Archiv für das Tag 'Supporters'

Hoffen auf Hoffenheim, Schalke – und Lasogga

5. Mai 2014

Die Aufgabe, am Montag einen Blog einzustellen, ist ungleich schwerer geworden im Laufe dieser Saison. Zumeist, weil man den sportlichen Wochenendkater in Schriftform verarbeiten, wiedergeben oder noch mal aufbereiten muss. Das zermürbt, das ermüdet. So auch nach diesem 1:4 gegen Bayern München. Denn diese Niederlage verbessert die Lage des HSV in meinen Augen mitnichten. Mainz muss gewinnen, um sich nicht noch von Augsburg auf der Zielgeraden die Europa League nehmen zu lassen – und Mainz ist unser Gegner. Was die Aufgabe nicht leichter macht, beim heimstarken FSV zu bestehen.
Von daher bleibt die Hoffnung vage – und der größte Teil selbiger lastet auf Hoffenheim und Schalke. Letzteren traue ich einen Dreier ohne große Überlegung zu. Denn, und das ist bislang bei den hiesig riesgen Problemen etwas untergegangen, unser Abstiegskonkurrent 1. FC Nürnberg hat vereinsintern momentan noch größere Baustellen als der HSV. Das Verhältnis der Spieler und der Fans zur Vereinsspitze inklusive Trainer ist laut meinem fränkischen Kollegen mehr als angeschlagen. „Die holen definitiv nichts mehr. Dieser Abstieg ist besiegelt“, sagt er und will nicht genannt werden. Verständlich, da er täglich mit den „Clubberern“ zu tun hat.

Bleibt also Braunschweig. Und denen traue ich ehrlich gesagt aus qualitativen Gründen eigentlich nicht viel zu. Allerdings bin ich mir sicher, dass die Niedersachsen am Sonnabend bei den launischen Hoffenheimern zumindest eine kleine Chance haben – sofern sie einen Lucky Punch landen. Die werden fighten bis zum Umfallen, das ist sicher. Sollten sie aber wie gegen Augsburg erneut das Spiel aus der Hand geben, bin ich mir sicher, dass die TSG mit ihrer geballten Offensivkraft und der Kreativität das Braunschweiger Defensiv- und vor allem Torwartproblem auszunutzen wissen werden.


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Aber okay, das alles ist nur Theorie. Solange der HSV seine Hausaufgaben macht, müssen wir uns gar keine Gedanken darüber machen. Dennoch, wie schwer es für den HSV werden wird zeigte mir auch das Interview von Eric-Maxim Choupo-Moting. Der junge Hamburger beim FSV ist nicht nur sportlich in Topform sondern auch mächtig frustriert über sein Ende beim HSV, was er zwischen den Zeilen mehr als deutlich machte. Und wer Eric kennt, der weiß, dass er am Sonnabend höchstpersönlich dafür sorgen will, das der HSV abgestraft wird. Dass Tuchel selbst gar nicht anders kann als mit 110 Prozent – es macht die Ausgangslage definitiv nicht leichter.

Kaffeesatzleserei sei das. Sagt mein Vater. Und er hat Recht. Denn was außer den Abstiegssorgen war in dieser Saison beim HSV schon kalkulier- geschweige denn vorhersehbar? Nichts. Stimmt. Also mache ich es mir leicht und geselle mich komplett auf Sergej Barbarez’ Seite, der da sagte: „Der HSV wird es schaffen. Ich habe keinen Grund, warum das so ist. Aber es wird so kommen.“

Wiederkommen soll indes Pierre Michel Lasogga, den ich vergangene Woche beim individuellen Training beobachten konnte. Dreimal absolvierte der größte Hoffnungsträger des HSV individuelles Training, während ich zusah. Am Freitag unter anderem Steigerungsläufe über größere Distanz. Jeweils ohne Probleme. Als der von Hertha ausgeliehene Angreifer am vergangenen Freitag bei einer Autogrammstunde bei HSV-Partner „Body Attack“ nach der Möglichkeit gefragt wurde, noch mal für den HSV aufzulaufen, antwortete er kurz und trocken: „Ganz sicher. Wir müssen ja die Klasse halten.“

Bis Mittwoch soll der bullige Angreifer wieder ins Mannschaftstraining einsteigen und schon größere Teile der Übungseinheit absolvieren. „Wir werden ganz sicher nichts riskieren“, sagt Trainer Mirko Slomka, der sich am Sonntag fast an der Seite von Kontrahent Lieberknecht in Cottbus den möglichen Relegationsgegner ansah. Denn klar ist, dass die „Muskelprobleme“ des Angreifers mehr waren. Während Sportchef Oliver Kreuzer und auch Slomka nach längerer Nachfrage von „muskulärenen Problemen“ auf „sicherlich auch einen kleinen Faserriss“ erhöhten, wurde mir gesagt, es handele sich um einen Muskelbündelriss. Und ein solcher dauert in der Regel mindestens sechs Wochen – und diese sechs Wochen wären genau am Sonnabend abgelaufen. Und das gepaart mit den Eindrücken aus den Trainingseinheiten lässt mich ehrlicherweise tatsächlich auf einen Einsatz Lasoggas hoffen…

Die Hoffnung aufgegeben habe und hatte ich längst in Sachen Verhältnis Supporters/Polizei. Heute sprach die Gewerkschaft der Polizei davon, dass der HSV ein Gewaltproblem habe, während HSV-Vorstand Oliver Scheel den HSV verteidigte und vom Vorwurf, sich mit dem Gewaltproblem nicht zu beschäftigen, freisprach. Und ohne das ganze Dilemma hier neu aufzurollen muss doch eine Frage erlaubt sein: Mit welcher Berechtigung verlangt SC-Vorstand Christian Bieberstein in seinem alles andere als ausgewogenen und noch weniger überlegten Schreiben eine Entschuldigung der Polizei für „unangemessenes Verhalten“, während die intern durchaus bekannten Verfasser der bekanntermaßen verbotenen Banner (A.C.A.B) von ihm und seinen Kollegen weder genannt noch abgestraft werden?

Ich bin weit davon entfernt, die Vorgehensweise der Polizei zu rechtfertigen, geschweige denn sie in dem Ausmaße als korrekt zu bezeichnen. Dafür müsste ich mich auf Hörensagen verlassen. Und das mache ich nicht. Aber es dürfen hier auch nicht Ursache und Wirkung verwechselt werden. Die verbotenen Plakate sollten schon aus den eigenen Reihen unterbunden werden, wofür sich von oberster Stelle Scheel und Bieberstein einsetzen sollten. Denn anstatt hier die Provokation zuzulassen, wäre eine Kooperation angebrachter. Zumal dann, wenn die Supporters-Abteilungsleiter eh schon im Vorfeld der Partie der Überzeugung sind, die Polizei würde auf derartige Provokationen „immer wieder mit übertriebener Härte“ reagieren. Dieses dämliche „Polizei-gegen-Supporters“-Spielchen ist schlichtweg nur noch absurd. Fast so absurd wie die Tatsache, dass von den knapp 55000 Supporters im Verein gerade einmal knapp 200 Leute, also 0,35 Prozent, einen Delegierten für den Aufsichtsrat wählen. Aber das ist ein anderes Thema, das in den nächsten Tagen sicher noch mal von mir thematisiert werden wird…

Wichtiger ist bis dahin jedoch zweifelsfrei der sportliche Bereich. Bis zum Klassenerhalt sollte – nein, darf sich alles nur um dieses Ziel drehen. Dass jetzt schon über die mehr als 50 Anträge für den 25. Mai diskutiert wird, kann ich nachvollziehen und es wird auch bei uns spätestens am 19. Mai, also am Tag nach dem zweiten Relegationsspiel thematisiert werden. Aber nicht vorher. Vorher ist mir der körperliche Zustand Dennis Diekmeiers wichtiger, der sagt: „Ich hatte die gleichen Probleme vor dem Bayern-Spiel und habe sie weitestgehend auskurieren können. Das werde ich auch jetzt so machen.“ Behandlungen und gezieltes Trainings sollen die Einsetzbarkeit des Rechtsverteidigers garantieren. „Selbst ein wenig Restschmerz nehme ich für so ein wichtiges Spiel nur zu gern in Kauf“, sagt Diekmeier und fügt hinzu: „Zumal ich glaube, dass mein Körper so voller Adrenalin sein wird, dass ich das kleine Wehwehchen gar nicht spüren werde…“

Klingt gut. Morgen hören und sehen wir hoffentlich mehr davon, wenn der HSV um zehn Uhr an der Arena trainiert und anschließend der Trainer zu uns kommt.

Bis dahin.
Scholle

P.S.: Auch Johan Djourou soll am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

Das große Jarchow-Interview, Teil Zwei

30. Mai 2012

Matz ab:
Jetzt hat Marcell Jansen die Idee geäußert, die Bundesliga-Profis könnten den fehlenden Betrag über Spenden decken. Er selbst sei bereit, 5000 Euro zu bezahlen…
Jarchow: Das ehrt ihn natürlich. Aber hier geht es um, den grundsätzlichen Entschluss. Nachdem wir in den letzten Jahren einen siebenstelligen Betrag für die Bundesliga-Frauen aufgebracht haben und auch jetzt noch keine Tendenz zu erkennen war, dass sich der Frauenfußball in der Bundesliga selbst trägt, mussten wir uns so entscheiden. Wir haben alles versucht, jetzt ist aber auch theoretisch nichts mehr möglich, da alle Meldefristen abgelaufen sind. Dieser Zug ist abgefahren.

Matz ab:
Bei Ihrem Amtsantritt sprachen Sie davon, den einen oder anderen Altmeister des HSV enger an den HSV binden zu wollen. Es gab auch Gespräche mit Manfred Kaltz. Was ist daraus geworden?
Jarchow: Ja, es gab die Gespräche mit Manni Kaltz, er war hier. Auch mit anderen Spielern. Wir reden auch jetzt noch mit Leuten, die wir gern einbinden wollen. Ich habe auch mit David Jarolim gesprochen, der jetzt vielleicht noch zwei Jahre woanders Fußball spielt, ehe er zu uns zurückkommt. Bislang galt die Vereinbarung, dass er bei uns im Jugendbereich eingebunden wird für den Fall, dass er sofort aufhört. Ich halte ihn aber für derart geeignet, dass ich ihm gesagt habe, die Vereinbarung gilt auch nach den nächsten zwei Jahren noch. Ich habe auch damals mit Collin Benjamin gesprochen, den wir hier sehr gern gesehen hätten. Aber auch er wollte noch spielen. Jetzt lese ich, dass er es sich überlegt nach dem Jahr bei 1860. Er ist einer der Kandidaten.

Matz ab:
Haben Sie als Präsident mit der Mannschaft im Laufe der Saison auch mal ein ernstes Wort gesprochen, dass die Situation so ernst wie nie ist? Darüber wurde nie etwas bekannt.
Jarchow: Das stimmt. Und das liegt daran, dass manchmal eben doch nicht alles an die Öffentlichkeit kommt, was bei uns hinter geschlossenen Türen geschieht. Aber ich habe permanent einen Draht zur Mannschaft gehabt. Es gab Gespräche. Dieses Recht habe ich mir auch ein, zwei Mal herausgenommen. Aber im täglichen Geschäft ist das das Aufgabengebiet des Trainers und des Sportchefs.

Matz ab:
Waren Sie entsetzt vom Verlauf der Mitgliederversammlung?
Jarchow: Nein. Ich persönlich bin kein Satzungsfetischist und kann nur mit viel Mühe Begeisterung für Veranstaltungen entwickeln, bei denen es ausschließlich um Satzungsänderungen geht. Man kann sich darüber unterhalten, ob es zu langatmig war. Aber ich fand es in Ordnung, auch wenn das Thema der Verkleinerung des Aufsichtsrates dann noch mal für schwierige Diskussionen sorgte.

Matz ab:
Es gab drei Fraktionen. Die Realos, die Supporters und die anderen Mitglieder. Sorgt Sie diese Spaltung?
Jarchow: Nein, weil ich gar nicht sagen kann, ob man das so zuordnen kann. Es ging ja um das Thema Fernwahl, das sehr starke Befürworter aber eben auch sehr starke Kritiker hat. Über die anderen Fragen wurde ja gar nicht so lange diskutiert.

Matz ab:
Im Januar gibt es entscheidende Aufsichtsratsneuwahlen. Läuft der HSV Gefahr, seine Führungspositionen an Leute zu verlieren, die den Klub umbauen wollen?
Jarchow: Das ist schwer vorzustellen, was im Januar ist, wer dort kandidiert. Aber ich bin mir sicher, dass dort weiter Leute kandidieren können, die aus allen Bereichen kommen. Es muss und sollte immer die richtige Mischung haben aus Leuten, die direkt aus dem HSV und eben denen, die von außen kommen, bestehen.

Matz ab:

Die Supporters könnten sich mobilisiert schnell durchsetzen…
Jarchow: Es ist schwer zu sagen, wer aus welcher Richtung kommt. Die kommen natürlich alle aus dieser großen Abteilung der Förderer und Supporters, zu der ich auch gehöre, wenn meine Mitgliedschaft nach meiner Amtszeit wieder auflebt. Diese Abteilung beinhaltet auch ganz unterschiedliche Charaktere und Typen. Viele von den Gewählten kenne ich. Herrn Klüver beispielsweise kenne ich noch aus meiner Zeit in der Abteilungsleitung der Supporters, Jürgen Hunke und andere auch. Ich kann da keine wirklichen Lager erkennen. Ich glaube, dass sich die wählenden Mitglieder mit den Themen befassen und letztlich aus ihrer persönlichen Überzeugung heraus ihre Entscheidungen treffen.

Matz ab:

Die Auflösung Ochsenzoll ist nicht so gut gelaufen, wie Sie sich das vorgestellt hatten…
Jarchow: Nein, da hatten wir uns vorgestellt, dass die dort handelnden Personen das etwas intensiver mit uns vertreten und nicht, dass sie uns Steine in den Weg legen. Die Auflösung ist satzungsmäßig vorgeschrieben. Am 18. Juni gibt es die erste Auflösung, wo alle 53000 Leute kommen müssten. Dort wird es also nichts werden, das ist eher prophylaktisch. Und dann machen wir ein zweite, wo die Zahl der Anwesenden genügt. Und diese Veranstaltung wird im September sein. Bis dahin zieht sich das Thema leider. Die Auflösung wird kommen – auch wenn es dort einige gab, die Ideen entwickelt haben, dort über neue Abteilungen wieder gemeinnützig zu werden. Aber diesen Weg werden wir nicht mitgehen, das habe ich auch klar gesagt. Auch wenn ich mir damit sicher nicht nur Freunde gemacht habe.

Matz ab:
Wie gehen Sie generell damit um, dass Sie in Ihrer Funktion nicht nur Freunde haben?
Jarchow: Offensiv, Denn das geht auch nicht. Ich bin ganz zufrieden mit den Freunden, die ich habe und deren Unterstützung. Aber ich muss eben auch unangenehme Sachen entscheiden. So ist das leben. Im Unternehmen, in der Politik – und sogar im Elternrat der Schule. Zehn Prozent oder mehr hauen einem die Entscheidungen immer um die Ohren. Aber wenn Sie das nicht abkönnen, sind sie verehrt im Amt. Ich fühle mich ganz wohl.

Matz ab:
Ihr Vorgänger nannte die geleistete Jugendarbeit mal „Geldvernichtungsmaschine“. Wie stehen Sie zum Nachwuchsarbeit Ochsenzoll? Was muss dort passieren?
Jarchow: Als Geldvernichtungsmaschine kann man das nicht bezeichnen, das können wir uns gar nicht leisten. Im Gegenteil, wir müssen zusehen, dass wir aus diesem Bereich jedes Jahr mindestens einen nach oben hervorbringen. Das muss das Ziel sein. Das machen uns andere Vereine vor. Oft, wie ich befürchte, wohl auch mit weniger Mitteln als wir sie einsetzen. Wir sind uns der Problematik dort bewusst. Dort fehlt es an Kontinuität. Wir haben auch gerade wieder dafür gesorgt, dass es nicht kontinuierlich weitergeht, indem wir uns von Paul Meier trennen.

Matz ab:

Er sich vom HSV oder Sie sich von ihm?
Jarchow: Natürlich einvernehmlich. Wie das eben so ist. Das ist in erster Linie der Arbeitsbereich von Frank Arnesen, auch wenn es mich natürlich immer wieder selbst berührt. Ich glaube, dass wir in den verschiedenen Bereichen dort Leute in den letzten Jahren vorgebracht haben. Wir haben es aber nicht geschafft, dort wirklich eine eigene Philosophie zu implementieren, die sowohl für die Spieler, die Spielsystem als auch die Trainer gilt. Und das muss von hier aus kontrolliert werden, worum sich Lee Congerton zukünftig kümmern wird. Ich glaube, dass die Barcelona-Philosophie, dass man sich nach Guardiolas Abgang nicht Mourinho holt sondern auf seinen Assistenten setzt, der den Verein jahrelang durchlaufen hat, richtig ist. Es wird nicht immer klappen. Aber von der Grundsatzidee her ist das der richtige Weg. Freiburg macht das ja schon…

Matz ab:
..aber aus der Not heraus…
Jarchow: …manchmal ist das eben so. Dortmund hat auch aus einem Notfall heraus diese Mannschaft gegründet. Die Not hilft manchmal, Dinge durchzusetzen, die sie sonst nicht durchsetzen können. In der Not liegt auch immer eine Chance.

In diesem Sinne, das war der zweite und letzte Teil des Jarchow-Interviews. Ein sehr offenes, ehrliches Gespräch mit vielen interessanten Aussagen. Im Abspann noch ein paar kurze Meldungen.
Bis morgen, dann übrigens ohne Live-Video nach dem Deutschland-Spiel, da Dieter in Leipzig weilt. Wir werden die lediglich verschobene (!!) Sendung aber in der kommenden Woche nachholen und mit interessanten Gästen am kommenden Donnerstag einen letzten EM-Check machen, ehe es dann am Freitag in der Ukraine und Polen endlich losgeht.

Bis morgen,
Scholle

Ansage: Nachdem jetzt bekannt geworden ist, dass Innenverteidiger David Abraham beim spanischen Erstligisten FC Getafe bereits einen Vorvertrag unterschrieben hat, haben sich Sportchef Frank Arnesen und Jarchow darauf verständigt, dass Abraham selbst samt Berater die Angelegenheit in Spanien zu klären haben. „Wir haben mit dem Spieler und dem Berater gesprochen und ihnen klar gemacht, dass wir unsere Verhandlungen auf der Basis geführt haben, dass David ablösefrei ist. Jetzt müssen die beiden sich mit Getafe auseinandersetzen und die Sache klären“, so Jarchow. Ansonsten könnte der Wechsel des Wunschspielers von Trainer Thorsten Fink in letzter Sekunde doch noch platzen

Ansage II: In der kommenden Woche, wenn Arnesen wieder in Hamburg ist, sollen Marcell Jansen und Tolgay Arslan ihre neuen Verträge beim HSV unterschreiben. „Wir sind da sehr zuversichtlich, dass es schon bald zur Einigung kommt“, so Jarchow.
Anfrage: Der HSV ist weiterhin an Wolfsburgs Mittelfeldspieler Koo interessiert. In den nächsten Tagen will sich Wolfsburgs Trainer Felix Magath entscheiden, ob er den Südkoreaner für die kommende Saison einplant.

Absage: Kein Thema mehr ist Diego, der von Atletico Madrid zum VfL Wolfsburg zurückkehrt. Das Gehalt des Mittelfeldspielers liegt noch deutlicher als bei Hamit Altintop über dem Machbaren des HSV, der zudem eine Gehaltsstruktur hat, die nicht riskiert werden soll, wie Jarchow sagt.

Traum: Rafael van der Vaart wird wieder auf dem Transfermarkt gehandelt – ergo: der HSV, der in Kühne einen milliardenschweren und wahrscheinlich den größten Fan des Mittelfeldspielers in seinen Reihen weiß, sollte hellhörig werden. Dem Vernehmen nach ist der FC Schalke 04 um die Verpflichtung von van der Vaart bemüht. Wie „Bild“ und „Sport Bild“ berichteten, sollen die Königsblauen Kontakt mit dem Berater des niederländischen Nationalspielers von Tottenham Hotspur aufgenommen haben. Für die Verpflichtung des 29 Jahre alten ehemaligen HSV-Profis müsste der Revierclub aber wohl eine zweistellige Millionensumme aufbringen. Van der Vaart steht bei Tottenham bis 2014 unter Vertrag. Schalke wollte die Spekulationen weder bestätigen noch dementieren. Deshalb, meine Bitte an Klubboss Carl Jarchow: Beim nächsten Treffen mit Herrn Kühne, das meinen Informationen zufolge ja schon in wenigen Tagen ansteht, bitte auch das Thema van der Vaart kurz diskutieren. Denn so unwahrscheinlich es auch ist – man weiß ja nie. Manchmal erfüllen sich Träume ja…

Fink plant die “Dank-Aufstellung” – und der HSV neue Investorenmodelle

2. Mai 2012

Ich schicke es gleich vorweg: mir ist in diesem speziellen Fall wirklich egal, was gestern war. Jeder kann sich mal irren. Schlimm ist nur, wer seinen Fehler wider besseres Wissen nicht einsieht. Deshalb halte ich auch nichts davon, mich hier und heute über die große Bedenkenlage der Supporters zu unterhalten, auch wenn es gerade sie sind, die beim Einstieg von Speditions-Milliardär Klaus Michael Kühne auf die Barrikaden gingen und dadurch einen Verkauf des Klubs befürchteten. Wichtiger ist, dass sich auch die größte Abteilung des Klubs darauf verständigt hat, über alternative Geldquellen nachzudenken. Mehr noch: es sollen Gelder aus der eigenen Mitte akquiriert werden.

So zumindest ist der Plan von Supporters-Boss Ralf Bednarek. Kurz vor dem 125. Vereinsjubiläum – welch außerordentlich passender Zeitpunkt übrigens! – werden Fan-Anleihen ins Spiel gebracht. Nicht, dass die Idee revolutionär wäre, vielmehr werden ähnliche Projekte schon seit mehreren Jahren im HSV-Vorstand (das begann schon in der Ära Hoffmann/Beiersdorfer) diskutiert. Nein, es passt einfach alles zusammen. Denn wenn das abgelaufene Spieljahr etwas Positives hatte, dann den Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft. Und dieser Zusammenhalt könnte sich noch mal verfestigen, wenn letztlich Spieler kommen, die unter anderem mit Geldern der Leute auf den Rängen finanziert wurden. Das allein dürfte eine noch engere Identifikation schaffen.

Aber hauptsächlich freut es mich, weil ich die Hoffnung habe, dass der HSV dadurch mit der Zeit geht und seine zweifellos hohe Attraktivität für Werbepartner auch auf Investoren ausbauen kann. Kühne ist ein gutes Beispiel dafür, dass Leute Geld geben, die mit der nötigen Portion Idealismus und Fantum an den HSV herantreten. Er weiß, dass er aus den 12,5 Millionen, die er dem HSV zur Verfügung gestellt hat, höchstwahrscheinlich kaum ein bis keine Rendite erwarten kann. Dennoch ist er weiterhin daran interessiert, seinem Lieblingsklub Geld zur Verfügung zu stellen. Immerhin steht der HSV weiterhin in ganz engem, Kontakt zum Fan von Rafael van der Vaart. Und Kühne hat bereits signalisiert, dass er dem HSV bei der Suche nach dem bestmöglichen Kreativspieler im Mittelfeld helfen würde. Einziges Hindernis wäre ein erneuter Protest der Fans gegen seine Form der Unterstützung, der ihn schon bei den 12,5 Millionen Euro massiv geärgert hatte. Denn Mitspracherecht hatte Kühne nie gefordert.

Aber okay, bislang ist es nur der nächste Schritt bei der Umsetzung einer guten Idee – wie ich finde. Aber es könnte ein wichtiger sein, denn Bednarek steht der größten Abteilung des Klubs vor, sein Wort hat dort Gewicht. Und dass der HSV sich deutlich verstärken muss, um auch nur ansatzweise wieder dort hinzukommen, wo wir vor wenigen Jahren mal dachten, angekommen zu sein, ist klar. Auch wenn Arnesen seine jungen Talente lobte und Fink heute nachlegte. Der HSV-Trainer lobte heute großzügig die Spieler, die vor der Saison neu dazugekommen sind. „Jacopo Sala und Tolgay Arslan haben ich sehr gut entwickelt. Auch Michael Mancienne hat nach anfänglichen Schwierigkeiten einen ganz wichtigen Schritt gemacht.“ Der Engländer habe bei ihm lange keine Rolle gespielt, gab Fink zu. „Ich habe ihm auch persönlich gesagt, dass ich ihm auf dem Platz noch nicht wirklichen vertrauen würde. Daraufhin hat er im Training noch mehr Gas gegeben und auch in den Testspielen überzeugt. Er kam daraufhin zu mir und sagte, er sei jetzt soweit. Und er hat diese Chance genutzt.“

Davon weiter entfernt ist Zhi Gin Lam, bei dem es zunächst hieß, er solle ausgeliehen werden. Dem widersprach Fink heute. „Zhi Gin muss nicht verliehen werden. Er hatte ein Tief, aus dem er langsam raus ist. Hier müssen wir die nächsten Wochen noch mal abwarten.“ Gleiches gilt auch für Jeffrey Bruma, dessen Verbleib in Hamburg von der hiesigen Klubführung erwünscht aber eben noch nicht gesichert ist. „Mein Infos sind die, dass es gut für uns aussieht, dass er bleiben wird.“ Und das würde er persönlich befürworten, nachdem der Niederländer im Laufe dieser Saison „sehr viel gelernt“ habe. Dass sich der Mannschaftsrat vor einigen Wochen gegen Bruma (damals angeblich gegen ihn und Gökhan Töre) ausgesprochen haben soll, dem widersprach Fink heute. „Ich habe damals um das Gespräch mit dem Mannschaftsrat gebeten, weil ich die Mannschaft in die Pflicht genommen habe. Ich habe sie auf Missstände aufmerksam gemacht und von den älteren Führungsspielern erwartet, dass sie Verantwortung übernehmen. Hätte mir einer von denen gesagt, ich solle Töre oder Jeff rausnehmen, hätte ich die beiden definitiv spielen lassen.“

Dass Töre nicht gespielt habe, sei eher der sportlichen und taktischen Notwendigkeit geschuldet, defensivorientierter spielen zu müssen. „Wir waren im Abstiegskampf. Es macht Spaß, Gökhan zuzusehen, wie er den Ball streichelt. Er hat in der Hinrunde voll überzeugt. Aber er hat eben auch Schwächen in der Defensive. Und das konnten wir uns nicht erlauben. Gökhan hätte aber ganz sicher gespielt, wenn wir gesichert gewesen wären.“

So wie jetzt am Sonnabend beim letzten Spiel in Augsburg. Beim Spiel gegen den Tabellennachbarn (Fink: „Wir wollen die Saison zwingend vor Augsburg beenden“) will der HSV-Trainer eine „Dank-Aufstellung“ vornehmen. Dabei sollen insbesondere die Spieler zum Einsatz kommen, die zuletzt oft auf der Bank saßen und sich dennoch mannschaftsdienlich eingebracht haben. „Vorne spielen Marcus Berg und Paolo Guerrero“, so Fink, der im Mittelfeld Robert Tesche „noch eine Chance“ geben will. Zumindest formulierte es Fink so. Tesche soll ebenso zum Einsatz kommen wie Per Skjelbred. Der Norweger zählte zu den wenigen Spielern, die Fink nicht ausdrücklich lobte. Stattdessen attestierte Fink Skjelbred tadellose Trainingsleistungen.

Dennoch deutet vieles darauf hin, dass sich Fink und Sportchef Frank Arnesen intern darauf verständigt haben, zu Petric, Jarolim und voraussichtlich Drobny weitere Spieler abzugeben. Dazu zählen weiter Leihgeschäfte (Besic, Lam) aber eben auch Verkäufe wie bei Tesche und Skjelbred, sofern sich passende Abnehmer finden lassen.

Zudem wird Dennis Diekmeier wieder auf der Rechtsverteidigerposition beginnen, während sein letztwöchiger Vertreter Jeffrey Bruma wieder auf seine angestammte Position in der Innenverteidigung rückt. Unklar ist dabei, ob Bruma neben Abwehrchef Heiko Westermann oder Michael Mancienne („Er hat sein Sache in den letzten Wochen sehr gut gemacht“) aufläuft, während Dennis Aogo links wieder versuchen darf, sich für eine EM-Nominierung zu empfehlen. Wobei: Geht es nach den Klebebildherstellern (Duplo, Panini), ist Aogo dabei. Und die hatten in der Regel immer ein gute Näschen, oder besser: sehr gute Informanten.

Aber zurück zum „Danke-Spie“ in Augsburg. Dort wird Ivo Ilicevic ausnahmsweise mal verletzt passen müssen. Den Offensivmann plagen weiter muskuläre Probleme. Zudem wird Drobny (Muskelbündelriss) weiter ausfallen und von Sven Neuhaus, der entgegen aller Trainingseindrücke zuvor in den letzten beiden Spielen in meinen Augen tadellos agiert hat. Und auch Mladen Petric sowie David Jarolim werden zunächst nur von der Bank aus zusehen. Dennoch glaubt Fink nicht daran, dass die Partie beim ebenfalls geretteten FC Augsburg zum Freundschaftsspiel verkommt. „Nein, dafür haben beide Mannschaften noch Ziele. Wir zum Beispiel wollen unbedingt vor dem FCA stehen.“

Ziele hat der HSV auch für die kommende Saison. Nicht mehr gegen den Abstieg, dafür aber am besten Richtung Europa soll es gehen. Und dafür wiederum werden Fink und Arnesen in diesem Sommer ihre Urlaube verkürzen müssen. „Ein paar Tage mit der Familie müssen sein“, sagt Fink, „aber natürlich haben Frank und ich eine Menge Arbeit vor uns.“ Zu viel sei liegen geblieben in den vergangenen Wochen, in denen der HSV noch zwischen den Ligen schwankte.

Klar ist indes, dass Adler kommen soll. Und auch die Tatsache, dass sich zwei Kontrolleure gegen den Transfer ausgesprochen haben, widerspricht dem nicht. Im Gegenteil, da die anderen zehn dafür votierten hat Arnesen grünes Licht. Und der Däne ließ zuletzt keine Zweifel daran, dass der ehemalige Nationalkeeper zur neuen Saison in Hamburg aufschlägt. Dafür erscheint es immer unklarer, dass Drobny zum FC Bayern wechselt. Zumindest sind aus München weitere Namen zu hören. Aber was soll’s – wenn der HSV es sich finanziell leisten kann, mit Adler und Drobny – ich hätte nichts dagegen. Mickel als Nummer drei, dann hätten wir einen ganz jungen, einen jungen erfahrenen und einen älteren erfahrenen Torhüter im Kader. Klingt rund, oder?

In diesem Sinne, morgen wird weiter trainiert. Um 15.30 Uhr bittet Fink die Spieler zum lockeren – mehr war das heutige Training wirklich nicht – Aufgallopp an der Imtech-Arena.

Scholle

Ein heißes Wochenende steht bevor – und alle hoffen auf Ruhe

13. Januar 2012

Ernst-Otto Rieckhoff hat gesprochen – und ihr konntet es lesen. Und um die Sonntagsveranstaltung (die Mitgliederversammlung beginnt um 11 Uhr im CCH, Saal 1) hier ausreichend zu behandeln, habe ich mich um die zwei Kandidaten für die Position des Vorstandes für Mitgliederbelange bemüht. Beide sollten die Möglichkeit haben, sich hier unter gleichen Bedingungen präsentieren zu können. Vorher aber, und damit wird hoffentlich meine persönliche Gewichtung der Top-Themen beim HSV klar, geht es weiter um unsere Fußballprofis, die morgen bei Arminia Bielefeld zu ihrem letzten Testspiel vor Rückrundenbeginn antreten. Und das im Übrigen komplett umsonst, soll heißen: der HSV verzichtet auf seine Antrittsgage und spendet diese der Arminia, die sich seit Jahren mit finanziellen Problemen herumschlägt. Eine feine Sache…

„Es ist schade, dass dieser Verein solche Probleme hat“, sagt Heiko Westermann, der bis 2007 als Mannschaftskapitän für Arminia Bielefeld auflief und sich sehr gern an die Zeit zurückerinnert. „Wir hatten immer 20000 und mehr Zuschauer in einem richtigen Fußballstadion auf der Alm. Und wir haben trotz Außenseiterrolle immer schon drei, vier Spieltage vor Schluss die Klasse gesichert.“ Das allerdings klappte nach seinem Weggang nicht mehr. „Dann sind sie abgestiegen – mit Robert Tesche“, scherzt Westermann, der den Test bei seinem Ex-Klub sehr ernst nimmt. „Ich glaube, dass die als Drittligateam eine ordentliche Truppe haben, dass die guten Fußball spielen.“

Immerhin ein Kaliber, das dem HSV helfen kann, letzte Feinjustierungen unter möglichst wettkampfnahen Voraussetzungen vorzunehmen, die vordinglich im Defensivverhalten liegen. Denn heute konnten bei den grausamen Wetterbedingungen (ohne den Wind ginge es ja noch…) keine Standards geübt werden, weil dabei zu viel gestanden würde und die Erkältungsgefahr zu groß wäre. Und zum Glück ist den Spieler bereits bewusst, was sie noch falsch machen. Westermann: „Wir müssen noch besser gestaffelt stehen, um nicht mehr so anfällig bei Kontern zu sein. Und im Sechzehner müssen wir konsequenter beim Mann bleiben. Denn sonst fehlt uns die Absicherung – aber das sollten wir in den nächsten Tagen noch reinbekommen.“

Dabei ist insbesondere das Sprechen miteinander auf dem Platz gefragt. Bis auf Aogo, Westermann und vereinzelt Drobny macht auf dem Platz sonst niemand Ansagen. „Wir müssen uns gegenseitig mehr coachen“, fordert der Kapitän und nennt ein Beispiel: „Wenn ein Außenverteidiger nach vorn geht, muss er abgesichert werden. Meistens vom offensiveren Mittelfeldspieler auf der Seite. Und dafür müssen sie miteinander sprechen. Besser als zuletzt, weil wir ansonsten ein zu hohes Risiko gehen.“

Einfach. Und logisch. Ebenso wie die Rechnung von Klubboss Carl Edgar Jarchow. „Wir brauchen die Punkte gegen die Großen zum Rückrundenbeginn. Und ich bin optimistisch, dass wir es schaffen und dann möglichst schnell in den einstelligen Tabellenbereich klettern. Die Mannschaft wirkt gefestigt und hat eine gute Ausgangslage“, so Jarchow, dem Westermann zumindest beim letzten Satz widersprechen wollte. „Unsere Ausgangslage ist nicht gut – aber wir wollen sie besser machen. Und dafür zählt nichts anderes als ein Sieg gegen Dortmund. Dann dürften wir auch oben noch mal angreifen. Und das ist schwer – aber dabei ist nichts unmöglich.“

Allerdings scheint ausgeschlossen, dass der HSV im Winter noch einen Neuen bekommt. Zumindest würde das nicht der zuletzt so oft beschriebene Basel-Spieler Granit Xhaka sein. Jarchow eindeutig: „Der Spieler ist der Wunschspieler des Trainers, das ist bekannt. Aber sie können sich sicher sein, dass ein Transfer im Januar nicht passieren wird.“ Weniger sicher ist derweil die Zukunft von Mladen Petric. Der Kroate soll im März in Verhandlungen mit dem Verein treten, aber bis dahin werden dem Angreifer etliche Anfragen anderer Klubs vorliegen. So, wie jetzt von FC Sevilla. Die Spanier, die momentan nicht allzu glücklich über die sportliche Rolle Piotr Trochowskis sind, sollen sich bereits bei Petric-Berater Volker Struth, den ich heute Abend leider nicht erreichen konnte, informiert haben. Aber sicher ist, es werden nicht die letzten Interessenten bleiben. Dennoch, bis da etwas konkretes vorliegt, verweisen alle Beteiligten beharrlich auf den März, in dem die ersten Verhandlungsrunden stattfinden sollen. „Wir haben nie Zweifel daran gelassen, ihn halten zu wollen“, sagt Jarchow, „und wir sind in einem guten Austausch. Da dürfte keine unnötige Unruhe entstehen.“

Zumal der Verein in Westermanns Augen diesbezüglich gerade auf einem sehr guten Weg ist. Auch ein Grund, weshalb der Kapitän der Mitgliederversammlung am Sonntag etwas kritischer gegenübersteht. „Ich kann nur sagen, dass neue Grabenkämpfe jetzt nicht helfen. Wir haben ein sehr gutes Klima inner- und außerhalb aller Gremien im Verein und sollten die jetzt angefangene gute Arbeit so auch fortsetzen. Für alle ist es doch das höchste Gut, dass wir wieder nach oben kommen – und das schaffen wir nur mit Ruhe.“

Wahre Worte, an die ich mich hier halten werde und die ich als Alibi dafür nutze, meine Beiträge zur MV am Sonntag so sachlich wie es nur geht zu halten und mir jede Wertung (selbst zu den 18 (!) Anträgen auf Änderung der Satzung) verbiete. Stattdessen wollte ich Euch hier zum einen die TOP-Liste zeigen…

Tagesordnung
1. Eröffnung und Begrüßung der Mitglieder
2. Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung und Beschlussfähigkeit
3. Gedenken an die Verstorbenen
4. Ehrungen
5. Feststellung der Anwesenheit
6. Genehmigung der Protokolle der ordentlichen Mitgliederversammlung vom 09.01.2011 sowie der Informationsversammlung vom 22.05.2011
7. Bericht des Aufsichtsrates (siehe hierzu vorigen Blog) und Aussprache
8. Bericht des Vorstandes und Aussprache
9. Bericht der Organe der Gesellschaften, an denen der Verein beteiligt ist
10. Bericht der Rechnungsprüfer und Aussprache
11. Entlastung des Aufsichtsrates
12. Entlastung des Vorstandes
13. Entlastung der Rechnungsprüfer
14. Berichte der weiteren Organe und Aussprache
15. Weitere Entlastungen
16. Wahl des Vorstandsmitglieds für die Belange der Mitglieder
17. Bericht des Satzungsausschusses
18. Antrag auf Änderung der Satzung durch den Vorstand des Hamburger SV, Anlage 1
19. Antrag auf Änderung der Satzung durch Ingo Thiel, Anlage 2
20. Antrag auf Änderung der Satzung durch Hans-Ulrich Klüver, Anlage 3
21. Antrag auf Änderungen der Satzung durch Dr. Andreas Peters, Anlage 4
22. Antrag auf Änderung der Satzung durch Reimund Slany und Klaus Manal, Anlage 5
23. Antrag auf Änderung der Satzung durch Tobias Lemke, Anlage 6
24. Antrag auf Änderungen der Satzung durch Claus Runge, Anlage 7 – 12
25. Antrag auf Änderung der Satzung durch Horst Becker, Anlage 13
26. Antrag auf Änderung der Satzung durch Jens Gercken, Anlage 14
27. Antrag auf Änderung der Satzung durch den Vorstand HSV Ochsenzoll-Norderstedt e.V., Anlage 15
28. Antrag auf Änderung der Satzung durch Ralf Bednarek, Anlage 16
29. Antrag auf Änderung der Satzung durch Marco Hepe, Anlage 17, a.) + b.) 30. Antrag auf Änderung der Satzung durch Jan Talleur, Anlage 18
31. Antrag auf Änderung der Satzung durch Gabriele Czarnetzki, Anlage 19
32. Antrag auf Änderung der Satzung durch Mike Schwerdtfeger, Anlage 20
33. Antrag durch Dieter Grzesik, Anlage 21, a.) + b.)
34. Antrag durch Marco Hepe, Anlage 22
35. Verschiedenes

…und zum anderen wollte ich Euch die beiden Kandidaten vorstellen, indem ich sowohl dem Amtsinhaber Oliver Scheel als auch dem neuen zweiten Kandidaten Christian „Büdi“ Blunck jeweils vier Fragen stelle. Blunck hat mich erst jetzt (18.16 Uhr) zurückrufen können, daher die späte Veröffentlichung dieses Blogs, den ich der Fairness halber unbedingt mit beiden Kandidaten haben wollte.

Zunächst Oliver Scheel:

Was erwarten Sie von der Mitgliederversammlung, Herr Scheel?
Oliver Scheel: „Ich erwarte wie immer eine hohe Teilnehmerzahl sowie eine lebhafte und faire Mitgliederversammlung wie in den letzten Jahren.“

Es gibt für ihren Posten mit Büdi Blunck einen namhaften Gegenkandidaten.
Scheel: Dass es diesmal neben mir noch einen Bewerber für den Posten des Vorstandes gibt, empfinde ich als gut, weil die Mitglieder so die Wahl haben. Dass ich dennoch unbedingt eine zweite Amtszeit meinen Posten bekleiden würde, ist selbstredend. Ich habe einige Dinge auf den Weg gebracht, die ich noch abschließen möchte. Zudem würde ich mich zu gern um die Feier zum 125-jährigen Jubiläum des HSV am 29. September kümmern.

Sie haben viel auf den Weg gebracht, sagen Sie. Ihre Kritiker sagen, es sei zu wenig bekannt.
Scheel: Ich werde mich jetzt nicht selbst feiern, aber ich kann mit großer Zufriedenheit behaupten, dass wir auf der Anlage Ochsenzoll mit der Errichtung von Kunstrasenplätzen für die Fußballer und die Hockey-Abteilung die Bedingungen deutlich verbessert haben. Ebenso durch die Errichtung des neuen Klubhauses. Die Anlage ist für die Zukunft gerüstet.

Apropos, was sind Ihre Zukunftsvisionen? Welches Projekt wollen Sie unbedingt umsetzen?
Scheel: Wie Sie wissen, liegen mir die Fans, insbesondere die jungen Fans sehr am Herzen. Daher freue ich mich, dass wir aus bislang 1300 Stehplätzen zukünftig 3000 machen wollen, indem wir Block 22c und Nord A dazunehmen. Dadurch entstehen noch mehr Stehplätze zu erschwinglichen Preisen. Die Umsetzung dieses Projektes liegt mir sehr am Herzen.“

Und dann noch Christian „Büdi“ Blunck:

Herr Blunck, was hat Sie zu Ihrer Kandidatur veranlasst?
Christian Blunck: Ich bin seit Jahrzehnten HSV-Fan und habe den Wunsch, hier etwas zu bewegen. Auch, weil ich glaube, dass der HSV auf dieser Position in dem nachvollziehbaren Umbruch auch sportliche Kompetenz braucht. Und die bringe ich mit.

Ihre Kandidatur hat also weniger den Hintergrund, dass Sie mit der Arbeit des bisherigen Vorstandes für Mitgliederbelange, Oliver Scheel, unzufrieden sind?
Blunck: Richtig. Ich trete hier nicht gegen Oliver Scheel an, sondern für den HSV.

Was erwarten Sie vom Sonntag?
Blunck: Eine konstruktive, faire Auseinandersetzung mit möglichst vielen Vereinsmitgliedern. Ich habe Oliver Scheel jetzt einige Male getroffen und muss sagen, dass wir einen sehr angenehmen, fairen Umgang miteinander haben. Wir beide wollen das Beste für den Verein – und das in unterschiedlichen Ausrichtungen. Ich glaube jedenfalls, dass der Vorstand nicht nur für die Fans und Supporters da ist, sondern als Bindeglied zwischen den Mitgliedern zum Vorstand agieren sollte.

Was sind Ihre Anliegen, wo wollen Sie etwas bewegen, etwas verändern, und verbessern?

Blunck: Ein ganz wichtiger Baustein ist der Amateursport. Da gibt es sehr viele Möglichkeiten, im Leistungs- und Jugendsport etwas zu machen, noch mehr herauszuholen.

In diesem Sinne, anbei noch die Kaderliste und voraussichtliche Aufstellung für das Spiel am Sonnabend in Bielefeld, von dem Euch Dieter vor Ort berichten wird. Die voraussichtliche Aufstellung: Drobny – Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo – Ilicevic, Tesche, Rincon, Jansen – Petric, Guerrero. Zudem im Kader: Mickel, Arslan, Jarolim, Kacar, Sala, Mancienne, Rajkovic, Lam, Son. Per Skjelbred laboriert weiter an seiner Schienbeinprellung, die er im Trainingslager nicht ordentlich (oder besser: gar nicht) auskuriert hat.

Bis morgen,

Scholle (18.58 Uhr)

P.S.: Anbei noch ein kleiner Hinweis für Musikliebhaber. Die neue CD „Du wirst uns siegen seh’n“ von Hamburgs Fußball-Band „ABSCHLACH!“ steht ab heute in den Plattenläden! 15 Songs rund um Hamburg und den HSV, in denen unter anderen Steffen Henssler als prominenter Gastsänger mitgewirkt hat. Ich selbst habe die CD noch nicht gehört, aber vielleicht kann mir ja einer von Euch, der sie kennt, davon berichten…

Holt Rijkaard Mathijsen?

25. Juni 2010

WM-Zeit ist Spekulationszeit. Das ist nicht neu. Und lässt sich wahrscheinlich auch nicht ändern. Nun ist zum Glück wenigstens ein Thema endgültig geklärt. Michael Ballack wird in der kommenden Saison nicht für den HSV spielen. Das ist einerseits bedauerlich, weil so ein gestandener Spieler wie die Nummer 13 dem HSV natürlich gut zu Gesicht gestanden hätte. Es ist aber andererseits auch eine Wohltat, dass Bayer Leverkusen die intensiven Hamburger Bemühungen noch einmal getoppt hat. Auch finanziell, wie ich mir sagen ließ. Denn so kann sich der HSV womöglich doch einzig und allein dem Ziel widmen, die nach wie vor stark besetzte Mannschaft punktuell, sinnvoll und zugleich mit Perspektive zu verstärken.

Und ich kann Euch eines versprechen, weil es mir heute von verschiedenen Seiten gezwitschert wurde (nicht getwittert!): Beim HSV wird in dieser Sommerpause noch einiges passieren. Meine Informanten und auch ich rechnen aber nicht damit, dass vorm Ende der WM wirklich viel und Entscheidendes passieren wird. Bis dahin wird noch der eine oder andere Name gehandelt, das war ja auch heute wieder der Fall, und mit Sicherheit ist an einigen auch etwas dran, aber endgültige Verhandlungen und Abschlüsse – vor allem mit WM-Aktiven, die nicht aus Frankreich oder Italien kommen – können ja eh erst nach dem Turnier oder zumindest nach dem Ausscheiden der jeweiligen Nationen erfolgen.

Nach dem heutigen Tag gehe ich übrigens fest davon aus, dass wir alle in der kommenden Spielzeit einen neuen Abwehrboss sehen werden. Dazu haben nicht nur die Gerüchte und Berichte um und über Joris Mathijsen beigetragen, die ja von einigen guten Detektiven unter Euch mit einigen Zusatzinfos unterfüttert wurden, sondern auch entsprechende Bestätigungen aus der Türkei. Ich habe dort mit einem Freund telefoniert (nicht Thomas Doll), der sich bestens im Fußballgeschäft auskennt und mir schon den einen oder anderen Transfer weit vor der offiziellen Bekanntgabe gemeldet hat. Heute war er überrascht, als ich ihn anrief: „Willst du mich fragen, gegen wen wir im Achtelfinale spielen?“, sagte er, dabei hatte ich überhaupt keine Ambitionen dieser gemeinen Art. Als ich ihm dann von den Geschichten rund um den HSV erzählte, dass Galatasaray Istanbul an Joris Mathijsen dran sein könnte, plapperte er plötzlich los wie ein Wasserfall. Er bat um zwei Stunden Zeit und sagte anschließend zu mir: „Unglaublich – Gala ist wirklich an Mathijsen dran.“ Seine Informationen besagen, dass der Kontakt kurz vorm Ende der abgelaufenen Spielzeit bereits intensiv gewesen sein soll. Berichte über eine offizielle Offerte der Türken an den HSV konnte er aber nicht bestätigen, und auch beim HSV habe ich diesbezüglich keine Zustimmung erhalten. Trotzdem haben mir mehrere Insider, auch beim HSV, gesagt, dass Mathijsen bereit sein soll, nach der WM zu wechseln. Und wenn Frank Rijkaard, Trainer bei Galatasaray, ruft – dann würde ein Transfer schon Sinn machen, oder?

Irgendwie passen die Indizien doch alle zusammen. Ich dachte ja anfangs, dass der HSV einen zweiten Manndecker für die Position neben Joris Mathijsen suchen würde. Und war bei einigen gehandelten Namen überrascht, weil das doch eher erste Leute, also Abwehrchefs waren. Nun erklärt sich das von selbst. Ich wage daher mal folgende Prognose (ich weiß, ich lehne mich damit ziemlich weit aus dem Fenster): Bis zum 20. Juli wird der HSV Mathijsen verkaufen. Und in Hamburg wird mal wieder eine neue Abwehr-Ära beginnen müssen. Wenn ich freie Wahl in der Bundesliga hätte, wem ich den Posten in der Innenverteidigung geben sollte, würde ich mich für Mats Hummels entscheiden. Nicht wegen des Vornamens, sondern weil ich seine Entwicklung sehr gut finde und er für mich der Abwehrspieler der Zukunft ist.

Apropos Zukunft. An diesem Wochenende wird es bei den Verantwortlichen des Vorstandes und auch bei einigen Aufsichtsräten bestimmt wieder ein kopfschüttelndes Raunen geben. Grund dafür sind neue Kommentare aus Reihen der Supporters zum geplanten Investitionsprogramm des Milliardärs Kühne, die ja bekanntlich bei einigen Führungskräften für dauerhaftes Unverständnis sorgen. Die Lage ist wirklich angespannt. Die einen verstehen die „Nörgler“ nicht, dass sie das „Geschenk“ eines leidenschaftlichen Fans und potentiellen Gönners kaputtreden wollen. Die anderen verstehen die alten „Ja-Sager“ nicht, dass sie ohne große Nachfrage den millionenschweren Einstieg eines potenten Investors akzeptieren wollen und nicht vor dem Deal alle Einflusschancen und Konsequenzen eines solchen Geldflusses hinterfragen. Na, das werden noch spannende Wochen. Vorstand und Aufsichtsrat täten ebenso wie die Supporters-Führung gut daran, das Thema zeitnah in einer internen Zusammenkunft ein- für allemal aufzuarbeiten, sonst werden unnötige Kräfte vergeudet und Nebenkriegsschauplätze eröffnet, auf die wahrscheinlich die meisten von Euch liebend gern verzichten würden. Ich muss ehrlich gestehen: Ich auch.

So, da ich nicht zu allen Namen, die derzeit durch die Foren und auch durch Eure Kommentare rauschen, Stellung Beziehung kann und will, belasse ich es bei einer Information, die ich von einem der bestinformierten HSVer bekommen habe. Demnach ist derzeit noch gar nichts dingfest mit möglichen Neuen und auch nicht mit möglichen Abgängen. Das heißt für uns: Abwarten und Achtelfinals gucken.

22:50 Uhr

Interview mit Supporters-Chef Bednarek

20. Mai 2010

Es brodelt beim HSV. Noch. Aber in der kommenden Woche soll es schon wieder viel besser aussehen, dann soll endlich wieder Ruhe einkehren. Mit einem neuen Sportchef? Hinter den Kulissen wird fleißig daran gearbeitet. Nicht nur daran, sondern auch an einem neuen Trainer. Und einer neuen Mannschaft – aber es ist gut zu wissen, dass das Chaos nicht für die totale Lähmung sorgt. Übrigens: Mich würde es nicht wundern, wenn der Beiersdorfer-Nachfolger doch noch Nico Hoogma heißen würde. Um ehrlich zu sein: Mich würde es sogar riesig freuen. Der richtige Mann, stark, entschlusskräftig und mit Stallgeruch. Und wenn er nun doch noch käme, so würde das ja heißen, dass der Aufsichtsrat dann doch noch (gelegentlich) über seinen Schatten springen kann. Es gibt ja das Gerücht, dass Horst Becker mit der Installierung von Nico Hoogma vom Posten des Aufsichtsrats-Chefs zurücktreten würde – aber das müsste er in meinen Augen dann nicht mehr. Er und seine Mit-Räte hätten dann doch gezeigt, dass sie durchaus in der Lage sind, die richtigen Lehren aus einer falschen Entscheidung zu ziehen.

Wie gesagt, hinter den Kulissen herrscht eifriges Treiben. Die „Sache Afellay“ ist noch nicht in trockenen Tüchern, soll aber werden. Und wenn ich hier den einen oder anderen „Matz-abber“ höre und lese, so sind als Trainer wieder einmal Bernd Schuster (bitte nicht, da bin ich ganz ehrlich) und Martin Jol in den Kreis derer aufgenommen worden, die den HSV  nach oben bringen sollen. Da es aber außer diesen Gerüchten im Moment nichts Handfestes gibt, halte ich mich nun an dieser Stelle mit weiteren Spekulationen zurück.

Konkretes aber gibt es dennoch. Ich habe mich mit dem Supporters-Chef Ralf Bednarek über die aktuelle Lage bim HSV unterhalten, und das Ergebnis könnt Ihr nun hier lesen:

Matz ab: Ralf, die Situation des HSV ist in diesen Tagen besonders schlimm – war sie jemals schlimmer für Dich?
RALF BEDNAREK: Man muss da immer zwischen dem Sportlichen und dem Vereinspolitischen trennen. Sportlich war es natürlich viel schlimmer, als wir vor Jahren auf einem Abstiegsplatz überwinterten. Vereinspolitisch ist das derzeitige Desaster aber kaum noch zu steigern.

Matz ab: Wie spürst Du das an der Basis, was geht bei den Supporters ab?
BEDNAREK: Es ist noch nicht so wie vor einem Jahr, als Dietmar Beiersdorfer entlassen wurde, aber wir bekommen schon sehr, sehr viele Mails und Anrufe, die teilweise schon äußerst emotional sind, die über den Aufsichtsrat und den Vorstand intensiv meckern, die uns auch auffordern, dass wir eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen sollen. Ich erhalte Mails privat und in meine Kanzlei, ich werde mit Anrufen bombardiert – es kocht alles schon ziemlich hoch.

Matz ab: Stichwort außerordentliche Mitgliederversammlung?
BEDNAREK: Hat die Abteilungsleitung derzeit nicht geplant. Die Frage ist doch die, was wir damit erreichen? Ich glaube, dass die Mitgliedschaft und die Fan-Szene zurzeit total unzufrieden sind, aber das ist dem Vorstand ohnehin schon bewusst. Aber wenn es so weitergeht, dann wird ein Zeitpunkt kommen, an dem eine außerordentliche Mitgliederversammlung nicht mehr zu vermeiden sein wird.

Matz ab: Es gibt aber doch ohnehin Bestrebungen einiger Supporters, diese Mitgliederversammlung zu forcieren, oder?
BEDNAREK: Ja, die gibt es. Die haben sich formiert und zusammengetan, haben eine richtige Initiative gestartet, das läuft schon noch.

Matz ab: Wie ist Deine Meinung zum derzeitigen Vorstand?
BEDNAREK: Mit dem Vorstand haben wir momentan nicht viel zu tun. Der Oliver Scheel ist ein Klasse-Typ, der steht für mich im Vorstand für das schwarz-weiß-blaue Herz im Verein. Und mit Herrn Hoffmann und Frau Kraus gab es den letzten Kontakt beim Europa-League-Finale, das läuft alles in vernünftigen Bahnen ab.

Matz ab: Und Deine Meinung zum Aufsichtsrat?
BEDNAREK: Teils, teils. Bei aller Kritik darf man natürlich nicht übersehen, dass Horst Becker, der nun in die Schusslinie geraten ist, ein HSVer ist und man mit ihm vernünftigen reden kann. Trotzdem muss man gerade an seiner Arbeit heftigste, aber sachliche Kritik äußern. Dieses Hin und Her, das ist schon nicht sonderlich schön. Welcher Verein leistet sich, zwölf Monaten keinen Sportchef zu haben? Wenn es wenigstens am Anfang eine bewusste Entscheidung gewesen wäre, dann könnte man das noch nachvollziehen, aber so wird lange herumgeeiert, und alle zwei Monate gibt es eine neue Marschrichtung – da kann ich kein Konzept und gar nichts erkennen, dann muss sich Horst Becker auch schon mal selbst ganz stark hinterfragen.

Matz ab: Aber gab es nicht das Konzept in der HSV-Führung, dass man „das bisschen Sportchef“ auch quasi nebenbei erledigen könne?
BEDNAREK: Horst Becker und ich stimmen in einer Sache total überein, ich unterstütze das Becker-Zitat: „Das Projekt Hoffmann-Kraus ist gescheitert.“

Matz ab: Das ist mir zu leicht dahergesagt, denn dieses Projekt gab es doch nur mit Unterstützung des Aufsichtsrates. Der hätte das nicht dulden müssen, sondern ganz klar einen neuen Sportchef suchen müssen. Oder liege ich da falsch?
BEDNAREK: Ich will jetzt nicht alte Wunden aufreißen, aber da gibt es im Aufsichtsrat ein Kompetenz-Team von vier Personen, die Wirtschaftsweisen, die herein gewählt worden sind, mehrere verdiente HSVer, die das Vereinsleben kennen – da dachte doch jeder, jetzt geht es bergauf. Da gibt es eine stringente, starke Führung mit jeder Menge Kompetenz, und wenn ich mir dann ansehe, dass nur unser Delegierter Björn Floberg der einzige Mann war, der das Konzept ohne Sportchef abgelehnt hat, dass dieses Konzept aber mit 11:1 Stimmen angenommen wurde, dann müssen sich sicherlich viele Aufsichtsräte die Frage gefallen lassen, ob sie sich wirklich genau informiert haben, ob sie das System HSV wirklich verstehen.

Matz ab: Was läuft Deiner Meinung nach derzeit falsch beim HSV?
BEDNAREK: Ich will noch einmal auf die Strukturen zurückkommen. Als Dietmar Beiersdorfer gegangen ist, da ging er nicht, weil irgendjemand sportlich mit ihm unzufrieden war oder weil die Strukturen nicht vorhanden waren oder sie nicht funktionierten. Er hatte über sieben Jahre sehr gute Arbeit in diesem Vorstand geleistet, eigentlich hätte demnach nur eine neue Person für ihn gefunden werden müssen. Nichts anderes, es ging doch nur darum, einen kompetenten, guten und starken Sportchef und Vorstand zu installieren – mehr nicht.

Matz ab: Aber es war immer zu hören, dass dieser neue Mann gerade nicht stark sein durfte . . .
BEDNAREK: Das kann ich nicht beurteilen, aber jeder im Verein müsste doch glücklich sein, dass da eine kompetente Persönlichkeit sitzt, die eine eigenen Meinung hat, die mit allen Kollegen prima und kooperativ zusammenarbeitet, und die weiß was sie will.

Matz ab: Zurück noch einmal zu den Fehlern. Welche sind Deiner Meinung nach gemacht worden?
BEDNAREK: Da kann man dem aktuellen Vorstand eigentlich keinen großen Vorwurf machen, dass es sportlich so schlecht gelaufen ist, sie konnten es einfach nicht, sie haben sportlich nicht die Erfahrung und die Kompetenz. Deswegen darf man eigentlich gar nicht so böse sein.

Matz ab: Aber im Vorstand wurde ganz sicher gedacht, dass es dort die sportliche Kompetenz gäbe, sonst hätte es dieses Modell ja wohl gar nicht erst gegeben?
BEDNAREK: Das stimmt wohl. Wenn man am Interesse des Vereins orientiert ist, dann hätte man darauf drängen müssen, dass ein Sportchef installiert wird.

Matz ab: Haben die Supporters diesen Punkt nicht einmal angesprochen?
BEDNAREK: Wir haben in dieser Zeit, als beschlossen wurde, keinen Sportchef zu installieren, das war Januar oder Februar, mit dem Aufsichtsrat intensive Gespräche geführt und gewarnt. Dabei war auch Horst Becker, die Frage wurde lebhaft diskutiert – aber wir wurden ausgelacht.

Matz ab: Fehlt Dir nicht auch die sportliche Kompetenz im Aufsichtsrat?
BEDNAREK: Mir fehlt vor allem Herzblut. Ich will da keinem unterstellen, dass er nicht mit dem Herzen bei der Sache ist, aber es macht eben den Unterschied, ob man erst vor zwei, drei Jahren angefangen hat, sich für Fußball zu interessieren, oder ob man schon seit 20, 30 Jahren alle HSV-Spiele begleitet hat, ob man schon seit Jahrzehnten das Bundesliga-Geschäft miterlebt hat und es ganz gut kennt. Wenn man das alles hat, dann ist man tief drin in diesem Thema, man kennt die Mechanismen – und das fehlt diesem Aufsichtsrat ganz offensichtlich.

Matz ab: Aber das wird nicht das einzige Manko des AR sein, oder?
BEDNAREK: Stimmt. Der Aufsichtsrat muss die Frage aufarbeiten, inwiefern der Aufsichtsratsvorsitzende eigentlich eher im Vorstand agiert, oder im eigenen Gremium arbeitet. Im Kernpunkt: Wie klar ist die Trennung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat?

Matz ab: Das ist ein Thema, das ich schon seit über einem Jahr immer wieder gehört habe, aber offensichtlich hat niemand Einspruch erhoben.
BEDNAREK: Ich will ja gar nicht, dass eine schlechte oder missgünstige Stimmung zwischen Aufsichtsratsvorsitzendem und Vorstand herrscht, das ist nicht das Thema, aber es muss doch eine gewisse Form von Distanz vorhanden sein, um eine vernünftige, kollegiale und gute Zusammenarbeit hinzubekommen. Und dieser Eindruck ist bei vielen Mitgliedern entstanden, dass es diese Distanz gar nicht gibt.

Matz ab: Das klingt alles nicht sehr schön. Deswegen meine Frage: Sorgst Du Dich um Deinen HSV?
BEDNAREK: Und ob! Und zwar im erheblichen Umfang. Wir müssen uns mal die Situation vor Augen führen: Wir haben doch jetzt die Phase, wenn es nicht schon zu spät dafür ist, in der die kommende Saison geplant werden muss. Wir stehen aber ohne sportlichen Leiter da, wir wissen nicht, welchen Trainer wir bekommen, der einzige Mann, der sportliche Kompetenz hat, das ist der Urs Siegenthaler, und dessen Vertrag beginnt erst am 1. August – auch wenn er jetzt schon teilweise mitgearbeitet hat. Jetzt aber verbringt er viele Wochen mit der Nationalmannschaft – natürlich mache ich mir Sorgen um den HSV, ganz große sogar. Wie soll es denn weitergehen mit dem HSV? Ich hoffe, dass es gut geht, aber ein bisschen schwarz sehe ich schon.

Matz ab: Kannst Du denn eine Empfehlung geben, damit es nun wieder besser wird?
BEDNAREK: Ja, das kann ich: Der Aufsichtsrat soll aufhören, rumzueiern. Die sollen nun eine vernünftige Lösung im Vorstand finden, die sollen sich dazu bekennen, dass dieses Vorstandsmitglied der Vorgesetzte von Urs Siegenthaler wird. Ich kenne Siegenthaler nicht persönlich, habe aber viele sehr gute Sachen von ihm gehört, ihm vertraue ich, ich denke, dass er eine Menge kann. Aber er wollte nicht in den Vorstand, und deswegen muss er akzeptieren, dass es einen Vorstand in Sachen Sport gibt, mit dem er kollegial zusammenarbeiten muss. Das ist doch das Beste, wenn alle im HSV und für den HSV kollegial zusammenarbeiten.

Matz ab: Ist der Aufsichtsrat mit zwölf Personen zu groß?
BEDNAREK: Nein, nein, man darf nicht die Größe eines Organs mit der Stärke der Führung verwechseln. Wenn eine vernünftige Führung da ist, sind zwölf Aufsichtsräte überhaupt kein Problem.

Matz ab: Aber gibt es nicht zu viele Fußball-Laien in diesem Aufsichtsrat?
BEDNAREK: Das ist ja keine Frage der Größe des Organs, sondern eine Frage der Besetzung. Wenn da zwölf Leute sitzen, die sich mit dem HSV gut auskennen, die sich auch mit dem Profi-Fußball bestens auskennen, dann ist das ein ganz anderes Thema. Dann würde niemand über die Größe reden. Dieser Aufsichtsrat hat Angst, Entscheidungen zu treffen, das ist das Thema. Seit einem Jahr lassen die Herren Horst Becker am langen Arm verhungern, indem sie jede Entscheidung von ihm blockieren. Gleichzeitig aber trauen sie sich nicht, einen anderen Aufsichtsratsvorsitzenden zu wählen. Da muss der Aufsichtsrat dann auch mal klare Entscheidungen treffen, aber stattdessen wird da schon seit einem Jahr nur hin und her geschoben. Wo ist denn da eine klare, ordentliche Linie mit einer starken Führung?

Matz ab: Trauerst Du noch Jürgen Hunke hinterher?
BEDNAREK: Ich trauere ihm schon deswegen nicht hinterher, weil Jürgen Hunke immer ein HSVer bleiben wird. Ich würde mich natürlich grundsätzlich freuen, wenn Jürgen Hunke wieder mehr Einfluss bekommen könnte, denn er hat immer eine klare Meinung gehabt und konnte damit umgehen, dass man dadurch auch hin und wieder einmal aneckt.

Matz ab: Wird es seitens der Supporters im Januar einen neuen Anlauf geben, mit mehreren Leuten in den Aufsichtsrat zu kommen?
BEDNAREK: Das müssen wir sehen. Ich frage mich vielmehr, ob der Aufsichtsrat nicht so konsequent sein sollte, um darüber nachzudenken, den Weg für Neuwahlen frei zu machen. Momentan ist die Stimmung doch so, dass nur ganz wenige Räte noch eine Mehrheit für sich bekommen würden. Da gehört dann vielleicht auch mal der Mut dazu, das auch einzusehen.

Matz ab: Kurzfristig oder erst im Januar?
BEDNAREK: Na ja, kurzfristig wäre wohl das totale Debakel für den HSV, obwohl ich auch denke, dass der eine oder andere Aufsichtsrat derzeit Überlegungen in diese Richtung anstellt.

Matz ab: Hättest Du Dir im Herbst 2009 denken können, dass diese Saison in einem solchen Dilemma endet?
BEDNAREK: Nein, ich bin HSVer, ich gehe immer davon aus, und hoffe es auch, dass alles gut wird. Wir haben aber auch oft genug unsere Bedenken geäußert und wurden dafür abgewatscht. Wir haben intern lange genug auf den fehlenden Sportchef hingewiesen, haben gesagt: „Leute, wacht auf!“ Aber wir wurden nicht ernst genommen – jetzt sagen wir es öffentlich und das ist auch nicht gut.

Matz ab: Was wünscht Du Dir für die Zukunft des HSV?
BEDNAREK: Dass wir wieder vernünftige Strukturen bekommen, dass wir alle wieder zusammenhalten, dass wir alle zusammen anpacken, dass wir alles für den HSV geben. Davon sind wir leider momentan weit weg, aber ich wünsche mir, dass daran alle wieder arbeiten – zum Wohle des HSV.

17.48 Uhr

Gegen Mainz ohne Panzerechse

16. April 2010

Vielen Dank erst einmal für die vielen Genesungswünsche. Frau M. und ich haben uns bei einigen Formulierungen köstlich amüsiert, und meinem Kollegen Christian Pletz habe ich kurzerhand den Spitznamen „Seuchenvogel“ verpasst – aber nur aus Spaß. Er war heute für mich beim Abschlusstraining und hat sich nach den Turbulenzen der vergangenen Tage (Boateng, Petric usw.) mal ganz und ausschließlich auf Hinweise für das morgige Heimspiel gegen Mainz 05 gestürzt. Klar, dass dabei auch wieder eine kleine Negativnachricht mitgebracht wurde. Wir müssen auf den Einsatz des „Eichhörnchens“ verzichten. Diesmal wäre der Spitzname „Panzerechse“ wohl passender gewesen, denn Jonathan Pitroipa wurde wegen seines Rippenanbruchs ja ein Brustpanzer verpasst. Doch trotz der Schutzvorrichtung kam „Pit“ nicht schmerzfrei durch die Einheit. Erst probte er unauffällig (und mit neuer Kurzhaarfrisur) im Kreise der Kollegen, dann legte er eine Belastungseinheit mit Schmerztest gemeinsam mit Techniktrainer Ricardo Moniz hin. Ergebnis: Kopfschütteln aller Beteiligten. Bruno Labbadia sagte: „Das wird leider nichts für morgen!“

Nun gut, die Anfangself steht auch ohne Pitroipa. Vor Torwart Frank Rost werden Guy Demel, Jerome Boateng, Joris Mathijsen und Dennis Aogo als Viererkette fungieren, davor spielen die „Sechser“ Zé Roberto und David Jarolim sowie „T&T“ auf den Außenpositionen: Robert Tesche (rechts) und Piotr Trochowski (links). Im Angriff fällt die Wahl mangels Alternativen leicht: Ruud van Nistelrooy und Marcus Berg sind gesetzt.

Ich habe mich extra nach den letzten Eindrücken erkundigt. Demnach sollen Demels Flanken von rechts alles andere als verheißungsvoll gewesen sein, gleiches gilt für Trochowskis Freistöße von links. Einige Eckbälle von Aogo sollen noch am gefährlichsten gewesen sein, wobei es muntere und inhaltsstarke Diskussionen mehrerer Stamm- und Führungsspieler gab, was die richtige Positionierung im Strafraum betrifft. Endlich einmal, so ist es mir spontan in den Kopf geschossen, endlich geht es wieder mal um fußballerische Inhalte. Ich sehe es, wie im letzten Beitrag ja auch schon deutlich gemacht, nämlich wie viele von Euch: Die sogenannten Nebenkriegsschauplätze dürfen jetzt in dieser Saisonphase einfach keine Rolle mehr spielen, damit ginge nur wertvolle Energie verloren.

Wer weiß: Vielleicht gibt es gegen Mainz ja sogar eine Überraschungseinwechslung eines zuletzt nicht mehr oft im Training gesehenen Talents: Offensivallrounder Maximilian Beister arbeitete heute Nachmittag jedenfalls fleißig mit (wie auch Sören Bertram). Da könnte ein Einsatz von der Ersatzbank aus winken.

Ich möchte dem HSV übrigens einen kleinen Servicetipp geben: Am Eingang des Trainingsplatzzuschauerbereichs sollte der Klub eine Sammlung aller Porträts inklusive Namen und Rückennummern anbringen (zur nächsten Saison). Gerade jetzt, da viele Urlauber und Tagesausflügler (aus Schleswig-Holstein) anreisen und sich die Entwicklung ihres Vereins anschauen oder Autogramme haben wollen, würde sich das lohnen. Dann brauchen sich Experten und Dauerzuschauer, also die sogenannten Kiebitze, auch nicht darüber aufzuregen, dass es so viele Verwechslungen gibt. Auszüge aus Gesprächen von heute: Zuschauer zum anderen: „Wie heißt der lange Pole da noch mal, der Innenverteidiger spielt?“ Der andere: „David Rozehnal, ist aber ein Tscheche!“ Und auf der gegenüberliegenden Seite behauptet ein Fan: „Der da, der mit der Mütze, der gerade die vielen Autogramme schreibt, das ist ein richtig netter: Marcell Jansen.“ Pech nur, dass Jansen Krafttraining in der Nähe der Umkleiden machte und gar nicht vom Platz gehen konnte. Der wirklich fleißige Schreiber hieß Berg. Da könnte doch Abhilfe geschaffen werden, oder? Habt Ihr andere Vorschläge?

Ich bin übrigens hin- und hergerissen, was meine Prognose für das Duell gegen den FSV betrifft. Einerseits ist der HSV trotz aller Personalmiseren nach wie vor so hochkarätig besetzt, dass Labbadias Mannschaft die Mainzer eigentlich souverän dominieren müsste. Andererseits gibt es aber auch im Kader der Gäste, die übrigens per Zug nach Hamburg gereist sind, ein paar Profis, die jeder Bundesligamannschaft erhebliche Probleme bereiten können. Ich denke da vornehmlich an Aristide Bancé, den Boateng möglichst schon zu Beginn zeigen muss, wer Herr im Haus ist, denn dann kann dem technisch mitunter begnadeten Angreifer schnell die Lust vergehen.

Ganz wichtig wird sein, dass der HSV von Anfang an so druckvoll agiert, dass der Funke vom Rasen auf die Ränge springt. Ich bin mir trotz einiger Differenzen bei den letzten Heimspielen sicher, dass die Anhänger beim offensichtlichen Bemühen ihres Teams auch die notwendige Geduld aufbringen werden, um ein möglicherweise lange torloses Spiel zu ertragen. Ein fußballerisches Festival erwarte ich nämlich nicht gerade.

Ein paar Kleinigkeiten noch für den heutigen Tag. Erstens hat Eljero Elia eine gesteigerte Laufeinheit auf dem Rasen absolviert, die manchen Zuschauer beeindruckt hat und Hoffnungen schürt, dass der Niederländer kurz vorm Saisonende vielleicht doch noch einmal ins Mannschaftstraining und auch in den Kader zurückkehren wird.

Und außerdem möchte ich heute vielen, vielen Fans mein Beileid ausdrücken, die sich vergeblich um eine Eintrittskarte für das Europa-League-Halbfinalrückspiel in Fulham bemüht haben. Ich habe von so vielen Fans gehört, die zum Teil sogar Flüge nach London sicher haben, die aber heute Morgen um 10 Uhr bei der Onlinevergabe der knapp 1200 Tickets in die Röhre geguckt haben. Ich gehe fest davon aus, dass es in London eine HSV-Party mit mindestens 5000 Anhängern geben wird – wenn auch nur mit einem Bruchteil davon im Stadion.

Und noch etwas zum Thema Fans, das mich vom Supporter-Mann Ralf Bednarek erreicht hat. Die „Operation Rathausmarkt“ zum Lüttich-Spiel mit den Aufkleber und Buttons war ein so großer Erfolg, dass sie verlängert und erweitert wird. Für die Spiele gegen Mainz und Fulham werden 40.000 Aufkleber im Stadion (Nordtribüne) verteilt. Vor beiden Spielen werden in der SC-Botschaft T-Shirts mit dem aufgedruckten Logo zur Aktion für 5 Euro (entspricht dem Einkaufspreis!) zu kaufen sein.

Na, das macht doch Appetit.

Und zum Schluss noch schnell eine Info in eigener Sache: Das Gewinnspiel, das aus technischen Gründen leider noch immer auf dieser Seite zum Mainz-Spiel steht, ist natürlich schon beendet. Die Gewinner wurden benachrichtigt, und ab Montag wird es neue Fragen geben.

19:08 Uhr

Um die Ohren

2. September 2009

So, nun habe auch ich mein Fett weg. Und das ist auch gut so. Allen meinen Kritikern aber kann ich nur entgegnen: Ich kann mit allen Antworten leben, mit mir ist auch kein Gaul durchgegangen, mir wird (oder wurde) kein Informations-Hahn zugedreht, denn den gibt es doch gar nicht. Sonst hätte ich doch von der Ablösesumme, die für Ze Roberto gezahlt wurde, erfahren. Oder? Deswegen ist für mich auch alles bestens. Und ich danke vor allen den zahlreichen „Profis“, die mir geschrieben haben – weil sie es mussten? Allen, auch denjenigen, die sich um den Wahrheitsgehalt meiner Geschichtchen Sorgen machen – ob nun für oder gegen mich – , möchte ich beruhigen: Ich habe die Wahrheit geschrieben, so wie ich sie immer schreibe. Und ich kann alles das, was ich geschrieben habe, auch schwarz auf weiß belegen. Aber ich hoffe, dass es soweit nicht erst kommen muss.

Offenbar aber gibt es einige Menschen, die bei „Matz ab“ lieber alles und noch viel mehr über die heile Fußballwelt erfahren würden, statt einer so kritischen Geschichte. Keine Sorge, ich drifte nicht ab nach unten, Fußball wird auch weiterhin die Nummer eins bei „Matz ab“ sein. Und denjenigen, die mich nun zu den Hoffmann-Feinden zählen, kann ich nur entgegnen, dass ich Herrn Bernd Hoffmann doch auch oft genug und hoch genug (sogar in dem so kritisierten Artikel) gelobt habe. Ernst gemeint übrigens. Aber: Wenn ich zum Beispiel einen Fehler begehe, werde ich doch auch getadelt. Von Euch (wie jetzt!), von meinen Chefs, sogar von meinen Freunden. Und: Wenn es denn beim Bundesliga-Tabellenführer HSV auch den einen oder anderen Fehler gibt, die ganz offensichtlich gemacht wurden, dann werden die Verantwortlichen auch getadelt. So funktioniert das schon seit vielen, viele Jahrzehnten, das habe nicht ich erst jetzt erfunden. Wie gesagt, alles das, was ich behauptet und geschrieben habe, ist belegbar, und damit möchte ich es jetzt (erst einmal) bewenden lassen.

Vorausgesetzt, Ihr und auch die „Herren Profis“ erlauben es. Ich hatte doch auch gesagt, dass sich besser die Männer im HSV, die dafür gewählt wurden und eigentlich auch zuständig sind, darum kümmern sollten. Und nur am Rande bemerkt: Woher einige ganz schlaue und irgendwie auch hellseherische User wissen, dass es sich bei der Agentur H. und Partner GmbH und Co KG um eine absolut unseriöse und noch so schlimme Firma handeln soll, ist mir schleierhaft, wirklich absolut schleierhaft. Doch auch das habe ich an dieser Stelle ja schon einige Male gelobt, wie sehr einige von Euch doch in dieser Fußball-Materie stecken. Oft hat es sogar den Anschein, als wüssten einige wesentlich mehr, als alle anderen Hamburger Zeitungen zusammen, und damit ist nicht nur mein Abendblatt gemeint.

Um noch einmal auf den vergangenen Sonntag und dem Köln-Spiel zurück zu kommen: Da stand ich vor den HSV-Fans (über der Raute) und stellte mich den Fragen des „Volksparketts“. Eine großartige Idee, so etwas auf die Beine zu stellen, ich war von der Professionalität überrascht. Was ich aber hauptsächlich sagen wollte: Der Vater von „Jojo“ Liebnau stellte mir eine sehr unbequeme Frage, die ich ihm wahrheitsgemäß vor versammelter Mannschaft beantwortet habe. Anschließen bin ich noch einmal zu ihm hin, um ihn davon zu überzeugen, dass es auch tatsächlich die Wahrheit ist. Ich glaube, dass ich ihn davon überzeugen konnte. Um noch einmal kurz abzuschweifen: Auch der netten Dame, die mich nach einer eventuellen St.-Pauli-Mitgliedschaft gefragt hatte, habe ich wahrheitsgemäß geantwortet: „Natürlich nicht.“

So, und nun noch einen ganz kleinen Abstecher zum Fußball: Mit Erstaunen habe ich bei den Kollegen der Bild gelesen, dass der Vater von Eric-Maxim Choupo-Moting folgendes über den Wechsel seines Sohnes zum 1. FC Nürnberg gesagt hat: „Wir spüren beim Club die nötige Rückendeckung und Respekt.“

Das ist schon harter Tobak. Und für mich nicht nachvollziehbar. Rückendeckung und Respekt? Was hatte der Spieler Choupo-Moting denn bisher geleistet? Er konnte gar nichts leisten, weil er meistens verletzt war. Diese Saison ist noch so jung, er hätte sich natürlich ganz hinten anstellen müssen. Da aber von Rückendeckung und Respekt zu reden, ist schon eigenartig. Richtig aber ist, was sein Vater auch noch gesagt hat: „Eric-Maxim braucht jetzt Spielpraxis.“ Da bin ich ganz bei ihm. Die Frage aber für mich ist, ob er sie beim Club erhält? Abwarten. Die Saison wird es zeigen, ob der Stern eines großen Hamburger Talentes tatsächlich noch einmal aufgehen wird, jetzt kann und darf es ja eigentlich keine Ausrede mehr geben – außer einer erneuten Verletzung, was dem Spieler aber natürlich nicht zu wünschen ist.