus England geben soll. „Ich habe mich lange mit Guys Berater unterhalten und er hat mir von den Interessenten berichtet“, sagt Arnesen, „es ist nicht ausgeschlossen, dass er noch vor dem Trainingsstart einen neuen Klub findet.“ Für die entsprechende Ablösesumme wohlgemerkt.

Sollte die stimmen, dürfte auch der Transfer von Jonathan Pitroipa schnell über die Bühne gehen. Arnesen bestätigte die Anfrage von Stade Rennes, „aber ein offizielles Angebot liegt uns bis heute nicht vor“. Und da der HSV den pfeilschnellen Außenstürmer nicht unbedingt abgeben will, ist auch dessen Verbleib nicht mehr gänzlich ausgeschlossen. „Kommt nichts, ist das auch nicht schlimm“, sagt Arnesen, wohlwissend, dass die Millionen bei der Suche nach einem Kreativspieler helfen würden.

Auch deshalb gilt für den HSV: abwarten. „Noch hat sich wenig bewegt auf dem Transfermarkt“, sagt Arnesen, der auch den Kauf eines arrivierten Spielers ins Auge gefasst hat – dafür aber wie erwähnt erst noch Geld durch Verkäufe einholen will/muss. „und dann müssen wir im richtigen Moment am richtigen Fleck sein.“

Und dann gab Arnesen – fast nebenbei – das Saisonmotto aus: „Die älteren, erfahrenen Spieler wie Drobny, Jarolim, Aogo, heiko Westermann und Mladen Petric sind unsere Achse. Sie müssen stehen, während die jungen Spieler immer wieder lernen dürfen müssen und Fehler machen dürfen.“

Selbst der harte Saisonstart stört Arnesen nicht. Im Gegenteil, er macht auf Optimismus. „Das erste Spiel zu haben, wo nur wir und keiner sonst spielen, ist fantastisch. Vor 80000 in Dortmund, dazu 8000 eigene Fans im Stadion – besser geht’s kaum.“ Dass ein solcher Start auch Druck ausübt, ist für den Alt-Internationalen kein besonderes Thema. „Wir haben immer Druck, ganz klar. Aber wir dürfen nicht darüber sprechen, sondern müssen mit ihm umgehen. Und das bedeutet, Druck in Energie umzusetzen.“

Klingt gut. Wie so ziemlich alles, was Arnesen bislang von sich gibt.

In diesem Sinne, bis Freitag. Morgen ist Dieter für Euch da.

Scholle
17 Uhr

P.S.: Der Vollständigkeit halber: Mickael Tavares darf ablösefrei wechseln. „Es gibt Interessenten“, so Arnesen, der hofft, den Transfer schon in den nächsten Tagen abwickeln zu können.

P.P.S.: Der Termin für den Saisonauftakt steht. Am Sonntag um 14 Uhr (an oder in der Imtech-Arena) wird Oenning die erste Einheit der neuen Saison leiten.

Rozehnal soll gehen

3. August 2010

9.30 Uhr am Dienstagmorgen vor der Imtech-Arena: Irgendwie war heute Morgen alles anders, atmosphärisch vor allem. Das lag in erster Linie daran, dass der Kader des HSV endlich mal wieder vollständig und dann auch noch in Hamburg zum Training aufgaloppierte. 28 Mann trabten ab 9.45 Uhr zum Trainingsplatz, den jetzt Flutlichtmasten zieren. Tunay Torun (nach seinem Kreuzbandriss im Aufbautraining) folgte später, der angeschlagene Dennis Aogo (Probleme mit dem Ischias-Nerv) fehlte ganz. Ein kleiner Junge im Alter von acht bis zehn Jahren, so berichtete mir mein Kollege Christian Pletz, hatte ein ganz besonderes Ferienerlebnis. Eljero Elia und Tomas Rincon unterhielten sich auf dem gesamten Weg zum Trainingsplatz mit dem kleinen Fan und hatten ihre Arme auf seine Schulter gelegt. Der Knirps hatte rote Wangen und strahlte vor Stolz und Freude. So werden Leidenschaften geweckt. Solche Schilderungen lösen auch bei mir heute noch Gänsehaut aus.

Neuigkeiten gibt es beim HSV natürlich auch immer einige. Zum Beispiel die, dass der geplatzte Urs-Siegenthaler-Wechsel noch immer einige Frustration auslöst. Vor allem bei den Mitarbeitern des HSV-Vermarkters Sportfive. Den Grund dafür kann man hinter der Haupttribüne auf dem Parkplatz sehen. Dort steht nämlich ein kleines Containerdorf, aber nicht für Bauarbeiter oder für ausgefeiltes VIP-Catering bei der Saisoneröffnung, sondern für ebendiese Sportfive-Mitarbeiter, die bis vor der Sommerpause noch in den Räumen der Geschäftsstelle untergebracht waren – auf Ebene eins neben den Büros von Vorstandschef Bernd Hoffmann, der Presseabteilung und der Stadion-Organisation. Siegenthaler hatte umfangreiche infrastrukturelle Korrekturen angeregt, die baulich umgesetzt wurden. Aufgrund der personellen Aufstockung einiger Scouting- und Analysenbereiche wurde der Platz in der ersten Etage immer enger und die Sportfive-Leute wurden letztlich aus- und umquartiert. Nun hocken sie in ihren „Legebatterien“, nein, entschuldigt: Containern, und legen sich einen Einwurf entfernt von der wirklichen Geschäftsstelle ins Zeug. Einzig die Kommunikation mit den HSV-Mitarbeitern dürfte ab sofort automatisch ein bisschen leiden.

Eine kleine Ergänzung dazu um 19.12 Uhr: Eike Gyllensvärd, Sportfive-Teamleiter beim HSV, rief mich soeben an und stellte klar: “Wir sind überhaupt nicht frustriert, im Gegenteil, bei uns ist alles in bester Ordnung.”

Diese Stimme wollte ich nicht unterschlagen. Und noch etwas ist neu beim HSV. Der Klub wird nämlich „oben ohne“ in die Saison gehen. Meinen Informationen zufolge dauert es noch bis in den Herbst, ehe die Imtech-Arena ihren Dachschriftzug, den man normalerweise wunderbar von der Autobahn aus sehen kann, tatsächlich in luftiger Höhe tragen wird. Wenn ich ehrlich bin, habe ich trotz einiger Nachfragen noch keine abschließende Antwort bekommen, warum in den vergangenen drei Monaten keine Dachbuchstaben montiert werden konnten. Ist es die problematische Statik? Ist es der Herstellungsvorgang bei den Buchstaben? Egal – solange das Geld für den Erwerb des Namensrechts fließt, wird sich kaum einer an der No-Name-Arena stören. Ja, ja, ich weiß: Sie heißt natürlich trotzdem schon Imtech-Arena – und zu lesen ist das ja auch schon an der Arena.

Kommen wir zum wirklich Wichtigen: dem Sportlichen. Heute hat Trainer Armin Veh in Abstimmung mit Sportchef Bastian Reinhardt und seinen Assistenten weitreichende Entscheidungen getroffen, die natürlich nicht mehr überraschend sind, weil eh die meisten damit gerechnet haben. Zuerst wurden die Ex-Regionalligaspieler Dettmann und Labus zurück zu Rodolfo Cardosos Amateurteam geschickt. Zu ihnen gesellen sich im Trainingsalltag ab sofort Änis Ben-Hatira und Mickael Tavares. Letzterer spielt in Vehs Planungen keine Rolle mehr, hat trotz entsprechender Freigabe aber bislang keinen Verein gefunden, der sich für ihn und für den er sich selbst interessiert. Im Klartext könnte das heißen: Tavares sitzt seinen gut dotierten HSV-Vertrag bei den Amateuren aus. Sportchef Reinhardt wird natürlich alles daran setzen, dass es nicht so kommt. Er schaut ebenfalls nach Interessenten für den defensiven Mittelfeldspieler.

Als prominentester Streichkandidat gilt David Rozehnal. Der Tscheche bekam von der sportlichen Leitung mitgeteilt, dass er sich einen neuen Arbeitgeber suchen kann. Natürlich hoffen die Vorstände, dass durch einen Verkauf des Innenverteidigers wenigstens Teile der rund fünf Millionen Euro Ablöse für den Ex-Spieler von Lazio Rom eingespielt werden. Realistisch betrachtet kann der HSV aber froh sein, wenn er den Abwehrmann ablösefrei los wird und wenigstens dessen Gehalt einspart. Solange Rozehnal noch keinen neuen Verein gefunden hat, darf er bei den Profis mittrainieren.

Ein Wackelkandidat bleibt Eric Maxim Choupo-Moting. Trainer Veh setzt bei dieser Personalfrage auf eine gesunde Selbsteinschätzung des Angreifers. Will der Kameruner unbedingt spielen, sollte er sich anderweitig orientieren, denn mit Mladen Petric, Ruud van Nistelrooy, Paolo Guerrero und Heung Min Son liegen derzeit vier Angreifer vor dem aus Nürnberg zurückgekehrten Stürmer. Hat Choupo-Moting Geduld, will sich weiterentwickeln und für Kurzeinsätze empfehlen, um hier den Durchbruch zu schaffen, würde Veh ihn gerne mit in die Saison nehmen. Mein ganz persönliches Gefühl sagt mir: Da passiert noch etwas…

Noch einmal kurz zurück zum Fall Rozehnal. Falls jemand von Euch ähnlich wie ich nun an einer Hand die Innenverteidiger abgezählt hat und zum Schluss gekommen ist, dass diese Position ein bisschen dünn besetzt sein könnte, dem kann ich Entwarnung signalisieren. Trainer Veh betrachtet Guy Demel, Mohamed Besic und auch Collin Benjamin, die in der bisherigen Vorbereitung ja alle schon zum Einsatz kamen, als taugliche Alternativen zu den wohl gesetzten Heiko Westermann und Joris Mathijsen.

Das neue zentrale Duo werden die HSV-Fans morgen zur Saisoneröffnung gegen Chelsea London allerdings noch nicht zu sehen bekommen. Trainer Veh hat in Abstimmung mit den Spielern und der medizinischen Abteilung beschlossen, dass von den gestern zurückgekehrten WM-Fahrern nur Eljero Elia gegen den Premier-League-Klub zum Einsatz kommen wird. „Das Ergebnis interessiert mich nicht sonderlich“, sagt der Trainer zudem. Veh ist es wichtig, dass einige seiner Akteure weiterhin Spielpraxis auf ihren zugedachten Positionen sammeln, dass Bewegung und Spielfreude zu sehen ist.

Das passt bestens zum heutigen Training, das auf viele Besucher den Eindruck einer Auftakteinheit machte. Stabilisationsübungen, Kreisspiel, ein Passspiel in Zonen – das war es im Großen und Ganzen. Passt aber auch, denn im Grunde genommen hat jetzt der richtige Countdown für den Bundesligastart begonnen. Armin Veh hat bislang eine Vorbereitung mit erstaunlich wenigen Verletzungssorgen hinter sich gebracht, nun muss er in die Feinabstimmung gehen. Zunächst gedanklich, wer mit wem und in welchem System spielen soll, dann auch personell in Partien. Die Vorzeichen stehen wirklich gut. Und die Leidenschaft der meisten Fans ist eh längst geweckt – fast so stark wie bei dem kleinen Jungen, der heute Morgen so toll zum Trainingsplatz begleitet wurde.

16:38 Uhr

Unfall! Guerrero verpasste den Flieger

28. Juni 2010

Viel Pech für Paolo Guerrero. Da will er schon mal fliegen, und dann verunglückt er auf dem Weg zum Flughafen in Peru. Das gibt es doch gar nicht! Und: Dadurch kann man dann auch schon mal seinen Flieger verpassen – und damit auch das erste Training. Zum Glück ist Paolo heil geblieben, also unverletzt, so dass er dann am Dienstag einsteigen kann. Dann erfährt er auch, wie hoch die Geldstrafe ist, die hier in Hamburg auf ihn wartet – natürlich. Um die wird er trotz des „Unfalls“ nicht herum kommen, denn Trainer Armin Veh ist ja ein ausgeschlafener Mensch, der im Fußball schon viel erlebt hat. „Ich glaube nicht alles, was mir erzählt wird“, sagt der HSV-Coach augenzwinkernd und plaudert schnell mal aus dem Nähkästchen: „Es gab schon Brasilianer, die haben mir etwas von Schneeverwehungen in der Heimat erzählt, die den Abflug verhinderten.“ Obwohl: Veh sagt auch, dass Guerrero doch ein eher „vorbildlicher Schwänzer“ ist, denn der Trainer hat auch schon ganz andere Dinge erlebt: „Da sind Profis zum Trainingsauftakt schon mal drei, vier Tage oder länger verschwunden gewesen, ohne sich zu melden.“ Ruf doch mal an – das hat Paolo Guerrero dann doch immerhin getan. Und alles wird gut . . .

Es fehlten ja aber nicht nur Guerrero zum Auftakt, es fehlten die Nationalspieler – und die Neulinge. Dennoch waren 23 Spieler dabei. Wie das geht? Es waren die besten Nachwuchsspieler zum Aufgalopp gebeten worden. Mit von der Partie: Heung Min Son. Der Stürmer aus der A-Jugend wurde schon vor Wochen hier bei „Matz ab“ erwähnt – und zwar von Thomas von Heesen. Der ehemalige HSV-Kapitän kannte den Koreaner und empfahl damals: „Dieser Son ist ein so großes Talent, den würde ich sofort nach oben hoch ziehen.“ Das würde ich nach diesem ersten Tag auch unterstreichen. Und auch Armin Veh äußerte sich – bei aller Vorsicht – positiv: „Ich habe ihn heute das erste Mal gesehen, es ist natürlich ein bisschen früh, ich zu beurteilen, aber wenn ich so die Bewegungen von ihm sehe, dann sage ich: das hat mir gefallen.“

Aber natürlich ist Son (noch) nicht der „Kracher“, auf den hier viel warten. Doch Veh gibt sich gelassen und sagt lächelnd: „Sie wissen ja nicht, was ich weiß. Es passiert in den nächsten Wochen noch einiges. Ich bin da ganz gelassen.“ Das klingt für mich total gut und überzeugend. Bis zum Beginn es zweiten Trainingslagers am 21. Juli im österreichischen Längenfeld sollen die Neulinge schon an Bord sein – mit den Nationalspielern aber ist das so eine Sache. Alle sollen nach ihrem jeweiligen Ende bei der WM noch drei Wochen Urlaub haben. Kommt aber zum Beispiel die deutsche Mannschaft ins Finale, dann wird der Urlaub bis Längenfeld noch nicht beendet sein.

Beim Training ging es für mein Empfinden schon recht lebhaft zu. Ze Roberto war (mit kurzen Haaren) dabei, Marcus Berg war (mit kurzen Haaren) dabei, Mickael Tavares ist von seinem Nürnberger Gastspiel zurück, Romeo Castelen ist endlich wieder mit von der Partie – und Tunay Torun ist nach seinem Kreuzbandriss noch nicht wieder im Mannschaftstraining. Gefehlt hat auch Heimkehrer Änis Ben-Hatira, der zurzeit noch ein Probetraining in Mainz absolviert. Mit Ben-Haira und Tavares plant Veh aber eher nicht mehr.

Das erste Tor der neuen Saison schoss übrigens Heung Min Son. Die erste Grätsche setzte David Jarolim an, den ersten Beifall erhielt Sören Bertram, der über den linken Flügel energisch nach vorne stieß und den Ball mustergültig auf den „Schlappen“ von Ruud van Nistelrooy legte – Tor. Da applaudierte nicht nur das gesamte Trainer-Team, sondern auch viele Kollegen und einige Fans. Apropos van Nistelrooy: Ihm galten die größten Bewunderungen der Trainingskiebitze, als er sich einmal den Ball auf engstem Raum mit der rechten Sohle so gekonnt unter dem Körper vor den linken Fuß rollen ließ, dass es wie Kunst aussah – und es war Kunst! Zauberhaft. Durch diesen Trick stand der Niederländer dann plötzlich frei vor der Kiste . . .
Vor diesem Spiel, das sei schnell noch erwähnt, wurden Pässe im Direktspiel geübt. Es war ein relativ verhaltener Auftakt, aber es sah trotz allem schon nach Fußball aus. Und: So wie ich das erkennen konnte, hat von diesen Spielern keiner etwas an Urlaubsspeck mitgebracht.

Am Dienstag und am Mittwoch wird das aber genauer und intern getestet, dann erfolgt das Programm in der Arena – Trainingskiebitze sehen von diesen Tests eher nichts.

Zur „Rasselbande“, die sich am Montag im Volkspark bewegt und vorgestellt hat, befand Armin Veh: „Es waren jetzt auch die Spieler dabei, die schon in der Vergangenheit dabei waren, die den ganz großen Sprung aber anscheinend nicht geschafft haben – ich kann sie ja noch gar nicht alle beurteilen. So macht es für mich aber ja keinen Sinn, wenn sie noch ein drittes Jahr dabei bleiben. Ich will die Spieler sehen, die am talentiertesten sind, die mir auch am talentiertesten empfohlen worden sind. Und die nehme ich am Donnerstag nun mit nach Sylt, und die nehme ich auch mit nach Längenfeld.“ Veh wird sich die jungen Nachwuchsspieler also einige Wochen ansehen, und dann wird er entscheiden, wer weiter bei den Profis trainieren wird – und wer zurück zur zweiten Mannschaft muss.

Gerade weil ein Stürmer wie Thomas Müller, 20 Jahre jung, gerade in Südafrika für Furore sorgt, sind junge Spieler in aller Munde. Wie schön wäre es da, wenn auch der HSV mal einen wie Müller in seinen Reihen hätte. Veh: „Aus Aktionismus nun junge Spieler nach oben holen, und die schaffen es dann nicht, weil sie es nicht können, das macht keinen Sinn. Das ist etwas, was von den handelnden Personen auf den Weg gebracht werden muss – auch wenn die vielleicht später nichts mehr davon haben.“ Weil es eine vorzeitige Trennung gibt, geben kann. Aber der Grundstein sollte dann doch irgendwann einmal gelegt werden – beim HSV.

Sollte ein Talent wie Son wider Erwarten schon jetzt den ganz großen Sprung schon schaffen können, hätte der HSV noch einen Stürmer zuviel an Bord. Dabei möchte sich Armin Veh ohnehin schon von Stürmer Nummer fünf trennen. Das ist entweder Eric-Maxim Choupo-Moting, oder es ist Marcus Berg. Einer soll noch ausgeliehen werden. Veh: „Die jungen Leute müssen Spielpraxis bekommen, Choupo-Moting hat der Abstecher nach Nürnberg ja auch ganz gut getan. Aber es ist noch nichts entschieden.“ Der Schwede Berg sagte heute auf jeden Fall kämpferisch: „Ich will mich hier beim HSV durchbeißen.“ Gute Einstellung.

So, nun schnell noch einmal kurz einen Blick zurück (nicht im Zorn, sondern in Freude!): Das Wembley-Tor der Engländer gegen Deutschland. Dazu erhielt ich eben eine interessante Erklärung eines ehemaligen Hamburger Amateurtrainers, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Hallo, lieber Dieter,
habe gerade Deinen Matz-ab-Blog gelesen. Hat sich schon mal jemand gefragt, warum der Schiedsrichter für die Engländer k e i n Tor gegeben hat? Du hast im Blog das Thema Ball angeschnitten. Guck dir mal die Flugbahn an: Der Ball geht an die Latte, fällt von dort in einer Art Elipse deutlich hinter der Linie runter, kommt unterhalb der Latte wieder hoch und fällt dann senkrecht vor bzw. auf die Linie.
Hast du so eine Flugbahn schon einmal gesehen? Hätte der Ball beim „Rückflug” die gleiche Linie gehabt wie beim „Hinflug”, wäre der Ball vor der Latte im Netz hängen geblieben. Nimm mal an, Schiedsrichter und Linienrichter haben nur gesehen, wie der Ball unter die Latte zurück springt und von dort vor bzw. auf die Linie, dann hätte man niemals geglaubt, dass dieser Ball vorher hinter der Linie war. Oder? Natürlich ist aber alles Theorie.

PS: Die versprochene Verlosung der signierten 20 Meisterfotos von 1960 hat folgende Gewinner-Liste ergeben:

Werner Reissner, HSVLuenen, Hannes Hoh, Jasmin J.-Sievers, Lars Weber, Klaus Vogelsang, Guido Voß, Wolfgang Wegner, Mini Me, Flyboy Kiel, Raute im Herzen, Andreas, Sieverdinger Raute, Nordbert, ErnstH, Neu-Ossi, Markus Taschendorf, Westerwald, Randnotiz und Peter Bodensee. Schickt bitte Eure Adressen an das Matz-ab-Gewinnspiel, dann erhaltet Ihr das Foto per Post. Gelost wurde wie folgt: Alle namen wurden aufgeschrieben und ausgeschnitten, in die Lauft geworfen – und es kamen alle in die „nächste Runde“, die lesbar waren. Weiß war draußen. Das lief so lange, bis 20 Gewinner feststanden.
Allen Gewinnern herzliche Glückwünsche. Und an die, die leer ausgegangen sind: Es wird ja im Laufe der Saison noch die eine oder andere Verlosung mehr stattfinden, vielleicht habt Ihr dann mehr Glück.

17.59 Uhr

Keegan ist eine Ente

22. Mai 2010

Kevin Keegan wird es nicht. Auch wenn es ein herrliches Gerücht war. Beim HSV wurde darüber auch nur herzhaft gelacht. Endlich mal wieder! Dann hätte sich Bernd Hoffmann eigentlich gleich in der „Raute“ mit Kevin Keegan treffen können, wenn schon auf dem Präsentierteller. Nein, nein, so dumm ist nun wirklich kein Klub-Chef. Ich erinnere mich an eine Verpflichtung von Udo Lattek, der von Borussia Dortmund geködert wurde. Lattek und BVB-Präsident Gerd Niebaum trafen sich auf einer Autobahnraststätte im Raum Dortmund. Warum dort? Ganz klar: Auf einer dieser Autobahnraststätten rasten bestimmt nicht so viele Dortmunder, die später daran Interesse hätten, es einer Zeitung zu melden. Der Zweck heiligt die Mittel (danke, Björnmoser), Niebaum und Lattek wurden eventuell von dem einen oder anderen Menschen auf der Raststätte erkannt, aber keiner „verpfiff“ sie.

Zurück zu Kevin Keegan: Er ist sehr eng mit Klub-Manager Bernd Wehmeyer befreundet. Insofern hätte es passen können: Keegan Trainer, Wehmeyer Sportchef. Aber es wird definitiv nicht so kommen. Was ich ein wenig bedauere, gebe ich zu, denn ich habe Keegan als netten, gradlinigen und vorbildlichen Profi kennen gelernt. Frau M. war bei seinem „Abschiedsspiel“ am 31. Mai 1980 im Volksparkstadion (4:0 gegen Schalke 04), und als der Publikumsliebling zur Pause ausgewechselt worden war und seine Ehrenrunden dreht, hatte sie Tränen in den Augen. Ihren Kevin hat sie geliebt. War ja auch ein smarter Kerl. Der es anfangs sehr schwer beim HSV hatte, denn die Mannschaft, das steckte mir weit später ein Spieler des Teams, ließ ihn erst einmal am steifen Arm verhungern. Sie spielten Keegan nicht an, sie schnitten ihn. Weil er dem Team ein wenig zu forsch auftrat, und weil es um ihn einen riesigen Rummel gegeben hatte, als er verpflichtet wurde.

Ja, und dann war Keegan ja auch ganz schön eigen. Er aß nicht mit der Mannschaft, wenn die nach dem Training geschlossen zum Mittagessen gebeten wurde. Keegan: „Ich esse dann, wenn ich Hunger habe, aber nicht dann, wenn ich essen soll.“ Da seine Autogramme sehr begehrt waren, er immer viel Zeit durch das Schreiben verlor, kletterte er sehr oft durch ein Fenster der Sportschule, sprintete über den Rasen und an den riesigen Eichen vorbei zu seinem Auto, das er – ganz clever – als einziger HSV-Spieler nicht auf dem Parkplatz der Mannschaft abgestellt hatte, sondern auf dem Parkplatz des Restaurants Lindenhof. Was ich noch von Keegan weiß: Er wohnte damals in Itzstedt, und wenn nachmittags trainingsfrei war, dann lief er noch mit seinen Hunden durch den Wald bei Kisdorf. Einfach nur vorbildlich, dieser Kevin Keegan. Und mal ehrlich: Was er als Trainer kann (oder nicht kann), das können wir doch alle gar nicht beurteilen.

Zurück zur allgemeinen HSV-Lage. An diesem Pfingstwochenende wird es wohl keine Entscheidung geben. So sehe ich das jedenfalls. Ein Gerücht besagt ja, dass es am Dienstag eine Pressekonferenz beim HSV geben könnte, aber das konnte ich nicht erhärten. Dennoch gehen ich auch davon aus, dass es in der kommenden Woche auf jeden Fall eine Entscheidung geben wird. In Sachen Sportchef? Leider kann ich Nico Hoogma nicht erreichen. Ein gutes Zeichen? Ich werte es mal so. Gut Ding will Weile haben, vielleicht möchte Nico ja erst einmal gar nichts mehr sagen, weil in den letzten Tagen ganz sicher auch einiges zuviel gesagt wurde. Von einigen Leuten. Jetzt wird wahrscheinlich mehr im Verborgenen gearbeitet – und das ist auch gut so.

Und in Sachen Trainer? Ich werde so oft in diesen Tagen gefragt, aber ich weiß nichts. Keiner weiß etwas, sonst würdet Ihr es woanders lesen können. Mein Bauchgefühl sagt mir, und ich gebe das mal so wertfrei weiter, dass ich mit Lucien Favre zu rechnen habe. Was auch immer das (für Euch) bedeutet, ich würde den Schweizer aber keineswegs ablehnen. Ich möchte – für den Fall, dass es der ehemalige Berliner Coach wird – nur mal sagen, dass er in der Saison 2008/09 mit einer namentlich guten Hertha-Mannschaft (also mit Simunic, Pantelic und Voronin), immerhin einen ausgezeichneten, fast sensationellen vierten Platz belegte – nur sechs Punkte hinter Meister Wolfsburg.

Abseits der Trainersuche und dem Fahnden nach einem neuen Sportchef gibt es auf dem Spielermarkt kaum Neuigkeiten. Im „Fall Afellay“ ist mit dem FC Sevilla ein ernsthafter Konkurrent in den Kampf eingestiegen. Aber: Das war einst auch schon bei Nigel de Jong der Fall, als der Niederländer im Januar 2006 zum HSV geholt wurde – und sich der FC Sevilla lange Zeit sicher war, dass De Jong nach Spanien wechseln würde.

Zurück zum HSV wird wohl Eric-Maxim Choupo-Moting kommen, und im Moment sieht es so aus, dass er dann auch nicht erneut verliehen wird (wie zuletzt zum 1. FC Nürnberg). Endgültig muss und wird das natürlich der neue Trainer entscheiden, aber so sieht es im Moment aus. Mickael Tavares, ebenfalls an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen, wird von den Franken nicht weiter benötigt, er würde ebenfalls nach Hamburg zurückkehren, doch der HSV möchte ihn (eigentlich) nicht mehr. Tavares darf (und soll wohl auch) sich einen neuen Klub suchen. Ebenso sieht die Situation bei Änis Ben-Haira aus, der vom MSV Duisburg zurückkehren würde. Der HSV will das einst so hoffnungsvolle Mittelfeld-Talent aber nicht mehr, so dass Ben-Hatira sich wohl auch einen neuen Arbeitgeber suchen muss. Es sei denn, der neue Coach entscheidet sich anders, derzeit aber sieht es bei Tavares und Ben-Hatira nach Trennung aus. Wobei ich gerne noch einmal anfüge: Ich hielt den guten Änis einst für einen sehr, sehr guten Spieler, der technisch stark ist, aber leider auch ein wenig zu verspielt. Er hätte es packen können – und vielleicht wird er es ja auch noch bei einem anderen Verein schaffen. Wer weiß?

16.53 Uhr

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