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Hoffen auf Hoffenheim, Schalke – und Lasogga

5. Mai 2014

Die Aufgabe, am Montag einen Blog einzustellen, ist ungleich schwerer geworden im Laufe dieser Saison. Zumeist, weil man den sportlichen Wochenendkater in Schriftform verarbeiten, wiedergeben oder noch mal aufbereiten muss. Das zermürbt, das ermüdet. So auch nach diesem 1:4 gegen Bayern München. Denn diese Niederlage verbessert die Lage des HSV in meinen Augen mitnichten. Mainz muss gewinnen, um sich nicht noch von Augsburg auf der Zielgeraden die Europa League nehmen zu lassen – und Mainz ist unser Gegner. Was die Aufgabe nicht leichter macht, beim heimstarken FSV zu bestehen.
Von daher bleibt die Hoffnung vage – und der größte Teil selbiger lastet auf Hoffenheim und Schalke. Letzteren traue ich einen Dreier ohne große Überlegung zu. Denn, und das ist bislang bei den hiesig riesgen Problemen etwas untergegangen, unser Abstiegskonkurrent 1. FC Nürnberg hat vereinsintern momentan noch größere Baustellen als der HSV. Das Verhältnis der Spieler und der Fans zur Vereinsspitze inklusive Trainer ist laut meinem fränkischen Kollegen mehr als angeschlagen. „Die holen definitiv nichts mehr. Dieser Abstieg ist besiegelt“, sagt er und will nicht genannt werden. Verständlich, da er täglich mit den „Clubberern“ zu tun hat.

Bleibt also Braunschweig. Und denen traue ich ehrlich gesagt aus qualitativen Gründen eigentlich nicht viel zu. Allerdings bin ich mir sicher, dass die Niedersachsen am Sonnabend bei den launischen Hoffenheimern zumindest eine kleine Chance haben – sofern sie einen Lucky Punch landen. Die werden fighten bis zum Umfallen, das ist sicher. Sollten sie aber wie gegen Augsburg erneut das Spiel aus der Hand geben, bin ich mir sicher, dass die TSG mit ihrer geballten Offensivkraft und der Kreativität das Braunschweiger Defensiv- und vor allem Torwartproblem auszunutzen wissen werden.


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Aber okay, das alles ist nur Theorie. Solange der HSV seine Hausaufgaben macht, müssen wir uns gar keine Gedanken darüber machen. Dennoch, wie schwer es für den HSV werden wird zeigte mir auch das Interview von Eric-Maxim Choupo-Moting. Der junge Hamburger beim FSV ist nicht nur sportlich in Topform sondern auch mächtig frustriert über sein Ende beim HSV, was er zwischen den Zeilen mehr als deutlich machte. Und wer Eric kennt, der weiß, dass er am Sonnabend höchstpersönlich dafür sorgen will, das der HSV abgestraft wird. Dass Tuchel selbst gar nicht anders kann als mit 110 Prozent – es macht die Ausgangslage definitiv nicht leichter.

Kaffeesatzleserei sei das. Sagt mein Vater. Und er hat Recht. Denn was außer den Abstiegssorgen war in dieser Saison beim HSV schon kalkulier- geschweige denn vorhersehbar? Nichts. Stimmt. Also mache ich es mir leicht und geselle mich komplett auf Sergej Barbarez’ Seite, der da sagte: „Der HSV wird es schaffen. Ich habe keinen Grund, warum das so ist. Aber es wird so kommen.“

Wiederkommen soll indes Pierre Michel Lasogga, den ich vergangene Woche beim individuellen Training beobachten konnte. Dreimal absolvierte der größte Hoffnungsträger des HSV individuelles Training, während ich zusah. Am Freitag unter anderem Steigerungsläufe über größere Distanz. Jeweils ohne Probleme. Als der von Hertha ausgeliehene Angreifer am vergangenen Freitag bei einer Autogrammstunde bei HSV-Partner „Body Attack“ nach der Möglichkeit gefragt wurde, noch mal für den HSV aufzulaufen, antwortete er kurz und trocken: „Ganz sicher. Wir müssen ja die Klasse halten.“

Bis Mittwoch soll der bullige Angreifer wieder ins Mannschaftstraining einsteigen und schon größere Teile der Übungseinheit absolvieren. „Wir werden ganz sicher nichts riskieren“, sagt Trainer Mirko Slomka, der sich am Sonntag fast an der Seite von Kontrahent Lieberknecht in Cottbus den möglichen Relegationsgegner ansah. Denn klar ist, dass die „Muskelprobleme“ des Angreifers mehr waren. Während Sportchef Oliver Kreuzer und auch Slomka nach längerer Nachfrage von „muskulärenen Problemen“ auf „sicherlich auch einen kleinen Faserriss“ erhöhten, wurde mir gesagt, es handele sich um einen Muskelbündelriss. Und ein solcher dauert in der Regel mindestens sechs Wochen – und diese sechs Wochen wären genau am Sonnabend abgelaufen. Und das gepaart mit den Eindrücken aus den Trainingseinheiten lässt mich ehrlicherweise tatsächlich auf einen Einsatz Lasoggas hoffen…

Die Hoffnung aufgegeben habe und hatte ich längst in Sachen Verhältnis Supporters/Polizei. Heute sprach die Gewerkschaft der Polizei davon, dass der HSV ein Gewaltproblem habe, während HSV-Vorstand Oliver Scheel den HSV verteidigte und vom Vorwurf, sich mit dem Gewaltproblem nicht zu beschäftigen, freisprach. Und ohne das ganze Dilemma hier neu aufzurollen muss doch eine Frage erlaubt sein: Mit welcher Berechtigung verlangt SC-Vorstand Christian Bieberstein in seinem alles andere als ausgewogenen und noch weniger überlegten Schreiben eine Entschuldigung der Polizei für „unangemessenes Verhalten“, während die intern durchaus bekannten Verfasser der bekanntermaßen verbotenen Banner (A.C.A.B) von ihm und seinen Kollegen weder genannt noch abgestraft werden?

Ich bin weit davon entfernt, die Vorgehensweise der Polizei zu rechtfertigen, geschweige denn sie in dem Ausmaße als korrekt zu bezeichnen. Dafür müsste ich mich auf Hörensagen verlassen. Und das mache ich nicht. Aber es dürfen hier auch nicht Ursache und Wirkung verwechselt werden. Die verbotenen Plakate sollten schon aus den eigenen Reihen unterbunden werden, wofür sich von oberster Stelle Scheel und Bieberstein einsetzen sollten. Denn anstatt hier die Provokation zuzulassen, wäre eine Kooperation angebrachter. Zumal dann, wenn die Supporters-Abteilungsleiter eh schon im Vorfeld der Partie der Überzeugung sind, die Polizei würde auf derartige Provokationen „immer wieder mit übertriebener Härte“ reagieren. Dieses dämliche „Polizei-gegen-Supporters“-Spielchen ist schlichtweg nur noch absurd. Fast so absurd wie die Tatsache, dass von den knapp 55000 Supporters im Verein gerade einmal knapp 200 Leute, also 0,35 Prozent, einen Delegierten für den Aufsichtsrat wählen. Aber das ist ein anderes Thema, das in den nächsten Tagen sicher noch mal von mir thematisiert werden wird…

Wichtiger ist bis dahin jedoch zweifelsfrei der sportliche Bereich. Bis zum Klassenerhalt sollte – nein, darf sich alles nur um dieses Ziel drehen. Dass jetzt schon über die mehr als 50 Anträge für den 25. Mai diskutiert wird, kann ich nachvollziehen und es wird auch bei uns spätestens am 19. Mai, also am Tag nach dem zweiten Relegationsspiel thematisiert werden. Aber nicht vorher. Vorher ist mir der körperliche Zustand Dennis Diekmeiers wichtiger, der sagt: „Ich hatte die gleichen Probleme vor dem Bayern-Spiel und habe sie weitestgehend auskurieren können. Das werde ich auch jetzt so machen.“ Behandlungen und gezieltes Trainings sollen die Einsetzbarkeit des Rechtsverteidigers garantieren. „Selbst ein wenig Restschmerz nehme ich für so ein wichtiges Spiel nur zu gern in Kauf“, sagt Diekmeier und fügt hinzu: „Zumal ich glaube, dass mein Körper so voller Adrenalin sein wird, dass ich das kleine Wehwehchen gar nicht spüren werde…“

Klingt gut. Morgen hören und sehen wir hoffentlich mehr davon, wenn der HSV um zehn Uhr an der Arena trainiert und anschließend der Trainer zu uns kommt.

Bis dahin.
Scholle

P.S.: Auch Johan Djourou soll am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

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