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Tah wird geschont – nur nicht von Beister

19. Februar 2013

Natürlich ist er gut drauf. Warum auch nicht. Immerhin steht Thorsten Fink mit dem HSV aktuell besser da, als es vor (und vor allem zu) Saisonbeginn erwartet wurde. Da fällt das Flachsen schon mal etwas leichter. Wobei, und das ist dann eigentlich viel auffälliger – der Trainer ist um Contenance bemüht. Jedem kleinen Flachs folgen zwei, drei Warnungen vor verfrühter Euphorie. Insbesondere im Bezug auf den bevorstehenden Auswärtsgegner Hannover 96 ist Fink um Zurückhaltung bemüht. „Hannover ist sehr variabel – gerade offensiv sind sie sehr stark.“ Abdellaoue, Diouf, Ya Konan, Sobiech und Schlaudraff bringen es zusammen auf 22 Buden – mehr als 50 Prozent aller Hannoveraner Bundesligatreffer. „Allerdings haben sie auch schon 41 Gegentreffer“, weiß Fink um eine schwäche der Niedersachsen, „und da gilt es für uns anzusetzen.“ Und das in fast identischer Besetzung. Einzig Rene Adler wird Jaroslav Drobny ersetzen, „ansonsten gibt es für mich nach Siegen in Dortmund und gegen Mönchengladbach nichts zu verändern“, sagt Fink.

Zumal er selbst über den formstarken 19-Tore-Angriff Son/Rudnevs verfügt. Und beide Angreifer wirbelten auch heute im Training munter weiter, trafen nach Belieben. Zwar in gegenüberstehenden Mannschaften – aber mehrfach. Rudnevs vergab zwar auch zwei so genannte „Hundertprozentige“, allerdings wusste der Lette zu gefallen. Immer wieder ließ der Rechtsfuß den Ball im Mittelfeld angespielt schnell prallen und startete in die Tiefe. Ein probates Mittel im Training, das hoffentlich in Hannover zur Waffe wird.

Klar ist, dass sich der große HSV beim kleinen HSV auf schnelle Konter aber eben auch eine behäbig wirkende Abwehr gefasst machen muss. „Wir wollen in Hannover, wie zuletzt gegen alle Gegner, unser Spiel machen. Ganz klar“, sagt Fink und wirkt überzeigt. Ähnlich überzeugt, wie die Mannschaft im Moment von sich ist und von sich auch sein kann. „Wir fahren mit großem Selbstvertrauen nach Hannover. Die 96er wittern zwar die große Chance, noch mal an uns ranzukommen – aber sie haben mehr zu verlieren als zu gewinnen, während wir eben die Chance haben, sie auf längere Sicht auf Distanz zu halten“, sagt Fink.

Vier Punkte Vorsprung sind es momentan – sieben sollen es werden. Dafür reist Fink auch am Donnerstag nach Hannover, schaut sich dort das Rückspiel der Niedersachsen gegen Anschi Machatschkala. 96 muss dabei ein 1:3 aus dem Hinspiel aufholen. Ob Fink auf einen schweren Gang mit Verlängerung hofft? „Ich hoffe, dass Hannover gewinnt. Zumal es eh keinen Unterscheid macht. Mannschaften, die im internationalen Rhythmus spielen, rotieren zwangsläufig. Gladbach hat gleich fünf Wechsel vorgenommen und mit einem komplett frischen Mittelfeld gegen uns gespielt. Und Hannover hat eine gute zweite Reihe, die werden gegen uns frisch sein.“

Insgesamt scheint sich Fink derzeit tatsächlich wenig mit den Gegnern zu beschäftigen. „Noch mal: Wir machen unser Spiel. Die Gegner müssen unsere Ausstrahlung spüren. Sie müssen wie zuletzt spüren, dass wir nicht verzweifeln, auch wenn mal etwas nicht so gelingt. Ich sehe darin bei uns einen richtigen Reifeprozess. Früher sind wir nervös geworden, haben den Faden verloren. Heute wissen wir, dass ein einziger Schuss alles drehen kann. Und genau das hat meine Mannschaft gut gemacht.“

Stimmt. Ein wichtiger Baustein dabei war und ist Per Skjelbred, der heute nicht mittrainieren konnte, weil er zur Berufungsverhandlung von Dortmunds Robert Lewandowski zum DFB nach Frankfurt reisen musste. Warum er seine Aussage persönlich vor Ort machen musste anstatt sie schriftlich einzureichen – es wird das Geheimnis des eh extrem bürokratischen und in seinen Abläufen oft antik wirkenden DFB bleiben. So musste der gefoulte selbst noch ein Handicap in kauf nehmen, auch wenn Fink es nicht so dramatisch formulieren wollte. „Per ist am Mittwoch wieder dabei und wird spielen“, sagt Fink. Vorausgesetzt, der Norweger verletzt sich nicht – was insgesamt seltener vorkommt als noch in der vergangenen Saison. Woran das liegt, werden jetzt einige fragen – und ich werde keine Antwort nennen können. Es ist reine Spekulation. Aber ich kann sagen, dass es mich nach zuletzt vielen Jahren mit oft kritischen Personalsituationen freut. Ebenso wie Fink. „Bis jetzt hatten wir personell noch keine Not. Und ich hoffe, es bleibt so“, sagt Fink und ich klopfe dreimal auf Holz, „aber selbst wenn sich einer verletzt, haben wir sehr gute Leute in der Hinterhand.“

Nicht dazu zu zählen ist Jonathan Tah, der am Dienstag seine erste Einheit bei den Profis absolviert und ab kommender Saison zu den Profis stoßen soll. Dem 192 Zentimeter großen U-17-Nationalmannschaftskapitän hatte der DFB jüngst eine Sonderspielgenehmigung ausgeschlagen – und Fink ist nur bedingt traurig. „Den Jungen müssen und werden wir noch schützen“, so der HSV-Trainer, „da bricht etwas über ihn ein, womit er in dem Alter noch gar nicht umzugehen weiß.“ Interviews laufen über die Pressestelle, und auch sportlich wird Tah noch nicht überfordert. „Er macht nächstes Jahr in dem Umfang mit, der schulisch vertretbar ist. Jonathan macht schon einen extrem präsenten Eindruck, ist auch physisch schon sehr stark. Aber ob er was wird, werden wir eh erst in zwei, drei Jahren sehen können. Und das habe ich ihm auch so gesagt. So lange ich hier bin, wird er die Zeit bekommen, die er braucht.“

Und Tah wird noch Zeit brauchen. Natürlich. Und das wurde ihm auch gleich in Person von Maximilian Beister deutlich gemacht. Der HSV-Angreifer wirbelte insgesamt sehr ordentlich, traf dreimal. Und er ließ Tah mit seinen jungen 17 Jahren oft alt aussehen. „Ich war ein bisschen aufgeregt“, gestand Tah, der nach einer kurzen Auswechslung zum Ende der ersten Halbzeit des Testspiels in der zweiten Hälfte wieder kam und sich steigerte. Zur Freude der Zuschauer, unter die sich auch DFB-Sportdirektor Robin Dutt – er gastierte am Montag bei der Zweitligatrainertagung und nutzte seinen Hamburg-Abstecher zum kurzen Besuch – mischte. Aber auch Tah selbst wirkte anschließend nicht unzufrieden. „Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden. Einige kannten sogar schon meinen Namen. Darüber war ich sehr überrascht.“ Tah wird wiederkommen. Das ist klar – und das macht mir Freude. Immerhin wusste Tah optisch ebenso zu überzeugen, wie in den unbedrängten Situationen. Der junge Mann, der mich in seinen Bewegungen an Jerome Boateng erinnert, ist spielerisch gut. Passsicher ist der Ball auf jeden Fall sein Freund. Und das konnten wir in den letzten Monaten und Jahren nicht von allen Innenverteidigern behaupten…

Womit ich nicht auf Slobodan Rajkovic anspielen will. Der Serbe pausierte am Dienstag, laboriert an einer leichten Knieprellung und absolvierte eine individuelle Einheit im Kraftraum. Rajkovic, der trotz der extremen Drucksituation im Spiel gegen Gladbach insgesamt ein starkes Spiel ablieferte, soll aber schon am Mittwoch wieder voll mittrainieren. „Wenn alles glatt läuft und sich keiner verletzt, gehen wir genau so wie gegen Gladbach auch in Hannover an den Start“, sagte Fink – die Ausnahme Adler/Drobny ergänzend.

Stattdessen trainierte am Dienstag der 19-jährige Münchner Niklas Kreuzer mit. Der rechte Verteidiger vom FC Basel II soll noch einige Tage getestet werden. Am Mittwoch noch mal bei den Profis, anschließend in der U23 bei Rodolfo Cardoso, Soner Uysal und Richard Golz. Interessant: Niklas Kreuzer ist der Sohn von Oliver Kreuzer, der vor einigen Jahren als Kandidat für die Nachfolge Dietmar Beiersdorfers galt und unter etwas seltsamen Bedingungen sein Vorstellungsgespräch beim Aufsichtsrat kurzfristig absagte.

Aber egal, das ist Vergangenheit. Aktuell passt vieles gut zusammen und so soll es auch bleiben. Zumindest sportlich. Denn nach Hannover kommt Fürth, ehe es nach Stuttgart geht und daraufhin Augsburg in der Imtech-Arena zu Gast ist. Spiele, die es zu gewinnen gilt. Natürlich erst nach dem in Hannover. „Und nur darauf schauen wir jetzt“, verspricht Kapitän Heiko Westermann. Gut so.

Bis morgen,
Scholle

Morgen wird um zehn Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

Ein bisschen Träumen muss erlaubt sein….!

18. Februar 2013

Europa ja. Europa nein. Darf ich Europa? Und vor allem: darf der HSV Europa? Eine Diskussion, wie sie unnützer kaum sein könnte und die ich nicht verstehe. Denn, und da lege ich mich fest: dieser HSV darf sehr wohl Europa. Denn, wenn diese Mannschaft sich einen internationalen Startplatz erspielen sollte, hat sie ihn sich letztlich auch verdient. So wie den Nichtabstieg letzte Serie, der zweifellos mit sehr viel Glück – aber eben auch Geschick erspielt wurde. Da beschwert sich heute auch keiner darüber, dass wir nicht abgestiegen sind, oder? Ich auf jeden Fall nicht. Im Gegenteil. Und genau so würde ich mich über einen unverhofften Startplatz im internationalen Geschäft freuen, ohne ihn in Frage zu stellen.

Und nur um eines klarzustellen: Dass diese Mannschaft noch Mängel hat, um in die internationale Form früherer Tage zu kommen – eindeutig und ganz klar! Aber das wissen de Spieler, mit dieser Demut gehen Trainer, Vorstand und Trainer die Aufgabe Bundesliga Woche für Woche an. Die Fans jedoch dürfen mal etwas ungehaltener träumen. Auch von Europa. Und ganz ehrlich: wer den HSV derzeit mit Hannover 96 auf eine Stufe stellt, sollte konsequenterweise auch dem HSV die Fähigkeit attestieren, international zu spielen. Denn das macht Hannover – bis zuletzt eigentlich auch immer ganz gut…

Aber genug dazu. Immerhin ist heute mein erster Tag nach der Geburt unserer Süßen und ich will nicht versäumen, mich im Namen unserer kleinen, wachsenden Familie bei all denen zu bedanken, die uns so nette Dinge gewünscht haben. Das war ganz großer Sport, der uns das eh schon so wunderschöne Ereignis noch mal zusätzlich verschönert hat. Dass parallel der HSV einen kleinen (tabellarischen) Aufschwung folgen lässt, macht die Sache nur noch schöner.

Ebenso wie das Comeback einiger Spieler. Denn neben offensichtlichen Rückkehrern wie Slobodan Rajkovic und Jaroslav Drobny, die beide ihre Sache gut machten, feierte auch Rafael van der Vaart in meinen Augen sein Comeback. Der Niederländer hatte dabei viel riskiert, indem er seine Freunde und über unsere sehr geschätzten Kollegen von der „Bild“ (Chapeau Jungs!) seinen Treffer ankündigte. Aber wie es sich für einen Weltklassemann gehört, hat er Wort gehalten. Und wie!! So ein Hammer, und dann auch noch spielentscheidend – mehr geht eigentlich nicht. Dazu eine endlich mal wieder lebendige Vorstellung des zuletzt oft müde wirkenden Spielgestalters – ein Punkt mehr, das Gladbach-Spiel als Gewinn zu bezeichnen. Oder wie habt ihr den exzessiven Torjubel bei Rafael van der Vaart gewertet? Ich fand, der kam bei dem ob seiner langen Karriere ganz sicher mit allen Wassern gewaschenen Linksfuß schon sehr authentisch und befreiend rüber. Und das macht mir Hoffnung darauf, im letzten Saisondrittel den „echten“ van der Vaart zu sehen.

Wie ehrlich es die Engländer mit ihrem Interesse an Heung Min Son meinen, ist derzeit noch unklar. Was am Anfang ein wenig wie Stille Post unbestätigt zugetragen wurde, scheint sich allerdings zu verfestigen. Und das zu Recht, wie ich finde. Denn bei aller Kritik an Son – der Südkoreaner hat das Besondere. Er ist technisch stark, laufstark und schnell und schießt inzwischen mit seinem „falschen“ linken Bein genau so gut wie mit seinem eigentlichen Schussbein rechts. Und das kommt nicht von ungefähr, denn Son wird geschliffen. Und er wird immer besser, wie ich finde. Auch und vor allem, weil er sich schleifen lassen will. Son will lernen, trainiert wie kaum ein zweiter auch in seiner Freizeit mit seinem ehrgeizigen Vater (der bei jeder Trainingseinheit zuschaut) und entwickelt die beim HSV so oft zitierten Automatismen. Kleiner Tipp: Das kann man übrigens am besten an seinem Traumtor in Dortmund erkennen, wo er von der Ballannahme auf außen bis zum Torerfolg nicht nach oben schaut, sondern instinktiv nach innen zieht und den Schuss abfeuert, den er im Training mit seinem Vater immer wieder geübt hatte. Auch wegen solcher Tore ist man in der Premier League auf den 20-Jährigen aufmerksam geworden, der das komplette Paket in sich trägt. Wenn er es denn abruft.
Auf jeden Fall aber hat er für mich die letzten Wochen berechtigt in der Startelf gestanden. Son fängt an, defensiv besser zu werden. Und er gewinnt immer mehr Kopfballduelle. Er zieht nicht mehr den Kopf ein wie noch vor ein paar Monaten. Son wirkt stabiler – mental wie körperlich. Und er trifft. Zumindest meistens. Solange Frank Arnesen weiter seine Hausaufgaben macht und den Vertrag verlängert, soll es dem HSV nur recht sein, wenn sich in der Folge englische Topklubs mit Millionenangeboten überbieten. Er hätte es ja in der eigenen Hand.

Ein Volltreffer ist bislang auch die Zusammenarbeit mit dem Block House. In den schönen Räumen des Elysee-Hotels haben wir die ersten Sendungen gedreht – im Block House in Eidelstedt geht es weiter. Das am Sonnabend mit den HSV-Legenden Charly Dörfel und Harry Bähre. Beide analysieren zusammen mit Dieter und mir den Auswärtssieg in Hannover – und Ihr könnt dabei sein. Wie genau das aussieht kann und werde ich Euch in den nächsten Tagen sagen. Aber es könnte sich hier etwas entwickeln, was unserem Blog-Miteinander zusätzlich gut tun dürfte. Zumindest bin ich davon fest überzeugt…

Morgen geht es um zehn und um 15 Uhr wieder in die Spur. Wobei früh nur ein Lauf ansteht, Zuschauer somit ins Leere liefen, wenn sie sich an den Platz stellen. Nachmittags hingegen sollen weitere Automatismen erspielt werden. Erstmals mit Jonathan Tah. Das Riesentalent darf mittrainieren (17) – aber leider noch nicht mitspielen. Das lehnte der DFB ab. Die vom HSV angestrebte Sondergenehmigung wurde nicht erteilt. Insofern wird der U17-Nationalspieler auch gegen Hannover nicht auf der Bank Platz nehmen dürfen und Rajkovic neben Heiko Westermann erneut die Innenverteidigung bilden. Sollte es erneut zum Sieg reichen, da legte sich HSV-Trainer Thorsten Fink bereits fest, würde Rajkovic auch nach Brumas abgesessener Rotsperre und einer eventuellen Rückkehr Michael Manciennes weiter im Team bleiben. „Dann hätte ich keinen Grund, hinten etwas zu verändern.“

Egal wie, dieser HSV funktioniert momentan – und ich genieße das. Gegen Gladbach war es sicher keine berauschende zweite Halbzeit – aber das muss es auch nicht sein. Es passte alles zusammen. Jeder leistete sich seinen Aussetzer – aber es war immer ein anderer da, der diesen Schnitzer ausbügelte. Sollte der HSV irgendwann, wie in einer Kolumne heute gefordert, wirklich mal fünf Spiele in Folge überragend spielen, wäre er reif, auch international Ziele zu formulieren. Große Ziele. Mit den kleinen hingegen fangen wir jetzt an. Bescheiden – aber ehrgeizig. Und schon deshalb stört es mich nicht, wenn aus dem Fanumfeld Europa ausgerufen wird. Im Gegenteil. Ein bisschen Träumen muss erlaubt sein. Zumal dann, wenn es motiviert…

In diesem Sinne, wir hören morgen wieder voneinander. Dann mit dem alles andere als träumenden Trainer Thorsten Fink und seiner Sicht der Dinge. Bis morgen!

Vielen Dank noch einmal für Eure Geduld,
Scholle

P.S.: Wo wir gerade beim Thema Träumen sind: Am schönsten ist für mich immer, wenn ich mich über den Ist-Zustand freuen kann und große Hoffnungen in die Zukunft haben. So, wie beim HSV. Ich freue mich darüber, dass sich eine Mannschaft gebildet hat, die gut spielen kann und Spiele auch dann mal gewinnt, wenn sie mal einen nicht so guten Tag hat. Das war lange Zeit nicht so. Am allermeisten aber freue ich mich persönlich auf Hakan Calhanoglu. Der Deutsch-Türke ist in bestechender Form und ein Talent der Sorte, wie sie der HSV lange nicht hatte.

Fink: “Gewinnen wollen, verlieren können”

12. Februar 2013

Und noch ein Sieg. Der HSV schaffte heute am Nachmittag einen 4:1-Erfolg über die U 23. Eine Halbzeit dauerte 35 Minuten und endete 1:1. Die Nachwuchs-Abteilung ging durch einen Treffer von Testspieler Zazai (VfB Lübeck) in Führung, Marcus Berg glich in der 32. Minute aus. Im zweiten Durchgang, der dann – wegen der Kälte (?) – nur 31 Minuten dauerte, traf Berg zunächst zweimal (zweimal Vorarbeit Maximilian Beister), dann erzielte Beister, der sich einmal ein böses Frustfoul erlaubte, noch den 4:1-Endstand. Für die Profis spielten vor allem jene Profis, die zuletzt in Dortmund nicht zum Einsatz gekommen sind: Neuhaus; Norgaard, Westermann, Rajokovic, Jiracek; Badelj; Kacar, Nafiu: Arslan, Beister, Berg. In der Regionalliga-Mannschaft stand Jaroslav Drobny im Tor, und 45 Minuten spielte der gesperrte Jeffrey Bruma, der einmal hart von Gojko Kacar attackiert und getroffen worden war, in der Innenverteidigung.


So, bevor ich nun sportlich weiter mache, komme ich noch einmal auf das letzte „Matz ab live“ am Sonnabend zurück. Da stellte ich neben Thomas Doll auch Torsten Walter vor. Und zwar nannte ich ihn einen „Mini-Manager“ in der Ära von Jürgen Hunke. Ich nannte ihn „Mini-Manager“, weil er meines Wissens keine sportliche Verantwortung trug, er war kein Manager jener Art, die Spieler ein- und verkaufen. Das Wort „Mini-Manager“ kam aber nicht bei allen gut an, vor allen Dingen nicht bei Torsten Walters Freunde (und auch bei ihm selbst), sodass ich mich deswegen bei Walter entschuldige; ich ziehe dieses Wort „Mini-Manager“ mit dem größten Bedauern zurück. Vielleicht wäre das Wort „Super-Manager“ oder auch Geschäftsführer“ wesentlich passender gewesen. Ganz nebenbei ist Torsten Walter heute ein ganz erfolgreicher selbstständiger Kaufmann, und er ist Millionär. Da verbietet sich schon deshalb das Wort „Mini-Manager“ – Entschuldigung.

Zum Sportlichen. Thorsten Fink hat sich entschieden, am Sonnabend wird (soll) Milan Badelj, der in Dortmund gesperrt fehlte, gegen Mönchengladbach wieder in der Anfangsformation stehen. Und sein Vertreter, Tomas Rincon, wird wieder auf der Bank Platz nehmen müssen – trotz seines guten Spieles beim 4:1-Sieg. Der Trainer sagt dazu: „Sollte einmal Rene Adler ausfallen und Jaroslav Drobny zwischen den Pfosten stehen, dann würde im nächsten Spiel auch wieder Adler spielen, denn er ist Nummer eins. Fertig. Man darf nicht vergessen, dass wir mit Milan Badelj ja viele Punkte gewonnen haben . . . Milan beteiligt sich mehr am Spielaufbau, Tomas ist mehr der Zerstörer, deswegen habe ich mich so entschieden.“
Der HSV-Coach hat da schon immer seine Linie, die hat er auch immer durchgezogen. Was ich sehr begrüße – ich finde das gut. Allerdings gibt es diesmal einen ganz kleine Einschränkung von meiner Seite: Badelj, der in den letzten Spielen nicht überzeugen konnte, der war auch in dem heutigen Testsiel alles andere als in Form. Im Gegenteil, er leistete sich in jeder Halbzeit einen ganz schweren „Klops“. Einmal stand danach Nachwuchsmann Ndriqim Halili allein vor Torwart Neuhaus und hätte eigentlich das 2:2 machen müssen. Ob Thorsten Fink, der das Trainingsspielchen natürlich sah, seine (bereits getroffene) Entscheidung noch einmal überdenken wird?

Zu den Personalien des HSV. Rene Adler hat heute nicht trainiert, er leidet an einer Bauchmuskel-Geschichte. Geschichte schreibe ich deshalb, weil es wohl keine („ausgewachsene“) Zerrung ist. „Man muss schauen“, sagt Thorsten Fink und fügt an: „Rene fährt mit dieser Geschichte noch einmal zur Untersuchung.“ Um die Schwere der Verletzung zu ergründen. Könnte durchaus sein, dass Adler einmal aussetzen müsste. Wir wollen es aber abwarten – und hoffen. Von den Verletzten, die in der Woche vor Dortmund fehlten, wird auch in dieser Woche kein Spieler (Ilicevic, Sala, Lam) so fit, dass er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen könnte. Auch bei Michael Mancienne sieht es noch nicht wieder gut aus. Der Engländer wird wohl eine weitere Woche pausieren müssen, sodass er frühestens in 14 Tagen wieder ins Mannschaftstraining wird einsteigen können.

Im heutigen Testspiel hieß die Innenverteidigung ja Westermann/Rakovic, und weil dieses Duo auch am Sonnabend gegen Mönchengladbach spielen wird, spielte es sich auch schon mal ein. Diese Chance wollte Fink nutzen, besser ist besser. Rajkovic ist also am Sonnabend erste Wahl – wer hätte das noch im Herbst gedacht, als der Innenverteidiger durch ein Interview in Ungnade gefallen war? Thorsten Fink heute: „Zum Glück haben wir den Slobo in einer Zeit wieder in den Kader genommen, als es gut lief und wir noch fünf Innenverteidiger hatten. Es wäre schwierig gewesen, ihn dann einzubinden, wenn es noch diese Probleme gäbe. Mir war schon klar, dass man Slobo bei vier Innenverteidigern einmal brauchen würde – und nun ist es so gekommen.“ Der Coach weiter: „Slobo hat sich voll integriert wieder, bringt gute Leistungen, trainiert gut – und dieses Beispiel zeigt wieder einmal, dass man nicht nachtragend sein sollte Dass man auch mal alle Fünfe gerade sein lassen soll, dass man dem Jungen wieder eine Chance geben soll. Er hat sicherlich Fehler gemacht, aber er hat nun wieder die Chance, sich zu zeigen. Und wenn er jetzt zweimal als Vertreter von Jeffrey Bruma gut spielt, dann kann sich das auf seine weitere Karriere bestimmt nur gut auswirken.“

Slobodan Rajkovic freut sich natürlich auf das Spiel am Sonnabend, gibt aber auch zu: „Ich spüre jetzt schon mehr Druck, als in den vorherigen Spielen. Aber es ist positiver Druck, gerade zu Hause ist es angenehmer zu spielen, als auswärts.“ Über die Mannschaft sagt Rajkovic: „Wir spielen mittlerweile einen anderen Fußball als noch vor einem Jahr, es herrscht eine andere, eine viel bessere Atmosphäre in der Mannschaft, die Spieler sind erfahrener geworden – und ich habe für mich beschlossen, dass ich nur noch nach vorne gucken will.“ Das ist auch okay so.

Dass Gegner Gladbach noch am Donnerstag in Europa unterwegs ist, am Sonnabend dann schon wieder in Hamburg antreten muss, ist sicherlich kein Nachteil für den HSV. Thorsten Fink aber warnt: „Wir sollten uns nur auf unser Spiel konzentrieren, weiter Gas geben, nicht darüber nachdenken, ob und wie Gladbach am Donnerstag gespielt hat. Wir müssen ohnehin gleichviel laufen, egal ob die gespielt haben oder nicht. Alles andere wird sich dann eventuell von allein ergeben, dass sie vielleicht müde werden. Aber darüber gar nicht erst nachdenken, gar nicht denken, dass die Gladbacher kaputt sein könnten – da hat man schon ganz andere Dinge erlebt, darauf lassen wir uns gar nicht erst ein.“ Fink weiter: „Wir wollen Willen, Leidenschaft zeigen, Vollgans geben. Man sieht am Anfang, ob eine Mannschaft brennt, und das will ich auch diesmal wieder sehen.“ Wie in Dortmund.

Dazu noch ein Kommentar von Thorsten Fink: „Das war sicher ein gutes Spiel, aber wir müssen nach vorne schauen. Wir haben das Erfolgserlebnis jetzt alle genossen, nehmen dieses positive Erlebnis auf und mit in das nächste Spiel, wir haben gesehen, wie es geht, nun müssen wir das aber auch wieder so umsetzen.“ Wie in Dortmund. Dann könnte der HSV seine Chance auf Europa wahren. Obwohl Fink sagt: „Von Europa redet bei uns keiner. Ich auch nicht – und ich bin der Trainer. Und der Trainer ist der wichtigste Mann. Ich will, dass wir am Sonnabend gewinnen, ich will, dass die Mannschaft am Sonnabend die HSV-Fans begeistert. Und wenn wir es nicht schaffen, dann wollen wir hinterher sagen, dass wir alle gegeben haben. Verlieren kann man immer, aber man muss alles getan haben. Verlieren kann man immer. Gewinnen wollen, verlieren können – das ist die Devise.“

Thorsten Fink verlieh dann aber auch noch seiner Hoffnung Ausdruck: „Die Mannschaft muss einfach körperlich gemerkt haben, gespürt haben, wie geil es ist, ein solches Spiel zu gewinnen, nach vorne zu spielen, Spaß am Fußball, zu haben, ohne daran zu denken, dass man verlieren könnte, sondern einfach nur eintauchen in ein schönes Spiel und sich mitziehen lassen. Das müssen sich die Spiele für Sonnabend merken.“

Zur guten Stimmung passt dann auch bestens ein User-Beitrag bei uns in „Matz ab“.

„Reinhard 1954“ schrieb:

Es ist schon verrückt. Im November und Dezember 2012 wollten hier im Blog ca. 60%, ich eingeschlossen, Son vom Hof jagen. Wenn ich nur an den 23.11.2012 in Düsseldorf denke, wie er eine Minute vor der Halbzeit mit einem katastrophalen Pass die Düsseldorfer Führung eingeleitet hat. Oder die grottenschlechte Leistung in Wolfsburg, als er zur Halbzeit eingewechselt wurde.
Jede Woche habe ich mich aufgeregt, wenn Son erneut Beister vorgezogen wurde.
Auch Skjelbred wurde hier von vielen, ich eingeschlossen, die Bundesligatauglichkeit abgesprochen. Eines muss man Fink lassen. Seine Beharrlichkeit mit Son und Skjelbred scheint sich jetzt auszuzahlen. Hoffentlich bleibt Son noch 2 Jahre bei uns, statt in England irgendwo auf der Bank zu versauern. Sahin sollte Son ein warnendes Beispiel sein.

Übrigens: Der HSV zieht eventuell auch in Erwägung, Jugendnationalspieler Jonathan Tah, gestern gerade 17 Jahre jung geworden (und mit der Nati zurzeit in Portugal), schon demnächst bei den Profis mittrainieren zu lassen. „Wir prüfen die Möglichkeiten“, sagt Thorsten Fink.

PS: Morgen, am Mittwoch, wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

PSPS: Stürmer Robert Lewandowski vom Double-Gewinner Borussia Dortmund muss nach seiner Roten Karte im Bundesliga-Spiel gegen den HSV drei Spiele pausieren. Diese Sperre sprach das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), das offensichtlich nicht von einem Allerweltsfoul ausgeht, am Dienstag aus. Gegen dieses Urteil wird der BVB aber Widerspruch einlegen, wie Manager Michael Zorc sagte.

19.07 Uhr

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