Archiv für das Tag 'Supporters'

Das große Jarchow-Interview, Teil Zwei

30. Mai 2012

Matz ab:
Jetzt hat Marcell Jansen die Idee geäußert, die Bundesliga-Profis könnten den fehlenden Betrag über Spenden decken. Er selbst sei bereit, 5000 Euro zu bezahlen…
Jarchow: Das ehrt ihn natürlich. Aber hier geht es um, den grundsätzlichen Entschluss. Nachdem wir in den letzten Jahren einen siebenstelligen Betrag für die Bundesliga-Frauen aufgebracht haben und auch jetzt noch keine Tendenz zu erkennen war, dass sich der Frauenfußball in der Bundesliga selbst trägt, mussten wir uns so entscheiden. Wir haben alles versucht, jetzt ist aber auch theoretisch nichts mehr möglich, da alle Meldefristen abgelaufen sind. Dieser Zug ist abgefahren.

Matz ab:
Bei Ihrem Amtsantritt sprachen Sie davon, den einen oder anderen Altmeister des HSV enger an den HSV binden zu wollen. Es gab auch Gespräche mit Manfred Kaltz. Was ist daraus geworden?
Jarchow: Ja, es gab die Gespräche mit Manni Kaltz, er war hier. Auch mit anderen Spielern. Wir reden auch jetzt noch mit Leuten, die wir gern einbinden wollen. Ich habe auch mit David Jarolim gesprochen, der jetzt vielleicht noch zwei Jahre woanders Fußball spielt, ehe er zu uns zurückkommt. Bislang galt die Vereinbarung, dass er bei uns im Jugendbereich eingebunden wird für den Fall, dass er sofort aufhört. Ich halte ihn aber für derart geeignet, dass ich ihm gesagt habe, die Vereinbarung gilt auch nach den nächsten zwei Jahren noch. Ich habe auch damals mit Collin Benjamin gesprochen, den wir hier sehr gern gesehen hätten. Aber auch er wollte noch spielen. Jetzt lese ich, dass er es sich überlegt nach dem Jahr bei 1860. Er ist einer der Kandidaten.

Matz ab:
Haben Sie als Präsident mit der Mannschaft im Laufe der Saison auch mal ein ernstes Wort gesprochen, dass die Situation so ernst wie nie ist? Darüber wurde nie etwas bekannt.
Jarchow: Das stimmt. Und das liegt daran, dass manchmal eben doch nicht alles an die Öffentlichkeit kommt, was bei uns hinter geschlossenen Türen geschieht. Aber ich habe permanent einen Draht zur Mannschaft gehabt. Es gab Gespräche. Dieses Recht habe ich mir auch ein, zwei Mal herausgenommen. Aber im täglichen Geschäft ist das das Aufgabengebiet des Trainers und des Sportchefs.

Matz ab:
Waren Sie entsetzt vom Verlauf der Mitgliederversammlung?
Jarchow: Nein. Ich persönlich bin kein Satzungsfetischist und kann nur mit viel Mühe Begeisterung für Veranstaltungen entwickeln, bei denen es ausschließlich um Satzungsänderungen geht. Man kann sich darüber unterhalten, ob es zu langatmig war. Aber ich fand es in Ordnung, auch wenn das Thema der Verkleinerung des Aufsichtsrates dann noch mal für schwierige Diskussionen sorgte.

Matz ab:
Es gab drei Fraktionen. Die Realos, die Supporters und die anderen Mitglieder. Sorgt Sie diese Spaltung?
Jarchow: Nein, weil ich gar nicht sagen kann, ob man das so zuordnen kann. Es ging ja um das Thema Fernwahl, das sehr starke Befürworter aber eben auch sehr starke Kritiker hat. Über die anderen Fragen wurde ja gar nicht so lange diskutiert.

Matz ab:
Im Januar gibt es entscheidende Aufsichtsratsneuwahlen. Läuft der HSV Gefahr, seine Führungspositionen an Leute zu verlieren, die den Klub umbauen wollen?
Jarchow: Das ist schwer vorzustellen, was im Januar ist, wer dort kandidiert. Aber ich bin mir sicher, dass dort weiter Leute kandidieren können, die aus allen Bereichen kommen. Es muss und sollte immer die richtige Mischung haben aus Leuten, die direkt aus dem HSV und eben denen, die von außen kommen, bestehen.

Matz ab:

Die Supporters könnten sich mobilisiert schnell durchsetzen…
Jarchow: Es ist schwer zu sagen, wer aus welcher Richtung kommt. Die kommen natürlich alle aus dieser großen Abteilung der Förderer und Supporters, zu der ich auch gehöre, wenn meine Mitgliedschaft nach meiner Amtszeit wieder auflebt. Diese Abteilung beinhaltet auch ganz unterschiedliche Charaktere und Typen. Viele von den Gewählten kenne ich. Herrn Klüver beispielsweise kenne ich noch aus meiner Zeit in der Abteilungsleitung der Supporters, Jürgen Hunke und andere auch. Ich kann da keine wirklichen Lager erkennen. Ich glaube, dass sich die wählenden Mitglieder mit den Themen befassen und letztlich aus ihrer persönlichen Überzeugung heraus ihre Entscheidungen treffen.

Matz ab:

Die Auflösung Ochsenzoll ist nicht so gut gelaufen, wie Sie sich das vorgestellt hatten…
Jarchow: Nein, da hatten wir uns vorgestellt, dass die dort handelnden Personen das etwas intensiver mit uns vertreten und nicht, dass sie uns Steine in den Weg legen. Die Auflösung ist satzungsmäßig vorgeschrieben. Am 18. Juni gibt es die erste Auflösung, wo alle 53000 Leute kommen müssten. Dort wird es also nichts werden, das ist eher prophylaktisch. Und dann machen wir ein zweite, wo die Zahl der Anwesenden genügt. Und diese Veranstaltung wird im September sein. Bis dahin zieht sich das Thema leider. Die Auflösung wird kommen – auch wenn es dort einige gab, die Ideen entwickelt haben, dort über neue Abteilungen wieder gemeinnützig zu werden. Aber diesen Weg werden wir nicht mitgehen, das habe ich auch klar gesagt. Auch wenn ich mir damit sicher nicht nur Freunde gemacht habe.

Matz ab:
Wie gehen Sie generell damit um, dass Sie in Ihrer Funktion nicht nur Freunde haben?
Jarchow: Offensiv, Denn das geht auch nicht. Ich bin ganz zufrieden mit den Freunden, die ich habe und deren Unterstützung. Aber ich muss eben auch unangenehme Sachen entscheiden. So ist das leben. Im Unternehmen, in der Politik – und sogar im Elternrat der Schule. Zehn Prozent oder mehr hauen einem die Entscheidungen immer um die Ohren. Aber wenn Sie das nicht abkönnen, sind sie verehrt im Amt. Ich fühle mich ganz wohl.

Matz ab:
Ihr Vorgänger nannte die geleistete Jugendarbeit mal „Geldvernichtungsmaschine“. Wie stehen Sie zum Nachwuchsarbeit Ochsenzoll? Was muss dort passieren?
Jarchow: Als Geldvernichtungsmaschine kann man das nicht bezeichnen, das können wir uns gar nicht leisten. Im Gegenteil, wir müssen zusehen, dass wir aus diesem Bereich jedes Jahr mindestens einen nach oben hervorbringen. Das muss das Ziel sein. Das machen uns andere Vereine vor. Oft, wie ich befürchte, wohl auch mit weniger Mitteln als wir sie einsetzen. Wir sind uns der Problematik dort bewusst. Dort fehlt es an Kontinuität. Wir haben auch gerade wieder dafür gesorgt, dass es nicht kontinuierlich weitergeht, indem wir uns von Paul Meier trennen.

Matz ab:

Er sich vom HSV oder Sie sich von ihm?
Jarchow: Natürlich einvernehmlich. Wie das eben so ist. Das ist in erster Linie der Arbeitsbereich von Frank Arnesen, auch wenn es mich natürlich immer wieder selbst berührt. Ich glaube, dass wir in den verschiedenen Bereichen dort Leute in den letzten Jahren vorgebracht haben. Wir haben es aber nicht geschafft, dort wirklich eine eigene Philosophie zu implementieren, die sowohl für die Spieler, die Spielsystem als auch die Trainer gilt. Und das muss von hier aus kontrolliert werden, worum sich Lee Congerton zukünftig kümmern wird. Ich glaube, dass die Barcelona-Philosophie, dass man sich nach Guardiolas Abgang nicht Mourinho holt sondern auf seinen Assistenten setzt, der den Verein jahrelang durchlaufen hat, richtig ist. Es wird nicht immer klappen. Aber von der Grundsatzidee her ist das der richtige Weg. Freiburg macht das ja schon…

Matz ab:
..aber aus der Not heraus…
Jarchow: …manchmal ist das eben so. Dortmund hat auch aus einem Notfall heraus diese Mannschaft gegründet. Die Not hilft manchmal, Dinge durchzusetzen, die sie sonst nicht durchsetzen können. In der Not liegt auch immer eine Chance.

In diesem Sinne, das war der zweite und letzte Teil des Jarchow-Interviews. Ein sehr offenes, ehrliches Gespräch mit vielen interessanten Aussagen. Im Abspann noch ein paar kurze Meldungen.
Bis morgen, dann übrigens ohne Live-Video nach dem Deutschland-Spiel, da Dieter in Leipzig weilt. Wir werden die lediglich verschobene (!!) Sendung aber in der kommenden Woche nachholen und mit interessanten Gästen am kommenden Donnerstag einen letzten EM-Check machen, ehe es dann am Freitag in der Ukraine und Polen endlich losgeht.

Bis morgen,
Scholle

Ansage: Nachdem jetzt bekannt geworden ist, dass Innenverteidiger David Abraham beim spanischen Erstligisten FC Getafe bereits einen Vorvertrag unterschrieben hat, haben sich Sportchef Frank Arnesen und Jarchow darauf verständigt, dass Abraham selbst samt Berater die Angelegenheit in Spanien zu klären haben. „Wir haben mit dem Spieler und dem Berater gesprochen und ihnen klar gemacht, dass wir unsere Verhandlungen auf der Basis geführt haben, dass David ablösefrei ist. Jetzt müssen die beiden sich mit Getafe auseinandersetzen und die Sache klären“, so Jarchow. Ansonsten könnte der Wechsel des Wunschspielers von Trainer Thorsten Fink in letzter Sekunde doch noch platzen

Ansage II: In der kommenden Woche, wenn Arnesen wieder in Hamburg ist, sollen Marcell Jansen und Tolgay Arslan ihre neuen Verträge beim HSV unterschreiben. „Wir sind da sehr zuversichtlich, dass es schon bald zur Einigung kommt“, so Jarchow.
Anfrage: Der HSV ist weiterhin an Wolfsburgs Mittelfeldspieler Koo interessiert. In den nächsten Tagen will sich Wolfsburgs Trainer Felix Magath entscheiden, ob er den Südkoreaner für die kommende Saison einplant.

Absage: Kein Thema mehr ist Diego, der von Atletico Madrid zum VfL Wolfsburg zurückkehrt. Das Gehalt des Mittelfeldspielers liegt noch deutlicher als bei Hamit Altintop über dem Machbaren des HSV, der zudem eine Gehaltsstruktur hat, die nicht riskiert werden soll, wie Jarchow sagt.

Traum: Rafael van der Vaart wird wieder auf dem Transfermarkt gehandelt – ergo: der HSV, der in Kühne einen milliardenschweren und wahrscheinlich den größten Fan des Mittelfeldspielers in seinen Reihen weiß, sollte hellhörig werden. Dem Vernehmen nach ist der FC Schalke 04 um die Verpflichtung von van der Vaart bemüht. Wie „Bild“ und „Sport Bild“ berichteten, sollen die Königsblauen Kontakt mit dem Berater des niederländischen Nationalspielers von Tottenham Hotspur aufgenommen haben. Für die Verpflichtung des 29 Jahre alten ehemaligen HSV-Profis müsste der Revierclub aber wohl eine zweistellige Millionensumme aufbringen. Van der Vaart steht bei Tottenham bis 2014 unter Vertrag. Schalke wollte die Spekulationen weder bestätigen noch dementieren. Deshalb, meine Bitte an Klubboss Carl Jarchow: Beim nächsten Treffen mit Herrn Kühne, das meinen Informationen zufolge ja schon in wenigen Tagen ansteht, bitte auch das Thema van der Vaart kurz diskutieren. Denn so unwahrscheinlich es auch ist – man weiß ja nie. Manchmal erfüllen sich Träume ja…

Fink plant die “Dank-Aufstellung” – und der HSV neue Investorenmodelle

2. Mai 2012

Ich schicke es gleich vorweg: mir ist in diesem speziellen Fall wirklich egal, was gestern war. Jeder kann sich mal irren. Schlimm ist nur, wer seinen Fehler wider besseres Wissen nicht einsieht. Deshalb halte ich auch nichts davon, mich hier und heute über die große Bedenkenlage der Supporters zu unterhalten, auch wenn es gerade sie sind, die beim Einstieg von Speditions-Milliardär Klaus Michael Kühne auf die Barrikaden gingen und dadurch einen Verkauf des Klubs befürchteten. Wichtiger ist, dass sich auch die größte Abteilung des Klubs darauf verständigt hat, über alternative Geldquellen nachzudenken. Mehr noch: es sollen Gelder aus der eigenen Mitte akquiriert werden.

So zumindest ist der Plan von Supporters-Boss Ralf Bednarek. Kurz vor dem 125. Vereinsjubiläum – welch außerordentlich passender Zeitpunkt übrigens! – werden Fan-Anleihen ins Spiel gebracht. Nicht, dass die Idee revolutionär wäre, vielmehr werden ähnliche Projekte schon seit mehreren Jahren im HSV-Vorstand (das begann schon in der Ära Hoffmann/Beiersdorfer) diskutiert. Nein, es passt einfach alles zusammen. Denn wenn das abgelaufene Spieljahr etwas Positives hatte, dann den Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft. Und dieser Zusammenhalt könnte sich noch mal verfestigen, wenn letztlich Spieler kommen, die unter anderem mit Geldern der Leute auf den Rängen finanziert wurden. Das allein dürfte eine noch engere Identifikation schaffen.

Aber hauptsächlich freut es mich, weil ich die Hoffnung habe, dass der HSV dadurch mit der Zeit geht und seine zweifellos hohe Attraktivität für Werbepartner auch auf Investoren ausbauen kann. Kühne ist ein gutes Beispiel dafür, dass Leute Geld geben, die mit der nötigen Portion Idealismus und Fantum an den HSV herantreten. Er weiß, dass er aus den 12,5 Millionen, die er dem HSV zur Verfügung gestellt hat, höchstwahrscheinlich kaum ein bis keine Rendite erwarten kann. Dennoch ist er weiterhin daran interessiert, seinem Lieblingsklub Geld zur Verfügung zu stellen. Immerhin steht der HSV weiterhin in ganz engem, Kontakt zum Fan von Rafael van der Vaart. Und Kühne hat bereits signalisiert, dass er dem HSV bei der Suche nach dem bestmöglichen Kreativspieler im Mittelfeld helfen würde. Einziges Hindernis wäre ein erneuter Protest der Fans gegen seine Form der Unterstützung, der ihn schon bei den 12,5 Millionen Euro massiv geärgert hatte. Denn Mitspracherecht hatte Kühne nie gefordert.

Aber okay, bislang ist es nur der nächste Schritt bei der Umsetzung einer guten Idee – wie ich finde. Aber es könnte ein wichtiger sein, denn Bednarek steht der größten Abteilung des Klubs vor, sein Wort hat dort Gewicht. Und dass der HSV sich deutlich verstärken muss, um auch nur ansatzweise wieder dort hinzukommen, wo wir vor wenigen Jahren mal dachten, angekommen zu sein, ist klar. Auch wenn Arnesen seine jungen Talente lobte und Fink heute nachlegte. Der HSV-Trainer lobte heute großzügig die Spieler, die vor der Saison neu dazugekommen sind. „Jacopo Sala und Tolgay Arslan haben ich sehr gut entwickelt. Auch Michael Mancienne hat nach anfänglichen Schwierigkeiten einen ganz wichtigen Schritt gemacht.“ Der Engländer habe bei ihm lange keine Rolle gespielt, gab Fink zu. „Ich habe ihm auch persönlich gesagt, dass ich ihm auf dem Platz noch nicht wirklichen vertrauen würde. Daraufhin hat er im Training noch mehr Gas gegeben und auch in den Testspielen überzeugt. Er kam daraufhin zu mir und sagte, er sei jetzt soweit. Und er hat diese Chance genutzt.“

Davon weiter entfernt ist Zhi Gin Lam, bei dem es zunächst hieß, er solle ausgeliehen werden. Dem widersprach Fink heute. „Zhi Gin muss nicht verliehen werden. Er hatte ein Tief, aus dem er langsam raus ist. Hier müssen wir die nächsten Wochen noch mal abwarten.“ Gleiches gilt auch für Jeffrey Bruma, dessen Verbleib in Hamburg von der hiesigen Klubführung erwünscht aber eben noch nicht gesichert ist. „Mein Infos sind die, dass es gut für uns aussieht, dass er bleiben wird.“ Und das würde er persönlich befürworten, nachdem der Niederländer im Laufe dieser Saison „sehr viel gelernt“ habe. Dass sich der Mannschaftsrat vor einigen Wochen gegen Bruma (damals angeblich gegen ihn und Gökhan Töre) ausgesprochen haben soll, dem widersprach Fink heute. „Ich habe damals um das Gespräch mit dem Mannschaftsrat gebeten, weil ich die Mannschaft in die Pflicht genommen habe. Ich habe sie auf Missstände aufmerksam gemacht und von den älteren Führungsspielern erwartet, dass sie Verantwortung übernehmen. Hätte mir einer von denen gesagt, ich solle Töre oder Jeff rausnehmen, hätte ich die beiden definitiv spielen lassen.“

Dass Töre nicht gespielt habe, sei eher der sportlichen und taktischen Notwendigkeit geschuldet, defensivorientierter spielen zu müssen. „Wir waren im Abstiegskampf. Es macht Spaß, Gökhan zuzusehen, wie er den Ball streichelt. Er hat in der Hinrunde voll überzeugt. Aber er hat eben auch Schwächen in der Defensive. Und das konnten wir uns nicht erlauben. Gökhan hätte aber ganz sicher gespielt, wenn wir gesichert gewesen wären.“

So wie jetzt am Sonnabend beim letzten Spiel in Augsburg. Beim Spiel gegen den Tabellennachbarn (Fink: „Wir wollen die Saison zwingend vor Augsburg beenden“) will der HSV-Trainer eine „Dank-Aufstellung“ vornehmen. Dabei sollen insbesondere die Spieler zum Einsatz kommen, die zuletzt oft auf der Bank saßen und sich dennoch mannschaftsdienlich eingebracht haben. „Vorne spielen Marcus Berg und Paolo Guerrero“, so Fink, der im Mittelfeld Robert Tesche „noch eine Chance“ geben will. Zumindest formulierte es Fink so. Tesche soll ebenso zum Einsatz kommen wie Per Skjelbred. Der Norweger zählte zu den wenigen Spielern, die Fink nicht ausdrücklich lobte. Stattdessen attestierte Fink Skjelbred tadellose Trainingsleistungen.

Dennoch deutet vieles darauf hin, dass sich Fink und Sportchef Frank Arnesen intern darauf verständigt haben, zu Petric, Jarolim und voraussichtlich Drobny weitere Spieler abzugeben. Dazu zählen weiter Leihgeschäfte (Besic, Lam) aber eben auch Verkäufe wie bei Tesche und Skjelbred, sofern sich passende Abnehmer finden lassen.

Zudem wird Dennis Diekmeier wieder auf der Rechtsverteidigerposition beginnen, während sein letztwöchiger Vertreter Jeffrey Bruma wieder auf seine angestammte Position in der Innenverteidigung rückt. Unklar ist dabei, ob Bruma neben Abwehrchef Heiko Westermann oder Michael Mancienne („Er hat sein Sache in den letzten Wochen sehr gut gemacht“) aufläuft, während Dennis Aogo links wieder versuchen darf, sich für eine EM-Nominierung zu empfehlen. Wobei: Geht es nach den Klebebildherstellern (Duplo, Panini), ist Aogo dabei. Und die hatten in der Regel immer ein gute Näschen, oder besser: sehr gute Informanten.

Aber zurück zum „Danke-Spie“ in Augsburg. Dort wird Ivo Ilicevic ausnahmsweise mal verletzt passen müssen. Den Offensivmann plagen weiter muskuläre Probleme. Zudem wird Drobny (Muskelbündelriss) weiter ausfallen und von Sven Neuhaus, der entgegen aller Trainingseindrücke zuvor in den letzten beiden Spielen in meinen Augen tadellos agiert hat. Und auch Mladen Petric sowie David Jarolim werden zunächst nur von der Bank aus zusehen. Dennoch glaubt Fink nicht daran, dass die Partie beim ebenfalls geretteten FC Augsburg zum Freundschaftsspiel verkommt. „Nein, dafür haben beide Mannschaften noch Ziele. Wir zum Beispiel wollen unbedingt vor dem FCA stehen.“

Ziele hat der HSV auch für die kommende Saison. Nicht mehr gegen den Abstieg, dafür aber am besten Richtung Europa soll es gehen. Und dafür wiederum werden Fink und Arnesen in diesem Sommer ihre Urlaube verkürzen müssen. „Ein paar Tage mit der Familie müssen sein“, sagt Fink, „aber natürlich haben Frank und ich eine Menge Arbeit vor uns.“ Zu viel sei liegen geblieben in den vergangenen Wochen, in denen der HSV noch zwischen den Ligen schwankte.

Klar ist indes, dass Adler kommen soll. Und auch die Tatsache, dass sich zwei Kontrolleure gegen den Transfer ausgesprochen haben, widerspricht dem nicht. Im Gegenteil, da die anderen zehn dafür votierten hat Arnesen grünes Licht. Und der Däne ließ zuletzt keine Zweifel daran, dass der ehemalige Nationalkeeper zur neuen Saison in Hamburg aufschlägt. Dafür erscheint es immer unklarer, dass Drobny zum FC Bayern wechselt. Zumindest sind aus München weitere Namen zu hören. Aber was soll’s – wenn der HSV es sich finanziell leisten kann, mit Adler und Drobny – ich hätte nichts dagegen. Mickel als Nummer drei, dann hätten wir einen ganz jungen, einen jungen erfahrenen und einen älteren erfahrenen Torhüter im Kader. Klingt rund, oder?

In diesem Sinne, morgen wird weiter trainiert. Um 15.30 Uhr bittet Fink die Spieler zum lockeren – mehr war das heutige Training wirklich nicht – Aufgallopp an der Imtech-Arena.

Scholle

Ein heißes Wochenende steht bevor – und alle hoffen auf Ruhe

13. Januar 2012

Ernst-Otto Rieckhoff hat gesprochen – und ihr konntet es lesen. Und um die Sonntagsveranstaltung (die Mitgliederversammlung beginnt um 11 Uhr im CCH, Saal 1) hier ausreichend zu behandeln, habe ich mich um die zwei Kandidaten für die Position des Vorstandes für Mitgliederbelange bemüht. Beide sollten die Möglichkeit haben, sich hier unter gleichen Bedingungen präsentieren zu können. Vorher aber, und damit wird hoffentlich meine persönliche Gewichtung der Top-Themen beim HSV klar, geht es weiter um unsere Fußballprofis, die morgen bei Arminia Bielefeld zu ihrem letzten Testspiel vor Rückrundenbeginn antreten. Und das im Übrigen komplett umsonst, soll heißen: der HSV verzichtet auf seine Antrittsgage und spendet diese der Arminia, die sich seit Jahren mit finanziellen Problemen herumschlägt. Eine feine Sache…

„Es ist schade, dass dieser Verein solche Probleme hat“, sagt Heiko Westermann, der bis 2007 als Mannschaftskapitän für Arminia Bielefeld auflief und sich sehr gern an die Zeit zurückerinnert. „Wir hatten immer 20000 und mehr Zuschauer in einem richtigen Fußballstadion auf der Alm. Und wir haben trotz Außenseiterrolle immer schon drei, vier Spieltage vor Schluss die Klasse gesichert.“ Das allerdings klappte nach seinem Weggang nicht mehr. „Dann sind sie abgestiegen – mit Robert Tesche“, scherzt Westermann, der den Test bei seinem Ex-Klub sehr ernst nimmt. „Ich glaube, dass die als Drittligateam eine ordentliche Truppe haben, dass die guten Fußball spielen.“

Immerhin ein Kaliber, das dem HSV helfen kann, letzte Feinjustierungen unter möglichst wettkampfnahen Voraussetzungen vorzunehmen, die vordinglich im Defensivverhalten liegen. Denn heute konnten bei den grausamen Wetterbedingungen (ohne den Wind ginge es ja noch…) keine Standards geübt werden, weil dabei zu viel gestanden würde und die Erkältungsgefahr zu groß wäre. Und zum Glück ist den Spieler bereits bewusst, was sie noch falsch machen. Westermann: „Wir müssen noch besser gestaffelt stehen, um nicht mehr so anfällig bei Kontern zu sein. Und im Sechzehner müssen wir konsequenter beim Mann bleiben. Denn sonst fehlt uns die Absicherung – aber das sollten wir in den nächsten Tagen noch reinbekommen.“

Dabei ist insbesondere das Sprechen miteinander auf dem Platz gefragt. Bis auf Aogo, Westermann und vereinzelt Drobny macht auf dem Platz sonst niemand Ansagen. „Wir müssen uns gegenseitig mehr coachen“, fordert der Kapitän und nennt ein Beispiel: „Wenn ein Außenverteidiger nach vorn geht, muss er abgesichert werden. Meistens vom offensiveren Mittelfeldspieler auf der Seite. Und dafür müssen sie miteinander sprechen. Besser als zuletzt, weil wir ansonsten ein zu hohes Risiko gehen.“

Einfach. Und logisch. Ebenso wie die Rechnung von Klubboss Carl Edgar Jarchow. „Wir brauchen die Punkte gegen die Großen zum Rückrundenbeginn. Und ich bin optimistisch, dass wir es schaffen und dann möglichst schnell in den einstelligen Tabellenbereich klettern. Die Mannschaft wirkt gefestigt und hat eine gute Ausgangslage“, so Jarchow, dem Westermann zumindest beim letzten Satz widersprechen wollte. „Unsere Ausgangslage ist nicht gut – aber wir wollen sie besser machen. Und dafür zählt nichts anderes als ein Sieg gegen Dortmund. Dann dürften wir auch oben noch mal angreifen. Und das ist schwer – aber dabei ist nichts unmöglich.“

Allerdings scheint ausgeschlossen, dass der HSV im Winter noch einen Neuen bekommt. Zumindest würde das nicht der zuletzt so oft beschriebene Basel-Spieler Granit Xhaka sein. Jarchow eindeutig: „Der Spieler ist der Wunschspieler des Trainers, das ist bekannt. Aber sie können sich sicher sein, dass ein Transfer im Januar nicht passieren wird.“ Weniger sicher ist derweil die Zukunft von Mladen Petric. Der Kroate soll im März in Verhandlungen mit dem Verein treten, aber bis dahin werden dem Angreifer etliche Anfragen anderer Klubs vorliegen. So, wie jetzt von FC Sevilla. Die Spanier, die momentan nicht allzu glücklich über die sportliche Rolle Piotr Trochowskis sind, sollen sich bereits bei Petric-Berater Volker Struth, den ich heute Abend leider nicht erreichen konnte, informiert haben. Aber sicher ist, es werden nicht die letzten Interessenten bleiben. Dennoch, bis da etwas konkretes vorliegt, verweisen alle Beteiligten beharrlich auf den März, in dem die ersten Verhandlungsrunden stattfinden sollen. „Wir haben nie Zweifel daran gelassen, ihn halten zu wollen“, sagt Jarchow, „und wir sind in einem guten Austausch. Da dürfte keine unnötige Unruhe entstehen.“

Zumal der Verein in Westermanns Augen diesbezüglich gerade auf einem sehr guten Weg ist. Auch ein Grund, weshalb der Kapitän der Mitgliederversammlung am Sonntag etwas kritischer gegenübersteht. „Ich kann nur sagen, dass neue Grabenkämpfe jetzt nicht helfen. Wir haben ein sehr gutes Klima inner- und außerhalb aller Gremien im Verein und sollten die jetzt angefangene gute Arbeit so auch fortsetzen. Für alle ist es doch das höchste Gut, dass wir wieder nach oben kommen – und das schaffen wir nur mit Ruhe.“

Wahre Worte, an die ich mich hier halten werde und die ich als Alibi dafür nutze, meine Beiträge zur MV am Sonntag so sachlich wie es nur geht zu halten und mir jede Wertung (selbst zu den 18 (!) Anträgen auf Änderung der Satzung) verbiete. Stattdessen wollte ich Euch hier zum einen die TOP-Liste zeigen…

Tagesordnung
1. Eröffnung und Begrüßung der Mitglieder
2. Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung und Beschlussfähigkeit
3. Gedenken an die Verstorbenen
4. Ehrungen
5. Feststellung der Anwesenheit
6. Genehmigung der Protokolle der ordentlichen Mitgliederversammlung vom 09.01.2011 sowie der Informationsversammlung vom 22.05.2011
7. Bericht des Aufsichtsrates (siehe hierzu vorigen Blog) und Aussprache
8. Bericht des Vorstandes und Aussprache
9. Bericht der Organe der Gesellschaften, an denen der Verein beteiligt ist
10. Bericht der Rechnungsprüfer und Aussprache
11. Entlastung des Aufsichtsrates
12. Entlastung des Vorstandes
13. Entlastung der Rechnungsprüfer
14. Berichte der weiteren Organe und Aussprache
15. Weitere Entlastungen
16. Wahl des Vorstandsmitglieds für die Belange der Mitglieder
17. Bericht des Satzungsausschusses
18. Antrag auf Änderung der Satzung durch den Vorstand des Hamburger SV, Anlage 1
19. Antrag auf Änderung der Satzung durch Ingo Thiel, Anlage 2
20. Antrag auf Änderung der Satzung durch Hans-Ulrich Klüver, Anlage 3
21. Antrag auf Änderungen der Satzung durch Dr. Andreas Peters, Anlage 4
22. Antrag auf Änderung der Satzung durch Reimund Slany und Klaus Manal, Anlage 5
23. Antrag auf Änderung der Satzung durch Tobias Lemke, Anlage 6
24. Antrag auf Änderungen der Satzung durch Claus Runge, Anlage 7 – 12
25. Antrag auf Änderung der Satzung durch Horst Becker, Anlage 13
26. Antrag auf Änderung der Satzung durch Jens Gercken, Anlage 14
27. Antrag auf Änderung der Satzung durch den Vorstand HSV Ochsenzoll-Norderstedt e.V., Anlage 15
28. Antrag auf Änderung der Satzung durch Ralf Bednarek, Anlage 16
29. Antrag auf Änderung der Satzung durch Marco Hepe, Anlage 17, a.) + b.) 30. Antrag auf Änderung der Satzung durch Jan Talleur, Anlage 18
31. Antrag auf Änderung der Satzung durch Gabriele Czarnetzki, Anlage 19
32. Antrag auf Änderung der Satzung durch Mike Schwerdtfeger, Anlage 20
33. Antrag durch Dieter Grzesik, Anlage 21, a.) + b.)
34. Antrag durch Marco Hepe, Anlage 22
35. Verschiedenes

…und zum anderen wollte ich Euch die beiden Kandidaten vorstellen, indem ich sowohl dem Amtsinhaber Oliver Scheel als auch dem neuen zweiten Kandidaten Christian „Büdi“ Blunck jeweils vier Fragen stelle. Blunck hat mich erst jetzt (18.16 Uhr) zurückrufen können, daher die späte Veröffentlichung dieses Blogs, den ich der Fairness halber unbedingt mit beiden Kandidaten haben wollte.

Zunächst Oliver Scheel:

Was erwarten Sie von der Mitgliederversammlung, Herr Scheel?
Oliver Scheel: „Ich erwarte wie immer eine hohe Teilnehmerzahl sowie eine lebhafte und faire Mitgliederversammlung wie in den letzten Jahren.“

Es gibt für ihren Posten mit Büdi Blunck einen namhaften Gegenkandidaten.
Scheel: Dass es diesmal neben mir noch einen Bewerber für den Posten des Vorstandes gibt, empfinde ich als gut, weil die Mitglieder so die Wahl haben. Dass ich dennoch unbedingt eine zweite Amtszeit meinen Posten bekleiden würde, ist selbstredend. Ich habe einige Dinge auf den Weg gebracht, die ich noch abschließen möchte. Zudem würde ich mich zu gern um die Feier zum 125-jährigen Jubiläum des HSV am 29. September kümmern.

Sie haben viel auf den Weg gebracht, sagen Sie. Ihre Kritiker sagen, es sei zu wenig bekannt.
Scheel: Ich werde mich jetzt nicht selbst feiern, aber ich kann mit großer Zufriedenheit behaupten, dass wir auf der Anlage Ochsenzoll mit der Errichtung von Kunstrasenplätzen für die Fußballer und die Hockey-Abteilung die Bedingungen deutlich verbessert haben. Ebenso durch die Errichtung des neuen Klubhauses. Die Anlage ist für die Zukunft gerüstet.

Apropos, was sind Ihre Zukunftsvisionen? Welches Projekt wollen Sie unbedingt umsetzen?
Scheel: Wie Sie wissen, liegen mir die Fans, insbesondere die jungen Fans sehr am Herzen. Daher freue ich mich, dass wir aus bislang 1300 Stehplätzen zukünftig 3000 machen wollen, indem wir Block 22c und Nord A dazunehmen. Dadurch entstehen noch mehr Stehplätze zu erschwinglichen Preisen. Die Umsetzung dieses Projektes liegt mir sehr am Herzen.“

Und dann noch Christian „Büdi“ Blunck:

Herr Blunck, was hat Sie zu Ihrer Kandidatur veranlasst?
Christian Blunck: Ich bin seit Jahrzehnten HSV-Fan und habe den Wunsch, hier etwas zu bewegen. Auch, weil ich glaube, dass der HSV auf dieser Position in dem nachvollziehbaren Umbruch auch sportliche Kompetenz braucht. Und die bringe ich mit.

Ihre Kandidatur hat also weniger den Hintergrund, dass Sie mit der Arbeit des bisherigen Vorstandes für Mitgliederbelange, Oliver Scheel, unzufrieden sind?
Blunck: Richtig. Ich trete hier nicht gegen Oliver Scheel an, sondern für den HSV.

Was erwarten Sie vom Sonntag?
Blunck: Eine konstruktive, faire Auseinandersetzung mit möglichst vielen Vereinsmitgliedern. Ich habe Oliver Scheel jetzt einige Male getroffen und muss sagen, dass wir einen sehr angenehmen, fairen Umgang miteinander haben. Wir beide wollen das Beste für den Verein – und das in unterschiedlichen Ausrichtungen. Ich glaube jedenfalls, dass der Vorstand nicht nur für die Fans und Supporters da ist, sondern als Bindeglied zwischen den Mitgliedern zum Vorstand agieren sollte.

Was sind Ihre Anliegen, wo wollen Sie etwas bewegen, etwas verändern, und verbessern?

Blunck: Ein ganz wichtiger Baustein ist der Amateursport. Da gibt es sehr viele Möglichkeiten, im Leistungs- und Jugendsport etwas zu machen, noch mehr herauszuholen.

In diesem Sinne, anbei noch die Kaderliste und voraussichtliche Aufstellung für das Spiel am Sonnabend in Bielefeld, von dem Euch Dieter vor Ort berichten wird. Die voraussichtliche Aufstellung: Drobny – Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo – Ilicevic, Tesche, Rincon, Jansen – Petric, Guerrero. Zudem im Kader: Mickel, Arslan, Jarolim, Kacar, Sala, Mancienne, Rajkovic, Lam, Son. Per Skjelbred laboriert weiter an seiner Schienbeinprellung, die er im Trainingslager nicht ordentlich (oder besser: gar nicht) auskuriert hat.

Bis morgen,

Scholle (18.58 Uhr)

P.S.: Anbei noch ein kleiner Hinweis für Musikliebhaber. Die neue CD „Du wirst uns siegen seh’n“ von Hamburgs Fußball-Band „ABSCHLACH!“ steht ab heute in den Plattenläden! 15 Songs rund um Hamburg und den HSV, in denen unter anderen Steffen Henssler als prominenter Gastsänger mitgewirkt hat. Ich selbst habe die CD noch nicht gehört, aber vielleicht kann mir ja einer von Euch, der sie kennt, davon berichten…

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